Stefan „Niggi“ Niggemeier ist aktuell wohl der bekannteste Medienjournalist im Land. Zusammen mit Boris Rosenkranz -früher taz und NDR- präsentiert er das Medienblog „UEBERMEDIEN“. Geboren im Harderberg nahe Osnabrück sammelte er nach dem Abitur bis 1993 erste berufliche Erfahrungen  als „fester freier Mitarbeiter“ bei der Neuen Osnabrücker Zeitung in seiner Heimat. Oder um seine „Offenlegung, natürlich“ zu zitieren:

„Ich habe vor rund 30 Jahren für die „Neue Osnabrücker Zeitung“ über Kaninchenzüchter, Karneval und Kommunalpolitik berichtet.“

Weihnachten war er zuhause im Osnabrücker Land, und jetzt bekannte er darüber bei UEBERMEDIEN dies:

„Ich hatte ja keine Ahnung! Ich war nur über Weihnachten für ein paar Tage in die alte Heimat gefahren und wusste nichts von dem Aufruhr, der die Region erfasst hat, seit RTL Mitte November bekannt gegeben hatte, dass der nächste Mann, dem in der Show „Der Bachelor“ knapp zwei Dutzend paarungswillige Kandidatinnen zugeführt werden, aus Osnabrück kommt.

Aus Osnabrück!

Und es kommt noch besser: Der Mann ist nicht irgendein Osnabrücker, nein: Es ist der Sohn des Oberbürgermeisters!

Die „Neue Osnabrücker Zeitung“ (NOZ) beschloss dann offenkundig, aus dieser Nachrichtenlage, die ihr beschert wurde, das Beste Meiste zu machen. Doch trotz ihres heftigen Buhlens um Aufmerksamkeit sieht es bislang nicht nach einer Liebesgeschichte zwischen dem Lokalblatt und dem Lokalbatsch aus.

Es beginnt alles ganz konventionell: Am Tag, als RTL die Personalie verkündete, klöppelte die NOZ aus dem PR-Material des Senders einen nachrichtlichen Artikel zusammen. Sie notiert, dass Niko Griesert 1,91 Meter groß und sportlich sei und „einfach immer gerne neue Sachen dazu“ lerne. Seine Wunsch-Partnerin solle „das Herz am rechten Fleck haben“ und „sich selbst nicht ganz so ernst nehmen“, das tue er nämlich auch nicht. Griesert sei Vater einer neunjährigen Tochter, die mit ihrer Mutter in den USA lebe und ihm alles bedeute.

Die Eskalation beginnt am nächsten Tag. „Fünf Dinge, auf die wir uns freuen“, formuliert Daniel Benedict. Benedict ist Online-Redakteur der Zeitung, aber ausweislich seines Autorenprofils auch „Zeitungspate des Bereichs Dschungelcamp“, was einerseits rätselhaft klingt, andererseits womöglich einiges erklärt.

Sein Text ist ein Ritt auf der Rasierklinge; eine gewagte Mischung aus Lokalstolz und Lokalverachtung, aus gut gelaunter Ironie und übertriebenem Wichtignehmen. Er fragt:

Hat Niko das Zeug zum OSfluencer? Hält die Stadt des Westfälischen Friedens den Zickenkriegen der Kuppel-Show stand? Und wird die Nation jetzt endlich begreifen, dass Osnabrück weder Oldenburg ist noch Saarbrücken?

Benedict weiß, dass RTL „traditionell“ schon in der ersten Folge an Orte führe, „die den Titelhelden prägten“:

Vor einem Millionenpublikum kann eine Stadt hier ihre schönsten Seiten zeigen. Sebastian beispielsweise, der Vorjahres-Bachelor, posierte im Münchner Wohnghetto seiner Kindheit, er zeigte die U-Bahn-Station, für die ihm wegen Jugendgewalt ein Platzverweis erteilt wurde, und die JVA, in der ihn seine Mutter besuchte.

Auch Osnabrück habe schöne Ecken:

gesellschaftliche Hotspots wie die Halle Gartlage mit ihren Zuchtviehauktionen. Naherholungsgebiete wie den Piesberg, jenen malerischen Steinbruch, in dem die Ladung von 500.000 Müllautos vergraben ist.

