Wir müssen reden

28. September 2018

Wir müssen reden. Die Sparkasse Emsland plant, ihren Standort am Lingener Marktplatz entgegen früherer Vereinbarungen in eine Kassenfiliale umzuwandeln. Es gehen dabei Dutzende qualifizierter Arbeitsplätze verloren. Dazu will sie das bisherige Sparkassengebäude Am Markt 3 verkaufen und das vor knapp 50 Jahren als Non-plus-ultra errichtete Haus nebenan zur Geschäftsstelle (neudeutsch: Servicecenter) umbauen. Dazu hat sie einen Architektenwettbewerb veranstaltet und im Frühjahr abgeschlossen.

Das alles führt sie ohne große Diskussionen sowie im wesentlichen an der Stadt Lingen (Ems) und ihren Repräsentanten  vorbei. Allein OB Dieter Krone und Stadtbaurat Lothar Schreinemacher durften nach -sagen wir- dringlich formulierter Bitte im Preisgericht des Wettbewerbs unter Vorsitz von Prof. Dr. Volker Droste (Oldenburg) dabei sein. Doch die Fach-  und Sachpreisrichter im Gremium kamen überwiegend aus Meppen: Landrat Reinhard Winter, und der Vorstand der Sparkasse Emsland, Ludwig Momann, Oliver Roosen und Marco Menne, der privat im Gauerbach lebt. Es entschied sich aber letztlich gar nicht sondern vergab … zwei erste Plätze, ein kleingiebeliger Entwurf des weltbekannten Schweizer Architekten Max Dudler (oben; mehr) kam ebenso auf Platz 1 wie ein großgiebeliger Entwurf des Architekturbüros B-Werk aus Spelle ().

OB Dieter Krone damals: „Es ist den Planern gelungen, eine herausragende architektonische Gestaltung im Zusammenhang mit der städtebaulichen Entwicklung im Herzen der Stadt Lingen zu realisieren.“ Deutlich nüchterner sah dies dann der Lingener Planungs- und Bauausschuss.

Damals berichtete die Lingener Tagespost über die „Bitte“ von CDU-Fraktionschef Uwe Hilling , „dass über die weiteren Planungen im Planungs- und Bauausschuss informiert wird. Es handelt sich um ein sehr zentral gelegenes Grundstück in der Stadt. Wir wollen die Sparkasse dort erhalten, die auch eine Verpflichtung gegenüber der Stadt hat“, sagte. Es solle sich aber später nicht ausschließlich als reines Bürogebäude präsentieren. Es gebe weitere Nutzungen, die ebenfalls interessant seien.

Sein Fraktionskollege Jürgen Herbrüggen ergänzte: „Eine optische Zweiteilung der Funktionsbereiche der Innenstadt, hier Einzelhandel, dort Büros, gilt es zu vermeiden. Im Erdgeschoss sollte es etwas geben, was Handels- und Büronutzung verbindet.“ Thomas Pertz titelte für die Lokalzeitung: „Ausschuss in Lingen gegen ‚reine Büro- und Gardinenfront'“ – und bei dieser Formulierung fühlte nicht nur ich mich in die frühen 80er Jahre zurück versetzt, als genau dasselbe über die jetzige, damals neu entstehende Sparkassen-Geschäftsstelle am Markt 3-5 gesagt wurde und dann doch alles genauso büro- und gardinenmäßig kam wie befürchtet.

In dieser Woche hat nun der Verwaltungsrat der Sparkasse beschlossen, wie es beim aktuellen Projekt weitergehen soll. Inzwischen haben die B-Werk-Architekten nachgearbeitet und aus dem flotten Giebelbild ist ein eher phantasieloses Einerlei mit zwei nahezu gleichförmigen Giebeln entstanden (Zeichnung oben). Vorangegangen war die im April von einem Pressesprecher der Sparkasse Emsland angekündigte Prüfung der „prämierten Wettbewerbsarbeiten auf Umsetzungsdetails und „wirtschaftliche Realisierbarkeit“

Über das Ergebnis dieser Prüfung der wirtschaftlichen Realisierbarkeit wird zu reden sein, nachdem der städtebaulich anspruchsvollere und keineswegs wuchtigere (so aber gestern die LT)  Dudler-Entwurf gar nicht erst auf den Weg gelassen wurde. Die Speller B-Werker haben jedenfalls einen eher gleichförmigen Wir-bauen-eine-Bank-Entwurf  vorgelegt, der den (ge)werblichen Belangen der Sparkasse bequem entspricht, nicht aber den Anforderungen an das Stadtbild. Schade ist das.

Interessant wie spannend ist daher, ob „Rat und Verwaltung“ und vor allem die Bürgerschaft in Lingen, also unsere kommunale Selbstverwaltung, das Vorhaben mit seinen Gardinen und Schießscharten-Fenstern in Erdgeschoss durchwinken  oder ob sie deutliche Nachbesserungen verlangen.

