Einstimmig hat der Lingener Ausschuss für Umwelt, Klima und Nachhaltigkeit jetzt den Antrag der Fraktion Grüne/FWL befürwortet, ein lokales Konzept für Ladestationen zu entwickeln. Damit gibt es noch keine Ladestation, aber vielleicht wird es ja auf absehbare Zeit was.

Für eine klimafreundliche Mobilität in ländlichen Regionen haben neben dem öffentlichen Verkehr auch batterieelektrische Fahrzeuge als die effizienteste Antriebsform viel Potential. Bekannt wurde jetzt: Das Laden am Arbeitsplatz kann dabei die Hälfte der CO2-Emissionen einsparen

Dazu  hat der Institutsteil Wirtschaftsinformatik des Fraunhofer FIT untersucht, wieviel CO2 sich durch ein verändertes Ladeverhalten auf dem Land einsparen lässt. Die Studie im Auftrag des NABU kommt zu dem Schluss: Laden am Arbeitsplatz (Charge@work) ist die effizienteste Ladeform. Schon allein durch eine Verschiebung des Ladezeitpunktes auf die Mittagszeit, während des Arbeitens, lassen sich die CO2-Emissionen des Ladevorgangs halbieren. Für ein Jahr mit durchschnittlichen Witterungsverhältnissen ergibt sich daraus ein Einsparpotential von ca. 3 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr.

Leif Miller, NABU-Bundesgeschäftsführer: „Die notwendige Ladeinfrastruktur für E-Mobilität muss gerade auf dem Land von Anfang an am richtigen Ort so geplant werden, dass sie möglichst wenig Ressourcen und Fläche verbraucht. Auf dem Land wird das Auto wichtig bleiben. Die Ergebnisse der Studie kommen daher gerade rechtzeitig, um die gezielte Förderung vom Arbeitsplatzladen in den Masterplan Ladeinfrastruktur 2 aufzunehmen.“

Die Studie zeigt, wie der Anteil an erneuerbaren Energien im Strommix beim Laden maximiert werden kann und welchen Einfluss es hat, wenn beim Laden Strom direkt aus einer Photovoltaikanlage abgenommen wird. Das massive CO2-Einsparpotential ergibt sich vor allem daraus, dass beim Laden am Arbeitsplatz die Potentiale von einem hohen Anteil von Grünstrom im Netz genutzt werden. Dies geschieht vor allem bei Charge@Work zur Mittagszeit. Das ist für die Mehrheit der Bevölkerung tagsüber am Arbeitsplatz. Dabei spricht sich die Studie nicht gegen Photovoltaikanlagen auf dem eigenen Hausdach aus.

Das Laden am Arbeitsplatz bietet der Untersuchung zufolge zahlreiche weitere Vorteile für eine ressourceneffiziente Nutzung von E-Mobilität. So können zum Beispiel mehrere Fahrzeuge an einem Ort gleichzeitig Strom direkt abnehmen. Die Studie untersucht zudem die Potentiale von E-Mobilität für die Netzstabilität. E-Autos können selbst das Stromnetz stabilisieren, wenn sie zu bidirektionalem Laden fähig sind, also die gespeicherte Energie in ihrer Batterie auch wieder abgeben können.

„Allein über das Laden am Arbeitsplatz im Vergleich zum Laden zuhause lassen sich bisher ungeahnte CO2-Einsparpotentiale von Elektromobilität heben. Alle Arbeitgeber sind daher in der Pflicht, ihren Mitarbeitern die Möglichkeit zum Laden anzubieten, am besten in Verbindung mit einer PV-Anlage. Über die Rahmenbedingungen werden derzeit verhandelt: Wenn die Verkehrsemissionen nicht weiter stagnieren sollen, muss das Klimaschutzsofortprogramm der Bundesregierung die Dienstwagenregelung so anpassen, dass sie nur noch rein batterieelektrische Fahrzeuge fördert.“ ergänzte Nikolas von Wysiecki, Verkehrsreferent beim NABU.

Die Studie zur Elektromobilität wurde im Rahmen des Projektes „Innovation und Vorsorge“ des Umweltbundesamts erarbeitet. Weitere Infos zum Thema und die Studie findet die Leserschaft  hier. 


