Borkener Paradies

17. Juni 2021

Wegen seiner knorrigen Eichen, Sanddünen und Heiden ist das Borkener Paradies nahe Meppen ein beliebtes Ausflugsziel. Unter dem Thema  „Besonderheiten im Borkener Paradies“ möchten jetzt der NABU, der BUND und die Bürgerinitiative EXIT233 in einer gemeinschaftlichen Exkursion zeigen, dass es dort  noch viel mehr zu entdecken gibt als die „paradiesische“ Landschaft.

Das Borkener Paradies ist nämlich eines der bedeutendsten Naturschutzgebiete im Emsland. Hier leben seltene Pflanzen und Tiere wie der Ährige Ehrenpreis und der Mondhornkäfer, darüber berichtet unter anderem der Käferexperte Claus Alfes. Auf der geführten Wanderung wird auch erklärt, warum die Eichen hier so urtümlich gewachsen sind, wie die besondere Landschaft entstand, was Hude- und Allmendweiden sind und warum es Borkener und nicht Versener Paradies heißt. Die Bedrohungen  die für den Fortbestand und die Zukunft des Borkener Paradieses bestehen, z.B. durch eine Erweiterung der nahen E233, werden ebenfalls thematisiert.

Diese Exkursion findet unter der Leitung des Baumexperten Jürgen Zwoch am kommenden Samstag, den 19. Juni ab 14 Uhr statt. Eine Anmeldung, unter Tel. 05931-4099630, ist für die Teilnahme erforderlich.

Accoustic Steel

9. Juni 2021

Acoustic Steel
Jonas Egbers

Schüttorf – Unabhängiges Jugendzentrum Komplex, Mauerstraße 56
Samstag, 19. Juni, 18 Uhr
Karten: 8 Euro  – Sitzkonzert
Corona-Zugangsbeschränkungen*

Zikadumda, die Konzertinitiative des Unabhängigen Jugendzentrums (UJZ) Komplex, veranstaltet am 19. Juni nach pandemiebedingt langer Zeit wieder ein Live-Konzert. Ein wenig Metal gefällig? Aber mal ganz anders:„Acoustic Steel“ spielen auf akustischen Instrumenten völlig neu arrangiert und humorvoll ihren Metal. Und als Support hat das Komplex noch Jonas Egbers obendrauf gepackt. Das Ganze findet im Biergarten des Komplex als Sitzkonzert statt. Beginn ist um 18 Uhr.

    • Acoustic Steel: Buddys aus der Grenzmetropolregion Emsland/Grafschaft Bentheim machen sich auf den Weg, dem Volk eine Geschichtsstunde in Sachen Heavy Metal darzubieten. Acoustic? Metal? Ja, aber nix leise, sondern laut Auf verschiedensten akustischen Instrumenten wird dem wahren Stahl gehuldigt. Umgebaut, völlig neu arrangiert und humorvoll von der Bühne gefeuert. Metal auf Holz sozusagen. Doch darf man so was? Was sagt die Metalpolizei dazu? Logo darf man das, der Spirit, die Attitüde und die Liebe zum Heavy Metal bleiben, und so trieb es die vier Bandmitglieder von der kleinen Kneipe in der Heimat quer durch’s Land bis zum Wacken Open Air.
    • Jonas Egbers: Der 23-jährige Singer-Songwriter Jonas kommt aus Meppen. Er wird auf der Bühne eine Mischung aus Coversongs und eigenen Liedern zum Besten geben. Dieses Jahr im Oktober wird auch sein erstes eigenes Studioalbum erscheinen.

* Es gibt drei Möglichkeiten, an diesem Konzert teilzunehmen: Entweder 14 Tage nach einer vollständigen Impfung, oder man ist genesen, oder man hat einen aktuellen negativen Corona-Test. An einem Tisch können Personen aus drei verschiedenen Haushalten plus geimpfte und genesene Personen sitzen.

Tickets sind über die Homepage www.komplex-schuettorf.reservix.de/events erhältlich.

