Wärme

30. Juni 2022

Um die Energieversorgung zukunftsfest zu machen, muss diese sicher, wirtschaftlich und umweltverträglich gestaltet werden. Das sind zentrale Ziele der Energiewende. Und diese wiederum ist vor allem auch eine Wärmewende. Gestern hatte die Bundesregierung zum sogenannten Wärmepumpen-Gipfel geladen. Denn die Wärmepumpe gilt als Schlüsseltechnologie, um in der Wärmeversorgung auf erneuerbare Energien zu setzen.

Alle Teilnehmer waren sich einig, dass mehr Tempo bei der Transformation der Wärmeversorgung notwendig ist. In Deutschland sollen ab 2024 pro Jahr 500.000 Wärmepumpen neu installiert werden. Auf dieses Ziel einigten sich am Mittwoch Vertreter zahlreicher Verbände mit Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) und Bauministerin Klara Geywitz (SPD).

„Wir brauchen mehr Tempo“, sagte Minister Habeck. „Denn wenn wir uns konsequent aus der Klammer russischer Importe befreien wollen, dann dürfen wir nicht nur an den Stromsektor denken, sondern dann brauchen wir gerade auch den Wärmebereich.“

Der Einbau einer Öl- oder Gasheizung als alleiniges Heizungsgerät wird in Deutschland zum 1. Januar 2025 praktisch verboten (mehr…). Der Grund: Jede neue Heizung muss dann mindestens 65 Prozent erneuerbare Energien einkoppeln. So legt es die Koalitionsvereinbarung der Ampelregierung fest. Ab 2024 soll jede neu eingebaute Heizung zu 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden. Dafür aber würden schnell mehr Wärmepumpen benötigt, sagte Habeck. Ministerin Geywitz betonte, ihr sei wichtig, dass die Wärmwende bezahlbar und planbar sein müsse. „Wärmepumpen müssen sich auch jene leisten können, die mit schmalem Geldbeutel haushalten müssen.“

Die Umweltorganisation WWF begrüßt derweil, dass die Bundesregierung das Thema Wärmewende vorne auf die Agenda setzt. Dies sei gerade mit Blick auf Abhängigkeiten von fossilen Energieträgern und zur Einhaltung der Klimaziele längst überfällig. Wir erwarten ein ambitioniertes Vorgehen der Bundesregierung. Die kommunale Ebene nimmt dabei eine entscheidende Rolle bei der Umsetzung ein.

Letztlich findet die Umsetzung der Energiewende vor Ort statt. Auch die Wärmeplanung wird maßgeblich lokal entschieden. Der WWF Deutschland hat deshalb den Leitfaden kommunale Wärmeplanung – Vor Ort in die fossilfreie Zukunft starten entwickelt. Dieser skizziert den Ablauf der kommunalen Wärmeplanung und stellt zentrale Argumente für die Wärmewende bereit. Denn bei den unvermeidbaren, tiefgreifenden Veränderungsprozessen im Wärmesektor hängt viel vom Handeln der Kommunen ab. Dass die Energiewende vor allem eine Wärmwende ist, zeigt sich daran, dass das Heizen für rund 70% des Endenergieverbrauchs in den Haushalten verantwortlich ist. Weniger als 20 Prozent der beim Heizen verbrauchten Endenergie stammen bislang aus regenerativen Energien.

Dazu sagt Viviane Raddatz, Leiterin Klima- und Energiepolitik beim WWF-Deutschland: „Die kommunale Ebene verfügt wie keine andere politische oder administrative Ebene über so detaillierte Kenntnisse des Gebäudebestands und seines energetischen Zustands, der damit verbundenen Energiebedarfe und der lokalen Probleme und Potenziale. Wesentliche Entscheidungen für die Wärmeplanung fallen vor Ort. Die Städte und Gemeinden hierzulande haben es also in der Hand, in welcher Form und vor allem wann die Wärmewende vor Ort Einzug hält. Der WWF-Leitfaden zeigt, dass die Wärmewende handfeste Vorteile für die Kommunen und ihre Bürger:innen vor Ort mit sich bringt – auch über den Klimaschutz hinaus. Zu nennen sind hier vor allem Planungssicherheit, Kostensenkungen bei eigenen Liegenschaften, Wertschöpfung in der Region und eine bessere Einbindung der Bürger:innen in die kommunale Entscheidungsfindung. Auch die Versorgungssicherheit unabhängig von fossilen Energieträgern ist gerade mit Blick auf den Krieg in der Ukraine zu betonen.“

