Grenzüberschreitend

28. Juni 2018

Das neue, grenzüberschreitende Projekt taNDem des INTERREG A Projekts „Kunstverbinding – Kunstverbindung“ findet im Jahr 2018 erstmalig statt und soll auch in den zwei folgenden Jahren durchgeführt werden. Das Kunstprojekt soll Künstler aus den Grenzregionen Nordrhein-Westfalen, Niedersachen, Gelderland und Overijssel zusammenführen und dazu beitragen, ein nachhaltiges deutsch-niederländisches Künstlernetzwerk aufzubauen.

Jedes Jahr soll ein Barcamp stattfinden, in dem sich niederländische und deutsche Künstler zusammenfinden, um Tandems zu bilden und gemeinsame Projekte zu entwickeln. Johan Godschalk von Cultuurmij Oost und Andre Sebastian vom Münsterland e.V. bilden das Tandem der inhaltlichen Projektleitung. Godschalk sieht in der Kunst und der Kultur „perfekte Brückenbauer, um Menschen über die Grenze hinweg miteinander zu verbinden“.

Das erste grenzüberschreitende Kunst- und Kulturbarcamp fand im vergangenen April im Kloster Bentlage in Rheine statt. Ungefähr 130 deutsche und niederländische Künstler haben teilgenommen, um mögliche Projektpartner aus dem Nachbarland zu finden und Tandems bilden zu können. Bei einem Barcamp gestalten die Teilnehmer das Programm selbst, es sei eine neue Art der Begegnung, so Andre Sebastian. Lediglich das Thema und der Veranstaltungsort seien von den Organisatoren festgelegt worden. Während des Barcamps fanden mehrere Sessions statt, bei denen die Teilnehmer Projektideen präsentieren oder zur Diskussion stellen konnten.

Die Überschrift des diesjährigen Themas lautet „Sehnsuchtsort Heimat – Wo fühle ich mich zuhause?“. Mögliche Themengebiete sind hierbei Migration und Flucht, doch die Künstler können selbst entscheiden, ob sie diese Themenideen aufgreifen möchten, oder sich einem anderen Aspekt des Themas Heimat widmen möchten. Im Jahr 2019 soll das Projekt unter dem Motto „Energie“ durchgeführt werden, im Jahr 2020  wird das Thema „Paradies“ lauten.

Nach dem Barcamp konnten die Künstler auf der Homepage des Projektes einen Projektantrag stellen. Hierbei mussten das Tandem festgelegt und die Projektidee beschrieben werden. Auch Künstler, die nicht am Barcamp teilgenommen hatten, konnten einen Projektantrag stellen. Die Tandems können eine maximale Förderung von 15.000 Euro für ihr Projekt erhalten. 36 Projektanträge wurden bis zur Deadline im Mai eingereicht. Am 13. Juni hat eine unabhängige Expertengruppe getagt und 15 Projekte ausgewählt, die eine Förderung erhalten. Zu den ausgewählten Projekten gehören ein Literatur-Karaoke-Taxi, Klangkunst jenseits der Grenze sowie Straßeninterviews und Workshops, die zu „Heimatfilmen“ verdichtet werden und eine multimediale Aufführung einer „Regionsoper“.

Weitere Informationen finden Sie unter www.tandemkunst.eu.
An dem Projekt taNDem beteiligen sich die EUREGIO, Cultuurmij Oost, Münsterland e.V., Emsländische Landschaft e.V., die Stadt Osnabrück, der Landkreis Osnabrück und die Provinzen Gelderland und Overijssel.

 

Quelle: NiederlandeNet.

Morgenland etc.

7. Mai 2018

Ich darf heute noch nicht über die tiefe Krise schreiben, in die das Lingener Abifestival geraten ist. Das hab ich versprochen und gestern gar zwei Tweets dazu gelöscht. Aber die Situation ist -sechs Wochen vor dem geplanten AF-Wochenende- ausgesprochen ernst – angesichts immer neuer bürokratischer Forderungen aus dem Lingener Rathaus. Allen Beteuerungen zum Trotz haben die dortigen Bürokraten längst das Zepter übernommen und die Abifestival-Gemeinde steht ratlos da.

