Streichholzschnitt

22. Februar 2019

Ich möchte Crowdfunding machen. Allerdings weiß ich nicht genau, wie das geht. Also: Der Grund sind für mich die Baumschnittmaßnahmen, die uns der städtische Bauhof einmal mehr angedeihen lässt. Sie machen nämlich bei den Bäumen im Stadtzentrum (außerhalb werden sie meist sofort gefällt) immer nur den Streichholzschnitt. Danach wachsen die Stadtbäume hoch und höher. Dabei wäre doch ein Kronenschnitt angesagt, also keine Bechneidung der Befugnisse eines Amtsinhabers sondern eine Baumpflegeschnitt der Krone von Stadtbäumen. „Diese (Beschneidung) ist entweder aufbauend (Erziehungsschnitt, Kronenpflege), indem sie den Baum darin unterstützt, eine stabile und gesunde Krone aufzubauen, oder sie wird vorsorglich oder aus Gründen der Verkehrssicherheit als Sicherungsmaßnahme durchgeführt (Kronenauslichtung, Kroneneinkürzung, Einkürzung von Kronenteilen, Kronensicherungsschnitt).“

„Bei der Ausführung ist darauf zu achten, dass z. B. Zeitpunkt der Maßnahme, Volumenverlust und Auswirkungen auf den Habitus des Baumes auch mit den entsprechenden Naturschutzgesetzen des Bundes und des jeweiligen Landes einhergehen“

Vor dem ehemaligen Ratskeller direkt neben dem historischen Rathaus hat es gestern die Anfang der 1980er Jahre gepflanzte Linde erwischt. Unser Lingener OberBaumfachmann hatte schon vor einem halben Jahr diesen alternativen Kronenschnitt angekündigt. Zuvor hatten die mit dem Betrieb des ehem. Ratskellers überforderten Baba-Can-Türken frech behauptet, ihr wirtschaftlicher Misserfolg sei auf die in besagter Linde sitzenden Vögel und deren Kotabwurf zurückzuführen: Das sorgte damals zwar für große Heiterkeit in den sozialen Medien, und vor 30 Jahren hätte man darüber nur gesagt, dass man dies „einem erzählen kann, der die Hose mit der Beißzange zumacht.“  Baumexperte OB Krone versprach aber, sofort zu handeln, ließ etwas Schamfrist ins Land gehen und gestern wurde dann direkt neben dem Blickfang Lingens, die nächste Lingener Streichholzbeschneidung vorgenommen – eine Woche nach einem unsere Stadt verschandelnden, gärtnerischen Komplettkahlschlag an der Klasing- und Gymnasialstraße und genauso unanständig-unangekündigt.

Wir sehen heute: Es sieht Scheiße aus. Ebenso spargelig wie bei en Platanen vor dem neuen Rathaus oder auch vor ein paar Tagen die aktuelle Platanen-Streichholzbeschneidung auf dem Parkplatz an der VHS – auch da nur dieser schreckliche Lingensche Einheits-Streichholz-Sägeschnitt.

Daher möchte ich jetzt für die Macher im städtischen Bauhof einen Fortbildungskursus finanzieren, damit sie sehen und lernen, dass und wie es auch anders geht als „steil hoch“ und „mit Säge ab“. Eben mit einem behutsamen Kronenschnitt wie an allen anderen Orten in Deutschland. Daher das Crowdfunding. Mach jemand mit?

(Zitate aus wikipedia)

 

„Wood is the New Good“

13. Februar 2019

Lingener Architekturreihe
Vera Hartmann (Sauerbruch Hutton, Berlin)
„Wood is the New Good – Urbaner Holzbau als Chance und Versprechen einer nachhaltigen Verdichtung der Stadt“
Lingen (Ems) – IT-Zentrum Lingen, Kaiserstraße 10b
Donnerstag, 14. Febr. ’19 – 19 Uhr
Eeintritt frei

Die Architektin Vera Hartmann von Sauerbruch Hutton (Berlin) kommt im Rahmen der Architekturreihe der Stadt Lingen (Ems) in das IT-Zentrum nach Lingen. Ihr Werkvortrag trägt den Titel „Wood is the New Good – Urbaner Holzbau als Chance und Versprechen einer nachhaltigen Verdichtung der Stadt.

