Olio d’oliva

22. November 2021

Allerfeinstes Olivenöl aus quasi heimischer Quelle habe ich vor einiger Zeit in diesem kleinen Blog schon einmal angepriesen. „Liebe Freunde,“ schreiben die Olivenbauern Beverley und  Gunnar Kopp (ehemals Lingen, dann Houston, jetzt La Carpineta (Toskana), 

„die Oliven sind geerntet. Erneut begann die Ernte auf Carpineta zwei Wochen früher als im Jahr zuvor. Der Trend ist eindeutig und der Klimawandel in der Landwirtschaft direkt erfahrbar. Gemeinsam mit unserer Familie aus Berlin und Unterstützung ihrer Freunde und Nachbarn haben wir gemeinsam geerntet. 

Das Resultat: Nach Gewicht haben wir weniger als im letzten Jahr geerntet. Das lag an dem extrem trockenen Sommer mit nur vier bis fünf Regentagen zwischen Juni und September. Dafür hatten wir aber einen höheren Ertrag. Der Säuregehalt ist wie immer sehr niedrig (0,16%), geschmacklich ist das Öl wieder angenehm leicht und mild und anfänglich natürlich leicht kratzig im Hals, da jung und ungefiltert. Genauso wünschen wir es uns.“

„Wir würden uns freuen, wenn Ihr wieder zu unseren Kunden gehört. Die Preise für dieses Jahr sind:
– ein 5-Liter Kanister kostet 125,00 €
– ein 3-Liter Kanister kostet 80,00 €
– ein 0,5-Liter Kanister kostet 15,00 € 

In den letzten Jahren wurden wir von mehreren Kunden nach einer Größe gefragt, die als Geschenk weitergegeben werden kann. Wir fanden die Idee gut und haben den 0,5-Liter Kanister eingeführt. 

Wir freuen uns über Eure Bestellungen – gebt uns bitte so schnell wie möglich Bescheid, damit wir die regionale Zustellung organisieren können. 

Viele Grüße aus der Toskana.“

Die Koppschen Bäume tragen übrigens die Olivensorten Frantoiano, Leccino und Moraiolo. Geerntet wurden sie ende Oktober und wurden inzwischen vor Ort im idyllischen Sassofortino kaltgepresst und von den Kopps abgefüllt.

Beverley Kopp: „Olivenöl sollte in ungeöffneten Behältern kühl und dunkel gelagert werden, daher füllen wir unser Öl in dunkelgrünen Flaschen oderlichtundurchlässige Kanister ab. Gutes Olivenöl verbüßt bei guter Lagerung nicht an Qualität. Das Öl von La Carpineta“ ist auch nach mindestens 24 Monaten unverändert gut.“

Verwenden könnt Ihr das 1a- und damit nicht billige Olio d’oliva aus der Toskana erst im Februar, März. Dann wird es jedenfalls im Nordwesten auch vorbei gebracht; denn einer Lieferung noch vor der Jahreswende steht das malade Knie von Gunnar Kopp entgegen. Das muss nämlich operiert werden, was wiederum aktuell wegen der überlaufenden bayerischen Intensivstationenn auf Januarverschoben werden musste…

 

Earth to COP

3. November 2021

Es gibt so Tage, da frage ich mich, wie wenig eigentlich von dem beachtet wird, was in so vielen Sonntagsreden als notwendig gefordert wird. Gestern morgen beispielsweise veröffentlichte der deutsch-niederländische Städtering/Stedenkring Zwolle-Emsland einen Appell niederländischer Unternehmungen aus dem grenznahen Drenthe (das ist die niederländische Provinz, in der u.a. Emmen liegt) an die deutschen Nachbarn, endlich die E233 fertig auszubauen. Das ist der Plan des Neubaus einer 4spurigen-Fast-Autobahn durch das Hasetal – wirklich ein aus der Zeit gefallenes Vorhaben der 1980er Jahre, was in der Region geradezu trotzig weiterverfolgt wird.

