1901

1. März 2021

Auch gewusst?

Centrum ist eine alte Schreibweise von Zentrum. Sie ist seit den Beschlüssen der Orthographischen Konferenz von 1901 nicht mehr korrekt. Anders ist dies allerdings in unserer kleinen Stadt im Nordwesten. Da ist zwar inzwischen nach langen Jahren hartnäckigen Beharrens unserer Stadtverwaltung das Wort Jnnenstadt (mit Jot) auf vielen Wegweisern endlich überwunden.

Doch jetzt fahren Radfahrer eben ins Centrum. Wie bis 1901.. 😜

Vergangenen Montag meldete die Lingener Tagespost:

„Die Freiwillige Feuerwehr Lingen ist am Montag, 22. Februar, gegen 11.30 Uhr zum Zwischenlager beim Kernkraftwerk Emsland in Lingen ausgerückt. Alarmiert wurden die Einsatzkräfte durch die Brandmeldeanlage.
Dort angekommen, stellten die Einsatzkräfte fest, dass es nicht brannte. Ein Sprecher der bundeseigenen Gesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ), die das Zwischenlager seit dem 1. Januar 2019 betreibt, erklärte, dass es sich um einen klassischen Fehlalarm gehandelt habe.“

Dazu gibt es hier eine Premiere in diesem Blog: Der Leserbrief, den Alexander Vent an die Lingener Tagespost geschrieben hat, hier ohne weiteren Kommentar. Die Fragen sind nötig. Wann kommt die Antwort?

„Feueralarm im Lingener Atommüll-Lager! Die Feuerwehr rückt aus und stellt vor Ort fest, dass es gar nicht brannte. Ein ,klassischer Fehlalarm‘, so nennt es die Betreiberin, und wir sind beruhigt, weil nichts Schlimmes passiert ist und alles so gut funktioniert hat.

Und doch tun sich zwischen den Zeilen Fragen auf: Warum hat erst die Feuerwehr nach ihrem Eintreffen festgestellt, dass es sich um einen Fehlalarm handelte? Ist denn da sonst niemand auf dem Gelände, der das hochgradig radioaktiv strahlende und Hitze entwickelnde Inventar überwacht?

Gibt es außer diesem einen, offenbar defekten Brandmelder keine weitere technische Kontrolle der Atomanlage?

Wird ein Brandmelder, der Feuer meldet, wo keines ist, denn wohl Alarm auslösen, wenn es wirklich mal brennt?

Wie kann es überhaupt sein, dass das Brandmeldesystem im Lingener Atommüll-Lager defekt ist? Wird es nicht regelmäßig überprüft?

Ich gebe zu: Die Brandmelder bei mir zu Hause schlagen auch manchmal grundlos Alarm. Aber das ist für mich okay, die haben nur 20 Euro gekostet, ich habe mehrere davon installiert, und wir haben keinen hochgefährlichen Atommüll im Haus.

Für die Atomanlage in Lingen-Darme ist das absolut nicht okay. Nach diesem Fehlalarm sollte die Betreiberin in höchstem Maße alarmiert sein, und es bleibt zu hoffen, dass das Sicherheitssystem jetzt umgehend überprüft und ausgebessert wird, denn ein Ende dieser ,Zwischen‘-Lagerung ist noch lange nicht in Sicht – und die Castoren werden mit Ablauf ihrer Zulassungsdauer von 40 Jahren garantiert nicht sicherer.“
Alexander Vent, Lingen

Eine wichtige Frage hintendran:
Was geht wohl in den Köpfen der eingesetzten Feuerwehrleute vor, die zu einem Einsatz in das Brennelemente-Zwischenlager alarmiert sind, weil es dort brennen soll?


Foto: CC s. Archiv v. 09.02.2020

Großbaustelle

22. Februar 2021

Wie gut muss es uns doch gehen, wenn in Lingen solche Großbaustellen so zielgenau und entschlossen bewältigt werden!

Im September vergangenen Jahres fuhr ein Kfz gegen die Laterne vor dem Fachwerkhaus Hellmann in der Burgstraße. Und, was soll ich sagen, knapp sechs Monate später ist jetzt Ersatz da.

Also jedenfalls fast! Denn das Leuchtmittel fehlt noch und der Kandelaber drum rum auch. Aber wir sind ja nicht verwöhnt.

