nach Westen

20. Januar 2020

Niederlande.Net schreibt aktuell über die beste Küche im Nachbarland, während zugleich in Weser-Ems die Spitzenküche Pause mach, also der Blick nach Westen geht:

Am Montag dieser Woche wurde „im DeLaMar Theater in Amsterdam der neue Guide Michelin 2020 herausgegeben, in dem alle niederländischen Sternerestaurants präsentiert werden. In diesem Jahr haben es acht neue Restaurants auf diese Liste geschafft. Im Gegensatz dazu haben sieben Restaurants ihren Stern verloren. Zwei dieser Restaurants haben inzwischen geschlossen.

Ok, auf besonderen Wunsch hier die Spitzenrestaurants in den benachbarten Niederlanden. Die Restaurants Eden (Valkenswaard), Marrees (Weert), Versaen (Ravenstein), Beluga Loves You (Maastricht), Rantrée (Maastricht), Noble Kitchen (Cromvoirt), Zout en Citroen (Oosterhout) und Graphite by Peter Gast (Amsterdam) sind diejenigen, die heute in Amsterdam zum ersten Mal einen der begehrten Sterne empfangen durften. Mit diesen neu ausgezeichneten Restaurants verfügen die Niederlande nun über insgesamt 111 Sternerestaurants.

Darunter haben nur zwei Restaurants, nämlich das Restaurant De Librije in Zwolle und Inter Scaldes in Kruiningen, mit insgesamt drei Sternen die höchste Auszeichnung erreicht. Sie zeichnen sich laut Michelin durch „ihre äußerst persönliche Küche“ und „das großartige Erlebnis, das sie mit ihren Gerichten bieten können“ aus und gehören „noch immer zu den Top-Restaurants der weltweiten Gastronomie“. Unter den 2-Sterne-Restaurants gibt es keine Veränderungen.

Die Urteile über die jeweilige Qualität der Küche wird von anonymen Inspektoren gefällt, die das ganze Jahr über hunderte von Restaurants besuchen. Dabei kommt es ihnen allein auf die Qualität des Essens, also auf den Geschmack und die Zubereitung, an. Die Einrichtung oder auch der Service spielen in diesem Fall keine Rolle. Hierfür bekommen die verschiedenen Restaurants eine bestimmte Anzahl an „Besteck-Sets“ zugewiesen, die einen Aufschluss über den Komfort des Restaurants geben soll.

Die vergebenen Michelin-Sterne wollen Aufschluss über die Qualität der Küche geben. Ein Stern bedeutet in diesem Zusammenhang, dass das jeweilige Restaurant in seiner eigenen Kategorie über eine sehr gute Küche verfügt. Zwei Sterne erhalten die Restaurants mit raffinierter Küche, die laut Michelin einen Umweg wert sind. Die höchste Auszeichnung, die nur an Restaurants mit ausgezeichneter Küche geht, gibt potentiellen Kunden einen Hinweis darauf, dass dieses Restaurant sogar eine Reise wert sei.

Der erste niederländische Guide Michelin 2020 wurde von der Frau und der Tochter des Spitzenkochs Lucas Rive entgegengenommen, der Ende 2019 nach kurzer Krankheit verstarb. Rive hatte seine Auszeichnung zum 2-Sterne-Koch mit nur 27 Jahren erhalten und war damit zum jüngsten 2-Sterne-Koch der Niederlande. Rund 26 Jahre lang arbeitete er als Chefkoch im Restaurant De Bokkedoorns in Overveen, das unter seiner Führung 22 Jahre lang über zwei Michelin-Sterne verfügte.

