David Crosby ist tot.

20. Januar 2023

David Crosby ist tot. Der Mitbegründer der Bands The Byrds und Crosby, Stills & Nash (und manchmal auch Young) ist im Alter von 81 Jahren „nach langer Krankheit“ gestorben. Der 1941 in Kalifornien geborene Crosby war in den 60ern zunächst Gründungsmitglied von The Byrds, mit der er die Hits „Mr. Tambourine Man“ und „Turn Turn Turn“ aufnahm.

1968 gründete er mit Stephen Stills und Graham Nash die Gruppe Crosby, Stills & Nash, die ein Jahr später einen legendären Auftritt beim WoodstockFestival hatte. Zusammen mit Neil Young firmierte die Superband auch unter dem Namen Crosby, Stills, Nash & Young. Crosby nahm auch mehrere Solo-Alben auf.

Der für seine künstlerischen Leistungen zwei Mal in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen Crosby sorgte auch mit seinem ausschweifenden Lebensstil für Schlagzeilen. In den 80erm verbrachte er wegen Kokain- und Waffenbesitzes mehrere Monate im Gefängnis. 1994 unterzog er sich einer Lebertransplantation – das Organ war durch jahrzehntelangen Konsum von Drogen wie Kokain und Heroin geschwächt.

Er habe am Morgen ein Zitat des Komponisten Gustav Mahler gelesen, schrieb Bandkollege Stephen Stills auf Facebook: „Der Tod hat auf sanften Katzenpfoten den Raum betreten“. Dies habe ihn stutzen lassen. „Ich hätte wissen müssen, dass etwas geschehen war“, schrieb er. Crosby und er seien im Lauf der Zeit häufig aneinandergeraten. Der Kitt, der sie zusammengehalten habe, sei die Musik gewesen. Crosby habe eine „geradezu geniale“ harmonische Sensibilität gehabt. „Er war ohne Frage ein Gigant von einem Musiker“.

Auch Graham Nash, das dritte Mitglied der Band Crosby, Stills & Nash (CSN), bekundete in den sozialen Netzwerken seine Trauer. Zwar sei ihre Beziehung manchmal „flatterhaft“ gewesen, schrieb er. „Aber was für David und mich immer mehr als alles andere zählte, war die pure Freude an der Musik, die wir zusammen geschaffen haben, der Sound, den wir zusammen entdeckt haben und die tiefe Freundschaft, die wir über all diese langen Jahre geteilt haben“.

Ich fand’s nicht ganz einfach, einen überzeugendes Video mit David Crosby zu finden. Schließlich habe ich mich für diesen Youtube-Clip entschieden, einschließlich der Lobeshymne untendrunter. RIP, David Crosby.

„Last Friday night 12/9/11 my wife and I had the honor of watching David Crosby and the band Venice play a private show in a neighbors living room. This was a fund raiser for one of the band members child’s elementary school. 70 people watched Venice accompanied by David Crosby harmonize on Crosby Stills Nash and Young classics such as Suite Judy Blue Eyes, Carry On. Woodstock & Long time coming. Before the show I had the opportunity to talk with Crosby and explained to him that in 1989 my girlfriend gave me a puppy Golder Retriever as a college graduation gift. I had a hard time naming him but after much thought I asked my friend Chris for a suggestion- he looked me straight in the eyes and said „If he was my dog there would be no doubt, his name would be Crosby“ well it stuck. David said to me after I told him that story „your friend has some serious problems“ I replied, „All my friends do and come to think of it so do yours!“ we had a chuckle and he excused himself to warm up. This show was incredible…. to sum it up I will quote my friend that we invited with his wife to be our guests. He said „Not many times a has concert brought me to tears, this was one of those occasions. Truly a treasured memory“.“

Heinrich Hannover ist tot

16. Januar 2023

Am Samstag ist in hohem Alter der Bremer Rechtsanwalt Heinrich Hannover gestorben. Heinrich Hannover war Zeit seines Lebens ein unbequemer Rechtsanwalt – und -was nur wenige wissen- Bestseller-Autor von Kinderbüchern. Seine Fälle erzählen die Geschichte der deutschen Nachkriegszeit – aus Sicht eines linken Rechtsanwalts. Seine prominenteste Mandantin: Ulrike Meinhof, die er verteidigte, mit der er sich aber nie gemein machte.
Ruhe in Frieden, lieber Kollege!