Heute beginnt übrigens eine weitere, angeblich 6wöchige Baustelle für die Erneuerung von etwas Bundesstraße in Darme. Auch das lässt mich in Ehrfurcht innehalten und der Leserschaft einen schönen Zeitlupen-Montag wünschen.

17 Wanderwege

21. Februar 2021

17 Wanderwege, pardon 17 „coronakonforme Wanderwege“  im ganzen Emsland präsentieren die Lingener Tagespost und die anderen beiden Emslandausgaben der NOZ gerade: „Wir haben die Wanderschuhe angezogen, die Videoausrüstung geschultert und uns mit Bernward Rusche getroffen, Wanderexperte des Naturschutzbundes (Nabu) Emsland Süd, schreiben die Lokalzeitungen. Das Ergebnis ist eine Sammlung von attraktiven Wanderungen und Spazierrouten in Text, Bild und Video.

„Los geht es mit unserem Spaziergang durch den Lohner Sand in Lingen-Schepsdorf. Bernward Rusche teilt sein Wissen über den Naturerlebnispfad mit uns, denn der ehemalige Truppenübungsplatz der Bundeswehr beherbergt allerhand Überraschungen für Naturfreunde.“

Ausgangspunkt: Parken rechts an der K34 (Straße von Schepsdorf nach Nordlohne) beim Abzweig nach Rheitlage am Waldrand.

Die Spaziergänger queren die Straße und gehen vor der Holzhütte rechts in den Wald. Sie kommen dann auf der Freifläche an die Station 8 des Naturlehrpfades (Ziegenmelker). Dann den Pfad über die Stationen 9 bis 12 folgen bis zum Aussichtsturm und von dort geht es zur Station 1 (Übersicht und Zeitreise). Schließlich geht es dann an Station 2 vorbei zurück zum Ausgangspunkt. Das sind etwa 3 Kilometer und wer möchte, kann den Weg über das südlich gelegene Dünengebiet gerne „ausweiten“ oder bei Station 1 einen Abstecher zum Bienenstand machen.

Übrigens: Wer beim Vogelquiz auf Anhieb alles richtig gemacht hat, bekommt vom Nabu einen schönen Aufkleber…“

Für Mehr bitte den Tweet anklicken:

 

 

Grüner Radiopunkt

16. Februar 2021

Vorgestern war „World Radio Day“ und dazu fand ich dieses wunderbare Internetding. Jede Radiostation ist ein grüner Punkt, den man anklicken und dann hören kann. Mit dabei: Die Ems-Vechte-Welle in unserer Stadt. Geht mal auf die Klicktour.

Bestimmt!

15. Februar 2021

Das wussten Sie bestimmt noch nicht: Aber in unserer Stadt gibt es „Sportförderrichtlinien„. Penibel regeln sie, wonach sie benannt sind: Die Förderung des organisierten Sports durch die Stadt Lingen (Ems). Dabei geht das nicht immer gleich zu. Das konnte man am vergangenen Mittwoch sehen, als der städtische Sportausschuss tagte. Denn noch versteckter in den Richtlinien sind die Traditionsveranstaltungen aufgeführt, die seit einigen Jahren regelmäßig stattfinden und als besonders förderungswürdig erachtet werden. Unter Textziffer 7.3.3. werden als Traditionsveranstaltungen eingestuft und mit unerhörten 600,- Euro gefördert:

• SV Olympia Laxten e.V., Internat. A-Jugend-Fußballturnier
• Reit- und Fahrverein Lingen, ein überregionales Reitturnier
• TC Blau-Weiß Lingen, Offenes Einladungstennisturnier
• VFL Lingen, Lingener Citylauf
• VfB Lingen, Internationales E-Jugendturnier
• Handballclub Lingen e.V., LIN-Cup
• Lingener Rudergesellschaft von 1923 e.V., Drachenboot-Cup
• SuS Darme e. V., Badminton-Turnier am 03.10. eines Jahres
• Fußballstadtmeisterschaft der Damen
• Schachverein Lingen e. V., Ems-Vechte-Cup

Sportbegeisterte Leser dieses kleinen Blogs werden alle diese Veranstaltungen kennen. Bestimmt!

