bei Hitze

26. Juli 2019

@moaxislaven fuhr gestern mit dem Zug quer durchs Land: Berlin-Lingen-Düsseldorf. Der Thread über Zugfahren bei Hitze in Deutschland sagt alles über den Zustand dieses Massenverkehrsmittels im Allgemeinen und der Deutschen Bahn im Besonderen nach Mehdorn, vier CSU-Verkehrsministern usw.



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update:

Kannste Dir nicht ausdenken: Deutscher, gardinenbefreiter DB-Intercity-Zug im Sommer 2019…

(Foto: @moaxislaven, privat)

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Sicherheitswahn ohne Sinn und Verstand: Vor dem Deutschen Bundestag in Berlin sollen Burggraben, Mauern, Zäune entstehen: Der Deutsche Bundestag schottet sich ab. Politik und Bevölkerung werden sich noch weiter entfremden. 

Ein Kommentar von  auf netzpolitik.org

Es entsteht unweigerlich der Eindruck, dass der Graben sich auch gegen Proteste der Bürger/innen richtet. Nach jedem Anschlag heißt es, dass wir unser Leben nicht ändern werden. Dass die Terroristen gewinnen würden, wenn wir etwas ändern. Und jedes Mal ändert sich irgendwo etwas. Unser Leben wird anders. Nun also: ein Burggraben vor dem Bundestag.

2,5 Meter tief und 10 Meter breit soll der Ha-Ha werden. Mit Lachen hat das nichts zu tun, so heißt die Schutzkonstruktion wirklich. Die Planer beteuern, dass man den Graben gar nicht sehen würde, dass er die Sicht sogar verschönere. Doch um Sichtachsen und Ästhetik geht es hier nicht.

Denn der Graben und seine leidlich versteckte 2,5 Meter hohe Mauer senden ein fatales Signal: Das Parlament igelt sich ein. Die Politiker schotten sich ab. Die da oben haben Angst. Und zwar auch vor Bürger:innen, die mit diesem Graben ferngehalten werden.

In Zeiten, in denen die Volksparteien an Vertrauen verlieren und Politikerverdrossenheit zum Rechtsruck führt, ist das Wasser auf den Mühlen all jener, die keine Gelegenheit auslassen, den Bundestag zu verunglimpfen und zu diffamieren.

Überhaupt überschattet das Thema Sicherheit mittlerweile alles. Selbst das Besucherzentrum soll eine eigene Schutz- und Sicherheitszone von sage und schreibe 50 Metern bekommen.

Dieser Graben ist ein Sieg der Angstgesellschaft, eine Kapitulation vor Terroristen und das Gegenteil von Bürgernähe.

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En Kommentar von  netzpolitk.org Lizenz Creative Commons BY-NC-SA 4.0.
Bild: Reichstagsgebäude (noch ohne Burggraben) – Rechte: Deutscher Bundestag  / Lichtblick/Achim Melde

Heute vor 50 Jahren, in der Nacht vom 27. Juni auf den 28. Juni 1969, entbrannte rund um das Stonewall Inn, eine Schwulenbar an der Christopher Street in New York, eine Straßenschlacht, die als die Stonewall Riots in die Geschichte einging. Sie markierte den Beginn der Emanzipation queerer Menschen, seien sie schwul, lesbisch, bi oder trans. Als die Polizei an jenem Abend anrückte, um Gäste des „Stonewall Inn“ festzunehmen, wehrten die sich erstmals und schlugen diese zurück. Sechs Tage lang gab es anschließend in New York Straßenschlachten.

Was bedeutet Stonewall für die LGBTIQ+ Community heute in einer Zeit, in der selbst im ehemals stockkatholischen Irland der Premierminister schwul und die Ehe für alle erlaubt ist. Vieles hat sich seit dem Aufstand von 1969 getan, zum Beispiel waren die Bürgermeister von Berlin und Paris offen schwul und fanden es gut so. Im Gegensatz dazu wurde erst kürzlich im reichen Brunei die Steinigung von Lesben und Schwulen wieder gesetzlich verfügt. Anlässlich des 50. Jahrestages der gewalttätigen Unruhen in der New Yorker Christopher Street reden in einem arte-Dokumentarfilm Künstler, Intellektuelle und Politiker darüber, was dieser Aufbruch für sie bedeutet hat und noch bedeutet. Klickt auf die Grafik.

https://www.arte.tv/de/videos/083940-000-A/50-jahre-nach-stonewall/

 

 

re:publica ’19

28. April 2019

Europas größte Konferenz rund um Digitalisierung und Internet findet vom 6. bis 8. Mai 2019 in Berlin statt und wir können uns auf ein umfangreiches und vielfältiges Programm freuen. Für alle netzpolitisch Interessierten möchten wir hier noch einmal einen strukturierten Überblick über das Programm rund um unsere Themen geben.

