Wun.Der.Bar

18. November 2017

Es muss etwa 60 Jahre her sein, als es in der Lingener Schlachterstraße zu einem tragischen Unfall kam. Ein kleiner Junge fuhr mit seinem Tretroller durch die Gasse zwischen dem Ratskeller und dem heutigen Café Extra-Blatt direkt vor die Reifen eines von rechts kommenden Lkw in der Schlachterstraße und wurde regelrecht zerquetscht. Daran erinnere ich mich. Es war damals zu recht ein großes Gesprächsthema in Lingen (Ems).

Sofort entschloss sich seinerzeit die Stadt diese Zufahrt so abzusperren, dass dies künftig nicht mehr möglich sein werde. Das klappte auch, zunächst mit Holzpfählen. Als dann vor 25 Jahren das älteste, in der Gasse seit 1927 vorhandene Lingener Straßenpflaster aufgenommen und neu gesetzt wurde, setzte man vier historisierende Eisenpfähle in die Straße und verband je zwei durch Ketten miteinander. Man musste seither nahezu in den Stand bremsen und ein bereiftes Gefährt zwischen beiden Pfahlreihen hindurchschieben. Das Fazit: Seit dem Unfall vor 60 Jahren hat es keinen Unfall mehr an dieser Stelle gegeben.

Jetzt handelte die Lingener Stadtverwaltung erneut und beseitigte kurzerhand die sichernden Ketten – mit dem Ergebnis, dass künftig nur noch das Hineinfahren in die Gasse gesperrt ist, aber das gefährliche Hinausfahren für Zweiräder, Roller usw. aus der Gasse in den Querverkehr der Schlachterstraße nicht mehr. Gefährlicher gehts kaum. Ganz abgesehen von dem völligen gestalterischen Wun.Der.Bar-Pfahl-Missgriff: MAN FASST ES NICHT, IHR DUMMKÖPFE! Wann gibt es an dieser nunmehr gefährlichen Einmündung den nächsten schweren Unfall? Guckst Du hier:

Brennstoffzelle

12. November 2017

2021 sollen auf nicht-elektrifizierten Strecken in Niedersachsen 14 Brennstoffzellen-Züge verkehren.

Zwischen Cuxhaven, Bremerhaven, Bremervörde und Buxtehude will die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG) ab 2021 keine Diesel-Loks mehr einsetzen, sondern Züge mit Brennstoffzellen-Antrieb. Dafür hat die LNVG nun 14 der Züge bei Alstom bestellt, geht aus einer Mitteilung des Herstellers hervor. Zuvor war der Zug dieses Jahr in Niedersachsen getestet worden.

Der Coradia iLint genannte, in Salzgitter entwickelte Zug kann rund 1000 Kilometer mit einer Tankfüllung zurücklegen, bei Höchstgeschwindigkeiten von 140 km/h. Mit Wasserstoff versorgt wird er über eine eigene Tankstelle in Bremervörde, die von der Linde Group geliefert wird. Sie soll 10 Millionen Euro kosten. In einer späteren Projektphase soll der Wasserstoff per Elektrolyse und mithilfe von Windenergie vor Ort produziert werden.

Das niedersächsische Verkehrsministerium unterstützt die Anschaffung der 14 Brennstoffzellen-Züge mit 81,3 Millionen Euro, vom Bundesverkehrsministerium kommen 8,4 Millionen Euro. Wie viel die Züge insgesamt kosten, geht aus der Mitteilung nicht hervor.

Nachtrag:

Während also andernorts die Zukunft eingeläutet wird, steht bei uns die Gegenwart still. Immer noch defekt ist der Aufzug zu Gleis 2 im Bahnhof Lingen (Foto, © milanpaul, flickr). Bekanntlich halten dort alle Züge in Richtung Norden. Für Gehbehinderte und Rollifahrer ist der Bahnteig nicht benutzbar. Und das seit mehr 100 Tagen. Es ist nicht bekannt, dass die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen dies überhaupt bemerkt hätte. Die tzuständige Betriebsgesellschaft DB Netz geht der Defekt am A… vorbei. Sie behauptet tatsächlich, man könne keine Ersatzteile bekommen. Seit Ende Juli. Das ist entweder dreist gelogen oder Ausdruck völliger Inkompetenz.

