In diesem Sommer zieht die diesjährige europäische Kulturhauptstadt Leeuwarden im niederländischen Friesland, von Lingen(Ems) kein i90 Minuten Autofahrt entfernt ist, natürlich besonders viele Besucher an. Am kommenden Wochenende steht ein weiterer Höhepunkt auf dem kulturellen Programm: Das weltberühmte, französische Theaterensemble Royal de Luxe wird am Freitag mit drei meterhohen Marionetten die Straßen der Kulturhauptstadt erobern und bis Sonntag in der Stadt gastieren. Für dieses Theaterspektakel werden 400.000 Besucher erwartet.

Leeuwarden konnte 2013 zusammen mit Friesland die europäische Jury überzeugen und holte sich den Titel „Kulturhauptstadt Europas 2018“. Vor allem das friesische Thema „iepen mienskip“, das auf  Deutsch „offene Gemeinschaft“ bedeutet, konnte überzeugen. Ein zentraler Punkt der „iepen mienskip“ ist das gemeinsame, „von unten ausgehende“ Arbeiten an einer besseren Welt. Außerdem sollen die Veranstaltungen etwas Bleibendes schaffen und den Denk- und Lebensweisen der Menschen einen neuen Impuls geben.

Vorab hatte die Stadt mit ungefähr vier Millionen Besuchen (nicht Besuchern) und 1,4 Millionen Übernachtungen für das Kulturhauptstadtjahr gerechnet. Nach einem halben Jahr zeichnet sich ab, dass die Schätzungen zutreffen könnten. Vor zwei Wochen besuchten mehr als 300.000 Menschen das nautische Event The Tall Ship Races in Harlingen. Im Friesischen Museum knackte die Escher-Ausstellung, die noch bis zum 28. Oktober läuft, bereits die 100.000-Besucher-Marke. Die Mata Hari-Ausstellung wurde schon 90.000 Mal besucht. Durchschnittlich geben die Besucher 47 Euro pro Person aus, was deutlich mehr ist, als die zuvor geschätzten 19,50 Euro.

Am kommenden Wochenende wird also der nächste Publikumsmagnet erwartet: das Straßenensemble Royal de Luxe. Das Ensemble wurde in den siebziger Jahren gegründet und suchte sich die Straße als Bühne aus, da es einfacher sei, das Publikum auf der Straße zu erreichen, als es in einen dunklen Saal zu bewegen. Für das Ensemble ist es sehr wichtig, dass möglichst viele Menschen erreicht werden – auch die Menschen der Vororte. Diese Idee passt natürlich gut zum Motto „offene Gemeinschaft“ der Kulturhauptstadt 2018. Um dieses Ideal umsetzen zu können, hat das Ensemble einige Forderungen gestellt. Die Vorführungen dürfen nicht von Sperrzäunen umgeben sein und es sollen möglichst wenig Polizisten zu sehen sein – denn die würden den Zuschauern nur die Sicht auf das Schauspiel nehmen.

Nach Leeuwarden bringt Royal de Luxe drei riesige Marionetten mit. Am Freitag sollen in Bahnhofsnähe das „kleine Riesenmädchen“ und ein Hund namens Xolo erwachen, das Mädchen ist 5,5 und der Hund 3 Meter groß. An der Westerkade soll der 11 Meter große „Taucher“ aus dem Wasser gezogen werden. Das ganze Wochenende über werden die drei Marionetten durch die Stadt bewegt – dafür sind mehrere Fahrzeugkräne und 120 herumspringende und an Seilen ziehende, in rot gekleidete „Liliputaner“ nötig, die von Figuren aus dem Buch Gullivers Reisen inspiriert wurden. Die Riesen werden am Wochenende alles machen, was normale Menschen tagsüber auch machen, sie werden spazieren, sich duschen, essen und schlafen – und dabei kann man ihnen die ganze Zeit über zusehen.

Der Gründer und Regisseur von Royal de Luxe, Jean-Luc Courcoult, entscheidet darüber, welche Städte von seinen Riesen bereist werden. So waren die Marionetten in den letzten Jahren beispielsweise in Liverpool, Antwerpen und Berlin zu bestaunen. Leeuwardenbesuchte Courcoult zum ersten Mal 2015, um sich einen Überblick über die Möglichkeiten der Stadt zu verschaffen. Für die märchenhaften Aufführungen in den Städten werden oftmals Elemente aus der lokalen Geschichte aufgegriffen. In Leeuwarden beeindruckte Courcoult vor allem der Kampf der Friesen gegen das Wasser, weshalb das Thema vom Theaterensemble für das Programm aufgenommen wurde. Zusätzlich bilden die engen Gassen in Leeuwarden eine echte Herausforderung für das Ensemble, es sind die schmalsten Straßen, die sie je bespielt haben. Der Effekt der riesenhaften Marionetten dürfte hier allerdings besonders gut zur Geltung kommen.

Der Auftritt des Royal de Luxe wird die Stadt ungefähr 3,5 Millionen Euro kosten. Siebzig Prozent des Betrags landen allerdings wieder in der friesischen Ökonomie, so die Organisatoren, da friesische Fahrzeugkräne verwendet werden und natürlich Geld durch Hotelübernachtungen eingenommen wird. Zusätzlich rechnet die Stadt mit weiteren Ausgaben der Besucher innerhalb der Stadt und der Umgebung. Der Belgier Patrick de Grote hat schon viele Auftritte der Riesen in Antwerpen organisiert und analysiert. Die riesigen Marionetten seien nicht nur finanziell eine gute Investition, sondern vor allem im Hinblick auf die vielen Menschen, die mit einem Auftritt erreicht würden. Das Publikum sei von den Riesen stets beeindruckt – und zwar so sehr, dass viele Passanten nachts vor den Riesen stehen würden, um ihnen beim Schlafen zuzusehen.

