Vor 75 Jahren

18. Juni 2021

Vor 75 Jahren ging es um eine Schicksalsfrage im Emsland: Zu welchem deutschen Teilstaat wolle man gehören?

Mit der Aufteilung Deutschlands in vier Besatzungszonen und der Auflösung des größten deutschen Bundesstaates Preußen standen die Besatzungsmächte vor der Aufgabe, die staatlichen Verwaltungseinheiten in ihren jeweiligen Zonen neu zu regeln. Ziel war ein föderaler Aufbau und Voraussetzung dafür die Schaffung neuer Bundesländer, die sich an historischen Einheiten wie an praktischen, vor allem wirtschaftlichen Gegebenheiten orientieren sollten.

Die Britische Militärbehörde hatte im Sommer 1946 mit der Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen Fakten geschaffen. Um den Wiederaufbau des Ruhrgebietes zu erleichtern und es mit einem breiten ländlichen Umland zu versorgen bildete sie aus den früheren preußischen Provinzen Rheinland und Westfalen ein neues Mega-Bundesland mit dem größten Industrierevier Westdeutschlands.

Damit stand auch der Rest der Britischen Zone unter Zugzwang. Ein echtes Gegengewicht zu NRW hätte nur ein einheitlicher „Nordstaat“ von der holländischen bis an die dänische Grenze mit dem Zentrum Hamburg gebildet. Doch den wollten die Norddeutschen nicht. Ganz im Norden war bald ein Land Schleswig-Holstein abgesteckt. Es blieben die frühere preußische Provinz Hannover, das Land Braunschweig, das Großherzogtum Oldenburg sowie die Grafschaft Schaumburg-Lippe und das Fürstentum Lippe-Detmold.

Hannover förderte eine „Fünferlösung“, bei der alle diese fünf Länder unter dem Dach eines neuen Landes Niedersachsen mit dem Kern Hannover bilden sollten. Eine schon in den 1920er-Jahren diskutierte Ausweitung Niedersachsens um angrenzende Teile Westfalen wurde vorgeschlagen, aber von NRW entschieden abgelehnt.

Oldenburg schlug vor, den niedersächsischen Raum in drei etwa gleich große Länder aufzuteilen: ein vergrößertes Land Braunschweig im Süden, ein Land Hannover mit Teilen Westfalens sowie ein Land Weser-Ems mit dem Kern in Oldenburg, das natürlich auch die Hauptstadt werden sollte.

Hiergegen regte sich der Widerstand besonders in den Kreisen Lingen und Grafschaft Bentheim, wo eine regelrechte „Los von Oldenburg-Bewegung“ entstand. Denn dem nationalsozialistischen Gau Weser-Ems war man gerade erst entronnen und hatte mit den Oldenburger offenbar keine guten Erfahrungen gemacht. Der spätere Bentheimer Landrat Heinrich Specht forderte im Mai 1946:

„Nach 1933 nutzte Oldenburg seine Stellung als Gauhauptstadt zu starken wirtschaftlichen und politischen Zentralisierungsbestrebungen aus … heute will man nicht herausgeben, was (die NSDAP-Gauleiter) Röver und Wegener eingeheimst haben. Die Grafschaft Bentheim verwahrt sich jedoch dagegen, zum Opfer dieses Machtstrebens degradiert zu werden, und erst recht dagegen, mit jenem Oldenburger Partikularismus identifiziert zu werden, den man heute bereits in ganz Deutschland belächelt. Sie tritt beharrlich ein für eine völlige und endgültige Lösung aller Wirtschafts- und Verwaltungsbindungen an Oldenburg. In der Erkenntnis, daß sie Hannover ihre wirtschaftliche Existenz verdankt, wünscht sie vollen Anschluss an die Provinz Hannover…“.