Und heute sehe ich dann dies in Ronny Kraaks Kraftfuttermischwerk. Es zeigt uns, wie ernst das Klimaproblem längst ist. Ronny Kraak:#

Earth to COP ist … ein Appell an die derzeitig in Glasgow stattfindende Klimakonferenz COP26. Im Zuge dessen ist dieser Film entstanden, der wohl Teilnehmern der Konferenz gezeigt wurde. Ob der was verändern kann? Ich weiß es nicht, aber ihn zu sehen kann ganz sicher nicht schaden.“

Earth to COP presents an eyewitness portrait of climate change. Using dramatic mobile phone footage from around the world, this short film shows the extent of damage caused by the change in our climate, contrasted with the beauty of Earth – what is at stake and what our leaders need to protect. It underlines that we have seen some progress, but we need further and faster action.

The composer of the music for the film, Steven Price is an Academy Award-winning composer. In 2014 his groundbreaking score for Alfonso Cuaron’s Gravity won him the Academy Award and Critics‘ Choice Award.

The Earth to COP film was independently produced by Harder Than You Think and is a partnership with Bloomberg. The film will be widely distributed, including through a principal partnership with Bloomberg, a global partnership with WWF and with TikTok, who share the ambition to help bring Earth to COP to a worldwide audience. It will also be played on digital screens across the UK.

wer denn sonst

1. November 2021

Fefe schrieb am Wochenende in seinem Blog:

„Ich las gerade einen Artikel im Paywall-Teil des Spiegel, den ich daher hier nicht verlinken kann [Hier mehr in der Süddeutschen]. Aber ich kann mal kurz zusammenfassen. Wir haben in Deutschland ja eine Ökostrom-Umlage, das EEG (erneuerbare-Energien-Gesetz). Da steht sowas drin wie: Diesen Betrag wollen wir reinholen, den verteilen wir also auf alle.

Aus historischen Gründen gibt es da aber eine Ausnahme für Spezialindustrien wie Stahlproduktion, die eigene Kraftwerke betreiben und sozusagen Selbstversorger sind.

So und jetzt stellt euch mal folgendes Modell vor: Ich kaufe ne Aktie von RWE und behaupte damit dann dem Finanzamt gegenüber, ich sei von der EEG ausgenommen, denn mir gehört ja ein Teil von RWE und deren Strom kaufe ich. Absurd? Nicht doch!

Die Industrie hat einfach angefangen, sich von solchen Selbstversorger-Kraftwerken eine Scheibe zu pachten. Das Googlestichwort heißt: Scheibenpacht. Und dann haben sie einfach keine EEG gezahlt.

Schaden: Sowas wie 10 Milliarden Euro.

So, jetzt hab ich ja oben erklärt, dass das halt auf alle verteilt wird. Ja, äh, nicht auf alle. Auf alle anderen dann. Also du und ich. Die Konsumenten halt. Du mussten dann die Zeche zahlen, vor der sich die Großindustrie sich gedrückt hat.

Wartet, geht noch weiter.

Irgendwann wurde die Bundesnetzagentur stutzig und hat mal ein bisschen gepolkt. Daraufhin haben die Konzerne natürlich Gewissensbisse gekriegt und ihre Zeche nachgezahlt. Haha, ich scherzte. Daraufhin haben die Konzerne ihre Anwälte und Lobbyisten zu dem zuständigen Minister geschickt, und der hat dafür gesorgt, dass die alle Amnestie gekriegt haben.

Wer der zuständige Minister war? Da kommt ihr NIE drauf!!

Der Altmaier natürlich! Wer denn sonst.“

Wundert Euch das?


Foto: P. Altmeier, CDU Kreisverband Saarlouis/Jan Kopetzky – CC BY-SA 3.0 de

 

„Atomkraft Forever“

31. Oktober 2021

HINWEIS: Die Friedrich-Ebert-Stiftung hat die von mir angekündigte Veranstaltung abgesagt, weil es „organisatorische Probleme“ mit dem Kinobetreiber gab.

