Stadtverdichtung

14. August 2017

Ich schreibe diese Sätze über das geplante „langgestreckte“ Bauvorhaben auf dem ehemaligen Parkplatz der Gärtnerei Dust an der Lingener Kiesbergstraße. Dazu meinte FDP-Mann Jens Beeck vergangene Woche, jetzt entstehe dort „genau das, was wir wollen“ und – gleich noch eins drauf – „Wenn wir an innerörtlichen Erschließungsstraßen nicht bauen dürfen – wo dann noch?“

Nein, Jens Beeck, das haben „wir“ gerade nicht gewollt. „Wir“ haben uns allerdings durch ein weiteres Kuckucksei des früheren Stadtbaurats Georg Lisiecki (Oldenburg) täuschen lassen, das er da unserem Städtchen hinterlassen hat. Er hat nämlich einen Bebauungsplan konzipiert, der einen groben architektonischen Missgriffe ermöglicht, also kurz gesagt architektonischen Mist. Man reibt sich die Augen, dass dies dann vom Ratskollegen JB flugs unter Stadtverdichtung bejubelt wird, die man doch unterstützen wolle.

Pädagogisch-künsterlischer Einschub für „Ist-mir-doch-egal“-Leser/innen:
Schlechte Architektur wird nicht dadurch weniger schlecht oder gar gute Architektur, dass man ein „Geschmäcker sind eben verschieden“ ruft.

Dabei führt die Kritik an der Ausführungsplanung keineswegs zum Abrücken von der notwendigen Nachverdichtung, wie der kommentierende LT-Redakteur Thomas Pertz meint. Es geht vielmehr um Stadtgestaltung, genauer um Maßstäblichkeit, die das Bauvorhaben vermissen lässt. 50m lang und dreigeschossig – ein Hausblock zum Wegschauen oder „Was-ist-das-denn-Rufen“, ein modernes Wohnregal eben. Das Gebäude soll nämlich so aussehen:

 

Als Anfang 2013 der für die Umwandlung des ehemaligen Gärtnerei in eine Wohnsiedlung notwendige Bebauungsplan Nr. 102 – Teil VI „Neuer Wall Ost“ beschlossen wurde, präsentierte besagter Stadtbaurat diese sehr moderne Entwurfsskizze, die faktisch das Bauwerk in zwei Blöcke teilt.

Man erkennt zwanglos die beiden, etwas futuristisch im dritten Geschoss miteinander verbundenen Baukörper. Davon ist jetzt nichts geblieben.- Es entsteht an der Kiesbergstraße nur ein langer Jammer – mit Kleinstwohnungen, so ein Scheidungsbunker für Getrenntlebende. Dieser hat darüber hinaus nicht einmal eine Tiefgarage, weshalb viele unbebaute Quadratmeter auch noch für Parkplätze gepflastert werden. Seinerzeit waren nämlich Tiefgaragen (mit etwas mehr als 300 €/Quadratmeter Wohnfläche nicht unbezahlbar) noch nicht in die Köpfe der Ratsmehrheit und des Oldenburgers vorgedrungen. Erst jetzt kommt es langsam zu einem notwendigen Bewusstseinswandel.

Die fehlende Maßstäblichkeit und die fehlenden Parkflächen unterhalb des Neubaus sind greifbare Fehler, die über den Bereich hinaus ganz allgemein die begonnene Neuausrichtung hin zur Nachverdichtung belasten. Denn wer will schon so nachverdichtet leben oder anders: „Unser“ Ziel war, dass die Neuplanung „sensibel auf die angrenzenden Strukturen reagiert und eine nachhaltige Stadtentwicklung gewährleistet„. Jede/r kann sehen, dass der technische Teil des beschlossenen Bebauungsplans, Baurat Georg Lisiecki wegen, diesem Ziel völlig widerspricht. 

