Ausfleddern

27. Januar 2017

RathausEr ist seit ein paar Wochen in Urlaub, soll auf Kreuzfahrt sein und überließ die lange geplante Ratssitzung am Donnerstag anderen. Doch jetzt hat er’s für jeden Lingener erkennbar versemmelt. OB Dieter Krone ist verantwortlich für das aktuelle Desaster um den künftige Nutzung der Sparkasse am Lingener Markt. Längst haben in der Sparkasse Meppener das Sagen und für die ist die in weiten Teilen ungenutzte Hauptstelle der ehemaligen Kreissparkasse Lingen an unserem Markt nicht mehr als ein Klotz am Bein. Während sich dieselbe Sparkasse Emsland in Meppen eine Hauptgeschäftsstelle vom Feinsten leistet, ist Lingen über. Das wissen alle, nur nicht unser lächelnder  Schönredner und peinlicher Falschrechner Dieter Krone („Damit sind wir einwohnermäßig nach Oldenburg und Osnabrück die drittgrößte Stadt im Nordwesten Niedersachsens“).

Lingens OB hat der BvL-Familie van Lengerich nämlich offenbar zugesagt, dort, Winkelbunker hin oder her, einen Edeka- oder einen Was-weiß-ich-Markt bauen zu lassen. Bei solch kurzsichtigem Ja darf dann das Stadtzentrum schon mal über die Klinge springen. Nicht weil er will, sondern weil der OB es nicht erkennt.

So ist die Absage von Hermann Klaas eine Ohrfeige für den noch amtierenden OB, der die Stadt nicht entiwckelt. Hermann Klaas wollte die alte Sparkasse am Markt kaufen und daraus ein Juwel für die Lingener Innenstadt machen. Perdu, Monsieur OB! Sie haben’s nicht erkannt.

In unerwarteter Klarheit informiert die Lokalpresse darüber, was ‚Investor Hermann Klaas‘ dazu zu sagen hat:

„Auf Anfrage unserer Redaktion kritisierte Investor Hermann Klaas die Lingener Stadtverwaltung. Dem Einzelhandel in Lingen schade diese mit ihrer Entscheidung, außerhalb der Innenstadt eine Ausdehnung von Einzelhandelsflächen zu ermöglichen. Konkret nannte Klaas das Einrichtungshaus BvL an der Lindenstraße. Das Lingener Familienunternehmen van Lengerich möchte den Fortbestand des Unternehmens sichern und plant schon seit Längerem direkt am Einrichtungshaus die Ansiedlung eines Lebensmittelmarktes .

Den Worten von Klaas zufolge sind die Planungen an der Lindenstraße nun weit gediehen. Er sprach von 700 bis 800 Parkplätzen. Dabei gehe es am Ende nicht nur um einen Lebensmittelmarkt, sondern eben auch um innenstadtrelevante Sortimente. „Damit erweist die Verwaltung der Innenstadt einen Bärendienst; das Ganze hat mich sehr stark verunsichert“, begründete er seinen Kaufverzicht für das Sparkassengebäude am Markt. Es werde zu einem „Ausfleddern des Einzelhandels“ kommen. Seine Befürchtung sei, dass die sehr erfolgreiche Politik für die Innenstadt der letzten Jahre unter Oberstadtdirektor Karl-Heinz Vehring und Oberbürgermeister Heiner Pott nun Schaden nehme….“

Jedes Wort von Klaas stimmt. Der geplante Verkauf des Gebäudes der Sparkasse am Lingener Markt ist wegen der Unfähigkeit von OB Krone geplatzt. Er hat, bildlich gesprochen, auf der Tribüne gesessen und dort -kontraproduktiv- anderen zu viel versprochen. Bei all der Widersprüchlichkeit hat der erfahrene und erfolgreiche Hermann Klaas die Sparkasse daher informiert, dass er von einem Erwerb des Komplexes Markt-Süd Abstand nimmt, denn der OB will den 3000qm großen Edeka-Supermarkt nördlich der Emslandhalle, den BvL offenbar verkaufen möchte. Mit Sperrfrist für die Presse Donnerstag 17 Uhr oder so. OB Krone schippert derweil weiter kreuzfahrtmäßig.

