Lingen literarisch

27. Juni 2017

Lingen literarisch
Ein Rundgang über 10 Stationen
mit Elisabeth Köck und Dr. Andreas Eiynck
Treffpunkt: Emslandmuseum, Burgstr. 28b – Lingen (Ems)
Mittwoch, 28.06. – 19 Uhr
Kosten 2 €
Zu einer literarischen Stadtführung lädt die LWT Lingen am 28.6. (Mi., 19 Uhr) alle Interessierten ein. Elisabeth Köck und Dr. Andreas Eiynck vom Emslandmuseum haben in Reiseberichten und Chroniken gestöbert, klassische und moderne Gedichte auf Lingen zusammengetragen sowie manchen literarischen Leckerbissen entdeckt und aufbereitet.
Die Ergebnisse werden nun bei einer öffentlichen Stadtführung präsentiert.
Bei dem rund 90-minütigen Rundgang durch die Innenstadt präsentieren die beiden Literaturbegeistern an zehn Stationen Ernstes und Heiteres, Historisches wie Aktuelles aus dem literarischen Fundus der tausendjährigen Stadt an der Ems.
Rezitierte Autoren sind dabei z.B. Emsland-Klassiker wie Emmy von Dincklage und Theo Lingen, aber auch die jüdische Buchhändlerin Helga Hanauer, die in den 70er Jahren zahlreiche eindringliche Gedichte veröffentlichte. Als Autor ganz neu entdeckt wurde der frühere lingener Beatmusiker und spätere Konzeptkünstler Peter Fjodoroff, alias Peter Newmerschyzky (Foto). Auch der zeitgenössische Schriftsteller Manfred Rockel darf mit seinen wortspielerischen Gedichten auf Lingen und das Emsland natürlich nicht fehlen.
Der Rundgang berührt viele Aspekte der Stadt und bietet eine Bandbreite von Reiseberichten sowie historischen Beschreibungen bis zu aktuellen Begegnungen in Prosa und Poesie, ausgewählt nicht nur für Literaturkenner.
(Quelle)

gescheitert

17. Juni 2017

Wie die gesellschaftlichen und die journalistischen Maßstäbe verrutschen, zeigt der „Talk“ der Ems-Vechte-Welle über das Thema Bernd Rosemeyer und die Pläne, für Bernd Rosemeyer in Lingen ein Museum zu bauen, damit dann möglichst 125.000 Rennsportfans „eine Tasse Kaffee und ein Stück Kuchen auf dem Lingener Marktplatz essen“ (Heinrich Liesen). Hören Sie selbst den Podcast der Ems-Vechte-Welle.

Spätestens Minute 17 wird es interessant. Dann geht es um Rosemeyers SS-Mitgliedschaft, die nach seinem eigenen Bekunden 1932 begann. Uns staunendem Publikum wird erklärt, dass die SS „Anfang bis Mitte der 30er Jahre“ eine „Eliteorganisation“ war und sie wird gesprächsweise zu einer Art besserer Sportverein, wie es der Laxtener Twitterer Remmo_Lade trefflich kritisiert.

Wohlgemerkt beziehen sich die schrecklichen Interviewpassagen auf die damals längst als verbrecherisch bekannte SS, die 1933 im Emsland wütete und hier in den Emslandlagern Menschen quälte, folterte und ermordete. Sie war schon 1932 als verfassungsfeindlich verboten worden. Das wusste jede/r im Deutschen Reich. Auch jeder Motorsportler.

Aber die erfahrene, kluge Radiomacherin Inga Graber (Ems-Vechte-Welle) greift bei den verharmlosenden Sätzen ihrer Gespröchspartner nicht ein, unterbricht nicht, hält nicht vor, fragt nicht nach. Sie lässt die SS-Plauderei von Bernd Rosemeyer jun. unverbindlich in Richtung Kaffee und Kuchen weiter plätschern. Das ist wirklich schwer erträglich, weil es Tausende Opfer der SS verhöhnt – gerade hier im Land der Emsland-KZ. Das Interview wirkt zugleich wie ein Schlag gegen die mühsam und in Jahrzehnten geschaffene Erinnerungskultur in unserer Stadt. Damit wird die Sendung des regionalen Radios leider zum Lehrstück für ein gescheitertes Interview.

