Architekturreihe:
Werkvortrag von Franz-Josef Höing
Lingen (Ems) – IT-Zentrum, Kaiserstraße 10b
Do 19.10.2017 – 19 Uhr
Freier Eintritt

Mit Franz-Josef Höing, Leiter des Dezernats Stadtentwicklung, Planen und Bauen der Stadt Köln und künftiger Oberbaudirektor der Freien und Hansestadt Hamburg, beginnt nach der Sommerpause der zweite Teil der Lingener Architekturreihe 2017. Sein Werkvortrag trägt den Titel „Qualität braucht kluge Prozesse“.

In seinem „Werkvortrag“ wird Franz-Josef Höing die Herausforderungen beschreiben, vor die sich Städte wie Köln angesichts ihres dynamischen Wachstums gestellt sehen. Mit welchen Strategien schaffen Städte Platz für eine wachsende Bevölkerung, Räume zum Wohnen und Arbeiten, für Bildung, Kultur und Freizeit. Die Entwicklung neuer Stadtquartiere auf ehemaligen Hafenarealen ist ein Beispiel. Nicht zuletzt legt Franz-Josef Höing dar, wie „die Stadt“ ihre Bürgerinnen und Bürger durch Beteiligungsverfahren in den Prozess einer qualitätsvollen Stadtentwicklung einbindet.

Zur Person:
Geboren in Gescher (NRW) studierte Franz-Josef Höing Raumplanung an der Universität in Dortmund und arbeitete dann in Dortmund, Wien, Aachen, Hamburg, Münster und Bremen – in freien Planungsbüros, als lehrender Assistent am Institut für Städtebau und Raumplanung an der Technischen Universität Wien (1994 bis 1999), als Professor für Städtebau an der Münster School of Architecture (2004 bis 2008), als Leiter der Projektgruppe HafenCity in Hamburg (2003 bis 2004) und als verantwortlicher Senatsbaudirektor in Bremen (2004 bis 2012).
2012 wählt der Rat der Stadt Köln Höing zum Beigeordneten. Er leitet seither in Köln das Dezernat VI, Stadtentwicklung, Planen und Bauen. In Kürze wechselt er als neuer Oberbaudirektor in die Freie und Hansestadt Hamburg.

Mit der Reihe „Lingen & Wohnen“ gibt unsere Stadt renommierten Architekten, Gestaltern und Kulturschaffenden die Möglichkeit, ihre Projekte zu präsentieren – mit geselligem Ausklang bei Wein, Brot und Käse. In diesem Jahr liegt der Schwerpunkt dabei auf den Themen Wohnen und Wohnungsbau.„Wir möchten Lust auf Architektur und Baukultur machen“, erläutert Stadtbaurat Lothar Schreinemacher die Idee zu der Reihe. Der Austausch stehe dabei im Mittelpunkt.  Angesprochen sind neben Architekten und Bauschaffenden vor allem alle Kultur- und Architekturinteressierte in der Region.

Nach Stefan Forster, Prof. Dr. Jörg Probst und jetzt Franz-Josef Höing referiert am Dienstag, 7. November, Prof. Dr. Günter Pfeifer über „Typus und Topos – endgültig ungültig. Die Zusammenhänge von Klima und Wohnen“.
(Foto und Quelle PM)

  Stadtverdichtung

14. August 2017

Ich schreibe diese Sätze über das geplante „langgestreckte“ Bauvorhaben auf dem ehemaligen Parkplatz der Gärtnerei Dust an der Lingener Kiesbergstraße. Dazu meinte FDP-Mann Jens Beeck vergangene Woche, jetzt entstehe dort „genau das, was wir wollen“ und – gleich noch eins drauf – „Wenn wir an innerörtlichen Erschließungsstraßen nicht bauen dürfen – wo dann noch?“

Nein, Jens Beeck, das haben „wir“ gerade nicht gewollt. „Wir“ haben uns allerdings durch ein weiteres Kuckucksei des früheren Stadtbaurats Georg Lisiecki (Oldenburg) täuschen lassen, das er da unserem Städtchen hinterlassen hat. Er hat nämlich einen Bebauungsplan konzipiert, der einen groben architektonischen Missgriffe ermöglicht, also kurz gesagt architektonischen Mist. Man reibt sich die Augen, dass dies dann vom Ratskollegen JB flugs unter Stadtverdichtung bejubelt wird, die man doch unterstützen wolle.

