andere Prioritäten

8. Juni 2018

Um zukünftig mit dem Flugverkehr konkurrieren zu können, will die Nederlandse Spoorwegen (NS, deutsch „Niederländische Eisenbahn“) ein Netzwerk von internationalen Zügen, die die europäischen Hauptstädte miteinander verbinden. Als erstes will sich NS daher auf den Ausbau der Anbindungen an Brüssel, Paris und London konzentrieren. Und auf eine schnellere Bahnverbindung zwischen Amsterdam und Berlin. Deutschland aber hat andere Prioritäten. Zum Beispiel eine ökologisch fragwürdige A33 um Osnabrück und die unwirtschaftlichste Autobahn der Republik: die Hasetalautobahn für 1 Milliarde Euro.

In den Niederlanden wird zurzeit über die Zukunft von Zugreisen diskutiert. Diese sind im Gegensatz zu Flugreisen deutlich umweltfreundlicher. Darüber hinaus ist die Kapazität des größten niederländischen Flughafens Schiphol bald ausgereizt. Das mit Anwohnern vereinbarte Limit von 500.000 Flügen pro Jahr wird 2020 erreicht sein, wodurch Schiphol nicht weiter wachsen kann. Die Anzahl von 224 Flügen, die zurzeit täglich von Schiphol starten, könnte durch ein ausgebautes Eisenbahnnetz auf bis zu 59 Flügen reduziert werden, da Eisenbahnverbindungen bis zu einer Entfernung von 750 Kilometern eine gute Alternative zu Flugreisen darstellen können. Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass Reisende schnell umsteigen und Hochgeschwindigkeitsstrecken nutzen können. In Paris und London ist das bereits möglich, aber der Anschluss des Eisenbahnnetzwerkes an Aachen, Köln und Düsseldorf ist noch nicht geregelt.

Auch Staatssekretärin Stientje van Veldhoven (D66) wünscht sich mehr grenzüberschreitenden Bahnverkehr nach Deutschland, aber dafür ist sie auch auf die Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur angewiesen. Auf deutscher Seite seien dafür Investitionen in Millionenhöhe nötig um die vorhandenen „Bummelzüge“ zu Intercityverbindungen auszubauen, so z. B. zwischen Groningen und Hamburg oder Eindhoven und Düsseldorf.

Laut dem NRC Handelsblad bekommen die Niederlande allerdings kaum Unterstützung vom deutschen Ministerium. Das sei aber auch nicht verwunderlich, da die niederländischen Ideen eines ausgebauten Eisenbahnnetzes zwischen den beiden Ländern mit circa 2.500 anderen Eisenbahnprojekten des sogenannten Bundesverkehrswegeplans konkurrieren müssen. Und die Niederlande sind in diesem Kräftefeld ein vergleichsweise kleiner Mitspieler.

Dabei gibt es verschiedene Bahnstrecken zwischen den Niederlanden und Deutschland, die potentiell ausgebaut werden könnten. Die Provinz Groningen im Norden der Niederlande will beispielsweise eine direkte Verbindung zu Hamburg, die dann wiederum nach Kopenhagen weitergeführt werden soll. Für diese Idee hat die Gemeinde auch ungefähr ein Budget von 60 Millionen Euro, die zur Verfügung gestellt werden können. Aber bislang ist selbst die bestehende Verbindung nach Deutschland durch die beschädigte Friesenbrücke unterbrochen, die über die Ems führt. Deutschland hat zugesagt, eine neue Eisenbahnbrücke zu bauen und die alte Brücke zu ersetzen. Die soll 2024 fertig sein. Bislang haben die Bauarbeiten allerdings noch nicht begonnen.

Auch innerhalb der Niederlande, beispielsweise zwischen Amsterdam und Groningen, muss am Eisenbahnnetzwerk gearbeitet werden. Das ist eine Bedingung für eine schnelle Reise zwischen der niederländischen und der dänischen Hauptstadt. Mit nächtlichen Testfahrten soll nun geprüft werden, ob eine direkte Intercityverbindung ohne Zwischenstopps zwischen Amsterdam und Groningen möglich ist.