 

(Quellen: UJZ, GN)

Am kommenden Mittwoch, den 09. Juni  bietet der NABU wieder eine Naturführung an. Bei der Exkursion „Von Prachtlibellen und andere Insekten“ führt Dipl. Biologe Andreas Rakers ins Hasetal. Der Schwerpunkt der Führung ist die Erkundung von Insekten am Fließgewässer. An einem Uferstrand der Hase lassen sich z.B. Laufkäfer beobachten, die hier angespülte Insekten jagen.

Die Naturführung findet   unter Berücksichtigung der derzeit geltenden Hygienemaßnahmen statt. Um die Abstandsregel einhalten zu können, ist die Teilnehmerzahl auf 6 Personen begrenzt. Treffpunkt ist der Parkplatz am Friedhof in Meppen-Bokeloh. Die Exkursion beginnt um 18 Uhr.  Eine telefonische Anmeldung ist erforderlich, um die Kontaktnachverfolgung gewährleisten zu können. Anmeldungen und weitere Informationen erhalten Sie unter 05931 4099630.

Informationen zu weiteren NABU Veranstaltungen finden sich auf der Homepage der NABU Regionalgeschäftsstelle Emsland/Grafschaft Bentheim unter www.nabu-emsland.de/veranstaltungen/

Quelle: PM; Foto: Karmesinbär (c) Andreas Rakers.

Im niedersächsischen Merzen gerät ein Schweinemäster durch Aufnahmen von Tierschützern unter Druck. Die entstehen mit großem Aufwand. Unter dem Titel „Hausfriedensbruch unvermeidbar“  berichtet die taz über einen Schweinemäster im östlich von Fürstenau gelegenen Dorf Merzen. In dessen Betrieb hatten Tierschützer vor einem halben Jahr Aufnahmen gefertigt, die massive Tierschutzverstöße zeigten. Dabei soll der Betrieb für 2020 mehr als 300.000 Euro von der EU für Tierschutzmaßnahmen erhalten haben, kritisieren Tierschutz-Aktivisten. Besonders pikant:  Der verantwortliche Landwirt gehört der CDU an und sitzt im Gemeinderat der kleinen Gemeinde. 

„In Merzen sieht die Welt noch in Ordnung aus: Eine Kirche mit bunten Fenstern, eine Handvoll Schützenvereine, ein konservativ dominierter Gemeinderat. „Ein schönes, harmonisches Dorf“, schwärmt Bürgermeister Gregor Schröder (CDU) über sein 4.000-Einwohner-Örtchen im niedersächsischen Landkreis Osnabrück. Er sagt das in einem Imagevideo der Samtgemeinde Neuenkirchen, das den Ort Merzen porträtiert.

Dass es mit Schönheit und Harmonie inzwischen vorbei ist, liegt an einem anderen Video aus Merzen. Einem, das Leid und Tod zeigt. Es wurde dem Deutschen Tierschutzbüro in Berlin zugespielt und zeigt eine Schweinemastanlage: Die Tiere stehen eng an eng, einige sind blutig, verletzt. Manche haben abgebissene Schwänze und riesige Abszesse. Einige dämmern offenbar dem Sterben entgegen. Eines liegt tot da: blau und aufgedunsen. „Katastrophal!“, beschreibt Jan Peifer, Vorstandsvorsitzender der Tierrechtsorganisation, die Zustände.

Eigentümer und Mitbetreiber der Schweinemast sei Landwirt W., Merzens stellvertretender Bürgermeister. Auf Peifers Anzeige beim Veterinäramt in Osnabrück folgen Kontrollen, amtliche Anordnungen. In einem Brief von Ende April, in dem Amtstierärztin Maren Mellmann Peifer Rückmeldung gibt, ist von „Verstößen in Form von Überbelegung und der Versorgung kranker und verletzter Schweine“ die Rede, von der Verringerung der Tierzahl, von „unverzüglicher Nottötung von Tieren, für die eine Heilung nicht zu erwarten ist“. Mittlerweile seien die Mängel „weitestgehend abgestellt“. Dass auch die Strafanzeigen vom Tisch seien, die Peifer und Mellmann bei der Staatsanwaltschaft Oldenburg gestellt haben, heißt das natürlich nicht.

