Polizist:innen gehen in Lützerath gegen Demonstrierende vor, sie stecken im Schlamm fest und räumen Baumhäuser. Dank der sozialen Medien sind wir bei alledem mittendrin. Welche Rolle spielen Twitter, Instagram und Co. in diesem Konflikt? fragt Netzpolitik.org und interviewt dazu die Professorin Caja Thimm:

Seit Tagen überschlagen sich die Meldungen aus Lützerath. Inzwischen soll der Ort fast vollständig geräumt sein. Zuvor kam es insbesondere am vergangenen Wochenende zu gewaltsamen Szenen. Polizei und Aktivist:innen sprechen von zahlreichen Verletzten.

Von den Geschehnissen in Lützerath erfahren wir nicht zuerst in der Tagesschau oder in der Zeitung, sondern unmittelbar von den Menschen vor Ort. Sie teilen im Minutentakt über die sozialen Medien, was sie in Lützerath erleben. Auch die Polizei twittert fleißig mit – häufig im Widerspruch zu dem, was die zahlreichen Videos zeigen.

Welche Folgen hat es, wenn Betroffene selbst zu Berichterstattern werden? Wer hat in diesem Konflikt die Deutungshoheit? Und was macht das mit uns als Beobachter:innen? Darüber haben wir mit Caja Thimm gesprochen. Thimm ist Professorin für Medien- und Kommunikationswissenschaften an der Universität Bonn. Sie meint: Ohne soziale Medien wäre der Protest in Lützerath nicht annähernd so wirksam gewesen.

Netzpolitik.org: Die vergangenen Tage kamen die meisten Informationen aus Lützerath über Twitter, häufig von den Involvierten selbst – also vor allem von der Polizei und den Aktivist:innen vor Ort. Ist das problematisch?

Caja Thimm: Nein, genau dadurch kann ich mir als Zuschauerin ein eigenes Bild machen. Und außerdem ist das ebenjene Stärke, die Twitter immer schon auszeichnete: Es ermöglicht, vor Ort Bericht zu teilen und sie weltweit sichtbar zu machen. Das steht allen Beteiligten offen.

Netzpolitik.org: Welche Rolle nehmen dann noch Journalist:innen in diesem auch medial ausgetragenen Konflikt ein?

Caja Thimm: Journalist:innen selektieren anders und bringen andere Hintergrundinformationen mit ein. Aber auch das Material für ihre Berichterstattung besteht aus den Informationen und Bildern direkt vor Ort. Da Journalist:innen selbst filmen und Interviews führen und das sofort online stellen können, gibt es unglaublich viele Quellen, die man früher nicht hatte. Die Anschaulichkeit bei der digitalen Live-Berichterstattung ist deutlich höher als in traditionellen Medien.

„Die Welt schaut zu“

Netzpolitik.org: Was ist die Intention von Aktivist:innen, wenn sie die Geschehnisse auf Twitter teilen?

Caja Thimm: Es geht ihnen darum, die Gewalt zu dokumentieren, den Protest auf die mediale Ebene zu verlagern und die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Eine der wichtigsten Eigenschaften von Social Media ist die Sichtbarkeit, die internationale Sichtbarkeit. Wir sehen gerade die Solidaritätserklärungen aus Indien, aus Großbritannien, aus Frankreich, aus Belgien – aus der ganzen Welt. Das macht Mut vor Ort, insbesondere bei den Konflikten mit der Polizei. Diese Unterstützung gab es beispielsweise auch im sogenannten Arabischen Frühling. Da hatten wir auch das Gefühl, über Facebook dabei zu sein. Und die Aktivist:innen in Kairo, Tunis und Damaskus hatten das Gefühl: Wir sind nicht allein, die Welt schaut zu. Und genau das wollen die Protestierenden in Lützerath erreichen: Die Welt schaut auf uns, schaut auch auf uns in der Politik.

Natürlich ist all das auch der Versuch, die Politik zu beeinflussen. Gar keine Frage. Deswegen haben sich ja auch Menschen in einen Tunnel eingegraben. Aber vor allem geht es um Öffentlichkeit.

Netzpolitik.org: Bleiben wir bei dem Tunnelvideo: Man sieht zwei Vermummte in einem Tunnel, die erzählen, sie könnten dort sehr lange ausharren und würde sich im Zweifel auch dort unten festketten. Inzwischen haben sie den Tunnel verlassen. Denken Sie, dass es zu einer solchen Aktion ohne soziale Medien gekommen wäre?

Caja Thimm: Nein. Das ist eine sehr, sehr gefährliche Aktion und natürlich auch von langer Hand geplant. Ich muss zuerst den Tunnel graben, und erst danach kann ich die „Vorwarnung“ veröffentlichen. Nehmen wir an, die Aktivist:innen hätten Fotos gemacht und diese dann der Polizei übergeben. Das hätte längst nicht die für die Aktion erforderliche Dramatik gehabt. Und es geht auch darum, mithilfe von Social Media die gesamte Republik darauf aufmerksam zu machen, unter welchen großen Opfern die Protestierenden sich für das Klima einsetzen.

Netzpolitik.org: Welche Kommunikationsstrategie verfolgen die Aktivist:innen mit dem fortwährenden Teilen von Videos und „Meldungen“?

Caja Thimm: Es geht bei dieser Live-Berichterstattung um die dramaturgische Aufladung, die Zuspitzung. Etliche Accounts teilen Aufnahmen, die mit Hilfe von Tausenden Kameras vor Ort entstanden sind. Die Aussage ist: Schaut, wie viele wir sind. Und diese Strategie ist überaus wirkungsvoll.