Nun hat es seit 1990 alljährlich durch den TuS Lingen (und nach dessen Insolvenz auch durch den Nachfolger RB Lingen) zu jedem Jahresende in der Kiesberghalle einen Hallencup im Fußball gegeben, der meist den Namen einer sponsorenden Getränkesorte trug wie Vitamalz, Kronsberg oder jetzt auch Veltins. Stets war er ordentlich besucht und neben den 9 Lingener Fußballvereinen kamen auch 7 aus der Region. Daher meinte der ausrichtende Verein jetzt, man könne doch nach 35 Jahren beantragen, diese Veranstaltung genauso wie den seit wenigen Jahren durchgeführten Drachenbootcup, das Darmer Badminton-Turnier, den „Ems-Vechte-Cup“ der (nicht-olympischen) Schachspieler und die Fußballstadtmeisterschaft der Damen nach den „Sportförderrichtlinien“ auch als Lingener Traditionsveranstaltung einzustufen.

2015

Da aber hatten sie die Rechnung ohne die CDU gemacht. Die lehnte in der vergangenen Woche den TuS-Antrag ab. Eine Begründung gab es nicht. In der entsprechenden Verwaltungsvorlage steht wenig mehr. Vor allem macht sie nicht deutlich, wo eigentlich der Unterschied des Veltins-Cup zum Citylauf des VfLDrachenbootregatta oder der Lingener Fußballstadtmeisterschaft der Frauen liegt.

Das Nein verstehe also, wer will. Der Blogbetreiber versteht es nicht. Noch in der Sitzung habe ich daher angekündigt, den Aufnahmeantrag im letztlich zuständigen Rat zu wiederholen. SPD und Grüne, die genauso verdutzt guckten wie ich, werden diesen Antrag unterstützen. Ein wenig bin ich gespannt, wie weit die traditionelle Abneigung der CDU und des Oberbürgermeisters gegen den TuS noch geht, den sie vor fünf Jahren in die Insolvenz fallen ließen, wo doch eine Bürgschaft ausgereicht hätte, den mehr als 100 Jahre alten Verein zu retten…

-.-.-

 

Handwagen

9. Februar 2021

Wieder einmal glänzt das Blog des Lingener Emslandmuseums mit besonders Aufschlussreichem, dieses Mal zu „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland – ein denkwürdiges Jubiläum. Es hat etwas Paradoxes, doch das schadet nicht. Warum paradox? Vor 1700 Jahren gab es zwar zweifellos schon Juden, aber noch keine Deutschen und kein Deutschland. Es gab vielleicht Germanen – jedenfalls gab es Leute, die von anderen als solche bezeichnet wurden. Aber das waren keine Deutschen und schon gar keine Christen. Zu sagen hatten sie auch nichts, denn große Teile des heutigen Deutschlands waren damals eine römische Provinz. Darum war es auch der römische Kaiser Konstantin, der im Jahr 321 in einem Schreiben zum ersten Mal eine jüdische Gemeinde in Köln erwähnt, einer Stadt, die bekanntlich von den Römern gegründet wurde….

Die ersten jüdischen Stücke, die ich 1988 in Lingen entdeckte, war zwei Sabbatlampen aus dem 18. Jahrhundert. Sie hingen als Flurbeleuchtung bei zwei alten Damen im Strootgebiet. Eine der beiden war früher Haushälterin bei dem Lingener Kunstsammler, Carl Johannsen, gewesen. Sie hatte die beiden Lampen nach seinem Tod unerkannt geerbt und nichtsahnend als Flurleuchten eingebaut. Sollte der gute alte Carl Johannsen 1938 etwa… – hat er nicht! Denn schon 10 Jahre vorher, bei der Heimatschau der Kivelinge 1928, waren seine beiden „siebenstrahligen Schabbeslampen“ zum 650sten Stadtjubiläum als Zeugnisse der Lingener Geschichte ausgestellt. Ob sie bei der Wiederholung dieser Schau 1937 auch noch ausgestellt waren?

Besomimdose für die Sabbatfeier, aus einer Lingener jüdischen Familie

An dunkle Zeiten erinnert eine silberne jüdische Gewürzdose im Museum. Wir erhielten sie 1989 von einem früheren Lingener Arzt. Einer seiner Patienten hatte seine Arztrechnung damit bezahlt. Später hat ein anderer Patient dem Arzt erzählt, dass er diesen Mann am Abend des 9. November 1938 mit einem Handwagen voller Wertsachen aus den geplünderten jüdischen Haushalten nach Hause fahren sah.

