Wenigstens das

12. September 2022

Heute vor genau einem Jahr wählten die Lingenerinnen und Lingener das neue Stadtparlament. Die Kommunalwahl 2021 war (lokal)historisch, als die CDU ihre absolute Mehrheit in Lingen verlor, die sie seit 1950 immer innehatte, wenn man die Orte mit hinzuzählt, die in späteren Jahren eingemeindet wurden. In der Folge sprangen ihr die große Koalition in Niedersachsen mit einem nach (!) der Kommunalwahl veränderten Auszählsystem und die örtliche FDP beflissen zur Seite, um sie wieder herzustellen. So unterstrichen sie, auf wen man sich verlassen kann und auf wen nicht und die Chance für eine bessere Stadtpolitik war perdu.

Ein weiterer politischer Geburtsfehler der CDU-geführten Ratsgruppe bestand darin, die Zahl der Ratsausschüsse zu verringern, weil die FDP sonst personell die Teilnahme nicht leisten kann; ihr Fraktionsvorsitzender arbeitet im Ruhrgebiet und MdB Jens Beeck hat meistens in Berlin zu sein. Daher fehlt schlicht die Manpower, um in allen bisherigen Ausschüssen Sacharbeit zu leisten. Die soll bekanntlich dort, in den Ratsausschüssen geleistet werden. Das ist jetzt schwieriger, weil es weniger Ausschüsse gibt. Insbesondere vermisst man den Verkehrsausschuss und auch der LWT arbeitet seither faktisch ohne Ratsbegleitung.

Auch nimmt Oberbürgermeister Krone weiterhin an den montäglichen CDU-Fraktionssitzungen teil. Etwas, das seine fehlende Bereitschaft zu gemeinsamer Entwicklung der Stadtpolitik unterstreicht – auch wenn SPD und Grüne immer wieder in Zuschriften und Anträgen den „lieben Dieter“ anschreiben. In diesem Sommer traf ich einen Amtskollegen unseres OB, der über so viel Vorweg-Parteinahme nur den Kopf schütteln konnte: „Nie würde ich so etwas machen.“ Es ist lange her, dass SPD und Grüne den Amtsinhaber auf den Schild gehoben haben.

Auch im ersten Jahr der laufenden Wahlperiode hat sich die Benachteiligung der alten Kernstadt Lingen fortgesetzt. Was in den 1970er Jahren als 10jähriges Übergangsmodell ersonnen wurde – die Ortsteile- hat sich aus einem Nachteilsausgleich längst in das Gegenteil verkehrt:  Denn die Ortsteile und ihre Vertreter bestimmen, was in Lingen geschieht, und das ist nicht gut. So erhält gerade reihum jeder Ortsteil gerade eine millionenteuere, neue Feuerwehrwache, obwohl es keinen Feuerwehrbedarfsplan gibt. Ein weiteres Beispiel ist die unveränderte, einseitige Ausrichtung der Stadtentwicklung auf neue Baugebiete in den Ortsteilen. Als ob es deutschlandweit keine Debatte über Flächenverbrauch, Klimafragen oder unbezahlbare Baupreise gibt, und vor allem, als ob es nicht längst kluge Alternativen gibt.

Die vor sieben Jahren von der CDU erhobene Forderung, schnell bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, ist jedenfalls bisher nicht umgesetzt worden. Durch die gegründete Wohnungsbaugenossenschaft wurden seither nämlich nur rund 70 Wohnungen gebaut. Dabei sollten es einmal 30 im Jahr sein. Es gibt keinen aktiven Klimaschutz in der Stadt, vielmehr nur Worte. Dasselbe gilt für das aktuelle Aufgabe, Energie zu sparen. Da fällt dem OB und seinem Team außer der Übernahme der Sparverordnungen des Bundes und dem Verzicht auf Straßenbeleuchtung nichts ein.

Die fehlende Beteiligung aller in unserer Stadt hat auch andere Auswirkungen. Oder wie ist es sonst erklärbar, dass die ehemalige VHS am Pulverturm erst leer stand und jetzt dort Flüchtlinge mit DIN-gerechter Unterrichtsbeleuchtung an der Decke wohnen? Beraten und beschlossen hat das niemand im Rat und seinen Ausschüssen. Das darin zum Ausdruck kommende Versagen in der Versorgung von Flüchtlingen jedenfalls führt auch dazu, dass jetzt in Lingen zum ersten Mal tatsächlich Container auf einem Acker in Holthausen/Biene aufgestellt werden sollen, ohne dass dies in Bürgerversammlungen besprochen wurde. Es gebe keine andere Möglichkeit, heißt es.