Zum Werkvortrag: Das Thema Holz ist in aller Munde. Der traditionsreiche Baustoff ermöglicht eine ökologisch nachhaltige, kostengünstige und zeiteffiziente Verdichtung unserer Städte. Dank moderner Vorfertigungstechniken und Konstruktionen sind inzwischen selbst Wolkenkratzer aus Holz möglich und in Planung. Sauerbruch Hutton erforschen mit der Immanuelkirche in Köln, dem Hager Forum im Elsass, dem Umweltbundesamt in Dessau, der Metropolitan School in Berlin und dem derzeit weltweit größten Wohnbau aus Holzmodulbauweise in Hamburg ein breites Spektrum an Möglichkeiten, die Holzbauweise anzuwenden.

Die Dipl.-Ing. Architektin Vera Hartmann, 1970 in Gießen geboren, studierte an der BTU Cottbus, der Escola Tècnica Superior d‘Arquitectura de Barcelona sowie an der Hochschule der Künste Berlin. Seit Anfang des Jahres 2000 arbeitet sie als Projektleiterin bei Sauerbruch Hutton Berlin, einem international renommierten Büro für Architektur, Städtebau und Gestaltung. Vera Hartmann verantwortet dort zahlreiche Projekte in sämtlichen Leistungsphasen, unter anderem leitete sie den Neubau der Immanuelkirche Köln, für den Sauerbruch Hutton den Deutschen Architekturpreis 2015 erhielt. Verantwortlich war sie auch für das im vergangenen Jahr abgeschlossener Projekt Berlin Metropolitan School.


Die Architekturreihe der Stadt Lingen (Ems) steht in diesem Jahr unter dem Titel „Architektur & Urbanität“. In diesem Rahmen will die Stadt Lingen renommierten Architekten, Gestaltern und Kulturschaffenden die Möglichkeit geben, in ungezwungener Atmosphäre ihre Projekte zu präsentieren – mit geselligem Ausklang bei Wein, Brot und Käse. „Wir möchten Lust auf Architektur und Baukultur machen“, erläutert Stadtbaurat Lothar Schreinemacher die Idee zu der Reihe. Der Austausch sei dabei besonders wichtig. Angesprochen sind Architekten, Planer und alle Kultur- und Architekturinteressierte in der Region.

(Text; Foto: Vera Hartmann, (c) Sauerbruch Hutton)

Gauerbach 5

11. Januar 2019

Auf dem Neujahrsempfang verkündete OB Dieter Krone die Ausweisung weiterer „Baugebiete“, wie künftige Wohnbereiche in der Stadt Lingen (Ems) immer genannt worden sind. Er brüskierte damit die Mitglieder des Lingener Stadtrats, die nicht der CDU angehören. Die nämlich wusste und weiß offenbar, von Krone informiert, wo die Stadtverwaltung Bauland kauft. Da heißt es dann gern im informellen Gespräch mit den nicht informierten Kolleginnen und Kollegen der Minderheitsfraktionen, „ich habe etwas gehört“, man dürfe „darüber aber noch nicht sprechen, weil…“ etc. etc.

Daher herrschte gestern im Ortsrat Laxten auch eine Mischung von Unverständnis und Empörung, als der Plan für den „Gauerbach 5“ auf den Tisch flatterte. Empört war die Mehrheitsriege nämlich, dass der Bereich überhaupt genannt wurde, der da südlich der Lengericher Straße zwischen dem ältesten Teil des Gauerbachs und dem Kreisverkehr eingangs Brockhausen künftig „Baugebiet“ werden soll. Nr 5 heißt der flächenverbrauchende Bereich, weil es sich um die fünfte Erweiterung des 1969 gegründeten Stadtteils handelt, mit dem die damals selbständige Gemeinde Laxten  sich einen Einkommensteuerteil der Neubürger sichern wollte; damals erhielten die Stadträte und Gemeinden erstmals einen Anteil von 14% an der Einkommensteuer. Das wollte sich Laxten nicht entgehen lassen und erdachte den Gauerbach.