Neben den Michelin-Sternen wurden heute noch drei weitere Preise vergeben. Der 23-jährige Cas Pikaar vom Restaurant Doyy in Eindhoven erhielt den Young Chef Award. Der Service Award ging an Peter Bruins vomRestaurant De Bokkedoorns und Koen van der Plas vom Schloss Heemstede in Houten wurde zum besten Sommelier des Landes gekürt.“

Direkt nebenan haben das Restaurant De Bloemenbeek in De Lutte in der Grenzgemeinde Losser (Adresse: Beuningerstraat 6, 7587 De Lutte) und das Restaurant t Lansink in Hengelo (Adresse: C.T. Storkstraat 18, 7553 AR Hengelo) jeweils wieder einen M-Stern erhalten.

Nachtrag: Der „deutsche“ Michelin-Restaurantführer  bleibt seinem neu gewählten Termin treu und erscheint auch 2929 wieder im März. Die umfassend aktualisierte Neuauflage empfiehlt Restaurant- und Hoteladressen in allen Preisklassen. Die Listen mit den Sterne-Restaurants werden am 3. März in Hamburg verkündet. Spitzenrestaurants darf man nach dem Aus von Keilings (Bad Bentheim), Perior (Leer),  der „Westfälischen Stube“ in Hörstel-Surenburg und des „La Vie“ in Osnabrück im deutschen Nordwesten nicht erwarten. Zeitgleich erscheint übrigens  der Guide Michelin „Bib Gourmand Deutschland“ und stellt alle Restaurants vor, die sorgfältig zubereitete Speisen zu einem besonders guten Preis-Leistungs-Verhältnis anbieten, sozusagen die 2. Profiliga der Top-Restaurants. Dazu könnte an Ems und Vechte allenfalls der Gasthof Backers in Twist zählen…

ESNS ist immer im Januar

17. Januar 2020

ESNS (Eurosonic Norderslag)
Groningen – Innenstadt
Do 16.01 – Sa 18.01.2020

Mit dem Eurosonic Noorderslag Festival (ESNS) ist auch 2020 der wohl wichtigste  Umschlagplatz für neue europäische Musik im niederländischen Groningen.  Jahr im Januar wird Groningen damit für ein paar Tage zur musikalischen Hauptstadt Europas. Das ESNS besteht aus zwei Teilen:

D. Eurosonic läuft vom Mittwoch bis Freitag. Überall in der Innenstadt spielen Bands aus ganz Europa in den verschiedensten Venues und auf dem Grote Markt gibt es Eurosonic Air. Noorderslag ist am Samstag in De Oosterpoort und dort spielen dann nur niederländische Bands.

Außerdem findet eine Conference zum Netzwerken für Music Professionals in De Oosterpoort statt – mit Workshops, Keynotes und Präsentationen. ESNS ist so zu einer networking platform für europäische Musik geworden:

„Eurosonic Noorderslag is the key exchange and networking platform for European music, with a proven track record for helping new acts break into the international music scene.“

in diesem Jahr liegt der Fokus des Festivals übrigens auf der Schweiz. Die Tickets und das Programm finden sich hier. Der WDR widmet dem Musikfest mit 350 Künstlerinnen und Künstlern am 9. und 16. März zwei Rockpalast-Sendungen.

Social Media: Hashtag für die gesamte Veranstaltung ist #ESNS (Twitter | Instagram).

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Das Foto ist von Douwe Dijkstra [CC BY-SA 3.0] und auf Wikimedia Commons zu finden.

Englisch

10. Januar 2020

Vor allem bei Deutschen sind niederländische Universitäten dafür bekannt, das an ihnen auch auf Englisch studiert werden kann. Manche ausländische Studenten sprechen sogar kein einziges Wort Niederländisch. Das wurde in der Vergangenheit des Öfteren kritisiert. Nun trifft die Universität Twente im benachbarten Enschede die Entscheidung, Englisch zur offiziellen Unterrichts- und Verwaltungssprache der gesamten Universität zu erklären.