Überhaupt gab es seit der Wahl keine sozialen Ratsbeschlüsse, die über Symbolik hinausgingen. So gibt es keine Balkonkraftwerke für wirtschaftlich Schwache und auch eine Unterstützung der 9-Euro-Tickets wurde von der Ratsmehrheit abgelehnt.

Es bleibt Lingen als Wasserstoff-Stadt im Nordwesten, weil in den 1970er Jahren die dafür jetzt genutzten Strukturen geschaffen wurden. Davon profitiert man und nicht etwa aufgrund vorausschauender kommunaler Entscheidungen der letzten Zeit. Auch die Verkehrspolitik entwickelt sich nicht. Seit sechs Jahren soll ein Verkehrsplan entstehen, kommt aber nicht, obwohl Rad- und Busverkehr die Zukunft einer nachhaltigen Stadtentwicklung sind.

Alles das bleibt durch eine gänzlich geänderte Medienpraxis eher unbekannt. Die zum NOZ-Verlag zählende Lingener Tagespost hat sich völlig aus der Kulturberichterstattung und der Sportberichterstattung (Ausnahme: SV Meppen) verabschiedet. Auch über Kommunales berichtet sie nur in wenigen Zeilen aber dafür mit großen Fotos. Dieser Rückzug ist gleichermaßen für unser Gemeinwesen und seine demokratische Ausrichtung gefährlich.

Personell ändert sich an diesem Monatsletzten etwas im Rathaus, weil der Erste Stadtrat Stefan Altmeppen ausscheidet. Nie konnte er inhaltlich überzeugen, geschweige denn ausgleichende oder gar fortschrittliche Akzente setzen. Als peinlich bleiben mir seine rechtlichen Verdrehungen in Erinnerung, wenn es um langzeitgeduldete Flüchtlinge oder demokratische Grundfragen ging. Da kam von dem zu Studien- und Referendarzeiten glühenden Anhänger der SPD nur Indiskutables.

Apropos SPD: Sie irrlichtert gern mit Seltsam-Anträgen wie, städtische Baugrundstücke pro Kind um 1 Euro pro Quadratmeter günstiger zu verkaufen; jede/r kann ausrechnen, wie dies bei 500qm Grundstück und 500.000 Euro Baukosten „entlastend“ wirkt. Auch als ehrlicher Sachwalter hat sie sich spätestens seit dem Tag verabschiedet, als ihr die CDU gönnerhaft einen Bürgermeister-Stellvertreterposten überließ und etwas später dann just der neue Amtsinhaber mit SPD-Parteibuch für die Beibehaltung eines Straßennamens nach einem SS-Offizier votierte. Ausgerechnet ein Mann aus der Partei, deren führende Köpfe von der SS und den Nazis vernichtet wurden – man fasst es nicht.

Doch es gibt -bei aller Unterschiedlichkeit- inzwischen eine sehr ordentliche, meist informelle  Zusammenarbeit zwischen den Grünen und unseren BürgerNahen im Rat. Wenigstens das.

 

Miese Tricks und fiese Klicks

6. September 2022

Viele Seiten im Netz versuchen, mit künstlichen Hürden und Design-Tricks an die Datenschutz-Einwilligung ihrer Nutzer:innen zu kommen. Netzpolitik.org hat die 100 meistbesuchten Websites des Landes auf Dark Patterns untersucht und zeigen: Vier von fünf setzen auf manipulative Cookie-Banner.

Ein roter, explodierender Button mit "Alle akzeptieren", darum herum lauter Kekse
„Alle akzeptieren“: Viele Websites setzen auf Dark Patterns, um Datenschutzeinwilligungen zu erhalten – Hintergrund und Cookies: StableDiffusion; Montage: netzpolitik.org

Man will eigentlich nur schnell ein Apfelkuchen-Rezept nachschauen und klickt auf eine Website. Doch bevor diese uns das Mengenverhältnis von Zucker, Mehl und Früchten präsentiert, wartet ein Cookie-Banner. Dabei lassen sich die Seitenbetreiber einiges einfallen, wie sie den Nutzer:innen die Zustimmung für das Setzen von Cookies und damit auch Zustimmung zum Werbetracking abjagen.

Wir haben die 100 reichweitenstärksten Websites in Deutschland systematisch untersucht. Darunter befinden sich Online-Medien, Service-Seiten und Shopping-Portale. Wir haben analysiert, wie viel Mühe Nutzer:innen investieren müssen, um sie möglichst Tracking-frei aufzurufen. Und welche Methoden die Seitenbetreiber nutzen, um unsere Zustimmung zu bekommen.

