Lingen & Denkmal

13. November 2018

Architekturreihe Lingen & Denkmal
Prof Johannes Schilling (Köln)
„Transzendente Räume – Architektur zwischen Radikalität und Illusion“

Lingen (Ems) – IT-Zentrum, Kaiserstraße 10b
Do 15. Nov. 2018 – 19 Uhr
Eintritt: frei

Die Architekturreihe Lingen & Denkmal wird an diesem Donnerstag mit einem Vortrag des Kölner Architekten Johannes Schilling fortgesetzt. Die Stadtverwaltung kündigt den Vortrag mit diesen Worten an:
„Architektur ist die Kunst, einen allgemeinen Zustand des Übergangs, von der räumlichen Idee über die gebaute Form bis zu den Empfindungen der Nutzer, in der Schwebe zu halten. Dieses vielschichtige Wissen um die Architektur wird von Schilling Architekten fortwährend erweitert. Mit jedem Projekt stellt sich die Frage nach dem Wesen und dem Umfang von Architektur neu. Johannes Schilling vollzieht in seiner Architektur eine beständige Evolution von Form und Ausdruck in dem von Raum und Kontext gesetzten Rahmen. Historie, soziale Belange und schlichtweg Funktionalität mögen die Architektur prägen, aber bestimmt wird sie von der Sensibilität, die Dinge in einem erweiterten Verständnis aufzunehmen und zu reflektieren. Der Widerhall, der dabei in uns Betrachtern und Nutzern erzeugt wird, ist der eigentliche Gewinn. So bleibt die Architektur gleichermaßen zugänglich und voller lebhafter Überraschungen – mit anderen Worten, ein Phänomen.
Prof. Johannes Schilling, Jahrgang 1956, studierte Architektur an der RWTH Aachen, an der Kunstakademie Düsseldorf und an der NSTC Halifax. 1984 gründete er das Büro Schilling Architekten in Köln und hat seit 2003 eine Professur an der Münster School of Architecture inne.“


Mit der Reihe „Lingen & Denkmal“ will die Stadt Lingen (Ems) renommierten Architekten, Gestaltern und Kulturschaffenden die Möglichkeit geben, in ungezwungener Atmosphäre ihre Projekte zu präsentieren – mit geselligem Ausklang bei Wein, Brot und Käse. Im Jahr 2018 steht dabei das Thema „Lingen & Denkmal – Neue Architektur in alten Mauern“ im Mittelpunkt. „Wir möchten Lust auf Architektur und Baukultur machen“, erläutert Stadtbaurat Lothar Schreinemacher die Idee zu der Reihe. Der Austausch sei dabei besonders wichtig. „Ich wünsche mir, dass die Architekten und Bauschaffenden einmal abseits von konkreten Projekten miteinander ins Gespräch kommen“, so der Stadtbaurat. Angesprochen sind neben diesen Berufsgruppen vor allem alle Kultur- und Architekturinteressierte in der Region.

 

(Foto © Stadt Lingen(Ems))

wenn Mütter sie gestalten

14. September 2018

Natalie Mayroth hat einen Beitrag von Christine Murray in der britischen Zeitung „The Guardian“ entdeckt und auf dieser feinen piqd-Plattform dargestellt. Ich meine, das diskutiere ich in meiner Familie immer wieder: Architektur aus der Sicht von Müttern: Wie sähen unsere Städte aus, wenn Mütter sie gestalten? Man muss ja nur die lokale Zeitung durchblättern, um zu sehen, wie weit diese Vorstellung von der Realität entfernt ist: Denn alles, was mit Bauen zu tun hat, wird als Männersache begriffen. Dazu braucht man keine feministischen Ansätze sondern nur die Bilder von Spatenstichen und Einweihungen sehen. Es gibt jedenfalls in unserer Region nur ganz wenige Ausnahmen, beispielsweise die Unternehmerin Annemarie Lühn, die jenseits des Wellbergs ein besonderes städtebauliches Projekt natürlich mit Kita verwirklichen will und auch sonst eigene Akzente setzt. Beispielsweise gab es vor zwei Wochen ein Betriebsfest der Firma LühnBau, das familien- und nicht männerorientiert veranstaltet wurde. Vorbildlich, da hätten selbst der OB und die Lingener CDU dazulernen können – beide waren aber nicht da bzw. vertreten…. Hier der Mayrothsche Mütter-Beitrag:

