sehr lokalkoloriert

7. Mai 2020

Gestern habe ich über regionale Urlaubsalternativen statt Malle geschrieben und mich dabei über die Lustlosigkeit der Emsland Tourismus GmbH in Meppen in ihrem Beitrag über Wandern in Schepsdorf gegrämt. Lest mal. Meine Erkenntnis: Nur flottes Layout ist nicht genug. Daher hier meine kleine, emotionale und lokalkolorierte Antwort:

Einen Gruß an die etwas meppenlastig erscheinende Emsland-Tourismus GmbH am Sitz des Landkreises in 49716. Mein Rat: Bitte kümmert Euch etwas besser um Eure Wander-Empfehlungen.
Der empfohlene Schepsdorfer Wanderweg durch die Elberger Schlipse [Zugereiste sagen übrigens immer besonders korrekt und wie im 14. Jahrhundert Slipse oder -schlimmer- wie im 21. Jahrhundert „Wanderweg 4“] beginnt niemals mittendrin an einem Parkplatz unterhalb der B 213-Alexanderbrücke, wo der von Friedel Kunst gestaltete heilige Alexander, der Namenspatron der fast 1.000 Jahre alten Schepsdorfer Kirche, achtgibt  Dieser uralte Weg beginnt und endet immer (!) am oder besser im Gasthaus Hubertushof in Schepsdorf, wo man vorher oder (besser) hinterher auf sein müdes Haupt betten kann. Gestartet wird die Wanderung am Garten des Hubertushofs entlang über den Esch Richtung Ems, nach rund 1,8 km unter der Alexanderbrücke hindurch und bis zur Kreuzung an der kleinen Gaststation nach weiteren 1,2 km, wo es aber links abgeht und nicht rechts, liebe Emsland-Tourismus GmbH (wir sehen, was beschränkte Haftung auch bedeuten kann…). Die Strecke ziehe ich derjnigen vor, die von der Emsland Tourismus empfohlen-vorgeschlagenen Hin-und-Her-Abkürzung zu Schloss Herzford wird; denn  Schloss Herzford zwar ausgesprochen schön anzusehen ist, aber -ganz im Gegensatz zur Bauphase um 1720 – keine Beköstigung vorhält. Das ist auf dem durch den Wald führenden Weg an der Ems deutlich anders! Zunächst findet sich nach etwa 1 km linker Hand hier am westlichen Emsufer  (und nicht auf der östlichen Emsseite, wie die Emsland Tourismus GmbH schreibt)  der mächtige, vor 10 Jahren wieder ausgegrabene Ikenstein; 500m weiter folgt der ehemalige Gasthof Bösker, den früher Clemens und Lenchen Bösker betrieben und wo es den besten strammen Max im ganzen Emsland gab; jetzt ist dort (Postadresse Elbergen Nr. 1) schon seit einiger Zeit -ich glaubte es zuerst nicht- ein japanisches Restaurant entstanden: Der Besuch ist ein Muss, denn dort gibt es die köstlichsten Sushi in Niedersachsens Westen.

Statt rechts ab und zurück zum für den Wanderermagen frugalen Schloss Herzford kann man hinter Tempura Sushi zum Wasserfall laufen. Es sind nur etwas mehr als 100m. Leider haben vor etwa 15 Jahren ebenso dumme wie treulose Beamte der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung in und aus -Sie ahnen es- Meppen einen Teil der grundsätzlich unverkäuflichen denkmalgeschützten Schleusenanlage des Ems-Vechte-Kanals verkauft, und der neue Besitzer hat den uralten Weg an der Ems entlang blockiert. Doch irgendwie gelangt man auch vom Wasserfall auf die östlich grüßende Emsbrücke und von dort auf die nördliche Seite des Flusses, wo andere dumme Menschen gerade in diesem Frühjahr am Ende eines selten genutzten Abstellgleises mit Prellbock einen fulminanten Baum-und-Strauch-Kahlschlag vollführt haben. Man sollte dort erst gar nicht hinsehen, um sich nicht maßlos zu ärgern, sondern sich stattdessen links halten und auf den nächsten Kilometern von Gasthaus zu Gasthaus streben.

