Rotweinstraße

17. August 2021

Das Video zeigt die Schäden entlang der Rotweinstraße im Ahrtal exakt zwei Wochen nach der Flut vom 14. auf den 15. Juli 2021. Es macht betroffen und fassungslos. Genauso fassungslos macht es, wenn politisch verantwortliche trotz dieser Hochwasserkatastrophe in unserer Stadt in dias Überschwemmungsgebiet der Emsauen in Schepsdorf ein neues Baugebiet setzen wollen. Das nenne ich unverantwortlich.

Hier die Analyse:

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz hat ein Sonderkonto wegen der vom Hochwasser geschädigten Denkmale eingerichtet. Sie schreibt in einem Aufruf: „Die aktuelle Hochwasser-Katastrophe hat vor Denkmalen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz nicht Halt gemacht. Schon erreichen die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) erste verzweifelte Nachrichten über geschädigte Baudenkmale, die erst gerade instandgesetzt worden waren oder unlängst preisgekrönt wurden – und die nun zum „Denkmal in Not“ geworden sind.

Die betroffenen Eigentümer sind auf solidarische und schnelle Hilfe angewiesen, da vielfach Elementarversicherungen die Bauwerke in gefährdeten Regionen gar nicht erst versichern. 

Die DSD hat daher ein Sonderkonto für vom Hochwasser geschädigte Baudenkmale eingerichtet, um schnell und unbürokratisch helfen zu können.

Deutsche Stiftung Denkmalschutz
Spendenkonto Soforthilfe Hochwasserkatastrophe
IBAN DE78 3804 0007 0555 5552 00.

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz besitzt das DZI-Spendensiegel und das Spendenzertifikat des Deutschen Spendenrats.

Gestern

12. Februar 2021

Gestern vor 75 Jahren stand die Lingener Innenstadt 1,5 m hoch unter Wasser. Am Wasserstraßenknotenpunkt Hanekenfähr südlich von Lingen hatte sich vor dem Emswehr und den Kanalschleusen eine riesige Flutwelle gestaut, die sich schließlich ihren

Weg in den Dortmund-Ems-Kanal bahnte. Dafür waren die Kanaldämme aber nicht ausgelegt. Der Wasserpegel im Kanal stieg rasch an. Und während sich bei Lingen die Rettungskräfte noch auf die Sicherung der Emsdeiche mit tausenden von Sandsäcken konzentrierten, geschah das Unerwartete im Rücken der Helfer: der hoch aufgeschüttete Kanaldamm brach in Richtung Lingen. Innerhalb kürzester Zeit stand die gesamte Innenstadt etwa 1,5 Meter unter Wasser. Weil keine Warnung erfolgt war, hatte niemand die Keller und Erdgeschosse geräumt. Die Schäden waren entsprechend hoch.

Auch in Meppen, wo die Flutwellen von Ems und Hase aufeinandertrafen, soff die gesamte Innenstadt ab. Nur der Hügel mit der Kirche ragte wie eine Hallig aus den Fluten. In Haren, damals Maczkow, überraschte das Hochwasser die polnische Besatzung der Stadt, die zunächst an einen Sabotageakt der Deutschen glaubte. Aber es war „nur“ eine Naturkatastrophe. Weiter nördlich ergossen sich die Fluten kilometerweit in die Flächen des nördlichen Emslandes und Ostfrieslands. Das Wasser stand hier nicht so hoch, wollte dafür aber wochenlang nicht ablaufen, während weiter südlich die Welle rasch abflachte und das Wasser sich wieder zurückzog. Schnell wurde das Ausmaß der Schäden sichtbar, denn es war ja kein sauberes Quellwasser, das sich dort in Keller und Wohnräume, Geschäfte und Betriebe ergoss, sondern eine stinkende Brühe mit viel Schlamm und Gefahrenstoffen.