Im Augenblick hört und liest man wieder über den Bau neuer Atomkraftwerke in den Medien. Da kommt diese Veranstaltung gerade richtig:

„Atomkraft Forever“
D
okumentarfilm und anschließende Diskussion
mit Regisseur Carsten Rau und Jochen Stay von .ausgestrahlt
Lingen (Ems) – Filmpalast Cine-World, Willy-Brandt-Ring 40
Mittwoch, 3. November – 18 
Uhr

Veranstalter: Friedrich-Ebert-Stiftung Niedersachsen

Neues aus dem Nachbarland:

Der Pensionsfonds voor oberheid en onderwijs (ABP) (dt. Pensionsfonds für Staat und Bildung) wird seine Investitionen in fossile Energie zurückziehen. Diese Investitionen belaufen sich auf mehr als 15 Milliarden Euro, was 3 Prozent des gesamten investierten Kapitals von ABP entspricht. Diese Entscheidung könnte andere große Pensionsfonds weltweit veranlassen, ähnliche Entscheidungen zu treffen.

Das erklärt ABP auf seiner Website. Die Pensionsfonds stehen unter dem Druck ihrer eigenen Teilnehmer von Aktionsgruppen, wegen der damit verbundenen Treibhausgasemissionen nicht mehr in fossile Energie zu investieren. Die Regulierungsbehörde De Nederlandse Bank hat kürzlich vor den Risiken von Investitionen in den fossilen Sektor gewarnt, da der Übergang zu einer klimaneutralen Wirtschaft den Wert dieser Unternehmen verringern könnte.

Der Pensionsfonds ABP selbst erklärt, er habe diese Entscheidung aus Sorge um den Klimawandel getroffen. Investitionen in fossile Produzenten wie Öl- und Gasunternehmen, sollen bis Anfang 2023 verkauft werden.

Corien Wirtmann, Vorsitzende von ABP, sagte am Dienstag vor Journalisten, die Entscheidung sei seit mehreren Monaten vorbereitet worden. „Die jüngsten Berichte über den Klimawandel und die Unterstützung, die wir von den Teilnehmern erfahren, haben die Dynamik stark beeinflusst“, sagte sie. Wortmann sagte, die Anstrengungen der Öl- und Gasunternehmen reichten nicht aus, um die globale Erwärmung bis 2030 ausreichend zu begrenzen. Die bisher unternommenen Schritte reichen nicht aus, um den notwendigen radikalen Wandel zu erreichen.

ABP konzentriert sich nach eigenen Angaben nicht nur auf den Öl- und Gassektor. Im nächsten Frühjahr wird der Pensionsfonds strengere Kriterien für andere Unternehmen vorlegen, die ebenfalls nachweisen müssen, wie sie klimaneutral produzieren werden.

Hiske Arts, ABP-Kampagnenkoordinatorin bei der Umweltorganisation Fossielvrij NL, die gemeinsam mit Beamten und Lehrern gegen die Klimapolitik von ABP protestiert hat, sagt, dies sei eine fantastische Nachricht. „Es ist gut, das ABP zugehört hat und nun die Dringlichkeit sieht, nicht mehr in Unternehmen zu investieren, die Öl und andere fossile Brennstoffe fördern.“

Arts ist der Ansicht, dass die Entscheidung von ABP andere große Pensionsfonds weltweit dazu veranlassen wird, ähnliche Entscheidungen zu treffen. „ABP ist führend. Es ist der größte Pensionsfonds in Europa und einer der größten der Welt.“

ABP und der Vermögensverwalter Robeco waren die einzigen großen niederländischen Investoren, die die Klimapolitik von Shell im vergangenen Frühjahr unterstützten. Zu diesem Zeitpunkt unterstützten viele andere Investoren bereits eine weitgehende Resolution des Investorenclubs Follow This.

Nach mehreren neuen alarmierenden Klimaberichten ist ABP nach eigenen Angaben zur Vernunft gekommen und zieht alle Investitionen zurück.