Die Flächen gehören übrigens ausgerechnet einem Bruder des  Ortsvorstehrsr von Brockhausen, Stefan Koors. Beie wurden bereits am Laxtener Brook nahe des Kreisverkehrs mit einem sog. Altenteiler-Haus beglückt, das ein Bauen im unbeplanten Außenbereich ermöglicht, was sonst von Gesetzes wegen nicht möglich ist. Der 45jährige Stefan Koors wohnt dort, arbeitet aber als Ingenieur für Versorgungstechnik als Mitarbeiter der Stadtwerke Lingen. „Altenteiler“ ist er also gar nicht…

Hier also das vorgesehene Bauland, das in weiser Vorausschau schon vor 15 oder mehr Jahren im Rahmen des Flächennutzungsplanung zu „Bauerwartungsland hochgezogen“ wurden. Jetzt sollen mindestens 120-Bauplätze entstehen.

Warum der OB nicht alle Ratsmitglieder informiert, bevor er mit seinen Plänen an die Öffentlichkeit geht, weiß ich nicht. Ausdruck planvollen oder gar starken Handelns ist das nicht.

Kleines Bonbon am Rande: Die Fläche liegt gar nicht -wie der übrige Gauerbach – im Lingener Ortsteil  Laxten, sondern in Brockhausen. Ohne Änderung der Ortsteilsgrenzen düfen die neuen Bewohner also nicht die Laxtener Ortsratsvertretung mitwählen, sondern bekommen mit dem Grunderwerb Ortsvorsteher Stefan Kroos als Oberhaupt mitgeliefert.

Und jetzt Lingen? Wie weit treiben wir den Flächenverbrauch?

——

In einer früheren Version dieses Beitrags hieß es, dass Stefan Koors die Flächen verkaufe und mit dem Altenteiler-Haus nahe des Kreisverkehrs beglückt worden sei. Dies trifft so nicht zu, tatsächlich stehen die Flächen und das Altenteilerhaus im Eigentum seines Bruders.

 

Lingen & Denkmal

13. November 2018

Architekturreihe Lingen & Denkmal
Prof Johannes Schilling (Köln)
„Transzendente Räume – Architektur zwischen Radikalität und Illusion“

Lingen (Ems) – IT-Zentrum, Kaiserstraße 10b
Do 15. Nov. 2018 – 19 Uhr
Eintritt: frei

Die Architekturreihe Lingen & Denkmal wird an diesem Donnerstag mit einem Vortrag des Kölner Architekten Johannes Schilling fortgesetzt. Die Stadtverwaltung kündigt den Vortrag mit diesen Worten an:
„Architektur ist die Kunst, einen allgemeinen Zustand des Übergangs, von der räumlichen Idee über die gebaute Form bis zu den Empfindungen der Nutzer, in der Schwebe zu halten. Dieses vielschichtige Wissen um die Architektur wird von Schilling Architekten fortwährend erweitert. Mit jedem Projekt stellt sich die Frage nach dem Wesen und dem Umfang von Architektur neu. Johannes Schilling vollzieht in seiner Architektur eine beständige Evolution von Form und Ausdruck in dem von Raum und Kontext gesetzten Rahmen. Historie, soziale Belange und schlichtweg Funktionalität mögen die Architektur prägen, aber bestimmt wird sie von der Sensibilität, die Dinge in einem erweiterten Verständnis aufzunehmen und zu reflektieren. Der Widerhall, der dabei in uns Betrachtern und Nutzern erzeugt wird, ist der eigentliche Gewinn. So bleibt die Architektur gleichermaßen zugänglich und voller lebhafter Überraschungen – mit anderen Worten, ein Phänomen.
Prof. Johannes Schilling, Jahrgang 1956, studierte Architektur an der RWTH Aachen, an der Kunstakademie Düsseldorf und an der NSTC Halifax. 1984 gründete er das Büro Schilling Architekten in Köln und hat seit 2003 eine Professur an der Münster School of Architecture inne.“