Quelle: PM NABU

Die CDU-Politik ist reaktionär klar wie lange nicht mehr. Die Klimakrise spielt keine Rolle mehr und Ökologie wird nachrangig: Weil die Versorgungssicherheit bedroht sei, möchte die CDU Niedersachsen alle landwirtschaftlichen Flächen bewirtschaften. Der Artenschutz steht hintenan, berichtet die taz:

„Ginge es nach der CDU in Niedersachsen, dürften ab sofort alle landwirtschaftlichen Brachflächen beackert werden – egal ob für Tank, Teller oder Tiere. Auch jene, die als ökologische Vorrangflächen eigentlich gerade nicht intensiv bepflanzt werden sollen, damit sich die Böden erholen und sich Tiere wieder ausbreiten können. Ein Kniff, um der Umwelt dabei zu helfen, uns Menschen weiter auszuhalten.

Die CDU würde dort gern auch allerlei Pestizide erlauben. Der Grund: Der Krieg in der Ukraine bedrohe die Versorgungssicherheit. Das sagte Bernd Althusmann, CDU-Chef und Wirtschaftsminister in Niedersachsen, Anfang dieser Woche der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ).

Es stimmt, die Preise steigen, sowohl für Lebensmittel als auch für Tierfutter. Die Lösung der CDU ist naheliegend, aber alles andere als nachhaltig: Ein Anheizen des Artensterbens hilft niemandem auf diesem Planeten langfristig. Auch Kunstdünger, der mit russischem Gas produziert wird, ist teurer geworden. Den…“

[…weiter bei der taz]

Langzeitgewahrsam

27. März 2022

Das Polizeigesetz in NRW ermöglicht der Polizei, Personen länger festzuhalten – begründet wurde dies mit Terrorismus. Vier Jahre später stellt sich heraus: Die größte Einzelgruppe in Langzeitgewahrsam sind Menschen aus der Klimabewegung. Ein Beitrag von Netzpolitik.org.

Polizeimaßnahme gegen Demonstranten
Polizeimaßnahme gegen Klima-Aktivist:innen bei den Protesten im Hambacher Forst. CC-BY-NC 2.0 Aktion Unterholz

Die Polizei in Nordrhein-Westfalen setzt immer mehr Menschen mit klimapolitischem Hintergrund in einem außergewöhnlich langen Gewahrsam fest. Rechtliche Grundlage dafür ist das geänderte Polizeigesetz des Landes. Eine Recherche von Krautreporter hat nun erstmals Zahlen zu diesen Gewahrsamnahmen veröffentlicht.

Im Jahr 2018 hatte das Bundesland ein neues Polizeigesetz mit erweitertem Präventivgewahrsam bekommen, gerechtfertigt wurde dieses vom NRW-Innenministerium mit Befugnissen gegen Terroristen. Mit der Gesetzesänderung wurde ein Gewahrsam von bis zu sieben Tagen und bei einer drohenden Gefahr bis zu 28 Tagen ermöglicht – ohne, dass eine Straftat vorliegen muss.

Die Polizei in NRW nutzt laut einer Antwort der Landesregierung auf eine kleine Anfrage das Mittel des längerfristigen Gewahrsams immer häufiger: Waren im Jahr 2019 noch 35 Menschen in einem solchen Langzeitgewahrsam, sind es 2021 mit 97 fast dreimal so viele gewesen.

Bei Krautreporter heißt es:

Schaut man sich an, wer da festgenommen wird, ergibt sich für den gleichen Zeitraum 2019 bis 2021 ein eindeutiges Bild: Kein einziger rechter Gefährder wurde in Gewahrsam genommen, sechs religiös motivierte Gefährder – und insgesamt 74 Menschen im Zusammenhang mit Klimaprotesten.

Nun landen also kaum die mutmaßlichen Terroristen, mit denen das Gesetz begründet wurde, in präventivem Gewahrsam, sondern Klima-Aktivist:innen. Schon ein Jahr nach Einführung des Polizeigesetzes zeichnete sich dieser Trend ab. Von einer „Lex Hambi“ war damals die Rede, also einem Gesetz, das sich gegen die Klimaproteste im Hambacher Forst richte.