(Foto: Friedensnobelpreisträger Carl von Ossietzky, Folteropfer der SS im emsländischen KZ Esterwegen; Bundesarchiv, Bild 183-R70579 / CC-BY-SA 3.0)

Remarque

6. Juni 2017

Krieg, Diktatur, Vertreibung und Exil sind Zentralthemen in den Romanen von Erich Maria Remarque, der am 22. Juni 1898 in Osnabrück geboren wurde. Einige Zeit lang unterrichtete Remarque als Volksschullehrer im emsländischen Klein-Berßen und auch im benachbarten Lohne; dessen Kirchgänger lehnten  vor einigen Jahren in einer Versammlung ihrer Kirchengemeinde den Vorschlag ihres damaligen Pfarrers Reinhard Trimpe ablehnten, auf dem Kirchplatz an den großen deutschen Schriftsteller zu erinnern. Angesichts dieser Peinlichkeit entschlossen sich die Nachbarn später eine _immerhin 50m lange- Straße nach ihrem Volksschullehrer zu benennen. Nun, damit müssen sie selbst klarkommen.

Remarque sprach sich zeitlebens konsequent gegen den Krieg als Mittel der Politik und  gegen jegliche Heldenverehrung aus. Der durch Krieg, Vertreibung und Verfolgung entwurzelte Mensch beschäftigte ihn in seinen Romanen bis zu seinem Tode 1970. Die Ausbürgerung machte den Schriftsteller 1938 „zum Weltbürger wider Willen“. Zuvor war sein Buch  „Im Westen nichts Neues“ 1933 in Berlin bei der Bücherverbrennung dem Feuer preisgegeben worden, die Nazis entfernten es aus den öffentlichen Bibliotheken.

Nach diesem Wochenende ist Zeit, daran zu erinnern. Denn kein geringerer als Friedensnobelpreisträger Bob Dylan hat in seiner „Nobel Lecture“ – der Vorlesung, die jeder Nobelpreisträger hält – über Songs und Literatur gesprochen, die ihn beeinflusst haben. Vorn dabei und ausführlich gewürdigt: Erich Maria Remarques „Im Westen nichts Neues.“

Guckst und hörst Du hier auf der Seite der Schwedischen Nobelakademies.

update, 14.6.17:
Abgeschrieben?

Einstimmiger Appell

24. Mai 2017

Der Kaufmann Heinrich Liesen will in Lingen (Ems) ein Bernd-Rosemeyer-Museum eröffnen. Dies trifft auf große Vorbehalte und Ablehnung. Denn Rosemeyer war Mitglied der nationalsozialistischen SS – nach eigenem Bekunden bereits seit 1932, also vor der sog. Machtergreifung der Nazis Anfang 1933. Gestern Abend hat dazu der Verwaltungsausschuss unserer Stadt mit den Stimmen von CDU, SPD, Die BürgerNahen, Bündnis’90/Die Grünen und FDP einstimmig folgende Erklärung verabschiedet:

Erklärung des Rates und der Verwaltung der Stadt Lingen (Ems)
zu den Plänen eines Bernd-Rosemeyer- und Elly-Beinhorn-Museums in Lingen (Ems):

  1. Rat und Verwaltung der Stadt Lingen (Ems) lehnen ein privates Bernd-Rosemeyer- Museum ab.
  2. Rat und Verwaltung der Stadt Lingen (Ems) erklären, dass es sich bei dem geplanten Bernd-Rosemeyer-Museum in Lingen (Ems) um ein rein privates Museum handelt, das weder heute noch in Zukunft finanziell oder ideell durch die Stadt Lingen (Ems) oder eine der städtischen Institutionen unterstützt wird.Rat und Verwaltung appellieren an Herrn Liesen – auch aufgrund seiner gesellschaftlichen Verantwortung – auf die Realisierung seines Vorhabens zu verzichten.
  3. Für den Fall, dass dieses private Museum dennoch umgesetzt wird, fordern Rat und Verwaltung der Stadt Lingen (Ems) den genannten Betreiber auf, einen renommierten und erfahrenen NS-Historiker als Kurator einzusetzen, der alle persönlichen und politischen Facetten Bernd Rosemeyers, insbesondere seine SS-Mitgliedschaft, kritisch beleuchtet und wissenschaftlich fundiert darstellt.

