unverzüglich

1. April 2019

Heute an dem Tag, an dem der Lingener Kult-Gastronom Markus Quadt auf einzigartige Weise die Marktplatz-Linde vor seinem Rathaus-Restaurant Sieben fällen ließ, präsentiert der OB endlich die neuen, sozialen Lingener Grundstückskauf-Regeln. Mir liegt eine Rathaus-Presseerklärung mit Sperrfrist 0.00 Uhr vor, die die Dinge vorstellt, die OB Krone mit großem betriebswirtschaftlichem Sachverstand in den letzten 12 Monaten erarbeitet hat, nämlich:

Grundstücke für große Unternehmen und Betriebe werden in Lingen künftig nur noch im Ausnahmefall verkauft. Bisher gab es sie bereits voll erschlossen für ganz wenig Geld. Künftig aber müssen sie gar nicht bezahlt werden. Der Grundstückswert wird stattdessen verrechnet: Wer infolge seiner Investitionen neue Arbeitsplätze schafft, zahlt gar nichts mehr, vorausgesetzt er zählt nicht zu Klein- und Mittelbetrieben bis 100 Arbeitnehmer*innen. Würde man nämlich auch diese von der Kaufpreiszahlung befreien, verlöre man im Rathaus weitestgehend den Überblick. Pro neuem Arbeitsplatz wird also bei Großbetrieben künftig der soziale Nachlass errechnet. Diese Berechnung hat sich der OB übrigens selbst aufgebürdet – Chapeau!

Ich habe das Vorgehen, das gerade bei einem größeren Betrieb im Lingener Süden, projektiv hektarweise erprobt wird, zwar kritisiert, es aber leider nicht verhindern können.

Doch mir ist es parallel dazu gelungen, für den Bau von Häusern durch unsere jungen Familien in Lingen eine nachhaltige Verbesserung zu erreichen. Auch unsere Familien  werden die Grundstücke in Lingen künftig deutlich billiger kaufen können – vorausgesetzt, sie zeugen zielgerichtet zusätzliche Kinder.

Pro neu gezeugtem Kind gewährt unsere Stadt nämlich jetzt einen deutlichen Nachlass auf den Kaufpreis von Baugrundstücken. Dazu ein praktisches Beispiel: Bekommt eine Familie Nachwuchs, ermäßigt sich der Grundstückskaufpreis um 20%/Kind, bei Familien mit mindestens zwei Großeltern aus dem entsprechenden Ortsteil sogar um 25%/Kind, sofern das Kind später als 181 Tage nach dem notariellen Kauf des Grundstücks von der städtischen Grundstücks- und Erschließungsgesellschaft geboren wird. Die Frist entnimmt die Stadt § 1600d BGB. Ab dem sechsten Kind – bei Ortsteilkinder ab dem fünften –  zahlt die Stadt sogar für jedes weitere Kind (Mehrlingsgeburten zählen als ein Kind, weil das verwendete EDV-Programm es nicht anders lösen kann) einen entsprechenden Kaufpreisanteil von 20% (Ortsteilkinder 25%) an die Familie cash aus.

Die Ortsteil-Klausel fand ich nicht völlig gelungen, musste sie aber schlucken, weil sonst eben genu diese Ortsteile das Vorhaben blockiert hätten. Und das neue Modell gilt auch nur in neuen Baugebieten innerhalb dieser Ortsteile, sofern die Familie zwei Pkw mit Euronorm 6 nutzt. Aber auch diese zusätzlichen sozialen Kriterien, die auch einen nachhaltigen Umweltbezug deutlich machen, kann man sicherlich verkraften, behindern sie doch das Große und Ganze des Projekts nicht wirklich, wie mir Fachleute zu meiner Erleichterung bestätigt haben! Also: Lingen erlebt eine rundum gelungene, neue, soziale und ökologische  Grundstückspolitik.

Das neue Bezahlmodell gilt, meines Wissens gilt dies sofort, unverzüglich.

