Eine der bedeutendsten jüdischen Münzsammlungen ist am Dienstag in Osnabrück durch das Auktionshaus Künker versteigert worden. Die Sammlung umfasste viele gut erhaltene Einzelstücke, aber auch Münz-Reihen aus der Zeit vor Christi Geburt. Begründet wurde diese besondere Kollektion von insgesamt 577 Münzen von den Münchener Sammlern Josef Samel und seiner Schwester Angela Arluk (geb. Samel) , die 2005 beziehungsweise 2015 verstorben sind. In Jahrzehnten mühevoller Sammlertätigkeit in Israel und der ganzen Welt hatten die beiden jüdischen Geschwister die Kollektion zusammengetragen. Sie deckte die Geschichte des jüdischen Volkes von der Eroberung Judäas durch die Perser vom 6. Jahrhundert vor Christus bis in die heutige Zeit ab. Der Wert der Sammlung wurde vor der Auktion auf mehr als eine halbe Million Euro geschätzt. Erlöst wurden dann aber gestern deutlich höhere Beträge. Allein die abgebildete Münze aus dem Jahr 70 nach Christus erbrachte mehr als das 11fache des Schätzpreises von 30.000 Euro. Sie war von ganz besonderer Bedeutung; denn in jenem Jahr schlugen die Römer den  Jüdischen Aufstand mit der Eroberung Jerusalems und der Zerstörung des Jerusalemer Tempels nieder.

Die Samel-Sammlung ist seit fast 30 Jahren in einem aufwändig gestalteten Hochglanzkatalog dokumentiert. Das sei wichtig, unterstrich der Vorsitzende des Landesverbandwa  der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen  Michael Fürst im Vorfeld, um die Münzen der Forschung weiterhin zur Verfügung zu stellen. „Historische Geldstücke bieten das Potenzial, mehr über die Geschichte der Menschheit und in diesem Fall ganz speziell über die Geschichte des jüdischen Volkes zu lernen“, erläuterte Fürst. „Es ist wichtig, dass dieser Teil der Geschichte auch zukünftigen Generationen zugänglich gemacht wird.«“

Zzuletzt war die Samel-Sammlung 1993/94 in München ausgestellt worden. Der damals erstellte Katalog „Das Heilige Land. Antike Münzen und Siegel aus einem Jahrtausend jüdischer Geschichte‘ bewahrt bis heute die Erinnerung an diese Präsentation. Zum Preis von 10 euro ist er noch heute von der Staatlichen Münzsammlung in München zu beziehen (mehr…).

bald zu sehen

11. März 2020

Historiker der Universität Osnabrück erschließen durch die Digitalisierung einer Gestapo-Kartei Neuland. Die Ergebnisse sind bald zu sehen.

Die Gedenkstätte Augustaschacht in Ohrbeck bei Osnabrück ist ein düsterer und beklemmender Ort. Ein verwitterter Backsteinbau, blockhaft, mehrgeschossig, fast 150 Jahre alt, mit zugemauerten Fenstern. Von 1940 bis 1943 war die einstige Bergwerks-Pumpstation ein Kriegsgefangenenlager der Wehrmacht, von Januar 1944 bis März 1945 ein Arbeitserziehungslager der Osnabrücker Gestapo, mit über 2.000 Häftlingen aus 17 Ländern, die meisten Zwangs­arbeiter. Über 100 haben die KZ-ähnliche Polizeihaft nicht überlebt.

Der Augustaschacht ist ein Labyrinth enger Kammern und niedriger Decken, schmaler Durchlässe und Gänge. Rissiges Mauerwerk, unebene Böden, zerschrammte Türzargen, an den Wänden Fetzen von Tapeten. Bis 1969 wohnten hier deutsche Ausgebombte und Flüchtlinge, auch von ihnen finden sich Spuren.

Michael Gander, der Leiter der Gedenkstätte, steht zwischen Kabeltrommeln, Werkzeugkoffern und einer ohrenbetäubenden Kreissäge. Elektriker und Tischler sind im Haus, Grafikdesigner, Medientechniker, Kuratoren beugen sich über Pläne und Tablets.

Anfang April wird…

[weiter bei der taz]

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Foto: Mahnmal Augustaschacht von Stephan Rosenberger (Suncase) „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 nicht portiert“

Maestro Heiner & Co.

