130 Jahre

30. Mai 2020

130 Jahre Kivelingsfeste im Bild zeigt das Emslandmuseum in seinem Museumsblog.

Mit den versammelten Kivelingen im Festjahr 1890 auf dem Lingener Marktplatz beginnt die Bildchronik des Emslandmuseums.

Jetzt wäre das große Ereignis schon fast auf dem Höhepunkt: Das lange geplante Kivelingsfest Anno Domini 2020. Aber Corona hat auch diesem Volksfest leider einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Für alle, die jetzt zwar nicht feiern können, aber gerne in der Erinnerung an frühere Fest schwelgen, hat das Emslandmuseum hier eine Bildchronik zu den Kivelingsfesten von 1890 bis 2020 zusammengestellt. Zu jedem Fest in diesem Zeitraum haben die Museumsmacher in ihrem Bildarchiv mindestens ein Foto gefunden, manchmal auch ganze Bilderserien und zu den letzen Festen natürlich jede Menge Datenträger mit unzähligen Bilddateien. So entstand ein einzigartiger Spaziergang durch 130 Jahre Festgeschehen. Und das ist nicht nur Kivelings-Historie, sondern Lingener Zeitgeschichte pur. Und für viele einfach auch eine schöne Erinnerung. mehr…

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Text und Bild: Emslandmuseum Lingen

Seit Donnerstag ist der Vortrag von Manfred Rockel im Netz, den er am 12. Februar des Jahres zu „Die Kivelinge und Nationalsozialismus im Spiegel ihrer Veröffentlichungen“ in der Kunst-/Halle gehalten hat. Das youtube-Video dokumentiert den Vortrag von Manfred Rockel am 12.02.2020 in der Kunsthalle Lingen und die Vorreden von Meike Behm, Direktorin der Kunsthalle Lingen, und Dr. Heribert Lange, Vorsitzender des Forum Juden – Christen im Altkreis Lingen e.V.

Maestro Heiner & Co.

6. März 2020

Endlich gibt es zwei Michelin-Sterne auch für Lingen. Also im Vertrauen erklärt: Es gibt  „nur“ einen wesentlichen Teil von zwei Sternen. Das Gourmet-Prädikat hat nämlich das Berliner „Coda“ in der erhalten. Zum Team des in zweifachem Sinn ausgezeichneten Restaurants zählt Heiner Pingel, der jüngste Spross der Heukamps Tannener Pingel-Dynastie. Einst erlernte er ganz profan das Kochen im Hause Klaas-Schaper in Laxten, dann ließ er eine Patisserie-Ausbildung folgen und ist jetzt im Patisserie-Olymp des „Coda Dessert Dining & Bar“ angekommen.

Nach nur einem Jahr mit einem Stern hat dieses Berliner Restaurant nämlich jetzt seinen zweiten Macaron erkocht, und ich lese über das „Coda-Dessert-Dining & Bar“ auf der Michelin-Webseite:

„Die Lage ist nicht die schönste und die Fassade des mit Graffiti besprühten Hauses in der Neuköllner Friedelstraße ist nicht gerade einladend. Sterneküche würde man hier eher nicht vermuten. Das „Coda“ ist ganz puristisch gehalten und wirkt etwas schummrig, von der Bar kann man in die große Küche schauen. So speziell wie die Location ist auch das Konzept: Patisserie-Handwerk steht im Fokus. Küchenchef René Frank, zuvor sechs Jahre Chef-Patissier im [legendären] 3-Sterne-Restaurant „La Vie“ in Osnabrück, kocht ausgesprochen kreativ und zeigt klassisches Handwerk auf neue und innovative Weise. Dabei geht die Patisserie im „Coda“ weit über den letzten Gang des Menüs hinaus. Prägend ist dabei der stark reduzierte Zucker-Einsatz. Auch Milch, Sahne und Butter sind keine Hauptzutaten. „Patisserie wird also neu gedacht: Andere Zutaten, leichte und bekömmliche Kombinationen, die angenehm süß, aber niemals zuckersüß sind.“

Mittendrin im René-Frank-Team steckt neben Julia Leitner und Jan Semmelhack eben just   Heiner Pingel, Lingener und Kiveling. Die Bürgersöhne-Sektion „Die Emspiraten“ bejubelt ihn aktuell auf ihrer Facebookseite als „Maestro der Desserts“ und „Connaisseur der Süßspeise“.

