Das Emsland ist für viele Leute ein blinder Fleck auf der Deutschlandkarte. Zu unrecht, findet SR-Moderatorin Simin Sadeghi, die selbst aus Lingen stammt. Einst als das „Armenhaus Deutschlands“ bezeichnet und tief im Moor vergraben, zieht das Emsland heute viele Touristen in seine beschaulichen Dörfer und belebten Städte.

Zwischen dem Münsterland und Ostfriesland gelegen, wird es noch als Urlaubsziel unterschätzt oder einfach nur übersehen. Für  Simin Sadeghi wurde es höchste Zeit, endlich einmal die Heimat von der besten Seite präsentieren zu können.

Simin lässt alte Traditionen ihrer Jugend wieder aufleben: Sie führt uns ein in die uralte Geschichte der Kivelinge, muss Zielsicherheit und Trinkfestigkeit bei der emsländischen Nationalsportart Boßeln beweisen und kehrt zurück zum prunkvollen Schloss Clemenswerth, das sie noch von Klassenfahrten kennt. Außerdem kostet sie zum ersten Mal im Leben Pumpernickeltorte und erlebt in Papenburg am eigenen Leibe, wie hart die emsländischen Torfstecher schuften mussten.

Emsländischer Schnack mit viel Herz, endlose grüne Wiesen und immer mal wieder ein Pinnchen mit Korn! Der Norden, wie Sie ihn noch nicht erlebt haben.

Sendung: Samstag  29.05.2021 um 17.00 Uhr im SR

Horridoh

18. April 2021

So als Lingener (m/w/d) will man schon wissen, was mit den traditionellen Feiern ist. Also hier für die Leserschaft im Wortlaut und (mit hoher Eigendisziplin!) auch ohne weitere Anmerkungen ein aktuelles Schreiben der Bürgerschützen (Symbolfoto lks), das auch mitteilt, wie es mit dem Kivelingsfest weitergeht. Im Wortlaut:

Horridoh Lingener Bürgerschützen,

wider aller Erwartungen aus der Situation von vor einem Jahr, hat uns Corona auch im Jahr 2021 bis in die Pfingsttage hinein fest im Griff.

Aus diesem Grund wird der Vorstand des Bürgersöhneaufzugs zu Lingen „Die Kivelinge“ e.V. das historische Volksfest im Rahmen des Kivelingsfestes in diesem Jahr absagen. Den internen oder auch „gelb-weißen“ Teil werden die Kivelinge für Pfingsten 2021 in verschiedenen Szenarien so planen, dass auf jeden Fall ein neuer Kivelingskönig proklamiert werden kann.

Das Kivelingsfest lebt im Wesentlichen durch das historische Volksfest, welches unsere schöne Heimatstadt Lingen in einen Marktflecken im 16. Jahrhundert verwandelt. Die Vorbereitung für dieses historische Volksfest nimmt bei den elf Kivelingssektionen, aber auch bei vielen Bürgerschützensektionen im Zuge der Unterstützung der Kivelinge und besonders bei unseren fünf Bürgerschützensektionen mit unserem Bürgerschützenstand viel Zeit und Liebe zum Detail in Anspruch.

Ein Höhepunkt wie das historische Volksfest der Kivelinge darf nicht einfach entfallen, so dass wir gemeinsam mit den Kivelingen eine Idee aus der Kombination von Bürgerschützenfest und historischem Volksfest für das Jahr 2022 entwickelt haben.

Das Wesentliche aus dieser Idee ist, dass der 4. und 5. Juni 2022 (Pfingstsamstag und -sonntag) ganz im Zeichen des historischen Volksfestes stehen werden. Wir Bürgerschützen möchten hier zusammen mit den Kivelingen ein großes historisches „Feierzeichen“ geben, das uns mit unserem Königspaar Adrian Fastabend und Doris Büscher, aber auch die Lingener Bevölkerung aus der Corona-Tristesse herausholt. Dieses gilt umso mehr, als das der Kivelingsverein im Jahr 2022 sein 650 jähriges Bestehen feiern wird.

