Bienen

6. Februar 2019

Es geht um die Bienen, denen sich dieses kleine Blog auch bisweilen schon gewidmet hat. gerade macht in Bayern eine Initiative für ein Bürgerbegehren für die Artenvielfalt mobill und hat binnen nur fünf Tagen schon die Hälfte der notwendigen Unterschriften dafür gesammelt.I Lingen schiebt die Kommunalpolitik seit dem 13 Juli 2018 einen entsprechenden Antrag der BürgerNahen vor sich her, wobei die Stadtverwaltung ernsthaft behauptet alles sei gut.

Jetzt, am kommenden Samstag können Interessierte es bei uns in Lingen einen Vortrag hören:

Bienen in Garten, Feld und auf dem Balkon
Kies-Beet oder Bienen?
Lingen (Ems) – Heimathaus, Schepsdorf
Sa 9. Febr. – 15.00 Uhr
kein Eintritt

Wilfried Bollo, Imker und Gartenberater, spricht im Rahmen der Jahreshauptversammlung der Kreisgruppe Lingen im Verband Wohneigentum Niedersachsen (VWE) darüber, wie sich die Lebensbedingungen für Bienen und andere Insekten dramatisch verschlechtert haben. Seine Forderung: „In unserem eigenen Interesse sollten wir uns dem Prozess entgegenstellen.“ Der Fachmann stellt praktische Hilfen vor, mit denen das Leben der kleinen Helfer gesichert werden kann. jede/r kann damit für sich selbst Gutes tun.

Nach dem knapp einstündigen Vortrag und einer Kaffeepause beginnt die Jahresmitgliederversammlung der Kreisgruppe Lingen im Verband-Wohneigentum Niedersachsen, zu der alle Mitglieder herzlich eingeladen sind. Der Verband mit dem nicht sehr bekannten, sperrigen Namen hieß früher übrigen Deutscher Siedlerbund. Vor fast genau 100 Jahren wurde er in Dresden als Freie Arbeitergemeinschaft für Kriegersiedlung e. V. und wollte Kriegsteilnehmern, deren Hinterbliebenen und Angehörigen die Möglichkeit des Siedelns und die eigenen vier Wände ermöglichen.

(Foto: André Karwath (Aka) Rote Mauerbiene CC BY-SA 2.5)

Kaiserreich

4. Februar 2019

Gebetbuch und Pickelhaube
Lingen im Kaiserreich
Lingen (Ems)
Mi 6. Februar 2019 16 Uhr und 19.30 Uhr

Eintritt 5 € (erm 3€)

Mit „Lingen im Kaiserreich“ wird am kommenden Mittwoch die Vortragsreihe „Mittwochs im Museum“ fortgesetzt. Museumsleiter Dr. Andreas Eiynck zeigt Fotos, Dokumente und Objekte aus der zeitgeschichtlichen Sammlung des Emslandmuseums und aus privaten Archiven. Schwerpunktthema ist in diesem Jahr das 20. Jahrhundert, dessen wichtigste Epochen jeweils am ersten Mittwoch im Monat vorgestellt werden.

Die Zeit des deutschen Kaiserreiches war bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs eine Epoche des Wohlstands in unserer Stadt. Nie zuvor ging es breiten Bevölkerungsschichten wirtschaftlich so gut wie damals, auch wenn die sozialen Unterschiede zwischen Bauern und Adel, Arbeitern und Unternehmern riesig waren. Der Lebensstandard stieg spürbar an, die große Auswanderungswelle ebbte ab. Doch es gab auch Schattenseiten. Echte demokratische Rechte blieben den Deutschen weitgehend verwehrt, Frauen waren nicht einmal wahlberechtigt. Sozialdemokratie und Gewerkschaften wurden unterdrückt, Nationalismus und Militarismus wurden verherrlicht. Besonders der Bundesstaat Preußen, zu dem auch Lingen und das Emsland gehörten, galt als Musterbeispiel eines Obrigkeitsstaates.