Ebenfalls im Mai 1946 hatte in Meppen eine Versammlung der emsländischen und südoldenburgischen Landkreise stattgefunden, an der auch Bürgermeister Zurhorn aus Münster teilnahm, der eifrig für einen Anschluss an Westfalen zu warb. Um die befürchtete Zuordnung an Oldenburg zu verhindern, forderten die Kreise Cloppenburg, Meppen und Lingen am 4. Juni ihren Anschluss an Westfalen. Der Redakteur Andreas Büscher schrieb hierzu am 2. Juli 1946 in der Osnabrücker Rundschau:

„Es unterliegt keinem Zweifel, daß das Emsland wirtschaftlich nach Westfalen orientiert ist. Ein möglichst enger Zusammenschluss dieser Gebiete, auch in verwaltungstechnischem Sinne, würde diese Zusammengehörigkeit vertiefen und sich dadurch zum Besten beider Gebiete auswirken. Deshalb müssen die vier Emslandkreise – möglichst geschlossen – rechtzeitig danach trachten, in der zukünftigen Neuordnung des nordwestdeutschen Raumes den Anschluß an das benachbarte Westfalen zu erreichen.“

Vorgeschlagen wurde hierzu ein Volksentscheid parallel zu den geplanten Kommunalwahlen im Herbst 1946. Doch daraus wurde nichts, denn mittlerweile war die Gründung von NRW bereits erfolgt. Osnabrück hatte ohnehin mehr auf Niedersachsen gesetzt, weil es die Bezirksregierung nicht an Oldenburg oder Münster abgeben wollte und erreichte einen Beschluss aller Landkreise des Regierungsbezirks, dass sie auf jeden Fall zusammenbleiben wollten. Im Falle eines Anschlusses an Nordrhein-Westfalen befürchtete man, letztlich doch nur Randregion in einem zukünftigen vergrößerten „Ruhrstaat“ zu werden. So setzten die Emsländer im Zweifelsfall gemeinsam mit Osnabrück auf Niedersachsen.

Dort hatte es schon im Sommer 1945 den Vorschlag gegeben, die Provinz Hannover per Staatsvertrag mit Braunschweig und Oldenburg unter eine „gemeinsame Landesregierung in Niedersachsen“ zusammenzufassen. Die Militärregierung lehnte dies ab, weil die Leiter besetzter Länder keine Verträge miteinander schließen könnten. Sie bildete für die entsprechenden Gebiete aber einen „Gebietsrat Niedersachsen“.

Auch eine Umwandlung der Provinz Hannover in ein Land Hannover als Vorstufe für einen freiwilligen Zusammenschluss lehnten die Briten zunächst ab. Doch nach der Bildung von NRW lenkte die Besatzungsmacht ein. Am 4. Juli 1946 befahl sie dem Zonenbeirat die Bildung eines Sonderausschusses zur Neugliederung der Zone. Von den fünf dort vorgelegten Möglichkeiten erhielt der Vorschlag von Hinrich Wilhelm Kopf die meisten Stimmen. Er favorisierte ein Land Niedersachsen aus Hannover, Braunschweig, Oldenburg, Schaumburg-Lippe und Lippe-Detmold sowie weiteren Gebieten im nördlichen Westfalen, wo seit dem Frühjahr bei Versammlung und Vorträgen für einen Anschluss an Niedersachsen geworben wurde.

Dieser war aber nach der Bildung von NRW nicht mehr durchsetzbar und Lippe-Detmold entschied sich für einen Anschluss an NRW. Der Nordstaat, das Land Weser-Ems und weitere Vorschläge fanden keine Mehrheit…


gefunden im  Blog des Emslandmuseum / Andreas Eiynck

Lingener Jung‘

14. Juni 2021

Straßennamen sind öffentlich sichtbare „Ehrungen“, Anerkennungen und Widmungen. Somit formen sie aktiv einen essentiellen Teil der kollektiven Erinnerungskultur. Vor diesem Hintergrund müssen wir uns also die Frage stellen: An wen wollen wir mit einem Straßennamen erinnern und wen wollen wir „ehren“?“