Bis an die Zähne bewaffnet mit einer beindruckenden, beunruhigenden Menge an Detailwissen über vergangene „Bachelor“-Staffeln malt sich der Berichterstatter aus, wie der gegen Ende der Show anstehende Besuch im Elternhaus der Auserwählten verlaufen…“

…das Osnabrücker Drama lest bitte weiter bei UEBERMEDIEN
Es lohnt, wie fast immer bei @niggi.

 

OB-Wahl in Osnabrück

17. Januar 2021

Annette Niermann weiß, wie es sich anfühlt, eine Wahl zu gewinnen. 2014 wird sie Bürger­mei­ste­rin von Bad Iburg, als erste Grüne in Niedersachsen. 53,3 Prozent fährt sie ein, deklassiert CDU und SPD. Ob es ihr gelingt, diesen Erfolg in Osnabrück zu wiederholen, wird sich im September zeigen. Da tritt sie an, um Oberbürgermeisterin zu werden. Sollte ihr das gelingen, würde sie mit Anna Kebschull, seit 2019 die bundesweit erste Grünen-Landrätin, eine Doppelspitze bilden. „Das wär natürlich total spannend“, sagt sie. „Da hätte ich echt Lust drauf.“

„Klimagerechter, fahrradfreundlicher, sozialer“ will Niermann Osnabrück machen. Außer ihr steht noch kein anderer Kandidat fest. Selbst Amtsinhaber Wolfgang Griesert (CDU) schweigt bislang, ob er noch mal antritt. Ein kleiner Coup des Vorstands der örtlichen Grünen, so früh den Hut in den Ring zu werfen. Die Parteibasis hat Niermann zwar noch nicht offiziell bestätigt, das steht für Ende Januar an, aber Gegenwind ist nicht zu erwarten – die Unterstützung durch die Ratsfraktion der Grünen ist bisher einstimmig.
Niermann habe in Bad Iburg gezeigt, „dass sie gestalten kann“, sagt Volker Bajus, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Osnabrücker Stadtrat und Landtagsabgeordneter. Es gelte, in Osnabrück „Stillstand und Bedenkenträgerei“ zu beenden. Viele hatten erwartet, Bajus werde selbst antreten, um Griesert abzulösen, den oft blassen Verwalter. Es kommt anders.

Niermann, seit 2002 Mitglied der Grünen, ist 52 und bezeichnet sich selbst als „begeisterungsfähig, zugewandt, experimentierfreudig und lösungsorientiert“. Und als „mutig“. Das muss auch sein, wer in Osnabrück dafür eintritt, die City langfristig autofrei zu machen und Flächenfraß durch neue Baugebiete zu vermeiden. „Das hab ich auch schon zu hören gekriegt“, sagt sie. „Da hieß es dann: Ist ja schon ziemlich radikal, was du da raushaust.“

Niermanns politische Karriere begann 2002 im Rat von Bad Iburg. 2006 wurde sie Mitglied im Kreistag und 2009 Fraktionsvorsitzende der Grünen. Osnabrück kennt sie ebenso gut wie Bad Iburg – sie hat lange dort gelebt, war dort lange Verwaltungsangestellte. Was jetzt das Vordringlichste ist? „Formate zu entwickeln, in denen Wahlkampf möglich ist, in Zeiten von Corona“, sagt sie. Wie sie demnächst von Bad Iburg nach Osnabrück ins Rathaus käme? „Ich hab ja ein E-Auto. Und ein E-Bike, da sind die Berge kein Problem.“

(Ein Beitrag von Harff-Peter Schönherr in der taz; Foto: Annette Niermann und Besucher)

Götz und Theater als Film

22. Dezember 2020

Das Theater Osnabrück zeigt „Götz von Berlichingen“ digital – als Film, der nicht nur Bühnengeschehen dokumentiert. Ein taz-Besuch bei den Dreharbeiten.

Spätmittelalterlicher Nahkampf ist laut. Kettenhemden klirren, Schwerter krachen auf Schilde, Harnische knirschen, Lanzenspitzen verhaken sich ineinander. Schlachtrufe branden auf, Verwundete röcheln sich in den Tod. In einem riesigen Banner wühlt knallend der Wind. Spätmittelalterlicher Nahkampf ist brutal.