Also schreib‘ ich heute ersatzweise etwas über das Morgenland-Festival, dessen erfreuliche Neuauflage zeitgleich in Osnabrück ansteht.

Unter www.morgenland-festival.com finden sich seit dem wochenende alle Informationen zu Konzerten und Ticketing. Das Morgenland Festival Osnabrück 2018 verlagert seinen Fokus nach Osten und wird sich der Musik Zentralasiens in verschiedenen Konzerten widmen. Auf den Spuren der Seidenstraße gelangen wir mit der herausragenden Pipa-Spielerin Wu Man und dem Sheng-Virtuosen Wu Wei bis nach China.
Wir freuen uns sehr auf das kasachische Ensemble Khazar, den Lichtkünstler Philipp Geist, auf UlzhanBaibussynova und Raushan Orozbaeva, Nezar Omran und Ingolf Burkhardt, Hogir Göregen, Florian Weber, Homayun Sakhi, SirojiddinJuraev, Salar Nader, MukhtorMuborakqadomov, den DJ Hello Psychaleppo, Salman Gambarov und Bodek Janke, auf das Gurdjieff Ensemble und Hewar, und natürlich auf unsere langjährigen Freunde der Morgenland All Star Band und das Ensemble desMorgenland Campus.
Ein umfangreiches Gastspiel bringt das Festival bereits nächste Woche nach Almaty in die Kasachische Staatsphilharmonie, in das Musikinstrumentenmuseum Almaty und in verschiedene Bars zu Jam-Sessions. Mit der VW Werkshalle 2 wird ein spektakulärer neuer Spielort erkundet, und mit der Elbphilharmonie und dem Holland Festival hat das Morgenland Festival international strahlende Kooperationspartner.
Vorgestern eröffnete bereits die Ausstellung „Hass und Hoffnung. Afghanistan“ – Fotografien von Andy Spyra in der Felix Nussbaum Sammlung.
Die Ausstellung ist eine Koproduktion von Morgenland Festival Osnabrück und Museumsquartier Osnabrück.
Eine große Ehre für die Festivalmacher ist übrigens eine eigene Sendung mit Konzertmitschnitten des Morgenland Festival Osnabrück auf dem internationalen Jazz-TV-Bezahlsender Stingray DJazz, die am 1. Mai begonnen hat.

rechtsabbiegende

28. Dezember 2017

Osnabrück im Oktober 2017: Eine 71-jährige Radfahrerin wird an der Kreuzung Lengericher Landstraße/An der Blankenburg von einem rechtsabbiegenden LKW getötet.
Osnabrück, im Oktober 2016: Eine 59-jährige Radfahrerin wird am Goethering von einem rechtsabbiegenden LKW getötet.

Osnabrück, im Oktober 2015: Ein 21-jähriger Radfahrer wird an der Ecke Springmannskamp/Natruper Straße von einem rechtsabbiegenden LKW getötet.
Osnabrück, im Oktober 2014: Ein 47-jähriger Radfahrer wird an der Kreuzung Johannistorwall/Kommenderiestraße von einem rechtsabbiegenden LKW getötet.

Daniel Doerk, Osnabrücker Radfahr-Aktivist, findet auf seinem Blog it started with a fight, der alle Unfälle listet, das richtige Wort dafür: „Eine Tragödie!“. In seinem Blog beschreibt Doerk, was er von der neuen Idee hält, Lkw in der Osnabrücker Innenstadt das Rechtsabbiegen zu verbieten:

„Nachdem in den letzten Jahren mehrere Radfahrer in Osnabrück (Wappen lks) von rechtsabbiegenden LKW getötet wurden, denkt die Stadt nun über ein Rechtsabbiegeverbot auf dem Wall nach, der die Innenstadt als Ring umschließt. Hier kam es zu drei tödlichen Unfällen und immer wieder zu gefährlichen Situationen. Die taz berichtet heute online. Ist ein Rechtsabbiegeverbot also die Lösung?

Kurzfristig und in einem Verkehrssystem, in dem man möglichst wenig an den herrschenden Umständen ändern will, wäre es sicher eine Lösung, wenn diese Abbiegesituationen zwischen LKW und Radfahrer nicht mehr entstünden. Insgesamt sehe ich hier aber wieder mal ein Werkeln an Symptomen, statt eine Lösung des Problems. Denn Osnabrück hat viel mehr Kreuzungen als die wenigen am Wall. Und auch an anderen Stellen gab es schon tödliche Unfälle mit LKW- und Radfahrerbeteiligung.