Im Ergebnis zeigt sich, dass ein Großteil der meistbesuchten Websites in Deutschland es ihre Nutzer:innen bei Cookie-Bannern schwer macht. Von der Apotheken-Umschau über das PONS-Wörterbuch bis zu Portalen wie transfermarkt.de: Um die Einwilligung der Nutzer:innen zu bekommen, dass ihre Daten gesammelt und an zahlreichen Firmen weitergegeben werden dürfen, tricksen viele Anbieter mit unauffälligen Textlinks, komplizierter Menüführung oder Signalfarben.

Zwar sind die Zeiten vorbei, in denen man händisch hunderte Cookies einzeln abwählen muss, doch nur vier der hundert meistbesuchten Websites machen das Ablehnen von Cookies genau so leicht wie das Akzeptieren. Expert:innen kritisieren…

[Fortsetzung bei netzpolitik.org]


Thomas Seifert bei @netzpolitik Creative Commons BY-NC-SA 4.0.

NOZ schasst fupa

3. August 2022

Vor gut neuneinhalb Jahren, am 20. Februar 2013, startete FuPa auch in der Region Weser-Ems. Dank des damaligen Einstiegs der Neuen Osnabrücker Zeitung und mit viel Geld gelang es dabei, die emsländische KEI-Website aus dem Markt zu drängen. Doch jetzt zieht sich die NOZ weiter zurück – wie bereits in den ausgedünnten Lokalredaktionen, im regionalen Amateursport und in der Kulturberichterstattung: Am 31. Juli 2022 war nämlich Schluss und  der NOZ-Verlag beendete seine Zusammenarbeit mit FuPa, die gern noch weiter gemacht hätte. Trotz feiner Worte: „Die FuPa GmbH bedankt sich ganz herzlich für die Zusammenarbeit und wünscht den Kollegen, die das Portal mit viel Leidenschaft und Know-How vorangetrieben haben, alles Gute!“. Was aus diesen KollegInnen wird, erfährt man nicht.

Das Fußballportal FuPa (ehemals als Abkürzung für Fußball Passau) ist seit 2006  ein deutsches Internetportal, das sich der Berichterstattung aus den deutschen Amateurklassen verschrieben hat. Ursprünglich wurde nur über die vier niederbayerischen Fußballkreise Passau, Bayerwald, Straubing und Landshut berichtet. Seit rund zwei Jahren umfasst die redaktionelle Betreuung sämtliche Fußballverbände bundesweit und das Großherzogtum Luxemburg und die Schweizer Fußballregion Zürich als erste beiden ausländische Regionen. Gegründet wurde das Portal vor 16 Jahren von dem Hobbyfußballer Michael Wagner. Betreiber ist inzwischen die von ihm gegründete FuPa GmbH

Jetzt will FuPa in Bentheim, im Emsland und in Osnabrück für die Fans und Protagonisten des Amateurfußballs weitermachen. Gleich vier FuPa-Regionen im Verbandsgebiet Niedersachsen sind seit Montagvormittag zu FuPa Niedersachsen vereint „Eine junge Crew“ (FuPa) wird ab sofort vor allem den Mitmach-Charakter der FuPa-Community fördern und eigene Inhalte liefern, teilte Fupa gestern seinen registrierten Nutzern in einer E-Mail mit

Das Ziel: FuPa („Aus Liebe zum Fußball“) will fester Bestandteil im Amateurfußball der Region bleiben. Für die ehrenamtlich Mitwirkenden ändere sich nichts, betonten die FuPa-Macher, denn:

  • „Die Ligen werden weiterhin gepflegt. Hier wird sich unser Team weiterhin für euch ins Zeug legen. Großes Dankeschön geht an dieser Stelle an unsere fleißigen Ligaverwalter!
  • Auf die Pflege der Kader und Vereinsseiten haben die Vereinsverwalter weiterhin natürlich vollen Zugriff.
  • Vereinsnachrichten und Beiträge könnt Ihr weiterhin auf FuPa veröffentlichen.
  • Mit Fragen oder Anregungen könnt ihr euch jederzeit über das Kontaktformular direkt an FuPa wenden: https://support.fupa.net/support/tickets/new
  • Im FuPa Forum findet ihr außerdem viele Anleitungen und Hilfestellungen: https://support.fupa.net/support/home

Darüber hinaus gibt es schon jetzt neue Facebook-Seiten für die FuPa-News der Region:

➡ Osnabrück

➡ Emsland

➡ FuPa Bentheim

➡ Weser-Ems

FuPa bietet an, Vereinsnews jederzeit an die Redaktion zu schicken: damit können Vereine ihre Infos unkompliziert veröffentlichen – von der Vorstandswahl bis zum Vereinsfest oder der Nachwuchswerbung. Gleiches gilt für die vielen Spielberichte aus den unteren Klassen. Alle Infos sollen „einfach per Mail an niedersachsen@fupa.net“; auch bei Fragen oder Hinweisen, kann man sich „jederzeit“ gerne unter dieser E-Mailadresse melden. “

