keine Namen

24. Mai 2018

Heute entscheidet der Kulturausschuss der Stadt Lingen (Ems) über das Anbringen einer Gedenktafel zur Erinnerung an die gefallenen Mitarbeiter des ehem. Lingener Reichsbahnausbesserungswerks. Still, klamm und heimlich haben sich die Sozialdemokraten und Christdemokraten darauf verständigt, die erstmals 1935 zu NS-Zeiten aufgehängten „Heldentafeln“ an die Außenwand der Kunsthalle zu hängen. Da haben sie zwar nie gehangen, aber es sei eben Platz dort, meint beispielsweise Ratsmitglied Edeltraut Graeßner (SPD). Was damit für die Kunsthalle an Problemen entsteht und wie sehr dadurch die Aufgabe dieser kulturellen Einrichtung beschädigt wird, ist ihr ebenso egal wie den anderen Kommunalpolitikern, die das Thema jetzt abschließen wollen.

Nun hab ich ja bereits früher über das in Form und Funktion typische nationalsozialistische Propagandaprodukt berichtet, das Ausgangspunkt der Überlegungen ist,  und vor einem Vierteljahr sah es so aus, als gehe der NS-Spuk an der renommierten Kunsthalle vorüber: Die „Heldentafeln“ sollten nahe des Ehrenmals am Alten Friedhof aufgehängt werden. Die SPD will das aber nicht und erkennt die Fragestellung nur unvollkommen: „Dürfen Demokraten mittels propagandistischer Nazi-Kunst an tote Soldaten der beiden Weltkriege erinnern?“

Denn die Wandplatten spiegeln typische Nazi-Ästhetik, also die Kunstsprache der Nationalsozialisten, wider – ganz im Sinne Hitlers: „Blut und Rasse werden wieder zur Quelle der künstlerischen Intuition“. Ist die heroisierend-völkische Darstellung mit einem Soldaten auf der einen und einem, ihm  und den Namen  der „Gefallenen“ zugewandten Arbeiter auf der anderen also überhaupt eine akzeptable Form des Gedenkens? Und ist nicht der Ort, an dem 1935 die „Heldentafeln“ angeschlagen wurde, auch Teil der NS-Propaganda?

Daher haben inzwischen die Protagonisten aus SPD und CDU die Idee entwickelt, den Teil der Wandtafel zu entfernen, den sie als NS-Propaganda verstehen. Die Seitentafeln kommen weg, die einen Arbeiter und einen Soldaten in jeweils heroischer Pose zeigen. Doch mit diesem Zerlegen der Tafeln erweist man der Geschichte erst recht einen Bärendienst. Anstatt im Lingener Emslandmuseum die Tafel komplett aufzuhängen und daran vor allem jungen Menschen die Funktion derartiger „Kunst“ im NS-Staat zu erklären, beseitigt man tolpatschig diese Chance der Aufklärung.

Übrigens hilft das nicht einmal:
Denn auf der Wandtafel finden sich auch mindestens zwei SA- und SS-Angehörige wieder; (nicht nur) ich empfinde es als besonders perfide, solche Täter-Namen vor die Tür der Kunsthalle zu hängen, die doch der Weltoffenheit, der Völkerverständigung und der Toleranz in besonderer Weise verpflichtet ist. Hinzu kommt, dass sowohl die Opfer des NS-Terrors unter den Lingener RAW-Arbeitern als auch die in der Zwangsarbeit  im Lingener Reichsbahnausbesserungswerk Getöteten bis heute namenlos geblieben sind. Kommunalpolitiker, die daran nichts ändern, aber der Täter namentlich gedenken, entehren diese Opfer ein weiteres Mal. 

Die kleinen Fraktionen im Kulturausschuss (Die BürgerNahen, Bündnis 90/Die Grünen und die FDP) lehnen das Projekt ab; auch die fachkundigen Bürger im Ausschuss sind entsetzt. Sie und das Forum Juden-Christen haben in mehreren Briefen an den Oberbürgermeister gefordert, das Projekt aufzugeben. Der aber ist -wen überrascht es?– einmal mehr abgetaucht und bezieht keine inhaltliche Position.

Ich fürchte heute: Der Protest wird nicht helfen. Aber ich weiß auch: Das Thema wird damit nicht abgeschlossen. Ganz im Gegenteil.

Übrigens: Nicht dabei ist heute Irene Vehring (CDU). Die kluge Ausschussvorsitzende ist eine erklärte Gegnerin des Erinnerungsprojekts, konnte sich aber in ihrer Fraktion nicht durchsetzen. Also ist sie in Urlaub gefahren.

Haselünne

21. Mai 2018

Offenbar läuft nichts mehr von und nach Lingen mit dem Flixbus.