Der Erste große Pensionsfonds, der seine Investitionen in die Öl- und Gasindustrie eingestellt hat, war im vergangenen Monat PMe. Mit 62 Milliarden Euro verwaltetem Vermögen ist dieser Fonds für (ehemalige) Beschäftigte in der Metall- und Elektroindustrie jedoch deutlich kleiner als ABP, der rund 500 Milliarden verwaltet.

ernst genommen

19. Oktober 2021

1983: Peter Lustig in der Kult-Sendung Löwenzahn im deutschen Fernsehen. Nicht auszudenken, wenn wir Deutschen damals das Thema ernst genommen und entschlossen angegangen hätten.

Werberichtlinie

9. Oktober 2021

Die Anpassung von allerlei Richtlinien gehört für Google und YouTube inzwischen zum Tagesgeschäft. In den vergangenen Monaten hatten beide Plattformen hier vor allem mit Inhalten von Corona-Leugner:innen oder Impfgegner:innen zu kämpfen. Jetzt passt Google erneut seine Werberichtlinien an und geht einen weiteren Schritt gegen Desinformation. Künftig verdienen Inhalte, die sich mit der Klimawandel-Leugnung beschäftigen, kein Geld mehr bei Google und YouTube.

Aktuell nimmt sich der Konzern also die nächsten großen Desinformationslieferanten zur Brust und sagt Klimawandel-Leugner:innen den Kampf an. Der Tech-Gigant schließt Inhalte, die den menschengemachten  Klimawandel leugnen, von Werbeeinnahmen bei Google und YouTube aus:

Aus diesem Grund kündigen wir heute eine neue Monetarisierungsrichtlinie für Google-Werbekunden, Publisher und YouTube-Creator an, die Anzeigen für und die Monetarisierung von Inhalten verbietet, die dem etablierten wissenschaftlichen Konsens über die Existenz und die Ursachen des Klimawandels widersprechen.

Dazu zählt Google  Inhalte, die den Klimawandel als Schwindel oder Betrug bezeichnen sowie die globale Erwärmung leugnen. Auch sind künftig Aussagen von Werbeeinnahmen ausgeschlossen, die behaupten, Treibhausgasemissionen oder menschliche Aktivitäten würden nicht zum Klimawandel beitragen.

Google will dafür zwischen zwei Schwerpunkten entscheiden. Auf der einen Seite stehen Inhalte, die „falsche Behauptungen als Tatsache darstellen“. Auf der anderen Seite sieht Google „Inhalte, die über diese Behauptung berichten oder sie diskutieren“. Die Monetarisierung von klimabezogenen Inhalten soll weiterhin möglich sein. Dazu sollen unter anderem öffentliche Debatten über Klimapolitik, die Auswirkungen des Klimawandels sowie neue Forschungsergebnisse zählen.

Für die Umsetzung der neuen Werberichtlinie kombiniert Google den Einsatz automatisierter Tools mit menschlicher Überprüfung von Inhalten. Ab November 2021 will der Suchmaschinenriese die neue Richtlinie zur Klimawandel-Leugnung dann umsetzen.

Google wolle mit der Änderung nicht nur das Umfeld für Werbeanzeigen stärken, heißt es am Ende des Statements. Die Neuerung stehe außerdem „in engem Zusammenhang mit der Arbeit, die wir als Unternehmen in den letzten zwei Jahrzehnten geleistet haben, um Nachhaltigkeit zu fördern und dem Klimawandel entgegenzutreten“.

Passend dazu hat Google in dieser Woche weitere „nachhaltige Optionen“ vorgestellt. Diese sollen „bis 2022 eine Milliarde Menschen dabei unterstützen, nachhaltigere Entscheidungen zu treffen.“

Dafür erhält unter anderem Google Maps ein Update, das in den USA sofort und ab 2022 auch in Europa zum Einsatz kommt. Die App sucht dann standardmäßig die Route mit den geringsten CO2-Emissionen heraus – vorausgesetzt sie ist mit der geschätzten Ankunftszeit der schnellsten Route vergleichbar.

Das Unternehmen schätzt, dass so mehr als eine Million Tonnen CO2-Emissionen pro Jahr eingespart werden können, schreibt Google-Chef Sundar Pichai in seinem Blog-Beitrag.

Auch Reisen mit dem Flugzeug sollen nachhaltiger werden. So will Google Flights künftig die CO2-Emissionen pro Sitzplatz genau anzeigen. So sollen sich „schnell Optionen mit geringerem Schadstoffausstoß finden“ lassen.