6. März 2020

Endlich gibt es zwei Michelin-Sterne auch für Lingen. Also im Vertrauen erklärt: Es gibt  „nur“ einen wesentlichen Teil von zwei Sternen. Das Gourmet-Prädikat hat nämlich das Berliner „Coda“ in der erhalten. Zum Team des in zweifachem Sinn ausgezeichneten Restaurants zählt Heiner Pingel, der jüngste Spross der Heukamps Tannener Pingel-Dynastie. Einst erlernte er ganz profan das Kochen im Hause Klaas-Schaper in Laxten, dann ließ er eine Patisserie-Ausbildung folgen und ist jetzt im Patisserie-Olymp des „Coda Dessert Dining & Bar“ angekommen.

Nach nur einem Jahr mit einem Stern hat dieses Berliner Restaurant nämlich jetzt seinen zweiten Macaron erkocht, und ich lese über das „Coda-Dessert-Dining & Bar“ auf der Michelin-Webseite:

„Die Lage ist nicht die schönste und die Fassade des mit Graffiti besprühten Hauses in der Neuköllner Friedelstraße ist nicht gerade einladend. Sterneküche würde man hier eher nicht vermuten. Das „Coda“ ist ganz puristisch gehalten und wirkt etwas schummrig, von der Bar kann man in die große Küche schauen. So speziell wie die Location ist auch das Konzept: Patisserie-Handwerk steht im Fokus. Küchenchef René Frank, zuvor sechs Jahre Chef-Patissier im [legendären] 3-Sterne-Restaurant „La Vie“ in Osnabrück, kocht ausgesprochen kreativ und zeigt klassisches Handwerk auf neue und innovative Weise. Dabei geht die Patisserie im „Coda“ weit über den letzten Gang des Menüs hinaus. Prägend ist dabei der stark reduzierte Zucker-Einsatz. Auch Milch, Sahne und Butter sind keine Hauptzutaten. „Patisserie wird also neu gedacht: Andere Zutaten, leichte und bekömmliche Kombinationen, die angenehm süß, aber niemals zuckersüß sind.“

Mittendrin im René-Frank-Team steckt neben Julia Leitner und Jan Semmelhack eben just   Heiner Pingel, Lingener und Kiveling. Die Bürgersöhne-Sektion „Die Emspiraten“ bejubelt ihn aktuell auf ihrer Facebookseite als „Maestro der Desserts“ und „Connaisseur der Süßspeise“.

Dabei verraten die Protagonisten nebenbei auch, wie unser „Zwei-Sterne-Ich-Bin-Dabei-Lingener“ in ganz besonderer Weise die Cives Lingensis an seinen kulinarischen Künsten teilhaben lassen wird: Heiner wird Eierpfannkuchen backen. An Pfingsten auf dem traditionellen Kivelingsfest bei seiner Kivelingssektion. Und das, liebe Leserschaft, ist eine Sterne-Weltpremiere in unserer Stadt der stets besonders gut gefüllten doch meist nicht wirklich feinen Essteller – eine Weltpremiere, an der wir teilhaben können und natürlich auch müssen. „CCC!“


Foto: Heiner Pingel, 2. v. lks, René Frank, 2. v. re © Facebook, Emspiraten Lingen; Texte/Quellen FB, Michelin, Coda-Website)

Seelsorge

20. Februar 2020

Während in Deutschland die beiden großen christlichen Kirchen über eine lange Tradition der Gefängnisseelsorge verfügen, ist die muslimische Seelsorge in Gefängnissen weiterhin  die Ausnahme. In einer Pilotstudie untersuchen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Instituts für Islamische Theologie der Universität Osnabrück aber jetzt die Situation von Muslimen im niedersächsischen Justizvollzug. Startschuss für das Forschungsprojekt des Niedersächsischen Justizministerium und der Universität Osnabrück  zur Verbesserung der Gefängnisseelsorge für Muslime war am vergangenen Denstag. Vier islamische Theologen sollen den Bedarf für Seelsorge muslimischer Strafgefangener wissenschaftlich feststellen, zugleich werden sie auch mit Hilfe der evangelischen und katholischen Kirche zu Gefängnisseelsorgern ausgebildet, sagte die Präsidentin der Universität, Susanne Menzel-Riedl, am Dienstag dieser Woche.

