Lebensadern

5. Juli 2017

Lebensadern auf Sand in Wachendorf
Ein NABU-Spaziergang an der Ems

Lingen (Ems) – Wachendorf
Treffpunkt Dalumer Str. 27
Do 6. Juli 2017, 18 Uhr
Kosten 3 € (NABU-Mitglieder und Kinder bis 14 frei)

Die Emsaue bei Wachendorf bietet ein Mosaik aus trockenen und feuchten Lebensräumen, die durch Naturschutzmaßnahmen der Stadt Lingen weiter entwickelt

wurden. Bei einem Spaziergang entlang von blütenreichem Magergrünland und Gehölzen erkunden Sie unter fachkundiger Leitung von Bernward Rusche und Sven Oltrop die vom Sand geprägte Landschaft.

Treffpunkt

ist der nördlichen Rand der Siedlung Dalumer Straße 25/27, Lingen-Wachendorf (wenige Parkmöglichkeiten, Grafik)

Debatte

24. Mai 2013

EnergiewendeBeginnt da eine längst notwendige Debatte?  Die Journalistin Marita Vollborn kritisiert heute im politischen Feuilleton desDeutschlandradio Kultur: „Um Platz für Solaranlagen zu schaffen oder das Holz in Form von Pellets zu verfeuern, lassen zahllose Städte und Gemeinden in Deutschland Bäume und Sträucher abholzen. Damit werden die Ziele der Energiewende in ihr Gegenteil verkehrt!“

„Denn jeder gefällte Altbaum am Straßenrand bindet zu Lebzeiten mehr Kohlendioxid, als die vermeintliche Ökostromproduktion aus seinen Pellets dann einsparen würde.“

Vollborn: „Um nicht missverstanden zu werden: Nicht die Energiewende an sich ist zu bemängeln, sondern die Auswüchse, die sie generiert. Bundesumweltminister Peter Altmaier muss sich daher fragen lassen, warum der Bund dem desaströsen Geschäft mit der Energiewende kein Ende bereitet.“  Hier geht es zu ihrem beachtenswerten Beitrag.

Man muss nicht alles teilen, was Marita Vollborn thematisiert. Doch der Kern ihrer Kritik überzeugt mich. Wie immer ist es die kapitalistische Zügellosigkeit, das „Ich-ich-ich-haben-haben-haben“, was die Probleme macht. Die Stichworte liefert Journalistin Vollborn. Darüber nachgedacht, ob sich dies auch in unserem Städtchen bemerkbar macht, fallen mir sofort die Pläne für weitere, landschaftsbelastende Windenergieanlagen  oder „maisbefeuerte“ Biogasanlagen ein. Oder die Pellets-Kahlschläge an der Umgehungsstraße B213, zuletzt am „Grüner Jäger“  in Darme/Hanekenfähr.  Es sind keine zu vernachlässigenden Kollateralschäden, keine lässlichen Sünden. Politische Verantwortliche, die die Auswüchse hinnehmen, erlauben oder dabei gar mitmachen anstatt allgemeinverträgliche Regeln zu setzen und einzuhalten, sind ein Problem.

Oder um es mit Marita Vollborn zu sagen:

„Solaranlagen bleiben sinnvoll, solange sie auf Dächern entstehen. Und Pellets sind eine nachwachsende Energieform, solange Bäume nicht bar jedweder Vernunft zerhäckselt werden. Wer das auf kommunaler Ebene oder in Berlin noch nicht begriffen hat, sollte umdenken – oder seinen Posten räumen.“

 

(Foto Energiewende CC Florian Gerlach (Nawaro))

Baden

20. Mai 2013

Mit den ersten warmen Tagen des Jahres steigt die Lust aufs Baden im Freien. Einem ungetrübten Badespaß an Niedersachsens Nordseeküste, den Flüssen und Binnenseen steht auch in dieser Badesaison nichts im Wege. Die bisherigen Messergebnisse zeigen, dass die 274 niedersächsischen Badegewässer die Anforderungen der Niedersächsischen Badegewässerverordnung und der EU-Badegewässerrichtlinie in hohem Maße erfüllen. Noch vor Beginn der Saison wird die hygienische Qualität aller Badegewässer untersucht. Seit Ende April liegen schon über 250 Messdatensätze aus über 200 Gewässern im Niedersächsischen Landesgesundheitsamt vor. Dabei zeigten sich keinerlei Auffälligkeiten.