„Wie immer, wenn es um Fragen der Zukunft geht – wie wollen wir leben, wie wollen wir gestalten, wie wollen wir wohnen – ist es auch eine Frage der Repräsentanz, dem Mitbedenken, dass eine Gesellschaft vielfältig ist und unterschiedliche Bedürfnisse hat.

Doch wie soll das geschehen, wenn die EntscheiderInnen alle allzu gleich sind? Beziehungsweise wie äußert sich das? Wer schon einmal mit einem Kinderwagen unterwegs war – es muss nicht mit dem eigenen Kind gewesen sein oder mit Kleinkind(ern) – der sieht Städte anders. Und das ist der Punkt, an dem Christine Murray ansetzt.

What would our cities be like if mothers had more of a role in designing them? There would be ramps everywhere, for a start. Schlepping a pushchair around makes you think differently about stairs. I cried when my nearest station was revamped without the inclusion of a lift. To stand at the bottom of that flight of steps with two kids and a newborn in a pram is to experience the kind of despair usually reserved for rat-infested dungeons. Any station or public building undergoing refurbishment should by law be made step-free.

Ja, was wäre, wenn nicht nur Frauen, sondern Mütter die Architektur von Städten wie London gestalten würden? Von mir aus auch die Väter, die mit Kind in der Stadt unterwegs sind und die öffentlichen Verkehrsmittel statt den Kombi nutzen. Ich denke, nicht nur London hat da Nachholbedarf. In deutschen Städten könnte man sich die Frage auch stellen beziehungsweise richte ich dieses Gedankenspiel ans piqd-Publikum.

Was meint ihr: Wie sähen unsere Städte aus, wenn wir mehr Stadtplanerinnen mit Kindern an den entscheidenden Positionen hätten? Bei einem weiteren Punkt stimme ich Murray zu, junge Leute und Menschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, einzubeziehen, würde für uns alle die Stadt lebenswerter machen. Wenn wir, wenn die Politik das will.“

Sebastian Deeken

17. Februar 2018

Architekturreihe „Lingen & Denkmal“:
Sebastian Deeken

„Bauen im Bestand: von der Wiederherstellung bis zur radikalen Transformation“
Lingen (Ems) – IT-Zentrum, Kaiserstr. 10b
Do 22.02.2018 – 19 Uhr
Kein Eintritt

Der erste Werkvortrag 2018 der Lingener Architekturreihe trägt den Titel „Bauen im Bestand: von der Wiederherstellung bis zur radikalen Transformation“. Sebastian Deeken wird nicht nur denkmalgeschützte Häuser zeigen, sondern auch Alltagsarchitektur, die für neue Nutzer revitalisiert wurde. Der Architekt erklärt dabei, wie durch Aufstockung oder Anbau mehr Wohnraum für eine verträgliche Nachverdichtung geschaffen werden kann. In seinem Vortrag stellt er Beispiele aus Lingen und Umgebung vor, die sich im Spannungsfeld zwischen Alt und Neu bewegen.

Sebastian Deeken, geboren 1971 in Lingen, studierte Architektur in Braunschweig und Yokohama und arbeitete dort im Büro Riken Yamamoto and Field Shop, zudem danach im Büro Szyskowitz-Kowalski in Graz und im Büro Kny & Weber Architekten in Berlin mit. 2009 gründete er das Büro Deeken Architekten in Berlin. Erst kürzlich ist Sebastian Deeken im Rahmen von max 45 – Junge Architekten in Niedersachsen 2017, dem Nachwuchsförderpreis des BDA Niedersachsen, ausgezeichnet worden.