Erst geht er/sie/es also zum Café Alte Schleuse mit seinem wunderbaren Bauerngarten, von dort über die Sperrtorbrücke einige Schritte zurück zu Schepergerdes‘ Am Wasserfall und von dort dann gestärkt den Dortmund-Ems-Kanal entlang, bis jenseits der Grüne Jäger grüßt und einlädt. Nördlich an der Umgehungsstraße führt die Wanderung anschließend über die stark befahrene B213-Alexanderbrücke (ungemütliche 180m!) Richtung Westen und nach der Brücke rechts hinunter in die emstalige Ruhe und zurück Richtung Hubertushof. Sind Sie dort schließlich angekommen, haben Sie die klassische Strecke für Lingener*innen gewandert, wobei die wirklich klassische vom Bahnhof Elbergen über Bösker, Schievink, Schepergerdes und Grüner Jäger verlief. Aber Schievink ist schon lange nicht mehr und der Bahnhof Elbergen erst recht nicht; die wirkliche klassische Wanderstrecke ist also perdu. Die heutige kann sich aber sehen lassen; sie dauert allerdings schon wegen der notwendigen Einkehr in diverse Gasthäuser etwas länger, ich vermute einen Wandertag lang. Noch länger würde sie dauern, wenn man nach 3 km  -s.o.- nicht links sondern rechts abgebogen wären. Doch wer hört schon als Lingener*in auf Meppener Orientierungshinweise?

Persönlicher Bonus-Nachtrag:
In seinem Hubertushof wartet beim Eintreffen des Wanderers bereits Wirt Hubert Neerschulte, wenn man Glück hat und er nicht seinen Ehrenämtern in Stadt- und Ortsrat nachgeht, und erzählt dann vielleicht die Geschichte vom größten Bierexperten der Region, von Köpi und Rolinck, wenn Du  1.) ein leckeres Essen mit Getränk bestellst, dann 2.) von mir grüßt, ihn 3.) nach der Bier-Geschichte fragst und ihm 4.) strengste Verschwiegenheit zusicherst. Sie ist allerdings schon sehr lokalkoloriert, die Geschichte, aber doch für uns Lingener*innen auch sehr fein. Sie werden lächeln.
(Foto oben: Schloss Herzford; CFamduling – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland“; Foto unten: Schepsdorfer Gastwirt Hubert Neerschulte, via Twitter)

und alles läuft!

4. April 2020

Ihr kennt doch den flotten Werbespruch der Lingener Firma Getränke Essmann:“…und alles läuft“. Gerade aber läuft gar nichts mehr. Auch bei einem der größten Getränkegroßhändler der Republik mit dem Stammsitz in Schepsdorf. Hunderte Fässer mit frisch gebrautem Gerstensaft stehen dort auf dem Hof; doch Essmann bringt sie nicht unter die Leute. Wohin denn auch?

Wegen der Corona-Krise sind Stadtfeste, Fußballspiele und Veranstaltungen verboten. Außerdem sind alle Kneipen dicht. Deswegen werden vor allem Fässer nicht mehr verkauft. Neben dem Absatzeinbruch gibt es ein zusätzliches, immer größer werdendes Problem: Das Bier ist schon gebraut, lagert in den Fässern und nur das Haltbarkeitsdatum läuft –  ab. Nächste Woche bei feinstem Frühlingswetter und 20° Celsius und mehr.

Daher meine Frage an die Biertrinker in der Runde. Was tun mit dem leckeren Fassbier? Hat Markus Quadt eine Idee? Mit 50 l Fassbier zuhause ist es schwierig, den Überblick zu behalten. Für die besten Vorschlag, nehme ich an, gibt’s Freibier in Schepsdorf!


Foto: Bierfässer von elevate / via  CC0 Öffentliche Domäne

 

Makoma Lekalakala

17. September 2019

Atomkraftgegner/innen aus Lingen, der Grafschaft Bentheim und dem Münsterland kritisieren scharf den Versuch des Lingener AKW-Betreibers RWE/Preussenelektra vom vergangenen Wochenende, durch einen „Polizeieinsatz auf den öffentlichen Verkehrsflächen vor dem AKW Lingen ihre Kritiker einzuschüchtern“. Auf Initiative der AKW-Betreiberin stellte die Polizeiinspektion Emsland/Grafschaft Bentheim gleich mit fünf Einsatzfahrzeugen und einer Hundestaffel die Personalien von ganzen sechs Atomkraftgegner/innen fest. Darunter war mit Makoma Lekalakala auch eine renommierte südafrikanische Umweltschützerin und 2018 mit dem Goldman-Environmental-Prize ausgezeichnet, die am Samstagabend in Schepsdorf einen öffentlichen Vortrag über die Situation in Südafrika hielt.