Die hygienische Güte der Badegewässer unterliegt gewissen Schwankungen und die Messungen stellen Momentaufnahmen dar. Aus der Bewertung des Ergebnisses einer einzelnen Probe bzw. Untersuchung kann daher nicht auf die generelle hygienische Güte der Wasserqualität an einer Badestelle geschlossen werden. Eine Gesamtbewertung und Einstufung in Qualitätskategorien von „ausgezeichnet“ bis „mangelhaft“ werden für jede Badestelle auf der Basis der Untersuchungsergebnisse von 4 Jahren vorgenommen. Lediglich zwei der niedersächsischen Badegewässer (0,8 %) mussten aufgrund stark schwankender Überwachungsergebnisse in die Kategorie „mangelhaft“ eingestuft werden. Dabei handelt es sich um die Badestelle an der Bohrinsel Dyksterhusen im Dollart sowie das Freibad an der Ems in Jemgum, beide im Landkreis Leer. Grenzwertüberschreitungen, die zu Badeverboten hätten führen müssen, gab es dort allerdings nicht. An beiden Badestellen laufen Ermittlungen zur Aufklärung der Ursachen der Verschmutzungen.

Ziel der Bewirtschaftung jedes Badegewässers ist die weitere und nachhaltige Verbesserung der Badegewässerqualität. Dies erfolgt auf der Grundlage des für jedes Badegewässer zu erstellenden Badegewässerprofils. Dieses Profil dokumentiert unter anderem die möglichen Einflussfaktoren und dient den Gesundheitsbehörden dazu, negative Auswirkungen auf die Badegewässerqualität vorausschauend beurteilen und ihnen entgegentreten zu können. Die Badegewässerprofile werden regelmäßig aktualisiert und sind an gut sichtbarer Stelle am Badegewässer aufgestellt. Sie geben den Badegästen einen Überblick über alle wissenswerten Daten zum Badegewässer.

Seit Ende April bis zum Ende der Badesaison am 15. September entnehmen die örtlichen Gesundheitsbehörden mindestens alle vier Wochen Wasserproben und prüfen diese auf bakterielle Belastungen. Umfassende Informationen zu den niedersächsischen Badegewässern mit aktuellen Untersuchungsergebnissen gibt es im Internet auf den Seiten des Niedersächsischen Badegewässeratlas unter der Adresse www.badegewaesseratlas.niedersachsen.de.

Auf der Website der Europäischen Kommission unter dieser Adresse kann man sich über die Gewässerqualität in den Mitgliedsstaaten der EU informieren.

Bildschirmfoto 2013-05-16 um 14.34.43

Persönlicher Nachtrag: Bei den nicht getesteten Gewässern kann die Qualität natürlich völlig anders aussehen [Überraschung!]. Im Niedersächsischen Badegewässeratlas fehlen [heute] für Lingen u.a. der Dieksee, der Biener See, der See am Telgenkamp sowie die Moorseen und der See am Naturschutzgebiet in Wachendorf.

(Quelle PM MS Hannover)

Altenlingenerforst 2013

2. Januar 2013

Die Probleme 2012 in unserer Stadt sind auch die Probleme 2013. Beispiel ist der rücksichtslose Umgang mit dem geschundenen Altenlingener Forst. Dass es dabei nicht selten nicht etwa der große Kahlschlag sondern die kleinen Veränderungen sind, die in ihrer Summe genauso negativ zu Buche schlagen, weiß nicht erst seit diesem Jahreswechsel die Bürgerinitiative Pro-AltenlingenerForst. Ihr Sprecher Gerhard Schultz schrieb dies zum Jahresende an die aktiven BI’ler:

„So sehr wir uns über das Urteil des Oberverwaltungsgerichtes Lü­neburg gefreut haben, um so mehr müssen wir uns jetzt Sorgen um den Erhalt unseres Waldes machen. Die Vermarkter von Bauland im Forst und die Profiteuere des hohen Marktpreises von Holz haben dem Altenlingener Forst schwerst zugesetzt:

