Das Endergebnis der diesjährigen „Stunde der Gartenvögel“ steht fest. „Wir haben inzwischen alle Meldungen ausgewertet und können nun das Endergebnis der Vogelzählung bekannt geben“, freut sich Hanna Clara Wiegmann von der NABU Regionalgeschäftsstelle Emsland/ Grafschaft Bentheim. Das Spitzenfeld ist wenig spektakulär; dennoch gibt es einige Veränderungen zu den Vorjahren.

Auf den ersten drei Plätzen liegen im Emsland und der Grafschaft Bentheim, Haussperling, Amsel und Kohlmeise, gefolgt von Blaumeise auf Platz vier. Auf dem fünften Platz liegt im Emsland die Ringeltaube und in der Grafschaft Bentheim die Dohle. Der zum ersten Mal öffentlich gewählte Vogel des Jahres im Jahr 2021, das Rotkehlchen, fliegt im Emsland auf Platz neun und in der Grafschaft Bentheim auf Platz sechs und ist im Vergleich zum Vorjahr seltener gezählt worden.

Die Top Drei in Niedersachsen sind ähnlich mit den Platzierungen dieser Region. Der einzige Unterschied besteht darin, dass in Niedersachsen der Star auf Platz drei ist. „Dies ist eine erfreuliche Überraschung, da dessen Bestände infolge des Verschwindens von Wiesen und Weiden, in denen der Star seine Nahrung findet, seit Jahren rückläufig sind“, so Wiegmann. Im Emsland schafft es der Star auf Platz sieben und in der Grafschaft Bentheim auf Platz zwölf.

Besonders auffällig in diesem Jahr sind die Zahlen für die Nachtigall. Im Vergleich zu den letzten Jahren wurde die Nachtigall deutlich häufiger gesichtet. Konkret erzielt sie bundesweit ein Plus an Sichtungen von 114 Prozent; in Niedersachsen sogar ein Plus von 253 Prozent. Die Nachtigallen waren in diesem Jahr etwa eine Woche früher aus ihren Winterquartieren in Afrika zurück als im letzten Jahr. Entsprechend früher startete auch die Balz- und Brutaktivität. „Die Stunde der Gartenvögel ist in diesem Jahr offenbar in die Phase der größten Balzaktivität der Nachtigall gefallen. Viele Männchen waren noch auf der Suche nach einer Partnerin. Daher konnten so viele der variantenreichen und ausdauernden Sänger am zweiten Maiwochenende gehört und gesehen werden“, erklärt Wiegmann. Dass die Nachtigall in diesem Jahr so häufig zu sehen und vor allem noch mehr zu hören war, freut die Ornithologen des NABU besonders. „Nachtigallen gehören zu den wenigen Langstreckenziehern, die im Bestand zunehmen“, sagt die NABU-Mitarbeiterin. „Laut Nationalem Vogelschutzbericht hat sich ihre Anzahl allein zwischen 2004 und 2016 um 26 Prozent erhöht.“

Auch Mauersegler, Mehlschwalben und Rauchschwalben konnten in diesem Jahr insbesondere in Niedersachsen deutlich häufiger gesichtet werden. „Das liegt sicher auch an der stabilen Hochdruckwetterlage mit schönem Wetter am Zählwochenende, die eine Beobachtung dieser Tiere leichter machte“, nimmt Hanna Clara Wiegmann an.

Hinsichtlich der Teilnehmendenanzahl ist jedoch ein Rückgang zu verzeichnen: In Niedersachsen haben in diesem Jahr 7.381 Vogelfreunde vom 13. bis 15. Mai an der Mitmachaktion teilgenommen und aus über 5000 Gärten und Parks 182.929 Vögel gemeldet. Bundesweit haben sich fast 67.000 Menschen beteiligt. Insgesamt wurden über 1,6 Millionen Vögel gezählt. „Die Rekord-Teilnahme während der vergangenen zwei Jahre konnte leider nicht erreicht werden. Dies hängt sicherlich mit dem guten Wetter und den wegfallenden Einschränkungen der letzten zwei Jahre zusammen“, vermutet Hanna Clara Wiegmann. „Dennoch besteht nach wie vor ein großes Interesse der Menschen an der natürlichen Vielfalt vor ihrer Haustür.“

Die „Stunde der Gartenvögel“ ist eine wissenschaftliche Mitmachaktion von NABU und seinem bayerischen Partner LBV (Landesbund für Vogelschutz) und findet seit 2005 jedes Jahr am zweiten Maiwochenende statt. Jeder kann mitmachen und die Vögel zählen, die er oder sie im Laufe einer Stunde sieht oder hört.