Auch an diesem Mittwochmorgen Ende November, im 3. Akt von Goethes brachialem Sturm-und-Drang-Epos „Götz von Berlichingen“: Sechs blutgetränkte Kämpfer des Theaters Osnabrück stechen, hacken, schneiden, stoßen und prügeln aufeinander ein, ringen einander zu Boden, mitten unter ihnen Oliver Meskendahl mit bizarr deutschblonder Mähne, als Titelfigur. Schmerzschreie, Flüche, Wutgebrüll. „Yeah!“, feuert Kampfchoreograf Jan Krauter an. „Ihr macht das geil!“

Er ist der richtige Mann für solche (un-)klassischen Gemetzel. 2019 hat er in Osnabrück Heinrich von Kleists „Die Familie Schroffenstein“ auseinandergenommen, schräg, ironisch, nihilistisch und wild. Damals, als noch Zuschauer ins Theater durften, live, ohne Maske und Mindestabstand.

Es geht um die Grenzen der Freiheit. Darum, dass Gewalt Gegengewalt gebiert. Und der Kill Count ist am Ende wirklich beeindruckend

Seit vier Wochen dreht Foerster jetzt an seinem „Götz“. Jeden Morgen ist Aufnahme, jeden Nachmittag Probe. Dazwischen noch der Schnitt. Es wird ein abendfüllender Film. Am 12. Dezember hat er auf der Theater-Website Premiere, als Stream. „Götz“ ist eine Antwort auf Corona. Der einzige Weg, sich dem Publikum zu zeigen, ist ja derzeit das Video, die Drift ins Digitale.

Den Wandel zum Filmstudio ist das Theater Osnabrück mittlerweile gewohnt: Jüngst lief hier Dominique Schnizers „Tödliche Entscheidung“, ein interaktiver Krimi in drei Folgen, als Livestream, Chat mit dem Regieteam während der Vorstellung inklusive.

Aber heute, an diesem Mittwochmorgen Ende November, ist alles ein bisschen anders. Denn das goethesche Gefecht findet nicht auf der Bühne statt, sondern draußen, auf einem echten Gefechtsfeld, 20 Kilometer von Osnabrück entfernt, in Kalkriese: Für die Kampfszenen steht Foersters Regietisch ganz bewusst dort, wo…

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Chanukka

15. Dezember 2020

Aus Osnabrück erreichte mich zum vergangenen Wochenende ein Video zu Chanukka von der Jüdischen Gemeinde mit Grußbotschaften und Gesängen aus verschiedenen Ländern, u.a. Osnabrück/Deutschland, Jerusalem/Israel und Riga & Jurmala/Lettland, initiiert vom Verein „Drei Stufen e.V.“ um Kantor Baruch Chauskin und seiner Musikgruppe. Die Gedenkstätte Gestapokeller aus Osnabrück ist mit im Boot. Dauer: ca. 1:10 Std –  geduldiges Hören eröffnet fröhliche Gesänge.

Lichtsymbolik ist ein fester Bestandteil vieler Religionen, nicht nur der Christenheit mit ihren vier Adventskerzen, dem Stern von Bethlehem, der Lichterbaum und dem Licht der Welt. Vom 11. bis 20. Dezember 2020 feiern die Juden in aller Welt das jüdische Lichterfest Chanukka. Es fällt stets auf den 25. Tag des jüdischen Monats Kislew und damit in die Advents- und Weihnachtszeit. Doch mit der Geburt Christi hat dieser Feiertag natürlich nichts zu tun.

Die Juden erinnern mit dem acht Tage dauernden Chanukkafest an die Wiedereinweihung des zweiten Tempels von Jerusalem im jüdischen Jahr 3597 (also 164 vor Christus). Damals befreite Judas Makkabi mit seinen Männern Israel von der Herrschaft der Griechen und führte im Tempel zu Jerusalem wieder den jüdischen Gottesdienst ein.