Unsere Veranstaltungen, die üblicherweise an diesen Tagen stattfinden (Stadt schmücken und Kommersabend), werden nicht ausfallen, sondern in dieses Konzept mit eingebunden. Nähere Informationen zu dem Kombinationskonzept werden wir auf unserer nächsten Offiziersversammlung erläutern. Darüber hinaus werden wir alle bekannten Kommunikationskanäle wie Homepage, E-Mail und LBSV-App, sowie selbstverständlich unsere Generalversammlung 2022 zur weiteren Informationsverbreitung nutzen.

Wir freuen uns auf ein einmaliges und besonderes Bürgerschützenfest im Jahr 2022 und drücken den Kivelingen für ein würdevolles Pfingsten 2021 ganz fest die Daumen.

Mit Schützengruß und Horridoh,

Euer Vorstand

 

Wölfi

21. Dezember 2020

Irgendwie warst du genial, Wölfi. Aber auch genauso verrückt. Nun bist du nach langer Krankheit mit gerade mal 56 Jahren gestorben. Dazu einige, liebe Worte von deinen Kivelingen:

„Liebe Kivelinge,
vergangenen Montag erreichte uns die Nachricht, dass ein geschätzter ehemaliger Vollblut-Kiveling aus unseren Reihen verstorben ist. Vielen war er ein Begriff, bei Jung und Alt. Namentlich Wolf Ulrich Waack, besser bekannt als „Wölfi“, ein ehemaliges Sektionsmitglied der Welfen. Er hat eine bewegte Kivelingshistorie hinter sich, auf die wir kurz eingehen wollen.
Zugegebenermaßen hatte Wölfi in seinen jungen Jahren wenig Berührungspunkte mit den Kivelingen. Doch unvorhergesehene Entwicklungen führten dazu, dass er, gemeinsam mit seinen Freunden, im Jahre 1988, er war bereits 24 Jahre alt, eine neue Kivelingssektion mit dem Namen „Knappgerd“ gründete. Wohlgemerkt die erste Neugründung einer Sektion seit vielen Jahren. Sofort nahm er die Zügel in die Hand und führte diese als Offizier durch das Kivelingsfest 1990. Abermals überschlugen sich die Ereignisse im Jahr 1992, wodurch es ihm möglich wurde, sich zur Wahl des dritten Kapitäns aufstellen zu lassen.

Nach einem spektakulären Wahlvorgang wählte ihn die Versammlung zum dritten Kapitän, sodass er im darauffolgenden Jahr sein erstes Fest im Vorstand feierte. Dieses Amt bekleidete Wölfi ebenfalls während des Kivelingsfestes 1996, bei welchem auch das erste historische Volksfest gefeiert wurde. Zuvor löste sich die Sektion „Knappgerd“ auf, indem sie mit der Sektion „Die Welfen“ verschmolz. Zugleich war dieses Ereignis der Anfang einer über 20-jährigen Liebe zu seiner neuen Sektion, welche er die Treue schwur.

Wöfi machte sich in vielerlei Dingen um die Kivelinge verdient. Sein sprachliches Talent half ihm dabei, die Kivelinge, vor allem aber seine Sektion, von der Idee eines historischen Volksfestes zu überzeugen. Durch sein Amt im Vorstand, war Wölfi Teil des Fundamentes, auf welches das heutige Spektakulum basiert. Ganz wesentlich hatte er es sich nebenbei zur Aufgabe gemacht die den Lingener Bürgern und Bürgerinnen bekannte (und darüber hinaus) historische Stadtführung ins Leben zu rufen. Der noch heute in großen Teilen genutzte Text stammt aus seiner Feder. Wer in den letzten Jahren die seltene Gelegenheit hatte ihn auf seinen Rundgängen erleben zu dürfen, kam in den Genuss, seine lyrische Ader erleben zu dürfen.