Pädagogisch-künsterlischer Einschub für „Ist-mir-doch-egal“-Leser/innen:
Schlechte Architektur wird nicht dadurch weniger schlecht oder gar gute Architektur, dass man ein „Geschmäcker sind eben verschieden“ ruft.

Dabei führt die Kritik an der Ausführungsplanung keineswegs zum Abrücken von der notwendigen Nachverdichtung, wie der kommentierende LT-Redakteur Thomas Pertz meint. Es geht vielmehr um Stadtgestaltung, genauer um Maßstäblichkeit, die das Bauvorhaben vermissen lässt. 50m lang und dreigeschossig – ein Hausblock zum Wegschauen oder „Was-ist-das-denn-Rufen“, ein modernes Wohnregal eben. Das Gebäude soll nämlich so aussehen:

 

Als Anfang 2013 der für die Umwandlung des ehemaligen Gärtnerei in eine Wohnsiedlung notwendige Bebauungsplan Nr. 102 – Teil VI „Neuer Wall Ost“ beschlossen wurde, präsentierte besagter Stadtbaurat diese sehr moderne Entwurfsskizze, die faktisch das Bauwerk in zwei Blöcke teilt.

Man erkennt zwanglos die beiden, etwas futuristisch im dritten Geschoss miteinander verbundenen Baukörper. Davon ist jetzt nichts geblieben.- Es entsteht an der Kiesbergstraße nur ein langer Jammer – mit Kleinstwohnungen, so ein Scheidungsbunker für Getrenntlebende. Dieser hat darüber hinaus nicht einmal eine Tiefgarage, weshalb viele unbebaute Quadratmeter auch noch für Parkplätze gepflastert werden. Seinerzeit waren nämlich Tiefgaragen (mit etwas mehr als 300 €/Quadratmeter Wohnfläche nicht unbezahlbar) noch nicht in die Köpfe der Ratsmehrheit und des Oldenburgers vorgedrungen. Erst jetzt kommt es langsam zu einem notwendigen Bewusstseinswandel.

Die fehlende Maßstäblichkeit und die fehlenden Parkflächen unterhalb des Neubaus sind greifbare Fehler, die über den Bereich hinaus ganz allgemein die begonnene Neuausrichtung hin zur Nachverdichtung belasten. Denn wer will schon so nachverdichtet leben oder anders: „Unser“ Ziel war, dass die Neuplanung „sensibel auf die angrenzenden Strukturen reagiert und eine nachhaltige Stadtentwicklung gewährleistet„. Jede/r kann sehen, dass der technische Teil des beschlossenen Bebauungsplans, Baurat Georg Lisiecki wegen, diesem Ziel völlig widerspricht. 

 

Nachtrag:
Der Neubau erfüllt übrigens, wie Sie sehen, nicht die tünchende Bestimmung des Bebauungsplanes, das dritte Geschoss farblich abzusetzen. Aber der Investor wird noch einen Eimer Farbe für das dritte Obergeschoss zwecks „besserer horizontaler Gliederung“ (so die Bebauungsplanbegründung) finden… Aber Achtung: Trinkwasserschutzgebiet Zone II, also keine fungizidhaltige Farbe bitte!. 