Später einmal kam eine Lehrerin mit einer Schulklasse in die jüdische Schule. Sie sah dort eine ähnliche Silberdose und fragte ahnungslos, was das denn wohl sei, so etwas habe sie nämlich auch zuhause, ebenfalls aus Silber, von ihren Eltern geerbt. Aber die waren keine Juden. Auch nicht heimlich. Bei Nachfrage stellte sich nämlich heraus: die Lehrerin war die Tochter jenes Mannes mit dem Handwagen….“

(von Andreas Eiynck, Quelle: Emslandmuseum Lingen, mehr)

Botschaft

7. Februar 2021

Gestern Abend war ich mir sicher, ein Posting über unsere Polizei zu schreiben, die ihren Controletti-Mannschaftswagen auf dem Lingener Marktplatz erst an der Nordseite vor dem Café am Markt abstellte, um ihn dann zwei Stunden später so auf der gegenüberliegenden Marktplatzseite zu platzieren, dass er dort von keiner der beiden Marktplatz-Webcams mehr erfasst werden konnte (und die dritte, im Obergeschoss des Extrablatt ist bekanntlich seit zwei Jahren leider offline). Nun, es war trotzdem niemand auf dem Marktplatz unterwegs.

Heute Nacht aber, als der angekündigte Schnee erst ein klitzekleines bisschen gefallen war,  gab es dann diese Botschaft von meinem Nachbarn an seine Liebste. Hach, wie schön!

 

Das ist natürlich viel besser als jeder Polizeiwagen. ps Lasst euch nicht wegwehen!

Frevel

5. Februar 2021

Ich kenne es zur Genüge, dass sich die Lokalzeitung an mir abarbeitet. Zurzeit wegen dieses unter dem Twitter-Account der BürgerNahen veröffentlichten, von mir zu verantwortenden Tweet (s.o.).

Was ist geschehen?

Textlich ausreichend, war darin unter einem traurigen Smiley ein 1:1-Auszug aus den amtlichen Bekanntmachungen bei Insolvenzbekanntmachungen.de vom 1. Februar veröffentlicht. Dem lag die Annahme zugrunde, dass die Corona-Restriktion ein erstes Opfer in der Lingener Gastroszene gefordert habe und dies an hervorragendem Platz gegenüber dem hist. Rathaus.

Die amtliche Bekanntmachung vom 29. Januar teilte nämlich mit, dass für den Betreiber der „Schankwirtschaft ‚La Vino'“ am Markt ein Insolvenzverfahren beantragt und vorläufig eröffnet sei. Übrigens: Das Verfahren brach über den Schankwirt nicht herein wie ein Schneesturm; denn das Insolvenzverfahren lief bzw läuft schon seit Wochen, was jede/r am -s.o.- Aktenzeichen erkennt: Es ist die 43. Insolvenzsache im Jahr 2020 beim Amtsgericht und dürfte daher etwa seit Mitte, Ende November dort anhängig sein.

27 Stunden darauf veröffentlichte die „Lingener Tagespost“ dieselbe Nachricht in einem großen Beitrag, und die Leser erfuhren so, dass der Besitzer des Lokals der AOK Geld schulde. Sie erfuhren nicht, dass die Schuld in Höhe eines 5stelligen Eurobetrages alle Sozialversicherungskassen (Rentenversicherung, Krankenversicherung, Arbeitslosenversicherung und Pflegeversicherung) betraf, und die AOK die Schuld für all diese Sozialversicherungen einzutreiben hat. Auf seine Schulden, zitierte die Zeitung den Inhaber der Schankwirtschaft, habe er am 31. Januar  „an die AOK  25.000 Euro“ gezahlt, also, wenn das stimmt, erst kurz nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens („29.01.2021, 10.35 Uhr“); das könnte eine Verfügung gewesen sein, die er ohne Zustimmung des Insolvenzverwalters gar nicht mehr vornehmen durfte.

