Campus in Concert
Lingen (Ems) –  Campus, Kaiserstraße
Donnerstag, 25. Mai 2023  –  ab 18 Uhr
Eintritt frei

Am kommenden Donnerstag, 25. Mai, lädt der Campus Lingen der Hochschule Osnabrück bereits zum zehnten Mal zum Newcomer-Festival Campus in Concert ein. Organisiert wird die Veranstaltungsreihe von Studierenden und Alumni verschiedener Studiengänge. Anlässlich des zehnten Jubiläums locken die Veranstalter mit einem buntem Line-Up, bestehend aus sechs talentierten Newcomer-Bands vom Institut für Musik der Hochschule Osnabrück.

Die im Jahre 2017 in Osnabrück gegründete Gruppe The Livelines (Foto) mischt mit ihrer Musik den mainstreamigen Pop und Rock der 10er und 20er Jahre auf. Roh, bittersüß und ungeschönt fassen englischsprachige Lyrics Emotionen in Worte. Grenzen zwischen Pop, Rock und Hardrock lässt die Band gekonnt verschwimmen.

Die Band Tameera mit Sängerin Tabea Meusch erschafft mal melancholische und verträumte, mal energetische und kraftvolle Klangwelten und bewegt sich mit ihrem Sound gekonnt zwischen Indie-Pop und R&B. Die Band zeichnet sich durch vielschichtige Vocals, warme Bässe, filigrane Orchester-Elemente und handverlesene elektronische Sounds gepaart mit lebhaften Harmonien und ehrlichen Texten aus.

Moritz Ley spielt Gitarre und schreibt unter dem gleichem Namen Songs. Nach der Veröffentlichung seiner Debüt-EP „Emotionale Anreise“ arbeitet der Sänger aus Hamburg nun an seiner zweiten Platte, auf der neben nostalgischen Synthesizern ein roher, unverfälschter Gitarrensound zu hören ist. Zwischen gesungener Poesie und tanzbarem Synth-Pop erzeugt er atmosphärische Songs, die zum Tagträumen einladen.

Ehrliche Texte, eine unnachahmliche Stimme und zartschmelzende Melodien, das bietet Johanna Isserstedt. Die Singer-Songwriterin bringt gemeinsam mit ihrer Band ihre selbstgeschriebenen Songs auf die Bühne und ist inspiriert durch die unterschiedlichsten Stile, die sie schon als junges Mädchen hörte. Bei ihrer Musik verschwimmen die Grenzen der Genres: Pop mit Rock, Soul und Indie-Einflüssen.

„Wenn man einen AI-Generator füttert mit deutscher 80er Mucke, à la Grönemeyer und Westernhagen, dann mit einer Prise Punkrock von Die Ärzte und Madsen würzt und zu guter Letzt noch Bilder von einer Keytar, einer Trompete und einem Bier da reinballert, ist das Endergebnis Murks.“ Mit diesen Worten beschreibt sich die drei-köpfige Gruppe sich selbst. Unter dem Namen MURKS! spielen sie deutschen Indie-Pop Rock.

Farbe in eine triste Welt bringen – diese Aufgabe hat sich die Band Lynger mit Sängerin Linda Weiland gesetzt. Sie wollen mit ihrer Musik weg von Heartbreak- und Love Rap-Songs und bezeichnen ihr Gesamtpaket als „humorvollen Edeltrash auf technisch hohem Niveau mit Abgeh-Charakter“. Das Genre ließe sich als „Punk-Trap-Techno-Pop“ kategorisieren und sei eine Fusion aus Künstlern, wie Deichkind und SXTN mit eigener, extravaganter Note.

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Foto: The Livelines,  Hochschule Osnabrück,©  Lion Schlenter

Geringe Bindung

16. Mai 2023

Die Rolle der Neuen Osnabrücker Zeitung, zu der die emsländischen „Unterausgaben“ Emszeitung, Lingener Tagespost und Meppener Tagespost zählen, wird immer undurchsichtiger. Dass sie in unserer Region ihre Berichterstattung zu der gemeinhin als sinnstiftend und verbindend verstandenen Kultur und zu entsprechenden Veranstaltungen eingestellt hat und stattdessen beispielsweise halbe Seiten über einen verlaufenen Rehbock veröffentlicht, der beim Lingener Dr. Schulz im Ziergarten aufgetaucht war, wissen wir.