 

(Foto: Hist. Rathaus Lingen, © milanpaul via flickr)

Dark Red

31. März 2019

Filmakademie Baden-Württemberg:
Der phänomenale Vampir-Film von Eugen Merher

Der Regie-Student Eugen Merher gilt als einer der talentiertesten Nachwuchs-Werbefilmer des Landes. Warum dem so ist, zeigt der 28-jährige Student der Filmakademie Baden-Württemberg mit seinem neuesten Projekt: „einem düsteren, bewegenden und herausragend exekutierten Film zum Thema Blutkrebs“ (Horizont)

Der „Dark Red“-Clip endet mit dem Hinweis auf die Webseite FightBloodCancer.net, die Eugen Merher und seinTeam selbst ins Netz stellten. Dort verweisen die Verantwortlichen wiederum auf die Webseiten von Organisationen, die sich gegen Blutkrebs engagieren wie die Deutsche Stammzellspenderdatei, die DKMS und Gift of Life.

Horizont.net weiß: „Bei „Dark Red“ vertraute Regisseur Merher einmal mehr auf sein Kernteam aus den Producern Philip Chrobot und Gerrit Klein sowie Kameramann Mortimer Hochberg. Alle vier haben auch gemeinsam an dem Skript gearbeitet. Gedreht wurde der Spot im August 2018 in London und Liverpool. Außerdem waren an der Entstehung des Films beteiligt: Maike Kiefer (Production Design), Alexander Wolf David (Music Composition), Robin Harff (Sound Design), David Gesslbauer (Editing), Marina Starke (Grading), Acht Hamburg (VFX), Tatenda Jamera (Fixer UK) sowie die Filmakademie Baden-Württemberg als verantwortliche Produktion. Die Schauspieler sind Jeremiah Waysome (Lamar) und Ethosheia Hylton (Mutter Karissa). „

Gewinner essen regional

30. März 2019

Felix Olschewski appelliert:

„Mit jedem Einkauf von Lebensmitteln wählen wir, ob wir gewinnen oder verlieren möchten. Entscheiden wir uns für regionale Ernährung, können wir zugleich besser essen und unsere Gesundheit pflegen; Geld sparen; Umwelt, Natur und Tiere schützen; unsere Nachbarn unterstützen und unser Leben selbst bestimmen.

Oder wir kaufen beim Discounter, steuern damit auf das Gegenteil zu und schaden uns selbst, unseren Mitmenschen und der Natur; verschwenden Geld und geben die Kontrolle über unser Leben aus der Hand.

Diese Gegenüberstellung mag absurd klingen, weil die Wahl einfach scheint: Natürlich möchte niemand sich selbst schaden. Es widerspricht unserem Instinkt, alle Vorteile bei der einen und alle Nachteile bei der anderen Wahl zu sehen.

Das moderne Leben lehrt uns: Nichts ist so einfach, keine Wahl so eindeutig und jeder Vorteil ist mit einem Nachteil verbunden: Pizza ist lecker, aber ungesund. Billige Kleidung erfreut die Geldbörse, schadet jedoch der Umwelt. Selbst kochen ist gesund, allerdings unbequem. Dieses Denkmuster des steten Verknüpfens von Vorteilen mit Nachteilen lehrt uns die Moderne. Die Industrie treibt diese Sicht auf das Leben voran. Denn wenn jeder Vorteil mit einem Nachteil verknüpft ist, stecken unsere Leben voller Hindernisse: »Abnehmen bedeutet Verzicht. Kaufe mein Wundermittel, damit ist es einfacher.«

Wir haben Probleme und die Lösungen dafür können wir kaufen. Das ist jedoch ein Irrtum. Tatsächlich versperrt dieser Blickwinkel die Sicht auf die übrigen Nachteile solcher Angebote, während die vermeintlichen Vorteile sich als Gaukelei entpuppen….“


Olschewskis Fazit:

Regionale Ernährung nährt die Region.

Dein Gewinn: Mehr Sicherheit und Gesundheit: Für dich, deine Familie, deine Mitmenschen. Höhere Lebensqualität für die Gemeinschaft. Mehr Selbstbestimmung.

So gehts: Gehe zum Landwirt. Begib dich direkt dorthin. Gehe nicht zum Discounter. Ziehe nicht durch den Supermarkt.

Beachte: Regional ist nicht immer gut. Teuer heißt nicht besser. Bio heißt nicht gut.


