Weltweit sind immer mehr Menschen auf der Flucht – wie aktuell in Afghanistan. Was bedeutet das für uns? Wie gelingt Integration? Und wo ist die Kirche und jeder einzelne Christ gefordert? Auszüge aus einem Gespräch mit Caritas-Migrationsberaterin Alexandra Franke aus Osnabrück. Alexandra Franke ist Referentin im Fachbereich Migration des Caritasverbandes
für die Diözese Osnabrück und arbeitet auch für Caritas International. Am letzten Samstag hielt sie in Bremen bei Pax Christi einen beeindruckenden Vortrag über Menschen auf der Flucht.

Jeder von uns hat noch die dramatischen Bilder vom Flughafen in Kabul im Kopf. Wie ging es Ihnen?

Es war unbegreiflich! In der Migrationsberatung bekamen wir die Auswirkungen direkt zu spüren: Viele Afghanen, die hier leben, riefen verzweifelt an. Sie hatten Angst um ihre Angehörigen und wollten wissen, wie sie sie nach Deutschland holen können. Dabei können wir leider nicht helfen. Oft gibt es nicht mal einen Anspruch auf Familiennachzug – weil das Asylverfahren noch nicht abgeschlossen ist oder weil es sich nicht um Angehörige ersten Grades handelt: die Ehefrau, den Ehemann oder minderjährige Kinder.

Das Thema Flüchtlinge spaltet unsere Gesellschaft. Die einen wollen helfen, die anderen befürchten, dass wir überrannt werden.

Ich frage dann immer zurück: Woran macht du denn fest, dass wir überrannt werden? Hast du weniger Geld auf dem Konto, seitdem du einen syrischen Nachbarn hast? Die Angst vor Zuwanderung ist diffus, weil…

[weiter beim Kirchenbote, Zeitung im Bistum Osnabrück der kath. Kirche]

(Foto: Alexandra Franke, Caritas/Urte Tegtmeyer)

Was Münster am 28. Juli 2014 erlebte, gab es in Osnabrück scbon knapp vier Jahre zuvor,  am 28. August 2010.  Wie das benachbarte Osnabrück nach Antworten auf die Klimakrise sucht, beschreibt aktuell die taz. Zur erinnerung: Unser Lingen will im Überschwemmungsgebiet an der Nordlohner Straße in Schepsdorf ein neues Wohngebiet ermöglichen….

„Die A 1 und A 30 waren überflutet, die Bahnlinie Osnabrück– Rheine gesperrt. Tausende Notrufe gingen bei der Polizei ein, Tausende Helfer waren im Einsatz. Der Pegel des Stadtflusses Hase stieg auf 2,73 m über normal. Anwohner wurden evakuiert, Gärten und Straßen standen metertief unter Wasser, Keller und Tiefgaragen liefen voll.

Tage wie diese können sich auch in Osnabrück jederzeit wiederholen. Das ist auch Sven Dee bewusst. Er wohnt im Stadtteil Hellern, am Kampweg, und im Moment sieht dort alles sehr friedlich aus. Ein paar Schritte entfernt ein See mit Schilf und Insel und Blässhühnern, ringsum alter Baumbestand. Auf der anderen Straßenseite Felder, und im Wald dahinter mäandert, sonnenglitzernd, der Stadtfluss Düte.

Aber Dee weiß: Der See, so naturbelassen er wirkt, ist ein Regenrückhaltebecken. Und wenn die Düte über ihre Ufer tritt, wie 2010, können die Helleraner nur hoffen, dass der Strom nicht ausfällt, denn ohne den schweigen die Pumpen.

Dee kennt die Flut von 2010 nur von Fotos, er wohnt dort erst knapp fünf Jahre. Aber er macht sich Gedanken. Zumal, weil auf den Feldern, in Richtung Düte, ein neues Baugebiet entstehen soll, bis dicht heran an ihr Überschwemmungsgebiet, das auf Osnabrücks Hochwassergefahrenkarte rund 300 Meter breit ist – und nur knapp 300 Meter von Dees Haus entfernt.