Der WWF will alle kommunalpolitisch Aktiven bestärken, sich jetzt mit dem hochaktuellen Thema Wärmeplanung zu beschäftigen. „Mit dem Leitfaden möchten wir eine erste Orientierung und Argumente bieten, wie die Kombination von Klimaschutz, energetischer Unabhängigkeit und regionalem Wohlstandserhalt gelingt.“

Apropos kommunalpolitisch Aktive: Gestern tagte auch der Aufsichtsrat der Stadtwerke, der sich im Wesentlichen aus Vertreter der Stadt Lingen und einer RWE-Tochtergesellschaft zusammensetzt. Auch dabei stand die strategische Ausrichtung des maßgeblich kommunale Unternehmens im Mittelpunkt. Denn – wie gesagt- wird es ab 2025 keine klassischen Gasheizungen mehr geben. Daher werden (auch) in Lingen künftig neue Wohngebiete ohne Gasversorgung entwickelt werden; das neue Wohngebiet südlich des Mühlenbachs im Stadtteil Damaschke beispielsweise wird nach diesen Regeln gebaut, wie den Bauinteressenten vor einigen Tagen bei einer Anliegerversammlung erklärt wurde. Wärmepumpen werden kommen. Unsere BN-Stadtratsfraktion ist gespannt, was BN-Fraktionskollege Marc Riße über die künftige Ausrichtung der SWL und deren Geschäftsführung berichten.

 

Nightwash

29. Juni 2022

Nightwash
Stand-up-Comedy
mit Don Clarke, Fee Badenius, Niclas Amling, Der Storb.

Lingen (Ems) – Theater an der Wilhelmshöhe,
Willy-Brandt-Ring 44

Donnerstag, 30. Juni – 20 Uhr
Karten: 26,40 €

NightWash ist die Marke für Stand-up Comedy in Deutschland und wurde 2016 hierfür mit dem Deutschen Comedypreis ausgezeichnet. Mit über 200 Live-Terminen pro Jahr ist NightWash zudem die erfolgreichste Live Comedy-Show im deutschsprachigen Raum. Künstler wie Luke Mockridge, Mario Barth, Carolin Kebekus, Chris Tall oder Faisal Kawusi hatten einen ihrer ersten Auftritte bei NightWash.

NightWash bringt die frischeste Stand-Up Comedy angesagter Comedians und Newcomer, überraschende Showeinlagen gepaart mit dem allerbesten Publikum auf die Bühne. Jede Show ein Unikat auf höchstem Niveau. Hier bleibt garantiert kein Auge trocken! Comedy der Extraklasse!
(Text: Stadt Lingen)

Lola, die 1.

26. Juni 2022

Am vergangenen Freitag hat Annette Focks den Deutschen Filmpreis Lola für die beste deutsche Filmmusik erhalten. Ausgezeichnet wurde die in Lingen aufgewachsene Komponistin für ihre Musik für den Karoline-Herfurth-Film „Wunderschön“. Die Laudatio hielt Maren Kroymann.

Zur Verleihung des Deutschen Filmpreises waren rund 1.700 Menschen eingeladen. Bei der Feier in Berlin waren unter anderen die Schauspielerinnen Heike Makatsch, Anna Loos und Schauspieler Matthias Schweighöfer dabei. Die beiden Präsidenten der deutschen Filmakademie  Alexandra Maria Lara und Florian Gallenberger betonten die Solidarität mit der Ukraine: “Wir feiern heute all das, was in der Ukraine unter Beschuss steht: Die Freiheit, die Vielfalt und den Respekt”. Seit diesem Jahr teilen sich die Schauspielerin und der Regisseur den Chefposten der Deutschen Filmakademie, zuvor war Ulrich Matthes drei Jahre lang Präsident.

