Zucchero

14. Juni 2022

Zucchero
Lingen (Ems) – EmslandArena
Sonntag, 19. Juni, 20 Uhr
Karten via Eventim ab 49,05 €
Aufgrund der der andauernden Situation in Bezug auf die Corona-Pandemie muss  Zucchero seine ursprünglich für Winter 2020 geplante Deutschland-Tournee erneut verschieben. Im neuen Tour-Zeitraum, der für 2022 terminiert wurde, können alle Deutschland-Konzerte wie folgt nachgeholt werden: am 26. Mai 2022 in München (Olympiahalle), am 27. Mai 2022 in Frankfurt (Festhalle), am 1. Juni 2022 in Stuttgart (Schleyer-Halle), am 19. Juni 2022 in Lingen (Emsland Arena), am 21. Juni 2022 in Leipzig (Quarterback Immobilien Arena), am 23. Juni 2022 in Hamburg (Barclaycard Arena), am 24. Juni 2022 in Düsseldorf (ISS Dome) und am 15. November 2022 in Berlin (Mercedes-Benz Arena).

Im Rahmen seiner Welttournee präsentiert Italiens Musik-Ikone Zucchero, der Sänger und Songschreiber Adelmo Fornaciari, die großen Hits seines herausragenden Song-Repertoires sowie sein Album „D.O.C“ (Polydor/Universal).

In Italien stand Zucchero bereits 13 Mal an der Spitze der Albumcharts. Er gilt als Vater des italienischen Blues und zählt mit über 60 Millionen verkauften Alben mit zahlreichen Gold- und Platinauszeichnungen zu den einflussreichsten Musikern Italiens. Kollaborationen mit Superstars wie Bono, Sting, Miles Davis oder Macy Gray unterstreichen eindrucksvoll den Status des Ausnahmekünstlers. Seine Deutschland-Tournee führt ihn am 26. Mai 2022 nach München (Olympiahalle), am 27. Mai 2022 nach Frankfurt (Festhalle), am 1. Juni 2022 nach Stuttgart (Schleyer-Halle), am 19. Juni 2022 nach Lingen (Emsland Arena), am 21. Juni 2022 nach Leipzig (Quarterback Immobilien Arena), am 23. Juni 2022 nach Hamburg (Barclaycard Arena), am 24. Juni 2022 spielt er in Düsseldorf (ISS Dome) und am 15. November 2022 in Berlin (Mercedes-Benz Arena).

flitsbezorgers

6. Juni 2022

In Städten wie Rotterdam oder Amsterdam, schreibt Thomas Kirchner in der Süddeutschen,  werden Fahrrad-Lieferdienste so ausgebremst wie wohl nirgendwo sonst in Europa. Es gibt sogar Boykottaufrufe – ausgerechnet in den fahrradverliebten Niederlanden. Gorillas, Getir, Flink und Zapp: Kurierdienste, die innerhalb von zehn Minuten per E-Bike nach Hause liefern, was das Herz begehrt, haben sich auch in den Niederlanden breitgemacht. Und passen sie da nicht besonders gut hin, in dieses fahrradverliebte Flachland, das sich noch dazu gerne als start-up nation präsentiert, offen für alles Neue, das der Kapitalismus so zu bieten hat?

In Wahrheit bekommen die flitsbezorgers (Blitzkuriere), wie sie genannt werden, ausgerechnet in den Niederlanden so viele Steine in den Weg gelegt wie wohl nirgendwo sonst in Europa. Den Anfang machte Amsterdam, das den Unternehmen schon im Januar untersagte, neue Verteilzentren in innerstädtischen Wohngebieten oder Einkaufsstraßen zu eröffnen. Anwohner hatten sich beschwert: über Lastwagen auf dem Trottoir, die ständig neue Ware brächten; über Kuriere, die den Verkehr störten mit ihren Elektro-Rennern oder abends vor dem Lager abhingen und Lärm machten. Manche fühlten sich eingeschüchtert von den schwarz gekleideten Fahrern, es kam zu Streitereien, rohe Eier flogen.

