cropped-robertsblog_header.png31.12., also Zeit für einen Rückblick auf ein, für mich persönlich absolut spannendes und großartiges Jahr. Mich interessierte gestern Abend die Frage, welche Beiträge dieses kleinen Blogs eigentlich in 2016 am häufigsten angeklickt wurden. Hier meine Übersicht.

Mein wiederkehrender Streit mit der Lokalzeitung und ihren Protagonisten um Lokalchef Thomas Pertz, die uns täglich (!) mit zuckersüßen „Hach-wie-wunderbar-ists-hier“-Ausgaben beglücken, zog sich auch durch 2016. Der Beleg: Auf Platz 10 schaffte es mein Widerspruch, als Thomas Pertz nach der Kommunalwahl das Erstarken der völkisch-rechten AfD im südlichen Emsland relativierte: „Wenn die gewählten AfD-Vertreter dort bereit sind, konstruktiv mitzuwirken, wäre es undemokratisch, sie auszuschließen.“ Es läuft mir heute noch kalt über den Rücken.

Als ich mich Tage später über die neue Nutzung meines elterlichen Hauses durch ein Lebensmittelgeschäft im Stadtzentrum freute und fragte, „was mein Vater wohl sagen würde, hätte er noch erlebt, dass aus seiner feinen Konditorei ein Geschäft für Lebensmittel, Obst und Gemüse mit hauseigener Fleischerei unter arabischem Namen geworden ist“, interessierte die Neuigkeit so viele aus Lingen und umzu, dass der Beitrag auf Platz 9 kommt. Mein Optimismus hat mich übrigens nicht enttäuscht. Dort einzukaufen, bringt herrliche Genüsse. Ich erinnere mich da an ein wunderbares Abendessen mit zwei frischen Doraden, die es im Medina-Markt gab – mit exklusiven Zubereitungtipps von Ex-Piano-Chef Ebi Sadeghi, der zufällig auch gerade dort einkaufte.

Platz 8 belegt meine Kritik an der emsländischen Polizei, deren Twittereien und Pressemitteilungen zu dem gleichermaßen falschen wie subjektiven Eindruck vieler in Lingen führen, wir lebten im Auge eines ungeheuren Kriminalitätssturms. Das Gegenteil trifft zu, wie alle Statistiken belegen. Als aber im Frühsommer der bekannte Lingener Rechtsradikale Moritz H. mit einer Druckluftwaffe auf Flüchtlinge schoss, verstieg sich die lokale Polizei zu dem verharmlosenden Satz: „Ob die Tat politisch motiviert ist, steht derzeit nicht fest.“ Damals wie heute eine bodenlose Frechheit, wie ich finde.

Der kritische Blogbeitrag zum Lingener Weihnachtsmarkt („Symbolfoto“), die von manchen Glühweinkirmes genannte Spätjahresveranstaltung, klettert auf Rang 7 meiner Jahresliste. Anfang des Jahres empörte der bürokratische Versuch die Lingener, der Kultkneipe Koschinski die Musikveranstaltungen zu verbieten. Meine Appell schafft es auf Rang 6 der Postings und durfte auch ein wenig dazu beitragen, dass das Koschinski weiterlebt. Mit Live-Musik.

Das überflüssige Ende des traditionsreichen TuS Lingen und die Frage, was der ehedem Musik (und nicht Sport) lehrende Lingener Oberbürgermeister in dieser Sache tut, tat und nicht tat, schaffte es auf den 5. Platz. OB Krone, der alljährlich die üppige Förderung der HSG Nordhorn-Lingen promoted und in diversen städtischen Töpfen -sagen wir- versteckt, informierte niemanden über den Hilferuf des 104 Jahre alten Oberliga (!)-Vereins, um später im Jahr dann die krude Idee eines höherklassigen Lingener Fußballteams zu ersinnen; dazu gab es übrigens am 20. Dezember keine Bescherung sonderm im Gespräch mit den lokalen Fußballfürsten die erwartete und verdiente Bauchlandung. Weshalb ich en detail darauf hinweise? Nun, auch Platz 4 meiner diesjährigen Rangliste befasst sich mit dem gescheitert-peinlichen Krisenmanagement des OB in Sachen TuS Lingen.