Während des Abends wurde mehrfach an den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine erinnert. Wladimir Klitschko schickte eine Videobotschaft. Auch Kulturstaatsministerin Claudia Roth erinnerte an den Krieg und  rief die Filmbranche auf, sich auf ihre Kraft zu besinnen. „Wir brauchen die Kraft der Kunst. Die Kraft der Literatur. Und die Kraft des Films. Nicht, um abzulenken vom Elend der Welt, sondern um ihm etwas entgegenzusetzen.“

„Den Preis für die Filmkomponistin Annette Focks, die für die Musik zur Episodenkomödie „Wunderschön“ ihre erste „Lola“ erhielt, muss man schon allein wegen seiner Überfälligkeit begrüßen.“ (filmdienst.de) Hört gern rein (leider mit Werbeeinblendungen von youtube…):

Spoiler zum Film Wunderschön:
Einem Idealbild nachzueifern kennt fast jeder von uns. Mütter, Töchter, Männer, Alt und Jung stecken im permanenten Optimierungswahn. WUNDERSCHÖN erzählt ihre Geschichten:

Da ist FRAUKE (Martina Gedeck), die sich „kurz vor der 60“ nicht mehr begehrenswert findet, während ihr pensionierter Mann WOLFI (Joachim Król) ohne Arbeit nicht weiß, wohin mit sich. Ihre Tochter JULIE (Emilia Schüle) will als Model endlich den Durchbruch schaffen und versucht verbissen, ihren Körper in das Schönheitsideal der Branche zu pressen. Das verfolgt wiederum Schülerin LEYLA (Dilara Aylin Ziem), die überzeugt ist, mit Julies Aussehen ein besseres Leben führen zu können, und selbst keinen Bezug zu sich findet. Auch Julies Schwägerin SONJA (Karoline Herfurth) hat mit ihrem Körper zu kämpfen, der nach zwei Schwangerschaften zum Ausdruck einer Lebenskrise wird. Ihr Mann MILAN (Friedrich Mücke) hat dabei nicht im Blick, welchen Druck sie sich als junge Mutter auferlegt. Das ist wiederum für Sonjas beste Freundin VICKY (Nora Tschirner) keine große Überraschung, ist sie doch überzeugt davon, dass Frauen und Männer nicht und niemals gleichberechtigt auf Augenhöhe zusammenfinden werden, zumindest nicht in der Liebe. Ihr neuer Kollege FRANZ (Maximilian Brückner) würde sie allerdings gern vom Gegenteil überzeugen.
Mit Nora Tschirner, Martina Gedeck, Emilia Schüle, Dilara Aylin Ziem, Karoline Herfurth, Joachim Król, Friedrich Mücke, Maximilian Brückner, Ben Litwinschuh, Melika Foroutan und Luna Arwen Krüger. WUNDERSCHÖN – ein Film nah am Leben, ehrlich und hoffnungsvoll.

(Quellen: rbb24, Filmdienst.de, Warner Brothers)

Anarchist

26. Juni 2022

Gestern feierten die Lingener Kivelinge ihr 650. Dienstjubiläum. Obwohl der 1372 gegründete Verein stets großen Wert darauf legt, kein Schützenverein zu sein, waren Dutzende von Schützenvereinen eingeladen und zogen nachmittags durch das Lingener Stadtzentrum. Im Gegensatz zu früheren Festen waren aber die Kivelinge selbst ohne ihre Marketenderinnen unterwegs, weshalb sie irgendwie allein gelassen wirkten und was heutzutage verstehen soll, wer will. Bei der Gelegenheit: Lingen wartet seit zwei Jahren noch auf die Kiveling-Ampelmännchen, die als „Geschenk der Kivelinge“ zwei, drei Fußgängerampeln schmücken sollten, aber wohl höheren Behördenorts in fernen Amtsstuben steckengeblieben sind.