 

Nachtrag:
Der Neubau erfüllt übrigens, wie Sie sehen, nicht die tünchende Bestimmung des Bebauungsplanes, das dritte Geschoss farblich abzusetzen. Aber der Investor wird noch einen Eimer Farbe für das dritte Obergeschoss zwecks „besserer horizontaler Gliederung“ (so die Bebauungsplanbegründung) finden… Aber Achtung: Trinkwasserschutzgebiet Zone II, also keine fungizidhaltige Farbe bitte!. 

 

gut vorbeifahren können

14. Juli 2017

Vorgestern versuchte Lingens OB Dieter Krone in der Lokalpresse  die eigene Politik zulasten des ohnehin schon schwächelnden Stadtzentrums, als richtigen politischen Schritt zu verkaufen. O-Ton: „Wir müssen den Einzelhandel neu aufstellen und die einzelhandelsrelevanten Umsätze steigern“. Erste Schritte sieht, so der zögernd-skeptische LT-Mann Wilfried Roggendorf, Krone in der „Eröffnung von Rossmann“ an der Meppener Straße im November und dem geplanten Bau eines DM-Marktes bei BvL an der Lindenstraße. „Wir haben viele Einpendler, und die kaufen da ein, wo sie gut vorbeifahren können“, sagte Krone. In diesem Bereich herrsche in Lingen Nachholbedarf.

Nun ist es schon für das Lingener Zentrum nicht zuträglich, dass lokale Dienstleister an der Peripherie ihre Firmen ansiedeln und dabei mit Hunderttausenden Euro an städtischen (Grundstücks-)Subventionen belohnt werden. Jetzt aber ganz offiziell Stadtentwicklung gegen das Stadtzentrum für Leute zu propagieren, die da einkaufen, wo sie „gut vorbeifahren“ können, führt in die falsche Richtung. Wie kann Krone eine Rossmann-Filiale im Ortsteil Altenlingen an der Oberhofstraße (nicht „Meppener Straße“, Herr Krone) oder auch jenseits des Stadtzentrums das BvL-Fachmarktzentrum (mit mehr als einem DM-Markt, Herr Krone)  als richtige Entwicklung sehen?

Beide Beispiele Krones gehen klar zulasten der Innenstadt, was er nicht versteht oder ihm offenbar nicht so wichtig ist wie Parkplätze für gut vorbeifahrende Pendler. Dabei bringen sie keine Qualität sondern Masse. Vermeidet der OB etwa deshalb eine kritische Prüfung dieser Vorhaben und generell seiner Lingener Einzelhandelspolitik durch ein neues Einzelhandelsgutachten und pickt für seine Einzelhandelspolitik aus überholten, 11 Jahre alten Gutachten bei Bedarf ein paar Argumentationsrosinen?

Dabei bestätigt Krone gleichzeitig – quasi im guten Vorbeifahren – die Warnungen von Fachleuten wie etwa Investor Hermann Klaas. Der hatte Anfang des Jahres darauf hingewiesen, wie sehr der lokale Innenstadthandel seit wenigen Jahren deftige Rückschläge zu verkraften hat, hatte daher Krone für seine BvL-Pläne heftig kritisiert und deshalb seine eigenen Pläne aufgegeben, den Sparkassenkomplex am Markt zu revitalisieren. Dieses Vorhaben sei für ihn nicht mehr verantwortbar. Nun gibt Krone dem Kritiker Klaas in seinem Pressegespräch recht: Der Umsatz des Lingener Einzelhandels stagniere seit 2010 bei etwa 334 Millionen Euro. Wenn jetzt die Stadt außerhalb des Zentrums neue Ladenflächen schafft, dann tut dies der Innenstadt nicht gut. Übrigens: Seit 2010 ist Krone OB und trägt daher Verantwortung für diese Entwicklung, die er bisher immer weggejubelt hat. Zum Vergleich der Zahlen: Von 2010 bis 2016 sind die Durchschnittslöhne in Deutschland um knapp ein Fünftel gestiegen.