Auch muslimische Gefangene hätten ein Anrecht auf religiöse Betreuung, sagte Justizstaatssekretär Stefan von der Beck. Es herrsche aber ein Mangel an qualifizierten muslimischen Seelsorgern. Mehr…


Foto: Universität Osnabrück, Schlossm vo  Dewi Köni Attribution-Share Alike 3.0 Unported CC

„Paradijs//Paradies“

16. Februar 2020

Das Projekt taNDem macht Brücken bauen einfacher und handfest: Deutsch-niederländische Kulturprojekt-Partnerschaften können mit bis zu 15.000 Euro gefördert werden. Zum ersten Mal fand das deutsch-niederländische, grenzüberschreitende Projekt taNDem, ein Interreg A Projekt zur „Kunstverbinding – Kunstverbindung“ 2018 statt und gab deutschen und niederländischen Künstlern und Künstlerinnen aus Nordrhein-Westfalen, Overijssel, Niedersachsen und Gelderland die Möglichkeit, gemeinsam an einem Projekt zu arbeiten. Vogegeben war lediglich ein Thema, Sehnsuchtsort Heimat in 2018, im vergangnen Jahr „Energie“  und das Thema des diesjährigen taNDems ist „Paradijs//Paradies“: Wo und wie möchten wir leben? –  Waar en hoe willen we leven?

Während des sogenannten Barcamps, das am 03. Februar 2020 im westfälischen Bocholt stattfand, konnten sich rund 90 teilnehmende Künstlerinnen und Künstler mit dem diesjährigen Thema und den anderen Teilnehmenden vertraut machen und bekamen so die Chance, miteinander Tandems zu bilden und Ideen zu entwickeln. Dementsprechend wurde das Programm dieses Workshops bewusst offen gehalten, damit ein produktives und kreatives Miteinander stimuliert werden konnte.

Nun können die Künstlertandems noch bis zum 31. März auf der Homepage des Projekts eine Förderung beantragen und so maximal 15.000 Euro für ihr Projekt bekommen. Auch Personen, die nicht am Barcamp teilgenommen haben, können sich um eine Förderung bewerben. Anschließend bekommen die geförderten Tandems die Möglichkeit, ihre Projektidee auszuführen und umzusetzen. Ihre Projekte werden dann bis zum kommenden Jahr laufen.

Das taNDem-Projekt findet in diesem Jahr bereits zum dritten, allerdings auch zum letzten Mal, statt. Das Thema des vergangenen Jahres war „Energie//Energie – Wat is onze drijfveer?/Was treibt uns an?“. Aus diesem Thema entstanden unter anderem die Ausstellung „EnergieCultuur//EnergieKultur“ oder der Workshop „Woordenboek der Zorg – Wörterbuch der Fürsorge“. Die verschiedenen Projekte finden an verschiedenen Orten im deutsch-niederländischen Grenzgebiet statt und laufen auch zurzeit noch.

Laut Projektleiter Andre Sebastian zeigt die Resonanz zum taNDem-Projekt, dass es eine große Nachfrage im Bereich des deutsch-niederländischen Kunst- und Kulturaustausches gebe. Seit dem Projektstart 2018 habe sich bereits ein Netzwerk für langfristige Kooperationen in diesem Bereich entwickeln können, so sein niederländischer Kollege Johan Godschalk weiter.

Projektpartner von taNDem sind unter anderem der Münsterland e.V., Partner Provincie Overijssel, Stadt Osnabrück, Partner Provincie Gelderland, Emsländische Landschaft e.V., Cultuurmij Oost, und der Landkreis Osnabrück.

Weitere Information und Termine zu den einzelnen Projekten von taNDem sind unter www.tandemkunst.eu zu finden.

Silent Reading Party

5. Februar 2020

Silent Reading Party
Lingen (Ems) – Café im Professorenhaus, Universitätsplatz 2
Donnerstag, 6. Februar – 19 – 21 Uhr
Kein Eintritt, keine Anmeldung

Lesen ist an sich meist eine einsame Angelegenheit. Die Silent Reading Party ändert das: Man trifft sich an einem gemütlichen, einladenden Ort, um gemeinsam – aber jeder für sich – in Ruhe zu lesen. Jeder bringt ein Buch mit, schaltet das Handy aus, bestellt sich ein Getränk und liest. Hierbei entsteht eine besondere Stimmung, eine ansteckende Entspannung und Konzentration. Die Silent Reading Party ist ein Gegenprogramm zu ständiger Erreichbarkeit und Reizüberflutung und schafft den Rahmen, sich ohne Ablenkungen durch Alltagspflichten und mobile Geräte auf nur eine Sache konzentrieren zu können: das Lesen.