Am vergangenen Donnerstag hat der Kulturausschuss des Lingener Stadtrates darüber debattiert, die bisherige, vom damaligen NS-Bürgermeister Plesse beschlossene Bernd-Rosemeyer-Straße neu in Fredy-Markreich-Straße zu benennen. Rosemeyer war ein großartiger Autorennfahrer, aber als einziger deutscher Renfahrer nach eigenem Bekunden bereits vor Hitlers sog. „Machtergreifung“ in SA und SS eingetreten. Als er bei dem Versuch starb, einen Geschwindigkeitsrekord aufzustellen, war er SS-Hauptsturmführer, was neben dem „Lingener Jung'“-Atttribut auf den Schildern an der Lingener Rosemeyer-Straße allerdings verschwiegen wird und alsbald nachgetragen werden muss. Fredy Markreich (Foto) war damals ein beliebter Lingener, wegen Tapferkeit im 1. Weltkrieg ausgezeichnet, Mitglied der Kivelinge und anderer lokaler Vereine und er war jüdischen Glaubens. Daher musst er 1939 seinen Besitz in der Großen Straße verkaufen und aus Deutschland vor der drohenden Vernichtung fliehen.

Am Ende der ernsten und sachlichen Debatte sprachen sich am Donnerstag im Ausschuss  „Die BürgerNahen“, Bündnis’90/Die Grünen und die FDP für die Umbenennung in Fredy-Markreich-Straße aus, CDU und SPD waren dagegen und setzten mit 8:3 Stimmen statt dessen einen Auftrag an die Verwaltung durch, einen Kriterienkatalog zu erarbeiten, nach denen künftig in Lingen Straßen benannt werden. Kriterien sind immer gut. Aber ernsthaft: In der öffentlichen Debatte der letzten Wochen ist mehrfach betont worden, dass Rosemeyer ein „Lingener Jung'“ gewesen sei. Wenn dies ein Kriterium für eine Ehrung durch einen Straßennamen ist, kann sich tatsächlich jemand vorstellen, dass dieses Merkmal seine Mitgliedschaft in SA und SS und seinen Offiziersrang in eben der SS unbedeutend werden lassen könnte?

Alles erinnert mich an die aktuelle Diskussion im fränkischen Schweinfurt. Dort gibt es das Willy-Sachs-Stadion, das 1936  der damalige Alleininhaber der Schweinfurter Fichtel & Sachs AG Willy Sachs für eine Million Reichsmark der Stadt Schweinfurt stiftete. Sie ahnen es: Willy Sachs trat 1933 in die SS ein und war seit 1. Mai 1933 Mitglied der NSDAP. Er hatte schließlich den Rang eines SS-Obersturmbannführers (1943), gehörte dem „Freundeskreis Reichsführer SS“ (Heinrich Himmler) an und war auch sonst tief in den NS-Staat verstrickt. Deshalb hat sich eine Initiative gebildet, damit sich der Stasionname jetzt ändert.

Man braucht kein Prophet zu sein: Die Neubenennung wird sowohl in Schweinfurt als auch in Lingen erfolgen. Dass Willy Sachs ein großzügiger Mäzen und Bernd Rosemeyer ein sehr guter Autorennfahrer waren, führt nicht dazu, den Mantel der Liebe über ihre jeweilige Verstrickung in den NS-Staat legen zu können.  Nach einem SS-Mann benennen eben nur Nazis eine Straße.

Bei uns wird die notwendige Neubenennung auch kaum dazu führen, dass die jetzige Rosemeyer-Straße wieder den Namen Bahnhofstraße trägt, wie es die etwas geschichtslos wirkende SPD favorisiert; denn zweifellos wäre dies eine Missachtung des Juden Fredy Markreich, der 1939 gerade noch vor Kriegsausbruch aus Deutschland nach Afrika flüchten konnte, dann aber leider nur fünf Jahre später im afrikanischen Liberia „an einer Seuche“ starb, wie man es in den lokalen Veröffentlichungen nachlesen kann.

Angesichts dessen weiß ich, wie ich mich zu entscheiden habe.

Hier geht es zu meiner Rede
am vergangenen Donnerstag (10.06.) im Kulturausschuss unserer Stadt, in der ich meine Position formuliert habe.

Hier geht es dann zur
Online-Petition für die Neubenennung

 

Emcke

13. Juni 2021

Zu den besonders klebrigen Ausfällen im bisherigen Wahlkampf zählt, wie die deutschen Konservativen -selbst programmlos und ausgebrannt – gerade mit Carolin Emcke umgehen, sie beschimpfen und eine Aufzählung aus dem Zusammenhang reißen und in einen relativierenden Vergleich umdeuten. „Fakten und Respekt sind zumutbar“, liebe CDU. Hier das unverfälschte Original zum Nachhören und Selbstbewerten:

 

Der Bundestag hat die beiden Staatstrojaner-Gesetze angenommen. Das neue Verfassungsschutz-Recht erlaubt allen 19 deutschen Geheimdiensten die „Quellen-TKÜ plus“. Was die Große Koalition als Sicherheitsgewinn feiert, schafft neue Sicherheitsrisiken und ist möglicherweise verfassungswidrig.