Ein LKW-Rechtsabbiegeverbot zeigt nur, dass der politische Wille für echte, für moderne Veränderungen in der Stadt fehlt.

Wäre der politische Wille für eine Neuordnung des städtischen Verkehrs da, für eine Flächengerechtigkeit zwischen den Verkehrsarten, dann würde man breite und geschützte Radwege (nicht nur) rund um den Wall anlegen. Und an den Kreuzungen kämen dann getrennte Ampelschaltungen zum Einsatz, wie sie an der Kreuzung Wall/Kommenderiestraße nach drei tödlichen Unfällen endlich eingerichtet wurde.

Zur Neuordnung des Verkehrs gehört dann aber auch, den Schwerlastverkehr (in Osnabrück) überhaupt zu reduzieren. Dafür müsste man die hier ansässigen Speditionen zu den nächstgelegenen Autobahnauffahrten leiten (eine Selbstverpflichtung gibt es bereits), den überregionalen Verkehr aus der Stadt heraushalten, ihn nicht durch die Stadt leiten, wenn auf den Autobahnen Stau ist und den Lieferverkehr soweit wie möglich mit kleineren Fahrzeugen abwickeln.

Der Wirtschaftsverkehr kann laut Bundesverkehrsministerium zu 25 Prozent mit Lastenrädern bestritten werden. Ich stelle mir dafür Umschlagplätze an den Autobahnen vor, die mit großen LKW beliefert werden. Von dort schwärmen dann kleinere Fahrzeuge aus und beliefern die Stadt. Das wäre eine Aufgabe für die Stadt von Morgen, die aber heute schon gedacht und eingeleitet werden muss. Und zum Beispiel in Gent bereits gelebt wird.

Das Problem ist komplex und leider nicht einfach mal eben so zu lösen. Aber es gibt Ansätze, die helfen können. Dass diese Ansätze Veränderungen bedeuten, scheint mir in Osnabrück das größte Problem zu sein. Veränderungen steht man hier sehr skeptisch gegenüber. Sehr oft heißt es, ‚Das funktionier hier nicht‘ oder ‚Man kann Osnabrück nicht mit XY vergleichen`. Ich denke, man hat sich in dem (Verkehrs-)System hier ganz gut eingerichtet und möchte möglichst wenig verändern. Da aber sowohl Radverkehr als auch Warenverkehr stetig zunehmen und das LKW-Problem dadurch eher noch größer wird, sind echte Veränderungen unumgänglich.“

Die Alternative? Es gibt sie längst in fortschrittlichen Städten wie Gent, Freiburg oder Hamburg:

Seit April 2017 ist die belgische Stadt Gent für alle PKW und LKW nur noch morgens bis 11 Uhr zugänglich. Danach dürfen nur zwei Firmen in die Stadt: „Bubble Post“ für kleine Lieferungen und „City Depot“ für große. Die Fahrer verteilen die Pakete mit zum Teil exotischen elektrischen Fahrzeugen wie dem „Stint“. „Zu Beginn waren viele Bürger natürlich skeptisch, dass wir den Verkehr so einschränken, mittlerweile sind die allermeisten jedoch positiv überrascht“, berichtet Hannelore Bonami von der Stadt Gent. Dort hat man den großen Wurf gewagt: wenige, neue Fahrzeuge, zentrale Paketdepots, Mehrfachlieferungen vermeiden.

Und auch in Deutschland experimentiert man mit Ansätzen wie diesen. Die vier Jungentwickler von „Carla Cargo“ etwa setzen in Freiburg auf ein altbewährtes Konzept im modernen Gewand: Ihre Fahrradanhänger können – dank elektrischer Unterstützung – bis zu 150 Kilogramm transportieren und selbst engste Gassen in der historischen Altstadt befahren. „Immer wenn wir einen unserer Anhänger sehen, wissen wir, dass ein Auto weniger unterwegs ist – das ist ein gutes Gefühl“, sagt Marcus Bergmann der Gründer von „Carla Cargo“.Hamburg stellt aktuell an mehreren Standorten sogenannte „Mikrodepots“ auf: Von dort aus werden die Pakete mit Lastenrädern und Sackkarren ausgeliefert. Viele Wege, die aus dem Lieferwahnsinn herausführen können.

