Die Stunde des Nazi-Richters

23. November 2022

Tausende von Polizisten fahnden Mitte der 1960er Jahre nach Bruno Fabeyer, dem „Moormörder“, der nahe Osnabrück einen Polizeibeamten erschossen hat. Schließlich wird Fabeyer gefasst und zu lebenslangem Zuchthaus und Sicherungsverwahrung verurteilt. Ist Fabeyer der geborene, unverbesserliche Verbrecher, als der er dargestellt wird? Das Problem: Sein Richter ist ein Ex-Nazi.​  

Es war die bis dahin größte Fahndung in der Geschichte der Bundesrepublik. Tausende von Polizisten, aber auch Schützen- und Jagdvereine, Feuerwehrleute und sogar Besitzer von Privatflugzeugen beteiligten sich über 18 Monate an der Suche nach Bruno Fabeyer- dem „Moormörder“, der sein Leben zwischen Knast und Landstraße verbracht hatte.

Bei einem Einbruch in dessen Haus in Gretesch schießt Fabeyer am 29. November 1965 den Postbeamten Alois Broxtermann nieder.  Auf der anschließenden, monatelangen Flucht erschießt Fabeyer in Bohmte-Hunteburg den Polizisten Heinrich Brüggemann. Der Gesuchte findet Unterschlupf im Unterholz oder in abgelegenen Scheunen. Auf norddeutschen und westfälischen Bauernhöfen, aber auch in der Eifel stiehlt er vor allem Lebensmittel, Geld und Kleidung; er gesteht später Hunderte von Einbrüchen.

Als er schließlich in Kassel verhaftet und später vom Osnabrücker Schwurgericht zu lebenslangem Zuchthaus verurteiltet wird, ist die öffentliche Meinung eindeutig: Fabeyer war der geborene, unverbesserliche Verbrecher.

Doch stimmt dieses Bild? Denn die Geschichte lässt sich auch ganz anders erzählen. Und sie hat dann viel mit der deutschen NS-Vergangenheit zu tun. Einer der spektakulärsten Kriminalfälle der Nachkriegszeit erweist sich nach WDR-Recherchen nämlich als Justizskandal, weil ein ehemaliger NS-Wehrmachtsrichter über das NS-Opfer Fabeyer urteilte.

Es war ein kurzer Prozess 1967: Ganze vier Tage brauchte die Große Schwurgerichtskammer des Landgerichts Osnabrück für das heute vor 55 Jahren verkündete Urteil wegen versuchten Mordes und Totschlag in besonders schwerem Fall. Bruno Fabeyer (Foto im Schwurgerichtssaal des Landgerichts) wurde zu lebenslänglich Zuchthaus und anschließender  Sicherungsverwahrung verurteilt.

Im Strafprozess spielt neben den Taten vor allem der Lebenslauf des 1926 geborenen Bruno Fabeyer eine entscheidende Rolle. Schon als 11-jähriger kommt der schwer stotternde Junge in ein berüchtigtes Erziehungsheim der Nazis, als 18-Jähriger wird er 1944 zur Wehrmacht eingezogen. Als er vor dort zu seiner Mutter flieht, wird er zu schwerer Zwangsarbeit in verschiedenen Konzentrationslagern verurteilt. Ende November 1944 wird Fabeyer zunächst in das KZ Buchenwald eingewiesen und ab Dezember 1944 im KZ Mittelbau-Dora inhaftiert wurde. 1945 befreit ihn dort  die US-Armee.

Nach Kriegsende zieht Fabeyer umher und stiehlt. Immer wieder kommt er deshalb in Haft. Auf seinen Raubzügen erbeutet er selten mehr als das, was er für den nächsten Tag braucht. Wenn ihm die Fahnder zu nahe kommen, versteckt er sich im Moor oder auch im Matsch eines Schweinestalls.

Als Fabeyer im November 1967 in  Osnabrück der Prozess gemacht wird, steht nicht nur für die breite Öffentlichkeit seine Schuld längst fest. Auch das Gericht hält sich nicht lange mit juristischen Feinheiten auf. Zu eindeutig erscheint das Bild vom gefährlichen Gewohnheitsverbrecher von Kindheit an. Dabei fügen sich für das Gericht die frühen Einweisungen in Erziehungsheime und KZs nahtlos in die Strafakte des Angeklagten ein – als handele es sich hier nicht um Unrechtsmaßnahmen der Nazis.