Der Überlieferung nach wollten die Makkabäer damals die Menora, den großen siebenarmigen Leuchter, neu entzünden, fanden im zerstörten Tempel aber nur noch geweihtes Öl für einen Tag. Zur allgemeinen Verwunderung brannte das Licht aber acht Tage lang, bis man neues Öl beschafft hatte. Daran erinnern die Lichter am Chanukkafest.

Die Feier findet abends im Kreise der Familie statt. Es wird aus der Tora vorgelesen und an vergangene Zeiten erinnert. Die Kinder bekommen kleine Geschenke. Als Festspeise gibt es Ölkrapfen und jüdische Latkes. Diese Speisen sollen an der Wunder des brennenden Öls im Tempel erinnern. Nach Einbruch der Dunkelheit wird täglich ein weiteres Licht oder eine weitere Kerze entzündet, bis am letzten Tag alle 8 Lichter brennen…

Ein Livemitschnitt des Online-Musikabends „Wir feiern Chanukka – das Lichterfest“ 10. Dezember 2020 Livestream aus der Jüdischen Gemeinde Osnabrück , der Gedenkstätte Gestapokeller, aus Riga, Jurmala und aus Jerusalem
Begrüßung – Shimi Lang, Rabbiner der Jüdischen Gemeinde Osnabrück –
Georg Hörnschemeyer, Vorsitzender des Vereines Gedenkstätte Gestapokeller und Augustaschacht e.V. in Osnabrück –
Lolita Tomsone, Direktor bei Žanis Lipke Memorial, Riga, Lettland
Beitragende Künstler:
Kantor Baruch Chauskin, Osnabrück –
Duo NIHZ (Bobby Rootveld und Sanna van Elst), Nordhorn –
Roman & Ilja Testelec, http://www.Rudaga.lv, Jurmala, Lettland –
Alexei Belousov & Ruth Levin, Israel –
Michel Kahn & CO, Jerusalem.

Es ist eine Veranstaltung im Rahmen des Projektes „Musik mit Musik überwinden“
Gefördert durch Sparkasse Osnabrück, Gemeinde Hasbergen und weitere Partner.
2020 – DREI STUFEN e.V.

Einspruch erfolglos

5. Dezember 2020

Die taz berichtet aktuell über einen Vorgang, von dem gemeinhin die interessierte Öffentlichkeit nichts erfährt. Es geht um die berufsständischen Selbstverwaltung der Ärzte in Deutschland. Sie findet in Ärztekammern statt, die die ihnen aufgrund landesrechtlicher Heilberufe-Kammergesetze übertragenen Aufgaben eigenverantwortlich wahrnehmen. Die Kammergremien werden regelmäßig gewählt. In diesen Tagen zum Beispiel die Kammerversammlung in Niedersachsen, in die der Arzt Dr. med. Steffen Grüner einziehen will. Er steht für die Kammerversammlung der Ärztekammer Niedersachsen (ÄKN) im Wahlbezirk Osnabrück/Aurich zur Wahl.

Aktuelles Ziel des Allgemeinmediziners, der seit Mai 2020 bereits vorläufiger Leiter der Osnabrücker Bezirksstelle der Ärztekammer Niedersachsen (ÄKN) ist, ist der Einzug in die Kammerversammlung der ÄKN, das Niedersächsische Ärzteparlament – doch daran gibt es große Kritik. Grüner fiel in der Vergangenheit häufig mit rechten Parolen auf. Auf Twitter stellt er muslimische Männer als generell gewalttätig dar, spricht von „Linksfaschismus“, hetzt gegen Migranten. So postete er zum Beispiel ein Vorher-Nachher-Bild eines muslimischen Pärchens. Vorher sagt sie lächelnd und unversehrt: „Ich war zu Beginn gegen das Kopftuch.“ Nachher: „Aber mein Mann hat mich doch überzeugt.“ Auf dem Nachher-Bild hat sie neben dem Kopftuch ein blaues Auge und ausgeschlagene Zähne.

Grüner kandidiert im Wahlbezirk Osnabrück/Aurich, auf Wahlliste 11, Motto: „Arzt sein verbindet“. Die Wahl läuft noch bis zum 14. Dezember. Würde Grüner gewählt, hätte er Einfluss auf die Ausschüsse, auf das Präsidium.