 

Tag der Architektur

24. Juni 2017

Der letzte Sonntag im Juni ist jedes Jahr Tag der Architektur. In ganz Niedersachsen (und bundesweit) sind an diesem Tag interessante neuere Gebäude und Anlagen geöffnet. Die Architekten führen hindurch, erklären ihre Baukunst, stellen sich den Fragen und Meinungen der Besucher. 2017 steht der „ag der Architektur unter dem Motto „Architektur schafft Lebensqualität“ und will dazu beitragen, Architektur als gebaute Umwelt, als Kunst für den alltäglichen Gebrauch im öffentlichen Bewusstsein zu verankern.
Im Rahmen des Tages der Architektur bietet in Lingen (Ems) das Architekturbüro „Reindersarchitekten“ aus Osnabrück am 25. Juni Führungen durch die Zweifeld-Turnhalle der Matthias-Claudius-Schule an. Interessierte treffen sich dafür um 11, 12 oder 13 Uhr am Haupteingang der Turnhalle in der Birkenallee 21 in Lingen (Ems).
2013 hatte die Schule die Zweifeld-Turnhalle nach einem Jahr Bauzeit in Betrieb genommen. Sie kostete rund 3 Millionen Euro. Neben der Schule nutzen auch der Hort der Trinitatis-Kirchengemeinde sowie verschiedene Sportvereine das Gebäude. Die Matthias-Claudius-Turnhalle wurde nach neuestem energetischem Standard in Anlehnung an den Passiv-Haus-Standard errichtet und im Hinblick auf das Thema Inklusion zudem barrierefrei gebaut. Großflächige Verglasungen sowie farbig abgesetzte Wandflächen im Außen- und Innenraum tragen zum positiven Erscheinungsbild der Halle bei.
Reinders Architekten haben übrigens gerade den Architekturwettbewerb zur Erweiterung des Lingener Emslandmuseums gewonnen.
In der Region an Ems und Vechte präsentieren am Sonntag außerdem Nordhorn, Salzbergen, Meppen, Bersenbrück und Leer moderne Architektur. Mir persönlich gefällt besonders dieses Supermarkt-Projekt in Oldenburg, das vor eineinhalb Jahren Entwurfsverfasser Lars Frerichs („neun grad architektur“) im Rahmen der Lingener Architekturreihe „Lingen & Technik“ vorstellte (mehr…).
Im angrenzenden NRW werden am Tag der Architektur u.a. Projekte in Hörstel, Recke, Rheine und Steinfurt vorgestellt. Mehr
Weitere Informationen sind unter www.tag-der-architektur.de erhältlich.
(Foto: © Stadt Lingen)

„Lingen & Wohnen“

2. Mai 2017

Stefan Forster
Architekturreihe: „Lingen & Wohnen“
Lingen (Ems) – Kaiserstraße 10 b (IT/EL)
Do 4. Mai 19.00 Uhr
kein Eintritt
Im Rahmen der Architekturreihe „Lingen & Wohnen“ kommt Stefan Forster vom gleichnamigen Architekturbüro in Frankfurt am Main am Donnerstag, den 4. Mai, in das IT-Zentrum nach Lingen (Ems). Sein Werkvortrag trägt den Titel „Architektur für den Lebensraum Stadt“.
Stefan Forster gehört zu den profiliertesten Wohnungsbauarchitekten in Deutschland. Im Zentrum der Bürotätigkeit steht die Frage nach der Fortentwicklung urbaner Lebensräume und der Einbindung von einzelnen Architekturen in den städtischen Kontext. In seinem Werkbericht präsentiert Stefan Forster Projekte aus den Bereichen Stadtumbau, Konversion, Nachverdichtung und definiert Qualitätsanforderungen an den heutigen Wohnungsbau in Zeiten von Wohnungsmangel, demographischem Wandel und dem Bedürfnis nach lebensfähigen Stadträumen.
Mit der Reihe „Lingen & Wohnen“ will die Stadt Lingen renommierten Architekten, Gestaltern und Kulturschaffenden die Möglichkeit geben, in ungezwungener Atmosphäre ihre Projekte zu präsentieren – mit geselligem Ausklang bei Wein, Brot und Käse. Im Jahr 2017 liegt der Schwerpunkt dabei auf den Themen Wohnen und Wohnungsbau. Neben Stefan Forster und Prof. Jörg Probst konnte die Stadt Lingen dafür weitere renommierte Referenten gewinnen.
„Wir möchten Lust auf Architektur und Baukultur machen“, erläutert Stadtbaurat Lothar Schreinemacher die Idee zu der Reihe. Der Austausch stehe dabei im Mittelpunkt. „Ich wünsche mir, dass die Architekten und Bauschaffenden einmal abseits von konkreten Projekten miteinander ins Gespräch kommen“, so der Stadtbaurat. Angesprochen sind neben diesen Berufsgruppen vor allem alle Kultur- und Architekturinteressierte in der Region. Mehr…
(Quelle)