 

Gefunden bei/ ein Beitrag von NiederlandeNet.

Gutbetuchte

26. Juli 2018

Heute ist eine LWT-Veranstaltung, die 38 € pro Person kostet. Sie ist damit natürlich viel zu teuer. Darauf weise ich in der Hoffnung hin, dass die nächste Auflage bezahlbar wird. Der/die/das öffentlich-rechtlich strukturierte LWT hat nämlich nicht die Aufgabe, Projekte für Gutbetuchte zu organisieren. Angepriesen wird durchs LWT: 

„Die „Fiets4Daagse“ sind das Radfahr-Event in den Niederlanden. Dazu bietet  Lingen Wirtschaft + Tourismus GmbH am Donnerstag, 26. Juli 2018 eine kombinierte Bus-Radtour an.

Mit dem Fahrradbus geht es morgens von Lingen nach Emmen (NL). Dort beginnt nach einem Begrüßungskaffee eine etwa 40 Kilometer lange Radtour durch die „magische Region Drenthe“. In der Ankündigung schwelgen geradezu die Begrifflichkeiten:  „Die idyllischen Dörfer begeistern die Radfahrer mit den charakteristischen Bauernhöfen und natürlich den historischen Windmühlen. Die Radtour endet wieder in Emmen, wo es zu originalem Drentse Krentenwegge Kaffee/Tee gibt. Anschließend findet die Rückreise nach Lingen wieder mit dem Bus statt.“

„Im Preis von 39,95 € pro Person ist die Busfahrt inkl. Radtransfer, die Startgebühr, sowie Verpflegung enthalten. Die Anzahl der Teilnehmer ist auf 40 Personen begrenzt.“ Also eine durchaus spannende Sache in und um Emmen.

Aber der Ausflug ist zweifellos viel zu teuer. Man stelle sich nur vor, eine Familie mit zwei Kindern möchte teilnehmen. Wie es preiswerter werden kann? Zuschüsse akquirieren und Sponsoring, wäre der naheliegende Gedanke.

FahrRad

16. Juli 2018

Der inhaltliche Stilstand in der kommunalen Politik unserer Stadt ist atemberaubend. Jetzt will die CDU die Öffnungszeiten der städtischen Parkhäuser verlängern. Wieder einmal kein Wort über das Radfahren. Fortschrittliche, nachhaltige Politik geht anders.  Hier ein Bericht auf Niederlande.Net über die Anstrengungen im Nachbarland.“

Die Niederlande sind als Fahrradland bekannt. Nun will NL-Staatssekretärin Stientje van Veldhoven in dieser Legislaturperiode erreichen, dass rund 200.000 Pendler nicht länger mit dem Auto, sondern mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren. Dabei liegt die durchschnittliche Distanz, die gependelt wird, zwischen 15 und 35 Kilometer. Wie will Staatssekretärin Van Veldhoven diese Anzahl an Pendlern dazu bringen, zukünftig mit dem Fahrrad zu fahren?

Im Koalitionsvertrag der niederländischen Regierungskoalition werden Van Veldhoven 100 Millionen Euro zugeteilt, die sie zu diesem Zweck einsetzen kann. Mit diesem Betrag will die Regierung Projekte unterstützen, die dafür sorgen sollen, dass mehr Arbeitnehmer mit dem Fahrrad pendeln. Bis zu 40 Prozent der Projektkosten sollen dabei von der niederländischen Regierung übernommen werden.

Allerdings hat das Auto besonders bei längeren Arbeitswegen einen Vorteil: Es ist schneller. Darum will van Veldhoven die bestehenden Fahrradwege kritisch analysieren und Möglichkeiten entwickeln, verzögernde Effekte zu reduzieren. Zu diesen zählen unter anderem unübersichtliche Kreuzungen, schlecht geschaltete Ampeln oder unsinnige Wegeführung.  So berichteten regionale Medien im letzten Jahr beispielsweise über eine Ampel in Enschede, an der Radfahrer oft sinnlos lang warten müssen.

Auch soll die Verbindung zwischen Öffentlichen Verkehrsmitteln und Fahrradfahren verbessert werden. Oft werden sogenannte Fahrradstationen an Bahnhöfen durch alte Fahrräder blockiert, die kaum öfter als ein oder zweimal in der Woche gebraucht werden. Durch eine sichere Abstellmöglichkeit für Fahrräder soll erreicht werden, dann Pendler auch mit ihren „normalen“ Fahrrädern zum Bahnhof fahren und nicht nur mit alten, kaputten Rädern, bei denen ein Diebstahl nicht schlimm wäre.

Darüber hinaus sollen Pendler einen Stoß in die richtige Richtung bekommen, in dem Erkenntnisse aus der Verhaltenspsychologie angewandt werden. Falls jemand bereits seit Jahren jeden Morgen mit dem Auto dieselbe Route zur Arbeit fährt, dann ist ein solches Verhalten schwer zu durchbrechen. Hier wiegt die Gewöhnung des Pendlers schwerer als andere Faktoren. Vor allem Menschen, die ihre Arbeitsstelle wechseln und eine neue Stelle anfangen, sollen daher dazu bewegt werden, mehr mit dem Fahrrad zu fahren. Es fällt leichter, sein Verhalten zu ändern, wenn man sowieso gezwungen ist, Teile seiner alten Routine zu durchbrechen.

Eine weitere Taktik, mit der Pendler dazu bewegt werden könnten, ihr Verhalten zu ändern, ist das Aufzeigen von Vorteilen, die das Fahrradfahren mit sich bringt. So reduziert Bewegung Stress und führt zu einer Abnahme der Krankentage. Das Unternehmen Douwe Egberts, das für seinen Kaffee bekannt ist, hat sogar Arbeitnehmern, die näher als 7.5 km an ihrem Arbeitsplatz in Utrecht wohnen, verboten, ihr Auto auf dem Firmengelände zu parken. Dadurch sollen mehr Arbeitnehmer stimuliert werden, mit dem Fahrrad zu kommen.