Gleichzeitig wird das Geschehen manifestiert; die Gewalt durch die Polizei. Und da gewinnt die Polizei für ihre Aktivitäten nicht unbedingt viele Sympathien.

Netzpolitik.org: Auch die Polizei kommuniziert unentwegt. Die Tweets klingen mitunter wie Lautsprecherdurchsagen: Die Aktivist:innen sollten bitte Kleinkinder aus dem Gebiet entfernen oder sie sollen aufhören, Molotow-Cocktails zu werfen. Richten sich diese Tweets überhaupt noch an die Aktivist:innen?

Caja Thimm: Das tun sie durchaus. Und das ist keinesfalls eine neue Strategie. Die Polizei hofft, dass Aktivist:innen diese Tweets lesen und Gewalt damit gestoppt werden kann. Allerdings ergibt sich so für die Polizei das Problem, dass sie widersprüchlich kommuniziert. Auf der einen Seite sieht man schockierende Polizeigewalt, auf der anderen Seite erfolgt eine rationale verbale Kommunikation mit den Protestierenden. Das ist nicht klug. Die Polizei hätte in ihrer Kommunikationsstrategie viel mehr drauf achten müssen, wie groß die Macht der Bilder ist, die die Gewalt zeigen. Diese Kommunikation ist ein Widerspruch in sich, das kann nicht funktionieren.

Netzpolitik.org: Die Polizei twittert häufig auch, man hoffe auf einen friedlichen, gewaltfreien Verlauf.

Caja Thimm: Ich kann mich nicht besorgt um das Leben von Demonstrierenden zeigen und gleichzeitig unnötigerweise heftige Gewalt anwenden.

Irgendwann wird die Polizei erklären müssen, warum sie mit dieser Brutalität vorgegangen ist. Vor allem, weil man inzwischen Beweismaterial hat. Die Verhandlung findet nicht mehr nur im Gerichtssaal statt, sondern alle, die in den sozialen Medien zuschauen, können darüber urteilen. Jede:r Einzelne kann sehen, was die Polizei in Lützerath getan hat, kann aber auch beurteilen, welche Rolle die Protestierenden gespielt haben. Am vergangenen Wochenende waren Zehntausende Menschen vor Ort, die alle mit Handykameras ausgestattet sind. Es ist klar, dass da sehr viel mehr Material entsteht, über das sich die Polizei nicht freuen dürfte.

Netzpolitik.org: Die Polizei Aachen hat einen Tweet von RWE retweetet. RWE schreibt darin, es sei „eine Falschmeldung“, dass der Tunnel der Aktivist:innen zusammengebrochen sei, die Lage sei stabil. Der Polizei-Account kommentiert den Tweet mit „Wichtige Info!“. Halten Sie es für angemessen, dass eine staatliche Behörde die „Meldung“ des PR-Teams von RWE derart in die eigene Kommunikation einbezieht?

Caja Thimm: Das ist sehr problematisch und eine Verquickung der Unternehmensinteressen mit denen der Polizei. Allerdings ist es keineswegs überraschend. Die Polizei räumt Lützerath im Interesse von RWE. Auch wenn der Auftrag zur Durchsetzung von der Landesregierung kam.

Das erinnert mich an die Bilder des Gefangenentransporters mit RWE-Logo. Diese Bilder sind allein aufgrund der medialen Wirkung hochproblematisch.

Und woher wissen wir, dass RWE die Sachlage korrekt wiedergibt? Das wissen wir überhaupt nicht. RWE schreibt: „Aktuell kursiert eine Falschmeldung“ – das bedeutet, das Unternehmen etikettiert eine Meldung als Falschmeldung. Allein das finde ich extrem problematisch.

Netzpolitik.org: Polizei und Aktivist:innen – welcher der beiden Gruppen ist es in den vergangenen Tagen besser gelungen, den öffentlichen Diskurs in die von ihnen jeweils gewünschte Richtung zu lenken?

Caja Thimm: Den Aktivist:innen, ganz klar. Allein schon deshalb, weil sie auch medial in der Überzahl sind. Es gibt Tausende Accounts, die über das Geschehen vor Ort berichten und es kommentieren. Und ihre Kommunikationsstrategie ist wirksam, sie erreichen genau das, was sie wollen: möglichst viel Aufmerksamkeit. Dementgegen verfügt die Polizei nur über einige wenige offizielle Accounts.

Und die zahlreichen kursierenden Videos rücken die Polizist:innen vor Ort nicht gerade in ein gutes Licht, das erkennen selbst bürgerliche Medien an. Videoaufnahmen zeigen nicht nur Gewalt gegen Demonstrierende, sondern auch, wie die Polizei den Zugang für Sanitäter:innen und Krankenwägen erschwert und mitunter sogar versperrt hat.

Netzpolitik.org: Die Aktivist:innen und die Polizei kommunizieren auf Twitter auch direkt miteinander. Denken Sie, dass diese relativ neue Möglichkeit der Kommunikation einen solchen Konflikt eher entspannt oder verschärft?

Caja Thimm: Sowohl als auch. Der Grad der Öffentlichkeit ist beim Thema Lützerath sehr hoch. Und die Möglichkeit, das eigene Fernsehstudio zu sein, verführt auf der einen Seite zu risikoreichem Handeln. Auf der anderen Seite kann diese Form direkter Kommunikation den Konflikt entschärfen, wenn sie auf der Handlungs- und auf der Kommunikationsebene einheitlich erfolgt. Das gilt aber nur, wenn die Gewalt nicht derart überhandnimmt, dass die Kommunikation zwischen den sich gegenüberstehenden Parteien abbricht.

