Der Geschichte auf der Spur: In der Region laden das Landesarchiv und das NUSO-Archiv  in Osnabrück sowie das Stadtarchiv Lingen zum Besuch ein: am Samstag, 3. März 2018 ist von 10 bis 16 Uhr der Tag der Archive!

In Lingen verwandelt sich der Flur des Stadtarchives in die Lingener Burgstraße. Auf Fotos und Tafeln beleuchtet das Stadtarchiv gemeinsam mit dem Heimatverein Lingen (Ems) den alten Zustand der Häuser zwischen Markt und Promenade. Es werden historische Bewohner vorgestellt und die Baugeschichte wird verfolgt. Jeweils um 10.00, 12.00 und 14.00 Uhr führt Stadtarchivar Dr. Mirko Crabus durch Ausstellung und Magazine. Auch der Arbeitskreis Lingener Familienforscher steht mit Rat und Tat bereit und beantwortet Fragen zu Lingener Verwandtschaftsverhältnissen und zur Herkunft von Familiennamen. Zudem können Besucher in Geburtsregistern (1874-1905). Heiratsregistern (1874-1935) und Sterberegistern (1874-1985) Namen recherchieren.
Der Tag der Archive beginnt um 10 Uhr in der Baccumer Straße 22 (Gebäude der Stadtbibliothek). Der Eintritt ist frei und es ist keine Anmeldung erforderlich.

Eigentlich aber lautet das diesjährige Motto des bundesweiten Tags der Archive „Bürgerrechte und Demokratie“. Das scheint mir in Lingen nicht im Vordergrund zu stehen. Anders ist dies in Osnabrück.

Wie es zu den heute scheinbar selbstverständlichen Rechten für Männer und Frauen und zur Entwicklung einer demokratischen Gesellschaftsform gekommen ist, kann man dort aus den historischen Quellen erfahren, die das Niedersächsische Landesarchiv am Standort Osnabrück aufbewahrt.

Das Archiv in der Schloßstr. 29 ist ein offen und freundlich gestaltetes Haus. Hier befinden sich Unterlagen aus den staatlichen Institutionen in der Stadt Osnabrück und den Landkreisen Osnabrück, Emsland und Grafschaft Bentheim, aber auch Archivgut kommunaler Herkunft wie etwa der Stadt und des Landkreises Osnabrück sowie die Archive der Universität und der Hochschule Osnabrück. Guts-, Adels- und Wirtschaftsarchive sind ebenfalls wichtige Bestände.

„Demokratie und Bürgerrechte sind keine Selbstverständlichkeit. In unserer Gesellschaft müssen sie stets neu diskutiert, ausgehandelt und verteidigt werden. Die Archive sind dabei ein Fels in der Brandung. Sie bewahren das Geschehene für nachfolgende Generationen, sind eine verlässliche Informationsquelle und schützen somit aktiv unsere Demokratie“, so der VdA- Vorsitzende Ralf Jacob. „Am TAG DER ARCHIVE wollen wir das den Bürgerinnen und Bürgern in ganz Deutschland zeigen.“

Der Tag der Archive findet in zweijährigem Turnus bundesweit an einem Wochenende Anfang März statt. Das Landesarchiv in Osnabrück öffnet am 3. März, um zwischen 10.00 und 16.00 Uhr einen Blick hinter die Kulissen zu ermöglichen und über seine Aufgaben zu informieren.

Neben den allgemeinen Magazinführungen gibt es auch spezielle Angebote: Unter dem Titel „Verbrecher, Mitläufer, stille Helden“ werden in zwei thematischen Führungen Fallbeispiele zur Entnazifizierung in Osnabrück und im Emsland demonstriert. Was Überlieferungsbildung für Bürgerinnen und Bürger bedeuten kann, soll der Versuch „Quellen von gestern, von heute, für morgen.  Eine Zeitkapsel für Osnabrück gestalten!“ zeigen. Daneben gibt es Einführungen in den Umgang mit dem archivischen Recherchesystem Arcinsys und kleine Ausstellungen mit Informationen über die Archivgeschichte und besondere Archivalien. Kinder können sich an das Gießen von Siegeln wagen oder Wappenmalerei ausprobieren.