Die nächste Mitmachaktion des NABU läuft schon vom 3. bis 12. Juni: Dann werden beim „Insektensommer“ wieder Sechsbeiner gezählt und gemeldet. Weitere Informationen zur Aktion unter www.insektensommer.de.
——

Sperling Bild von suju-foto auf Pixabay

bleibt gestoppt

15. Mai 2022

Die rechtlichen Schritte örtlicher Initiativen und des NABU gegen eine Hähnchenmastanlage in Amelhausen im Landkreis Oldenburg sind weiter erfolgreich. Die Baugenehmigung war und bleibt unrechtmäßig, entschied jetzt  das OVG Niedersachsen in Lüneburg und wies den Antrag zurück, einen früheren Baustopp des Gerichts (Beschl. v. 04.09. 2018, Az. 1 ME 65/18) aufzuheben.

Das OVG hatte seinerzeit den Bau gestoppt und befand jetzt in einem Beschluss vom 28. April den Betrieb einer solchen Anlage für knapp 30.000 Tiere weiter als unrechtmäßig. Die taz dazu:  „Und auch in den Landkreisen Celle und Gifhorn sehen Umweltschützer gute Chancen, den Bau von Hähnchenmastfabriken zu verhindern.

Der Streit um den Stall in Amelhausen währt schon acht Jahre. Die Baugenehmigung lag seit September 2014 vor, im Mai 2017 begannen die Bauarbeiten. Anfang März 2018 nahm Kreislandwirt Jürgen Seeger die Anlage in Betrieb. Weil Belange des Natur- und Umweltschutzes außen vor geblieben seien und insbesondere das benachbarte Fauna-Flora-Habitat-Gebiet Poggenpohlsmoor durch den Maststall beeinträchtigt werde, klagten örtliche Initiativen und der Naturschutzbund (NABU) beim Verwaltungsgericht Oldenburg.

Dieses wies den Eilantrag des NABU zunächst zurück. Vor dem OVG hatte der Verband dann aber Erfolg: Das Gericht bestätigte die vorgebrachten Beschwerden und stellte klar, dass allein die Bodenversiegelung zu einer Beeinträchtigung des Naturschutzes und damit zur Unzulässigkeit des Vorhabens führe.

Dessen ungeachtet erteilte der Kreis Oldenburg im März 2020 eine sogenannte Nachtragsbaugenehmigung. Damit bescheinigte die Behörde dem ohne rechtskräftige Erlaubnis und auf eigenes Risiko errichteten Bau eine landwirtschaftliche Privilegierung – und eröffnete dem Betreiber die Möglichkeit, beim Verwaltungsgericht Oldenburg die Inbetriebnahme zu beantragen. Trotz erheblicher Einwände des Nabu und des Bündnisses für Mensch, Umwelt und Tier erlaubte das Verwaltungsgericht im vergangenen September den Weiterbetrieb.

Mit seinem Ende April veröffentlichten Beschluss stellte das OVG nun die Unrechtmäßigkeit der Nachtragsbaugenehmigung fest und…“

[weiter bei der taz]

(OVG Niedersachsen, Beschl. v. 28.04.2022, Az.  1 ME 146/21)


Foto: Nieders. OVG in Lüneburg, von  Bubo CC BY-SA 3.0

Einstimmig hat der Lingener Ausschuss für Umwelt, Klima und Nachhaltigkeit jetzt den Antrag der Fraktion Grüne/FWL befürwortet, ein lokales Konzept für Ladestationen zu entwickeln. Damit gibt es noch keine Ladestation, aber vielleicht wird es ja auf absehbare Zeit was.

