„Gesucht! Wer kennt diese G20-Verbrecher?“ war unter anderem der Titel einer intensiven Berichterstattung der Bildzeitung zu den G20-Krawallen während des Gipfeltreffens in Hamburg. Gegen die „Fahndungsbilder“ aus dem Jahr 2017 hatte sich eine Frau gewehrt und in den Vorinstanzen auch Erfolg. Der Bundesgerichtshof sieht die Sache jedoch anders.

Auf zwei Bildern war die Frau zu erkennen, wie sie vor einem verwüsteten Drogerie-Markt Waren aufhebt. Trotz der reißerischen Aufmachung habe die Berichterstattung einen „ganz erheblichen Informationswert“, heißt es in der Karlsruher Entscheidung. Der Leser werde angeregt, „sich mit den konkreten Details des Geschehens zu befassen und dabei genau hinzusehen“.

Die Veröffentlichung belaste die Klägerin zweifellos. Dennoch führe sie sie jedoch nicht zu einer Stigmatisierung, Ausgrenzung oder Prangerwirkung. Nicht Personalisierung stehe im Vordergrund, sondern „das Anliegen, die Bandbreite des Verhaltens verschiedener Personen während der Ausschreitungen und die Schwierigkeiten ihrer Identifizierung zu veranschaulichen“. Die Aufnahmen gehörten zu einem wichtigen Zeitgeschehen, deshalb träten die Persönlichkeitsrechte zurück. Die Bild-Zeitung sieht in einer Stellungnahme die Pressefreiheit gestärkt (BGH, Az. VI ZR 449/19).

Die wohlfeil formulierten Sätze des BGH muss man nicht teilen. Abzuwarten bleibt daher, ob die Klägerin wegen ihrer „zurücktretenden Persönlichkeitsrechte“ Verfassungsbeschwerde beim Bundesverfassungsgericht einlegt. Das könnte passieren und für eine neuerliche Wendung des Falls sogen.


Quelle: LawBlog/Udo Vetter

Curry-Kürbissuppe

14. Oktober 2020

Mal wieder ein flottes Rezept von Felix Olschewski:

Einfach, schnell, lecker und gesund – vier Worte, die selten zusammenpassen. Zwar gibt es reichlich Rezepte, die ohne großen Aufwand den Gaumen erfreuen und den Körper nachhaltig nähren. Doch das Gros der Leckereien ist nicht ganz so simpel oder bedarf einfach etwas mehr Zeit. Diese Curry-Kürbissuppe passt zum Glück in die erste Kategorie: Innerhalb von nur 20 Minuten ist sie fertig. Dabei erlaubt sie reichlich Variationen wie die Beigabe von frischem Ingwer, damit sie lange warm hält.

Im folgenden Video zeige ich sämtliche Arbeitsschritte, das Rezept in Textform folgt darunter.

Rezept für Curry-Kürbissuppe
Die Zutaten sind:

  • 1 Hokkaido-Kürbis (beim Hokkaido-Kübis kann man die Schale mitessen)
  • 250ml Mandeldrink (oder herkömmliche Milch oder Haferdrink)
  • 1 Teelöffel Salz
  • Gewürze: Eine fertige Currymischung* oder eine eigene Mischung aus Kurkuma, Paprika edelsüß, Paprika scharf, Pfeffer, Ingwer, Zimt, Knoblauchgranulat, Zwiebelpulver, Chili, Kreuzkümmel, Fenchel, Kümmel.
  • 1 – 2 Esslöffel Kokosöl oder Butter
  • Optional: Frischer Ingwer

* Für diese Suppe empfehle ich eine eher milde, nicht zu scharfe Currymischung. Zum Beispiel Curry Bengal Sweet von Pikantum (Affiliate Link, siehe unten).

Zubereitung

Den Kürbis halbieren und die Kerne vollständig entfernen. Die Hälften grob in Streifen und dann in Würfel schneiden.

Die Kürbisstücke in einen Topf geben, etwa ein bis zwei Daumen breit Wasser einfüllen, einen Deckel aufsetzen und zum Kochen bringen. Wenn das Wasser kocht, auf mittlere Hitze reduzieren und den Kürbis rund 15 Minuten kochen. Dann mit einer Gabel prüfen, ob die Schale weich ist. Wenn die Schale noch nicht weich ist, noch einige Minuten kochen.

Vom Herd nehmen, das Wasser nicht abgießen. Salz und Mandeldrink oder Milch hinzugeben und gründlich pürieren.