Die vielversprechendste grenzüberschreitende Bahnverbindung ist jedoch die Strecke zwischen Eindhoven und Düsseldorf. Hierfür müssten aber auf deutscher Seite die Bahnschienen umgebaut werden, was einer Investition von rund 105 Millionen Euro gleichkäme. Dementsprechend verhalten reagierte die deutsche Seite über diesen Vorschlag. Inzwischen sei das Geld für den geplanten Ausbau jedoch zur Verfügung gestellt worden, sodass die Strecke kommerziell interessant wird. Die Prognosen für diese Strecke sind so positiv, dass dieses Projekt öffentlich ausgeschrieben werden soll.

Es bleibt also abzuwarten, ob und wann Hochgeschwindigkeitsstrecken zwischen Deutschland und den Niederlanden genutzt werden können. Um langfristig mit dem Flugverkehrs konkurrieren zu können, müssen die Eisenbahngesellschaften nicht nur das Bahnnetzwerk ausbauen, sondern auch Zugtickets zukünftig günstiger anbieten.

(Quelle: NiederlandeNet); Foto: Friesenbrücke kaputt – von  Jan Oosterhuis CC BY-SA 3.0)

 

Haselünne

21. Mai 2018

Offenbar läuft nichts mehr von und nach Lingen mit dem Flixbus.

Die (einzigen) Verbindungen vom Lingener Busbahnhof  nach Groningen (Niederlande) und nach Berlin (über Osnabrück) sind ganz offensichtlich gestrichen. Sie sind jedenfalls auf der Flixbi-Internetseite nicht mehr zu buchen. Statt dessen werden „Alternative Fahrten“ angeboten (Screenshot links).

Es gibt offenbar nur noch Fahrten aus der noch bahnhofsfernen Grafschaft Bentheim aus/nach Neuenhaus und Nordhorn und auch das bahnhofsfreie Haselünne kann mittwochs und sonntags noch punkten. Die Busverbindung von dort dauert zwar mit 7,5 Stunden deutlich länger als ab Lingen mit der Deutschen Bahn (zwischen vier und fünf Stunden) ist aber auch genauso deutlich preiswerter.

Die Strecke in die Hauptstadt ab Haselünne bspw. kostet keine 20 Euro. Günstige Bahntickets ab Lingen sind drei Mal teurer (ohne Bahncard allerdings). Angesichts der Streichung i unserer Region ist es nicht wirklich befriedigend, wenn ich auf der Facebookseite lese, dass Flixbus künftig „in Österreich auch in ländlichen Gebieten“ hält oder es jetzt eine Flixbus-Verbindung im Westen der Vereinigten Staaten gibt.

Das Problem scheint mir zu sein, dass die Bahn dieselbe Strecke parallel versorgt. Deshalb  wären Verbindungen in den Nordosten, also bspw. nach Oldenburg oder über Bremen nach Hamburg sicher sinnvoller. Außerdem wäre ein Umsteigepunkt an der A 31 bei Lohne in Richtung Groningen oder nach Süden auch sinnvoller als die zeitaufwändige Kurverei durch die Städte der Region. Der Haltepunkt sollte direkt westlich der A 31 sein, weil die Straßenführung im östlich gelegenen Lohner Gewerbegebiet viel zu kompliziert ist. Der Lingen-Nordhorn-Linienbus könnte als Zubringer -auch preislich – darauf abgestimmt sein. Wer kümmert sich im Lingener Rathaus?

ps Ich habe übrigens gestern bei Flixbus nachgefragt, aber noch keine pfingstliche Antwort erhalten.