(Quelle: Heise.de)

Zebrastreifen

23. Oktober 2017

Die isländische Kleinstadt Isafjordur im nord-westlichen Teil des Landes, sorgt mit einer gelungenen Neuinterpretation eines Zebrastreifens für mehr Vorsicht und langsameres Autofahren im Straßenverkehr und zeigt damit, dass Verkehrszeichen sehr wohl künstlerisch und funktional zur gleichen Zeit aussehen können.

Dafür haben sie einen der klassischen Zebrastreifen in Isafjordur durch einen 3D-Zebrastreifen ersetzen lassen. Das neue Design soll dazu beitragen, dass Autofahrer mehr auf kreuzende Fußgänger achten und vom Gas gehen, wenn sie durch die Stadt fahren.

Quelle: urbanshit

Bewegend

14. September 2017

Unter dem Motto #FingervomHandy sollen vor allem junge Verkehrsteilnehmer auf die Gefahren von Smartphones im Straßenverkehr aufmerksam gemacht werden. Botschafter der Aktion sind unter anderem Ex-Youtuber Oguz Yilmaz und Rapper Kay One. Zudem bringt die Kampagne einen bewegenden Kinospot.

The Danish Way

8. September 2017

When commuting, try taking the scenic route. It’s #TheDanishWay: The humble bike – never on strike.

„Lingen und sein (bekanntlich fehlendes) Verkehrskonzept“ Hier die Alternative von Mads Mikkelsen…

Hier noch mehr zum Schmunzeln. Das „Making of“ von Carlsberg

Bahnhof

28. August 2017

Lingen gestaltet den historischen Bahnhofsgebäude der ehemaligen Hannoverschen Westbahn um. Das ist bekannt. Es ist das erste Mal, dass die Kommune eine solche Aufgabe übernimmt. Da könnte man –Städtebaulicher Wettbewerb hin oder her– auf die Idee kommen, Fachleute zu fragen, um funktionale Fehler zu vermeiden.

Ich durfte für die BürgerNahen (BN) dazu einige Gedanken äußern, was zu der von mir als ausgesprochen flach empfundenen Bemerkung eines CDU-Ratsmitglieds führte, der offenbar nur im Notfall mit der Bahn fährt, der Bahnhof würde „doppelt so teuer“, folgte man diesen BN-Vorschlägen. Das wird er allerdings ohnehin, denn die geplanten 1,6 Mio Euro netto (= 2 Mio brutto) werden nicht reichen – oder allenfalls für eine eher peinliche, untaugliche  Schmalspurlösung, um im Eisenbahnerbild zu bleiben.

Daher fürchte ich, dass es wieder so ein Projekt nach Lingener Art werden wird: Also eines mit mancherlei, auch groben Fehlern nach dessen Vollendung ausnahmslos Jubelberichte in der Lokalzeitung und den anderen Lokalmedien stehen und der amtierende OB strahlend in die Kamera lächelt.

Dabei geht es auch viel besser, weiß BauNetz, und berichtet über den zweiten „grünen Bahnhof“ in Deutschland, der am vergangenen Freitag in Wittenberg als „Bahnhof des Jahres“ ausgezeichnet wurde:

„500 Jahre Reformation, da muss alles stimmen. Die Deutsche Bahn und die Lutherstadt Wittenberg haben das Jubiläum zum Anlass für ein neues Empfangsgebäude am Bahnhof genommen. 3.650 Pendler kommen dort täglich an, im Jubiläumsjahr, so schätzte man, werden es Tausende mehr sein, die der Wirkungsstätte Martin Luthers einen Besuch abstatten wollen. Der Bahnhof wurde bereits im Dezember letzten Jahres in Betrieb genommen, heute erhält er die Auszeichnung Bahnhof des Jahres.

Für die Architekturwelt ist der Preis wenig relevant, prämiert wird eher die Kundenfreundlichkeit, selten sind Neubauprojekte dabei. Die Jahre zuvor ging der Preis nach Steinheim und Stralsund. Dennoch bietet die Verleihung Anlass für einen genaueren Blick. Denn mit dem Bahnhof von Lutherstadt Wittenberg werden auch die Bemühungen der Bahn für ihr Vorzeigeprojekt „Grüner Bahnhof“ prämiert. Es steht für den Anspruch, Bahnhaltepunkte klimaneutral zu betreiben.