Aber wir wissen nicht, wie lange die NOZ die sozialpolitischen Segnungen der Kurzarbeit in Anspruch genommen hat und vielleicht noch nimmt. Nicht informiert wurden wir unlängst auch, dass die Mediengruppe NOZ/MH:N mit Sitz in Osnabrück und Flensburg zum Jahresende aus dem Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) und den drei Landesverbänden austritt, in denen der Regionalzeitungsverlag vertreten ist.

Jan Dirk Elstermann, Verleger und Herausgeber von NOZ und MH:N Medien und seit November 2022 stellvertretender geschäftsführender BDZV-Präsident zusammen mit Christian DuMont-Schütte (DuMont) und Valdo Lehari (Reutlinger General-Anzeiger), galt bislang als Unterstützer des Ex-BDZV-Präsidenten Mathias Döpfner (Vorstandsvorsitzender von Axel Springer), der nach der Kritik an seiner Person wegen der Affäre Reichelt im Herbst 2022 von seinem Amt zurückgetreten war.

Der Deutsche Journalistenverband (DJV) kommentierte den NOZ-Austritt, auf diese Weise wolle das Medienhaus unangenehme Tarifbindungen beenden und  seine Mitarbeiter unter Tarif bezahlen. Dabei bietet der Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) seinen Mitgliedsverlagen schon ganz lange die Möglichkeit, ohne jede Tarifbindung Mitglied zu sein. Statt offensiv für Tarifverträge zu trommeln, die der Verband mit den Gewerkschaften, darunter der DJV, abschließt, guckt er tatenlos zu, wenn Verlage die Tarifbindung einfach abschütteln. Die Folge ist bekanntlich ein tarifpolitischer Flickenteppich in Deutschland, der dazu führt, dass in der einen Stadt Zeitungsjournalisten weniger verdienen und weniger Urlaubsanspruch haben als in der Nachbarstadt. DJV-Pressesprecher Hendrik Zörner: „Im Fall des Verlags NOZ/mh:n reicht nicht mal mehr der Köder „ohne Tarifbindung“ aus, um ihn im Verlegerverband zu halten. Wie der Mediendienst turi2 meldet, hat der Verlag jetzt seinen Austritt aus dem BDZV zum Jahresende erklärt. Als mögliche Begründung für den Schritt wird die Verärgerung von Verlagschef Jan Dirk Elstermann, zugleich einer der geschäftsführenden Präsidenten, über den Umgang des BDZV mit Mathias Döpfner angeführt. Elstermann soll gar eigene Ambitionen auf die Döpfner-Nachfolge gehabt haben, die aber offenbar auf wenig Resonanz stießen,“ weiß Hendrik Zörner.

Der Fall führt drastisch vor Augen, wie gering inzwischen die Bindung mancher Mitgliedsverlage an „ihren“ Verband ist. Wenn eine Personalie über Wohl und Wehe von Tarifverträgen entscheidet, hat der BDZV ein Problem, das er

lösen muss. In seinem eigenen Interesse, aber auch im Interesse Tausender Journalistinnen und Journalisten an Tageszeitungsverlagen.

Wer übrigens trotzdem bei der NOZ im Emsland einsteigen will, für den habe ich hier die Gelegenheit:

 

 

Einmischungen

4. April 2023

1983 gründete sich in Lingen (Ems) der Arbeitskreis Judentum Christentum. Eine erste selbst gestellte Aufgabe war es, den Jüdischen Friedhof in Lingen (Ems) dem Vergessen und der Verwahrlosung zu entreißen. 2001 wurde aus dem Arbeitskreis das Forum Juden Christen Altkreis Lingen eV..

In diesen Tagen blickt der Verein also auf 40 Jahre Vereinsgeschichte zurück und hatte dazu gestern Abend zu einer Festveranstaltung rund 100 Freunde und Engagierte in das Gemeindehaus der St. Josefskirchengemeinde in Laxten eingeladen. Genau dort hatte am 5. April 1983 auf Initiative des dann zum Vorsitzenden gewählten Josef Möddel, des Vikars Dr. Heinrich Bernhard Kraienhorst und Hermann Rüther die Gründungsversammlung des Arbeitskreises stattgefunden. Schon damals dabei waren Vertreter aus Freren, zuvörderst Lothar Kuhrts, Gründer der Geschichtswerkstatt Samuel Manne.

Zusammen mit Verleger Georg Aehling (Edition Virgines) hat jetzt das Autorenpaar Dr. Friedhelm Wolski-Prenger und Angela Prenger in beeindruckender Fleißarbeit auf 152 Seiten zusammengetragen, was man die 40jährige Chronik des Vereins seit 1983 nennen muss. Das Buch wurde gestern Abend präsentiert.

