Gefangen auf engstem Raum, begrenzte Waschmöglichkeiten, die ohnehin per Definition schon rar gesäten Besuchsmöglichkeiten dahin: In Zeiten von Corona und den damit einhergehenden Ausgangsbeschränkungen für Normalbürger richten immer mehr Länder ihr Augenmerk auf die Zustände in den Gefängnissen.

Die Uno rief die internationale Gemeinschaft vergangene Woche dazu auf, besonders anfällige Häftlinge vorzeitig zu entlassen. Bereits jetzt seien Infektionsfälle aus Gefängnissen gemeldet worden, stellte die Menschenrechtsbeauftragte Michelle Bachelet fest.

Papst Franziskus sagte, er sei den Schwächeren und den Personen nahe, die in dieser Zeit der Pandemie in Gruppen leben müssen, wie es etwa in Gefängnissen geschehe. Der Papst rief die Behörden auf, Maßnahmen gegen den Überbelag in den Strafanstalten zu ergreifen. Es sei wichtig, dort „Tragödien“ zu vermeiden.

In Österreich besteht„größte Sorge“, in den Gefängnissen könnte es zu massenhaften Infektionen kommen – Besucherkontakte sind schon seit längerem stark eingeschränkt.

Während sich einige Länder, so gut es geht, an die Empfehlung der Uno – und des Pontifex – halten, wird anderswo von Aufständen berichtet, in denen sich die Wut der Häftlinge über die Zustände angesichts von Corona Bahn bricht.

Schon ganz zu Beginn der Corona-Krise probten Strafgefangene gab es Aufstände von Gefangenen in Italien. Erst in Salerno, wenig später auch im ebenso überfüllten Gefängnis von Poggioreale bei Neapel brachen Aufstände aus. Insgesamt starben bei den Unruhen zwölf Menschen.  Die Aufstände sollen mit großer Härte niedergeschlagen worden sein.

Wie jüngst in Thailand, wo Insassen nach Gerüchten über eine Infektion im Gefängnis von Buriram im Nordosten des südasiatischen Landes das Gebäude so stark zerstörten, dass alle 2.000 Häftlinge umziehen mussten. Auch in Kolumbien kam es zu einem Aufstand in einem Gefängnis  in der Hauptstadt Bogotá, bei dem 23 Häftlinge getötet und 90 weitere Menschen verletzt wurden. Der Aufstand sei beim Versuch eines Massenausbruchs aus der Haftanstalt La Modelo ausgebrochen, teilte die kolumbianische Justizministerin mit. Ob ein direkter Zusammenhang zur Corona-Krise besteht, ist allerdings unklar.

In Griechenland will die konservative Regierung hunderte inhaftierte Straftäter vorzeitig freilassen. Alle Gefangenen, die maximal noch zwölf Monate ihrer Gesamtstrafe verbüßen müssen, sollen nach einem Amnestiegesetz freigelassen werden. Die Regel gilt  für alle Insassen gelten, abgesehen von denjenigen, die wegen Schwerverbrechen verurteilt wurden.

Im Iran, wo Covid-19 besonders früh und besonders tödlich grassierte, wurden vergangene Woche gleich 85.000 Gefangene (!) auf einmal freigelassen, die meisten davon allerdings nur auf Zeit bis zum 19. April. Eine weitere Verlängerung soll nicht ausgeschlossen sein, falls die Corona-Krise auch bis Ende April nicht bewältigt werde. 10.000 Gefangene wurden überhaupt begnadigt.

Die seit knapp vier Jahren im berüchtigten Teheraner Evin-Gefängnis inhaftierte britisch-iranische Staatsbürgerin Nazanin Zaghari-Ratcliffe hingegen bleibt bis Mitte April per Fußfessel gesichert in vorübergehender, relativer Freiheit. Die Mitarbeiterin der Journalistenstiftung Thomson Reuters war im April 2016 nach einem Besuch bei ihrer Familie mit ihrer kleinen Tochter am Teheraner Flughafen festgenommen worden. Wegen ihrer angeblichen Beteiligung an regimekritischen Protesten 2009 wurde sie zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt.

Bis zu 10.000 Häftlinge werden in Afghanistan wegen der Corona-Krise vorzeitig freikommen vor allem Frauen, Jugendliche, Kranke und Alte entlassen. Mit der Freilassung der Gefangenen will das Land die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus eindämmen.

Auch so mancher prominente Häftling erhofft sich von der Corona-Krise die vorzeitige Freiheit. Während Wikileaks-Gründer Julian Assange laut einem Beschluss eines britischen Gerichts trotz Antrags auf Freilassung auf Kaution weiter hinter Gittern bleibt, muss der frühere Popstar R. Kelly, der wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger angeklagt ist, seinen Prozess ebenso im Gefängnis abwarten. Und protestiert: „Diejenigen, die jetzt eingesperrt sind, können vor der anstehenden Gefängnis-Epidemie nicht geschützt werden und werden, wenn sie sich anstecken, ohne Frage an schlechterer Gesundheitsversorgung leiden“, schrieb Kelly an seinen Richter in Chicago. (Quelle, 01.04.20; Foto © milanpaul via twitter)