Ganz anders ist das in Emden, wo Ottos Ottifanten statt Ampelmännchen zeigen, dass es grün oder rot ist. Apropos Otto Waalkes. Der erhielt in der letzten Woche den Niedersächsischen Staatspreis in der letzten Woche aus der Hand des wahlkämpfenden Ministerpräsidenten Stephan Weil (SPD). Dabei, schreibt die taz, bleibt Otto doch „ein unzähmbarer Anarchist.

Sie werden ihn nicht kriegen. Selbstverständlich macht Otto Waalkes das alles mit, und zuverlässig wird er auch bei der Gala zur Verleihung des Niedersächsischen Staatspreises 2022 dieselben Witze wie eh und je reißen, ein paar von ihnen. Da stellt sich dann wieder die wohlige 1970er-Jahre-Atmosphäre ein, nostalgisch für all die jetzt erwachsenen kleinen Zu­schaue­r*i­nnen von einst, so ein Lagerfeuermoment. Und es wird für alle sehr lustig sein.

Aber am Ende bleibt Otto Waalkes dann doch ein Anarchist, den man mit dem Staatspreis eher einfangen will, als ihn zu ehren. Aber das wird höchstens der Tendenz nach gelingen, nicht ganz. Da bleibt noch etwas Lauerndes, Ungebärdiges, Infantiles: Helmut Schmidt (SPD) forderte noch, dass Otto für einen grandiosen Papstwitz Abbitte tue.

Es ging darum, dass dieser sich durch Suizid beruflich verbessern könne, was die Tat rechtfertigen würde. Aber er hat keine Reue gezeigt, damals nicht, und sich letztlich so die Möglichkeit geschaffen, sich noch im spießigsten Ambiente daneben zu benehmen, ohne sich dafür zu entschuldigen.

Klar ist das Teil eines Images. Er befriedigt die…“

[weiter bei der taz]

Reihe Junge Virtuosen
Eyal Ein-Habar (Flöte) & Gwyneth Wentink (Harfe)
Sonntag, 26. Juni 2022 – 18 Uhr
Lingen (Ems) – Kunst-/Halle IV, Kaiserstraße 10a
Karten: 20 Euro, ermäßigt 15 euro
Schüler*innen und Dozent*innen der Musikschule des Emslandes: Eintritt frei

Eyal Ein-Habar, Professor an der Musikhochschule Münster, und Gwyneth Wentink, Professorin am Codarts in Rotterdam, präsentieren am Sonntag, 26. Juni 2022 um 18 Uhr ein intimes „französisches“ Programm vom Impressionismus bis zum Tango Nuevo Astor Piazzollas, der als Student bei Nadia Boulanger in Paris den Tango seiner argentinischen Heimat als Quelle seiner ureigenen Musiksprache entdeckte – und revolutionierte.

Keinem Ismus zuordnen lässt sich Jean Cras. Der renommierte Komponist, der als Nautiker bei der Marine im Kolonialreich Frankreich die Welt bereiste, bemerkte einmal: „Der Endzweck eines Kunstwerks ist nicht, auf unsere Sinne zu wirken, sondern, indem es auf sie wirkt, in unsere Seele den Reflex jenes Strahls aus dem Jenseits zu senken, der den Geist des Komponisten traf.“

Alexandrinus manillensis

23. Juni 2022

Mir bisher nicht wirklich aufgefallen, aber Potsdam Lingen ist auch keine echte Großstadt. Woanders aber richten sich in Deutschland wohl immer mehr Papagei-Arten in freier Wild-, oder besser freier Stadtbahn ein. Und ich mag die Idee der bunten Vögel in der eher grauen Bundesrepublik. Vielleicht gucke ich jetzt auch mal bewusster nach oben, um hier auch welche zu entdecken. Oder kennt jemand den Bestand in unserem Städtchen?