Die (einzigen) Verbindungen vom Lingener Busbahnhof  nach Groningen (Niederlande) und nach Berlin (über Osnabrück) sind ganz offensichtlich gestrichen. Sie sind jedenfalls auf der Flixbi-Internetseite nicht mehr zu buchen. Statt dessen werden „Alternative Fahrten“ angeboten (Screenshot links).

Es gibt offenbar nur noch Fahrten aus der noch bahnhofsfernen Grafschaft Bentheim aus/nach Neuenhaus und Nordhorn und auch das bahnhofsfreie Haselünne kann mittwochs und sonntags noch punkten. Die Busverbindung von dort dauert zwar mit 7,5 Stunden deutlich länger als ab Lingen mit der Deutschen Bahn (zwischen vier und fünf Stunden) ist aber auch genauso deutlich preiswerter.

Die Strecke in die Hauptstadt ab Haselünne bspw. kostet keine 20 Euro. Günstige Bahntickets ab Lingen sind drei Mal teurer (ohne Bahncard allerdings). Angesichts der Streichung i unserer Region ist es nicht wirklich befriedigend, wenn ich auf der Facebookseite lese, dass Flixbus künftig „in Österreich auch in ländlichen Gebieten“ hält oder es jetzt eine Flixbus-Verbindung im Westen der Vereinigten Staaten gibt.

Das Problem scheint mir zu sein, dass die Bahn dieselbe Strecke parallel versorgt. Deshalb  wären Verbindungen in den Nordosten, also bspw. nach Oldenburg oder über Bremen nach Hamburg sicher sinnvoller. Außerdem wäre ein Umsteigepunkt an der A 31 bei Lohne in Richtung Groningen oder nach Süden auch sinnvoller als die zeitaufwändige Kurverei durch die Städte der Region. Der Haltepunkt sollte direkt westlich der A 31 sein, weil die Straßenführung im östlich gelegenen Lohner Gewerbegebiet viel zu kompliziert ist. Der Lingen-Nordhorn-Linienbus könnte als Zubringer -auch preislich – darauf abgestimmt sein. Wer kümmert sich im Lingener Rathaus?

ps Ich habe übrigens gestern bei Flixbus nachgefragt, aber noch keine pfingstliche Antwort erhalten.

Nachtrag:
Inzwischen habe ich eine erste Reaktion von Flixbus erhalten. „Eleonora von Flixbus“ hat geschrieben. Lest selbst ihr Bald-wieder-öfters-Geschreibsel:

Fahrplanänderungen können viele Gründe haben. Buspartnerwechsel, Saisonwechsel, fehlende Konzessionen oder einfach zu geringe Auslastung. Wir wollen für alle Fahrgäste unser Streckennetz möglichst optimieren und bitten daher bei Veränderungen um Verständnis. Unsere Planungsabteilung arbeitet ständig am Fahrplan, vielleicht kann Deine Linie bald wieder öfters eingesetzt werden. Falls Du einen Streckenwunsch hast kannst Du uns den gerne über unser Online Kontaktformular mitteilen (Thema dazu ist Streckenanfragen – Wunschstrecke): https://www.flixbus.de/service/kontakt

Viele Grüße, Eleonora von FlixBus

Summt!

20. Mai 2018

Heute ist der erste Weltbienentag. Die UN haben ihn ausgerufen, weil die Wildbienen durch die  Realität der weltweiten Landwirtschaft gefährdet sind – und mit ihnen Pflanzen und Nahrungsmittel.

Während nämlich weltweit die von Menschen gezüchteten, gehaltenen und gepflegten, für Pflanzenbestäubung und Honigproduktion genutzten Bienenvölker mehr werden (und immer mehr Honig produzieren), nimmt die Zahl der Insektenarten insgesamt kontinuierlich ab. Etwa die Hälfte der fast 600 Wildbienenarten in Deutschland stehen auf der Roten Liste der gefährdeten Arten, 40 bis 50 gelten schon als ausgestorben. Wichtig an der Vielfalt der Arten ist aber deren Spezialisierung: Die verschiedenen Bienen sammeln mit ihren Mundwerkzeugen und Beinen Pollen auf ganz verschiedene Weise  – und nur alle zusammen können alle Blütenarten bestäuben. Der NABU schreibt:

…. „Die Alarmglocken schrillen: Jede dritte Wildbienen-Art in Deutschland gefährdet. Es ist gut, dass die Weltpolitik den dramatischen Schwund an Insekten erkannt hat. Doch in den Köpfen einiger Politiker scheint noch nicht angekommen zu sein: Der Insektenrückgang ist kein kleines Problem, das mit ein paar netten Aktionen hier und da gelöst werden kann. Wir können Insekten und ihre Leistungen als Bestäuber nur retten, wenn die Agrarpolitik grundsätzlich anders wird. Aber das fordern auch die Vereinten Nationen: Gleich mehrere der globalen Entwicklungsziele betonen die Notwendigkeit einer nachhaltigeren Landwirtschaft. Doch dahin kommen wir nur, wenn umweltschädliche Subventionen gestrichen werden und sich die Förderung der Biodiversität für Landwirte finanziell lohnt.