Die re:publica, schreibt Markus Beckedahl auf netzpolitik.org, „ist mal 2007 als eine Art Nebenprojekt zu diesem Blog gestartet und seitdem gestalte ich jedes Jahr das Programm mit. Insgesamt erwartet die re:publica 2019 über 1000 Sprecher:innen in über 600 Sessions auf 500 Stunden Gesamtprogrammzeit. Und ein großer Teil davon behandelt Themen, die hier auch stattfinden oder stattfinden könnten. Deswegen geben wir hier noch einmal einen gesonderten Programmüberblick rund um netzpolitische Themen.“ Das Besondere in diesem Jahr ist zweifellos die Eröffnung der Digitalkonferenz. Kein Geringerer als Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier eröffnet die viertägige Zusammenkunft. Wow!

Hier ist eine kleine Auswahl der Höhepunkte dieser re:publica 2019:

Mit netzpolitischen Beiträgen sind dieses Jahr unter anderem dabei: Frank-Walter Steinmeier, Sibylle Berg, Cory Doctorow, Francesca Bria, Frank Rieger, Kirsten Fiedler, Alexis Hope, Eben Moglen, Jeanette Hofmann, Mark Surman, Sarah Spiekermann, Andreas Mundt, Katarzyna Szymielewicz, Ulf Buermeyer, Alex Rosenblat, Audrey Tang, Sascha Lobo, Katharina Nocun, Peter Parycek, Julia Kloiber, Alexander Gerst und Frederike Kaltheuner.

Es gibt noch Tickets, alternativ kann man auch als „helping hand“ mitmachen und dafür kostenlosen Eintritt erhalten. Das Programm auf den meisten Bühnen wird aufgezeichnet und im Anschluss online gestellt.

Wenn Euch interessiert, an welchen Talks und Diskussionen das erweiterte Redaktionsteam von netzpolitik.org teilnimmt: Dazu kommt noch ein eigener Artikel in den kommenden Tagen.

Markus Beckedahl: „Wir haben die netzpolitischen Talks und Debatten grob sortiert. Uns ist bewusst, dass die Einordnung in verschiedene Themenfelder in einigen Fällen zu Überschneidungen führen könnte. Auch haben wir sicherlich einzelne Talks übersehen, das Programm ist insgesamt viel umfangreicher.“

„Allgemeine Netzpolitik“: Hier gibt es einen Überblick über Sessions zu recht allgemeinen Themen der Netzpolitik und denjenigen, die nicht in die anderen Kategorien passten.

„Digitale Öffentlichkeit“: Hier sind Talks und Diskussionen rund um Medienwandel, Öffentlichkeit und und Plattformen zusammengefasst. Das Highlight ist hier definitiv das Gespräch unseres EU-Korrespondenten Alexander Fanta mit der EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager.

„Künstliche Intelligenz“ gibt einen Überblick über das Programm zu Künstlicher Intelligenz und Algorithmischen Entscheidungssystemen.

„Urheberrecht“: Natürlich ist auf der re:publica auch die EU-Urheberrechtsreform und einer Wissenspolitik traditionell ein Thema. Hier gibt es u.a. ein Gespräch zwischen dem EU-Abgeordneten Axel Voss und mir zur Urheberrechtsreform.

„Datenschutz und Datennutzung“: Gibt einen Überblick zu den Talks und Diskussionen, die sich etwa mit den Datenschutz, Privatsphäre, aber auch Datennutzen beschäftigen.

Mehr und weiter…

Eierlikör

25. April 2019

Apropos Alkoholika, über die ich vorgestern schon -aus Gründen und etwas aufstöhnend -geschrieben habe. Der Berliner Tagesspiegel schrieb zu Ostern über drei junge Berliner und ihren Plan für Eierlikör. Als Kinder kosteten sie, wenn die Omas Eierlikör machten. Jetzt fragten sie: Kann man den Geschmack zurückzuholen? Es gelang. Das veränderte wohl ihr Leben:.

Denn unter dem Einfluss verschiedener Alkoholika hatten die drei Freunde im Sommer 2017 über Getränke ohne Zukunft nachgedacht. Über Flüssigkeiten, denen absolut und unter keinen Umständen mehr zu helfen ist. Platz eins belegte unangefochten der Eierlikör im Waffelbecher. Passt zum neunzigsten Geburtstag, dann am besten in Schokoladenzahlen oben auf der Torte, aber auch das nur bei Großmüttern. Kein Widerspruch. Keine Gegenstimme.