Wer kam in diesem Jahr auf’s Treppchen? Das Ende der guten Küche in Lingen steht auf Platz 3. Viereinhalb Jahre war es derm junge Jan Kieseling  gelungen, im Ratskeller gute Küche an den Mann und die Frau zu bringen. Als er dann den Bib Gourmand des Michelin erhalten hatte, schloss er. Ein wirklicher Verlust an Kultur in unserer Stadt. Rang 2 hat das Blog Heinrich Essmann zu verdanken und seiner Idee den Nachfolgeverein des in Insolvenz befindlichen TuS „Rasenballsport Lingen“ (kurz: „RB Lingen“)  zu nennen. Ein genialer Schachzug Essmanns, der bundesweit die Aufmerksamkeit der Medien nach sich zog. Meine Prognose lag richtig: Keine Frage: Der Name RB wird Aufmerksamkeit hervorrufen, kontrovers diskutiert werden und zu manch neidischer Aufregung führen.

Und Platz 1? Es ist -mit großem Vorsprung- eine kleine Geschichte aus dem Alltag unserer Bürokratie. Da traf in meiner Anwaltskanzlei eine Aufforderung der Staatsanwaltschaft ein, und ich fragte -„aus mancherlei Gründen persönlich verhindert- in die geschätzte Leserrunde: „Wer möchte den Abholungstermin telefonisch absprechen und nach Osnabrück fahren?“ – Sie erinnern sich an die Abholung, oder?!

Was noch? Nicht ganz 140.000 Blog-Besucher haben sich im zu Ende gehenden 2016 bei mir umgeschaut. Ihnen wünsche ich ein gutes, gesundes neues Jahr, vor allem ein gesundes, wobei ich meine Wünsche in diesem Punkt ganz besonders nach Messingen schicke. Ich danke denen, die fast 500 Kommentare geschrieben haben, und wünsche mir für 2017 ein paar mehr. Wir haben ja Bundestagswahl, und ich werde mich anstrengen, dem gerecht zu werden. Ich habe vor ein paar Tagen den 10. Blog-Geburtstag gefeiert und will noch ein paar Jährchen dranhängen, wenn man mich Rentner lässt. Guten Rutsch!

vergessen

17. November 2016

Das regionale Fußballportal KEI: schreibt: „Der traditionsreiche, 106 Jahre alte TuS Lingen steht vor dem Aus. Der älteste Ballsportverein des Emslandes befindet sich seit Ende vergangener Saison in einer tiefen Krise, als die Verantwortlichen nach dem unverhofften Absprung von zwei Großsponsoren das Handtuch warfen. Die erste Mannschaft stürzte von der Oberliga in die 2. Kreisklasse. Seither läuft ein Insolvenzverfahren, das der TuS selbst beantragt hat, um zu überleben. Die Verbindlichkeiten zu bedienen, um so die Insolvenz wieder aufzuheben und den TuS zu erhalten, war das Ziel des neuen Vorstandsteams um den im Juli gewählten jungen Vorsitzenden Marcel Eilermann.

Tus_LingenDass es jetzt offenbar nicht zur geplanten Sanierung kommt, liegt an behördlichen Forderungen. So hat die Stadt Lingen Ende Oktober rund 50.000,- Euro als Insolvenzforderung gegen den TuS angemeldet. Dabei hatte noch Anfang September –so TuS-Kreise gegenüber KEI- ein hochrangiger Vertreter der Stadt bei einem Gespräch bestätigt, mit Ausnahme von etwa 5.000,- Euro an Energiekosten habe die Stadt keine Forderungen. „Für uns ist das Vorgehen ein Rätsel“, heißt es aus Kreisen des ehrenamtlich tätigen Vorstandes. Die Forderungsanmeldung sei in keinem städtischen Ausschuss angesprochen worden.