Das wollen einige seiner Ärztekollegen nicht zulassen. Sie haben Einspruch gegen Grüners Eintragung ins Wählerverzeichnis erhoben, sind damit aber gescheitert. Unter den Gegnern der Kandidatur ist Dr. med. Uwe Lankenfeld, Bezirksausschussvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN). Bis heute weiß er nicht, warum der Einspruch erfolglos war: „Der Wahlausschuss hat die vorgetragenen Argumente gar nicht geprüft.“ Dabei sprechen schon formale Gründe gegen Grüner. Denn Grüner praktiziert hauptsächlich in Westerkappeln in Nordrhein-Westfalen und ist deshab auch Mitglied der Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL). Das hatte schon bei seiner Wahl zum Leiter der Osnabrücker Bezirksstelle der ÄKN für Zündstoff gesorgt; denn die Kammersatzung legt fest, dass den Bezirksstellen Kammermitglieder angehören, „die ihren Beruf überwiegend in deren Verwaltungsbezirk ausüben“ – also in Niedersachsen. Lankenfeld hatte Grüners Wahl angefochten, mit Erfolg. Aber Grüner klagt noch vor dem Verwaltungsgericht, und diese Klage hat aufschiebende Wirkung. Seither schwebt das Verfahren, und Grüner amtiert somit vorerst als Leiter der Bezirksstelle.

In dieser Funktion mochte sich Grüner auch vm Arzt Dr. med. Siegfried Sonneck nicht offiziell distanzieren (Die taz berichtete) – ungeachtet des Imageschadens, den das für die ÄKN bedeutet. Auch Sonneck ist Mitglied der Osnabrücker Bezirksstelle der ÄKN und es läuft derzeit ein Verfahren wegen islamfeindlicher Volksverhetzung gegen ihn. Arzt sein verbindet? Hier sicher nicht. Oder eben doch, unter Gleichgesinnten. Filiz Polat,…

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(Foto: pixabay)

Nachtbürgermeister

21. November 2020

Es ist eine der grundlegenden Forderungen der in Normalzeiten von Feiertunkenen so geplagten Lingener Innenstadtbewohner/innen: Stellt bitte einen Nachtbürgermeiste ein, damit wir nicht schlaflos bleiben, weil andere (in Zeiten ohne Corona) nächtens Party machen! Nebenan in Osnabrück haben sich jetzt gerade 17 Frauen und Männer um den Posten des sog. Nachtbürgermeisters beworben. Dieser allerdings soll auch dafür sorgen, dass nach Corona das Nachtleben der Stadt wiederbelebt wird.

Unter den BewerberInnen seien Gastronomen, Clubbesitzer und Kaufleute, teilte das Osnabrücker Stadtmarketing mit. Geschäftsführer der Marketing Osnabrück Alexander Illenseer sagte, er sei sicher, dass ein passender Kandidat unter den Bewerbern ist. Eine Entscheidung, wer die Teilzeitstelle bekommt, wird wohl spätestens Anfang 2001 fallen.

Im September hatte der Rat der Stadt Osnabrück dem Pilotprojekt zugestimmt, Mitte November endete die Bewerbungsfrist. Die Stelle wird von der Stadt Osnabrück und der Wirtschaft bezahlt und zunächst auf zwei Jahre befristet. Der Nachtbürgermeister oder die Nachtbürgermeisterin wird die zentrale Anlaufstelle und Ansprechperson für Gastronomen, Veranstalter, Kulturschaffende, Anwohner, Politik und Verwaltung. „Es ist klar, dass in dem Bereich gerade besondere Unterstützung nötig ist. Sozusagen für die Nach-Corona-Zeit. Der Zeitpunkt ist also perfekt“, erklärte Illenseer.

Gänzlich neu ist der Ansatz nicht: 2018 hatte in Mannheim Deutschlands erster Nachtbürgermeister sein Amt angetreten. Hierzulande gibt es inzwischen auch in Heidelberg, Mainz und Berlin bereits welche. Bald auch in Lingen (Ems)?