„Recherchen für die [heutige] WDR-Sendung ZeitZeichen belegen nun: Landgerichtsdirektor Friedrich Jagemann, der den Prozess leitete, war nicht nur Mitglied von NSDAP und SA, sondern begann seine juristische Laufbahn 1935 in der „Gauleitung Münster“. Ein wesentliches Detail, das Jagemann sowohl im Entnazifizierungsverfahren, als auch in den Personalakten des Landgerichts Osnabrück verschwieg. Bekannt war dort allerdings, dass Jagemann von 1937 bis Kriegsende als Wehrmachtsrichter Karriere gemacht hatte. Das bestätigte ein Gerichtssprecher auf WDR-Nachfrage.

In einer Beurteilung der „Division Hermann Göring“ aus dem Jahre 1944, die im Militärarchiv Freiburg abgelegt ist, heißt es über Jagemann: „Zum nationalsozialistischen Staat überzeugt eingestellt. Diensteifer sehr lobenswert. Seine Urteile treffen in knapper Begründung stets das Richtige.“

Ein…“

[weiter beim WDR]


Quellen: WDR, SWR, wikipedia, HAZ

Leben, von Tag zu Tag

21. November 2022

„Wohnungslose haben in einer Osnabrücker Grünanlage ein Camp aufgebaut. Bisher duldet das Ordnungsamt die Zelte. Aber das könnte bald vorbei sein.

Auf den ersten Blick ist der Ziegenbrink malerisch. Die Anhöhe in Osnabrück ist mit ihren Wiesen, ihrem dschungelhaften Wald und ihrem Fernblick Spaziergangsziel. Ihre Vergangenheit als Steinbruch und Weltkriegs-Flakstellung ist kaum noch zu erahnen.

Aber auf einer der Lichtungen herrscht derzeit harte Not. Hier steht seit mehreren Wochen ein Camp von vier Wohnungslosen. Seine Zelte, gruppiert um eine Art Ofen, erinnern an die Zeit, als hier noch die „Wagenburg“ stand, als autonomes Zentrum, als alternatives Lebensmodell. Ein halbes Menschenleben ist das her.

Banner mit Botschaften wie „Aufgeben? Keine Option! Friedlicher Kampf für unser Stück Land“, und „Ein Grundstück für unsere Freiheit zum Errichten unserer Kommune“ hängen hier heute in den Bäumen. „Die Würde des Menschen ist was …?“ ist zu lesen. Auch „solidarischer Aufbau“ steht hier mehrfach, das A als Anarchie-A im Kreis. Aber der Versuch, die Zeit der Wagenburgler wiederzubeleben, wirkt aufgesetzt. Das Camp ist ein gesellschaftspoliti­scher Appell, aber zugleich ist es ein Ausdruck von Elend.

Jessica und Tim, beide Mitte 30, erzählen, warum sie hier leben. Sie haben…“

[weiter bei der taz]

 

ps Übrigens im Lingener Ortsteil Darme regt sich einmal mehr bürgerlicher Widerstand im Ortsrat gegen die dort seit gefühlt 25 Jahren vorhandene Wagenburg. Darüber berät man dann im Ortsrat nicht-öffentlich, obwohl Ortsräte grundsätzlich nur öffentlich tagen…

Panther Preis

1. Oktober 2022

Mit dem taz Panter Preis zeichnet die taz Menschen aus, die sich gegen die Klimakrise einsetzen – ob alleine oder in einer Gruppe. Dieses Jahr geht es unter dem Motto „Klima für Gerechtigkeit“ um solidarischen oder sozial gerechten Klimaschutz. Welches Projekt den Preis der Leser:innen erhält, können Sie mitentscheiden. Noch bis zum 15. Oktober kann abgestimmt werden. Danach wird auch noch ein Jurypreis vergeben – und beide jeweils mit 5.000 Euro dotierten Preise werden am 12. November in der taz in Berlin feierlich übergeben.