Für eine klimafreundliche Mobilität in ländlichen Regionen haben neben dem öffentlichen Verkehr auch batterieelektrische Fahrzeuge als die effizienteste Antriebsform viel Potential. Bekannt wurde jetzt: Das Laden am Arbeitsplatz kann dabei die Hälfte der CO2-Emissionen einsparen

Dazu  hat der Institutsteil Wirtschaftsinformatik des Fraunhofer FIT untersucht, wieviel CO2 sich durch ein verändertes Ladeverhalten auf dem Land einsparen lässt. Die Studie im Auftrag des NABU kommt zu dem Schluss: Laden am Arbeitsplatz (Charge@work) ist die effizienteste Ladeform. Schon allein durch eine Verschiebung des Ladezeitpunktes auf die Mittagszeit, während des Arbeitens, lassen sich die CO2-Emissionen des Ladevorgangs halbieren. Für ein Jahr mit durchschnittlichen Witterungsverhältnissen ergibt sich daraus ein Einsparpotential von ca. 3 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr.

Leif Miller, NABU-Bundesgeschäftsführer: „Die notwendige Ladeinfrastruktur für E-Mobilität muss gerade auf dem Land von Anfang an am richtigen Ort so geplant werden, dass sie möglichst wenig Ressourcen und Fläche verbraucht. Auf dem Land wird das Auto wichtig bleiben. Die Ergebnisse der Studie kommen daher gerade rechtzeitig, um die gezielte Förderung vom Arbeitsplatzladen in den Masterplan Ladeinfrastruktur 2 aufzunehmen.“

Die Studie zeigt, wie der Anteil an erneuerbaren Energien im Strommix beim Laden maximiert werden kann und welchen Einfluss es hat, wenn beim Laden Strom direkt aus einer Photovoltaikanlage abgenommen wird. Das massive CO2-Einsparpotential ergibt sich vor allem daraus, dass beim Laden am Arbeitsplatz die Potentiale von einem hohen Anteil von Grünstrom im Netz genutzt werden. Dies geschieht vor allem bei Charge@Work zur Mittagszeit. Das ist für die Mehrheit der Bevölkerung tagsüber am Arbeitsplatz. Dabei spricht sich die Studie nicht gegen Photovoltaikanlagen auf dem eigenen Hausdach aus.

Das Laden am Arbeitsplatz bietet der Untersuchung zufolge zahlreiche weitere Vorteile für eine ressourceneffiziente Nutzung von E-Mobilität. So können zum Beispiel mehrere Fahrzeuge an einem Ort gleichzeitig Strom direkt abnehmen. Die Studie untersucht zudem die Potentiale von E-Mobilität für die Netzstabilität. E-Autos können selbst das Stromnetz stabilisieren, wenn sie zu bidirektionalem Laden fähig sind, also die gespeicherte Energie in ihrer Batterie auch wieder abgeben können.

„Allein über das Laden am Arbeitsplatz im Vergleich zum Laden zuhause lassen sich bisher ungeahnte CO2-Einsparpotentiale von Elektromobilität heben. Alle Arbeitgeber sind daher in der Pflicht, ihren Mitarbeitern die Möglichkeit zum Laden anzubieten, am besten in Verbindung mit einer PV-Anlage. Über die Rahmenbedingungen werden derzeit verhandelt: Wenn die Verkehrsemissionen nicht weiter stagnieren sollen, muss das Klimaschutzsofortprogramm der Bundesregierung die Dienstwagenregelung so anpassen, dass sie nur noch rein batterieelektrische Fahrzeuge fördert.“ ergänzte Nikolas von Wysiecki, Verkehrsreferent beim NABU.

Die Studie zur Elektromobilität wurde im Rahmen des Projektes „Innovation und Vorsorge“ des Umweltbundesamts erarbeitet. Weitere Infos zum Thema und die Studie findet die Leserschaft  hier. 


Quelle: PM NABU

Wiese

22. März 2022

Früher waren wiesen immer Wildblumenwiesen. Also lautet meine Überschrift für dieses kleine Posting: Wiese.