Es gliedert sich in den Überblick „vom Arbeitskreis zum Forum“, dem dann sieben, thematisch orientierte Kapitel folgen. Vorneweg: Für LingenerInnnen ist das Buch ein Muss. Natürlich. Trotzdem bin ich nicht überzeugt, dass das Buch vollends gelungen ist.

Bereits die Gliederung springt eher hin und her zwischen Geschichte, Projekten, Monumenten und Erinnerungsmomenten, Personalia und Ereignissen, und kommt erst am Ende im achten Kapitel zu „Politischen Einmischungen“. Diesen Teil hätten Autoren und Herausgeber besser als Initiativen, Interventionen, Impulse oder Beiträge zum jeweils aktuellen politischen und gesellschaftlichen Diskurs dargestellt. Dabei ist für das Selbstverständnis des Vereins wesentlich, dass die auf Seite 26 auszugsweise wiedergegebene Vereinssatzung festlegt, „Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus entgegenzutreten“ sowie „nach Wegen der Versöhnung und des friedlichen Miteinanders aller Menschen unabhängig von ihrer Herkunft oder Religion zu suchen“. Dafür passt der Begriff „Politische Einmischungen“ dann eher nicht.

Für diesen Teil seiner Arbeit muss das Forum nämlich sicherlich aus den (wichtigen) Lehrhausgesprächen in und überhaupt aus der Jüdischen Schule rauskommen, damit es mit seiner Botschaft in der Zivilgesellschaft wahrgenommen und gehört wird. Mit ein paar mehr der bislang bei den gesellschaftspolitischen  Anlässen verlautbarten Texte (bitte im Wortlaut!) hätte dieser Teil wichtige Meilensteine des gesellschaftlichen Diskurses in unserer Stadt und die Beteiligung des Forums daran begreiflicher machen können – am besten in einem eigenen Buchanhang mit solchen Texten. chade, dass die Gelegenheit verstrichen ist.

Heinz Rolfes (CDU) sagte vor der am 15. Januar 2015 vom Forum  initiierten Anti-Pegida-Demo an dessen Adresse: „Gut so, dass Sie sich hier und jetzt so deutlich positionieren. Es ist eine Position weniger für Pegida – wenigstens hier in Lingen.“ Das Zitat hätte dem Buch ebenso gut getan wie der Hinweis, dass zuvor die Stadtverwaltung -ausgerechnet wegen des  Weihnachtsmarkts- ausdrücklich abgewunken hatte.

Man muss dieses Buch als Chronik lesen, wenn man es mit Gewinn lesen will, nicht als Charakteristik des Vereins, für die nämlich die aufgezeichneten Konturen häufig zu unbestimmt und zu zaghaft in ihrer Darstellung bleiben. So ist beispielsweise die sehr kontrovers und jahrelang geführte Debatte um die Umbenennung des Gertrudenwegs, an dem die 1938 in Brand gesetzte Lingener Synagoge stand, in Synagogenstraße nur eine ausgesprochen schmale Randnotiz. Und natürlich gehen die Wurzeln der Aufabreitung der jüdischen Geschichte unserer Stadt nach dem 2. Weltkrieg auch mindestens zurück in das Jahr 1975, als die letzte in Lingen lebende Jüdin Helga Hanauer sich bitterlich darüber beklagen musste, dass in den veröffentlichten Büchern zur 1000jährigen Stadtgeschichte kein Wort über die jüdische Gemeinde und die Morde an ihren Mitgliedern in der NS-Zeit zu finden war.

Als Rat an seine Nachfolger forderte gestern Dr. Heribert Lange, der Ehrenpräsident des Forum, in einer vom Frerener Bürgermeister Godehard Ritz klug moderierten Gesprächsrunde, die Erinnerungsarbeit müsse künftig im Zentrum der Arbeit des Forums stehen in einer Zeit, in der die deutsche Gesellschaft zu zerreißen drohe, und das Forum müsse dafür als politischer Player, Partner und Akteur in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden. Das wird als nächstes mit der in Wahrheit nicht entschiedenen Namensdebatte um die elende Bernd-Rosemeyer-Straße so sein. Auch dies nämlich wurde in der gestrigen Veranstaltung nachdrücklich deutlich: Dieses Thema ist nach dem Willen des Forums Juden Christen nicht abgehakt. Keineswegs.