Trotz aller Schrecken markierte das Februarhochwasser 1946 einen ersten Wendepunkt in der Nachkriegszeit. Die britischen Besatzungsbehörden traten zum ersten Mal in einer großen Aktion als Helfer auf, retteten Menschen aus den Fluten und versorgten die Eingeschlossenen in ihren Häusern. Der frühere Feind übernahm die Verantwortung für die Bevölkerung in seiner Besatzungszone. Britisches Militär und deutsche Hilfskräfte arbeiteten angesichts der Katastrophe Hand in Hand.

Im Rückblick der Zeitzeugen bildet das Hochwasser von 1946 daher eine wichtige Erinnerungsmarke. Schon fünf Jahre nach der Katastrophe erschienen in den Lokalzeitungen die ersten Rückblicke, jedes weitere „runde Jubiläum“ wurde von Zeitzeugenberichten und Zeitungsbeiträgen begleitet. 50 Jahre nach dem Hochwasser erinnerten 1996 eine große Wanderausstellung, zahlreiche Aufsätze und ein eigenes Erinnerungsbuch an das katastrophale Ereignis.

75 Jahre nach der großen Flut stehen heute nur noch wenige Zeitzeugen zur Verfügung, etwa Karl-Ludwig Galle aus Nordhorn, der als 18jähriger mit seinem Faltboot durch die überfluteten Straßen von Lingen paddelte. Am alten Rathaus findet sich eine Wandplatte mit der damaligen Hochwassermarke; die allerdings war höher. der Marktplatz ist in den letzten 75 Jahren reichlich aufgepflastert worden.

Was bleibt nach 75 Jahren von der großen Naturkatastrophe? Zum einen die Hochwassermarken an einigen Rathäusern und Brücken, die an einem friedlichen Sommertag an der Ems unglaublich erscheinen. Dann die Fotos und Berichte der Zeitzeugen. Und all diese Zeugnisse erinnern daran, dass ein Jahrhunderthochwasser an der Ems sich jederzeit wiederholen kann.

(Text: Andreas Eiynck; Foto oben Marktplatz, unten Große Straße)

Hochwasser ’46

1. Februar 2016

Hochwasser46Vor 70 Jahren:
Das Hochwasser 1946
Lingen (Ems) – Emslandmuseum, Burgstr. 28 b

Mi 03.02. – 16 und 19.30 Uhr
Eintritt 5 € (Mitglieder des Heimatvereins 3 €)

„Zum 70. Mal jährt sich in diesen Tagen eine der größten Naturkatastrophen in der Geschichte Lingens und des Emslandes: das Jahrhunderthochwasser der Ems im Februar 1946. Daran erinnern das Emslandmuseum und der Heimatverein Lingen im Rahmen der Reihe „Mittwochs im Museum“.

Eine Hochwassermarke am Alten Rathaus zeigt bis heute an, dass am 11. Februar 1946 das Wasser auf dem Lingener Marktplatz über einen Meter hoch stand. Was sich damals ereignete, darüber geben Tagebücher, offizielle Dokumente, Zeitungsberichte und zahlreiche Fotografien im Emslandmuseum Auskunft. Es waren dramatische Tage im ersten Nachkriegsfrühjahr. Dämme und Deiche brachen, Menschen und Vieh wurden in ihren Häusern vom Hochwasser überrascht. Städte wie Rheine, Lingen und Meppen versanken in den Fluten der sonst so beschaulichen Ems. Straßenverkehr war nur noch mit Booten und provisorisch gezimmerten Flößen möglich.

Hochwasser1946Die Katastrophe traf Menschen und Behörden in der schwierigen Nachkriegszeit, als Mangel und Not ohnehin den Alltag bestimmten. Nun vernichtete das schmutzige Flusswasser die Nahrungsmittelvorräte in Kellern und Scheunen, durchnässte die Kohlenkeller und schwemmte mühsam organisiertes Brennholz davon.