Rotterdam und andere Städte folgten schnell dem Amsterdamer Vorbild. Das gefährdet das Geschäftsmodell der Dienste, die die Lager schließlich dort brauchen, wo viele Menschen leben, nicht am Stadtrand. Nun gibt es allein in Amsterdam schon Dutzende davon, aber die Unternehmen wollen – oder müssen – eben expandieren. Anfang Mai…

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Neu: Holland-Norwegen

2. Mai 2022

Mit Beginn der Osterferien hat die erst 2020 gegründete Reederei Holland Norway Lines eine neue Fährverbindung zwischen dem friesischen Eemshaven und dem südnorwegischen Kristiansand gestartet. Die Überfahrt dauert 18 Stunden.  Das Fährschiff Romantika bedient die Strecke dreimal wöchentlich mit Abfahrten von Eemshaven am Dienstag, Donnerstag und Samstag und mit Abfahrten von Kristiansand am Mittwoch, Freitag und Sonntag. Das Schiff legt jeweils um 15 Uhr ab und erreicht den jeweiligen Zielhafen um 9 Uhr am nächsten Morgen.

Das 2020 gegründete Start-up Holland Norway Lines hat mit der estnischen Tallink Grupp einen Vertrag über die langfristige Charter der Kreuzfahrtfähre Romantika geschlossen. Das von einer finnischen Werft vor 20 Jahren gebaute Schiff ist 193 Meter lang, 29 Meter breit und hat einen Tiefgang von 6,6 Metern. Von vier Dieselmotoren betrieben erreicht es 22 Knoten (also 41 Km/h). Auf insgesamt zehn Decks befinden sich 170 Kabinen für Passagiere und es ist Platz für 350 Kfz.

An Bord können Passagiere im Tax-Free-Shop einkaufen, sich im Spa behandeln lassen, in die Sauna gehen oder sich eine Show im großen Theatersaal ansehen und natürlich zwischen fünf Restaurants und fünf Bars wählen, die vom Hamburger Catering-Spezialisten Columbia Signature betreut werden. Die Romantika verfügt auch über eine Konferenzabteilung mit Platz für mehrere hundert Personen.

Die neue Fährverbindung ist eine Alternative zur einzigen deutschen Fährverbindung nach Norwegen, die die hochpreisige Color-Line ab Kiel betreibt. Die Nachfrage ab Eemshaven ist offenbar groß. Schon vor dem Start hat die neue Reederei nach Medienberichten rund 60.000 Tickets verkauft. Sogenannte Minikreuzfahrten gibt es übrigens bereits ab 98 Euro; sie sind ab Kiel deutlich teurer.

In Eemshaven, dessen Hafen bekanntlich auch Borkum-Reisende gern nutzen, haben lokale und regionale Behörden zusammen mit Holland Norway Lines erhebliche Summen investiert, um die notwendige Infrastruktur für den regelmäßigen Fährverkehr zu schaffen. Holland Norway Lines soll in der ersten Phase 50 neue Arbeitsplätze schaffen..

 

NL: Kommunalwahlen

17. März 2022

Aus deutscher Sicht ist der Verlust der landesweiten niederländischen ÜParteien zugunsten von kommunalen Wählergemeinschaften bemerkenswert. Aus Sicht der niederländiscehen Nachbarn in Twente analysierte heute Kelly Adams die Resultate in der Zeitung De Twentsche Courant Tubantia:

Der CDA hat fast ein Viertel seiner Sitze in den fünfzehn Gemeinden der Region Twente verloren. Die lokalen Parteien profitieren ungefähr eins zu eins. Aber es gibt noch mehr. Zum Beispiel eine niedrige Wahlbeteiligung. Neben den lokalen Gewinnen gibt es fünf wichtige regionale Schlussfolgerungen aus den Kommunalwahlen 2022.

1. Der CDA verliert stark
Die CDA wurde in dieser Region hart getroffen. Insgesamt verlor die Partei in Twente und Berkelland 21 Sitze, ein Verlust von 23 Prozent. Das macht Twente noch weniger grün als früher. 2018 waren die Christdemokraten noch in sieben Kommunen die Größten, jetzt sind sie noch in vier Kommunen die Größten.