Mit der Reihe „Lingen & Denkmal“ will die Stadt Lingen (Ems) renommierten Architekten, Gestaltern und Kulturschaffenden die Möglichkeit geben, in ungezwungener Atmosphäre ihre Projekte zu präsentieren – mit geselligem Ausklang bei Wein, Brot und Käse. Im Jahr 2018 steht dabei das Thema „Lingen & Denkmal – Neue Architektur in alten Mauern“ im Mittelpunkt. „Wir möchten Lust auf Architektur und Baukultur machen“, erläutert Stadtbaurat Lothar Schreinemacher die Idee zu der Reihe. Der Austausch sei dabei besonders wichtig. „Ich wünsche mir, dass die Architekten und Bauschaffenden einmal abseits von konkreten Projekten miteinander ins Gespräch kommen“, so der Stadtbaurat. Angesprochen sind neben diesen Berufsgruppen vor allem alle Kultur- und Architekturinteressierte in der Region.

 

(Foto © Stadt Lingen(Ems))

Wir müssen reden

28. September 2018

Wir müssen reden. Die Sparkasse Emsland plant, ihren Standort am Lingener Marktplatz entgegen früherer Vereinbarungen in eine Kassenfiliale umzuwandeln. Es gehen dabei Dutzende qualifizierter Arbeitsplätze verloren. Dazu will sie das bisherige Sparkassengebäude Am Markt 3 verkaufen und das vor knapp 50 Jahren als Non-plus-ultra errichtete Haus nebenan zur Geschäftsstelle (neudeutsch: Servicecenter) umbauen. Dazu hat sie einen Architektenwettbewerb veranstaltet und im Frühjahr abgeschlossen.

Das alles führt sie ohne große Diskussionen sowie im wesentlichen an der Stadt Lingen (Ems) und ihren Repräsentanten  vorbei. Allein OB Dieter Krone und Stadtbaurat Lothar Schreinemacher durften nach -sagen wir- dringlich formulierter Bitte im Preisgericht des Wettbewerbs unter Vorsitz von Prof. Dr. Volker Droste (Oldenburg) dabei sein. Doch die Fach-  und Sachpreisrichter im Gremium kamen überwiegend aus Meppen: Landrat Reinhard Winter, und der Vorstand der Sparkasse Emsland, Ludwig Momann, Oliver Roosen und Marco Menne, der privat im Gauerbach lebt. Es entschied sich aber letztlich gar nicht sondern vergab … zwei erste Plätze, ein kleingiebeliger Entwurf des weltbekannten Schweizer Architekten Max Dudler (oben; mehr) kam ebenso auf Platz 1 wie ein großgiebeliger Entwurf des Architekturbüros B-Werk aus Spelle ().

OB Dieter Krone damals: „Es ist den Planern gelungen, eine herausragende architektonische Gestaltung im Zusammenhang mit der städtebaulichen Entwicklung im Herzen der Stadt Lingen zu realisieren.“ Deutlich nüchterner sah dies dann der Lingener Planungs- und Bauausschuss.

Damals berichtete die Lingener Tagespost über die „Bitte“ von CDU-Fraktionschef Uwe Hilling , „dass über die weiteren Planungen im Planungs- und Bauausschuss informiert wird. Es handelt sich um ein sehr zentral gelegenes Grundstück in der Stadt. Wir wollen die Sparkasse dort erhalten, die auch eine Verpflichtung gegenüber der Stadt hat“, sagte. Es solle sich aber später nicht ausschließlich als reines Bürogebäude präsentieren. Es gebe weitere Nutzungen, die ebenfalls interessant seien.

Sein Fraktionskollege Jürgen Herbrüggen ergänzte: „Eine optische Zweiteilung der Funktionsbereiche der Innenstadt, hier Einzelhandel, dort Büros, gilt es zu vermeiden. Im Erdgeschoss sollte es etwas geben, was Handels- und Büronutzung verbindet.“ Thomas Pertz titelte für die Lokalzeitung: „Ausschuss in Lingen gegen ‚reine Büro- und Gardinenfront'“ – und bei dieser Formulierung fühlte nicht nur ich mich in die frühen 80er Jahre zurück versetzt, als genau dasselbe über die jetzige, damals neu entstehende Sparkassen-Geschäftsstelle am Markt 3-5 gesagt wurde und dann doch alles genauso büro- und gardinenmäßig kam wie befürchtet.