Die Umstellung auf Englisch als alleinige Unterrichtssprache wird vor allem als Überlebensstrategie der Universität Twente gedeutet. Laut der niederländischen Tageszeitung Trouw war die Zahl der Studierenden, deren Muttersprache Niederländisch ist, bereits seit längeren rückläufig. Daher sollen durch die neue Maßnahme mehr ausländische Studierende angelockt werden. Laut Direktor Victor van der Chijs passe diese Umstrukturierung auch gut in das Profil einer technisch orientierten Universität. Bereits jetzt sind rund 30 Prozent mehr ausländische Studierende an der Uni Twente eingeschrieben, als an anderen niederländischen Universitäten. Auch fast die Hälfte des Personals, sprich der Dozenten, sei mit einer anderen Muttersprache als Niederländisch aufgewachsen.

Laut der Tageszeitung de Volkskrant sei die Veränderung, die ab dem 01. Januar dieses Jahr in Kraft getreten ist, primär in der Verwaltung der Universität spürbar. Alle Sitzungen oder Besprechungen müssen fortan auf Englisch geführt werden. Van der Chijs betont außerdem, dass die Entscheidungsgewalt über die Unterrichtssprache de facto noch immer bei den einzelnen Studienfächern selbst liege. Werden Studierende speziell für die Arbeit auf dem niederländischen Arbeitsmarkt ausgebildet, dann könne der Unterricht weiterhin auf Niederländisch stattfinden. Das würde bedeuten, dass diese Umstellung vor allem Symbolcharakter habe.

Trotzdem wird die Uni Twente für diesen Schritt kritisiert. Dick Meijer, Mathematikdozent der Uni Twente, habe die Erfahrung gemacht, dass in englischsprachigen Seminaren und Vorlesungen nicht dasselbe Niveau erreicht wird, als in niederländischsprachigen. Nicht alle Studierende und Dozenten beherrschen das Englische laut Meijer gleich gut, weshalb sich manche Studierende gehemmt fühlen, aktiv am Unterricht teilzunehmen.

Die Internationalisierung niederländischer Universitäten – bei der die Umstellung der Unterrichtssprache einen wichtigen Schritt darstellt – ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits werden Universitäten dadurch inklusiver, können sich vergrößern und kreieren eine internationale Atmosphäre. Gleichzeitig kommen viele Studierende oder Promovierende lediglich für ihren Abschluss in die Niederlande und verlassen sie daraufhin direkt wieder. Ihre Ausbildung kostet den niederländischen Staat Geld, das er nicht wiedersieht, da diese Personen nicht in den Niederlanden arbeiten.

Eigentlich sollte das Niederländische durch das Wet taal en toegankelijkheid (auf Deutsch „Gesetz für Sprache und Zugänglichkeit“) eine stärkere Rolle an Universitäten bekommen. Das die Universität Twente daher auch kritisiert wird, sollte vor diesem Hintergrund eigentlich keine Überraschung sein. Laut Van der Chijs sei diese Entscheidung allerdings bereits vor fünf Jahren getroffen worden. Sie ist jetzt mit dem Jahreswechsel 2019/2020 in Kraft getreten.


Quelle Niederlande.Net / Foto: Galaufs CC Naamsvermelding-GelijkDelen 4.0 Internationaal

Küstengefühl

3. Januar 2020

Eine frische Brise Nordsee liegt in der Luft. In Groningen stellt sich schnell das besondere Küstengefühl ein, das viele haben, wenn sie die Region besuchen und wonach viele sich sehnen, wenn sie schon mal dort gewesen sind. Wege, um nach Groningen zu gelangen, gibt es viele; zum Beispiel die Reise mit dem Fernbus von Oldenburg über Ostfrieslan.

Das norddeutsche Verhältnis zu den Niederlanden ist vielleicht auch wegen der räumlichen Nähe oft verklärt, weswegen jede Fahrt dorthin, und sei sie noch so unspektakulär, mit Cannabis assoziiert wird. Da werden eigentlich ganz normale Fernbusse plötzlich zu Drogenbussen uminterpretiert. Damit holen die Student:innen der einen deutschen Universitätsstadt angeblich ihren Stoff von der Universitätsstadt jenseits der Grenze. „Aus Holland“ ist für Marihuana ein Gütesiegel, weiß jede:r Kiffer:in.