„Wenn da zusätzlich so viel Fläche versiegelt wird, macht man sich natürlich schon Sorgen, dass bei einem erneuten Hochwasser auch unsere Häuser betroffen sind“, sagt Dee. „Da wurde nicht genug über Alternativgebiete nachgedacht – und an die Anwohner.“ Wir sitzen vor Dees Haus in der brütenden Sonne, trinken Wasser, sehen rüber Richtung Wald. Von dort käme die Flut. Nordwestlich vom Kampweg, wo sich die Düte mit dem Wilkenbach vereinigt, erreicht das Überschwemmungs­gebiet rund 1.000 Meter Breite.

Dee geht oft an der Düte im Wald spazieren. „Wunderschön, klar. Aber manchmal denke ich dann schon dran, was wäre, wenn.“ Dees Wohneigentümerversammlung überlegt, Granulat­schläuche anzuschaffen, als Blockade, zur Wasserbindung. „Die Natur sucht sich ihren Weg“, sagt Dee. „Und das ist auch richtig so. Immer wenn der Mensch in sie eingreift, bekommt er die Quittung.“ Auf der Unterschriftenliste der Anwohnergemeinschaft, die das Baugebiet verhindern will, steht auch seine Unterschrift.

Dee denkt sehr grün. „Wir müssen insgesamt viel klimabewusster leben“, sagt er. „Wir reagieren immer nur, statt langfristig dafür zu sorgen, dass wir nicht immer nur reagieren müssen.“

Das ist ein Satz, den…

[weiter bei der taz]


Foto: Hochwasser – Symbolfoto via pixabay

Daumen runter!

29. Juni 2021

Daumen runter! Wie im Internet gelogen wird
(und warum das so gefährlich ist)
Für Kinder von 9 bis 12 Jahren

Lingen (Ems) – Digital/online
Heute, Mittwoch 30. Juni,  11- 12 Uhr
Keine Kosten

In der zweiten Ausgabe des KinderCampus digital geht es heute um Lügen im World Wide Web. Warum wird im Internet so oft gelogen und was wollen die Menschen, die Unwahrheiten verbreiten, damit erreichen? Professor Dr. Achim Baum erklärt uns Gründe, die dahinterstecken und wie wir uns vor Fake News schützen können.

Am 30. Juni um 11 Uhr findet der zweite Digitale KinderCampus statt. Sie können Ihre Schulklasse oder Ihre Kinder anmelden. Hier finden Sie die Datenschutzbestimmungen für die Veranstaltung per Zoom.


Was ist der Kinder-Campus?
Der KinderCampus ist eine Veranstaltungsreihe der Fakultät Management, Kultur und Technik der Hochschule Osnabrück am Campus Lingen, bei der echte Professorinnen und Professoren oder Dozentinnen und Dozenten Vorlesungen speziell für Kinder halten.

Die KinderCampus-Veranstaltungen sind besonders gut für euch geeignet, wenn ihr zwischen 9 und 12 Jahren alt seid. In jedem Semester, also im Sommersemester und im Wintersemester, werden zwei Vorlesungen angeboten, Vorlesungen sind in etwa zu vergleichen mit Schulstunden.

Die Vorlesungen dauern ungefähr eine Stunde.Wenn nicht wie heute digital, ist  der Hörsaal im Gebäude KD, Raum 0201 auf dem Campus Lingen,  Kaiserstraße 10c in 49809 Lingen, der Veranstaltungsort .

Die Teilnahme am KinderCampus ist für euch kostenlos, eure Eltern können euch unter Anmeldung registrieren und sollten dort auch die Datenschutz-Erklärung bestätigen. An jeder Vorlesung können rund 160 Kinder teilnehmen. Die angemeldeten Kinder bekommen vor der ersten Vorlesung einen Nachwuchs-Studierenden-Ausweis, eine Teilnehmerurkunde, Schreibunterlagen und eine praktische Umhängetasche.