Die Folge der Einzelhandelskrise ist sichtbar: Herrenmode beispielsweise existiert in unserem Städtchen fast nicht mehr. Das wird sich sicher nicht wesentlich verbessern, wenn bald ein Modehaus aus Friesoythe eine Filiale im ehem. Löning an der Burgstraße eröffnet.

Zulasten des Zentrums subventioniert die Stadt derweil das geplante BvL-Fachmarktzentrum mit mehr als 1 Mio Euro aus kommunalem Vermögen; sie überlässt nämlich dem Investor städtische Grundstücke zu einem Bruchteil des Marktwerts. Man darf gespannt sein, ob eine solche, zudem versteckte Subvention vor den Gerichten Bestand hat.

Die Millionensumme sollte man besser im Stadtzentrum investieren. Doch OB Krone fährt lieber an planvoller und nachhaltiger Stadtentwicklung vorbei.

 

Tag der Architektur

24. Juni 2017

Der letzte Sonntag im Juni ist jedes Jahr Tag der Architektur. In ganz Niedersachsen (und bundesweit) sind an diesem Tag interessante neuere Gebäude und Anlagen geöffnet. Die Architekten führen hindurch, erklären ihre Baukunst, stellen sich den Fragen und Meinungen der Besucher. 2017 steht der „ag der Architektur unter dem Motto „Architektur schafft Lebensqualität“ und will dazu beitragen, Architektur als gebaute Umwelt, als Kunst für den alltäglichen Gebrauch im öffentlichen Bewusstsein zu verankern.
Im Rahmen des Tages der Architektur bietet in Lingen (Ems) das Architekturbüro „Reindersarchitekten“ aus Osnabrück am 25. Juni Führungen durch die Zweifeld-Turnhalle der Matthias-Claudius-Schule an. Interessierte treffen sich dafür um 11, 12 oder 13 Uhr am Haupteingang der Turnhalle in der Birkenallee 21 in Lingen (Ems).
2013 hatte die Schule die Zweifeld-Turnhalle nach einem Jahr Bauzeit in Betrieb genommen. Sie kostete rund 3 Millionen Euro. Neben der Schule nutzen auch der Hort der Trinitatis-Kirchengemeinde sowie verschiedene Sportvereine das Gebäude. Die Matthias-Claudius-Turnhalle wurde nach neuestem energetischem Standard in Anlehnung an den Passiv-Haus-Standard errichtet und im Hinblick auf das Thema Inklusion zudem barrierefrei gebaut. Großflächige Verglasungen sowie farbig abgesetzte Wandflächen im Außen- und Innenraum tragen zum positiven Erscheinungsbild der Halle bei.
Reinders Architekten haben übrigens gerade den Architekturwettbewerb zur Erweiterung des Lingener Emslandmuseums gewonnen.
In der Region an Ems und Vechte präsentieren am Sonntag außerdem Nordhorn, Salzbergen, Meppen, Bersenbrück und Leer moderne Architektur. Mir persönlich gefällt besonders dieses Supermarkt-Projekt in Oldenburg, das vor eineinhalb Jahren Entwurfsverfasser Lars Frerichs („neun grad architektur“) im Rahmen der Lingener Architekturreihe „Lingen & Technik“ vorstellte (mehr…).
Im angrenzenden NRW werden am Tag der Architektur u.a. Projekte in Hörstel, Recke, Rheine und Steinfurt vorgestellt. Mehr
Weitere Informationen sind unter www.tag-der-architektur.de erhältlich.
(Foto: © Stadt Lingen)

Denkmal3D

1. Juni 2017

Denkmal3D bietet Einblicke in die archäologischen Ausgrabungen in
Lingen-Laxten

Heute, 1. Juni 2017 – um 16 und 17 Uhran der B 214 gegenüber der Hedonklinik

Deutliche Einschnitte durchziehen die Landschaft und überdimensionale „Maulwurfshügel“ sind auf dem Laxtener Esch seit April dieses Jahres entstanden. Die gut von der Bundesstraße 214 zu sehenden Erdhaufen sind das Werk von Archäologen, das bereits großes Interesse in der Bevölkerung ausgelöst hat. „Zahlreiche Bürger haben sich erkundigt, was konkret gefunden wurde und wie sie mehr darüber erfahren können“, sagt Hubert Ungrun, Fachdienstleiter Liegenschaften der Stadt Lingen. Warum der innerhalb der Stadtverwaltung eigentlich zuständige Kulturbereich oder jedenfalls der Denkmalschutz sich nicht einbringen, konnte ich nicht in Erfahrung bringen.