Besonders gegen Klima-Aktivismus

Weil Aktivist:innen als Form des zivilen Ungehorsam oftmals auch die Identitätsverweigerung nutzen, keine Ausweise bei sich tragen und sich die Fingerkuppen mit Sekundenkleber verkleben, ist bei der Polizei nach einer Blockade-Aktion keine Identitätsfeststellung möglich. Die Identitätsverweigerung nimmt die Polizei dann als Vorwand, diese Aktivist:innen so lange in Gewahrsam zu halten, was wegen der Blockade selbst gar nicht möglich wäre.

Dass in Nordrhein-Westfalen Gesetze vermehrt gegen Klima-Aktivist:innen genutzt werden oder sogar für sie geschrieben werden, ist kein Einzelfall. Im neuen umstrittenen Versammlungsrecht, welches die Demonstrationsfreiheit im Bundesland deutlich einschränkt, ist auch ein Passus, der Demonstrationen auf Autobahnen pauschal verbietet. Dass die schwarz-gelbe Landesregierung mit dem Gesetzestext Klimaproteste im Fokus hatte, zeigt sich auch in der Gesetzesbegründung. Dort wurden die oftmals bei Klimaprotesten genutzten weißen Maleranzüge mit Uniformen von SA und SS gleichgesetzt.


Ein Netzpolitik-Beitrag von

 

LIN2503: FFF

24. März 2022

Am morgigen Freitag wird in über 250 Orten in Deutschland für eine friedliche und gerechte Zukunft demonstriert. Unter den über 250 Städten mit Streik für’s Klima ist auch Lingen dabei, wo sich jüngst eine Ortsgruppe von FFF gegründet hat.

FFF sagt: „Wir gehe auf die Straße, weil es wichtiger denn je ist, dass Politiker*innen jetzt Menschen über Profite stellen. unsere neue Regierung ist die letzte, die Deutschland noch auf 1,5°-Kurs bringen und so die Wende sozial-gerecht gestalten kann. Bisher scheint bei vielen Entscheidungen deutlich zu werden, dass die Ampel dieser Verantwortung nicht gerecht wird. Dabei it jetzt die Zeit, die Menschen zu schützen die heute schon am stärksten unter der Klimakrise und anderen Ungerechtigkeiten leiden. Am 25.03. fordern wir #PeopleNotProfit!“

Der Streik in Lingen (Ems) findet Freitag um 16 Uhr am Bahnhof statt.

Wiese

22. März 2022

Früher waren wiesen immer Wildblumenwiesen. Also lautet meine Überschrift für dieses kleine Posting: Wiese.

Es geht allerdings um Wildblumenwiese und die Frage, wie es geht: Was sollte bei der Anlage einer artenreichen Wildblumenwiese beachtet werden? Wer profitiert von Wildblumenwiesen? Was ist der Unterschied zwischen einer Wildblumenwiese und einer Blumenwiese und muss eine solche Wiese gepflegt werden?
Diese und weitere spannende Fragen können bei diesem Onlinevortrag geklärt werden. Zusätzlich gibt es einige Tipps und Tricks rund um das Thema Wildblumenwiesen.
Die Onlineveranstaltung wird von der Naturschutzstiftung des Landkreises Emsland, der Naturschutzstiftung Grafschaft Bentheim und dem NABU Emsland/ Grafschaft Bentheim organisiert. Sie findet statt am Donnerstag, 24. März ab 19:00 Uhr . 
Die Zugangsdaten zu dem kostenlosen Onlinevortrag findet man unter www.nabu-emsland.de. Eine vorherige Anmeldung ist nicht notwendig.
[„Bei Fragen – so der NABU-  melden Sie gerne unter: nabu.el-noh(at)t-online.de oder 05931-4099630.“]


Text: PM, NABU; Foto: Maike Hoberg/NABU

Robert Habeck

9. März 2022

Bräsigkeit

6. März 2022

Niedersachsen ist das Moorland Nr. 1, hier liegen rund 38 % der bundesweiten Moorflächen; die Hochmoore liegen zu 73 % in Niedersachsen. Intakte, naturnahe Moore sind echte Multitalente der Natur. Sie sind Hotspots der Artenvielfalt und wirken als natürliche Klimapuffer, da sie große Mengen CO2 speichern. Das Bundesumweltministerium hat knapp 50 Millionen für die Wiedervernässung von Mooren bereitgestellt. Im Januar wurde bekannt, dass Niedersachsen als das moorreichstes Bundesland leer ausgeht.