In diesem Jahr ist unter den sechs Nominierten auch ein Projekt aus unserer Region.  Kai Behncke hat das Klima- und Artenschutzprojekt „500 AKA“ in und um Osnabrück initiiert – und dafür Hunderte von Mit­strei­te­r:in­nen gewonnen. Aber nicht nur Tiere bewahrt der 47-Jährige vor Verwahrlosung und Tod. Er legt vor Ort auch Vogelschutzhecken, Trockensteinmauern, Feuchtbiotope und Wildblumenwiesen an. Dierk Jansen stellte das Projekt Ende August in der taz  vor:

„Steine stapeln statt werfen

Sir Henry trottet gemächlich über die trockene Wiese. Direkt auf Kai Behncke zu. Der Ziegenbock stupst seinen Retter an, der streichelt dem schwarzen Vierbeiner vertraut über den Rücken. Nebenan grasen Schafe seelenruhig weiter, während zwei vietnamesische Hängebauchschweine im Garten zwischen kniehohen Brennnesseln und schattenspendenden Bäumen in der Erde herumschnüffeln. Nicht weit entfernt von einem leeren Storchennest und umgeben von einigen Blühwiesen platziert sich Behncke direkt hinterm Schafzaun.

Seit 2016 betreibt Behncke zusammen mit seiner Frau Julia den Gnadenhof Brödel in Melle, der mittlerweile auf 120 Tiere angewachsen ist: von der Schildkröte bis zu den gerne in die Nachbarschaft ausbüxenden Hühnern. Daher sind Ferien für ihn, der früher in der Osnabrücker autonomen Hausbesetzer­szene aktiv war, seit Längerem schon ein Fremdwort. „Das letzte Mal ist schon etliche Jahre her, es waren drei Tage an der Nordsee“, schmunzelt er…“ [… weiter bei der taz]

Gemeinsam wird im Juli in Melle bei Osnabrück eine Trockensteinmauer errichtet
Foto: 500 AKA

[Hier geht’s zur Abstimmung]

Osnabrücks neue Rechtsextreme

23. September 2022

Harff-Peter Schönherr schreibt in der taz über rechte Strukturen in Niedersachsen, genauer über Osnabrücks neue Rechtsextreme

Die Aktivisten-Gruppe „Oskars_Osna“ alias „Sturmfest Osnabrück“ ist vor allem in sozialen Medien aktiv. Auf Instagram hat sie rund 2.100 Follower.

Osnabrück, sagt der einstige Osnabrücker Oberbürgermeister und heutige niedersächsische Innenminister Boris Pistorius (SPD), habe ein „ganz besonderes Klima, was die Wehrhaftigkeit gegen Rechts betrifft“. Das stimmt. Ein Beweis dafür: Erst in der Kommunalwahl 2021 hat es die AfD erstmals in den Stadtrat geschafft, mit einem Sitz.

Aber auch in Osnabrück gibt es eine rechte Szene. Ihre jüngste Erweiterung, seit Herbst 2020: Die Instagram-Gruppe Oskars_Osna, die sich als „Politische Rabauken“ bezeichnet, rund 2.100 Follower stark. Auf Telegram heißt sie Sturmfest.Osnabrück.

Die „jungen Aktivisten“ betrachten sich als „Gegenentwurf zum linken und deutschfeindlichen Zeitgeist“, hoffen auf die „Rückeroberung rechter Themen“ und sehen sich in einem „Kampf um die Köpfe des Volkes“. Ihre Äußerungen reichen von „Sei der Widerstand“ bis „An Oskar’s Wesen mag Osnabrück genesen“. Ihr Logo zeigt einen Kreuzritter vor dem Osnabrücker Stadtwappen-Rad, darunter steht „Osnabrück verteidigen. Für Volk & Vaterland“. Ihre Hashtags reichen von „Ehre“ bis „Treue“.

Sie folgen auf Instagram der NPD und der AfD sowie Gruppen wie „Harzrevolte“ und „Scheiteljugend Kassel“. Die „Oskars“ bezeichnen die Forderung nach offenen Grenzen und Einwanderung als „Verrat“ und sagen: „Wir dürfen nicht zusehen, wie man unsere Welt und unser Deutschland Stück für Stück demontiert.“ „Niemals zu weichen“ zeichne einen „wahren Deutschen“ aus.