Lookentor verkauft

21. Juli 2022

Im Rahmen einer Pressekonferenz haben gestern das Investorenehepaar Hermann und Anne Klaas bekannt gegeben, ihre Gesellschaftsanteile an der Eigentümerin des Lookentor an die Emsländische Volkbank eG verkauft zu haben. Die Lookentor-Passage gilt mit ihren 50 Läden auf 15.000 m² Verkaufsfläche als bedeutender Standort im Emsland.  Das Shopping-Zentrum war nach acht Jahren Vorbereitungszeit im März 2007 in der Lingener Innenstadt eröffnet worden. Die Investitionen dafür hatten bei 60 Mio Euro gelegen; die Mieter investierten weitere 15 Mio Euro.

Heute berichtet nun die Lokalzeitung über den Eigentümerwechsel, wie so oft aber ohne eigene Recherchen und kritische Nachfragen. Mich wundert, dass eine Volksbank vorgibt, sich jetzt im Einzelhandel und der Gastronomie versuchen zu wollen. Auch wenn das bisherigen Center-Team um Hermann und Anne Klaas das Lookentor einstweilen weiter managen soll, gehört dieser Geschäftsbereich sicherlich nicht zur Kernkompetenz einer lokalen Volksbank.

Man darf sich erinnern: In den letzten 11 Jahren hatte Hermann Klaas intensiv gegen Pläne gearbeitet, außerhalb des Stadtzentrums an der Lindenstraße/Kurt-Schumacher-Brücke einen neues Einkaufszentrum zu schaffen und damit das Lookentor zu schwächen. Das neue Einkaufszentrum war der BvL-Eigentümern von OB Krone und der CDU in die Hand versprochen worden, damit sie als Anwohner nicht gegen die neue Emsland-Arena und die damit verbundenen Belastungen klagen. In den BvL-Plänen sah Klaas zu recht eine Bedrohung des Einzelhandels im Stadtzentrum, zumal die Befürworter um OB Dieter Krone den Kauf notwendiger Flächen von der Stadt mit rund 1 Mio Euro verdeckt subventionieren wollen. In letzter Zeit ist allerdings längst deutlich geworden, dass die angesichts der Größe des sog BvL-Centers notwendige raumordnerische Zustimmung des Landkreises Emsland wohl versagt wird. Auch der Investor, die niederländische ten Brinke-Gruppe, soll inzwischen abgesprungen sein und kein Interesse mehr an dem Standort haben.

Also könnte alles gut sein. Doch aus unterrichteten Kreisen hört man, wie tief frustriert Hermann Klaas über die letzten 10 Jahre Auseinandersetzung mit den Mannen im Rathaus ist. Zugeschrieben wird ihm gar die Äußerung, OB Krone, CDU-Chef Hilling und Stadtbaurat Schreinemacher hätten den Eindruck vermittelt, dass er, Klaas, in Lingen nicht willkommen sei. Dabei kann Klaas für sich in Anspruch nehmen, viel für seine Heimatstadt getan zu haben. Dass persönliche Gründe und nicht etwa, wie es die LT heute berichtet, Nachfolgeüberlegungen bei dem 62jährigen Immobilienkaufmann aus Laxten entscheidend waren, folgt zwanglos aus seiner Erklärung, dass er die von ihm ebenfalls entwickelte Ems-Galerie in Rheine nicht verkauft hat. Oder braucht es dort keine Nachfolgeüberlegung?

Hermann Klaas wendet seiner Stadt Lingen (Ems) den Rücken zu. Das und die daraus folgenden Konsequenzen einer möglichen weiteren Schwächung des Stadtzentrums sind nicht gut, auch wenn die LT heute trotzig das Gegenteil schreibt: Der Verkauf ist nich gut und das Abwenden von Hermann und Anne Klaas ebenso Das haben die genannten Herren zu verantworten, weil sie den erfolgreichen Investor Hermann Klaas ablehnten und ihn nicht akzeptierten, weil er ihnen deutlich machte, dass ihre Pläne zwar für ihr eigenes Ego aber nicht für die Stadt gut sind. Auch die für das neue BvL-Planverfahren bestellten  Auftragsgutachten können darüber nicht hinwegschwurbeln.