Dabei verraten die Protagonisten nebenbei auch, wie unser „Zwei-Sterne-Ich-Bin-Dabei-Lingener“ in ganz besonderer Weise die Cives Lingensis an seinen kulinarischen Künsten teilhaben lassen wird: Heiner wird Eierpfannkuchen backen. An Pfingsten auf dem traditionellen Kivelingsfest bei seiner Kivelingssektion. Und das, liebe Leserschaft, ist eine Sterne-Weltpremiere in unserer Stadt der stets besonders gut gefüllten doch meist nicht wirklich feinen Essteller – eine Weltpremiere, an der wir teilhaben können und natürlich auch müssen. „CCC!“


Foto: Heiner Pingel, 2. v. lks, René Frank, 2. v. re © Facebook, Emspiraten Lingen; Texte/Quellen FB, Michelin, Coda-Website)

Lehrhausgespräch

8. Februar 2020

5. Lehrhausgespräch des Forum
Juden Christen im Altkreis Lingen
Manfred Rockel
„Geschichte und Schicksal der Kivelinge im Nationalsozialismus“.
Lingen (Ems) – Gedenkort Jüdische Schule, Synagogenplatz
neu: Kunst-Halle IV/ Kaiserstr. 10a
Mittwoch 12. Februar – 19.30 Uhr

Es geht bei diesem Lehrhausgespräch ein weiteres Mal um ein zeitgeschichtliches Thema. Auch die Stadt Lingen (Ems) und ihre Bürger*innnen waren wie jeder andere Flecken im damaligen Deutschen Reich vom totalitären System der Nationalsozialisten, ihrer vergifteten Gesellschaftslehre und Rassenideologie sowie von den sehr wirkungsvollen Repressionen betroffen, mit denen die  Nazis ihre gesellschaftlichen Ziele durchsetzten.

Manfred Rockel, pensionierter und früher in Lingen (Ems) tätiger Gymnasiallehrer, hat sich bereits vor 40 Jahren mit einzelnen Teilen und Abschnitten der Geschichte Lingens im Nationalsozialismus beschäftigt und darüber mit seinen Schülern im Geschichtsunterricht gearbeitet. Eines seiner Themen war damals das Thema dieses Lehrhausgespächs „Geschichte und Schicksal der Kivelinge im Nationalsozialismus“. Manfred Rockel wird über die Ergebnisse seiner Recherchen berichten. Er sagt vorab:

Die Kivelinge sind heute zurecht ein Aushängeschild der Stadt Lingen – die ‚Stadt der Kivelinge‘. In meinem Beitrag der Lehrhausgespräche in der Jüdischen Schule will ich untersuchen, wie es den Kivelingen in der Zeit des Nationalsozialismus ergangen ist: ob sie sich widersetzt haben, gleichgeschaltet wurden, womöglich gar überzeugt waren oder sich bis verleugnung angepaßt haben. Wesentliche Quellen bilden die Kivelingszeitungen der NS-Zeit und die Frage wie der Versuch einer Antwort auf die Frage, wie die Kivelinge nach 1945 mit der NS-Vergangenheit umgegangen sind.

Angesichts des seit Jahrzehnten überfälligen, aber immer noch fehlenden und seit langem vergeblich vom Forum Juden Christen geforderten Erstellen einer umfassenden, wissenschaftlich fundierten Geschichte Lingens in der Zeit des Nationalsozialismus durch unabhängige, externe und mit der Materie vertraute Autoren dürfte es spannend und für die Verantwortlichen unserer Stadt anregend sein, anhand eines dieses Abschnitts der Zeitgeschichte Lingens in jüngerer Zeit Einblick in das Geschehen und die Realität des Lebens unserer Stadt im NS-Staat zu gewinnen.

