Der Münchner Rechtsanwalt und frühere BGH-Vorsitzende Thomas Fischer nimmt sich das Enthüllungswerk eines Amtsrichters aus Dinslaken vor. Des Richters neues Buch heißt „Wo unsere Justiz versagt – Von Messerstechern, Kinderschändern und Polizistenmördern. Ein Richter deckt auf“. Es ist das Nachfolgewerk einer ersten Aufklärungsschrift des betreffenden Richters aus dem Jahr 2019. Diese trug den Titel „Urteil: ungerecht. Ein Richter deckt auf, warum unsere Justiz versagt“.

Fischer bricht das neu Buch und wohl auch gleichzeitig das alte, auf seinen wesentlichen Inhalt herunter:

Streng blickt Richter Schleif dem Feind ins Auge. … Das Landgericht Duisburg, das Herrn Amtsrichter Schleif instanzmäßig übergeordnete Gericht, besteht, soweit es seine Strafkammern betrifft, durchweg aus Versagern, Feiglingen, Dummköpfen und Faulenzern. Diese produzieren „gequirlte Scheiße“ ohne Unterlass, fördern das Verbrechen, statt es zu bekämpfen, und zerstören das Ansehen der Justiz. Ein letztes Bollwerk gegen das Chaos sind Richter Schleif und die ihm dankbare Polizei. Das wird man ja wohl noch sagen dürfen!

Auch ansonsten ist die Rezension zwar sehr lang, aber ebenso vergnüglich zu lesen: hier.


Richtig gut
finde ich es übrigens, dass dieser Beitrag im LawBlog von Udo Vetter erschienen ist. Rund ein Vierteljahr gab es nichts Neues vom Kollegen. Das aber hat sich jetzt geändert. Fein!

NAWALNY

4. Mai 2022

Nawalny, der Dokumentarfilm von Daniel Roher, folgt dem Mann, der im August 2020 ein Attentat durch Vergiftung mit einem tödlichen Nervenkampfstoff überlebt hat. Während seiner monatelangen Genesung macht er schockierende Entdeckungen über den Anschlag auf sein Leben und beschließt, nach Hause zurückzukehren.

Der Film begleitet den bedeutendsten russischen Oppositionellen und Putin-Gegner Alexei Nawalny von dem Attentat des russischen Geheimdienstes bis zu seiner Rückkehr nach Moskau und seiner Inhaftierung. Nawalny beginnt mit geheimen Aufnahmen in dem Flugzeug, in dem Alexei Nawalny mit dem russischen Nervengift Nowitschok ermordet werden sollte. Die Zuschauer.innen sind dann hautnah dabei, als seine Frau im russischen Krankenhaus um sein Leben kämpft; als Nawalny in der Berliner Charité gerettet wird und im Schwarzwald wieder zu Kräften kommt. Der dortige Aufenthalt steht im Zentrum des Films. Zusammen mit seiner Familie, seinem Team und dem bulgarischen Journalisten Christo Grozev gelang es Nawalny hier, den Mordanschlag gegen ihn aufzudecken.

NAWALNY
Dokumentarfilm, USA 2022
98 Minuten
Regie:
Daniel Roher
Kamera: Niki Waltl
Musik: Marius de Vries
Schnitt:
Langdon Page, Maya Daisy Hawke,
Eamonn O’Connor, Aleks Gezentsvey

Ab morgen in den Kinos.

Die Toten Hosen

10. April 2022

„Die Toten Hosen feiern ihren heutigen 40. Bandgeburtstag mit einem späten, offiziellen Video zu einem ihrer Top-Schlager „Wort zum Sonntag“. Gespickt mit Szenen der Bandgeschichte. Ich mochte den Song immer ganz gerne, auch wenn die Herren mittlerweile soweit von der 60 gar nicht mehr weg sein dürften. 70 ist das neue 60. Und danke für „Opel Gang“! Für mich eins der wichtigsten deutschen Alben überhaupt.“ (Ronny Knaak, @das_kfmw)

Im Dezember 1981 haben wir als Band angefangen miteinander zu proben, der genaue Tag verlor sich im Nebel der Zeit. Deshalb ist das Datum unseres ersten Konzertes am 10.4.1982 im Bremer „Schlachthof“ unser offizieller Bandgeburtstag.

ps
Der Bremer Schlachthof, diese grandiose Location, wo Drummer und Kollege Horst Eckelmann damals seine Hochzeit feierte mit den Gästen wie Frontmann Fritz Griepentrog („Now“) und Kämpfer Egon Brinkmann, den gerade der Krebs zerfressen hat.