Die Idee stammt aus Amerika. Dort werden schon lange in zahlreichen Städten Silent Reading Partys gefeiert. Auch in Deutschland findet die Idee inzwischen Resonanz. Vor allem Bibliotheken haben sie aufgegriffen. Sie sind eben Expertinnen, was stilles Lesen angeht; schließlich ist bei ihnen fast jeden Tag so etwas wie eine Silent Reading Party und die Idee trägt der Veränderung der Lese- und Bibliothekslandschaft Rechnung: Aus Ausleih- werden  Aufenthaltsbibliotheken.

Schon seit 2017 veranstaltet die Stadtbibliothek Osnabrück Silent Reading Partys. Jetzt organisieren Maria Geringhausen und Claudia Mai von unserer öffentlichen Stadtbibliothek das für Lingen neue Angebot, erstmals übrigens an Ems und Vechte. Sie sagen:  „Wir sind alle immer erreichbar und werden ständig mit medialen Reizen konfrontiert. Mit der Silent Reading Party wollen wir die Möglichkeit bieten, sich einmal ganz in Ruhe nur auf das Lesen zu konzentrieren“.

ps Wer will, kann übrigens schon am Freitagabend sein Buch bei der nächsten Silent Reading Party in Osnabrück weiterlesen…

(Quelle: Stadtbibliothek Lingen (Ems), Stadtbibliothek Osnabrück. Eine Überblickseite zu SRP habe ich übrigens nicht im Netz gefunden – nicht einmal einen wikipedia-Artikel…)

besonders Rücksicht

25. Januar 2020

Gescheitert ist eine Frau vor dem Amtsgericht Lingen (Ems) mit ihrer Klage  auf Schadensersatz und Schmerzensgeld wegen eines Unfalls im Mai vor zwei Jahren.
Damals befuhr die 71jöhrige mit ihrem E-Bike den Theo-Lingen-Platz in Lingen (Ems), als sie -auch im wörtlichen Sinne- auf den Beklagten  traf. Dieser fuhr mit seinem Rollstuhl auf die dort befindliche Bahnunterführung zu, während sich die Klägerin ihm von hinten näherte. Als sie den Beklagten links zu überholen versuchte, schwenkte er mit seinem Rollstuhl nach links, um zum dortigen Fahrstuhl zu den Bahngleisen zu begeben. Dabei kam es zur Kollision, bei der  die Klägerin stürzte und sich verletzte.
Das Amtsgericht Lingen (Ems) hatte die Klage mit Urteil vom 14.05.2019 – übrigens exakt ein Jahr nach dem Un%all- abgewiesen. Die Klägerin habe als Radfahrerin auf die Belange des Fußgängerverkehrs besonders Rücksicht nehmen müssen. Fußgänger, zu denen von Gesetzes wegen auch der einen Rollstuhl nutzende Beklagte zähle, dürften weder gefährdet noch behindert werden. Wenn nötig, müsse der Fahrverkehr warten. Das gelte besonders gegenüber hilfsbedürftigen Personen, zu denen auch Rollstuhlfahrer zählten, so das Amtsgericht.
Diesen Anforderungen habe die Klägerin nicht genügt. Sie sei schneller als mit Schrittgeschwindigkeit gefahren. Zudem sei am Eingang der Unterführung der zu den Bahngleisen führende Fahrstuhl erkennbar gewesen. Die Klägerin habe daher jede rechnen müssen, dass der Fahrstuhl von Passanten zum Erreichen der Gleise genutzt werden würde.
Die Klögerin hatte das Urteil nicht akzeptiert und Berufung eingelegt. Ohne neue Verhandlung bestätigte das zuständige Landgericht Osnabrück jetzt aber durch Beschluss vom 9. Dezember 2019 das Urteil des Amtsgerichts und wies dabei das Argument der Klägerin zurück, der Rollstuhlfahrer habe die Pflicht gehabt, vor seinem Richtungswechsel anzuhalten, auf der eigenen Achse zu wenden und sich umzublicken. Eine solche Pflicht gebe es für Rollstuhlfahrer ebenso wenig wie für Fußgänger. Das Urteil des Amtsgerichts Lingen (Ems) ist damit rechtskräftig.