Und doch zieht es nicht viele Oldenburger:innen an diesem Wochenende vor den Feiertagen in den Fernreisebus. Es ist nur eine kleine Gruppe junger Frauen, die einsteigt und wohl eher auf einer Einkaufstour als auf der Suche nach dem besten Gras ist. Spannender ist die Option des straffreien Kiffens wohl für die vielen deutschen Studierenden, die sich länger dort aufhalten wollen: Die Niederlande sind auf dem zweiten Platz hinter Österreich, wenn es um die Beliebtheit von Auslandssemestern für Studierende aus deutschen Universitäten geht.

Im Bus, der aus Berlin kommt und über Oldenburg, Westerstede und Leer in Ostfriesland nach Groningen fährt, sitzt im vorderen Teil eine Gruppe niederländischer Männer, die wohl…“

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Rettungsmission

1. Januar 2020

Zum Ende des Jahres gab es neben manch‘ Traurigem auch gute Nachrichten: Das Rettungsschiff „Sea-Watch 3“ konnte am Montag dieser Woche den Hafen von Licata (Sizilien) verlassen und ist inzwischen in der Such- und Rettungszone vor der nordafrikanischen Küste eingetroffen. Zuvor hatte die Organisation die Berufung vor einem italienischen Zivilgericht gegen die unrechtmäßige Beschlagnahme des Schiffes gewonnen, das nach der Rettung von 53 Menschen durch Kapitänin Carola Rackete und Crew durch die italienischen Behörden seit Ende Juni festgesetzt war.

Die jetzige Rettungsmission der Sea-Watch 3 ist die erste unter deutscher Flagge, da Sea-Watch sich während der Beschlagnahme zu einem Flaggenwechsel gezwungen sah, weil der bisherige Flaggenstaat Niederlande der Organisation politisch motivierte Regularien auferlegte, um weitere Rettungsmissionen unmöglich zu machen.

Während sich die politische Situation in Libyen weiter verschärft, ist auch bei der humanitären Katastrophe im Mittelmeer kein Ende in Sicht.

Hunderte Menschen sind ertrunken, während die Sea-Watch 3 unrechtmäßig festgehalten wurde. Endlich sind wir wieder auf dem Weg ins Einsatzgebiet. Wir werden niemals aufhören Menschen aus Seenot zu retten, egal wie viele Steine uns in den Weg geworfen werden“ sagt Johannes Bayer, neuer Einsatzleiter auf der Sea-Watch 3.


Text: PM Sea-Watch.org; Foto: Sea-Watch 3, Chris Grodotzki / Sea-Watch.org. Freigegeben durch commons.wikimedia.org/wiki/Commons:OTRS

Andere Länder…

30. Dezember 2019

…anderes Recht. Im Nachbarland muss die Niederländische Erdölgesellschaft („Nederlandse Aardolie Maatschappij „), kurz NAM, jetzt Schmerzensgeld zahlen. Denn im niederländischen Friesland war es aufgrund von Erdgasbohrungen bereits häufiger zu Erdbebengekommen, die auch Privathäuser beschädigten. Lange wurde vor Gericht um die Frage gerungen, ob die NAM für diese Schäden aufkommen muss oder nicht. Jetzt hat der Gerichtshof der Stadt Leeuwarden ein Urteil gefällt, demzufolge Betroffenen Schadensersatz und darüber hinaus Schmerzensgeld zustehe.