Die Kirche und das religiöse Leben hatten zu Kaisers Zeiten einen hohen Stellenwert. Im sogenannten „Preußischen Kulturkampf“ entluden sich die Spannungen zwischen dem protestantischen Staat und der katholischen Kirche. Katholiken waren in Preußen lange Zeit nur Bürger zweiter Klasse. Doch in vielen Gebieten bildeten sie die Bevölkerungsmehrheit. Sie formierten sich in der Zentrumspartei sowie in katholischen Vereinen und Verbänden für alle „Stände“: Mütter und Jungfrauen, Handwerker und Kaufleute, Arbeiter und Bauern. In Lingen war besonders der Kolpingverband aktiv, auch im Bereich von Musik- und Theateraufführungen. Von evangelischer Seite gab es, quasi als Gegenstück, einen „Arbeiter-Bildungsverein“. Auch viele Freizeitvereine wurden damals gegründet: Chöre, Musikvereine, Kegelclubs und die ersten Sportvereine. Das Vereinswesen blühte in allen Bereichen.

Auch im Lingener Stadtbild gab es damals mancherlei Veränderungen. Die Bonifatiuskirche erhielt ihren hohen Turm und setzte damit eine weithin sichtbare Landmarke, die selbst die Schornsteine der Industriebetriebe überragte. Viele traditionelle Fachwerkhäuser wurden durch stattliche Neubauten im „Zuckerbäckerstil“ des Kaiserreiches ersetzt. Viele dieser Fassaden prägen heute noch das Stadtbild und sind damit wichtige Zeugnisse eine Epoche, die heute schon über ein Jahrhundert zurückliegt.

Die etwa einstündige Präsentation beginnt am Mittwoch  um 16 und um 19.30 Uhr. Eintritt: 5 Euro, Heimatvereinsmitglieder 3 Euro. Eine Voranmeldung ist nicht erforderlich.

Entwicklung

31. Januar 2019

Dass das Internet immer kommerzieller wird, ist eine Binsenweisheit. Das heißt aber auch, dass es nicht durchgetaktete Angebote, die in den ersten Jahrzehnten das Netz prägten, immer schwerer haben. Wir sehen dies gerade auch in unserer Region. Es gibt da diese drei Beispiele:

Im vergangenen Sommer machte bspw. KEIFußball Schluss. Die Plattform war ganz nah dran an Spielern, Trainern und Vereinen im Fußball-Emsland und in der Grafschaft. Deutlich besser als Konkurrent fupa. Aber sie war betriebswirtschaftlich nicht so  aufgestellt wie der bisweilen aufgesetzt wirkende Konkurrent fupa, den NOZ-Medien in unserer Region trägt.

Dann hörte vor einigen Wochen lingen-ems.de auf. Die Seite brachte Gründer Jens Guschmann nämlich trotz aller Programmierkenntnisse viel Arbeit, aber dafür zu wenig Ertrag. Jetzt landet man auf einer Kommerzplattform, die mit Lingen so viel zu tun hat wie Lingens OB mit planvoller Stadtentwicklung. Also nichts.

Und heute nun ist nach knapp acht Jahren der letzte Tag für stadtblatt-lingen.de. Die Webseite (Logo links) hatte zwar mit dem historischen Stadtblatt nichts zu tun, das vor 40 Jahren zum ersten Mal eine, wenn auch nur monatlich erscheinende Gegenöffentlichkeit zur Lokalzeitung bot. Doch die stadtblatt-lingen.de-Internetseite kann den Verdienst in Anspruch nehmen, alle Presseerklärungen im Originaltext veröffentlicht zu haben. „Bei uns wird nicht gekürzt, gestrichen und verändert“, hieß es bislang auf der Stadtblatt-Webseite über das eigene Selbstverständnis. Daher lohnte sich mancher Vergleich mit dem, was dann zB die bereits erwähnte Lokalpresse daraus machte. Und jetzt liest man, dass die Energie der Macher erschöpft ist: „Noch eintreffende Meldungen werden wir bis zum 31.01.2019 einstellen. Am 31.03.2019 geht das Stadtblatt Lingen endgültig vom Netz.“