Weil die Bahn keine Verpflichtung hat, Planungsprojekte europaweit auszuschreiben, wird sie hin und wieder für ihre intransparente Vergabepolitik kritisiert. Nicht zuletzt entscheiden dort oft auch die Länder oder Kommunen mit, die sich meist an den Baukosten beteiligen. Was noch immer nicht alle wissen:

Die Bahn unterhält seit 2008 eine hauseigene Planungsabteilung. Die derzeit unter dem Namen I.SBO Objektentwicklung und Planung firmierende Abteilung sitzt mit über 40 Mitarbeitern im Gebäude des Berliner Hauptbahnhofs. Der Bahnhof in Münster wurde dort geplant, das Empfangsgebäude in Berlin Gesundbrunnen, der Umbau der S-Bahnverteilerebene am Münchner Hauptbahnhof. Von hier stammt auch die Idee für den Bau klimaneutraler Empfangsgebäude.“

[…weiter hier bei BauNetz]

In der DB-Planungsabteilung arbeitete mehrere Jahre der junge Lingener Tim Schmidt, der inzwischen im Land Brandenburg die Beamtenlaufbahn eingeschlagen hat. Darauf weise ich mit der dringenden Bitte hin, diesen Fachmann auf keinen Fall zu fragen; denn das könnte ja beim Fehlervermeiden hilfreich sein 😉 .

Solarzellen und Grünflächen auf dem Dach, Wärme und Kühlung aus Geothermie sowie eine Regenwasseraufbereitungsanlage lassen jedenfalls in der Lutherstadt Wittenberg den Bahnhof seinen Energiebedarf selbst produzieren. Auch der Service -übrigens der rund um das eigentliche Bahnhofsgebäude- soll sich wieder so nennen dürfen. Mehr Stellplätze für Autos und Fahrräder gibt es, Infotafeln und Wartedächer. Im Empfangsgebäude gibt es einen hellen Wartebereich mit USB-Anschlüssen an den Bänken, auch ein Bäcker und ein Zeitungsladen sind zu finden und barrierefreie Toiletten.

Wer mit der Bahn in Deutschlands Kleinstädten unterwegs ist, weiß, dass dies keine Selbstverständlichkeiten sind, weiß BauNetz. Mal sehen, was bei uns in Lingen (Ems) am Ende herauskommt. Das nämlich ist offen. Klar ist bisher nur, dass anschließend das Ergebnis begeistert bejubelt wird, egal wie es ausfällt.

LiLi

6. Juli 2017

Es gibt immerhin zwei Dinge, die unsere LiLi („Linie für Lingen“) etwas besonderer machen: Das Schietwetter-Ticket („für die dunkle Jahreszeit„) ist eines davon; das zweite ist mir schon wieder entfallen. Ansonsten dümpelt der Lingener „Öh-Pee-En-Vau“ eben vor sich hin und geht seine grässlichen Geburtsfehler nicht an  – beispielsweise die Verpflichtung, bei jedem (!) Buswechsel ein neues Ticket zu kaufen oder die allgemeine Sonntagsruhe [hier klappt sie doch tadellos, ver.di!].

An diese provinziell-gleichgültige Müdigkeit musste ich letzte Nacht denken, als ich diese wunderbare, selbstironische Inszenierung der Berlinger Verkehrsbetriebe BVG (mit Olli P.!) sah; es war nicht die erste. Selbstironisch? Bei uns genauso unvorstellbar wie gute Werbung für LiLi oder gar ein gutes Bussystem. Genieß es, liebe Leserschaft:

 

Ein Berliner Startup hat ein System entwickelt, mit dem sich ganz normale Straßenlaternen durch einen minimalen Umbau in Ladestationen für Elektroautos umzubauen lassen.

Die urbane Mobilität der Zukunft wird ziemlich sicher zum großen Teil elektrisch angetrieben werden. Die Technik ist bereits da, die Infrastruktur noch nicht. Ladestationen aufzustellen ist aufwendig und teuer. Und die wenigen Ladestationen, die es in den Städten bereits gibt, konkurrieren untereinander mit verschiedenen Systemen und Abrechnungsmethoden.

Die Berliner Firma Ubitricity hat ein System entwickelt, das auf der vorhandenen Infrastruktur der Städte aufbaut, in dem sich Straßenlaternen zu Ladestationen umbauen lassen. Der SimpleSocket, wie ihn die Firma nennt, kann mit relativ wenig Aufwand an jeder normalen Straßenlaterne nachgerüstet werden. Die Abrechnung auf Seiten der Nutzer erfolgt – anders als bei den herkömmlichen Strom“zapf“säulen – nicht über die Säule selber, sondern über ein „smartes“ Ladekabel, das mit einer Sendeeinheit ausgestattet ist.