Der Bundestag hat gestern mit einer Mehrheit von 355 Stimmen aus CDU/CSU und SPD das Gesetz zur Anpassung des Verfassungsschutzrechts angenommen. Es erlaubt allen 19 Geheimdiensten Geräte wie Smartphones oder Computer mit Staatstrojanern zu hacken. Alle Oppositionsparteien haben das Gesetz zuvor heftig kritisiert und dagegen gestimmt. Aus dem namentlichen Abstimmungsergebnis wird deutlich, dass auch fünf Mitglieder der SPD-Fraktion gegen das Gesetz stimmten, drei enthielten sich. 34 Abgeordnete der Regierungsparteien gaben keine Stimme ab, darunter auch die SPD-Abgeordnete  Daniela de Ridder (Bad Bentheim).

Bereits am Dienstagabend hatte sich die Große Koalition auf einen Änderungsantrag geeinigt. Mit dem Gesetz bekommen die Verfassungsschutzämter auf Bundes- und Länderebene, der Militärische Abschirmdienst und der Bundesnachrichtendienst die Erlaubnis, Geräte zu hacken um Kommunikation auszulesen.

Außerdem verpflichtet das Gesetz Internet-Provider, bei der Installation von Schadsoftware zu helfen. Andere Telekommunikationsanbieter wie Messenger- oder E-Maildienste sind davon ausgenommen. Die G-10-Kommission soll um sechs Richter:innen verstärkt die Fälle kontrollieren, in denen Staatstrojaner zum Einsatz kommen.

Die Quellen-Telekommunikationsüberwachung (Quellen-TKÜ), auch „kleiner Staatstrojaner“ genannt, bedeutet, dass Behörden Schadsoftware auf Geräten installieren und ab diesem Zeitpunkt laufende Kommunikation überwachen. Der große Staatstrojaner, die „Online-Durchsuchung“, leitet nicht nur laufende, sondern auch gespeicherte Daten aus – zum Beispiel ältere Chatnachrichten, die vor der Installation der Schadsoftware gesendet und empfangen wurden.

Bei der nun beschlossenen Verfassungsschutzrechts-Novelle handelt es sich um einen Kompromiss aus kleinem und großem Staatstrojaner: die „Quellen-TKÜ plus“. Diese ermöglicht den Zugriff auf laufende Kommunikation plus die Kommunikation, die vor Installation der Schadsoftware, aber nach Anordnung der Überwachungsmaßnahme stattgefunden hat.

Ursprünglich wollte Innenminister Horst Seehofer mit seinem ersten Gesetzentwurf im März 2019 den großen Staatstrojaner für BND und Verfassungsschutz durchsetzen. Damals stieß das noch auf heftige Kritik beim Koalitionspartner SPD. Die Parteivorsitzende Saskia Esken sagte, sie lehne Staatstrojaner ab, die SPD werde das Vorhaben der Union nicht unterstützen.

Der zweite Gesetzentwurf des Innenministeriums im Juni 2019 sah dann den kleinen Staatstrojaner vor – aber für alle 19 Geheimdienste. Und die Kritik der SPD verstummte mehr und mehr: Im Oktober 2020 setzte sich das Innenministerium mit seinem Vorschlag durch und die Koalition einigte sich, alle Geheimdienste mit Staatstrojanern auszustatten.

Viele Sachverständige und Jurist:innen schätzen die Quellen-TKÜ als verfassungswidrig ein, da sie weit in die Grundrechte eingreift. Die Gesellschaft für Freiheitsrechte erwägt, gegen die Regelung zu klagen. Gegen andere Gesetze, die den Einsatz von Staatstrojanern erlauben, laufen bereits Verfahren vor dem Bundesverfassungsgericht.