Als am Mittwochabend die ersten Wahlergebnisse eintrudelten, schien sich die Partei einigermaßen gut zu behaupten, aber jetzt, wo alle Ergebnisse bekannt sind und sich der Staub gelegt hat, scheint der Schaden groß zu sein. Besonders in Tubbergen, wo die Partei einen gewaltigen Schlag erlitt. Die Zahl ihrer Sitze halbierte sich von 12 auf 6 und damit endete das Monopol in der CDA-Hochburg Twente. In anderen Gemeinden ist der Verlust etwas weniger heftig. In neun Gemeinden verliert der CDA einen Sitz, in zwei Gemeinden verliert die Partei zwei Sitze. Alle Sitze behauptet sie in Haaksbergen und Twenterand.

Dass die Partei so viele Wähler verloren hat, hat mehrere Gründe. Landesweit befindet sich die Partei seit einiger Zeit im Niedergang, die Rechnung dafür wurde den Christdemokraten bereits bei den Wahlen zum [niederländischen] Abgeordnetenhaus vorgelegt. Der Abgang des Enschedeër Pieter Omtzigt aus dem Repräsentantenhaus hat den Christdemokraten nicht gut getan. In Tubbergen ist es vor allem ein lokales Thema, das die Party erstickt hat: Die Pläne für ein neues Rathaus mit zusätzlichen Einrichtungen auf kultureller und sozialer Ebene. Der CDA setzte diesen mehr als elf Millionen Euro teuren Plan zunächst gegen den Willen des Koalitionspartners und der Opposition durch.

2. Niedrigste Teilnahme aller Zeiten
Die Wahlbeteiligung bei diesen Wahlen war historisch niedrig. In Twente gingen knapp über 56 Prozent der Wahlberechtigten zur Wahl. Vor vier Jahren waren es über 60 Prozent. In allen Gemeinden ging die Zahl der Wähler, die ihre Stimme abgegeben haben, stark zurück.

In Rijssen-Holten zum Beispiel fiel die Wahlbeteiligung zum ersten Mal seit langem unter 70 Prozent und die Wahlbeteiligung in Hof van Twente war mit 56 Prozent noch nie so niedrig seit der Gründung der Gemeinde im Jahr 2001. In Almelo gingen die wenigsten Wähler zurWahlurne, nur 43 Prozent.

Innenministerin Hanke Bruins Slot (CDA) hat bereits eine Untersuchung der landesweit niedrigen Wahlbeteiligung angekündigt. Als Gründe werden schwindendes Vertrauen in die Politik und der Krieg in der Ukraine genannt. Ob dies tatsächlich der Fall ist, soll erforscht werden.

3. Forum für Demokratie und Volt in der Twenter Politik
Das [rechtspopulistische] Forum für Demokratie zieht in drei Städten in Twente in den Rat ein. Die Partei gewann Sitze in Almelo, Hengelo und Enschede. Es war das erste Mal, dass die Partei von Thierry Baudet an den Kommunalwahlen in Twente teilnahm. Bei den Kommunalwahlen vor vier Jahren trat die Partei landesweit nur in wenigen Kommunen an.

Auch Newcomer Volt gibt sein Debüt in der Politik von Twente. Die europa-orientierte Partei trat nur in Enschede an und gewann dort auf Anhieb zwei Sitze und das trotz der Affäre um die Parlamentsabgeordnete Nilüfer Gündoğan.

4. D66, PvdA und GroenLinks genau gleich
Betrachtet man das gesamte Verbreitungsgebiet von De Twentsche Courant Tubantia, das aus fünfzehn Gemeinden besteht, halten D66, PvdA und GroenLinks genau so viele Sitze wie vor den Wahlen. In einzelnen Gemeinden gibt es natürlich Verschiebungen und die Parteien gewinnen oder verlieren Sitze. Aber D66 hatte insgesamt 23 Sitze und behält sie. PvdA und GroenLinks nahmen in einigen Kommunen als Listenverbindung teil. Insgesamt halten die beiden Parteien 43 Sitze in ganz Twente und Berkelland.