Wölfi war ein geselliger Zeitgenosse. Hochgeschätzt, aber auch kontrovers diskutiert waren seine geschwungenen Reden, Gedichte und Moderationen zu Ritterbanketten und weiteren Festivitäten. Ebenso seine Postillen in diversen Frühschoppenzeitungen. Mit seiner raubeinigen Stimme und sprachlichen Raffinesse zog er die ZuhörerInnen in seinen Bann. Ein Garant für gute Laune, Stimmung und Spaß, gleichzeitig für keinen Witz zu schade.“

Wolf-Ulrich „Wölfi“ Waack
2. Okt. 1964 – 14. Dez. 2020

 

 

 

 


Quelle: FB/Kivelinge

Oh, wait…

5. September 2020

In Memmingen im beschaulichen Allgäu gibt es einen uralten Brauch: Zur Feier des Fischertags wird dabei der Stadtbach ausgefischt – aber nur von Männern. Doch derlei Traditionen rechtfertigen keine Diskriminierung, urteilte jetzt das lokale Amtsgericht (AG).

Auch Frauen dürfen also künftig am Höhepunkt des Memminger Fischertags den Stadtbach ausfischen. Wie das Amtsgericht Memmingen (AG) in dieser Woche entschied urteilte, ist der Ausschluss von Frauen aus der Gruppe der Stadtbachfischer durch den veranstaltenden Verein eine unzulässige Diskriminierung. Geklagt hatte ein weibliches Mitglied.

Amtsrichterin Katharina Erdt betonte bei der Urteilsverkündung, der gemeinnützige Verein mit rund 4.500 Mitgliedern habe in Memmingen eine „besondere soziale Machtstellung“ inne und sei an den Grundsatz der Gleichberechtigung im Grundgesetz gebunden. Eine männliche Tradition sei kein zulässiger Grund für Diskriminierung. Der Vereinsvorstand hatte den Ausschluss von Frauen vom Höhepunkt des Volksfests mit Zehntausenden Besuchern mit der Wahrung eines jahrhundertealten Brauchtums begründet.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig Der Fischertagsverein hatte schon vor der Verkündung der Entscheidung angekündigt, im Fall einer Niederlage  Berufung einlegen zu wollen. Jetzt also wird das zuständige Landgericht entscheiden, das auch in Memmingen ist. Zuständig ist -wenn ich den Geschäftsverteilungsplan richtig gelesen habe, die 1. Zivilkammer, die-  nur mit Männern besetzt – unter dem Vorsitz des neuen Landgerichtspräsidenten Konrad Beß steht.

Das Allgäu ist bekanntlich weit, also würde diese Entscheidung jetzt für unsere Stadt Lingen (Ems) nur Bedeutung haben, wenn es auch bei uns Vereine mit Tradition gäbe, die nur Männer aufnehmen und privilegieren. Gäbe es sie und hätten sie eine „besondere soziale Machtstellung“ inne, könnte es spannend sein. Doch so etwas gibt es ja in unserem Lingen (Ems) nicht,  oder?

Oh, wait…

 


(AG Memmingen, Urt. v. 31.8.2020, Az. 21 C 952/19) Quelle: LTO, BR24

130 Jahre

30. Mai 2020

130 Jahre Kivelingsfeste im Bild zeigt das Emslandmuseum in seinem Museumsblog.

Mit den versammelten Kivelingen im Festjahr 1890 auf dem Lingener Marktplatz beginnt die Bildchronik des Emslandmuseums.

Jetzt wäre das große Ereignis schon fast auf dem Höhepunkt: Das lange geplante Kivelingsfest Anno Domini 2020. Aber Corona hat auch diesem Volksfest leider einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Für alle, die jetzt zwar nicht feiern können, aber gerne in der Erinnerung an frühere Fest schwelgen, hat das Emslandmuseum hier eine Bildchronik zu den Kivelingsfesten von 1890 bis 2020 zusammengestellt. Zu jedem Fest in diesem Zeitraum haben die Museumsmacher in ihrem Bildarchiv mindestens ein Foto gefunden, manchmal auch ganze Bilderserien und zu den letzen Festen natürlich jede Menge Datenträger mit unzähligen Bilddateien. So entstand ein einzigartiger Spaziergang durch 130 Jahre Festgeschehen. Und das ist nicht nur Kivelings-Historie, sondern Lingener Zeitgeschichte pur. Und für viele einfach auch eine schöne Erinnerung. mehr…