Es geht allerdings um Wildblumenwiese und die Frage, wie es geht: Was sollte bei der Anlage einer artenreichen Wildblumenwiese beachtet werden? Wer profitiert von Wildblumenwiesen? Was ist der Unterschied zwischen einer Wildblumenwiese und einer Blumenwiese und muss eine solche Wiese gepflegt werden?
Diese und weitere spannende Fragen können bei diesem Onlinevortrag geklärt werden. Zusätzlich gibt es einige Tipps und Tricks rund um das Thema Wildblumenwiesen.
Die Onlineveranstaltung wird von der Naturschutzstiftung des Landkreises Emsland, der Naturschutzstiftung Grafschaft Bentheim und dem NABU Emsland/ Grafschaft Bentheim organisiert. Sie findet statt am Donnerstag, 24. März ab 19:00 Uhr . 
Die Zugangsdaten zu dem kostenlosen Onlinevortrag findet man unter www.nabu-emsland.de. Eine vorherige Anmeldung ist nicht notwendig.
[„Bei Fragen – so der NABU-  melden Sie gerne unter: nabu.el-noh(at)t-online.de oder 05931-4099630.“]


Text: PM, NABU; Foto: Maike Hoberg/NABU

Futterglocken selber machen

19. Dezember 2021

In der kalten Jahreszeit wollen viele Menschen etwas für die Vogelwelt tun und heimischen Vögeln helfen. Sehr einfach lässt sich eine Futterglocke für Vögel im Garten oder auf dem Balkon herstellen. Es kostet nur wenig Geld und Zeit, bringt aber eine Menge Freude.

"Körner

Hochwertige Körnermischungen kann man am besten selbst zusammenstellen. Es eignen sich Sonnenblumenkerne, Haferflocken, kleineren Sämereien wie Lein- oder Hanfsamen oder gehackte heimische Nusssorten. Grundsätzlich als Futter ungeeignet sind alle gewürzten und gesalzenen Speisen; auch gesalzene Nüsse eignen sich nicht! Bitte auch auf keinen Fall Brot füttern, da es im Magen der Vögel aufquillt.

Für die Körner- und Allesfresser eine reichlich Menge der Körner-Mischung hinzugeben. Für die Weichfutterfresser können noch zusätzlich Weizenkleie, Beeren oder ungeschwefelte Rosinen hinzugefügt werden. Hier empfiehlt sich das Verhältnis von 1:1 (Fett und Körner/Beeren).

Was man sonst noch braucht: Pflanzenfett (z.B. Kokosfett), Pflanzenöl, Kokosstrick ca. 65 cm, Ton-Blumentöpfe (Durchmesser bis max. 15 Zentimeter), Kochtopf, Holzlöffel, Esslöffel, Schere und Bindedraht.

Vorbereitung: Den Strick durch das Loch im Blumentopf führen. Damit man die Futterglocke später gut aufhängen kann, empfiehlt es sich den Strick ab Loch nach oben 50 cm überstehen zu lassen. Am breiten Blumentopfende sollten dann knapp 15 Zentimeter heraushängen.

Anleitung:

1. Das Pflanzenfett langsam und vorsichtig in einem Topf erhitzen (nicht kochen lassen).
2. Wenn es geschmolzen ist, ca. 3 Esslöffel Pflanzenöl hinzugeben.
3. Nun Körner, Samen und Nüsse hinzugeben (gleiche Menge Fett und Samen/Körner).
4. Gut umrühren, alle Körner müssen benetzt sein.
5. Abkühlen lassen bis eine zähflüssige, dickliche Masse entsteht.
6. Die Mischung in die vorbereiteten Blumentöpfe geben und dabei darauf achten, dass der Strick mittig platziert ist. Am besten hält man diesen fest, wenn man die Masse einfüllt. Man kann auch einen Stock in die Masse mit einbauen, der unten aus dem Blumentopf ein gutes Stück herausragt, damit sich die Vögel beim Fressen darauf niederlassen können.
7. Im Kühlschrank einige Stunden auskühlen lassen.
8. Die Futterglocke im Garten oder auf dem Balkon aufhängen. Der geeignete Standort ist schattig, damit sich der Inhalt der Futterglocke an einem warmen Wintertag nicht erwärmt und außer Reichweite von Katzen.