ps Ich habe Zweifel, ob der Raum der kleinen Jüdischen Schule am nächsten Mittwoch ausreicht…

Ampelmännchen

9. November 2019

Osnabrück bekommt sein eigenes Ampelmännchen, meldete die NOZ Mitte der Woche. Dort sollen künftig Steckenpferdreiter eine Fußgängerampel beleuchten. Warum dieses Symbol? Das Steckenpferdreiten erinnert in der „Friedensstadt Osnabrück“ an den Friedensschluss in Osnabrück und Münster von 1648, der den Dreißigjährigen Krieg beendete

Umgestaltet werden die Ampellichter zunächst an einer einzigen Innenstadtampel, nämlich an der Alten Münze zwischen der Uni-Bibliothek und der Tiefgarage am LedenhofWann dort die neuen Ampelmännchen zu sehen sind und wie genau sie aussehen, ist noch nicht klar. Eigene Ampelmännchen gibt es in Niedersachen bisher schon in Emden und Hameln.

Als ich die Nachricht las, fiel mir noch einmal ein, dass auch unserem Städtchen so ein ganz individuelles Ampelmännchen gut stünde. Das habe ich inzwischen dem Oberbürgermeister Krone geschrieben und auch den Vorschlag gemacht, dazu einen Kiveling zu nutzen. Mal sehen, was daraus wird!

update vom 12. Nov:
„Mal sehen, was daraus wird!“ –  Heute das hier. Angeblich soll ich ein Kivelingsgeschenk ausgeplaudert haben. Hab ich aber gar nicht., s.o. .

Krisen und Krawalle

4. März 2019

Lingen in den 20er Jahren
Krisen und Krawalle
Lingen (Ems) – Emslandmuseum, Burgstr. 28a
Mittwoch, 6. März – 16.00 und 19.30 Uhr

Eintritt: 5 € (Mitglieder des Heimnatvereins 3 €)

Um die Lingener Zeitgeschichte in den 20er-Jahren geht es beim nächsten „Mittwoch im Museum“ im Lingener Emslandmuseum. Im Mittelpunkt stehen dabei die lokalen Ereignisse zur Zeit der „Weimarer Republik“ . Wirtschaftskrisen und politische Radikalisierung überschatteten die junge Demokratie, deren Erfolge doch eigentlich unübersehbar waren. Verblüffend sind dabei manche Parallelen zur heutigen Situation. Zu der etwa einstündigen Präsentation laden das Emslandmuseum und der Heimatverein alle Interessierten ein.

Als der spätere Schriftsteller Erich Maria Remarque 1919 als Junglehrer nach Lohne in den damaligen Landkreis Lingen versetzt wird, hat die neue Republik in Deutschland erste Erfolge vorzugweisen: Wahlrecht für alle Frauen und Männer, eine moderne Verfassung mit gleichen Rechten für alle sowie erste Sozialprogramme für die vom Krieg geschundene Bevölkerung. Doch mit dem Zusammenbruch der Kriegswirtschaft und der daraus resultierenden Hyperinflation des Jahres 1923 werden alle Ansätze zu einer ökonomischen Wiederbelebung zunichte gemacht. Breite Bevölkerungsschichten verarmen, darunter die Lingener Eisenbahner und viele Gewerbetreibende in der Stadt. Auch in Lingen kommt es zu Massenstreiks. Wichtige Strukturmaßnahmen verzögern sich – erst 1925 erhielt Lingen Anschluss an das Elektrizitätsnetz der VEW.

Als sich die wirtschaftliche Lage allmählich erholte, nimmt auch das gesellschaftliche Leben wieder Fahrt auf. 1927 bereitet sich Lingen auf die 600-Jahrfeier vor, doch ein Wirbelsturm mit großen Verwüstungen im Stadtzentrum lässt die Feststimmung buchstäblich im Winde verwehen. Die Feier wird auf das Folgejahr verlegt, und die Kivelinge organisieren hierzu eine große Heimatschau. Mit dem Erlös des Festes finanziert die Stadt den Bau einer Jugendherberge. Bau- und Siedlungsprogramme schaffen Wohnraum für Familien im Stadtgebiet. Ein blühendes Vereinsleben sowie zahlreiche Kulturveranstaltungen bringen einen Hauch der „goldenen 20er-Jahre“ auch nach Lingen.