Nachtrag:
Inzwischen habe ich eine erste Reaktion von Flixbus erhalten. „Eleonora von Flixbus“ hat geschrieben. Lest selbst ihr Bald-wieder-öfters-Geschreibsel:

Fahrplanänderungen können viele Gründe haben. Buspartnerwechsel, Saisonwechsel, fehlende Konzessionen oder einfach zu geringe Auslastung. Wir wollen für alle Fahrgäste unser Streckennetz möglichst optimieren und bitten daher bei Veränderungen um Verständnis. Unsere Planungsabteilung arbeitet ständig am Fahrplan, vielleicht kann Deine Linie bald wieder öfters eingesetzt werden. Falls Du einen Streckenwunsch hast kannst Du uns den gerne über unser Online Kontaktformular mitteilen (Thema dazu ist Streckenanfragen – Wunschstrecke): https://www.flixbus.de/service/kontakt

Viele Grüße, Eleonora von FlixBus

Bahnhof

28. August 2017

Lingen gestaltet den historischen Bahnhofsgebäude der ehemaligen Hannoverschen Westbahn um. Das ist bekannt. Es ist das erste Mal, dass die Kommune eine solche Aufgabe übernimmt. Da könnte man –Städtebaulicher Wettbewerb hin oder her– auf die Idee kommen, Fachleute zu fragen, um funktionale Fehler zu vermeiden.

Ich durfte für die BürgerNahen (BN) dazu einige Gedanken äußern, was zu der von mir als ausgesprochen flach empfundenen Bemerkung eines CDU-Ratsmitglieds führte, der offenbar nur im Notfall mit der Bahn fährt, der Bahnhof würde „doppelt so teuer“, folgte man diesen BN-Vorschlägen. Das wird er allerdings ohnehin, denn die geplanten 1,6 Mio Euro netto (= 2 Mio brutto) werden nicht reichen – oder allenfalls für eine eher peinliche, untaugliche  Schmalspurlösung, um im Eisenbahnerbild zu bleiben.

Daher fürchte ich, dass es wieder so ein Projekt nach Lingener Art werden wird: Also eines mit mancherlei, auch groben Fehlern nach dessen Vollendung ausnahmslos Jubelberichte in der Lokalzeitung und den anderen Lokalmedien stehen und der amtierende OB strahlend in die Kamera lächelt.

Dabei geht es auch viel besser, weiß BauNetz, und berichtet über den zweiten „grünen Bahnhof“ in Deutschland, der am vergangenen Freitag in Wittenberg als „Bahnhof des Jahres“ ausgezeichnet wurde:

„500 Jahre Reformation, da muss alles stimmen. Die Deutsche Bahn und die Lutherstadt Wittenberg haben das Jubiläum zum Anlass für ein neues Empfangsgebäude am Bahnhof genommen. 3.650 Pendler kommen dort täglich an, im Jubiläumsjahr, so schätzte man, werden es Tausende mehr sein, die der Wirkungsstätte Martin Luthers einen Besuch abstatten wollen. Der Bahnhof wurde bereits im Dezember letzten Jahres in Betrieb genommen, heute erhält er die Auszeichnung Bahnhof des Jahres.

Für die Architekturwelt ist der Preis wenig relevant, prämiert wird eher die Kundenfreundlichkeit, selten sind Neubauprojekte dabei. Die Jahre zuvor ging der Preis nach Steinheim und Stralsund. Dennoch bietet die Verleihung Anlass für einen genaueren Blick. Denn mit dem Bahnhof von Lutherstadt Wittenberg werden auch die Bemühungen der Bahn für ihr Vorzeigeprojekt „Grüner Bahnhof“ prämiert. Es steht für den Anspruch, Bahnhaltepunkte klimaneutral zu betreiben.

Weil die Bahn keine Verpflichtung hat, Planungsprojekte europaweit auszuschreiben, wird sie hin und wieder für ihre intransparente Vergabepolitik kritisiert. Nicht zuletzt entscheiden dort oft auch die Länder oder Kommunen mit, die sich meist an den Baukosten beteiligen. Was noch immer nicht alle wissen:

Die Bahn unterhält seit 2008 eine hauseigene Planungsabteilung. Die derzeit unter dem Namen I.SBO Objektentwicklung und Planung firmierende Abteilung sitzt mit über 40 Mitarbeitern im Gebäude des Berliner Hauptbahnhofs. Der Bahnhof in Münster wurde dort geplant, das Empfangsgebäude in Berlin Gesundbrunnen, der Umbau der S-Bahnverteilerebene am Münchner Hauptbahnhof. Von hier stammt auch die Idee für den Bau klimaneutraler Empfangsgebäude.“

[…weiter hier bei BauNetz]

In der DB-Planungsabteilung arbeitete mehrere Jahre der junge Lingener Tim Schmidt, der inzwischen im Land Brandenburg die Beamtenlaufbahn eingeschlagen hat. Darauf weise ich mit der dringenden Bitte hin, diesen Fachmann auf keinen Fall zu fragen; denn das könnte ja beim Fehlervermeiden hilfreich sein 😉 .