Auch der zunehmende Gebrauch von sogenannten E-Bikes kann die Zahl der Autopendler reduzieren.  So bekommen Mitarbeiter der Uniklinik Groningen bis zu 25 Prozent Rabatt beim Kauf eines E-Bikes. Auch stehen auf den Fahrradparkplätzen Ladestationen für E-Bikes zur Verfügung. Rund die Hälfte des Krankenhauspersonals kommt bereits mit dem Rad zur Arbeit, obwohl sie rund 20 km pendeln müssen.

Gegen den häufigen Regen während des Fahrradfahrens schützt übrigens ein von einem südniederländischen Unternehmen hergestellter Regenschirm, der fest auf E-Bikes montiert werden kann und laut dem Fietsersbond (deutsch „Fahrradverband“), der den Schirm bereits 2013 testete, sehr gut gegen Regen schützt.“

Aber wir wissen gemeinsam, dass Lingen zwar mal Teil der Niederlande war, aber seit 1702 nicht mehr ist. Trotzdem wäre es doch schön, endlich zu handeln und nicht nur unter Absingen von eigenkomponirten Lobeshymnen Konzepte zu beschließen aber dann untätig zu bleiben. Geld gäbe es ohne Ende:

So bekommen die deutschen Kommunen erneut Geld für ihre Maßnahmen für den Klimaschutz, berichtet das Deutsche Institut für Urbanistik

Seit dem 1. Juli und noch bis zum 30. September 2018 können Kommmunen, gemeinnützige Sportvereine, kommunale Unternehmen und andere lokal Aktive Fördergelder beantragen, um Klimaschutzprojekte umzusetzen. Gefördert werden beispielsweise strategische und investive Maßnahmen, wie der Austausch von herkömmlichen in LED-Leuchten oder die Schaffung von Radwegen.

Ermöglicht wird dies durch die Kommunalrichtlinie des Bundesumweltministeriums und die Nationale Klimaschutzinitiative.

Mit welchen Maßnamen hat sich da wohl die Stadt Lingen beworben?

Raten Sie mal!

Grenzüberschreitend

28. Juni 2018

Das neue, grenzüberschreitende Projekt taNDem des INTERREG A Projekts „Kunstverbinding – Kunstverbindung“ findet im Jahr 2018 erstmalig statt und soll auch in den zwei folgenden Jahren durchgeführt werden. Das Kunstprojekt soll Künstler aus den Grenzregionen Nordrhein-Westfalen, Niedersachen, Gelderland und Overijssel zusammenführen und dazu beitragen, ein nachhaltiges deutsch-niederländisches Künstlernetzwerk aufzubauen.

Jedes Jahr soll ein Barcamp stattfinden, in dem sich niederländische und deutsche Künstler zusammenfinden, um Tandems zu bilden und gemeinsame Projekte zu entwickeln. Johan Godschalk von Cultuurmij Oost und Andre Sebastian vom Münsterland e.V. bilden das Tandem der inhaltlichen Projektleitung. Godschalk sieht in der Kunst und der Kultur „perfekte Brückenbauer, um Menschen über die Grenze hinweg miteinander zu verbinden“.

Das erste grenzüberschreitende Kunst- und Kulturbarcamp fand im vergangenen April im Kloster Bentlage in Rheine statt. Ungefähr 130 deutsche und niederländische Künstler haben teilgenommen, um mögliche Projektpartner aus dem Nachbarland zu finden und Tandems bilden zu können. Bei einem Barcamp gestalten die Teilnehmer das Programm selbst, es sei eine neue Art der Begegnung, so Andre Sebastian. Lediglich das Thema und der Veranstaltungsort seien von den Organisatoren festgelegt worden. Während des Barcamps fanden mehrere Sessions statt, bei denen die Teilnehmer Projektideen präsentieren oder zur Diskussion stellen konnten.

Die Überschrift des diesjährigen Themas lautet „Sehnsuchtsort Heimat – Wo fühle ich mich zuhause?“. Mögliche Themengebiete sind hierbei Migration und Flucht, doch die Künstler können selbst entscheiden, ob sie diese Themenideen aufgreifen möchten, oder sich einem anderen Aspekt des Themas Heimat widmen möchten. Im Jahr 2019 soll das Projekt unter dem Motto „Energie“ durchgeführt werden, im Jahr 2020  wird das Thema „Paradies“ lauten.

Nach dem Barcamp konnten die Künstler auf der Homepage des Projektes einen Projektantrag stellen. Hierbei mussten das Tandem festgelegt und die Projektidee beschrieben werden. Auch Künstler, die nicht am Barcamp teilgenommen hatten, konnten einen Projektantrag stellen. Die Tandems können eine maximale Förderung von 15.000 Euro für ihr Projekt erhalten. 36 Projektanträge wurden bis zur Deadline im Mai eingereicht. Am 13. Juni hat eine unabhängige Expertengruppe getagt und 15 Projekte ausgewählt, die eine Förderung erhalten. Zu den ausgewählten Projekten gehören ein Literatur-Karaoke-Taxi, Klangkunst jenseits der Grenze sowie Straßeninterviews und Workshops, die zu „Heimatfilmen“ verdichtet werden und eine multimediale Aufführung einer „Regionsoper“.

Weitere Informationen finden Sie unter www.tandemkunst.eu.
An dem Projekt taNDem beteiligen sich die EUREGIO, Cultuurmij Oost, Münsterland e.V., Emsländische Landschaft e.V., die Stadt Osnabrück, der Landkreis Osnabrück und die Provinzen Gelderland und Overijssel.

