„Gesucht! Wer kennt diese G20-Verbrecher?“ war unter anderem der Titel einer intensiven Berichterstattung der Bildzeitung zu den G20-Krawallen während des Gipfeltreffens in Hamburg. Gegen die „Fahndungsbilder“ aus dem Jahr 2017 hatte sich eine Frau gewehrt und in den Vorinstanzen auch Erfolg. Der Bundesgerichtshof sieht die Sache jedoch anders.

Auf zwei Bildern war die Frau zu erkennen, wie sie vor einem verwüsteten Drogerie-Markt Waren aufhebt. Trotz der reißerischen Aufmachung habe die Berichterstattung einen „ganz erheblichen Informationswert“, heißt es in der Karlsruher Entscheidung. Der Leser werde angeregt, „sich mit den konkreten Details des Geschehens zu befassen und dabei genau hinzusehen“.

Die Veröffentlichung belaste die Klägerin zweifellos. Dennoch führe sie sie jedoch nicht zu einer Stigmatisierung, Ausgrenzung oder Prangerwirkung. Nicht Personalisierung stehe im Vordergrund, sondern „das Anliegen, die Bandbreite des Verhaltens verschiedener Personen während der Ausschreitungen und die Schwierigkeiten ihrer Identifizierung zu veranschaulichen“. Die Aufnahmen gehörten zu einem wichtigen Zeitgeschehen, deshalb träten die Persönlichkeitsrechte zurück. Die Bild-Zeitung sieht in einer Stellungnahme die Pressefreiheit gestärkt (BGH, Az. VI ZR 449/19).

Die wohlfeil formulierten Sätze des BGH muss man nicht teilen. Abzuwarten bleibt daher, ob die Klägerin wegen ihrer „zurücktretenden Persönlichkeitsrechte“ Verfassungsbeschwerde beim Bundesverfassungsgericht einlegt. Das könnte passieren und für eine neuerliche Wendung des Falls sogen.


Quelle: LawBlog/Udo Vetter

Es ist ihr erstes offizielles Engagement als The Beatles. Vor genau 60 Jahren, am 17. August 1960, spielen John Lennon, Paul McCartney, George Harrison, Stuart Sutcliffe und Pete Best ihren ersten Auftritt im „Indra“ in Hamburg-St. Pauli. Das erste Mal verdienen sie Geld mit ihrer Musik. An keinem Ort der Welt spielen die Beatles übrigens häufiger als in Hamburg: 281 Konzerte, fünf Engagements in vier verschiedenen Clubs, 1.200 Stunden auf Hamburger Clubbühnen. Hier treffen sie auch Ringo Starr, und hier entwickeln sie ihr berühmtes Aussehen.

Heute, am 17. August erinnert Hamburg an den Auftakt 1960. Zum 60. Jubiläum der Beatles heißt es auf St. Pauli wieder: „Mach Schau!“ und die Hansestadt lädt Beatles-Fans aus aller Welt in die Original-Location ein: Die große Jubiläumsshow „Stream & Shout“ direkt aus dem Indra ist ab  21 Uhr (CET) via Live-Stream über den Youtube-Link oben abrufbar. Hamburgs Beatles-Expertin Stefanie Hempel präsentiert dann gemeinsam mit Musikerfreunden und prominenten Gästen ein einzigartiges Rock’n’Roll-Special, vom rekonstruierten Original-Set der Beatles aus dem August 1960 über die großen Hits und legendären Songs. Klassischer Rock’n’Roll und Neuinterpretationen treffen auf Geschichten und Anekdoten aus dem wilden Leben der jungen Beatles in Hamburg. Es sind dabei Stefanie Hempel & Band, Kaiser Quartett, Cäthe, Bernd Begemann, Jessy Martens und Otto Waalkes..