Solarzellen und Grünflächen auf dem Dach, Wärme und Kühlung aus Geothermie sowie eine Regenwasseraufbereitungsanlage lassen jedenfalls in der Lutherstadt Wittenberg den Bahnhof seinen Energiebedarf selbst produzieren. Auch der Service -übrigens der rund um das eigentliche Bahnhofsgebäude- soll sich wieder so nennen dürfen. Mehr Stellplätze für Autos und Fahrräder gibt es, Infotafeln und Wartedächer. Im Empfangsgebäude gibt es einen hellen Wartebereich mit USB-Anschlüssen an den Bänken, auch ein Bäcker und ein Zeitungsladen sind zu finden und barrierefreie Toiletten.

Wer mit der Bahn in Deutschlands Kleinstädten unterwegs ist, weiß, dass dies keine Selbstverständlichkeiten sind, weiß BauNetz. Mal sehen, was bei uns in Lingen (Ems) am Ende herauskommt. Das nämlich ist offen. Klar ist bisher nur, dass anschließend das Ergebnis begeistert bejubelt wird, egal wie es ausfällt.

nicht hinnehmbares

2. August 2017

Am Bahnhof Südkreuz in Berlin (Foto lks) starteten gestern in einem Testlauf die Aufzeichnung und Auswertung von biometrischen Gesichtsbildern. Wir haben jetzt also (testweise) die anlasslose Überwachung von Gesichtern der Reisenden.  Insgesamt fast dreihundert Probanden hatten sich vor dem gestrigen Start bereits registriert, um freiwillig bei der Gesichtserkennung mitzumachen und einen 25€-Amazon-Gutschein dafür einzuheimsen. Sie tragen einen Responder dabei, der signalisiert, wer von den Testern an den Lesegeräten vorbeigeht.

Der Deutsche Anwaltverein (DAV) warnt vor dem Einsatz von Gesichtserkennungssystemen an öffentlichen Plätzen und bezweifelt, dass dies den Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts entspricht. Nach Ansicht des DAV-Präsidenten Ulrich Schellenberg gibt es keine Rechtsgrundlage für diese Maßnahme.

“Wenn massenhaft Gesichter von unbescholtenen Bürgerinnen und Bürgern an Bahnhöfen gescannt werden, dann greift der Staat schwerwiegend in Grundrechte ein“, sagte DAV-Präsident Ulrich Schellenberg  in Berlin. “Dieses Scannen führt zu einem nicht hinnehmbaren Gefühl des Überwachtwerdens und der Einschüchterung“. Das Bundesverfassungsgericht habe in mehreren Entscheidungen ausdrücklich vor derartigen Effekten gewarnt. So beispielsweise in dem Urteil zur Vorratsdatenspeicherung oder im Urteil zum automatisierten Erfassen von Kfz-Kennzeichen.

Am Testlauf sind das Bundesinnenministerium, die Deutsche Bahn, die Bundespolizei und das Bundeskriminalamt beteiligt. Die rechtlichen Bedenken des DAV richten sich nicht gegen den sechsmonatigen Testbetrieb, jedoch gegen den späteren Einsatz der Gesichtserkennung im Echt-Betrieb.

“Die Gesichtserkennung und die jüngsten Sicherheitsgesetze stellen eine verfassungsrechtlich brisante Kombination dar“, sagte Schellenberg. So sollen nach dem neuen Pass- und Personalausweisgesetz künftig Polizeibehörden, das Bundesamt für Verfassungsschutz, die Landesämter für Verfassungsschutz, der Militärische Abschirmdienst und der Bundesnachrichtendienst im automatisierten Verfahren biometrische Passbilder abrufen dürfen. 

