Gerade gelesen: „Vor allem auf Grund der durch die Europäische Lebensmittel-Sicherheitsbehörde erfolgten Neubewertung des von perfluorierten Alkylsubstanzen ausgehenden gesundheitlichen Risikos, aber auch auf Grund der Ergebnisse für Dioxine, dioxinähnliche und nicht-dioxinähnliche polychlorierte Biphenyle rät das Niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz Anglerinnen und Anglern, von dem regelmäßigen Verzehr von Fisch aus Flüssen in Niedersachsen Abstand zu nehmen.  Die Empfehlung des Landwirtschaftsministeriums in Hannover lautet also schlicht und klar, Fische aus heimischen Flüssen nicht regelmäßig zu verzehren. Eine Aussage, die für die Umweltpolitik unseres Bundeslandes, der Kreise, Städte und Gemeinden vernichtend ist.

Eschreckend ist:
Das sog. „Schädlingsbekämpfungsmittel“ DDT einschließlich seiner Metaboliten wurde in 98,8 Prozent (!) der 169 untersuchten Fischproben nachgewiesen, Hexachlorbenzol (HCB) in 85,8 Prozent. Zur Erinnerung: Herstellung und Vertrieb von DDT sind in der Bundesrepublik Deutschland seit dem 1. Juli 1977 (!) verboten, HCB ist seit 1981 nicht mehr zugelassen.

Die taz stellt den Zusammenhang her: „Der Zustand der Fische gibt Aufschluss über den Zustand der Umwelt. Weil Fische über die Kiemenatmung und die durchlässige Haut immer in Kontakt mit dem Element Wasser sind, gelangen schon winzigste Giftkonzentrationen in den Fischkörper. Sofort aufmerksam werden wir, wenn es zu einem spektakulären Fisch­sterben kommt und Hunderte oder Tausende tote Tiere an der Oberfläche treiben.

So starben beispielsweise im vergangenen Oktober in einem Kies-See im niedersächsischen Landkreis Leer Tausende Fische. Für die Passage der „Norwegian Encore“, einem Luxusliner der Papenburger Meyer-Werft, war die Ems zuvor drei Wochen lang ausgebaggert und der Schlick in den See gepumpt worden. Die Sauerstoff- und Salzwerte waren dann so schlecht, dass eineinhalb Tonnen tote Fische aus dem See geholt werden mussten. In solchen Fällen ist die Ursache leicht auszumachen

Schwieriger ist das beim stillen Verschwinden der Tiere, das aber ebenso auf mangelhafte Wasserqualität hinweisen kann. Fische können durch Krankheiten dahingerafft werden, weil Schwermetalle ihr Immunsystem schwächen oder sie sich nicht mehr fortpflanzen können, weil die Eier und Jungfische nicht überleben.

Im April hat das niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) seinen Abschlussbericht des neuen „Schadstoff-Monitoring in Flussfischen aus niedersächsischen Flussabschnitten“ veröffentlicht – angelehnt an eine 2008/2009 durchgeführte Untersuchung zum Schadstoff-Monitoring.

Im Monitoring 2019/2020 wurden insgesamt 164 Aale, Brassen und Zander aus Elbe, Ems, Weser, Aller und Oste untersucht. Die Brasse ist als Vertreter der Weißfische ein beliebter Anglerfisch, der Aal kommt in nahezu allen Flüssen Deutschlands vor. Zander wurden 2019 neu in das Untersuchungsprogramm aufgenommen…“

[weiter bei der taz]

Persönlicher Nachtrag:
Die Berechnungen des Landes Niedersachsen legen den täglichen Verzehr von 300 g Fischfilet durch eine 60 kg wiegende Person zugrunde. Das ist das sog. Worst-Case Szenario der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA. Niedersachsen stellt nach seinen LAVES-Untersuchungen fest: „Basierend auf den aktuellen Werten nach vergleichbaren Modellrechnungen (und Vereinfachungen), PFOS-Gehalte im Muskelgewebe von Fischen ab 0,36 µg/kg und PFOA-Gehalte ab 0,16 μg/kg (Orientierungswerte) ist dies als problematisch anzusehen.“
Ich frage: Welches Kind wiegt 60 kg? Heimische Flussfische sind in Niedersachsen also vor allem für Kinder ein absolutes No-go.
(Foto: Unterems © Wattenrat)

sehr lokalkoloriert

7. Mai 2020

Gestern habe ich über regionale Urlaubsalternativen statt Malle geschrieben und mich dabei über die Lustlosigkeit der Emsland Tourismus GmbH in Meppen in ihrem Beitrag über Wandern in Schepsdorf gegrämt. Lest mal. Meine Erkenntnis: Nur flottes Layout ist nicht genug. Daher hier meine kleine, emotionale und lokalkolorierte Antwort:

Einen Gruß an die etwas meppenlastig erscheinende Emsland-Tourismus GmbH am Sitz des Landkreises in 49716. Mein Rat: Bitte kümmert Euch etwas besser um Eure Wander-Empfehlungen.
Der empfohlene Schepsdorfer Wanderweg durch die Elberger Schlipse [Zugereiste sagen übrigens immer besonders korrekt und wie im 14. Jahrhundert Slipse oder -schlimmer- wie im 21. Jahrhundert „Wanderweg 4“] beginnt niemals mittendrin an einem Parkplatz unterhalb der B 213-Alexanderbrücke, wo der von Friedel Kunst gestaltete heilige Alexander, der Namenspatron der fast 1.000 Jahre alten Schepsdorfer Kirche, achtgibt  Dieser uralte Weg beginnt und endet immer (!) am oder besser im Gasthaus Hubertushof in Schepsdorf, wo man vorher oder (besser) hinterher auf sein müdes Haupt betten kann. Gestartet wird die Wanderung am Garten des Hubertushofs entlang über den Esch Richtung Ems, nach rund 1,8 km unter der Alexanderbrücke hindurch und bis zur Kreuzung an der kleinen Gaststation nach weiteren 1,2 km, wo es aber links abgeht und nicht rechts, liebe Emsland-Tourismus GmbH (wir sehen, was beschränkte Haftung auch bedeuten kann…). Die Strecke ziehe ich derjnigen vor, die von der Emsland Tourismus empfohlen-vorgeschlagenen Hin-und-Her-Abkürzung zu Schloss Herzford wird; denn  Schloss Herzford zwar ausgesprochen schön anzusehen ist, aber -ganz im Gegensatz zur Bauphase um 1720 – keine Beköstigung vorhält. Das ist auf dem durch den Wald führenden Weg an der Ems deutlich anders! Zunächst findet sich nach etwa 1 km linker Hand hier am westlichen Emsufer  (und nicht auf der östlichen Emsseite, wie die Emsland Tourismus GmbH schreibt)  der mächtige, vor 10 Jahren wieder ausgegrabene Ikenstein; 500m weiter folgt der ehemalige Gasthof Bösker, den früher Clemens und Lenchen Bösker betrieben und wo es den besten strammen Max im ganzen Emsland gab; jetzt ist dort (Postadresse Elbergen Nr. 1) schon seit einiger Zeit -ich glaubte es zuerst nicht- ein japanisches Restaurant entstanden: Der Besuch ist ein Muss, denn dort gibt es die köstlichsten Sushi in Niedersachsens Westen.

Statt rechts ab und zurück zum für den Wanderermagen frugalen Schloss Herzford kann man hinter Tempura Sushi zum Wasserfall laufen. Es sind nur etwas mehr als 100m. Leider haben vor etwa 15 Jahren ebenso dumme wie treulose Beamte der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung in und aus -Sie ahnen es- Meppen einen Teil der grundsätzlich unverkäuflichen denkmalgeschützten Schleusenanlage des Ems-Vechte-Kanals verkauft, und der neue Besitzer hat den uralten Weg an der Ems entlang blockiert. Doch irgendwie gelangt man auch vom Wasserfall auf die östlich grüßende Emsbrücke und von dort auf die nördliche Seite des Flusses, wo andere dumme Menschen gerade in diesem Frühjahr am Ende eines selten genutzten Abstellgleises mit Prellbock einen fulminanten Baum-und-Strauch-Kahlschlag vollführt haben. Man sollte dort erst gar nicht hinsehen, um sich nicht maßlos zu ärgern, sondern sich stattdessen links halten und auf den nächsten Kilometern von Gasthaus zu Gasthaus streben.