„Wir bedanken uns besonders bei allen Werbepartnern, Medienpartnern, Absendern von Nachrichten und Berichten für ihre Unterstützung. Unser Dank geht auch an die Leserschaft, die uns so lange die Treue gehalten hat. Ohne sie alle wäre das Stadtblatt nicht so lange lebensfähig gewesen.“

Wir alle nähern uns also nach Jahren der Alternative wieder dem Meinungsmonopol der Lingener Tagespost und ihrer Schwesterblätter. Das, so finde ich, ist keine gute Entwicklung…

Kay One

30. Januar 2019

Die Pommesschmiede McDonald’s hat Rapper Kay One engagiert –  für einen Tag als Mitarbeiter. Der empfing die Kunden – wie sollte es auch anders rein – mit einem auf den Burger-Riesen abgestimmten Rap-Song, in dem er Abläufe und Services in dem Fast-Food-Restaurant erklärt. Seit der Veröffentlichung am 11. Dezember zählt das Video bis heute rund  1,8 Millionen Aufrufe.

Sag mal, liebe Leserschaft, war der Berliner Rapper noch vor Bushido und Support nich ins emsland geflüchtet? Wie war das noch? Ich frage für einen Freund und der will auch wissen, wo der Spot gedreht wurde. Wer hilft?

Impfmüdigkeit

20. Januar 2019

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat jetzt Impfgegner und Impfmüdigkeit („Vaccine hesitancy„) zu den zehn aktuell größten Bedrohungen für die Weltgesundheit erklärt. Laut WHO verhindern Impfungen nämlich jedes Jahr weltweit zwei bis drei Millionen Todesfälle. Weitere 1,5 Millionen könnten vermieden werden – wenn die Impfbereitschaft besser wäre. Die Gründe für Impfmüdigkeit seien vielfältig. Nachlässigkeit, schwieriger Zugang zu den Impfstoffen oder mangelndes Vertrauen. Welchen Folgen das habe, zeige das Beispiel Masern: Die Zahl der Fälle ist 2017 weltweit um 30 Prozent gestiegen. Ein Grund sei die wachsende Zahl der Impfgegner in Industrienationen. Auch in Deutschland verdreifachte sich die Zahl der Masernfälle auf mehr als 900.

Ein Grund hierfür sind falsche Behauptungen. Gegner der Masern-Schutzimpfung haben immer wieder neue Nebenwirkungen der Schutzimpfung gegen Masern in den Raum gestellt. Die Mutmaßungen, dass Allergien, Asthma, Diabetes mellitus oder Morbus Crohn durch Impfungen ausgelöst würde, konnten allesamt nicht bestätigt werden.

Obwohl die Impfung gegen Masern als notwendig und sicher gilt, wurde in einzelnen Publikationen kritisiert, dass die Studien zur Untersuchung der Nebenwirkungen der MMR-Impfung nicht ausführlich genug und bezüglich des Studiendesigns teilweise inadäquat seien.[88] Dagegen hat Ende 2013 das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) alle vom 1. Januar 2001 bis 31. Dezember 2012 gemeldeten Verdachtsfälle ausgewertet. Es konnte kein neues Risikosignal entdeckt werden, damit bleibt das PEI bei einer positiven Risiko-Nutzen-Bewertung der monovalenten und kombinierten Masernimpfstoffe. Die WHO sagt kurz: Sicher!

Als größte globale Gesundheitsrisiken stuft die Weltgesundheitsorganisation auch Ebola, HIV, Dengue-Fieber, Antibiotika resistente Keime, Übergewicht, chronische Krankheiten – und die Luftverschmutzung ein: Neun von zehn Menschen weltweit atmen laut WHO Tag für Tag dreckige Luft. Sieben Millionen Menschen sterben vorzeitig an den Folgen – zum Beispiel an Krebs oder Herz-Lungen-Krankheiten.