Die regionalen Anti-Atomkraft-Initiativen hatten die angesehene Umweltaktivistin aus Johannesburg nach Gronau und Lingen (Ems) eingeladen. Am Samstagnachmittag zeigten sie ihr das Atomkraftwerk Lingen und befanden sich dort im öffentlichen Bereich vor dem AKW für einen Pressetermin. Außer einigen Erinnerungsfotos passierte nichts, als plötzlich zahlreiche Polizeibeamte auftauchten und einschritten. Wie widersinnig eine Personalienfeststellung war, zeigte sich auch daran, dass zwei Anwesende von der Polizei sofort mit korrektem Namen persönlich angesprochen wurden. Im Nachgang kam die Polizei laut eigener Pressemitteilung selbst zu dem Ergebnis, dass hier nichts Strafbares geschehen war.

Retourkutsche für Kritik an AKW-Rissen in Lingen?

Die Kritik am Vorgehen der Polizei folgte auf dem Fuße. „Wir haben den Eindruck, als sei dieses Vorgehen von RWE eine ziemlich fehlgeleitete Retourkutsche für die anhaltende Kritik an den beunruhigenden Rissefunden im AKW Lingen. Anstatt sich mit diesen gefährlichen Rissen im AKW zu beschäftigen, versucht RWE nun anscheinend über die Polizei Druck auf die Atomkraftgegner/innen auszuüben. Es wäre aber eigentlich die Aufgabe der Polizei, RWE klarzumachen, dass ihr „Hoheitsgebiet“ sich nicht auf den öffentlichen Raum bezieht. RWE ist offensichtlich nervös und kann mit sachlicher Kritik nicht umgehen. Warum lädt RWE nicht zu einer öffentlichen Diskussion über die Risse und die AKW-Sicherheit ein? Derartige Polizeieinsätze erhöhen nicht die AKW-Sicherheit,“ erklärte Alexander Vent vom örtlichen Bündnis AgiEL – Atomkraftgegner/innen im Emsland.

„Das von dicken Mauern umgebene AKW Lingen ist nicht der Hambacher Forst. Wenn RWE selbst in Lingen schon versucht, den öffentlichen Raum derart massiv für sich reklamieren, dann ist das ein echtes Warnzeichen. RWE will offensichtlich von den AKW-Rissen ablenken. Wir erwarten von RWE eine Entschuldigung für das überzogene Vorgehen und von der Polizei die umgehende Löschung der erhobenen Daten,“ forderte Matthias Eickhoff vom Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen.

Für den 26. Oktober ruft ein Bündnis von regionalen und überregionalen Anti-Atomkraft-Initiativen und Umweltverbänden zu einer neuerlichen Demonstration in Lingen für die sofortige Stilllegung der dortigen Atomanlagen auf. Die endgültige Abschaltung des Kernkraftwerks Emsland muss spätestens Ende 2022 erfolgen. Die umstrittene Betriebsgenehmigung für die ANF-Brennelementefabrik läuft weiter.


(Quelle: PM AgiEL; Foto: Makoma Lekalakala ©Goldman Environmental Prize)

zu speziell

30. August 2019

Wirklich interessant wurde es in der gestrigen Sitzung des Lingener Stadtrats erst, als die Öffentlichkeit den Ratssaal verlassen und Ratsvorsitzender Werner Hartke die „nicht-öffentliche Sitzung“ eröffnet hatte. Einmal wurde über ein Grundstücksgeschäft entschieden, das zu einem massiven Eingriff in das Landschaftsschutzgebiet Emstal führen soll. Eine mehrere Hektar große Fläche am Ostufer der Ems soll abgegraben werden, damit weiter flussab ein „neues Baugebiet“ für gut zwei Dutzend Einfamilienhäuser entsteht – mitten im Landschaftsschutzgebiet und im festgesetzten Überschwemmungsgebiet (Kartenausschnitt) der Ems. Neben einer kurzen Debatte über den bevor stehenden umwelt- und klimapolitischen Sündenfall aber kam es dann anschließend zu einer -sagen wir- noch aufschlussreicheren Gegenüberstellung.

Zunächst sprach unter dem Tagesordnungspunkt „Anfragen und Anregungen“ mein Ratskollege Marc Riße noch einmal den jüngst bekannt gewordenen Plan an, den Rosenmontagsumzug in unserer Stadt um acht Tage vorzuverlegen. Es soll ein Familientag werden, so der Plan.  Riße sprach sich dagegen aus, weil man die Feste feiern solle, wie sie fallen, und Rosenmontag sei eben am Rosenmontag. Es entwickelte sich in der Folge eine muntere Diskussion über mehr als 20 Minuten, die am Ende wohl mehrheitlich für den neuen Umzugstermin ausfiel, im nächsten Jahr also am Sonntag, den 16. Februar. (Sie sollten sich das notieren.)