Dabei weiß jede/r: Eine nachhaltige und zukunftsorientierte Kommunalpolitik verlangt, in unserer Stadt die Grundlagen für den Wohlstand von morgen zu gewährleisten. Das heißt vor allem, nicht jedem und jeder nach dem Mund zu reden. Die Antworten auf die Herausforderungen des demografischen Wandels  gehören ebenso dazu wie in unseren digitalen Zeiten der Erhalt und der Ausbau der (Sie ahnen es: digitalen) kommunalen Infrastruktur. Nichts davon hat Krone offenbar verstanden und bläht derweil die konsumptive Kommunalverwaltung auf: Für 2017 plant Krone bei >26 Mio Personalkosten ganze 17 Mio Investitionen… (und vor allem 6,5 Mio neuen Schulden).

Wer sieht, was OB Krone seit 2010 auf den Weg gebracht hat, muss nicht nur angesichts dessen maßlos enttäuscht sein. Es ist nämlich: Nix. Er erntet die Projekte seines Vorgängers Pott, was die dem OB wohlgesonnene LT im Zweifel als Erfolge vom Krone ‚darstellt‘. Nur den Altenlingener Forst hat er so ein bisschen gerettet. Das aber ist -sachlich betrachtet- viel zu wenig, um in 19 Monaten wieder gewählt zu werden.

Emsland Kalender 2015

25. Dezember 2014

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41 Mal ist der Emsland Kalender seit 1974 erschienen. Es waren die Aufnahmen des Fotografen Werner Franke, die ihn prägten. Der ehem. Oberkreisdirektor des Landkreises Lingen wunderte sich bisweilen, wie wenige Emsländer ihre Heimat wirklich kennen, und hoffte darauf, dass der Kalender dazu anregt, die Schönheiten des Emslandes schätzen zu lernen. Dank zollte der Schepsdorfer jährlich der Sparkasse Emsland für ihre finanzielle Unterstützung „dieses besonderen Werbeträgers der Region“. Tatsächlich wurde der Kalender auch von Emsländern in der ganzen Welt nachgefragt.

franke_werner2014 ist Werner Franke nach langer Krankheit gestorben und die Sparkasse Emsland hat sofort -für mich unverständlicherweise- ihre Garantieabnahme und damit ihre Unterstützung eingestellt.

Es ist also an der Zeit, Freunde, eine emsländische Tradition zu retten, und wer anders als Gerhard Kromschröder oder der Betreiber dieses kleinen Blogs könnte dies leisten? Kromschröder, dessen von den Granden im Meppener Kreishaus so kleinkariert angefeindetes Projekt eines Emsländischen Bildbandes in bester Erinnerung ist, weiß noch nichts von (s)einer Chance für den anderen Emsland Kalender. Also hab ich den Vorschlag meines Sohnes Max aufgegriffen und mit seiner Hilfe für 2015 die fällige Neuauflage konzipiert. Ausnahmslos mit aktuellen Bildern, die im Internet veröffentlicht und mit einem entsprechenden Vermerk unter Creative Commons lizensiert worden sind.

Dieser Emsland Kalender 2015 enthält auf etwas dünnerem Papier, aber sonst wie gehabt 12 13 pralle, stets bunte [manchmal sehr bunte] und traditionelle Aufnahmen aus dem Emsland.

Es ist, wenn man so will, für alle bloglesenden Interessenten (m)ein kleines Weihnachtsgeschenk, vor allem an die, die sonst einen deutlich helleren und leeren Fleck auf ihrer Wohnzimmertapete zurück behielten, weil sie dort den Emsland Kalender jahrelang platziert und geschätzt haben. Es ist auch eine Hommage an den Emsland-Fotografen Werner Franke.

Wenn die werte Leserschaft ein (oder mehrere) Exemplare erwerben möchte, bitte ich um eine E-Mail an robertsblog(at)email.de. 

Weil alles sehr schnell gestrickt wird, kann ich noch nicht genau sagen, wie teuer ein Exemplar werden wird; das hängt auch von der Zahl der zu bestellenden Kalender ab. Ich rechne mit 10 – 12 Euro (zzgl Versand). Der Überschuss geht an eine gemeinnützige Organisation im Emsland. Schlagen Sie einfach eine vor, wenn Sie wollen. Der Versand erfolgt spät, aber nicht zu spät: Anfang bis Mitte Januar.