“Dieses Zusammenspiel aus technischen und rechtlichen Neuerungen stellt den Schutz der Freiheitsrechte vor neue Gefahren“, betonte der DAV-Präsident. Nach Ansicht des DAV gibt es derzeit keine Rechtsgrundlage, die eine Gesichtserkennung an öffentlichen Orten rechtfertigt.

“Angesichts dieser neuen technischen und rechtlichen Möglichkeiten stellt sich die Frage, auf welcher rechtlichen Grundlage das massenhafte Scannen von Gesichtern gerechtfertigt wird“, so der DAV-Präsident.

“Eine wasserdichte Norm, die diesen Angriff auf die informationelle Selbstbestimmung rechtfertigen kann, gibt es nicht.“ Darüber hinaus gibt es nach Ansicht des DAV zahlreiche offene Fragen: Wann soll das System anschlagen? Bei zur Fahndung ausgeschrieben Personen, bei Fußball-Ultras auf dem Weg zum Auswärtsspiel, bei sogenannten Gefährdern?

In mehreren Entscheidungen hat das Verfassungsgericht die Videoüberwachung und die automatische Auswertung von Bildern problematisiert, etwa als es um die Kennzeichenerfassung ging oder die Videoüberwachung im öffentlichen Raum. Denn immer ist bei der Videoüberwachung das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung berührt, insbesondere auch durch die Auswertung nach der optischen Aufzeichnung (1 BvR 2368/06 vom 23. Februar 2007):

Das Gewicht dieser Maßnahme wird dadurch erhöht, dass infolge der Aufzeichnung das gewonnene Bildmaterial in vielfältiger Weise ausgewertet, bearbeitet und mit anderen Informationen verknüpft werden kann.

Übertragen auf den Berliner Bahnhof Südkreuz und die Auswertung der biometrischen Gesichtsbilder ist es auch hier neben der anlasslosen Aufzeichnung der Menschen insbesondere die automatische Auswertung, die rechtliche Konsequenzen hat. Bei den biometrischen Gesichtsbildern in Südkreuz sind solche verfassungswidrigen Abgleiche und Datenverknüpfungen schon konkret geplant. Und ein Gesicht hat jeder nur eines, ist es vermessen und abgespeichert, bleibt es untrennbar mit der Person verbunden.

Zum Start des Biometrieversuchs am Berliner Bahnhof Südkreuz hat sich netzpolitik.org am Dienstag vor Ort einen direkten Eindruck über das Einsatzszenario und die verwendete Technik verschafft. Eine ganze Reihe von Fernsehteams nahm am Bahnhof zum Projektanlauf einige Bilder der Kameras auf und befragte die anwesenden Vertreter der Bundespolizei.

netzpolitik.org sprach mit dem Pressesprecher der Bundespolizei. Denn um die eingesetzte Technik war zunächst ein Geheimnis gemacht worden. Auf die Frage, ob er die Namen der Hersteller nennen würden, antwortete er:

Nein, nein. Ich denke auch nicht, dass der Minister die drei Firmen nennen wird. Das hat einfach Gründe, die deutlich für sich sprechen. Es gibt einen Markt, der ist voll von diesen Anbietern. Wenn wir die jetzt hier nennen würden, dann würden sie für eine spätere Ausschreibung komplett ausgeschlossen werden müssen.
[…] Wir werden diese Namen nicht publizieren. Sie können die Frage ja [an den Minister] stellen.

Der Bundesinnenminister Thomas de Maizière wird am 24. August bei einem „Ministertermin“ zum Südkreuz kommen. Fragen müssen wir ihn allerdings nicht mehr, denn wenige Minuten später gab das Innenministerium auf Nachfrage bekannt, dass es sich um die drei Anbieter „DELL GmbH, ELBEX (Deutschland) GmbH und L-1 Identity Solutions AG (Teil von OT Morpho)“ handelt.