In dieser Woche hat nun der Verwaltungsrat der Sparkasse beschlossen, wie es beim aktuellen Projekt weitergehen soll. Inzwischen haben die B-Werk-Architekten nachgearbeitet und aus dem flotten Giebelbild ist ein eher phantasieloses Einerlei mit zwei nahezu gleichförmigen Giebeln entstanden (Zeichnung oben). Vorangegangen war die im April von einem Pressesprecher der Sparkasse Emsland angekündigte Prüfung der „prämierten Wettbewerbsarbeiten auf Umsetzungsdetails und „wirtschaftliche Realisierbarkeit“

Über das Ergebnis dieser Prüfung der wirtschaftlichen Realisierbarkeit wird zu reden sein, nachdem der städtebaulich anspruchsvollere und keineswegs wuchtigere (so aber gestern die LT)  Dudler-Entwurf gar nicht erst auf den Weg gelassen wurde. Die Speller B-Werker haben jedenfalls einen eher gleichförmigen Wir-bauen-eine-Bank-Entwurf  vorgelegt, der den (ge)werblichen Belangen der Sparkasse bequem entspricht, nicht aber den Anforderungen an das Stadtbild. Schade ist das.

Interessant wie spannend ist daher, ob „Rat und Verwaltung“ und vor allem die Bürgerschaft in Lingen, also unsere kommunale Selbstverwaltung, das Vorhaben mit seinen Gardinen und Schießscharten-Fenstern in Erdgeschoss durchwinken  oder ob sie deutliche Nachbesserungen verlangen.

Nicht minder interessanter ist, ob sie es auch akzeptieren, die verbindlichen Zusagen nicht mehr zu beachten, die im Rahmen der Vereinbarung geschlossen wurde, als die Sparkasse Emsland vor 17 Jahren mit den Kassen in Meppen und Papenburg vereinigt wurde. Da wurde der Verbleib Dutzender hochqualifizierter Sparkassen-Arbeitsplätze in Lingen vereinbart, von denen fast keine mehr vorhanden sind…

(Fotos oben:  © Thomas Pertz, LT)

wenn Mütter sie gestalten

14. September 2018

Natalie Mayroth hat einen Beitrag von Christine Murray in der britischen Zeitung „The Guardian“ entdeckt und auf dieser feinen piqd-Plattform dargestellt. Ich meine, das diskutiere ich in meiner Familie immer wieder: Architektur aus der Sicht von Müttern: Wie sähen unsere Städte aus, wenn Mütter sie gestalten? Man muss ja nur die lokale Zeitung durchblättern, um zu sehen, wie weit diese Vorstellung von der Realität entfernt ist: Denn alles, was mit Bauen zu tun hat, wird als Männersache begriffen. Dazu braucht man keine feministischen Ansätze sondern nur die Bilder von Spatenstichen und Einweihungen sehen. Es gibt jedenfalls in unserer Region nur ganz wenige Ausnahmen, beispielsweise die Unternehmerin Annemarie Lühn, die jenseits des Wellbergs ein besonderes städtebauliches Projekt natürlich mit Kita verwirklichen will und auch sonst eigene Akzente setzt. Beispielsweise gab es vor zwei Wochen ein Betriebsfest der Firma LühnBau, das familien- und nicht männerorientiert veranstaltet wurde. Vorbildlich, da hätten selbst der OB und die Lingener CDU dazulernen können – beide waren aber nicht da bzw. vertreten…. Hier der Mayrothsche Mütter-Beitrag:

„Wie immer, wenn es um Fragen der Zukunft geht – wie wollen wir leben, wie wollen wir gestalten, wie wollen wir wohnen – ist es auch eine Frage der Repräsentanz, dem Mitbedenken, dass eine Gesellschaft vielfältig ist und unterschiedliche Bedürfnisse hat.

Doch wie soll das geschehen, wenn die EntscheiderInnen alle allzu gleich sind? Beziehungsweise wie äußert sich das? Wer schon einmal mit einem Kinderwagen unterwegs war – es muss nicht mit dem eigenen Kind gewesen sein oder mit Kleinkind(ern) – der sieht Städte anders. Und das ist der Punkt, an dem Christine Murray ansetzt.