 

Quelle: NiederlandeNet.

Amsterdam

22. Juni 2018

Die Belästigungen durch feiernde Touristen nehmen in der Amsterdamer Innenstadt immer weiter zu, berichtet Niederlande.Net. Vor allem die Bewohner der Innenstadt leiden unter dem schlechten Benehmen der feierwütigen Touristen: Mit in der Öffentlichkeit urinierenden Männern, Betrunkenen, Müll und Lärm werden die Anwohner täglich konfrontiert. Jetzt soll eine Kampagne gegen „rüpelhaftes“ Benehmen zu einem besseren Verhalten der Touristen führen.

2016 rief die Stadt unter der Leitung des damaligen Bürgermeisters van der Laan die sogenannte Innenstadt-Offensive ins Leben. Es wurde mehr Polizei eingesetzt, um die Stadt wieder lebenswerter zu machen. Zwischenberichte der Gemeinde zeigen auf, dass die Straßenkriminalität wie beispielsweise Taschendiebstahl und der Drogenhandel seitdem zurückgegangen sind. Dafür würden mittlerweile allerdings mehr Beschwerden über Lärmbelästigung und Ähnliches bei der Gemeinde eingehen. Schon allein im Gebiet De Wallen sind 2017 im letzten Quartal 581 Meldungen bei der Gemeinde und der Polizei eingegangen. 2016 sind im gleichen Zeitraum nur 325 Meldungen eingegangen.

Vor kurzem wurde eine neue Kampagne von Amsterdam Marketing gestartet, die dem rüpelhaften Benehmen der Touristen entgegenwirken soll. Die Aktion richtet sich vor allem an junge Männer im Alter zwischen 18 und 34 Jahren aus England und den Niederlanden, die sich für Kneipenabende und Junggesellenabschiede in Amsterdam aufhalten. Sie bleiben meist nur ein paar Tage, übernachten in günstigen Unterkünften und geben ihr Geld für Drogen aus. Den Innenstadtbewohnern und den Geschäftsinhabern in den Innenstadtbezirken zufolge sorgen diese Gruppen für die zunehmenden Belästigungen.

Die neue Stadtverwaltung will für das bestehende Problem in den nächsten Jahren auf jeden Fall mehr Geld ausgeben. Während es im Jahr 2018 noch 9 Millionen Euro sind, die zur Verfügung stehen, sollen es 2021 25 Millionen Euro sein. Ob die neue Kampagne wirklich zu einem besseren Benehmen der Touristen führt, ist noch nicht absehbar. Amsterdam Marketing ist sich darüber im Klaren, dass dafür viel Zeit, Geld und ein langer Atem nötig sind.

Feiernde Touristen? Hier Live-Bilder von den feiernden Einheimischen in Amsterdam – verstehste?!:

andere Prioritäten

8. Juni 2018

Um zukünftig mit dem Flugverkehr konkurrieren zu können, will die Nederlandse Spoorwegen (NS, deutsch „Niederländische Eisenbahn“) ein Netzwerk von internationalen Zügen, die die europäischen Hauptstädte miteinander verbinden. Als erstes will sich NS daher auf den Ausbau der Anbindungen an Brüssel, Paris und London konzentrieren. Und auf eine schnellere Bahnverbindung zwischen Amsterdam und Berlin. Deutschland aber hat andere Prioritäten. Zum Beispiel eine ökologisch fragwürdige A33 um Osnabrück und die unwirtschaftlichste Autobahn der Republik: die Hasetalautobahn für 1 Milliarde Euro.

In den Niederlanden wird zurzeit über die Zukunft von Zugreisen diskutiert. Diese sind im Gegensatz zu Flugreisen deutlich umweltfreundlicher. Darüber hinaus ist die Kapazität des größten niederländischen Flughafens Schiphol bald ausgereizt. Das mit Anwohnern vereinbarte Limit von 500.000 Flügen pro Jahr wird 2020 erreicht sein, wodurch Schiphol nicht weiter wachsen kann. Die Anzahl von 224 Flügen, die zurzeit täglich von Schiphol starten, könnte durch ein ausgebautes Eisenbahnnetz auf bis zu 59 Flügen reduziert werden, da Eisenbahnverbindungen bis zu einer Entfernung von 750 Kilometern eine gute Alternative zu Flugreisen darstellen können. Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass Reisende schnell umsteigen und Hochgeschwindigkeitsstrecken nutzen können. In Paris und London ist das bereits möglich, aber der Anschluss des Eisenbahnnetzwerkes an Aachen, Köln und Düsseldorf ist noch nicht geregelt.

Auch Staatssekretärin Stientje van Veldhoven (D66) wünscht sich mehr grenzüberschreitenden Bahnverkehr nach Deutschland, aber dafür ist sie auch auf die Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur angewiesen. Auf deutscher Seite seien dafür Investitionen in Millionenhöhe nötig um die vorhandenen „Bummelzüge“ zu Intercityverbindungen auszubauen, so z. B. zwischen Groningen und Hamburg oder Eindhoven und Düsseldorf.

Laut dem NRC Handelsblad bekommen die Niederlande allerdings kaum Unterstützung vom deutschen Ministerium. Das sei aber auch nicht verwunderlich, da die niederländischen Ideen eines ausgebauten Eisenbahnnetzes zwischen den beiden Ländern mit circa 2.500 anderen Eisenbahnprojekten des sogenannten Bundesverkehrswegeplans konkurrieren müssen. Und die Niederlande sind in diesem Kräftefeld ein vergleichsweise kleiner Mitspieler.

