Arisierung übergangen

8. Dezember 2021

Harff-Peter Schönherr schreibt heute in der taz über Lengermann und Trieschmnn. „L +T“ in Osnabrück hat in der gebeutelten Textilszene einen guten Namen. Das Textil- und Sportkaufhaus in der Osnabrücker Innenstadt ließ sich jüngst für seine 111-jährige Firmengeschichte feiern. Allerdings heißt es erst seit 1935 nach einer „Arisierung“ so. Die wurde übergangen Auf diese Vergangenheit wiesen örtliche Schüler und Schülerinnen in einem Projekt hin. Weil das Unternehmen nicht die Aufstellung einer Gedenkskulptur unterstützen wollte, steht es jetzt unter Druck

Es gibt Situationen, die lösen beides aus: Hoffnung und Frust. Henrik Radewald, Lehrer an der Integrierten Gesamtschule Osnabrück (IGS), weiß, was das heißt. „Wir haben den Blick auf ein gesellschaftliches Problem gelenkt“, fasst er zusammen. „Das ist ein Erfolg.“ Aber wenn es um dunkle Zeiten und um dunkle Taten geht, sind Widerstände genauso wenig weit wie Rückschläge, Fallstricke.
Am Anfang sieht nichts nach einem Wechselbad aus. Mit Jan Müller, einem Kollegen des Gymnasiums Bad Iburg (GBI), betreut Radewald von September 2020 bis Februar 2021 sieben Schülerinnen des Jahrgangs 11 für ihre Teilnahme am Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten 2020/21. Das Thema des Wettbewerbs lautete „Bewegte Zeiten. Sport macht Gesellschaft“.

Die Schülerinnen erstellen dafür einen 15-Minuten-Podcast zum Thema Antisemitismus. In ihm erzählen sie die Geschichte von Lea Levy, die 1924 [!] als Zehnjährige aus dem Osnabrücker Turnverein (OTV) ausgeschlossen wird, weil sie Jüdin ist. Die Schülerinnen regen einen Gedenk­ort für sie an. Ende September wird der Podcast im Hannoveraner Landtag prämiert.

Danach…

[weiter bei der taz]

(Foto: Kaufhaus L + T etwa 1936, Quelle)

Kromschröder und Vinke

29. November 2021

Die Journalisten Gerhard Kromschröder und Hermann Vinke stellen ihr Recherchematerial der NS-Gedenkstätte Esterwegen im nördlichen Emsland zur Verfügung. Die beiden haben in den 1960er-Jahren als Lokalreporter der Emszeitung als erste über die NS-Lager im Emsland berichtet und deshalb auch seinerzeit ihre Jobs bei der NOZ-Zeitung verloren, wie Martin Koers von der Gedenkstättenleitung am Mittwoch sagte.

Zusammen mit der Übersetzerin Saskia Bontjes überreichen die Journalisten am Dienstag Fotografien, Zeitzeugenberichte, Presseberichte und Tonbandaufnahmen vor allem über die Themen Emslandlager und Nationalsozialismus als Dauerleihgabe an die Gedenkstätte Esterwegen.Dienstag wird der Vertrag unterzeichnet.

Beide Journalisten haben in den 1960er-Jahren als Lokalreporter in Papenburg die Geschichte der Emslandlager recherchiert und veröffentlicht. Später wurde Kromschröder als Journalist beim Magazin «Stern» bekannt, Vinke arbeitete unter anderem als Korrespondent für den NDR in Fernost und war Hörfunkdirektor bei Radio Bremen.

Ab 1933 betrieb der NS-Staat auf dem Gebiet der heutigen Landkreise Emsland und Grafschaft Bentheim insgesamt 15 „Emslandlager“. Zunächst wurden sie als KZ benutzt und von SA und SS bewacht. Wegen massiver Schikanen und vieler Mordfälle sprachen die Häftlinge bald von der «Hölle im Moor». Von 1934 bis Kriegsende dienten einige Lager als Strafvollzugslager und in den Kriegsjahren als Kriegsgefangenenlager. Rund 70 000 KZ-Häftlinge und Strafgefangene waren im Emsland interniert. Hinzu kamen während des Krieges mehr als 100 000 Kriegsgefangene. Mindestens 25 000 von ihnen sind in den Lagern gestorben.