update: ein Nachruf auf LTO

Geklaut

31. Dezember 2022

Eigentlich klaut man uns doch einen vernünftig-traditionellen Jahreswechsel. Oder wie kann man es anders verstehen, dass Neujahr und Silvester nur ein simples Wochenende ausmachen? Auch die Überlegung der neuen Koalition in Hannover, einen weiteren Feiertag für Niedersachsen zu prüfen, hilft da nicht; im rot-grünen Koalitionsvertrag stehen bekanntlich viele Prüfaufträge. Und dann sollen laut Wetterbericht im Ersten heute auch noch 17 Grad in unserem Städtchen erreicht werden. Am letzten Tag des Jahres. Es wäre die höchste jemals an einem 31.12. gemessene Temperatur in Lingen, wo trotzdem –anders als in Hannover– ungehemmt  und ungezügelt  geböllert werden darf, obwohl dies längst an vielen Orten -nicht nur hierzulande- ziemlich aus der Zeit gefallen ist.

Alles scheint mir also etwas durcheinander, und da kommt es gut, dass man sich jedenfalls auf den TV-Sender 3sat verlassen kann. An Silvester 2022 gibt es in 24 Stunden „Pop Around the Clock“ 24 Live-Konzerte mit alten Bekannten und neuen Pop-Highlights. Mit dabei ist Musik-Ikone Herbert Grönemeyer mit einem Open-Air-Konzert von 2002 seiner „Mensch“-Tour sowie die norwegische Popband a-ha mit den Höhepunkten ihres Konzertfilms „True North“. Ein absoluter Höhepunkt ist auch der Auftritt der Rockband-Legende Queen, die zusammen mit Sänger Adam Lambert ihre größten Hits spielen. Außerdem zeigt Jennifer Lopez in einem ihrer ersten großen Livekonzert von 2001 in Puerto Rico ihr Talent. Und der frisch gekürte Paul-Lincke-Preisträger Johannes Oerding lässt nachmittags sein 2019er Konzert in der Freilichtbühne Bad Segeberg nacherleben. Auch Fleetwood Mac, Pop-Diva Céline Dion, The Rolling Stones,  Rod Stewart, Bruce Springsteen, Sarah Connor, AC/DC und viele mehr werden mit ihren Konzerten begeistern. Es startet übrigens Sting gleich um viertel vor 6 mit „A Winters Night“ – einem Konzert in der Kathedrale von Durham im englischen Nordosten. Begleitet von einer 35-köpfigen Band erklingen alte und neue Lieder des Winters. in einem halben Jahr am längsten Tag des Jahres ist er dann live an  der EmslandArena.

Und Montag startet dann die 1. Kalenderwoche des neuen Jahres 2023. Übrigens mit einem neuen, taffen Chefinnen-Duo unserer Wählergemeinschaft Die BürgerNahen. Auf die bisherigen Vorsitzenden Roman Hoffmann und Wolfgang Dülle folgen, gestern Abend frisch gewählt, Claudia Becker und ihre Vertreterin Marion Schröder.

Mein Wunsch an die Leserschaft: Kommt gut rein ins neue Jahr und vor allem -schon mit Blick auf den 31.12.2023 in 365 Tagen-  besser wieder raus.

Christian Drosten, der Leiter der Virologie an der Berliner Charité, geht davon aus, dass die Immunität in Deutschland nach dem Winter belastbar sein wird. „Wir erleben in diesem Winter die erste endemische Welle mit Sars-Cov-2, nach meiner Einschätzung ist damit die Pandemie vorbei“, sagte Drosten in einem Interview mit dem Berliner Tagesspiegel. Die Immunität in der Bevölkerung werde nach diesem Winter so breit und belastbar sein, dass das Corona-Virus im Sommer kaum noch durchkommen könne. Als einzige Einschränkung nannte der Virologe einen weiteren Mutationssprung. „Aber auch das erwarte ich im Moment nicht mehr.“

Zur Lage in China, wo sich das Coronavirus nach der Aufgabe der No-Covid-Politik gerade massiv ausbreitet, sagte Drosten: „Der große Fehler in China war, dass in der Bevölkerung, insbesondere in der älteren, kein Bewusstsein für das Impfen entstanden ist.“ Seiner Meinung nach sei die Impfkampagne in Deutschland und Europa der entscheidende Schritt bei der Bekämpfung der Pandemie gewesen.