Tipp: Statt eines Blumentopfs lässt sich wunderbar auch eine halbe Kokosnussschale verwenden, in die man zuvor ein Loch gebohrt hat, durch das der Kokosstrick gefädelt wird.

An der Futterglocke lassen sich nun wunderbar die heimischen Wintervögel beobachten. Kennen Sie alle gefiederten Besucher in Ihrem Garten? Nein? Dann schauen Sie doch mal hier:  Wintervögel bestimmen.


Text: NABU Emsland/Grafschaft Bentheim
Fotos: Mareike Sonnenschein/NABU

NABU zum Koalitionsvertrag

28. November 2021

Echter Aufbruch für den Naturschutz und Klimaschutz ist jetzt möglich – aber nicht garantiert. So überschreibt Jörg-Andreas Krüger, Präsident des NABU, seine Stellungnahme zum Koalitionsvertrag. Krüger kommentiert:

Die Erfahrung lehrt, dass Koalitionsverträge keine erfreuliche Lektüre für Naturschützer*innen sind. Das ist diesmal anders: Der Koalitionsvertrag der Ampel verspricht einen Aufbruch beim Naturschutz. Auch klimapolitisch ist er ein gewaltiger Fortschritt im Vergleich zur Politik der letzten Jahre. Viel von dem, wofür der NABU seit Jahren mit Herzblut kämpft, wird als anzustrebendes Ziel auf der Agenda der Bundesregierung platziert: Für den Natur- und Artenschutz werden Flächen gesichert und erhebliche zusätzliche Gelder zur Verfügung gestellt, die Meere werden schrittweise von Altmunition bereinigt und von neuen Öl- und Gasbohrungen verschont, Glyphosat wird verboten, der Kohleausstieg wird auf 2030 vorgezogen – um ein paar Highlights zu nennen.

Einige Highlights, aber auch alte Sorgenkinder

Als Naturschutzverband kann es uns aber nicht reichen, wenn eine neue Regierung lediglich besser sein will als die alte. Unsere Messlatte bleibt das, was ökologisch notwendig ist, um die Natur- und Klimakrise zu stoppen – und so unsere natürlichen Lebensgrundlagen zu erhalten und der Natur wieder mehr Raum zu geben. Daran gemessen greift der Koalitionsvertrag zu kurz: In der Landwirtschaftspolitik wird die nötige Wende nur teilweise vollzogen und der Abbau umweltschädlicher Subventionen kommt kaum voran. Die Klimaziele werden weder erhöht noch zuverlässig mit Maßnahmen unterlegt und insbesondere im Verkehrssektor ist vieles fraglich.

Schneller Ausbau zulasten des Naturschutzes?

Wir werden in den nächsten Tagen im Detail fachspezifisch von der Waldpolitik bis zu Sustainable Finance (Nachhaltige Finanzpolitik) auswerten, wo wir als NABU die Umsetzung des Koalitionsvertrags unterstützen wollen, wo wir darüberhinausgehende Forderungen erheben müssen und wo er gar in die falsche Richtung zu gehen droht. Doch ein besonders sensibler Bereich muss schon jetzt erwähnt werden: Die Planungsbeschleunigung. Das Thema findet sich im Koalitionsvertrag an verschiedenen Stellen, die Formulierungen sind teilweise unklar, teilweise besorgniserregend, teilweise hilfreich und in der Summe inkonsistent. Ja, Deutschland muss beim Ausbau von Solar- und Windkraft schneller werden und der Bau neuer Bahntrassen darf nicht Jahrzehnte dauern. Wer aber unter dem Deckmantel der Planungsbeschleunigung einen Generalangriff auf das Naturschutzrecht plant, wird auf den entschiedenen Widerstand des NABU treffen.

Ist das Glas nun halb leer oder halb voll?