(Altenzeichen: AG Lingen (Ems) 4 C 804/18; LG Osnabrück 4 S 181/19)

 

(Textquelle: PM; Foto: Amtsgericht Lingen (Ems) © milanpaul via flickr)

Psychiatriepapier

16. Januar 2020

Eine Patientenverfügung schützt nicht davor, in die Psychiatrie eingewiesen zu werden – jedenfalls nicht sofern Dritte gefährdet sind. Gleiches gilt für eine medizinisch notwendige Zwangsbehandlung mit Medikamenten, so das Landgericht Osnabrück in einem aktuellen Beschluss.

Ein Betroffener war wegen sexuell aggressiven Verhaltens eingewiesen und gegen seinen Willen medikamentös behandelt worden. Er wehrte sich dagegen mit dem Hinweis, eine im Internet erhältliche Patientenverfügung („Für Freiheit, gegen Zwang“) unterzeichnet zu haben. Darin wird jede „jede Zwangsbehandlung egal mit welchen als Medikamenten bezeichneten Stoffen“ strikt abgelehnt.

Nach Auffassung des Gerichts müssen staatliche Stellen zwar den Willen des Einzelnen berücksichtigen. Aber nur so weit, wie Rechte anderer nicht berührt würden. In diesem Fall müsse abgewogen werden, wessen Rechte schwerer wiegen. Nach Auffassung des Gerichts geht von dem Betroffenen eine konkrete Gefahr aus. Dieser Gefahr müsse notfalls auch gegen seinen erklärten Willen begegnet werden. Das von ihm unterzeichnete Papier ändere daran nichts (Aktenzeichen 4 T 8/20; 4 T 9/20; 4 T 10/20).
(Mehr: PM des Landgericht Osnabrück)

Quelle: LawBlog

 

Anna Kebschull ist die neue Landrätin im Landkreis Osnabrück – und damit in Deutschland die erste Grüne in dieser Position. Jetzt sprach die taz mit ihr:

taz: Frau Kebschull, in wenigen Tagen beginnt das neue Jahr. Haben Sie Vorsätze? Ganz persönlich?
Anna Kebschull: Das ist bei uns eher etwas Familiäres. Wir überlegen uns für jedes neue Jahr ein neues Motto. Das „Jahr der Veränderungen“, das „Jahr des Viel-Draußen-Seins“.
Und beruflich?
Ich habe Pläne, Ziele. Aber die habe ich nicht wegen des neuen Jahres, sondern weil es Handlungsbedarf gibt, und das dringlich. Deshalb habe ich ja auch kandidiert. Weil wir einen Wandel brauchen. Hier im Kreis, aber auch gesamtgesellschaftlich.
Sie wollen „den Politikstil verändern“, haben Sie nach Ihrer Wahl geschrieben. Was meinen Sie damit?
Die Rückkehr zu sachorientiertem Arbeiten, bislang ging es ja oft nur um Machtoptionen. Wichtig ist mir vor allem, dass der Umgang miteinander fair ist, mitmenschlich, nicht nur strategisch, nicht nur Kalkül.
Sind die bisherigen Strukturen destruktiv?
Gute Impulse wurden oft abgelehnt, nur weil sie aus der falschen Fraktion kamen, und ein halbes Jahr später wurden sie von denen, die sie zuvor abgelehnt hatten, als eigener Antrag eingereicht, als eigene Idee. Ein sehr machttaktischer, aber leider üblicher Stil.
Sie mahnen „klare Linien und pragmatische Lösungen“ an. Hat es viel Kungelei gegeben?
Die gab es. Klar, auch jetzt gibt es vertrauliche Runden, und das ist auch notwendig. Aber es gibt kein Aushecken im Hinterzimmer mehr. Man kennt das ja: Wenn du mich bei X unterstützt, unterstütze ich dich bei Y. Einen solchen Kuhhandel finde ich nicht in Ordnung. Der Wähler muss sehen, wo wer steht. Das habe ich mir als Wähler immer gewünscht – und nicht gefunden. Da müssen wir mutiger werden, transparenter….“