Alles lesen bei Urgeschmack: Gewinner essen regional

„Stück zum Glück“

20. März 2019

Heute ist der internationale Tag des Glücks. Zu diesem Anlass starten Aktion Mensch und große Wirtschaftsunternehmen eine Initiative, die sich für das grenzenlose Miteinander von Kindern mit und ohne körperliche Behinderung einsetzt. Herzstück der Spendenkampagne „Stück zum Glück“ ist ein bewegender Kurzfilm, in dem die Kooperationspartner aufzeigen, wie Inklusion im Alltag möglich wird.

Der vierminütige Film zeigt inklusive Kinderpaare aus dem echten Leben, die beste Freunde sind. Alle erzählen davon, wie viel Spaß sie beim gemeinsamen Spielen zuhause haben, doch auf Spielplätze gehen sie nicht, weil die Geräte dort meist nur für nicht behinderte Kinder geeignet sind. Dabei haben gerade die körperlich eingeschränkten Kinder zahlreiche Ideen für inklusive Spielgeräte wie Hexenschule, Fußball-Schaukel und Einhorn-Karussell, die sie mit viel Fantasie erläutern. Am Ende des Films macht Aktion Mensch die Träume der Kinder wahr und entwickelt in nur vier Wochen alle Geräte, die sich die Kinder erträumt haben.

Das wäre doch auch einmal etwas für die Spielplätze in unserer Stadt, oder?

AdTech Ad

Gestern Abend wurde mit einem Konzert des Fink-Körner-Duo mit Posaune und Piano die Woche der Brüderlichkeit auch in Lingen (Ems) eröffnet. Manfred Rockel rezitierte bei der gemeinsamen Veranstaltung des Kunstvereins und des Forum Juden Christen in der Lingener Kunsthalle den nachfolgenden Text. zum Thema: „Der / Die/ Das Fremde„, den ich hier gern im Wortlaut wiedergebe.

„Es sagte die Mutter zu ihrem kleinen Sohn: „Steig’ bei keinem fremden Mann ins Auto!“ In den 1950er-Jahren fuhren wenige Autos. Deshalb sagte sie auch meistens: „Geh mit keinem fremden Mann mit!“ Später, als der kleine Junge größer geworden war, sagte sie zu ihm: „Du kannst keinem fremden Menschen trauen.“

Die Mutter hatte schlimme Erfahrungen gemacht, im Krieg, auf der Flucht. Sie hatte das Vertrauen in andere Menschen verloren. Der Junge wusste oder besser: ahnte davon und wollte seiner Mutter bewusst oder unbewusst nicht zusätzlichen Kummer bereiten. So war er brav, gefällig, ordentlich, so wie sich das seine Mutter wohl wünschte.

Die Fremde lernte er mit seinen Eltern, die keine Fremdsprache gelernt hatten, nicht kennen. Einmal über die Grenze, in die Schweiz, zum Rheinfall nach Schaffhausen, am Abend wieder zurück. Ganz schön teuer im Ausland. Und doch ein Urlaub in Holland, wo man mit Deutsch gut zurecht kam. Hier waren bisher unbekannte Pommes Frites das große Erlebnis.

Das Junge wuchs heran, und er machte andere Erfahrungen mit fremden Menschen, gute Erfahrungen, aufregend schöne Erfahrungen. Zum Beispiel bei einer Begegnung mit jungen Franzosen, organisiert vom gerade gegründeten deutsch-französischen Jugendwerk. Zum Beispiel bei einer vom Stadtjugendring Hannover 1968 durchgeführten Austauschfahrt nach Prag. Und auch bei einer Fahrt mit einem Freund nach England, wo sie per Anhalter reisten. „Steig bei keinem fremden Mann ins Auto.“ Das musste er nun endlich doch seiner Mutter sagen, dass er den Satz, Fremde zu meiden und ihnen nicht zu trauen, nicht als Lebensmotto akzeptieren könne.

