Schüttorf

12. Juni 2020

Missstände

1. Juni 2020

Radio Veronica

18. Mai 2020

Gestern vor sechzig Jahren strahlte im Nachbarland das legendäre „Radio Veronica“ die erste Sendung aus. Radio Veronica feiert dieses Jubiläum groß – unter anderem mit der Wahl des legendärsten Programms der Veronica-Geschichte. Zuhörer konnten bis gestern für Shows wie Countdown Café, Curry & van Inkel, Evers in the Wild und Jensen in the Morning stimm

Sänger Tim Akkerman würdigte auch alle Veronics in den Niederlanden. 60 Frauen mit diesem Namen wurden mittels -wie’s heute heißt – „Live-Schalte“ – in die Jubiläumssendung gespielt. Zurück Radio kehrt für kurze Zeit auch der Roepie-Roepie-Vogel (Grafik unten) und im Rest der Woche folgen auch in den Niederlanden einst populäre Radiospiele. Am kommenden Freitag, den 22. Mai, präsentieren „die heutigen und die alten Helden“ des Senders dann die „Veronica Top 60“. Mit dabei sind die legendären Veronica-DJs Wessel van Diepen, Rob Stenders und Edwin Evers.

Die Geschichte des Zeezender Radio Veronica ist in der Rückschau schnell erzählt: Eine Gruppe niederländischer Radiohändler gründete im Oktober 1959 in Amsterdam den „Vrije Radio Omroep Nederland“ (VRON). Sie wollten künftig Rundfunkprogramme nach amerikanischem und dänischem Vorbild senden. Wegen der geltenden Gesetze in den meisten europäischen Ländern konnten solche Projekte nur außerhalb der nationalen Hoheitsgebiete (damals Drei-Meilen-Zone) verwirklicht werden. Aus dem Namenskürzel der VRON-Gesellschaft entstand der Projektname „Veronica“.

Am 9. Dezember 1959 kaufte die neue Offshore-Radiogesellschaft in Emden für 63.000 niederl. Gulden  das ausrangierte Feuerschiff Borkumriff. Die Emder Cassens-Werft wurde rüstete es zum Sendeschiff umg; am 18. April 1960 verließ das neue Radioschiff als Schleppverband den Emder Hafen unter panamaischer Flagge, um in internationalen Gewässern bei Katwijk vor der niederländischen Küste vor Anker zu gehen.

Am 17. Mai 1960 ging’s dann auf der Mittelwelle (1562,5 kHz !) los – in einer Zeit, als kommerzielle Radiosender in den Niederlanden verboten waren. In diesen Jahren wurde in den regulären niederländischen Radiosendern am Radiostandort Hilversum („Radio Hilversum“ stand auf der Senderanzeige aller damals modernen „Musiktruhen“) fast keine Popmusik gespielt. Schon im Jahr darauf hörten 5 Millionen (von damals 13,2 Millionen Niederländer/innen Radio Veronica). Mitte der 1960er Jahre wurde Radio Veronica mehr und mehr zur Rock-und-Pop-Popmusik-Legende. Ab 1965 sendete Radio Veronica die Charts der beliebtesten Schallplatten, die „Veronica Top 40“.

Der besondere Ehrgeiz der Radiomacherbestand darin, als einer der ersten Sender neue Singles großer Bands wie der Beatles oder der Rolling Stones zu präsentieren. Dies geschah in der Form, dass die Songs dann etwa dreißig Mal am Tag gesendet wurden. Bis heute verwendet man in den niederländischen Hitparaden die Veronica-Erfindung „Alarmschijf“ als Markierung für Topsongs.

1964 ersetzte der Island-Fischtrawler Norderney das erste Sendeschiff. In einem schweren Sturm wurde die Norderney dann am 2. April 1973 auf den Strand von Scheveningen geworfen. Die Radiosendungen mussten unterbrochen und die Besatzung von Bord gebracht werden. Die Bergungsarbeiten zogen Tausende Schaulustige an.

Trotz seiner Popularität -übrigens auch hier bei uns im Grenzgebiet – und sogar einer massiven Demonstration Tausender vor dem niederländischen Parlament in Den Haag  musste Radio Veronica seinen Sendebetrieb am 31. August 1974 einstellen. Das Parlament setzte mit seinem Verbotsgesetz internationale Vereinbarungen um, die Radiosendungen auf See nicht erlaubten. Später kehrte Veronica als regulärer Kanal in das niederländische Fernsehen zurück.