„In Sekundeschnelle in der Öffentlichkeit“

Netzpolitik.org: Die Protestformen im Dorf Lützerath gleichen jenen auf den Straßen in Berlin oder München, wo sich Aktivist:innen am Asphalt festkleben, oder nicht?

Caja Thimm: Hier wie dort zeigen die Demonstrierenden eine hohe Risikobereitschaft bei gleichzeitiger breiter Sichtbarkeit. Man lässt sich bestimmte Dinge einfallen, um die öffentliche und mediale Aufmerksamkeit zu erregen. Das ist auch das große Kapital. Und das braucht diese Bewegung, sonst gehen ihre Anliegen im alltäglichen Klein-Klein allzu rasch wieder unter.

Netzpolitik.org: Denken Sie, Protestformen wie in Lützerath oder von den Aktivist:innen der Letzten Generation wären ohne soziale Medien ähnlich wirksam?

Caja Thimm: Nein, keinesfalls, das wären sie nicht. Denn soziale Medien sind genau das, was man braucht: Sie sind das eigene Medienhaus. Ich kann mich selbst live interviewen, meinen eigenen Podcast machen und meinen eigenen Film drehen – und all das ist in Sekundenschnelle in der Öffentlichkeit! Nahezu zeitgleich mit den Ereignissen, die alle verfolgen. Das hat es früher nicht gegeben. Und den Protestierenden geht es ja nicht um sie selbst, um persönliche Bereicherung oder um eine Besserstellung. Es geht ihnen um die Sache, um das Klima und die Zukunft.


Für Netzpolitik.org interviewte . Netzpolitik-Lizenz Creative Commons BY-NC-SA 4.0.

Nachtrag:
Mutter Erde, die Polizei, der Mönch und der Schlamm:

„Tschüss, AKW!“

6. Januar 2023

Wie ist es eigentlich, direkt neben einem AKW aufzuwachsen? Und was passiert in der Heimatstadt, die aus der Kernkraft auch ihren Wohlstand zieht, wenn abgeschaltet wird?

Julia Tieke hat die ersten 20 Jahre ihres Lebens in Lingen verbracht und noch immer Familie hier. 2022 hat sie zwischen Januar und Silvester den  (Nicht-)Atomausstieg mit Mikrofon und Aufnahmegerät vor Ort begleitet.  Aus mehr als 20 Stunden Material ist ihr 55-Minuten-Radiofeature  „Tschüss, AKW! – eine persönliche Auseinandersetzung mit dem Atomausstieg“ entstanden. Es wird erstmals am morgigen Samstag, 7.1.2023 um 18.05 Uhr auf Deutschlandfunk Kultur gesendet, und es wird auch im Internet zu hören sein.

Das Radiofeature kombiniert persönliche und stadthistorische, aktuelle und reflektierende Perspektiven. Die Regisseurin trifft den Oberbürgermeister Dieter Krone (der ihr Musiklehrer war), ihren ehemaligen Physiklehrer Christof Tondera (der ihr den Lehrmittel-Schrank mit radioaktiven Proben gezeigt hat), den Lokalhistoriker Andreas Eiynck (der ihr erklärt hat,
warum ein Buntglasfenster im historischen Rathaus einen Atomreaktor zeigt), den Alt-Aktivisten Gerd Otten (der nach Tschernobyl den Elternverein Restrisiko gegründet hat), Mitglieder der Anti-Atom-Gruppe AgiEL (die Uran-Transporte aus Russland nach Lingen an die
Öffentlichkeit gebracht hat), das Team vom Lautfeuer-Festival vor der Kulisse des alten AKWs, FDP-Politiker vor ihrem Besuch im Kraftwerk, sowie Professor*innen vom Campus Lingen. Es gibt auch eine flüchtige Begegnung mit „City-Cop“ Norbert Tenger, eine Tonaufnahme von ihrer Großmutter aus dem Jahr 1985, den Klang im Industriepark Süd, diverse Demonstrationen und Mahnwachen, sowie einen Disney-Film, der 1964 im Lingener Kolpinghaus die Freundschaft zwischen Mensch und Atom propagierte. Nur die Tore des Kernkraftwerks selbst blieben für Julia Tieke verschlossen.

Tschüss, AKW!
Von Julia Tieke
Regie: Julia Tieke
Mit: Hansa Czypionka, Max Urlacher und Julia Tieke
Ton: Jean Szymczak
Produktion: Deutschlandfunk Kultur 2023
Länge: 54’30
(Ursendung am Sa, 7. Januar 2023, 18.05 Uhr hier)


Zur Person:
Julia Tieke, geboren 1974, machte ihr Abitur am Franziskusgymnasium in Lingen, studierte dann Kulturwissenschaften in Hildesheim. Autorin, Regisseurin und Projektleiterin der Wurfsendung von Deutschlandfunk Kultur. Weitere Stücke: „Syria FM“ (Deutschlandradio Kultur 2015), „Die Ohrfeige“ (WDR 2016), „Abu Jürgen“ (SWR 2016), „Die Kunst sich zum Affen zu machen“ (Deutschlandfunk Kultur 2017), „Nukleare Narrative“ (Deutschlandfunk Kultur 2018), „Eine Frage der Stimmung“ (Deutschlandfunk Kultur 2019).