This sucks

6. August 2017

Stillen in der Öffentlichkeit scheint immer noch ein heikles  Thema zu sein. Laut einer Studie steht jeder Vierte dem Stillen im öffentlichen Raum zwiespältig oder ablehnend gegenüber. Jon Lawton kann die Bedenken nicht nachvollziehen. Im Kurzfilm „This sucks“ stellt der Regisseurklar, dass Erwachsene beim Essen eigentlich viel unappetitlicher aussehen als Babies.

Allein der Titel des Spots „This sucks“ ist ein Statement. Aber auch die Bilder, die der Spot anlässlich der Weltstillwoche (1. bis 7. August) zeigt, überzeugen. Wir sehen eine stolze Mutter, die ihr Baby stillt. Abwechselnd dazu werden in Zeitlupe Menschen eingeblendet, die geradezu wüst eine fettige Speise verzehren – vom dick belegten Hot Dog bis zum Burger. Der Spot spricht für sich. Die deutsche Übersetzung der US-Webseite übrigens nicht; sie ist -wohl automatisch generiert- eher peinlich.

Nun, ich erinnere mich lächelnd an einen bisweilen seltsam-sonderlich agierenden Lingener Advokaten, der vor etwas mehr als 30 Jahren mit harschen und kleinbürgerlichen Schriftsätzen meinte, den Landgerichtspräsidenten in Osnabrück bemühen zu müssen, als eine Mutter ihrem Neugeborenes im damaligen Sitzungssaal 31 kurzerhand die Brust gab. Er fiel mit seiner Protestnote auf die Nase, und das war gut so.

DIXIE IN THE STREETS

21. Juli 2017

Osnabrücker Samstag:
DIXIE IN THE STREETS
Osnabrück – Innenstadt
Samstag, 22. Juli ab 11 Uhr
Eintritt: frei
Dixieland in Osnabrück –  rund um den Wochenmarkt und in der Altstadt.

Ab 11:00 Uhr geht es mit einem besonderen Kulturprogramm in der Osnabrücker Altstadt beschwingt und fröhlich durch den Osnabrücker Samstag. Begleitet von einem tollen Groove lädt das Motto „Dixie in the Streets“ zum samstäglichen Stadtbummel.

Das Musikgenre Dixieland hat seine Wurzeln in New Orleans im Süden der USA und lässt kein Bein ruhig stehen. Die musikalische Begleitung, die sich über die gesamte Altstadt verteilt, bringt mit lokalen und regionalen Größen Schwung ins entspannte Flanieren.

Auf dem Domvorplatz spielen die „Hot Jazz Daddies“ im mittlerweile 15. Bandjahr klassischen Oldtime Jazz. Der Wochenmarkt am Dom ist nur einen Steinwurf entfernt.

Am Rathausplatz und in der Krahnstraße wird die Gruppe „Sidewalk“ ihr Publikum mobil begeistern, während das Programm durch das Bremer „Hot Jazz Trio“ abgerundet wird, das den Platz vor dem Kulturhaus am Heger Tor bespielt.  (Quelle: PM)

Morgenland Festival

16. Juni 2017


Heute beginnt in Osnabrück das Morgenland Festival 2017. Die 10-tägigie Veranstaltung  legt ihren Schwerpunkt auf die Musik des Libanon – früher gepriesen als „Schweiz des Nahen Ostens“, zauberhaft gelegen am Mittelmeer. Ein Land mit schmerzhafter Geschichte, mit dem vielleicht besten Essen der Welt – und einer spannenden Musikszene!

Das Nachbarland Syriens beherbergt zur Zeit über eine Million Flüchtlinge aus Syrien, bei einer eigenen Einwohnerzahl von unter 5 Millionen. Wie verkraftet es ein Land, fast ein Viertel seiner eigenen Einwohnerzahl als Flüchtlinge aufzunehmen? Wie schlägt sich diese Ausnahmesituation im kulturellen Leben nieder? Etliche Musiker aus Syrien leben zurzeit in Beirut und haben das dortige Musikleben mit geprägt. Die Straße von Beirut nach Damaskus ist gerade einmal 102 km lang. Diese Straße hat ungezählte Menschen in beide Richtungen fliehen – und wieder heimkehren – sehen. ‚Tarik el Sham‘ – Die Straße nach Damaskus – ist eine der Eigenproduktionen des Festivals.