Zu den prominenten, auf widerwärtigste Weise gequälten Inhaftierten in Esterwegen gehörten  der Publizist und Friedensnobelpreisträger Carl von Ossietzky, der SPD-Politiker Ernst heilmann, der Kabarettist Werner Finck, der Rechtsanwalt Hans Litten und viele mehr. Im Lager Börgermoor schrieben Häftlinge im August 1933 das «Lied der Moorsoldaten», das als Symbol des Widerstands gegen den Nationalsozialismus gilt. Nach mehr als 50 Jahren Einsatz zahlreicher engagierter Demokraten eröffnete erst die Gedenkstätte Esterwegen 2011. Gerhard Kromschröder, Hermann Vinke und der lange verstorbene Bernd Rosema zählten dazu. Legendär wie Vinke und Rosema mit einem Banner protestierten und Kromschröder die Fotos schoss, und alles Tags darauf der Aufmacher der Emszeitung war.

Übrigens, Kromo:
Man möchte mehr über Bernd Rosema wissen, als nur, dass er aus Papenburg kam, auch bei der Emszeitung begann und dann zur Satirezeitschrift Pardon nach Frankfurt ging. Kannst das einmal in die Hand nehmen, bitte?

Straßennamen

25. November 2021

Die BürgerNahen (BN) möchten andere Straßennamen für das neue „Baugebiet“ „Gauerbach 5“ bzw. Brockhausen als die vorgesehenen. Es entstehen dort fünf neue Straßen.Der neue Baubereich schließt direkt an den Gauerbach an, liegt allerdings formal im Stadtteil Brockhausen.

Formal ist der Rat für die Straßennamen zuständig, weil es im kleinen Brockhausen keinen Ortsrat gibt, der sich sonst der Straßenbenennung anzunehmen hätte. Die Stadtverwaltung ist nicht zuständig, auch nicht der OB, oder der Ortsvorsteher Brockhausen und nicht die jetzigen Einwohner in Brockhausen; sie wohnen  sämtlich nicht im Baugebiet. Auch im alten Stadtbereich sind die Anwohner nicht befragt worden, wie „ihre Straße“ heißen soll, die Nachbarn neuer Baugebiete im Stadtbereich natürlich auch nicht.

Die Ausgangslage: In den letzten Jahrzehnten (!) haben alle Stadtratsfraktionen vielfach gefordert, Anwohner-Straßen nach verdienten, engagierten Frauen zu benennen, an sie zu erinnern und sie auf diese Weise dauerhaft zu ehren. Clara Begger, Elke Müller, Leni Johannsen, Bertha Gelshorn und Rosa Bunge z.B. sind solche Frauen. Im neuen Baugebiet würden die Straßennamen an starke Frauen unserer Region erinnern und sie ehren. Es wäre für künftige Anwohner eine Ehre, würden sie an einer Straße wohnen, die einen dieser Namen trägt.

Ohne die Ratsmitglieder zu informieren, hat übrigens am vergangenen Woche eine Bürgerversammlung in Brockhausen stattgefunden. Sie hat mangels Alternative einstimmig (!) diese Straßennamen beschlossen: Planstraße A: Achterwälde, Planstraße B: Vorderwälde, Planstraße C: Neubrockhausen, Planstraße D: Im Gauer, Planstraße E: Koorskamp.

Es brauchte dann noch bis Montag, bis diese Namen im Ratsinformationssystem sichtbar wurden. Daraufhin entstand der Änderungsantrag der BN. Der Kulturausschuss hat gestern auf Vorschlag aus den Reihen der CDU die Entscheidung vertagt. Denn der bisherige städtische Vorschlag ist wahrlich zu kurz gesprungen.

ps
Stadtarchivar Dr. Mirko Crabus berichtete gestern zu Bertha Gelshorn, erste Abiturientin in Lingen überhaupt; bei ihr müsse man noch einmal genau hinsehen. In den 1930er Jahren sei sie nämlich Mitglied in NSdAP-Organisationen gewesen. Sollte sich dies verdichten, könnte die Straße nauch ach der Schwester M. Firminia genannt werden. Die im Krankenhaus fast 40 Jahre selbstlos tätige Franziskanerin wurde 1975 zur ersten Ehrenbürgerin der Stadt berufen.