Ursache für das Hochwasser waren ungewöhnlich starke Regenfälle im Münsterland, die tagelang anhielten. Bald traten die Ems und andere Flüsse über die Ufer, die Schäden waren verheerend. Eine solche Katastrophe kann sich nach Auskunft der Metereologen jederzeit wiederholen, doch rein statistisch rechnen die Wetterforscher damit im Schnitt nur einmal in hundert Jahren.

Die Emsländer haben daraus ihre Lektion gelernt. Deiche wurden verstärkt und Sperrtore errichtet. So ist man heute auf das nächste Hochwasser jedenfalls viel besser vorbereitet als vor 70 Jahren.“ (Quelle)

Hochwasser

3. Juni 2013

Keine guten Nachrichten aus Lingens Partnerstadt Marienberg im Erzgebirgkreis. Die „Freie Presse“ informiert so über das Hochwasser unter der Überschrift: „Das mittlere Erzgebirge steht unter Wasser“ :

„Im Erzgebirgskreis herrscht Katastrophenalarm. Zwar hatte sich die Lage in der Nacht von Sonnabend auf Sonntag leicht entspannt. Doch die Pegel von Flöha, Schweinitz, Natzschung, Preßnitz und Schwarzer Pockau stiegen über den Tag wieder an. Anwohner in Hirschberg, Seiffen und Pockau haben Gewissheit: ihr Hab und Gut ist wieder einmal ein Opfer der Flut. Das konnten auch die 13.500 Sandsäcke nicht verhindern, die das Feuerwehrtechnische Zentrum in Marienberg den Feuerwehren vor Ort zusätzlich zur Verfügung stellte.

[Nachbarstadt] Olbernhau: Die Stadt der sieben Täler ist einer der Einsatzschwerpunkte. Der Stadt droht am Wochenende eine Flut. Am Sonnabend kurz nach 18 Uhr rückt die Rothenthaler Feuerwehr aus, um aus dem Wald herabströmendes Wasser an der Talstraße in neue Bahnen zu lenken. In Hirschberg tritt die Schweinitz aus dem Uferbett und überflutet Grundstücke. Am Sonntag teilt das Landratsamt mit, dass die Straße von Olbernhau nach Rübenau voll gesperrt ist.

In Olbernhau heulen 23.20 Uhr die Sirenen. Die Feuerwehren werden im Zentrum…“

[weiter in der Freien Presse]

Nordhorn

29. August 2010

Die Hochwasserlage in Nordhorn ist weiterhin angespannt. Die Feuerwehr Nordhorn kann mit eigenen Mitteln der Situation nicht Herr werden. Aus diesem Grund hat der Krisenstab beim Landkreis die Bundeswehr um Unterstützung gebeten. Etwa 35 Soldaten aus Diepholz, die noch vorgestern in Osnabrück im Hochwasser-Einsatz waren, werden in der Kreisstadt erwartet. Sie sollen zunächst vor allem beim Füllen von Sandsäcken helfen. Kritisch sind in der Nacht zu Sonntag nach Auskunft der Feuerwehr die Uferbereiche am Püntendamm und das Povelgelände rund um die Vechteaue.

Die Geschäfte am Püntendamm und an der Firnhaberstaße wurden mittlerweile von Feuerwehrkräften und Anliegern mit einem Wall aus Sandsäcken abgesichert. Vereinzelt haben auch in der Hauptstraße Geschäftsleute bereits ihre Läden mit Sandsäcken und Folien gesichert. Indes sind viele Nordhorner in der City auf den Beinen, um den Einsatzkräften bei der Arbeit zuzuschauen.  “Die Arbeit der Wehrleute wird leider immer wieder durch Schaulustige in diesem Bereich behindert, aus diesem Grund bittet die Feuerwehr darum die Bereiche auch aus Gründen der allgemeinen Sicherheit zu verlassen”, heißt es in einer Pressemitteilung der Feuerwehr.