Architektur Münster

4. April 2017

Mit seiner zweiten Auflage ist vor einigen Woche der Architekturführer Münster an den Start gegangen, kurz nach dem im Münsteraner Aschendorff-Verlag erschienenen Taschenbuch Rundgänge zur Architektur: Ein Führer zur Baugeschichte.

Der alte Dom St. Paulus aus dem 9. Jahrhundert, die manierierte Gotik der Lambertikirche aus dem 14. und 15. Jahrhundert oder der Barock Conrad Schlauns – die Architektur im westfälischen Münster hat in der klassischen Kunstgeschichte ihren festen Platz. Siedlungen des Neuen Bauens, das Theater aus den Fünfzigern, Bürotürme der Siebziger oder die bekannte Stadtbücherei von Bolles+Wilson (1987–93) zeigen aber auch, dass sich in Münster von der frühen Moderne bis zur zeitgenössischen Architektur fast jede Stilart des Landes widerspiegelt. Dass die Architekturstadt Münster eine systematische Untersuchung wert ist, haben die Kunsthistorikerin Sylvaine Hänsel und der Architekt und Architekturjournalist Stefan Rethfeld bereits 2008 mit ihrem Architekturführer im Reimer Verlag bewiesen.

Doch seit 2008 hat sich viel in Münster verändert: Volker Staab setzte mittlerweile einen markanten Erweiterungsbau an das Landesmuseum, die Wohnungsfrage griff auf ihre Art auf die wohlhabende Universitätsstadt über und das große Transformationsgebiet am Hafen entwickelte sich stetig weiter. Nun haben die beiden Autoren eine zweite, überarbeitete Ausgabe des Buches vorgelegt. 400 Bauten und Gebäudeensembles – anstelle von 365 wie in der ersten, bereits vergriffenen Auflage – haben Rethfeld und Hänsel nun topographisch nach Stadtvierteln und Stadtteilen geordnet. Jedes Bauwerk wird in Text, Bild und Grundriss dargestellt.

Mit ihrer Auswahl setzen sie – noch mehr als 2008 – auf einen erweiterten Baudenkmal-Begriff, denn mit 40 Skulpturen nehmen sie einen Typus in ihre Publikation auf, der selten unter diese Kategorie fällt. Das hängt vor allem mit der spezifischen Rolle Münsters zusammen, das seit 1977 alle zehn Jahre die internationale Kunstschau „Skulptur Projekte“ auslobt; also auch in diesem Jahr wieder. Mit den Billardkugeln am Aasee von Claes Oldenburg oder Thomas Schüttes Kirschensäule dokumentieren einige der dauerhaft im Stadtbild erhaltenen Skulpturen mittlerweile auch 40 Jahre neuere Kunstgeschichte. Ein Einführungstext von Hänsel geht ausführlich auf die Rolle dieses Langzeitprojekts für Münster ein.