Neben den Klassikern werden auch Neuinterpretationen der Beatles-Hits gespielt und Geschichten und Anekdoten aus der wilden Anfangszeit der Beatles in Hamburg erzählt. Auch Zeitzeuginnen und Zeitzeugen werden digital zugeschaltet. Das wird, so schaut es aus, ein guter Abend werden…

(Quellen: NDR, Youtube)

WWW

26. Juli 2020

Wim Wenders, dessen sich Hamburg so gerne rühmt, wird 75. Aus diesem Anlass ist bis Mitte September eine Werkschau des großen deutschen  Filmemachers in der ARD-Mediathek  zu sehen, also WWW sozusagen. Nicht nur in  Hamburg schmückt man sich übrigens gerne mit Wim Wenders als einem der Künstler, der zur Stadt gehört. Dort war er zwischen 2002 und 2017 Professor an der Hochschule für Bildende Künste, und mit „Der amerikanische Freund“ drehte Wim Wenders 1977 einen seiner schönsten Filme in und um Hamburg herum: Da läuft dann Bruno Ganz durch den alten Elbtunnel, zum Finale fährt er mit seinen Schlangenlinien aber schon wieder recht weit weg: an einen Nordseedeich.

Ganz’ Volkswagen war dabei kein Zufall: VWs waren lange Zeit die Maskottchen in Wenders’ Filmen, und in den späten 80er-Jahren diskutierten Filmkritiker am Stammtisch schon mal, ob man die Filme des Regisseurs nicht anhand der Fahrzeuge einteilen könne: Die guten sind die mit einem VW darin, die schlechten jene ohne.

Zu Beginn von Im Lauf der Zeit“ (1976) etwa fährt Hanns Zischler seinen Volkswagen mit Karacho in die Elbe (!) und wird von da an nur noch „Kamikaze“ genannt. Sogar in „Paris, Texas“ (1984) findet sich in Nastassja Kinskis Garage ein alter Käfer – und darüber, ob dies nun ein Beleg für oder gegen die steile Stammtischthese ist, wurde einst leidenschaftlich gestritten.

Denn an Wenders schieden sich überhaupt die Geister. Schon weil er, im Vergleich zu Werner Herzog oder Rainer Werner Fassbinder, ein sehr deutscher Romantiker ist – und die waren vor noch nicht allzu langer Zeit, zum Ende des 20. Jahrhunderts, noch vielen unheimlich.

Was dran ist, an der VW-These und der von der Romantik, lässt sich derzeit bequem von zu Hause aus überprüfen: Aus Anlass von Wenders’ 75. Geburtstag am 14. August hat die ARD eine Werkschau in ihre Mediathek gestellt. Der älteste von insgesamt 23 Filmen – ganz genau: 22 Filme und die Standbildmontage „Same Player Shoots Again“ (1968) – ist der Kurzfilm „Silver City Revisited“, ebenfalls aus dem Jahr 1968; der jüngste Beitrag ist Pina – tanzt, tanzt, sonst sind wir verloren“ (2011), abgesehen noch von einem 2020 entstandenen Kurzfilm für den RBB.

Einige von Wenders’ frühen Arbeiten waren aufgrund von Materialverschleiß kaum noch ansehbar und wurden von 2014 an digital restauriert. So sehen Alice in den Städten“ (1973) oder „Falsche Bewegung“ (1975) nun besser aus als damals im Kino. Neben Hits wie Der Himmel über Berlin“ (1987) und „Buena Vista Social Club“ (1999) stehen auch weniger bekannte Perlen online: die Hommage an den japanischen Regisseur Ozu, „Tokyo-Ga“ (1985), oder der Film-im-Film Der Stand der Dinge“ (1982) sind hier zu entdecken.

Vollständig ist das Programm nicht: Es fehlen einige Filme, für die Wenders nicht selbst die Rechte besitzt: sein interessant gescheiterter Hollywoodausflug „Hammett“ (1982) und die Musikdokumentation „The Soul of a Man“, die Wenders 2003 für das Blues-Projekt von Martin Scorsese drehte.


Am 14. August, Wenders‘ Geburtstag, zeigt Das Erste um 23.50 Uhr die neue Dokumentation „Wim Wenders, Desperado“ von Eric Friedler und Andreas „Campino“ Frege

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Quelle: taz. Foto: Wim Wenders Foto von Nouvel Écran CC Attribution-Share Alike 4.0 International

„Das ist Pflege.“

16. September 2019

Der Personalmangel in Pflegeberufen ist in Deutschland seit langen Jahren ein großes Problem. Um die Ausbildungszahlen und das Image der Pflegeberufe zu verbessern, hat die Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz Hamburg jetzt gemeinsam mit öffentlichen und privaten Anbietern  eine Öffentlichkeitskampagne gestartet. Der Auftritt ist dabei vor allem optimistisch ohne Ende.