[hier geht’s weiter]


ANNA KEBSCHULL

46, geboren in Siegen, ist seit dem Herbst gewählte Landrätin des Landkreises Osnabrück. Ihre Schwerpunkte sind Umwelt und Energie, Bildung, Wirtschaft und Bürgerbeteiligung. Kebschull ist Biotechnologie-Ingenieurin und führte bis zu ihrer Wahl zur Landrätin drei Nachhilfeschulen, die sie nun aber abgegeben hat. Sie hat drei Kinder.

(Foto: Webseite Anna Kebschull)

GOOD NEWS…!

12. Dezember 2019

Da gibt es diese oberzentralen Teilfunktionen. Das ist ein Begriff aus dem Raumordnung, mit dem unsere Stadt beglückt wird, die in Wahrheit nur ein Mittelzentrum ist – raumordnerisch, versteht sich; aber die oberzentralen Teilfunktionen machen was her.

Herr D. lebt sozusagen in diesen oberzentralen Teilfunktioen und bisweilen verkündet er auch – Wilhemshaven hin, Delmenhorst her – seine Stadt L. (E) sei die drittgrößte Stadt in Weser-Ems. Das sind dann so Augenblicke, in denen auch Vapiano, Starbucks und ‚Hans im Glück‘ ihre Filialen in seiner Stadt L. (E) eröffnen. Keilings findet Herr D.  auch extrem gut. Keilings war das zweitbeste Restaurant Niedersachsens. Mit zwei Sternen von Michelin. Es hatte seinen Sitz in Bad Bentheim und hätte, so Herr D., sich auch gut an Lingens altem Hafen gemacht, wo doch ein „Vier-Sterne-Hotel“ entstehen soll, wenn es nach Herrn D. geht.

Daraus wird nun nichts – genauso wie das schwächelnde Vapiano, das überteuerte Starbucks und ‚Hans im Glück‘ pfeifen Keilings, also die mit zwei Michelin-Sternen aus Bad Bentheim. denn keilings pfeifen auf unser Städtchen und Herrn D. Sie schreiben:

„GOOD NEWS…!

Wir haben die letzten Wochen genutzt um die finalen Schritte bezüglich unsere Zukunftsplanung zu gehen. Nachdem wir im April bekanntgegeben hatten das wir unser Restaurant schließen werden, gab es einige sehr interessante Angebote im Rahmen einer Selbstständigkeit aber auch im Angestelltenverhältnis.

Eines dieser Angebote war die gastronomische Leitung eines vielschichtigen Konzepts in Osnabrück , welches aus einem Restaurant, einem Tagesrestaurant mit Kochschule und
Weinladen sowie einem Sushi Restaurant besteht. Nach vielen Gesprächen mit dem Inhaber war für uns bald klar, das dies eine wirkliche großartige Chance ist, eine bereits bestehende und gut funktionierende Gastronomie weiterzuentwickeln.

Die Tatsache das wir uns mit diesem Restaurant, dem Konzept und den Menschen dahinter sehr gut identifizieren können hinterließ bei uns das Gefühl, genau das Richtige zu tun und  somit fiel uns der endgültige Schritt mit der Vertragsunterzeichnung sehr leicht.

Das „Restaurant Friedrich“ in der Lotter Stra0e wird somit ab dem Sommer 2020 unsere neue Wirkungsstätte! Wir freuen uns jetzt schon auf viele bekannte Gesichter wenn wir wieder aktiv werden! Bis dahin wünschen wir allen ein schönes Weihnachtsfest und einen tollen Start in das Jahr 2020!

Herzlichst
Gina & Lars“

Glückwünsche also nach Osnabrück, das nach dem Ende des „La Vie“, Deutschlands Restaurant  Nr. 1 mit  *** , wieder die Sterne über sich aufgehen sieht.  Abgesagt hatten Keilings zugleich unserem Mittelzentrum. Also können wir uns jetzt auf Vapiano, Starbucks und ‚Hans im Glück‘ konzentrieren, die dann bestimmmmmt in unser Mittelzentrum mit oberzentralen Teilfunktionen kommen. Nicht.