What would our cities be like if mothers had more of a role in designing them? There would be ramps everywhere, for a start. Schlepping a pushchair around makes you think differently about stairs. I cried when my nearest station was revamped without the inclusion of a lift. To stand at the bottom of that flight of steps with two kids and a newborn in a pram is to experience the kind of despair usually reserved for rat-infested dungeons. Any station or public building undergoing refurbishment should by law be made step-free.

Ja, was wäre, wenn nicht nur Frauen, sondern Mütter die Architektur von Städten wie London gestalten würden? Von mir aus auch die Väter, die mit Kind in der Stadt unterwegs sind und die öffentlichen Verkehrsmittel statt den Kombi nutzen. Ich denke, nicht nur London hat da Nachholbedarf. In deutschen Städten könnte man sich die Frage auch stellen beziehungsweise richte ich dieses Gedankenspiel ans piqd-Publikum.

Was meint ihr: Wie sähen unsere Städte aus, wenn wir mehr Stadtplanerinnen mit Kindern an den entscheidenden Positionen hätten? Bei einem weiteren Punkt stimme ich Murray zu, junge Leute und Menschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, einzubeziehen, würde für uns alle die Stadt lebenswerter machen. Wenn wir, wenn die Politik das will.“

Peter Wilson

11. September 2018

Peter Wilson
„Über dem Horizont – Projekte von Bolles+Wilson in Deutschland und andere europäischen Ländern“
Architekturreihe „Lingen & Denkmal“
Lingen (Ems) – Kaiserstraße 10b (IT-Zentrum)
Do 13. Sept. 2018 – 19 Uhr
kein Eintritt
Im Rahmen der Architekturreihe “Lingen & Denkmal” kommt der Architekt Peter Wilson vom Büro Bolles+Wilson aus Münster am Donnerstag, 13. September 2018, um 19 Uhr in das IT-Zentrum nach Lingen. Sein Werkvortrag trägt den Titel „Über dem Horizont – Projekte von Bolles+Wilson in Deutschland und andere europäischen Ländern“.
BOLLES+WILSON sind international bekannt für hohe Architekturqualität bei einer großen Bandbreite an Projekten, jedes von ihnen entwickelt als individuelle Lösung mit sorgfältiger Beachtung des kulturellen und des urbanistischen Kontextes, den es zu optimieren gilt. Ob kulturelles Programm (Neues Luxor Theater Rotterdam), Wohnen/Gewerbe (Hamburger Ensemble: Cinnamon Turm, Altes Hafenamt & Infopavillon) oder Einzelhandel/ Entertainment (Spuimarkt Block Den Haag), das Programm ist immer der Generator der Gebäudeform. Ihre Philosophie konzentriert sich auf die Inszenierung der praktischen Notwendigkeiten und der Aufgabe, die ein Gebäude durch kreative Erfindung erfüllen muss. Letztlich müssen das Praktische, das Technische wie auch die Nachhaltigkeit auf selbstverständliche und elegante Weise in Architektur und in Räume mit einer besonderen und ganz eigenen Aura verwandelt werden. Bolles+Wilson haben ihren Sitz in Deutschland, operieren aber international mit Projekten in Albanien, Australien, Dänemark, Großbritannien, Italien, Japan, Korea, Libanon und den Niederlanden. An jedem Standort gibt es eine enge Kooperation mit lokalen Partnerbüros.
Mit der Reihe „Lingen & Denkmal“ will die Stadt Lingen renommierten Architekten, Gestaltern und Kulturschaffenden die Möglichkeit geben, in ungezwungener Atmosphäre ihre Projekte zu präsentieren – mit geselligem Ausklang bei Wein, Brot und Käse. Im Jahr 2018 steht dabei das Thema „Lingen & Denkmal – Neue Architektur in alten Mauern“ im Mittelpunkt. BOlles + Wilson sind in Lingen keine Unbekannten. Schauen Sie mal hier.
Die Architketur-Reihe 2018 endet am 15. November mit Prof. Johannes Schilling von Schilling Architekten aus Köln. Angesprochen sind neben diesen Berufsgruppen vor allem alle Kultur- und Architekturinteressierte in der Region.
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Peter L. Wilson Born in Melbourne/Australia
1969-71 Architectural Studies University of Melbourne
1972-74 Studies at the AA London
1974 AA Diploma Prize
1974-75 Teaching Assistant, AA London
1976-79 Intermediate Unit Master, AA London
1980-88 Diploma Unit Master, AA London
1994-96 Visiting professor, Kunsthochschule Weißensee Berlin
2006-08 Visiting professor Accademia di Architettura, Mendrisio (CH)
President’s Prize 2009 of the Australian Institute of Architects
Gold Medal 2013 of the Australian Institute of Architects
2013-14 Visiting professor Edinburgh School of Architecture and Landscape Architecture
since 2014 International Fellow of the RIBA
2018 Speculative to Operative ESALA conference on the early work of Peter Wilson