Die Maßnahmen zur Eindämmung des Virus verteidigte der Virologe: „Es ging nie darum, die Pandemie aufzuhalten, es war von Anfang an klar, dass das nicht möglich ist. Aber hätte man gar nichts gemacht, dann wäre man in Deutschland in den Wellen bis zu Delta auf eine Million Tote oder mehr gekommen. Also musste man Kontakte reduzieren.“

Übrigens: Lingen ist die Geburtsstadt des längst in Berlin lebenden Wissenschaftlers. Wir sollten Christian Drosten zu uns einladen und ehren – bevor es peinlich wird.

update (bevor jemand die Dinge in den falschen Hals bekommt):


Quelle und mehr: Tagesspiegel; Foto: Charité / Wiebke Peitz

Wow!

14. Dezember 2022

„Wow, was für eine Ehre!“, freut sich Johannes Korves.

Der in Lingen aufgewachsene Johannes Korves startet durch. Direkt vor der Corona-Pandemie gründete er das Start-up Natif.ai. Zwei Jahre später hat er es bereits auf die Top-100-Watchlist Business Punk Magazins für 2023 in der Kategorie Tech and Engineering geschafft. Als „Gesicht der Zukunft 2023“.

21 Jahre zuvor hatte Johannes Korves am Lingener Gymnasium Georgianum sein Abitur gemacht.  Nach der Zivildienstzeit im Jugendzentrum „Alter Schlachthof“ ging’s zum Studium der Wirtschaftswissenschaften nach Oldenburg, inklusive Auslandsjahr in den USA. Doch neben Freunden und Familie trieb ihn vor allem seine Leidenschaft für elektronische Musik des Öfteren zurück in die Lingener Heimat. Über die Grenzen des Emslands hinaus war er bekannt als DJ Joko und sorgte für durchfeierte Nächte die in Erinnerung bleiben. Parallel stieg er beim Brillen-Onlineshop „Brille24“ in die Geschäftsführung auf.

Dann gründete er u.a. mit Brille24-Geschäftsführer Christophe Hocquet sein Startup Natif.ai. Das IUnternehmen ist ein sog. Deep-Tech Startup, im Bereich der Intelligenten Dokumenten Prozessautomation (IDP). Kurz gesagt: Natif.ai bringt Computern das Lesen bei. Mittels hoch performanter KI-Modellen und einer selbst entwickelten Deep-OCR können verschiedenste Dokumente extrem schnell und genau analysiert sowie relevante Daten extrahiert werden. Natif.ai ermöglicht es Entwicklern, „über die Natif.ai-Plattform komplexe Workflows, hochmoderne KI-Technologien und Active Learning per API zur Verfügung zu stellen. Gegründet wurde das Unternehmen 2019 von Manuel Zapp, Johannes Korves, Christophe Hocquet und Berenger Laurent. Natif.ai ist ein offizielles Spin-Off des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI). Johannes Korves: „Seit Jahren verfolge ich die Business Punk Watchlist und das Magazin und natürlich bekommt diese Ausgabe einen besonderen Platz. Aber seien wir ehrlich, diese Nominierung ist nicht mir zu verdanken, sondern viel mehr unserem natif.ai Team und auch vor allem meinen Mitgründern Manuel Zapp, Bérenger Laurent und Christophe Hocquet zu verdanken. Ich fungiere also vor allem als Vertreter von natif.ai. „

Korves: „In diesem Moment sind weit über 3 Millionen Menschen damit beschäftigt, Informationen aus Dokumenten zu verarbeiten. Was für eine Verschwendung wirtschaftlicher und ökologischer Ressourcen.  Das Leben all dieser Menschen von manuellen Dokumentenaufgaben zu befreien, motiviert uns jeden Tag, die Möglichkeiten der Technologie ein wenig weiter voranzutreiben.“

Durch Ihre Technologien nimmt natif.ai den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus Unternehmen verschiedenster Branchen „lästigen“ Papierkram und wiederkehrende Tätigkeiten ab. Indem Mitarbeitende so ihre Arbeitskraft für wertschöpfende und kreative Tätigkeiten einsetzen können, möchte natif.ai mit seiner Software auch dem Fachkräftemangel entgegenwirken. Zudem setzt natif.ai neue Standards, indem Dokumente nicht nur 30-60 Mal schneller, sondern auch mit einer bis zu 10-fach höheren Automatisierungsquote verarbeitet werden, als mit gängigen Technologien. Deshalb zählt auch die saarländische Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD) „natif.ai ohne Frage zu den Leuchttürmen der Spin-offs der Saarbrücker Informatik“.