Nicht minder interessanter ist, ob sie es auch akzeptieren, die verbindlichen Zusagen nicht mehr zu beachten, die im Rahmen der Vereinbarung geschlossen wurde, als die Sparkasse Emsland vor 17 Jahren mit den Kassen in Meppen und Papenburg vereinigt wurde. Da wurde der Verbleib Dutzender hochqualifizierter Sparkassen-Arbeitsplätze in Lingen vereinbart, von denen fast keine mehr vorhanden sind…

(Fotos oben:  © Thomas Pertz, LT)

Leistung

19. September 2014

LWLDieser Freitag ist ein Festtag in Münster. Denn das Museum für Kunst und Kultur wird  heute wieder eröffnet. Das Landesmuseum Westfalen-Lippe („LWL“) ist nach einem Entwurf von Staab Architekten fünf Jahre lang vollständig umgebaut worden.

Vor 9 Jahren hatte Volker Staab den Wettbewerb für Neubau und Erweiterung des LWL-Museums gewonnen. Der Altbau am Münsteraner Domplatz von 1906 blieb erhalten, Erweiterungsbauten aus den 1970er Jahren dagegen abgerissen. Deren innere Disposition hätte das geforderte Raumprogramm nicht ermöglicht, sagt Volker Staab, außerdem wäre die Erhaltung teurer gewesen als ein Neubau. Zwei Wandkunstarbeiten aus den abgerissenen Bauteilen sind am Neubau wieder angebracht worden.

Die besondere städtebauliche Entwurfsidee:  Bisher lag der Haupteingang hinten am Domplatz, wo betuliche Ruhe herrscht und nichts geschieht – außer an Markttagen vielleicht.

Am Domplatz gibt es zwar noch einen Eingang – gelegen zwischen dem Altbau und einem spitz auf den Platz ragenden Neubauteil. Der Haupteingang zum Museum aber liegt künftig  direkt am Ägidiimarkt. Vom offenen Vorhof des Eingangs betreten Besucher zunächst einen ebenfalls offenen „Eingangspatio“, bevor sie das eigentliche Gebäude betreten.

Das gesamte Erdgeschoss des LWL-Museums ist als öffentlicher Ort konzipiert, der bis 22 Uhr und ohne Eintrittskarte zugänglich ist. Hier gibt es das – vom Blogbetreiber selbstlos getestete,  qualitativ wie preislich sehr empfehlenswertes – Café Lux. Mit der Neueröffnung kehrt auch die Buchhandlung Walther König in das Stadtzentrum zurück. Am Eröffnungswochenende ist die Buchhandlung über das Foyer des Museums zugänglich. Es ist gebäudehoch angelegt und wird von oben belichtet. Die Sammlung erreicht man über eine einläufige Treppe.

Die Museumsräume in den beiden Obergeschossen hat, schreibt BauNetz, Architekt Volker Staab so konzipiert: „Mit unterschiedlichen Raumproportionen entstehen abwechslungsreiche Raumsequenzen, die immer wieder – unterbrochen durch Ausblickräume – rhythmisiert werden. Diese Ausblickräume sind auf bestimmte städtische und innenräumliche Situationen ausgerichtet.“

„Die Außenfassaden reduzieren sich auf ortstypischen beige-grauen Sandstein und helle, beinahe weiße Beton- und Putzflächen. Auch im Inneren bleibt die Materialität zurückhaltend.“

Die Münsteraner Innenstadt wurde nach dem Krieg bewusst auf den alten Parzellen wiederaufgebaut, was damals bei vielen Architekten als rückständig galt. Doch längst ist man weit über die Stadtgrenzen hinaus froh über diese Entscheidung, sorgt sie doch für maßstäbliche Stadträume, besonders am großartigen Prinzipalmarkt. Volker Staabs Museums-Großbau fügt sich wie selbstverständlich in diese kleinteilige Kulisse ein. „Das ist eine große und eigenständige architektonische Leistung.“

Es ist nicht die einzige, die Münsters Innenstadt weiter an Profil gewinnen lässt und wieder setzen mit Staab Architekten Berliner Architekten die Maßstäbe. Im vergangenen Jahr sorgte der Berliner Max Dudler mit der wenige Meter entfernten Diözesanbibliothek nahe des Doms für Aufsehen.

Da wird man als Süd-Emsländer ganz klein, fragt sich, wann endlich die kulturellen Orte unseres Städtchens neuen, architektonischen Raum gewinnen. Zum Beispiel das Emslandmuseum an der Burgstraße, das längst eine großzügige, zeitgemäße Erweiterung gebraucht. Vielleicht erlebe ich ja auch noch einmal in Lingen etwas Ähnliches wie die Unterstützung, die sich die Münsteraner Kaufleute vom Prinzipalmarkt -stolz wie Oskar- für das neue Museum ausgedacht haben. Sie gestalten nämlich ihre Schaufenster mit Bannern und Plakaten, die die spektakuläre Architektur des Neubaus zeigen. Außerdem gibt es eine Tragetasche mit hochwertigem Fotodruck von der Gebäudespitze des Museums (s. Foto).

Übrigens lädt das LWL-Museum an diesem Wochenende dazu ein, die Neupräsentation der Sammlung auf eigene Faust oder in einer Führung zu erkunden – ein Wochenende, drei Tage, 51 Räume bei kostenlosem Eintritt. Hier das Programm.

(Foto: © LWL Museum für Kunst und Kultur, Münster/Facebook; Quelle: BauNetz, PM)