Kalender 2015

Kalender CC-Fotoquellen

(Quelle; Werner Franke, Foto @ NOZ), Kalenderfotos)

Sophie Hunger

18. September 2013

Sophie Hunger
Lingen (Ems)  –  Kunst-/Halle IV, Kaiserstraße 10 a

Mittwoch, 18. Sept. 2013  –  20 Uhr

Eintritt: Sitzplatz: 30 € / 25 € erm., Stehplatz: 20 € / 15 € erm.

Sophie Hunger in Lingen! Ihr -nicht beworbenes (!)- Konzert ist der musikalische Höhepunkt der ersten neun Monate dieses Jahres in unserer Stadt. Denn „sie hat etwas, was die Leute nicht begreifen“.  Sophie Hunger trifft mit ihrer Musik, wie bejubelte Konzerte in England, Frankreich und hierzulande zeigten, offenbar nicht nur den Nerv der Hörer/innen in ihrer Schweizer Heimat.

NdsMusiktage“Ich verstehe nicht viel von Musik”, offenbarte die Entertainerin vor kurzem kokett einer Journalistin des Schweizer Tagblatts. Dieser Unbedarftheit ist wohl auch die außergewöhnliche Ungeschliffenheit und Direktheit ihrer Musik zu verdanken. Begleiten lässt sich Sophie nicht von einer ad hoc zusammenwürfelten Studioband, sondern von den Musikern, die ihr festes Ensemble bilden.“ Um meine Musik zu machen, brauche ich Leute, die mir vertrauen. Die Musiker, die mich begleiten, treten auch immer mit mir auf.”
Was Sophie Hunger hervorhebt, ist unter anderem die Kombination von Integrität und Reife, die sie auf ihrem neuen Album “Monday’s Ghost” beweist. Deshalb greifen Vergleiche mit vielen anderen Repräsentantinnen dieses heterogenen Genres auch ins Leere: Sophie Hunger ist keine neue Norah Jones und will es auch gar nicht sein.  Oder wie Das Magazin eben erklärt: „Sie hat etwas, was die Leute nicht begreifen“.
Das Konzert ist Teil der Niedersächsischen Musiktage 2013. Mit 47.000 Quadratkilometern Niedersachsen sind die Musiktage das flächengrößte Festival in Deutschland. Vier Wochen lang treten international renommierte Künstler an über 60 Orten des Landes auf. Veranstaltet wird das Festival von der Niedersächsischen Sparkassenstiftung in Zusammenarbeit mit örtlichen Mitveranstaltern und den niedersächsischen Sparkassen, in diesem Falle die Sparkasse Emsland.  In Lingen singt und erzählt die Schweizer Ausnahmekünstlerin  über Freundschaft auf und hinter der Bühne. (Quelle)

Em_land

10. Februar 2013

gutewerbung

Ausgesprochen gute Werbung zu 175 Jahre Sparkasse im Emsland!
ps Jetzt nur noch die Internetseite auf dasselbe Niveau heben und die Idee zum 150. wiederbeleben: Damals präsentierte die Sparkasse zum Jubiläum Zirkus Sarrasani für Ihre Kunden und deren Familien auf dem Lingener Kirmesplatz. Das war großartig! [Allerdings könnte heute, in Zeiten der Bankenkrise eine solche Werbebotschaft auch missverstanden werden… ;-)]

Entwickeln

21. November 2011

OB Dieter Krone hat unlängst die „Vermarktung des Emsauenparks“ im Lingener Stadtteil Reuschberge zu einem seiner politischen Arbeitsschwerpunkte erklärt. Immerhin soll auf dem Gelände der ehemaligen, übereilt, sinnfrei und reichlich kopflos abgerissenen Scharnhorstkaserne der Bundeswehr  ein völlig neues Stadtquartier entstehen. Da muss man dann das Beste draus machen.

Vorgestern, am Samstag, gab es dazu einen wichtigen Termin im IT-Zentrum der Hallen des ehemaligen Eisenbahnausbesserungswerks, über den heute die Lokalpresse, die Ems-Vechte-Welle und abends dann auch EV1-tv durchweg positiv berichten. Regionale Architekten präsentierten ihre Entwürfe, Grundrisse und Ideen für neue Häuser im Emsauenpark Reuschberge. Durchweg alle Teilnehmer der Veranstaltung waren am Samstag voll des Lobes und freuten sich über den unerwartet großen Ansturm. Die Messe-Idee hatten maßgeblich Hochbauamtsleiter Peter Krämer und Helmut Höke, Prokurist der kommunalen Grundstücks- und Erschließungsgesellschaft (GEG), entwickelt. Grundlage war die Überlegung, dass das Baugebiet für 300 bis 400 neue Wohnungen städtebaulich wie gestalterisch nur gelingen könne, sofern Bauwillige einen Überblick über die unterschiedlichen Vorstellungen der Architekten und Bauträger gewinnen können. Bei einer herkömmlichen Vergabe gelingt dies regelmäßig nicht.