Die Antwort auf eine entsprechende Anfrage der Grünen hat nun ergeben, dass MU und ML vom Bundesumweltministerium bereits 2019 auf die Fördermöglichkeit hingewiesen wurden. Weder CDU-Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast noch SPD-Umweltminister Olaf Lies haben es in den zwei Jahren innerhalb der Antragsfrist geschafft, einen Antrag mit konkreten Projektflächen und Maßnahmen zu erstellen, der den Anforderungen des Bundes entsprach. Das Land Niedersachsen verzichtete auf eine Bewerbung, die Fördergelder flossen folglich in andere Bundesländer.

Christian Meyer, ehem. Landwirtschaftsminister in Niedersachsen und naturschutzpolitischer Sprecher der Grünen im Landtag, hat dieses Versäumnis jetzt heftig kritisiert:

„Das ist ein weiteres Beispiel dafür, dass sich die Große Koalition in Niedersachsen beim Klimaschutz gegenseitig blockiert und in dieser wichtigen Frage nicht vorankommt. Die beiden zuständigen Ministerien haben es nicht geschafft, innerhalb von zwei Jahren einen förderfähigen Projektantrag vorzulegen. Wegen dieser Bräsigkeit geht Niedersachsen als Moorland Nummer eins in der ersten Förderrunde des Bundes leer aus. Andere Bundesländer beweisen, dass es besser geht: Nun fließen die Gelder nach Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Bayern. Das ist sicher gut für den Moorschutz und das Klima, aber schlecht für Niedersachsen.

Es ist ein dickes Brett, Alternativen für eine klimafreundliche Bewirtschaftung von Moorböden aufzuzeigen und die großflächige Entwässerung schrittweise wieder rückgängig zu machen. Die landwirtschaftlichen Betriebe brauchen eine verlässliche Zukunftsperspektive, doch die Große Koalition wurschtelt ideenlos vor sich hin.

Im Zuge der Bund-Länder-Vereinbarung zum Moorschutz stellt der Bund in den nächsten Jahren 330 Millionen zur Verfügung. Die Landesregierung muss sicherstellen, dass ein Großteil dieser Gelder nach Niedersachsen geholt werden kann, um das Potential der Moorböden für den Klimaschutz zu heben. Die Reaktivierung der Moore als natürlicher CO2-Speicher erfordert Investitionen in Milliardenhöhe. Der jüngste IPCC-Bericht macht deutlich, welche verheerenden Auswirkungen die Klimakrise in Europa und weltweit bedeutet, wenn nicht schnell gegengesteuert wird.“


Foto: Moor, Herbert2512 via piaxbay

 

NLWKN

3. März 2022

Dass ich noch einmal eine niedersächsische Landesbehörde lobe, hätte ich mir vor einigen Wochen auch noch nicht vorstellen können. Doch es ist soweit. Kennen Sie den NLWKN? Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) ist eine niedersächsische Behörde mit Sitz im ostfriesischen Norden. Er kümmert sich in unserem Bundesland um mancherlei und auch um den Hochwasserschutz.

Jetzt hat er ein besonders undurchdachtes Projekt in Lingen gestoppt. Zwischen der Nordlohner Straße sollte nach dem Willen des Oberbürgermeisters Krone ein „Baugebiet“ entstehen. Denn im Stadtteil Schepsdorf gibt es kein weiteres Areal, auf dem  Einfamilienhäuser errichtet werden können. Kurz gesagt: „Das Boot ist voll!“

Krone kam dann auf die Idee,  im Überschwemmungsgebiet der Ems bauen zuzulassen, dafür einen Deich dafür zu verlegen, Millionen für das vermeintliche Bauland zu zahlen und dann in Darme zwischen Möddelhof und Ems eine 7 Hektar große Fläche am Landschaftsschutzgebiet Emstal 1,5m tief abzugraben, um den Verlust denenne ich Machbarkeitsfantasien, die mit Nachhaltigkeit, Umwelt- und Hochwasserschutz überhaupt nichts und mit dem Gegenteil alles zu tun haben. Übrigens wären Grundstückspreise von 400-500 Euro entstanden und damit viel zu viel für „die jungen Familien“, die von den Baugebiet-Fanatikern stets gern bemüht werden.