Anschließend brachten die Grünen-Ratsmitglieder Thomas Kühle und Ibrahim Hassan existentielle Probleme von in unserer Stadt lebenden Flüchtlingen zur Sprache, die sie kannten. Ab September werden Asylbewerber in Deutschland deutlich geringere Sozialleistungen erhalten, sofern sie schon in einem anderen europäischen Staat Asyl beantragt haben. Im Asylbewerberleistungsgesetz werden nämlich die Leistungen ab dem 1. September 2019 neu berechnet, Alleinstehende in Gemeinschaftsunterkünften werden in einer niedrigeren Bedarfsstufe eingruppiert und bekommen deswegen nicht -wie andere- mehr Geld als bisher. Das ist so aufgrund des Zweites Gesetz zur besseren Durchsetzung der Ausreisepflicht, des sog.  Hau-ab-Gesetzes. Ihnen drohen auch andere Nachteile, wenn sie nicht nach den Regeln des umstrittenen Dublin-III-Abkommens in das Land zurückkehren, in dem sie erstmals den Fuß auf europäischen Boden gesetzt und Asyl beantragt haben. Wieviele in Lingen davon betroffen seien und ob sie gar obdachlos würden, fragte Thomas Kühle.

Der zuständige Verwaltungsdezernent zeigte sich bei Kühles Fragen eher wenig informiert, was sich auch nicht änderte, als ihn danach Ibrahim Hassan fragte, weshalb syrische und irakische Flüchtlinge trotz ausreichender anderer Personalurkunden zur Feststellung ihrer „Identität“ in Lingen zusätzlich noch einen Pass ihres Mutterlandes beschaffen müssten. Er nannte ihm bekannte Fälle, wonach Flüchtlinge so gar ihre bestehende Arbeitserlaubnis (und ihren Job!) verloren hätten, weil sie keinen Pass hätten vorlegen können. Die irakische Botschaft habe es sogar abgelehnt, auch nur eine Bescheinigung auszustellen, dass ein geflohener Iraker dort überhaupt wegen eines Passantrags vorgesprochen habe. Syrische Flüchtlingen müssten hohe 1.300 Euro für einen Pass an die Botschaft des diktatorischen Regimes zahlen, vor dem sie geflüchtet seien. Das sei unzumutbar.

Mein Zwischenruf an den, diese Passbeschaffung verteidigenden Ersten Stadtrat: „Sie verteidigen hier reine Bürokratie“ führte erwartungsgemäß zu keinem Innehalten, die anderen Ratskollegen schauten derweil zweifelnd, einige auch betreten, bis dann die große Stunde der Sozialdemokratie kam:

Deren Fraktionsvorsitzende, zuvor munter in der Karneval-Diskussion dabei („Nein, der Karneval muss nicht im Kulturausschuss diskutiert werden!“), meinte, das von Kühle und Hassan angesprochene Thema sei „zu speziell“, damit „können wir uns hier im Rat nicht befassen“; das müsse woanders diskutiert werden, und irgendwie erleichtert wurde daraufhin das Streitgespräch zwischen den Grünen und dem Verwaltungsmann abgebrochen.

Die Debatte über den ganz speziellen Lingener Karnevalstermin war für den Rat offenbar einfacher gewesen…

13 Osterfeuer

18. April 2019

Auch in diesem Jahr veranstalten am Ostersonntag, 21. April, wieder viele Vereine und Verbände in Lingen (Ems) ihre traditionellen Osterfeuer. Insgesamt 13 dieser Brauchtumsfeuer hag die Stadtverwaltung genehmigt, so viele wie im vergangenen Jahr. Sie laden zum geselligen Beisammensein ein.

Das Brenngut darf erst am Karfreitag angeliefert werden oder muss am Karsamstag nochmals vorsichtig umgeschichtet werden, um Vögel, Igel und andere Kleintiere die Flucht zu ermöglichen.