Ich komme angesichts der Chancen, die dieser Koalitionsvertrag eröffnet, zu einem optimistischen Ergebnis: sogar etwas mehr als halb voll! Endlich verspricht eine Regierung die großen ökologischen Fragen anzupacken. Erstmals wurde bei der Vorstellung eines Koalitionsvertrags nicht nur die Bedeutung der Klimakrise hervorgehoben, sondern – durch Robert Habeck – auch die fundamentale Bedeutung des Biodiversitätserhalts betont. Die angekündigte Klärung des Verhältnisses von Arten- und Klimaschutz darf daher die Krisen nicht gegeneinander ausspielen. Wir wissen aber auch: Nicht alles, was in Koalitionsverträgen steht, wird automatisch umgesetzt. Und vieles, was in Koalitionsverträgen fehlt, kann im Lauf der Legislaturperiode noch beschlossen werden. Erst im Handeln wird sich zeigen, ob der Ampel ein echter ökologischer Aufbruch gelingt – und dazu werden im ersten Regierungsjahr die richtigen Weichen gestellt werden müssen. In den letzten Jahren sind viele gute Konzepte und Politikinstrumente entwickelt – und dann nicht oder nur halbherzig umgesetzt worden. Diese jetzt zu einem stimmigen Paket zusammenzuschnüren und in Gesetzesform zu gießen, ist die große Aufgabe, die vor der Sommerpause 2022 ansteht. Darauf wird der NABU jetzt mit ganzer Kraft drängen.

Wir sind bereit für die nächsten vier Jahre

Unser NABU-Naturschutzengagement wird in den nächsten Jahren – hoffentlich – auf einen wesentlich fruchtbareren Boden fallen als in der Vergangenheit. Das ist für uns eine große Chance, denn die ehrenamtliche Arbeit tausender Naturschützer*innen im NABU kann in den nächsten vier Jahren den verdienten politischen Rückhalt finden. Es ist aber auch eine große Herausforderung für uns als NABU. Um zum Thema Planungsbeschleunigung zurückzukommen: Wir haben schon skizziert, wie unser Ziel eines „beschleunigten naturverträglichen Ausbaus der Erneuerbaren Energien“ erreichbar ist, jetzt gilt es das in konkrete Konzepte zu übersetzen – auch für uns als NABU.“

 

Wind

19. November 2021

 Wie funktioniert die Energiewende?
Online-Vortrag von Jürgen Reincke
NABU Emsland-Grafschaft Bentheim
Montag, 22.11. – 19 Uhr
Keine Kosten

Während die „AllesBeimAlten“-CDU-Gruppe +im Lingener Stadtrat nichts auf die neuen Herausforderungen zu sagen weiß, als dass ihre Partner zur

„weiteren baulichen Entwicklung in den Stadt- und Ortsteilen [stehen]. Dies umfasst auch eine angemessene weitere Ausweisung von neuen Wohn- und Gewerbeflächen.“

lädt der NABU ein. Denn Energiegewinnung, -transport und -nutzung sind zwar immer mit Eingriffen in die Natur verbunden. Zur Begrenzung des Klimawandels muss aber innerhalb von wenigen Jahrzehnten eine Transformation von der Nutzung fossiler Brennstoffe zu erneuerbaren Energien durchgeführt werden. Wie viel Windenergieanlagen brauchen wir dann bis 2050?

Auf Einladung der NABU Regionalgeschäftsstelle Emsland/Grafschaft Bentheim spricht Jürgen Reincke, Sprecher des NABU-Bundesfachausschusses Energie und Klima, darüber, ob und wie die Energiewende funktionieren kann, wo die notwendigen Energiemengen herkommen sollen und wie dies auch noch möglichst naturverträglich gelingen kann. Anschließend gibt es die Möglichkeit für einen Austausch und eine Diskussion.

Der Vortrag findet am 22. November ab 19:00 Uhr online statt. Interessierte können sich unter NABU.EL-NOH@t-online.de oder 05931-40 99 630 anmelden und bekommen dann die Zoom-Zugangsdaten per Mail zugeschickt.


Foto: Jürgen Reincke, NABU Kaiserslautern

 

Nach der Wahl ist vor der Wahl: Ab dem 6. Oktober lassen der NABU und sein bayerischer Partner, der LBV (Landesbund für Vogelschutz), den Vogel des Jahres zum zweiten Mal öffentlich wählen. Jeder und jede kann mitbestimmen, wer der neue Jahresvogel wird.

