vor 60 Jahren

15. September 2019

Das konnte man sich vor gut 60 Jahren wohl auch in Amsterdam nicht vorstellen und hat es dann trotzdem einfach mal gemacht. Heute gibt es dort eine Innenstadt geprägt von ÖPNV, Fußgängern und Radfahrern. Es funktioniert offenbar gut. Und keiner heult rum.

„Lasst uns doch auch hier den notwendigen Lieferverkehr in Städten mit Autos fahren, gesundheitlich eingeschränkte Menschen, die auf ihr Auto angewiesen sind sowieso – und irgendwelche Hotelgäste noch dazu, wenn die Hotels Parkplätze haben, die nicht auf öffentliche Parkflächen angewiesen sind.

Der Rest kann gehen. Oder besser: laufen, ÖPNV oder diese E-Scooter nutzen. Wäre derber Fan dieser Umsetzung. (Wobei selbst in Amsterdam immer noch viel zu viele Autos unterwegs sind, aber irgendwo musst du halt auch erstmal anfangen.“ (Ronny Kraak)

(Quelle: Das Kraftfuttermischwerk)

staatlich gezüchtet

7. September 2019

Um das illegale Geschäft mit Cannabis zu beenden, gehen die benachbarten Niederlande einmal mehr undogmatische Wege. Niederlande.Net, die  Informationsplattform aus Münster, weiß mehr über einen, auf vier Jahre angelegten Modellversuch:

Groningen, Tilburg, Breda, Maastricht, Almere, Arnhem, Nimwegen, Zaanstad, Heerlen und Hellevoetsluis sind als die niederländischen Gemeinden ausgewählt, in denen bald nur noch staatlich gezüchtetes Marihuana in Coffeeshops gekauft werden kann. Insgesamt hatten sich 26 Gemeinden für die Teilnahem am Experiment beworben, die vier großen Städte (Amsterdam, Den Haag, Rotterdam und Utrecht) hatten allerdings bekannt gegeben, dass sie aufgrund der Bedingungen des Experiments nicht teilnehmen werden. Sie fanden es nicht akzeptabel, dass alle Coffeeshops einer ausgewählten Gemeinde am Experiment teilnehmen müssen.

Nach vier Jahren soll die Situation in den zehn Experimentiergemeinden dann mit Kontrollgemeinden verglichen werden. Als sogenannte Kontrollgemeinden schlug die zuständige Kommission Zutphen, Tiel, Roermond, Midden-Groningen, Lelystad, Hoorn und Helmond vor. Die Kommission gibt außerdem zu bedenken, dass eigentlich eine der „Großen Vier“ am Experiment teilnehmen müsste. Daher soll och untersucht werden, ob beispielsweise Utrecht nicht doch mit modifizierten Konditionen am Experiment teilnehmen könnte.

Nach Ablauf des Experiments soll sein Erfolg an verschiedenen Faktoren bemessen werden. So soll beispielsweise geprüft werden, ob die Handelskette – vom Züchter bis zum Konsumenten – geschlossen gehalten werden kann und es zu keinen illegalen Lieferungen gekommen ist. Auch wird unter anderem der Cannabiskonsum in den jeweiligen Gemeinden evaluiert werde. Laut Knottnerus, Leiter der bereits genannten Kommission, sei das Experiment bereits positiv zu bewerten, wenn „es keine Verschlechterung gegenüber der jetzigen Situation ist“. Das würde nämlich bedeuten, dass die organisierte Kriminalität, die zum jetzigen Zeitpunkt Teil der Lieferkette für Coffeeshops ist, ins Abseits katapultiert werden konnte.

Die stattlichen Züchter, die übrigens nicht in den jeweiligen Gemeinden selbst ansässig sein müssen, sollen rund 15 Cannabis- und 10 Haschvarianten züchten, die dann zu einem „marktkonformen“ Preis angeboten werden: Nicht zu billig, damit der Marihuanakonsum nicht stimuliert wird, aber auch nicht zu teuer, sodass die Konsumenten Waren auf dem Schwarzmarkt kaufen werden.