Großefehn

29. Juli 2018

Die Agentur für Erneuerbare Energien (AEE) zeichnet heute Großefehn als Energie-Kommune des Monats aus. Mit Sand unter den Füßen und Wind in den Haaren begeistert die ostfriesische Gemeinde jedes Jahr bis zu 180.000 Übernachtungsgäste. Großefehn liegt in einer einzigartigen Kulturlandschaft und ist geprägt von historischen Windmühlen sowie seinen Windenergieanlagen. „Großefehn zeigt eindrucksvoll, dass Tourismus und eine moderne Nutzung der Windenergie vereinbar sind“, betont Nils Boenigk, stellvertretender Geschäftsführer der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE).

Schon 1999 wurde in der niedersächsischen 14.000-Einwohnergemeinde der erste Windpark gebaut und seitdem stetig erweitert. 2014 wurde ein zweiter Windpark eröffnet, derzeit werden in Repowering-Projekten alte gegen neue Anlagen ausgetauscht. Bürgerbeteiligung wird großgeschrieben. „Wir müssen die Bürgerinnen und Bürger mitnehmen. Sie dürfen nicht erst aus der Zeitung erfahren, was sich vor ihrer Haustür abspielt, sondern müssen direkt in die lokale Energiewende eingebunden werden“, betont Olaf Meinen, Bürgermeister von Großefehn.

Ob Informationsveranstaltung, Musikfestival im Windpark oder finanzielle Beteiligung an den Anlagen. Großefehn macht die erneuerbaren Energien für die Anwohnerinnen und Anwohner erlebbar. Finanzielle Bürgerbeteiligung gibt es in zahlreichen Varianten: Bürgerinnen und Bürger legen Windenergiesparbriefe mit Festverzinsung an. Außerdem sind insgesamt neun Bürgerwindgesellschaften mit über 430 Gesellschaftern an den Windparks finanziell beteiligt. Auch die Gemeinde ist an den Windparks beteiligt – um Einnahmen zu generieren und das Klima zu schützen.

In der ostfriesischen Gemeinde zeigt sich, dass der Ausbau der Windenergie und Tourismus kein Widerspruch ist. „Es hat hier nie Konflikte gegeben – ganz im Gegenteil: Gäste fahren mit dem Rad durch die Windparks und schauen sich die Anlagen einmal von nahem an“, so Bürgermeister Olaf Meinen. Die clevere Nutzung des Windes ist und bleibt Teil des Landschaftsbildes in Großefehn.

Ein ausführliches Portrait der Gemeinde Großefehn ist nachzulesen auf Kommunal Erneuerbar.

[Man muss die sogenannte Verspargelung der Landschaft um Großefehn nicht schön finden um den besonderen Unterschied zu unserer Stadt im Emsland zu erkennen: In unserem Lingen (Ems) gibt es nur wenige Windparks, mehr verhindert der Landkreis Emsland, der aber nie etwas gegen traditionellen, CO2-lastige Kraftwerke und das AKW Emsland. Insbesondere die radioaktiven Abfälle müssen noch Hunderttausende Jahre sicher verwahrt werden – ei ganz besonderer Beitrag zur Nachhaltigkeit…]

(Foto: „Windparks im Sonnenaufgang“ (Quelle: Hans Freese, Gemeinde Großefehn; Quelle PM von AEE).