Die Videoaufnahmen, die den Fall ins Rollen brachten, stammen aus einer Nacht im Dezember 2020. Für solche Dreharbeiten braucht ein Tierrechtlerteam starke Nerven, nicht nur, weil es soviel Elend sieht und es ausblenden können muss. Zu viel Empathie lenkt ab. Und was, wenn der Informantentipp, wo und wie man reinkommt, ungenau war? Was, wenn die Wachen draußen den Rückzug signalisieren, weil plötzlich der Landwirt auftaucht?

Fast immer geht das gut. Das Zielgebiet ist gründlich observiert, oft über Tage. Die Ausrüstung ist hightech, von der Wärmebildkamera bis zum Funkgerät, von der Nachtsichtoptik bis zur infrarotabsorbierenden Tarnkleidung. Auch Drohnen kommen zum Einsatz.

Aber wenn dann doch mal was schiefgeht?…“

[weiter bei der taz]

Das Endergebnis der diesjährigen „Stunde der Gartenvögel“ beeindruckt erneut mit einer hohen Teilnahmezahl: mehr als 15.500 Vogelfreunde haben in Niedersachsen vom 13. bis 16. Mai an der großen wissenschaftlichen Mitmachaktion von NABU und LBV teilgenommen und aus über 10.500 Gärten und Parks Vögel gemeldet. Bundesweit haben sich mehr als 140.000 Menschen beteiligt, insgesamt wurden über 3,1 Millionen Vögel gezählt. Im Emsland und der Grafschaft Bentheim zählten über 600 Personen mehr als 15.000 Vögel.

„Die Rekord-Teilnahme während des ersten Lockdowns im vergangenen Jahr konnte zwar nicht erreicht werden, dennoch zeigt sich auch dieses Jahr ein hohes Interesse der Menschen an der natürlichen Vielfalt vor ihrer Haustür“, freut sich Hanna Clara Wiegmann, NABU-Regionalgeschäftsführerin Emsland-Grafschaft Bentheim.

Die Vogelschutzexperten des NABU haben die Rohdaten der Zählung nun analysiert und statistische Korrekturen vorgenommen. Bundesweit konnten pro Garten knapp 33 Vögel von 11,4 unterschiedlichen Arten entdeckt werden. Das sind deutlich mehr als im Vorjahr, in dem mit nur gut 30 Vögeln der bisher niedrigste Wert ermittelt wurde. Insgesamt erweist sich der Vogelbestand in Deutschlands Dörfern und Städten seit Beginn der Zählungen im Jahr 2005 als weitgehend stabil. Dennoch gibt es unter den 66 am häufigsten beobachteten Arten ein leichtes Übergewicht deutlich abnehmender Arten: 20 Arten mit sinkenden Beständen stehen 16 Arten mit zunehmenden und 30 Arten mit stabilen Zahlen gegenüber. Unter den größten Verlierern finden sich mit Mauersegler, Mehlschwalbe, Trauerschnäpper und Grauschnäpper auffallend viele Fluginsektenjäger. Mit Hausrotschwanz, Mönchsgrasmücke, Zaunkönig, Zilpzalp, Kuckuck, Nachtigall und Klappergrasmücke sind weitere ausschließlich von Insekten lebende Vogelarten dabei.

Langfristig deutliche Zunahmen zeigen dagegen einige Vegetarier, darunter Ringeltauben, Stieglitz, Gimpel und Kernbeißer. Hanna Clara Wiegmann dazu: „Nicht umsonst rufen wir regelmäßig dazu auf, den eigenen Garten möglichst naturnah zu gestalten, damit sich Insekten dort wohlfühlen und Gartenvögel ausreichend Nahrung vorfinden. Es empfiehlt sich, heimische Laubgehölze zu pflanzen, Ecken mit Wildpflanzen anzulegen und selbstverständlich auf Umweltgifte zu verzichten.“

Wie auch in dem vergangenen Jahre, liegen auf den ersten drei Plätzen im Emsland und der Grafschaft Bentheim Haussperling, Amsel und Kohlmeise. Die Blaumeise lag in beiden Landkreisen auf Platz 4. Sie konnte sich im Vergleich zum Vorjahr wieder erholen, in dem die Art durch das Bakterium Suttonella ornithocola Verluste verzeichnen musste. Der erstmals öffentlich gewählte Vogel des Jahres, das Rotkehlchen, fliegt landes- und bundesweit auf Platz neun und erzielt damit – möglicherweise kraft Amtsbonus – seine bisher beste Platzierung. Auch im Emsland schafft es das Rotkehlchen auf Platz 9 und in der Grafschaft Bentheim liegt das Rotkehlchen sogar auf Platz 7.