Besagtes NLWKN musste „noch“ den Änderungen des Hochwasserschutzes zustimmen. Angeblich habe die Behörde vor drei, vier Jahren vorsichtig „signalisiert“, dass das Krone-Projekt möglich sei. Ich kann dies nicht prüfen, aber jetzt ist davon überhaupt keine Rede mehr. Der Grund ist nach dem Oderhochwasser in 1997, dem Elbehochwasser in 2002 die Ahrtalkatastrophe im vergangenen Sommer, obwohl die Sache doch eigentlich völlig klar war: Bauen im Überschwemmungsbiet der Ems, der Ahr, der Weser, Elbe, Oder, Saale, Donau oder des Rheins – das geht nicht. Dies zu erkennen, braucht es eigentlich nur den berühmten gesunden Menschenverstand und, wo dieser fehlt, manchmal eben einer Landesbehörde.

Besagter NLWKN hat sein -erwartbares- Nein jetzt auch dem OB deutlich gemacht. Mit anderen Worten: Das Projekt ist gestorben, und das ist gut so. In einer städtischen  Ausschusssitzung wurde das Ende jetzt nicht-öffentlich bekannt gegeben, weil man die Kaufangebote der Flächeneigner nicht mehr annehmen will, und ich habe angeregt, mit den Eigentümern der Flächen zu sprechen, um diese als Retentionsflächen zu sichern. Die Verwaltung sah das sofort skeptisch, weil die Eigentümer jetzt kaum mehr als ein Drittel oder die Hälfte des Preises erhalten würden, als hätten sie es als „Baugebiet“ an die Stadt oder ihre Grundstücks- und Erschließungsgesellschaft veräußern können.

Übrigens hatten Macher Krone & Co. im Vorgriff dafür gesorgt, dass die  von ihnen begehrten wie die abzugrabenden Flächen gar nicht erst in das vor zwei Jahren beschlossene, von der EU über 20 Jahre hinweg geforderte FFH-Schutzgebiet „013 ‚Ems‘ als Landschaftsschutzgebiet „Natura 2000-Emsauen in Lingen (Ems)“ aufgenommen wurden. Das könnte und muss der Lingener Rat jetzt nachholen.

„Heiter weiter“

20. Februar 2022

Das Groninger Erdgas wird auch im Lingener RWE-Gastkraftwerk zu Strom verfeuert. Die Folgen sind nicht ohne (hier…). Dies als Erklärung, weshalb der sarkastische Beitrag in der freitäglichen heute-show nicht nur witzig (gemacht) ist.

Wir erfahren: In und um Groningen gibt es 27.000 Häuser mit Erdbebenschäden. Wegen des Gases, das eben (auch) an uns geliefert wird. Das deutsche Fazit „Heiter weiter“ bringt’s trotzdem auf den Punkt. Oder?

Autokorrektur

16. Februar 2022

Es gibt da schon einiges, was in unserer Stadt für die Mobilität verbessert werden kann. Denken wir mal unerschrocken ( und teilweise auch sehr weit ) voraus:

Wann geht es los mit dem Bahnhofsumbau, der seit Jahren öffentlichkeitswirksam angekündigt wird und doch einfach nicht voran kommt?

Lingen soll und will sich inzwischen außerdem an das werdende S-Bahnnetz Münsterland anschließen; dann fahren Züge hier deutlich öfter nach Süden als zurzeit. Und es braucht eine Direktverbindung ohne Umsteigen nach Osnabrück. Außerdem braucht es einen barrierefreien zweiten Zugang zum Gleis 2 am Bahnhof, wo dann die S-Bahn-Züge starten und ankommen.

Nordhorns Bürgermeister Thomas Berling hat in diesen Tagen die Entwicklung des Schienennetzes Richtung Niederlande also in die Provinzen Drenthe und Groningen ebenso als notwendig unterstrichen wie Richtung Süden nach Gronau. Warum wird nicht über eine schienengebundene Verbindung zwischen Lingen (Ems) und Nordhorn debattiert? Wie wäre es mit einer Machbarkeitsstudie? Nordhorn scheint mir dafür offen zu sein – und die „Macher“ im Emsland? Sie akzeptieren die eingleisigen Engstellen der Emslandlinie nördlich Dörpen und Papenburg. „Die Macher“ sind immer noch auf dem „Wir-bauen-lieber-Straßen“-Tripp und wollen mit inzwischen 1,4 Milliarden Euro eine 4-spurige Straße durch das Hasetal bauen, anstatt dort die Bahnstrecke Richtung Bremen zu schaffen. Ein gestriges Konzept, scheint mir.