Auch das Hauptzollamt und das Finanzamt verlangen Geld in sechsstelliger Höhe. Vorgeworfen wird dem Verein, Aufwandspauschalen an Kilometergeld falsch abgerechnet zu haben. Dazu sagte der KEI-Gesprächspartner, man habe erhebliche Zweifel an den Behauptungen der Behörden. Diese verweigerten Einsicht in die Akten und hätten zuletzt in der vergangenen Woche dem Rechtsanwalt des TuS die Teilnahme an einer Besprechung im Büro des Insolvenzverwalters verweigert. Man werde mit einer sechsstelligen Forderung konfrontiert, deren Berechtigung zumindest nicht belegt sei. Insbesondere das Hauptzollamt fordere Geld aufgrund nicht nachprüfbarer Behauptungen und kündige langwierige Ermittlungen an, wenn der TuS nicht zahle.

„Wir können aber unseren Verein nicht so lange unter den ausgesprochen sport- und ehrenamtsfeindlichen Bedingungen des Insolvenzverfahrens führen. Wir können und wollen auch keinen sechsstelligen Betrag zahlen“, sagte ein Vereinsvertreter zu KEI. Ohne die neuen Forderungen wäre voraussichtlich Anfang des kommenden Jahres eine Lösung gefunden und das Insolvenzverfahren beendet worden. Geld habe zur Verfügung gestanden, um den Gläubigern eine ordentliche Quote von bis zu 40% anzubieten. „Wir waren auf einem richtig guten Weg.“

Der scheint jetzt zu Ende. Wie KEI erfuhr, wird inzwischen hinter den Kulissen fieberhaft an der Gründung eines neuen Vereins (Arbeitstitel: FC Lingen) gearbeitet. „Wir wollen, dass unsere Kids weiter Fußball spielen können!“, hieß es am Mittwochabend und weiter: „Der neue Fußballclub soll ein attraktiver Stadtverein sein!“. Dieser neue Verein möchte auch künftig das Emslandstadion als Spielstätte nutzen.“

Der Pressemitteilungsbeitrag von Lingens OB Dieter Krone zum Thema scheint geradezu seltsam: Der TuS Lingen habe der Stadt Lingen in dieser Woche mitgeteilt, dass sich der Verein zum Ende des Jahres auflösen wird, ließ er aus dem Rathaus erklären, ohne die Erklärung mit den verantwortlichen Ehrenamtlichen abzustimmen. Und dann diese Sprechblase: .„Es ist unser Ziel, die Kräfte im Bereich des Spitzenfußballs zu bündeln. Insofern möchten wir in den nächsten Wochen alle Vereine zu einem ´Runden Tisch` einladen und gemeinsam ergründen, in welcher Form ein ´FC Lingen` realisierbar sein kann“. Jeder Fußballer in Lingen weiß, dass dies auf nicht absehbare Zeit nicht der Fall sein wird. Schon Krones Vorgänger und Fußballfreund Heiner Pott hatte vor 10 Jahren ebenso vergeblich eine Fusion angestrebt wie der ehemalige TuS-Vorsiotzende Heinrich Essmann vor 20 Jahren.

Die Mitteilung des Lingener OB, dass sich der TuS Lingen zum Ende des Jahres 2016 auflösen wird, enthielt zudem eine dicke Lücke. OB Krone verschwieg nämlich, dass die bisherigen TuS-Verantwortlichen an dem Nachfolgeverein arbeiten, der als FC Lingen starten soll, wie sie bei Gesprächen im Rathaus sagten. Der TuS Lingen verschwindet also keineswegs  sang- und klanglos. Sein Nachfolger führt die sportlichen Verpflichtungen weiter -insbesondere die Spielgemeinschaften mit dem VfB Lingen. Davon berichtet die Presseerklärung des OB nichts, di er eilig verbreiten ließ, weil er neidisch auf den Namen FC Lingen ist, den sich der TuS-Nachfolger geben will. Wegen Krones PM-Lücke läuteten bei den TuS-Sportlern gestern jedenfalls ununterbrochen die Telefone und Lingener Konkurrenzvereine wollten Spieler überreden, zu ihnen zu wechseln. „Das ist ein unmögliches Vorgehen.“ habe ich das Verhalten des OB  der Lokalzeitung gegenüber kommentiert.