Altenlingener Forst Herbstimpressionen vor dem Ausholzen – 19. November 2012

Altenlingenerforst Weihnachten 2012

Altenlingener Forst am 23.12.2012 – Weniger einladend für einen Spaziergang

Unter dem Einsatz der großen Ern­temaschinen hat der Baumbestand kollosal gelitten, mancherorts wurde mehr als die Hälfte des Holzes herausgenommen. Auch hinter dem Kahlschlag zur Schaf­fung neuen Baulands am Al­tenlingener Sand wurde mehr als die Hälfte des gesunden Holzes herausgeschlagen, um so die ökologischen Aus­gleichsmaßnahmen realisieren zu können. Wie lange wird es dauern, bis hier (Zitat „Die Glocke“* – CDU 04/12) „eine adäquate Ersatzfläche entsteht, die wahrscheinlich ökologisch wert­voller ist als die abgeholzte Flä­che.“ Und wie schön, dass „die vorhandene Hügellandschaft möglichst erhalten bleiben soll, soweit der Verkäufer darauf Einfluss hat“.

Altenlingenerforst 2012

Altenlingener Forst 2012 „…ökologisch wert­voller als die abgeholzte Flä­che.“

Altenlingener Forst 2012 – Ausholzen

Wie ein Hohn steht auf der letzten Seite der „Glocke“: „CDU Altenlingen – Wachendorf Berechenbar – Verlässlich – Zukunftsorientiert“

Wir sind also mitten im Kampf für den Erhalt unseres Waldes und unsere Forderung, den Altenlingener Forst als Stadtwald höher zu stufen, ist momentan mit Füßen getreten worden. Auch ehemals wunder­schöne kleine Waldpfade sind in breite Ernteschneisen platt gefah­ren worden. Das empört uns um so mehr, da wir jetzt schon so lange für den Wald kämpfen, und ich sage allen Aktivisten ausdrücklich Dank für das Durchhaltevermögen. Wir sehen aber, wie wichtig es ist, in Lin­gen ein Umdenken in Richtung Wertschätzung der vorhandenen Wälder zu erwirken. In diesem Sinne wünsche ich allen Mitstreitern ein Frohes Weihnachtsfest und
Viel Glück und Erfolg im Neuen Jahr.

Euer Gerhard Schultz

ps In eigener Sache: Mittlerweile sind notwendige Zahlungen für den Rechtsstreit erledigt worden und die Kasse ist nur noch schwach besetzt. Deshalb appelliere ich an alle, die in 2012 noch Spenden sinnvoll einbringen können, dies hier zu tun.

So geht’s: Sparda-Bank Kto.-Nr.: 2 290 197 (BLZ: 400 605 60)

Die BI hat offiziell den Status der Gemeinnützigkeit zugesprochen bekommen. Das Finanzamt Lingen hat mit Schreiben vom 12.04.2010 die vorläufige Bescheinigung ausgestellt, nach der die BI nun steuerlich absetzbare Spendenquittungen ausstellen darf.
Bei Spenden an die BI bitte beachten: In der Überweisung den Zweck (”SPENDE”) sowie deutlich und vollständig den Absendernamen und die Adresse angeben. Wir sorgen für das Ausstellen und die Rücksendung einer ordentli­chen “Zuwendungsbestätigung”.“

So weit Gerhard Schultz. Übrigens:
Die BürgerNahen haben inzwischen einen Kompromiss zum Erhalt eines großen Teiles der abgeholzten und inzwischen auch gerodeten 25.000 Quadratmeter Wald am „Altenlingener Sand“ in die Beratungen eingebracht – ein Kompromiss, der die Stadt nichts kostet. Man will prüfen, wurde gesagt. Eine solche ernsthafte Prüfung erwartet die BN.

*) Mitteilungsblatt der CDU Altenlingen – Wachendorf

(Fotos: © BI pro-Altenlingener Forst)

Belange

7. Februar 2012

Die an der Vermarktung ihrer Flächen interessierten Wachendorfer Landwirte versuchen weiterhin, im Landschaftsschutzgebiet Emstal den Bau von Windkraftanlagen durchzusetzen. Die versprechen ihnen einen höchstmöglichen Verdienst. Die Rede ist gar von 20.000 Euro und mehr pro Windrad und pro Jahr (!). Das Probem ist die 30 Jahre alte Landschaftsschutzverordnung, an der zuletzt der Lingener Golfclub Emstal knabberte, um 40 Parkplätze anzulegen, wird im Herbst ein 80 – 100jähriger Stieleichen_Wald abgeholzt. Ihn hatte man -Hirschkäfer hin oder her- aus dem Landschaftsschutzgebiet hinausgetrennt. Die Landschaftsschutzverordnung Emstal beiseite drücken  wollen auch die Wachendorfer. Ein Naturschützer sagte dazu vor ein paar Tagen zu seinen Gesprächspartnern der Lingener Wählergemeinschaft „Die BürgerNahen“, dies sei – gelänge das Vorhaben- „eine Katastrophe“. Und andernorts geschieht ähnliches und macht den politischen Umweltschützern von Bündnis’90/Die Grünen bisweilen richtige Probleme. In Oldenburg beispielsweise. Das berichtet jetzt die taz und schreibt:

Als Grünen-Politiker hat man es manchmal wirklich nicht leicht: Windkraftanlagen sind gut, Baumaßnahmen in einem Landschaftsschutzgebiet eher böse. Und wenn beides zusammenkommt, gibt es Gewissenskonflikte. Die bekommen Oldenburger Grüne derzeit zu spüren: Sie kündigten an, die Errichtung eines Windparks auf dem Stadtgebiet vorerst auf Eis legen zu wollen – und ernten dafür Unverständnis, Spott und Häme. „Grüne drehen Windräder zurück„, schreibt die örtliche Nordwest-Zeitung. Seit 2009 plant die selbsternannte „Übermorgenstadt“ Oldenburg die Errichtung von vier, möglicherweise auch fünf Windkraftanlagen auf einer der wenigen freien Flächen auf städtischem Gebiet, den sogenannten Bornhorster Wiesen, direkt an der A 29 gelegen. Ein Gutachten hatte dieses Areal, auf dem Kiebitze, Fledermäuse und Blessgänse leben, als das am besten geeignete ausgewiesen – allerdings müsste für den Bau der Landschaftsschutz teilweise aufgehoben werden. Im Vorjahr hat der Rat ein entsprechendes Verfahren auf den Weg gebracht. Mit Unterstützung der Grünen. Schließlich habe es sich bei dem gewählten Standort um den „am wenigsten schädlichen“ gehandelt, sagt …

Fortsetzung auf der Seite der taz

Stadtfahrt II

9. Januar 2012

1985 quer durch Lingen (Ems) nach Wachendorf. Teil II und mit Ton. Hochgeladen von am 05.01.2012.

Wind

28. Dezember 2011

Die Wählergemeinschaft „Die BürgerNahen“ freut sich über alle Ideen zur ökologischen Energiegewinnung – solange dadurch alle externen Effekte berücksichtigt werden. „Beim geplanten „Windpark“ im Landschaftsschutzgebiet müssen wir noch mal nachhaken, mit dieser Presseerklärung:

„Wir begrüßen die Ausführungen des Stadtbaurats zu Windenergie-Standorten in Lingen. Sie überzeugen uns!“ So reagieren die Vertreter der unabhängigen Lingener Wählergemeinschaft „Die BürgerNahen“ (BN) auf die vor den Feiertagen aufgeflammte Diskussion zur Windenergie im Landschaftsschutzgebiet in Wachendorf.

BN-Ratsmitglied Atze Storm: „Die neue Debatte ist aus mehreren Gründen bemerkenswert: Genauso wie Mitte der 1990er Jahre hat die Stadtverwaltung nach 15 Jahren geprüft, wo in Lingen Windenergieanlagen gebaut werden können. Es ist richtig, wenn die damaligen Ergebnisse überprüft werden. Außerdem ist es gut, wenn ein laufender Planungs- und Prüfungsprozess der Verwaltung durch den Rat und die Bürger begleitet werden kann und dazu offen gelegt wird. Die ‚Raumanalyse’ der Stadtverwaltung zur Windenergie ermöglicht die notwendige Bürgerbeteiligung. Wir hätten sie uns übrigens auch beizeiten für andere Anlagen zur Energieerzeugung gewünscht. Stichwort: Biogas.“

Nach Ansicht…“

weiter bei der Wählergemeinschaft „Die BürgerNahen“

(Foto: Demontierte Windenergieanlage in Schleswig-Holstein; (c) KarleHorn at de.wikipedia CC)

beide Recht

19. August 2011

Nördlich der Kreisstraße, die von Altenlingen zur A31-Auffahrt Wietmarschen führt, und damit mitten im geschützten „Landschaftsschutzgebiet Emstal“ wollen Investoren und Wachendorfer Landwirte viele Windkraftanlagen bauen. Dabei geht es um Natur und Landschaft und um verdammt viel Geld; denn Windkraftanlagen bringen für die Grundeigentümer -zig Tausende Euro Pacht – jedes Jahr ein deutlich fünfstelliger Betrag. Wenn sich dann oben der Generator dreht und unten der Mais wächst, rollt der Rubel Euro in ungeahntem Tempo. Die SPD ist dafür, die BN sind es nicht. Die Lingener CDU traut sich vor der Kommunalwahl tatsächlich, keine Meinung zu haben zu veröffentlichen.