Tatsächlich sind die Rahmenbedingungen heute positiver, als man vermutet: In den letzten fünf Jahren ist die Zahl der Ausbildungsanfänger in Pflegeberufen bereits um 20 Prozent gestiegen. Die Tatsache, dass ab dem kommenden Jahr die Vergütung steigt, es einen einheitlichen Berufsabschluss und Aufstiegsmöglichkeiten durch ein Hochschulstudium gibt, werden wohl dafür sorgen, dass die Ausbildungszahlen weiter ansteigen.

Herzstück der Kampagne sind mehrere Imagefilme. Darin wird vorgeblich die Realität des Pflegealltags gezeigt: Tränen, Schmerz und Anstrengungen aber eben auch die positiven Seiten, die Mitarbeiter/innen dafür zurückbekommen: Freude, Menschlichkeit, Dankbarkeit und Sinnhaftigkeit. Das klare Motto der Kampagne:Das ist Pflege.

(Quelle)

Fahrradfrühling ’19

16. Februar 2019

Welovevelo ist eines dieser angesagten Radgeschäfte, die es -trotz des flippigen Moly mit seinem traditionellen Radgeschäft in Lingen- wirklich nur in Großstädten gibt. Welovevelo ist ein Einzelunternehmen von Ronald Mencke; es hat seinen Sitz in Hamburg in der Elbgaustraße 244, ausgangs Altona Richtung Lurup. Trotz der Ferne lohnt immer ein Blick die Webseite. Im Welovevelo-Blog heißt es -passend zu dem stabilen Februar-Hoch mit warmen Temperaturen über den Fahrradfrühling ’19:

„Gestern wurden mal wieder die aufregendsten Neuheiten und Trends rund ums Rad von Gunnar Fehlau vom Pressedienst Fahrrad vorgestellt. Nachdem wir letztes Jahr den „Fahrradsommer 2018“ verpasst hatten, fanden wir uns also vormittags im Hamburger Musikclub „Knust“ beim „Fahrradfrühling 2019“ ein, um zu schauen was es Neues in der Fahrradwelt gibt. Neben brandneuen Rädern für Kinder und Laufrädern für die ganz Kleinen (u.a. ein Laufrad von Cannondale mit Lefty-Gabel) lag der Fokus auf verschiedenen neuen E-Bike-Modellen.

Es gibt tatsächlich immer mehr E-Mountainbikes wie das Enduro Uproc 7 4.10von Flyer oder das vollgefederte Haibike Sduro Fullseven LT 7.0. Aber auch neue Räder im Touren- und Reiserad-Bereich mit Elektroantrieb wie das Nevo GT von Riese & Müller mit Bosch-Mittelmotor und GPS-Diebstahlschutz oder dem Finder FD12E mit Nabenmotor und Pinion-Getriebe kombiniert mit Gates Carbon Drive von Velotraum.

Konzentrieren möchten wir uns aber wie gehabt auf das Zubehör und da gab es auch ein paar interessante Neuigkeiten. Los gehts mit der „Oi Luxe“ von Knog, welche ein edles Upgrade der ringförmigen „Knog Oi Classic“ Klingel ist. Die „Oi Luxe“ ist im Gegensatz zu dem über Kickstarter finanzierten Vorgänger fast komplett kunststofffrei. Luxus Fahrradklingel: Oi Luxe von Knog Quelle/Source [´www.cosmicsports.de | pd-f´]

Die verwendeten Materialien sind hier nun Messing, Edelstahl und Kunstleder. Oder wie der Hersteller wirbt: „veganes Leder“. Die neue Klingel sieht nicht nur richtig schick am Lenker aus, auch der Hauptkritikpunkt der „Oi Classic“, nämlich die Stärke des Klingeltons, wurde durch einen Messing-Klöppel deutlich gesteigert. Die Luxus-Fahrradklingel gibt es, wie die klassische Version, für 22.2 mm oder für 23.8 – 31.8 mm Lenkerdurchmesser. Farblich kann man zwischen einem matten Schwarz, Silber und Messing wählen. Preislich liegt die stylische Klingel bei 39,99€. Die „Oi Luxe“ steht bei uns schon ganz oben auf der Liste für neue Artikel!