Und was wird jetzt aus dem Lookentor in Lingens Mitte? Zweifellos hat die Mall das Stadtzentrum gestärkt und sie klappte auch, weil Hermann und Anne Klaas ihre Stadt, deren Ökonomie und die Menschen kennen. Wenn, wovon ich ausgehe, die Volksbank das Lookentor nach einer Schamfrist an Renditejäger weiterverkauft, wird dies anders sein. Das Meppener Einkaufszentrum MEP zeigt, dass eine solche Shoppingmall schnell scheitert, wenn außerhalb des Stadtzentrums Konkurrenzflächen vorhanden sind und die Kapitalanleger ganz andere, meist kurzfristige Interessen haben. Erinnert sich noch jemand an den Niedergang Schachtbau/GazDeFrance/Neptune. Ich fürchte fast, das Lookentor geht denselben Weg.


Foto: © Klaas Management GmbH & Co.KG  Inhouse-Agentur

 

Was die Kulturschaffenden im Emsland bereits seit rund zwei Jahren kritisieren hat jetzt auch die Amateursportszene erreicht. Die Berichterstattung in der Lokalpresse der NOZ, die immer mehr abnimmt und längst -im Vergleich zu anderen Zeitungen- nur noch flach genannt werden kann. LT, MT und EZ glänzen nur noch durch den Mut zur Lücke und durch großes Weglassen. Gestern veröffentlichte der NFV-Emsland auf seiner Website dazu diesen Protestbeitrag:

Bei unzähligen Veranstaltungen des Kreisfußballverbandes mit seinen Vereinen kritisierten diese immer wieder, dass die Arbeit der vielen Ehrenamtlichen im emsländischen Fußball in der Berichterstattung der Spiele von der Bezirksliga abwärts in der örtlichen Presse nur sehr unzureichend dargestellt wird. Ganz besonders wurde dieses auf den „Vereinsdialogen light“, die über das gesamte Emsland verteilt mit den Vereinen durchgeführt wurden, immer wieder bemängelnd zur Sprache gebracht. Selbst fertig gelieferte Texte und Berichte von Veranstaltungen wie z.B. Versammlungen, Ehrungen etc. würden selten übernommen und abgedruckt.

Der ehemalige Vorsitzende von Concordia Emsbüren, Franz Silies, hat diesen aus der Sicht vieler Vereinsvorstände großen Missstand einmal aufgegriffen und einen Leserbrief verfasst. Seitens der Redaktion der NOZ wurde ihm nun auf Nachfrage allerdings erklärt, dass eine Veröffentlichung nicht beabsichtigt ist.

Der Vorstand des Kreisfußballverbandes unterstützt die Eingabe von Franz Silies, zumal sie sich mit den Meinungen der Vertreter vieler Vereine im Emsland deckt.

Aus diesem Grunde veröffentlichen wir nun nachstehend diesen Leserbrief und würden uns freuen, wenn wir dazu und zu der Problematik mit der örtlichen Presse Reaktionen und Meinungen aus den Reihen unserer Fußballvereine bekommen könnten.

„Leserbrief

Es ist an der Zeit. Seit Monaten (einige sagen, schon seit Jahren) kann man beobachten, wie die Sportberichterstattung, hier in erster Linie der Fußball-Lokalsport (Emslandsport) in der Lingener und Meppener Tagespost sowie in der Emszeitung im stetigen und unaufhörlichen Niedergang begriffen ist. Das ist nicht nur meine, sondern wie ich weiß, auch in vielen anderen Vereinen die einhellige Meinung. Nicht nur dort, sondern auch auf höherer Ebene. Einiges ist auch schon versucht worden, doch man stößt auf taube Ohren. Nur noch der SV Meppen spielt eine Rolle (haben sie auch verdient). Die „kleinen“ Vereine bleiben auf der Strecke.

Wenn man früher, vor allem am Montagmorgen, in die Zeitung schaute, konnte man sich über eine gute, interessante und umfassende Berichterstattung seines und anderer emsländischer Vereine informieren – auch über die Kreisgrenzen hinaus.

Das hat sich jedoch grundlegend geändert. Seit Beginn des Jahres fehlen z.B. die Mannschaftsaufstellungen und die Vereinsembleme in der Bezirksliga. Die Lücken sind da, man muss sie nur auffüllen. Die Spielberichte sind äußerst dürftig gehalten, häufig nichtssagend, belanglos und uninteressant ( etwa in der Art: das Spiel endete 0:0, so stand es auch schon zu Beginn des Spiels). Einige Berichte über stattgefundene Spiele werden einfach weggelassen, nur wenige sind einigermaßen ausführlich. Das Durchblättern geht noch schneller als bei der Zeitung mit den großen Buchstaben. Dabei mache ich nicht unbedingt der Sportredaktion einen Vorwurf. Denen sind sicherlich die Hände ebenfalls gebunden.