Das neue Wohnen entsteht bekanntlich nur etwa 1000-Meter-Luftlinie vom Marktplatz entfernt, zwischen Dortmund-Ems-Kanal im Osten und der Ems im Westen. Der Vorteil gegenüber den vermeintlich günstigeren Grundstücken in Nachbargemeinden oder Ortsteilen: Familien brauchen kein zweites Kraftfahrzeug. Entstehen sollen Einfamilien-, Doppel- und Reihenhäuser, Stadtvillen und Stadthäusern. Südlichwestlich des Wohngebietes entsteht ein rund 14 Hektar großer Park, der „die natürlichen Landschaftselemente der Emsauen mit modernen Wasserelementen, Gastronomie und Spielflächen vereint“, wie es auf der Internetseite der Stadt heißt.

Noch vor Weihnachten sollen im Stadtrat die Grundstückspreise festgelegt werde. Unterschiedliche Grundstücksgrößen von ca. 250 m² für Stadthäuser bis 1.500 m² werden dann auch zu unterschiedlichen Preisen angeboten werden. Die ersten Grundstücke im neuen Emsauenpark werden voraussichtlich schon in zwei, drei Monaten vergeben. Zusätzliche Informationen zum Emsauenpark vermittelt die Broschüre Emsauenpark. Gebaut wird dann ab Sommer 2012. Interessenten können sich unverbindlich hier für ein Grundstück bewerben.
Zusammen mit Mitgliedern  der Stadtratsfraktion „Die BürgerNahen“  habe ich mich am Samstagnachmittag über die Pläne und Entwürfe der ausstellenden Architekten und Bauträgern informiert: Bau- und Planungsteam Hansi Surmann GmbH/Freren, Bruno Braun Architekten/Düsseldorf (Stöckler Immobilien und Bau GmbH/Lingen), Conzeptbau M. Wessmann Immobilien & Gutachterbüro/Lingen, Deeken Architekten/Lingen, Fickers Architekten/Lingen, Krämer + Susok Architekten BDA/Lingen, Liedtke + Lorenz GbR/Lingen, Meyerrose | Wübben Architekten/Meppen, mg architekturgesellschaft mbh/Meppen, Plan |Concept Architekten/Osnabrück, PRO Immobilien GmbH/Lingen, WBR Architekten • Ingenieure/Lingen, w+ID InnenArchitektur und Design/Lingen und 2e Architekten Hülsmann und Sowka/Meppen. Besonders gefiel dabei die Zusammenstellung von zehn völlig unterschiedlichen Stadthausentwürfen. Sie war übrigens deutlich besser als das nachstehende Foto.
An der Ausstellung nahmen außerdem auch die Architektenkammer Niedersachsen und die Stadt selbst sowie mit der Sparkasse Emsland und der Volksbank Lingen eG teil, also die beiden führenden regionalen Kreditinstitute. Leider war die Veranstaltung schon nach sieben Stunden zu Ende. Sinnvoll ist es daher, die einzelnen Arbeiten und Ideenskizzen der beteiligten Architekten dauerhaft online ins Netz zu stellen. Allerdings hat der Lingener Fahrradhändler Andreas Lutter die Domains emsauenpark.de und  emsauenpark-lingen.de -sagt man- gegrabbt? Er hat sie sich jedenfalls schon vor geraumer Zeit unter den Nagel gerissen, wird sie aber sicherlich gern abgeben, wenn man ihn höflich fragt.
Und dann wird eine neue Fußgänger- und Radfahrer-Brücke von Reuschberge über den Dortmund-Ems-Kanal in die Stadtmitte geführt werden. Da hoffe ich persönlich ganz still und leise darauf, dass dies kein 08/15-Bauwerk nach Art der Bundeswasserstraßenverwaltung („schnell, genormt und preiswert“) wird sondern eine Verbindung, die das Stadtbild deutlich aufwertet, mag es dann vielleicht auch ein bisschen teurer werden (Blätterst Du hier…).
Foto: Junge Lingener Architekten auf der Emsauenpark-Messe: Arnd Vickers und Sebastian Deeken, von lks., © robertsblog;)