Erst geht er/sie/es also zum Café Alte Schleuse mit seinem wunderbaren Bauerngarten, von dort über die Sperrtorbrücke einige Schritte zurück zu Schepergerdes‘ Am Wasserfall und von dort dann gestärkt den Dortmund-Ems-Kanal entlang, bis jenseits der Grüne Jäger grüßt und einlädt. Nördlich an der Umgehungsstraße führt die Wanderung anschließend über die stark befahrene B213-Alexanderbrücke (ungemütliche 180m!) Richtung Westen und nach der Brücke rechts hinunter in die emstalige Ruhe und zurück Richtung Hubertushof. Sind Sie dort schließlich angekommen, haben Sie die klassische Strecke für Lingener*innen gewandert, wobei die wirklich klassische vom Bahnhof Elbergen über Bösker, Schievink, Schepergerdes und Grüner Jäger verlief. Aber Schievink ist schon lange nicht mehr und der Bahnhof Elbergen erst recht nicht; die wirkliche klassische Wanderstrecke ist also perdu. Die heutige kann sich aber sehen lassen; sie dauert allerdings schon wegen der notwendigen Einkehr in diverse Gasthäuser etwas länger, ich vermute einen Wandertag lang. Noch länger würde sie dauern, wenn man nach 3 km  -s.o.- nicht links sondern rechts abgebogen wären. Doch wer hört schon als Lingener*in auf Meppener Orientierungshinweise?

Persönlicher Bonus-Nachtrag:
In seinem Hubertushof wartet beim Eintreffen des Wanderers bereits Wirt Hubert Neerschulte, wenn man Glück hat und er nicht seinen Ehrenämtern in Stadt- und Ortsrat nachgeht, und erzählt dann vielleicht die Geschichte vom größten Bierexperten der Region, von Köpi und Rolinck, wenn Du  1.) ein leckeres Essen mit Getränk bestellst, dann 2.) von mir grüßt, ihn 3.) nach der Bier-Geschichte fragst und ihm 4.) strengste Verschwiegenheit zusicherst. Sie ist allerdings schon sehr lokalkoloriert, die Geschichte, aber doch für uns Lingener*innen auch sehr fein. Sie werden lächeln.
(Foto oben: Schloss Herzford; CFamduling – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland“; Foto unten: Schepsdorfer Gastwirt Hubert Neerschulte, via Twitter)

Malle kann warten

6. Mai 2020

Ab wann kann man wieder in den Urlaub fahren – und vor allem wohin? Mit dieser Frage beschäftigen sich zurzeit viele Menschen bundesweit, aber auch in Lingen. Die Chance: Viele Deutsche lernen durch die „weltweite Reisewarnung“ des Auswärtigen Amts ihre Heimat besser kennen und machen statt Reisen in ferne Länder jetzt Tagesausflüge in die Region oder Kurzurlaub in Deutschland.  

Zwar halten nach einer Umfrage immer noch fast die Hälfte der Befragten (47 Prozent) an ihren Urlaubsplänen fest, allerdings haben 27 Prozent ihre geplante Urlaubsreise bereits ersatzlos storniert. 18 Prozent haben ihre Reise verschoben. Von der anhaltenden Unsicherheit, profitieren vor allem Angebote in der Region: Fast jeder Zweite will Tagesausflüge in die nähere Umgebung machen, wenn er nicht in den Urlaub fahren kann, 40 Prozent wollen Kurzurlaube in Deutschland machen.
Was aber geht für uns Urlauber in Lingen und in der Region?
Für Kinder und Jugendliche wird im Rathaus gerade ein besonderer Corona-Ferienpass zusammengestellt. Auf das Ergebnis dürfen wir gespannt sein. Für Familien dürften neben dem Moormuseum in Groß Hesepe die Zoos und Tierparks in Nordhorn, Rheine und Osnabrück ganz oben anstehen. Und die Burg in Bad Bentheim, alternativ die Meyer Werft oder  etwas weiter zum Wattwandern mit der Familie an die Küste. Schade, dass der Dierenpark in Emmen in der benachbarten niederländischen Provinz Drenthe für einen Familienbesuch nicht wirklich preiswert ist, wenn sie ihn nur eimal besucht. Andererseits ist die Vesting Bourtange ebenso einen Besuch wert wie das Kloster Ter Apel; weil man aber dort die Stille hört, ist die Anlage doch eher etwas für ältere Semester.
Für die darf ich natürlich die Stadt Leeroder die Kunsthalle Emden oder das Museumsquartier Osnabrück empfehlen und immer wieder die einzigartige Chrissis Tortenliste mit zahlreichen Ausflugszielen empfehlen, nachdem die Restaurants wieder geöffnet haben und auch wenn das Ergebnis mehrerer derartiger Ausflüge wohl auf den Hüften sichtbar aufträgt.
Apropos aufträgt: Am Besten geht es natürlich im Emsland und drum rum zu Fuß: Ab Rheine wandert man auf den Hermannsweg; der etappenweise insgesamt 156 Kilometer lange Hermannsweg (Wegzeichen lks)  führt über den Kamm des Teutoburger Waldes und gilt als einer der schönsten Höhenwege Deutschlands. Sonst ist bei uns aber natürlich Flachlandwandern angesagt und zwar in der Grafschaft Bentheim und auf zahlreichen Wanderwegen im Emsland und vor allem auf dem Hümmlinger Pilgerweg, wo dieses Zeichen (lks) den 90-km-Weg markiert.
Dann ist im Emsland natürlich die Radtour das Mittel der Wahl, sofern sich unsere Straßenbaubehörden endlich des ärgerlichen Eichenprozessionsspinners annehmen und nicht nur profan Schilder aufstellen, die die ESP bekanntlich nicht lesen. Von Lingen (Chrissis Liste klicken!) zu den Bauerncafes in Mehringen (mit Salzgrotte und Swingolf und Hünensteinen) und Gleesen, dem Gartencafé Helming in Lünne, wo um die Ecke Borchers Landhausbrauerei eine feine Alternative ist. Enkings Mühle in Emsbüren, das sagenhafte, und mit dem Abstecher zum Heimathof mit Kräutergarten muss man ansteuern und mit Freund, Freundin oder Verhältnis natürlich das Stiftscafé Wietmarschen oder das Pier 99 in Nordhorn.  Die Tour führt im Juni auf die Erdbeer- und Blaubeerfelder, damit man nach der Selbstpflückerei den eigenen Rücken wieder spürt und die Kinder ihren eigenen,  und auf dem Emsradweg flussab und flussaufwärts ab Rheine entlang am Oberlauf des kleinsten deutschen Stromes und bis zu seiner Quelle. Oder eben von dort in der Senne gleich bis zur Mündung. Das ist dann ein wirklicher Abenteuerurlaub für die Familie wie Gift für die Radler mit den gepolsterten Hüften.