Das Häuser Magazin wählte ihn unter die 100 besten Architekten für Wohnhäuser in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Mit der Reihe „Lingen & Denkmal“ will die Stadt Lingen renommierten Architekten, Gestaltern und Kulturschaffenden die Möglichkeit geben, in ungezwungener Atmosphäre ihre Projekte zu präsentieren – mit geselligem Ausklang bei Wein, Brot und Käse. Im Jahr 2018 steht dabei das Thema „Lingen & Denkmal – Neue Architektur in alten Mauern“ im Mittelpunkt. Nach Sebastian Deeken kommt Per Pedersen vom Büro Staab-Architekten in Berlin am Donnerstag, 17. Mai 2018, nach Lingen. Nähere Informationen dazu bald an dieser Stelle.

Architekturreihe:
Werkvortrag von Franz-Josef Höing
Lingen (Ems) – IT-Zentrum, Kaiserstraße 10b
Do 19.10.2017 – 19 Uhr
Freier Eintritt

Mit Franz-Josef Höing, Leiter des Dezernats Stadtentwicklung, Planen und Bauen der Stadt Köln und künftiger Oberbaudirektor der Freien und Hansestadt Hamburg, beginnt nach der Sommerpause der zweite Teil der Lingener Architekturreihe 2017. Sein Werkvortrag trägt den Titel „Qualität braucht kluge Prozesse“.

In seinem „Werkvortrag“ wird Franz-Josef Höing die Herausforderungen beschreiben, vor die sich Städte wie Köln angesichts ihres dynamischen Wachstums gestellt sehen. Mit welchen Strategien schaffen Städte Platz für eine wachsende Bevölkerung, Räume zum Wohnen und Arbeiten, für Bildung, Kultur und Freizeit. Die Entwicklung neuer Stadtquartiere auf ehemaligen Hafenarealen ist ein Beispiel. Nicht zuletzt legt Franz-Josef Höing dar, wie „die Stadt“ ihre Bürgerinnen und Bürger durch Beteiligungsverfahren in den Prozess einer qualitätsvollen Stadtentwicklung einbindet.

Zur Person:
Geboren in Gescher (NRW) studierte Franz-Josef Höing Raumplanung an der Universität in Dortmund und arbeitete dann in Dortmund, Wien, Aachen, Hamburg, Münster und Bremen – in freien Planungsbüros, als lehrender Assistent am Institut für Städtebau und Raumplanung an der Technischen Universität Wien (1994 bis 1999), als Professor für Städtebau an der Münster School of Architecture (2004 bis 2008), als Leiter der Projektgruppe HafenCity in Hamburg (2003 bis 2004) und als verantwortlicher Senatsbaudirektor in Bremen (2004 bis 2012).
2012 wählt der Rat der Stadt Köln Höing zum Beigeordneten. Er leitet seither in Köln das Dezernat VI, Stadtentwicklung, Planen und Bauen. In Kürze wechselt er als neuer Oberbaudirektor in die Freie und Hansestadt Hamburg.

Mit der Reihe „Lingen & Wohnen“ gibt unsere Stadt renommierten Architekten, Gestaltern und Kulturschaffenden die Möglichkeit, ihre Projekte zu präsentieren – mit geselligem Ausklang bei Wein, Brot und Käse. In diesem Jahr liegt der Schwerpunkt dabei auf den Themen Wohnen und Wohnungsbau.„Wir möchten Lust auf Architektur und Baukultur machen“, erläutert Stadtbaurat Lothar Schreinemacher die Idee zu der Reihe. Der Austausch stehe dabei im Mittelpunkt.  Angesprochen sind neben Architekten und Bauschaffenden vor allem alle Kultur- und Architekturinteressierte in der Region.