So begann die Entstehung von Rübbelberg und dieser neue Eierlikör könnte tatsächlich eine Erfolgsgeschichte werden. Lest mal nach. Hier.

Heute ist Internationaler Frauentag. Auf den Weg gebracht hat ihn 1910 die große deutsche Sozialistin Clara Zetkin. Hier einige Inspirationen des Tages, den die Nazis verboten haben und der heute ein gesetzlicher Feiertag ist – zumindest zum ersten Mal in Berlin [und schon länger in Angola, Armenien, Aserbaidschan, Burkina Faso, Eritrea, Georgien, Guinea-Bissau, Kasachstan, Kambodscha, Kirgisistan, Kuba,Laos, Madagaskar, Moldau, in der Mongolei, in Nordkorea, Nepal, Russland, Sambia, Tadschikistan, Turkmenistan, Uganda, in der Ukraine, in Usbekistan, Vietnam und Weißrussland. In der Volksrepublik China ist jedenfalls der Nachmittag frei für Frauen…] Hier aktuelle Botschaften zum 8. März

Kay One

30. Januar 2019

Die Pommesschmiede McDonald’s hat Rapper Kay One engagiert –  für einen Tag als Mitarbeiter. Der empfing die Kunden – wie sollte es auch anders rein – mit einem auf den Burger-Riesen abgestimmten Rap-Song, in dem er Abläufe und Services in dem Fast-Food-Restaurant erklärt. Seit der Veröffentlichung am 11. Dezember zählt das Video bis heute rund  1,8 Millionen Aufrufe.

Sag mal, liebe Leserschaft, war der Berliner Rapper noch vor Bushido und Support nich ins emsland geflüchtet? Wie war das noch? Ich frage für einen Freund und der will auch wissen, wo der Spot gedreht wurde. Wer hilft?

gegen Menschenhass

26. Dezember 2018

In Papenburg  aufgewachsen, wurde Oliver Polak in der norddeutschen Provinz sozialisiert. Der Komiker hat ein Buch „Gegen Judenhass“ geschrieben. Im taz Interview spricht er darüber, Gespräche am Tisch der Eltern und selbstreferenziellen Humor.

taz: Oliver Polak, Sie sind der erste Jogginghosenträger, der bei Suhrkamp ein Buch veröffentlicht. Wie fühlt sich das an?

Oliver Polak: Auf jeden Fall interessant, wo immer ich mein Buch präsentiere, fällt die Rede darauf, dass ich Jogginghosenträger bin. Ich bin auch der Erste, der in Adiletten für Suhrkamp präsentiert. Manchmal werde ich deshalb schräg angeguckt.

Ist die Jogginghose Ihre Arbeitsuniform?

Jogginghosen trage ich schon, seit ich 20 bin. Sie sind bequem. In Kreuzberg stößt das noch auf Verwunderung, wenn ich in New York unterwegs bin, stört das niemanden. Es gibt übrigens Jogginghosen von Gucci, die kosten 800 Euro.

Was kostet Ihre?

Ich bevorzuge Modelle der Marke Adidas, die kosten zwischen 80 und 150 Euro.

Früher teilte man Westdeutschland in Puma und Adidas. Warum Adidas?

Ich war nie Puma, ich war immer Adidas. Was Hosen angeht und Sweatshirts, immer Adidas. Bei Sneakern schwöre ich auf Nike.

Geha oder Pelikan-Füller?

Geha! Gegenfrage: Was wäre das Pendant zum Steiff-Tier?

Da muss ich passen.

Asoziales Stofftier.

Sie sind im niedersächsischen Papenburg aufgewachsen. Welche Ereignisse sind da für Sie prägend gewesen?

Mein Vater war passionierter Zirkus-Fan, auch für mich war der Zirkus ein wichtiger Ort. Papenburg ist ziemlich trist, aber im Zirkus fühlte ich mich wohl. Ansonsten kann ich schon sagen, dass ich ein Kind der Popkultur bin. Sie war Zufluchtsort. Als Neunjähriger sah ich Udo Jürgens in der Weser-Ems-Halle. Das erste Konzert, das ich selbst ausgewählt habe, war ein Auftritt von Erste Allgemeine Verunsicherung….

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Polaks Buch ist ein alarmierender Appell gegen Menschenhass und den erstarkenden Antisemitismus in Deutschland.