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Text und Bild: Emslandmuseum Lingen

Seit Donnerstag ist der Vortrag von Manfred Rockel im Netz, den er am 12. Februar des Jahres zu „Die Kivelinge und Nationalsozialismus im Spiegel ihrer Veröffentlichungen“ in der Kunst-/Halle gehalten hat. Das youtube-Video dokumentiert den Vortrag von Manfred Rockel am 12.02.2020 in der Kunsthalle Lingen und die Vorreden von Meike Behm, Direktorin der Kunsthalle Lingen, und Dr. Heribert Lange, Vorsitzender des Forum Juden – Christen im Altkreis Lingen e.V.

Maestro Heiner & Co.

6. März 2020

Endlich gibt es zwei Michelin-Sterne auch für Lingen. Also im Vertrauen erklärt: Es gibt  „nur“ einen wesentlichen Teil von zwei Sternen. Das Gourmet-Prädikat hat nämlich das Berliner „Coda“ in der erhalten. Zum Team des in zweifachem Sinn ausgezeichneten Restaurants zählt Heiner Pingel, der jüngste Spross der Heukamps Tannener Pingel-Dynastie. Einst erlernte er ganz profan das Kochen im Hause Klaas-Schaper in Laxten, dann ließ er eine Patisserie-Ausbildung folgen und ist jetzt im Patisserie-Olymp des „Coda Dessert Dining & Bar“ angekommen.

Nach nur einem Jahr mit einem Stern hat dieses Berliner Restaurant nämlich jetzt seinen zweiten Macaron erkocht, und ich lese über das „Coda-Dessert-Dining & Bar“ auf der Michelin-Webseite:

„Die Lage ist nicht die schönste und die Fassade des mit Graffiti besprühten Hauses in der Neuköllner Friedelstraße ist nicht gerade einladend. Sterneküche würde man hier eher nicht vermuten. Das „Coda“ ist ganz puristisch gehalten und wirkt etwas schummrig, von der Bar kann man in die große Küche schauen. So speziell wie die Location ist auch das Konzept: Patisserie-Handwerk steht im Fokus. Küchenchef René Frank, zuvor sechs Jahre Chef-Patissier im [legendären] 3-Sterne-Restaurant „La Vie“ in Osnabrück, kocht ausgesprochen kreativ und zeigt klassisches Handwerk auf neue und innovative Weise. Dabei geht die Patisserie im „Coda“ weit über den letzten Gang des Menüs hinaus. Prägend ist dabei der stark reduzierte Zucker-Einsatz. Auch Milch, Sahne und Butter sind keine Hauptzutaten. „Patisserie wird also neu gedacht: Andere Zutaten, leichte und bekömmliche Kombinationen, die angenehm süß, aber niemals zuckersüß sind.“

Mittendrin im René-Frank-Team steckt neben Julia Leitner und Jan Semmelhack eben just   Heiner Pingel, Lingener und Kiveling. Die Bürgersöhne-Sektion „Die Emspiraten“ bejubelt ihn aktuell auf ihrer Facebookseite als „Maestro der Desserts“ und „Connaisseur der Süßspeise“.

Dabei verraten die Protagonisten nebenbei auch, wie unser „Zwei-Sterne-Ich-Bin-Dabei-Lingener“ in ganz besonderer Weise die Cives Lingensis an seinen kulinarischen Künsten teilhaben lassen wird: Heiner wird Eierpfannkuchen backen. An Pfingsten auf dem traditionellen Kivelingsfest bei seiner Kivelingssektion. Und das, liebe Leserschaft, ist eine Sterne-Weltpremiere in unserer Stadt der stets besonders gut gefüllten doch meist nicht wirklich feinen Essteller – eine Weltpremiere, an der wir teilhaben können und natürlich auch müssen. „CCC!“