Die 1929 einsetzende Weltwirtschaftskrise überschattet bald alle Errungenschaften der jungen Demokratie. Das politische Leben wird immer mehr durch radikale Kräfte bestimmt und Anfang der 1930er Jahre zeichnet der Weg in die Katastrophe des Nationalsozialismus sich auch in Lingen immer deutlicher ab.

Rund 60 Minuten lang präsentiert Dr. Andreas Eiynck Bilder und Dokumente aus dieser Zeit in Lingen und vermittelt ein anschauliches Bild der damaligen Ereignisse. Hierzu laden das Emslandmuseum und der Heimatverein ein.


(Quelle Text und Foto: Eingang zur Wilhelmshöhe bei der 600-Jahrfeier der Stadt Lingen (Ems) 1928)

Heute hat die Deutsche Unesco Kommission die Aufnahme der Kivelinge in das nationale Verzeichnis immaterieller Kulturgüter veröffentlicht.Wir erkennen, was lange währt, wird endlich gut. Wir lesen:

„Alle drei Jahre finden in Lingen ein historisches Marktgeschehen und ein großer Festumzug zu Ehren der Bürgersöhne statt. Hunderte von Ehrenamtlichen bereiten das dreitägige Fest auf historischer Grundlage von 1372 vor. Diese weit zurückreichende Tradition zeigt sich als äußerst wandlungsfähig und inklusiv. Menschen mit Flucht- oder Migrationshintergrund wie auch mit eingeschränkter Mobilität werden zur Beteiligung eingeladen.

Fakten

  • Aufnahmejahr: 2018
  • Verbreitung: Lingen (Ems)
  • Zentraler Termin: alle drei Jahre
  • Bereiche: Gesellschaftliche Bräuche, Rituale und Feste

Kontakt Monika Schwegmann
m.schwegmann@lingen.de

1372, so lautet die Überlieferung, belagerten Angreifer die Stadt Lingen. Als die erwachsenen Männer unter dem Ansturm der Belagerer bereits ermattet waren, wurden als letztes Aufgebot die jungen, unverheirateten Männer der Stadt auf die Wälle gerufen. Die Bürgersöhne hielten den Angriffen nicht nur stand, sondern schlugen die Angreifer bald in die Flucht. Zur Belohnung versprach ihnen der Stadtrat auf ewige Zeiten eine Tonne Bier zu einem jährlichen Erinnerungsfest. Die Bürgersöhne aber nannten sich fortan die „Kivelinge“, was so viel wie „kleine Streiter“ bedeutet, und feiern fortan für die Bewohner der Stadt ein Fest, den „Bürgersöhne-Aufzug zu Lingen ‚Die Kivelinge‘ von 1372“.

Heute wird der Aufzug im dreijahres-Rhythmus zelebriert und das Ereignis ist zu einem identitätsstiftenden Volksfest für die gesamte Bevölkerung von Stadt und Umland geworden. Die dem Gemeinsinn verpflichteten Kivelinge sind heute das Markenzeichen von „Lingen – Stadt der Kivelinge“. Den Auftakt der Feierlichkeiten bildet die Übergabe eines Geschenks an die Bürgerschaft, finanziert aus dem Ertrag des vorherigen Kivelingsfestes. Diese Geste kennzeichnet den gemeinnützigen Charakter des Bürgersöhne-Aufzuges, dessen Festgeschehen und Erlös der gesamten Bürgerschaft zu Gute kommen sollen.“