Und ich denke, etwas Vergleichbares in und für  unsere/r Region wäre wirklich ein Gewinn. Aber so etwas kommt in unserem, meist nur auf schnelles Geld ausgerichteten und oberflächlich wirkenden Landstrich leider nicht…

Architekturführer Münster
2., überarbeitete Auflage
Sylvaine Hänsel/Stefan Rethfeld

Deutsch – Englisch

übersetzt von Lucinda Rennison
mit Architekturaufnahmen von Roland Borgmann
Dietrich Reimer Verlag, 2017
350 Seiten mit 630 Fotos, 210 Grund-, Aufrissen und Plänen
ISBN-13: 978-3496014881
24,90 Euro

Bestellen hier oder hier.

alternativ:
Münster: Rundgänge zur Architektur: Ein Führer zur Baugeschichte 

Alfred Pohlmann
Aschendorff-Verlag, Münster
ISBN-13: 978-3402131602

125 Seiten
17,90 Euro 

Bestellen hier oder hier.

(Quelle: baunetz)

 

hochschule_bochum_logo_2007-svgIm Rahmen der Architekturreihe „Lingen & Wohnen“ spricht Prof. Jörg Probst (Gertec GmbH, Essen) am Donnerstag, 16. Februar, 19 Uhr, im IT-Zentrum, Kaiserstr. 10b,  zum Thema „Nachhaltiges Bauen und Wohnen: Die Suche nach dem roten Faden“. „Prof. Dipl.-Ing. Dipl.-Wirtsch.-Ing. (FH)“ -so der offizielle Titel- Jörg Probst stellt dabei die Frage in den Mittelpunkt, wie nachhaltiges Bauen funktionieren kann, wo die Systemgrenzen liegen und welche Ergebnisse überhaupt erzielt werden können.

Probst ist Geschäftsführer der Gertec GmbH aus Essen. Seit mehr als 25 Jahren ist er im Bereich Energiewirtschaft mit den Schwerpunkten Energieeffizienz und -versorgung tätig. Dabei arbeitet er mit großen Architekturbüros sowie kommunalen Trägern zusammen. Seit 2009 hat der Referent eine Professur im Fachbereich Architektur an der Hochschule Bochum inne und forscht sowie lehrt dort zum Thema „Nachhaltige Gebäudetechnik“.

Mit der Reihe „Lingen & Wohnen“ will die Stadt Lingen renommierten Architekten, Gestaltern und Kulturschaffenden die Möglichkeit geben, in ungezwungener Atmosphäre ihre Projekte zu präsentieren – mit geselligem Ausklang bei Wein, Brot und Käse. In diesem Jahr liegt der Schwerpunkt dabei auf den Themen Wohnen und Wohnungsbau.

probst2Neben Prof. Jörg Probst (Foto lks @Gertec) konnte die Stadt Lingen dafür weitere renommierte Referenten gewinnen. Stefan Forster des gleichnamigen Architekturbüros in Frankfurt stellt am 4. Mai das Thema „Architektur für den Lebensraum Stadt“ in den Mittelpunkt. Nach der Sommerpause wird der Leiter des Dezernates für Stadtentwicklung, Planen und Bauen aus Köln, Franz-Josef Höing, nach Lingen kommen. „Typus und Topos – endgültig ungültig. Die Zusammenhänge von Klima und Wohnen“ heißt der Titel des voraussichtlich letzten Werkvortrags 2017 von Prof. Günter Pfeifer am 9. November.

„Wir möchten Lust auf Architektur und Baukultur machen“, erläutert Stadtbaurat Lothar Schreinemacher die Idee zu der Reihe. Der Austausch stehe dabei im Mittelpunkt. „Ich wünsche mir, dass die Architekten und Bauschaffenden einmal abseits von konkreten Projekten miteinander ins Gespräch kommen“, so der Stadtbaurat. Angesprochen sind neben diesen Berufsgruppen vor allem alle Kultur- und Architekturinteressierte in der Region. Die Veranstaltung ist kostenlos.