Das Osnabrücker Programm:

  • Quellen von gestern, von heute, für morgen: Eine Zeitkapsel für Osnabrück gestalten
  • Verbrecher, Mitläufer, stille Helden. Fallbeispiele zur Entnazifizierung in Osnabrück und im Emsland um 12:00 und 14:00 Uhr
  • Magazinführungen stündlich zwischen 10:30 und 14:30 Uhr
  • Systematisch Forschen: Eine Einführung in die Recherche mit Arcinsys um 11:00 und 13:00 Uhr
  • Büchertisch und Blog des Historischen Vereins
  • Für unsere kleinen Besucher ist auch was dabei: Siegelgiessen und Wappenmalen

In Osnabrück steht Besuchern auch das NUSO-Archiv Kolpingstr. 7, Raum 01/201 offen. Das NUSO-Archiv (Nachhaltigkeit und Umweltbildung für die Stadt Osnabrück) präsentiert die Ausstellung „Hase – Fluß durch die Zeit“, was auch dem Motto „Bürgerrechte und Demokratie“  nicht gerecht wird. Mehr…

Auch der Landkreis Emsland unterhält ein Kreisarchiv, das sich aber -soweit ich sehe- nicht am Tag der Archive teilnimmt. Ob dies daran liegt, dass „Bürgerrechte und Demokratie“ nicht den Nerv der Institution treffen, erscheint mir gut möglich aber nicht sicher. Eher denkbar dürfte sein, dass an diesem 3. März in Meppen anderes ansteht: Der lokale SV Meppen tritt in der heimischen Arena gegen den FC Carl Zeiss Jena  an…

Mit dem Veranstaltungstermin des Tag der Archive  Anfang März möchte übrigens der Verband Deutscher Archivarinnen und Archivare auch an den Einsturz des Historischen Archivs der Stadt Köln am 3. März 2009 erinnern, dessen Verarbeitung noch längst nicht abgeschlossen ist. Darüber hinaus soll der Öffentlichkeit die Vielfalt des Archivwesens verdeutlicht werden: Große Staatsarchive beteiligen sich ebenso wie die örtlichen Kommunalarchive, Kirchenarchive finden sich im Veranstaltungskalender neben Universitäts-, Parlaments- und Wirtschaftsarchiven. Dazu kommen Adels-, Medien- und Parteiarchive sowie Archive von Verbänden, Stiftungen und wissenschaftlicher Institutionen. In einigen Orten kooperieren auch verschiedene Einrichtungen und bieten gemeinsame Veranstaltungen zu einem bestimmten Schwerpunkt an.

(Quellen: PM)

Einmal im Jahr ermöglicht die „Gesellschaft der Freunde. Morgenland Festival Osnabrück“ ein besonderes Konzert – ein Intermezzo zwischen den Festival-Jahren.
In diesem Jahr treffen vier Ausnahmemusiker zusammen, die das Publikum bei der Eröffnung 2017 begeistert haben, nämlich
Rabih Lahoud, Moslem Rahal, Anna-Lena-Schnabel, Florian Weber.
Sonderkonzert der Gesellschaft der Freunde.
Morgenland Festival Osnabrück 
Osnabrück –  Kleine Kirche am Dom, Große Domsfreiheit 6, 
Sonntag den 18. Februar 2018 um 18:00 Uhr
Karten ab 15 Euro hier
 Der libanesische Sänger Rabih Lahoud kam zum Studium nach Deutschland und belebt seitdem die deutsche Musikwelt, die junge Saxofonistin Anna-Lena Schnabel ist gefeierter „Shooting Star“ der Jazz-Szene, den grandiosen Ney-Spieler Moslem Rahal hält nicht nur Jordi Savall für einfach „den besten“ und Jazzpianist Florian Weber ist einer der spannendsten Pianisten seiner Generation.

ps

„2018 wird ein spannendes Jahr für das Morgenland Festival Osnabrück. Wir freuen uns auf eine Kooperation mit der Elbphilharmonie und dem Holland Festival, auf neue Werke von Tigran Mansurian und Issam Rafea, auf die Morgenland All Star Band im Pierre Boulez Saal in Berlin und in Kasachstan, auf eine eigene Fernsehsendung im Stingray DJAZZ Kanal und vieles, vieles mehr. Genauere Informationen hierzu gibt es in den nächsten Wochen.“

