F4F am 24. Mai

23. Mai 2019

Inzwischen gibt es zwar 500 Friday-for-Future Ortsgruppen in Deutschland. Zu meiner überraschung ist im Land an Ems und Vechte gähnende Leere. Diese Passivität wirkt auf mich ausgesprochen rückständig.

An diesem Freitag (24. Mai) findet ungeachtet dessen der nächste globale Klimastreik statt! Bereits über 220 250 Ortsgruppen haben für diesen Tag Demonstrationen angekündigt. Ich lese im F4F-Blog : „Bestimmt gibt es auch bei dir in der Nähe Mitstreiter/innen, mit denen du und deine Freund*e und Freundinnen zwei Tage vor der Europawahl nochmal zeigen könnt, wie wichtig Umweltpolitik ist. Lasst uns gemeinsam auf die Straße gehen und ein Zeichen für den globalen Klimaschutz setzen! Genaueres auf der Aktionsseite.“ Doch da wird nichts angezeigt in Nordhorn, Lingen und Meppen. Allein in Papenburg startet um 8.30 Uhr vor dem Rathaus eine Veranstaltung. Ich finde diese lokale Trägheit ziemlich enttäuschend…

Denn natürlich ist die Klimakrise die größte Herausforderung der Gegenwart und muss oberste Priorität in der Politik haben. Es sind radikale Klimaschutzmaßnahmen notwendig, um die Einhaltung des 1,5 Grad-Ziels noch gewährleisten zu können. Als drittgrößter CO2-Emittent weltweit trägt die EU eine besondere Verantwortung im Kampf gegen die Klimakrise. Mehr Hintergrundinformationen hier

15. Schulkinowochen

26. Februar 2019

Die 15. Schulkinowochen Niedersachsen finden seit gestern und noch bis zum 22. März statt. In unserer Stadt Lingen (Ems) gibt es die Filme im  Filmpalast Cine-World, Willy-Brandt-Ring 40  zu sehen und zwar vom  11. bis 15. März 2019 (hier die Programmübersicht). Im Emsland sind dann noch Haselünne, Meppen und  Papenburg mit am Start (mehr).

Es gibt einen geheimen Lehrplan bei den Schulkinowochen: Es ist nicht nur wichtig, welche Filme sich Tausende von Schüler*innen in den kommenden Wochen in Niedersachsen und Bremen ansehen, sondern, dass sie dies überhaupt in einem Kino tun. Denn zur Sozialisation der sogenannten „Digital Natives“ gehört ein Kinobesuch inzwischen immer seltener. Für viele dürfte es deshalb ein prägendes Erlebnis sein, zum ersten Mal einen Film nicht auf einem Smartphone, Tablet oder Bildschirm, sondern gemeinsam mit vielen anderen in einem dunklen Raum auf einer großen Leinwand zu sehen. Für den Projektleiter der Schulkinowochen Niedersachsen Jörg Witte macht dieses Erlebnis die Essenz eines Kinobesuchs aus.

Solche Projekte wie die Schulkinowochen gab es in anderen europäischen Ländern schon viel früher. Etwa weil in Frankreich, Großbritannien oder Schweden der Film ganz selbstverständlich als die siebte Kunstform und nicht nur als Unterhaltung angesehen wird. Doch besser spät als gar nicht. Mittlerweile sind die Schulkinowochen ein beeindruckend großes und nachhaltiges Projekt. Sie werden vom Netzwerk „Vision Kino“ organisiert, in allen Bundesländern durchgeführt und laufen in rund 850 Kinos. In Niedersachsen finden sie jetzt zum 15. Mal statt. Insgesamt haben in den vergangenen Jahren rund eine Million Schüler*innen die Veranstaltungen besucht.