Man unternimmt Wanderungen, pflegt Kriegerdenkmäler. Bei Paul Rzehaczek, dem Bundesvorsitzenden der NPD-Jugendorganisation „Junge Nationalisten“ (JN) bedankt man sich für einen Schulungsvortrag, ebenfalls bei Sascha Krolzig, einem Politiker der neonazistischen Partei „Die Rechte“.

Das Recherchekollektiv Osnabrück (RKOS) kennt die Gruppe gut. Es stuft sie als „NPD-nahe, rechtsradikale Jugendorganisation“ ein. „Die Aktivitäten finden größtenteils auf Social Media statt“, sagt RKOS auf taz-Anfrage. „Bisher sind Personen der Gruppe nicht öffentlich aufgetreten.“

Inhaltlich seien Beiträge „deckungsgleich mit NPD und JN-Strukturen“. Man…

[weiter in  der taz]

Omas gegen Rechts

19. August 2022

Am vergangenen Donnerstag hat sich Dagmar Fuchs mit anderem „Omas gegen Rechts“ auf den Osnabrücker Marktplatz gestellt. Sie haben dort gegen die Kundgebung „Aktion Leuchtturm ARD“ von Gegner*innen der Coronamaßnahmen protestiert.Bei der „Aktion Leuchtturm ARD“ werfen An­hän­ge­r*in­nen der Querdenken-Bewegung den öffentlich rechtlichen Medien fälschliche und subjektive Medienberichterstattung vor sowie das Verbreiten von Regierungspropaganda. Sie fordern die Abschaffung der Rundfunkgebühren und eine Reform ihrer Arbeitsweisen.

Dagmar Fuchs sieht darin eine große Gefahr für die Gesellschaft, denn Pressefreiheit ist für sie ein hohes Gut der Demokratie, das sie durch die Anschuldigungen der Maß­rah­men­kri­ti­ker­*­in­nen gefährdet sieht. Vor der Pandemie haben sich die Omas vor allem gegen rechte Strukturen in der Region Osnabrück gestellt. Sie…

[weiter im Dagmar-Fuchs-Porträt bei der taz]

Clueso, Bosse + Luna

14. August 2022

Clueso, Bosse + Luna
Osnabrück, Schlossgarten-Open Air
Freitag, 26. August – 17 Uhr
Karten: 58,20€, 121,-€ VIP-Ticket

Bereits zum sechsten Mal verwandelt sich der Schlossgarten Osnabrück in eine einmalige Open Air Location. Die atemberaubende Kulisse und die einzigartige Atmosphäre im Schlossgarten Osnabrück tragen zum Erfolg bei, vorrangig sind es aber natürlich die Künstler, die das Publikum locken – und die sind 2022 wieder hochkarätig.

CLUESO versteht es wie nur wenige, tief Empfundenes zu transportieren, ohne jemals die Grenze zum Kitsch zu überschreiten. Seine Kreativität als Künstler schöpft er vor allem aus Momenten des Rückzugs und der Konzentration auf sich, seine Gitarre und seine Gefühle. Clueso hat überall auf der Welt Konzerte gegeben, mit Orchestern ebenso gespielt, wie mit Jazz-Bands und Hip-Hop-Crews. Dennoch ist seine Musik sehr eigen und unverkennbar. Und das liegt vor allem an ihrem Kern: Clueso Stimme und sein akzentuiertes Gitarrenspiel.

BOSSE strotzt vor frischen musikalischen Ideen, unnachahmlichen Wortwitzen und bemerkenswerter Tiefenschärfe in seinem Blick auf die Dinge. Bosse wirbelt auf. Künstlerisch, thematisch und emotional. Er ist eine feste und gefeierte Größe in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Seine Clubkonzerte sind innerhalb von zwei Minuten ausverkauft und polarisieren. Bosse ist ein Magnet. Nicht nur musikalisch.

Hinweis: In einer früheren Version dieses Blogbeitrags war versehentlich von Sa, 29. Aug. die Rede. Der Datumsfehler ist inzwischen berichtigt. Das Konzert ist natürlich am Freitag, den 26. Augusr!

Grüne Finger

4. August 2022

„Grüne Finger“: Wenn der Begriff dieser Tage in Osnabrück fällt, kocht der politische Streit hoch. Rund ein Dutzend Grünzug-Radialen, orientiert an Hügelkuppen und Tälern, verbindet die Natur des Umlands mit den Freiflächen der Innenstadt.