Mütter zweiter Klasse

20. Januar 2018

In Osnabrück wehren sich Adoptivmütter dagegen, dass sie keine Mütterrente bekommen. Ihre Kinder waren schon zu alt, als sie in die Familien kamen: Es sind „Mütter zweiter Klasse“ titelt Andrea Scharpen in der taz und informiert über die „Diskriminierung bei der Mütterrente“:

Gerade aus dem Kinderheim in die neue Familie gekommen, schlug die Tochter von Helga Bausch* immer wieder mit dem Kopf auf den Boden und weinte. „Sie hatte einen Trotzkopf“, sagt Bausch. Anders konnte sich das damals 14 Monate alte Mädchen noch nicht äußern. Die Familie, die sie adoptiert hatte, war fremd für sie, die ganze Umgebung ungewohnt.

„Ich hatte damals viele Schwierigkeiten mit meinen Kindern“, sagt Bausch, die auch ihren Sohn adoptiert hat, über die 70er-Jahre. Bereut hat die heute 77-Jährige die Adop­tionen nicht, zu beiden Kindern hat sie ein enges Verhältnis. Aber es ärgert sie, dass der Staat ihre Erziehungsleistung nicht anerkennt – mit der sogenannten Mütterrente. Den zusätzlichen Rentenpunkt, also einen Aufschlag auf die monatliche Rente…

Die Osnabrückerin ist mit ihrem Frust nicht allein. Laut dem Bundesverband der Pflege- und Adop­tivfamilien werden durch die Stichtagsregelung bundesweit rund 40.000 Mütter benachteiligt. Das habe eine Hochrechnung der Adoptionszahlen des Statistischen Bundesamtes ergeben, heißt es auf der Website des Vereins.

In Osnabrück haben sich rund 20 Betroffene zu einer Selbsthilfegruppe zusammengeschlossen. Die Frauen wollen die Benachteiligung nicht einfach hinnehmen. Bausch ist mit ihrem Fall schon vor das Sozialgericht in Osnabrück gezogen – und hat verloren.

[…weiter bei der taz]
[mehr in der NOZ]


MÜTTERRENTE

Die sogenannte Mütterrente beinhaltet, dass Müttern und vereinzelt auch Vätern, die vor 1992 Eltern geworden sind, ein zweites Jahr als Erziehungszeit auf die Rente angerechnet wird.

Dies entspricht einem sogenannten Rentenpunkt. Brutto beträgt die Mütterrente in Westdeutschland zzt. monatlich 30,45 Euro, in Ostdeutschland sind es 28,66 Euro.

Der Rentenzuschlag steht demjenigen zu, der ein Kind in seinem „12. Kalendermonat“ betreut hat.

Wenn ein Kind mit 13 Monaten adoptiert wurde und zuvor bei seiner leiblichen Mutter gelebt hat, erhält diese den Rentenzuschuss, nicht die Adoptivmutter.


Das Foto von FreshFree zeigt das Fachgerichtszentrum in der Osnabrü+ck Hakenstraße, CC 4.0 )

Medea2

9. Januar 2018

Am Stadttheater Osnabrück wird am 18. Februar das Projekt Medea2 von Manuela Soeiro, Dominik Schnizer und Jens Peters uraufgeführt. Medea2 ist eine gemeinsame Produktion des Theaters Osnabrück und des Teatro Avenida aus Mosambik. Dessen Intendantin erklärt jetzt in einem Interview mit der taz den Gewinn der Kooperation. Die Kooperation zwischen dem Stadttheater und dem Mutumbela-Gogo-Ensemble des Teatro Avenida aus Maputo greift auf Texte mosambikanischer und europäischer AutorInnen zurück. Sie sind entweder als unmittelbare Bearbeitungen oder durch motivische Gleichheit als Reprisen des Medea-Mythos zu verstehen.
Das Thema: Medea ist die Geliebte des griechischen Abenteurers Jason: Sie verrät ihren Vater, den König von Kolchis, für ihn und spielt ihm das Goldene Vlies zu, den Inbegriff des Schatzes. Trotzdem und ungeachtet der Geburt ihrer gemeinsamen Kinder weigert sich Jason, sie als nicht standesgemäße Wilde zu heiraten und verstößt sie schließlich zugunsten von Glauke, der Tochter des Kreterkönigs Kreon. In der klassischen Version des Mythos rächt sich Medea, indem sie ihre Kinder, ihren Schwiegervater und Glauke ermordet.