(Quelle: HS Lingen)

Tag der Architektur

25. Juni 2021

Der Tag der Architektur findet in Niedersachsen und Bremen in diesem Jahr am kommenden Sonntag, 27. Juni statt. 130 Objekte an 55 Orten sind zu sehen: Architektur, Innenarchitektur und Landschaftsarchitektur können erlebt werden, Architektinnen und Architekten stehen für Gespräche und Führungen zur Verfügung, ebenso wie Bauherrinnen und Bauherren. Die Veranstaltung steht dabei noch unter dem Einfluss der geltenden Coronabestimmungen. Robert Marlow, Präsident der Architektenkammer Niedersachsen (AKN), sagt: „Der Tag der Architektur, die größte jährliche Kammerveranstaltung, wird hoffentlich mit Besucherinnen und Besuchern vor Ort stattfinden können – das wäre unser Wunsch. Wenn das aber nicht geht, haben wir im letzten Jahr bereits gute Erfahrungen mit digitalen Angeboten wie Filmen oder Online-Führungen gemacht. Hier sind wir vorbereitet.“

Konkrete Führungstermine finden Interessierte seit dem 22. Juni online auf der Webseite aknds.de über die Möglichkeiten am Tag selbst zu informieren. Hier finden sich auch alle vorgestellten Bauwerke.

In unserer Region an Ems und Vechte gibt es nicht viel zu besichtigende Architektur, die -mangels Landkarte- am Besten über die Ortsliste auf der Website der AKN gefunden werden. Es sind: 

  • Emsbüren („In’t Hüürhus“),
  • Lingen (Ems) mit dem Feuerwehrhaus Holthausen/Biene, dem GNeubau der Firma Mainka und der Kita „Am Kiesbergwald I“,
  • Meppen (der Um- und Anbau des ehem. Kreiswehrersatzamtes wird gleich als zwei Baumaßnahmen präsentiert…) und
  • ein Büro- und Firmengebäude am Schweinemarkt in Nordhorn.

Bauwerke in der weiteren Grafschaft Bentheim und dem restlichen mittleren und nördlichen Emsland fehlen -wie das angrenzende Ostfriesland – leider völlig.

Im benachbarten Kreis Steinfurt (NRW) werden in Ibbenbüren, Hopsten und Rheine drei Wohnhäuser gezeigt.

Ein Besuch der einzelnen 15 Architektenkammern bringt große Eindrücke. Für unsere ländliche Gegend habe ich übrigens den Eindruck gewonnen, dass schon mehr architektonische Qualität gezeigt wurde. Aber was weiß ich schon…

unboxing: Ökotopia

22. Juni 2021

UNBOXING: ÖKOTOPIA
Planet Zukunft Transformieren
 Zweites Diskurs-Festival des Instituts für Theaterpädagogik
der Hochschule Osnabrück 

Am Freitag25. und Samstag, 26. Juni 2021 findet das Festival „unboxing: Ökotopia“ der Hochschule Osnabrück in Lingen und im digitalen Raum statt.

Die Veranstalter:innen: „Wir thematisieren in Diskussionen, künstlerischen Beiträgen und Bildungsformaten das Verhältnis zwischen Mensch und Planet, auf der Suche nach ökologischen Formen von Leben und Wirtschaften. Es geht um Fragen wie: Welche Art von Wachstum brauchen wir, um eine nachhaltige Produktionsweise zu implementieren? Wie können wir Klimagerechtigkeit zwischen dem Globalen Norden und Süden erlangen? Wie bestimmen Bakterien den Naturorganismus Mensch, und was haben wir mit Tieren gemeinsam?

Künstlerische Höhepunkte sind der humorvolle Film zu unserem Tierverhältnis „Progress vs. Sunsets“ der Künstlerin Melanie Bonajo – Vertreterin der Niederlande bei der Venedig Biennale 2022 – sowie die Tanz-Performance der Künstlerin Agata  Siniarska „The soft act of killing“, über unsere Konzeption des Humanen.“

Die zentrale Diskussion am kommenden Samstag, 26.Juni moderiert Tadzio Müller Es sprechen die Aktivistin Tonny Nowshin, der ehemalige Minister für Energie und Bergbau Ecuadors, Alberto Acosta, die Care-Feministin Elke Krasny und der Vordenker der Postwachstumsökonomie, Niko Paech, Fragen von Klimagerechtigkeit, Postwachstum und Sorge-Arbeit für den Planeten.