Grüne und gelbe Papageien haben in vielen Großstädten Deutschlands Einzug gehalten. Halsbandsittiche (Alexandrinus manillensis) leben in Düsseldorf mitten in der Stadt. Ein Baum nahe der noblen Königsallee dient den Tieren als Nachtlager. In Köln an der Rheinpromenade werden die Tiere von Touristen bestaunt – entlang des Flusses gen Süden haben sie optimale Lebensbedingungen gefunden. Auch in Heidelberg nächtigen etwa tausend der Vögel nahe dem Hauptbahnhof in Bäumen.

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Text: Ronny Knaak, Das_kfmw; Foto: Halsbandsittich – Bild von Miroslaw Kolaczynski auf Pixabay

Kein Beschluss

22. Juni 2022

Die „Umbenennung der Bernd Rosemeyer-Straße “ war gestern der zentrale Punkt der Sitzung des Kulturausschusses der Stadt Lingen (Ems). Der neue Vorsitzende des Forum Juden-Christen Altkreis Lingen e.V., Simon Göhler, hatte dazu im Vorfeld erklärt: „Seit langem tritt das Forum für eine Umbenennung dieser Straße ein. Diese Benennung durch die Nazis 1938 ist eine Ehrung, die dem SS- Hauptsturmführer Rosemeyer als Propagandisten des NS-Regimes in der Demokratie nicht zusteht.“

Göhler verwies auf einen Vorstandsbeschluss des Forum, demzufolge der in der Erinnerungs- und Antirassismusarbeit tätige Verein für die Umbenennung der „Bernd-Rosemeyer-Straße“ in „Fredy-Markreich-Straße“ eintritt. Damit solle anstelle der Ehrung eines Täter-Repräsentanten ein Vertreter der Opfer des Naziterrors geehrt wer­den.

Das Forum setze sich Göhler zufolge im Vorfeld der entscheidenden Ratssitzung am 6. Juli weiter für die Abkehr der Ehrung für einen SS-Offizier ein.

Zur Erinnerung: Vor der Kommunalwahl 2021 hatte die FDP den Antrag gestellt, die Anfang 1939 vom damaligen NS-Bürgermeister Plesse nach dem Führerprinzip beschlossene Umbenennung der Lingener Bahnhofstraße nach dem SS-Offizier Bernd Rosemeyer rückgängig zu machen und künftig nach dem Kaufmann Fredy Markreich zu benennen. Der Lingener Jude Fredy Markreich (Foto) konnte nach brutaler Erniedrigung und Entrechtung nach der Reichspogromnacht mit wochenlanger Haft im KZ Buchenwald zwar in das westafrikanische Liberia flüchten; der Kaufmann starb dort aber nach wenigen Jahren „an einer Seuche“.

Soweit so klar und so nachvollziehbar. Gestern aber setzte die in der Frage offenbar zerstrittene CDU-Fraktion eine Novität durch: Der städtische Kulturausschuss lehnte eine Beschlussfassung ab. Stadtarchivar Dr. Mirko Crabus durfte noch die Biografien von Opfer Markreich und Täter Rosemeyer darstellen; zuvor aber hatte die CDU die anstehende Beschlussfassung zu dem seit Jahren vorbereiteten Thema in einer ausufernden Geschäftsordnungsdebatte strikt abgelehnt.

Bemerkenswert: Der Vorsitzende der SPD-Ratsfraktion Andreas Kröger stimmte dem CDU-Vorstoß zu und Peter Altmeppen, der die Antrag stellende FDP-Fraktion vertrat, enthielt sich bei dem Geschäftsordnungsantrag der CDU, im Kulturausschuss über die Umbenennung besser nicht zu beschließen. Eine entsprechenden Beschluss stufte die Ausschussvorsitzende Irene Vehring (CDU) dabei übrigens tatsächlich als „arrogant“ ein; man müsse, sagte sie, den Mitgliedern des Rates der Stadt die Gelegenheit geben, nach dem eigenen Gewissen abzustimmen.