(Quellen: wikipedia.nl; Tubantia.nl; Foto: Musiktruhe Kuba Dominante; von Aeon Perfect CC by-sa/2.0/de)

NDR will sparen

17. Mai 2020

Die taz berichtet aktuell über aktuelle Entwicklungen beim NDR:

Ich glaube, ich übergebe ein gut bestelltes Haus“, sagte Lutz Marmor, der langjährige Intendant des NDR, bei seiner Verabschiedung am 9. Januar dieses Jahres. Eine knappe Woche später verkündete Joachim Knuth, sein Nachfolger: „Wir müssen jährlich 60 Millionen Euro einsparen.“ In der vergangenen Woche teilte Knuth den Mitarbeitern dann mit: Es werden in den kommenden vier Jahren noch jeweils 15 Millionen Euro mehr sein.

Dass der NDR insgesamt 300 Millionen Euro einsparen muss, stößt unter Mitarbeitern auf Verwunderung. „In den vergangenen Jahren hieß es immer wieder, der NDR sei dank ­Sparmaßnahmen für die Zukunft gut gewappnet“, bemerken die Journalistengewerkschaften Verdi und DJV sowie die Organisation Freie im NDR. Sendersprecher Frank Jahn sagt dazu, erst als die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) im Februar 2020 ihren aktuellen Bericht vorgelegt habe, „stand der Umfang der erforderlichen Einsparungen letztendlich fest“. Die „weitere Verschärfung der Sparmaßnahmen“ hänge mit der Coronapandemie zusammen.

Unklar ist aber unter anderem, wie viel Geld jeweils durch die konkret geplanten Einzelmaßnahmen eingespart wird, die im NDR Fernsehen unter anderem die Kulturmagazine, das Medienmagazin „Zapp“, das Auslandsmagazin „Weltbilder“ und die Doku-Redaktion „Die Box“ betreffen. „Eine umfangreiche Information aller Mitarbeiter*innen über die genauen Einschnitte in allen Bereichen“ gebe es bisher nicht, kritisiert der Redakteursausschuss im Intranet des Senders.

Der NDR hat bei der Begründung seiner Sparmaßnahmen herausgestellt, dass…“

[… weiter bei der taz-Nord]

Es gab schon Bier-, Gin- und Weintasting online und vieles sonst im Netz dieser Corona-Zeiten. Heute schließen sich dem auch die Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen an, die in ihrer 66. Auflage ausschließlich virtuell stattfinden. Gezeigt werden mehr als 350 Filme aus knapp 70 Ländern — was das tradiionelle Filmfestval zum bislang größten Online-Festivals seit Beginn der Corona-Krise macht. Das Rahmenprogramm besteht aus Gesprächen mit über 100 Filmemacher*innen, Live-Debatten zu weiteren Programmen, sechs DJ-Sets und zahlreichen Online-Fachveranstaltungen.

Neben den den Filmen aus den fünf Wettbewerben präsentieren die Kurzfilmtage in diesem Jahr drei Werkschauen, bei denen die Werke von Susannah Gent (Großbritannien), Philbert Aimé Mbabazi Sharangabo (Ruanda/Schweiz) und Maya Schweizer (Deutschland) im Fokus stehen. Zudem stellen Archive aus Polen und Russland ihre Sammlungen vor, im Länderfokus zeigt das Festival Kurzfilme aus Portugal. Das komplette Programm des Festivals, das bis zum 18. Mai läuft, findet sich auf der Webseite der Kurzfilmtage.

Die Eröffnungsfeier am 13. Mai sowie die Verleihung des Festivalpreise am 18. Mai werden frei verfügbar via Facebook gestreamt.  Der Online-Zugang von zuhause zu allen anderen Inhalten ist mit dem Festivalpass für 9,99 Euro unbeschränkt möglich, der ebenfalls auf der Webseite erhältlich ist.

Die virtuelle re:publica 2020 ist seit gestern Abend Geschichte. Mitten in der Corona-Krise erfand sich die größte europäische Digitalkonferenz re:publica neu: Statt mit Tausenden Besuchern in Berlin, gab es sie in diesem Jahr ausschließlich im Internet – offen für alle und (!) kostenlos. Das re:publica-Team nannte sein Konzept einen „Prototypen“, der mit Hochdruck erst in den vergangenen sechs Wochen entstanden ist – und bei dem die Konferenz mit unterschiedlichen Beteiligungsformaten experimentierte.