 

Stärker

9. November 2022

Stärker ist ein Stück aus Johannes Oerdings neuem Album „PLAN A“ und  eine intime Angelegenheit. In dem schillernden Pop-Song geht es um Trennung und darum, dass man sie sich leichter vorstellt, als sie am Ende ist.

Johannes Oerding:
Mit den Jahren bilanziert man mehr, hört auch bei Freunden anders hin. Zeynep Avci hat mich bei ‚The Voice‘ mit ihrer Stimme und menschlich total begeistert. Ich glaube, es gibt nicht viele deutsch-türkische Duette – dabei ist das Zusammenleben unserer Kulturen doch längst eine Realität. Deswegen ist es total stimmig, dass Zeynep hier auch Deutsch singt und ich Türkisch.

Johannes Oerdings Album „Plan A“  ist am vergangenen Freitag 04.11. erschienen.

Und, was sagt die Lesergemeinde zu dem deutsch-türkischen Song? Fast auf den tag genau vor 11 Jahren spielte Johannes Oerding im Alten Schlachthof Lingen. Am 12. November 2011, später dann in der EmslandArena, bevor sein mehrfach verschobenes Konzert schließlich doch der Corona-Pandemie zum Opfer fiel.

 

Neu im Landtag

16. Oktober 2022

Zum ersten Mal sind im Niedersächsischen Landtag schwarze Frauen vertreten. Djenabou Diallo-Hartmann wird auch den Koalitionsvertrag mitverhandeln.

Die taz berichtet: „Es ist ein zweischneidiges Schwert: Einerseits weiß Djenabou Diallo-Hartmann (Grüne) ganz genau, wie wichtig sie als Repräsentantin für Schwarze, BIPoC, Menschen mit Migrationsgeschichte ist.

Allein, dass sie es geschafft hat, ist ein Triumph. Sie sei dankbar und sich ihrer Verantwortung bewusst, sagt die 37-Jährige freundlich – bei jeder der Dutzenden Medienanfragen, die sie nun erreichen.

Andrerseits braucht man ein dickes Fell: Mit der Sichtbarkeit steigen auch die Anfeindungen und das ständige Wiederkäuen der eigenen Rassismus-Erfahrungen in Interviews macht das Leben nicht schöner. Und natürlich ist ­Diallo-Hartmann mehr als nur Rassismus-Betroffene, auch wenn diese Erfahrungen ein Motor für ihr politisches Engagement sind.

2005 kam sie aus Guinea zum Studieren nach Deutschland – und landete im Osten. Das war keine gute Zeit, am Studienkolleg in Halle, sagt sie. Und natürlich hinterlässt das Spuren. Als sie an die Universität Hannover wechselte, wo sie Politikwissenschaft studiert hat, wurde manches besser, aber…“

[weiter in der taz]