Mit zwei Führungen über das Grabungsareal bietet die Stadt heute um 16 und um 17 Uhr allen Interessierten die Möglichkeit, sich über die Vergangenheit dieses Areals und die archäologischen Arbeiten zu informieren. Inzwischen sind zahlreiche Funde entdeckt, so dass einem Puzzle gleich langsam ein Bild des Siedlungswesens vor Tausenden von Jahren in diesem Bereich entstehen.

Worauf muss vor und bei den Ausgrabungen geachtet werden? Wieso muss der Baggerfahrer ein besonders sensibles Händchen haben? Und wie funktioniert die Dokumentation für die Nachwelt? Antworten auf diese und weitere Fragen rund um die technische Seite wird Daniela Behrens von denkmal3D bei der Besichtigung geben. „Im Gegensatz zu den großen Erdhaufen sind viele Anforderungen und Arbeiten für den Laien ohne Weiteres gar nicht erkennbar“, verdeutlicht die Grabungstechnikerin und verspricht aufschlussreiche Einblicke in ihr vielschichtiges Aufgabenspektrum.
Treffpunkt ist am Bauwagen vor Ort. Die Teilnahme ist kostenfrei, eine vorherige Anmeldung ist nicht erforderlich. 

Heute findet bundesweit zum dritten Mal der Tag der Städtebauförderung statt. In Weser-Ems fällt er größtenteils leider aus (s. Kartenausriss links); denn nur Wilhelmshaven, Oldenburg und -man höre, staune und freue sich- Bad Bentheim sind engagiert. 2017 beteiligen sich bundesweit rund 450 Städte und Gemeinden mit über 600 Veranstaltungen. Neben Projektbesichtigungen, Ausstellungen und Führungen gibt es Baustellenrundgänge, Fußballturniere, Stadtspaziergänge und Gartenbauworkshops. Die Bürger sind eingeladen, sich über Projekte, Strategien und Ziele der Förderung zu informieren. Zugleich bietet die Veranstaltung den Kommunen die Möglichkeit, eigene Konzepte und Erfolge vorzustellen und somit auch die Bürgerbeteiligung zu stärken.

Die Städtebauförderung ist ein Gemeinschaftsprojekt von Bund, Ländern und Kommunen. Sie hilft dabei nachhaltige, städtebaulichen Strukturen zu schaffen, soziale Missstände zu beheben. Zur Verwirklichung der Förderziele hat der Bund im Laufe der vergangenen 45 Jahre mehrere Programme geschaffen: darunter „Soziale Stadt“ mit rund 780 Maßnahmen in 441 Städten und Gemeinden und einem Budget von 124 Mio. Euro im Jahr 2016 (2014 und 2015 waren es je 150 Mio. Euro) oder „Stadtumbau Ost“ rund 1100 Stadtumbaugebieten und je ca. 105 Mio. Euro für die Jahre 2014 und 2015. Für das Jahr 2017 sind im Bundeshaushalt für alle Förderprogramme insgesamt 790 Mio. Euro vorgesehen. Das ist nicht viel, kann aber manches bewirken. In Lingen natürlich nichts, weil man sich nicht um zukunftsorientierter Stadtentwicklung kümmert.