Benno Schirrmeister (taz Bremen) hat Manuela Soeiro interviewt, die Intendantin des Teatro Avenida:
taz: Ihre Autobiografie heißt übersetzt: „Beruhigt die Seelen“. Beschreibt das eine Aufgabe des Theaters in Mosambik?
Manuela Soeiro: Ehrlich gesagt: Ich weiß gar nicht, wer im Verlag den Titel ausgesucht hat. Aber tatsächlich hat Theater auch diese Aufgabe, ja: Es gibt sehr viele Probleme, die keiner für sich alleine lösen kann, mich eingeschlossen. Theater kann aber Lösungen inspirieren.
Also sollte es nicht aufstacheln oder aufregen?
Doch. Es hat viele Funktionen. Es dient auch der Unterhaltung und der Zerstreuung und der Anteilnahme.
Welche Rolle spielen die Kooperationen und Begegnungen mit europäischen Theaterleuten für Sie?
Ich habe ja mit Henning Mankell lange zusammen gearbeitet. Dabei habe ich auch Dominique Schnizer kennengelernt, der jetzt hier am Theater Osnabrück ist und hier für das Projekt zuständig. Mankell hatte uns damals…

[…weiter bei der taz]

rechtsabbiegende

28. Dezember 2017

Osnabrück im Oktober 2017: Eine 71-jährige Radfahrerin wird an der Kreuzung Lengericher Landstraße/An der Blankenburg von einem rechtsabbiegenden LKW getötet.
Osnabrück, im Oktober 2016: Eine 59-jährige Radfahrerin wird am Goethering von einem rechtsabbiegenden LKW getötet.

Osnabrück, im Oktober 2015: Ein 21-jähriger Radfahrer wird an der Ecke Springmannskamp/Natruper Straße von einem rechtsabbiegenden LKW getötet.
Osnabrück, im Oktober 2014: Ein 47-jähriger Radfahrer wird an der Kreuzung Johannistorwall/Kommenderiestraße von einem rechtsabbiegenden LKW getötet.

Daniel Doerk, Osnabrücker Radfahr-Aktivist, findet auf seinem Blog it started with a fight, der alle Unfälle listet, das richtige Wort dafür: „Eine Tragödie!“. In seinem Blog beschreibt Doerk, was er von der neuen Idee hält, Lkw in der Osnabrücker Innenstadt das Rechtsabbiegen zu verbieten:

„Nachdem in den letzten Jahren mehrere Radfahrer in Osnabrück (Wappen lks) von rechtsabbiegenden LKW getötet wurden, denkt die Stadt nun über ein Rechtsabbiegeverbot auf dem Wall nach, der die Innenstadt als Ring umschließt. Hier kam es zu drei tödlichen Unfällen und immer wieder zu gefährlichen Situationen. Die taz berichtet heute online. Ist ein Rechtsabbiegeverbot also die Lösung?

Kurzfristig und in einem Verkehrssystem, in dem man möglichst wenig an den herrschenden Umständen ändern will, wäre es sicher eine Lösung, wenn diese Abbiegesituationen zwischen LKW und Radfahrer nicht mehr entstünden. Insgesamt sehe ich hier aber wieder mal ein Werkeln an Symptomen, statt eine Lösung des Problems. Denn Osnabrück hat viel mehr Kreuzungen als die wenigen am Wall. Und auch an anderen Stellen gab es schon tödliche Unfälle mit LKW- und Radfahrerbeteiligung.

Ein LKW-Rechtsabbiegeverbot zeigt nur, dass der politische Wille für echte, für moderne Veränderungen in der Stadt fehlt.

Wäre der politische Wille für eine Neuordnung des städtischen Verkehrs da, für eine Flächengerechtigkeit zwischen den Verkehrsarten, dann würde man breite und geschützte Radwege (nicht nur) rund um den Wall anlegen. Und an den Kreuzungen kämen dann getrennte Ampelschaltungen zum Einsatz, wie sie an der Kreuzung Wall/Kommenderiestraße nach drei tödlichen Unfällen endlich eingerichtet wurde.