Dabei gibt es verschiedene Bahnstrecken zwischen den Niederlanden und Deutschland, die potentiell ausgebaut werden könnten. Die Provinz Groningen im Norden der Niederlande will beispielsweise eine direkte Verbindung zu Hamburg, die dann wiederum nach Kopenhagen weitergeführt werden soll. Für diese Idee hat die Gemeinde auch ungefähr ein Budget von 60 Millionen Euro, die zur Verfügung gestellt werden können. Aber bislang ist selbst die bestehende Verbindung nach Deutschland durch die beschädigte Friesenbrücke unterbrochen, die über die Ems führt. Deutschland hat zugesagt, eine neue Eisenbahnbrücke zu bauen und die alte Brücke zu ersetzen. Die soll 2024 fertig sein. Bislang haben die Bauarbeiten allerdings noch nicht begonnen.

Auch innerhalb der Niederlande, beispielsweise zwischen Amsterdam und Groningen, muss am Eisenbahnnetzwerk gearbeitet werden. Das ist eine Bedingung für eine schnelle Reise zwischen der niederländischen und der dänischen Hauptstadt. Mit nächtlichen Testfahrten soll nun geprüft werden, ob eine direkte Intercityverbindung ohne Zwischenstopps zwischen Amsterdam und Groningen möglich ist.

Die vielversprechendste grenzüberschreitende Bahnverbindung ist jedoch die Strecke zwischen Eindhoven und Düsseldorf. Hierfür müssten aber auf deutscher Seite die Bahnschienen umgebaut werden, was einer Investition von rund 105 Millionen Euro gleichkäme. Dementsprechend verhalten reagierte die deutsche Seite über diesen Vorschlag. Inzwischen sei das Geld für den geplanten Ausbau jedoch zur Verfügung gestellt worden, sodass die Strecke kommerziell interessant wird. Die Prognosen für diese Strecke sind so positiv, dass dieses Projekt öffentlich ausgeschrieben werden soll.

Es bleibt also abzuwarten, ob und wann Hochgeschwindigkeitsstrecken zwischen Deutschland und den Niederlanden genutzt werden können. Um langfristig mit dem Flugverkehrs konkurrieren zu können, müssen die Eisenbahngesellschaften nicht nur das Bahnnetzwerk ausbauen, sondern auch Zugtickets zukünftig günstiger anbieten.

(Quelle: NiederlandeNet); Foto: Friesenbrücke kaputt – von  Jan Oosterhuis CC BY-SA 3.0)

 

reduzieren

16. Mai 2018

Am vergangenen Montag haben niederländische Universitäten Lösungsvorschläge für die Probleme präsentiert, die die Internationalisierung der Universitäten mit sich bringt. Die Universitäten wollen in den kommenden Jahren die Zahl der internationalen Studenten reduzieren. Seit einigen Jahren hat die Zahl internationaler Studierender in den Niederlanden stark zugenommen, vor allem durch die Einrichtung vieler englischsprachiger Studiengänge. Niederländische Studenten sind in den Studiengängen oftmals in der Unterzahl.

In den Hörsälen sitzen manchmal nur noch wenige niederländische Studenten. Aufgrund der schnell ansteigenden Zahl von internationalen Studierenden gibt es in fast zehn Prozent aller Studiengänge mehr internationale Studenten als niederländische. 70 Studiengänge bestehen fast zu drei Vierteln aus internationalen  Studenten. Für die Internationalisierung der Universitäten ist die Universität Maastricht ein Paradebeispiel: 53 Prozent der Studenten kommen aus dem Ausland, somit verzeichnet die Universität Maastricht in den Niederlanden die meisten internationalen Studenten. Diese Internationalisierung wurde vom Staat lange Zeit angestrebt – der Traum des „international classroom“ wurde verfolgt und es wurde viel Geld in die Internationalisierung der Universitäten investiert.

Die Internationalisierung bringt jedoch auch Probleme mit sich. Immer mehr Studiengänge werden englischsprachig angeboten, auch wenn einige Dozenten dieser Umstellung nur mit Mühe und Not nachkommen können. Viele Kritiker sehen in dieser Umstellung allerdings vor allem ein Ertragsmodell, das von den Universitäten ausgenutzt wird. Die Universitäten wollen so viele Studenten wie möglich dazu bewegen, sich bei ihnen einzuschreiben, um staatliche Gelder für die Studenten zu erhalten. Niederländische Universitäten erhalten Geld für alle eingeschriebenen und ausgebildeten Studenten. Ausländische Studenten werden von den Universitäten aktiv geworben, da die Fakultäten mit mehr ausländischen Studenten einen gleichbleibenden oder größeren Anteil des Bildungsbudgets erhalten.

Da der Staatshaushalt für Universitäten jedoch seit Jahren nicht mehr zunimmt, die Studierendenzahlen aber steigen, gibt es pro Student immer weniger Geld. Deshalb kam die Vereinigung von Universitäten („Vereniging van Universiteiten“, kurz VSNU) zu dem Schluss, dass es besser sei, die Studierendenanzahl zu beschränken. Gestern präsentierte die VSNU die Lösungsvorschläge für die Probleme, die die Internationalisierung mit sich bringt. Die Bildungsministerin Ingrid van Engelshoven veröffentlicht im Herbst dieses Jahres eine Studie über das aktuelle Finanzierungssystem der Universitäten. Darüber hinaus legt sie der Zweiten Kammer im Juni einen Bericht über die Internationalisierung an Universitäten vor.

Die niederländische Tageszeitung De Volkskrant stellt vier Lösungsansätze der niederländischen Universitäten vor. Der erste Vorschlag behandelt den „Numerus Fixus“ für englischsprachige Schwerpunkte innerhalb von Studiengängen. Der „Numerus Fixus“ zeigt an, dass es eine Studienplatzbegrenzung für den betreffenden Studiengang, bzw. bei diesem Vorschlag für den entsprechenden Schwerpunkt gibt. Bisher gilt der Studentenstopp bei Studiengängen, die sowohl auf Englisch als auch auf Niederländisch gegeben werden, für den vollständigen Studiengang.