Joseph Haydn
Oratorium  „Die Jahreszeiten“ 


NDR-Radiophilharmonie, NDR-Chor
und Dietrich Henschel, Simona Šaturová, Lothar Odinius 
Leitung: Andrew Manze

Papenburg  – Forum Alte Werft
Samstag, 3. September 2011  –  19 Uhr
Eintritt: 10,50 € – 26,00 €  ausverkauft

Die Niedersächsischen Musiktage feiern in diesem Jahr ihr 25-jähriges Jubiläum. Das Eröffnungskonzert der Veranstaltungsreihe 2011 findet in Papenburg statt. Unter Leitung von Andrew Manze, führen die NDR Radiophilharmonie, der  NDR Chor und als Solisten Dietrich Henschel, Simona Šaturová und Lothar Odinius das Oratorium „Jahreszeiten” von Joseph Haydn auf.

Wie ganz anders sich die  Jahreszeiten auf der Südhalbkugel zeigen, erleben die Besucher des Oratoriums anschließend in der illuminierten Kesselschmiede, wenn Klaus Paier am Bandoneon und Asja Valcic am Cello Piazzollas südamerikanisch feurige „Vier Jahreszeiten” entfachen. Eine Veranstaltung der Niedersächsischen Sparkassenstiftung in Kooperation mit der Sparkasse Emsland.

Gar nicht anders

19. Januar 2011

Können Lingener Eigenheimbauer auf Rückzahlungen für zu viel gezahlte Erschließungskosten hoffen? Das könnte die Folge eines aktuellen Urteils des Bundesverwaltungsgerichts sein:

Der Kern der Gerichtsentscheidung vom 1. Dezember 2010 – Aktenzeichen  9 C 8.09: Wenn eine Kommune für den Bau von Straßen, Gehwegen, Strom- Wasser- und Fernmeldeleitungen in einem Wohngebiet eine eigene Tochtergesellschaft beauftragt hat, darf der Aufwand für die Erschließung des Areals nicht in vollem Umfang auf die Grundstückseigentümer übergewälzt werden. Und sollte das kommunale Unternehmen wie in dem vor dem Gericht verhandelten Fall sogar noch eine Betreuungspauschale von fünf Prozent der Kosten verlangen, ist das ebenfalls nicht zulässig.

Grundstückseigentümer können die Kosten von solchen Unternehmen also zurückverlangen, weil die Erschließungsverträge zwischen der Kommune und der ausführenden kommunalen Gesellschaft nach dem Leipziger Urteil nichtig sind. Die Kommunen können aber grundsätzlich 90 Prozent der angefallenen Kosten über Beitragsbescheide wieder hereinholen. Nur zehn Prozent der Erschließungskosten müssen sie per Gesetz selbst tragen.

Mit dem jüngsten Urteil der Bundesverwaltungsrichter kommen die Hausbauer besser weg. Sie werden davor geschützt, dass Städte und Gemeinden an den Erschließungsarbeiten verdienen.  „Kommunen mit solchen Gesellschaften haben ihre Pflichten verletzt und zu hohe Beiträge gefordert“, kommentierte Rechtsanwalt Dr. Sönke Anders (Stuttgart), dessen Kanzlei das wegweisende Urteil für zehn Hauseigentümer erstritten hat. Das Erschließen von Grundstücken, also der Bau von Straßen, Wegen oder Spielplätzen, sei grundsätzlich Aufgabe der Gemeinde. Sie kann von den Grundstückseigentümern für bestimmte Anlagen allerdings einen Beitrag an den Kosten fordern. Zehn Prozent der Erschließungskosten müsse die Gemeinde allerdings immer selbst tragen.

In dem verhandelten Fall hatte die Stadt  Bietigheim-Bissingen (Baden-Württemberg) eine private Gesellschaft gegründet, die die Erschließung eines Baugebiets übernommen hatte. Dabei ging es um die Entwässerung, die Straßen, die Beleuchtung, einen Spielplatz und die Anbindung an das öffentliche Straßennetz. Formal ein privates Unternehmen gab die im Eigentum der Stadt Bietigheim-Bissingen stehende Gesellschaft viel mehr Kosten an die Grundstückskäufer weiter als es der Stadt erlaubt gewesen wäre, falls sie selbst die Erschließung durchgeführt hätte.