In den kommenden vier Wochen gibt es etwa 1.000 Vorstellungen in 100 Kinos an 86 Standorten mit insgesamt 63 Filmen, die…

[weiter in der taz]

Hier das Programmheft für unsere Region.

gegen Menschenhass

26. Dezember 2018

In Papenburg  aufgewachsen, wurde Oliver Polak in der norddeutschen Provinz sozialisiert. Der Komiker hat ein Buch „Gegen Judenhass“ geschrieben. Im taz Interview spricht er darüber, Gespräche am Tisch der Eltern und selbstreferenziellen Humor.

taz: Oliver Polak, Sie sind der erste Jogginghosenträger, der bei Suhrkamp ein Buch veröffentlicht. Wie fühlt sich das an?

Oliver Polak: Auf jeden Fall interessant, wo immer ich mein Buch präsentiere, fällt die Rede darauf, dass ich Jogginghosenträger bin. Ich bin auch der Erste, der in Adiletten für Suhrkamp präsentiert. Manchmal werde ich deshalb schräg angeguckt.

Ist die Jogginghose Ihre Arbeitsuniform?

Jogginghosen trage ich schon, seit ich 20 bin. Sie sind bequem. In Kreuzberg stößt das noch auf Verwunderung, wenn ich in New York unterwegs bin, stört das niemanden. Es gibt übrigens Jogginghosen von Gucci, die kosten 800 Euro.

Was kostet Ihre?

Ich bevorzuge Modelle der Marke Adidas, die kosten zwischen 80 und 150 Euro.

Früher teilte man Westdeutschland in Puma und Adidas. Warum Adidas?

Ich war nie Puma, ich war immer Adidas. Was Hosen angeht und Sweatshirts, immer Adidas. Bei Sneakern schwöre ich auf Nike.

Geha oder Pelikan-Füller?

Geha! Gegenfrage: Was wäre das Pendant zum Steiff-Tier?

Da muss ich passen.

Asoziales Stofftier.

Sie sind im niedersächsischen Papenburg aufgewachsen. Welche Ereignisse sind da für Sie prägend gewesen?

Mein Vater war passionierter Zirkus-Fan, auch für mich war der Zirkus ein wichtiger Ort. Papenburg ist ziemlich trist, aber im Zirkus fühlte ich mich wohl. Ansonsten kann ich schon sagen, dass ich ein Kind der Popkultur bin. Sie war Zufluchtsort. Als Neunjähriger sah ich Udo Jürgens in der Weser-Ems-Halle. Das erste Konzert, das ich selbst ausgewählt habe, war ein Auftritt von Erste Allgemeine Verunsicherung….

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Polaks Buch ist ein alarmierender Appell gegen Menschenhass und den erstarkenden Antisemitismus in Deutschland.

»Wenn du heute wieder nicht lustig bist, landest du im Aschenbecher!«
»Mein Vater ist auch im KZ gestorben, besoffen vom Wachturm gekippt.«
»Musst du nicht weg? Der letzte Zug nach Auschwitz fährt doch gleich.«
»Juden wollen immer Mitleid!«

Das sind nur ein paar der Sätze, die Oliver Polak tagtäglich in Deutschland zu hören bekommt. Andere Menschen werden auf offener Straße angegriffen, weil sie eine Kippa tragen. Jüdische Schüler werden beschimpft. Antisemitische Rapper hingegen bekommen Preise. Einem jüdischen Restaurantbesitzer wird seine bloße Anwesenheit vorgeworfen: »Wir wollen euch hier nicht in Deutschland.« »Euch«, das meint die Juden. All das zeigt: Deutschland hat ein Problem mit ihnen und denen, die mit jüdischen Menschen ein Problem haben. In eindringlichen Worten appelliert Oliver Polak für eine klare Haltung: Wenn wir eine liberale Gesellschaft sein wollen, müssen wir uns endgültig von unseren Ressentiments befreien!

Oliver Polak
Gegen Judenhass
suhrkamp taschenbuch 4984, Taschenbuch, 127 Seiten
ISBN: 978-3-518-46984-2

8,00 Euro


Oliver Polak ist in Papenburg aufgewachsen. Nach seinem Abitur in England lebt der Stand-up-Comedian, Kolumnist und Autor seit 15 Jahren in Berlin . Seit 2015 ist er in der TV-Reihe »Das Lachen der anderen« zu sehen, für die er 2017 mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet wurde. Polaks Late-Night-Show »Applaus und raus« (2016) erhielt den Grimme-Preis. Gemeinsam mit Micky Beisenherz produziert er seit November 2017 den erfolgreichen wöchentlichen Podcast »Juwelen im Morast der Langeweile« bei Audible. 2008 und 2014 erschienen seine beiden Bestseller Ich darf das, ich bin Jude und Der jüdische Patient. Seine neue Show, mit der er ab dem Frühjahr auf Tour geht, heißt »Der Endgegner«.

