Panther Preis

1. Oktober 2022

Mit dem taz Panter Preis zeichnet die taz Menschen aus, die sich gegen die Klimakrise einsetzen – ob alleine oder in einer Gruppe. Dieses Jahr geht es unter dem Motto „Klima für Gerechtigkeit“ um solidarischen oder sozial gerechten Klimaschutz. Welches Projekt den Preis der Leser:innen erhält, können Sie mitentscheiden. Noch bis zum 15. Oktober kann abgestimmt werden. Danach wird auch noch ein Jurypreis vergeben – und beide jeweils mit 5.000 Euro dotierten Preise werden am 12. November in der taz in Berlin feierlich übergeben.

In diesem Jahr ist unter den sechs Nominierten auch ein Projekt aus unserer Region.  Kai Behncke hat das Klima- und Artenschutzprojekt „500 AKA“ in und um Osnabrück initiiert – und dafür Hunderte von Mit­strei­te­r:in­nen gewonnen. Aber nicht nur Tiere bewahrt der 47-Jährige vor Verwahrlosung und Tod. Er legt vor Ort auch Vogelschutzhecken, Trockensteinmauern, Feuchtbiotope und Wildblumenwiesen an. Dierk Jansen stellte das Projekt Ende August in der taz  vor:

„Steine stapeln statt werfen

Sir Henry trottet gemächlich über die trockene Wiese. Direkt auf Kai Behncke zu. Der Ziegenbock stupst seinen Retter an, der streichelt dem schwarzen Vierbeiner vertraut über den Rücken. Nebenan grasen Schafe seelenruhig weiter, während zwei vietnamesische Hängebauchschweine im Garten zwischen kniehohen Brennnesseln und schattenspendenden Bäumen in der Erde herumschnüffeln. Nicht weit entfernt von einem leeren Storchennest und umgeben von einigen Blühwiesen platziert sich Behncke direkt hinterm Schafzaun.

Seit 2016 betreibt Behncke zusammen mit seiner Frau Julia den Gnadenhof Brödel in Melle, der mittlerweile auf 120 Tiere angewachsen ist: von der Schildkröte bis zu den gerne in die Nachbarschaft ausbüxenden Hühnern. Daher sind Ferien für ihn, der früher in der Osnabrücker autonomen Hausbesetzer­szene aktiv war, seit Längerem schon ein Fremdwort. „Das letzte Mal ist schon etliche Jahre her, es waren drei Tage an der Nordsee“, schmunzelt er…“ [… weiter bei der taz]

Gemeinsam wird im Juli in Melle bei Osnabrück eine Trockensteinmauer errichtet
Foto: 500 AKA

[Hier geht’s zur Abstimmung]

Energiewende: Jetzt!

28. September 2022

Die 2011 gesetzlich verankerte Stilllegung der letzten drei Atomkraftwerke in der Bundesrepublik zum 31.12.2022 wird gestoppt, zwei der über 30 Jahre alten Atom-Meiler sollen bis ins nächste Jahr im Stand-By-Modus verbleiben – die süddeutschen AKW Neckarwestheim 2 und Isar 2. FDP und CDU fordern auch einen Weiterbetrieb des AKW Emsland in Lingen. Die Bundesregierung hat Tür und Tor geöffnet für weitere, absurde Forderungen aus den Reihen der Energiewende-Blockierer – das ist fatal!

In dem Spiel mit der Angst vor einem kalten Winter ist es den Akteuren offenbar gleichgültig, dass Sicherheitsüberprüfungen bei bereits vorhandenen Rissen (wie in Lingen) abgelehnt werden, dass schon kleinste Fehler größtes Unheil anrichten können, dass wir tausenden Generationen ein ungelöstes Problem mit hochgefährlichem Atom-Müll hinterlassen und dass Atomkraft die Energiewende blockiert, die wir und unser Klima so bitter nötig haben.

Zur Sicherung unserer Stromversorgung gibt es bessere Alternativen als Atomkraft: Wind- und Solarenergie, Geothermie, besseres Lastmanagement und eine Steigerung der Energieeffizienz.