 

Bodenwende

7. Oktober 2021

Die Bundestagswahl ist vorbei, die Sondierungen zu möglichen Koalitionen laufen auf Hochtouren. Man kann beim Blick auf die drängenden ökologischen und sozialen Fragen nur hoffen, dass die Forderungen des Bündnisses Bodenwende bei den anstehenden Vereinbarungen zwischen den Parteien berücksichtigt werden.

Das Bündnis Bodenwende war Ende 2020 von Kammern, Verbänden und Stiftungen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen gegründet worden. Mit dabei sind unter anderem die Deutsche Akademie für Städtebau und Landesplanung DASL, BDB, BDA, der Bund für Umwelt und Naturschutz, die Stiftung Trias und Architects for Future. Initiiert wurde das Bündnis von der DASL. Das Bündnis hat auf Grundlage seines Papiers „Bodenwende jetzt!“ die Wahl begleitet und will auch darüber hinaus für eine Wende in der Bodenpolitik werben.

Zentral für die Forderungen des Bündnisses ist die Feststellung, dass Bodenpolitik nicht ein Thema unter vielen ist, sondern eine „integrative Querschnittsaufgabe“, die zahlreiche Herausforderungen der nächsten Jahrzehnte berührt. Umso bedenklicher also, dass gerade dieses Thema in den vergangenen Jahren entweder vernachlässigt oder sogar wichtige Potenziale – beispielsweise durch die Veräußerung von Bundesvermögen – aktiv verspielt wurden.

Dem will das Bündnis eine gemeinwohlorientierte Bodenpolitik auf Grundlage der „Neuen Leipziger Charta“ entgegenstellen, die ebenfalls Ende 2020 im Rahmen der deutschen EU-Ratspräsidentschaft von allen Ländern der Union unterzeichnet wurde. Darin werden als drei maßgebliche inhaltliche Dimensionen die grüne, die gerechte und die produktive Stadt genannt.

Was in der Charta noch recht allgemein formuliert ist, wurde durch das Bündnis dankenswerterweise entsprechend ihrer eigenen Interpretation in konkrete Forderungen übersetzt. Um die Verhinderung von Spekulation geht es dabei ebenso wie um die gerechtere Verteilung von Nutzen und Lasten aus der Besteuerung des Bodens, um den kommunalen Zugriff auf für die Daseinsvorsorge unverzichtbare Bodenreserven oder um die Entwicklung neuer Werkzeuge zur Steuerung des Flächenverbrauchs – nicht zuletzt aus ökologischer Perspektive.

Auf dieser Grundlage wurden die Parteien vor der Wahl um Statements zu spezifischen Fragen gebeten. Diese antworteten im erwartbaren Rahmen. CDU/CSU und FDP setzen eher auf die Lenkung des freien Marktes durch Anreize, während SPD, Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke deutlich weitergehende Ideen bezüglich einer regulierenden Bodenpolitik haben.

Was auffällt: Die Forderungen des breiten, nicht gerade der Radikalität verdächtigen Bündnisses gehen über die Ideen des deutschen Parteien-Mainstreams teilweise deutlich hinaus. Entscheidend wird darum sein, wie sich die Ansätze der Fachwelt in den politischen Alltag einbringen lassen.

Zum Thema:
Das Bündnis Bodenwende unterhält keine eigene Webseite. Die Papiere des Bündnisses findet man als PDFs zum Download auf der Webseite der DASL.

Downloads:
Bündnis Bodenwende: Wer wir sind
Bündnis Bodenwende: Forderungen
Auswertung zur Wahl


(Quelle: Baunetz/sb)

Werlte jubelt

4. Oktober 2021

Ausgerechnet im emsländischen Werlte wird heute eine weitere Pilotanlage für CO2-neutrales Kerosin eingeweiht – keine Weltpremiere, wie die NOZ schrieb, weil schon am 12. November 2019 in Karlsruhe eine besonders kompakte Versuchsanlage zur Herstellung von E-Fuels in Betrieb ging. Erwartet werden in der noch jungen Stadt zur offiziellen Intebriebnahme  die Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD), der bekannte Kieler Klimaforscher Mojib Latif sowie Lufthansa-Vertreter – und eine Videobotschaft von Angela Merkel.