(Quellen taz, Suhrkamp-Verlag)

Twitter-Nutzer Chris macht sich auf die Fahrt mit dem Intercity von Köln, durch Westfalen und das Emsland, nach Emden Außenhafen. Einzigartig sein twitter-Protokoll.



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Lohnprellerei auf der Meyer Werft. So titelt die linke, nicht nicht unumstrittene Tageszeitung junge welt  und berichtet altbekanntes Neues über die Papeburger Meyer werft. Die IG Metall hatte sich zuvor zu den Arbeitsverhältnissen in einem der größten Betriebe in Weser-Ems geäußert, was die regionalen Medien nicht aufgriffen. Der Vorwurf: Der Schiffsbauer im niedersächsischen Papenburg nutzt Werkverträge, um Arbeitern aus Osteuropa Rechte vorzuenthalten.

rumänische Wanderarbeiter bei einem Brand in ihrer menschenunwürdigen Unterkunft. Sie waren mit einem Werkvertrag bei dem Schiffsbauer beschäftigt. Das Unternehmen reagierte, versprach Besserung. Doch jetzt gibt es wieder Berichte über den skandalösen Umgang mit Arbeitern aus Ost- und Südosteuropa. Ursula Wentingmann, IG-Metall-Sekreträrin der IG Metall Leer-Papenburg, bestätigte dies Anfang des Monats im Gespräch mit junge Welt. Demnach werden immer wieder neue Fälle bekannt.

Viele, wenn nicht die meisten Vorfälle bleiben allerdings im Verborgenen. Nur selten würden sich Arbeiter aus Rumänien, Bulgarien oder anderen südosteuropäischen Ländern an die Beratungsstelle für mobile Beschäftigte in Oldenburg wenden, berichtete die IG Metall zeitgleich  auf ihrer Internetseite.

Viele, wenn nicht die meisten Vorfälle bleiben allerdings im Verborgenen. Nur selten würden sich Arbeiter aus Rumänien, Bulgarien oder anderen südosteuropäischen Ländern an die Beratungsstelle für mobile Beschäftigte in Oldenburg wenden, berichtete die IG Metall in der vergangenen Woche auf ihrer Internetseite. Gründe sich zu melden gebe es für viele Arbeiter, oft hätten sie aber weder Zeit noch den Mut dazu.

Als Schweißer leisteten sie bis zu zehn Stunden an sechs bis sieben Tagen in der Woche Schwerstarbeit auf der Meyer-Werft. Ein früherer Mitarbeiter hatte im März gegenüber dem Spiegel sogar von 15-Stunden-Schichten berichtet. Abends…

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mehr bei der IG Metall

 

Ungleichbehandlung

13. August 2018

In einer Vorlage der Stadtverwaltung für die Ausschussberatung lese ich:

„Mit Schreiben vom 14.06.2018 hat der Landkreis Emsland mitgeteilt, dass ab 2018 ein jährlicher Pauschalzuschuss in Höhe von 25.000 € als Fördermittel für die Theaterförderung in Lingen zur Verfügung gestellt wird. Der jährliche Zuschuss wurde dabei von bisher 16.000 € um 9.000 € auf jetzt 25.000 € angehoben. Ab 2018 erhalten den Pauschalzuschuss von 25.000 € die Theatergemeinden Lingen (2.481 Abonnenten), Papenburg (919 Abonnenten), Meppen (750 Abonnenten) und Clemenswerth (381 Abonnenten) sowie die Freilichtbühnen in Ahmsen und Meppen. Weiterhin zahlt der Landkreis dem Kulturkreis Impulse und dem Heimathaus Twist je 12.000 €.