Foto: Heiner Pingel, 2. v. lks, René Frank, 2. v. re © Facebook, Emspiraten Lingen; Texte/Quellen FB, Michelin, Coda-Website)

Lehrhausgespräch

8. Februar 2020

5. Lehrhausgespräch des Forum
Juden Christen im Altkreis Lingen
Manfred Rockel
„Geschichte und Schicksal der Kivelinge im Nationalsozialismus“.
Lingen (Ems) – Gedenkort Jüdische Schule, Synagogenplatz
neu: Kunst-Halle IV/ Kaiserstr. 10a
Mittwoch 12. Februar – 19.30 Uhr

Es geht bei diesem Lehrhausgespräch ein weiteres Mal um ein zeitgeschichtliches Thema. Auch die Stadt Lingen (Ems) und ihre Bürger*innnen waren wie jeder andere Flecken im damaligen Deutschen Reich vom totalitären System der Nationalsozialisten, ihrer vergifteten Gesellschaftslehre und Rassenideologie sowie von den sehr wirkungsvollen Repressionen betroffen, mit denen die  Nazis ihre gesellschaftlichen Ziele durchsetzten.

Manfred Rockel, pensionierter und früher in Lingen (Ems) tätiger Gymnasiallehrer, hat sich bereits vor 40 Jahren mit einzelnen Teilen und Abschnitten der Geschichte Lingens im Nationalsozialismus beschäftigt und darüber mit seinen Schülern im Geschichtsunterricht gearbeitet. Eines seiner Themen war damals das Thema dieses Lehrhausgespächs „Geschichte und Schicksal der Kivelinge im Nationalsozialismus“. Manfred Rockel wird über die Ergebnisse seiner Recherchen berichten. Er sagt vorab:

Die Kivelinge sind heute zurecht ein Aushängeschild der Stadt Lingen – die ‚Stadt der Kivelinge‘. In meinem Beitrag der Lehrhausgespräche in der Jüdischen Schule will ich untersuchen, wie es den Kivelingen in der Zeit des Nationalsozialismus ergangen ist: ob sie sich widersetzt haben, gleichgeschaltet wurden, womöglich gar überzeugt waren oder sich bis verleugnung angepaßt haben. Wesentliche Quellen bilden die Kivelingszeitungen der NS-Zeit und die Frage wie der Versuch einer Antwort auf die Frage, wie die Kivelinge nach 1945 mit der NS-Vergangenheit umgegangen sind.

Angesichts des seit Jahrzehnten überfälligen, aber immer noch fehlenden und seit langem vergeblich vom Forum Juden Christen geforderten Erstellen einer umfassenden, wissenschaftlich fundierten Geschichte Lingens in der Zeit des Nationalsozialismus durch unabhängige, externe und mit der Materie vertraute Autoren dürfte es spannend und für die Verantwortlichen unserer Stadt anregend sein, anhand eines dieses Abschnitts der Zeitgeschichte Lingens in jüngerer Zeit Einblick in das Geschehen und die Realität des Lebens unserer Stadt im NS-Staat zu gewinnen.

ps Ich habe Zweifel, ob der Raum der kleinen Jüdischen Schule am nächsten Mittwoch ausreicht…

Ampelmännchen

9. November 2019

Osnabrück bekommt sein eigenes Ampelmännchen, meldete die NOZ Mitte der Woche. Dort sollen künftig Steckenpferdreiter eine Fußgängerampel beleuchten. Warum dieses Symbol? Das Steckenpferdreiten erinnert in der „Friedensstadt Osnabrück“ an den Friedensschluss in Osnabrück und Münster von 1648, der den Dreißigjährigen Krieg beendete

Umgestaltet werden die Ampellichter zunächst an einer einzigen Innenstadtampel, nämlich an der Alten Münze zwischen der Uni-Bibliothek und der Tiefgarage am LedenhofWann dort die neuen Ampelmännchen zu sehen sind und wie genau sie aussehen, ist noch nicht klar. Eigene Ampelmännchen gibt es in Niedersachen bisher schon in Emden und Hameln.