Der zweite Vorschlag betrifft vor allem nicht-europäische Studenten. Zurzeit müssen Studenten, die nicht aus Europa stammen, den sogenannten „instellingstarief“ bezahlen. Dieser Betrag ist unterschiedlich hoch – abhängig vom Studiengang und von der Universität. Im Schnitt bezahlen die Studenten ungefähr 10.000 Euro pro Jahr. Die VSNU und die Vereinigung der Hochschulen („Vereniging Hogescholen“, kurz VH) möchten den universitären Einrichtungen die Möglichkeit geben, diesen Betrag zu erhöhen. Zusätzlich soll es eine Höchstgrenze für Studenten geben, die nicht aus dem Europäischen Wirtschaftsraum kommen.

Der dritte Vorschlag betrifft die niederländischen Dozenten. Auf der einen Seite wird oftmals über den Erhalt der niederländischen Sprache im Zusammenhang mit englischsprachigen Studiengängen an niederländischen Universitäten diskutiert, auf der anderen Seite werden die englischen Sprachfähigkeiten der Dozenten kritisiert. Die Lösung für das letztgenannte Problem soll die verpflichtende Einführung des Sprachniveaus C1 sein. C1 ist, gemäß dem Europäischen Referenzrahmen, das zweithöchste Niveau bei einer Fremdsprache. Gleichzeitig soll erneut über die Bedeutung der niederländischen Sprache diskutiert werden, denn viele Studenten, die in den Niederlanden studieren, arbeiten später auch dort, und sollten deshalb die Landessprache beherrschen.

Der vierte Vorschlag behandelt das Ungleichgewicht zwischen ausländischen Studenten, die in den Niederlanden studieren, und niederländischen Studenten, die im Ausland studieren. Während die Niederlande bei ausländischen Studenten äußerst beliebt sind, studieren Niederländer sehr selten im Ausland. Oftmals verbringen sie ein Auslandssemester in einem anderen Land, doch ein ganzes Studium absolvieren sie nur selten in anderen Ländern. Das führt dazu, dass der niederländische Staat mehr in europäische Studenten investiert, als umgekehrt. Die VSNU strebt deshalb an, mehr niederländische Studenten für ein Studium im Ausland begeistern zu können. Die Studenten sollen besser über das Studium und die möglichen Stipendien informiert werden.

(Quelle: Niederlandenet)

Der durchschnittliche Mietpreis steigt in den Niederlanden überall, aber vor allem in mittelgroßen Städten ‒ außerhalb des Ballungsgebietes der Randstad ‒ wird ein Rekordhoch erreicht. Das ergibt sich aus Zahlen von Pararius, der laut eigener Aussage größten Website für Mietwohnungen in den Niederlanden. Die Website veröffentlichte Zahlen über das erste Quartal des Jahres 2018, in dem im Schnitt ein Anstieg des Mietpreises um 5,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr  zu verzeichnen war.

Die Mietpreise stiegen vor allem in Apeldoorn, Almere, Amersfoort und Tilburg. Auch in Leiden, Nimwegen und Enschede war die Miete mindestens 8 Prozent teurer als zuvor. Pararius beruft sich dabei auf 10.671 Wohnungen, die im letzten Quartal über ihre Website vermietet wurden. Der höchste Anstieg wurde in Zoetermeer (Provinz Südholland) festgestellt, wo der Mietpreis um 20,8 Prozent auf 11,50 Euro pro Quadratmeter stieg. Laut Pararius sei die zentrale Lage der Gemeinde hierfür verantwortlich, da viele Pendler aus Leiden, Den Haag und Rotterdam hierhin ziehen.

Insgesamt  ist es aber immer noch teurer, in der Randstad zu wohnen, als außerhalb dieses Ballungsgebietes. Die Preise in Gemeinden außerhalb der Randstad steigen aber deutlich schneller. In Amsterdam stiegen die durchschnittlichen Mietpreise beispielsweise um 2,2 Prozent auf 22,48 Euro. In Utrecht, der zweitteuersten Stadt, bezahlen Mieter etwas mehr als 16 Euro pro Quadratmeter. Rotterdam und Den Haag haben vergleichbare Preise.

Der Geschäftsführer von Pararius, Jasper de Groot, glaubt aber nicht, dass in den mittelgroßen Städten dasselbe Preisniveau erreicht werden wird, wie in der Randstad, da die Nachfrage in den großen Städten höher ist. Die Mietpreise werden ihm zufolge in den kommenden Monaten aber weiter steigen, bis sie eine Höchstgrenze erreichen: „Es gibt einen begrenzten Betrag, den Mieter bezahlen können. Wenn die Preise in die Nähe dieser Grenze kommen, ebbt die Preissteigerung automatisch ab. In den mittelgroßen Städten ist eine solche Mietgrenze noch lange nicht erreicht.“

Mieter, die wegen der hohen Mieten aus der Randstad wegziehen, treiben somit die Mieten im Rest des Landes hoch, so De Groot. Das sei zum Beispiel der Grund für den hohen Mietpreisanstieg in Almere, da viele Niederländer aus Amsterdam hierhin ziehen.

Die steigenden Preise zeigen laut Pararius, dass der Wohnungsmarkt immer noch unter Druck steht. Schätzungen ergeben, dass bis zum Jahr 2020 die Wohnungsknappheit weiter zunimmt und circa 83.000 Wohnungen fehlen werden. In der Theorie ist der Bau neuer Wohnungen zwar die Lösung, in der Praxis gestaltet sich das allerdings komplizierter, so De Groot. So würden einerseits Baugenehmigungen noch deutlich zu langsam erteilt werden, andererseits würden Bauunternehmer mit hohen Personalkosten und einem Mangel an Baumaterial kämpfen. Die Wohnungsknappheit konzentriert sich darüber hinaus auf den Ballungsraum der großen Städte und der Randstadsregion, wo aufgrund von fehlendem Baugrund Neubauten schlichtweg nicht möglich sind.