Doch wie es um die künftige Stellung der Radialen steht – ob sie also aus Klima- und Naturschutzgründen gesichert oder aber aufgrund benötigter Flächen zum Wohnen und Arbeiten reduziert werden sollen – ist noch offen. Die Ergebnisse eines Forschungsprojekts sprechen für einen Erhalt, doch die lokale CDU will sich dafür bislang nicht aussprechen.

Mitte der 1920er-Jahre hatte der damalige Stadtbaurat Friedrich Lehmann die Grünen Finger festgeschrieben in einem Ge­neralbe­bau­ungs­plan. Einerseits gibt sich Osnabrück stolz auf Lehmanns Weitsicht. Schließlich dienen die Finger der Gewinnung von Trinkwasser und dem Einstrom von Kaltluft, ermöglichen Nah­erho­lung und Nahrungsmittelproduktion, fungieren als Hochwasser-Überschwemmungs­gebiete und Puffer für Starkregen, fördern als Lebensraum für Pflanzen und Tiere die Biodiversität. Andererseits werden sie immer wieder gekappt, verengt, zerschnitten, denn Osnabrück dehnt sich aus. Bauland ist begehrt, für Wohnraum, für Gewerbe.

Bürgerinitiativen haben sich zum Schutz der Finger gebildet. Das Umweltforum Osnabrück, der Dachverband der örtlichen Natur- und Umweltverbände, fordert, die Finger müssten „vor den Begehrlichkeiten der Tagespolitik geschützt werden“. Das Forum, nicht zuletzt Initiator einer Langzeit-Unterschriftensammlung, bei der sich Tausende Unterzeichner gefunden haben, fordert eine Erhaltungssatzung. Es kritisiert „Sonntagsreden“ und „unverbindliche Selbstverpflichtungen“. Wichtig sei, „dass wir der nicht-menschlichen Natur wieder Rechte geben und dass wir sie nicht laufend weiter schwächen und zurückdrängen“.
Jüngst…

[weiter bei der taz]

NOZ schasst fupa

3. August 2022

Vor gut neuneinhalb Jahren, am 20. Februar 2013, startete FuPa auch in der Region Weser-Ems. Dank des damaligen Einstiegs der Neuen Osnabrücker Zeitung und mit viel Geld gelang es dabei, die emsländische KEI-Website aus dem Markt zu drängen. Doch jetzt zieht sich die NOZ weiter zurück – wie bereits in den ausgedünnten Lokalredaktionen, im regionalen Amateursport und in der Kulturberichterstattung: Am 31. Juli 2022 war nämlich Schluss und  der NOZ-Verlag beendete seine Zusammenarbeit mit FuPa, die gern noch weiter gemacht hätte. Trotz feiner Worte: „Die FuPa GmbH bedankt sich ganz herzlich für die Zusammenarbeit und wünscht den Kollegen, die das Portal mit viel Leidenschaft und Know-How vorangetrieben haben, alles Gute!“. Was aus diesen KollegInnen wird, erfährt man nicht.

Das Fußballportal FuPa (ehemals als Abkürzung für Fußball Passau) ist seit 2006  ein deutsches Internetportal, das sich der Berichterstattung aus den deutschen Amateurklassen verschrieben hat. Ursprünglich wurde nur über die vier niederbayerischen Fußballkreise Passau, Bayerwald, Straubing und Landshut berichtet. Seit rund zwei Jahren umfasst die redaktionelle Betreuung sämtliche Fußballverbände bundesweit und das Großherzogtum Luxemburg und die Schweizer Fußballregion Zürich als erste beiden ausländische Regionen. Gegründet wurde das Portal vor 16 Jahren von dem Hobbyfußballer Michael Wagner. Betreiber ist inzwischen die von ihm gegründete FuPa GmbH

Jetzt will FuPa in Bentheim, im Emsland und in Osnabrück für die Fans und Protagonisten des Amateurfußballs weitermachen. Gleich vier FuPa-Regionen im Verbandsgebiet Niedersachsen sind seit Montagvormittag zu FuPa Niedersachsen vereint „Eine junge Crew“ (FuPa) wird ab sofort vor allem den Mitmach-Charakter der FuPa-Community fördern und eigene Inhalte liefern, teilte Fupa gestern seinen registrierten Nutzern in einer E-Mail mit