Anders in Bad Bentheim: Dort arbeitet die Stadt noch bis Ende September an der Fortschreibung ihres Stadtentwicklungskonzeptes aus dem Jahre 2008. Das bildete die Grundlage und war Voraussetzung für die Aufnahme in die Städtebauförderung. Nunmehr werden erneut Leitlinien für „Bad Bentheim 2035“ entwickelt. Im Mittelpunkt der ersten von insgesamt vier sonnabendlichen Veranstaltungen steht die städtebauliche Entwicklung der Stadt mit besonderem Augenmerk auf das derzeitige mit der Städtebauförderung belegte Sanierungsgebiet. In der Zukunftswerkstatt werden die Schwerpunkte zur Ausschöpfung des avisierten aber noch nicht verausgabten Budgets ebenso diskutiert wie diejenigen für eine spätere mögliche Ausweitung des Gesamtkostenrahmens. Daneben wird das Programm „Zukunft Stadtgrün“ vorgestellt mit Ideen für den dafür vorgesehenen Schlosspark sowie die nördlich angrenzenden Bereiche des barocken Forstparks.

Sie merken angesichts dessen, weshalb Lingen sich nicht beteiligt. Bei uns gibt es kein Stadtentwicklungskonzept, das man weiterentwickeln könnte. Statt dessen überlässt der Oberbürgermeister Investoren die Stadtentwicklung und kümmert sich lieber um fair gehandelten Kaffee…

Nachtrag: Allerdings gab es heute in der Lokalpresse -wohl eher zufällig- einen Leserbrief von einem Fachmann, der als lokaler Lingener  Beitrag zum Tag der Städtebauförderung sein könnte. Lest selbst:

 

 

„Lingen & Wohnen“

2. Mai 2017

Stefan Forster
Architekturreihe: „Lingen & Wohnen“
Lingen (Ems) – Kaiserstraße 10 b (IT/EL)
Do 4. Mai 19.00 Uhr
kein Eintritt
Im Rahmen der Architekturreihe „Lingen & Wohnen“ kommt Stefan Forster vom gleichnamigen Architekturbüro in Frankfurt am Main am Donnerstag, den 4. Mai, in das IT-Zentrum nach Lingen (Ems). Sein Werkvortrag trägt den Titel „Architektur für den Lebensraum Stadt“.
Stefan Forster gehört zu den profiliertesten Wohnungsbauarchitekten in Deutschland. Im Zentrum der Bürotätigkeit steht die Frage nach der Fortentwicklung urbaner Lebensräume und der Einbindung von einzelnen Architekturen in den städtischen Kontext. In seinem Werkbericht präsentiert Stefan Forster Projekte aus den Bereichen Stadtumbau, Konversion, Nachverdichtung und definiert Qualitätsanforderungen an den heutigen Wohnungsbau in Zeiten von Wohnungsmangel, demographischem Wandel und dem Bedürfnis nach lebensfähigen Stadträumen.
Mit der Reihe „Lingen & Wohnen“ will die Stadt Lingen renommierten Architekten, Gestaltern und Kulturschaffenden die Möglichkeit geben, in ungezwungener Atmosphäre ihre Projekte zu präsentieren – mit geselligem Ausklang bei Wein, Brot und Käse. Im Jahr 2017 liegt der Schwerpunkt dabei auf den Themen Wohnen und Wohnungsbau. Neben Stefan Forster und Prof. Jörg Probst konnte die Stadt Lingen dafür weitere renommierte Referenten gewinnen.
„Wir möchten Lust auf Architektur und Baukultur machen“, erläutert Stadtbaurat Lothar Schreinemacher die Idee zu der Reihe. Der Austausch stehe dabei im Mittelpunkt. „Ich wünsche mir, dass die Architekten und Bauschaffenden einmal abseits von konkreten Projekten miteinander ins Gespräch kommen“, so der Stadtbaurat. Angesprochen sind neben diesen Berufsgruppen vor allem alle Kultur- und Architekturinteressierte in der Region. Mehr…
(Quelle)