Robert Habeck

9. März 2022

Oleg Senzow: Haft

25. Februar 2022

Oleg Senzow, geboren 1976 in Simferopol auf der Halbinsel Krim, ist ukrainischer Autor und Filmemacher.  2013/14 unterstützte er den Maidan in der Ukraine, während der Annexion der Krim durch Russland im Frühjahr 2014 leistete er humanitäre Hilfe. Am 11. Mai 2014 wurde er zugleich mit drei weiteren Aktivisten wegen angeblicher terroristischer Handlungen vom russländischen Inlandsgeheimdienst FSB in Simferopol festgenomme; zuvor hatte Russland völkerrechtswidrig die Krim besetzt.. Die Anklage warf ihm die Gründung einer terroristischen Vereinigung, Senzow wurde zu 20 Jahren Haft verurteilt. Die Menschenrechtsorganisationen Memorial und Amnesty International schätzten das Verfahren und Urteil gegen Senzow als politisch motiviert und als Schauprozess ein. Sie stellten gravierende Verstöße gegen internationale Rechtsnormen fest.

Im Mai 2018 trat Senzow in einen unbefristeten Hungerstreik, den er während der Fußball-WM in Russland fortsetzte, dann aber im Oktober 2018 nach 145 Tagen wegen seines kritischen Gesundheitszustandes abbrach. Im gleichen Jahr verlieh ihm das Europäische Parlament den Sacharow-Preis für Menschenrechte und die französische Hauptstadt Paris die Ehrenbürgerwürde. Am 7. September 2019 wurde Oleg Senzow im Rahmen eines großen Gefangenenaustausches freigelassen und kehrte in die Ukraine zurück.

Während seines Hungerstreiks hat Senzow Tagebuch und Kurzgeschichten geschrieben. „‚Haft‘  ist keine leichte Lektüre, nicht, weil es der Autor so wollte. Das Buch ist so grausam wie die Erfahrung in russischer Haft.“ (BR24).  Senzows Schilderungen geben Einblick in den Alltag in der russischen Strafkolonie „Eisbär“ in Labytnangi am Polarkreis, in der er seine Lagerstrafe bis zu seiner Freilassung verbüßen musste. Der Autor beschreibt die körperlichen Veränderungen, die während der ausgesetzten Nahrungsaufnahme mit ihm vor sich gehen, das launische Wetter in dieser unwirtlichen Gegend, seine Lektüren und die Erinnerungen an die Revolution auf dem Maidan im Winter 2013/14, an der er unmittelbar beteiligt war. Er porträtiert Mitgefangene und beleuchtet die Mechanismen eines brutalen und menschenverachtenden Rechts- und Haftsystems, in dem der betreuende Lagerarzt Senzows einzige vertrauenswürdige Stütze ist. Willkür kennt keine Logik. „Haft“ ist ein Überlebensbericht.

In der Rezension auf DLF-Kultur heißt es:

„Noch am 120. Tag, knapp einen Monat vor Beendigung seines Hungerstreiks und mehr tot als lebendig, schreibt Senzow: „Heute habe ich für mich vier Hauptregeln formuliert, nach denen ich lebe: Mach das, was du willst, hab keine Angst, gib nie auf, verlass dich nur auf dich selbst.“
Die geistige Freiheit, die aus diesen Worten spricht, macht dieses Tagebuch einzigartig und bewegend. Trotz der omnipräsenten Dramatik liest es sich nicht nur deprimierend, sondern inspiriert durch Entschlossenheit und Kraft – schon deshalb, weil man von Anbeginn um das „Happy End“ weiß. „Je näher die Leute dem Tod sind, um so reiner ist ihr Herz.“
Auch das macht diesen Text so lesenswert.“

Oleg Senzow, Haft: Notizen und Geschichten
Verlag: Voland & Quist, Leipzig 2021, 431 Seiten, 26 Euro
ISBN-13 ‏: ‎ 978-3863912925
Bestellung per E-Mail im örtlichen Buchhandel: info(at)Buecher-Holzberg.de

 

Gary Brooker ist tot

22. Februar 2022

„Einem Dichter gelingen vielleicht fünf gute Gedichte im Leben, Gary Brooker hat mit seiner Stimme zehn davon in diesen einen Song gepackt. Wo sonst wird einem so angst und froh zugleich, wenn er von seiner bleichen Dame ohne Mitleid singt, dass Vernunft nicht existiere und die Wahrheit doch offen zutage liege?“
Die SZ heute in einem sanften Nachruf über Gary Brooker, Procol Harum und „A whiter shade of pale“. RIP.

#MeinPräsident: Die Rede

13. Februar 2022

1045 Stimmen im ersten Wahlgang: Mit breiter Mehrheit hat die Bundesversammlung Frank-Walter Steinmeier für weitere fünf Jahre als Bundespräsident bestätigt. In seiner Antrittsrede verspricht er, die Demokratie zu verteidigen – und wendet sich direkt an Russlands Präsident Putin: „Unterschätzen Sie nicht die Stärke der Demokratie!“  Und an die Deutschen: „Unterschätzen wir nicht die Stärke der Demokratie.“

Eine politisch überzeugende Antrittsrede – die beste, die ich bisher von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gehört habe.