Um den Druck von der Vechte rund um die Vechteinsel zu nehmen, hatte die Feuerwehr gegen 21 Uhr damit begonnen, auch an der Rückseite der Baustelle Bentheimer Torbrücke die Spundwände mit einem Bagger niederzudrücken. Dadurch kann das Wasser nun schneller zum Kornmühlenwehr abfließen. Die Schleuse am Verbindungskanal konnte bislang noch nicht vollständig geöffnet werden. Durch das Hochfahren der Vechteschleuse in Brandlecht will man nun den Druck nehmen, damit die Verbindungsschleuse geöffnet werden kann. Mittlerweile erhalten THW, Feuerwehr und DLRG auch Verstärkung durch die Nordhorner Speditionsfirma Rigterink. Wie Bürgermeister Meinhard Hüsemann den GN mitteilte, stellt die Spedition 300 Paletten für Sandsäcke und Sicherungsmaßnahmen bereit.

Seit 18 Uhr war die Firnhaberstraße vom Vechte-Hochwasser akut betroffen. Die neugestaltete Einkaufsstraße steht teilweise unter Wasser, die Abwasserschächte konnten das Wasser nicht mehr aufnehmen. Auch das Einkaufzentrum „Vechte-Arkaden“ ist vom Hochwasser akut gefährdet. Sandsäcke sollen hier wie an der Hagenstraße die Vechte am Übertreten hindern. Am Neumarkt trat Wasser aus der überlasteten Kanalisation, sodass Teile des Parkplatzes und der Seeuferstraße überschwemmt sind.

Die Feuerwehr Nordhorn ist im Großeinsatz, mehrere Feuerwehren aus dem Umkreis kommen der Wehr aus der Kreisstadt zur Hilfe. Seit 17.50 Uhr besteht bei der Feuerwehr Nordhorn und Brandlecht Vollalarm. Der Pegelstand der Vechte stieg seit dem Vormittag kontinuierlich und hatte im Laufe des Nachmittags an manchen Stellen bereits eine kritische Marke erreicht. Auf dem Povelgelände musste die Feuerwehr bereits nachmittags Kellerfenster mit Sandsäcken schützen. Viele Uferwege im Stadtgebiet sind überschwemmt und nicht mehr passierbar, einige wurden vorsorglich gesperrt. Die Bevölkerung wird von der Feuerwehr aufgerufen, Uferbereiche und Überschwemmungsgebiete der Vechte und der Kanäle nicht zu betreten.

Bis 22 Uhr wurde in Nordhorn weiterhin ein ansteigender Wasserpegel gemessen. In der Innenstadt und auf dem Povelgelände bereitet man sich deswegen auf eine lange Nacht vor: Keiner weiß, ob und wann der Pegel fällt. Sorgenvoll schaut man auch auf den Sonntag, da neues Regenwetter angesagt ist.

Feuerwehr und THW müssen nach wie vor vom schlimmsten Fall der Fälle ausgehen, da immer noch nicht einzuschätzen ist, wie viel Hochwasser aus der Obergrafschaft über die Vechte noch weiter in die Grafschafter Kreisstadt geführt wird. Auf dem Bauhof der Stadt an der Enschedestraße hatte das THW frühzeitig damit begonnen, Sandsäcke abzufüllen und an kritische Hochwasserstellen zu bringen. Zudem schaffte sie aus Ochtrup und Rheine 40.000 zusätzliche Sandsäcke nach Nordhorn. Da es in Nordhorn keine offizielle Pegelmessung gibt, hat die Feuerwehr an bestimmten Gefahrstellen Posten abgestellt, die die Hochwasserstände kontrollieren. Am Nachmittag war die Feuerwehr zu einer Krisensitzung zusammen gekommen, um das weitere Vorgehen abzusprechen die Sicherungsvorkehrungen einzuleiten.

Hinweis (und Dankeschön):

Der Beitrag stammt aus dem Blog des   Nordhorner „Hotel am Stadtring“, Foto: © Hotel am Stadtring