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Foto: AKW in Lingen, © Dendroaspis

Tondera und Hübner

5. Dezember 2022

Elisabeth Tondera und Susanna Hübner
Das Ende der Kinderweihnacht – Lesung
Lingen (Ems) –
Ludwig-Windthorst-Haus, Gerhard-Kues-Str. 16
Mittwoch, 07.12.2022 – 20 Uhr
Eintritt: 10,00 € inklusive Getränk und Knabbereien; 5,00 € ermäßigt.  

In 15 Kurzgeschichten über (vor-)weih-nachtliche Ereignisse in Familien und Ehen, über Begegnungen und Erlebnisse mit Nachbarn, Freunden oder Fremden schildern Elisabeth Tondera und Susanna Hübner Vorgänge, die nicht alltäglich sind: Menschen verändern darin ihr Verhalten, legen ihre Vorurteile ab und sind verwundert über sich selbst. Sie machen völlig neue Erfahrungen mit Personen, die ihnen zuvor fern standen und erleben teils wunderliche Dinge.

Denn die Tage zwischen den Jahren waren seit jeher eine Zeit der Wunder und Mythen, im Christentum ergänzt durch die adventlichen und weihnachtlichen Botschaften der Liebe und des Friedens. Es ist eine Zeit, die auch heute die Menschen verzaubert. Sie weckt Erinnerungen an die Kindheit, bringt Licht in die Dunkelheit, wir haben mehr Zeit füreinander.

Die Kurzgeschichten von Elisabeth Tondera und Susanna Hübner handeln von diesen besonderen Tagen, an denen die Hauptpersonen ihr Umfeld verwandelt erleben und an denen sich Ungewöhnliches ereignet – oder auch nicht.

Mehr…

Update:
Elisabeth Tondera und Susanna Hübner lesen aus ihrem Buch auch am Sonntag,
11. Dezember 2022 um 16 Uhr in der Alten Molkerei, Freren.


Elisabeth Tondera / Susanna Hübner
Das Ende der Kinderweihnach
Edition Virgines
ISBN: 978-3-910246-10-2
150 Seiten, Preis: 14,00 €
Erhältlich im lokalen Buchhandel.

Schaut Euch das hier mal an:

 

Ich habe das Gefühl, dass noch niemand das als in Lingen (Ems) verortet auf dem Schirm hat, oder? Aber 7 vs. wild ist ein richtig, richtig, richtig angesagtes Format auf Youtube. 7 vs. wild ist aktuell, auch wenn man nicht eingeloggt ist, auf der Youtube-Startseite zu finden (Screenshot unten). Allein das ist schon krass.

Jedenfalls finde ich nur was bei der NOZ ohne Ortsbezug und hier https://www.businessinsider.de/wirtschaft/wie-zwei-unbekannte-unternehmer-mit-dem-youtube-format-7-vs-wild-millionen-begeistern-und-wer-davon-profitiert-a/ wird unser Lingen sogar als „Linden“ bezeichnet.

Die Sendung wird auf dem Youtube-Kanal von Fritz Meineke online gestellt und eben von den Produzenten Johannes Hovekamp und Maximilian Kovacs aus und in Lingen gemacht. Beide  sind eher im Hintergrund dabei, allerdings nicht ausschließlich, sondern zum Teil auch vor der Kamera.

Fritz Meineke kommt übrigens nicht aus Lingen und.. nun.. hat ein paar kleinere Skandälchen hinter sich. 

Nun, was meint die Leserschaft?

„Es ist schön hier“

23. Oktober 2022

Die überregionalen Zeitungen nehmen unser Städtchen in den Blick. Hinter ihrer Paywall fragt die Süddeutsche, wie denn die Stimmung in Lingen sei. Auch die taz berichtet „vor Ort“ und titelt: „Es ist schön hier“.

“Auch eine Atomstadt kann idyllisch sein. Die Fahrt zum Atomkraftwerk Emsland führt an einem Flüsschen voller Kajütboote vorbei, durch lichte Wälder. Es ist schön hier, im Süden des beschaulichen Städtchens Lingen, zumindest auf den ersten Blick. Das Besucherzentrum des niedersächsischen Meilers ist in Schneckenhausform gebaut, mit viel Holz; umwachsen von Bambus wirkt es eher wie ein Yogaretreat.

Aber da sind die RWE-Fahnen. Und da ist die Terrasse, für den Blick auf die nukleare Festung gegenüber, mit Reaktorkuppel, Schornstein und Kühlturm, alles in fahlem Grau. Hinter einem Wassergraben eine Mauer. Abweisend wirkt das, das „Herzlich willkommen“-Schild am Tor hilft da nicht wirklich.

Im Besucherzentrum lernen wir, wie ein Castorbehälter V/19 aussieht und ein Brennelement Typ 18-24, lesen Sätze wie „Strom ist Leben“. Man kann, per Fahrradelektrizität, Rennwagen über eine Carrerabahn jagen. Ach ja, und die ungesunde Strahlenbelastung: Atomtechnische Anlagen, erfahren wir, sind ein Witz gegen das Zigarettenrauchen und gegen manch ärztliche Diagnosetechnik erst recht.