Zur Neuordnung des Verkehrs gehört dann aber auch, den Schwerlastverkehr (in Osnabrück) überhaupt zu reduzieren. Dafür müsste man die hier ansässigen Speditionen zu den nächstgelegenen Autobahnauffahrten leiten (eine Selbstverpflichtung gibt es bereits), den überregionalen Verkehr aus der Stadt heraushalten, ihn nicht durch die Stadt leiten, wenn auf den Autobahnen Stau ist und den Lieferverkehr soweit wie möglich mit kleineren Fahrzeugen abwickeln.

Der Wirtschaftsverkehr kann laut Bundesverkehrsministerium zu 25 Prozent mit Lastenrädern bestritten werden. Ich stelle mir dafür Umschlagplätze an den Autobahnen vor, die mit großen LKW beliefert werden. Von dort schwärmen dann kleinere Fahrzeuge aus und beliefern die Stadt. Das wäre eine Aufgabe für die Stadt von Morgen, die aber heute schon gedacht und eingeleitet werden muss. Und zum Beispiel in Gent bereits gelebt wird.

Das Problem ist komplex und leider nicht einfach mal eben so zu lösen. Aber es gibt Ansätze, die helfen können. Dass diese Ansätze Veränderungen bedeuten, scheint mir in Osnabrück das größte Problem zu sein. Veränderungen steht man hier sehr skeptisch gegenüber. Sehr oft heißt es, ‚Das funktionier hier nicht‘ oder ‚Man kann Osnabrück nicht mit XY vergleichen`. Ich denke, man hat sich in dem (Verkehrs-)System hier ganz gut eingerichtet und möchte möglichst wenig verändern. Da aber sowohl Radverkehr als auch Warenverkehr stetig zunehmen und das LKW-Problem dadurch eher noch größer wird, sind echte Veränderungen unumgänglich.“

Die Alternative? Es gibt sie längst in fortschrittlichen Städten wie Gent, Freiburg oder Hamburg:

Seit April 2017 ist die belgische Stadt Gent für alle PKW und LKW nur noch morgens bis 11 Uhr zugänglich. Danach dürfen nur zwei Firmen in die Stadt: „Bubble Post“ für kleine Lieferungen und „City Depot“ für große. Die Fahrer verteilen die Pakete mit zum Teil exotischen elektrischen Fahrzeugen wie dem „Stint“. „Zu Beginn waren viele Bürger natürlich skeptisch, dass wir den Verkehr so einschränken, mittlerweile sind die allermeisten jedoch positiv überrascht“, berichtet Hannelore Bonami von der Stadt Gent. Dort hat man den großen Wurf gewagt: wenige, neue Fahrzeuge, zentrale Paketdepots, Mehrfachlieferungen vermeiden.

Und auch in Deutschland experimentiert man mit Ansätzen wie diesen. Die vier Jungentwickler von „Carla Cargo“ etwa setzen in Freiburg auf ein altbewährtes Konzept im modernen Gewand: Ihre Fahrradanhänger können – dank elektrischer Unterstützung – bis zu 150 Kilogramm transportieren und selbst engste Gassen in der historischen Altstadt befahren. „Immer wenn wir einen unserer Anhänger sehen, wissen wir, dass ein Auto weniger unterwegs ist – das ist ein gutes Gefühl“, sagt Marcus Bergmann der Gründer von „Carla Cargo“.Hamburg stellt aktuell an mehreren Standorten sogenannte „Mikrodepots“ auf: Von dort aus werden die Pakete mit Lastenrädern und Sackkarren ausgeliefert. Viele Wege, die aus dem Lieferwahnsinn herausführen können.

Sex

15. November 2017

Essen ist der Sex des Alters, heißt es. Weil man sich zwar noch an Sex erinnert und insgeheim davon phantasiert, aber eigentlich schon zu müde dazu ist und er irgendwie nicht mehr so aufregt, braucht es also Ersatz für die Lust, die der Sex nicht mehr liefern kann. Das ist das Essen. Das ist natürlich Quatsch, und doch hat erstklassiges Essen etwas Wunderbares. Deshalb dieser kleine, persönliche Altherren-Beitrag über Spitzenküche.