Ergebnisse und Tabellen aus dem Jugendbereich findet man von der Bezirksliga abwärts gar nicht mehr. Woran liegt das? Spielt etwa der Platz- oder Personalmangel eine Rolle? Oder ist es Order von ganz oben? Stehen nur noch einige wenige Zeilen zur Verfügung? Viele Fragen, aber keine Antworten! Gewinnspiele und Werbung nehmen dafür immer mehr Raum ein. Bringt ja auch richtig Geld.

In diesen Tagen finden viele Nachholspiele während der Woche in den verschiedenen Ligen statt. Darüber kaum ein Wort. Wenn doch, dann sehr verspätet. Aktualität geht anders. Das alles ist für den gemeinen Sportfreund sehr frustrierend. Da wird einmal wieder die Monopolstellung deutlich. Der Leser bzw. Abonnent der Zeitung finanziert schließlich die Zeitung auch mit und will auch in diesem Bereich umfassend informiert sein. Anscheinend soll man sich in erster Linie online schlau machen.

Wenn Vereine Berichte an die Redaktion schicken, um von und aus ihrem Verein zu berichten, ist es inzwischen zum Glücksfall geworden, wenn etwas darüber auch erscheint. Vielleicht noch im EL-Kurier. Meistens bekommt man nicht einmal eine Antwort. Man wird einfach nicht mehr ernst genommen. Das gilt im Übrigen nicht nur für Sportvereine.

Es ist zu befürchten, dass diese völlig unbefriedigende Situation noch länger anhält und/oder sich noch verschlechtert. Warten wir einmal ab, wie sich alles weiterentwickelt. Der Unmut wächst. Es ist an der Zeit.

Franz Silies, Finkenweg 3, 48488 Emsbüren“

Mein Fazit:
Wir wissen, dass die Lokalblätter über die Verlagspolitik ihrer NOZ selbst nichts veröffentlichen. Deshalb wundert es mich nicht, dass man nichts von all dem Bedenkenswerten in den emsländischen NOZ-Ausgaben lesen kann.

Dasselbe gilt für andere NOZ-Interna wie das Beispiel, dass der NOZ-Verlag seit Jahren Kurzarbeitergelder für Redakteure abgreift und sich auf diese Weise subventionieren lässt – kein Wort darüber im redaktionellen Teil. Im Lokalteil ist die Kulturberichterstattung auf nahezu Null geschrumpft. Und die sonstigen Berichte sind inhaltlich wie quantitativ -sagen wir- ausgesprochen schmale Kost.

Das reicht nicht und das sicht- und greifbare Scheitern des emsländischen Lokaljournalismus verletzt die zentrale Aufgabe für den Journalismus im Allgemeinen, für den lokalen Journalismus im Besonderen. Die heißt: Öffentlichkeit herzustellen. Freie Medien haben konstitutive Bedeutung für die Demokratie. Das Verfassungsgericht lässt keinen Zweifel: „Eine freie, nicht von der öffentlichen Gewalt gelenkte, keiner Zensur unterworfenen Presse ist ein Wesenselement des freiheitlichen Staates.“  Das Runterschrauben und Verschweigen der lokalen Ereignisse von Kultur, Sport und längst mehr gefährdet die Demokratie; so schlicht ist die Wahrheit.

Wächteramt, erklärender Journalismus, Forumsfunktion, Bürgerzeitung: Die Ansprüche der Gesellschaft an die Medien sind hoch. Wenn Zeitungen ihnen gerecht werden, leisten sie viel, tun der Demokratie gut, halten sie lebendig. Wenn nicht erreichen sie das Gegenteil.

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Crosspost NFV-Kreis Emsland, Foto: Franz Silies © svce

NAWALNY

4. Mai 2022

Nawalny, der Dokumentarfilm von Daniel Roher, folgt dem Mann, der im August 2020 ein Attentat durch Vergiftung mit einem tödlichen Nervenkampfstoff überlebt hat. Während seiner monatelangen Genesung macht er schockierende Entdeckungen über den Anschlag auf sein Leben und beschließt, nach Hause zurückzukehren.

Der Film begleitet den bedeutendsten russischen Oppositionellen und Putin-Gegner Alexei Nawalny von dem Attentat des russischen Geheimdienstes bis zu seiner Rückkehr nach Moskau und seiner Inhaftierung. Nawalny beginnt mit geheimen Aufnahmen in dem Flugzeug, in dem Alexei Nawalny mit dem russischen Nervengift Nowitschok ermordet werden sollte. Die Zuschauer.innen sind dann hautnah dabei, als seine Frau im russischen Krankenhaus um sein Leben kämpft; als Nawalny in der Berliner Charité gerettet wird und im Schwarzwald wieder zu Kräften kommt. Der dortige Aufenthalt steht im Zentrum des Films. Zusammen mit seiner Familie, seinem Team und dem bulgarischen Journalisten Christo Grozev gelang es Nawalny hier, den Mordanschlag gegen ihn aufzudecken.