Nach Stefan Forster, Prof. Dr. Jörg Probst und jetzt Franz-Josef Höing referiert am Dienstag, 7. November, Prof. Dr. Günter Pfeifer über „Typus und Topos – endgültig ungültig. Die Zusammenhänge von Klima und Wohnen“.
(Foto und Quelle PM)

  Stadtverdichtung

14. August 2017

Ich schreibe diese Sätze über das geplante „langgestreckte“ Bauvorhaben auf dem ehemaligen Parkplatz der Gärtnerei Dust an der Lingener Kiesbergstraße. Dazu meinte FDP-Mann Jens Beeck vergangene Woche, jetzt entstehe dort „genau das, was wir wollen“ und – gleich noch eins drauf – „Wenn wir an innerörtlichen Erschließungsstraßen nicht bauen dürfen – wo dann noch?“

Nein, Jens Beeck, das haben „wir“ gerade nicht gewollt. „Wir“ haben uns allerdings durch ein weiteres Kuckucksei des früheren Stadtbaurats Georg Lisiecki (Oldenburg) täuschen lassen, das er da unserem Städtchen hinterlassen hat. Er hat nämlich einen Bebauungsplan konzipiert, der einen groben architektonischen Missgriffe ermöglicht, also kurz gesagt architektonischen Mist. Man reibt sich die Augen, dass dies dann vom Ratskollegen JB flugs unter Stadtverdichtung bejubelt wird, die man doch unterstützen wolle.

Pädagogisch-künsterlischer Einschub für „Ist-mir-doch-egal“-Leser/innen:
Schlechte Architektur wird nicht dadurch weniger schlecht oder gar gute Architektur, dass man ein „Geschmäcker sind eben verschieden“ ruft.

Dabei führt die Kritik an der Ausführungsplanung keineswegs zum Abrücken von der notwendigen Nachverdichtung, wie der kommentierende LT-Redakteur Thomas Pertz meint. Es geht vielmehr um Stadtgestaltung, genauer um Maßstäblichkeit, die das Bauvorhaben vermissen lässt. 50m lang und dreigeschossig – ein Hausblock zum Wegschauen oder „Was-ist-das-denn-Rufen“, ein modernes Wohnregal eben. Das Gebäude soll nämlich so aussehen:

 

Als Anfang 2013 der für die Umwandlung des ehemaligen Gärtnerei in eine Wohnsiedlung notwendige Bebauungsplan Nr. 102 – Teil VI „Neuer Wall Ost“ beschlossen wurde, präsentierte besagter Stadtbaurat diese sehr moderne Entwurfsskizze, die faktisch das Bauwerk in zwei Blöcke teilt.

Man erkennt zwanglos die beiden, etwas futuristisch im dritten Geschoss miteinander verbundenen Baukörper. Davon ist jetzt nichts geblieben.- Es entsteht an der Kiesbergstraße nur ein langer Jammer – mit Kleinstwohnungen, so ein Scheidungsbunker für Getrenntlebende. Dieser hat darüber hinaus nicht einmal eine Tiefgarage, weshalb viele unbebaute Quadratmeter auch noch für Parkplätze gepflastert werden. Seinerzeit waren nämlich Tiefgaragen (mit etwas mehr als 300 €/Quadratmeter Wohnfläche nicht unbezahlbar) noch nicht in die Köpfe der Ratsmehrheit und des Oldenburgers vorgedrungen. Erst jetzt kommt es langsam zu einem notwendigen Bewusstseinswandel.

Die fehlende Maßstäblichkeit und die fehlenden Parkflächen unterhalb des Neubaus sind greifbare Fehler, die über den Bereich hinaus ganz allgemein die begonnene Neuausrichtung hin zur Nachverdichtung belasten. Denn wer will schon so nachverdichtet leben oder anders: „Unser“ Ziel war, dass die Neuplanung „sensibel auf die angrenzenden Strukturen reagiert und eine nachhaltige Stadtentwicklung gewährleistet„. Jede/r kann sehen, dass der technische Teil des beschlossenen Bebauungsplans, Baurat Georg Lisiecki wegen, diesem Ziel völlig widerspricht. 