»Wenn du heute wieder nicht lustig bist, landest du im Aschenbecher!«
»Mein Vater ist auch im KZ gestorben, besoffen vom Wachturm gekippt.«
»Musst du nicht weg? Der letzte Zug nach Auschwitz fährt doch gleich.«
»Juden wollen immer Mitleid!«

Das sind nur ein paar der Sätze, die Oliver Polak tagtäglich in Deutschland zu hören bekommt. Andere Menschen werden auf offener Straße angegriffen, weil sie eine Kippa tragen. Jüdische Schüler werden beschimpft. Antisemitische Rapper hingegen bekommen Preise. Einem jüdischen Restaurantbesitzer wird seine bloße Anwesenheit vorgeworfen: »Wir wollen euch hier nicht in Deutschland.« »Euch«, das meint die Juden. All das zeigt: Deutschland hat ein Problem mit ihnen und denen, die mit jüdischen Menschen ein Problem haben. In eindringlichen Worten appelliert Oliver Polak für eine klare Haltung: Wenn wir eine liberale Gesellschaft sein wollen, müssen wir uns endgültig von unseren Ressentiments befreien!

Oliver Polak
Gegen Judenhass
suhrkamp taschenbuch 4984, Taschenbuch, 127 Seiten
ISBN: 978-3-518-46984-2

8,00 Euro


Oliver Polak ist in Papenburg aufgewachsen. Nach seinem Abitur in England lebt der Stand-up-Comedian, Kolumnist und Autor seit 15 Jahren in Berlin . Seit 2015 ist er in der TV-Reihe »Das Lachen der anderen« zu sehen, für die er 2017 mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet wurde. Polaks Late-Night-Show »Applaus und raus« (2016) erhielt den Grimme-Preis. Gemeinsam mit Micky Beisenherz produziert er seit November 2017 den erfolgreichen wöchentlichen Podcast »Juwelen im Morast der Langeweile« bei Audible. 2008 und 2014 erschienen seine beiden Bestseller Ich darf das, ich bin Jude und Der jüdische Patient. Seine neue Show, mit der er ab dem Frühjahr auf Tour geht, heißt »Der Endgegner«.

(Quellen taz, Suhrkamp-Verlag)

Armin Langer
„Wer gehört zu Deutschland?“

Lingen (Ems) – Kunst-/Halle IV, Kaiserstr. 10a
Mittwoch 17. Oktober 2018 – 19.30 Uhr
Eintritt frei

Ein Lehrhausgespräch des Forum Juden-Christen in Kooperation mit dem Kunstverein Lingen.

Der Philosoph und jüdische Theologe Armin Langer greift in seinem Vortrag die aktuelle gesellschaftliche und politische Debatte in Deutschland auf. Armin Langer lebt in Berlin. Er hat Philosophie und Theologie in Budapest, Jerusalem und Potsdam studiert und ist Autor des Buchs „Ein Jude in Neukölln – mein Weg zum Miteinander der Religionen“ sowie Herausgeber und Co-Autor des soeben erschienenen Sammelbands „Fremdgemacht & Reorientiert – jüdisch-muslimische Verflechtungen“. Er ist gleichermaßen Kenner und Aktivist im jüdisch-muslimischen interreligiösen und interkulturellen Dialog und darüber hinaus. In Neukölln war er Mitbegründer der Salaam-Schalom-Initiative – ein Bündnis von Juden und Muslimen.

Man darf ausgesprochen neugierig auf diesen Abend in der Kunsthalle sein.

Leonard Bernstein 100

25. August 2018

Heute vor 100 wurde der Komponist, Dirigent und Pianist Leonard Bernstein geboren. Daran will ich erinnern. Hier das heutige doodle.

Und natürlich die Aufzeichnung dieses einzigartigen Konzerts im nicht mehr geteilten Berlin, Weihnachten 1989. Für die Feierlichkeiten anlässlich des Falls der Berliner Mauer ließ Bernstein im vierten Satz von Beethovens 9. Sinfonie Freiheit statt Freude singen. Damit machte er aus der Ode an die Freude eine Ode an die Freiheit. „Ich bin sicher, Beethoven würde uns zustimmen“, so Bernstein.  Das Konzert wurde in über 20 Ländern im Fernsehen übertragen und sein Biograph Humphrey Burton kommentierte für CBS, die ganze Welt beobachte die Euphorie Berlins und Bernstein stelle als amerikanischer Jude das Herz der Feierlichkeiten dar. Bernstein selbst sagte dazu, dass er an diesem Abend einen historischen Moment erlebt habe, der unvergleichbar sei gegenüber anderen Erlebnissen seines langen, langen Lebens. Keine 10 Monate später war er gestorben. Sein Grab befindet sich auf dem Green-Wood Cemetery in Brooklyn, New York City.

(Quelle)