Interessant fanden wir auch die Tasche „Vario“ von Ortlieb. Diese kann entweder als Rucksack verwendet werden oder Fahrradtache/Rucksack Ortlieb Vario Quelle/Source [´www.ortlieb.com | pd-f´]man nutzt sie als Fahrradtasche am Gepäckträger. Die Rucksackträger lassen sich dafür schnell und einfach entfernen. Sie bietet mit 23 Liter Stauraum genug Platz für Laptop, Kleidung oder Einkäufe und eignet sich gut für den Weg zur Arbeit oder zur Uni. Zu haben ab 139,99€.Spritzschutz

Wer keine festverbauten Schutzbleche mag und Ass Savers und Co für keine Lösung hält, um vor Nässe und Schmutz zu schützen, für den gibt es jetzt von SKS Germany das schnellmontier- und demontierbare Schutzblech-Set „Speedrocker„. Es ist gedacht für Hinter- und Vorderrad von Gravelbikes und Cyclocross-Rädern sowie Rennrädern mit bis zu 42mm Reifenbreite. Ja, solche schnellmontierbaren Schutzbleche kennt ihr schon? Eine Neuerung ist hier jedoch, dass der vordere Spritzschutz zweiteilig ist und über einen Doppelspoiler das Aufwirbeln von Spritzwasser verhindert und so das Gesicht des Fahrers trocken bleibt. Das hintere Blech ist nach unten ausziehbar um für maximalen Schutz zu sorgen.Lieferbar am März für 44,99€.Pannenschutzeinlage Tannus Armour Quelle/Source [´www.messingschlager.com | pd-f´]

Der Hersteller von luftlosen Fahrradreifen Tannus hat mit der Pannenschutzeinlage „Armour“ eine Neuheit entwickelt. Der verwendete Schaumstoff ist leicht und flexibel und verhindert mit einer 15mm dicken Schicht das Vordringen von Fremdkörpern bis zum Schlauch. Kostenpunkt: 29,90€.

Schlüsselfreies Bügelschloss: Abus SmartX

Quelle/Source [www.pd-f.de / Paul Masukowitz´]

Nachdem im letzten Jahr von ABUS das alarm-gesicherte Faltschloss „BORDO Alarm 6000A“ vorgestellt worden ist, geht ABUS nun noch einen Schritt weiter und bringt mit dem Bügelschloss „770A SmartX“ ein komplett schlüsselloses Schloss auf dem Markt, welches nur per Smartphone entriegelt werden kann. Hierfür muss lediglich eine APP auf dem Mobiltelefon installiert sein, die das Schloss per Blutooth öffnet sobald der Nutzer in der Nähe des abgeschlossenen Fahrrads ist. Dafür muss also nicht einmal das Smartphone aus der Tasche geholt werden.

Das Schloss ist aufladbar per USB am Computer, über eine Powerbank, Steckdose oder direkt über den Akku eines E-Bikes. Neben diesen technischen Spielerei ist hier ebenso eine akustische Alarmfunktion enthalten, die bei einem Diebstahlversuch einen Warnton mit 100 Dezibel abgibt.

Das Schloss basiert auf dem Abus Granit 540 mit der höchsten Sicherheitsstufe 15 und ist ab 199,95€ in verschiedenen Größen erhältlich. Wer also für ein Rad eh mehr als 5000€ ausgibt, wird wahrscheinlich auch noch 200€ für solchen Spielkram übrig haben.

Wir hoffen es dann auch zum diesjährigen „Fahrradsommer“ zu schaffen, wenn die Highlights der Eurobike 2019 vorgestellt werden.“

Alles kann auch bei welovevelo auch telefonisch oder onlibe bestellt werden.
Das nehm ich jedenfalls an…

[Herzlichen Dank an Ronald Mencke für das Crossposting!]