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Es begann mit dem Jüdischen Friedhof
40 Jahre Erinnerungskultur im südlichen Emsland.
Arbeitskreis Judentum-Christentum | Forum Juden-Christen im Altkreis Lingen e.V.| 1983 -2023

Friedhelm Wolski-Prenger / Angela Prenger
152 Seiten, Hardcover
ISBN: 978-3-910246-11-9
Preis: 20,00 €

 

Spoiler:
Einmal mehr beeindruckte Kantor Baruch Chauskin (Osnabrück) mit seiner mächtigen Stimme. Er schloss die musikalische, vom Duo NIHZ begleitete Umrahmung mit der jiddischn version von My Way: Mayn Veg. Hier in der Version der Barry Sisters aus 1973.

 

Beas Bühne

15. März 2023

Es ist natürlich ein publizistischer Offenbarungseid, dass die zum NOZ-Verlag zählende Lokalzeitung „Lingener Tagespost“ trotz sehr hoher Abonnementpreise seit mehreren Jahren keine Beiträge mehr über Kulturveranstaltungen in Lingen bringt. Nur wenn Sting, Ina Müller oder ähnliche Kaliber kommen, gibt es Ausnahmen.

Mit der großen Zahl der LT-Leser und den Kulturschaffenden im Verbreitungsgebiet des Blattes weiß ich mich allerdings einig, dass dies inakzeptabel und für den gesellschaftlichen Diskurs schädlich ist (Mehr hier unter Top 7).

Zu meinen neuesten Erkenntnissen zählt allerdings seit wenigen Tagen, dass die nachhaltige öffentliche Ankündigung, dass die  Kulturberichterstattung weggelassen wird, nebst unser aller Wahrnehmung dazu falsch sein müssen.

Denn aktuell bewirbt die NOZ online auf Facebook ihre fehlende Kulturberichterstattung: „Das Thema Kultur ist Beas Bühne“ heißt es da. Und: NOZ-Du weißt, warum.

Ich weiß es tatsächlich: Was für eine Osnabrücker Heuchelei!

In dieser Nacht werden in Los Angeles die Oscars verliehen. Edward Bergers mit ich glaube gleich neun Nominierungen geradezu beworfene Remarque-Verfilmung „Im Westen nichts Neues“ (“All Quiet on the Western Front”)  lässt das deutsche Filmfeuilleton und ganz Osnabrück  (Wietmarschen-Lohne aber eher nicht...) mit besonderer Aufmerksamkeit die Verleihung beobachten.  Auch Kulturstaatsministerin Claudia Roth wird bei der Gala dabei sein – obwohl in dem Film gar kein Geld aus ihren Filmfördertöpfen steckt, wie Daniel Kothenschulte in der FR schreibt. „Bezahlt haben alles die Amerikaner. Vermutlich ist dies der erste größere deutsche Kinofilm seit mehreren Jahrzehnten, der komplett ohne öffentliche Mittel produziert wurde.“ Soll sie mit dem Trip zeigen, wie wichtig der Ampel die Filmlandschaft ist.

Laut Wettbüros sind die Chancen auf das ganz große Abräumen für Bergers Film allerdings eher gering, meinte Tobias Kniebe in der SZ-Vorschau. Das sieht auch die New York Times so. Aber „der Preis für den ‚Best International Feature Film‘, früher Fremdsprachen- oder Auslands-Oscar genannt, sollte auf jeden Fall drin sein.“

Das werde ich heute früh nachtragen -nach der Oscar-Gala.

Nach der 95. Oscar-Nacht steht fest: Die Hoffnungen haben nicht getrogen. Der deutsche Film „Im Westen nichts Neues“ hat insgesamt vier Oscars gewonnen – mehr als jeder andere deutsche Film zuvor. Bei der Auszeichnung für den besten internationalen Film setzte sich die Netflix-Produktion von Regisseur Edward Berger bei der Gala in Los Angeles gegen „Argentinien, 1985″ aus Argentinien, „Close“ aus Belgien, „EO“ aus Polen und „Das stille Mädchen“ aus Irland durch.

Regisseur Berger bedankte sich anschließend bei seinem Team und seiner Familie. „Oh Gott, das bedeutet uns so viel“, sagte er auf der Bühne.
„Im Westen nichts Neues“ war insgesamt in neun Kategorien nominiert, darunter als erster deutscher Beitrag überhaupt in der Königskategorie bester Film. Außer als bester internationaler Film holte er zudem die Oscars für die beste Kamera (James Friend), die beste Filmmusik (Volker Bertelmann alias Hauschka) sowie das beste Produktionsdesign (Christian M. Goldbeck und Ernestine Hipper).