Detaillierte Ergebnisse sind auf Bundes-, Landes- und Landkreisebene auf www.stundedergartenvoegel.de abrufbar.

Die nächste Mitmachaktion des NABU läuft schon vom 4. bis 13. Juni: Dann werden beim „Insektensommer“ wieder Sechsbeiner gezählt und gemeldet. Weitere Informationen zur Aktion unter www.insektensommer.de.


Quelle: PM des NABU

 

Das Emsland ist für viele Leute ein blinder Fleck auf der Deutschlandkarte. Zu unrecht, findet SR-Moderatorin Simin Sadeghi, die selbst aus Lingen stammt. Einst als das „Armenhaus Deutschlands“ bezeichnet und tief im Moor vergraben, zieht das Emsland heute viele Touristen in seine beschaulichen Dörfer und belebten Städte.

Zwischen dem Münsterland und Ostfriesland gelegen, wird es noch als Urlaubsziel unterschätzt oder einfach nur übersehen. Für  Simin Sadeghi wurde es höchste Zeit, endlich einmal die Heimat von der besten Seite präsentieren zu können.

Simin lässt alte Traditionen ihrer Jugend wieder aufleben: Sie führt uns ein in die uralte Geschichte der Kivelinge, muss Zielsicherheit und Trinkfestigkeit bei der emsländischen Nationalsportart Boßeln beweisen und kehrt zurück zum prunkvollen Schloss Clemenswerth, das sie noch von Klassenfahrten kennt. Außerdem kostet sie zum ersten Mal im Leben Pumpernickeltorte und erlebt in Papenburg am eigenen Leibe, wie hart die emsländischen Torfstecher schuften mussten.

Emsländischer Schnack mit viel Herz, endlose grüne Wiesen und immer mal wieder ein Pinnchen mit Korn! Der Norden, wie Sie ihn noch nicht erlebt haben.

Sendung: Samstag  29.05.2021 um 17.00 Uhr im SR

WTD 91

5. Mai 2021

Im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung zum Genehmigungsverfahren für den Planungsabschnitt 8 zum vierstreifigen Ausbau der E 233 hat der Naturschutzbund Deutschland (NABU) in den vergangenen Tagen eine umfassende und sehr kritische Stellungnahme abgegeben.

Weit über 50 Seiten umfasst die Einwendung der Naturschützer zu dem Bauvorhaben nördlich von Cloppenburg bis zur A1. Darin werden zahlreiche inhaltliche Fehler bei den Planungsunterlagen beklagt. „Erhebliche Mängel weist die Verkehrswirtschaftliche Untersuchung von 2019 auf,“ so Katja Hübner, Mitarbeiterin des NABU-Regionalverbandes Emsland/Grafschaft Bentheim. „Unter anderem bezieht sich die Analyse auf das Jahr 2014 und ist damit schon 7 Jahre alt. Als Grundlage für die Prognose werden Daten aus der bundesweiten Straßenverkehrszählung von 2010 zugrunde gelegt, obwohl es bereits neuere Daten aus 2015 gibt. Und die Bemautung der E233 für Lkw seit dem 1.7.2018 ist nicht berücksichtigt.“ Folglich könnten die Prognosedaten gar nicht stimmen. Diese seien aber eine wesentliche Grundlage für zahlreiche weitere Gutachten wie die Lärmprognose, die auch festlegt, wo und welche Schallschutzmaßnahmen ergriffen werden müssen, erklärt die Landschaftsarchitektin.