„Das Globale und das Lokale hängen zusammen. Deswegen geht es uns darum, auch vor Ort mit anzupacken: Das Festival startet mit einer Kooperation mit dem Naturschutzbund (NABU) Emsland Süd, einer Stadtführung durch die Naturoasen Lingens, sowie einer Zusammenarbeit mit Ihnen bei einer Müllsammelaktion zur Errichtung vom „Lingener Archiv des Öffentlichen Mülls“.

Wir treffen und sehen uns in hybriden Festivalformaten. Wir werden erleben, diskutieren, experimentieren – sowohl analog als auch digital. Im Mittelpunkt steht ein Begehren nach Transformation und das Forschen nach möglichen Ökotopien: nach wünschenswerten und alternativen Zukünften zwischen Mensch und Planet.“

Eine Übersicht aller Programmpunkte, die Links zu den digitalen Angeboten sowie die Möglichkeit der vorherigen Ticketreservierung findet man hier auf der Festival-Website:

Alle Veranstaltungen sind kostenfrei, jedoch braucht man für viele Programmpunkte eine vorherige Anmeldung. Diese ist über die Festival-Website sowie mittwochs und donnerstags von 15 bis 18 Uhr im Büro des Burgtheaters, Baccumer Straße, unter (0591)80098-437 möglich.

Hier der Festivalplaner

Entsperrcode

29. April 2021

Auch heute noch einmal etwas aus der regionalen Justiz, dieses Mal von Torsten Kolbe, Vorsitzender der Strafkammer 7 des Landgerichts Osnabrück (Foto) – einer Strafkammer, die nur Berufungssachen gegen Urteile der Amtsgerichte im Landgerichtsbezirk  behandelt:

Kolbe hatte als Vorsitzender der Strafkammer des Landgerichts Osnabrück im Rahmen einer „sitzungspolizeilichen Anordnung“ das Mobiltelefon das Angeklagten „sichergestellt“. Ein Zuschauer hatte nach Urteilsverkündung und Rechtsbehelfsbelehrung behauptet, der Angeklagte habe mit seinem Handy Aufnahmen im Sitzungssaal gemacht. Der Vorsitzende wollte die Vorwürfe überprüfen lassen. Der Angeklagte gab das Handy raus, verriet aber den Entsperrcode nicht. Ärger war also programmiert.

Der Gerichtsvorsitzende behielt das Handy und gab es an die Staatsanwaltschaft weiter. Diese sollte das Gerät auswerten lassen. Dagegen legte der Angeklagte Beschwerde ein. Das Oberlandesgericht Oldenburg hob vor einigen Tagen die Anordnung des Vorsitzenden auf. Sitzungspolizeiliche Anordnungen dienten dem ordnungsgemäßen und störungsfreien Ablauf der Sitzung. Mit der Anordnung habe der Vorsitzende aber klären wollen, ob eine Straftat vorliegt. Auch eine Sicherstellung nach der Strafprozessordnung komme nicht in Betracht. Diese falle nicht in die Kompetenz eines Vorsitzenden, denn für so was sind die Ermittlungsrichter zuständig.

Wieso Zuschauer bei Prozessen Hilfssheriff spielen, werden wir wohl nicht ergründen. Interessant ist aber das Vorgehen des Vorsitzenden. Denn jedenfalls hat er korrekte die Rollenverteilung zwischen der Staatsanwaltschaft als Strafverfolgungsbehörde und dem im Idealfall objektiven Gericht, das über einen konkreten Anklagevorwurf zu entscheiden hat, etwas aus den Augen verloren. Insoweit ein Beispiel für Schulterschlusseffekte zwischen Staatsanwaltschaft und Gericht. Die soll es ja öfter geben.

Endlich kann man aus Verteidigersicht nur davor warnen, unüberlegt Aufnahmen im Gericht anzufertigen. Egal ob als Prozessteilnehmer. Oder als Zuschauer. Wie man sieht, ist das Handy schnell weg und ein Verfahren droht. Aus dem Schneider ist der Osnabrücker Betroffene durch die Klarstellung des Oberlandesgerichts nämlich nicht. Der Senat weist nämlich im Schlusssatz seiner entscheidung ausdrücklich darauf hin, dass der Ermittlungsrichter noch tätig werden und das Mobiltelefon beschlagnahmen könne.