Die drei Gemeinden Maastricht, Breda und Heerlen werden aufgrund ihrer Lage als Grenzgemeinden eingestuft und dürfen daher kein Marihuana an Ausländer verkaufen.

Durch die Bekanntgabe der jeweiligen Experimentiergemeinden hat das niederländische Experiment mit staatlichem Marihuana mehr Kontur bekommen. Der Aufbau und die voraussichtliche Durchführung sind aber bereits kritisiert worden. Die Anzahl an Gemeinden reiche u. a. nicht aus, um verlässliche, wissenschaftliche Ergebnisse zu bekommen.

Mehr über die niederländische Drogenpolitik und die vermeintliche Legalität von Marihuana kann im Niederlande.Net-Dossier Drogengesetzgebung in den Niederlanden nachgelesen werden.

nebenan obdachlos

27. August 2019

Neueste Zahlen des Centraalbureau voor de Statistiek (CBS) zeigen, dass sich die Anzahl der Obdachlosen in den Niederlanden seit 2009 – also in rund zehn Jahren – mehr als verdoppelt hat. Das Kabinett, darunter Staatssekretär Paul Blokhuis (ChristenUnie), zeigten sich erschrocken von dieser Entwicklung. Die genauen Ursachen hierfür seien nur schwierig auszumachen.

Rund 18.000 Menschen waren im Jahr 2009 offiziell obdachlos. 2018, also rund zehn Jahre später, ist diese Zahl auf 39.000 Menschen gestiegen. Allerdings dürfte die Dunkelziffer noch deutlich höher ausfallen, da beispielsweise Personen, die sich ohne gültige Aufenthaltsgenehmigung in den Niederlanden befinden, in der Statistik des CBS nicht aufgenommen worden sind. Dabei ist vor allem auffallend, dass besonders die Anzahl an Obdachlosen mit einem „nicht-westlichen Hintergrund“ überproportional anwuchs. Seit 2009 hat sich die Zahl dieser Personengruppe auf 18.000 verdreifacht. Die meisten dieser Personen in dieser Gruppe sind darüber hinaus jünger als dreißig Jahre alt.

Staatssekretär Blokhuis (ChristenUnie) habe sich laut eigenen Angaben bei den Zahlen des CBS sehr erschrocken. „Wir wussten, dass die Anzahl Obdachloser eher zu als abnahm, aber dass sie Zunahme so stark ist, das ist ein Rückschlag“.

Warum die Anzahl der Obdachlosen in den Niederlanden so stark anstieg, ist laut eines Sprechers des CBS schwierig zu bestimmen. Viele Obdachlose sind nicht offiziell registriert, weshalb es nur wenig Informationen über die entsprechenden Personen und ihren Hintergrund gibt. Ein möglicher Faktor, der als Grund diskutiert wird, sind die steigenden Preise auf dem Wohnungsmarkt, durch die die Mieten in den großen Städten immer unbezahlbarer werden. Die meisten Obdachlosen halten sich in den Niederlanden tatsächlich in den großen Städten Amsterdam, Rotterdam, Den Haag und Utrecht auf. Obdachlose sind häufig gezwungen, unter freien Himmel oder in Zelten zu schlafen, da die zuständigen Auffangeinrichtungen überfüllt sind. Dort müssen jeden Abend Personen abgewiesen werden, die einen Schlafplatz suchen.

 


Quelle: Niederlande.net

wächst weiter

16. August 2019

Der niederländischen Wirtschaft geht es viel besser als denen ihrer Nachbarländer . Im zweiten Quartal dieses Jahres ist sie noch einmal um 0,5 Prozent gewachsen. Das Jahreswachstum beläuft sich auf 2 Prozent, so das Statistikamt CBS.