Außerdem seien die Bestände der vorkommenden Tierarten nicht ausreichend erfasst, bemängelt die Naturschützerin. „Gastvögel wurden gar nicht kartiert, obwohl darunter Arten sind, die dem strengen Artenschutz unterliegen. Die Daten für Großsäuger sind mindestens 9 Jahre alt und damit eindeutig veraltet. Aktuelle Angaben zu Fledermäusen liegen nur für einen Teilbereich vor. Und im Hinblick auf vorkommende Fischarten wurden nur zwei Gewässer untersucht, obwohl zahlreiche weitere Gewässer von dem Bauvorhaben betroffen sind. Deshalb ist das Vorhaben nach meiner Einschätzung insbesondere aufgrund von Verstößen gegen das Artenschutzrecht zur Zeit nicht genehmigungsfähig“, so Hübner. „Auf jeden Fall sind – wie auch schon bei Planungsabschnitt 1 – weitere Bestandserfassungen erforderlich.“ Der NABU hoffe aber, dass vor dem Hintergrund der massiv gestiegenen Baukosten das ganze Vorhaben noch einmal auf seine Erforderlichkeit überprüft werde.

Die vollständige Stellungnahme des NABU und weitere Informationen sind unter www.nabu-emsland.de zu finden.

11. Gebot

12. April 2021

Die 10 Gebote kennt jede/r. Jetzt gibt es von mir das 11. Gebot hinzu. Es lautet „Du sollst nicht sögeln!“

Der Anlass:  Um Corona-Probleme für den Schlachthof zu verhindern, kontrolliert jetzt im emsländischen  Sögel nämlich der private Sicherheitsdienst des Tönnies-Schlachthofs Weidemark die dort Beschäftigten auch außerhalb des Werksgeländes. Die Gewerkschaft NGG ist entsetzt und das darf und muss man auch sein – selbst wenn die emsländische Gemeinde Sögel bereits seit Jahren öffentliche Sicherheitsaufgaben lokalen Privatpolizisten anvertraut hat. Zur Erinnerung: Sögel ist diejenige emsländische Gemeinde, in der unlängst Bürgermeister Günter Wigbers (CDU) eine Immobilie erworben hat, um sie dann persönlich an die eigene Verwaltung für eine neue Kita zu vermieten. Für diesen, übrigens nicht durch Privatpolizei entdeckten Filz hat er sich inzwischen entschuldigt. 

Schon im vergangenen Herbst hatten die Verantwortlichen mit Zustimmung von Landrat Marc Andre Burgdorf (CDU) die sog. „Arbeitsquarantäne“ eingeführt. Danach durften sich die ArbeiterInnen nur zwischen Arbeitsplatz und Wohnort bewegen und waren isoliert. Damit sollte ein Infektionsrisiko ausgeschlossen werden. Auf dieses sklavenhalterähnliche Prinzip hatten sich Weidemark-Eigentümer Tönnies und der Landkreis Emsland verständigt.  Landrat Burgdorf hatte unter dem Beifall der damaligen Sozialministerin Carola Reimann (SPD) erklärt: „Infektionsschutz steht über allem.“

Sechs Monate später gibt es aktuell schon wieder „vermehrt“ Corona-Infektionen im Sögeler Schlachthof. „Wir werden genau beobachten, wie sich das Infektionsgeschehen hier entwickelt. Eine Arbeitsquarantäne wie im letzten Oktober lehnen wir ab, da die Sicherheit und Gesundheit der Betroffenen an oberster Stelle stehen“, kommentierte am Wochenende Silke Helbich von der Sögeler SPD, die sich für die Arbeitnehmer bei Weidemark einsetzt. “Was bei Weidemark und auch in anderen Schlachthöfen bislang passiert, ist moderne Sklaverei. Dieses System muss abgeschafft werden“, fordert Silke Helbich. Die Sögelerin will für die SPD in den Bundestag und Gitta Connemann (CDU) den Wahlkreis Unterems abnehmen.

NGG Gewerkschafts-Chef Matthias Brümmer sieht das genauso: „Sollte der Landkreis Emsland wieder eine Arbeitsquarantäne anordnen, werden wir dagegen vorgehen.“

Die Samtgemeinde Sögel findet die neue Überwachungsidee offenbar völlig in Ordnung. Es handele sich um „Kontrollfahrten auf dem Marktplatz, vor Einkaufszentren und vor der Post“.