Energiekrise I

14. September 2022

Weltpremiere!

Die niederländische Stadt Haarlem – Partnerstadt von Osnabrück mit rund 240.000 Einwohnern – „will Reklame für klimaschädliche Produkte aus der Öffentlichkeit verbannen. Es geht um Fleisch – und noch mehr.

Die Hauptstadt der Provinz Nordholland will als erste Kommune überhaupt ab 2024 Werbung für Fleischprodukte im öffentlichen Raum verbieten. Ein entsprechender Antrag der lokalen „GroenLinks“-Fraktion, der auch einen Reklamestopp für Flugreisen und fossile Brennstoffe vorsieht, wurde Ende 2021 im Stadtrat angenommen. Seit das Vorhaben in dem im August veröffentlichten Ratsprotokoll erwähnt wurde, sind Städte und Medien weltweit darauf aufmerksam geworden.

„Wir haben als Kommune vor einigen ­Jahren den Klimanotfall ausgerufen, um wirklich gegen den Klimawandel vorzugehen. Als lokale Verwaltung nehmen wir das sehr ernst“, sagt Ziggy Klazes, die Initiatorin des Antrags, der taz. „Dann können wir allerdings nicht auf der anderen Seite Geld daran verdienen, dass wir unseren öffentlichen Raum an etwas ­vermieten, wogegen wir sind und was dem zuwiderläuft.“

Wie niederländische Medien berichten, hat die Kommune inzwischen mit drei Betrieben Kontakt aufgenommen, die in Haarlem für Reklame an Bushaltestellen und auf öffentlichen Bildschirmen zuständig sind. Deren Verträge laufen 2024, 2025 und 2031 aus. In die Folgeverträge soll der Beschluss des Stadtrats aufgenommen werden.

Klazes betont, es gehe ausschließlich um Fleischprodukte aus Massentierhaltung. Prospekte mit Sonderangeboten – sogenannte „kiloknallers“ – sind in den Niederlanden weit verbreitet, werden aber von Tierschutzorganisationen seit Jahren kritisiert.

Obwohl…“

[weiter hier]


gelesen in der taz
Foto: Modernes und traditionelles Haarlem; von Donaldytong,License migration redundant, GFDL, CC-BY-SA-3.0, Self-published work via wikipedia

 

Heute Ratssitzung

24. August 2022

Am heutige Mittwoch (24. August) finden zusätzliche Sitzungen des Verwaltungsausschusses unserer Stadtund des Stadtrats statt, außerhalb des sonst üblichen Sitzungsrhythmus. Es stehen wichtige, interessante Punkte auf der Tagesordnung. Allerdings merkt man auch, dass in 46 Tagen der neue niedersächsische Landtag gewählt wird. Vor allem die SPD versucht den Eindruck zu erwecken, sie sei aktiv. Sie hatte eine Sondersitzung des Rates beantragt, die sie aber gar nicht beantragen kann, weil sie nur acht Ratsmitglieder hat und für eine Sondersitzung braucht es in Lingen 15. Aber für eine Schlagzeile in der Lokalzeitung reichte es und dafür, dass OB Krone  zu einer zusätzlichen Sitzung einlud.

Ein besonders markanter Tagesordnungspunkt im Rat, der ab 16 Uhr in Halle IV, Kaiserstraße 10a tagt, wird der „Bericht zur aktuellen Situation auf dem Energiemarkt“ sein, zu dem die Geschäftsführer der Stadtwerke Lingen vortragen sollen. Im Fall unserer Stadtwerke beträgt die Abhängigkeit vom angeschlagenen Gasgroßhändler Uniper in stolzen 80%  des jährlichen Gesamtbezuges. Das wirkt sich dann auf der Internetseite unserer Stadtwerke so aus:

Eigentlich sollte dies bereits am 11. August im Verwaltungsausschuss erfolgen. Aber da wurden die Herren Ralf Büring und Hans-Martin Gall dann doch nicht gehört. Der OB hatte es sich anders überlegt. Überhaupt melden unsere Stadtwerke mit einem Laufbandtext auf derselben Internetseite: Aufgrund eines erhöhten Beratungsaufkommens kann es zu längeren Wartezeiten – vor allem bei Telefonanrufen – kommen. Beruhigend ist das nicht.