OB Krone hat noch mehr vergessen: Bis zum Mai gab es mit dem TuS Lingen einen Verein, der im Bereich des Spitzen-Amateurfußballs spielte: Zuletzt in der Oberliga Niedersachsen – eine Klasse unter dem SV Meppen. Hätte die Stadt vor fünf Monaten eine Ausfallbürgschaft übernommen, wäre dies auch so geblieben. Mein Fazit: OB Krone zählt offenbar nicht zu den großen Fußballexperten der Region.

Der noch amtierende TuS-Vorstand, der auch dem neuen Verein vorstehen wird, informierte gestern Abend zunächst die Eltern der spielenden Jugendmannschaften und dann die Spieler der „Ersten Senioren“. Mein Eindruck: Alle ziehen mit.

Für Donnerstagabend ist zu einer Pressekonferenz eingeladen.

(Quelle: KEI-Fußball, eigene Recherchen)

Die Protagonisten dieser DwdkaLw-Facebook-Seite haben mich ja mal rausgeworfen, als ich mich der eigenwilligen Orthografie des Gruppennamens widmete. Doch für diesen DwdkaLw-Beitrag kann es nur Lob geben:

LingenFußball

Hätte man mir nicht nur den Beitrag sondern auch den Nachnamen von Kommentator Christoph gemailt, würde ich ihm ein Bier ausgeben: Am Freitag vor Pfingsten auf dem ASV-Sportplatz am Wallkamp beim -ich glaube- letzten Meisterschaftsspiel gegen Blau-Weiß Dörpen. Autoschrauber wie mein Fraktionskollege Marc Riße („@twittarisse“) haben ja bekanntlich von Fußball keine Ahnung, aber die SVMeppen-Affinität dieser NOZ-Sportfreaks müsste selbst ihm auffallen. Zum Beispiel heute der Emsland(!)-Headliner (!) nach einer desaströsen 0:6-Niederlage der B-Juniorinnen des…klar SV Meppen.

MTLTEZ-Jungs, geht’s noch?!

06SVM

Verpasst

2. Juni 2014

Alle wieder da vom Brückentag-Ausflug? Hier mein Service, was Ihr in den vier Tagen verpasst habt:

30 Stunden Telefonausfall in der östlichen Innenstadt, weil ein Telekomschacht abgesoffen war. Fing am Christi Himmelfahrtstag um 6.30 an und fiel so früh nur den Alarmanlagenbetreibern auf. Erst spät am (nächsten) Freitagnachmittag war’s dann repariert. Fazit: Ein Tag ohne Telefon im Büro war fast wie ein Brückentag ohne Büro.

Am Feiertag präsentierten die Kivelinge ihr traditionelles Geschenk an die BürgerInnen der Stadt. 19 Infotafeln mit QR-Code, ganz pfiffig. Das erzürnte die Lingener Sozialdemokratie, weil sie dieselbe Idee schon im November 2012 hatte. Dabei sollte sie sich eigentlich freuen; immerhin haben ausgerechnet die Kivelinge eine SPD-Idee verwirklicht.

Samstagnachmittag feierten die Fußballer des TuS Lingen ausgelassen die Meisterschaft in der Bezirksliga nach einem 7:2 Erfolg und den Aufstieg in die Landesliga. Tatsächlich: Ein Aufstieg des TuS. „Der erste nach gefühlt 20 Jahren“, wie sich Stadionsprecher Männe Feldmann über die Stadionlautsprecher erinnerte. Für die bislang auch in derselben Bezirksliga kickenden Fußballer von Olympia Laxten ist es hingegen seit Samstag, den 30. Mai endgültig ganz schwierig; denn einen Spieltag vor Saisonende liegt die Mannschaft mit drei Punkten weniger plus einem 9 Tore schlechteren Torverhältnis gegenüber der Konkurrenz aus Meppen auf einem Abstiegsplatz. Dahin hat es am letzten Spieltag auch den SC Baccum verschlagen, der aus der Kreisliga in die linienrichterlose Kreisklasse-Süd zurück muss.

Die Jusos präsentierten am Wochenende Vorschläge zum LiLi-Bus, wie zB einen einheitlichen Faltplan mit allen Linien, den Fahrplan in die Lingen-App zu integrieren, an den Haltestellen QR-Codes zur Orientierung auszuhängen (Guckst Du oben: das nächste Kivelingsfest ist 2017!) und die Überdachung am Busbahhof zu verbessern (seit wann hat der eine Überdachung; der hat doch nur Design?!).