Das Wachstum der niederländischen Wirtschaft sei vor allem diversen Investitionen zu verdanken, vor allem im Wohnungs- und Nutzbau. Diese stiegen im zweiten Quartal um ganze 5 %. Auch im Bereich Konsum stiegen die Ausgaben um 1,7 %. Allerdings hing das Wirtschaftswachstum auch mit Faktoren wie einem überdurchschnittlich kühlen Mai zusammen, im dem der Verkauf bzw. Absatz von Gas zum Beheizen von Wohnungen stieg. Neben bewusst getroffenen Entscheidungen sind also auch nicht beeinflussbare Faktoren für das Konjunkturwachstum verantwortlich.

Dieses Quartal ist somit das 21. Quartal in Folge, in dem die niederländische Wirtschaft wächst. Nur im letzten Quartal von 2015 stagnierte die Wirtschaft.

Auch der niederländische Wiederexport wuchs im letzten Quartal, wohingegen der Export von in den Niederlanden produzierter Güter etwas sank. Die Ursache hierfür sieht das CBS in der deutschen Wirtschaftsleistung, die im Gegensatz zu derjenigen der Niederlande um 0,1 Prozent leicht zurückging. Doch warum steigt die niederländische Wirtschaft stärker als die deutsche? Grund hierfür sei die Tatsache, dass Konsumentenausgaben für die Konjunktur in den Niederlanden wichtiger sind als in Deutschland. Hierzulande bestimmt vor allem die Industrie das Wachstum oder den Rückgang der Wirtschaftsleistung. Das Wirtschaftswachstum lasse sich also auch auf den Optimismus der niederländischen Konsumenten zurückführen.

Laut der Zeitung Volkskrant führe das Wachstum der Wirtschaft aber auch zu einer zunehmenden Spannung auf dem Arbeitsmarkt. Im Durchschnitt gab es für 100 Arbeitslose in den Niederlanden 93 freie Stellen. Bereits seit sechs Jahren wächst somit die Zahl der freien Arbeitsstellen in jedem neuen Quartal. Im ersten Quartal dieses Jahrs waren es noch 88 freie Stellen pro 100 Arbeitslose. Rund 3,3 Prozent der Niederländer waren im zweiten Quartal arbeitslos.

Neben Deutschland, das der wichtigste Handelspartner der Niederlande ist, beeinflusst auch die internationale Wirtschaft die Niederlande stark. Peter Hein van Mulligen, Ökonom des CBS: „Die ganze Unruhe in der Weltwirtschaft, merken wir davon etwas? Für das zweite Quartal lautet die Antwort eindeutig: nein!“ Allerdings drängt sich die Frage auf, wann den Niederlanden der nächste Konjunkturrückgang bevorsteht.

(Quelle: NiederlandeNet)

Deutsch ist Mangelware an niederländischen Schulen. Die Zahl an Deutschklassen nimmt stetig ab. Durch eine Reform der Lehrpläne in den Niederlanden könnte die Zukunft des Schulfachs Deutsch auf dem Spiel stehen, meldet das Duitsland Instituut Amsterdam (DIA). Das Amsterdamer Wissenschaftszentrum für deutsche Sprache und Kultur ruft Lehrerinnen, Lehrer und Eltern dazu auf, sich bei der betreffenden Kommission zu beschweren. Sollten weiterführende Schulen nicht mehr dazu verpflichtet sein, neben Englisch eine zweite Fremdsprache verpflichtend anzubieten, könnte Deutsch aus dem Unterricht verschwinden, so die Warnung des DIA.