Natürlich wäre dem Kind auch eine Duo-Besetzung Piano und Posaune völlig fremd gewesen. Denn in der Musik gab es für den Jungen zwar keine Vorgaben, Musik spielte gar keine Rolle in der Familie. Da lief am Morgen die laue Unterhaltungsmusik im Radio, wichtig waren die ständigen Zeitansagen, damit man den Aufbruch zur Arbeit oder zur Schule nicht verpasste. Kein Wunder, dass er sich zum Geburtstag als erste Schallplatte für die elterliche neue Musiktruhe „Weiße Rosen aus Athen“ von Nana Mouskouri wünschte. Das Süße und Glatte blieb sein Geschmack, bis er an anderen Orten ganz andere Töne vernahm. In der Eisdiele kamen aus der Musikbox ja nicht nur Schlager, sondern auch härtere, rhythmischere, ja wilde Klänge. Ziemlich fremd. Er warf dafür kein Geld hinein.

„Fremdes kann auch durch Gewöhnung vertraut und liebgewonnen werden,“ dachte er, als er nun freiwillig und regelmäßig dichtgedrängt an der Raupe stand, einem Fahrgeschäft auf der Kirmes, wo es ums Fahren ging, aber noch mehr um Mädchen und um die neuesten Hits aus Amerika oder aus England. Bald war er verrückt danach und hatte erfahren, dass der Deutschlandfunk die Hits am Samstag um 23 Uhr sendet und der britische Soldatensender BFBS am Sonntag um 17 Uhr.

Einen Jazzclub gab es in seiner Nähe, der freitags Dixieland und montags Modern Jazz anbot. Bald stellte er für sich fest, dass er viel häufiger an Montagen dort war. War nicht Dixieland und „Icecream, Icecream“ doch irgendwie so süß wie Schlager? Er fand für sich heraus, dass ihn die Musik mehr reizte, die gerade nicht so griffig war, die ihn forderte und die etwas hatte, an dem er sich reiben musste, Modern Jazz.

Als er dann von der Großstadt in die Kleinstadt kam, merkte er bald, dass den meisten Menschen dort diese Art der Musik noch recht fremd war. Sie wollten sich das nicht anhören.

Dabei waren es Größen des Jazz, die um 1990 in der Kleinstadt auftraten und die er hörte, in kleinem Kreis. So schrieb der Rezensent der Lokalzeitung zu Peter Herbolzheimer und dem Bundesjazzorchester:

„Eine starke Truppe, in jeder Hinsicht: Peter Herbolzheimers Bundesjazzorchester, mitreißende Kompositionen, geschliffene Arrangements, engagiertes und gekonntes Spiel der deutschen Jungjazzerelite unter der souveränen Führung Peter Herbolzheimers, …

Wenn er allerdings auch auch die Lingener als eine `starke Jazzgemeinde` begrüßt – auf die Größe käme es nicht an – dann kann damit die peinliche und so wenig inspirierende Situation eines schwach besetzten Theaters kaum aufgelöst werden.“

Und die Posaune als Soloinstrument? Der damalige Weltmeister des Instruments, Albert Mangelsdorff, trat tatsächlich mit seinen „Ohritschinells“, er war Hesse, auch in dieser Kleinstadt auf. Und wieder hieß es in der Lokalzeitung: „Beim Anblick des schwach gefüllten Parplatzes vor dem Theater … war schon klar, daß dieses Konzert mit der kulturellen Fünfprozentklausel des Publikumszuspruchs zu kämpfen haben würde.“

Schön, dass Sie da sind. Und sich auf das Fremde oder das etwas Fremde einlassen.

Denn so kann es auch gehen: Ich suche Heimat und finde die Fremde. Nicht alles Fremde fängt jenseits der Grenzen an.

Ich suche der/die/das Fremde und finde Heimat. Ich habe das Grenzenlose nicht als fremd und bedrohlich, Angst machend, sondern – wie gesagt – als bereichernd erlebt. Und natürlich leben wir in gemischten Formen mit gemischten Gefühlen:

VOLL INTEGRIERT

Seine Familie stammt aus Ostpreußen,
und er ist hier voll integriert.
Seine emsländischen Freunde:
Martin aus Loccum, Marianne aus Hessen,
Georg aus Cloppenburg, Klaus aus Essen,
Natalia, Kirgisien, Eva, Josef, Tschechoslowakei,
Doctores der Nachbarn, Leipziger Allerlei,
Elisabeth aus Polen, Christel Wolfenbüttel,
Petar halb Serbien, Sabine Osnabrück-EL.
Walter ist fast von hier, aus Rheine.