Übrigens wollte die SPD die Energiefrage überhaupt nicht in jener „VA“-Sitzung vor zwei Wochen besprechen. Weil es „zu wichtig“ sei, sollte das Thema von der Tagesordnung des VA  runter. Versteht das die nette Leserschaft dieses kleinen Blogs? Ich konnte nichts mit diesem Beraten-wir-es-nicht-Standpunkt anfangen. Der VA ist dann auch den SPD-Antrag nicht gefolgt und hat doch geraume Zeit konzentriert und konkret über die aktuellen Probleme gesprochen und das war gut so. Es ging um Einsparmöglichkeiten -auch um die Eisbahn beim Weihnachtsmarkt- über Photovoltaik auf städtischen Gebäuden, Windenergie usw. und über das fehlende kommunale Energiemanagement. Der OB meinte zwar: „Das haben wir schon.“ Aber wo in unserem Energyvalley ist die Frage.

Dazu zählt auch, wie wir die bisherigen Gewinne der Stadtwerke -in 2021 haben sie sich schon halbiert- künftig verwenden wollen. Bisher flossen sie in den Haushalt. Aber sie könnten besser und nachhaltiger investiert werden – zum Beispiel als Grundstock für Investitionen in nachhaltige, natürliche Energie..

Nach dem Willen der SPD soll sich unsere Stadt an dem von SPD-Ministerpräsident  Stephan Weil geplanten niedersächsischen „Härtefonds“ beteiligen. Ein Vorhaben, das sicherlich allgemein unterstützt wird, um soziale und finanzielle Härten für Lingener Haushalte im kommenden Winter abzufedern. Das Land und zahlreiche gesellschaftliche Akteure haben dazu vor zwei Wochen eine enge Zusammenarbeit vereinbart. In einer gemeinsamen Erklärung mit der Überschrift „Niedersachsen – Gemeinsam durch die Energiekrise“ wurden konkrete Vorhaben und Absichten aufgelistet. Unter anderem plant das Land noch für dieses Jahr insgesamt 100 Millionen Euro für eben diesen Energie-Nothilfefonds ein. Auch lokalen Projekten in den Kommunen soll davon geholfen werden und zwar mit insgesamt 50 Mio Euro. Bei 8 Mio Einwohner*innen in Niedersachsen kämen rund 350.000 Euro davon in Lingen an. Viel ist das nicht, aber…

Im öffentlichen Sitzungsteil  steht auch ein Antrag der CDU auf der Tagesordnung, Energie durch intelligente Straßenlampen zu sparen. Das soll nicht geschehen, sondern die Verwaltung soll erst einmal „prüfen“ und ein Pilotprojekt initiieren. Ja, der Fortschritt ist eine Schnecke. Aber vielleicht versteht dann die Verwaltung wenigstens, um was es geht. Ende Juni hatte ich im Umweltausschuss nach SLR-Straßenlaternen gefragt und dann mit dem Protokoll eine eher irrlichternde Leuchtmittel-Antwort erhalten:

Dann gibt es noch drei weitere Tagesordnungspunkte.

Stauchungsbetrieb

8. August 2022

Das AKW in Lingen hat den prosaischen Namen KKE. Es geht heute in 146 Tagen vom Netz. Das hat angesichts der von  konservativen Atomfreunden inszenierten Debatte über einen verlängerten Betrieb der Kernkraftwerke jetzt Niedersachsens Energieminister Olaf Lies (SPD) bekräftigt. „Der Reaktor wird zum Jahresende vom Netz gehen. Alles andere macht keinen Sinn“, sagte Lies in einem am Montag veröffentlichten „Spiegel“-Interview.

„Die Brennelemente sind bereits jetzt derart abgebrannt, dass sie nicht mehr genügend Energie haben, um bis zum Jahresende im Vollbetrieb zu laufen.“ Darum werde das AKW bereits im November in einen sog. Stauchungsbetrieb gehen.