Layale Chaker und ihr Ensemble lassen in ihrem Projekt ‚Mkhammas‘ das Libanon der 50er Jahre wieder aufleben. Die Sänger Rima Khcheich und Rabih Lahoud präsentieren sich mit fantastischen Ensembles und Solisten, und sogar die Kirchenorgel an St. Marien kommt erstmals zum Einsatz. Der Projektchor ‚Salam Syria‘, eine Koproduktion von Elbphilharmonie und Morgenland Festival freut sich auf seinen ersten Auftritt in der „Friedensstadt“  Osnabrück.

Renaud García-Fons und Derya Türkan präsentieren zwei denkbar unterschiedliche Streichinstrumente in perfektem Zusammenspiel und Saleem Ashkar beendet sein fulminantes Beethoven-Projekt. Mit den Ensembles Hewar und Capella de la Torre kommen alte Freunde nach Osnabrück und mit 47Soul (Foto links) eine der spannendsten arabischen Bands unserer Zeit. Nicht fehlen darf der libanesische Ausnahme-Perkussionist Rony Barrak, seit Beginn des Festivals 2005 unser musikalischer Begleiter. Dieses Jahr gastiert er mit dem libanesischen Oudspieler Elie Khoury und unterrichtet junge Musiker im ‚Morgenland Campus‘.

Aber nicht nur in Osnabrück können sie das Morgenland Festival erleben. Der Osnabrücker Jugendchor, die Morgenland All Star Band und DJ Ipek konzertieren in Beirut und Tripoli und arbeiten mit libanesischen Musikern zusammen.

Hier das Programm und hier geht’s zu den Tickets.


 

Das Morgenland Festival widmet sich seit 2005 unter der Leitung von Michael Dreyer der Musikkultur des Vorderen Orients. Seitdem hat das Festival in Osnabrück, Amsterdam, Berlin aber auch im Iran, Irak, in Syrien, Jordanien und in der Türkei begeistert. 2013 brachte das Morgenland Festival 65 Musiker aus neun Ländern zu einem mehrtätigen Gastspiel nach Kurdistan/Irak. Der erste Auftritt eines westlichen Symphonieorchesters in Iran nach 1979 oder die Iran-Premiere der Bach’schen Johannes-Passion waren weitere Höhepunkte in der Geschichte des Festivals.
Im März 2017 kuratierte Michael Dreyer mit Salām Syria ein dreitägiges Programm mit zahlreichen Künstlern des Morgenland Festivals in der Elbphilharmonie, das für stehende Ovationen sorgte. Im Jahr 2009 wurde Dreyer für das Morgenland Festival Osnabrück mit dem Internationalen Musikfriedenspreis im Rahmen des Praetorius Musikpreises ausgezeichnet.

tut uns leid.

27. April 2017

Seit gestern Abend macht das European Media Art Festival (EMAF) in Osnabrück  bei seiner 30. Ausgabe die Reizüberflutung der Medien zum Thema. Die Veranstaltung wurde in der Osnabrücker „Lagerhalle“ eröffnet.

Im Foyer begrüßt seither ein Maschinenwesen das Publikum. „The Reader“ heißt die Skulptur des in London lebenden Künstlers Stanza, einem Pionier der Medienkunst. Die Figur wurde mit einem 3-D-Scan Stanza selbst nachempfunden. Jetzt steht sie da: im Hoodie und den Kopf über ein Buch gebeugt, während Wörter und Satzfetzen auf die über 100 Displays ihres Körpers laufen.

Einen Sinn ergeben die Sprachfetzen nicht. Zwar sind sämtliche digitalisierte Bücher der British Library seit 1952 im „Reader“ gespeichert. Allerdings in fragmentierter Form. Ausstellungsbesucher können so lange auf die Displays starren, wie sie wollen. Klüger werden sie nicht.