Vor allem aber lesen wir hier Worte wie: Stilllegung. Rückbau. Dass Kanzler Scholz zwei Tage zuvor kurzerhand Paragraf 7 des Atomgesetzes ausgehebelt hat, das für den betagten 1.300-Megawatt-Druckwasserreaktor ein Ende zum 31. Dezember 2022 vorschreibt, steht hier noch nirgendwo. Bis Mitte April 2023…“

[weiter bei der taz]

11Freunde

11. Oktober 2022

11 FREUNDE live
Köster & Kirschneck lesen vor und zeigen Filme
Lingen (Ems) – Theater an der Wilhelmshöhe, Willy-Brandt-Ring 44

Donnerstag, 13. Oktober  –  20 Uhr
Karten 17 € plus Gebühren

„Fußball ist nicht nur Ding! Fußball ist Ding Dang Dong!“ Schöner als Altmeister Trapattoni hat noch keiner formuliert, wie vielfältig, bunt und lustig Fußballsein kann. Und niemand bringt die komischen Seiten dieses Sports so temporeich und humorvoll auf die Bühne wie die Redakteure des preisgekrönten Fußballmagazins 11FREUNDE.
Chefredakteur Philipp Köster und Chef vom Dienst Jens Kirschneck lesen die besten Texte aus dem Magazin, erzählen aberwitzige Anekdoten aus der großen Fußballwelt und zeigen Filme von dreisten Schwalben und heillos versemmelten Interviews am Spielfeldrand. Das ist urkomisch und lässt die Presse urteilen: „Humorvoller Trip durch das Kuriositätenkabinett dieses Sports, den das Publikum mit geradezu lustvollen Lachern begleitet.“ (Osnabrücker Zeitung). Und der „Gießenener Anzeiger“ konstatiert: „Ein echtes Heimspiel! Mit ihrem Unterhaltungswert können nicht viele Bundesligapartien konkurrieren.”
Ab 2020 sind die beiden mit brandneuem Programm unterwegs. Sie feiern 20 Jahre 11FREUNDE mit bisher ungezeigten Videos, neuen Texten und unglaublichen Geschichten aus der Bundesliga. Da haben wir, um es mit Andi Möller zu sagen, „vom Feeling her ein gutes Gefühl“.

Jens Kirschneck, geboren 1966 in Minden. Journalist seit den frühen 90ern, zuerst bei der Wochenzeitung Bielefelder StadtBlatt, später für die Süddeutsche Zeitung, Frankfurter Rundschau und andere. Parallel langjährige Erfahrungen als Lesebühnenautor. Seit 2005 bei 11FREUNDE in Berlin, seitdem als „11 Freunde Lesereise“ regelmäßig mit Philipp Köster auf Tour.

Philipp Köster, geboren 1972 in Bobingen bei Augsburg. 1995 Mitbegründer des Arminia Bielefeld-Fanzines „Um halb vier war die Welt noch in Ordnung“, seit 2000 Chefredakteur des Fußballmagazins 11FREUNDE. Nebenher immer mal wieder Kolumnist, mal für den Tagesspiegel, Spiegel Online, mal für den RBB-Sender Radio Eins. Am 21. Dezember 2010 wurde Philipp Köster vom Medium Magazin zum „Sportjournalisten des Jahres 2010“ gewählt.

 

Wenigstens das

12. September 2022

Heute vor genau einem Jahr wählten die Lingenerinnen und Lingener das neue Stadtparlament. Die Kommunalwahl 2021 war (lokal)historisch, als die CDU ihre absolute Mehrheit in Lingen verlor, die sie seit 1950 immer innehatte, wenn man die Orte mit hinzuzählt, die in späteren Jahren eingemeindet wurden. In der Folge sprangen ihr die große Koalition in Niedersachsen mit einem nach (!) der Kommunalwahl veränderten Auszählsystem und die örtliche FDP beflissen zur Seite, um sie wieder herzustellen. So unterstrichen sie, auf wen man sich verlassen kann und auf wen nicht und die Chance für eine bessere Stadtpolitik war perdu.

Ein weiterer politischer Geburtsfehler der CDU-geführten Ratsgruppe bestand darin, die Zahl der Ratsausschüsse zu verringern, weil die FDP sonst personell die Teilnahme nicht leisten kann; ihr Fraktionsvorsitzender arbeitet im Ruhrgebiet und MdB Jens Beeck hat meistens in Berlin zu sein. Daher fehlt schlicht die Manpower, um in allen bisherigen Ausschüssen Sacharbeit zu leisten. Die soll bekanntlich dort, in den Ratsausschüssen geleistet werden. Das ist jetzt schwieriger, weil es weniger Ausschüsse gibt. Insbesondere vermisst man den Verkehrsausschuss und auch der LWT arbeitet seither faktisch ohne Ratsbegleitung.

Auch nimmt Oberbürgermeister Krone weiterhin an den montäglichen CDU-Fraktionssitzungen teil. Etwas, das seine fehlende Bereitschaft zu gemeinsamer Entwicklung der Stadtpolitik unterstreicht – auch wenn SPD und Grüne immer wieder in Zuschriften und Anträgen den „lieben Dieter“ anschreiben. In diesem Sommer traf ich einen Amtskollegen unseres OB, der über so viel Vorweg-Parteinahme nur den Kopf schütteln konnte: „Nie würde ich so etwas machen.“ Es ist lange her, dass SPD und Grüne den Amtsinhaber auf den Schild gehoben haben.