Die Idee, neue Brennelemente für den in Darme liegenden Meiler zu bestellen lehnt der SPD-Mann ab, denn dann „müssten wir diese vier bis fünf Jahre einsetzen, damit die dann so weit abgebrannt sind, dass man sie einlagern kann.“ Dies wäre ein Wiedereinstieg in die Kernenergie. Das wolle man nicht.

Lies: „Für das bayerische Kraftwerk Isar II mag eine zeitlich begrenzte Streckung sinnvoll sein, da die Brennstäbe noch nicht abgebrannt sind und für weitere 120 Tage in Volllast Strom erzeugen könnten.“

Angesichts steigender Preise und drohender Energieknappheit war in den letzten Wochen eine Debatte um den weiteren Betrieb der drei letzten deutschen AKW entbrannt. Umstritten ist dies auch deshalb, weil Atomkraft vor allem zur Stromerzeugung genutzt wird, fehlendes russisches Gas hingegen zur Wärmeproduktion. Befürworter argumentieren auch mit möglichen Stromengpässen. Nach der gültigen Gesetzeslage gehen die verbliebenen AKW Isar 2 in Niederbayern, Emsland in Niedersachsen und Neckarwestheim 2 in Baden-Württemberg zum Jahresende außer Betrieb. Deswegen hatte der Bund auch auf die vorgeschriebene große Sicherheitsüberprüfung der drei Kernkraftwerke verzichtet, die sonst 2019 stattgefunden hätte.

Spoiler:
Und dann gibt es noch den CSU-Vorsitzenden Markus Soeder, den eine besondere  Fähnchen-in-den-Wind-Einstellung ausmacht:


Quelle: SPON, SZ
Foto: AKW Emsland © dendroaspis via flickr

 

Leeuwarden Bosk

8. August 2022

Bis zum 14. August, also noch eine knappe Woche lang, verändert ein „wandernder Wald“ von 1.000 Bäumen die niederländische Stadt Leeuwarden (Friesland), die vor vier Jahren neben La Valetta (Malta) ein Jahr lang Europäische Kulturhauptstadt war.  Das Spektakel von Laubesche, Eiche und Ulme, die durch die Straßen der 110.000-Einwohner-Stadt Leeuwarden wandern, bietet die Vision einer grüneren Zukunft.

Das Ereignis ist damit kein Langstreckenlauf sondern langsames Wandern; kein Wald aus 1.000 Bäumen würde rennen. Seit Mai transportieren Freiwillige die in Holzcontainern gepflanzten einheimischen Bäume Stück für Stück über eine 3,5 km lange Strecke durch das Zentrum von Leeuwarden und lassen so die Menschen eine alternative, grünere Zukunft erleben. „Wir sind eine Generation, die fast schon alle Hoffnung verloren hat“, erklärt Johan Lakke, Student an der Universität Groningen; Lakke hilft bei dem Projekt mit dem Namen Bosk. Das bedeutet in der regionalen friesischen Sprache „Wald“. „Dieses Projekt macht mir Hoffnung“, sagt er. „Es zeigt uns nämlich, dass man Dinge erreichen kann, wenn man verrückt genug ist, um die Ecke zu denken.“

Bosk ist die Idee des Landschaftskünstlers Bruno Doedens und seines langjährigen Mitarbeiters, des verstorbenen Joop Mulder. Hervor ging es aus Doedens’ Essay Planet Paradise, der die Frage nach der Beziehung des Menschen zu seiner natürlichen Umwelt stellte. „Im Moment verhalten wir Menschen uns wie Jugendliche, die ihr Zimmer nicht aufräumen wollen“, erklärt Doedens. „Wir müssen endlich erwachsen werden und aufhören, alles durcheinander zu bringen. Wir müssen uns um unseFrieslaUmgebung kümmern.“