Sprachkenntnisse sind unerlässlich für internationale Zusammenarbeit. Diese Binse scheint jedoch in den Niederlanden in Vergessenheit zu geraten. Obwohl die deutsch-niederländischen Wirtschaftsbeziehungen europaweit seines Gleichen suchen, nimmt die Anzahl an Schulen, bei denen Deutsch auf dem Stundenplan steht, seit Jahren ab. Initiativen wie das Mach mit-Mobil! des Goethe-Instituts oder Nachbarsprache Buurcultuur der Radboud Univeristät Nimwegen versuchen, den Trend zu stoppen und Schülern wie Studierenden das Deutschlernen schmackhaft zu machen. Doch nun könnte der Deutschunterricht an zahlreichen Schulen vor dem Aus stehen. Davor warnt zumindest das DIA.

Grund zur Sorge ist eine Lehrplanreform in den Niederlanden. Weiterführende Schulen wären dann von der Pflicht entbunden, neben Englisch eine zweite moderne Fremdsprache anzubieten. Wenn diese Reform in Kraft tritt, würde sich der Deutschlehrermangel in den Niederlanden mit voller Wucht bemerkbar machen, fürchtet das DIA. „Die Schulen können dann sagen: Wir finden keine Deutschlehrer, also unterrichten wir Spanisch. Das ist ein Skandal“, meint Synke Hotje, Mitarbeiterin des DIA, im Interview mit dem Algemeen Dagblad. Neben Deutsch sei auch Französisch von der Lehrplanreform betroffen. Beide Sprachen würden aber für den internationalen Arbeitsmarkt und Handel mit den Nachbarländern Belgien und Deutschland gebraucht. Das stärkste Argument des DIA: 2018 spülte der Handel mit der Bundesrepublik 190 Milliarden Euro in die Niederlande. Der Umsatz wäre hinüber, wenn sich Deutsche und Niederländer nicht mehr verständigen könnten.

Schon jetzt machen sich die mangelnden Deutschkenntnisse im Nachbarland bemerkbar. Die deutsch-niederländische Handelskammer schreibt, eine Unternehmerbefragung aus dem Jahr 2018 habe ergeben, dass Firmen nur wenig Personal mit ausreichenden Sprachkenntnissen finden könnten. Dies wirke sich negativ auf den Handel aus und führe zu starken Verlusten in den Unternehmen. Der Grund für die schlechten Deutschkenntnisse: Zwischen 1995 und 2015 ist die Anzahl an Deutschlernen an weiterführenden Schulen in den Niederlanden um etwa ein Drittel eingebrochen. Der statistische Sturzflug wirkt sich letztlich auch an den Universitäten aus, an denen sich immer weniger Studierende im Fach Germanistik einschreiben. 2016 haben gerade einmal 47 Niederländer ihr Germanistikstudium abgeschlossen.

Nach der Lehrplanreform könnten die weiterführenden Schulen in den Niederlanden Deutsch einfach abschaffen. Die Situation würde sich also nur noch verschlimmern. Dieser Gefahr ist sich das DIA voll und ganz bewusst. „Das Problem ist, dass der Deutschunterricht leider oft unattraktiv für die Schüler gestaltet wird“, erklärt Eline Hakvoort, Mitarbeiterin der Bildungsabteilung des DIA, gegenüber NiederlandeNet. Die Schüler müssten vor allem die deutsche Grammatik pauken, wodurch die Landeskunde auf der Strecke bliebe. „Wir stellen deshalb Lehrmaterial bereit, mit dem die Schüler die deutsche Kultur kennenlernen“, hebt Hakvoort hervor. Das Material eigne sich somit nicht nur für den Deutschunterricht, sondern auch für Fächer wie Geschichte und Erdkunde.

Ein Beispiel für das Unterrichtsmaterial des DIA ist das sogenannte Frühstücksei. Auf der Website des DIA können Lehrer ein wöchentlich neu serviertes Frühstücksei downloaden, das mit schülergerechten Informationen über Deutschland gefüllt ist. Ob das Rezo-Video, die Zulassung der E-Roller oder die deutsche Kirmestradition: Die Frühstückseier sollen als Vorspeise den Wissenshunger der Schüler zu Beginn der Deutschstunde anregen. Doch nicht nur das Erstellen von Unterrichtsmaterial gehört zu den Aufgaben des DIA. Daneben ist das Amsterdamer Deutsch-Institut bei grenzüberschreitenden Schulaktivitäten eingespannt und bietet Fortbildungen sowie Studienreisen für niederländische Deutschlehrer an.