Stadhuiskwartier

4. Mai 2016

Tatverdächtige müssen bekanntlich ihre Fingerabdrücke bei der Polizei abgeben, inzwischen jedermann auch bei der Einreise in die USA oder beim Freischalten seines iPhone. Die Bürgerinnen und Bürger im benachbarten Deventer an der Ijssel können ihre Fingerabdrücke seit kurzem auf der Fassade des neuen, vor ein paar Tagen eröffneten Rathauses wiederfinden. Vielfach vergrößert hat die niederländische Künstlerin Loes ten Anscher 2.264 einzigartige Fingerabdrücke in Aluminium gegossen und in Eichenholz gerahmt.  Bei Nacht verleihen sie dem von Architect Michiel Riedijk (Neutelings Riedijk Architectenentworfenen Gebäude eine goldig-warme Aura, schreibt BauNetz.

Mit dem Rathaus-Projekt in Deventer haben die bekannten Rotterdamer Architekten einen fast vollständig neuen Baukörper geplant (Video unten), der sich trotz seines Volumens perfekt in die historische Altstadt einfügt. Nur 4.000 Quadratmeter des insgesamt 24.000 Quadratmeter umfassenden Gebäudekomplexes macht der vorhandene denkmalgeschützte Bestand aus.

Das in der Planungsphase außerordentlich umstrittene Rathaus füllt fast einen ganzen Block in der Altstadt („Stadhuiskwartier“), organisiert sich um zwei Innenhöfe und schafft gleichzeitig mit dem „Mayor’s Square“ einen zusätzlichen überdachten Platz. Mehrere öffentliche Wege führen durch die Erdgeschosszone und verbinden die Innenhöfe mit zwei wichtigen öffentlichen Plätzen den „Grote Kerkhof“ und den Brink-Platz. Der Neubau knüpft damit an die historisch gewachsenen Stadtstrukturen Deventers mit ihren Gärten, Plätzen, verbindenen Pfaden und Wegen an.

Im Inneren wechseln sich öffentliche mit privaten Räumen ab und sind auch in ihrer Materialität verschieden. Robuste Materialien und einfache Details charakterisieren die öffentlich zugänglichen Bereiche. Boden, Wände, Säulen und Deckenpaneele sind entweder aus Beton gegossen oder aus schwerer Eiche gezimmert.

Die Eröffnung des Neubau für die ehemalige Hansestadt (einschließlich eines beeindruckenden Ratssaals) mit inzwischen fast 100.000 Einwohner war ein halbes Jahr später als geplant. Es kostete mehr als  65 Mio Euro und damit übrigens nominal etwa fünf Mal mehr als vor 20 Jahren die Rathausrenovierung in unserer halb so großen Stadt. Allemal unterstreicht es, wie wichtig qualitätsvolle Architektur im Zentrum einer Stadt ist. Bei uns gibt es da noch reichlich Nachholbedarf – nicht zuletzt wegen der von 2006 bis 2014 andauernden grandiosen Fehlbesetzung im Amt des Stadtbaurats.

Geplant sind in Lingen für die nächsten zehn Jahre  u.a. die Randbebauung des Universitätsplatzes, die Erweiterung und Modernisierung des Emslandmuseums und eine Brücke von der Innenstadt nach Reuschberge – allesamt notwendig und Gelegenheiten, unter Beweis zu stellen, dass gute Architektur auch im Emsland machbar ist.