Ich breche hier ab, weil ich mit dem Beitrag jetzt „auf Sendung“ gehen muss. Wer weitere Vorschläge hat, bitte mailen (robert.koop(at)web.de).
Mein Fazit ist jedenfalls klar: Malle kann gern warten, die Ems nicht.

Grundwasserkörper

20. November 2019

Bei uns „lm Emsgebiet ist das Grundwasser oft zu stark mit potenziell schädlichem Nitrat belastet. Dagegen richtet sich eine Klage gegen Niedersachsen und NRW. Die Deutsche Umwelthilfe klagt nach dem Dieselskandal Also jetzt auch gegen die Belastung des Grundwassers mit Nitrat, zum Beispiel aus Gülle. Die Organisation zog am Mittwoch gegen Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen vor das Oberverwaltungsgericht Lüneburg, weil sie gegen die Wasserrahmenrichtlinie verstoßen hätten. Diese EU-Vorschrift fordert, dass sich alle Gewässer in einem guten ökologischen und chemischen Zustand befinden.

Doch im Ems-Gebiet der beiden Bundesländer werde der Nitrat-Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter im Grundwasser an vielen Messstellen überschritten, teilte die Umwelthilfe mit. Die Organisation will die Behörden nun durch die Klage zu Maßnahmen zwingen, um den Grenzwert einzuhalten.

Potenziell gesundheitsschädliches Nitrat aus Stickstoffdüngern belastet Grundwasser, aus dem das meiste Trinkwasser gewonnen wird. In der Umwelt trägt zu viel Dünger zum Aussterben von Pflanzen- und Tierarten sowie zum Klimawandel bei.

„21 der insgesamt 40 Grundwasserkörper beziehungsweise zwei Drittel der Gesamtfläche der Flussgebietseinheit Ems auf deutschem Gebiet befinden sich in einem schlechten chemischen Zustand“, so die Umwelthilfe. Hauptgrund dafür sei, dass die Bauern im Schnitt mehr mit Stickstoff düngten als die Pflanzen aufnehmen könnten…“

[weiter bei der taz…]

zu speziell

30. August 2019

Wirklich interessant wurde es in der gestrigen Sitzung des Lingener Stadtrats erst, als die Öffentlichkeit den Ratssaal verlassen und Ratsvorsitzender Werner Hartke die „nicht-öffentliche Sitzung“ eröffnet hatte. Einmal wurde über ein Grundstücksgeschäft entschieden, das zu einem massiven Eingriff in das Landschaftsschutzgebiet Emstal führen soll. Eine mehrere Hektar große Fläche am Ostufer der Ems soll abgegraben werden, damit weiter flussab ein „neues Baugebiet“ für gut zwei Dutzend Einfamilienhäuser entsteht – mitten im Landschaftsschutzgebiet und im festgesetzten Überschwemmungsgebiet (Kartenausschnitt) der Ems. Neben einer kurzen Debatte über den bevor stehenden umwelt- und klimapolitischen Sündenfall aber kam es dann anschließend zu einer -sagen wir- noch aufschlussreicheren Gegenüberstellung.