Seit gestern Abend und noch bis zum 25. Oktober wird in Osnabrück fünf Tage lang eine Auslese internationaler Kinoproduktionen angeboten, mit den gewohnten Festivalsektionen, Wettbewerben, einem umfassenden Rahmenprogramm und Gästen, die die Aufführung ihres Films begleiten werden. Andererseits unterscheidet sich Filmfest 35. FilmFest mit wesentlichen Neuerungen von den früheren Ausgaben: Erstmals gibt es gleichzeitige Aufführungen in drei Kinos und mit ffos+ ein Streaming-Angebot. Kino, so betonte Julia Scheck, die seit 2016 die Geschicke des Festivals lenkt, sollte auch in Zukunft auf der großen Leinwand stattfinden. Die Bild- und Tonqualität, der konzentrierte Blick, das Gemeinschaftsgefühl lassen sich am heimischen Bildschirm nicht ersetzen.

Erneut werden im Rahmen des Festivals Auszeichnungen vergeben. Der mit 15.000 Euro dotierte Osnabrücker Friedensfilmpreis wird gestiftet von der Sievert Stiftung für Kunst und Kultur, die bei der Pressekonferenz durch Geschäftsführerin Katharina Meyer vertreten wurde. Für den Fachbereich Kultur der Stadt Osnabrück war Katrin Hafemann gekommen und unterstrich die Bedeutung des Mediums Film für die Vermittlung zeitkritischer und gesellschaftsrelevanter Inhalte. In diesem Sinne stattet die Stadt Osnabrück den im Zuge des Unabhängigen FilmFests von einer Kinderjury vergebenen Filmpreis für Kinderrechte mit einer Prämie in Höhe von 2.000 Euro aus.

Ebenfalls preisgekrönt werden der beste Kurzfilm und der beste studentische Kurzfilm. In diesen Sektionen entscheidet das Publikum. Preisstifter sind der Studierendenrat der Universität Osnabrück und das Marketing Osnabrück. Die Gewinner:innen werden im Rahmen der Abschlussveranstaltung in der Lagerhalle am Sonntag, 25.10., um 17 Uhr bekanntgegeben.

Nach einem Überblick über die in diesem Jahr vorherrschenden Themen vermittelten Ausschnitte des kommenden Programms erste bildliche Eindrücke und Begegnungen mit Schauspielerinnen und Schauspielern. Freuen darf sich das Publikum unter anderem auf den international gefragten, unter anderem aus „Game of Thrones“ bekannten Schauspieler Dar Salim, der ab dem Frühjahr 2021 in der Rolle des dänischen Ermittlers Mads Andersen im Bremer „Tatort“-Team ermitteln wird. Im Rahmen des FilmFests ist er in der Politsatire „Curveball – Wir machen die Wahrheit“ zu sehen: Als vorgeblicher Spion, der mit blumig ausgemalten Berichten die Initialzündung zum zweiten Irakkrieg leistet. Johannes Naber, der Regisseur des Films, wird die Aufführung voraussichtlich begleiten.

Auch Regisseur Jean Boué und Protagonisten seines Dokumentarfilms „Die letzten Reporter“ werden zur Weltpremiere in Osnabrück erwartet. Boué begleitete eine junge Journalistin und zwei ältere Kollegen über mehrere Monate mit der Kamera. Alle haben unterschiedliche Schwerpunkte, aber eines gemeinsam: Sie müssen sich mit Personalknappheit und im Zuge der Digitalisierung geänderten Arbeitsbedingungen arrangieren. Einer der drei porträtierten Reporter ist der Osnabrücker Journalist Werner Hülsmann. Die Filmkamera ist unter anderem dabei, wenn Hülsmann die Sopranistin Ulla Weller und den Schlagerparodisten Christian Steiffen interviewt. Auch Werner Hülsmann hat sein Erscheinen angekündigt.

Auch „White Riot“, ein Dokumentarfilm über die Anfänge der britischen Rock-Against-Racism-Bewegung, verweist auf unsere Gegenwart: „Put Britain First!“ lautete einer der Slogans der rechtsradikalen National Front. Gleiche Töne kennt man aus dem derzeit stattfindenden US-amerikanischen Wahlkampf. Die Londoner Künstler- und Musikszene wollte die verbalen Ausfälle und gewalttätigen Übergriffe rechter Demokratiefeinde nicht stillschweigend hinnehmen und startete eine Kampagne. Zu den Bands der ersten Stunde zählten The Clash, Sham 69, die Tom Robinson Band, X-Ray Spex, Steel Pulse, Matumbi und Misty in Roots. Ein rares Juwel: In Originalaufnahmen ist die kurzlebige pakistanisch-britische Punkband Alien Kulture zu sehen und zu hören.