Mit der Verfilmung des gleichnamigen Antikriegsromans von Erich Maria Remarque erhielt überhaupt erst zum vierten Mal in der Oscar-Geschichte ein deutscher Film den Oscar für den besten internationalen Film. Zur Erinnerung: Bislang gewonnen hatten den Auslands-Oscar:
die Roman-Verfilmung „Die Blechtrommel“ von Volker Schlöndorff 1980,
das Emigranten-Drama „Nirgendwo in Afrika“ von Caroline Link 2003
sowie das Stasi-Drama „Das Leben der Anderen“ von Florian Henckel von Donnersmarck 2007.

Großer Gewinner bei der 95. Oscar-Verleihung war „Everything Everywhere All at Once“. Der Film der Regisseure Daniel Kwan und Daniel Scheinert gewann insgesamt sieben Oscars, darunter die Auszeichungen als bester Film, für die beste Regie, das beste adaptierte Drehbuch, die beste Hauptdarstellerin (Michelle Yeoh), den besten Nebendarsteller (Ke Huy Quan) und die beste Nebendarstellerin (Jamie Lee Curtis).

Mehr bei Spiegel-online

KI

1. März 2023

Das EU-Programm „Agrifood TEF“ fördert Forschungsprojekte zum Einsatz künstlicher Intelligenz in der Landwirtschaft an der Hochschule Osnabrück.

Landwirtschaft – diejenigen, die mit ihr seltener in Berührung kommen, Kühe nur von der Schokoladenverpackung und Äcker von Desktop-Hintergrundbildern kennen, haben oft eine romantische Vorstellung davon, wie dort gearbeitet wird. Dass Landwirtschaft nicht isoliert von Modernisierungsprozessen stattfindet, ­sondern eher das Gegenteil der Fall ist, zeigt ein Forschungsprojekt zu autonomer Agrartechnik im Ackerbau in Osnabrück.

Entsprechende Forschungen, bei denen die Deutsche Forschungsstelle für künstliche Intelligenz (DFKI), die Hochschule Osnabrück und Agrotech Valley beteiligt sind, werden durch die Förderinitiative Agrifood Testing and Experimentation ­Facility – kurz „Agrifood TEF“ – mit bis zu zehn Millionen Euro von der EU finanziert. Die Initiative agiert inzwischen europaweit und hat auch Forschungsstandorte in Frankreich und ­Italien.

Doch warum braucht man überhaupt mehr Maschinen in der Landwirtschaft, die ­Arbeiten ohne oder mit geringer menschlicher Beteiligung erledigen? Künstliche Intelligenz im Ackerbau – ist das noch natürlich? Die Antworten sind vielfältig: Zum einen ist auch die Landwirtschaft von den großen Problemen der Gegenwart betroffen: Der Klimawandel sorgt für eine kürzere Erntesaison und geringere Erträge. Auch der Fachkräftemangel ist in dem ohnehin eher unbeliebten Berufsfeld groß.

Der Einsatz KI-basierter Technik kann also bei der Kontrolle der Felder und der Beschaffenheit des Bodens behilflich sein. Ackerarbeiten, die sonst mit mehreren von Personen geführten Maschinen bewältigt werden müssen, kann künftig ein einzigen Roboter erledigen.

Hinzu kommt, dass…

[weiter in der taz]

In Osnabrück beginnt ein neues Forschungsprojekt: Es soll über Zwangsarbeitslager auf Fußball- und Sportplätzen informieren. Orte des Jubels und des Unrechts. Harff-Peter Schönherr  schreibt darüber in der taz:

„Wer sich eine Luftaufnahme von Osnabrück ansieht, findet das Werksgelände von [KM Europa Metal AG] KME ziemlich schnell. Es ist riesig, fast ein eigener Stadtteil. Halle reiht sich an Halle, auf über 50 Hektar. Kupfer und Kupferlegierungen produziert das Unternehmen, im Weltmaßstab.

Das NS-Zwangsarbeitslager „Gartlage“, das sich ab 1942 hier befand, sieht man hingegen nicht. Bis zu 1.300 Menschen aus der Sowjetunion wurden hier ge­fangen gehalten, Männer, Frauen und Kinder. Sie lebten in 16 Holzbaracken. Vor einiger Zeit hat KME die letzte dieser Baracken abgerissen. Eine Gedenktafel sucht man vergebens.