Remondis-Nichtskönner

10. Januar 2019

Remondis hat die Entsorgung der Gelben Säcke im ganzen Landkreis emsland, u.a. vom solide und fehlerfrei arbeitenden Meppener Entsorger Augustin übernommen, in Werlte gleich die ganze Fa Klumpe. Die Remondis-Entsorgung sollte am 2. Januar starte,  ist aber völlig gescheitert. Nicht abgeholte gelbe Säcke fliegen seit Tagen sturmwindgetrieben durch die Lingener Stadtstraßen. Das eigene krachende Scheitern hindert die Remondis-Nichtskönner nicht daran, täglich und gegenüber jedermann anzukündigen und zu versprechen, dass es nun heute besser und der Rückstand erledigt werde. Zuletzt traf gestern um 8:46 Uhr im Lingener Rathaus die Nachricht ein, bis zum Ablauf des (gestrigen) Tages werde Remondis die gelben Säcke vollständig…blablabla. Ich stelle fest: Alles gelogen, alles falsch. Eine große PR-Klappe und nichts dahinter!

Über die 8:46-Uhr-Aussage berichtete Stadtbaurat Lothar Schreinemacher gestern im Verwqaltungsausschus, nach dem Stadtrat das höchste Beschlussgremium in unserer Stadt. Der Bramscher Ortsbürgermeister Martin Koopmann entgegnete sofort, das könne nicht sein. In ganz Bramsche hätten  „um 15.30 Uhr noch alle Säcke an den Straßen gelegen“. Ich habe daraufhin auf dem  Twitter-Account unserer unabhängigen Stadtratsfraktion Die BürgerNahen gefragt, wo sonst noch. Hier der Thread:

Die Antworten kamen prompt und belegen, die Remondis-Aussagen sind unwahr. Ortsbürgermeister Koopmann wusste in der Debatte übrigens, dass Remondis auf seiner Internetseite 773 Mitarbeiter suche, und OB Krone stellte die berechtigte Frage, weshalb denn die Kartellbehörden nichts unternehmen, wenn das  Unternehmen im September 2018  die Gruppe Duales System Deutschland übernommen habe, aber jetzt auch noch die Abholung der gelben Säcke in einer Hand konzentriere.

Den Anwohnern zu raten, „ihre“ gelben Säcke nach Tagen im frischen wind wieder ins Haus zu holen, klappt höchstens in Einfamilienhaussiedlungen. Wer sonst will bei Dutzenden durchsuppten und gerissenen Säcken die Grüne-Punkte-Verpackungen seiner Nachbarn hereinholen oder gar seine eigenen aus aus einem großen gelben Haufen heraussuchen. Krone kündigte an, so viele gelbe Säcke wie möglich durch den Sädt. Bauhof einsammeln zu lassen, und die Kosten dafür Remondis in Rechnung zu stellen. Gut so!


Nachtrag:
Jetzt kündigt Remondis-Sprecherin Anna Ephan an: „Bis Samstag!“ Mit dem einschränkenden Zusatz „sollte“ und der Entschuldigung schon mal vorab: „Dass vereinzelt Säcke liegen bleiben, können wir auf Grund der derzeitigen Situation nicht verhindern, es sollte bis Samstag allerdings alles nachgefahren sein.“ So ist es eben, wenn man fehlenden Einsatz und fehlende Vertragstreue durch flotte Sprüche ersetzt.

Nachtrag 2:
Inzwischen hat das Unternehen Remondis eine ganz andere, überraschende Lösung entwickelt. Es gibt keine gelben Säcke mehr…

 

 

 

 

 

 

 

Servicemitteilung

2. Januar 2019

Brückentage 2019 | Ganz Deutschland und ganz  Niedersachsen

  • Neujahr: 01.01.2019 (Dienstag)
  • Karfreitag: 19.04.2019 (Freitag)
  • Ostersonntag: 21.04.2019 (Sonntag)
  • Ostermontag: 22.04.2019 (Montag)

  • Tag der Arbeit: 01.05.2019 (Mittwoch)
  • Christi Himmelfahrt: 30.05.2019 (Donnerstag)
  • Pfingstmontag: 10.06.2019 (Montag)
  • Tag der Deutschen Einheit: 03.10.2019 (Donnerstag)

  • Reformationstag: 31.10.2019 (Donnerstag)
  • 1.Weihnachtsfeiertag: 25.12.2019 (Mittwoch)
  • 2.Weihnachtsfeiertag: 26.12.2019 (Donnerstag)
  • Neujahr 01.01.2020: (Mittwoch)