Alles Hirngespinste? Wohl kaum. Dies zeigt ein Blick nach Osnabrück, wo sich etwas tut, schreibt gerade die taz:

„Es gibt ja Leute, die sagen: Früher war alles besser. Meist ist ein solches Lob der Vergangenheit verklärender Unsinn. Aber es gibt Fälle, da stimmt es ein wenig. Ein solcher Fall tritt derzeit in Osnabrück zutage.

Es geht um die Machbarkeitsstudie für den Bau einer Stadtbahn, in Auftrag gegeben und finanziert von Stadt und Landkreis Osnabrück. Bis Ende 2022 sollen die Dresdner Verkehrsplaner Köhler und Taubmann (VKT) ihre Potenziale bewerten, ihre Wirtschaftlichkeit, ihre Ausbaubarkeit zur Stadt-Umland-Bahn, die städtebaulichen Konsequenzen.

Ein großer Erfolg für die Osnabrücker Stadtbahn-Initiative (SBI). Seit Anfang der 1990er kämpft sie für ihre Idee einer neuen Straßenbahn. Mitentscheidend war eine Petition von Ende 2020, die über 3.100 Unterzeichner fand, an Infoständen, auf Wochenmärkten, über die Plattform openPetition. Auch AktivistInnen von Fridays for Future hatten Unterschriften gesammelt.

Osnabrück hatte schon einmal eine Stadtbahn. Eine elektrische Straßenbahn, ab 1906. Aber 1960 war damit Schluss. Das System wurde demontiert, die Stadt mehr und mehr zur Autostadt. „Heute sagen fast alle, dass das ein fataler Fehler war“, sagt Johannes Bartelt von der SBI zur taz. „Aber es ist noch nicht zu spät, den Erfolg von damals wieder aufzugreifen.“

Dass Osnabrücks Straßen primär Autoverkehrsraum sind, rächt sich: Staus, Lärm, Abgase, Stress, Feinstaub, zu­ge­parkter öffentlicher Raum, Unfallgefahr für Radfahrer. Eine Stadtbahn könnte das entzerren, meint die SBI. Zudem…“

[weiter hier]

Angesichts der Klimaprobleme kann jedenfalls nicht weiter auf den Individualverkehr gesetzt werden, auch nicht mit E-Autos. Es müssen Alternativen entwickelt werden.

Es geht hier vor allem um die Schiene, aber eine zentrale Alternative ist das Rad, das für kurze Strecken unschlagbar ist, allerdings auch ein Umfeld braucht, damit es gern benutzt wird. Einfache Frage: Warum beispielsweise stehen Kfz trocken in öffentlich finanzierten Garagen, aber Räder allermeist im Regen, wenn man mit ihnen in die Stadt fährt? Eine weitere Alternative ist der schienengebundene Transport von Menschen und Gütern auch in der Region. Ideen gibt es reichlich. Doch für die Umesetzung braucht es den Abschied der einseitigen, Verkehrsplaner sagen „sehr besonderen“ Autoorientiertheit in Lingen oder, um es mit Katja Diehl zu sagen, die Autokorrektur. Dazu müssen belastbare Untersuchungen und Machbarkeitsstudien her.

Bevor übrigens BN-Mann und Stadtplaner Manfred Kunst mit mir schimpft: Ja, es sollte auch untersucht werden, ob angesichts grundlegend geänderter Finanzierungen des Bundes die Bahnstrecke im Lingener Stadtgebiet eine Etage tiefer zu legen ist, um so die Zerteilung unseres „Mittelzentrums mit oberzentralen Teilaufgaben“ in Ost und West zu beenden und viele Hektar neuen Stadtraum zu bekommen.

Spoiler:
Bitte unabhängige Expert*innen fragen und keine Leute, die das zurecht biegen, was unser OB für richtig hält.


Foto: Bahnhof Lingen (Ems) vor rund 100 Jahren (1919)