(Quelle: Baunetz/lr; arch.daily, Neutelinks Riedijk Architecten)

Lingen & Architektur

1. März 2016

Tobias Klodwig
Büro „Klodwig & Partner Architekten“ 
Was glauben Sie?! Kirchenbau aktuell interpretiert
Lingen (Ems)  –  Kaiserstraße 10b (IT-Zentrum)
Do 3. März 2016  – 19 Uhr
Kostenlos

„Was glauben Sie?! Kirchenbau aktuell interpretiert“ ist der Titel des ersten Werkvortrags im neuen Jahr der Reihe „Lingen & Architektur“. Am Donnerstag kommt dazu der Münsteraner Architekt Tobias Klodwig vom Büro Klodwig & Partner nach Lingen. Das Büro hat 2015 eine BDA-Auszeichnung für die Neugestaltung der Marienkapelle in der Wallfahrtskirche St. Johannes Apostel in Wietmarschen bekommen. Beginn ist um 19 Uhr im IT-Zentrum (Kaiserstraße 10b in Lingen). Der Eintritt ist frei.

JohannesWietmarschenKirchengebäude haben städtebaulich und gesellschaftlich seit jeher eine starke Relevanz. Die aktuellen Veränderungen in der Kirche mit weniger Gottesdienstbesuchern und veränderten Glaubensgewohnheiten wirken sich unmittelbar auf die Nutzung von Kirchenräumen aus. War der Kirchenbau einst eine der Königsdisziplinen in der Architektur, so stellt sich die Frage, wie der christliche Glaube auch heute noch zeitgemäß in Kirchbauten zum Ausdruck gebracht werden kann. Tobias Klodwig ist Architekt in Münster und hat nach Wettbewerbserfolgen mehrere Kirchen in Norddeutschland umgestaltet. Die Verbindung von Tradition und Moderne im Licht des christlichen Glaubens prägt seine Kirchbauten. In den letzten Jahren erfolgten zahlreiche Veröffentlichungen, Auszeichnungen und Gastvorträge im In- und Ausland. Die Neugestaltung der Marienkapelle in der Wallfahrtskirche St. Johannes Apostel in Wietmarschen, zählt zu den Beispielen, die er am 3. März vorstellen wird.

Im Rahmen der Reihe „Lingen & Architektur“ lädt die Stadt Lingen renommierte Architekten, Gestalter oder Kulturschaffende ein, damit diese in einer ungezwungenen Atmosphäre ihre Projekte präsentieren – mit geselligem Ausklang bei Wein, Brot und Käse.

„Mit der Reihe wollen wir Lust auf Architektur und Baukultur machen“, erläutert Stadtbaurat Lothar Schreinemacher die Idee zu der Reihe. Deshalb soll an diesen Abenden auch der Austausch im Mittelpunkt stehen. „Ich wünsche mir, dass die Architekten und Bauschaffenden einmal abseits von konkreten Projekten miteinander ins Gespräch kommen und sich im nächsten Schritt sogar selbst in die neue Veranstaltungsreihe einbringen“, so der Stadtbaurat. Angesprochen sind neben diesen Berufsgruppen vor allem alle Kultur- und Architekturinteressierte in der Region.

(Quelle)

Häuser des Jahres

12. September 2015

Dienstagabend  wurden im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt die Häuser des Jahres 2015 prämiert. Eine Idee, die ich in kleinerem, lokalen Rahmen gern einmal in unserer Region verwirklicht sehen möchte: „Das Haus des Jahres in Lingen“. Ganz hab ich die Hoffnung noch nicht aufgegeben, auch wenn vor vier Jahren der qualitätsfördernde Vorschlag unserer Wählergemeinschaft „Die BürgerNahen“, in Lingen wie in Dutzenden anderer Klein-, Mittel- und Großstädte einen lokalen Gestaltungsbeirat ins Leben zu rufen um bessere Architektur zu erreichen, am Nein der Ratsmehrheit und ihrer Behauptung scheiterte, dafür sei Lingen zu klein – Lingen „die Stadt des Abrisses vor Nachdenken“. …

Genau in einem Jahr wird Lingens Stadtrat neu gewählt; dann werde ich’s noch einmal versuchen, falls ich denn gewählt werde.