Reden über Kunst
Ulrich Dörrie
Bedeutung und Entwicklung von selbstorganisierten Künstlerprojekten seit 1968
Lingen (Ems) – Kunst-/Halle IV, Kaiserstr 10a
Heute – 19.30 Uhr

Nach der Studentenrevolte 1968 fragten sich zahlreiche Künstler, wie eine selbstbestimmte Produktion und deren Vermittlung zu organisieren wäre, jenseits des Einflusses etablierter Institutionen und kommerzieller Galerien.

Es gründeten sich zahlreiche Initiativen, Gruppen und Projekte. Exemplarisch war die „Buch Handlung Welt“ von Hilka Nordhausen in Hamburg, nur vermeintlich ein Buchladen, vielmehr eine Schnittstelle und ein Treffpunkt internationaler agierender junger Literaten und Künstler. Der Vortrag beleuchtet die Aktivitäten jener Jahre, stellt einzelne Projekte vor und befragt auch Begriffe wie „Subkultur“, „Avantgarde“ und „Networking“ und ihre Bedeutung in der Gegenwart.

Ulrich Dörrie wurde 1958 in Thuine geboren und wuchs in Lingen auf, dort Abitur 1978. Von 1978 – 1984 Studium der Kunstgeschichte an der FU Berlin und der Universität Hamburg. 1987 – 2011 arbeitete er als Galerist in Hamburg. Diverse ehrenamtliche Tätigkeiten in Kulturvereinen. Mitherausgeber der Publikation “dagegen-dabei”, Hamburg 1999.

Seit 2011 Lehrbeauftragter, u.a. Hochschule für Bildende Künste Hamburg, Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg und HafenCity-Universität Hamburg. Seit 2018 Leiter Kunstvermittlung Kunsthalle Lingen. Ulrich Dörrie lebt in Hamburg und Lingen (Ems).

(Foto und Text: Kunstverein Lingen)

Rembrandt350

10. Februar 2019

Die Niederlande haben in diesem Jahr erneut ein Rembrandtjahr ausgerufen, um den niederländischen Maler anlässlich seines 350. Todesjahres zu würdigen. Im ganzen Land gibt es über das Jahr verteilt 19 verschiedene Ausstellungen zum Thema „Rembrandt und das Goldene Zeitalter“. 10 Ausstellungen (in Amsterdam, Delft, Dordrecht, Haarlem, Hoorn und Enkhuizen, Leiden, Middelburg und Den Haag) haben eine direkte Verbindung zu Rembrandt van Rijn und seinem Schaffen, während sich die übrigen Ausstellungen mit dem Goldenen Zeitalter auseinandersetzen.

Ende Januar hat Prinzessin Beatrix im Mauritshuis in Den Haag das Rembrandtjahr 2019 eröffnet. Dass die Eröffnungszeremonie in Den Haag stattfand, und nicht in Amsterdam, wo sich die meisten Rembrandt-Werke befinden, weist auch auf die Tourismus-Strategien der Organisatoren von NBTC Holland Marketing hin: Die Aufmerksamkeit soll nicht weiter auf die ohnehin schon von Touristen überfüllte Stadt gelenkt werden, sondern auf nicht so bekannte niederländische Städte.

Mehr bei NiederlandeNet.

ps Holland Marketing geht übrigens davon aus, dass 600.000 Besucher mindestens eine der Ausstellungen besuchen werden, davon werden ca. 250.000 vermutlich aus dem Ausland Durch diese Touristen werden schätzungsweise 145 Millionen Euro in die niederländischen Kassen fließen. Das Rembrandtjahr wird folglich zusätzliche Touristen anspülen und vielleicht geht der Plan auf, und der ein oder andere Tourist findet nicht nur den Weg nach Amsterdam, sondern auch in eine der anderen sehenswerten Städte.