NAWALNY
Dokumentarfilm, USA 2022
98 Minuten
Regie:
Daniel Roher
Kamera: Niki Waltl
Musik: Marius de Vries
Schnitt:
Langdon Page, Maya Daisy Hawke,
Eamonn O’Connor, Aleks Gezentsvey

Ab morgen in den Kinos.

Reporter ohne Grenzen: „Zum Internationalen Tag der Pressefreiheit am 3. Mai veröffentlichen wir jährlich unser Fotobuch „Fotos für die Pressefreiheit“. Mit dem Fotobuch machen wir auf gravierende Verstöße gegen die Presse- und Meinungsfreiheit weltweit aufmerksam. Dazu stellen uns renommierte, aber auch unbekannte Fotografinnen und Fotografen ihre eindrucksvollsten Bilder zur Verfügung. Zudem berichten sie in bewegenden Interviews über ihre journalistische Arbeit und die Lage der Pressefreiheit in ihren Heimatländern. Unterstützt durch Länderbeiträge sowie Zahlen und Fakten entsteht ein einmaliger Jahresrückblick auf weltweite Begebenheiten rund um Presse-, Meinungs- und Informationsfreiheit.“

Reporter ohne Grenzen: „Recherchieren, Anklagen, Unterstützen – Reporter ohne Grenzen dokumentiert Verstöße gegen die Presse- und Informationsfreiheit weltweit und alarmiert die Öffentlichkeit, wenn Journalisten und deren Mitarbeiter in Gefahr sind. Wir setzen uns für mehr Sicherheit und besseren Schutz von Journalisten ein. Wir kämpfen online wie offline gegen Zensur, gegen den Einsatz sowie den Export von Überwachungstechnik und gegen restriktive Mediengesetze.“

Das Projekt darf noch unterstützt werden: Hier geht’s lang.

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Screenshot: RT.de

Das Online-Medienmagazin Uebermedien informierte jetzt darüber, wie die russische Kriegspropaganda funktioniert:

„Wir haben einen Krieg, und dieser Krieg ist auch ein Informationskrieg“, sagt Tamina Kutscher. Die Chefredakteurin der Internetplattform „Dekoder“ spricht in unserem Podcast mit Holger Klein darüber, wie die staatlichen russischen Medien den Konflikt darstellen, und welche Chance Menschen in Russland haben, sich aus anderen, unabhängigen Quellen zu informieren.

Den Krieg gibt es seit 2014 im Osten der Ukraine, und seitdem sei in den russischen Medien immer von den „Faschisten auf dem Maidan“ die Rede. „Diese Rhetorik wird jetzt nochmal ganz massiv bedient“, sagt Kutscher. „Von Putin selber, aber natürlich auch auf allen staatlichen Fernsehkanälen und in den Talkshows“, in denen „Russia Today“-Chefredakteurin Margarita Simonjan etwa von schrecklichsten Gräueltaten gegen Kinder im Donbas erzähle und sage: „Wir kämpfen ja nicht gegen Ukrainer, wir kämpfen gegen Faschisten.“

Der Einfluss dieser extrem emotionalen Talkshows sei nicht zu unterschätzen, sagt Kutscher, die wenigen unabhängigen Medien litten dagegen unter immer weiter gehenden Repressionen – und müssen teilweise aufgeben. Die Polarisierung der Medienlandschaft habe in vergangenen Jahr noch einma stark zugenommen.

Die russische Propaganda lasse sich auf die einfache Formel bringen: „Russland ist die belagerte Festung. Diesem Narrativ wird im Grunde genommen alles mögliche untergeordnet. Das ist die Strategie, durch den äußeren Feind das System Putin zu konsolidieren.

Holger ruft an… wegen der Queen Übermedien

Zehn Tage Staatstrauer, zehn Tage Ausnahmezustand auch für ARD-Korrespondentin Annette Dittert und ihr Team. Wie haben sich Medien auf dieses Ereignis vorbereitet? Und was erlebt man da als Journalistin?