5. Weitere Fragmentierung
Die Zersplitterung in den Gemeinderäten geht weiter. 2018 wurden 109 Parteien in die fünfzehn Gemeinderäte gewählt, dieses Jahr sind es bereits 117. In Almelo führt dies zu einer Rekordzahl an Fraktionen, wo sich insgesamt fünfzehn Parteien die 35 Sitze teilen. Das ist im Moment schon so, aber das liegt zum Teil an Trennungen. Bei den vorangegangenen Wahlen wurden 13 Parteien gewählt.

Hengelo und Enschede sind Spitzenreiter, was die Anzahl der Parteien betrifft. In beiden Städten sind es dreizehn, vor vier Jahren waren es in Hengelo noch 11, in Enschede 12 Parteien.

Gold und Silber

16. März 2022

Bereits vor knapp drei Jahren, nämlich im Mai 2019 fanden Hobbyarchäologen mit ihrem Metalldetektor im Naturschutzgebiet Springendal bei Hezingen in der niederländischen Gemeinde Tubbergen (Twente) eine Ansammlung von Gold- und Silbermünzen sowie Schmuck aus dem frühen Mittelalter. Die  beachtliche Menge ließ sofort vermuten, dass es sich um einen (teilweise) gepflügten Gold- und Silberschatz handeln könnte. Die Münzen und der Schmuck stammen aus dem siebten Jahrhundert. Die Finder meldeten den Schatz der archäologischen Organisation PAN (Portable Antiquities of the Netherlands) gemeldet.

Nach umfangreicher Voruntersuchung und Verzögerungen aufgrund der Coronamaßnahmen fand vor Ort eine Ausgrabung statt, die die  Vrije Universiteit Amsterdam (VU) und die Agentur für Kulturerbe (RCE) durchführten. RCE-Archäologe Jan Willem de Kort: „Es wurde noch mehr Gold und Silber gefunden sowie Spuren eines Opferplatzes. Eine Reihe von Pfählen in einer Reihe, möglicherweise mit heiligen Zeichen oder einem Wotans-Kopf, bildeten wahrscheinlich eine Versammlungsstätte, an dem sich Menschen aus der Umgebung trafen und Edelmetall zurückließen.“

Verteilt auf 3 Fundorte fanden sich insgesamt 94 Münzen und Münzfragmente, mindestens 6 Gold- und 2 Silberschmuckstücke, ein Teil einer goldenen Schwertgriff-Verzierung und 95 Teile eines unbekannten Objekts (möglicherweise eine Trinkhornverzierung oder vielleicht auch ein Helm- oder Sargbeschlag). Die Opferstätte wurde wohl seit knapp 100 Jahre genutzt, vom frühen bis zum späten 7. Jahrhundert oder frühen 8. Jahrhundert n. Chr. Es scheint, dass die Christianisierung der Sachsen durch die karolingischen Könige dem „heidnischen“ Ort ein Ende bereitet hat.

Seit fünf Jahren kümmert sich Portable Antiquities of the Netherlands (PAN), eine von der Vrijen Universität gegründete Website und Organisation, um archäologische Funde, die von Hobbysuchern gefunden wurden. Archäologen des RCE und der VU führten die Ausgrabungen in Zusammenarbeit mit dem Staatsforst und der Provinz Overijssel durch. Die Funde der Detektorsucher erwarb das Rijksmuseum van Oudheden (RMO) in Leiden erworben, das die Funde jetzt an das Rijksmuseum Twente in Enschede ausgeliehen, wo die Funde morgen am Donnerstagnachmittag präsentiert werden. Dann sollen auch weitere Details zum Fund bekannt gegeben werden.

Die RMO hat den Ankauf für die nationale niederländische Sammlung getätigt, um den Fund für die Allgemeinheit zugänglich zu erhalten; denn es handelt sich, so die Experten,  um einen Schatzfund von nationaler Bedeutung.