Während des Rembrandtjahres gibt es auch auch fünf große Rembrandt-Ausstellungen in

Deutschland

Kassel… verliebt in Saskia. Liebe und Ehe in Rembrandts Zeit
12 April – 11 August 2019
Gemäldegalerie Alte Meister, Kassel (museum website)

Rembrandt’s Mark
14 June – 15 September 2019
Kupferstich-Kabinett, Staatliche Kunstsammlungen Dresden (museum website)

Rembrandt: Meisterwerke aus der Sammlung
30 August 2019 – 5 January 2020
Hamburger Kunsthalle, Hamburg (museum website)

Im Focus: Rembrandt – Graphic Höhepunke der Münchener Sammlung (working title)
27 September – 20 October 2019
Pinakothek der Moderne, München (museum website)

Rembrandt: Drama of the Mind in 5 Acts
31 October 2019 – 1 March 2020
Walraf-Richartz-Museum, Köln (museum website) in Zusammenarbeit mit der Nationalgalerie Prag, wo die Ausstellung bereits ab dem 1. April zu sehen ist.


Bild: Rembrandt, Selbstporträt mit zwei Kreisen, 1665–1669, via Wikipedia)

Unsichtbares Leben

6. Januar 2019

Kennen Sie piqd [pɪkt]? Der Name ist abgeleitet von „hand-picked“ (handverlesen) und kommt als sog. „News-Aggregator“, in deutscher und englischer Sprache daher. Auf der Plattform empfehlen journalistische Kuratoren Inhalte aus online verfügbaren Publikationen, es gibt also Tipps von Menschen, nicht von Algorithmen. Sie verfassen dazu kurze, einfÜhrende Text, in denen sie Besonderheit und Bedeutung ihrer Empfehlung deutlich machen. piqd ist und soll damit ein Gegenentwurf sein, vor allem zur auf Reichweiten abzielenden Verbreitung medialer Inhalte in sozialen Netzwerken  und „Raum für eine ausgeruhtere Debatte“ bieten. Ich lasse mich gern auf diese Weise informieren und empfehle die Plattform.

Auf piqd.de also habe ich jetzt einen Beitrag von Alexandra Rojkov über Mirabel in Hamburg gelesen. Mirabel ist unsichtbar, sie ist eine Illegale. Ihr Schicksal beschäftigt mich; ich frage mich, wie man so leben kann. Ohne Konto, ohne Versicherung und .vor allem- ohne Teilhabe am sozialen Leben.

Alexandra Rojkovs Text: „Das Leben in Deutschland besteht aus viel Papierkram. Um eine Wohnung zu bekommen, braucht man ein Konto. Um ein Konto zu bekommen, benötigt man einen Ausweis. Und bei jedem Arztbesuch ist die Krankenkassenkarte fällig.

Mindestens 180.000 Migranten in Deutschland haben weder ein Konto, noch eine Versichertenkarte. Ihren Ausweis können sie nicht vorzeigen, weil sie fürchten, sonst ausgewiesen zu werden. Sie haben in Deutschland kein Bleiberecht – und leben doch dauerhaft hier. So wie Mirabel Anaya, die aus Honduras stammt und seit 22 Jahren in Hamburg wohnt.

Ich habe mich oft gefragt, wie ein solches Leben funktioniert. Wovon ernährt man sich? Was macht man, wenn man mal krank wird?

Anaya verdient ihr Geld, indem sie schwarz putzt. Sie lebt bei einer Freundin – gemeldet ist sie dort nicht. Bei medizinischen Notfällen geht sie zu einer Ärztin, die Migranten für zehn Euro behandelt.

Um zu vermeiden, dass man sie abschiebt, lebt Anaya nach strengen Regeln. Sie meidet Orte, an denen Polizisten sein könnten. Geht nie zu Verabredungen, wenn sie nicht weiß, wer noch kommt. Im Gegenzug kann sie ihrem Sohn in Honduras Geld schicken. Von ihrem Verdienst hat er eine Fischzucht aufgebaut.

Für mich besonders überraschend: Ab und zu besucht Anaya ihr Heimatland sogar.

Von Honduras aus kauft sie ein Ticket für einen Hin- und Rückflug innerhalb von drei Monaten. Das ist die längste legale Aufenthaltsdauer für Touristen aus Honduras ohne Visum. Auf diese Weise kommt sie mit ihrem honduranischen Reisepass nach Deutschland. Die Rückreise nimmt sie nicht wahr und bleibt. Später geht sie zur honduranischen Botschaft und meldet ihren Pass als verloren, um einen neuen ohne Einreisestempel zu beantragen. Mit dem neuen Pass kann sie zurückreisen,“

Hier geht es zum Beitrag in der ZEIT. über den piqd berichtet.