Es ist inzwischen belegt, dass die Ursachen für den Insektenrückgang in der hoch-intensivierten Landwirtschaft liegen. Enge Fruchtfolgen und intensive Ackerbausysteme bieten Insekten zu wenige Nahrungs- und Nistangebote und der seit Jahrzehnten konstant hohe Einsatz von Pestiziden vergiftet zahlreiche Tiere. Düngemittel verändern zudem vielerorts die Pflanzenzusammensetzung und somit die Nahrungsgrundlage von Insekten.

Der Pestizideinsatz muss deutlich sinken

Unsere Insekten werden schleichend ihrer Lebensgrundlagen beraubt. Sie verschwinden in dramatischem Tempo – und das rund um den Globus. Wenn es so weiter geht, rast die Weltgemeinschaft auf ein ökologisches Desaster zu….“

So weit heute der NABU auf seiner Internetseite und er wendet sich dann appellhaft an die deutsche Landwirtschaftsministerin, die handeln müsse. Diesen Appell lasse ich hier weg, weil ich überzeugt bin: Auch die amtierende Ministerin wird wie ihre Vorgänger nicht handeln. Das unterscheidet sie von Machern wie den grünen Ex-Landwirtschaftsministern Christian Meyer (Niedersachsen) und Johannes Remmel (NRW), die jedenfalls nicht nur wohlfeile Reden gehalten haben.

Und was können können wir selbst in Lingen (Ems) tun? 

  • Beispielsweise können wir auf diese unsäglichen Plastik-Sichtschutz-Flechtzäume verzichten, die seit einigen Jahren gleichermaßen Landschaft und Stadtbild verschandeln und in denen ich noch keine Bienen summen gehört habe. Pflanzt stattdessen Hecken! Und gärtnert bienenfreundlich, also bitte keine (Vor-)Gärten, mit Stein- und Kiesflächen usw..
  • Als Stadt Lingen können wir bei der Verpachtung unserer landwirtschaftlicher Flächen mit den Pächtern zumindest vereinbaren, Blühstreifen anzulegen.
  • Dasselbe machen wir auch selbst auf unseren städtischen Restparzellen, Böschungen und an fließenden und stehenden Gewässern: Blühstreifen von einheimischen Saaten in Form von mehrjährigen (!) nektar-und pollenspendenden
  • Und wir können bei unserem städtischen Bauhof danach schauen, ob die von ihm gepflanzten Blumen mit Herbiziden und anderem, die Wildbienen gefährdenden Chemiezeug behandelt worden sind oder ob sie ohne Spritzmittel gezüchtet wurden.
  • Statt friedhofsartig Eisbegonien zu pflanzen (wie vergangene Woche am Emslandmuseum), täte der Bauhof auch gut daran, einheimische Pflanzenarten mit ausdrucksstarkem Blütenflor auszuwählen, z.B. Mohn, Rittersporn, Flockenblumen, Salbei, Königskerzen, Kornblume.
  • Hilfe geht im Kleinen auch so:

 

(Fotos: Oben: André Karwath (Aka) Rote Mauerbiene CC BY-SA 2.5; Unten Spirea-Hecke zur Blütezeit © Derkleinegarten.de)

Duo Concertino

17. Mai 2018

Duo Concertino
24. Hauskonzert bei Stefanie und Peter Löning
Sa 19. Mai 2018 – 19.00 Uhr
Lingen (Ems) – Falkenstraße 17

Eintritt frei: Anmeldung und Spende erbeten

„Das Duo Concertino, das sind Martin Wanat und Andreas Koch mit ihrer beachtlichen Sammlung von (auch alten) Gitarren. Dementsprechend Geht es musikalisch zurück in die Zeit des Barock und weiter zu Klassik und Romantik. Auch ihre modernen Instrumente sind mit bis zu 13 Saiten sehr speziell.

Auf der Bühne dürfte es also dieses Mal sehr eng werden. Wir freuen uns schon sehr lange auf eine sehr spannenden Klangerfahrung und einen tollen Konzertabend. Am liebsten würden wir den beiden Musikern ein sowieso sehr eng besetztes Wohnzimmer präsentieren. Also kommt gern wieder zahlreich.“

Stefanie und Peter Löning: „Der Eintritt ist wie immer frei(willig) eine Anmeldung hingegen wäre uns sehr wichtig.“

Im Rahmen der Architekturreihe “Lingen & Denkmal” kommt der Architekt Per Pedersen vom Büro Staab-Architekten aus Berlin am Donnerstag, 17. Mai 2018, um 19 Uhr in das IT-Zentrum nach Lingen. Sein Werkvortrag trägt den Titel „Anknüpfen: Respekt & Perspektive“.