Es war anstrengend, meinte Florian Dietz (rbb) und resümierte: „Mein Kopf ist voll, meine Augen müde. Wenn ich auf den Tag zurückblicke, kann ich nur sagen: Das große Experiment ist euch gelungen, re:publica! Ich habe so viele Sessions verfolgt, wie an bisher keinem Veranstaltungstag vor Ort. Das Angebot ist riesig! Nach anfänglichen Orientierungsschwierigkeiten in verschiedenen Tabs, hatte ich es raus, zwischen den Kanälen hin und her zu springen und von überall etwas mitzunehmen, selbst wenn ich einen Programmpunkt nicht vollständig verfolgen konnte.“

Richtig! Für mich dabei wohl die aktuellste Session heute bei dieser re:publica im Exil: war: „Verschwörungstheorien im Netz“. Sicher auch die wichtigste: Netzaktivistin und Bloggerin Katharina Nocun (@kattascha) und Psychologin Pia Lamberty (@_pietz_).haben sich in ihrem Buch „Fake Facts“ Verschwörungstheorien gewidmet – für ihren Beitrag analysierten sie aktuelle Verschwörungstheorien in diesen Coronavirus-Zeiten. Die simple Antwort, sagt Pia Lamberty: Es ist eine einfache Kompensationsstrategie durch den persönlichen Kontrollverlust in der Pandemie. Viele Menschen kämen besser mit dem Gedanken an eine Verschwörung klar als mit zufälligen Entwicklungen. Diese Session war meine persönliche Nummer 1.

Spontan dachte ich an diesen meditativen Kreis Entrückter auf meinem lokalen Marktplatz – immer samstags, wenn der Fischstand abgeräumt ist.

Also mit Florian Dietz: Daumen hoch und Glückwunsch an die Macher! Klar re:publica ist analog greifbar (sic!) anders. Sie wird, hoffe ich genauso sehr wie egoistisch, 2021 wieder da sein.

Wer übrigens den aus Lingen stammenden re.publica-Mensch in diesem traditionellen Abschlusssong (pre-release-Version) findet, darf mir mailen (robert.koop(at)web.de). Schreibt mir einfach die Sekunde, wo… Dann gibt’s eine Flasche seines und meines (!) Lieblingsweins.
ps Ich wusste gar nicht, dass er -seit heute auch noch frisch gebackener Onkel- so engagiert  singen kann…
pps Mitsinger sind raus!

Perspektive

4. Mai 2020

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Das und wie Fotos dann aber auch manipulieren (können) ist Allgemeinwissen. Bei zahlreichen Bildern über Menschen in Parks und an Ufer, die angeblich den Corona-Abstand nicht einhalten, habe ich in den letzten Tagen ein Gefühl von Manipulation gehabt. Jetzt sehe ich meine Skepsis durch diesen Artikel bestätigt.

Er stammt aus Kopenhagen und einen in dänischer Sprache erschienenen Bericht hab ich in diesem kleinen Blog noch nicht wiedergegeben. Doch gestern bin ich auf einen kleinen Hinweis in Felix von Leitners „Fefe-Blog“ gestoßen. Er schreibt:

Habt ihr auch in der Presse die Fotos gesehen, wie die Leute unverantwortlich nahe beieinander sind? Hier ist eine tolle Fotoserie aus Dänemark, wie Fotographen das über die Perspektive herbeitricksen können.

Der Artikel berichtet, wie Fotograf Ólafur Steinar Gestsson und ein Kollege in Kopenhagen Fotos von Menschen machen, die das gute Aprilwetter genießen – und obwohl die beiden Fotografen fast gleichzeitig auf den Kameraknopf drückten, sind die Aufnahmen sehr unterschiedlich.

Die Erklärung für den Unterschied liegt in der Wahl des Winkels und der verschiedenen Kameraobjektive: Eines wird mit einem Teleobjektiv aufgenommen, das andere mit einem Weitwinkelobjektiv. Die beiden Objektive sind „die Extreme der Ausrüstung, die Sie verwenden können“, erklärt Ólafur Steinar Gestsson in dem Beitrag auf der Webseite (Ausriss unten) des dänischen TV-Senders TV2.

Also Freunde, glaubt bitte nicht alles, was Ihr seht…auf Fotos.