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Foto: Hist. Rathaus, Giebel © milanpaul

Erinnerung an das Ghetto in Riga
Ausstellung
Freren – Alte Molkerei, Bahnhofstraße 70
Eröffnung So, 14.11.2021 – 17 Uhr
Eintritt : frei

Viele emsländische Juden wurden in das sogenannte „Reichsjudenghetto“ in Riga/Lettland deportiert. Riga war bei fast allen eine Zwischenstation auf dem Weg zu ihrer Ermordung. Anlässlich des 80. Jahrestag der Riga-Deportationen erinnert diese Ausstellung des Kulturkreises Impulse daran.

Aus Freren wurden am 11. Dezember 1941 sechs Menschen verschleppt, darunter neben Simon Schwarz und dem Arbeiter Siegfried Meyberg das Frerener Ehepaar Martin und Erika Manne, ihr nicht einmal zweijährige Samuel und die Mutter von Erika, Emma Schwarz geb. von Geldern (geb. 1873) mit einem Lastwagen nach Osnabrück in die Viehhallen gebracht. Von dort aus wurden sie am 13.12.1941 mit dem ersten der sog. Bielefelder Transporte in einer 36-stündigen Zugfahrt in das Ghetto nach Riga in Lettland deportiert.

Bielefeld gehörte zu den Städten, in denen Menschen jüdischen Glaubens aus den benachbarten Regierungsbezirken zusammengeführt und dann in Ghettos und Konzentrationslager weitertransportiert wurden. Von 1941 bis 1945 verließen insgesamt neun Deportationszüge mit Menschen aus Ostwestfalen und den preußischen Regierungsbezirken Münster und Osnabrück  den Bielefelder Güterbahnhof. Im Einzelnen waren dies:
13.12.1941 nach Riga, 31.03. 1942 nach Warschau, 10.07.1942 nach Auschwitz, 31.07. 942 nach Theresienstadt, 02.03.1943 nach Auschwitz, 12.05.1943 nach Theresienstadt, 28.06.1943 nach Theresienstadt, am 19.09.1944 nach Elben und Zeitz und am 13.02.1945 nach Theresienstadt.

Erst 57 Jahre nach der Deportation wurde ein Mahnmal vor dem benachbarten Hauptbahnhof in Bielefeld errichtet, dass an die tausenden Einzelschicksale erinnert. Es trägt den Titel »Jede Ermordete, jeder Ermordete hat einen Namen«. Die Friedensgruppe der Altstädter Kirchengemeinde in Bielefeld hatte 1996 den Bau des vom Architekten Hartmut Falkenberg gestalteten  Mahnmals  ermöglicht: Auf zwei stilisierten Pulten aus Metall sind die Namen von 1.840 Juden aus Bielefeld, dem Regierungsbezirk Minden, aus Lippe und Schaumburg-Lippe eingraviert. Sie wurden vom Bielefelder Hauptbahnhof aus deportiert. Als weiterer Text steht auf den Tafeln auf hebräisch und deutsch der Psalm 78,6:

»Auf daß erkenne das künftige Geschlecht, die Kinder, die geboren werden, daß sie aufstehen und erzählen ihren Kindern«.

Insgesamt 1039 Menschen wurden am 13.12.1941 nach Riga deportiert. Darunter befanden sich 148 Kinder im Alter bis zu 15 Jahren. Samuel Manne wurde gemeinsam mit seiner Großmutter am 3. November 1943 nach Auschwitz verschleppt und dort ermordet.