Auch in der Rubrik „Historie“ auf seiner Webseite schweigt sich KME über die NS-Zeit aus. Nichts über die Menschen, die hier zu Zählappellen antreten mussten, an verdorbenen Lebensmitteln starben. Nichts über die drangvolle Enge, über das Antreten im Morgengrauen, über die Zwölf-Stunden-Schichten. Nichts über die einstige Topografie des Terrors mit ihrem Stacheldraht, ihren Wachen.

Aber das ändert sich jetzt. Und das hat mit dem Sport zu tun. Genauer gesagt: mit dem Fußball. Denn das Lager „Gartlage“ ist die Initialzündung des mehrjährigen Forschungs- und Bildungsprojekts „Von einem Ort des Jubels zu einem Ort des Unrechts. Zwangsarbeitslager auf Fußball- und Sportplätzen“ des Osnabrücker Gedenkstätten-Ensembles „Gestapokeller“ und „Augustaschacht“.

Ein fünfköpfiges Projektteam nimmt…“

[weiter in der taz]


Foto: Fußball in Osnabrück vor 100 Jahren / VfL Osnabrück Museum

Timur Gasratov

20. Dezember 2022

PROGRAMMÄNDERUNG! Das Konzert am 1. Weihnachtstag in der Reihe Weltklassik am Klavier mit Pianist Timur Gasratov kann nicht stattfinden; der Künstler ist an CoViD19 erkrankt. Glücklicherweise springt mit Alexey Chernov ein ebenbürtiger, vielfach ausgezeichneter Virtuose ein und bietet ein wundervolles Programm voller Sonaten. Mehr…

Reihe Weltklassik am Klavier
Timur Gasratov
Die Goldberg Variationen
Lingen (Ems), – Musikschule des Emslandes,
Wilhelmstraße 49

So, 1. Weihnachtstag 17.00 Uhr
Karten: 30 €, Studenten 15 €, bis 18 Jahre eintritt frei

Reservierungen: per E-Mail über info(at)weltklassik.de oder
telefonisch unter 0151 125 855 27.
Tipp: Brauchen Sie noch ein einzigartiges Weihnachtsgeschenk…?


Johann Sebastian Bach (1685 – 1750)
Die Seele ruht in Jesu Händen. Kantate. BWV 127
Gottes Zeit ist die allerbeste Zeit. Kantate. BWV 106
Seufzer und Kummer. Kantate. BWV 21
Ich ruf‘ zu Dir, Herr Jesu Christ – Bearbeitung: Ferrucio Busoni BWV 639
Jesus bleibet meine Freude G-Dur BWV 147, 10
Schafe können sicher weiden – Bearbeitung: Dinu Lipati BWV 208
Wachet auf, ruft uns die Stimme. Choral Prelude. BWV 645
Nun komm‘ der Heiden Heiland – Bearbeitung: Ferruccio Busoni BWV 659
Wir danken Dir, Gott. Kantate. Prelude. BWV 29

– Pause –

Johann Sebastian Bach (1685 – 1750)
Goldberg Variationen G-Dur BWV 988
Variatio 1 a 1 Clav., Variatio 2 a 1 Clav., Variatio 3 Canone all’Unisuono a 1 Clav., Variatio 4 a 1 Clav., Variatio 5 a 1 ovvero 2 Clav., Variatio 6 Canone alla Seconda a 1 Clav., Variatio 7 a 1 ovvero 2 Clav. Al tempo di Giga, Variatio 8 a 2 Clav., Variatio 9 Canone alla Terza a 1 Clav., Variatio 10 Fughetta a 1 Clav., Variatio 11 a 2 Clav., Variatio 12 Canone alla Quarta a 1 Clav., Variatio 13 a 2 Clav., Variatio 14 a 2 Clav., Variatio 15 Canone alla Quinta a 1 Clav. Andante, Variatio 16 Ouverture a 1 Clav., Variatio 17 a 2 Clav., Variatio 18 Canone alla Sesta a 1 Clav., Variatio 19 a 1 Clav., Variatio 20 a 2 Clav., Variatio 21 Canone alla Settima a 1 Clav., Variatio 22 a 1 Clav. Alla breve, Variatio 23 a 2 Clav., Variatio 24 Canone all’Ottava a 1 Clav., Variatio 25 a 2 Clav. Adagio, Variatio 26 a 2 Clav., Variatio 27. Canone alla nona a 2 Clav., Variatio 28. a 2 Clav., Variatio 29. a 1 o vero 2 Clav., Var. 30. a 1 Clav. Quodlibet. Aria da Capo.