Bürgersöhne-Aufzug zu Lingen „Die Kivelinge“ von 1372
© Monika Schwegmann

Bürgersöhne-Aufzug zu Lingen „Die Kivelinge“ von 1372
© Monika Schwegmann

Bürgersöhne-Aufzug zu Lingen „Die Kivelinge“ von 1372
© Monika Schwegmann

Bürgersöhne-Aufzug zu Lingen „Die Kivelinge“ von 1372
© Monika Schwegmann

Während der festlichen Vorbereitungen entstehen immer neue Ideen zur Weiterentwicklung des „Bürgersöhne-Aufzuges“. Sie sorgen dafür, dass die Feste mit ihren überlieferten Abläufen nicht erstarren, sondern als lebendige Tradition im Wandel aktuell bleibt. Insbesondere der Kivelings-Spielplatz am Rande der Innenstadt – eines der Geschenke an die Bürgerschaft – sowie die Stadtführung der Kivelinge für Kinder ermöglichen, dass auch die Jüngsten der Stadt für gesellige und gemeinnützige Traditionen begeistert werden.

Aktuelle Anliegen der Kivelinge beziehen sich vor allem auf das Thema Inklusion. Neben Partnerschaften mit Einrichtungen für Menschen mit körperlichen Beeinträchtigung, sorgte ein neues Sicherheitskonzept zum Fest von 2017 nicht nur für die allgemeine Sicherheit der Gäste und Besucher, sondern erleichterte auch Menschen mit eingeschränkter Mobilität eine weitgehend barrierefreie Teilnahme am Festgeschehen.

Viele soziale und kulturelle Initiativen in Lingen sind aus den Reihen der Kivelinge und ihrem Umfeld hervorgegangen, die die Besonderheit dieser ehrenamtlich getragenen Tradition markieren. Keine kommerziellen Schaustellergruppen, sondern hunderte von Engagierten bereiten auf historischer Grundlage in mehrjähriger Vorarbeit ein Fest vor, an dem alle Bewohner und Gäste der Stadt teilnehmen können. Der langjährigen Tradition der Kivelinge gelang es bereits vor Jahrhunderten mit ihrem Bürgersöhne-Aufzug eine Gemeinschaft in der Stadt zu bilden, die Mitgliedern aller Konfessionen gleichberechtigt offen stand. Sie trugen entscheidend dazu bei, konfessionelle Spannungen zu überwinden und ein Miteinander zu pflegen, an dem alle Menschen, unabhängig von ihren jeweiligen Hintergründen teilnehmen konnten.“

So steht es auf der deutschen UNESCO-Kulturerbe Seite. Die Initiative der BürgerNahen liegt vier Jahre zurück, die Kivelinge und das Kivelimgsfest in das nationale Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufzunehmen. Jetzt war sie erfolgreich. Ich freue mich insbesondere, dass die Kulturdezernentin Monika Schwegmann als Ansprechpartnerin für den Junge-Männer-Verein genannt wird.

(Quelle: Deutsche UNESCO Kommission; Fotos @Monika Schwegmann)

Kulturerbe

27. August 2016

Ganz vorn dabei war ich vor rund 18 Monaten, um die Lingener Kivelinge als Nationales Kulturerbe voran zu bringen. Seither hört man nicht mehr viel davon [der Vorschlag kam eben von der falschen Seite… 😉 ] – nur hinter vorgehaltener Hand, dass es eine kleine Arbeitsgruppe dazu aber vor allem Schwierigkeiten gebe, weil es eben ein reiner Männerverein sei und die Einbindung der Marketenderinnen… usw., usf. 

Doch jetzt lese ich bei Niederlande.net diese schöne Mitteilung von unseren Nachbarn:

Das Studentenleben und Studentenverbindungen sind offizieller Teil des niederländischen Kulturerbes. Studentenverbindungen wollen ihre Traditionen, wie Aufnahmerituale, gemeinsames Trinken und den Nachdruck auf Umgangsregeln, auch in der Zukunft an junge Studenten weitergeben. Studentenverbindungen hoffen, mit der Entscheidung ihr Image aufbessern zu können und deutlich machen, dass eine Mitgliedschaft eine wertvolle Ergänzung in der Studentenzeit sein kann.