Am Montag habe ich mich bei Claus Alfes, bekennender Fan von Preußen Münster und einer der wenigen ausgewiesenen Ökologen in der regionalen Sozialdemokratie, über sein Ja zu den Plänen beschwert. Hier (mit seiner Zustimmung) die E-Mails, die wir zum Thema gewechselt haben:

Von: Robert Koop
Datum: 15. August 2011 00:19  MESZ
An: Claus Alfes

Betreff: Landschaftsschutzgebiet

Lieber  Claus,

Du weißt, dass ich Dich und Deine Arbeit sehr schätze. Nicht mehr so sehr schätze ich die Arbeit des BUND im Emsland, dem Du angehörst und der leider nichts im Kampf um den Altenlingener Forst beigetragen hat. Ich bin deshalb aus dem BUND ausgetreten.

Jetzt zitiert Dich die SPD Lingen in einem Eigenbericht, in dem sie sich für den Bau von Windenergieanlagen im Landschaftsschutzgebiet ausspricht.  So weit, so schlimm. Aber Deine, von der SPD jetzt wiedergegebene Aussage zum Bau dieser Windkraftanlagen  im Landschaftsschutzgebiet Emstal nahe Wachendorf erzürnt mich. Die von Dir geforderte Vernetzung von drei verstreut liegenden besonders schutzwürdigen Flächen, deretwegen Du die Windkraftanlagen befürwortest, geht allemal auch ohne sie. Ziel müsse sein, lese ich Deine Aussage, Naturschutz, Landwirtschaft und Energieerzeugung in Einklang zu bringen. Das sind wohlfeile Worte, aber alles drei geht eben nicht im Landschaftsschutzgebiet, wenn man dessen Schutzcharakter ernst nimmt. Windenergieerzeuung kann genauso wenig im Landschaftsschutzgebiet erfolgen wie dort ein Campingplatz betrieben werden kann. Das ist vor nicht einmal 15 Jahren geprüft und im Stadtrat entschieden worden. Das Landschaftsschutzgebiet wurde als ungeeignet für Windenergie erkannt. Jetzt wird die der Ausweisung als Schutzgebiet geschuldete, fehlende Bebauung als Grund für die besondere Geeignetheit für einen Windpark genannt. Absurd!

Das Landschaftsschutzgebiet Emstal erhält die Leistungsfähigkeit des Naturhaushalts, die Vielfalt, Eigenart und Schönheit des Landschaftsbildes und die Erholungsfunktion dieser Landschaft. Guckst Du hier. Das passt nicht zur Windenergie.

Trotzdem  soll nun die private Vermögensbildung mit -verschwiegenen !-  jährlichen Pachtzahlungen für die Anlagen im deutlich 5stelligen Bereich an Grundeigentümer ermöglicht und alles, was das Landschaftsschutzgebiet Emstal ausmacht, soll beiseite gedrückt werden.  Das ist ganz schlimmer Lokalopportunismus und man muss nicht Schirrmacher heißen und für die FAZ schreiben, um diese Entscheidung zugunsten weniger Landwirte und zulasten von Landschaft und Natur für grundlegend falsch zu halten.

Schade, dass Du das anders siehst.

Mit freundlichen Grüßen

Robert Koop

 

Von: Claus Alfes
Datum: 16. August 2011 21:42 MESZ
An: Robert Koop

Betreff: Landschaftsschutzgebiet

Lieber Robert,

Zunächst: Meine Wertschätzung für Deine Person und Deinen unkonventionellen Stil möchte ich ausdrücklich betonen, und daran wird sich auch nichts ändern.

Ich habe mich seit 1990 bemüht, eine Vernetzung der drei Naturschutzgebiete in Wachendorf zu erreichen, aber ohne jeden Erfolg. Jetzt würde sich auf dem Wege der Kompensation für den Windpark die Möglichkeit eröffnen, dieses Ziel doch noch zu erreichen.