Leider gibt es so etwas in unserer Stadt nach dem Weggang von Jan Kieseling und dem Ende seines Ratskellers Anfang 2016 nicht mehr. Die beste Lingener Küche ist zweifellos das Restaurant Am Wasserfall (Chef Johann Rodenbäck), doch sie reicht nicht an die Sternegastronomie heran. Ansonsten gibt es manches, was das Etikett sehr ordentlich verdient, aber nicht mehr. Daran musste ich denken, als gestern der Restaurantführer „Guide Michelin“ seine Sterne für 2018 verkündete.

Umso mehr freut es, dass es in unserer kulinarisch eher nachrangigen, der Nahrungsaufnahme mittels Panade und Schnitzel verfallenen Region weiterhin einige wirkliche Spitzenküche gibt. So gibt es gar zu melden, dass der Michelin-Guide am Dienstag dem Restaurant Keilings in Bad Bentheim und seinem Chef Lars Keiling nun den zweiten Stern verliehen hat. Damit ist die Bentheimer Küche unter den besten 50 Restaurants Deutschlands. Im Gegensatz zu Feinschmeckern wertet die kulinarisch eher betulich-regionale NOZ den zweiten Stern für Keilings Restaurant „durchaus als Überraschung“; einziges weiteres Restaurant in Niedersachsen mit zwei Sternen ist übrigens das Sterneck in Cuxhaven. Keilings ist also, je nachdem, Platz 2 oder 3 in Niedersachsen.

Was sonst? Thomas Bühner hat mit seinem Osnabrücker Restaurant La Vie weiterhin drei Sterne im „Guide Michelin“ und das Top-Restaurant Niedersachsens zählt damit zu den elf besten Häusern Deutschlands.

Weiterhin einen Stern darf die Westfälische Stube in Hörstel-Riesenbeck (Chef: René Kalobius) tragen, die ich mal zu Weser-Ems rechne. Der Guide Michelin 2018 listet zudem drei Ein-Sterne-Restaurants in Weser-Ems auf: das Apicius in Bad Zwischenahn (mit Chef Tim Extra), Seesteg auf Norderney (!) (Küchenchef Markus Kebschull) und meinen regionalen Favoriten: das Perior in Leer mit Küchenchef Christian Richter

Mehr als 300 Restaurants in Deutschland sind nun im Guide Michelin gelistet, acht mehr als zuletzt; 250 haben einen Stern (darunter 29 neue), 39 haben zwei Sterne (4 neue) und 11 Restaurants dürfen sich nun mit der Spitzenwertung von drei Sternen schmücken (plus 1).

ps Ich freue mich außerdem persönlich sehr,
dass das Marcelin, mein Urlaubsrestaurant im Piemont, mit Küchenchef Andrea Ferrucci den ersten Stern bekommen hat. In Italien, dem Land mit der weltweit besten Küche, heißt das etwas ganz Besonderes, noch mehr als hierzulande. Zwei Mal durfte ich in diesem Jahr dort wirklich höchste Kochkunst genießen und habe anschließend Andrea Ferrucci jeweils vorhergesagt, dass er für 2018 den begehrten Stern bekommen werde. Bemerkenswert: Er präsentiert seine Küche mit drei exzellenten, jungen Köchen des Geburtsjahres 1994: Christian Joel Robles, Giangregorio Bartolotta und Abibe Karamoko. Gestern erreichte mich die Nachricht, dass Ferrucci den verdienten Michelin-Stern in Italien hat.

Congratulazione, Andrea!

Elbmetropole ideal

8. November 2017

Zahlen dürfen wir Kunden in der Provinz. Doch nicht im Emsland oder in Osnabrück sieht der NOZ-Verlag die mediale Zukunft, sondern ganz woanders. „Die Elbmetropole Hamburg ist ideal“, sagt ein NOZ-Verantwortlicher.   schreibt darüber im  Branchendienst Meedia 

„Bislang machen die Verlage auf Computern, Smartphones und Tablets ihre journalistischen Inhalte digital zu Geld. Jetzt will der Osnabrücker Regionalzeitungsverlag ein neues digitales Produkt entwickeln, das Lesern den Einstieg in den Alltag erleichtern soll. Dazu setzt die NOZ auf neue Abspielflächen wie Lautsprecher von Alexa oder Google Home. Co-finanziert wird das Vorhaben von Google.