Martin und Erika Manne überlebten den NS-Mordterror. Mit Hilfe des schwedischen Roten Kreuzes gelangten sie 1945 nach Schweden und ließen sich in Lidingö vor den Toren Stockholms (Schweden) nieder. Sie  bekamen noch zwei Töchter: Renee und Eva. Martin Manne starb 1988, Erika Manne 2002.

 

nicht vor Ort

13. November 2021

Zum ersten Mal seit 1977 war die Redaktion der lokalen „Lingener Tagespost“ am vergangenen Dienstag, 9. November nicht vor Ort., als am sog. Familienstein nahe des Gedenkortes Jüdische Schule  des Novemberpogroms und seiner jüdischen Lingener Opfer gedacht wurde, bei dem in unserer Stadt in der Nacht vom 9. auf den 10. November die Lingener Synagoge im damaligen Gertrudenweg in Brand gesetzt und zerstört wurde. Die Abwesenheit der Lokalzeitung ist oberflächlich und töricht und man muss sie hart verurteilen – vor allem, wenn man die wirklich belanglosen Beiträge sieht, die in dieser Woche als lokale Aufmacher der „LT“ dienten.

Erstmals auch hielt Walter Höltermann für das Forum Juden Christen die mahnende Gedenkrede; vor gut einem Monat war der bisherige Vorsitzende des Vereins Gernot Wilke-Ewert zurückgetreten – aus persönlichen Gründe heißt es. Tatsächlich aber wohl, weil er die Kritik an der Beliebigkeit einiger, eher einsamer Entscheidungen nicht ignorieren konnte. Oberbürgermeister Dieter Krone war übrigens krankheitsbedingt verhindert; ihn vertrat der gerade gewählte 1. Bürgermeister Stefan Heskamp.

Höltermann unterstrich die „Verpflichtung auch nach 83 Jahren das auszudrücken, was mich an diesem Tag und an diesem Ort bewegt. Dabei geht es mir nicht nur um ein Erinnern, sondern um die Verschränkung der Vergangenheit mit der Gegenwart. Es geht mir um eine Kultur der Erinnerung, die nicht rückwärts sondern in die Zukunft hin gerichtet ist.
Die Ungeheuerlichkeiten die sich damals ereignet haben, diese Hemmungslosigkeit in der Gewaltausübung, diese ohne Skrupel durchgeführten seelischen Entehrungen und körperlichen Verletzungen sind ohne Beispiel in der deutschen Geschichte. Ich frage mich, wie dieses geschehen konnte, warum dieses ohne öffentlichen Protest von der Bevölkerung hingenommen wurde.“

Höltermann zog abschließend drei Schlussfolgerungen, die sich  in der Erinnerung an die Ereignisse des Novemberpogroms 1938 für das Heute ergeben:

„1. Ganz im Sinne von Michel Friedmann: Entweder gibt es eine Zukunft für uns alle, die wir frei leben wollen, oder für niemanden für uns.
2. Ganz im Sinne von Kurt Tucholsky: Machen wir uns fähig, nicht nur zuzuschauen und uns innerlich begrenzen, wenn wir in eine Situation kommen, die unseren Grundüberzeugungen widerspricht. Sagen wir dann laut NEIN.
3. Ganz im Sinne von Sophie Scholl: Antworten wir auf die allgegenwärtige Hetze der Gegenwart nicht mit der Trägheit des Herzens.“

9. November 1938

8. November 2021

Die „Reichspogromnacht“ und damit der Jahrestag der Synagogenzerstörungen jähren sich morgen zum 83. Mal. Im Altkreis Lingen finden aus diesem Anlass auch in diesem Jahr Gedenk- und Mahnveranstaltungen in Lingen(Ems), Lengerich und Freren statt:

LINGEN(EMS)
Gemeinsam mit dem Forum Juden-Christen Altkreis Lingen e.V. lädt die Stadt Lingen auch in diesem Jahr zu Gedenkveranstaltungen am Dienstag, 9. November, ein.

Um 18.00 Uhr findet zunächst ein ökumenischer Gottesdienst in der Kirche St. Josef im Ortsteil Laxten (Josefstraße 19) statt.