Welchen Preis würde man dafür zahlen? Den Bau von Windrädern in einer trostlosen Ackerlandschaft, die sich vom Autobahnzubringer kilometerweit nach Norden erstreckt, bei einer Breite von 400 bis 900 Metern. In dieser Ackerlandschaft befindet sich kein schutzwürdiger Quadratmeter. Die Bezeichnung „Landschaftsschutzgebiet Emstal“ trifft nicht den Charakter dieses Raumes.

In meinem kurzen Statement während der SPD-Begehung habe ich mehrfach betont, dass ich die Position „Landschaftsschutzgebiete dürfen nicht angetastet werden“ für ehrenwert halte.

An diesem Standort gibt es aber nichts zu schützen, stattdessen soll dort alternative Energie erzeugt werden, und auch dafür setze ich mich ein.

Selbstverständlich bin ich gerne bereit, die Angelegenheit vor Ort mit Dir zu erörtern.

Noch etwas Anderes: Die Entwicklung des BUND Emsland (völliges Abtauchen seit Jahren) enttäuscht mich sehr und stimmt mich traurig.

Alles Gute!

Claus

Von: Robert Koop
Gesendet: Dienstag, 16. August 2011 22:33
An: Claus Alfes
Betreff: Landschaftsschutzgebiet

Lieber Claus,

danke für Deine prompte Antwort. Die Antwort auf das Problem kann aber doch nicht sein, das Landschaftsschutzgebiet nun völlig kaputt gehen zu lassen, nachdem die Herren Landwirte die exzessive Vermaisung favorisiert haben. Das LSG muss zurück entwickelt, es muss verbessert werden. Zum Beispiel, indem die öffentliche Hand Grunderwerb tätigt und andere Nutzungen ermöglicht. Durch eine Energieerzeugungsanlagenplatzierung geht das aber nicht.  Wobei ich Dir auch widerspreche, dass in dieser Ackerlandschaft kein schutzwürdiger quadratmeter ist. Es gibt immerhin Ackerrandstreifen und Wallhecken.

Du musst wissen. Es  ist ein knallhartes Geschäft: Unten hektarweise Mais und oben Windkraft. Weißt Du, wieviel ein Grundeigentümer ohne jede Leistung an dieser Winkraft verdient? Wat meinste?

Und das Landschaftsbild gibt es auch noch. Die LSG-Satzung schützt auch dies.

Abendliche Grüße

Robert

ps Hast Du übrigens gesehen, wie weit es gekommen ist? Die FDP Lingen wirbt jetzt damit, sie sei sozial. Das Nächste wird sein, dass die Erde doch eine Scheibe ist…

Von: Claus Alfes
Gesendet: Donnerstag, 18. August 2011 15:41
An: Robert Koop
Betreff: Landschaftsschutzgebiet

Lieber Robert,

natürlich kann es nicht darum gehen, „das Landschaftsschutzgebiet nun völlig kaputt gehen zu lassen“.

Das wäre beim Bau des Windparks in Wachendorf auch nicht der Fall. Im Umfeld der Windräder betrifft der Eingriff eine reine Agrarsteppe, nichts Anderes.

Der als Kompensation für den Bau der Anlage vorgesehene Vernetzungsstreifen zwischen den Heidedünen der „Kamelrennbahn“ und dem Naturschutzgebiet „Moorschlatts und Heiden in Wachendorf“ liegt einige hundert Meter weiter südlich innerhalb des Landschaftsschutzgebietes und würde den gesamten Wachendorfer Raum enorm aufwerten.

Wirtschaftliche Überlegungen sind aus meiner Sicht nicht Gegenstand dieser Diskussion. Dass ich politisch links stehe, weißt Du.

Gegen eine Veröffentlichung unserer insgesamt vier E-Mails habe ich keinerlei Bedenken. Es ist schon komisch: Irgendwie haben wir beide Recht.

Alles Gute!

Claus

 

(Foto: Agrarsteppe Maisacker, © DUH)

Windkraft

18. August 2011

Die Lingener Wählervereinigung „Die Bürgernahen (BN)“ hat vorgeschlagen, an den Rändern der abgeholzten Fläche östlich der Waldstraße in Altenlingen neue Windkraftanlagen zu errichten. Unterhalb der Rotoren könne unterpflanzt und rundherum aufgeforstet werden, heißt es in einer Mitteilung der BN, an der ich mitgestrickt habe. 