 

Nachtrag:
Der Neubau erfüllt übrigens, wie Sie sehen, nicht die tünchende Bestimmung des Bebauungsplanes, das dritte Geschoss farblich abzusetzen. Aber der Investor wird noch einen Eimer Farbe für das dritte Obergeschoss zwecks „besserer horizontaler Gliederung“ (so die Bebauungsplanbegründung) finden… Aber Achtung: Trinkwasserschutzgebiet Zone II, also keine fungizidhaltige Farbe bitte!. 

 

Tag der Architektur

24. Juni 2017

Der letzte Sonntag im Juni ist jedes Jahr Tag der Architektur. In ganz Niedersachsen (und bundesweit) sind an diesem Tag interessante neuere Gebäude und Anlagen geöffnet. Die Architekten führen hindurch, erklären ihre Baukunst, stellen sich den Fragen und Meinungen der Besucher. 2017 steht der „ag der Architektur unter dem Motto „Architektur schafft Lebensqualität“ und will dazu beitragen, Architektur als gebaute Umwelt, als Kunst für den alltäglichen Gebrauch im öffentlichen Bewusstsein zu verankern.
Im Rahmen des Tages der Architektur bietet in Lingen (Ems) das Architekturbüro „Reindersarchitekten“ aus Osnabrück am 25. Juni Führungen durch die Zweifeld-Turnhalle der Matthias-Claudius-Schule an. Interessierte treffen sich dafür um 11, 12 oder 13 Uhr am Haupteingang der Turnhalle in der Birkenallee 21 in Lingen (Ems).
2013 hatte die Schule die Zweifeld-Turnhalle nach einem Jahr Bauzeit in Betrieb genommen. Sie kostete rund 3 Millionen Euro. Neben der Schule nutzen auch der Hort der Trinitatis-Kirchengemeinde sowie verschiedene Sportvereine das Gebäude. Die Matthias-Claudius-Turnhalle wurde nach neuestem energetischem Standard in Anlehnung an den Passiv-Haus-Standard errichtet und im Hinblick auf das Thema Inklusion zudem barrierefrei gebaut. Großflächige Verglasungen sowie farbig abgesetzte Wandflächen im Außen- und Innenraum tragen zum positiven Erscheinungsbild der Halle bei.
Reinders Architekten haben übrigens gerade den Architekturwettbewerb zur Erweiterung des Lingener Emslandmuseums gewonnen.
In der Region an Ems und Vechte präsentieren am Sonntag außerdem Nordhorn, Salzbergen, Meppen, Bersenbrück und Leer moderne Architektur. Mir persönlich gefällt besonders dieses Supermarkt-Projekt in Oldenburg, das vor eineinhalb Jahren Entwurfsverfasser Lars Frerichs („neun grad architektur“) im Rahmen der Lingener Architekturreihe „Lingen & Technik“ vorstellte (mehr…).
Im angrenzenden NRW werden am Tag der Architektur u.a. Projekte in Hörstel, Recke, Rheine und Steinfurt vorgestellt. Mehr
Weitere Informationen sind unter www.tag-der-architektur.de erhältlich.
(Foto: © Stadt Lingen)