„Bei der ersten öffentlichen Wahl hatten sich über 455.000 Menschen beteiligt und das Rotkehlchen zum Vogel des Jahres 2021 gekürt – eine überwältigende Beteiligung“, so NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. „Wir freuen uns sehr, dass das Interesse an Naturschutz und der heimischen Vogelwelt so groß ist und legen darum die Vogelwahl auch für die kommenden Jahre in die Hände aller, die mitentscheiden wollen.“

In Deutschland leben 307 Vogelarten. Damit die Wahl etwas erleichtert wird, haben die Vogelkundler des NABU fünf Arten ausgesucht, unter denen abgestimmt werden kann. Für den Jahresvogel 2022 ins Rennen gehen fünf Vögel: Bluthänfling, Feldsperling, Mehlschwalbe, Steinschmätzer und Wiedehopf.

„Jeder der fünf Vögel steht für ein Naturschutzthema, das unsere Aufmerksamkeit braucht“, so Miller. „So sind mit Mehlschwalbe, Steinschmätzer und Wiedehopf gleich drei Zugvogelarten auf der Wahlliste. Zugvögel leiden besonders stark unter dem Klimawandel, da sie auf intakte Verhältnisse an mehreren Orten der Welt angewiesen sind.“

Bis zu 18. November kann hier abgestimmt werden.

 

Klimastreik

14. September 2021

Für den 24. September ruft die Fridays-for-Future-Bewegung zum nächsten großen Klimastreik auf. Zwei Tage vor der Bundestagswahl soll der Protest Klimagerechtigkeit zum wahlentscheidenden Thema machen. Mit dem Aufruf „Höchste Zeit zu handeln: Wir wählen Klima!“ unterstützt ein Bündnis aus fast 200 Organisationen, Verbänden und Initiativen den achten Klimastreik. Es fordert dazu auf, sich den deutschlandweit mehr als 300 Demonstrationen und Aktionen anzuschließen. Eine davon startet am 24. September um 14.00 Uhr am Meppener Rathaus.

„Wir müssen jetzt handeln, um die Klimakrise und das weltweite Artensterben einzudämmen. Nur so können wir das 1,5-Grad-Limit des Pariser Klimaabkommens einhalten“, heißt es aus dem Koordinierungskreis. „Bisher hat die Große Koalition auf den Protest von Millionen Menschen auf den Straßen nur halbherzig reagiert. Doch mit der Bundestagswahl können wir das ändern: Wenn wir erneut die Straßen füllen, machen wir gemeinsam Klima zum zentralen Thema der Wahl – und stimmen am 26. September für konsequenten Klimaschutz.“

Gemeinsam mit Fridays for Future fordert das Bündnis, bis spätestens 2030 aus der Kohle auszusteigen. Gleichzeitig setzt es sich dafür ein, den Anteil der erneuerbaren Energie auf 80 Prozent zu erhöhen. Alle neuen Autobahnprojekte müssten gestoppt und ein verbindliches Datum – am besten 2030 – für das Ende der Neuzulassung von Verbrennungsmotoren festgelegt werden. Zudem fordert das Bündnis eine klima- und umweltfreundliche Landwirtschaft sowie eine sozial-ökologische Transformation der Wirtschaft. Das Bündnis setzt sich außerdem für weltweite Klimagerechtigkeit ein und fordert eine Verdoppelung der Klimafinanzierung für die Länder des Globalen Südens.

„Bei diesem Klimastreik geht es um alles. Deswegen brauchen wir am 24. September Menschen aus allen Teilen der Gesellschaft, die mit uns auf die Straßen gehen. Das schaffen wir nur in einem starken Bündnis“, so Louis Motaal, Fridays-for-Future-Aktivist.

Zum Koordinierungskreis des Bündnisses gehören die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), Attac Deutschland, Avaaz, der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), die BUNDjugend, Campact, Greenpeace, die Klima-Allianz Deutschland, der NABU, die NAJU (Naturschutzjugend im NABU), die NaturFreunde Deutschlands, die Naturfreundejugend Deutschlands, Together for Future, der WWF und die WWF-Jugend. Der Aufruf wird insgesamt von fast 200 zivilgesellschaftlichen Organisationen getragen.