In einer Deutschlandpremiere zeigt das FilmFest „Le choc du futur“. Mit der Figur der Musikerin Ana würdigt der französische Spielfilm stellvertretend die Pionierinnen der elektronischen Musik und erzählt von der Weiterentwicklung der klassischen Elektronik zur tanzbaren Clubmusik. Die elektronische Musik ist ein Fachgebiet, auf dem an der Universität Osnabrück seit langem gelehrt und geforscht wird. Die Hauptdarstellerin Alma Jodorowsky ist die Enkelin des Regieexzentrikers Alejandro Jodorowsky. Frankreichs Disco-Pop-Ikone Corine spielt sich selbst.

Auf die Festivalbesucher:innen warten ferner Begegnungen mit brasilianischen Skaterinnen („My Name ist Baghdad“), russischen Exzentrikern („Garagenvolk“), den heutigen Bewohnern der berüchtigten Siedlung Colognia Dignidad („Songs of Repression“) und mit der mutigen Menschenrechtsaktivistin Ximei in dem von dem Künstler und Regimekritiker Ai Weiwei produzierten gleichnamigen Dokumentarfilm. Das lebendige und bildgewaltige afrikanische Filmschaffen ist mit „This Is Not a Burial, It’s a Resurrection“ und „Air Conditioner“ in Osnabrück vertreten. Die angolanische Musikerin Aline Frazão schrieb den Soundtrack zu „Air Conditioner“, der soeben veröffentlicht wurde.

Stark besetzt ist ebenfalls die in Osnabrück traditionell gepflegte Sektion „Vistas Latinas“ mit gesellschaftskritischen, schaurigen, auch märchenhaft verspielten Filmen aus dem lateinamerikanischen Raum.

Das Programm wird abgerundet durch zwei Dokumentarfilme aus dem Programm des European Media Art Festivals, das in diesem Jahr in Reaktion auf die Corona-Krise abgesagt werden musste.

Veranstaltung: 35. Unabhängiges FilmFest Osnabrück
Termin: 21. bis 25.10.2020
Spielstätten: Filmpassage, Filmtheater Hasetor, Haus der Jugend, Lagerhalle
Anfangszeiten, weitere Informationen und Tickets unter filmfest-osnabrueck.de

Erich Maria Remarque

25. September 2020

Auf Erich Maria Remarque ist Deutschland längst stolz – auf ihn, den US-amerikanischen Staatsbürger, der viel in der Schweiz lebte. 1964 erhielt Remarque die Justus-Möser-Medaille seiner Geburtsstadt Osnabrück, 1967 das Große Bundesverdienstkreuz. 1968 wurde Remarque als Mitglied in die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung aufgenommen. Insbesondere diese Ehrung soll den 70-Jährigen sehr gefreut haben. Seit Längerem immer wieder schwer krank starb der Schriftsteller heute vor 50 Jahren am 25. September 1970 in einer Klinik im schweizerischen Locarno.

Der NDR würdigt diesen großen Deutschen:

„Als 18-Jähriger muss Erich Paul Remark zum Militär. Nach kurzer Ausbildung kämpft er im Ersten Weltkrieg als Rekrut an der Westfront. Sehr bald wird er von Granatsplittern schwer verwundet, liegt lange im Lazarett – und intensiviert dort sein Schreiben. „Den wahren Schrecken des Krieges lernt man erst im Lazarett kennen“, formuliert er später in seinem Anti-Kriegsroman „Im Westen nichts Neues“, mit dem er als Erich Maria Remarque berühmt wird.

Als Erich Paul Remark kommt der Schriftsteller am 22. Juni 1898 in Osnabrück als Sohn des Buchbinders Remark auf die Welt. Diese Tatsache, die 30 Jahre später aus politischen Gründen bestritten wird, ist durch eine Geburtsurkunde der Stadt belegt. Er besucht er die Schule, danach das katholische Lehrerseminar. Im Jahr 1916 erscheint sein erster Text „Von den Freuden und Mühen der Jugendwehr“.