Hier geht’s  mit beeindruckenden Beispielen weiter, auf Dänisch allerdings…

 

unglaublicher Murks

6. April 2020

Lesebefehl! Ein Beitrag aus der heutigen NOZ zur Murks-Verordnung des Gesundheitsministeriums vom 2. April:
Der niedersächsischen Rechtsverordnung zur Eindämmung der Corona-Pandemie wurde ein vernichtendes juristisches Zeugnis ausgestellt. Sie enthalte „unglaublichen Murks“ und sei „bemerkenswert schlecht gemacht“, sagte der Göttinger Staatsrechtsprofessor Hans Michael Heinig unserer Redaktion.

Heinig hat den Lehrstuhl für Öffentliches Recht der Universität Göttingen inne. Mit Blick auf die Corona-Verordnung erklärte er: „Grundregeln des Gesetzemachens werden hier nicht beherrscht.“ Im Text fänden sich „verschwurbelte Formulierungen“, die mehr Fragen als nötig aufwürfen. „Das ist angesichts der tief greifenden flächendeckenden Grundrechtseingriffe problematisch und auch ganz unnötig.“

„In den ersten Tagen einer so gravierenden Krise sind handwerkliche Fehler entschuldbar“, sagte Heinig. „Aber so langsam werden sie Ausdruck schlechten Regierens.“ Dem Text sehe man die „Handschrift des Gesundheitsministeriums“ an, „bei dessen delegierter Gesetzgebung im Sozialrecht es sonst auf Normenklarheit und Präzision nicht ganz so ankommt wie bei Verordnungen etwa des Innenministeriums“.

Auch die Prioritätensetzung des Sozialministeriums verstehe er nicht. „Jeder Besuch zu Hause sollte verboten werden, um zugleich Baumärkte zu öffnen, während weiterhin Buchläden geschlossen sind.“

Beim Vergleich der Corona-Verordnungen mehrerer Bundesländer stach für den Professor ein Text als formal besonders gut heraus. „Die Verordnung in Bayern ist im Vergleich viel schlanker und dabei präziser. Jeder, der hier den Normtext liest, versteht, was von ihm verlangt wird.“

Die niedersächsische Corona-Verordnung war zuletzt am Freitag neu gefasst worden. Wesentliche Passagen zu Besuchen und Beerdigungen wurden allerdings wegen Unklarheiten und anderer Mängel bereits wieder widerrufen.

 

Wegen des Corona-Virus bleibt das Emslandmuseum für Besucher und Veranstaltungen bis auf Weiteres  geschlossen. Alle angekündigten Veranstaltungen fallen aus. Dies betrifft alle Vorträge und Lesungen, Exkursionen und auch die Stadtführungen.
Die aktuelle Ausstellung „Das Kriegsende im Raum Lingen 1945“ ist ab sofort auf dem neuen Museum-Blog im Internet einsehbar. Alle Ausstellungstafeln werden dort im Laufe der nächsten Tage eingestellt und können dann von zu Hause aus genutzt werden. Bisher sind Teil 1 und Teil 2 (von insgesamt 8 Beiträgen) veröffentlicht.
Museumsdirektor Andreas Eiynck: „Wir danken allen Zeitzeugen und allen Leihgebern, die Fotos, Dokumente und Ausstellungsstücke zur Verfügung gestellt haben.“
Auf dem neuen Blog gibt es fortlaufend auch weitere Informationen aus dem Emslandmuseum Lingen und von der Baustelle für den Erweiterungsbau des Museums.
Die Adresse im Internet lautet: www.emslandmuseum.de

Elisabeth Tondera – Susanna Hübner – Dirk Henning Sutor
Lesung

„Das Tambacher Liebespaar. Mordsgeschichten“
Lingen (Ems) – Buchhandlung Holzberg, Clubstraße 4
Freitag, 31. Januar – 19.30 Uhr
Eintritt 5 €

Ein 300 Millionen Jahre altes Ursaurierskelett, ausgegraben in der Nähe der Stadt Tambach-Dietharz in Thüringen, ist der Titelgeber der Krimianthologie „Das Tambacher Liebespaar – Mordsgeschichten“. Darin sind die besten Geschichten eines Krimiwettbewerbs versammelt. Elisabeth Tondera ist in der Anthologie mit dem Kurzkrimi „Die Wunderbrötchen“ vertreten. Bei der Lesung stellen auch eine Preisträgerin und ein Preisträger ihre Geschichten vor: Susanna Hübner aus Vechta und Dirk Henning Sutor aus Oldenburg.