Das Ziel: FuPa („Aus Liebe zum Fußball“) will fester Bestandteil im Amateurfußball der Region bleiben. Für die ehrenamtlich Mitwirkenden ändere sich nichts, betonten die FuPa-Macher, denn:

  • „Die Ligen werden weiterhin gepflegt. Hier wird sich unser Team weiterhin für euch ins Zeug legen. Großes Dankeschön geht an dieser Stelle an unsere fleißigen Ligaverwalter!
  • Auf die Pflege der Kader und Vereinsseiten haben die Vereinsverwalter weiterhin natürlich vollen Zugriff.
  • Vereinsnachrichten und Beiträge könnt Ihr weiterhin auf FuPa veröffentlichen.
  • Mit Fragen oder Anregungen könnt ihr euch jederzeit über das Kontaktformular direkt an FuPa wenden: https://support.fupa.net/support/tickets/new
  • Im FuPa Forum findet ihr außerdem viele Anleitungen und Hilfestellungen: https://support.fupa.net/support/home

Darüber hinaus gibt es schon jetzt neue Facebook-Seiten für die FuPa-News der Region:

➡ Osnabrück

➡ Emsland

➡ FuPa Bentheim

➡ Weser-Ems

FuPa bietet an, Vereinsnews jederzeit an die Redaktion zu schicken: damit können Vereine ihre Infos unkompliziert veröffentlichen – von der Vorstandswahl bis zum Vereinsfest oder der Nachwuchswerbung. Gleiches gilt für die vielen Spielberichte aus den unteren Klassen. Alle Infos sollen „einfach per Mail an niedersachsen@fupa.net“; auch bei Fragen oder Hinweisen, kann man sich „jederzeit“ gerne unter dieser E-Mailadresse melden. “

Zerbrochene Stärke

11. Juli 2022

Eine aktuelle Ausstellung in Osnabrück verschränkt Bilder von Elfriede Lohse-Wächtler und Felix Nussbaum. „Eine Intervention, die neue Perspektiven auf zwei NS-Opfer erlaubt, die nicht nur Opfer waren“, schreibt Harff-Peter Schönherr in der taz.

„‚Es gibt Kunst, die lässt dich nicht los.‘ Für Maren Koormann, Kuratorin für klassische Moderne im Museumsquartier Osnabrück (MQ4), sind das die Bilder der Dresdner Avantgardistin Elfriede Lohse-Wächtler, die auch Lyrik schrieb, düster und ohnmächtig, ohne Hoffnung auf Licht in „der Menschheit Chaos Nacht“. In der Ausstellung „Im Angesicht“ präsentiert Koormann 45 dieser Bilder im Dialog mit Arbeiten von Felix Nussbaum, dem der skulpturale Gedenk-Bau gewidmet ist, in dem diese beklemmende Begegnung stattfindet, mit seinen nackten Beton­wänden und rampenartigen Gängen ist er eine architektonische Abstraktion des Holocaust.

„Im Angesicht“ arbeitet Gemeinsamkeiten heraus. Lohse-Wächtler ist, wie Nussbaum, ein Opfer der NS-Ideologie; Nussbaum wird im KZ Auschwitz ermordet, Lohse-Wächtler in der Euthanasie-Anstalt Pirna-Sonnenstein. Beide…“

[weiter bei der taz]

Im Angesicht. Elfriede Lohse-Wächtler und Felix Nussbaum.
bis 16. 10.2022 in Osnabrück, Felix-Nussbaum-Haus,

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geöffnet:
DIENSTAG BIS FREITAG:
11–18 Uhr
SAMSTAG UND SONNTAG:
10–18 Uhr

 


Bild: Elfriede Lohse-Wächtler, „Knollige Frau“, ca.1930, via flickr Öffentliche Domäne

Das gab es in dieser Form noch nicht: Das Morgenland Festival Osnabrück 2022 bringt in diesem Frühsommer ein spektakuläres Musiktheaterwerk auf die Bühne. Die Uraufführung der Oper „Songs for Days to Come“ von Kinan Azmeh am Samstag, 4. Juni, im Theater am Domhof, wird gleichzeitig die Eröffnung des Festivals sein.