Gossip gab’s dann am Sonntagmorgen, als sich der ins Emsland geflüchtete Rapper Kay One, auch Prince Kay One genannt, mit einem Zwerg [pol korr.: einem kleinwüchsigen Menschen] und anderen einen handfesten Raufhändel im Lingener Extrablatt leistete [kein Scheiß, Freunde!]. Verletzt wurde Kay One (O-Ton: Bald kommt Nizar sein Sommerhit. Alles vorbei !] bei der Keilerei wohl nicht, sondern vor allem das rechte Handgelenk der ins Getümmel geratenen Kellnerin, die das Tablett mit Gläsern noch rettete und später mit einem guten Trinkgeld entschädigt wurde. Die mit zwei Mann angerückte Lingener Polizei (oder waren es gar vier?) zog unverrichteter Dinge wieder ab. Man hatte sich inzwischen geeinigt.

Nachtrag. Am Samstag gab es ein Softopening in Der Posthalterei. Im „Postillion“, wo früher die Kutschen parkten, feierte man Geburtstag [ Nein, nicht den von Markus Quadts zweitem Sprössling. Das war erst gestern Abend].

Zweites Fazit: Ihr wisst jetzt um alles Wesentliche der letzten Tage, das Ihr wirklich verpasst habt; die Arbeitswoche kann kommen.

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(Meisterschaftsfeier des TuS Lingen am 30. Mai; © KEI-TV)

Treffer

23. November 2013

Mein samstäglicher Anleitungsbeitrag für die Jungs vom ASV Altenlingen (und vom TuS Lingen auch, obwohl ihr Twitteraccount ruht) – auf dass sie in ihren Fußballspielen am Sonntag genauso gut treffen wie die beiden Jungs aus Neuseeland [It’s All Gone Pong – Beer Pong Trick Shots].
ps OK, heute Abend für den großen BVB natürlich dasselbe.

Keeper

2. August 2013

20130801-135446.jpgEr kommt aus Schepsdorf und spielte im Hampden Park in Glasgow Champions League, die er mit dem FC Bayern München gewann. Profifußballer Stefan Wessels ist inzwischen in die Region zurückgekehrt und sprach jetzt über Karriere, Krisen und Kahn mit dem Fußballmagazin 11Freunde – bekanntlich der Gegenentwurf zum DFB-zentrierten Kicker. Dabei äußert er Verständnis für den „Ich-bin-jetzt-mal-weg“-Reaktionsfrust von Berufskollegen Michael Rensing und erlöst mit seinem letzten Satz alle Lingener Lokalpatrioten von ihren schlimmsten Befürchtungen. Das Interview führte Tobias Ahrens (11Freunde).

„Mit 20 Jahren war Stefan Wessels der jüngste deutsche Keeper, der bis dato in der Champions League debütierte. Mittlerweile trainiert er die Torhüter des SV Meppen. Wir sprachen mit ihm über Trainingseinheiten mit Oliver Kahn, den TuS Lingen und David Moyes.

Stefan Wessels, nach Stationen beim FC Bayern, 1. FC Köln und FC Everton sind Sie mittlerweile beim SV Meppen gelandet. Zum Karriereende verkommen Sie also nun zum Torfkicker?
Nein, verkommen werden…..“
[weiter auf der Seite von 11Freunde]

(Foto: (c) Stefan Wessels)

Besuch

1. März 2013

unionlohneDie LT berichtet gestern:

„Jetzt hat auch der Fußball-Landesligist SV Union Lohne Besuch von den Zollbeamten bekommen. Am Montagabend klingelten die Beamten des Zollamtes Nordhorn bei acht Mitgliedern des geschäftsführenden Vorstandes des Grafschafter Vereins und nahmen einige Aktenordner mit Unterlagen und Laptops mit. Auch die Geschäftsstelle wurde durchsucht. Bei Union reagierte man allerdings recht gelassen auf die Aktion.