Als Geschäftsführer hat Per Pedersen zahlreiche Bauprojekte des Büros Staab Architekten begleitet. Eine besondere Expertise hat das Büro in den letzten 25 Jahren im sensiblen Umgang mit denkmalgeschützten Bauten erworben. Per Pedersen beschreibt die unterschiedlichen Möglichkeiten, wie die Planung auf die Eigenart der vorgefundenen Bausubstanz eingehen und auf welchen Ebenen ein neues Bauwerk Kontakt zum Bestand aufnehmen kann. Anhand realisierter Beispiele des Büros erläutert er, wie in jedem Projekt die Frage nach dem geeigneten Maß an Autonomie der neuen Bauten und der wünschenswerten Verbindung mit dem Bestand neu beantwortet wird. Anknüpfungspunkte, wie die historische Raumstruktur oder die gewohnte Raumwirkung, schlagen dabei eine Brücke zu der zeitgenössischen Formensprache und Materialwahl der modernen Ergänzungen.

Per Pedersen wurde 1963 in Thisted, Dänemark geboren. Er studierte in Aarhus und an der University at Buffalo in den USA. Seit 1996 ist er im Büro Staab Architekten und dort seit 2008 Geschäftsführer. Zudem ist er seit 2017 Mitglied im Gestaltungsbeirat der Hansestadt Lübeck.

Mit der Reihe „Lingen & Denkmal“ gibt die Stadt Lingen renommierten Architekten, Gestaltern und Kulturschaffenden die Möglichkeit, in ungezwungener Atmosphäre ihre Projekte zu präsentieren – mit geselligem Ausklang bei Wein, Brot und Käse. Im Jahr 2018 steht dabei das Thema „Lingen & Denkmal – Neue Architektur in alten Mauern“ im Mittelpunkt.

„Wir möchten Lust auf Architektur und Baukultur machen“, erläutert Stadtbaurat Lothar Schreinemacher die Idee zu der Reihe. Der Austausch sei dabei besonders wichtig. „Ich wünsche mir, dass die Architekten und Bauschaffenden einmal abseits von konkreten Projekten miteinander ins Gespräch kommen“, so der Stadtbaurat. Angesprochen sind neben diesen Berufsgruppen vor allem alle Kultur- und Architekturinteressierte in der Region.

Selbstverständlich

10. Mai 2018

Am vergangenen Sonntag hat eine außerordentliche Mitgliederversammlung des Abifestivalvereins mit 95% Stimmen der Anwesenden beschlossen, das Abifestival 2018 ausfallen zu lassen. Es hätte am 15. und 16. Juni stattfinden sollen. In der offiziellen Sprachregelung ist zwar von „Pause“ die Rede. Doch angesichts der erheblichen Zahlungen, die jetzt ohne Einnahmen auf die beiden „AF“-Vereine zukommen, darf man nicht sicher sein, dass die Macher genügend Finanzen und Kraft haben, im kommenden Jahr tatsächlich wieder anzutreten – ganz abgesehen von dem Ansehensverlust in der Szene und dem unermesslichen Schaden an Glaubwürdigkeit und Zuverlässigkeit als Veranstalter.

Es ist also ganz und gar nicht schön, was aktuell aus den Kreisen des Abifestivals nach außen dringt oder offiziell verlautbart, bisweilen gar in schrecklich-devotem DiplomateDiplomatendeutschndeutsch.

Im ersten offiziellen Statement wurde das „Fehlen von Helfern“ als Hauptgrund dafür ausgemacht, dass das Abifestival 2018 kurzfristig nicht stattfinden kann. Kurzfristig, weil sechs Wochen in Wahrheit nur einen Wimpernschlag in einem schnelllebigen Geschäft bedeuten, in dem die nächste Mario Barth- oder Seeed-Tournee bis zu 18 Monate und mehr im Voraus angekündigt werden.

In einem später in der „Lingener Tagespost“ erschienenen Gespräch der Vereinsverantwortlichen mit den LT-Redakteuren klingt das nun schon anders. Hier wird argumentiert, dass „[es] Sicherheitsauflagen, für die eine gewisse Personenzahl notwendig ist“ gebe. Wir sehen also zwanglos: Der Grund für die Absage kann auch an anderer Stelle liegen. Oder anders: Das Problem der fehlenden Helfer stellt sich auf einmal ganz anders dar.

Fakt ist, eine Veranstaltung mit der Größe des Abifestivals hat, spätestens seit den Ereignissen von Duisburg vor acht Jahren, andere Auflagen zu erfüllen, als ein Straßenfest in Lingen-Damaschke.