Wenn Nicolas Fromm, Geschäftsleiter Digital der Zeitungshäuser NOZ Medien und mh:n Medien, über Hamburg als Digitalstandort für Medienhäuser spricht, findet er klare Vorzüge: „Hamburg verfügt über eine große Startup-Szene. Die Elbmetropole ist für uns ideal, geeignete Digitalexperten zu finden“, sagt der Geschäftsmann. Die Äußerung kommt nicht von ungefähr. Die NOZ Medien, die im vergangenen Jahr die mh:n Medien geschluckt hat, will in der Hansestadt eine eigene Digitaleinheit aufbauen….“

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Von Süßem und Sauren

28. Oktober 2017

Wer die historische Burg- und Hansestadt Fürstenau einmal von einer ganz interessanten kulinarischen Seite kennenlernen möchte, sollte sich unbedingt auf die Aber bitte mit Sahne – Tour begeben. Bei dieser Gästeführung in Fürstenau erfährt der Gast nicht nur Wissenswertes über Kaffee + Kulinarisches, sondern er wird auch noch mit vielen leckeren Überraschungen verwöhnt. Auch ich wollte in den Genuss kommen und habe mich einer großen Besuchergruppe aus Laggenbeck angeschlossen und einen erlebnisreichen Nachmittag mit vielen netten Menschen erlebt.

Ein leckeres Stück Obstkuchen zur Begrüßung bei der Gästeführung in Fürstenau... aber bitte mit Sahne!

Von schwarzem Gold und Muckefuck

Die Senioren-Gruppe, die mich übrigens herzlich aufgenommen hat, unternimmt seit gut 20 Jahren immer wieder Tagestouren in die Umgebung. Heute möchten sie Fürstenau entdecken. Im Restaurant Torhaus, das sich direkt auf dem historischen Schlossgelände befindet, werden zunächst ein herrliches Stück Obstkuchen, „aber bitte mit Sahne“, und leckerer Kaffee serviert. Hier begrüßt uns nun unsere Gästeführerin Petra Oldenhage, die uns auf diese besondere Tour begleitet.

Wir tauchen ein in die Geschichte des „schwarzen Goldes“ und erfahren allerhand über Kaffeehäuser, die seit 1511 bestehen und große Beliebtheit in der Gesellschaft fanden. Auch über die verschiedenen Zubereitungsarten von Kaffee, über Muckefuck (Ersatzkaffee aus Getreide, Malz oder sogar Löwenzahn!) und über die Verwendung von Kaffeesatz hat Petra Oldenhage viel zu erzählen.

Die Kunst des Schnappsbrennens

Eine Führung durch die Kornbrennerei Philipp Becker gibt es auch während der Gästeführung in Fürstenau.

Nun verlassen…

 

[…weiter hier im Blog Osnabrücker Land]

 

ein Beitrag mit Fotos von Sandra Fenstermann, von mir gefunden im Blog Osnabrücker Land  des Tourismusverband Osnabrücker Land e.V.

Kooperative Stadt

17. September 2017

Steuern, Familie, Arbeit, Fremde – den am 24. September zur Bundestagswahl antretendenen Parteien mangelt es nicht an Themen, mit denen sie zu Slogans gekürzt auf sich und ihr Wahlprogramm aufmerksam machen. Da es die  Zufriedenheit aller enorm beeinflusst, rangiert auch das Wohnen unter den Schlagworten. Doch wie sieht es konkret in Sachen Wohnungspolitik und Stadtentwicklung aus?

Das Netzwerk Immovielen besteht aus 63 Teilnehmern von lokal agierender Initiative bis hin zu Ministerien. Es hat die Wahlprogramme der größten Bundesparteien analysiert und in einem Fragebogen explizit nach Standpunkten und Instrumenten gefragt. Ziel war es, aus den erhaltenen – ebenso wie den nicht erhaltenen – Antworten herauszuarbeiten, wie ernst die möglichen politischen Vertreter der Bürgerschaft die Schlagworte bezahlbare Mieten, soziale Durchmischung und lokale Infrastruktur nehmen. Ihre Auswertung steht im Vorfeld der Wahlen im Wahlcheck Kooperative Stadt, einer Onlineinformationsplattform, öffentlich zur Verfügung. Ähnlich wie beim Wahl-O-Mat lässt sich hier die eigene Position mit der von CDU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen, Die Linke, FDP und AFD abgleichen.