Mit den Angeboten will das DIA das Image des Deutschunterrichts in den Niederlanden aufpolieren. Eline Hakvoort kann als gebürtige Niederländerin darüber aus eigener Erfahrung berichten: Sie studierte zunächst Germanistik in Utrecht, später Niederlande-Deutschland-Studien in Nimwegen und Münster. „Ich habe auf einer Party mal jemanden kennengelernt, der mich fragte, was ich studiere“, erzählt Hakvoort. „Als ich meinte, dass ich Germanistik studiere, antwortete er nur: ach du meine Güte!“ Diese Reaktion sei durchaus typisch, denn Deutsch würde von Niederländern häufig unterschätzt, fährt die heutige DIA-Mitarbeiterin fort: „Die meisten Niederländer denken sich: Deutsch, das kann doch jeder. Wozu muss ich die Sprache auch noch in der Schule lernen?“ Dahinter verberge ich aber ein ganz anderes Problem: „Oft sind die Leute falsch informiert. Sie wissen häufig nicht, wie eng die Beziehungen der Niederlande zu Deutschland sind“, erläutert Hakvoort.

Kein Wunder, dass sich das DIA von den Plänen, eine verpflichtende zweite Fremdsprache in den Niederlanden abzuschaffen, wenig begeistert zeigt. Die derzeitige Regelung, dass die Schulen Deutsch und/oder Französisch unterrichten müssen, sollte nach Auffassung des DIA unbedingt beibehalten werden. Neben Englisch sollten alle Schüler in den Niederlanden eine zweite moderne Fremdsprache lernen, ganz gleich welche Schulform sie besuchen, fordert das DIA. Das Institut regt Lehrer und Eltern dazu an, sich über die Lehrplanreform beschweren. Dies können die Betroffenen über das Feedbackformular auf der Website Curriculum.nu.

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Dies ist ein Beitrag auf der Internetseite NiederlandeNet. Mehr zum Thema erfahren Sie im NN-Dossier über Deutsch in den Niederlanden.

„Roken is dodelijk

3. August 2019

Die NL-Nachbarn wollen Rauchen unattraktiver machen und deshalb gibt es dort jetzt mehr Verbote in der Außengastronomie. Wir können also schon einmal sehen, was bei uns dann auch bald kommt.

Roken is dodelijk“ – diesen Satz bringen viele Urlauber aus dem Niederlande-Urlaub mit. Er ist als Warnhinweis auf Zigarettenschachteln zu lesen. Dass die Botschaft der Warnung eine sehr ernste ist, zeigt der neueste Bericht der Weltgesundheits-Organisation WHO über das weltweite Rauchverhalten: Demzufolge sterben jedes Jahr acht Millionen Menschen auf der ganzen Welt an den Folgen des Tabakkonsums. Die Niederlande haben dem Rauchen in Anbetracht der erschreckenden Zahl an Todesopfern den Kampf angesagt. Aber nicht nur die Politik, sondern auch Unternehmen reagieren auf das Rauchen. So verbieten immer mehr Cafés und Kneipen das Rauchen in ihren Außenbereichen.

18 Prozent der Niederländer rauchen. Für die niederländische Regierung unter Ministerpräsident Mark Rutte (VVD) sind das 18 Prozent zu viel. Die Koalition in Den Haag hat sich eine Anti-Rauch-Politik gesetzt, die Rauchen so unattraktiv wie möglich machen soll. Dazu gehören etwa ständige Preissteigerungen durch hohe Steuern auf Tabakwaren und unappetitliche Horrorbilder auf Zigarettenschachteln. Darüber hinaus können Raucher in den Niederlanden die Kosten für Entwöhnungstherapien bei der Krankenkasse geltend machen. Ab dem 1. Juli 2020 sollen Zigarettenschachteln außerdem verpflichtend eine braungrüne Farbe haben. Das hat das Rutte-Kabinett Ende Juni beschlossen.