Allerdings ist auch hier ein merkwürdiges Ungleichgewicht zu beobachten. Oder haben Sie etwa beim Kivelingsfest Helfer des Kivelingsvereins gesehen, die Anwohnerstraßen vor dem Zuparken bewachen oder die Zufahrt über gesperrte Ausfallstraßen regeln? Oder gab es jemals beim Lingener Altstadtfest, einer von der städtischen „Lingen Wirtschaft & Tourismus GmbH“ in Einregie organisierten Veranstaltung, ausgeschilderte Notausgänge oder private Sicherheitsdienste, die Streite schlichten und ein Hausrecht ausüben? Werden die Organisatoren des Public Viewings im Emsland-Stadion auch später den Dreck auf den Wegen zum und vom Stadion wegräumen, die anschließend in die Stadt ziehen?

So etwas machen die Helfer vom Abifestival bei ihrer Umsonst-und-draußen-Veranstaltung und müssen es dank städtischer Auflagen machen. Für andere Veranstaltungen undenkbar und nun der wesentliche Grund für das Aus.

Gleichzeitig stellt sich die Frage, warum das alles beim SV Meppen-Profifußball keine Rolle spielt. Hundertschaft um Hunderschaft werden hier eingesetzt. Beim Abifestival, oder auch beim Karnevalsumzug in Bawinkel wird diese „Großzügigkeit“ aber an umfangreiche Bedingungen geknüpft. Oder genauer und ehrlich gesagt: Sie findet nicht statt.

Die von den Machern als Erklärung für ihre Absage ebenfalls erwähnten Sicherheitsauflagen belasten aber noch weiter. Oberbürgermeister Krone hatte noch vor wenigen Wochen – bei unserer Podiumsdiskussion mit Jugendlichen (Altersdurchschnitt: 55 Jahre) im Lingener Lookentor – geradezu stolz darüber berichtet, dass die Stadt das Abifestival großzügig unterstütze. Als Beispiel führte er an, dass die Stadt den Besucher-Zugang zum Festivalgelände nun „schottern“ werde. Die Information, dass das Schottern dieses Zugangs eine neue behördliche Auflage seiner Stadtverwaltung war, ließ er aus. Die Stadt schreibt also den Machern etwas zu tun vor, erledigt dies dann aber „großzügig“ selbst und bezeichnet dies als großartige Unterstützung…

Das gleiche Erstaunen widerfährt den Betrachter bei den Zahlen, die der OB gerne nennt. Denn für das Jahr 2018 wurde der Zuschuss in der Tat um fünf auf 20 tausend Euro erhöht. Das große Dressurfestival erhielt aber zuletzt das Vierfache an städtischen Zuschüssen, rund 80 Tausend Euro. Man erinnert sich immer noch irritiert an die VIP-Freikarten, die es gleichzeitig für die Ratsmitglieder gab…

Der stödtische Zuschuss ist auch keine echte „Hilfe“, weil das Geld, das die Stadt den Abiturienten zur Verfügung stellt, nicht für Werbemaßnahmen oder Bands genutzt werden kann, sondern im Grunde nur dafür ausgegeben werden muss, den Sicherheitsdienst und damit weitere Sicherheitsauflagen der Stadtverwaltung zu bezahlen, die unter dem Eindruck von Duisburg 2010 auferlegt wurden. Noch einmal der Sei5enblick: Der SV Meppen würde bald wieder Bezirksliga spielen, müsste er die Sicherheit seiner Profispiele selbst zahlen.

Es ist auch keine „Hilfe“, sondern schlicht die notwendige Arbeit der Fachbereiche der Stadtverwaltung, den Machern mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Dafür werden die Mitarbeiter*innen im Rathaus bezahlt und ausgebildet. Wir haben in unserer Stadt entschieden, dass wir als Kulturmetropole der Region glänzen wollen. Das geht aber nur, wenn die Verantwortlichen in der Verwaltung ihre Arbeit machen. Das muss man anerkennen, aber nicht gefühlt 20 Mal pro Woche loben. Zu abstrakt? Also ein Beispiel: Es ist so wie das Applaudieren bei der Landung eine Flugzeugs. Kann man machen, aber es ist nun mal der Job der Pilotin sicher zu fliegen und zu landen.

Kommen wir zum letzten Punkt, zum Geld. Auch wenn es aus den Reihen der Macher dazu keine offiziellen Aussagen gibt, so hörte man schon am Jahresanfang, dass es nicht wirklich rund lief. Große, gestandene Lingener Unternehmen mit zig Millionen-Umsätzen haben für 2018 gerade mal den monetären Gegenwert eines modernen E-Bikes zugesagt. Andere hielten sich, trotz wirtschaftlich hervorragender Lage und Fachkräftemangel, ausgerechnet beim Lingener Abifestival vornehm zurück.