„Wir sind die einzige politische Kraft, die weiterhin uneingeschränkt für die Wiederaufforstung des gerodeten Altenlingener Forstes eintritt.“ Das unterstrich am Mittwochabend der zweite Vorsitzende der Bürgernahen, Marc Riße, bei der Mitgliederversammlung der Lingener Wählergemeinschaft.

Riße: „Unsere Idee: Die Betreiber der Windenergieanlagen zahlen jährlich hohe, deutlich fünfstellige Pachten an den jeweiligen Grundstückseigentümer. Das ist in diesem Fall die Stadt Lingen. Auf diese Weise könnten die für die Flächen aufgewendeten ca. 350000 Euro in wenigen Jahren zurückgezahlt werden. Unser Modell praktiziert ökonomische und ökologische Nachhaltigkeit.“

Skeptisch steht die Wählervereinigung den von einzelnen Grundeigentümern forcierten Plänen gegenüber, in Wachendorf nördlich des Autobahnzubringers (Kreisstraße 321) zahlreiche Windkraftanlagen aufzustellen. „Die dafür vorgesehenen Flächen liegen mitten im Landschaftsschutzgebiet Emstal, dessen Ziele ganz andere sind, als dort Energieerzeugung zu betreiben.“ Es treffe zwar zu, dass trotz Wallhecken und Ackerstreifen der ökologische Wert der vor allem zum Maisanbau genutzten Flächen geringer sei als früher. Aber dies dürfe nicht dazu führen, dort jetzt durch Energieanlagen noch weniger für die Umwelt zu tun, sagte Riße.

Vielmehr müssten die sichtbaren Defizite beseitigt werden, sagte der BN-Politiker, der sich zugleich enttäuscht zeigte, dass der in diesem Bereich vor 30 Jahren eingerichtete Modellflugplatz zum Jahresende wegen der Windenergie-Pläne aufgegeben werden müsse. „Der Modellflugverein steht vor dem Dilemma, sich im Wettbewerb gegen verpachtete Maisanbauflächen ein neues Gelände suchen zu müssen. Das wird nicht einfach werden.“

(Windpark Ochsenbruch – © Ralf2103 via flickr)

Bindung

10. Oktober 2009

aktuell_veraeusserung_hofstelleUnsere Stadt will in Wachendorf ein kleines Sahnestückchen verkaufen: Eine gut erhaltene „Hofstelle“ mit 6 ha Land, bebaut mit einem zweigeschossigen Wohngebäude sowie einer Scheune und einem weiteren, bislang als Wirtschaftsgebäude genutzten Anbau. Es geht um die Hofstelle Steffens, die die Stadt erst unlängst erworben hat. Zunächst sollte der Verlauf geräuschlos an einen Nachbarn über die Bühne gehen. Als sich an dieser Verfahrensweise u.a. SPD-Kritik äußerte, entschloss man sich nolens volens zu einer öffentlichen Ausschreibung. Ich nehme an, dass diese Ausschreibung dasselbe Ergebnis haben wird. Denn alle denkbaren Hintertürchen sind schon geöffnet, heißt es doch im nachzulesenden Ausschreibungstext:

„Der Zuschlag soll grundsätzlich gegen Höchstgebot erfolgen. Die Stadt Lingen (Ems) behält sich jedoch vor, weitere Vergabekriterien –insbesondere soziale Aspekte sowie die regionale Bindung der Bieter– in die Entscheidungsfindung einzubeziehen.“

Jaja, diese regionale Bindung! Was das wohl ist?

Wissen Sie, dass ich Gedanken lesen kann; denn ich weiß, was Sie jetzt beim Lesen denken. Ich stellte mir dabei nämlich dasselbe vor wie Sie gerade, also an was und wen der Käufer Bindung haben soll.

Kein Geheimnis ist auch, dass der Verkauf nach dem Ende der Ausschreibung hinter verschlossenen Türen beraten und beschlossen wird. Aber ich verspreche: Es wird darüber zu berichten sein, wenn sich meine Ahnung bestätigt, dass hier nicht alles mit rechten Dingen korrekt zugehen wird.

Weshalb überhaupt dieses Land mit seiner  „einmaligen landschaftlichen Einbindung in das Landschaftsschutzgebiet Emstal“ (Ausschreibungstext) privatisiert wird, ist auch noch eine offene Frage. Gleichgültigkeit kann die Ursache eigentlich nicht sein. Oder etwa doch?

(Foto © Stadt Lingen(Ems) )