 

Gegenentwurf

20. Mai 2017

Heute in der „Lingener Tagespost“:
Da plant wohl jemand einen Gegenentwurf zum Rosemeyer-Museum und will Herrn Liesen ärgerndas mitteilen…

Entnazifizierung

15. Mai 2017

Meine Güte! Soll das SS-Mitglied Rosemeyer einer Entnazifizierung zugeführt werden, liebe SPD Lingen? 

kann, darf und wird

24. April 2017

„Das kann, darf und wird auch aus unserer Sicht nicht so sein…“

Originalzitat Lingen 2017 – Quelle: LBSV von 1838  eV *

Bernd Rosemeyer –

in Lingen geboren am 14. Oktober 1909 – Sieger bei vielen Motorrad- und Autorennen und Weltmeister im Automobil-Sport, verstarb am 28. Januar 1938 bei einem Rekordversuch auf der Reichsautobahn Frankfurt-Darmstadt, bei Mörfelden-Walldorf bei Tempo 430 km.

Ganz Deutschland trauerte um ihn und er bekam von den Machthabern ein Staatsbegräbnis.

Wir sind nicht mehr die Lingener Generation, die Bernd gekannt und erlebt hat, aber unsere Mütter und Väter, die konnten über ihn erzählen – von Lausbubenstreichen und Fahren auf dem Motorrad über den Marktplatz. Natürlich freihändig, oder mit den Füßen auf dem Lenkrad, oder Sattel usw. usw.

Wenn wir Anno 2009 den 100-jährigen Geburtstag Bernd Rosemeyers in Lingen begehen konnten, dann muss ich gestehen, die Stadt Lingen hat für sein Andenken in meinen Augen nicht genügend getan.

Vielleicht werden andere Stadtobere einmal nüchtener, realer denken und das anerkennen was Bernd Rosemeyer war – ein junger Rennfahrer, aus relativ kleinen Verhältnissen, der nach oben wollte und so auch die Förderung und Förderer annahm, die ihn sich seinen Traum verwirklichen ließen.

Fakt ist, er war zu seiner Zeit ein ganz Großer des Automobilsports und die Versuche ihn in eine Ecke mit der „ Braunen Macht“ zu stellen, das kann, darf und wird auch aus unserer Sicht nicht so sein.

Dass es in Lingen einen Motorsport-Club Bernd Rosemeyer gibt, einen erfolgreichen Club, – das liegt in der Natur der Sache….

*Nachtrag:
Es gab heute tagsüber zwei fassungslose Anfragen. Tenor: Der Text sei meiner unwürdig.

Freunde und Leser dieses kleinen Blogs:
Der Text ist ein Zitat. Ein schrecklich entlarvendes Zitat. Deshalb ist er hier wiedergegeben. Wer den ganzen unsäglichen Text nachlesen will, darf  
hier klicken. Die im Beitrag zum Ausdruck kommende, ganze Geschichtslosigkeit empfinde ich als schrecklich. 

Ich hätte auch einen früheren städtischen Angestellten zitieren können. Er formulierte: „Für Bernd Rosemeyer war der frühzeitige Eintritt in die SS offensichtlich das einzige größere Zugeständnis an den Nationalsozialismus.“ Diesen ganzen Text kann man hier nachlesen. Auch diese Einordnung ist für mich fürchterlich.

hans_calmeyer

Als Retter von Tausenden Juden in den Niederlanden zur Zeit des NS-Besatzung ging der Rechtsanwalt Hans Calmeyer in die Geschichte ein. Eine ihm gewidmete Dauerausstellung, geschweige denn ein eigenes Museum, sucht man in seiner Heimatstadt Osnabrück bisher aber vergebens. Daran hat auch ein Osnabrücker Ratsbeschluss vom Sommer 2014 nichts geändert.