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Quelle: uebermedien.de

„Sie verkaufen dich, ohne mit der Wimper zu zucken“, hört man die Kurdin Hala sagen. Sie sitzt im Gras, ein Gewehr klemmt unter ihrem linken Arm. Im Hintergrund ist ein Stacheldrahtzaun zu sehen. Hala erzählt gerade, wie ihr Vater sie mit 19 Jahren an einen Freund der Familie verkaufen wollte. Eines Tages kam sie nach Hause und die beiden Männer standen im Wohnzimmer. Geld lag auf dem Tisch, und ihr Vater sagte zu ihr: „Das ist dein Verlobter.“

Hala wusste damals nicht, ob sie weinen oder lachen sollte. Sie flieht und schließt sich der Militärakademie in Rojava in Westkurdistan an. Dort beginnt der DokumentarfilmThe Other Side of the River“ von Antonia Kilian. Ihr Langfilmdebüt ist ein bewegendes Porträt der 21-jährigen Hala, die dafür kämpft, ein selbstbestimmtes Leben zu führen

Im Jahr 2016 verschlug es die Regisseurin in die syrische Stadt Manbidsch, die kurz zuvor durch kurdische Truppen vom „Islamischen Staat“ befreit wurde. Manbidsch liegt in Rojava, einem autonomen kurdischen Gebiet in Syrien, das versucht, ein basisdemokratisches System mit einer progressiven Frauenpolitik aufzubauen. Antonia Kilian wollte diesen Wandel begleiten und mehr über die Frauenbewegung erfahren. In Manbidsch lernt sie Hala kennen. Sie ist… [weiter bei der taz]

und mehr hier


Antonia Kilian

studierte Visuelle Kommunikation, Kunst und Medien an der Universität für Kunst und Film in Berlin sowie Cinematografie an der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf und an der ISA in Havanna, Kuba. Sie arbeitet als Regisseurin, Kamerafrau und Produzentin mit eigener Produktionsfirma Pink Shadow Films. THE OTHER SIDE OF THE RIVER ist ihr „erstaunliches poetisches“ (epd) Dokumentarfilm-Regiedebüt.

Shkoon

das sind Thorben Diekmann und Ameen Khayer aus Hamburg. Das deutsch-syrische Duo macht die Film-Musik: Middle East Electronik. Die beiden Musiker haben sich einst in einer Hamburger Wohngemeinschaft gefunden. Shkoon paart orientalische Melodien mit abendländischer Elektronik. In ihrer Musik verschmelzen Klavier, Geige, Synthesizer, Percussions und Gesang, die Grenzen der Kulturen verschwimmen. Das Duo stellte 2019 ihr Debüt-Album „Rima“ vor. Auf youtube kann man ihre Stücke „33.9 Million Miles“ und die Titelmusik dieses Dokumentarfilms hören: „Forgotten Stories“. Es dominieren verschiedenste Tasteninstrumente und das elektronische Equipment den Sound. Er hat mir gefallen.

Der kleine Schwindel

25. Januar 2022

Vorgestern hatten wir hier im Blog den großen Bautzener Schwindel, jetzt den kleinen Emsland-Schwindel, der mir fast durchgegangen wäre. Denn wer liest schon akkurat den überregionalen Teil unserer Lokalzeitung „Lingener Tagespost“, also die „Neue Osnabrücker Zeitung“ NOZ? Ich jedenfalls eher nicht, weil ich mich viel lieber an solch‘ wunderbaren Beiträgen erfreue, die es trotz hohen Bezugskosten in der NOZ nicht gibt; if you know you know – fröhlich SZ-übersetzt mit „Weißte bescheid!“

Also weißte bescheid? Dieser kleine Nachtreter-Leserbrief in der NOZ-Gesamtausgabe vom letzten Samstag (Ausriss re.)  ist ein Musterbeispiel von Unaufrichtigkeit. NOZ-Leser Björn Roth greift darin den Bundesvorstand der Grünen an. Dessen Mitglieder, längst hauptamtliche Politiker, haben sich den steuerfreien Corona-Bonus bewilligt, jeweils 1500,- Euro. Deswegen ermittelt jetzt die Berliner Staatsanwaltschaft wegen des Anfangsverdachts einer Straftat – welcher auch immer; denn ermittelt wird bekanntlich viel. Und Björn Roth leserbrieft empört über das Geschehen an die NOZ.

Björn Roth? Da war doch was? Was die NOZ und er verschweigen und was kaum jemand weiß: Roth ist hauptamtlicher (!) Geschäftsführer des CDU-Kreisverbandes Lingen. Er wird also für die Öffentlichkeitsarbeit seiner CDU bezahlt und weder die Zeitung noch der Leserbriefschreiber legen dies offen. Das ist bereits der kleine Emsland-Schwindel; denn man legt selbiges natürlich offen.

Und überhaupt: Wer weiß denn, ob der hauptamtliche CDU-Funktionär nicht auch den steuerfreien Corona-Bonus bekommen hat? Ich weiß es nicht, aber er könnte ja und bei all den offenen Händen in seiner Partei würde es mich nicht wundern, wenn. Oder nicht, Björn?