„Klein-Ochtrup“

29. März 2017

Da erhielt ich, rechtzeitig zur heutigen Sitzung des zuständigen kommunalen Planungs- und Bauausschusses, der nach nur kurzer Debatte die modifizierte BvL-Planung per Grundsatzbeschluss abgesegnet hat (BN enthielt sich, Grüne dagegen, CDU/SPD dafür), diese Zuschrift:

Zur Sache: So gerne ich Edeka mag und in Lingen vermisse, ich halte das ‚Klein-Ochtrup‚ am BvL-Kreisel für eine Fehlentwicklung. Mittelfristig wird es ein wichtiges Geschäft aus der Innenstadt ersetzen und/oder abwerben, so wie Joachim das schon mal prognostiziert hat.
Die Idee mit den Wohnungen ist charmant, kann aber nicht alles andere ausgleichen.“

So ist es. Dasselbe gilt für den Erhalt des Winkel-Bunkers, der natürlich als Mahn- und Denkmal wichtig für unsere Stadt ist und der als Baudenkmal in jedem Fall stehen bleibt, auch wenn man „Klein-Ochtrup“ nicht zulässt. Und für die Frage, ob man die benötigten 5000 qm städtischer Flächen nicht nach Verkehrswert bezahlen lässt, sondern zum Buchwert veräußert, also fast verschenkt.

Aktuell zieht bereits das Gerücht die Runde, dass als erstes der Spiele-Max im ehemaligen Haus Adelmann, Marienstraße, in das BvL-Vorhaben wechselt. Später droht der Media-Markt zu folgen. Es fällt auf, dass die BvL-Center Entscheidung zu einer Zeit fällt, wo kein einziger Kaufmann oder Handwerker aus dem Stadtzentrum mehr im Lingener Stadtrat Sitz und Stimme hat. Da konnten die Kaufleute Hermann Klaas, Stefan Nottbeck, Torsten Thoben, Stephanie Albers und Stefanie Neuhaus-Richter noch so engagiert am Montagabend in der CDU-Fraktion für eine vitale Innenstadt streiten. Doch die CDU hat ihnenn, fast ausnahmslos CDU-Anhänger, nicht einmal deutlich gesagt, dass sich die christdemokratische Ratsmehrheit schon vor zwei Wochen festgelegt hatte: Für das BvL-Projekt. Ein Projekt, das nur Familie van Lengerich nutzt, der Innenstadt aber schadet und zwar massiv, weil dringend benötigte Kaufkraft abfließt. Denn wie sagte es schon das -damals noch objektive- Gutachten der Stadtforscher von Junkers und Kruse vor 11 Jahren:

„Die Ansiedlung von Einzelhandel, vor allem zentrenrelevantem Einzelhandel, im Bereich städtischer Einfallstraßen, vor dem Hin-tergrund der definierten Zielvorstellungen zur künftigen Einzel-handelsentwicklung, im Sinne einer geordneten Stadtentwicklung sowie zum Schutz bestehender Versorgungsbereiche, ist auszu-schließen. Dabei handelt es sich insbesondere um folgende Straßenzüge: Lindenstraße...“

Die von Experten befürworteten negativen Folgen durch das BvL-Center werden eintreten. Dabei werden natürlich aufgrund des Kaufkraftabflusses nicht die starken Innenstadtstandorte leiden sondern die schwachen B-Lagen, beispielsweise die Große Straße. Das belegt auch die Absage von Investor Hermann Klaas, der eigentlich mit Millionen Euro den überwiegend ungenutzten Sparkassenkomplex vitalisieren wollte und jetzt das Projekt aufgibt. Warum auch sollte er in dieses Vorhaben investieren, wenn OB Krone und seine politischen Unterstützer nicht einmal erkennen, wie sehr sie mit ihren Edeka-BvL-DM-Plänen dem Stadtzentrum allgemein und seinen Plänen im Besonderen zu Leibe rücken. Und was glaubt CDU-Fraktionsvorsitzender Uwe Hilling, wird die Firma Netto tun? Glaubt er tatsächlich, dass das Unternehmen angesichts der kommunal subventionierten Edeka/DM-Lindenstraßenkonkurrenz á la „Klein-Ochtrup“ am geplanten Standort Reuschberge festhalten wird, wo der Kommunalpolitiker wohnt?