Info:
Die Bundesversammlung setzte sich zusammen aus den 736 Bundestagsabgeordneten sowie einer gleich großen Zahl an Vertreterinnen und Vertretern aus den 16 Bundesländern, die von den Landesparlamenten entsprechend ihrer Zusammensetzung nominiert wurden. Darunter viele Prominente sowie Bürger, die sich zivilgesellschaftlich besonders engagiert haben – diesmal etwa Krankenpflegerinnen oder Fluthelfer. Weitere Mitglieder der 17. Bundesversammlung waren Ex-Kanzlerin Angela Merkel, Biontech-Gründerin Özlem Türeci, der Virologe Christian Drosten, Nationaltrainer Hansi Flick, Astronaut Alexander Gerst, Moderator Klaas Heufer-Umlauf, Musiker und Autor Thees Uhlmann, Pianist Igor Levit, Kabarettist Dieter Nuhr, die Schauspieler*innen Dietmar Bär, Fritzi Haberlandt und Sibel Kekilli sowie Schwimm-Olympiasiegerin Britta Steffen. Aus Lingen war der Landtagsabgeordnete Christian Fühner (CDU) Mitglied der Bundesversammlung.

Schweinsteiger

30. Januar 2022

Nadia rüttelt nicht mehr, aber dieser Sonntag kann wohl besser lesend verbracht werden. Da kommt dies gerade recht:

Der in Zürich beheimatete Diogenes-Verlag zählt zu den renommiertesten in deutschsprachigen Landen. Er hat den neuen Roman von Martin Suter verlegt. Weltmeister Bastian Schweinsteiger ist der Held des Buches. Suter erzählt darin Wahres und fast Wahres aus dem Leben des Mannes, dem es nicht in die Wiege gelegt war, alles zu erreichen, was man als Fußballer erreichen kann. Wie der Sportler, den alle immer noch Basti nennen, so erfolgreich wurde? Wir erfahren: Nicht aus Ehrgeiz. Aus Freude am Erfolg.

Zu dem umfangreich beworbenen 384-Seiten-Buch gab es eine Diogenes-Pressekonferenz in Berlin. „Auch und gerade Journalisten und Journalistiinnen von Bild, RTL und Radio Schlagerparadies stellen ihre Fragen. Nicht gerade die kultursinnigsten Medien. Was ist denn da los?“ fragen die Revierpassagen.

„Martin Suter, Schweizer Schriftsteller von einigen Graden und Gnaden, hat ein Buch über den weltmeisterlichen Fußballer Bastian Schweinsteiger geschrieben. Da wittert halt auch der Boulevard womöglich knackige „Geschichten“. Ein „Bild“-Mann – schon spürbar gierig auf die Schlagzeile – will gar Näheres zu einer Roman-Sequenz wissen, in der sein Blatt vorkommt. Derlei Begehrlichkeiten mag Martin Suter denn doch nicht bedienen…“

…hier geht’s weiter bei Revierpassagen  

…und hier kann das Buch für 22,- Euro und den nächsten Wintersturmtag bestellt werden: Holzberg, Lingen (Ems). Am besten nicht über den Großhandels-Shop sondern direkt per E-Mail, weil finanziell mehr bei unserer Buchhandlung hängen bleibt. Die ISBN-13 lautet: ‎ 978-3257071689.

Der kleine Schwindel

25. Januar 2022

Vorgestern hatten wir hier im Blog den großen Bautzener Schwindel, jetzt den kleinen Emsland-Schwindel, der mir fast durchgegangen wäre. Denn wer liest schon akkurat den überregionalen Teil unserer Lokalzeitung „Lingener Tagespost“, also die „Neue Osnabrücker Zeitung“ NOZ? Ich jedenfalls eher nicht, weil ich mich viel lieber an solch‘ wunderbaren Beiträgen erfreue, die es trotz hohen Bezugskosten in der NOZ nicht gibt; if you know you know – fröhlich SZ-übersetzt mit „Weißte bescheid!“

Also weißte bescheid? Dieser kleine Nachtreter-Leserbrief in der NOZ-Gesamtausgabe vom letzten Samstag (Ausriss re.)  ist ein Musterbeispiel von Unaufrichtigkeit. NOZ-Leser Björn Roth greift darin den Bundesvorstand der Grünen an. Dessen Mitglieder, längst hauptamtliche Politiker, haben sich den steuerfreien Corona-Bonus bewilligt, jeweils 1500,- Euro. Deswegen ermittelt jetzt die Berliner Staatsanwaltschaft wegen des Anfangsverdachts einer Straftat – welcher auch immer; denn ermittelt wird bekanntlich viel. Und Björn Roth leserbrieft empört über das Geschehen an die NOZ.

Björn Roth? Da war doch was? Was die NOZ und er verschweigen und was kaum jemand weiß: Roth ist hauptamtlicher (!) Geschäftsführer des CDU-Kreisverbandes Lingen. Er wird also für die Öffentlichkeitsarbeit seiner CDU bezahlt und weder die Zeitung noch der Leserbriefschreiber legen dies offen. Das ist bereits der kleine Emsland-Schwindel; denn man legt selbiges natürlich offen.

Und überhaupt: Wer weiß denn, ob der hauptamtliche CDU-Funktionär nicht auch den steuerfreien Corona-Bonus bekommen hat? Ich weiß es nicht, aber er könnte ja und bei all den offenen Händen in seiner Partei würde es mich nicht wundern, wenn. Oder nicht, Björn?

Gothia

22. Januar 2022