Entstehen soll es in der mehr als 100 Jahre alten Villa Schlikker, die Hans-Calmeyer-Haus Haus werden soll Das Haus am Heger-Tor-Wall diente von 1933 bis 1945 der NSDAP als Zentrale. Die NOZ berichtet jetzt über eine neun Anstoß:

„Die Holocaust-Überlebende Laureen Nussbaum, eine Jugendfreundin von Anne Frank und ausgewiesene Kennerin ihrer Tagebücher, hat sich bei einem Besuch in Osnabrück für ein Hans-Calmeyer-Haus in der Friedensstadt ausgesprochen. Auch die Politik erhöht den Druck. Kommt nun Bewegung in die Sache?

Nussbaum gehört zu den vielen Tausend Juden, die der Osnabrücker Rechtsanwalt Calmeyer (1903–72) (Foto lks, ©) während des Zweiten Weltkriegs als NS-„Rassereferent“ in den Niederlanden durch Sabotage vor Deportation und sicherem Tod bewahrte. Die 89-Jährige aus Frankfurt war als Kind mit ihrer Familie vor den Nazis nach Amsterdam geflüchtet. Seit den Fünfzigern lebt sie in Seattle (USA). Zur Eröffnung einer dreimonatigen Ausstellung über ihre Jugendfreundin Anne Frank, deren berühmte Tagebücher sie als Germanistikprofessorin studiert hat, reiste Nussbaum jetzt nach Osnabrück.

Wir trafen sie am Montag im Hotel Walhalla, wo sie für eine Dokumentation des Osnabrücker Historikers, Filmemachers und Calmeyer-Experten Joachim Castan vor der Kamera saß. Im Gespräch mit unserer Redaktion sagte Nussbaum: „Hans Calmeyer ist ein stiller Held, dabei hat er mehr Juden gerettet als Oskar Schindler. Deshalb ist es ausgesprochen wichtig, dass in Osnabrück etwas entsteht, das dauerhaft an ihn erinnert und über sein einmaliges Werk informiert.“

Remarque, Nussbaum, Calmeyer

Ihr sei jedoch nicht entgangen, dass die Friedensstadt sich in dieser Angelegenheit viel Zeit lässt.„Ich finde, es dauert sehr lange“, stellte die Holocaust-Überlebende fest. Dabei habe Calmeyer in ihren Augen einen Stellenwert wie zwei andere, gepriesene Ikonen der Friedensstadt: Schriftsteller Erich Maria Remarque und Maler Felix Nussbaum…“

weiter bei der Neuen OZ

(Quelle NOZ, Sebastian Stricker)

Einblicke –
Die unbekannten Zeitzeugen von Krieg und Judenvernichtung
Lingen (Ems) – Ludwig-Windthorst-Haus 
Do., 26.01.17 – ab 18 Uhr
Неизвестные свидетели войны и уничтожения еврейского народа
Четверг, 26 январь 18:00, Людвиг-Ветерxорст-Дом, Линген

Aus Anlass des Gedenktages für die Opfer des Nationalsozialismus findet an dessen Vorabend parallel zur entsprechenden Ausstellung eine Gedenkveranstaltung im Ludwig-Windthorst-Haus statt. 

Programm
18.00 Uhr
Musik
18.05 Uhr
Begrüßung von Seiten der Stadt Lingen (Ems), Forum Juden-Christen e.V. und LWH, kurze Einführung in den Abend
18.15 Uhr
Einführung in die Ausstellung‘
Dr. Michael Gander (Gedenkstätten Augustaschacht und Gestapokeller) und Inessa Goldmann („Judentum begreifen“)
18.30 Uhr
Zeitzeugengespräch: Dr. Michael Gander spricht mit Mortko Jazowitskij, dessen Lebensgeschichte Eingang in die Ausstellung gefunden hat
Musik

—-

einblickeÜberlebende der nationalsozialistischen Vernichtung der Juden in der früheren Sowjetunion und jüdische Veteranen des sowjetischen Militärs leben seit rund 20 Jahren in und um Osnabrück. Sie erlebten Evakuierungen nach Asien, Ghettos und Massenerschießungen. Andere überlebten die Blockade von Leningrad oder kämpften als sowjetische Soldaten gegen die Armee des nationalsozialistischen Deutschlands. Ihre Erinnerungen an das Leben in der Sowjetunion brachten sie mit. Ihre Erfahrungen von Krieg und Verfolgung stehen im Mittelpunkt der Ausstellung, die seit dem 19. Januar im Ludwig-Windthorst-Haus insgesamt 26 Lebenswege Osnabrücker Zuwanderer vorstellt – übrigens in deutscher und russischer Sprache  Das Kennenlernen der Menschen und ihrer Geschichten sowie die Teilhabe an ihren Erinnerungen und Erlebnissen bringt die heutige, vielfältige Gesellschaft näher zusammen. Dazu möchte die Ausstellung beitragen.