Bereits 2017 hatte das Gericht in der Stadt Assen geurteilt, dass die NAM für Erdbebenschäden aufkommen müsse. Dieses Urteil wurde durch ein Urteil des Gerichts Leeuwarden nun teilweise bestätigt. Das teilte die Gruppe der Kläger in verschiedene Kategorien ein. Die erste Gruppe von ihnen – weit mehr als die Hälfte der Kläger in diesem Prozess – hat das Recht auf eine Schadensersatzzahlung durch die NAM. Ein Teil von ihnen hat darüber hinaus auch das Recht auf Schmerzensgeld und kann mit einem Schmerzensgeld von mindestens 2.500 Euro rechnen. Personen, deren Haus oder Wohnung jedoch keinen oder „nur einen“ Schaden aufweist, können vorerst nicht mit einer Zahlung rechnen. Sie bekommen jedoch noch die Gelegenheit, ihren Anspruch auf Schadensersatzzahlungen deutlich zu machen. 13 Kläger fallen ganz aus dem Rahmen und können laut Urteil des Gerichts nicht mit einer Entschädigung rechnen.

Die Urteile in Assen und Leeuwarden sind laut der niederländischen Tageszeitung NRC Handelsblad jedes für sich ganz besonders. Normalerweise kann nur dann Schmerzensgeld verlangt werden, wenn ein körperlicher oder physischer Schaden vorliegt. Im Falle des Gerichtsurteils von 2017 wurde jedoch auf eine Diagnose verzichtet. Die betroffenen Kläger mussten lediglich auf dem Gasfeld von Groningen wohnen. Daraufhin ging die NAM gegen dieses Urteil in Revision, da die Kläger ihre Schäden nicht ausreichend  genug bewiesen hätten und das Gericht die potentiell sehr unterschiedliche Situation der einzelnen Kläger über einen Kamm schere.

Das aktuelle Urteil von Leeuwarden vom gestrigen Dienstag sei laut Aussage von Rianka Rijnhout von der Universität Utrecht das erste, dass einer so großen Gruppe Schmerzensgeld zugesprochen habe. Der Gerichtshof nehme damit seine gesellschaftliche Pflicht wahr, was Regierung und NAM bisher versäumt hätten. Das neue Urteil ist jedoch nur ein Anfang: Mittlerweile haben 5.300 weitere Personen Klage beim Gericht Noord-Nederland eingereicht. Untersuchungen der Universität Groningen zeigen darüber hinaus, dass rund 83.000 Niederländer durch die Bohrungen der NAM und den hieraus resultierenden Erdbeben Schäden an ihren Häusern haben. Für sie ist das Urteil von Leeuwarden jetzt ein Präzedenzfall, an dem sich weitere Gerichtsverfahren orientieren können.

Der niederländische Wirtschaftsminister Eric Wiebels (VVD) hatte bereits vor einiger Zeit  angekündigt, die Erdgasförderung in dem Gebiet um Groningen im Jahr 2022 zu beenden. Damit wird das Problem laut dem NRC Handelsblad jedoch nicht gelöst: Täglich werden nämlich neue Schadensmeldungen eingereicht, als abgearbeitet werden können.


Text: Niederlande.net; Foto: Gasfelder in den Niederlanden; MJSmit (talk) Satellite_image_of_the_Netherlands_in_May_2000.jpg: created by NASA Satellite_image_of_the_Netherlands_in_May_2000.jpg  CC BY-SA 3.0

Autoluw

29. Dezember 2019

Es war 1977, als eine Gruppe junger Frauen aus Bremen in die Niederlande fuhr. Ihr Ziel: Eine Tagesklinik, in der Frauen Schwangerschaften abbrechen, ambulant, mit örtlicher Betäubung. „Wir wollten herausfinden, wie es die Holländer machten“, erzählt Hanna Staud-Hupke, eine der Frauen von damals. „In Deutschland wurden die Frauen ja diskriminiert. Sie mussten mehrere Tage ins Krankenhaus, es gab immer eine Vollnarkose und sie wurden nicht gut behandelt.“ Auch hätten die deutschen Ärzt*innen die Gebärmutter ausgeschabt, anstatt die schonendere Absaugmethode zu verwenden.