 

(Quelle Lawblog, DAV, netzpolitik.org; Foto Bahnhof Berlin Südkreuz denis apel.JPG)

 

Einkaufsgutschein

20. Juni 2017

Wer sich am häufigsten von intelligenter Videoüberwachung filmen lässt, dem winken Prämien – was klingt wie ein schlechter Scherz, wird am Berliner Bahnhof Südkreuz wahr. Bundespolizei, BKA und Deutsche Bahn gleichen Testpersonen mit Datenbanken ab, identifizieren sie und wollen auffälliges Verhalten erkennen.

Ab August soll im Berliner Bahnhof Südkreuz ein Pilotprojekt zu intelligenter Videoüberwachung beginnen. Dafür wirbt die Bundespolizei seit gestern Versuchspersonen, die den Bahnhof häufig durchqueren. 275 Testpersonen sollen es werden, doch warum sollten Menschen daran interessiert sein, sich freiwillig umfassend überwachen zu lassen? Dafür hat sich die Bundespolizei etwas ausgedacht.

Wer am häufigsten durch die markierten Kamerabereiche läuft, hat die Chance, neben einem Einkaufsgutschein im Wert von 25 Euro einen von drei attraktiven Hauptpreisen zu gewinnen. Die Hauptpreise, das verraten die FAQ der Bundespolizei, bestehen aus einer Apple Watch Series 2, einem Fitbit Surge und einer GoPro Hero Session.

Gesichtsabgleich und Verhaltenserkennung

Wen das motiviert, der solle sich am besten täglich in markierten Bereichen aufhalten, in denen die Bundespolizei unter anderem Gesichtserkennung ausprobiert. Zusätzlich gehört zum „Projekt Sicherheitsbahnhof“ von Innenministerium, BKA, Bundespolizei und Deutscher Bahn, auffälliges Verhalten zu erkennen, beispielsweise wenn ein unbegleitetes Gepäckstück herumsteht oder ein Bahnhofsnutzer herumlungert oder Graffitis sprüht.

Graffitis sind zwar aus Sicht der Deutschen Bahn nicht wünschenswert, sie gefährden jedoch nicht Leib und Leben anderer Passagiere. Das zeigt, dass Technik, die Bahnhöfe sicherer machen soll, schnell auf andere Delikte ausgeweitet wird. Delikte, die einen derartigen Eingriff in die Privatsphäre der Passanten nicht rechtfertigen können.

Datenschützer, darunter auch die Berliner Datenschutzbeauftragte Maja Smoltczyk, kritisieren das Projekt. Sie wies bereits im Februar darauf hin, dass es nach der EU-Datenschutzgrundverordnung verboten ist, Menschen mittels biometrischer Daten zu identifizieren. Die Verordnung, die ab 2018 für alle Mitgliedstaaten gelten wird, erlaubt Ausnahmen nur, wenn die Identifikation „aus Gründen eines erheblichen öffentlichen Interesses erforderlich ist.“

Rechtsgrundlage Freiwilligkeit

Diejenigen, die an dem Test teilnehmen, bekommen von der Bundespolizei einen Transponder. Darüber soll ausgewertet werden, wie häufig das System sie richtig identifiziert oder übersieht. Damit das System eine Chance hat, werden von den Beteiligten Testbilder angefertigt, die in einer Testdatenbank abgelegt und für ein Jahr gespeichert werden. Vorher erfolgt durch die Bundespolizei eine „fahndungsmäßige Überprüfung der potenziellen Testpersonen“.

Die Rechtsgrundlage für den Versuch sieht die Bundespolizei darin, dass die Personen sich freiwillig beteiligten und der Verwendung ihrer persönlichen Daten im Testzeitraum zustimmten. Auf welcher Rechtsgrundlage ein möglicherweise folgender Realbetrieb fußen wird, den Passagiere nicht mehr umgehen können, verrät die Bundespolizei noch nicht. Die Wissenschaftlichen Dienste des Bundestags bezweifeln, ob die bisherigen Rechtsgrundlagen zur Videoüberwachung das überhaupt zulassen würden.