Gemeinsam mit dem Verein „Judentum begreifen“ und zwei Osnabrücker Studentinnen erarbeitete die Gedenkstätte Augustaschacht diese, in der bundesdeutschen Erinnerungskultur besondere Ausstellung. Angehende Gestaltungstechnische Assistenten/-innen sowie Fotografen/-innen des Osnabrücker Berufsschulzentrums am Westerberg entwickelten mit ihren Lehrern die Ausstellungsgestaltung und nahmen bei Besuchen Portraits von den Zeitzeugen/-innen auf.
Für die Ausstellung wurden lebensgeschichtliche Interviews mit den Zeitzeugen in ihrer Muttersprache Russisch geführt. Ebenso wichtig sind die  Erzählungen Angehöriger, denen die Zeitzeugen noch zu Lebzeiten ihre Erinnerungen anvertrauten.
Die Ausstellung ist noch bis zum 26. Februar im LWH-Hauptgebäude zu sehen.

Heute

13. Dezember 2016

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Genau heute vor 75 Jahren, am 13. Dezember 1941, fand der erste von acht sog. Bielefelder Transporten statt. Der erste Transport brachte Hunderte Jüdinnen und Juden aus der Regionen Münster und Osnabrück nach Bielefeld. Von dort ging es für insgesamt 1000 unter schrecklichen Bedingungen in ungeheizten Waggons bei minus 20° nach Riga (Lettland), wo die Deutschen jüdischen Glaubens in das Ghetto kamen, dessen lettische Bewohner die Nazis zuvor ermordet hatten: Beinahe 27.000 lettische Juden waren am 30.11.41 und am 8.12.41 erschossen worden, um „Platz für die Juden aus dem Reich“ zu schaffen. Acht Lingener und Lingenerinnen jüdischen Glaubens waren dabei, darunter die 21jährige Ruth Heilbronn, die ihre Eltern nicht allein  lassen wollte. Ruth (Foster-)Heilbronn berichtet:

It was on a Saturday morning, the 10th of December ’41, that the police came, one policeman and a Gestapo man came to us, and the policeman cried like a child, that he had to take us away. The Gestapo man put a seal on the door, and we were taken, it was a town hall where already the family Gruenberg and their daughter were waiting, and an uncle and aunt of mine. We were allowed to take a hundred pounds of luggage and hand luggage with us; we had to make a list of the inventory of our – we only had two rooms, what we left behind. And we were the eight deported at that time. We were taken by train to Osnabruck; this policeman, Brand [phon.], was his name, he accompanied us, and he cried all the way. And my mother was only upset, not because we were deported, but this was the first time in her life that she was on a train or that she rode on a shabbat.

fullsizeoutput_2334Genau heute, 75 Jahre später, haben die Stadt Lingen (Ems), das Forum Juden Christen Altkreis Lingen eV und das Kinder- und Jugendparlament aus diesem Anlass in der Lindenstraße 45 zwei neue Stolpersteine verlegt, die an die in die Niederlande emigrierten, später in Auschitz-Birkenau ermordeten Lingener Ihmo und Riekchen ten Brink erinnern. Imo wurde nur 12 Jahre alt, seine Mutter starb mit 48 Jahren im Gas.

Vorgestern Abend war ich am Hauptbahnhof Dortmund. Nach wenigen Minuten hörte ich das Geschrei des neonazistischen Pöbels: „Deutschland den Deutschen!“ und „Sieg Heil!“ Mir wurde kalt.

Es ist hohe Zeit, jede/n daran zu erinnern, was u.a. genau heute vor 75 Jahren bei uns in Deutschland geschah.