Zu Karin gehen

2. Oktober 2022

„Zu Karin gehen“ war 27 Jahre lang in der Gesamtschule Emsland an der Lingener Heidekampstraße  ein feststehender Ausdruck. Dahinter steckten ganz viel, gleichermaßen Nöte wie Freuden des Alltags: Sich krank fühlen, einen Rat benötigen, etwas Zuwendung abholen, ordentlich den Kopf gewaschen bekommen, weil man „Mist gebaut“ hat, sich entspannen, Spiele spielen…
Die Bedürfnisse von jungen Menschen, die den ganzen Tag gemeinsam leben und lernen gehen eben deutlich über unterrichtliche Belange hinaus. Dies führte dazu, dass schon kurz nach dem Start der Gesamtschule klar wurde, dass sie Schulsozialarbeit braucht. Das wäre auch im so genannten Halbtagsbetrieb so gewesen, aber der Ganztagsbetrieb der Gesamtschule machte und macht sie umso deutlicher.
1995 startete Karin Albers (Foto) deshalb an der Gesamtschule als eine der ersten Schulsozialarbeiterinnen in der Region. Ihre Aufgaben waren zahlreich. Sie vermittelte bei familiären Konflikten, beriet Eltern, Schülerinnen und Schüler bei sozialen und psychischen Problemen und allen Besonderheiten. Immer hielt sie engen Kontakt zu anderen sozialen Einrichtungen. Ihre einzigartige Vernetzung macht es möglich, dass Karin Albers stets über aktuelle soziale Entwicklungen informiert war und einen Überblick über vielseitige -auch außerschulische-Hilfsangebote für Familien hatte. Wenn es überhaupt jemand konnte, dann Karin: Alle notwendigen Kontakte herzustellen. Besonders wichtig war ihr, die individuelle Entwicklung von Kindern und Jugendlichen an der Gesamtschule zu verstehen, diese zu begleiten, zu unterstützen, zu ermuntern und, wo nötig, auch schlicht einzugreifen.
Karin Albers hatte am Freitag ihren letzten Schultag. Sie wurde von allen an der Gesamtschule wehmütig in den Ruhestand verabschiedet. Auch ehemalige Schülerinnen und Schüler schauten vorbei. Das größte Lob: Karin Albers war die wichtigste Identifikationsperson an der Lingener GE, ihr Gesicht. Es ist zu hoffen, dass dies auch über ihr/e Nachfolger/in gesagt wird, wenn diese/r in den Ruhestand geht.
Hintergrund:
Die Gesamtschule Emsland (GE) ist eine 1993 gegründete vierzügige Integrierte Gesamtschule. Die einzige integrierte Gesamtschule im Landkris emsland.  Zuvor war durch die maßgeblich durch die damalige Landtagsabgeordnete Elke Müller (SPD) auf den Weg gebrachte „Aktion 108“ der Elternwille für diese Schule so deutlich gemacht worden. der Name der Aktion hing damit zusammen, dass es 108 Eltern brauchte, um einen Antrag beim Schulträger für die Einrichtung der Gesamtschule zu stellen. Dies gelang schnell, so dass sogar die die Gesamtschule aus ideologischen Gründen ablehnende CDU dem nicts mehr entgegensetzen konnte. Der langjährige Schul- und Umweltpolitiker Werner Remmers (CDU) hatte seine Parteifreunde ermutigt, die Schule zuzulassen. Sein Übriges tat der  Regierungswechsel 1990 in Niedersachsen von der CDU- zu einer rotgrünen Regierung.
Einzugsbereich und Schulträger der GE ist der Landkreis Emsland. Sie pflegt längst einen musisch-kulturellen Schwerpunkt, hat sich darüber hinaus in den letzten Jahren stark darum bemüht unterschiedliche Schülerinteressen zu verknüpfen; weiterhin ist sie die einzige Gesamtschule im Landkreis Emsland. Bisher vergeblich waren Bemühungen, die Schule mit einer Sekundarstufe II auszustatten, damit SchülerInnen auch das Abitur machen können.

Ze’ev Friedman

5. September 2022

Vor genau 50 Jahren ermordete ein palästinensisches Terrorkommando bei den bis dahin so heiteren Olympischen Spielen in München 12 Menschen, darunter 11 israelische Olympiateilnehmer. Der Versuch schlecht ausgebildeter deutscher Polizeibeamter, auf dem Flughafen von Fürstenfeldbruck die von dem Terrorkommando genommenen israelischen Geiseln zu befreien, endete mit dem Tod aller Geiseln und dem des deutschen Polizisten Anton Fliegerbauer. Auch fünf Geiselnehmer starben, drei wurden festgenommen, aber schon nach wenigen Wochen durch eine Flugzeugentführung freigepresst.

Einer der am frühen Morgen in Fürstenfeldbruck getöteten Isarelis  war der 28jährige Gewichtheber Ze‘ev Friedman. Seine Eltern Hannah und Shlomo Friedman stammten aus Polen. Sie waren in die Sowjetunion geflohen, nachdem das NS-Regime ihre beiden Familien ermordet hatten. Hier kommt 1946 auch Ze’evs Schwester Nina zur Welt. Nach deren Aussage bleiben die Geschwister Zeit seines Lebens eng verbunden.

Ze’ev Friedman ist dreizehn, als die Familie 1957 nach Bielawa [in die heutige Partnerstadt Lingens] in Polen zieht, um von hier aus die lang ersehnte Emigration nach Israel vorzubereiten. [Nach dem  Eintrag in der Gedenkstätte im Olympiapark (Foto oben) war Bielawa damals für einige Jahre ein wichtiger Zwischenstopp für Jüdinnen und Juden, die nach Israel auswandern wollten. Zusammen mit rund 50.000 anderen Jüdinnen und Juden gelang den Friedmans in der Folge aus Polen die Emigration nach Israel, wo die Familie ab 1960 in einem Vorort von Haifa lebte.]