Einschub: Sozialversicherungsbeiträge zahlen Arbeitgeber- und Arbeitnehmer, beide rund 50%. Etwa 12.500 Euro der Schuld hat also der Betreiber der „Schankwirtschaft“ als  Arbeitgeber vom Arbeitnehmerlohn einbehalten, aber dann wochenlang nicht abgeführt. Das legt ein Vergehen nach § 266a Abs. 2 StGB nahe.

Ohne die üblichen Säumniszuschläge entsprächen diese vom Arbeitnehmerlohn einbehaltenen Sozialversicherungsbeiträgen etwa 60.000,00 Euro an Gehältern. Dazu informierte die Lokalzeitung, statt seine Sozialversicherungsbeiträge zu zahlen, habe der Schankwirt für 150.000,- Euro das Lokal renoviert. Nun, jeder muss ja wissen, was er macht, wenn er mit gesetzlichen Abgaben in der Kreide steht, die ihm nicht gestundet sind.

Mehrfach konnte ich in der Folge dann in sozialen Medien lesen, was dies für ein Frevel sei –  also der Tweet sowie die Handlungsweise der AOK, nicht aber das Schankwirt-Vergehen nach § 266a Abs. 2 StGB. Das hat mich erstaunt.

Ganz vorn hier und heute erneut dabei, ein LT-Mann (Name ist mir bekannt), der als Journalist dies heute schrieb (leider hinter einer Bezahlschranke) und dann offenbar im gleichen Zusammenhang einen, mir eher wenig journalistisch erscheinenden Tweet publizierte, den ich nicht verstanden habe:

Dazu noch ein Spoiler: In der 5. Klasse hatte ich Unterricht bei Frau Cattepoel, die hatte keinen Sohn und ich habe sie auch nicht gehasst sondern gut gefunden, weil sie total in Ordnung war.

Schließlich hat mir dann gestern noch jemand vorgeschlagen, einen Präsentkorb zu dem Gastronomiebetrieb zu bringen. Und ich Dummkopf dachte tatsächlich, die närrische Saison falle 2021 aus. Aber immerhin ist Freitag…

 

Vorstrafe

3. Februar 2021

Das Landgericht Osnabrück (Foto) hat Mitte Januar einen Mann wegen fahrlässiger Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen à 25 Euro verurteilt. Einer seiner unangeleinten Schäferhunde hatte in Quakenbrück eine Frau angefallen. Diese war gestürzt und hatte sich dabei eine Halswirbeldistorsion und eine Kopfprellung zugezogen.

Laut dem Urteil hatte der Angeklagte seine zwei Hunde zwar zurückgerufen, als diese auf die Frau zuliefen; ein Tier hörte aber nicht auf ihn.

Fahrlässigkeitsdelikte sind die Deliktsgruppe, mit der man schneller zu tun bekommt, als einem häufig lieb ist. Für eine Strafbarkeit wegen fahrlässiger Körperverletzung reicht eine Sorgfaltspflichtverletzung aus, und zwar bei objektiver und subjektiver Vorhersehbarkeit der eingetretenen Folgen. Vorsätzlich im klassischen Sinn muss man gerade nicht handeln.

Bei der Vorhersehbarkeit und der Vermeidbarkeit neigen Gerichte in der Praxis gerne dazu, beides zu bejahen, obwohl das in der konkreten Situation nicht der Fall war, argumentiert RA Dr. André Bohn im LawBlog. „Dieses Phänomen ist psychologisch als sogenannter Rückschaufehler bekannt: Die Justiz stellt im Nachhinein überhöhte Anforderungen an den Betroffenen, das heißt, es wird ein zu strenger Sorgfaltsmaßstab angelegt.“

Im Hundefall war es aber doch eher eindeutig. Dass man einen Schäferhund, der offensichtlich nicht richtig hört und damit in gewisser Weise unberechenbar ist, anleinen muss, dürfte kaum zweifelhaft sein – und zwar auch dort, wo kein ausdrücklicher Leinenzwang besteht. Hundehaltern sollte auf jeden Fall klar sein: Sie können eine strafbare Körperverletzung auch durch ihr Tier begehen.

(Az. LG Osnabrück, Urt. v. 20.01.2021, Az. 5 Ns 112/20; das Urteil ist nicht rechtskräftig)

Ausführlicher Bericht in der Legal Tribune Online (LTO)

via LawBlog Udo Vetter (RA Dr. André Bohn)


Foto LG Osnabrück, CC s. Archiv v. 15.06.2013)