Zunächst sprach unter dem Tagesordnungspunkt „Anfragen und Anregungen“ mein Ratskollege Marc Riße noch einmal den jüngst bekannt gewordenen Plan an, den Rosenmontagsumzug in unserer Stadt um acht Tage vorzuverlegen. Es soll ein Familientag werden, so der Plan.  Riße sprach sich dagegen aus, weil man die Feste feiern solle, wie sie fallen, und Rosenmontag sei eben am Rosenmontag. Es entwickelte sich in der Folge eine muntere Diskussion über mehr als 20 Minuten, die am Ende wohl mehrheitlich für den neuen Umzugstermin ausfiel, im nächsten Jahr also am Sonntag, den 16. Februar. (Sie sollten sich das notieren.)

Anschließend brachten die Grünen-Ratsmitglieder Thomas Kühle und Ibrahim Hassan existentielle Probleme von in unserer Stadt lebenden Flüchtlingen zur Sprache, die sie kannten. Ab September werden Asylbewerber in Deutschland deutlich geringere Sozialleistungen erhalten, sofern sie schon in einem anderen europäischen Staat Asyl beantragt haben. Im Asylbewerberleistungsgesetz werden nämlich die Leistungen ab dem 1. September 2019 neu berechnet, Alleinstehende in Gemeinschaftsunterkünften werden in einer niedrigeren Bedarfsstufe eingruppiert und bekommen deswegen nicht -wie andere- mehr Geld als bisher. Das ist so aufgrund des Zweites Gesetz zur besseren Durchsetzung der Ausreisepflicht, des sog.  Hau-ab-Gesetzes. Ihnen drohen auch andere Nachteile, wenn sie nicht nach den Regeln des umstrittenen Dublin-III-Abkommens in das Land zurückkehren, in dem sie erstmals den Fuß auf europäischen Boden gesetzt und Asyl beantragt haben. Wieviele in Lingen davon betroffen seien und ob sie gar obdachlos würden, fragte Thomas Kühle.

Der zuständige Verwaltungsdezernent zeigte sich bei Kühles Fragen eher wenig informiert, was sich auch nicht änderte, als ihn danach Ibrahim Hassan fragte, weshalb syrische und irakische Flüchtlinge trotz ausreichender anderer Personalurkunden zur Feststellung ihrer „Identität“ in Lingen zusätzlich noch einen Pass ihres Mutterlandes beschaffen müssten. Er nannte ihm bekannte Fälle, wonach Flüchtlinge so gar ihre bestehende Arbeitserlaubnis (und ihren Job!) verloren hätten, weil sie keinen Pass hätten vorlegen können. Die irakische Botschaft habe es sogar abgelehnt, auch nur eine Bescheinigung auszustellen, dass ein geflohener Iraker dort überhaupt wegen eines Passantrags vorgesprochen habe. Syrische Flüchtlingen müssten hohe 1.300 Euro für einen Pass an die Botschaft des diktatorischen Regimes zahlen, vor dem sie geflüchtet seien. Das sei unzumutbar.

Mein Zwischenruf an den, diese Passbeschaffung verteidigenden Ersten Stadtrat: „Sie verteidigen hier reine Bürokratie“ führte erwartungsgemäß zu keinem Innehalten, die anderen Ratskollegen schauten derweil zweifelnd, einige auch betreten, bis dann die große Stunde der Sozialdemokratie kam:

Deren Fraktionsvorsitzende, zuvor munter in der Karneval-Diskussion dabei („Nein, der Karneval muss nicht im Kulturausschuss diskutiert werden!“), meinte, das von Kühle und Hassan angesprochene Thema sei „zu speziell“, damit „können wir uns hier im Rat nicht befassen“; das müsse woanders diskutiert werden, und irgendwie erleichtert wurde daraufhin das Streitgespräch zwischen den Grünen und dem Verwaltungsmann abgebrochen.