Bis einschließlich 18. Juni stehen etliche weitere Konzerte mit MusikerInnen aus Ländern östlich des Mittelmeerraums auf dem Programm. Nach zwei kraftzehrenden Jahren präsentiert sich das beliebte Festival wieder in seiner gewohnten Gestalt an fünf Orten in der Stadt. Der Kartenvorverkauf hat soeben begonnen. Auch die Website mit dem ausführlichen Programm ist jetzt online (www.morgenland-festival.com).

Im Rahmen des Festivals und in den folgenden Wochen wird „Songs for Days to Come“ des syrischen Komponisten und Klarinettisten Kinan Azmeh sieben Male im Theater am Domhof zu erleben sein. Entstanden ist die Oper als Ko-Produktion mit dem Theater Osnabrück, dessen Intendant Ulrich Mokrusch die Regie übernimmt. „Die Osnabrücker Kulturszene mit ihrer unkomplizierten Kollegialität ermöglicht es uns in diesem Jahr, über uns hinauszuwachsen“, so Festival-Leiter Michael Dreyer. „Songs for Days to Come“ ist das umfangreichste Projekt, das das Morgenland Festival Osnabrück bislang in seiner Geschichte realisiert hat.

Das Publikum erwartet ein vielschichtiges Mosaik aus Musik, Dichtung und Bühnenbildkunst für Solisten, Schauspieler, Chor und Orchester. Es basiert auf Gedichten zeitgenössischer syrischer Lyriker, die von Liwaa Yazji und Mohammad Abou Laban zu einem Libretto geformt wurden. Inhaltlich befasst sich das Werk mit der jüngsten Geschichte Syriens und den weltweiten Fluchtbewegungen. „Keiner konnte im Jahr 2020, als Kinan Azmeh die ersten Überlegungen für sein Werk anstellte, ahnen, wie traurig aktuell das Thema auch zwei Jahre später sein würde“, sagt Michael Dreyer. Die musikalische Leitung hat Daniel Inbal. Der Kompositionsauftrag wurde durch die Ernst von Siemens Musikstiftung finanziert. Weitere Aufführungstermine im Rahmen des Morgenland Festival Osnabrück sind der 10. und 14. Juni, anschließend wird die Oper noch am 22. Juni, am 1., 3. und 8. Juli zu sehen sein. Deutschlandfunk Kultur und das spanische Radio Nacional werden einen Mitschnitt in ihren Programmen senden.

Schon am Sonntag, 5. Juni, geht es ebenso spannend weiter: Mit dem Projekt „Timbres of Middle-East-Europe“ kommt Mehdi Aminian mit seinem Ensemble in die Lagerhalle Osnabrück. Der im iranischen Isfahan geborene Musiker verließ im Alter von 16 Jahren seine Heimat, um Musik, Musikethnologie und Informationstechnik in Bosnien, Rumänien, Malaysia, Österreich und den Niederlanden zu studieren. Heute lebt und arbeitet er in Wien. Aminians Projekt befasst sich mit den Schnittstellen der Musik des Balkans und des Vorderen Orient.

Am Montag, 6. Juni, präsentiert in der Lagerhalle zunächst das Ensemble Romengo aus Budapest ungarische Roma-Musik: Die experimentierfreudige Gruppe um die charismatische Sängerin Mónika Lakatos steht in der Oláh-Tradition. Sie nutzt Haushaltsgegenstände wie Wasserkannen und Holzlöffel als Instrumente und integriert Elemente aus Jazz und Flamenco in ihre Musik. Eigene Kompositionen werden ebenso zu hören sein wie Interpretationen von Liedern, die von Generation zu Generation in der Familie weitergegeben wurden. Anschließend kommt der legendäre bulgarische Klarinettist Ivo Papasov mit seiner Wedding Band auf die Lagerhallen-Bühne. Der Sohn einer Roma-Familie ist bekannt für seine explosive Mischung aus bulgarischer Volksmusik, Jazz und zeitgenössischen Elementen. Er prägte und bereicherte damit die Musikszene schon lange bevor Balkan-Bands in den 1980er Jahren die Charts stürmten. Der Avantgarde-Rocker Frank Zappa nannte ihn als ein Vorbild.