HausdesJahres2015Die Auszeichnung „Haus des Jahres“ wurde zum fünften Mal vom Callwey Verlag und dem Deutschen Architektur Museum Frankfurt  vergeben. Unter 228 Einsendungen wählte die Jury 50 Projekte, die im Rahmen einer Publikation bei Callwey vorgestellt werden, darunter einen Preisträger und sechs Anerkennungen.

Mit dem ersten Preis 2015 wurde das „Haus Kalkschmieden“ von Bernardo Bader Architekten ausgezeichnet. Ein eingeschossiges Satteldachhaus, welches die Jury durch seine Einfachheit überzeugen konnte: „Poetische Normalität“.Interessant finde ich die Erkenntnis, das nur ein deutscher Architekt ausgezeichnet wurde, die anderen kamen aus der Schweiz, aus Österreich und Italien. Wer unter den 228 Einsendungen aus dem deutschen Nordwesten kam, weiß ich nicht und ich habe auch keinen Weg herausgefunden, dies in Erfahrung zu bringen.

Was sonst noch am Dienstagabend im DAM war, liest man reich bebildert im Callwey-Blog:

„Der Schriftsteller Wladimir Kaminer, der als Laie in der Jury saß, „bezeichnet sich selbst als „professionell Ahnungsloser“ und macht sich so seine ganz eigenen Gedanken zum Bauen und teilt die Häuser in vier Elemente FEUER – WASSER – LUFT – ERDE auf um für sich selbst eine Ordnung zu schaffen. Als jemand der nicht im Architekturbetrieb tätig ist, jedoch die Gesellschaft und das Treiben des Alltags sehr genau beobachtet und uns pointiert-ironisch den Spiegel vorhält, war Wladimir Kaminer auch gestern Abend ein großartiger Gastredner.

Architektur kann man auch humorvoll beobachten und beschreiben. Wahrscheinlich wurde selten zuvor so herzlich und viel bei einem Vortrag über Architektur gelacht wie gestern Abend im DAM. Dieser Schuss Humor fehlt so manches mal im hektischen Zeit- und Kostenplan getriebenen Architekturalltag.

Um den Spannungsbogen über den Tag langsam aufzubauen gab es…“

[weiter hier  im Callwey-Blog]

(Foto: Haus des Jahres 2015, 1. Preis „Behauste Scheune“, Bernardo Bader Architekt, Dornbirn, Österreich © Foto: Adolf Bereuter, Dornbirn)

…sind wir noch auf dem richtigen Weg?

Vortrag von Architekt Prof. Dipl.-Ing. Ingo Gabriel
Lingen (Ems)  –  IT-Zentrum, Kaiserstraße 10b
Do 23. April 2015  –  19 Uhr
Eintritt frei

JpegIngo Gabriel (Foto lks) beschäftigt sich seit über 30 Jahren mit den Themen Nachhaltigkeit und Ökologie in der Architektur. In Lingen zieht er eine kritische Bilanz über das, was bislang erreicht wurde, welche Entwicklungen, neuen Wege, Dogmen und Irrtümer es gab.
Der Architekturvortrag ist Teil der aktuellen Reihe „Lingen & Technik“. Dazu Stadtbaurat Lothar Schreinemacher: „Die Abende sollen Lust machen auf Architektur und Baukultur.“ Bis zu sechs Mal pro Jahr will die Stadt Lingen verschiedene Referenten aus dem Bereich Architektur und Bauen nach Lingen einladen. Der Eintritt ist frei.
In diesem Jahr liegt der Fokus der Vortragsreihe auf „Lingen & Technik“. An diesem Abend soll aber  auch der Austausch im Mittelpunkt stehen, betont Lingens Stadtbaurat: „Ich wünsche mir, dass die Architekten und Bauschaffenden abseits von konkreten Projekten miteinander ins Gespräch kommen und sich im nächsten Schritt sogar selbst in die neue Veranstaltungsreihe einbringen“, so Lothar Schreinemacher. Angesprochen sind neben diesen Berufsgruppen alle Kultur- und Architekturinteressierte in Stadt und Region.