Die Debatte über den ganz speziellen Lingener Karnevalstermin war für den Rat offenbar einfacher gewesen…

Ems vs. Elbe

7. August 2019

Besonders heiß ist bekanntlich schon mal nahe der Ems. Aber jetzt hat die Elbe gleichgezogen. Im Sachsen-anhaltinischen Barby hat die Feuerwehr am Wochenende eine gleichermaßen fitte wie fette Boa constrictor aus dem Strom  geholt. Zwei Meter lang, das Exemplar.

 

Rundgang am neuen Emsarm
Kinderstube für Fische und Amphibien
Salzbergen-Holsten, Emsbrücke
Samstag, 20.07.2019 – 15.00 Uhr – 17.00 Uhr

Eintrittspreis: 4,00 €, Familienticket 10,00 €

In Salzbergen, auf der gegenüberliegenden Flussseite der Emshalle, wurden rund 14.000 Kubikmeter Boden ausgebaggert und abgefahren, um einen neuen Seitenarm zu schaffen. Auch hier haben nun Jungfische wieder die Möglichkeit den Hauptstrom zu verlassen und in dem ruhigeren, geschützten Gewässerabschnitt heranzuwachsen. Kröten, Frösche, Molche und andere Tiere finden hier ebenfalls den Lebensraum für ihren Nachwuchs. Heimische Wildblumen wurden neue ausgesät und säumen jetzt die Ufer. Zu einem Rundgang an diesem neuen Emsarm an der Emsbrücke Salzbergen-Holsten laden die Naturschutzstiftung und das Emslandmuseum am Samstag (20.7., 16-17 Uhr) im Rahmen ihrer Sommerexkursionen alle Interessierten ein. Naturschützerin Maike Hoberg und Dr. Andreas Eiynck erläutern dabei Geschichte und Natur an einem der schönsten Abschnitte der Ems. Hier entstand 2018 durch das Abbaggern von rund 14.000 Kubikmetern Boden ein neuer Seitenarm der Ems, der sich bereits nach einem Jahr zu einem Naturreservat für viele Fische und Amphibien, aber auch für die typischen Pflanzen des Flusstales entwickelt hat.

Ein Fluss bedeutet mehr als nur Wasser zum Angeln, zum Baden oder zum Kanu fahren. Er ist Lebensraum für viele Tiere und Pflanzen und verbindet über weite Kilometer Biotope und deren Arten miteinander. Vor den Eingriffen der Menschen waren die sogenannten Flussauen bewachsen mit nassen, sumpfigen Auwäldern. Auf höher gelegenen Flächen bildeten sich sandige Dünen. Der Fluss schängelte sich in vielen Bögen und Windungen durch die Landschaft und änderte bei Hochwasser immer wieder seinen Lauf. Frühere Flussschleifen wurden dabei teilweise oder ganz abgeschnitten und blieben als sogenannte „tote Arme“ zurück. Gerade diese Altarme sind aber Biotope voller Leben und hier herrscht biologische Vielfalt in Fülle.

Geschützt vom Hauptstrom bilden die Altarme die Kinderstuben für Fischen und Amphibien wie Frösche, Kröten und Molche. Unzählige Insekten leben hier und Libellen verbringen hier als Larven ihre ersten Lebensjahre. Vögel und Säugetiere finden an den Ufern Nahrung und Schutz. Im Zuge des Gewässerausbaus wurde auch die Ems begradigt, Ufer wurden verbaut, Altarme abschnitten und zugeschüttet. Ihre ehemals reiche biologische Vielfalt ging stark zurück.

Im Rahmen des Hotspot-Projektes 22 „Wege zur Vielfalt – Lebensadern auf Sand“ hat die Ems im Bereich von Salzbergen bis Lingen auf rund 20 Flusskilometern wieder etwas ihrer ehemaligen Strukturvielfalt und damit auch der biologischen Vielfalt zurückbekommen. Es wurden neue Seitenarme geschaffen, die die Funktion der ehemaligen Altarme übernehmen können.

Treffpunkt für den rund einstündigen Rundgang ist der Parkplatz an der Emshalle in Salzbergen, Emstraße 11 (an der Emsbrücke Salzbergen-Holsten). Der Treffpunkt liegt etwa 700m vom Salzbergener Bahnhof entfernt – also knapp 10m zu Fuß.