Ein Service von Roberts Blog zum Selbstausschneiden und Selbstmarkieren

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Lingen vor 100 Jahren

28. Dezember 2018

Lingen vor 100 Jahren
Silvesterprogramm im Emslandmuseum
Lingen (Ems) – Emslandmuseum, Burgstraße 28b
Montag, 31.12.2018 – ab 13.30 Uhr
Eintritt: frei

Zu einem Rückblick auf „Lingen vor 100 Jahren“ lädt der Heimatverein Lingen am Silvesternachmittag (31.12., Einlass ab 13.00 Uhr, Beginn 13.30 Uhr) in das Emslandmuseum ein. Im Mittelpunkt steht bei den Bildervorträgen um 14, 15 und 16 Uhr die Zeit um das Schicksalsjahr 1918 in Lingen. Dabei wird auch ein historisches Filmdokument präsentiert. Das Café im Kutscherhaus ist ab 13.30 Uhr geöffnet und lockt mit Kuchenspezialitäten sowie frisch gebackenen Neujahrshörnchen.

Lingen vor hundert Jahren – das waren bewegte Zeiten. Der Erste Weltkrieg ging zu Ende, Arbeiter- und Soldatenräte übernahmen auch in Lingen die schwere Bürde des abgewirtschafteten Kaiserreiches. Die Zeit des Massensterbens in den Schützengräben und der Hungersnöte in der Heimat gingen nach vier Kriegsjahren zu Ende, aber von rosigen Zeiten konnte keine Rede sein. Die Kriegsschulden führten zu einer Hyperinflation und zu einer Wirtschaftskrise. Die Lingener Eisenbahner streikten für eine bessere Lebensmittelverteilung und gegen Massenentlassungen, viele Geschäfte und Betriebe standen vor dem Aus.

Erst allmählich besserte sich die Lage. Die neue Republik sorgte nicht nur für neue demokratische Rechte und das Wahlrecht für Frauen, sondern auch für Wohnungsbau und Sozialfürsorge. Im Strootgebiet und an der Schwedenschanze entstanden Wohnsiedlungen für die Eisenbahnerfamilien, neue Schulen und sogar eine Jugendherberge wurden eingerichtet. Die junge Generation sollte es einmal besser haben!
1926 erhielt Lingen Anschluss an das Elektrizitätsnetz der VEW und zum Stadtjubiläum 1928 konnte der Marktplatz mit hunderten von Glühbirnen festlich illuminiert werden. Theateraufführungen im Saal der Wilhelmshöhe und Kinosäle in der Stadt boten neue Möglichkeiten für Freizeit und Kultur. Die „Germanenfestspiele“ in Ahlde und die Heimatschauen der Kivelinge zogen tausende Besucher an. Das Vereinswesen blühte, etwa im Kolpingverband oder im Arbeiterverein, aber auch bei den vielen Sportvereinen. Immer mehr Automobile sausten durch die engen Straßen der Lingener Innenstadt – und natürlich Bernd Rosemeyer auf seinem Motorrad.
Mit der Weltwirtschaftskrise waren auch in Lingen die „goldenen Zwanziger“ vorbei. Die politische Stimmung wurde immer radikaler. Zwar hielten die meisten Lingener damals treu zur katholischen Zentrumspartei, aber der Weg Deutschlands in die Katastrophe war dadurch nicht mehr aufzuhalten.

Die Präsentation „Lingen vor 100 Jahren“ läuft um 13.30 sowie um 15.00 und 16.00 Uhr. Rechtzeitiges Erscheinen ist empfehlenswert. Das Café im Kutscherhaus ist von 13.30 bis 17.00 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei, der Spendenerlös des Nachmittags geht an die Telefonseelsorge im Emsland.