In den Abendstunden des Ostersonntags finden Osterfeuer statt in

  • Altenlingen: auf der Ackerfläche an der Straße „Kirchwand“, 19.00 Uhr
  • Brockhausen: Ackerfläche an der Straße „Beckhookweg/Zum Dorfplatz“, 20.00 Uhr
  • Brögbern: beim Heimathaus Brögbern an der „Duisenburger Straße“, 18.00 Uhr
  • Clusorth-Bramhar: am Parkplatz „Haus der Vereine“ in der „Bramharstraße“, 18.30 Uhr
  • Darme: Skaterbahn an der Straße „Am Darmer Sportzentrum“, 19.00 Uhr
  • Estringen: am Sportplatz Estringen, 20.00 Uhr
  • Holthausen-Biene: am Gemeinschaftshaus/Marientreff an der Straße „Am Gemeinschaftshaus“; 19.30 Uhr
  • Hüvede: auf der Ackerfläche „Achterkehrstraße“, 19.30 Uhr
  • Münnigbüren: auf der Ackerfläche „Osterberger Esch“, 19.00 Uhr
  • Neuholthausen: auf der Ackerfläche „Rabergweg“, 20.00 Uhr
  • Ramsel: an der „Wiesenstraße“, 19.00 Uhr
  • Reuschberge: an der „Teichstraße“ gegenüber dem Emslandstadion, 18.00 Uhr
  • Schepsdorf: auf der Ackerfläche „Zum Gut Herzford/Deichstraße“, 20.00 Uhr

(Quelle; Foto: Osterfeuer 2018 in Münnigbüren, CC RobertsBlog)

Besser

10. April 2019

Natürlich ist Lingen besser. Besser als der Durchschnitt, nämlich! Beim gestern in Berlin präsentierten Ergebnis des Fahrradklimatests 2018 des ADFC erreicht unsere Stadt zwar nur Rang 40 von 106 Städten zwischen 50.000 und 100.000 Einwohnern, und gar nur Platz 8 der 12 niedersächsischen Teilnehmerstädte. Aber mit einem Schulnotenwert von 3,89 lagen wir deutlich besser als der  deutsche Städtedurchschnitt von 3,90. Trotzdem war Lingen nicht dsbei, als Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) die erfolgreichsten deutschen Städte im Fahrradklimatest auszeichnete. Nun, Spaß beiseite:

170.000 Radfahrer*innen nahmen an dem vierten ADFC-Test seit 2012 teil und unsere Nachbarstadt Nordhorn rückte auf den beachtlichen Platz 2 der Mittelstädte vor – mit einem Bewertungsdurchschnitt von 2,6. In Nordhorn wendet man auch stolze 22 Euro pro Einwohner für die Verbesserung der Bedingungen für die Radfahrer auf. Das zahlt sich aus. Zum Vergleich: In Lingen ist es nach meiner Erinnerung ein einstelliger Euro-Betrag und zwar in Haushaltsstellen, bei denen man die Gelder auch für den Pkw-Verkehr umschichten kann; Budgetierung nennt man diesen Trick. Was in den 1990ern als liberale Entbürokratisierung gefeiert wurde, ist tatsächlich längst zu einer Stärkung der Verwaltung verkommen, die auf diesem Weg machen kann, was sie will: Zum Beispiel mit Fahrradgeldern Autoparkplätze oder Straßen für Autos bauen.

Zuletzt präsentierte die Stadtverwaltung dabei z.B. die völlig missglückte Ampelkreuzung Weidestraße/Meppenerstraße/Wilhelmstraße/Konrad-Adenauer-Ring, wo einmal mehr mit rechtlichen Argumenten (Radfahrer hat auf dem Zebrastreifen keine Vorfahrt!) nichts Gescheites für Radfahrer herausgekommen ist. Im Gegenteil: Die Lage für die Zweiradfahrer hat sich dort deutlich verschlechtert. Die müssen jetzt nämlich wegen der Autos auf einer kleinen Verkehrsinsel anhalten und abwarten, bei Grün 3 Meter weiterfahren zu können. Ein wirklicher Mistplan, den sich das Rathaus da ausgedacht hat.

Geehrt hat der ADFC am Dienstag also die besten deutschen Städte, jeweils drei aus sechs Stadtgrößenklassen und die Kommunen, die sich in der jeweilige Klasse am stärksten verbessern konnte, sowie die familienfreundlichste Stadt, die ermittelt wurde. Diesen Titel trägt übrigens nun das westfälische Wettringen. Großstadt Karlsruhe (300.000 bis 500.000 Einwohner) hat das längst auf der Stelle trippelnde Vorbild Münster in seiner Größenklasse überholt und steht auf Platz 1. Bei den Großstädten über 500.000 Einwohner*innen liegt Bremen vorne.