VU-Archäologe Stijn Heeren: „Das Besondere an diesem Fund ist, dass aus dieser Zeit in dieser Region wenig bekannt war. Besonders reiche Funde aus dem frühen Mittelalter konnten wir aus Friesland oder der Region um Utrecht. Besonders ist auch, dass diese Grabungen  durch den Bericht von Hobbysuchenden initiiert wurde, was zu einer großartigen Zusammenarbeit zwischen den Suchenden und Fachleuten verschiedener Agenturen geführt hat.“

  Quellen: RMT, GN, Tubantia; Fotos: RMT

In den Niederlanden werden am 14., 15. und 16. März die Kommunalvertretungen gewählt. Längst treten dort auch die Rechtspopulisten an: neben der Wilders-Partei PVV auch das Forum für Demokratie fast im ganzen Land an und treffen auc eine klar Absage.

Beim Auftakt des Stadtratswahlkampfes, den D66 und GroenLinks fast zeitgleich in Rotterdam führten, sprachen sich vor einigen Tagen beide Parteien gegen eine Zusammenarbeit mit den rechtsextremen Parteien PVV und FvD aus.

Jesse Klaver (GroenLinks) betonte, „GroenLinks wird sich nicht mit der extremen Rechten in einer Stadtverwaltung zusammentun“. Er fordert seine Kollegen der anderen Parteien auf, dies ebenfalls zu tun: Es sei Zeit, eine „demokratische Grenze zu ziehen“. Einige Stunden später hatte Sigrid Kaag (D66) eine ähnliche Botschaft: „Auf der Straße trägt der Extremismus Flaggen oder eine Fackel. Im Parlament trägt er eine Krawatte“. Die Metapher passt gut: Vor wenigen Wochen wurde Kaag von einem Mann mit einer Fackel bedroht. Er wollte mir ihr an ihrer Privatadresse über die Corona-Politik sprechen. Jetzt sagt Kaag, D66 wird „nicht mit dem Extremismus regieren“.

Später folgen auch VVD und CDA dem Vorbild. „Ich sehe nicht, dass unsere Abteilungen gemeinsam mit PVV und FvD regieren“, so VVD-Parteichef und Ministerpräsident Mark Rutte. CDA-Anführer Wopke Hoekstra bleibt vage: Er überlässt die Entscheidung den lokalen CDA-Abteilungen, hält eine Zusammenarbeit aber für unerwünscht.

Auch in Twente ist man zurückhaltend. Wenn Brian Geertshuis vom Forum voor Democratie (FvD) in Hengelo bei den Wahlen im März einen Sitz im Stadtrat gewinnt, werden die politischen Parteien nicht mit ihm zusammenarbeiten. „Seine Äußerungen sind beleidigend, bedrohlich und aufrührerisch.“ Eine klare Absage gibt es auch in Almelo, wo FvD zum ersten Mal antritt.

Das ist schon eine andere Einstellung als 2019, als CDA und VVD zusammen mit FvD die provinzielle Regierung in Noord-Brabant formten. Damals war die Parole: „Brabant ist Brabant, Den Haag ist Den Haag“ – die provinzielle Politik habe also nichts mit der nationalen Politik zu tun. So lässt sich eine Zusammenarbeit auf Provinzebene mit FvD rechtfertigen, zu einer Zeit, als der nationale Parteivorsitzende Thierry Baudet immer extremere Äußerungen machte. Die Koalition scheiterte jedoch nach einem Jahr.

Die Situation erinnert an  die Situation in Thüringen 2020, als FDP-Parlamentarier Thomas Kemmerich mithilfe von Stimmen von AfD, CDU und FDP zum Ministerpräsidenten Thüringens gewählt worden war. Später wurden CDU und FDP von ihren nationalen Parteichefs zurückgepfiffen. Es scheint, dass Hoekstra und Rutte sich nicht in Den Haag verantworten wollen, falls ihre Parteien regional oder kommunal nochmals mit FvD oder PVV zusammenarbeiten wollen.