Da hilft es nicht, wenn sich angeblich ein Brausehersteller einmalig für eine Werbeaktion am Lingener Bahnhof aufstellt. Es sind die lokalen Sponsoren und Firmen, die kneifen.

Natürlich verwundert nicht, dass auch das Land Niedersachsen und der Landkreis Emsland nichts tun, um das einzige große Traditionsfestival im Westen des Landes zu unterstützen – mir ist jedenfalls nichts dergleichen bekannt.

Fazit: Die vermeintliche Hilfe reicht nicht ansazuweise, um ein Festival dieser Größe zukunftssicher umzusetzen.

Was jetzt durch die Absage angerichtet ist und bleibt: Ein großer Vertrauensverlust bei Agenturen, bei Partnern, bei Sponsoren, bei den Bands aus der Region.

Ich kann nur hoffen, dass das Abifestival aus diesem Loch wieder herausfindet. Große Hilfe kann das Festival leider bei den Verantwortlichen der Stadt hierbei auch weiterhin nicht erwarten, es ist eben nicht wie bei den Handballprofis HSG Nordhorn/Lingen, die bspw. die kommunale EmslandArena für eine geringe, gerade einmal die Reinigungskosten deckende, sagen wir, Anerkennungssumme erhält.

Übrigens: Einer der größten Sponsoren und Förderer unserer lokalen Lingener Vereinslandschaft ist der vorbildliche „BP Matching Fund“, bei dem für jede ehrenamtlich geleistete Stunde eines BP-Mitarbeiters ein festgelegter Geldbetrag an die jeweilige Einrichtung überwiesen wird. Böse Zungen behaupten, dass sich einige Lingener Sportvereine nur durch diesen Fonds über Wasser halten. Warum überlegen wir nicht gemeinsam, ob so etwas sinnvoll wäre, statt immer neuer „10% Ehrenamtskarten“ oder „12,5% Ehrenamts-Rabatte“ in Lingen oder im Emsland und wohlfeiler Reden über „das Ehrenamt“?

 

Stadtkämmerin Monika Schwegmann war Montag in Sitzung unserer BN-Fraktion. Anlass war unsere Einladung nach einem LT-Artikel, in dem es am vergangenen Samstag in der „Lingener Tagespost hieß: „Kitaplätze reichen fast überall“. So formuliert war das keine korrekte Schlagzeile und auch im Text wurde der Leser auf eine falsche Fährt gelockt. Im Mittelpunkt des Berichts stand nämlich die Frage, wieviele zusätzliche Kita-Plätze es deshalb in Lingen geben müsse, weil niedersächsische Eltern zum neuen Schuljahresbeginn  wählen können, ob ihr Kidergartenkind noch ein Jahr weiter die Kita besucht.
Die LT berichtete, dass es aktuell und auch für das anstehende „Kita-Jahr“ deshalb kaum Schwierigkeiten bei der Bereitstellung von ausreichend Kita-Plätzen gäbe. Das berichtete den Mitgliedern der BürgerNahen auch die erst seit dem 1. April für die Kitas zuständige Dezernentin Schwegmann und erläuterte dann, am vergangenen Freitag sei die Anmeldefrist für Eltern abgelaufen. Es fehlten – so eine erste Auswertung-  116 Kita-Plätze in Lingen. Die bis dahin vorgenommenen Anmeldungen bei den verschiedenen Trägern der Lingener Kindertagesstätten müssten aufgrund von Doppel- und Vielfachanmeldungen zunächst mühsam („händisch“) sortiert werden, um tatsächlich zu wissen, wie viele Plätze es braucht bzw. wie viele Anmeldungen wirklich vorlägen. Ein Bewerber hätte gar 19 Anmeldungen für sein Kind vorgenommen. Also statt 8 Plätze der nicht eingeschulten Kinder fehlen zum 1. August viele Plätze: 116 Kinder haben aktuell keinen Kita-Platz.
Das digitale Meldeprogramm „Kitaplaner 2“ werde jetzt bestellt und erst zum nächsten „Kita-Jahr“ 2019/2020 Anwendung finden – was den Anmelde-Prozess vereinfachen und die Übersicht für die Stadt erleichtern werde. Zur bevorstehenden Jugendhilfeausschuss-Sitzung am 17.05. sollen die Zahlen noch einmal aktualisiert und genau vorliegen. Insgesamt 140 neue Plätze wolle man bis zum August schaffen; dann habe man noch „einen kleinen Puffer“. Sie sei auch zuversichtlich das zu leisten, die Hälfte davon in einem neuen Kindergarten im Gebäude der ehemaligen Gebrüder-Grimm-Schule unter der vorläufigen Regie der Maria-Königin-Kirchngemeinde, die neben dem Schulzentrum an der Elsterstraße seit mehr als 40 Jahren einen Kindergarten betreibt. Sie könne aber, so Frau Schwegmann, „Stand heute keine Garantie dafür übernehmen, dafür auch das notwendige Personal vorhalten zu können“- Die Situation ist also alles andere als poblemlos.
 