Die traditionelle Gedenkfeier mit Kranzniederlegung findet anschließend ab 19.30 Uhr am Lern- und Gedenkort Jüdische Schule (Jakob-Wolff-Straße 1/Konrad-Adenauer-Ring) statt. Es spricht u.a. der amtierende Vorsitzende des Forum Juden-Christen Walter Höltermann.

LENGERICH
10.00 Uhr Gedenkveranstaltung am jüdischen Gedenkstein im Bürgerpark. Auf der dortigen, von der Gemeinde Lengerich durchgeführten Veranstaltung spricht Walter Höltermann für das Forum Juden Christen.

FREREN
10.15 Uhr Feierstunde am Gedenkstein in der Grulandstraße zur Erinnerung an das Geschehen in der Reichspogromnacht und zum Gedenken und zu Ehren der jüdischen Opfer Frerens. Als „Mahnung für die Zukunft“ findet diese Veranstaltung in Zusammenarbeit mit der Stadt Freren, der Jüdischen Geschichtswerkstatt Samuel Manne und dem Kulturkreis impulse e.V. statt. Leitung: Lothar Kuhrts (Jüdische Geschichtswerkstatt „Samuel Manne“).

Hinweis:
Die Teilnehmenden bei den Gedenkveranstaltungen werden gebeten, die Corona-Abstandsregeln zu beachten.

Foto: Zerstörte Lingener Synagoge, im Hintergrund die ehem. jüdische Schule, der heutige Lern- und Gedenkort

 

Eine Veranstaltung auf der Wilhelmshöhe spürt dem Leben des Lingener Ehrenbürgers Bernhard Grünberg nach, der als 15-Jähriger in einem Kindertransport die Shoa überlebte. In Lingen im Emsland, schreibt die Website 1700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland,  stellen die Autoren ein packendes Biografieprojekt vor: „Bernhard Grünberg – Allein in die Freiheit. Wie ein emsländischer Junge Hitler überlebte.“

Bernhard Grünberg, später Bernard Grunberg, entkam als 15-Jähriger dem Naziterror als Teilnehmer eines Kindertransports. In England, wo er unter Einsamkeit und Ungewissheit über das Schicksal seine Familie litt, arbeitete er in verschiedenen landwirtschaftlichen Betrieben. Seit den 1980er-Jahren kam er regelmäßig in seine Geburtsstadt Lingen, wo er erfuhr, dass seine Eltern und seine Schwester ermordet worden waren.

Das neu erschienene Buch über Bernhard Grünberg wird in einer Matinee mit 300 Gästen, vor allem Lehrerinnen- und Schülerinnenvertreter*innen, vorgestellt. Die musikalische Begleitung übernehmen der Kantor der Jüdischen Gemeinde Osnabrück, Baruch Chauskin, sowie das jüdische Duo NIHZ aus Nordhorn.

Nach der Begrüßung durch den amtierenden Vorsitzenden des Forum Juden Christen Walter Höltermann sprechen die Autoren der Lebensbeschreibung, Angela Prenger und Dr. Friedhelm Wolski-Prenger, über ihre Begegnungen mit Bernhard Grünberg und lesen aus ihrem Buch. Eine Rezension erfolgt durch eine Schülerin. 2.000 Exemplare der Biografie übergibt Heribert Lange, ehem. Vorsitzende des Forum Juden-Christen, in Klassensätzen an Vertreter*innen von Schulen. Ermöglicht wurde dies durch die HEH Essmann Stiftung und ihre Vorsitzende Eva Essmann.


Bernhard Grünberg – Allein in die Freiheit
Wie ein emsländischer Junge Hitler überlebte
von Angela Prenger und Dr. Friedhelm Wolski-Prenger,
Edition Virgines (7. November 2021)
352 Seiten, 18,- Euro.
ISBN-10 ‏ : ‎ 3948229198
ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3948229191

Das Buch kann lokal   hier bestellt werden sowie bei den bekannten Grossisten und Versendern.