„Lingen & Wohnen“

2. Mai 2017

Stefan Forster
Architekturreihe: „Lingen & Wohnen“
Lingen (Ems) – Kaiserstraße 10 b (IT/EL)
Do 4. Mai 19.00 Uhr
kein Eintritt
Im Rahmen der Architekturreihe „Lingen & Wohnen“ kommt Stefan Forster vom gleichnamigen Architekturbüro in Frankfurt am Main am Donnerstag, den 4. Mai, in das IT-Zentrum nach Lingen (Ems). Sein Werkvortrag trägt den Titel „Architektur für den Lebensraum Stadt“.
Stefan Forster gehört zu den profiliertesten Wohnungsbauarchitekten in Deutschland. Im Zentrum der Bürotätigkeit steht die Frage nach der Fortentwicklung urbaner Lebensräume und der Einbindung von einzelnen Architekturen in den städtischen Kontext. In seinem Werkbericht präsentiert Stefan Forster Projekte aus den Bereichen Stadtumbau, Konversion, Nachverdichtung und definiert Qualitätsanforderungen an den heutigen Wohnungsbau in Zeiten von Wohnungsmangel, demographischem Wandel und dem Bedürfnis nach lebensfähigen Stadträumen.
Mit der Reihe „Lingen & Wohnen“ will die Stadt Lingen renommierten Architekten, Gestaltern und Kulturschaffenden die Möglichkeit geben, in ungezwungener Atmosphäre ihre Projekte zu präsentieren – mit geselligem Ausklang bei Wein, Brot und Käse. Im Jahr 2017 liegt der Schwerpunkt dabei auf den Themen Wohnen und Wohnungsbau. Neben Stefan Forster und Prof. Jörg Probst konnte die Stadt Lingen dafür weitere renommierte Referenten gewinnen.
„Wir möchten Lust auf Architektur und Baukultur machen“, erläutert Stadtbaurat Lothar Schreinemacher die Idee zu der Reihe. Der Austausch stehe dabei im Mittelpunkt. „Ich wünsche mir, dass die Architekten und Bauschaffenden einmal abseits von konkreten Projekten miteinander ins Gespräch kommen“, so der Stadtbaurat. Angesprochen sind neben diesen Berufsgruppen vor allem alle Kultur- und Architekturinteressierte in der Region. Mehr…
(Quelle)

Architektur Münster

4. April 2017

Mit seiner zweiten Auflage ist vor einigen Woche der Architekturführer Münster an den Start gegangen, kurz nach dem im Münsteraner Aschendorff-Verlag erschienenen Taschenbuch Rundgänge zur Architektur: Ein Führer zur Baugeschichte.

Der alte Dom St. Paulus aus dem 9. Jahrhundert, die manierierte Gotik der Lambertikirche aus dem 14. und 15. Jahrhundert oder der Barock Conrad Schlauns – die Architektur im westfälischen Münster hat in der klassischen Kunstgeschichte ihren festen Platz. Siedlungen des Neuen Bauens, das Theater aus den Fünfzigern, Bürotürme der Siebziger oder die bekannte Stadtbücherei von Bolles+Wilson (1987–93) zeigen aber auch, dass sich in Münster von der frühen Moderne bis zur zeitgenössischen Architektur fast jede Stilart des Landes widerspiegelt. Dass die Architekturstadt Münster eine systematische Untersuchung wert ist, haben die Kunsthistorikerin Sylvaine Hänsel und der Architekt und Architekturjournalist Stefan Rethfeld bereits 2008 mit ihrem Architekturführer im Reimer Verlag bewiesen.

Doch seit 2008 hat sich viel in Münster verändert: Volker Staab setzte mittlerweile einen markanten Erweiterungsbau an das Landesmuseum, die Wohnungsfrage griff auf ihre Art auf die wohlhabende Universitätsstadt über und das große Transformationsgebiet am Hafen entwickelte sich stetig weiter. Nun haben die beiden Autoren eine zweite, überarbeitete Ausgabe des Buches vorgelegt. 400 Bauten und Gebäudeensembles – anstelle von 365 wie in der ersten, bereits vergriffenen Auflage – haben Rethfeld und Hänsel nun topographisch nach Stadtvierteln und Stadtteilen geordnet. Jedes Bauwerk wird in Text, Bild und Grundriss dargestellt.

Mit ihrer Auswahl setzen sie – noch mehr als 2008 – auf einen erweiterten Baudenkmal-Begriff, denn mit 40 Skulpturen nehmen sie einen Typus in ihre Publikation auf, der selten unter diese Kategorie fällt. Das hängt vor allem mit der spezifischen Rolle Münsters zusammen, das seit 1977 alle zehn Jahre die internationale Kunstschau „Skulptur Projekte“ auslobt; also auch in diesem Jahr wieder. Mit den Billardkugeln am Aasee von Claes Oldenburg oder Thomas Schüttes Kirschensäule dokumentieren einige der dauerhaft im Stadtbild erhaltenen Skulpturen mittlerweile auch 40 Jahre neuere Kunstgeschichte. Ein Einführungstext von Hänsel geht ausführlich auf die Rolle dieses Langzeitprojekts für Münster ein.