Quelle/Material: Niederlande.net

Toast Hawaii

20. Februar 2022

Heute ist der erste Toast-Hawaii-Tag in Deutschland. Aber wer hat diese kulinarische  Nachkriegsspezialität erfunden?  In der Regel wird die Erfindung des Toasts Hawaii zwar  Clemens Wilmenrod zugeschrieben, dem ersten deutschen TV-Koch. Der Mann ging genau heute vor 69 Jahren im damaligen NWDR auf Sendung (Titel: „Bitte in zehn Minuten zu Tisch“); er  war übrigens gar kein Koch sondern bis zu dieser TV-Premiere ein nicht sonderlich erfolgreicher Schauspieler. Wilmenrod hieß tatsächlich Carl Clemens Hahn, und er hatte den Willenrod (mit zwei L) als Künstlernamen gewählt, wo seine Eltern eine Mühle betrieben. Den (oder das?) Toast Hawaii hat er aber gar nicht erfunden. Letztlich weiß man überhaupt nicht, wer das, vor allem in den 50er bis 80er Jahren so beliebte Rezept mit Schmelzkäse und Dosenananas zuerst auf den Teller brachte. Das sagt Feiertag-Fachmann Sven Giese auf seiner feinen Website.

Giese wirft außerdem die wirklich entscheidende Frage zu dem Schnellgericht auf:

„Gehört die Cocktailkirsche zum ursprünglichen Rezept des Toasts Hawaii?

Nein. Tatsächlich ist die Cocktailkirsche kein Bestandteil des klassischen Toast-Hawaii-Rezeptes. Vielmehr kam sie erst 1958 durch das Niederländische Büro für Milcherzeugnisse auf überbackene Schinken-Toast. Dieses hatte den Hawaii-Toast mit dieser zusätzlichen Beilage erweitert und ließ die Form mit dem roten Farbtupfer durch ihre Werbefigur Frau Antje in zahlreichen TV-Spots präsentieren.“

Spoiler:
Pizza Hawaii, die erst 1962 in Kanada erfunden wurde, geht übrigens überhaupt nicht, sagen die die Italiener (m/w/d), die dies natürlich am besten wissen…


Quellen: wikipedia; Sven Giese kuriose-feiertage.de; Foto pixabay

 

„Heiter weiter“

20. Februar 2022

Das Groninger Erdgas wird auch im Lingener RWE-Gastkraftwerk zu Strom verfeuert. Die Folgen sind nicht ohne (hier…). Dies als Erklärung, weshalb der sarkastische Beitrag in der freitäglichen heute-show nicht nur witzig (gemacht) ist.

Wir erfahren: In und um Groningen gibt es 27.000 Häuser mit Erdbebenschäden. Wegen des Gases, das eben (auch) an uns geliefert wird. Das deutsche Fazit „Heiter weiter“ bringt’s trotzdem auf den Punkt. Oder?

Autokorrektur

16. Februar 2022

Es gibt da schon einiges, was in unserer Stadt für die Mobilität verbessert werden kann. Denken wir mal unerschrocken ( und teilweise auch sehr weit ) voraus:

Wann geht es los mit dem Bahnhofsumbau, der seit Jahren öffentlichkeitswirksam angekündigt wird und doch einfach nicht voran kommt?

Lingen soll und will sich inzwischen außerdem an das werdende S-Bahnnetz Münsterland anschließen; dann fahren Züge hier deutlich öfter nach Süden als zurzeit. Und es braucht eine Direktverbindung ohne Umsteigen nach Osnabrück. Außerdem braucht es einen barrierefreien zweiten Zugang zum Gleis 2 am Bahnhof, wo dann die S-Bahn-Züge starten und ankommen.

Nordhorns Bürgermeister Thomas Berling hat in diesen Tagen die Entwicklung des Schienennetzes Richtung Niederlande also in die Provinzen Drenthe und Groningen ebenso als notwendig unterstrichen wie Richtung Süden nach Gronau. Warum wird nicht über eine schienengebundene Verbindung zwischen Lingen (Ems) und Nordhorn debattiert? Wie wäre es mit einer Machbarkeitsstudie? Nordhorn scheint mir dafür offen zu sein – und die „Macher“ im Emsland? Sie akzeptieren die eingleisigen Engstellen der Emslandlinie nördlich Dörpen und Papenburg. „Die Macher“ sind immer noch auf dem „Wir-bauen-lieber-Straßen“-Tripp und wollen mit inzwischen 1,4 Milliarden Euro eine 4-spurige Straße durch das Hasetal bauen, anstatt dort die Bahnstrecke Richtung Bremen zu schaffen. Ein gestriges Konzept, scheint mir.