Crosspost von bnlingen.wordpress.com / Quelle: JLID

Heute vor 10 Jahren

10. September 2021

Ich hatte schon gar nicht mehr daran gedacht, und frage mich gerade, wie es wohl den beiden Nachbarn geht, die damals im selben Haus auf der Couch lagen und runterfielen, als es knallte. Sie sind kurz danach weggezogen.

Heute wackelt übrigens mein Haus, weil nebenan die Sparkasse abbricht. Das nenne ich unter diesem Blickwinkel eigentlich eine positive Entwicklung. Aber nur eigentlich…

Lieber Herr Koop,

8. September 2021

Lieber Herr Koop,

wie Sie vielleicht bemerkt haben, hat die LT diesen Leserbrief nicht abgedruckt. Auf Rückfrage an Herrn Pertz hat dieser nicht reagiert. Wenn Sie Lust dazu haben, können Sie gern nachhaken. Ich finde, man darf der LT dies nicht durchgehen lassen. Zumal andere Mitstreiter/innen schon oft ähnliche Erfahrungen machen mussten.

Freundliche Grüße

Ihr

Christoph Frilling

Da kann geholfen werden. Gern: 

Sehr geehrte Damen und Herren, ich bitte um Veröffentlichung folgenden Leserbriefs:

Der Name Rosemeyer-Straße ist inakzeptabel

Nicht nur in Lingen wird über die Umbenennung von Straßen debattiert, die den Namen eines Nationalsozialisten tragen. Diese Diskussionen sind begrüßenswert, sie beleben die politische Kultur und schärfen unsere Wachsamkeit gegenüber dem Neonazismus.

Einen „Fall“ möchte ich hervorheben: In Ingolstadt sollte auf Antrag mehrerer Parteien der Name Ewald Kluge aus dem Stadtbild verschwinden. Kluge galt seinerzeit als der beste Motorradrennfahrer der Welt, aber er war Mitglied des NSKK (Nationalsozialistisches Kraftfahrer Korps) und fuhr wohl auch zuweilen mit Hakenkreuzarmbinde.

Nun meldete sich ein Jürgen Ehrhard im Auftrag der „Freunde des Historischen Motorradrennsports Ewald Kluge Weixdorf e.V. Dresden“ zu Wort. Der Name Ewald-Kluge-Straße müsse bleiben, so Erhard, denn „ohne ein Minimum an geforderter politischer Anpassung (…) ging es für Spitzensportler im Dritten Reich einfach nicht“, argumentierte er in einem Leserbrief im „Donaukurier“ (Nr. 177, 2021).

Doch dann trifft er eine feine Unterscheidung: „Anders kann man die Benennung einer Straße in Lingen nach dem Auto-Rennfahrer Bernd Rosemeyer beurteilen.“  Dieser sei „ohne Druck“ der SS beigetreten und „brachte es dort bis zum Hauptsturmführer“. Dies hätte er nicht nötig gehabt, so Erhard weiter, denn eine Mitgliedschaft im NSKK wäre ausreichend gewesen.  „Dies unterscheidet ihn von Ewald Kluge.“

Ich persönlich teile diese Unterscheidung zwischen „Nazis-light“ – wie womöglich dem Motorradfahrer Ewald Kluge –  und  SS-Männern wie Rosemeyer nicht. Beide haben im Straßenbild einer deutschen Stadt nichts zu suchen. Bemerkenswert ist jedoch, dass selbst unter den Gegnern von Straßenumbenennungen wie den „Freunden des Historischen Motorradrennsports“ Einigkeit darüber besteht, dass speziell ein Bernd Rosemeyer als Namensgeber für eine Straße untragbar ist.

Christoph Frilling
Georgstraße 66
49809 Lingen

„Pack die Badehose ein“ – Noch Ende der 1960er-Jahre galt die Ems als „der sauberste Fluss Deutschlands“. Baden in der Ems war ein unbeschwertes Vergnügen und an vielen Stellen gab es wie in Schepsdorf (Foto unten) sogenannte Flussbadeanstalten, in denen man ganz offiziell und unter Aufsicht eines Bademeisters in das kühle Nass steigen konnte. Doch auch an vielen anderen Stellen nutzten Badelustige die Ems als Gelegenheit zu einer Erfrischung an heißen Tagen.