„Wir machen uns da keine Sorgen. Ich sehe das als eine routinemäßige Untersuchung“, erklärte Lohnes Fußball-Obmann Klemens Menger, für den die Untersuchung nicht überraschend kam, „wir sind neben Eintracht Nordhorn der ranghöchste Verein in unserem Fußballkreis. Beim TuS Lingen waren sie schon und beim SV Holthausen/Biene auch. Wir wussten schon, dass wir irgendwann dran sind.“ [weiter hier]

Erstaunt hat mich die Einschätzung des Lohner Fußball-Obmanns. Sie klingt, als sei so eine Durchsuchung irgendwie …tja…sagen wir: Routine wie ne Schluckimpfung. Und unsere Zeitung qualifiziert diesen massiven staatlichen Eingriff als „Besuch“, bei dem „einige Aktenordner mitgenommen wurden“.

Nun, vor einer Durchsuchung muss es den Verdacht einer Straftet geben. Sonst genehmigen selbst die unterschriftsfreudigen Osnabrücker Ermittlungsrichter keinen Durchsuchungsbeschluss.  In dieser Woche waren mein Kollege und ich bei zwei Hausdurchsuchungen tätig, bei denen das Unterste nach oben gedreht. Einschließlich Rauschgiftspürhund in der Wurst im Kühlschrank. Besuch verhält sich anders.

In der Debatte über Bürgerrechte sind längst auch die Hausdurchsuchungen Diskussionsgegenstand. Bei wikipedia kann man lesen: „Bundesverfassungsrichter Rudolf Mellinghoff kritisierte in einem Zeitungsinterview, dass viele Durchsuchungen rechtswidrig seien und ohne ausreichenden Tatverdacht, oft sogar zu Zwecken der Einschüchterung und Disziplinierung erfolgen. Um das Grundrecht auf Unverletzlichkeit der Wohnung stehe es „leider nicht so gut“, was auch der hohe Anteil illegaler Hausdurchsuchungen an erfolgreichen Verfassungsbeschwerden zeige. Im Zentrum steht dabei meistens der Rechtsgrundsatz der Verhältnismäßigkeit. … Auch von justizkritischen Strafverteidigern wie Udo Vetter wird regelmäßig Kritik an Wohnungsdurchsuchungen geäußert und gefordert, dass ein automatisches Beweisverwertungsverbot für bei rechtswidrigen Durchsuchungen gefundene Beweismittel eingeführt werden müsse. Ansonsten bestehe kein Anreiz für die verantwortlichen Beamten, die Grundrechte der Beschuldigten zu beachten, da rechtswidrige Handlungen regelmäßig keine dienstrechtlichen oder anderen persönlichen Konsequenzen hätten und Gerichte fast nie Beweisverwertungsverbote verhängen. 

Also, Freunde in Lohne. Das ist ernst und ein Besuch war das nicht, als zeitgleich Dutzende Fahndungsbeamte acht  Häuser und die Geschäftsstelle filzten. Ich prophezeie mal: Das Strafverfahren wird gegen satte Nachzahlungen eingestellt. Also wird es teuer. Und das wirft neben dem Rechtsgrundsatz der Verhältnismäßigkeit  einmal mehr die Frage auf, wer künftig überhaupt noch Lust auf’s sportliche Ehrenamt hat, wenn er „irgendwann dran“ ist und es bei ihm „am Montagabend klingelt“.

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24. Januar 2013

In Zeiten, in denen mit erhobenem Zeigefinger selbstgerechte und sich selbst für rechtschaffend haltende  Kleinbürger über örtliche Sportvereine moralisieren, welche Ärger mit dem Staatsapparat haben, darf man sich an kleinen Fotoaufnahmen erfreuen. Wie an diesem (vom großartigen © milanpaul) in der alten, weiterhin verrottenden Tankstelle an der Bernd-Rosemeyer-Straße in Lingen. Eine schöne Aufnahme.

Wann übrigens kommt der FC Lingen? Aber das nur als ps.