NationaleDas Studentenleben und die dazugehörigen Verbindungen sind seit Donnerstag Teil des niederländischen Kulturerbes. Sie sind nun offiziell Bestandteil der Nationale Inventaris Immaterieel Erfgoed. Nominiert wurde das Studentenleben von der überkuppelnden Organisation aller Studentenverbindungen, die Landelijke Kamer van Verenigingen, die 48 Verbindungen in 13 verschiedenen Studentenstädten vertritt. Der Kammer zufolge handelt es sich beim Studentenleben um “eine lebendige, dynamische Kultur, die zur sozialen Kohäsion beiträgt und wichtig für die Identität vieler Studenten in den Niederlanden ist”.

Ruben Hoekman, der Vorsitzende der Landelijke Kamer van Verenigingen, sagte gegenüber dem Nachrichtenprogramm NOS: “Wir sind sehr glücklich und zufrieden. Die Kultur der Studentenverbindungen besteht bereits seit über 200 Jahren und darf eigentlich nicht in dieser Liste fehlen.” Zu den Traditionen des Studentenlebens gehören neben Aufnahmeritualen und gemeinsamen Umtrunken auch klaren Regeln, wie das Nicht-Tragen von Sportschuhen im Verbindungshaus. Dennoch sind viele Studentenverbindungen auch mit der Zeit gegangen laut Hoekman: “Immer mehr Studentenverbindungen bieten Lernplätze an und er werden fast überall Aktivitäten zur Orientierung für eine spätere Karriere angeboten.”

Die Kammer hofft, das bisweilen elitär wirkende Image hiermit aufbesseren zu können: “Menschen haben durchaus einige Vorurteile darüber wie es bei einer Studentenverbindung so läuft. Die Aufnahme bestätigt, dass eine Mitgliedschaft von großem Mehrwert für die eigene Studentenzeit ist.” Hoekman selbst betont, dass ihm seine Verbindungsfreunde viel helfen: “Wir sitzen zusammen in der Universitätbibliothek, um für Klausuren zu lernen. Wenn einer sagte, dass er nicht so viel Lust dazu habe, sagte die Gruppe: Komm mach weiter, denn du musst deine Klausur bestehen. Das hat sicherlich einen positiven Effekt.”

Dass das niederländische Studentenleben sich maßgeblich von dem anderen Länder unterscheidet und somit zum nationalen Kulturerbe gehört, bestätigt Max van Duijn, Wissenschaftler an der Universität Leiden: “Die Verbindungen hier sind wirklich alt und die Traditionen werden von Generation zu Generation weitergegeben.” Außerdem weist Van Duijn auf die Zusammengehörigkeitsgefühl innerhalb von Verbindungen hin: “Man bekommt eine Familie dazu. Man tut Dinge, die man auch mit seinen Geschwistern tun würde, wie, zum Beispiel, Essen und gemeinsame Aktivitäten.”

Die Nationale Inventaris Immaterieel Erfgoed wird vom Niederländischen Zentrum für Volkskultur und Immateriellem Kulturerbe erstellt. Mit der Liste sollen typische niederländischen Traditionen und Gebräuche für spätere Generationen bewahrt bleiben.  Auch der Liste stehen auch Traditionen wie das Sinterklaasfest, Königstag und die Nijmeegse Vierdaagse. Dieses Jahr wurde bereits das Brabanter Wurstbrötchen in die Liste aufgenommen. Von der Liste schaffen einige Traditionen es auf die Liste des UNESCO Weltkulturerbes.“

(Quelle Niederlande.Net)

update Kivelinge:
Nachdrücklich hat mir einer der Verantwortlichen am gestrigen Sonntag versichert, dass ich mit meiner Vermutung falsch liege, der Vorschlag Nationales Kulturerbe sei wohl von der falschen Seite gekommen. Die Arbeitsgruppe des Vereins sei sogar in Hannover gewesen und man wolle auf Grundlage der dortigen Ratschläge jetzt die Bewerbung neu ausrichten und konzipieren, um größere Chancen zu haben.

nur

25. Januar 2016

Wenn es der Finanzverwaltung zu wohl ist, geht auch sie auf’s Eis:

Der WDR informierte nämlich vergangene Woche, dass die Finanzämter in Westfalen und im Rheinland jetzt das Schützenwesen ins Visier genommen haben. Die Schützenvereine und Bruderschaften sollen ihre Gemeinnützigkeit verlieren, wenn sie nur Männer und keine Frauen aufnehmen. Für Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) ist die Abschaffung der Gemeinnützigkeit von Schützenvereinen schon kurz nach Aufkommen der Diskussion am Dienstag (19.01.2016) kein Thema mehr, wie er tags darauf dem WDR mitteilte. CDU-Politiker hatten Druck auf den Finanzminister gemacht, und auch unter den Schützen gab es hitzige Debatten.