Diese rechtliche Konstruktion wurde vom Bundesverwaltungsgericht nun beanstandet – übrigens anders als die Vorstanzen (Verwaltungsgericht Stuttgart, Urt. v. 08.11.2007 – 2 K 2707/07) und der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg (Urt. v. 23.10.2009 – 2 S 424/08). Ein privates Unternehmen vorzuschieben, das in Wahrheit der Kommune gehört, und auf diese Weise alle Erschließungskosten auf die Grundstückskäufer abzuwälzen, sei unzulässig, entschied das Leipziger Gericht.

Die in Bietigheim-Bissigen gewählte Verfahrensweise geht zurück auf eine Gesetzesänderung zu § 124 Abs. 1 BauGB aus dem Jahr 1993. Deren Ziel war es, Ausweisung und Schaffung von Bauland zu erleichtern. Deshalb wollte der Gesetzgeber vertragliche Regelungen zwischen Gemeinden und Investoren im Städtebaurecht stärken, zugleich aber die rechtlichen Grenzen solcher Verträge festlegen. Vor Augen hatte man damals private Erschließungsunternehmer , der seine Entscheidungen unabhängig von der Gemeinde trifft. Das passt nicht zu einer gemeindlichen Eigengesellschaft ; diese ist kein “Dritter” im Sinne von § 124 Abs. 1 BauGB. Praktisch und wirtschaftlich liefe dies Modell darauf hinaus, dass die Gemeinden “im Mantel eines Privaten” vertraglich alle Erschließungskosten auf die Eigentümer bzw. Käufer abwälzen könnten, ohne den gesetzlichen Begrenzungen des Beitragsrechts zu unterliegen.

Für viele Gemeinden dürfte das Urteil empfindliche finanzielle Einbußen bedeuten. Die finanzielle Belastung der Anwohner hingegen könnte sich jetzt im Durchschnitt um bis zu 20 Prozent verringern, erwartet Anwalt Anders. „Die kommunalen Tochterunternehmen müssen den Grundstückseigentümern jetzt alle geleisteten Zahlungen erstatten“, meint der Verwaltungsrechtler, was mir zweifelhaft erscheint; aber die Gemeinden dürften ihren Anteil an den Erschließungskosten zu übernehmen und zu erstatten haben.

„Das Urteil betrifft nicht nur alle laufenden Verträge mit solchen Gesellschaften, sondern auch bereits abgeschlossene Erschließungen“, erläutert der Jurist: „Eine rückwirkende Erstattung kann möglich sein, wenn die Ansprüche noch nicht verjährt oder durch zwischenzeitliche Grundstücksübertragungen entfallen sind.“

Auch die Grundstücks- und Erschließungsgesellschaft Lingen (Ems) GmbH  (Kürzel: GEG; Werbebanner re.) ist seit einigen Jahren eine 100 %ige Tochtergesellschaft der Stadt, nachdem die Volksbank Lingen eG und die Sparkasse  als Gesellschafter ausgeschieden waren. Sie hat im Zusammenwirken mit der Stadt genau nach dem Modell die Erschließung berechnet, die das Bundesverwaltungsgericht jetzt beanstandet hat.

Bei Grundstücksgrößen von 500 qm und größer sowie Erschließungskosten von 20,00 bis 40,00 Euro pro Quadratmeter kommen schnell 1.500 Euro und mehr pro Kaufgrundstück zusammen.

Ob nun die GEG ganz und allein zurück zu erstatten hat oder die Stadt Lingen (Ems) ihren eigenen Anteil tragen und den Betroffenen ersetzen muss, wird politisch diskutiert und entschieden werden müssen. Ich werde im Rat nachfragen. Es muss jedenfalls gezahlt werden und die GEG wird es bestimmt auch wollen. Warum? Nun, sie  hat zuletzt ihre starke Verbundenheit mit dem Recht eindrucksvoll unter Beweis gestellt, als einige Jusos ein Bäumlein demonstrativ im abgeholzten Altenlingener Wald pflanzen wollten. Wer sich dem Recht so verbunden zeigt, kann ja gar nicht anders…

(Fundstelle: Bundesverwaltungsgericht, Urt. vom 01.12.2010 – 9 C 8.09 )

(Foto: Straßenbau gumtau CC; Werbebanner © GEG Lingen (Ems) GmbH )