Am Mittwoch, 8. Juni, werden gleich sieben Werke im Osnabrücker Rosenhof uraufgeführt werden. Die Gesellschaft der Freunde. Morgenland Festival Osnabrück hat im Corona-Jahr 2020 bei Jalgasbek Iles, Dima Orsho, Merima Ključo, Moslem Rahal, Yasamin Shahhosseini, Saman Gambarov und Ibrahim Keivo Kompositionen in Auftrag gegeben, um ihnen in dieser schwierigen Zeit Arbeit zu ermöglichen. Die festivaleigene Morgenland All Star Band wird sie in der Friedensstadt einstudieren und dem Publikum präsentieren. Seit 2012 begeistert die Morgenland All Star Band mit einem globalen Soundgeflecht aus traditionellen Klängen, Jazz und Rock. Die Band vereint einige der herausragenden Musikerpersönlichkeiten des Vorderen Orients mit europäischen Jazzgrößen.

Das niederländische Trio „Under the Surface“ taucht gemeinsam mit dem Publikum mit sphärischen Gesangslinien, nachdenklichen Gitarrenklängen und atmosphärischen Effekten in traumverlorene Welten ein. Die Sängerin Sanne Rambags, der Schlagzeuger und Perkussionist Joost Lijbaart und der Gitarrist Bram Stadhouders vereinen drei Generationen niederländischer MusikerInnen und sind weltweit auf Tour – am Donnerstag, 9. Juni, machen sie Station im Blue Note in Osnabrück und treffen dort auf die junge syrische Sängerin Abeer Albatal und weitere Gäste.

Drei weitere Konzerte folgen in der Lagerhalle: Am Freitag, 10. Juni, sind dort die beiden bosnischen Musikerinnen Jelena Milušić (Gesang) und Merima Ključo (Akkordeon) mit einem von Ključo komponierten Liederzyklus zu hören. Am Mittwoch, 15. Juni, teilen die junge iranische Oudspielerin Yasamin Shahhosseini (Oud) und der legendäre iranische Kamanche-Virtuose Kayhan Kalhor erstmals die Bühne.

In seinem Projekt „I EXIST“ begibt sich am Donnerstag, 16. Juni, der Komponist, Gitarrist und transkulturelle Aktivist Marc Sinan auf eine musikalische Reise zu den mythischen Ursprüngen des Roma-Volkes im nordindischen Rajasthan. Gemeinsam mit Musikern und Künstlern aus Europa und Indien erkundet er die in uralten Erzählungen beschriebene Herkunft und überquert dabei mit Leichtigkeit stilistische Grenzen. Für die Avantgarde-Musikerin Iva Bittová und das Künstlerduo Damian & Delaine Le Bas bedeutet die Begegnung mit diesem Ursprung auch eine Bewegung zurück zu einem Teil ihrer Herkunft.

Zum fulminanten Abschluss des Programms lädt das Morgenland Festival Osnabrück am Samstag, 18. Juni, zum Open Air auf den Domvorplatz ein. Aufgeführt wird ein Projekt, das in Zusammenarbeit mit dem Theater Osnabrück entwickelt wurde: „Young Syrian Generation“ präsentiert fünf junge syrische Komponisten im Zusammenspiel mit dem Osnabrücker Symphonieorchester unter der Leitung von Daniel Inbal. Naīssam Jalal (Flöte und Gesang), Angela Boutros (Klavier), Mevan Younes (Buzuq), Mohannad Nasser (Oud) und Basilius Alawad (Violoncello) wirken dabei auch als SolistInnen mit.

Das marokkanisch-französische Quartett Bab L’Bluz („Das Tor zum Blues“) sorgt in der Weltmusikszene für viel Aufruhr und landete prompt auf Platz eins der Transglobal Music Charts. Am späten Abend des 18. Juni wird die Band das Festival mit einem Auftritt in der Osnabrücker Lagerhalle beschließen.

Tickets und Infos zum Programm sind ab sofort über www.morgenland-festival.com erhältlich. Karten gibt es außerdem bei der Osnabrücker Tourist-Information, unter http://www.adticket.de und bei anderen bekannten Vorverkaufsstellen. Besucher*innen können sich über die tagesaktuellen Corona-Bestimmungen an den unterschiedlichen Veranstaltungsorten zu informieren.


Text: Stadt Osnabrück