Der Fachbereich Kultur begleitet pro Jahr ca. 90 Kulturveranstaltungen (ohne Kultursommer und weitere Outdoor-Veranstaltungen) in den verschiedenen Kultureinrichtungen, schwerpunktmäßig im Theater an der Wilhelmshöhe, mit ca. 44.000 Besuchern, davon ca. 60 eigene Veranstaltungen und ca. 30 Vermietungen. Nicht dazu gehören die von der Stadt Lingen bezuschussten Kulturveranstaltungen der Lingener Vereine und Verbände, hier z. B. die Kinderreihe „Kiki & Pupps“ sowiedas Studioprogramm.“

Sögel bekommt also pro Abonnent etwa 60 Euro, Meppen etwa 35 Euro, Papenburg knapp 30 Euro, aber Lingen nur ganze 10 Euro. Die freien Träger in Lingen wie das Kulturforum St. Michael oder der Kunstverein für seine Musikreihe „Junge Virtuosen“ bekommen nichts.

Darin zeigt sich, so finde ich, eine -zurückhaltend formuliert- sehr bemerkenswerte Ungleichbehandlung. Sie wird noch größer, wenn man berücksichtigt, dass etwa in Meppen und Sögel der Landkreis auch noch alle Gebäudekosten trägt; denn Theater dort wird in (Schul-)Gebäuden des Landkreises gespielt.

Es wundert, weshalb sich die Stadt Lingen  und -vor allem-  ihre Kreistagsabgeordneten so etwas klaglos bieten lassen.

 

Weihnachtsprogramm

24. Dezember 2017

Was machen wir in diesen Tagen? Das Programm in der Region an Ems und Vechte ist eher zurückhaltend. Die Lingener Kultkneipe Koschinski zum Beispiel war Jahrzehnte am späten 24. Dezember ein Fluchtpunkt für die in die Heimat zurückgekommenen Weihnachtsbesucher. Nun ist es am Heilig Abend geschlossen. Auch das Emslandmuseum und die Kunsthalle in Lingen sind -übrigens entgegen den Angaben im Veranstaltungskalender der Stadt Lingen (Ems)- nicht geöffnet sondern an den Festtagen geschlossen. Auch sonst ist nicht viel los, oder?!

Heute, Heilig Abend,
könnte man Bauer Harm im Tierpark Nordhorn besuchen. Der 24. Dezember ist wohl für jedes Kind ein aufregender Tag. Die Zeit bis zur Bescherung ist aber oft seeehr lang und bei aller Aufregung auch langweilig. Wie wäre es also mit einem Besuch bei Bauer Harm im Tierpark Nordhorn? In der gemütlichen Stube liest der Vechtehofbauer Weihnachtsgeschichten. Auch die Erwachsenen sind an seinem Herdfeuer willkommen, um mit ihm über die alte Zeit zu reden. Der Tierpark ist von 9 -17 Uhr geöffnet.

Übrigens hat, wie mir gerade „Petra1971“ (Danke!) schreibt, heute auch der Natur-Zoo in Rheine geöffnet. Kinder haben freien Eintritt, Erwachsene zahlen den Kinderpreis. So weit die gute Nachricht. Leider schließt er schon um 13 Uhr. Also notieren wir das für Weihnachten 2018…

In den katholischen Kirchengemeinden in Lingen (Ems) wird ein musikalisches Krippenspiel aufgeführt (hier und hier die genauen Zeiten). Wir laden alle Familien ganz herzlich dazu ein. Nach der Krippenfeier können alle das „Friedenslicht aus Bethlehem“ mit nach Hause nehmen. Bitte dafür ein Glas/ Laterne (Betlehem Laterne) mit einer Kerze mitbringen.

In Haselünne findet ab 15.30 das offene Weihnachtssingen des MGV Rheingold auf dem Hopfenmarkt. Gesungen werden „die guten alten Weihnachtslieder – möglichst über die erste Strophe hinaus“ (Keine Angst: Es werden Liederblätter verteilt) Der Eintritt ist frei.