Die Absprachen der Koalition scheinen einigen Niederländer nicht schnell genug zu gehen. So ergreifen immer mehr Cafébesitzer und Kneipiers bereits selbst Maßnahmen und verbieten das Zigaretten-Rauchen auf ihren Terrassen und Außenanlagen. Auf der Website der Nichtraucherorganisation Clean Air Nederland können Gastronomen ihre Rauchverbote registrieren. Im letzten Jahr stand der Zähler noch bei 39 (teilweise) rauchfreien Gaststätten. Doch nun gibt Clean Air Nederland an, dass in 113 Kneipen, Bars und Restaurants Rauchen verboten ist – ein Anstieg von fast 300 Prozent in nur einem Jahr.

Tatsächlich hat Gesundheits-Staatssekretär Paul Blokhuis (ChristenUnie) angekündigt, dass das Kabinett Rauchverbote auf Terrassen von Straßencafés und Kneipen in den Nationalen Präventionsplan aufnehmen möchte. Auf der Website der niederländischen Regierung ist darüber aber noch nichts zu lesen. Stattdessen sieht die Strategie der Regierung, deren Ziel es ist, eine rauchfreie Generation aufwachsen zu lassen, folgende Maßnahmen ab 2020 vor:

•    Ein Päckchen mit 20 Zigaretten wird ab dem 1. April um 1 Euro teurer;
•    Tabakwaren dürfen nicht mehr sichtbar an den Verkaufsorten, zum Beispiel im Supermarkt, ausliegen;
•    Rauchen wird in allen Kinderbetreuungseinrichtungen verboten;
•    Rauchentwöhnung soll zur Standardversorgung der Krankenkassen gehören.

Ab 2025 soll Rauchen des Weiteren auf allen Spielplätzen sowie in allen Sportvereinen und Pflegeeinrichtungen des Landes verboten werden. Die ambitionierten Ziele aus den Niederlanden werden allerdings übertroffen: In England (nicht im ganzen Vereinigten Königreich) soll ab 2030 ein allgemeines Rauchverbot gelten. Die Suchtpräventionsstrategie der Niederlande umfasst im Übrigen nicht nur Tabakkonsum, sondern auch Übergewicht und Alkoholmissbrauch.

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Text Niederlande.net; Foto Niels Heindereich via flickr CC BY 2.0

Krämerseelen

22. Juli 2019

Das oberste Verfassungsorgan der Niederlande, der Raad van State (in deutsch: Staatsrat) in Den Haag, hat am vergangenen Mittwoch einen Bebauungsplan für das Industriegebiet Oosterhorn bei Delfzijl aufgehoben. In der Entscheidung heißt es, dass die Baupläne für das Gebiet südöstlich von Delfzijl zu unzulässig hohen Stickstoffwerten in der Natur, speziell im geschützten Wattenmeer führen könnten. Damit ist der Bebauungsplan, den der Stadtrat von Delfzijl bereits 2017 beschlossen hatte, erst einmal vom Tisch.

Hintergrund ist eine, an Krämerseelen erinnernde Praxis im Nachbarland: Bisher konnten dort Überschreitungen von Immissionen toleriert werden, sofern dadurch andernorts die Natur entlastet wurde. Seit 2015 gab es dazu das Anti-Stickstoff-Programm PAS. Dies ermöglichte es, nahe von Naturschutzgebieten emittierende Betriebe zuzulassen, sofern die Natur in der Zukunft wiederhergestellt wird. Da jedoch unklar ist, ob diese Abhilfemaßnahmen Auswirkungen haben, verstößt die PAS gegen europäische Vorschriften. Dieses Urteil macht es unmöglich, neue Naturgenehmigungen auf der Grundlage der PAS zu erteilen, wie dies jetzt in Delfzijl der Fall war.