Alle Aktionen und Demonstrationen des Klimastreiks werden Corona-konform mit Abstand, Hygieneregeln, FFP2- oder medizinischen Masken organisiert.

(Quelle: FFF, 13.09.21)

Insektensommer

6. August 2021

Schwarzgelb, unbeliebt, aber auch unersetzlich: Wespen haben ein Imageproblem. Jetzt im Hochsommer sind die Hautflügler wieder unterwegs und stören beim Eis essen oder Grillen. Doch beim deutschlandweiten Insektensommer vom 6. bis 15. August kann man die Tiere besser kennen- und schätzen lernen.

Und es soll herausgefunden werden, ob es in diesem Jahr wie vermutet aufgrund des kühlen und verregneten Frühlings weniger Wespen gibt. „Auch wenn das viele Menschen freuen dürfte – die Tiere sind enorm wichtig“, so Hanna Clara Wiegmann vom NABU Emsland/ Grafschaft Bentheim. „Auch Wespen bestäuben Nutzpflanzen, vertilgen Schädlinge, wie Blattläuse und Spannerlarven, und nützen so in Landwirtschaft und im eigenen Garten. Außerdem beseitigen sie als geflügelte Gesundheitspolizei Aas“, so Wiegmann. Zudem müsse bei Wespen nicht gleich an einen Stich gedacht werden, wer die Tiere nicht bedränge oder nach ihnen schlage, habe wenig zu befürchten und ohnehin hat nur etwa jede fünfte der weltweit rund 137.000 Wespenarten einen Wehrstachel.

Um belastbare Ergebnisse zu Wespen und weiteren Insekten zu erzielen, ist es wichtig, dass möglichst viele Menschen bei der Insektenzählung mitmachen. „Im vergangenen Jahr haben wir bundesweit fast 10.000 Meldungen erhalten. Allein bei der ersten Zählung im Juni haben schon mehr als 9.000 Menschen mitgemacht“, berichtet Hanna Clara Wiegmann.

Eine besondere Rolle beim Insektensommer spielt wie im Vorjahr der Marienkäfer, von dem es in Deutschland rund 70 Arten gibt. Hanna Clara Wiegmann: „Wir wollen herausfinden, ob der heimische Siebenpunktmarienkäfer oder der Asiatische Marienkäfer häufiger zu sehen ist. Letzterer wurde erst vor wenigen Jahrzehnten eingeschleppt. Wie weit sich die invasive Art bereits verbreitet hat, soll der Insektensommer zeigen.“ Im Juni lag der Asiatische Marienkäfer landes- und bundesweit vorne.

Beobachten und zählen kann man fast überall: Garten, Balkon, Park, Wiese, Wald, Feld, Teich oder Bach. Das Beobachtungsgebiet soll nicht größer sein als etwa zehn Meter in jede Richtung vom eigenen Standpunkt aus. Gezählt wird eine Stunde lang. Gemeldet werden die Beobachtungen per Online-Formular oder mit der kostenlosen Web-App „NABU Insektensommer“. Beide Meldewege sind unter www.insektensommer.de abrufbar.

Jeder gesichtete Sechsbeiner soll gezählt und gemeldet werden. Jetzt im August soll dabei auf einige häufig vorkommende Arten besonders geachtet werden: Schwalbenschwanz, Kleiner Fuchs, Ackerhummel, Blaue Holzbiene, Siebenpunkt-Marienkäfer, Streifenwanze, Blaugrüne Mosaiklibelle und Grünes Heupferd. Wer diese Tiere nicht kennt, kann sie ganz einfach mit dem NABU-Insektentrainer (www.insektentrainer.de) unterscheiden lernen. Die Daten der Zählaktion werden in Zusammenarbeit mit der Plattform www.naturgucker.de erfasst. Die Ergebnisse werden vom NABU ausgewertet und zeitnah veröffentlicht.

Weitere Informationen:
www.insektensommer.de


Foto: Britlish, Wespen – via pixabay