Und ich denke, etwas Vergleichbares in und für  unsere/r Region wäre wirklich ein Gewinn. Aber so etwas kommt in unserem, meist nur auf schnelles Geld ausgerichteten und oberflächlich wirkenden Landstrich leider nicht…

Architekturführer Münster
2., überarbeitete Auflage
Sylvaine Hänsel/Stefan Rethfeld

Deutsch – Englisch

übersetzt von Lucinda Rennison
mit Architekturaufnahmen von Roland Borgmann
Dietrich Reimer Verlag, 2017
350 Seiten mit 630 Fotos, 210 Grund-, Aufrissen und Plänen
ISBN-13: 978-3496014881
24,90 Euro

Bestellen hier oder hier.

alternativ:
Münster: Rundgänge zur Architektur: Ein Führer zur Baugeschichte 

Alfred Pohlmann
Aschendorff-Verlag, Münster
ISBN-13: 978-3402131602

125 Seiten
17,90 Euro 

Bestellen hier oder hier.

(Quelle: baunetz)

 

hochschule_bochum_logo_2007-svgIm Rahmen der Architekturreihe „Lingen & Wohnen“ spricht Prof. Jörg Probst (Gertec GmbH, Essen) am Donnerstag, 16. Februar, 19 Uhr, im IT-Zentrum, Kaiserstr. 10b,  zum Thema „Nachhaltiges Bauen und Wohnen: Die Suche nach dem roten Faden“. „Prof. Dipl.-Ing. Dipl.-Wirtsch.-Ing. (FH)“ -so der offizielle Titel- Jörg Probst stellt dabei die Frage in den Mittelpunkt, wie nachhaltiges Bauen funktionieren kann, wo die Systemgrenzen liegen und welche Ergebnisse überhaupt erzielt werden können.

Probst ist Geschäftsführer der Gertec GmbH aus Essen. Seit mehr als 25 Jahren ist er im Bereich Energiewirtschaft mit den Schwerpunkten Energieeffizienz und -versorgung tätig. Dabei arbeitet er mit großen Architekturbüros sowie kommunalen Trägern zusammen. Seit 2009 hat der Referent eine Professur im Fachbereich Architektur an der Hochschule Bochum inne und forscht sowie lehrt dort zum Thema „Nachhaltige Gebäudetechnik“.

Mit der Reihe „Lingen & Wohnen“ will die Stadt Lingen renommierten Architekten, Gestaltern und Kulturschaffenden die Möglichkeit geben, in ungezwungener Atmosphäre ihre Projekte zu präsentieren – mit geselligem Ausklang bei Wein, Brot und Käse. In diesem Jahr liegt der Schwerpunkt dabei auf den Themen Wohnen und Wohnungsbau.

probst2Neben Prof. Jörg Probst (Foto lks @Gertec) konnte die Stadt Lingen dafür weitere renommierte Referenten gewinnen. Stefan Forster des gleichnamigen Architekturbüros in Frankfurt stellt am 4. Mai das Thema „Architektur für den Lebensraum Stadt“ in den Mittelpunkt. Nach der Sommerpause wird der Leiter des Dezernates für Stadtentwicklung, Planen und Bauen aus Köln, Franz-Josef Höing, nach Lingen kommen. „Typus und Topos – endgültig ungültig. Die Zusammenhänge von Klima und Wohnen“ heißt der Titel des voraussichtlich letzten Werkvortrags 2017 von Prof. Günter Pfeifer am 9. November.