(OLG Oldenburg, Beschl. v. 22.03.2021 – 1 Ws 81/21 –)

Ein Beitrag des LawbLog, Udo Vetter. Foto: LG Osnabrück, CCs. Archiv v. 15.6.2013

Mittagspause

28. April 2021

Über die Mittagspause in der regionalen Justiz:

Das Amtsgericht Osnabrück verurteilte am Montag einen 43-jährigen Georgier wegen Diebstahls zu einer Freiheitsstrafe von einem Monat. Die Vollstreckung der Freiheitsstrafe wurde nicht zur Bewährung ausgesetzt.

Der Angeklagte entwendete am 22.04.2021 gegen 12:00 Uhr eine Powerbank im Wert von 9,99 Euro in einem Drogeriemarkt an der Großen Straße in der Osnabrücker Innenstadt. Nach Verlassen des Kassenbereichs sprach ein Ladendetektiv den Angeklagten an und hielt ihn fest.

Während der Angeklagte noch mit dem Ladendetektiv rangelte, wurden zwei Staatsanwältinnen auf die Situation aufmerksam, welche sich in ihrer Mittagspause in die Innenstadt begeben hatten. Eine der Staatsanwältinnen erkannte den Angeklagten sofort wieder, da er nur etwa 30 Minuten zuvor ebenfalls in einem beschleunigten Verfahren vor dem Amtsgericht Osnabrück unter ihrer Mitwirkung wegen Diebstahls zu einer Geldstrafe verurteilt worden war. Diesem Verfahren lag ein Diebstahl von Zigaretten im Wert von 144,- Euro vom 21.04.2021 zugrunde. Die Staatsanwältinnen informierten die Polizei, welche den Ladendieb erneut festnahm.

Zur montäglichen Hauptverhandlung wurde er auf Antrag der Staatsanwaltschaft wiederum im Amtsgericht vorgeführt. Der Angeklagte gestand die Tat, konnte indes keine für das Gericht nachvollziehbare Erklärung für seinen Aufenthalt in Osnabrück nennen. Da die am Vortag verhängte Geldstrafe den Angeklagten nicht nachhaltig beeindruckt hatte, erkannte der zuständige Richter nunmehr auf eine Freiheitsstrafe. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

(Quelle: PM AG Osnabrück)

Buren-Skandal

23. März 2021

Das Emslandmuseum berichtet just in seinem Blog über den Buren-Skandal vor drei Jahren und hat herausgefunden, dass der Skandal kein Skandal war. Eine wunderbare Emslandgeschichte:

Mit großem Widerhall in Presse und Medien wurde 2018 das große Ortsjubliäum „1200 Jahre Emsbüren“ kurzerhand abgesagt, weil sich die entsprechende Urkunde zum Jahr 819 als Fälschung des 10. Jahrhunderts herausgestellt hatte. Das hatten die Historiker zwar schon Jahre vorher herausgefunden, aber nun hatte es sich auch bis Emsbüren herumgesprochen.

Noch bevor man die Hintergründe dieser Fälschung auf sachlicher Ebene erst einmal diskutiert hatte – eine gefälschte Urkunde enthält in der Regel auch viele zutreffende Informationen, sonst wäre sie ja nicht glaubwürdig – fürchtete die Emsbürener Geistlichkeit um ihre eigene Glaubwürdigkeit beim Jubiläum und wandte sich in ihren Gewissensnöten an die vorgesetzte Dienststelle der Diözese, die sich mit solcherlei Anfragen wohl auch nicht jede Woche beschäftigt.