Unter anderem stehen dabei die Grundstücksvergabe nach Nutzungskonzept statt Höchstgebot, die Nivellierung des Kleinanlegerschutzgesetzes zugunsten gemeinwohlorientierter Vorhaben oder Möglichkeiten der Förderung, der Legitimierung und des gesetzlichen Schutzes für gemeinnützig engagierte Initiativen und Immobilienhalter durch den Bund im Fokus.

Hier gehts zum Thema:

www.netzwerk-immovielien.de/wahlcheck

(gefunden bei Baunetz.de)

15.000 mal haben Bernd Robben und Hartmut Lensing seit dem Herbst vor drei Jahren ihr Buch Wenn der Bauer pfeift, müssen die Heuerleute kommen!“ verkauft – eine einzigartige Hommage an die amen und ausgebeuteten Heuerleute im deutschen Nordwesten. Es sind -glaube ich- insgesamt sechs Auflagen verkauft. Jetzt präsentieren die beiden ihre nächstes Werk: „Heuerhäuser im Wandel – Vom ärmlichen Kotten zum individuellen Traumhaus“. Regional gegliedert berichtet es vom Leben in den Wohnstätten der Heuerleute und was aus ihren Häusern heute geworden ist, wenn etwas aus ihnen geworden ist.

Bernd Robben: „Ich ein wenig stolz darauf, dass es gelungen ist, eine Reihe besonders fähiger Volkskundler und Historiker Nordwestdeutschlands dafür zu gewinnen, jeweils ein Fachthema zum Heuerhaus in möglichst nur einer Doppelseite wirklich verdichtet vorzustellen.“ Das darf der ehemalige Lehrer auch sein. Denn der neue Bildband über das Leben auf dem Land wird mit Beiträgen zum Thema „Heuerhäuser“ und „Leben im Heuerhaus“ bereichert, geschrieben von über die Rehion hinaus namhaften Autoren wie Dr. Andreas Eiynck, Christiane Cantauw, Dr. Heinrich Stiewe, Dr. Lutz Volmer, Dr. Timothy Sodmann, Dr. Christof Spannhoff, Niels Juister, Ralf Weber, Dr. Helmut Lensing, Dr. Bernd H. Schulte, Timo Friedhoff und Dr. Christian Westerhoff.

Um was geht es? Ältere Bewohner unserer Region erinnern sich noch. Überall im ländlichen Außenbereich fand man aufgegebene Heuerlingskotten, die Wind und Wetter überlassen langsam verfielen. Aufgrund ihrer einfachen, möglichst kostengünstigen Bauweise galten sie oft als dörfliche „Schandflecken“. Vielfach gab es sogar Abbruchprämien, um sie schnell verschwinden zu lassen.

Wer heute durch den Nordwesten fährt, erkennt die verbliebenen Heuerlingskotten nicht wieder. Meist abseits vielbefahrener Wege haben kreative Menschen mit viel Liebe zum Detail eine Reihe dieser Kotten für die Gegenwart bewahrt und daraus jeweils ihr ganz individuelles Traumhaus  geschaffen. Das Buch belegt mit vielen, geradezu opulenten Fotos, wie sich die ehemals einfachen Behausungen der damaligen ländlichen Unterschicht zu traumhaft schönen Landhäusern gewandelt haben.

Man braucht kein Prophet zu sein, um dem neuen, 335-seitigen Buch einen ähnlich großen Erfolg vorher zu sagen wie dem Erstlingswerk der beiden Heuerlingsforschern.

So kann das Buch schon jetzt vorbestellt werden:
„Heuerhäuser im Wandel – Vom ärmlichen Kotten zum individuellen Traumhaus“ von Bernd Robben und Helmut Lensing ist eine gemeinsame Arbeit mit dem Fotografen Martin Skibicki und dem Maler Georg Strodt. Es erscheint im „Verlag der Studiengesellschaft für Emsländische Regionalgeschichte“ und kann zum Buchhandelspreis von 29,90 Euro zuzüglich 4,- Euro Versandkosten innerhalb Deutschlands vorbestellt werden.

Das Buch (ISBN 978-3-9818393-2-6) ist ab dem 16. Oktober im Handel. Vor(-Bestellungen) sind zu richten an: shop(at)emslandgeschichte.de