Unbegreiflich ist: Die Polizei begrüßt die verfassungswidrige „Unterstützung“ durch den Sicherheitsdienst des Schlachthofes. Die Maßnahme sei „mit der Samtgemeinde Sögel abgesprochen“, erklärte eine Polizeisprecherin dem NDR. Entscheidend soll, so die Beamtin, sein, dass die Mitarbeitenden des Sicherheitsdienstes die Landessprache der osteuropäischen Schlachthof-Beschäftigten sprechen und diese daher besser auf Verstöße gegen die Corona-Regeln hinweisen könnten. Wenn es aber um Ordnungswidrigkeiten gehe, sei weiter die Polizei zuständig. Immerhin, möchte man rufen, um gleich zu wissen, dass das natürlich falsch ist. Für Bußgeldverfahren reichen Zeugenaussagen.

Natürlich überhaupt nicht mit den Kontrollanordnungen einverstanden ist dagegen die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Die Kontrollfahrten seien „eine Katastrophe“, sagte NGG-Sprecher Matthias Brümmer. Es könne nicht angehen, dass Mitarbeitende eines Schlachthof-Sicherheitsdienstes von Kommune und Polizei als Hilfssheriffs eingesetzt würden. Brümmer sieht die Gefahr, dass die Schlachthof-Beschäftigten durch die Kontrollen stigmatisiert werden könnten und ihnen der „Schwarze Peter“ für die Corona-Infektionen zugeschoben wird. Er fordert stattdessen, die Wohnsituation der Osteuropäer zu verbessern, da sich die Infektionen in den Sammelunterkünften schnell ausbreiten würden. Recht hat er, der Gewerkschafter.

(Foto Blaue Schafe, keine schwarzen in Sögel; via Facebook CC s. Archiv 27.12.11; Quelle: NDR, NGG)

Der Wasserverband Lingener Land will mehr Wasser fördern, um den steigenden Bedarf zu decken. Gegen entsprechende Pumpversuche regt sich aber Widerstand – aus Angst vor Gebäudeschäden. Jetzt klagt die reformierte Landeskirche gegen die Pumpversuche im Raum Lengerich. (Emsland)

Wie NDR 1 Niedersachsen berichtet, will der Verband aufrüsten, weil der Verbrauch in dem Einzugsgebiet in vergangenen drei Jahren um 11 Prozent gestiegen ist. Dies entspricht fast 800.000 Kubikmeter Wasser. Bis zu anderthalb Millionen Liter Wasser sollen bei den Versuchen pro Jahr gefördert werden. Die Landeskirche hat vor dem Verwaltungsgericht Osnabrück Klage eingereicht.

Die Kirche fürchtet Schäden am Fundament des evangelisch reformierten Gotteshauses in Lengerich. Es ist mehr als 1.000 Jahre alt und damit eines der ältesten Kirchengebäude im Emsland. Seit vergangenem Jahr bröckelt Putz von der Nordwand des Bauwerks. Die Pastorin Frauke Schäfer sieht einen Zusammenhang mit den Pumpversuchen. Offenbar senkten sich die Fundamente. „Unsere Befürchtung ist, dass unsere schöne, alte, historisch wertvolle Kirche Schaden nimmt“, so die Pastorin.

Auch Anwohner schauen mit Sorge auf die Arbeiten. So lässt Josef Mönster derzeit durch eine Fachfirma messen, ob die Holzständer seines Hauses aus dem 19. Jahrhundert absacken. Zudem prüft Mönster den Grundwasserstand: „Wir haben dort vor dem Haus eine eigene Messstelle seit über einem Jahr und haben dort festgestellt, dass der Wasserstand seit Beginn der Pumpversuche um 1,88 Meter gefallen ist.“ Mönster hat eine Petition gestartet. (mehr…)

Reinhold Gels vom Wasserverband Lingener Land betont, dass die Sachverständigen die denkmalgeschützten Gebäude genau im Blick hätten. „Was wir jetzt machen, sind im Prinzip Vorerkundungen, die auch unbedingt notwendig sind, um hier die Wasserversorgung sicherzustellen.“ Ein Verhandlungstermin am Verwaltungsgericht Osnabrück steht noch nicht fest. Genehmigungsbehörde des Pumpversuchs ist der Landkreis Emsland.