„Weltklassik am Klavier – Einfach monumental: die Goldberg Variationen!“
‚In den Goldberg-Variationen (1741) treffen sich italienische, französische und deutsche Traditionen der Klaviermusik. Darüber hinaus erfassen sie stilisierend auch Kompositionsweisen und Formen der vokalen und instrumentalen Ensemblemusik. Das Spektrum des Werks reicht von einfachen Volksliedern bis zu gelehrten polyphonen Techniken und von gesanglichen Melodien bis hin zu rein klaviertechnischen Elementen. In einer überlegen disponierten Ordnung versammelt das Werk viele aus Bachs Musikgeschichte und aus seiner eigenen Zeit bekannte Musikarten zu einer lebendigen Einheit. Die Goldberg-Variationen geben „eine überzeugende Demonstration dessen, daß kunstvoller Bau und natürliche Anmut einander keineswegs ausschließen.“ Eine geistreiche, übersinnliche, monumental einfache Musik lädt zum Meditieren ein.‘

Timur Gasratov
Timur Gasratov debütierte bereits mit 14 Jahren als Pianist. Seine Ausbildung begann in der berühmten Stoljarski-Musikschule in Odessa, aus der u. a. auch David Oistrach und Emil Gilels hervorgingen. Er verfeinerte sein pianistisches Können weitergehend auch in Freiburg und Saarbrücken. Sein Spiel überzeugt in hohem Maße durch die Reife seiner Interpretationen, seine Innigkeit und seine grandiose Virtuosität. In den vergangenen Jahren wurde er deshalb mit zwölf Preisen bei internationalen Klavier- und Kammermusik-Wettbewerben in Europa ausgezeichnet, u.a. bei den Wettbewerben Walter Gieseking, Schura Tscherkasski, Undamaris und Emil Gilels. Seit 2007 unterrichtet Timur Gasratov klassisches Klavier an der Hochschule für Musik Freiburg und konzertiert regelmäßig als Solist und Kammermusiker. 2021 erschien seine mit Ungeduld erwartete CD mit den Goldberg-Variationen.

Bitte informieren Sie sich unbedingt kurzfristig über mögliche Programmänderungen auf
www.weltklassik.de.

 

Out of the box

18. Dezember 2022

„Menschen, die Kreativitätsseminare besucht haben, aber selbst nicht kreativ genug sind für eigene Formulierungen, sagen gern Sätze wie: „Wir müssen ‚out of the box‘ denken.“ Die Box ist in dem Fall die Auswahl an gewöhnlichen Vorschlägen, die in der Vergangenheit alles nur schlimmer gemacht haben.

Bei allem, was sich unter dem Begriff Mobilitätswende zusammenfassen lässt, ist zum Beispiel ein großes und bislang ungelöstes Problem, dass in den Innenstädten zu wenig Platz ist. Man könnte so schön breite Gehwege, Radwege und Grünstreifen bauen, wenn am Rand nicht überall Häuser stehen und in der Mitte Autos fahren würden. Wie soll man das lösen?

Man kann den zur Verfügung stehenden Raum umverteilen. Das ist der naheliegendste Vorschlag. Man reißt also die Häuser ab und ersetzt sie durch Radwege, doch dann ziehen die Leute aufs Land und fahren mit ihren Autos in die Stadt, man braucht breitere Straßen. Aber das will man auch nicht. Nimmt man den Autos dagegen den Platz, riskiert man einen Bürgerkrieg.

In Osnabrück, der anderen Stadt des Westfälischen Friedens, hat man daher auch im Sinne der Harmonie im Straßenverkehr ein bisschen „out of the box“ gedacht, und herausgekommen ist: eine Schwebebahn. Ja, genau, eine Schwebebahn – wie man sie aus dem 19. Jahrhundert in Wuppertal kennt. Daher kann man sie auch nicht einfach Schwebebahn nennen, sie braucht einen Namen, der etwas mehr hermacht. Vielleicht  „Flyover”? Nein, sie heißt  „Sunglider”. 

Über den Sunglider spricht man in Osnabrück schon etwas länger. In dieser Woche beschäftigt sich die Wochenzeitung „Die Zeit“ mit der Idee (€) Der Artikel skizziert sie sehr schön in zwei Sätzen. Am Boden sei in den Städten wenig Platz. Also müsse man eine Ebene nach oben gehen.

Die Bahn soll aus dem 3D-Drucker kommen und sich selbst mit Strom versorgen, am Steuer soll eine künstliche Intelligenz sitzen. Schon das würde ein Problem lösen, für das im öffentlichen Personennahverkehr bislang eine Lösung fehlt. Es findet sich kaum noch wer, der die Busse und Straßenbahnen fährt. Aber warum sieht man solche Systeme dann nicht vielfach auf dieser Welt?