Allerdings ist Zufriedenheit der Radfahrenden in Deutschland bundesweit gesunken, zudem fühlen sich Radfahrende immer unsicherer. Rebecca Peters (ADFC-Bundesvorstand) erläuterte, dass beim ADFC-Fahrradklima-Test vor allem Vielfahrende teilgenommen haben. 74 Prozent gaben an, das Fahrrad täglich zu nutzen. „Wenn schon die Vielfahrenden sich unsicher fühlen, wie fühlen sich dann diejenigen, die nicht so oft aufs Rad steigen?“, fragte Peters gestern. Lag der Wert im Jahr 2014 noch bei 3,7, ist er inzwischen auf 3,9 gefallen. „Es ist ein Trauerspiel“, so Peters weiter, „der Spaß am Radfahren nimmt kontinuierlich ab.“ Ihre klare Botschaft: Die Ergebnisse sind alarmierend. Wenn Radfahrende sich nicht sicher fühlen, verlieren sie die Lust am Radfahren. Dagegen müsse etwas unternommen werden.

Auch da ist Lingen gar nicht gut: Hier werden immer noch sog. Fahrradschutzstreifen gebaut und gepflegt, die alles andere schützen – bloß keine Radfahrer. Im Ortsteil Schepsdorf soll in diesem Jahr die Nordhorner (!) Straße allen Warnungen zum Trotz schutzstreifig umgebaut werden. Dann werden dort aus jetzt vorhandenen bequemen und breiten Mehrzweckstreifen diese gefährlichen Fahrradschutzstreifen – u.a. zugunsten von Pkw-Parkplätzen und zwar davon völlig sinnloserweise sieben vor dem Fahrradgeschäft des Schepsdorfer Ortsbürgermeister, der die gar nicht braucht, weil er angrenzend schon vor vielen Jahren einen Pkw-Parkplatz mit 16 Einstellplätzen gebaut hat, wenn ich richtig nachgezählt habe. Diese Posse kann man sich nicht ausdenken.

Der ADFC präsentiert uns daher sozusagen die Krone-Sinkkurve. Sie zeigt: Seit dem Amtsantritt des jetzigen Oberbürgermeisters Dieter Krone 2010 hat sich die Bewertung der Radfahrerfreundlichkeit kontinuierlich verschlechtert. Es reicht eben nicht, ab und zu mit dem Rad ins Büro zu fahren, aber sonst in erster Linie Politik für Autofahrer zu machen. Die gab es zuletzt mit Krones Idee, bei vier Ampel auf dem Konrad-Adenauer-Ring eine 400m lange grüne Auto-Welle einzuführen, weshalb Autos 400m später im Stau stehen aber vorher bereits Fußgänger wie Radfahrer wegen der Grünphase für Kfz länger an den Überwegen warten müssen. Da wünsch‘ ich mir, dass sich Stadtbaurat Lothar Schreinemacher, tatsächlich ein überzeugter Radfahrer, gegen Krone und dessen Autopolitik durchsetzt.

Positiv hat der ADFC für Lingen ermittelt, dass hier Alt und Jung radfahren  und es auch Werbung für das Radfahren gibt (bei Werbung ist Lingen immer ganz vorn!). Doch schon die dritte positive Einschätzung lässt mich stutzen, dass unsere Stadt nämlich komfortable und sichere Abstellmöglichkeiten habe. Wo das denn, frage ich in die Leserrunde? Auch die positive Behauptung, es gebe in Lingen für Radfahrer geöffnete Einbahnstraßen in Gegenrichtung lässt mich eher stutzen. Mir fällt insoweit nur der kleine Bereich Kirch-, Mühlentor- und Kivelingstraße ein. Gibt es noch weitere?

Alle weiteren Punkte zeigt die ADFC-Zusammenstellung auf, die ich zum allgemeinen Studium dringend empfehle, weil deutlich wird, wo gehandelt werden muss Die Bewertung von Nordhorn sollte man daneben legen, dann erkennt man es noch besser. Übrigens: Meppen ist offenbar gar nicht erst dabei. Beim nächsten Mal 2020 rechne ich zwar nicht mit einer inhaltlichen Verbesserung für Radfahrer in unserer Stadt, aber damit, dass die PR-Abteilung durch alle Rathausbüros läuft, damit dort dann positiver bewertet wird. Es sei denn, es wird Politik für Radfahrer gemacht. Endlich.