Der elektronische Leser gehört zur Ausstellung der 30. Ausgabe des European Media Art Festivals (EMAF) in Osnabrück. Bis Sonntag erobern Medienkünstler mit Filmen, Musik- und Performanceprogrammen, Vorträgen und dem Media Campus als Forum für Studierende wieder die 160.000 Einwohner große Stadt. Die Ausstellung mit 36 Beiträgen in der Kunsthalle Osnabrück ist noch bis Mitte Mai zu sehen.

Alles weitere gibt es hier. Das Programm hier.

Gern hätte ich den Trailer des EMAF eingebettet. Man ihn auf vimeo anschauen, aber einbetten in dieses kleine Blog ging nicht, weil … sehn Sie selbst. Auch so kann man sich mit der Reizüberflutung auseinandersetzen…

(Quelle: taz)

Dienstag floppte

22. April 2017

Am vergangenen Dienstag floppte der AfD-Wahlkampfauftakt für Niedersachsen. Natürlich wollen die Rechtspopulisten bei der anstehenden Bundestagswahl einen Fuß auf’s Treppchen kriegen, was bei über 5% mit Mandaten winkt. Der dazugehörige Wahlkampfauftakt der AfD fand in Osnabrück statt. Gegendemo mit 2000 Demonstranten. Großer Platz, abgesperrt, alles vorbereitet. Allein: es kam keiner. Fast keiner.

Beatrix von Storch ist dementsprechend angepisst. Kann ja nicht sein, dass zu so einem Ereignis keiner kommen mag, wenn nicht irgendwer anders als der selbstbefeuerte und immer noch kochende Bullshit-Kessel der AfD selber dafür die Verantwortung tragen könnte. Auf so was kommen die da ja nicht. Also muss wer anders Schuld sein. Laut Frau von Storch – natürlich – „die Antifa“. Die sind Schuld daran. Ist ja nicht so, dass die Anti-AfD-Demonstranten in anderen Teilen des Landes von der Polizei weggeknüppelt werden, um der AfD ihren demokratisch legitimierten Raum zu gewähren. Nein. *hust*

Vielleicht wollte in Osnabrück halt wirklich keiner mehr kommen, weil allen offensichtlich wird, dass sich eine „Start-Up-Partei“ langsam aber sicher selber obsolet macht. Weil sie keine Themen mehr, aber immer noch Bernd Höcke hat. Aber da kommt Frau von Storch natürlich nicht drauf und bedient sich eines Zitates, das bis heute nicht endgültig jenem zugesprochen werden kann, dem sie es in den Mund legen versucht: Ignazio Silone und sein angebliches Antifaschismus-Zitat.

Aber wer kann schon erwarten, dass die AfD-Partei-Instanzen wie Frau von Storch Zitate prüfen, wenn die so schön schmissig vom Bodensatz ihrer Fans immer und ewig breiig wiedergekäut werden. Ehrlich: ich auch nicht. „Antifa und so – die sind eh immer schuld!“ Und am Ende ist eh nicht die Inkompetenz dieser Knetbirnen für das Dilemma verantwortlich, dass in Osnabrück keiner zuhören wollte. Natürlich nicht! Es sind die anderen, na klar. Dafür verantwortlich ist „die Antifa“, meint Beatrix von Storch. Und wenn sie es denn tatsächlich es wäre, wäre es mal wieder an der Zeit zu sagen, #dankeantifa.

Vielleicht sollte die AfD auch endlich mal sagen, dass „Prozente bei einer Wahl holen“ noch lange nicht „Wahlen gewinnen“ bedeutet, aber was weiß ich schon…

(mit Material von Das Kraftfuttermischerk)

In der vergangenen Woche hat sie zusammen mit dem „Silk Road Ensemble“ einen Grammy gewonnen: Dima Orsho – die syrische Sängerin ist vielen Morgenland Festival Besuchern bekannt. Seit Jahren ist sie in verschiedenen Konstellationen aufgetreten, sei es mit der Morgenland All Star Band, dem Morgenland Chamber Orchestra oder mit dem Ensemble Hewar, das sie gemeinsam mit Kinan Azmeh und Issam Rafea in Damaskus gegründet hat.