Alles Hirngespinste? Wohl kaum. Dies zeigt ein Blick nach Osnabrück, wo sich etwas tut, schreibt gerade die taz:

„Es gibt ja Leute, die sagen: Früher war alles besser. Meist ist ein solches Lob der Vergangenheit verklärender Unsinn. Aber es gibt Fälle, da stimmt es ein wenig. Ein solcher Fall tritt derzeit in Osnabrück zutage.

Es geht um die Machbarkeitsstudie für den Bau einer Stadtbahn, in Auftrag gegeben und finanziert von Stadt und Landkreis Osnabrück. Bis Ende 2022 sollen die Dresdner Verkehrsplaner Köhler und Taubmann (VKT) ihre Potenziale bewerten, ihre Wirtschaftlichkeit, ihre Ausbaubarkeit zur Stadt-Umland-Bahn, die städtebaulichen Konsequenzen.

Ein großer Erfolg für die Osnabrücker Stadtbahn-Initiative (SBI). Seit Anfang der 1990er kämpft sie für ihre Idee einer neuen Straßenbahn. Mitentscheidend war eine Petition von Ende 2020, die über 3.100 Unterzeichner fand, an Infoständen, auf Wochenmärkten, über die Plattform openPetition. Auch AktivistInnen von Fridays for Future hatten Unterschriften gesammelt.

Osnabrück hatte schon einmal eine Stadtbahn. Eine elektrische Straßenbahn, ab 1906. Aber 1960 war damit Schluss. Das System wurde demontiert, die Stadt mehr und mehr zur Autostadt. „Heute sagen fast alle, dass das ein fataler Fehler war“, sagt Johannes Bartelt von der SBI zur taz. „Aber es ist noch nicht zu spät, den Erfolg von damals wieder aufzugreifen.“

Dass Osnabrücks Straßen primär Autoverkehrsraum sind, rächt sich: Staus, Lärm, Abgase, Stress, Feinstaub, zu­ge­parkter öffentlicher Raum, Unfallgefahr für Radfahrer. Eine Stadtbahn könnte das entzerren, meint die SBI. Zudem…“

[weiter hier]

Angesichts der Klimaprobleme kann jedenfalls nicht weiter auf den Individualverkehr gesetzt werden, auch nicht mit E-Autos. Es müssen Alternativen entwickelt werden.

Es geht hier vor allem um die Schiene, aber eine zentrale Alternative ist das Rad, das für kurze Strecken unschlagbar ist, allerdings auch ein Umfeld braucht, damit es gern benutzt wird. Einfache Frage: Warum beispielsweise stehen Kfz trocken in öffentlich finanzierten Garagen, aber Räder allermeist im Regen, wenn man mit ihnen in die Stadt fährt? Eine weitere Alternative ist der schienengebundene Transport von Menschen und Gütern auch in der Region. Ideen gibt es reichlich. Doch für die Umesetzung braucht es den Abschied der einseitigen, Verkehrsplaner sagen „sehr besonderen“ Autoorientiertheit in Lingen oder, um es mit Katja Diehl zu sagen, die Autokorrektur. Dazu müssen belastbare Untersuchungen und Machbarkeitsstudien her.

Bevor übrigens BN-Mann und Stadtplaner Manfred Kunst mit mir schimpft: Ja, es sollte auch untersucht werden, ob angesichts grundlegend geänderter Finanzierungen des Bundes die Bahnstrecke im Lingener Stadtgebiet eine Etage tiefer zu legen ist, um so die Zerteilung unseres „Mittelzentrums mit oberzentralen Teilaufgaben“ in Ost und West zu beenden und viele Hektar neuen Stadtraum zu bekommen.

Spoiler:
Bitte unabhängige Expert*innen fragen und keine Leute, die das zurecht biegen, was unser OB für richtig hält.