Und noch dies: BN-Vorstand Bernd Koop berichtete, die von ihm und seiner Frau für das gemeinsame Kind in Aussicht genommene Kita hätte ihn bei der Anmeldung für einen Platz im kommenden Frühjahr auf den Mai vertröstet. Dann sollten sie sich wieder melden.
Warum das? Mir liegt inzwischen die Information vor, dass (wortwörtlich!) „die Stadt bis Anfang Mai weitere Anmeldungen nicht erlaubt hat.“ Mit einem solchen Anmeldeverbot dürfte es für die Stadtverwaltung nicht so schwer sein, die Kita-Plätze „bedarfsgerecht“ zu steuern, wenn die Träger nur so viele Anmeldungen annehmen dürften, wie die Stadt an Plätzen meint, vorhalten zu können..
 
Über dieses Anmeldeverbot -gleichgültig, ob es bestand, oder die Kita-Träger die Erklärungen aus dem Rathaus so verstanden haben- muss im Jugendhilfe-Ausschuss gesprochen werden, um diese Praktik sofort abzuschaffen.
Außerdem zeigt sich, wie falsch es war, den Antrag unserer Fraktion „Die BürgerNahen“ im vergangenen Herbst abzulehnen, in der Innenstadt einen weiteren Kindergarten in der Trägerschaft der lokalen Betriebe und Behörden zu schaffen. Diese Neinsagerei und die damit verbundene Verzögerung um mindestens ein Jahr  auf Kostn der Eltern und Kinder haben vor allem die Ratsmitglieder von CDU und SPD zu vertreten. 

Boule

8. Mai 2018

Zu Zeiten, als Altkanzler nicht zu einer Putin-Vereiidigung nach Moskau sondern zum Urlaub nach Cadenabbia am Comer See fuhren, um dort Boccia zu spielen, war der Sport bundesweit bekannt. Inzwischen wird es hierzulande ein Trend.  Mit „Boule“ (italienisch Boccia) verbinden viele Menschen hierzulande das von den Franzosen auf öffentlichen Plätzen ausgetragene Freizeit-Kugelspiel. Der korrekte Name hierfür sei allerdings Pétanque, weiß Wikipedia. Mit rund 600.000 Lizenz-Spielern in 76 (nationalen) Pétanque-Verbänden ist es die am weitesten verbreitete Kugelsportart.

Auch in Lingen gibt es bereits zwei Verreine, die dem Boule-Sport frönen, den man von jung bis alt und mit Menschen aller Geschlechter gemeinsam spielen kann. Neben dem VfB Lingen, der den Sport auf seiner Anlage am Schwarzen Weg betreibt (siehe Foto), widmet sich der Boule Club Lingen auf einer Anlage an der Halle IV in der Kaiserstraße dem Boule, allerdings eohl nicht wettkampfmäßig.

eine neue Boule-Anlage soll auf einer Fläche nördlich des Altenlingener Hafens entstehen. Das hat den lokalen ASV Altenlingen munter gemacht. Heute Dienstag, den 8.5.2018 um 18 Uhr stellt Manfred Sundag (Leiter der Boule-Abteilunger des FC Schüttorf) das Boulespiel auf der Sportanlage des ASV Altenlingen am Wallkamp vor.

Die ASV-Verantwortlichen bitten um Anmeldungen per E-Mail unter Vorstand(at)asv-altenlingen.de oder telefonisch unter: 0591 831025 an. „Wir freuen uns auf einen spannenden Abend mit einer für uns „neuen Sportart“, heißt es auf der Internetseite des ASV.

Morgenland etc.

7. Mai 2018

Ich darf heute noch nicht über die tiefe Krise schreiben, in die das Lingener Abifestival geraten ist. Das hab ich versprochen und gestern gar zwei Tweets dazu gelöscht. Aber die Situation ist -sechs Wochen vor dem geplanten AF-Wochenende- ausgesprochen ernst – angesichts immer neuer bürokratischer Forderungen aus dem Lingener Rathaus. Allen Beteuerungen zum Trotz haben die dortigen Bürokraten längst das Zepter übernommen und die Abifestival-Gemeinde steht ratlos da.

Also schreib‘ ich heute ersatzweise etwas über das Morgenland-Festival, dessen erfreuliche Neuauflage zeitgleich in Osnabrück ansteht.