Ubitricity
Bilder: Ubitricity

Sollte sich das System durchsetzten, könnte in verhältnismäßig schneller Zeit und mit relativ wenig Aufwand ein flächendeckendes Netz an Ladestationen für Elektroautos entstehen. Wer sich für die genaue Technik der Idee interessiert, erfährt hier alle Details.

Gesehen bei mobilegeeks

Fahrradklima

22. Mai 2017

Lingen - Radweg am DEK-.jpg

Eine deutliche Niederlage hat der jüngste Fahrradklimatest des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) dem Hamburger Senat beschert: Auf Platz 31 von 39 deutschen Großstädten über 200.000 Einwohner ist die Hansestadt in puncto Fahrradkomfort und -sicherheit im Herbst 2016 gelandet. Und wäre nicht die Aufstockung der Leihfahrräder in die Wertung eingegangen, hätte Hamburg auf Platz 34 gelegen – beim Fahrradklimatest 2014 war es Platz 35.

Woran es hakt? Vor allem am Zustand der Radwege und am Sicherheitsgefühl; das geht aus der Beantwortung der 27 Fragen hervor, die mit Schulnoten zwischen eins (sehr gut) und sechs (ungenügend) bewertet wurden. Eine schwache 4,7 haben die Sicherheit sowie das Fahren auf Radwegen und -schutzstreifen trotz neuer, auf den Fahrbahnen verlaufenden Velorouten. Die aber, sagt ADFC-Sprecher Dirk Lau, seien zu schmal. Sie müssten nämlich drei Meter breit sein und 1,50 Meter Überholabstand für Autos ermöglichen, damit die nicht eng am Radler vorbeipreschen müssten.

In Lingen meint man, es sei eine gute Lösung, Radfahrer auch auf den Fahrbahnen der vielbefahrenen Innenstadtstraßen zuzulassen, sofern diese wollen. Das sei eine Frage der Gleichberechtigung. Ich frage mich, ob beispielsweise 12jährige so etwas „wollen“ und wie sicher es dann für sie ist. Oder anders: Wir erlauben uns ein gefährliches Experiment und es ist eine wirkliche Schnapsidee; davon bin ich überzeugt. Sie wird zu schweren Unfällen führen.

Bei den Städten ab 50.000 Einwohner belegt in der ADFC-Befragung Lingens Nachbarstadt Nordhorn bundesweit Platz 2 mit 2,6 Punkten (hinter Bocholt) und unser Lingen landete mit nur mäßigen 3,5 Punkten auf Rang 14. Allerdings haben in unserem Städtchen fast doppelt so viele Interviews stattgefunden als in der Nachbarstadt: 164 statt 83. Dies wirft doch Zweifel a la Roggendorf nach der Vergleichbarkeit der Resultate auf. Ein Stimmungstext eben…

—-
Der ADFC-Stimmungstest
An dem bundesweiten ADFC-Fahrradklima-Test im Herbst 2016 nahmen über 120.000 Viel- und Gelgenheitsradler in 539 Städten teil – 15 Prozent mehr als beim letzten Test 2014. Ähnliche Fahrradklima-Tests gab es 1988, 1991, 2003, 2005 und 2012. Bundesweit fahrradfreundlichste Stadt ist, fast möchte ich sagen: natürlich- Münster, gefolgt von Karlsruhe und Freiburg im Breisgau.
Auf den Plätzen vier bis sieben liegen Bremen, Hannover, Kiel und Braunschweig mit Noten zwischen 3,51 und 3,67. Lübeck liegt mit Note 4,04 auf Platz 20, Hamburg ist mit 4,19 Platz 31 klares Schlusslicht im Norden.

(Quelle: taz; Foto: Radweg am Dortmund-Ems-Kanal © milanpaul)

Opel

8. März 2017

Opel-Chef Karl-Thomas Neumann will nach dem Kauf des Unternehmens durch die französische PSA die Eigenständigkeit des Autobauer bewahren, und Peugeot-Chef Carlos Tavares versucht, die Beschäftigten an den deutschen Standorten zu beruhigen. Opel wird jedenfalls französisch, und welche/r Autoverrückte denkt da hierzulande nicht an die glorreichen Kadett-Zeiten der Rüsselsheimer Autobauer zurück.

Guckst Du hier den ZDF-Mitschnitt Autotest des Opel Kadett-B 1968 von TV-Legende Rainer Günzler und der Werbefilm de Kadett-A mit Kabarett-Star Achim Strietzel