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Foto: Alte Tankstelle in Lingen(Ems), © milanpaul via flickr

aufgerappelt

1. Dezember 2012

Michael RensingEr ist „hoch gestiegen, tief gefallen“, und hat sich „wieder aufgerappelt“, der aus unserer Stadt stammende Fußballprofi Michael Rensing (Foto lks), bis zur B-Jugend Torwart beim TuS Lingen und dann beim FC Bayern München. Das Nachrichtenmagazin SPEGEL-online berichtet über das Buch „Nachspielzeit“ von Exprofi Timo Heinze und was „Michi“ dazu sagt. Denn der kennt -wie SPIEGEL-online schreibt– das Gefühl genau, wenn alles im Fußball wegbricht. 2008 sollte er beim FC Bayern Nachfolger von Oliver Kahn werden, doch Jörg Butt erhielt den Vorzug. Nach einem halben Jahr Arbeitslosigkeit kam der 1. FC Köln, Rensing wurde Nummer 1, hielt stark, aber nach dem Abstieg gab der Verein ihn an Bayer Leverkusen ab. Rensing blieb nur die Option als Stellvertreter des jungen Stammtorhüters Bernd Leno.


Rensing hat bis heute regelmäßig Kontakt zu Timo Heinze; er weiß selbst, „wie schwer es ist, nach oben zu kommen“. Schnell ist zu erkennen, welche Kraft ihn die letzten Jahre gekostet haben, aber verbittert ist er nicht. Die Stärke von Heinzes Buch sieht Rensing darin, dass es die Aspekte beleuchte, an denen ein aufstrebender Spieler scheitern oder gar zerbrechen könne – schwere Verletzungen, zu hohe Sensibilität, das Nachdenken auch während des Spiels über einzelne Aktionen.

„In meiner Jugendzeit bei Bayern München habe ich Druck eigentlich nie empfunden“, sagt Rensing heute, „erst später änderte sich das“ – bei ihm explosionsartig. Rensing sieht die Trainer als wichtige Basis. „Klar gibt es auch Fälle, wo ein Trainer einen Spieler einfach nicht mag, ihm etwas nicht passt“, so der Torhüter. Ebenso schlimm könne es sein, wenn ein Trainer nicht mit den Spielern rede: „Dann weiß man nur schwer, woran man ist.“

Rensing rät jungen Spielern, „unbedingt auf ein zweites Standbein“ zu achten, sich Alternativen zu überlegen: „Ich hab auch mal dran gedacht, nebenbei zu studieren.“ Inzwischen habe er sich vom Druck befreit und denke „nicht daran, was man von mir erwartet“, sagt Rensing, „heute spiele ich nicht, weil ich muss, sondern weil ich es liebe, weil es meine ganze Leidenschaft ist.“
(Quelle und mehr)

Michi

1. September 2012

Wenn in den 90er Jahren mein Nachwuchs beim TuS Lingen kickte, konnte man sicher sein, dass es bestens lief, wenn Michael „Michi“ Rensing (Foto © torwart.de) hinten im Tor stand. Von Anfang an war Rensing ein Fußballverrückter, schlief in Bayern-München-Bettwäsche und war schon als 10-, 12-Jähriger täglich im Emslandstadion und trainierte.

Klar, dass jeder Lingener Fußballfreund Michis Entwicklung intensiv verfolgt und ihm die Daumen drückt. Der junge Mann ging als B-Jugendlicher zu seinem Traumverein Bayern München, setzte sich durch, machte Karriere, wurde dann aber von Trainer Klinsmann auf schäbige Weise direkt vor einem Championsleague-Spiel in Barcelona auf die Ersatzbank gesetzt und war schließlich Mitte 2010 ohne Verein. Ende desselben Jahres holte dann der 1. FC Köln den damals vereinslosen Profitorwart und schloss mit ihm -nach glanzvollen Leistungen, u.a. im März 2011 beim späteren Meister Dortmund- einen Vertrag bis zum Sommer 2013. Rensing brachte seine Leistung, viele seiner Mitspieler nicht. Deshalb stieg am Ende der letzen Saison 2011/12 der FC Köln in die 2. Liga ab, und plötzlich war Michi Rensing dem Verein zu teuer.