Das Ja zum BvL-Center ist kurzsichtig und aktionistisch, also das Gegenteil nachhaltiger Politik. Das geschieht unter der Ägide eines Oberbürgermeisters, der in seinen bisher fast 70 Monaten Amtszeit nicht viel  (man könnte auch schreiben nichts) Wegweisendes für unsere Stadt auf den Weg gebracht hat. Profitiert hat er in seiner Amtszeit vor allem von den Vorarbeiten seines Vorgängers. Sein Nachfolger wird jedenfalls auf Vorleistungen des jetzigen OB nicht zurückgreifen können.

Trost

29. März 2017

An dem Tag, an dem die Familie Berning just für ein mutiges 15-Mio-Möbel-Ding in unserem Städtchen der erste Spatenstich (nein, leider nicht hier) erfolgen ließ, traute sich gestern dieser Ikea-Spot vor meine Augen. Die Kunden der schwedischen Einrichtungskette, die bekanntlich die Wegwerfeinrichtung erfand, kennen das Problem: Eigentlich wollte man „nur“ ein paar Teelichter kaufen, doch am Ende ist die blaue Ikea-Tasche trotzdem wieder knallvoll. In der neuen Frühjahrswerbekampagne (Thema Deko) spendet die Ikea-Agentur Thjnk diesen Möbelhausfans nun Trost: Was sie immer für eine kleine persönliche Schwäche gehalten haben, soll in Wahrheit ihre Fähigkeit sein, den Moment zu genießen….

Dienstag

7. März 2017

Das Kraftfuttermischwerk überschrieb dieses Gif gestern mit „Montag“. Dienstag geht aber auch. Oder eben Sonntag; denn vorgestern Abend lief ein nicht mehr ganz so junger Mann eingangs der Lingener Schlachterstraße gegen einen Betonpfeiler; auch er blickte intensivst auf sein Mobiltelefon sowie hinterher ganz irritiert zurück, obwohl er nicht zu Boden gegangen war; er hatte sich nur unangenehm das Bein gestoßen und heftig erschrocken.

Längst ist das Problem weltweit erkannt. So hat die niederländische Kleinstadt Bodegraven testweise LED-Leuchtstreifen in einem Bürgersteig einer Kreuzung eingelassen, die je nach Ampelphase auffallend rot oder grün leuchten und blinken, bevor die Ampel die Phase wechselt. Damit Fußgänger nicht versehentlich über die Straße laufen, obwohl die Ampel rot leuchtet. Es handelt sich um ein „Pilotprojekt zum Schutz von Menschen, die wegen der Interaktion mit ihrem Smartphone so stark abgelenkt sind, dass sie ihre Umgebung nur noch eingeschränkt wahrnehmen“, berichtete heise.de.

(Bildquelle: Das Kraftfuttermischwerk )

zweierlei Recht

28. Februar 2017

In Lingen gibt es jetzt zweierlei Recht. Da war vor knapp einem Jahr der ungesetzliche, gegen das Bundesnaturschutzgesetz und eine behördliche Anordnung durchgeführte „Kahlschlag“ auf dem Grundstück Villa Lühn an der Reuschberger Mühlenbachstraße. Sie erinnern sich an die große Aufregung, als innerhalb der Vegetationsperiode und gegen eine ausdrückliche Verfügung des Stadtbaurats vollendete Tatsachen geschaffen und 71 von 85 Bäumen gefällt wurden. Strafbar war das nicht, aber ordnungswidrig. Daher gab die prüfende Staatsanwaltschaft die Sache an die Stadt Lingen ab, die zuständig für die Verfolgung der Ordnungswidrigkeiten gegen das Bundesnaturschutzgesetz ist. Doch OB Krones Verwaltung wartet seither und hat (Stand: 21.2.17, 17 Uhr) immer noch kein formales Ermittlungsverfahren gegen die Verantwortlichen eingeleitet. Kurz gesagt: Sie drückt sich; denn gleichzeitig führt OB Krone mit dem Unternehmen Lühnbau größere Verhandlungen. Da passt ein Bußgeld wegen 71 Verstößen gegen das Bundesnaturschutzrecht nicht in den Kram. Deshalb liege ich wohl nicht mit der Annahme daneben, dass gar nichts mehr passiert. Vielleicht werden die Baumfäller und ihr Brögberner Unternehmen mit einer Geldbuße belegt, einer ausgesprochen maßvollen wahrscheinlich. Doch dem anstiftenden Auftraggeber des Kahlschlags wird nichts passieren. Er soll offenbar während der laufenden Verhandlungen nicht verärgert werden und darf daher den Sekt schon mal kalt stellen, dass alles geklappt hat.