(mehr beim NDR und bei DRadio Kultur)

Achiel Daes, Albert de Bondt, Emiel de Cat, Marcel de Mol, Remy de Mol, Clement Dielis, Louis Hofmans, Edmond Maes, Henry Pauwels, Josef Peeters, Josef Verharvert, Jean-Pierre Vincent – am 7. August 1943, also vor 75 Jahren, um 8 Uhr morgens wurden diese 12 Männer der belgischen Widerstandsgruppe „De Zwarte Hand“ auf dem Schießplatz in Lingen-Schepsdorf erschossen. Der älteste war 48, der jüngste 20 Jahre alt.

In Gedenken an die zwölf belgischen Widerstandskämpfer gegen Nazi-Deutschland findet am Dienstag, 7. August 2018 um 18 Uhr eine Kranzniederlegung am Gedenkstein in der Kiefernstraße in Schepsdorf statt, der 1991 auf Initiative der damaligen belgischen Überlebenden der „Zwarte Hand“ nahe des Hinrichtungsplatzes aufgerichtet wurde. Seither erinnert er an den schrecklichen Blutzoll der „Schwarzen Hand“ erinnert.

Vielfach hat unsere Stadt Lingen (Ems) den Todestag der tapferen Belgier verstreichen lassen, ohne ihrer zu erinnern. In diesem Jahr ist das anders. Danke dafür.

FSL2018

14. Juli 2018

Ab Montag und in diesem Jahr zum 35. Mal treten die Lingener Senioren-Fußball-Teams an, um ihren Lingener Stadtmeister zu ermitteln. In der kommenden Woche richtet der SV Eintracht Schepsdorf 1968 e.V. das Turnier aus, der übrigens in diesem Jahr vom 17. bis 19. August sein 50-jähriges Bestehen feiert.

Los geht’s am Montag um 18 Uhr. Empfehlung an die Lingener Fußballfans: Nehmt das Fahrrad! Wer doch mit dem Kfz kommt, kann das Gefährt auf dem ehemaligen Bundeswehr-Sportplatz an der Straße zur sog. Panzerbrücke   abstellen, also auf dem Areal, das seit dem Abzug der Lingener Garnison leider vor sich hin gammelt.

Auch 2018 gibt es zwar ein gedrucktes Programmheft, doch zum ersten Mal seit gefühlt 15 Jahren keine eigene FSL-Internetseite. Die Schepsdorfer weichen stattdessen auf ihre Facebook- Seite und den NOZ-Ableger fupa aus.

Hier zum Ausschneiden–  der FSL-Spielplan 2018:

Vorrunde
Montag, 16. Juli

Gruppe A
VfB Lingen
SV Union Lohne 2
SG Bramsche

VfB Lingen – Lohne 18.00 Uhr
Lohne – Bramsche 19.15 Uhr
Bramsche – VfB Lingen 20.30 Uhr

Gruppe B
BV Clusorth-Bramhar
ASV Altenlingen
SuS Darme

Clusorth-Bramhar – Altenlingen 18.00 Uhr
Altenlingen – Darme 19.15 Uhr
Darme – Clusorth-Bramhar 20.30 Uhr

Dienstag, 17. Juli

Gruppe C
SV Eintracht Schepsdorf
SV Olympia Laxten
SC Baccum

Schepsdorf – Laxten 18.00 Uhr
Laxten – Baccum 19.15 Uhr
Baccum – Schepsdorf 20.30 Uhr

Gruppe D
RB Lingen
SV Holthausen-Biene
SV Voran Brögbern

RB Lingen -Holthausen-Biene 18.00 Uhr
Holthausen-Biene – Brögbern 19.15 Uhr
Brögbern – RB Lingen 20.30 Uhr