50.000 bis 60.000 Frauen sollen in den 70er Jahren nach Schätzungen jährlich zum Abbruch in die Niederlande gereist sein. Offizielle Zahlen des niederländischen Gesundheitsministeriums gibt es erst seit 1980, da waren es noch 26.200.

Vier Jahre zuvor hatte der Bundestag nach heftigen Auseinandersetzungen die Neufassung des Strafrechtsparagrafen 218 verabschiedet. Danach waren Abtreibungen verboten, wurden aber nicht bestraft, wenn die Frau sich hatte beraten lassen und ein Arzt oder eine Ärztin ihr eine Notlage bescheinigt hatte. Dies wurde Indikationslösung genannt. Zuvor hatte die SPD-FDP-Koalition im April 1974 eine Fristenregelung verabschiedet, nach der der Abbruch in den ersten drei Monaten ohne Angaben von Gründen straffrei blieb, eine Zwangsberatung sah das Gesetzt aber auch vor. Das Bundesverfassungsgericht kassierte das Gesetz im Februar 1975.

Die Bremer*innen veröffentlichten 1978 ein Buch über ihre Reise unter dem Titel „Wir wollen nicht mehr nach Holland fahren“ – und machten sich daran, in Bremen die erste Tagesklinik für Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland zu eröffnen, nach holländischem Vorbild. Am Mittwoch begeht das Medizinische Zentrum sein 40-jähriges Jubiläum.

Träger des Zentrums war damals wie heute der 1969 gegründete Landesverband von Pro Familia, Hanna Staud-Hupke leitete ihn von 1980 bis 2005. Pro Familia berät…

[weiter bei der taz]


⇒ Und im Emsland und der Grafschaft Bentheim? „Das Emsland war schon immer katholisch“, sagt Anne Coßmann-Wübbel. Die Diplom-Sozialpädagogin arbeitet in Lingen in der Schwangeren- und Schwangerenkonfliktberatung des Diakonischen Werks. Das Emsland ist katholisch, und die Krankenhäuser des Emslands sind es auch. Schwangerschaftsabbrüche werden hier nicht durchgeführt. Bis 2007 konnten Frauen, die ungewollt schwanger geworden waren, für eine Abtreibung noch in das kommunale Krankenhaus nach Nordhorn fahren, doch 2007 fusionierte es mit einer katholischen Klinik zur Euregio-Klinik Grafschaft Bentheim. „Die meisten Frauen fahren jetzt nach Osnabrück, Oldenburg oder Bremen“, sagt Anne Coßmann-Wübbel. Auch nach Leer oder in die Niederlanden weichen einige Betroffene aus. Je nach Wohnort müssen die Frauen Strecken von 80 bis 150 Kilometer auf sich nehmen.

(Quellen: taz/noz)

HOLLYWOOD VAMPIRES
ALICE COOPER – JOHNNY DEPP – JOE PERRY 

„LIVE 2020“
Lingen (Ems) – EmslandArena Open Air
23. August 2020

Exklusiver Presale: Heute, Dienstag, 19.November 2019, seit 10:00 Uhr bei allen Reservix- Vorverkaufsstellen und auf http://www.reservix.de
Ticketpreis: Ab 78,75 € inkl. aller Gebühren
Allgemeiner Vorverkaufsstart: Freitag, 22. November, 10:00 Uhr. Tickets dann bei allen bekannten Vorverkaufsstellen, auf www. Reservix.de und auf http://www.eventim.de,
sowie über die Hotlines 0591/ 912950 & 0591/ 9144-144.

„Zugegebenermaßen mit ein wenig Stolz kündigen wir heute das Gastspiel der US Weltklasse Band Hollywood Vampires an. Mit Johnny Depp, Alice Cooper und Joe Perry (Aerosmith) wird die wohl am prominentesten besetzte Rockband der Welt im kommenden Jahr für sechs Termine auch nach Deutschland kommen. Neben dem Gastspiel in Hamburg wird der Auftritt in Lingen das einzige Konzert der Superstar-Rockband in Norddeutschland sein.“  (PM)

Unkraut

13. November 2019

In den Niederlanden hat der Senat, die Erste Kammer der Gesetzgebung im Nahbarland in dieser Woche Besonderes beschlossen.