Das Bosk-Programm mit dem „wandernd“ Wald  ist Teil von Arcadia, einem alle drei Jahre stattfindenden  Kunstfestival,  und umfasst Debatten, Ausstellungen und Performances zum Thema Reconnecting Nature. Sjoerd Bootsma, künstlerischer Leiter von Arcadia, sagt: „Wir brauchen die Kunst und die Künstler, die uns helfen, die verschiedensten Möglichkeiten dazu vorstellbar zu machen.“

Die erste Station der Wald-Wanderroute war der Stationsplein vor dem Bahnhof von Leeuwarden. „Die Bäume hatten eine so beruhigende Wirkung, dass sich die Menschen sofort entspannten“, sagt Sjoukje Witkop, Chefin des nahe gelegenen Oranje-Hotels. Witkop wurde überzeugt, 10 große Pflanztröge vor dem Hotel zu installieren und fragt heute: „Warum hatten wir dort früher keine Bäume?“

Die 1.000 Bäume bestehen aus 60-70 einheimischen Arten, darunter Erle, Esche, Ulme, Ahorn, Eiche und Weide, sind in 800 Holzbehältern gepfanzt. Jeder Trog hat einen QR-Code, der Details wie Baumart, die durchschnittliche Lebensdauer und bevorzugte Bodenart enthält. Ein Bodensensor warnt das Gartenteam der Stadt, wenn die Bäume Wasser brauchen. „Dies sind einige von den am besten gepflegten Bäume der Welt“, sagt Doedens.

Das Bosk-Projekt hat beeindruckende lokale Unterstützung erhalten. Menschen aller Altersgruppen, Geschlechter und Herkunft meldeten sich freiwillig, um die Bäume zu bewegen. Die örtliche Zaailander Brauerei hat sogar ein spezielles Bier entwickelt – das Bosk-Bier – mit 10 Cent von jedem Verkauf, die an Plan Boom gespendet werden, ein nationales Baumpflanzprogrammn.

Verantwortliche anderer niederländischer Kommunen sind längst nach Leeuwarden gepilgert, um zu sehen, was getan werden kann. „Auch die Kirchen wollen Teil von Bosk sein“, ergänzt Bootsma. Laut Doedens haben die Menschen in Leeuwarden die Bäume so sehr genossen, dass sie wollen, dass sie bleiben. „Wir haben einen ‚wandernden‘ Wald geschaffen und die Leute wollen, dass wir ihn an Ort und Stelle belassen“, lacht er.

Nicht alle sind allerdings begeistert. Einige halten das Projekt für Zeit- und Geldverschwendung. Andere mögen es nicht, dass sie eine Woche woanders parken müssen oder Zufahrten wegen der Bäume blockiert sind. Aber Almar Dam, der das Projekt für die Stadt Leeuwarden leitet, fordert die Skeptiker auf, das Ganze zu sehen. „Normalerweise sind die Straßen so laut und man muss aufpassen, dass die Fahrer einen mit ihren Autos nicht totfahren“, sagt er. „Doch schauen Sie sich einen Bosk-Standort an. Es ist so friedlich.“  Ab dem 14. August, wenn 100 Tage nach ihrem Start die Kunstaktion zu Ende geht, – werden die 1000 Bäume in der ganzen Stadt gepflanzt, auch in einkommensschwachen Vierteln, wo Grün knapp ist. Schon in drei Jahren will die Provinz Friesland die Region in der ganzen EU mit der besten Kreislaufwirtschaft sein und Abfall, Umweltverschmutzung wie den Verlust der biologischen Vielfalt drastisch verringern. Obwohl dies nicht einfach sein wird, ist Doedens zuversichtlich. „Wenn sogar Bäume laufen können, können auch wir uns verändern“, sagt er.

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Quelle/Text: Arcadia.nl, The Guardian (meine Übersetzung)

Balkonkraftwerke!

7. August 2022

Strom wird teurer, der Verbrauch ist groß: 2.828 Kilowattstunden (kWh) hat ein deutscher Haushalt im Jahr 2021 durchschnittlich aus dem Netz bezogen, bei aktuellen Strompreisen landet man damit locker bei vierstelligem Kosten pro Jahr. Umso sinnvoller scheint es, den Strom selbst aus Solarenergie zu gewinnen. Mit sogenannten „Balkonkraftwerken“ gelingt das auch in Eigenregie. Aber ist das wirklich so einfach?