Als der Krieg zu Ende ist, absolviert er seine Lehrerprüfung und beginnt in Lohne bei Lingen als Volksschullehrer zu arbeiten, unterrichtet einige Wochen in Klein Berßen, schließlich einen Monat lang in Nahne bei Osnabrück. Aber der Beruf ist nicht das Richtige für ihn. Er quittiert den Schuldienst, hält sich mit Jobs über Wasser, schreibt Gedichte und Kurzgeschichten und veröffentlicht Theater- und Konzertkritiken bei der „Osnabrücker Tages-Zeitung“. In dieser Zeit experimentiert er mit Künstlernamen. Er sieht den Ursprung seines Namens Remark bei französischen Vorfahren und entscheidet sich irgendwann – auch in Anlehnung an den Schriftsteller Rainer Maria Rilke – für Erich Maria Remarque. 1920 erscheint sein erster Roman „Die Traumbude“…“

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Osnabrücker

26. Juli 2020

Kopfschütteliges bei den Nachbarn. Da ist am Freitag ein Osnabrücker mit seinem SUV in das weltgrößte Fahrradparkhaus gefahren. Das ist in Utrecht, fahrradfreundliche Hauptstadt der gleichnamigen Provinz.

Frage aus den Niederlanden: „Duitser begrijpt fietssymbool niet. Is het symbool voor een Nederlandse fiets in Duitsland anders?

Web-Antwort aus Osnabrück: „Man muss dafür Verständnis haben. So gute Infrastruktur gibt es in Osnabrück nur fürs Auto. Da kann man in der benachbarten Fahrradnation schon mal durcheinander kommen…“

Der Junge Deutsche Jazzpreis Osnabrück kann trotz der Corona-Krise auch in diesem Jahr ausgeschrieben werden. Für die Gewinner winkt ein Preisgeld von 3.000 Euro für Ensembles und 1.000 Euro für den besten Solisten.

Mit dem Wettbewerb des Instituts für Musik der Hochschule Osnabrück (IfM) werden vielversprechende Jazz-Studierende auf ihrem Weg in die Professionalität unterstützt. Er richtet sich an junge Ensembles, die aus drei bis sieben Mitgliedern bestehen und von denen mindestens die Hälfte an einer deutschen Musikhochschule studiert. Die Ausschreibung wendet sich ausdrücklich an Studierende aller Nationen, die Altersgrenze liegt jedoch bei 30 Jahren.

Der Wettbewerb um den Jungen Deutschen Jazzpreis wurde von Lehrenden der Studienrichtung Jazz des IfM initiiert und geht mittlerweile in die siebte Runde. Realisiert werden kann er dank der finanziellen Unterstützung der Felicitas und Werner Egerland-Stiftung. Nach Sichtung der Wettbewerbsunterlagen durch eine hochkarätig besetzte Jury werden drei Ensembles zur Finalrunde nach Osnabrück eingeladen, die am 2. Dezember 2020 stattfindet.

Im renommierten Jazzclub BlueNote präsentieren sich die Bands vor Publikum und Jury mit einem jeweils vierzigminütigen Konzert. Die Preisverleihung findet am selben Abend statt. Das Preisgeld beträgt 3.000 Euro für den Ensemblepreis und 1.000 Euro für den besten Solisten. Um den kreativen Austausch mit jungen Akteuren der Jazz-Szene am Wettbewerbsstandort Osnabrück über das Finale hinaus zu stärken, verpflichten sich die Gewinner des Ensemblepreises zu einem eintägigen offenen Jazz-Workshop am IfM. Dabei vermitteln sie ihr Know-How interessierten jungen Musikern. Der Tag endet mit einer gemeinsamen Konzert-Session aller Beteiligten. Mehr Informationen zum Jungen Deutschen Jazzpreis Osnabrück finden sich hier.

ps Dem Auftritt der Preisträger in Osnabrück könnte doch auch ein weiterer am Campus Lingen folgen, oder?