Besonders beliebt waren die aufgestauten Flussabschnitte vor den großen Wehren in Hanekenfähr und Listrup. Hier boten die großen Wasserflächen auch die Möglichkeit zum sportlichen Schwimmen und ganz mutige wagten einen Sprung von den Wehrpfeilern in die Fluten.

Ein ganz spezielles Thema war die Badekleidung – soweit sie denn gewünscht wurde. Ärmellange Badeanzüge bildeten im 19. Jahrhunderts noch das züchtiges Schwimmsuit für Damen und Herren. Nach der Jahrhundertwende wurde es sportlicher, aber für die Damen war der Badeanzug nach wie vor Pflicht und bauchfrei ein Unding. Bikinis sah man am Emsstrand erst in den 1950er-Jahren.

Selbst die Klosterschüler zog es an heißen Tagen in oder zumindest an das kühle Nass. Für die Pater und Seminaristen galten besondere Baderegeln – auch hinsichtlich der Badekleidung.

Die vielen Sandbänke in den Flussschleifen der Ems bildeten ideale Badestrände. Sie waren allerdings zu schwer zu erreichen und als Umkleidekabine musste hier das Ufergebüsch herhalten. Dabei galt es vorsichtig zu sein, denn in den Emswiesen weideten früher überall die Kühe und manchmal auch ausgewachsene Bullen. Sie wollten ihre Trinkstellen am Fluss nur ungern mit den unbekannten Besuchern teilen und vertrieben manchen Badegast. Auch die vielen kleinen Bootsstege bildeten eine beliebte Einstiegsmöglichkeit in den Fluss.

Eine besondere Attraktion zwischen Gleesen und Hanekenfähr, wo die Ems auf einem kurzen Abschnitt mit dem Dortmund-Ems-Kanal zusammenläuft, war das sogenannte „Schiffschwimmen“. Geübte Schwimmer kletterten vom Fluss aus unbemerkt auf einen der Lastkähne und fuhren dort ein Stück mit, um dann mit einem kühnen Sprung wieder über Bord zu gehen. Ein spektakuläres, aber auch gefährliches Badevergnügen.

Emsbadeanstalt in Schepsdorf in den 1950er Jahren

Die vielen Kölke und Untiefen in den engen Flussbiegungen waren für die Badenden nicht ungefährlich. Immer wieder wurden Ungeübte und vor allem Kinder von den Strudeln in die Tiefe gezogen und konnten sich aus eigener Kraft nicht wieder befreien.

Doch nicht diese Gefahr bereitete in den 1970er-Jahren dem Baden in der Ems ein Ende. Es war vor allem die sich stetig verschlechternde Wasserqualität, die einen sicheren Betrieb in den Flussbadeanstalten nicht mehr zuließ. An vielen inoffiziellen Badestellen besonders am Oberlauf der Ems wurde und wird natürlich weiter gebadet und wenn dort behördliche Aufsicht erscheint, dann sind es in der Regel die Naturschützer.

Heute gibt es im Emsland ein dichtes Netz von Freibädern, Schwimmhallen und Freizeitbädern. Dennoch hat ein spontaner Sprung in den Fluss seinen besonderen Reiz – einen Hauch von Naturnähe, Unbeschwertheit und Freiheit.


Ein Beitrag des Emslandmuseum-Blogs. Danke für die Erlaubnis zur Veröffentlichung.

Hinweis:
Seit dem Wochenende ist das Emslandmuseum in Lingen (Ems) wieder zu den üblichen Öffnungszeiten Dienstag bis Sonntag von 14.30 bis 17.30 Uhr geöffnet.

Coronabedingt ist eine Registrierung der Museumsbesucher erforderlich. Bei starkem Andrang können Wartezeiten entstehen. In den Ausstellungsräumen ist das Tragen einer Maske erforderlich.