Viele zweifeln an, ob mehr oder eine „intelligente Videoüberwachung“ Bahnhöfe sicherer machen kann. So prangerte die ehemalige Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger bezüglich des Videoüberwachungsverbesserungsgesetzes an, das würde keinen Terroristen abhalten – „Terroristen suchen vielmehr die Aufmerksamkeit, um ihre Botschaften möglichst weit zu verbreiten.“ Ein anderer Weg, für mehr Sicherheit in Bahnhöfen zu sorgen, ist schlichtweg mehr Personal. Dieses könnte direkt reagieren, nicht erst vom Kamerabildschirm aus.

[Anna Biselli auf Netzpolitik.org Creative Commons BY-NC-SA 3.0.]

Drei Sachen, die Morinelli von den Blogrebellen zur Zeit gehörig auf die Nüsse gehen, wie er heute schreibt: Bahnbashing, was auf Facebook abgeht, und Flüchtlinge zu Sündenböcken machen.

Hier ist der Facebookpost, der mir zu allen drei Themenkomplexen den Glauben an die Menschheit zurückbringt. Wichtiger aber: So etwas setzt einen wichtigen Kontrapunkt zu dem ganzen unmenschlichen Krakeelen in den sozialen Netzwerken, das -bei mir zumindest- das Gefühl hinterlässt, dass nur bekloppte Menschenfeinde unterwegs sind. Mehr solcher Geschichten bitte!

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einfach schön

3. Juni 2016

„Ja, natürlich kann man der Bahn vorwerfen, voll auf den PR-Effekt zu gehen. Aber ist das nicht irgendwie auch Aufgabe der Werbung? Nachdem wir das mal besprochen haben, finden wir den neuen Bahn-Spot im Windschatten der EM einfach schön. Gerade in einem gesellschaftlichen Umfeld, in dem es langsam wieder Richtung Steinzeit geht, ist es gut, wenn ein großes Unternehmen vergleichsweise unprätentiös mit gleichgeschlechtlicher Liebe wirbt. Wir sind gespannt, mit welchem Verkehrsmittel AfDler in Zukunft zu den Demonstrationen fahren.“
Schlecky Silberstein

Po-li-zei

27. Mai 2016

Po-li-zei! Weshalb der Journalist Michael Praetorius seine S-Bahn-Karte verbrennt und sich die Deutsche Bahn schämen soll.

nur bis zum 11. Juni

3. Mai 2016

Die Deutsche Bahn hat passend zur Fußball Europameisterschaft die Sieger BahnCard auf den Markt gebracht. Kunden müssen beim Kauf der Karte einen Tipp abgeben, welches Land Fußball Europameister wird. Liegen sie richtig, fahren sie den ganzen August kostenlos mit der DB-Bahn. test.de hat sich das Angebot angeschaut und sagt, was davon zu halten ist:

Sieger BahnCard gilt drei Monate

Produkt: Die Sieger BahnCard ist ab dem erstem Geltungs­tag drei Monate lang gültig. Als erster Geltungs­tag kann ein beliebiges Datum einge­tragen werden, das nicht mit dem Kauf­datum über­einstimmen, aber vor dem 21. Juni 2016 liegen muss. Es gibt die Karte in den bekannten Rabatt­varianten 25 und 50 Prozent. Die Sieger BahnCard 25 kostet für die 2. Klasse 19 Euro (1. Klasse 39 Euro). Die Sieger BahnCard 50 für die 2. Klasse gibt es für 79 Euro (1. Klasse 139 Euro). Sie ist bis zum 11. Juni bestell­bar. Beim Kauf der Karte muss der Kunde einen Tipp abgeben, welche Mann­schaft die Fußball-Europameisterschaft in Frank­reich gewinnen wird.