In erstaunlicher Geschwindigkeit kamen dabei Historiker des Bistumsarchivs in Osnabrück, die bislang nicht unbedingt durch Forschungen zum Mittelalter in Erscheinung getreten waren, zu dem aus kirchlicher Sicht – wen wunderts – unanfechtbaren Urteil, dass man auf Grundlage einer gefälschten Urkunde keinen echten Geburtstag feiern dürfe. Kirche ist ja bekanntermaßen stets um Wahrheit und Transparenz bemüht. Etwas erstaunt ist man da schon, denn wenn der Grundsatz, dass Dinge aus der Vergangenheit, für die man keinen urkundlichen Nachweis besitzt, nicht gefeiert werden dürfen, dann dürfte ja gerade in der katholischen Kirche, wenn man’s zu Ende denkt, so manches nicht gefeiert werde. In Emsbüren hielt man sich jedenfalls an die Ansage aus Osnabrück zur Absage des Jubiläums.

Unrecht – wie der namhafte Mittelalter-Historiker Prof. Dr. Manfred Balzer jetzt in einem umfangreichen Beitrag in der wissenschaftlichen Zeitschrift „Nordmünsterland“ (Bd. 8, 2021) erläutert.

Balzer kommt nämlich zu dem Ergebnis, dass der im Mittelpunkt der gefälschten Urkunde von 819 stehende Abt Castus in Visbek identisch ist mit jenem Castus oder Gerbert, der als Schüler und Weggefährte des Heiligen Ludgerus schon lange bekannt ist. Auf breiter Quellenbasis stellt Balzer heraus, dass die in der Falschurkunde von 819 genannten Orte sehr wohl als Freren und Emsbüren identifiziert werden können und dass auch absolut wahrscheinlich ist, dass diese Orte um das Jahr 820 schon existierten und über eine Kirche verfügten.

Hat er oder hat er nicht ? – Ludgerus als Gründer der Kirche in Emsbüren am dortigen Kirchenportal

Im Verlauf seiner Darstellung kommt Balzer zu dem Ergebnis, dass der Diakon Castus zur Sippe des heidnischen Sachsenherzogs Widukind gehörte. Sein Familienzweig verfügte über erhebliche Besitzungen im heutigen Oldenburger Münsterland, im Osnabrücker Nordland sowie auch im Südlichen Emsland. Castus stiftete seinen Erbteil, das waren vor allem Bauernhöfe, zum einen für das Kloster Werden, das sein Lehrer Ludgerus gegründet hatte, und zum anderen für ein von ihm selber gegründetes kleines Kloster in Visbek, das später samt allem Zubehör in den Besitz des Klosters Corvey an der Weser gelangte.

Zu diesen Stiftungen des Castus gehörten auch zahlreiche Höfe und die Zehnteinnahmen in Freren, die später an Corvey fielen, sowie Höfe in Schale, die das Kloster Werden erhielt. In Schapen richtete dieses Kloster schon im 9. Jahrhundert einen Haupthof ein, der die zahlreichen Einnahmen der Mönche aus der Umgebung sammelte, und errichtete dort schon früh eine Kirche unter dem Patronat des Heiligen Ludgerus.

Emsbüren hat durch den vermeintlichen Skandal um die gefälschte Urkunde nicht nur sehr viel Staub aufgewirbelt, sondern sehenden Auges ein wichtiges Ortsjubiläum verstreichen lassen.

Die Herren vom Bistumsarchiv empfahlen seinerzeit ersatzweise ein Jubiläum zum Jahr 1181 – damals wurde die Pfarrei Emsbüren zum ersten Mal erwähnt. Das Jubiläum wäre dann 2081. Bis dahin ist ja noch Zeit und wer weiß denn, ob es in der Zwischenzeit bezüglich der Echtheit dieser Quelle nicht noch zu neuen Erkenntnissen kommt. Oder zu einem neuen Sturm im Wasserglas.


Quelle und Fotos: Emslandmuseum Lingen;  Literaturhinweis: Manfred Balzer: Abt Castus von Visbek. In: Nordmünsterland. Forschungen und Funde. Bd. 8, 2021.