Auch die Organisation Reporter ohne Grenzen kündigte gestern an, mit dem Berliner Rechtsanwalt Prof. Niko Härting Verfassungsbeschwerde einzulegen. Sie sieht die Pressefreiheit und den digitalen Quellenschutz durch das Gesetz bedroht. „Einen so massiven Angriff auf die Vertraulichkeit journalistischer Recherchen und die Anonymität von Quellen dürfen wir nicht hinnehmen“, so Geschäftsführer Christian Mihr.

Kritik an den Staatstrojanern vereint auch internationale Tech-Konzerne wie Google und Facebook mit zivilgesellschaftlichen Organisationen wie dem Chaos Computer Club, die sich in einem offenen Brief gegen diese Form von Überwachung wehren.

Die Unionsfraktion begründet den Einsatz von Staatstrojanern damit, dass man den Verfassungsschutz so auf den Stand der Technik bringe. „Als die Leute sich noch mit Rauchzeichen oder Topfschlagen verständigt haben, da konnte jeder mithören“, so der CDU Abgeordnete Mathias Middelberg (Osnabrück) in der Aussprache im Bundestag. Die Quellen-TKÜ plus sei einfach „die Anpassung an technische Verhältnisse“ und wichtig, um Terrorismus abzuwehren und die innere Sicherheit zu verbessern.

Es sei „ein guter Tag für die Sicherheit in Deutschland“, meinte der CSU-Abgeordnete Michael Kuffer im Bundestag. „Ein massives Sicherheitsproblem, was sie hier veranstalten“, nannte es der Grünen-Abgeordnete Konstantin von Notz. Auch Stephan Thomae von der FDP warnte vor dem Sicherheitsrisiko, das Staatstrojaner mit sich bringen.

Um Staatstrojaner zu installieren, müssen Behörden IT-Sicherheitslücken auf Geräten ausnutzen. Es entsteht also ein Anreiz, bekannte Sicherheitslücken offen zu halten. Und das kann der inneren Sicherheit mehr schaden als nützen.

Dieses Problem kennt die SPD-Parteivorsitzende Esken. Sie schrieb noch am Tag vor der Abstimmung, dass sie die beschlossenen Mittel falsch findet, denn sie „schaden der Idee demokratischer Netze und unser aller Sicherheit.“ Sie stimmte aber im Bundestag nicht dagegen, sondern gab gar keine Stimme zu dem Gesetz ab. Die Jugendorganisation der SPD versuchte kurz vor der Abstimmung mit einem offenen Brief, die Bundestagsfraktion von ihrer Zustimmung zum Gesetz abzuhalten.

Vergeblich: Kurz vor dem Ende der Legislaturperiode haben SPD und Union gleich zweimal grünes Licht für Staatstrojaner gegeben. Denn auch für die Bundespolizei hat die Große Koalition den Einsatz von Staatstrojanern in dieser vorletzten Sitzungswoche des Bundestags ausgeweitet. Die Polizei darf die Überwachungsmethoden schon anwenden, wenn noch gar keine Straftat begangen wurde.


Ein Beitrag von (CC netzpolitik.org)

Corona – hin oder her, es klappt doch noch. Fast wie bei einer Finissage wird der Lingener Kunstpreis 2020 an Helen Feifel verliehen. Präsentiert wird auch der  von Sven Michel entworfene Katalog für die Ausstellung der Preisträgerin.
Der Kunstverein lädt zu morgen, Samstag, 12. Juni 2021 um 15 Uhr an die Kunst-Halle IV, Kaiserstraße 10b herzlich ein. Aus aktuellem Anlass bitten die Veranstalter um vorherige Anmeldung unter info(at)kunsthallelingen.de und natürlich um Einhaltung der geltenden Hygieneregeln.
Das Samstag-Programm:
  • Begrüßung​​ Georg Aehling, Vorsitzender des Kunstvereins Lingen e.V.
  • Grußworte ​​Heinz Tellmann, Bürgermeister der Stadt Lingen (Ems) und Anne Höltermann, Vorsitzende des Freundeskreises des Lingener Kunstpreises
  • Preisverleihung​ Doris und Heribert Lange gemeinsam mit Annette und Robert Koop, Mitglieder des Freundeskreises des Lingener Kunstpreises
  • Laudatio​​ Meike Behm
Der Katalog zur Ausstellung ist im Verlag Strzelecki Books in Köln erschienen. Die Präsentation beginnt mit einem Gespräch mit Helen Feifel und Sven Michel, dem Gestalter des Katalogs, anschließend signiert Helen Feifel Kataloge. Ebenfalls ist ein Set aus vier Plakaten zur Ausstellung erschienen, auch diese können dann – signiert oder unsigniert erworben werden.
Die Helen-Feifel-Ausstellung „Something else shapes“ in der Kunst-HalleIV kann am Veranstaltungstag und noch bis zum Sonntag, 13. Juni, kostenlos besucht werden. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Der Eintritt ist frei.