„Es muss einen Grund geben, warum wir solche Systeme nicht vielfach auf der Welt sehen“, sagt ein Verkehrsfachmann der Uni München in dem Artikel. Aha. Wir kommen der Antwort also näher.

In den Städten einen „massiven, durchgehenden Fahrweg herzustellen“, das sei eine Herausforderung, sagt der Münchener Verkehrsexperte. In anderen Worten: In den Innenstädten ist zu wenig Platz. Man müsste also gewissermaßen „out of the box“ denken. Und so käme man wieder weg von der Idee einer Schwebebahn.

So weit ist man in Osnabrück allerdings noch nicht. Dort soll der nächste Schritt eine Machbarkeitsstudie sein, die eine Antwort auf die Frage gibt, ob so eine Bahn – Sie ahnen es – überhaupt machbar ist. Und wer weiß, vielleicht ist sie das ja.

Möglicherweise gibt es aber auch noch andere Lösungen…“

[Ein Beitrag von Ralf Reimann in RUMS, der Münsteraner Online-Zeitung, die ich empfehle zu abonnieren]

Syed S.

15. Dezember 2022

In einem Offenen Brief kritisiert der 58-jährige, aus Pakistan geflüchtete Syed S.  unhaltbare Zustände in der Landesaufnahmebehörde Osnabrück: Konkret beklagt der Betroffene rassistische Übergriffen durch Mitarbeiter:innen des Sicherheitsdienstes. In dem Lager in der Sedanstraße sei er Diskriminierung und Rassismus ausgesetzt und über Monate hinweg in einer sehr verletzlichen Situation gewesen. Deshalb habe er sich an die Betroffenenberatung Niedersachsen gewandt. Das Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung gegen die Mitarbeiter*innen des Sicherheitsdienstes sei nach kurzer Zeit eingestellt worden, weil die Täter angeblich nicht ermittelt werden konnten. Dabei habe er die Täter in seiner Aussage genau beschrieben. Er habe den Eindruck, es sei nur sehr oberflächlich ermittelt worden. Daher fordert Syed S. eine Wiederaufnahme der Ermittlungen.

Mit seinem Offenen Brief will Syed S. auf weitere kritikwürdige Zustände in dem Standort Osnabrück der Landesaufnahmebehörde aufmerksam machen. Er beklagt unter anderem eine mangelhafte und unzureichende Essensversorgung, respektlose und beleidigende Behandlung durch Mitarbeiter:innen im Lager, Bedrohungen und Gewalt durch Sicherheitspersonal und die Ausbeutung geflüchteter Menschen im Rahmen der sogenannten 80-Cent-Jobs. Die Essensversorgung im Lager sei nicht angemessen und oft nicht ausreichend gewesen. Trotz seiner gesundheitlich kritischen Situation aufgrund einer Krebserkrankung sei er oft mit leerem Magen schlafen gegangen. Syed habe über den Sozialdienst zahlreiche Briefe an die Leitung des Standortes geschickt, doch er erlebe kein Bestreben, etwas zu verändern.

Seinen Brief schließt Syed S. mit einem Appell an die Öffentlichkeit:

Wisst ihr, ich bin zu euch gekommen, um Schutz zu suchen, um Freiheit, Gerechtigkeit und Würde zu suchen. Um wieder atmen zu können. Denn ich bin nicht nur einem Ort, sondern auch tausend Erinnerungen entflohen. Ich möchte in Würde und Respekt leben. In diesem Moment bin ich der einsamste Mensch der Welt. Ich habe niemanden auf dieser Erde. Ich brauche eure Hilfe, bevor es zu spät ist.“

Der Niedersächsische Flüchtlingsrat hat die Landesaufnahmebehörde um eine Stellungnahme gebeten. Eine Rückmeldung erfolgte bislang nicht. Die No – Lager – Initiative Osnabrück hat sich mit Syed S. in einer Presseerklärung solidarisiert. Die Missstände, die Syed benennt, deckten sich mit den Erfahrungen zahlreicher anderer Menschen, die bei No Lager Osnabrück aktiv sind oder sich an die Initiative wenden. Viele Menschen seien eingeschüchtert und hätten große Angst, dass Beschwerden und Kritik negative Konsequenzen haben könnten. Vor wenigen Tagen wurde Syed in eine andere Unterkunft transferiert.


Foto: No-Lager-Osnabrück