Grüne-Ratsfrau Martina Pellny erwiderte, dass dagegen niemand etwas habe, es aber die Pflicht des Ausschusses sei, in der Sache klar Position zu beziehen und abzustimmen. Dann stimme der Rat ab. Für einen Beschluss votierten dann aber mit ihr und Claudia Meinert von den Grünen nur Jens-Uwe Schütte (SPD) sowie der Betreiber dieses kleinen Blogs – also nur vier Ausschussmitglieder. Der FDP-Mann -seine Partei bildet mit der CDU eine sog. Gruppe im Stadtrat- wollte offenbar auch kein Votum über seinen Antrag und enthielt sich;  mit dem irrlichternden Andreas Kröger (SPD) lehnten alle sieben CDU-Vertreter Irene Vehring, Jürgen Herbrüggen, Stefan Heskamp, Florian Niemeyer, Björn Roth, Ulrike Schulte und Manfred Schonhoff eine Beschlussfassung ab – wie gesagt eine Novität, die es in dem Gremium seit Gründung der Bundesrepublik nicht gegeben hat. Man könnte auch sagen: Sie zeigten sich gleichermaßen feige und geschichtslos. Auf die Abstimmung a 6. Juli und darauf, was die CDU sich dazu einfallen lässt, bin ich gespannt. Gemunkelt wurde gestern von einer geheimen Abstimmung.

Spoiler:
Dass die CDU überhaupt trotz ihres Verlustes der absoluten Mehrheitbei der Kommunalwahl im vergangenen September  sieben (von 13) Mitglieder/n im Kulturausschuss stellt, liegt daran, dass fünf Wochen nach der niedersächsischen Kommunalwahl die große Koalition von SPD und CDU im niedersächsischen Landtag ein anderes Auszählverfahren bei der Ausschussbesetzung durchsetzte, das große Ratsfraktionen über Gebühr bevorzugt. Daran darf man sich heute erinnern und für den Tag der Landtagswahl Niedersachsen am 9. Oktober schon mal notieren…

 

Zusammen mit dem ADFC und der Buchhandlung Holzberg hat unsere BN-Stadtratsfraktion am vergangenen Dienstag Katja Diehl zu einer Lesung in das Rathaus eingeladen. Die in Lingen aufgewachsene Autorin las aus ihrem Buch „Autokorrektur“, das es auf die SPIEGEL-Bestsellerliste geschafft hat. Die muntere Diskussion moderierte professionell der für RBB und MDR tätige Journalist Mario Köhne (Berlin), den sehr viele noch aus seiner Zeit bei der Ems-Vechte-Welle kennen.

Trotz des schönen Sommerabends waren mehr als 70 Interessierte zur Autokorrektur-Lesung gekommen, darunter übrigens auch die aufmerksam zuhörende Spitze der Lingener CDU. Fun Fact: Während der 90minütigen Veranstaltung tagten gleichzeitig die Stadtrats-Grünen im Sitzungszimmer direkt nebenan, ohne sich allerdings blicken zu lassen. Während die Lingener Tagespost gar nicht berichtete, ordnete Emstv die Lesung  von Katja Diehl in einem -durch Klick auf das Foto abzurufenden- Beitrag ein, vermied es dabei allerdings, die Organisatoren des Abends zu nennen.

(Quelle: Bn_lingen.de)

D15

19. Juni 2022

GESTERN
ERÖFFNETE DIE DOCUMENTA FIFTEEN:

Am gestrigen Samstag startete die documenta fifteen in Kassel. Von 10 bis 20 Uhr waren die zahlreichen Ausstellungsorte in Kassel-Mitte, Fulda, Nordstadt und Bettenhausen geöffnet. Zuvor hatte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Kunstausstellung eröffnet. Er unterstrich dabei die Bedeutung der Kunstfreiheit, machte aber auch deutlich, dass das Existenzrecht Israels nicht Gegenstand dieser Kunstfreiheit sein kann und kritisierte, dass ruangrupa aus Indonesien, die Kuratoren der Ausstellung, keine jüdischen Künstschaffenden aus Israel eingeladen haben. Allerdings sei die Ausstellung nicht antisemitisch, schreibt die FAS, die dafür der Documenta-Direktion katastrophales Krisenmanagement vorwirft:

„Journalisten wurde von der Documenta-Leitung allen Ernstes untersagt, den Kuratoren Fragen zum BDS und Israel zu stellen. Antworten wurden verweigert mit dem Verweis auf die zu hohe Komplexität des Themas, das bei einem Kongress mit dem Titel ‚We need to talk‘ in Berlin verhandelt werden sollte. Der wurde dann aber abgesagt. Dafür fand wenig später eine Tagung zum Holocaust und der Neuen Rechten statt, bei dem die problematische Haltung der alten Linken zu Israel ausdrücklich nicht das Thema war. Schon davor hatte Documenta-Generaldirektorin [Sabine] Schormann sich schützend vor den BDS gestellt … Während von Ruangrupa tatsächlich keine einzige antisemitische Bemerkung zu hören war, muss man sich fragen, was von einer Generaldirektorin zu halten ist, die Antisemitismus als Nebenprodukt der ‚vielfältigen‘ Ausprägungen von Kunst- und Meinungsfreiheit abhakt, aber bei Diskussionen den Zentralrat der Juden lieber nicht dabeihaben will.“ (FAS)

Man hätte übrigens auch gern gewusst, was VW als Sponsor auf einer Kunstschau zu suchen hat, die die westliche Ausbeutung kritisiert.

Im Anschluss besuchten Tausende die Eröffnungspartys der Ausstellung mit Bühne auch auf dem Friedrichsplatz. Parallel dazu luden zahlreiche Events in der Stadt zum Flanieren und Erkunden ein. Über das detaillierte Programm zur Eröffnungswoche informiert ein separater Veranstaltungsnewsletter sowie der Kalender der documenta fifteen.

documenta fifteen? Nun, Kassel erlebt die fünfzehnte Ausgabe der 1955 gegründeten documenta, die als weltweit bedeutendste Reihe von Ausstellungen für zeitgenössische Kunst gilt. Sie dauert 100 Tage, nämlich vom 18. Juni bis zum 25. September 2022, und findet an 32 Standorten in Kassel statt. Das Kollektiv ruangrupa hat damit eine prall gefüllte Documenta fifteen zusammengestellt.“Eine Woche in Kassel würde, so Stefan Trinks in der FAZ, nicht ausreichen, um alles zu entdecken. „Zu den vertrauten Austragungsorten Fridericianum, Documenta-Halle, Naturkundemuseum und Karlsaue kommen diesmal etliche bislang unentdeckte Orte wie das prächtige Gloria-Kino von 1954 … oder ein Bauhaus-Bad hinzu. Klar ist, dass Ruangrupa diese Erweiterung in die Außenbezirke politisch verstanden wissen will: Der alte Kampf zwischen reichem, zumindest repräsentativem Zentrum und abgehängter Peripherie wird durch diese Ausweitung der Kampfzone allein schon durch die Anfahrt über trostlose Straßenschneisen plausibel.“

Wie alljährlich wird auch der Kulturausschuss unserer Stadt die Weltausstellung aktueller Kunst besuchen. Wann ist noch geheim und wird erst in der kommunalen Kulturausschusssitzung am kommenden Dienstag, 21. Juni bekannt gegeben. Das ist also so ein bisschen wie Geschenke zu Weihnachten auszupacken. Aber im Vertrauen- man fährt am Donnerstag, den 25. August, auch um diese Werke anzuschauen.  Gleichzeitig erfährt der Ausschuss übrigens auch, wer künftig das Kulturamt („Fachdienst Kultur“)  übernimmt. Die Entscheidung wurde im Gegensatz zur Besetzung des Amtes mit dem im Herbst scheidenden Rudolf Kruse vor knapp 25 Jahren nämlich völlig an dem Gremium und seiner Fachkunde vorbei getroffen – nicht-öffentlich im Verwaltungsausschuss.

Scholle ist tot

18. Juni 2022