Ihr Werk „Those Forgotten on the Banks of the Euphrat“ ist im vergangenen Jahr in Osnabrück uraufgeführt worden und hat das Publikum begeistert. Aus diesem Grund hat die ‚Gesellschaft der Freunde. Morgenland Festival Osnabrück‘ die Ausnahmemusikerin eingeladen, ein Sonderkonzert in der Friedensstadt zu gestalten. Seit Montag ist die mittlerweile in Chicago beheimatete Dima Orsho zurück in Osnabrück und studiert zusammen mit fantastischen Sängern und Solisten sowie dem Osnabrücker Jugendchor und dem Osnabrücker Bassisten Andreas Müller ein Programm für das jährliche Morgenland Festival Sonderkonzert ein. Von Osnabrück geht es weiter in die Elbphilharmonie nach Hamburg für mehrere Konzerte im Rahmen des Festivals Salam Syria.

Das Sonderkonzert ist eine Veranstaltung der Gesellschaft der Freunde. Morgenland Festival Osnabrück.

For those Forgotten
Sonderkonzert des Morgenland Festival Osnabrück
Sonntag, 26.2.2017
Kleine Kirche am Dom
18.00 Uhr

Karten 18,00€, ermäßigt 12,00€ (zuzüglich Vvk-Gebühren)

hans_calmeyer

Als Retter von Tausenden Juden in den Niederlanden zur Zeit des NS-Besatzung ging der Rechtsanwalt Hans Calmeyer in die Geschichte ein. Eine ihm gewidmete Dauerausstellung, geschweige denn ein eigenes Museum, sucht man in seiner Heimatstadt Osnabrück bisher aber vergebens. Daran hat auch ein Osnabrücker Ratsbeschluss vom Sommer 2014 nichts geändert.

Entstehen soll es in der mehr als 100 Jahre alten Villa Schlikker, die Hans-Calmeyer-Haus Haus werden soll Das Haus am Heger-Tor-Wall diente von 1933 bis 1945 der NSDAP als Zentrale. Die NOZ berichtet jetzt über eine neun Anstoß:

„Die Holocaust-Überlebende Laureen Nussbaum, eine Jugendfreundin von Anne Frank und ausgewiesene Kennerin ihrer Tagebücher, hat sich bei einem Besuch in Osnabrück für ein Hans-Calmeyer-Haus in der Friedensstadt ausgesprochen. Auch die Politik erhöht den Druck. Kommt nun Bewegung in die Sache?

Nussbaum gehört zu den vielen Tausend Juden, die der Osnabrücker Rechtsanwalt Calmeyer (1903–72) (Foto lks, ©) während des Zweiten Weltkriegs als NS-„Rassereferent“ in den Niederlanden durch Sabotage vor Deportation und sicherem Tod bewahrte. Die 89-Jährige aus Frankfurt war als Kind mit ihrer Familie vor den Nazis nach Amsterdam geflüchtet. Seit den Fünfzigern lebt sie in Seattle (USA). Zur Eröffnung einer dreimonatigen Ausstellung über ihre Jugendfreundin Anne Frank, deren berühmte Tagebücher sie als Germanistikprofessorin studiert hat, reiste Nussbaum jetzt nach Osnabrück.

Wir trafen sie am Montag im Hotel Walhalla, wo sie für eine Dokumentation des Osnabrücker Historikers, Filmemachers und Calmeyer-Experten Joachim Castan vor der Kamera saß. Im Gespräch mit unserer Redaktion sagte Nussbaum: „Hans Calmeyer ist ein stiller Held, dabei hat er mehr Juden gerettet als Oskar Schindler. Deshalb ist es ausgesprochen wichtig, dass in Osnabrück etwas entsteht, das dauerhaft an ihn erinnert und über sein einmaliges Werk informiert.“

Remarque, Nussbaum, Calmeyer

Ihr sei jedoch nicht entgangen, dass die Friedensstadt sich in dieser Angelegenheit viel Zeit lässt.„Ich finde, es dauert sehr lange“, stellte die Holocaust-Überlebende fest. Dabei habe Calmeyer in ihren Augen einen Stellenwert wie zwei andere, gepriesene Ikonen der Friedensstadt: Schriftsteller Erich Maria Remarque und Maler Felix Nussbaum…“

weiter bei der Neuen OZ

(Quelle NOZ, Sebastian Stricker)