Foto: Bahnhof Lingen (Ems) vor rund 100 Jahren (1919)

 

Tatort des NS-Terrorsystems

26. Dezember 2021

Die aktuelle, vor gut einem Jahr eröffnete Ausstellung „Polizeigewalt und Zwangsarbeit“ in der Gedenkstätte Augustaschacht in Hasbergen-Ohrbeck nahe Osnabrück markiert ein wenig beachtetes Verbrechen im zweiten Weltkrieg und beleuchtet eindrucksvoll die Gewalttätigkeiten der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) gegen ausländische Zwangsarbeitende in NS-Deutschland.

Gedenkstätte Augustaschacht erinnert an einen Tatort des nationalsozialistischen Terrorsystems. Sie gibt den Opfern Gesicht und Stimme und macht Täterinnen und Täter sichtbar. Durch ihre Arbeit erklären sie den Transit- bzw. Straf- und Abschreckungscharakter  im Unterdrückungssystem des Nationalsozialismus. Damit halten sie nicht nur die Erinnerung wach, sondern zeichnen über die Verknüpfung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft politische Kontinuitäten und Entwicklungen nach.

Als Arbeitserziehungslager (AEL) wurden während der Nazi-Herrschaft offiziell Straflager bezeichnet, die der Disziplinierung und sog. Umerziehung dienten. Unter den Insassen waren viele Andersdenkende und ausländische Zwangsarbeiter. Ab 1940 von der Gestapo errichtet, häufig in Zusammenarbeit mit denvon der Zwangsarbeit profitierenden Unternehmen, entstanden so etwa 200 dieser Lager.

Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs – so nach offiziellen Schätzungen – wurden 500.000 Menschen in diesen Einrichtungen gequält, meist mit zeitlich begrenztem Aufenthalt, aber immer unter den unmenschlichsten Bedingungen.

Die Ausstellung in der Gedenkstätte Augustaschacht in Hasbergen zeigt ein historisches Vermächtnis. Die Gedenkstätte Augustaschacht dokumentiert geschichtlich die mörderische Behandlung der Gefangenen – nicht nur im Allgemeinen, sondern eindrucksvoll auch anhand von Einzelschicksalen. Die erhaltenen, heute denkmalgeschützten Lagergebäude, die ursprünglich aus einem Gebäudekomplex aus Maschinenhaus und Kesselhaus bestanden, bildeten den Raum für eine große Wasserhaltungsmaschine des Bergbaus im Hüggel. Diese Gebäude, in welchen sich heute die Dauerausstellung befindet, gehörtem den damaligen Klöckner-Werk Georgsmarienhütte, das nahtlos mit der Gestapo zusammenarbeitete. Von Januar 1944 bis im April 1945 waren mehr als 2.000 Männer und Jugendliche aus 17 verschiedenen Ländern inhaftiert. Vornehmlich Menschen aus den Niederlanden, Polen, Italien und der ehemaligen Sowjetunion, die versucht hatten, sich dem Zwang der Zwangsarbeit zu entziehen. Sie wurden mit der Haft im Arbeitserziehungslager bestraft. Der Niederländer Phida Wolff schilderte die Verhältnisse im Februar 1945 so:

„Am Morgen früh erschallen Befehle und wenn du nur einen kleinen Moment zögerst, wirst du mit dem Knüppel geschlagen. Ab und zu darfst du dich waschen und du bekommst eine Kruste Brot, aber nach zwei, drei Wochen siehst du aus wie der hässliche Tod.“

Die Gedenkstätte Augustaschacht dokumentiert das Geschehen jener Zeit. Die Besuchenden erhalten durch Schriftstücke, Videos und Audios eine große Fülle an Informationen, sämtlich auf Deutsch, Niederländisch und Englisch.  So hat jede/r die Möglichkeit, sich mit der Geschichte  der oft vergessenen Zwangsarbeiter und den hunderttausenden AEL-Inhaftierten auseinanderzusetzen. .  Mehr…


Quellen: Osnabruekcer-Land.de; gedenkstaetten-augustaschacht-osnabrueck.de