Als ich
den piqd-Beitrag und dann den ZEIT-Artikel gelesen hatte, fragte ich mich, wie viele „Illegale“ es denn in unserer Stadt gibt. Sicherlich sind die Möglichkeiten in deutschen Großstädten besser, unsichtbar zu sein. Aber wenn es geschätzt 180.000 Illegale in Deutschland gibt (wie errechnet man eigentlich diese Zahl?) dürften es einige Dutzend Menschen auch bei uns geben, die ein Leben führen, das unsichtbar ist. Ist es würdelos? Und was kann man tun, um diesen Menschen zu helfen. Will die Mehrheit ihnen überhaupt helfen? Und Sie? Und wie? Was meinen Sie?

böse Bilder

21. Juni 2018

Da gibt es jetzt einen Instagram-Account, der die unschönsten Plätze von Hamburg zeigt. Sonst zeigen die Instagram-Bilder unter den einschlägigen City-Hashtags meist nur die Sonnen- und Vorzeige-Ecken von Städten. Dass das Bild von Städten dadurch ziemlich verzerrt wieder gegeben wird, ist offensichtlich.
Warum also sollte es nicht auch Instagramkanäle und Hashtags geben, die genau das Gegenteil zeigen. Der Hamburger Instagram Account @wehatehh macht genau das und versammelt „Hamburgs unschönste Plätze“ unter einem Hashtag. @wehatehh ist damit also so etwas wie der Defluencer unter dem weichgespülten Stadtmarketing.
Wäre das nicht auch etwas für andere Städte, zum Beispiel Lingen? Es gibt zwar seit acht Jahren den twitter-Account @Lingen_Fehler. Aber dies ist ausbaufähig! Urbanshit, wo ich den Beitrag über Hamburgs „Defluencer“ gefunden habe, meint zwar, dass die gezeigten Bilder aber auch einfach nur normal seien und Hamburg genau so zeigen, wie es auch ist. Manchmal seien gerade die normalen Dinge die schönsten. Nun, ich sehe neben dem Abbild der Realität auch eine andere Folge:

In Zeiten, in denen Public Relations der Verantwortlichen täglich ein verzerrtes Bild der Realität zeichnen, schafft ein derartiger „Account des Normalen“ die Chance, dass sich etwas ändert. Nicht wenige sagen: Nur wenn’s wehtut, wenn es böse Bilder gibt, wird es anders, besser.

Freier Eintritt

19. März 2018

In den Hamburger Museen wird es künftig einen festen Tag im Jahr geben, an dem der Eintritt für alle frei ist. Diese Entscheidung hat Anfang des Monats die Hamburger Bürgerschaft verkündet. Neben dem neuen Feiertag soll am 31. Oktober gleichzeitig der Eintritt in alle städtischen Museen umsonst sein. Die Kosten der wegfallenden Eintrittsgelder übernimmt die Stadt.

Wer meine Meinung hören möchte: Möglichst vielen Menschen den Zutritt zu Museen zu ermöglichen, in dem man die Eintrittsgelder niedrig hält oder erst gar keine erhebt, ist gut und wichtig. Der Zugang zu Kunst und Kultur sollte für eine Stadt eigentlich zum Selbstverständnis dazugehören. Den Eintritt in Museen an einem festen Tag im Jahr zu erlassen, ist also eine gute Sache….

Auch Niedersachsen wird noch in diesem Jahr den 31. Oktober zum Feiertag machen. Ob das Reformationsfest das richtige Datum für den -längst überfälligen- Feiertag ist, mag bestritten werden. Allemal gut ist, dass der Tag kommt und besonders üerzeugend ist es, dass auch in unserer Stadt Lingen (Ems) und in der Region an Ems und Vechte an diesem Tag der Eintritt in ale Museen frei ist. Übrigens auch in die Kunsthalle, die Wert darauf legt, kein Museum zu sein.

(Mit Material von Fred Romero auf Urbanshit CC BY 2.0) ; Foto Emslandmuseum Lingen © RobertsBlog)