Ze’ev Friedman mit seiner Familie. V.l.: Nina, Mutter Hannah, Cousin Yakov, Vater Shlomo, Ze’ev, in Prokopjewsk, um 1954, Foto: © Privat

Von klein auf sportbegeistert, beginnen Ze’ev und seine Schwester schon in Polen zu turnen. Mit 17 Jahren nimmt er an ersten Wettkämpfen teil. Er gewinnt mehrere Medaillen und die israelischen Meisterschaften im Ringturnen und Bockspringen. Ze’ev Friedman ist nur 1,56 Meter groß. Diese geringe Körpergröße scheint ihm trotz seiner Erfolge als nachteilig für den Turnsport. Deshalb wechselt er zu den Gewichthebern und wird im Hapoel Kiryat Chaim Sportclub ausgebildet. Sieben Jahre lang ist er Israels Meister im Bantamgewicht. 1967 wird er „Athlet des Jahres“ im Gewichtheben. Er bricht drei israelische Rekorde und vertritt Israel auch international, wie etwa 1971 bei den Asienmeisterschaften auf den Philippinen, wo er den dritten Platz macht.

Weil Ze’ev Friedman gerne mit Kindern und Jugendlichen in der Nachwuchsförderung arbeitet, lässt er sich nach seinem Wehrdienst ab 1965 am Wingate Sportleistungszentrum zum Sportlehrer ausbilden. Die Olympischen Spiele sollten der Höhepunkt und das Ende seiner Profikarriere werden. Danach wollte er sich ganz seinen Aufgaben als Sportlehrer widmen.

Bei den Spielen in München belegt er den zwölften Platz, die beste Leistung der israelischen Gewichtheber. Am 3. September, dem Tag seines Wettkampfes, schreibt er auf einer Ansichtskarte an seine Familie, dass alles wunderbar sei und er gut abgeschnitten habe, dass er alle vermisse und wieder nach Hause wolle. Diese und eine Karte vom 26.8. sollten seine Familie erst nach seinem Tod erreichen.

Am 5. September 1972 werden Ze’ev Friedman und zehn weitere israelische Delegationsmitglieder in ihrem Quartier im Olympischen Dorf von palästinensischen Terroristen als Geiseln genommen. Bei dem missglückten Befreiungsversuch auf dem Flugplatz Fürstenfeldbruck wird Friedman von einem der Geiselnehmer in einem der beiden Hubschrauber erschossen.

„Beinahe vergessen – ich gratuliere euch zum Neujahr, wünsche viel Glück und Gesundheit“, hatte Ze’ev abschließend auf seine Karte vom 26.8. geschrieben. Die guten Wünsche erfüllten sich nicht: Ze’ev wird ermordet, Vater Shlomo erleidet einen Herzinfarkt, Mutter Hannah einen Nervenzusammenbruch.

Ze’ev Friedman wurde an einem Dienstag ermordet. Dienstag für Dienstag fährt Hannah Friedman von nun an ans Grab ihres Sohnes und legt frische Blumen nieder. Vierundzwanzig Jahre lang, bis zu ihrem eigenen Tod 1996.

Und Nina? Trotz des Schmerzes über den Tod ihres geliebten Bruders sinnt sie nicht nach Rache: „Killing brings only more killing. We kill they kill, we kill they kill. It didn’t make it any easier for us or better. It will never bring my brother back. It will only be better the moment we sit and talk to each other and find a solution instead of killing each other all the time“.

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Quelle: Jüdisches Museum München (Blog) und [eigene Recherchen]

Text: Elisabeth Lang, Bauernhofmuseum Jexhof; Recherche: Piritta Kleiner, Bayerisches Staatsministeriums für Unterricht und Kultus

Bilder: (c) privat/Jüdisches Museum München

Kurzer Zwischenruf

3. September 2022

Naja, mich hat Herr Schaper bei Twitter geblockt und dadurch fühle ich mich durchaus geehrt. Aber OB Krone scheint tatsächlich „schmerzfrei“ unterwegs zu sein. Auch dass der Frauenfeind Hendrik Nitsch alias Udo Brönstrup aus Steuermitteln bezahlt auf dem bevor stehenden Altstadtfest auftritt, ist für ihn nicht so wichtig. Schließlich lägen Nitsch‘ frauenfeindliche Sprüche schon zwei Jahre zurück, sagte der OB unlängst in einer Sitzung. Na dann…