Trio Berlinale

10. Juni 2021

Trio Berlinale
Reihe Lingener Frühlingserwachen
Lingen (Ems) – Universitätsplatz
Heute, Do, 10.06. 20 um 16, 18, 20 Uhr
Eintritt frei / Einlass ohne Tickets

Das Trio Berlinale setzt sich aus den Lingener Szenemusikern Eike Kumbrink (Schlagzeuger, Percussionist und Gesang), Kai Liedtke (Saxophon) und Tobias Bako (Klavier und Gesang) zusammen. Zusammen blicken sie auf eine Vielzahl gemeinsamer musikalischer Konzerte zurück.
In Abhängigkeit der jeweiligen Veranstaltung liegt das dargebotene Repertoire grundsätzlich im Soul, Pop- und im Jazzbereich.

Corona-Hinweise:
Die Besucher:innen werden gebeten, rechtzeitig vor Konzertbeginn zu kommen.
Eine negative Testung für Personen ab 14 Jahren entfällt.
Bevor feste Plätze eingenommen werden müssen, wird im Eingangsbereich eine Registrierung zur Kontaktverfolgung (Luca-APP oder manuell) vorgenommen.
Es ist eine Mund-Nase-Bedeckung außerhalb des Sitzplatzes zu tragen.

Kiki und Pupps

6. Juni 2021

Reihe Kiki & Pupps: „Wolle und Gack“
Ein tierisches Theaterstück für Menschen ab 4

Musiktheater Lupe

Lingen (Ems) – Universitätsplatz
15:00–16:00 Uhr
Einlass: 14.30 Uhr
Karten: 5,00 EUR
Restkarten hier online

Wolle ist ein zufriedenes Schaf. Es hat ein gemütliches Häuschen mit grüner Wiese und einem kleinen Bach. Alles ist in schönster Ordnung, bis es einen neuen Nachbarn bekommt. Ein Huhn! Argwöhnisch betrachtet Wolle seine neue Nachbarin. Denn ein Huhn ist ein Huhn und ein Schaf ist ein Schaf. Schnell häufen sich die Missverständnisse, und so wird das Körnerfressen oder das Gras mähen zur Glaubenssache, das Eierlegen oder die Wolle abgeben zu einer Lebensphilosophie und das sich Aufplustern oder den Schafshintern zeigen zu einer Kriegserklärung! Ein tierischer Spaß um kulturelle Missverständnisse, mit viel Musik, Humor und einem fast glücklichen Ausgang.

Corona-Hinweise:
– Die Zuschauerzahl auf dem Universitätsplatz ist auf 120 begrenzt
– Beim Betreten des Platzes ist eine Registrierung notwendig (Luca App oder handschriftlich)
– Auf dem Weg zum Sitzplatz ist eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen, die abgenommen werden kann, sobald der Sitzplatz erreicht ist.

Mehr…

Premiere

6. Juni 2021

 Seit gestern Abend 20 Uhr ist das Theaterstück Maria Magda von Viola Bungarten für 24 Stunden als Stream auf der Homepage des Theaters Münster kostenlos freigeschaltet. Wenn Sie sich an diesem Sonntag das knapp 90minütige Theaterstück anschauen, haben Sie wahrscheinlich eine sehr interessante, wenn auch eher weniger entspannte Zeit; denn darum geht es:

Die Titelheldin wird in ein Kloster-Internat für schwer erziehbare Mädchen geschickt. Eines dieser Mädchen ist verschwunden. Ein anderes hat Geheimnisse, das dritte eine verborgene Gabe. Und dann kommen noch Nonnen, Hexen und das Patriarchat vor. Schauen Sie am besten selbst. Und wenn Sie sehr neugierig sind, können Sie sich den gesamten Text des Stückes hier herunterladen.