Er fühlt sich gut, gar nicht alleine.
Er ist hier voll integriert
in die Parallelgesellschaft.

Was ihn stört:
Wo bleibt Heribert?
(aus: Manfred Rockel / Gedichte Emsiges Land, Düsseldorf 2017)

Ich möchte anlässlich dieses Konzerts zur Woche der Brüderlichkeit noch kurz zweier jüdischer Musiker gedenken, mit denen ich persönlich Kontakt hatte. Musik kann viele Funktionen haben, sie kann auch erzwungen und missbraucht werden. Damit möchte ich an Esther Bejarano erinnern, die im Mädchenorchester von Auschwitz spielen musste, wenn im Arbeitslager Auschwitz die Gefangenen zur Zwangsarbeit gingen und zurückkehrten. Sie überlebte.  Und die Musik half ihr zu überleben.

Sie engagierte sich danach im Auschwitz-Komitee und als Künstlerin mit ihrem Programm „Spiel mir das Lied vom Frieden“, um damit auch eine Brücke zu schlagen für eine Gesellschaft „ohne Fremdenfeindlichkeit, ohne Rassismus, ohne Antisemitismus“, wie sie 1991 bei ihrem Auftritt in Lingen sagte. Esther Bejarano ist auch als 94-Jährige noch als Zeitzeuge aktiv.

Zum zweiten möchte ich des Musikers Coco Schumann gedenken, der als ganz junger jüdischer Jazz-Gitarrist im Ghetto Theresienstadt bei den „Ghetto Swingers“ Schlagzeug spielte. Und auch nach seiner Deportation nach Auschwitz wohl überlebte, weil er für die SS Musik machte, dann kein Swing, sondern „La Paloma“ usw. Er wollte nach 1945 nicht in erster Linie als Holocaust-Überlebender gesehen werden, sondern als Musiker. Er machte weiter Musik in verschiedenen Ensembles, u.a. bei dem Geiger Helmut Zacharias und spielte Jazzgitarre auf der Bühne. Er war um 1990 bereit, in Lingen ein Konzert zu geben, in Verbindung mit dem Jazzfest Münster und einem Auftritt in Papenburg, aber aus irgendwelchen Gründen kam es nicht zustande.

Coco Schumann starb im Januar 2018 mit 93 Jahren.


Nachbemerkung. Duo Körner Fink duo brachte mancherlei Fremdes oder fremd Erscheinendes zu Gehör. Auch dies sehr Bekanntes:

 

[Star Trek – The Next Generation (Jerry Goldsmith/Aleander Courage)]


Woche der Brüderlichkeit

 

in der Hand

10. März 2019

Das neu gefasste Handyverbot am Steuer (§ 23 StVO) beschäftigt ja schon seit einiger Zeit die Gerichte. Vom Oberlandesgericht Celle gibt es jetzt eine Entscheidung zu der Frage, ob das bloße Halten des elektronischen Geräts schon verboten ist (OLG Celle, Beschl. v. 07.02.2019 – 3 Ss (OWi) 8/19 – )

Ein Autofahrer hatte sich gegen ein Bußgeld (und einen Punkt in Flensburg) gewehrt. Dem Amtsgericht genügte es, dass der Betroffene sein Mobiltelefon während der Fahrt „in der Hand gehalten“ haben soll.

Doch genau das genügt trotz der Neufassung des Paragrafen nicht, um den Bußgeldtatbestand zu erfüllen. Die Vorschrift setzt nämlich nach wie vor ausdrücklich ein „Benutzen“ voraus. Eine Benutzung ist aber ein Mehr gegenüber dem bloßen Halten, so das Oberlandesgericht Celle. Die weitergehende Auslegung des Tatbestandes verstoße gegen das Analogieverbot. Danach darf eine gesetzliche Regelung nur im Rahmen dessen ausgelegt werden, was der Tatbestand hergibt.