RathausAuch die Verantwortlichen der Firma Rosen können sich zurücklehnen. Das für die Region wichtige Technologieunternehmen geht bisweilen -sagen wir- etwas hemdsärmelig vor und darf jetzt mit Erlaubnis der Stadt Parkplätze bauen – in einem durch Bebauungsplan geschützten Grünbereich. Weil nach dem Naturschutzrecht Bäume grundsätzlich nur bis Ende dieses Monats gefällt werden dürfen, war leider keine Zeit für eine Planänderung; die Parkplatzpläne seien „erst gestern eingetroffen“, hieß es. Doch Lingens Verwaltung zeigte sich kreativ-entgegenkommend. Das geschützte Grüngrundstück bleibt im Eigentum der Stadt; 16 von 64 vitalen Bäume werden gefällt („entnommen“ heißt das heute auf Verwaltungsdeutsch), alle anderen, den Parkplan störenden Bäume sind natürlich krank und kommen deshalb unter die Säge; wie viel genau blieb offen. Anschließend wird die Grünfläche mit „wasserdurchlässiger Schicht“ befestigt und siehe da: der neue, große Parkplatz für das Unternehmen ist fertig. Die Firma zahlt die Umnutzung des Grüngrundstücks und spart sich  baumfreundliche Alternativen, wie es eine Parkpalette hätte sein können.

Übrigens: Abstimmen konnten die Kommunalpolitiker über den Rechtsbruch (Verwaltungsdeutsch „Befreiung von den Festsetzungen des Beba7uungsplans“) nicht. Eher beiläufig informierte die Verwaltung darüber in nicht-öffentlicher Sitzung des (peinlicherweise nicht einmal zuständigen) Lingener Wirtschafts- und Grundstücksausschusses unter dem Tagesordnungspunkt „Bericht der Verwaltung“ und zwar in -Sie ahnen es- „nicht-öffentlicher Sitzung“, weil es ja doch etwas unangenehm ist, wenn so eine Fällaktion bekannt wird.  Diese, vom zuständigen OB Krone betriebene Verfahrensweise ist also auch eine Missachtung ehrenamtlicher Ratsarbeit. Schlimmer: Der Stadtrat präsentiert sich lächerlich hilflos. Den Dauersegen der CDU-Ratsmehrheit oder jedenfalls ihrer Fraktionsführung hat Krone dafür.

Beide Beispiele zeigen, wie OB Krone und seine Mannen unsere Lingener Selbstverwaltung, aber auch sich selbst zum Clown, den im Zweifel niemand mehr ernst nehmen kann. Denn wie will man eigentlich auf Augenhöhe mit Unternehmen und ihrer Führung zum Wohle der Stadt (ver-)handeln, wenn man derart unterwürfig agiert?

Offenbar hat die Ratshausspitze nicht bemerkt: Das Recht bleibt auf der Strecke; es gilt nämlich nicht mehr für alle. Die Verantwortlichen um unseren OB  machen das Recht beliebig. Man kann es sich –genug Geld vorausgesetzt- in Lingen inzwischen kaufen.