Auch im ersten Jahr der laufenden Wahlperiode hat sich die Benachteiligung der alten Kernstadt Lingen fortgesetzt. Was in den 1970er Jahren als 10jähriges Übergangsmodell ersonnen wurde – die Ortsteile- hat sich aus einem Nachteilsausgleich längst in das Gegenteil verkehrt:  Denn die Ortsteile und ihre Vertreter bestimmen, was in Lingen geschieht, und das ist nicht gut. So erhält gerade reihum jeder Ortsteil gerade eine millionenteuere, neue Feuerwehrwache, obwohl es keinen Feuerwehrbedarfsplan gibt. Ein weiteres Beispiel ist die unveränderte, einseitige Ausrichtung der Stadtentwicklung auf neue Baugebiete in den Ortsteilen. Als ob es deutschlandweit keine Debatte über Flächenverbrauch, Klimafragen oder unbezahlbare Baupreise gibt, und vor allem, als ob es nicht längst kluge Alternativen gibt.

Die vor sieben Jahren von der CDU erhobene Forderung, schnell bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, ist jedenfalls bisher nicht umgesetzt worden. Durch die gegründete Wohnungsbaugenossenschaft wurden seither nämlich nur rund 70 Wohnungen gebaut. Dabei sollten es einmal 30 im Jahr sein. Es gibt keinen aktiven Klimaschutz in der Stadt, vielmehr nur Worte. Dasselbe gilt für das aktuelle Aufgabe, Energie zu sparen. Da fällt dem OB und seinem Team außer der Übernahme der Sparverordnungen des Bundes und dem Verzicht auf Straßenbeleuchtung nichts ein.

Die fehlende Beteiligung aller in unserer Stadt hat auch andere Auswirkungen. Oder wie ist es sonst erklärbar, dass die ehemalige VHS am Pulverturm erst leer stand und jetzt dort Flüchtlinge mit DIN-gerechter Unterrichtsbeleuchtung an der Decke wohnen? Beraten und beschlossen hat das niemand im Rat und seinen Ausschüssen. Das darin zum Ausdruck kommende Versagen in der Versorgung von Flüchtlingen jedenfalls führt auch dazu, dass jetzt in Lingen zum ersten Mal tatsächlich Container auf einem Acker in Holthausen/Biene aufgestellt werden sollen, ohne dass dies in Bürgerversammlungen besprochen wurde. Es gebe keine andere Möglichkeit, heißt es.

Überhaupt gab es seit der Wahl keine sozialen Ratsbeschlüsse, die über Symbolik hinausgingen. So gibt es keine Balkonkraftwerke für wirtschaftlich Schwache und auch eine Unterstützung der 9-Euro-Tickets wurde von der Ratsmehrheit abgelehnt.

Es bleibt Lingen als Wasserstoff-Stadt im Nordwesten, weil in den 1970er Jahren die dafür jetzt genutzten Strukturen geschaffen wurden. Davon profitiert man und nicht etwa aufgrund vorausschauender kommunaler Entscheidungen der letzten Zeit. Auch die Verkehrspolitik entwickelt sich nicht. Seit sechs Jahren soll ein Verkehrsplan entstehen, kommt aber nicht, obwohl Rad- und Busverkehr die Zukunft einer nachhaltigen Stadtentwicklung sind.

Alles das bleibt durch eine gänzlich geänderte Medienpraxis eher unbekannt. Die zum NOZ-Verlag zählende Lingener Tagespost hat sich völlig aus der Kulturberichterstattung und der Sportberichterstattung (Ausnahme: SV Meppen) verabschiedet. Auch über Kommunales berichtet sie nur in wenigen Zeilen aber dafür mit großen Fotos. Dieser Rückzug ist gleichermaßen für unser Gemeinwesen und seine demokratische Ausrichtung gefährlich.

Personell ändert sich an diesem Monatsletzten etwas im Rathaus, weil der Erste Stadtrat Stefan Altmeppen ausscheidet. Nie konnte er inhaltlich überzeugen, geschweige denn ausgleichende oder gar fortschrittliche Akzente setzen. Als peinlich bleiben mir seine rechtlichen Verdrehungen in Erinnerung, wenn es um langzeitgeduldete Flüchtlinge oder demokratische Grundfragen ging. Da kam von dem zu Studien- und Referendarzeiten glühenden Anhänger der SPD nur Indiskutables.

Apropos SPD: Sie irrlichtert gern mit Seltsam-Anträgen wie, städtische Baugrundstücke pro Kind um 1 Euro pro Quadratmeter günstiger zu verkaufen; jede/r kann ausrechnen, wie dies bei 500qm Grundstück und 500.000 Euro Baukosten „entlastend“ wirkt. Auch als ehrlicher Sachwalter hat sie sich spätestens seit dem Tag verabschiedet, als ihr die CDU gönnerhaft einen Bürgermeister-Stellvertreterposten überließ und etwas später dann just der neue Amtsinhaber mit SPD-Parteibuch für die Beibehaltung eines Straßennamens nach einem SS-Offizier votierte. Ausgerechnet ein Mann aus der Partei, deren führende Köpfe von der SS und den Nazis vernichtet wurden – man fasst es nicht.

Doch es gibt -bei aller Unterschiedlichkeit- inzwischen eine sehr ordentliche, meist informelle  Zusammenarbeit zwischen den Grünen und unseren BürgerNahen im Rat. Wenigstens das.

 

Miese Tricks und fiese Klicks

6. September 2022

Viele Seiten im Netz versuchen, mit künstlichen Hürden und Design-Tricks an die Datenschutz-Einwilligung ihrer Nutzer:innen zu kommen. Netzpolitik.org hat die 100 meistbesuchten Websites des Landes auf Dark Patterns untersucht und zeigen: Vier von fünf setzen auf manipulative Cookie-Banner.