Eine solche Kompensation ist jetzt -so der Raad van State – nicht mehr möglich. Dieser hatte zuvor eine Reihe von Rechtsfragen dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) zur Prüfung vorgelegt. Der EuGH hatte daraufhin in seiner Vorab-Entscheidung vom 7.11.2018 (C 293/17 und 294/17) unterstrichen, dass solche Projekte unzulässig sind, sofern nicht „anhand objektiver Umstände mit Gewissheit jede Möglichkeit ausgeschlossen“ werden kann, dass sie einzeln oder in Zusammenwirkung mit anderen Projekten diese Gebiete erheblich beeinträchtigen können, was das vorlegende Gericht -hier also der Raad van State, zu prüfen habe.

Diese Prüfung hat der Raad van State jetzt offenbar vorgenommen und eine klare Entscheidung getroffen. Durch sie werden zahlreiche Bauleitpläne obsolet, darunter der Schwerindustrieplan für Delfzijl.

Erfolgreich geklagt hatten die Bürgerinitiative „Saubere Luft Ostfriesland“, auf der deutschen Dollartseite in Wybelsum beheimatet, und die Vereniging van Zuivere Energie Westerwolde, als sich herausstellte, dass künftig am Standort in Delfzijl große Mengen an Schwermetallen, Stickstoffen und Phosphor in die Außenems und darüber ins Naturschutzgebiet Wattenmeer eingeleitet werden können. Das widersprech der Europäischen Habitatsrichtlinie (FFH), lautete das Argument. Eine Auffassung, die jetzt in Den Haag bestätigt wurde. Mit Erfolgen hat die BI übrigens Erfahrung. Gegründet hatte sie sich, als der dänische Energiekonzern DONG Energy  ein 1600 MW Kohlekraftwerk auf dem „Rysumer Nacken“ beu Emden bauen wollte. Dieses Vorhaben ist seinerzeit glücklicherweise gescheitert.

Fach Deutsch.

10. Juli 2019

Auch nebenan, in den Niederlanden, fehlen Lehrer – und nicht nur die.

Die Sommerferien fallen in den Niederlanden aus – zumindest für die vielen Schulen, die händeringend nach Personal suchen. So überschreibt der PO-Raad, die Berufsvereinigung der Grundschullehrer, die Pressemitteilung über Lehrermangel. Ungefähr 4.200 Stellen seien unbesetzt, heißt es darin. Nicht nur Lehrkräfte, sondern auch unterstützendes Personal und Schulleiter werden gesucht. Wer vor allem unter dem Lehrermangel leide, seien die Schülerinnen und Schüler, meint Rinda den Besten, Vorsitzende des PO-Raad.

Eine Personallücke gewaltigen Ausmaßes klafft im niederländischen Schulsystem. 3.500 Lehrkräfte fehlen. Das ergab eine Studie, die der PO-Raad in Auftrag gegeben hatte. In die 3.500 offene Stellen werden alle Lehrkräfte eingerechnet, also sowohl Vollzeit als auch Teilzeit arbeitende Lehrer sowie fehlendes Ersatzpersonal für Lehrer in Elternzeit. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Personallücke um 5 Prozent angestiegen. Hinzu kommt, dass rund 320 Rektoren und 400 Unterrichtsassistenten fehlen. Die Folgen des Lehrermangels sind jetzt schon abzusehen: Schulverwaltungen müssen Klassen ab und an nach Hause schicken oder eigentlich unbefugte Lehrkräfte unterrichten lassen. Schon jetzt stehen unter anderen Praktikanten vor den Klassen oder Lehrkräfte in Teilzeit müssen etliche Überstunden ableisten.