Die Kölner Führungsetage wollte ihn los werden, trotz des Vertrages bis 2013, trotz bester Leistungen und trotz großer Identifikation mit dem FC: „Ich hätte für den FC mein letztes Hemd gegeben. Ich liebe diesen Verein und diese Fans“, sagte Rensing dem Kölner Stadtanzeiger. „Mit dem Abstieg ist alles gestorben. Alles was wir aufgebaut haben und alles was wir aufbauen wollten.“ Die Kölner Tageszeitung weiter:

„Als er seine Zuneigung zum Klub mit der öffentlichen Ankündigung untermauerte, in der 2. Liga beimbeim Wiederaufbau zu helfen, stand er bereits auf der Abschussliste. (Manager) Claus Horstmann stauchte den 28-Jährigen zusammen. Der Plan, die Schuld für Rensings Abschied auf den Torhüter zu schieben, war gescheitert. „Er machte mir Vorwürfe. Ich bin aus allen Wolken gefallen. Da wusste ich, dass sie nicht mehr mit mir planen“, sagt Rensing.“

„Wie alles geendet hat, fand ich extrem hart und traurig. Das war schon krass“, sagt Rensing. Mit (Ex-Trainer) Frank Schaefer führte er noch zwei „gute Gespräche“, der neue Trainer Holger Stanislawski hat nie mit ihm geredet. Der hochverschuldete Klub setzt auf (den 19-jährigen) Timo Horn, Rensing gehört plötzlich zum Kreis der Unerwünschten. „Dass nicht nur die Spieler abserviert wurden, die für Unruhe gesorgt haben, sondern auch die, die immer ihr Bestes gegeben haben, ist seltsam.“

Seit einigen Tagen ist Rensing kein Kölner mehr, und steht bei Bayer 04 Leverkusen unter Vertrag. Der Kontrakt mit dem FC ist aufgehoben, wohl gegen Abfindung von 200.000 €; in anderen Quellen heißt es 300.000,- €. Die Kölner zahlen die Abfindung, weil Michi in Leverkusen deutlich weniger verdient.

Also könnte man das Kapitel zuklappen. Aber insgesamt bleibt mehr als ein schaler Nachgeschmack Ungewöhnlich deutlich hat jedenfalls Rensing-Kollege Stefan Wessels auf seiner Facebookseite Stellung bezogen. Der aus Schepsdorf stammende Profitorhüter, einst auch in den Diensten des TuS Lingen, von Bayern München und des 1. FC Köln (welche Auflistung, liebe TuS’ler!), schrieb gestern auf seiner Facebookseite:

Ein Beispiel, wie unmenschlich mit Spielern umgegangen werden kann. Michael Rensing. Umso mehr freue ich mich, dass er auf der anderen Rheinseite mit „meiner“ Nummer einen tollen Verein gefunden hat. Das hat er mehr als verdient.

Und legte nach, als einzelne Kommentare entschuldigend auf die Finanzsituation des 1. FC Köln hinwiesen:

Die Schulden sind … schon länger da und für das Wirtschaften des Vereins kann kein Spieler etwas. Zudem war Michael der konstanteste Spieler mit absoluter Identifikation…“

Und stellte, als sich Angriffe gegen ihn richteten, klar:

„Ich liebe Köln und den FC, aber diese Aktion im Sommer fand ich nicht in Ordnung!“

Recht hat er, der Mann! Rensing kam zur Winterpause 2010/11 zum 1. FC Köln und hatte großen Anteil am Klassenerhalt. In der vergangenen Saison konnte er den Abstieg trotz eigener guter Leistungen nicht verhindern. Dann wurde ausgerechnet er harsch kalt gestellt und musste sch mit einem privaten Torwarttrainer fit halten.

Und wozu? Der FC steht nach vier Zweitligaspielen mit nur einem einzigen Punkt auf einem Abstiegsplatz der 2. Bundesliga. Der neue Kölner Trainer Holger Stanislawski (Lieblingsfloskel: „Die Jungs“)wird sich selbst schnell einen neuen Verein suchen dürfen, wenn sich das nicht ändert. Dann wird niemand mehr mit ihm reden, der mit Michi Rensing nicht einmal sprach, vielleicht nicht einmal sprechen durfte.

Das alles achselzuckend nur als „typisch Profigeschäft“ zu bezeichnen, reicht mir nicht.

(Foto: Michael Rensing © torwart.de )