Stadtgrabenpromenade

20. Juli 2018

Eigentlich war schon der Begriff „Stadtgrabenpromenade“ immer daneben. Welcher Graben hat schon eine Promenade? Ersonnen wurde das Ganze als Billiglösung 1996 zum damaligen Kommunalwahlkampf: Ein Dutzend Schilder wurden montiert, es gab einen Spaziergang und fertig war das, was die Verwaltungsspitze und die lokale CDU-Ratsmehrheit damals für vorbildlich oder gar kleinstädtisch-mondän hielten- unsere Promenade.

Längst ist der künstliche Straßenzug, der nie gepflegt wurde, nur noch peinlich und ein ganz spezielles Promenaden-Erlebnis. Nicht nur im Bereich des Kutscherhauses ist er beispielsweise sehr ungepflegt und dreckig. Immerhin finden dort fast wöchentlich Hochzeiten mit vielen Gästen statt, und doch ist es offenbar nicht möglich, den Bereich vor Hochzeitsfeiern in einen akzeptablen Zustand zu versetzen (und hinterher auch).

Dies aber ist immer noch kein Vergleich mit dem „Promenaden-Gammel-Erlebnis“ zwischen dem Kivelingsspielplatz und der Burgstraße. Hier, für die werte Leserschaft, en paar aktuelle Belegfotos, die für sich sprechen und nicht für unsere schöne Stadt:

 

Schönes WE!

Drei

9. Juli 2018

Drei Tage war ich mal nicht zuhause. Da brennt Hagedorn ein weiteres Mal großfeuermäßig, die Polizei sperrt alles, gibt nach Stunden frei und erklärt sofort, dass -schwarze Brandwolken hin oder her- natürlich „zu keiner Zeit eine Gefährdung der Bevölkerung bestanden“ hat. So weit, so gelogen. Denn natürlich besteht immer eine Gefährdung der Bevölkerung, wenn es so brennt, wie bei Hagedorn allerdings macht es sich besser, wenn man dies einfach verneint. Jedenfalls weiß ich jetzt, weshalb das Unternehmen Hagedorn gegen die Ausweisung eines Wohngebietes diesseits der Ems auf den Flächen des ehemaligen Gemüsehofes Reiners Einwände hat. Die Firma hat an diesem Standort keine Zukunft, kommentiert Wilfried Roggendorf in der LT. Deshalb wollte der ehemalige OB Pott die Firma Hagedorn auch aussiedeln. Übrigens sind beide Schepsdorfer.

Dann gab es in diesen Tagen noch drei Zuschriften, die auch interessant sind. Erstens:

Hallo Robert,
Gibt es zu, Allo-Pflegeheim neue Informationen?
Vielleicht über das Gespräch der Firmenleitung mit unserem OB?
Gruß
Brigitte

und:

Hallo Robert,
wer ist denn für den Bau des Radweges westlich am Kanal Richtung Hanekenfähr verantwortlich? Der Radweg ist eine einzige Katastrophe😩

Die vielen spitzen Steine sind ein wahrer Reifenkiller! Es muss unbedingt Abhilfe geschaffen werden. Unser meistfotografierte Oberbürgermeister hätte da eine ehrenvolle Aufgabe 👍

Viele Grüße
Hacki

und drittens:

Sehr geehrter Herr Koop,

im Rathaus soll ein absolut seriöses Angebot vorliegen, das Dreifache für den Grund und Boden zu zahlen, der an einen niederländischen Investor für den Bau eines Fachmarktzentrums bei BvL zu einem Spottpreis verkauft werden soll. Dort sollen dann 150 Wohnungen gebaut werden. Weißt Du mehr?

Mit freundlichen Grüßen
Heinz

Ja, Freunde, Dann wollen mir mal…

Schöne Woche!

ps Verantwortlich für den reifenkillenden Radweg ist das Wasser- und Schifffahrtsamt in Meppen (heißt die Behörde noch so?), das am Dortmund-Ems-Kanal zwischen ESV-Ruderheim und der Brücke zum Alten Hafeneinen völligen Kahlschlag plant. Den Technokraten fällt auch niemand in den Arm. Schon gar nicht der amtierende Amtsträger.