Unter www.morgenland-festival.com finden sich seit dem wochenende alle Informationen zu Konzerten und Ticketing. Das Morgenland Festival Osnabrück 2018 verlagert seinen Fokus nach Osten und wird sich der Musik Zentralasiens in verschiedenen Konzerten widmen. Auf den Spuren der Seidenstraße gelangen wir mit der herausragenden Pipa-Spielerin Wu Man und dem Sheng-Virtuosen Wu Wei bis nach China.
Wir freuen uns sehr auf das kasachische Ensemble Khazar, den Lichtkünstler Philipp Geist, auf UlzhanBaibussynova und Raushan Orozbaeva, Nezar Omran und Ingolf Burkhardt, Hogir Göregen, Florian Weber, Homayun Sakhi, SirojiddinJuraev, Salar Nader, MukhtorMuborakqadomov, den DJ Hello Psychaleppo, Salman Gambarov und Bodek Janke, auf das Gurdjieff Ensemble und Hewar, und natürlich auf unsere langjährigen Freunde der Morgenland All Star Band und das Ensemble desMorgenland Campus.
Ein umfangreiches Gastspiel bringt das Festival bereits nächste Woche nach Almaty in die Kasachische Staatsphilharmonie, in das Musikinstrumentenmuseum Almaty und in verschiedene Bars zu Jam-Sessions. Mit der VW Werkshalle 2 wird ein spektakulärer neuer Spielort erkundet, und mit der Elbphilharmonie und dem Holland Festival hat das Morgenland Festival international strahlende Kooperationspartner.
Vorgestern eröffnete bereits die Ausstellung „Hass und Hoffnung. Afghanistan“ – Fotografien von Andy Spyra in der Felix Nussbaum Sammlung.
Die Ausstellung ist eine Koproduktion von Morgenland Festival Osnabrück und Museumsquartier Osnabrück.
Eine große Ehre für die Festivalmacher ist übrigens eine eigene Sendung mit Konzertmitschnitten des Morgenland Festival Osnabrück auf dem internationalen Jazz-TV-Bezahlsender Stingray DJazz, die am 1. Mai begonnen hat.

FAHR RAD!

3. Mai 2018

Die Ausstellung „FAHR RAD! ΙDie Rückerorberung der Stadt“ im Deutschen Architektur Museum Frankfurt veranschaulicht anhand beispielhafter Projekte aus aller Welt wie fahrradgerechte Infrastrukturen Städte für alle lebenswerter machen.

Gut gestaltete öffentliche Räume sind zentrale Aufgaben für Stadtplanung und Landschaftsarchitektur. Als dritter Akteur auf dieser begrenzten Fläche kommt die Verkehrsplanung hinzu. Der Radverkehr spielt in all diesen Bereichen eine zentrale Rolle, er kann der Schlüssel zum Erfolg werden.

Um die Lebensqualität zu erhalten und weiter zu verbessern, braucht es in einer zunehmend dicht bebauten und intensiv genutzten Stadt mehr Raum auf Straßen und Plätzen, mehr Grün- und Freiflächen. FAHR RAD! zeigt, wie eine Stadtentwicklung aussehen kann, die in Zukunft noch mehr Menschen auf das Rad lockt – und wirbt mit Projekten aus aller Welt für diese sanfte Rückeroberung der Stadt. In den Fokus gerückt werden Städte wie Kopenhagen, New York, Karlsruhe und Oslo. Sie zeigen auf, wie der Weg zu einer nachhaltigen und sozialen Stadt auch über die Planungen für eine fahrradgerechte Stadt führen kann.

Die Ausstellung dauert noch bis zum 02. September
Ort: Deutsches Architekturmuseum, Schaumainkai 43, Frankfurt
Einlass: Di, Do bis So 11–18 Uhr, Mi 11–20 Uhr, Mo geschlossen.
Eintritt: 9 EUR, erm. 4,50 EUR
Zur Ausstellung erscheint der Katalog „FAHR RAD! Die Rückeroberung der Stadt“.
Online-Bestellmöglichkeitdes Katalogs im Museumsshop

Sie sollten in diesem Sommer im DAM Frankfurt vorbeischauen, finde ich, und, wenn ein Verantwortlicher aus dem Lingener Rathaus nach Frankfurt fährt, sollte er es vielleicht nicht nur aus diesem Grund sondern vor allem wegen dieser FAHR RAD!-Ausstellung machen. Sie könnte ihm nämlich die Augen öffnen, was dringend gemacht werden muss. Dies wäre nämlich nachhaltig und für unsere Stadt vor allem dann nützlich, nähme er beispielsweise einen Skizzenblock mit. Alles andere, erscheint mir, ist heiße PR-Luft.

Mehr hier in einer Sendung von HR2 mit den Kuratoren der Ausstellung.

)Quellen: DAM, HR2)