Auch am 1. Weihnachtag findet laut Veranstaltungskalender in Bad Bentheim ab 10.30 Uhr (!) die Historische Stadtführung „Zeitreise 1900“ durch den Kurort der Obergrafschaft statt. Sie beginnt  am unteren Burgtor und dauert ca. 1,5 Std.

Zur XMAS DANCE NIGHT lädt Papenburg in die Papenburger Kesselschmiede ein. Ab 22 Uhr öffnen sich dort die Türen. Auf der Bühne sorgen wie im vergangenen Jahr der Bremer DJ SHORT-Y und Lokalmatador DJ MDU für den Mix aus Classics, House und aktuellen Hits und Partysounds. Live Act des Abends ist der Bremer Saxofonist Chris Kawa. Karten gibt es für 15 € an der Abendkasse.

Keine Lord Nelson Revival Party mehr in Lingen; die Lord-Nelson-Geher der 60er und 70er Jahre bleiben inzwischen altersbedingt eher zuhause. Statt dessen heißt es Coming Home für Xmas;  ab 22 Uhr findet bereits zum vierten Mal am ersten Weihnachtstag die XXL Party in den Emslandhallen Lingen statt. Man trifft Heimkehrer und Freunde in einem -so die Veranstalter- „außergewöhnlichem weihnachtlichem Ambiente“. Es soll die größte Weihnachtsparty in der Region stattfinden. Eintritt: Bescheidene 6 Euro.

Am 2. Weihnachtstag findet ab 18 Uhr in der Lingener Kreuzkirche das traditionelle Weihnachtskonzert statt – mit Meike Leluschko (Sopran) und Shawn Grocott (Posaune) aus Detmold sowie Kantor Peter Müller an der Flentrop-Orgel. Karten für 8 Euro )erm. 5 Euro) an der Abendkasse.

Die Beatschicht X-Mas findet abends im Koschinski, Schlachterstraße 16, Lingen (Ems) statt. Es ist die letzte Schicht des Jahres und zur Feier des Tages mit hochkarätigem Besuch aus Hamburg. „Wir freuen uns, nach Mixwell und Stylewarz auch das dritte Mitglied des DJ Orchestra in Lingen begrüssen zu dürfen. Der großartige Mirko Machine wird uns zum Feste mit seinen erlesenen DJ Skills an den One and Twos beschenken. Also Mittwoch Urlaub und ab auf die Bretter! Kein VVK. Der Eintritt ist frei.Stempelt also rechtzeitig ein!“ macht das Koschinski schon im Vorfeld Lust auf einen geilen Abend.

Konrad Beikircher

31. Januar 2017

Konrad Beikircher
„Bin völlig meiner Meinung“
Papenburg – Forum Alte Werft
So., 05.02.17 – 19 Uhr

Der Beikircher gehört nicht zu den alten Männern, die nur zurück gucken. Er ist zwar 70, aber frischer denn je. So auch sein neues Programm „Bin völlig meiner Meinung“. Was passiert denn, wenn so einer auf die Sonnenbank geht oder beim Mäckes sich die Raubtierfütterung anschaut? Oder wenn er gar in Holland einen coffee shop aufsucht, weil er einem Freund was mitbringen will, so was aber noch nie gemacht hat? Und wie tanzen diese jungen Leute heutzutage überhaupt?

Und was passiert, wenn seine Frau Roleber, mit der er 1984 bis 1992 den WDR unsicher gemacht hat, HEUTE mit der Frau Walterscheidt telefoniert und einen bösen Blick auf die neue Zeit wirft? Dazu lüftet er ein paar Geheimnisse aus der großen „Revolutionszeit“ 1967/68, z.B. wie aktiv er damals für die Gleichberechtigung demonstriert hat, bis er begriffen hat, worum es da eigentlich geht. Dass dabei auch große Geheimnisse gelüftet werden wie z.B.: wie viel Mann liegen eigentlich im Schrein der Hl. Drei Könige im Kölner Dom und wer ist das und was hat Japan mit Jesus zu tun, ist selbstverständlich.