Ein roter, explodierender Button mit "Alle akzeptieren", darum herum lauter Kekse
„Alle akzeptieren“: Viele Websites setzen auf Dark Patterns, um Datenschutzeinwilligungen zu erhalten – Hintergrund und Cookies: StableDiffusion; Montage: netzpolitik.org

Man will eigentlich nur schnell ein Apfelkuchen-Rezept nachschauen und klickt auf eine Website. Doch bevor diese uns das Mengenverhältnis von Zucker, Mehl und Früchten präsentiert, wartet ein Cookie-Banner. Dabei lassen sich die Seitenbetreiber einiges einfallen, wie sie den Nutzer:innen die Zustimmung für das Setzen von Cookies und damit auch Zustimmung zum Werbetracking abjagen.

Wir haben die 100 reichweitenstärksten Websites in Deutschland systematisch untersucht. Darunter befinden sich Online-Medien, Service-Seiten und Shopping-Portale. Wir haben analysiert, wie viel Mühe Nutzer:innen investieren müssen, um sie möglichst Tracking-frei aufzurufen. Und welche Methoden die Seitenbetreiber nutzen, um unsere Zustimmung zu bekommen.

Im Ergebnis zeigt sich, dass ein Großteil der meistbesuchten Websites in Deutschland es ihre Nutzer:innen bei Cookie-Bannern schwer macht. Von der Apotheken-Umschau über das PONS-Wörterbuch bis zu Portalen wie transfermarkt.de: Um die Einwilligung der Nutzer:innen zu bekommen, dass ihre Daten gesammelt und an zahlreichen Firmen weitergegeben werden dürfen, tricksen viele Anbieter mit unauffälligen Textlinks, komplizierter Menüführung oder Signalfarben.

Zwar sind die Zeiten vorbei, in denen man händisch hunderte Cookies einzeln abwählen muss, doch nur vier der hundert meistbesuchten Websites machen das Ablehnen von Cookies genau so leicht wie das Akzeptieren. Expert:innen kritisieren…

[Fortsetzung bei netzpolitik.org]


Thomas Seifert bei @netzpolitik Creative Commons BY-NC-SA 4.0.

NOZ schasst fupa

3. August 2022

Vor gut neuneinhalb Jahren, am 20. Februar 2013, startete FuPa auch in der Region Weser-Ems. Dank des damaligen Einstiegs der Neuen Osnabrücker Zeitung und mit viel Geld gelang es dabei, die emsländische KEI-Website aus dem Markt zu drängen. Doch jetzt zieht sich die NOZ weiter zurück – wie bereits in den ausgedünnten Lokalredaktionen, im regionalen Amateursport und in der Kulturberichterstattung: Am 31. Juli 2022 war nämlich Schluss und  der NOZ-Verlag beendete seine Zusammenarbeit mit FuPa, die gern noch weiter gemacht hätte. Trotz feiner Worte: „Die FuPa GmbH bedankt sich ganz herzlich für die Zusammenarbeit und wünscht den Kollegen, die das Portal mit viel Leidenschaft und Know-How vorangetrieben haben, alles Gute!“. Was aus diesen KollegInnen wird, erfährt man nicht.

Das Fußballportal FuPa (ehemals als Abkürzung für Fußball Passau) ist seit 2006  ein deutsches Internetportal, das sich der Berichterstattung aus den deutschen Amateurklassen verschrieben hat. Ursprünglich wurde nur über die vier niederbayerischen Fußballkreise Passau, Bayerwald, Straubing und Landshut berichtet. Seit rund zwei Jahren umfasst die redaktionelle Betreuung sämtliche Fußballverbände bundesweit und das Großherzogtum Luxemburg und die Schweizer Fußballregion Zürich als erste beiden ausländische Regionen. Gegründet wurde das Portal vor 16 Jahren von dem Hobbyfußballer Michael Wagner. Betreiber ist inzwischen die von ihm gegründete FuPa GmbH

Jetzt will FuPa in Bentheim, im Emsland und in Osnabrück für die Fans und Protagonisten des Amateurfußballs weitermachen. Gleich vier FuPa-Regionen im Verbandsgebiet Niedersachsen sind seit Montagvormittag zu FuPa Niedersachsen vereint „Eine junge Crew“ (FuPa) wird ab sofort vor allem den Mitmach-Charakter der FuPa-Community fördern und eigene Inhalte liefern, teilte Fupa gestern seinen registrierten Nutzern in einer E-Mail mit

Das Ziel: FuPa („Aus Liebe zum Fußball“) will fester Bestandteil im Amateurfußball der Region bleiben. Für die ehrenamtlich Mitwirkenden ändere sich nichts, betonten die FuPa-Macher, denn:

  • „Die Ligen werden weiterhin gepflegt. Hier wird sich unser Team weiterhin für euch ins Zeug legen. Großes Dankeschön geht an dieser Stelle an unsere fleißigen Ligaverwalter!
  • Auf die Pflege der Kader und Vereinsseiten haben die Vereinsverwalter weiterhin natürlich vollen Zugriff.
  • Vereinsnachrichten und Beiträge könnt Ihr weiterhin auf FuPa veröffentlichen.
  • Mit Fragen oder Anregungen könnt ihr euch jederzeit über das Kontaktformular direkt an FuPa wenden: https://support.fupa.net/support/tickets/new
  • Im FuPa Forum findet ihr außerdem viele Anleitungen und Hilfestellungen: https://support.fupa.net/support/home

Darüber hinaus gibt es schon jetzt neue Facebook-Seiten für die FuPa-News der Region:

➡ Osnabrück

➡ Emsland

➡ FuPa Bentheim

➡ Weser-Ems

FuPa bietet an, Vereinsnews jederzeit an die Redaktion zu schicken: damit können Vereine ihre Infos unkompliziert veröffentlichen – von der Vorstandswahl bis zum Vereinsfest oder der Nachwuchswerbung. Gleiches gilt für die vielen Spielberichte aus den unteren Klassen. Alle Infos sollen „einfach per Mail an niedersachsen@fupa.net“; auch bei Fragen oder Hinweisen, kann man sich „jederzeit“ gerne unter dieser E-Mailadresse melden. “

Lookentor verkauft

21. Juli 2022

Im Rahmen einer Pressekonferenz haben gestern das Investorenehepaar Hermann und Anne Klaas bekannt gegeben, ihre Gesellschaftsanteile an der Eigentümerin des Lookentor an die Emsländische Volkbank eG verkauft zu haben. Die Lookentor-Passage gilt mit ihren 50 Läden auf 15.000 m² Verkaufsfläche als bedeutender Standort im Emsland.  Das Shopping-Zentrum war nach acht Jahren Vorbereitungszeit im März 2007 in der Lingener Innenstadt eröffnet worden. Die Investitionen dafür hatten bei 60 Mio Euro gelegen; die Mieter investierten weitere 15 Mio Euro.

Heute berichtet nun die Lokalzeitung über den Eigentümerwechsel, wie so oft aber ohne eigene Recherchen und kritische Nachfragen. Mich wundert, dass eine Volksbank vorgibt, sich jetzt im Einzelhandel und der Gastronomie versuchen zu wollen. Auch wenn das bisherigen Center-Team um Hermann und Anne Klaas das Lookentor einstweilen weiter managen soll, gehört dieser Geschäftsbereich sicherlich nicht zur Kernkompetenz einer lokalen Volksbank.

Man darf sich erinnern: In den letzten 11 Jahren hatte Hermann Klaas intensiv gegen Pläne gearbeitet, außerhalb des Stadtzentrums an der Lindenstraße/Kurt-Schumacher-Brücke einen neues Einkaufszentrum zu schaffen und damit das Lookentor zu schwächen. Das neue Einkaufszentrum war der BvL-Eigentümern von OB Krone und der CDU in die Hand versprochen worden, damit sie als Anwohner nicht gegen die neue Emsland-Arena und die damit verbundenen Belastungen klagen. In den BvL-Plänen sah Klaas zu recht eine Bedrohung des Einzelhandels im Stadtzentrum, zumal die Befürworter um OB Dieter Krone den Kauf notwendiger Flächen von der Stadt mit rund 1 Mio Euro verdeckt subventionieren wollen. In letzter Zeit ist allerdings längst deutlich geworden, dass die angesichts der Größe des sog BvL-Centers notwendige raumordnerische Zustimmung des Landkreises Emsland wohl versagt wird. Auch der Investor, die niederländische ten Brinke-Gruppe, soll inzwischen abgesprungen sein und kein Interesse mehr an dem Standort haben.

Also könnte alles gut sein. Doch aus unterrichteten Kreisen hört man, wie tief frustriert Hermann Klaas über die letzten 10 Jahre Auseinandersetzung mit den Mannen im Rathaus ist. Zugeschrieben wird ihm gar die Äußerung, OB Krone, CDU-Chef Hilling und Stadtbaurat Schreinemacher hätten den Eindruck vermittelt, dass er, Klaas, in Lingen nicht willkommen sei. Dabei kann Klaas für sich in Anspruch nehmen, viel für seine Heimatstadt getan zu haben. Dass persönliche Gründe und nicht etwa, wie es die LT heute berichtet, Nachfolgeüberlegungen bei dem 62jährigen Immobilienkaufmann aus Laxten entscheidend waren, folgt zwanglos aus seiner Erklärung, dass er die von ihm ebenfalls entwickelte Ems-Galerie in Rheine nicht verkauft hat. Oder braucht es dort keine Nachfolgeüberlegung?

Hermann Klaas wendet seiner Stadt Lingen (Ems) den Rücken zu. Das und die daraus folgenden Konsequenzen einer möglichen weiteren Schwächung des Stadtzentrums sind nicht gut, auch wenn die LT heute trotzig das Gegenteil schreibt: Der Verkauf ist nich gut und das Abwenden von Hermann und Anne Klaas ebenso Das haben die genannten Herren zu verantworten, weil sie den erfolgreichen Investor Hermann Klaas ablehnten und ihn nicht akzeptierten, weil er ihnen deutlich machte, dass ihre Pläne zwar für ihr eigenes Ego aber nicht für die Stadt gut sind. Auch die für das neue BvL-Planverfahren bestellten  Auftragsgutachten können darüber nicht hinwegschwurbeln.

Und was wird jetzt aus dem Lookentor in Lingens Mitte? Zweifellos hat die Mall das Stadtzentrum gestärkt und sie klappte auch, weil Hermann und Anne Klaas ihre Stadt, deren Ökonomie und die Menschen kennen. Wenn, wovon ich ausgehe, die Volksbank das Lookentor nach einer Schamfrist an Renditejäger weiterverkauft, wird dies anders sein. Das Meppener Einkaufszentrum MEP zeigt, dass eine solche Shoppingmall schnell scheitert, wenn außerhalb des Stadtzentrums Konkurrenzflächen vorhanden sind und die Kapitalanleger ganz andere, meist kurzfristige Interessen haben. Erinnert sich noch jemand an den Niedergang Schachtbau/GazDeFrance/Neptune. Ich fürchte fast, das Lookentor geht denselben Weg.


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