Die Westfalenbahn fährt mit der Verbindung RB 15 ab Lingen um 14.05, Rückfahrt ab Salzbergen ist ab 17.40 Uhr. Ich empfehle das Emsland-Tourentiket für zwei Personen und zwei Fahrräder Preis 19 Euro. Jeder weitere Mitfahrer plus 5 Euro. Fahrräder können kostenlos mitgenommen werden. Mehr…

Nach der Naturführung kann dann nach Rheine oder Leschede geradelt werden oder vielleicht auch ganz zurück nach Lingen…

(Foto: Ems bei Sazbergen, von GlasiPunk GNU-Lizenz für freie Dokumentation)

1. Mai

30. April 2019

Der 1. Mai des DGB nimmt in Lingen um 10.15 Uhr seinen Auftakt. Vor dem Historischen Rathaus spricht def 2. Bürgermeister Stefan Heskamp (CDU) ein Grußwort. Vom Marktplatz führt dann die Demonstration zur Halle IV. In der ehemaligen Eisenbahnausbesserungsstätte und Hochburg der Gewerkschaften begrüßen die beiden DGB-Kreisvorsitzenden an Ems und Vechte Anette Greiwe (Emsland) und Horst Krügler (Grafschaft Bentheim) spricht als Hauptredner Verdi-Sekretär Maiko Schulz. Dann beginnt das traditionelle  Maifest „mit Infos, Kultur und Livemusik“, teilt der DGB mit. Natürlich ist auch für Essen und Trinken gesorgt.

Die Kinder sind eingeladen, zum Thema „Wie möchte ich wohnen“ zu malen und sie können sich auf der obligatorischen Hüpfburg vergnügen. Die Torwand der Gewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt ist ein weiterer Unterhaltungspunkt.

Bereits am heutigen Abend treffen sich die Gewerkschafter in Emlichheim. Hier das regionale 1.-Mai-Programm an Ems und Vechte.

30.04.2019
Emlichheim – 17:30 Uhr
Maibaum aufstellen, Rede zum Tag der Arbeit, Grillen und Maitrunk
Bürgerhilfe Emlichheim, Huskamp 22

01.05.2019
Lingen
– 10:15 Uhr
Auftakt vor dem Historischen Rathaus, Demo zur Halle IV, Kundgebung, Maifest

Bundesweit stehen die Mai-Kundgebungen des DGB in diesem Jahr im Zeichen der anstehenden Europawahl: „Europa. Jetzt aber richtig!“ Für die deutschen Gewerkschaften heißt das: Dem Bekenntnis, Europa sozialer zu machen, müssen jetzt auch Taten folgen, trommeln der DGB und seine Einzelgewerkschaften für europa und gegen Nationalismus. Die Thesen auten:

  • „Europa. Jetzt aber richtig!“ heißt: Die Menschen müssen im Mittelpunkt der europäischen Politik stehen. Die sozialen Interessen der Bürgerinnen und Bürger, der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer müssen Vorrang haben vor den Interessen der Unternehmen.
  • „Europa. Jetzt aber richtig!“ heißt: Europaweite Standards für gute Arbeitsbedingungen statt Dumping-Wettbewerb zwischen den Mitgliedsstaaten mit prekärer Arbeit und niedrigen Löhnen. Wir brauchen mehr Tarifbindung in ganz Europa und armutsfeste Mindestlöhne in jedem EU-Mitgliedsstaat.
  • „Europa. Jetzt aber richtig!“ heißt: Gleiche Chancen für Frauen und Männer. Wir brauchen eine EU-Gleichstellungsstrategie – und zwar mit ganz konkreten Maßnahmen.
  • „Europa. Jetzt aber richtig!“ heißt: Wir brauchen ein ambitioniertes Programm für Zukunftsinvestitionen für Europa, das Wachstum, Arbeitsplätze, Bildung, Infrastruktur und Wohlstand für alle sichert und fördert. Die Menschen müssen erleben, dass die EU ihr Leben nachhaltig und konkret verbessert.
  • „Europa. Jetzt aber richtig!“ heißt: Die EU muss zum Vorbild für eine faire Globalisierung werden – internationale Standards für Arbeitnehmerrechte, Soziales, Umwelt- und Verbraucherschutz müssen das Geschehen auf den Märkten bestimmen, nicht umgekehrt.