Risiken meidend

13. März 2021

Durch die Überschuldung der Bremer Privatbank Greensill hat Osnabrücks Haushalt schwere Schäden erlitten. „14 Millionen Euro sind keine Peanuts, vor allem nicht als Verlust. Weil es dazu noch eine chronisch klamme Stadt wie Osnabrück getroffen hat – Gesamtkreditvolumen über 230 Millionen – ist der Zorn groß auf die inzwischen geschlossene Bremer Greensill-Bank. „Was da schiefgegangen ist, war nicht vorherzusehen“, verteidigt sich Osnabrücks Finanzvorstand Thomas Fillep (SPD). Die „strategische Ausrichtung des städtischen Anlagengeschäfts“ sei „Risiken meidend und auf Sicherheit bedacht“.
Vielleicht sind immerhin Teile der 14 Millionen noch zu retten. Aber ob bei Greensill, bei der sie liegen, noch was zu holen ist, steht in den Sternen. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) hat über Greensill jüngst ein Veräußerungs- und Zahlungsverbot verhängt, wegen drohender Überschuldung. Mittlerweile ist die Bank geschlossen. Gegen sie läuft eine Bafin-Klage wegen Bilanzmanipulation.

Osnabrück hält bei den Privatbankiers von Greensill drei Termingeldanlagen. Die Behauptung des Stadtkämmerers, aufgrund des „sehr guten Ratings“ habe man von einer „sehr sicheren Anlageform“ ausgehen müssen, bleibt nicht unwidersprochen. „Schon weit bevor der letzte, größte Betrag von 11,5 Millionen Euro Mitte November 2020 zu Greensill ging, gab es klare Anzeichen dafür, dass sich die Bank negativ entwickelt“, sagt etwa Michael Hagedorn, finanzpolitischer Sprecher der Osnabrücker Grünen. „Wir müssen jetzt aufklären, was da abgelaufen ist.“
Die 2019 beschlossene „Finanzrichtlinie 2.0“ der Stadt Osnabrück gestattet…“

[weiter bei der taz]

Nachtrag.
Lingen(Ems) hat übrigens nach Auskunft der Stadtkämmerin keine Guthaben- oder Anlagekonten bei Greensill.

Vorstrafe

3. Februar 2021

Das Landgericht Osnabrück (Foto) hat Mitte Januar einen Mann wegen fahrlässiger Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen à 25 Euro verurteilt. Einer seiner unangeleinten Schäferhunde hatte in Quakenbrück eine Frau angefallen. Diese war gestürzt und hatte sich dabei eine Halswirbeldistorsion und eine Kopfprellung zugezogen.

Laut dem Urteil hatte der Angeklagte seine zwei Hunde zwar zurückgerufen, als diese auf die Frau zuliefen; ein Tier hörte aber nicht auf ihn.

Fahrlässigkeitsdelikte sind die Deliktsgruppe, mit der man schneller zu tun bekommt, als einem häufig lieb ist. Für eine Strafbarkeit wegen fahrlässiger Körperverletzung reicht eine Sorgfaltspflichtverletzung aus, und zwar bei objektiver und subjektiver Vorhersehbarkeit der eingetretenen Folgen. Vorsätzlich im klassischen Sinn muss man gerade nicht handeln.

Bei der Vorhersehbarkeit und der Vermeidbarkeit neigen Gerichte in der Praxis gerne dazu, beides zu bejahen, obwohl das in der konkreten Situation nicht der Fall war, argumentiert RA Dr. André Bohn im LawBlog. „Dieses Phänomen ist psychologisch als sogenannter Rückschaufehler bekannt: Die Justiz stellt im Nachhinein überhöhte Anforderungen an den Betroffenen, das heißt, es wird ein zu strenger Sorgfaltsmaßstab angelegt.“

Im Hundefall war es aber doch eher eindeutig. Dass man einen Schäferhund, der offensichtlich nicht richtig hört und damit in gewisser Weise unberechenbar ist, anleinen muss, dürfte kaum zweifelhaft sein – und zwar auch dort, wo kein ausdrücklicher Leinenzwang besteht. Hundehaltern sollte auf jeden Fall klar sein: Sie können eine strafbare Körperverletzung auch durch ihr Tier begehen.

(Az. LG Osnabrück, Urt. v. 20.01.2021, Az. 5 Ns 112/20; das Urteil ist nicht rechtskräftig)

Ausführlicher Bericht in der Legal Tribune Online (LTO)

via LawBlog Udo Vetter (RA Dr. André Bohn)


Foto LG Osnabrück, CC s. Archiv v. 15.06.2013)