(ein Bericht von Niederlandenet)

Raucherbereich

13. April 2018

Da sind sie uns ein Stück voraus, die Niederlande. Völlig ohne Emotionen sage ich voraus, dass sie hierzulande auch kommen wird: Die Abschaffung der Raucherräume. Hier ein NiederlandeNet-Bericht von den niederländischen Nachbarn.

Im Februar hatte der Niederländische Gerichtshof in Den Haag beschlossen, dass die Raucherräume in der Gastronomie abgeschafft werden müssen. Paul Blokhuis (VWS, CU), der Staatssekretär für Volksgesundheit, Gemeinwohl und Sport, gab am Freitag bekannt, dass die Gastronomiebetriebe zwei Jahre lang Zeit haben, die Abschaffung der Raucherräume in die Tat umzusetzen. Der Beschluss passt perfekt zu den Plänen des Kabinetts Rutte III, das nach einer rauchfreien Gesellschaft strebt.

Seit 2008 gilt in den Niederlanden ein Rauchverbot in der Gastronomie. Nur in eigens dafür vorgesehenen Raucherräumen, die bestimmte Kriterien erfüllen müssen, durfte weiterhin geraucht werden. Viele Einrichtungen wie Diskotheken, Konzertveranstalter und Kneipen haben daraufhin Umbaumaßnahmen vorgenommen und viel Geld investiert, um ihren Gästen weiterhin eine Möglichkeit zum Rauchen zu bieten. Diese Maßnahmen scheinen mit dem neuen Verbot hinfällig zu werden. Wie viele Gastronomiebetriebe betroffen sind, kann das Ministerium für Gesundheit, Gemeinwohl und Sport bisher nicht angeben.

Der neue Beschluss zur Abschaffung der Raucherräume in der Gastronomie ist die Folge eines Antrags der Organisation Clean Air Nederland (CAN), die eine Schließung aller Rauchräume in der Gastronomie gefordert hatte, da diese das Rauchen zu stark unterstützen würden. Zuerst wurde der Antrag  vom Gerichtshof abgewiesen, woraufhin CAN in Berufung ging und dem Antrag stattgegeben wurde. Als wichtigstes Argument brachte der Gerichtshof das Abkommen der Niederlande mit der Weltgesundheitsorganisation vor. Dieses Abkommen besagt unter anderem, dass der Staat das Rauchen nicht unterstützen darf. Das Dulden der Raucherräume in der Gastronomie, so der Gerichtshof, stehe somit im Widerspruch zu dem Abkommen.  Tom Voeten, der Vorsitzende der CAN, sagte, es gehe vor allem ums Prinzip. Raucherräume seien ein Ausdruck der Legitimierung der Rauchkultur.

Clean Air Nederland übt auch nach dem Beschluss weiterhin Druck auf das Kabinett aus. Neben dem stattgegebenen Verbot für Raucherräume in der Gastronomie fordert die Organisation zusätzlich ein Verbot von Raucherräumen in öffentlichen Gebäuden. Im Februar hatte die CAN das Kabinett dazu aufgefordert, das Verbot auszuweiten.  Auf diese Forderung hat die Organisation vom Kabinett bisher keine Antwort erhalten. Sollte die Antwort noch „einige Wochen“ ausbleiben, so die Organisation, werde wieder der Gerichtshof eingeschaltet. Voeten bemängelte, dass sowohl die Erste Kammer als auch die Zweite Kammer Raucherräume hätten. Im Wirtschaftssektor habe der Staat keinen Einfluss auf Raucherbereiche, so Voeten. Doch von einer Regierung, die behauptet, sie strebe nach einer rauchfreien Gesellschaft, könne man auch erwarten, dass sie alles Nötige dafür tue.

Viele große Betriebe, wie beispielsweise der Veranstaltungsort Tivoli Vredenburg in Utrecht, kritisieren das neue Verbot. Das Gebäude, das zehn Stockwerke und sechs Konzertsäle umfasst, wurde 2014 eröffnet. Damals hatte man sich auf das Rauchverbot in der Gastronomie von 2008 eingestellt und mehrere Raucherbereiche errichtet, die bei den verschiedenen Veranstaltungen von vielen Gästen genutzt werden. Wenn diese Raucherräume nicht mehr genutzt werden dürfen, müssen die Besucher einen langen Weg zurücklegen, um draußen rauchen zu können. Die Kommunikationsleiterin Lieke Timmermans zeigt sich besorgt: „Wenn man ein Jazzkonzert in Cloud Nine besucht, muss man neun Stockwerke nach unten gehen, bevor man auf der Straße steht.“ Timmermans befürchtet, dass die Besucher dann lieber zu einem anderen Veranstalter gehen, bei dem man einfacher nach draußen kommt, um zu rauchen. So könnte Tivoli Vredenburg einen wichtigen Teil der Gäste verlieren. Jetzt müssen Timmermans und ihre Kollegen über weitere Möglichkeiten, wie beispielsweise Balkons, nachdenken. Ob sich die Raucherlandschaft durch das Verbot der Raucherbereiche in gastronomischen Betrieben wirklich ändern wird, wird sich in zwei Jahren zeigen, wenn alle Betriebe die neuen Vorgaben umgesetzt haben.