Zwei bis drei Esslöffel der Curymischung hinzugeben. Oder selbst mischen aus ein bis zwei Teelöffeln Kurkuma, je einem Teelöffel Zimt, Paprika, Knoblauchgranulat und Zwiebelpulver, einem Drittel Teelöffel Paprika scharf und Ingwer, einem Hauch Chilipulver sowie je einem Drittel Teelöffel Kreuzkümmel, Fenchel und Kümmel. Die letzteren drei Gewürze würde ich anrösten und dann im Mörser mahlen.**

Kokosöl oder Butter hinzugeben, weiter pürieren oder gut duchrühren. Ist die Suppe zu dick, schmeckt sie nicht. Dann einfach noch etwas Milch, Mandeldrink oder Wasser hinzugeben. Vorsicht: Man kann die Suppe schon essen, doch der Geschmack wird sich in den nächsten Stunden noch verändern, während sie durchzieht. Daher lieber nicht zu scharf würzen und gegebenenfalls später nachwürzen.

Besonders gut schmeckt diese Curry-Kürbissuppe mit frisch geriebenem Ingwer – dann wärmt die den Körper auch nachhaltig. Einfach nach Geschmack fein gerieben hinzugeben.

**
All diese Gewürze gibt es in bester Qualität (und wahlweise auch mit Bio-Siegel) bei Pikantum, einem Gewürzhändler in meiner [emsländischen] Heimat, ein paar Dörfer weiter [in Gersten!](das ist ein Affiliate-Link, denn bei uns helfen Nachbarn Nachbarn).

Herzlicher Dank gilt Jessica Kolinger, Thomas W. und allen anderen Stiftern dieses Beitrags mittels Patreon, PayPal und Überweisung.


Mit dickem Dank an Urgeschmack, das Blog von Felix Olschewski

Johnny

10. Oktober 2020

Recht hat er, der Spreeblick-Johnny. 

auch helfen

9. Oktober 2020

Nebenkläger in einem Strafverfahren wird man normalerweise, wenn man vom mutmaßlichen Täter körperlich verletzt wurde. Normalerweise hat der Nebenkläger also ein Interesse daran, dass der Angeklagte juristisch zur Rechenschaft gezogen wird. Aber es sind auch Konstellationen denkbar, in denen der Nebenkläger eher dem Angeklagten helfen möchte – zum Beispiel nach einer Versöhnung. Ob er dies darf, hat nun der Bundesgerichtshof entschieden.

Nebenkläger in dem Fall waren die Pflegeeltern eines damals 14-Jährigen. Dieser soll versucht haben, die Pflegeeltern im Schlaf zu erstechen. Im Prozess verhielten sich die Pflegeeltern aber anders als vielleicht erwartet. Sie stellten insbesondere Anträge, um die Schuldunfähigkeit ihres Pflegekindes zu belegen. Es ging ihnen also erkennbar um einen Freispruch oder einem mildere Strafe. Das wiederum brachte die Richter am Landgericht Koblenz auf. Sie entzogen den Nebenklägern ihre Rechte.  Das war unzulässig, urteilt der Bundesgerichtshof. In der Strafprozessordnung stehe nirgends, dass Nebenkläger nur sein darf, wer eine Verurteilung des Angeklagten will. Vielmehr sei der Nebenkläger ein eigenständiger Prozessbeteiligter, der insbesondere sein Antragsrecht nach eigenen Vorstellungen und ohne Kontrolle ausüben darf. Das entspreche auch dem ausdrücklichen Willen des Gesetzgebers, der mit mehreren Reformschritten den Opfern von Straftaten mehr Rechte geben wollte.  Der Ausschluss der Nebenkläger war in dem Fall demnach unwirksam. Ihnen muss jetzt erst einmal das Urteil zugestellt werden, dann können sie ggf. noch Rechtsmittel gegen die Entscheidung einlegen. Ihr Pflegesohn war zu einer Jugendstrafe von sechs Jahren verurteilt worden (BGH, Aktz. 3 StR 214/20).


Foto: BGH, CC im Archiv vom 16.11.2017; Text: Udo Vetter, LawBlog)

Sonntagstipps

4. Oktober 2020

Ganz kurz zwei Tipps an diesem schlappen, mistwetterigem Sonntag:

Wer „Rechts.Deutsch.Radikal“, die beeindruckende TV-Dokumentation von Thilo Mischke am vergangenen Montagabend auf ProSieben verpasst hat, kann sie in der Mediathek „nach“-sehen (bitte Zeit einplanen, ca. 2 Stunden). Hier der Link.

https://www.deutschlandfunkkultur.de/pro7-doku-rechts-deutsch-radikal-exotisierung-des.1013.de.html?dram:article_id=484888

Sehenswert ist auch eine ARD-Dokumentation heute, Sonntag, 4. Oktober von 13.15 – 13.00 Uhr,  über die Jüdische Gemeinde Oldenburg:

https://programm.ard.de/TV/daserste/fluechten-oder-standhalten/eid_281063554060686