Das Theater Münster hat übrigens seit Freitag (für eine Zwischenspielzeit) wieder geöffnet: „Vom 4. bis 26. Juni 2021 spielen wir wieder live für euch im Großen Haus.“

  • Den Auftakt machte der Tanzabend DER TURM zu Musik von Philip Glass, choreografiert von Hans Henning Paar, der am Freitag 4. Juni seine Premiere feiert (weitere, leider ausverkaufte  Vorstellungen am 5. und 6. Juni).
  • Freunde der Barockoper kommen mit der musikalischen Tragödie ARGENORE von Wilhelmine von Bayreuth auf ihre Kosten, die am 9., 11. und 13. Juni zu sehen ist.
  • Das Schauspiel Münster präsentiert sich mit zwei Klassikern der dramatischen Literatur: Anton Tschechows Komödie DIE MÖWE entführt am 15., 16. und 17. Juni in das zaristische Russland.
  • Den Ehekonflikt zwischen Martha und George kann man in Edward Albees Schauspiel WER HAT ANGST VOR VIRGINIA WOOLF? am 19. und 20. Juni mitverfolgen.
  • Musikalisch klingt die Zwischenspielzeit mit Werken von Wolfgang Amadeus Mozart und Felix Mendelssohn Bartholdy im 10. Sinfoniekonzert am 23., 24., 25. und 26. Juni aus. Auch dafür sind allerdings gegenwärtig alle Karten ausverkauft…

Das Platzkontingent ist übrigens coronakonform begrenzt. Der zeitlich vorgegebene Einlass erfolgt in kleinen Gruppen maximal 30 Minuten vor Veranstaltungsbeginn. Neben einer gültigen Eintrittskarte ist der Nachweis „Geimpft, Getestet oder Genesen“ erforderlich.

Tipp:
Nach Münster gelangt man mit dem Zug – bequem innerhalb von weniger als 1 h. Die Aufführungen beginnen überwiegend um 19.30 Uhr, sonntags um 18 Uhr. Die Westfalenbahn fährt  stündlich, allabendlich zurück bis um 22.11 Uhr und 23.13 Uhr.  Vom Hauptbahnhof bis zum Theater sind es knapp 15 Minuten (900m) zu Fuß.

Nachtrag:
Auch das Theater Osnabrück startet in diesen Tagen neu. Darüber in Kürze mehr in diesem kleinen Blog.

Jennifer von Stephani und Edin Mujkanović
Lingener Frühlingserwachen
Lingen (Ems) – Universitätsplatz
Heute, 1. Juni – 16.30, 18.30 und 20.30

Eintritt frei

Mit dem 2018 gegründeten Duo Jennifer von Stephani (Gesang) und Edin Mujkanović (Gitarre) geht die Konzertreihe Lingener Frühlingserwachen weiter  – jetzt bei allerbestem Frühsommerwetter. Beide präsentieren Cover-Version bekannter Songs.

Jennifer von Stephani studierte an der Universität Kassel Musik auf Lehramt mit dem Hauptfach Gesang. Bereits während ihres Studiums war sie als Leadsängerin in mehreren Bands innerhalb Hessens unterwegs. Seit 2010 lebt sie wieder in  Lingen (Ems) und arbeitet hier als Musiklehrerin.

Der gebürtige Bremer Edin Mujkanović studierte in Osnabrück Musik/Musikwissenschaft und ist seit 2000 als freiberuflicher Musiker tätig. 2013 gewann er den Musikwettbewerb CREOLE Nord. Edin Mujkanović lebt seit 2020 in Lingen und arbeitet  hauptberuflich als Bildungsreferent an der Landesmusikakademie NRW.

Wichtiger Sidestep: Im Café des Professorenhaus können Getränke erworben werden.