78 Prozent rechnen mit deutschem EM-Sieg

Vorteile: Tippt der Kunde richtig, reist er den ganzen August inner­halb Deutsch­lands umsonst (gilt für ICE-Züge, IC/EC, City Night Line, Euro Night, TGV und den IC-Bus). Auf welches Land der Käufer getippt hat, sieht man übrigens an der Fahne, die auf der Karte abge­bildet ist. Die meisten Käufer der Sieger Bahncard rechnen mit einem Sieg der deutschen Nationalmanschaft. „Rund 78 Prozent unserer Kunden tippen auf Deutsch­land“, sagte uns eine Sprecherin der Deutschen Bahn. „Auf Platz zwei liegt Frank­reich, gefolgt von Spanien.“ Die Sieger Bahncard hat noch eine weitere Besonderheit: Der Rabatt gilt auch auf die Spar­angebote des Fern­verkehrs. Egal ob BahnCard 50 oder 25 – beide gewähren einen Rabatt von 25 Prozent auf den Spar­preis. Dies ist nicht bei allen herkömm­lichen Bahncards der Fall.

Vorsicht Aboprodukt!

Nachteile: Wie bei allen anderen Bahncards auch, ist die Sieger Bahncard ein Aboprodukt. Wer nicht sechs Wochen vor Laufzeit­ende kündigt, erhält auto­matisch eine Stan­dard Bahncard mit einer Lauf­zeit von 12 Monaten entsprechend der gebuchten Rabatt­höhe. Ob der Kunde außerdem noch einen Rabatt auf die Spar­angebote des Fern­verkehrs erhält, hängt vom gewählten Karten­typ ab: Die reguläre Bahncard 25 gewährt diesen Rabatt. Die Bahncard 50 derzeit nur im Rahmen von besonderen Aktionen.

Finanztest-Kommentar: Kündigen nicht vergessen!

Die Sieger Bahncard ist für Kunden geeignet, die sich ohnehin eine Bahncard zulegen wollen oder vorhaben, im Sommer viel inner­halb Deutsch­land zu reisen. Wer allerdings nur vorüber­gehend eine Bahncard braucht, sollte nicht vergessen, die Karte gleich nach dem Kauf wieder zu kündigen, weil er sonst eine weitere Bahncard für ein Jahr abge­schlossen hat. Kunden, die jünger als 27 Jahre sind, sollten prüfen, ob sie nicht mit der My BahnCard 50 besser fahren – einer Aktions­karte, die ebenfalls nur bis zum 11. Juni 2016 verkauft wird. Die Karte kostet 69 Euro (10 Euro weniger als die Sieger Bahncard 50) und ist zwölf Monate gültig.

keine

23. April 2016

In unserem Städtchen gibt es ja gar keine Bahnansagen mehr. Wir im Emsland sind eben schon zufrieden, wenn überhaupt ein Zug kommt. Dabei ist dieser Satz eine gute Grundlage, einmal mehr an den legendären Satz von Harald Schmidt [für die Jüngeren: Das ist sozusagen der deutsche Jan Böhmermann senior] zu erinnern, der da lautete: Zwischen Rheine und Leer hält er nicht mehr!]

Aber jetzt widmet sich endlich eine eigene Facebook-Seite den schönsten Ansagen aus dem Zug-Cockpit. Jetzt schon ein Fall für einn Thementag  im Goethe Institut.

Screen-Shot-2016-04-20-at-14.44.33 Die schönsten Bahnansagen Deutschlands – Eine Sammlung Screen Shot 2016 04 20 at 14Screen-Shot-2016-04-20-at-14.43.53 Die schönsten Bahnansagen Deutschlands – Eine Sammlung Screen Shot 2016 04 20 at 14Screen-Shot-2016-04-20-at-14.43.24 Die schönsten Bahnansagen Deutschlands – Eine Sammlung Screen Shot 2016 04 20 at 14Screen-Shot-2016-04-20-at-14.43.09 Die schönsten Bahnansagen Deutschlands – Eine Sammlung Screen Shot 2016 04 20 at 14Screen-Shot-2016-04-20-at-14.41.56 Die schönsten Bahnansagen Deutschlands – Eine Sammlung Screen Shot 2016 04 20 at 14Screen-Shot-2016-04-20-at-14.41.43 Die schönsten Bahnansagen Deutschlands – Eine Sammlung Screen Shot 2016 04 20 at 14Screen-Shot-2016-04-20-at-14.42.56 Die schönsten Bahnansagen Deutschlands – Eine Sammlung Screen Shot 2016 04 20 at 14
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