Im Video von c’t 3003 besprechen die c’t-Redakteure Jan-Keno Janssen und Jan Mahn die Vorzüge von Balkonkraftwerken und zeigen, wo mögliche Stolpersteine beim Einsatz lauern. Denn auch wenn der technische Aufbau simpel ist, muss einiges berücksichtigt werden.

(Quelle: heise.de)

Grüne Finger

4. August 2022

„Grüne Finger“: Wenn der Begriff dieser Tage in Osnabrück fällt, kocht der politische Streit hoch. Rund ein Dutzend Grünzug-Radialen, orientiert an Hügelkuppen und Tälern, verbindet die Natur des Umlands mit den Freiflächen der Innenstadt.

Doch wie es um die künftige Stellung der Radialen steht – ob sie also aus Klima- und Naturschutzgründen gesichert oder aber aufgrund benötigter Flächen zum Wohnen und Arbeiten reduziert werden sollen – ist noch offen. Die Ergebnisse eines Forschungsprojekts sprechen für einen Erhalt, doch die lokale CDU will sich dafür bislang nicht aussprechen.

Mitte der 1920er-Jahre hatte der damalige Stadtbaurat Friedrich Lehmann die Grünen Finger festgeschrieben in einem Ge­neralbe­bau­ungs­plan. Einerseits gibt sich Osnabrück stolz auf Lehmanns Weitsicht. Schließlich dienen die Finger der Gewinnung von Trinkwasser und dem Einstrom von Kaltluft, ermöglichen Nah­erho­lung und Nahrungsmittelproduktion, fungieren als Hochwasser-Überschwemmungs­gebiete und Puffer für Starkregen, fördern als Lebensraum für Pflanzen und Tiere die Biodiversität. Andererseits werden sie immer wieder gekappt, verengt, zerschnitten, denn Osnabrück dehnt sich aus. Bauland ist begehrt, für Wohnraum, für Gewerbe.

Bürgerinitiativen haben sich zum Schutz der Finger gebildet. Das Umweltforum Osnabrück, der Dachverband der örtlichen Natur- und Umweltverbände, fordert, die Finger müssten „vor den Begehrlichkeiten der Tagespolitik geschützt werden“. Das Forum, nicht zuletzt Initiator einer Langzeit-Unterschriftensammlung, bei der sich Tausende Unterzeichner gefunden haben, fordert eine Erhaltungssatzung. Es kritisiert „Sonntagsreden“ und „unverbindliche Selbstverpflichtungen“. Wichtig sei, „dass wir der nicht-menschlichen Natur wieder Rechte geben und dass wir sie nicht laufend weiter schwächen und zurückdrängen“.
Jüngst…

[weiter bei der taz]

Brunnen

27. Juli 2022

Über unsere Innenstadt verteilte Wasserflächen und Brunnen würden helfen, an heißen Sommertagen die Temperaturen zu verringern. „Verdunstungskühle ist sehr effizient. Wenn warme Luft über Wasserflächen streicht, verdunstet Wasser. Dabei wird der Luft Wärme entzogen, es wird fühlbar kühler. Fontänen und Sprühnebel können das noch verstärken.“ erklärt Johannes Ringel, Professor für Stadtentwicklung an der Universität Leipzig. Lingen ist da weiß Gott kein Vorbild; denn fast alle der ohnehin wenigen Brunnen im Lingener Stadtzentrum sind ein Trauerspiel. Spitzenreiter ist dabei der Rieselwandbrunnen am Theo-Lingen-Platz, den es seit 15 Jahren gibt und der seit exakt 15 Jahren nicht funktioniert. Der Mühlsteinbrunnen am Amtsgericht ist nur etwa 25-30% des Jahres in Betrieb und wird all abendlich abgestellt, auch der Fabeltierbrunnen auf dem Marktplatz und der Kubus vor dem Lookentor in der Lookenstraße sind auch monatelang nicht in Betrieb. Der private Brunnen vor der Bonifatiuskirche war bis zum Frühjahr 2022 gefühlt 10 Jahre defekt; jetzt ist er Bestandteil des Skulpturenwegs und könnte vielleicht künftig funktionieren.