 

(Foto: Rauchende Jungs 1915; Lewis HineYgGzA3zf2rznUQ at Google Cultural Institute)

Die vorläufigen Ergebnisse der niederländischen Kommunalwahlen, die am ervergangeen Mittwoch 21.03.2018 stattfanden, sind jetzt veröffentlicht worden. Sie zeigen, dass die großen, traditionellen Parteien zugunsten der kleineren, lokalen Parteien  immer stärker in die Ecke gedrängt werden und unter Druck stehen. Ungefähr jede dritte Stimme ging an einen Politiker ohne Verbindung zu einer landesweiten Partei. Dabei schnitten die lokalen Parteien nicht nur in kleinen Gemeinden, sondern auch in den großen Städten der Niederlande sehr gut ab.

Die diesjährigen Kommunalwahlen zeigen also eine deutliche Trendwende: Obwohl die Regierungsparteien bislang immer stabile Ergebnisse bei Regionalwahlen erzielten, sind dieses Jahr die lokalen, kommunalen Parteien die deutlichen Gewinner. Damit fanden bei dieser Wahl mehr Parteien ihren Weg in die Gemeinderäte als jemals zuvor.

Positiv war der Wahlausgang für GroenLinks. Die Partei von Jesse Klaver legte im Vergleich zur  letzten Wahl um 3 Prozent zu und erhielt somit 8,4 Prozent der Wählerstimmen. Sie ist außerdem die größte Partei in Städten wie Amsterdam, Utrecht, Delft, Haarlem, Nimwegen, Arnheim, Wageningen und Culemborg geworden. Damit hat GroenLinks in vielen dieser Städte die D66 überholt, die von 12 auf 9 Prozent abstürzte. Eine mögliche Ursache hierfür könnte die momentan starke Kritik gegenüber der D66 als Regierungspartei sein.

Im Gegensatz zur D66 schnitten die anderen an der Regierung beteiligten Parteien allerdings weniger schlecht ab. Die VVD von Mark Rutte liegt mit 13,2 Prozent knapp hinter der CDA, die 13,5 Prozent der Stimmen erhielt. Damit ist die CDA, obwohl auch sie weniger Stimmen als bei der letzten Wahl erhielt, die stärkste landesweite Partei. Die ChristenUnie erzielte mit circa 4 Prozent der Stimmen ungefähr das gleiche Ergebnis wie vier Jahre zuvor.

Die PvdA und die SP mussten deutliche Verluste verzeichnen. Die PvdA bekam lediglich circa 7 Prozent der Stimmen und verlor somit seit der Kommunalwahl 2006 ganze 23 Prozent ihrer Stimmen. Die SP schaffte es nicht, erneut ihren Rekordwert von 6,6 Prozent der letzten Wahl zu erreichen und wird somit viele Gemeindevorstände, in denen sie die letzten Jahre mitregierte, verlassen müssen.

Die PVV von Geert Wilders stand das erste Mal in 28 Gemeinden zur Wahl und bekam 74 Sitze, vor allem in den zwei Gemeinden, in denen die PVV auch bei der letzten Wahl schon teilnahm: Den Haag und Almere. In Rotterdam und Utrecht wurde die PVV allerdings durch die multikulturelle Partei Denk überholt. Auch in anderen Gemeinden war das Wahlergebnis für die PVV enttäuschend. Vor allem durch die Konkurrenz der lokalen Parteien schnitt die PVV schlechter ab, als bei der Parlamentswahl letztes Jahr. Denk bekam 17 Ratssitze, davon drei in Rotterdam und Amsterdam und zwei in Zaanstad.

Auch die Partij voor de Dieren legte deutlich zu.  Sie stand in mehr Gemeinden als noch vier Jahre zuvor zur Wahl und konnte gute Resultate verbuchen: 15 Sitze bekam sie, darunter einen zusätzlichen Sitz in Amsterdam, Den Haag und Utrecht. In Almere, wo die Partei  noch keine Sitze hatte, erhielt sie gleich drei.

Landesweit gaben 55 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab. Das ist etwas mehr als noch bei der letzten Kommunalwahl vier Jahre zuvor.  Die Wahlbeteiligung auf Schiermonnikoog war am höchsten: Hier gingen 82,5 Prozent der Menschen zur Wahlurne. Dementsprechend stimmten hier  prozentual gesehen  fast doppelt so viele Wahlberechtigte wie in Helmond ab, der Gemeinde mit der niedrigsten Wahlbeteiligung. Dort hatten sich lediglich 42,1 Prozent an der Wahl beteiligt.

Die endgültigen Wahlergebnisse mancher Gemeinden  stand zunächst aber noch aus. So soll das Ergebnis der Gemeinde Amsterdam erst am Freitag veröffentlicht werden. Obwohl die Gemeinde mehr Wahlhelfer pro Wahlbüro einsetzte als bei den Wahlen zuvor, dauerte das Auszählen der Stimmen aufgrund des gleichzeitig stattfinden Referendums länger.

Aber nicht überall in den Niederlanden wurde am letzten Mittwoch abgestimmt. In dreizehn der zwanzig Gemeinden in der Provinz Groningen sowie einigen anderen Gemeinden im Land konnte aufgrund von kommunalen Reformen und Umstrukturierungen noch nicht gewählt werden. Die Wahlen werden hier Ende des Jahres nachgeholt.

Insgesamt haben die Kommunalwahlen 2018 gezeigt, dass die Gemeindevorstände in den nächsten vier Jahren ähnlich zersplittert sein werden wie das niederländische Parlament. Der Großteil der Vorstände wird zukünftig aus mindestens vier Parteien bestehen. Die Wähler haben der Politik somit eine stark heterogene Landschaft beschert, die eine ähnlich komplizierte Politik wie in Den Haag verspricht.

(Quelle: Niederlandenet)

Ergebnisse der Kommunalwahlen 2018 aus der Region Twente und Drente:

Coevorden
Dinkelland
Emmen
Enschede
Hengelo
Losser
Oldenzaal

Veendam
Westerwolde