Das meldete der Online-Dienst Westerwolde-News in seinem Twitter-Account. Twitter hat die Meldung in niederländischer Sprache auch ins Deutsche übersetzt. Ganz prima. Jedenfalls nahezu. Warum? Klickt bitte den Tweet an und dann auf google Übersetzen

Um was geht es? Aktuell entwickeln die Niederlande ein Modell, in dem für den Freizeitgebrauchstaatlich gezüchtetes und angebautes Marihuana („Wiet“) nur in bestimmten Coffeeshops verkauft werden sollen. So soll ein geschlossener Kreislauf entstehen. Nach Ansicht der Kommission „Experiment closed coffee shop chain“ unter  Vorsitz von Prof. Dr. Dr. med. André Knottnerus, die die Realisierbarkeit des Versuchs untersucht, kann der Wiet-Versuch gelingen, wenn es ein diverses Angebot an verschiedenen Cannabissorten, Verkaufspunkten und teilnehmenden Gemeinden gibt.

Gestern nun beschloss nun der Senat der Niederlande („Eerste Kamer“) den entsprechenden Gesetzesentwurf für das auf vier Jahre angelegte Experiment „Closed coffee shop chain“ – ein wichtiger Schritt, um den im Koalitionsvertrag der amtierenden Koalition vereinbarten, landesweiten Versuch mit einer geschlossenen Kette vom Cannabisanbau bis zum Verkauf bzw. vom Züchter bis zum Konsumenten umzusetzen.

Als nächste Schritte sind auch die Annahme des Beschlussvorschlags durch den niederländischen Staatsrat sowie eine Ministerialverordnung notwendig. Der Beschlussvorschlag liegt inzwischen bereits dem Staatsrat vor. Die Anhörungen zur Ministerialverordnung wurden in dieser Woche ebenfalls abgeschlossen. Die abgegebenen Stellungnahmen werden jetzt ausgewertet. Nach diesen letzten Schritten im Gesetzgebungsverfahren wird der mehrjährige Versuch dann starten.

Im vergangenen Sommer hatte bereits die unabhängige Knotterus-Kommission 10 niederländische Städte für das Experiment vorgeschlagen: Arnhem, Almere, Breda, Groningen, Heerlen, Hellevoetsluis, Maastricht, Nijmegen, Tilburg und Zaanstad. Die drei Städte Maastricht, Breda und Heerlen wurden aufgrund ihrer Lage als Grenzgemeinden eingestuft und dürfen daher kein Marihuana an Ausländer verkaufen.

2024/25 soll die Situation in den zehn Versuchsgemeinden dann mit anderen, am Versuch nicht teilnehmenden Gemeinden verglichen werden. Als sogenannte Kontrollgemeinden hat die zuständige Kommission Zutphen, Tiel, Roermond, Midden-Groningen, Lelystad, Hoorn und Helmond vorgeschlagen. Die Kommission hatte außerdem im Sommer gefordert, dass auch eine der vier großen niederländischen Städte am Experiment teilnehmen müsste; von diesen hatte sich aber keine beworben. Daher ist offen, ob bspw. Utrecht nicht doch mit modifizierten Konditionen am Versuch teilnehmen könnte.

Cannabisanbauer, die an dem Projekt interessiert sind, können sich inzwischen anmelden, wenn das Projekt tatsächlich beginnt. Sie müssen dabei nicht aus einer der 10 Versuchsgemeinden kommen. Der genaue Zeitpunkt und die Frist für die notwendige Registrierung werden in naher Zukunft bekannt gegeben. Es bleiben also nur noch wenige Hürden zu meistern, bevor das Experiment mit staatlich gezüchtetem Cannabis in den Niederlanden beginnt.