Viertelfinale
Mittwoch, 18. Juli

VF1: 1. Grp. A – 2. Grp. B 18.00 Uhr
VF2: 1. Grp. B – 2. Grp. A 19.45 Uhr

Donnerstag, 19. Juli

VF3: 1. Grp. C – 2. Grp. D 18.00 Uhr
VF4: 1. Grp. D – 2. Grp. C 19.45 Uhr

Halbfinale
Samstag, 21. Juli

HF1: Sieger VF1 – VF3 15.00 Uhr HF2: Sieger VF2 – VF4 17.00 Uhr

Finalspiele
Sonntag, 22. Juli

Spiel um Platz 3 14.00 Uhr
Endspiel 16.00 Uhr

Drei

9. Juli 2018

Drei Tage war ich mal nicht zuhause. Da brennt Hagedorn ein weiteres Mal großfeuermäßig, die Polizei sperrt alles, gibt nach Stunden frei und erklärt sofort, dass -schwarze Brandwolken hin oder her- natürlich „zu keiner Zeit eine Gefährdung der Bevölkerung bestanden“ hat. So weit, so gelogen. Denn natürlich besteht immer eine Gefährdung der Bevölkerung, wenn es so brennt, wie bei Hagedorn allerdings macht es sich besser, wenn man dies einfach verneint. Jedenfalls weiß ich jetzt, weshalb das Unternehmen Hagedorn gegen die Ausweisung eines Wohngebietes diesseits der Ems auf den Flächen des ehemaligen Gemüsehofes Reiners Einwände hat. Die Firma hat an diesem Standort keine Zukunft, kommentiert Wilfried Roggendorf in der LT. Deshalb wollte der ehemalige OB Pott die Firma Hagedorn auch aussiedeln. Übrigens sind beide Schepsdorfer.

Dann gab es in diesen Tagen noch drei Zuschriften, die auch interessant sind. Erstens:

Hallo Robert,
Gibt es zu, Allo-Pflegeheim neue Informationen?
Vielleicht über das Gespräch der Firmenleitung mit unserem OB?
Gruß
Brigitte

und:

Hallo Robert,
wer ist denn für den Bau des Radweges westlich am Kanal Richtung Hanekenfähr verantwortlich? Der Radweg ist eine einzige Katastrophe😩

Die vielen spitzen Steine sind ein wahrer Reifenkiller! Es muss unbedingt Abhilfe geschaffen werden. Unser meistfotografierte Oberbürgermeister hätte da eine ehrenvolle Aufgabe 👍

Viele Grüße
Hacki

und drittens:

Sehr geehrter Herr Koop,

im Rathaus soll ein absolut seriöses Angebot vorliegen, das Dreifache für den Grund und Boden zu zahlen, der an einen niederländischen Investor für den Bau eines Fachmarktzentrums bei BvL zu einem Spottpreis verkauft werden soll. Dort sollen dann 150 Wohnungen gebaut werden. Weißt Du mehr?

Mit freundlichen Grüßen
Heinz

Ja, Freunde, Dann wollen mir mal…

Schöne Woche!

ps Verantwortlich für den reifenkillenden Radweg ist das Wasser- und Schifffahrtsamt in Meppen (heißt die Behörde noch so?), das am Dortmund-Ems-Kanal zwischen ESV-Ruderheim und der Brücke zum Alten Hafeneinen völligen Kahlschlag plant. Den Technokraten fällt auch niemand in den Arm. Schon gar nicht der amtierende Amtsträger.

 

 

Schepsdorf – ein geschichtsträchtiges Pflaster
Eine Führung durch Lingens westlichsten Stadtteil
mit Andreas Eiynck
Lingen (Ems) – Dorfbrunnen am Heimathaus hinter der Alexanderkirche
Sa, 26.06.  – 16 Uhr
Kosten: 2 Euro; eine Voranmeldung ist nicht notwendig
Dauer ca 90 Minuten

Auf der Führung durch Lingens westlichsten und ältesten Stadtteil geht es zur St Alexander Pfarrkirche, die historische und zeitgenössische Kunst bietet, sowie zum Kanucamp* an der Emsbrücke, die im kommenden Jahr durch einen Neubau ersetzt werden muss und an die Zeit erinnert, als man hier noch mit der Fähre übersetzen musste. Weitere Stationen sind die Schepsdorfer Alpen, das Anfang des 20. Jahrhunderts entstandene Chemiewerk Hagedorn und das Heimathaus in der Straße der vielen Dächer. Hier entführt die Hollandgänger-Ausstellung in eine Zeit, als alljährlich Tausende von Wanderarbeitern Schepsdorf auf ihrem Weg zur Arbeit in die Niederlande passierten.
Leider reicht die Zeit nicht für einen Abstecher in das 4 km entfernte, bald 300 Jahre alte Schloss Herzford. Aber auch so verspricht die kleine Führung einen kurzweiligen Nachmittag.

 

*ps Das Kanucamp (Tel 0591/831214) sucht übrigens „eine kleine Wohnung „ür unsere superliebe Köchin Lisa“. Vielleicht hilft ja jemand, der dieses kleine Blog liest.

(Foto: Fabrik der Hagedorn AG, © milanpaul via flickr)