Der DGB: „All das lässt sich in Europa nur gemeinsam erreichen. Die Rechtspopulisten und Nationalisten in Europa bieten keine Lösungen – im Gegenteil: Die Brexit-Abstimmung in Großbritannien und ihre Folgen haben gezeigt, wohin es führt, wenn diejenigen die Oberhand gewinnen, die Ängste schüren, aber keinerlei Konzepte für die Zukunft haben. Am 1. Mai zeigen wir klare Kante gegen Rechts und alle, die unser Land und Europa spalten wollen. Wir sagen Nein zu Intoleranz, Nationalismus, Rassismus und Rechtspopulismus.“

„Deswegen gehen wir am 1. Mai gemeinsam auf die Straße: Wir machen den Tag der Arbeit zum Tag der europäischen Solidarität. Und wir kämpfen gemeinsam für gesellschaftlichen Zusammenhalt und sozialen Fortschritt in Deutschland: für Gute Arbeit, gute Einkommen und Arbeitsbedingungen, mehr Tarifbindung und eine Rente, die für ein gutes Leben reicht. Wir rufen alle Bürgerinnen und Bürger auf, am 26. Mai 2019 an der Europawahl teilzunehmen: für ein solidarisches und gerechtes Europa“

Hier geht es zum vollständigen Maiaufruf 2019 des Deutschen Gewerkschaftsbunds.

schwächelt

30. Juli 2018

Es ist ja reichlich heiß in diesen Tagen und es soll auch heiß bleiben.  Die konventionelle Stromerzeugung schwächelt daher. Denn Kohle- und Atomkraftwerke brauchen Kühlung. Die kommt von Kühltürmen oder von Flusswasser. Beides ist zunehmend ein Problem.

Das Steinkohle-Kraftwerk Bergkamen A musste seine Leistung am Mittwoch um 150 Megawatt drosseln. Grund: Die Lufttemperatur war so hoch, dass der Kühlturm des Kraftwerksblocks nur noch 30 Grad warmes und damit unbrauchbares „Kühlwasser“ ins System speiste.

Und bei Atomkraftwerken, bei ‚unserem‘ auch, gibt es ein Limit dafür, wie viel Warmwasser das Kraftwerk an den Fluss abgeben darf, denn wenn das Wasser im Fluss zu heiß wird, sterben die Fische und mehr…

Naja, importieren wir halt Ökostrom aus Norwegen, die haben Wasserkraftwerke, denkt man jetzt vielleicht. Aber die Skandinavier haben gerade Engpass wegen Dürre. Norwegen importiert gegenwärtig Strom.

Gewinner der Situation ist übrigens Deutschland. Wegen der Erneuerbaren, weniger wegen der Erzeugung in Großkraftwerken. Hier ist eine Übersicht über die letzte Woche und da sieht man, dass die Windenergie gerade die Steinkohle-Ausfälle überkompensiert. Der Effekt in der Import-Export-Statistik ist, dass wir tagsüber teuer verkaufen, wo wir ein Überangebot an Solarstrom haben, und nachts billig einkaufen.

Kennt übrigens jemand die Entnahmewerte im Speicherbecken Geeste (Foto, gestern Abend), das vor 35 Jahren entstanden ist, damit immer genug Kühlwasser für die Großkraftwerke im Lingener Süden vorhanden ist?  Das ist eine Aufgabe für die okalpresse wie ich finde, die gern auch messen darf, wie heiß es in der Ems inzwischen ist…

Schöne Woche!

(Quelle)

Pfingstspaziergang

17. Mai 2018

Traditioneller Pfingstspaziergang durch den Biener Busch
Lingen-Biene – Treffpunkt Parkplatz am  Biener Busch
Samstag, 19. Mai –  ab 15 Uhr

Für Naturliebhaber, die nicht mehr so lange Strecken laufen können, bietet Heinz Lübbers einen Spaziergang durch das Schutzgebiet „Biener Busch“ (Foto) an. Das Naturschutzgebiet beherbergt eines der größten Auewaldrelikte an der Ems. Der direkt am Fluss gelegene Wald beheimatet auffallend viele Buchen. Das Gebiet ist für seine reichhaltige Vogelwelt ebenso bekannt, wie für sein Vorkommen an seltenen Pflanzenarten.
Nach dem Rundgang besteht für die Teilnehmer die Möglichkeit zu einem gemeinsamen Kaffeetrinken bei Wintering in Biene. Kosten entstehen nur für Kaffee und Kuchen. Die Teilnahme am Spaziergang ist kostenlos.

Treffpunkt ist um 15 Uhr auf dem Parkplatz am Sportplatz Biener Busch. Für das Kaffeetrinken ist eine Anmeldung bei Heinz Lübbers unter Telefon 0591 /63755 erforderlich.