„Wir möchten Lust auf Architektur und Baukultur machen“, erläutert Stadtbaurat Lothar Schreinemacher die Idee zu der Reihe. Der Austausch stehe dabei im Mittelpunkt. „Ich wünsche mir, dass die Architekten und Bauschaffenden einmal abseits von konkreten Projekten miteinander ins Gespräch kommen“, so der Stadtbaurat. Angesprochen sind neben diesen Berufsgruppen vor allem alle Kultur- und Architekturinteressierte in der Region. Die Veranstaltung ist kostenlos.

Stadhuiskwartier

4. Mai 2016

Tatverdächtige müssen bekanntlich ihre Fingerabdrücke bei der Polizei abgeben, inzwischen jedermann auch bei der Einreise in die USA oder beim Freischalten seines iPhone. Die Bürgerinnen und Bürger im benachbarten Deventer an der Ijssel können ihre Fingerabdrücke seit kurzem auf der Fassade des neuen, vor ein paar Tagen eröffneten Rathauses wiederfinden. Vielfach vergrößert hat die niederländische Künstlerin Loes ten Anscher 2.264 einzigartige Fingerabdrücke in Aluminium gegossen und in Eichenholz gerahmt.  Bei Nacht verleihen sie dem von Architect Michiel Riedijk (Neutelings Riedijk Architectenentworfenen Gebäude eine goldig-warme Aura, schreibt BauNetz.

Mit dem Rathaus-Projekt in Deventer haben die bekannten Rotterdamer Architekten einen fast vollständig neuen Baukörper geplant (Video unten), der sich trotz seines Volumens perfekt in die historische Altstadt einfügt. Nur 4.000 Quadratmeter des insgesamt 24.000 Quadratmeter umfassenden Gebäudekomplexes macht der vorhandene denkmalgeschützte Bestand aus.

Das in der Planungsphase außerordentlich umstrittene Rathaus füllt fast einen ganzen Block in der Altstadt („Stadhuiskwartier“), organisiert sich um zwei Innenhöfe und schafft gleichzeitig mit dem „Mayor’s Square“ einen zusätzlichen überdachten Platz. Mehrere öffentliche Wege führen durch die Erdgeschosszone und verbinden die Innenhöfe mit zwei wichtigen öffentlichen Plätzen den „Grote Kerkhof“ und den Brink-Platz. Der Neubau knüpft damit an die historisch gewachsenen Stadtstrukturen Deventers mit ihren Gärten, Plätzen, verbindenen Pfaden und Wegen an.

Im Inneren wechseln sich öffentliche mit privaten Räumen ab und sind auch in ihrer Materialität verschieden. Robuste Materialien und einfache Details charakterisieren die öffentlich zugänglichen Bereiche. Boden, Wände, Säulen und Deckenpaneele sind entweder aus Beton gegossen oder aus schwerer Eiche gezimmert.

Die Eröffnung des Neubau für die ehemalige Hansestadt (einschließlich eines beeindruckenden Ratssaals) mit inzwischen fast 100.000 Einwohner war ein halbes Jahr später als geplant. Es kostete mehr als  65 Mio Euro und damit übrigens nominal etwa fünf Mal mehr als vor 20 Jahren die Rathausrenovierung in unserer halb so großen Stadt. Allemal unterstreicht es, wie wichtig qualitätsvolle Architektur im Zentrum einer Stadt ist. Bei uns gibt es da noch reichlich Nachholbedarf – nicht zuletzt wegen der von 2006 bis 2014 andauernden grandiosen Fehlbesetzung im Amt des Stadtbaurats.

Geplant sind in Lingen für die nächsten zehn Jahre  u.a. die Randbebauung des Universitätsplatzes, die Erweiterung und Modernisierung des Emslandmuseums und eine Brücke von der Innenstadt nach Reuschberge – allesamt notwendig und Gelegenheiten, unter Beweis zu stellen, dass gute Architektur auch im Emsland machbar ist.

(Quelle: Baunetz/lr; arch.daily, Neutelinks Riedijk Architecten)