(Quelle: Stadt Lingen, Fotos von oben: Marktplatz Lingen 1918; VEW Lokomotive 1925, Sonntagsausflug nach Haneken 1918; Fotos Stadt Lingen (Ems))

gegen Menschenhass

26. Dezember 2018

In Papenburg  aufgewachsen, wurde Oliver Polak in der norddeutschen Provinz sozialisiert. Der Komiker hat ein Buch „Gegen Judenhass“ geschrieben. Im taz Interview spricht er darüber, Gespräche am Tisch der Eltern und selbstreferenziellen Humor.

taz: Oliver Polak, Sie sind der erste Jogginghosenträger, der bei Suhrkamp ein Buch veröffentlicht. Wie fühlt sich das an?

Oliver Polak: Auf jeden Fall interessant, wo immer ich mein Buch präsentiere, fällt die Rede darauf, dass ich Jogginghosenträger bin. Ich bin auch der Erste, der in Adiletten für Suhrkamp präsentiert. Manchmal werde ich deshalb schräg angeguckt.

Ist die Jogginghose Ihre Arbeitsuniform?

Jogginghosen trage ich schon, seit ich 20 bin. Sie sind bequem. In Kreuzberg stößt das noch auf Verwunderung, wenn ich in New York unterwegs bin, stört das niemanden. Es gibt übrigens Jogginghosen von Gucci, die kosten 800 Euro.

Was kostet Ihre?

Ich bevorzuge Modelle der Marke Adidas, die kosten zwischen 80 und 150 Euro.

Früher teilte man Westdeutschland in Puma und Adidas. Warum Adidas?

Ich war nie Puma, ich war immer Adidas. Was Hosen angeht und Sweatshirts, immer Adidas. Bei Sneakern schwöre ich auf Nike.

Geha oder Pelikan-Füller?

Geha! Gegenfrage: Was wäre das Pendant zum Steiff-Tier?

Da muss ich passen.

Asoziales Stofftier.

Sie sind im niedersächsischen Papenburg aufgewachsen. Welche Ereignisse sind da für Sie prägend gewesen?

Mein Vater war passionierter Zirkus-Fan, auch für mich war der Zirkus ein wichtiger Ort. Papenburg ist ziemlich trist, aber im Zirkus fühlte ich mich wohl. Ansonsten kann ich schon sagen, dass ich ein Kind der Popkultur bin. Sie war Zufluchtsort. Als Neunjähriger sah ich Udo Jürgens in der Weser-Ems-Halle. Das erste Konzert, das ich selbst ausgewählt habe, war ein Auftritt von Erste Allgemeine Verunsicherung….

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Polaks Buch ist ein alarmierender Appell gegen Menschenhass und den erstarkenden Antisemitismus in Deutschland.

»Wenn du heute wieder nicht lustig bist, landest du im Aschenbecher!«
»Mein Vater ist auch im KZ gestorben, besoffen vom Wachturm gekippt.«
»Musst du nicht weg? Der letzte Zug nach Auschwitz fährt doch gleich.«
»Juden wollen immer Mitleid!«

Das sind nur ein paar der Sätze, die Oliver Polak tagtäglich in Deutschland zu hören bekommt. Andere Menschen werden auf offener Straße angegriffen, weil sie eine Kippa tragen. Jüdische Schüler werden beschimpft. Antisemitische Rapper hingegen bekommen Preise. Einem jüdischen Restaurantbesitzer wird seine bloße Anwesenheit vorgeworfen: »Wir wollen euch hier nicht in Deutschland.« »Euch«, das meint die Juden. All das zeigt: Deutschland hat ein Problem mit ihnen und denen, die mit jüdischen Menschen ein Problem haben. In eindringlichen Worten appelliert Oliver Polak für eine klare Haltung: Wenn wir eine liberale Gesellschaft sein wollen, müssen wir uns endgültig von unseren Ressentiments befreien!