2019 wurden gleich alle Brunnen, wenn sie überhaupt funktionierten, ganz abgestellt, um „Wasser zu sparen“, wie OB Krone im Sommer 2019 meinte. So belastete das Stadtoberhaupt alle Menschen im heißen Stadtzentrum,, Bewohner, Beschäftigte und Besucher..

Angesichts der zunehmenden Hitzetage müsste es rund um den Markt auch weitere Trinkbrunnen geben. Ich erinnere mich nicht, ob es eigentlich überhaupt einmal mehr als einen einzigen Trinkbrunnen in unserer Stadt gab. Ich kenne nur den Trinkbrunnen (Foto), der bis zur Einrichtung der Sparkassen-Baustelle zwischen Lookenstraße und Bauerntanzstraße vor der Alten Marktapotheke stand. Dann wurde er wegen der Baustelle vor 16 Monaten entfernt. Ersatz gab es nicht.

Deutlich mehr Trinkbrunnen – genau das sieht übrigens auch die EU in ihrer Trinkwasserrichtlinie vor, die bis kommenden Januar in deutsches Recht umgesetzt werden muss. Ihr Ziel: Benachteiligte Gruppen und Menschen am Rand der Gesellschaft sollen besser mit Trinkwasser versorgt werden: „Zur Förderung der Verwendung von Leitungswasser für den menschlichen Gebrauch stellen die Mitgliedstaaten sicher, dass an öffentlichen Orten, wo dies technisch machbar ist, Außen- und Innenanlagen installiert werden“, heißt es in der Richtlinie vom Dezember 2020.

Allerdings warten die Bundesländer noch die Umsetzung in Bundesrecht ab, die der Bundestag gerade auf den Weg gebracht hat. Die Hamburger Umweltbehörde erhofft sich beispielsweise davon „einen Schub“; allerdings sei noch nicht gänzlich geklärt, wie der Ausbau des öffentlichen Trinkwasserangebots finanziert werden solle, sagte gerade eine Behördensprecherin zum Redaktionsnetzwerk Deutschland RND. Künftig aber werden die Länder zum Handeln gezwungen sein.

Nichts spricht dagegen, dass die Kommunen allgemein und die Stadt Lingen (Ems) im Besonderen schon selbst handelt, den abgebauten Trinkbrunnen schnell wieder aufbaut und die weiteren Brunnen im Stadtzentrum instand setzt oder neu baut, die das Mikroklima im Zentrum so entscheidend verbessern können.

Lingen (Ems) könnte auch dem internationalen Netzwerk Blue Community beitreten. Deren erster Grundsatz ist die „Anerkennung des Zugangs zu sauberem Trinkwasser als Menschenrecht“. Das bedeutet, dass gerade auch Personen mit geringem oder fehlendem Einkommen die Möglichkeit eröffnet werden solle, „jederzeit kostenlos auf das lebensnotwendige Trinkwasser zugreifen zu können“.

Blue Communities verstehen jedenfalls Wasser als öffentliches Gut, unterstützen die Umsetzung der  Menschenrechte auf  Zugang zu sauberem Trinkwasser und Sanitärversorgung, gehen schonend mit den Wasserressourcen um und setzen sich für Wasserversorgung und  Abwasserentsorgung in öffentlicher Hand ein. Außerdem fördern sie die Nutzung von  Leitungswasser statt Flaschenwasser. Womit wir wieder beim Trinkbrunnen wären. Er kostet rund 6.000 Euro plus Installation.

Also: Man kann, wenn man will, handeln. Wenn Lingen nicht handelt, will man nicht. Trotz der Hitzetage.


Foto: Trinkbrunnen Lingen(Ems),  Am Markt
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