Beikircher in Bestform – versprochen. Und Rheinisch ist immer dabei, die Sprache, die auch uns Herrjott spricht, deshalb ist es im Rheinland ja so schön!

Rang 5

8. Januar 2017

RathausOK, OB Krone ist ein Verkäufer. Er verkauft vor allem sich. Heute beispielsweise beim Neujahrsempfang der Stadt in der Halle IV. Die meisten der 800 Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben geglaubt, dass er das selbst geschaffen hat, was er als Leistungsbilanz vortrug.

  • Da gab es mindestens diese Dinge, die anzumerken sind: Der persönlich begrüßte Bernd-Carsten Hiebing ist nicht „unser Landtagsabgeordneter“. Der heißt Heinz Rolfes und kommt aus Clusorth-Bramhar, war aber nicht da.
  • Lingen ist nicht nach Oldenburg und Osnabrück die nächstgrößere Stadt in Weser-Ems. Da haben die Wilhelmshavener und auch die Delmenhorster etwas dagegen. Beide Weser-Ems-Kommunen bringen jeweils rund 20.000 Einwohner mehr auf die Bevölkerungswaage als unsere Stadt. Lingen ist also auf Rang 5.
  • Zweifelhaft erscheint auch Krones Aussage, wonach Lingen mehr Theaterabos habe als die Nachbarstädte Papenburg, Meppen, Nordhorn und Rheine zusammen. Ich hab‘ vergeblich ein wenig recherchiert, denn tatsächlich halten die anderen Städte ihre Abo-Zahlen seltsam unter Verschluss.
  • Wenn Krone schon ausdrücklich „die Unternehmer“ gleich mehrfach lobte, hätte es dem OB gut angestanden, die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu erwähnen, ohne die jeder Unternehmer und jedes Unternehmen nichts wäre.

Und dann die Plattitüde: „Ich habe überhaupt nichts gegen Kritik. Aber sie muss konstruktiv sein.“ So einleuchtend dieses Krone-Argument auf den ersten Blick klingt, so unklug und potenziell gefährlich ist es. Der durchsichtige taktische Schachzug: Der Kritisierte definiert die Bedingungen, unter denen Kritik zulässig ist, und macht sich zugleich zur höchsten Instanz in der Frage, ob die Kritik zulässig („konstruktiv“) war. Damit begibt sich der Kritisierende in die Hand des Kritisierten. Also: Ein rhetorisches Quatsch-Argument.

Vor allem aber fehlten der OB-Rede einmal mehr die Ziele und Perspektiven für das nächste Jahrzehnt. Wohin soll die Reise gehen? Sicherlich nicht zu neuen denkmalgerechten Fenstern im Bahnhof und einer neuen Wirtschaftsloge („mit verschiebbaren Wänden“) in der EmslandArena. Die zentralen Fragen sind: Was kommt nach 2022 und dem Ende der Atomkraft? Wie integrieren wir Zuwanderer?

Wie gesagt: OB Krone ist ein Verkäufer. Er verkauft vor allem sich. Ein Ziel hat er aber bisher nicht zu entwickeln vermocht, wohin sich Lingen entwickeln soll.

 

 

„Emsland Schwarz-Weiß – Bilder einer norddeutschen Landschaft aus den 60er Jahren” von Gerhard Kromschröder – das sollte ursprünglich die Ausstellung in der Hamburger Gallery Lazarus (Wexstraße 42, 20355 Hamburg) sein. Der ursprüngliche Plan wurde aus aktuellem Anlass, wegen des 25. Jahrestags des Beginns des ersten Irak-Krieges, um Fotos aus Kromschröders Zyklus „Bilder aus Bagdad“ erweitert. Die Ausstellung wird seit Freitag, 4. März 2016, und noch bis zum 25. März gezeigt (Mo. – Fr. 11 – 18 Uhr, Sa. 11 – 14 Uhr). Leser dieses kleinen Blogs wissen, dass der Fotograf und Journalist Gerhard Kromschröder mit dem Emsland auskennt, seit er in den 1960er-Jahren als Lokalredakteur in Lingen und bei der „Ems“-Zeitung in Papenburg begann. Doch mit dem Nahen Osten auch, spätestens seit er 1991 im ersten Irakkrieg in Bagdad blieb. Die neu konzipierte Ausstellung „Peace and War“ stellt nun seine Bilder gegenüber. [mehr…]