(Foto © Stadt Lingen)

Historischer Sieg

29. Mai 2021

Am Mittwoch dieser Woche hat das Langericht in Den Haag im Klimaschutzprozess gegen den Öl-Giganten Shell ein historisches Urteil gesprochen. Zum ersten Mal muss ein Konzern Verantwortung für seine CO2-Emissionen und die Klimakrise übernehmen. Das Gericht gab den Umweltschützer:innen Recht, die geklagt hatten, weil Shell aufgrund umfangreicher Investitionen in fossile Brandstoffe gegen globale Klimaziele verstoße. Der Ölkonzern müsse sich an die im Pariser Klimaschutzabkommen formulierten Klimaschutzziele halten. Konkret bedeutet dies, dass Shell seine CO2-Emissionen bis 2030 um 45 Prozent senken.

Die Klage gegen Shell haben sieben Umweltschutzgruppen u.a. Milieudefensie und Greenpeace sowie 17.300 Bürger:innen erhoben. Grund für die Klage war, dass Shell als größter Umweltverschmutzer der Niederlande mit den Investitionen in den Abbau von fossilen Energieträgern das Recht auf Leben gefährde und damit gegen die Europäische Menschenrechtskonvention verstoße. Zudem sei den Verantwortlichen bei Shell bereits seit 1988 die Gefahr der Treibhausgase bekannt, jedoch habe das Unternehmen keine weitreichenden Konsequenzen gezogen.

Der Öl- und Erdgaskonzern Shell hatte die Forderungen der Kläger:innen zurückgewiesen, da sich das Unternehmen laut eigenen Angaben zum Klimaschutz verpflichtet habe. Doch dem niederländischen Gericht war die im Februar verschärfte Nachhaltigkeitspolitik des Unternehmens nicht konkret genug. Als großer Umweltverschmutzer dürfe Shell seine Pläne zudem nicht von der Geschwindigkeit abhängig machen, in der der Rest der Gesellschaft nachhaltiger wird. Auch das Argument, dass wenn Shell sich vom Verkauf fossiler Brandstoffe zurückziehe andere Unternehmen seinen Platz einnehmen würden, ließ das Gericht nicht gelten, da die anderen Unternehmen ebenfalls zum Klimaschutz verpflichtet seien.

Das Urteil des niederländischen Gerichts zwingt Shell und seine 1.100 Tochterunternehmen, welche in rund siebzig Ländern weltweit aktiv sind, sowie Zulieferer und Endabnehmer sich mehr für den Klimaschutz zu engagieren und die CO2-Emissionen zu verringern. Bis zum Jahre 2030 muss Shell den Ausstoß von Treibhausgasen um 45 Prozent verringern, im Vergleich zum Jahre 2019. Da das Unternehmen gerichtlich zum Klimaschutz verpflichtet wurde, sind die Verpflichtungen auch einklagbar. Jedoch hat Shell auch einen gewissen Spielraum bei der Reduktion der CO2-Emissionen. Das Unternehmen kann von Möglichkeiten der CO2-Kompensation wie das Pflanzen von Bäumen oder das Speichern von CO2 Gebrauch machen, wodurch es weiterhin Öl und Gas fördern könnte.

Mit dem Urteil des Gerichts in Den Haag wurde ein Präzedenzfall geschaffen, da zum ersten Mal ein multinationaler Konzern im Kampf gegen die Klimakrise erfolgreich verklagt wurde. Diese Klage gilt zudem als wegweisend, da zum ersten Mal ein Unternehmen für die zukünftigen Folgen des Klimawandels zur Verantwortung gezogen wird. Damit stehen die Interessen der Gesellschaft und der zukünftigen Generationen stärker im Mittelpunkt. Bisher ging es bei Klimafällen immer um bereits entstandene Schäden.

Beobachter des Prozesses erwarten, dass Umweltorganisationen das historische Urteil nutzen werden, um Ölkonzerne weltweit via Gericht zu mehr Klimaschutz zu zwingen. Wenn weitere Ölkonzerne verurteilt werden, könnte das Urteil aus Den Haag ein frühzeitiges Ende des Ölzeitalters einleiten. Zudem könnte dieses Urteil auch als Weckruf bei den Unternehmen fungieren, sodass diese selbst effektivere Selbstverpflichtungen zum Klimaschutz setzen und diese strenger befolgen.

(Quelle: Niederlande.Net, 27.05.21)