Viele Polizeibeamte, Ordnungsämter und natürlich auch Bußgeldrichter sehen das in ihrem „Alltagsgeschäft“ anders. Deshalb fehlen in der Anzeige oft Informationen darüber, in welchem Umfang der Betroffene das Gerät genutzt haben soll. Wenn man sich in einer Polizeikontrolle also nicht selbst um Kopf und Kragen redet, sondern besser gar nichts zu dem Vorwurf sagt, bieten sich interessante Möglichkeiten zur Verteidigung. Denn oftmals werden Polizeibeamte später nicht mehr genau sagen können, ob der Betroffene das Gerät tatsächlich „genutzt“ hat.

Link nach Celle und zum Kommentar dazu von Detlef Burhoff

(Quelle Udo Vetter/LawBlog)

Substantivierung

4. März 2019

Nicht jedes Substantiv trifft die Dinge punktgenau….

Fifth Avenue

27. Februar 2019

Hierzulande steigt die erwartung, Cannabis künftig zu entkriminalisieren. Das meint jedenfalls der Deutsche Handverband, wie die Neue OZ in dieser Woche meldet.

Woanders ist man da schon ein Stück weiter. Wussten Sie beispielsweise, dass sich zwischen den zahlreichen noblen Boutiquen, Kaufhäusern und prachtvollen Gebäuden in der New Yoker „Fifth Avenue“ auch der Cannabis-Händler MedMen mit einem Flagship-Store niedergelassen. US-Medien bezeichnen die Kette inzwischen schon als „Starbucks of Weed“ oder „Apple Stores of Cannabis“. Das Unternehmen selbst hat sich auf die Fahnen geschrieben, den Genuss von Cannabis massentauglich zu machen. Dieses Vorhaben unterstreicht die Firma jetzt mit einem cineastischen Werbefilm, bei dem niemand Geringeres als Spike Jonze („Being John Malkovich“, „Her“) Regie führte. (mehr…). Gucken Sie mal:

Tacheles

24. Februar 2019

Tacheles sollten Sie kennen. Heute vor 25 Jahren, am 24. Februar 1994, wurde in Wuppertal der „Erwerbslosen- und Sozialhilfeverein Tacheles“ als Reaktion auf die rassistischen Brandanschläge von Solingen und Mölln gegründet. Zentrales Motiv war es, Menschen in Notlagen durch praktisches, solidarisches Handeln zu unterstützen, ihre Rechte wahrzunehmen. Dabei wirkt die Überwindung materieller und gesellschaftlicher Ausgrenzung dem Gefühl sozialer Deklassierung entgegen und beugt somit rassistisch motivierten Neiddebatten und -handlungen vor.

Der Verein ist als Interessenvertretung von Arbeitslosen und materiell benachteiligten Menschen längst über die Grenzen Wuppertals hinaus aktiv und bekannt geworden. Begonnen hat alles 1994 mit Sozialberatung am Küchentisch von Harald Thomé, Gründungsmitglied und heutiger Vorsitzende des Vereins. Seitdem wurden die Aktivitäten von Tacheles stetig ausgeweitet. Regional und bundesweit bekannt, betreibt der Verein inzwischen eine Homepage mit ca. 4,5 Millionen (!) Zugriffen im Monat sowie an seinem Gründungsort ein Arbeitslosenzentrum mit Stadtteil- und Ausflugscafé.

Aber vor allem bietet Tacheles seit eh und je Sozialberatung an, und trotz vergrößertem Team und neuen Räumlichkeiten kann der Verein den Bedarf an Hilfe und Unterstützung kaum decken. Die Tacheles-Beratung ist behördenunabhängig und parteiisch im Sinne der Ratsuchenden. Sie umfasst Informationen, Hilfestellungen und Tipps im Umgang mit den Ämtern sowie Unterstützung bei der Durchsetzung von Leistungsansprüchen gegenüber den Behörden.

Die Sozialberatung wurde von der Vereinsgründung bis heute stets ehrenamtlich geleistet. Hierfür erhält der Verein keine öffentliche Förderung. Die konsequente Unterstützung von Leistungsberechtigten durch Tacheles e.V. bei der Durchsetzung ihrer Rechte ist offensichtlich nicht erwünscht und wird nicht finanziert. Trotzdem beraten die ehrenamtlichen Kräfte pro Jahr ungefähr 2.000 Menschen persönlich. In den 25 Jahren kommt so eine mittlere fünfstellige Zahl an Menschen zusammen, die sich vertrauensvoll an den Verein gewendet hat. Hier noch ein paar Fotos aus 25 Jahren Tacheles.