 

Die taz interviewte jetzt den großen Gerhard Kromschröder, der in diesem Jahr 75 Jahre alt wird (weiß eigentlich jemand, wann genau?)  und der sagte über sein Emsland einmal mehr ausgesprochen Ehrlich-Liebevolles:

…Ihre in diesem Sinne überhaupt nicht cleanen Bagdad-Fotos bilden in der Ausstellung nun einen Kontrast zu teils eher melancholischen Bildern, die in den 1960er-Jahren in Aschendorf, Haselünne und anderswo entstanden sind. Wie landet man im Emsland, wenn man in Frankfurt Germanistik und Soziologie studiert hat? 

Ich war Lokalredakteur bei der Ems-Zeitung in Papenburg, weil ich in Frankfurt kein Volontariat bekommen hatte. So blöd es klingt: Wir, der spätere ARD-Hörfunkkorrespondent Hermann Vinke und ich, hatten uns vorgenommen, dass ein Lokalteil so gemacht sein muss wie der Spiegel: aufklärerisch und unabhängig. Und da gehörte es dazu, den Alltag einer Gegend realistisch abzubilden.

Wie lange hat die Chefredaktion Sie gewähren lassen?

Von 1962 bis 1967, dann bin ich zum Satiremagazin Pardon nach Frankfurt gegangen.

2011 haben Sie den üppigen Farbfotoband „Expeditionen ins Emsland“ herausgebracht. Sie sind der Region also trotzdem verbunden geblieben. 

Ja, aber in kritischer Distanz, ich bin kein Heimattyp. Ich versuche ja, der Heimatfotografie nicht zu genügen, nicht die Schönheiten eines Landstrichs abzubilden, sondern neben den interessanten Ecken auch die Widersprüche. Ich finde, man muss fotografieren, was die Menschen schön finden und als schön herrichten. Ihre kleinen Häuser zum Beispiel. Viele sagen übers Emsland: Hoher Himmel, enger Horizont. Für mich ist das die Parabel der Provinz. Eigentlich gibt es viel mehr Provinz, als wir wahrhaben wollen. Die Metropolen sind ja nur kleine Inseln. Umso wichtiger ist die Provinzfotografie.

Was hat sich denn im Emsland seit den 1960er-Jahren geändert?

Wenn ich das richtig sehe, geht es der mittelständischen Wirtschaft im Emsland gut. Aber gesellschaftspolitisch hat sich nicht viel getan. Der Einfluss der Kirche ist nicht mehr so offensichtlich, doch ein großer Sinneswandel hat nicht stattgefunden. Dass das Emsland wirtschaftlich gut dasteht, ändert jedenfalls nichts an der geistigen Verfassung der Eliten.

Woran machen Sie die fest? 

Die Eliten fanden ja „Expeditionen ins Emsland“ despektierlich. 2012 ist zu einer Ausstellung zu dem Buch im Emsland-Moormuseum der eingeladene Landrat von der CDU nicht erschientazen, es gab einen Riesenzoff, da habt ihr in der taz ja auch drüber berichtet. Ich fahre aber trotzdem noch gern da hin.

Warum?

Es gibt da immer noch Leute, die ihre Meinung sagen. Wenn man was Kritisches über die Hähnchenkillfabriken der mächtigen Rothkötter-Gruppe sagt und dagegen ist, dass Küken geschreddert werden, ist man unten durch. Und da kenne ich den einen oder die andere.

Fotografisch dürfte die Region allmählich auserzählt sein. 

Man muss sich schon anstrengen, da interessante Bilder zu finden. Die Gegend ist so wie ein Waschbrett, ganz flach. Das Emsland ist ja nicht die Toskana des Nordens.“

(Hier das ganze René-Martens-Interview bei der taz]

(Foto: © Carmen Jaspersen; Januar 2012 – Gerhard Kromschröder mit Deichkönigin)