Die neue Anlage soll aus Wasser, erneuerbarem Strom, Abfall-CO2 aus einer Biogasanlage und CO2 aus der Umgebungsluft synthetischen Kraftstoff produzieren. Betrieben wird die „Power-to-Liquid“ (PtL)-Anlage von der Firma Solarbelt Fairfuel gGmbH (Stammkapital: 25.000 Euro). Die kleine Gesellschaft ist Tochterfirma der Atmosfair gGmbH, die ihrerseits aus einem Forschungsprojekt des Umweltministeriums hervorging und einer Gemeinschaftsinitiative des Reiseveranstalterverbandes Forum Anders reisen und der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch hervorgegangen ist, und  u.a. Emissionshandel für Privatleute und Firmen betreibt.

Wie in der Region üblich wird heute und danach sicher und nur emsländisch-unkritisch gejubelt. Dabei darf aber nicht übersehen werden, wie umstritten die Produktion sogenannter E-Fuels – also synthetischen Kraftstoffen – weiterhin ist. Sie erfordert nämlich einen hohen Energieeinsatz, ist daher ineffizient und sehr teuer. Allerdings sind E-Fuels im Rahmen der bisherigen Infrastruktur und Motorentechnologie nutzbar – und so möglicherweise schneller einzusetzen als eine flächendeckende Umstellung auf Elektroantriebe. Damit ist das Vorhaben ein großer Hoffnungsträger für alle, die möglichst wenig Veränderung wollen. Am aussichtsreichsten gilt die Technologie übrigens dort, wo Alternativen kaum verfügbar oder sinnvoll einsetzbar sind – zum Beispiel im Schwerlast- oder Luftverkehr, wo Batterien oder Wasserstofftanks viel zu schwer oder zu groß wären.

Ein Blick auf  die Fotoaufnahmen der NOZ zeigt sofort, wie klein die Werlter Anlage dimensioniert ist.  Die Betreiberin rechnet dort mit einer Jahresproduktion von nur 350 bis 400 Tonnen synthetischen Kerosins, wie Geschäftsführer Christoph Weber gerade der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ) erläuterte. Das entspricht etwa 500.000 Litern, die per Tankwagen an den Flughafen in Hamburg geliefert werden sollen.

Zum Vergleich: Allein der Verbrauch durch die 11 deutschen Airlines lag vor der Corona-Krise bei knapp 11,9 Milliarden Litern. Um nur zwei Prozent des deutschen Kerosinbedarfs zu decken, wie es die CDUCSU/SPD-Bundesregierung bis 2030 als Ziel ausgegeben hat, bräuchte man also ein Vielfaches der Werlter Anlage: rund 230 Millionen Liter Kerosin statt 500.000.

Bei der Produktaufbereitung fällt übrigens auch klimaneutraler Dieseltreibstoff an, der für Shuttle-Busse oder eben den Schwerlastverkehr eingesetzt werden könnte. Klimaneutral meint hier, dass der Treibstoff in der Verbrennung nur so viel CO2 freisetzt, wie ihm bei der Produktion zugeführt werden. Die Pilotanlage in Werlte soll jedenfalls erst einmal das zuverlässige Funktionieren der Technologie und Prozesse demonstrieren, sagte Weber zur NOZ. Dann seien in Zukunft größere Anlagen möglich.


(Quellen: taz / NOZ)

D 2045

3. Oktober 2021

Positive Visionen sind viel wert in Zeiten, wo Zynismus herrscht: Im Jahr 2045 ist die Energiewende umgesetzt. Deutschland lebt und wirtschaftet klimaneutral. Die Erneuerbaren decken den gesamten Energiebedarf: für unsere Mobilität, für unsere Wärme und auch für die Energie in unseren Betrieben. An jedem Tag des Jahres und bei jedem Wetter. Eine machbare Utopie.