Neben dem Beratungsangebot engagiert sich der Verein in der Sozialpolitik. Sehr gut vernetzt beteiligt sich Tacheles an lokalen, regionalen und bundesweiten Initiativen zur Verbesserung der Lage von Menschen, die von Armut bedroht oder betroffen sind. Die Internetseite des Vereins dient als Plattform für zahlreiche politische und rechtliche Informationen rund um das Thema soziale Sicherung. Tacheles schreibt Stellungnahmen zu Gesetzgebungsverfahren, Aktive des Vereins wurden als  Sachverständige zu Bundestagsanhörungen geladen und waren zuletzt als sachverständige Dritte bei einer Anhörung des Bundesverfassungsgerichts beteiligt.

Zudem gibt der Verein den „Leitfaden ALG II/Sozialhilfe von A-Z“ heraus, der noch in diesem Monat in 30. Auflage erscheint. Der Leitfaden gehört zu den anerkannten Ratgebern von Menschen, die auf Sozialleistungen angewiesen sind und deren Berater*innen.

(Quelle)

Rembrandt350

10. Februar 2019

Die Niederlande haben in diesem Jahr erneut ein Rembrandtjahr ausgerufen, um den niederländischen Maler anlässlich seines 350. Todesjahres zu würdigen. Im ganzen Land gibt es über das Jahr verteilt 19 verschiedene Ausstellungen zum Thema „Rembrandt und das Goldene Zeitalter“. 10 Ausstellungen (in Amsterdam, Delft, Dordrecht, Haarlem, Hoorn und Enkhuizen, Leiden, Middelburg und Den Haag) haben eine direkte Verbindung zu Rembrandt van Rijn und seinem Schaffen, während sich die übrigen Ausstellungen mit dem Goldenen Zeitalter auseinandersetzen.

Ende Januar hat Prinzessin Beatrix im Mauritshuis in Den Haag das Rembrandtjahr 2019 eröffnet. Dass die Eröffnungszeremonie in Den Haag stattfand, und nicht in Amsterdam, wo sich die meisten Rembrandt-Werke befinden, weist auch auf die Tourismus-Strategien der Organisatoren von NBTC Holland Marketing hin: Die Aufmerksamkeit soll nicht weiter auf die ohnehin schon von Touristen überfüllte Stadt gelenkt werden, sondern auf nicht so bekannte niederländische Städte.

Mehr bei NiederlandeNet.

ps Holland Marketing geht übrigens davon aus, dass 600.000 Besucher mindestens eine der Ausstellungen besuchen werden, davon werden ca. 250.000 vermutlich aus dem Ausland Durch diese Touristen werden schätzungsweise 145 Millionen Euro in die niederländischen Kassen fließen. Das Rembrandtjahr wird folglich zusätzliche Touristen anspülen und vielleicht geht der Plan auf, und der ein oder andere Tourist findet nicht nur den Weg nach Amsterdam, sondern auch in eine der anderen sehenswerten Städte.

Während des Rembrandtjahres gibt es auch auch fünf große Rembrandt-Ausstellungen in

Deutschland

Kassel… verliebt in Saskia. Liebe und Ehe in Rembrandts Zeit
12 April – 11 August 2019
Gemäldegalerie Alte Meister, Kassel (museum website)

Rembrandt’s Mark
14 June – 15 September 2019
Kupferstich-Kabinett, Staatliche Kunstsammlungen Dresden (museum website)

Rembrandt: Meisterwerke aus der Sammlung
30 August 2019 – 5 January 2020
Hamburger Kunsthalle, Hamburg (museum website)

Im Focus: Rembrandt – Graphic Höhepunke der Münchener Sammlung (working title)
27 September – 20 October 2019
Pinakothek der Moderne, München (museum website)

Rembrandt: Drama of the Mind in 5 Acts
31 October 2019 – 1 March 2020
Walraf-Richartz-Museum, Köln (museum website) in Zusammenarbeit mit der Nationalgalerie Prag, wo die Ausstellung bereits ab dem 1. April zu sehen ist.


Bild: Rembrandt, Selbstporträt mit zwei Kreisen, 1665–1669, via Wikipedia)