Traditionsvereine wirken im Regelfall weit über ihre Mitgliedschaft hinaus. Deshalb dienen sie der Allgemeinheit“, teilte der NRW-Finanzminister am letzten Mittwoch mit. „Dass es nach Auffassung vieler nicht mehr in eine aufgeklärte Zeit passt, wenn Frauen in einem Verein zur Förderung und Pflege von Kultur und Tradition die Mitgliedschaft verwehrt wird, steht auf einem anderen Blatt.“ Über einen „wünschenswerten Sinneswandel“ solle eine offene Debatte, nicht der Fiskus entscheiden.

In einem Brief hatte das Finanzamt Meschede zuvor dem übergeordneten Sauerländer Schützenbund (SBB) angekündigt, dass den Schützen steuerliche Vorteile entzogen werden, wenn sie nur Männer akzeptieren.

„Ich war fassungslos, als ich den Brief gesehen habe, weil für mich das ehrenamtliche Engagement der Schützenbrüder außer Frage steht“, sagt Bundesgeschäftsführer Wolfram Schmitz aus Balve (Märkischer Kreis) dem WDR. „Die Schützen leisten nicht nur etwas für ihre Mitglieder, sondern auch für Frauen und Kinder“, ergänzt er.

Der Sauerländer Schützenbund lebe ohnehin von Vielfalt. In dem Dachverband seien auch gemischte Schützenvereine organisiert. Über die Hälfte der Vereine und Bruderschaften akzeptiere allerdings ausschließlich männliche Mitglieder, so Schmitz. „Wir wären allerdings auch für einen reinen Frauen-Schützenverein offen…

[weiter beim WDR]

Soweit ich weiß, hält sich die niedersächsische Finanzverwaltung in dieser steuerbürokratischen Meisterfrage noch ausgesprochen bedeckt und die seit einiger Zeit (aktuell: 644 Jahre) männerexklusiven Lingener Kivelinge beispielsweise sollen immer schon gar nicht und nie gemeinnützig (gewesen) sein, ausgenommen -nehme ich an- die Zeiten, als AD 1372 oder so die Jünglinge zur löwenhaften  Verteidigung auf den lokalen Festungswällen standen.

Also: Montägliche Entwarnung und auch Birgit K., unser aller „Ratsdame“ (gendermäßige Wortschöpfung des Jahrzehnts durch die LT!), braucht sich nicht mediengerecht und eigens in dieser Frage zu engagieren. Cives, Cives, Civibus! 

entwaffnet

1. November 2015

Version 21978 wurde der kleine, eine Hellebarde tragende Kiveling am Mühlsteinebrunnen in der Burgstraße aufgestellt. Er war ein Geschenk der Kivelinge an ihre Vaterstadt Größenmäßig passt er zwar gar nicht in die Welt mittelalterlicher Landsknechte oder der unsere Stadt entschlossen verteidigenden Bürgersöhne. Aber Bronze war eben etwas teuer und daher gab’s nur diese provinzielle Miniaturausgabe.

In den folgenden Jahren wurde der kleine Mann dann regelmäßig entwaffnet. Mehrfach verschwand die Hellebarde und so entstand zwanglos der Eindruck eines mit einem Wanderstab ausgerüsteten, verkleideten Karnevalisten gewinnen. Doch lassen wir das, denn als Anekdote berichtenswert ist aktuell:  Nach 20 Jahren bewaffneter Ruhe, ist er seit einigen Monaten wieder nachhaltig entwaffnet, der kleine Kiveling am Emslandmuseum.