„Apropos Arte“, schreibt gerade Hal Faber in seiner Kolumne WWWW bei heise.de, und informiert: „Mit das einzig noch wirklich Ansehbare unter den seriellen TV-Sendern. Und gleichzeitig mit einer ausgezeichneten Mediathek für das nicht serielle Gucken gesegnet, ganz zu schweigen vom Bereich „Arte Concert„. Arte wurde am Freitag 30 Jahre alt – ist also einen Tag älter als das wiedervereinigte Deutschland. Dass die Arte-Verträge von Deutschland und Frankreich ausgerechnet am 2. Oktober 1990 unterzeichnet wurden, soll kein Zufall gewesen sein: Man hätte nach der vollzogenen Wiedervereinigung sonst das komplette Vertragswerk neu verhandeln müssen. Was auch angesichts der aus den Verträgen resultierenden byzantinischen Organisations- und Verwaltungsstruktur von Arte niemand wollen konnte. Freuen wir uns also, dass es geklappt hat und immer noch vorzüglich klappt: Auch eine Art gelungener Wiedervereinigung, zumindest kultureller Art.Schon gewusst? Ich nicht.

 

Muss heute sein

30. September 2020

Teure kalte Luft

24. September 2020

Es gibt immer noch gesamtgesellschaftliche Probleme, von denen man bislang gar nichts ahnte. Zum Beispiel die Frage, ob der Grundpreis für verpacktes Speiseeis aus dem Supermarkt nach Volumen oder Gewicht bemessen werden sollte. Die Verbraucherzentrale Hamburg hat nämlich festgestellt, dass viele Hersteller das Eis kräftig mit Luft aufschlagen.

Offiziell geschieht dies, um das Eis cremiger zu machen. Allerdings steht auch der Verdacht im Raum, dass die Hersteller so kalte Luft teuer verkaufen. Der tatsächliche Eisanteil bei einschlägigen Produkten soll bei gleichem Volumen zwischen 477 und 870 Gramm schwanken. Die Idee ist nun, dass die Hersteller den Grundpreis nach dem Gewicht angeben müssen.

Bericht auf Spiegel Online

(Quelle: LawBlog/Udo Vetter)

Es gab war eine künstlerische Überraschung: Einen Emmy für die in Hannover lebende Regisseurin (und Schauspielerin) Maria Schrader. Sie führte Regie in der kleinen Netflix-Serie Unorthodox. Mit der wunderbaren Shira Haas als Esther „Esty“ Shapiro. Hier einige Kostproben:

und mehr

Unorthodox“ handelt von einer jungen Frau, die ihr orthodoxes Leben in New York gegen eine Zukunft in Berlin tauscht; denn sie entflieht ihrer arrangierten Ehe und will sich selbst finden. Als sie die neue Freiheit zu genießen beginnt, holt sie ihr altes Leben und die Vergangenheit ein. Die Serie basiert auf Deborah Feldmans gleichnamigem.  autobiografischem Bestseller (ISBN: 978-3442715343: hier).

aus Hannover

24. August 2020

Moin,
’s ist Montag, und da passt es gut, kurz auf die letzte Woche und Hal Fabers WWWW zurückzublicken:

*** Was ist das für ein Land, in dem die Covidioten ohne Masken demonstrieren und davon fabulieren, am kommenden Wochenende mit Panzern vor dem Bundestag aufzufahren, eine Gedenkdemonstration für die Toten von Hanau am Abend vorher aber abgesagt wird? Das Land ist Deutschland, ein Land, das nur eine Kundgebung mit 249 Personen genehmigt und durchgeführt hat, auf der fünf Redner auftraten. Es ist ein Deutschland, das Demos gegen Rechts verbietet, in dem aber zu Forschungszwecken ein Großkonzert stattfinden kann.

*** Es ist ein Deutschland, dass lieber über den Karneval diskutiert und über mögliche False Positives bei den knappen Laborkapazitäten. Wobei die virologische Wissenschaft den Vorteil hat, die Sache nüchtern zu betrachten, ohne die seltsamen Argumente der Karnevalisten, die 11 Gründe aufzählen, warum man vor dem 11.11. einen Impfstoff braucht. Karneval ist für Menschen aus Hannover schwerer verständlich als Studien über die Verbreitung von Aerosolen in geschlossenen Räumen.

Schöne Woche!


Quelle und mehr: WWWW

Funktioniert das?

22. August 2020

The result is like something out of James Bond, though it wouldn’t be practical in the wild because you’d lose the ability to look at your phone in landscape mode (not to mention if you lost your glasses). 

Oder anders: Funktioniert das?