„Es ist fatal, die Zukunft der Schüler steht auf dem Spiel“, gibt Rinda den Besten zu bedenken. Die Vorsitzende des PO-Raad greift zu drastischen Worten; sie dramatisiert die Lage aber nicht. Die Schulleistungen selbst rechnen damit, dass die Qualität des Unterrichts unter dem Lehrermangel leiden wird. Wenn Personal fehlt, erhöht sich der Arbeitsaufwand für die Lehrkräfte. Das bedeutet gleichzeitig, dass nicht genügend Kapazitäten übrig sind, um zum Beispiel Quereinsteiger einzuarbeiten. Die Maßnahmen, die die Schulen ergreifen, um die Personallücke zu stopfen, erscheinen verzweifelt: 55 Prozent lassen Praktikanten unterrichten, ein gutes Viertel sieht sich gezwungen, Unbefugte vor die Klassen zu stellen. 14 Prozent bitten zudem Lehrer im Rentenalter, erst später in den Ruhestand zu gehen.

Besonders auffallend ist zudem, dass der Lehrermangel an den Schulen durchaus unterschiedlich ausfällt. Dabei kommt es nicht nur auf die regionale Lage der Schulen an, sondern auch auf das Schulniveau. Der PO-Raad kritisiert etwa, dass der Lehrermangel vor allem Kinder trifft, die Unterstützung brauchen. Denn Lehrer auf Förderschulen wanderten in reguläre Schulen ab, weil sie dort besser bezahlt würden. Das verschärfe die Chancenungleichheit im niederländischen Bildungswesen. Schon jetzt geben 60 Prozent der Schulen an, keine Zeit für Kinder mit besonderem Unterstützungsbedarf zu haben. Für Den Besten steht daher fest: „Der Lehrberuf muss attraktiver werden.“ Ein gerechter Lohn gehöre genauso dazu wie flexible Ausbildungswege und lukrative Karrieremöglichkeiten.

Der PO-Raad, die Berufsvereinigung der Lehrer auf weiterführenden Schulen sowie die Gewerkschaften fordern ein sofortiges Notmaßnahmenpaket. 423,5 Millionen Euro müsse die Regierung in Den Haag in den Bildungssektor investieren. Das Geld sei nötig, um die Arbeitsbedingungen an den Schulen deutlich zu verbessern. Ein höheres Gehalt für Lehrer auf allen Schulformen sei nötig, um eine ausreichende Versorgung zu garantieren. Wer sich beispielsweise keine Wohnung in Amsterdam leisten könne, werde dort auch nicht unterrichten, so die Argumentation der Lehrerverbände und Gewerkschaften.

Bereits im letzten Jahr berichtete NiederlandeNet über den Lehrermangel im Nachbarland Niederlande. 2018 wurde nämlich eine Rekordanzahl an Lehrkräften aus dem Ausland in die Niederlande angeworben. Personalknappheit herrscht vor allem in den MINT-Fächern und im Fach Deutsch.

 


via Niederlande.net

Twitter-Nutzer @kevinrizor hat heute Morgen im niedersächsischen Becklingenstand eine merkwürdige Entdeckung gemacht. Dort stand am Straßenrand so ein Dingen rum, das irgendwie nach Militär aussah. Er fragte dann auf Twitter, was genau das wohl sein könnte und ob die Polizei neuartige Blitzer hat.

Die ortsansässige Polizei hat den Fall geprüft und festgestellt, dass wohl die niederländische Armee, die dort hin und wieder Übungen macht das Teil dort vergessen hat. Eine Panzerabwehrlenkwaffe namens „Spike“. Aber, keine Panik, es soll sich in diesem Fall nur um eine Attrappe handeln. Und die kann man ja schon mal vergessen. Kann ja mal passieren. Wer kennt es nicht?

Heute am Samstag

15. Juni 2019