Oliver Polak
Gegen Judenhass
suhrkamp taschenbuch 4984, Taschenbuch, 127 Seiten
ISBN: 978-3-518-46984-2

8,00 Euro


Oliver Polak ist in Papenburg aufgewachsen. Nach seinem Abitur in England lebt der Stand-up-Comedian, Kolumnist und Autor seit 15 Jahren in Berlin . Seit 2015 ist er in der TV-Reihe »Das Lachen der anderen« zu sehen, für die er 2017 mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet wurde. Polaks Late-Night-Show »Applaus und raus« (2016) erhielt den Grimme-Preis. Gemeinsam mit Micky Beisenherz produziert er seit November 2017 den erfolgreichen wöchentlichen Podcast »Juwelen im Morast der Langeweile« bei Audible. 2008 und 2014 erschienen seine beiden Bestseller Ich darf das, ich bin Jude und Der jüdische Patient. Seine neue Show, mit der er ab dem Frühjahr auf Tour geht, heißt »Der Endgegner«.

(Quellen taz, Suhrkamp-Verlag)

Fahrplanwechsel

9. Dezember 2018

Seit heute gilt der neue Fahrplan der Bahn. Das bedeutet für Bahnpendler im Nordwesten erst eimal, dass die Streckensperrungen und der Schienenersatzverkehr auf der Emslandlinie sein Ende hat. Man muss also in Meppen nicht mehr den Schienenersatzverkehr-Bus suchen und dann mit einem schweigenden emsländischen Busfahrer durchs Emsland fahren – also ohne jede Information, was denn nun als nächster Halt kommt.

Ob allerdings morgen Intercity-Züge wieder durchs Emsland fahren ist unverhofft aus einem ganz anderen Grund fraglich. Denn aus heiterem Himmel hat die Eisenbahnergewerkschaft EVG die Tarifverhandlungen mit der deutschen Bahn abgebrochen – etwa weil sie erkannt hat, dass sie bei einem Arbeitskamp im Weihnachtsverkehr größtmögliche Aufmerksamkeit erreicht? Es wird warngestreikt und die Bahn versucht zu reagieren. Zum Beispiel, indem alle Reisenden mit einem Sparpreisticket für morgen schon heute fahren können. Die Zugbindung ist aufgehoben.

Auf der Verbindung Hamburg-Bremen-Osnabrück-Ruhrgebiet-Köln sollen laut Bahn künftig „mehr ICE“ statt der in die Jahre gekommenen IC eingesetzt werden. Auf der Strecke Amsterdam-Bentheim-Osnabrück-Hannover-Berlin ändert sich allerdings nichts; dort fahren weiterhin die Museumszüge aus den 70er und 80er Jahren.

Entgegen allen Planungen und Versprechungen ist auch die Strecke Bad Bentheim-Nordhorn-Neuenhaus nicht fertig. Sie wird erst im Laufe des kommenden Jahres mit Personenzügen wieder befahren. Aber die Bahnhöfe in Neuenhaus und der Fensterkletterbahnhof in Bad Bentheim sind renoviert.

Die Bahntickets umfassen ab heute ohne Mehrkosten die Nutzung der Busse. Diese Regelung gilt auch für Fahrten nach Hamburg und Bremen. Ausnahme: Die Landkreise Osnabrück und (allerletzter Platz in Niedersachsen!) Schaumburg. Dort gibt es bisher keine Anerkennung für das Niedersachsenticket  – genauso wie -man ahnt es- im Landkreis Emsland.

Aber sonst wird’s teurer. Verbraucherschützer kritisieren daher das Preissystem der Bahn. Denn  für Fahrten im Fernverkehr steigen die Preise um 0,9 Prozent. Fahrscheine zum vollen Preis, dem sogenannten Flexpreis, werden im Durchschnitt 1,9 Prozent teurer. Auch für Streckenzeitkarten sowie die Bahncard 100 müssen Reisende in Zukunft im Schnitt 2,9 Prozent mehr zahlen. Die Preiserhöhungen halten die Verbraucherzentralen angesichts „eklatanter Verspätungen“ im Fernverkehr für „nicht begründbar“.

Auch das Extra-Entgelt für den Kauf eines Tickets im DB-Zug wird übrigens kräftigst erhöht: von 12,50 Euro auf stolze 19 Euro. Pro-Bahn-Sprecher Karl-Peter Naumann nannte das „bedenklich für einige ländliche Regionen“, in denen es an Automaten nur Nahverkehrstickets gibt. Bucht also bitte über das Smartphone, wenn ihr denn eins habt…