Als ich die Nachricht las, fiel mir noch einmal ein, dass auch unserem Städtchen so ein ganz individuelles Ampelmännchen gut stünde. Das habe ich inzwischen dem Oberbürgermeister Krone geschrieben und auch den Vorschlag gemacht, dazu einen Kiveling zu nutzen. Mal sehen, was daraus wird!

update vom 12. Nov:
„Mal sehen, was daraus wird!“ –  Heute das hier. Angeblich soll ich ein Kivelingsgeschenk ausgeplaudert haben. Hab ich aber gar nicht., s.o. .

Krisen und Krawalle

4. März 2019

Lingen in den 20er Jahren
Krisen und Krawalle
Lingen (Ems) – Emslandmuseum, Burgstr. 28a
Mittwoch, 6. März – 16.00 und 19.30 Uhr

Eintritt: 5 € (Mitglieder des Heimnatvereins 3 €)

Um die Lingener Zeitgeschichte in den 20er-Jahren geht es beim nächsten „Mittwoch im Museum“ im Lingener Emslandmuseum. Im Mittelpunkt stehen dabei die lokalen Ereignisse zur Zeit der „Weimarer Republik“ . Wirtschaftskrisen und politische Radikalisierung überschatteten die junge Demokratie, deren Erfolge doch eigentlich unübersehbar waren. Verblüffend sind dabei manche Parallelen zur heutigen Situation. Zu der etwa einstündigen Präsentation laden das Emslandmuseum und der Heimatverein alle Interessierten ein.

Als der spätere Schriftsteller Erich Maria Remarque 1919 als Junglehrer nach Lohne in den damaligen Landkreis Lingen versetzt wird, hat die neue Republik in Deutschland erste Erfolge vorzugweisen: Wahlrecht für alle Frauen und Männer, eine moderne Verfassung mit gleichen Rechten für alle sowie erste Sozialprogramme für die vom Krieg geschundene Bevölkerung. Doch mit dem Zusammenbruch der Kriegswirtschaft und der daraus resultierenden Hyperinflation des Jahres 1923 werden alle Ansätze zu einer ökonomischen Wiederbelebung zunichte gemacht. Breite Bevölkerungsschichten verarmen, darunter die Lingener Eisenbahner und viele Gewerbetreibende in der Stadt. Auch in Lingen kommt es zu Massenstreiks. Wichtige Strukturmaßnahmen verzögern sich – erst 1925 erhielt Lingen Anschluss an das Elektrizitätsnetz der VEW.

Als sich die wirtschaftliche Lage allmählich erholte, nimmt auch das gesellschaftliche Leben wieder Fahrt auf. 1927 bereitet sich Lingen auf die 600-Jahrfeier vor, doch ein Wirbelsturm mit großen Verwüstungen im Stadtzentrum lässt die Feststimmung buchstäblich im Winde verwehen. Die Feier wird auf das Folgejahr verlegt, und die Kivelinge organisieren hierzu eine große Heimatschau. Mit dem Erlös des Festes finanziert die Stadt den Bau einer Jugendherberge. Bau- und Siedlungsprogramme schaffen Wohnraum für Familien im Stadtgebiet. Ein blühendes Vereinsleben sowie zahlreiche Kulturveranstaltungen bringen einen Hauch der „goldenen 20er-Jahre“ auch nach Lingen.

Die 1929 einsetzende Weltwirtschaftskrise überschattet bald alle Errungenschaften der jungen Demokratie. Das politische Leben wird immer mehr durch radikale Kräfte bestimmt und Anfang der 1930er Jahre zeichnet der Weg in die Katastrophe des Nationalsozialismus sich auch in Lingen immer deutlicher ab.

Rund 60 Minuten lang präsentiert Dr. Andreas Eiynck Bilder und Dokumente aus dieser Zeit in Lingen und vermittelt ein anschauliches Bild der damaligen Ereignisse. Hierzu laden das Emslandmuseum und der Heimatverein ein.


(Quelle Text und Foto: Eingang zur Wilhelmshöhe bei der 600-Jahrfeier der Stadt Lingen (Ems) 1928)