3. Oktober

3. Oktober 2018

Heute in zwei Wochen wählen die Bayern ihren neuen Landtag. Die AfD word dem neuen Landtag angehören. Auch wenn es genug Vorbehalte gegen rechte und rechtspopulistische Politik gibt.Zum Beispiel von „Künstler mir Herz“. Guck mal:

Man sieht: „Es geht gegen Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit, gegen Hetze und Rechtsruck, und ganz konkret geht es auch gegen die AfD: Unter dem Titel „Künstler mit Herz“ hat sich in München eine Initiative kunst-, kultur- und medienschaffender Menschen gegründet, die im Vorfeld der Bayerischen Landtagswahl am 14. Oktober für eine weltoffene Gesellschaft eintritt.

Neben zahlreichen Prominenten, darunter Schauspielstars wie Michaela May, Hannes Jaenicke, Johanna Bittenbinder, Anna Maria Sturm, Eisi Gulp und Sepp Schauer, haben sich schon weit über 100 Personen der stetig wachsenden Gruppe angeschlossen. Und wie es sich für ein breites Bündnis mit besten Absichten gehört, haben die „Künstler mit Herz“ sogar schon ein eigenen Song produziert.

„Mia Ned!“ heißt der Titel, der inklusive dazugehörigem Videoclip am Donnerstag veröffentlicht wurde. Die Story zum fröhlich schwingenden Ohrwurm liegt auf der Hand: Angeführt vom Münchner Liedermacher Roland Hefter zieht eine immer größer werdende Karawane mit vielen bekannten Gesichtern durch die Bayerische Landeshauptstadt, um am Ende ausgelassen zu tanzen und in den gut gelaunten Chor einzustimmen: „Wer auch bei der AfD mal schnell sei‘ Kreizl macht, der hat, warum auch immer, a bissl wenig nachgedacht. Der soll sich aber bitte ganz genau mal überleg’n: Wui’a in a’m Bayern wie’s die AfD mag, leb’n? – Mia Ned!“

(Quelle: Prisma)

Dream Crazy

9. September 2018

Kontrovers diskutiert dieser Tage die halbe USA über Nike: Grund ist eine Werbeanzeige, mit der sich der weltweit größte Sportartikler hinter den US-amerikanischen Football-Profi Colin Kaepernick stellt, der vor zwei Jahren die umstrittene Protestwelle „Take A Knee“ gegen Polizeigewalt und Rassen-Ungleichheiten startete – und seither keinen Verein mehr findet.

Manche US-Amerikaner verbrennen jetzt ihre Nike-Schuhe und posten Videos davon im Internet. Der Grund: In seiner neuen Werbekampagne wirbt der Sportartikelhersteller mit eben diesem Footballspieler Colin Kaepernick. Der Ex-Quarterback der San Francisco 49ers drückte 2016 beim obligatorischen Abspielen der Nationalhymne durch Hinknien seinen Protest gegen Rassismus in den USA aus.

Der Text zum Bild Kaepernicks in der Nike-Kampagne lautet: „Glaube an etwas. Auch wenn du alles dafür opfern musst.“ Dass Nike für die Aktion irgendetwas opfern muss, steht  nicht zu befürchten, mögen noch so viele wütende Bürger aus Protest ihre Nike-Schuhe öffentlichkeitswirksam verbrennen.

Trotz sinkender Aktienkurse, verbrannter Schuhe und der massiven Kritik von Donald Trump gibt Nike eben nicht klein bei. Im Gegenteil: Die Marke heizt die Debatte mit ihrem fulminanten Werbefilm weiter an – und beweist so Haltung in politisch und gesellschaftlich turbulenten Zeiten. Guck mal:

(Quellen Horizont, DeutschlandfunkKultur)

Zeitgeist

25. August 2018

GERMAN WORDS WITHOUT ENGLISH EQUIVALENT

Engelsgeduld: (lit.: angel’s patience) great amount of patience

Feierabend: (lit.: party-evening) the rest of the day that remains after work

Fernweh: the desire/longing to travel to faraway places/ foreign countries

Fingerspitzengefühl: (lit.: fingertips-feeling) good skill in handling things/ sensitivity and empathy

Fremdschämen: (lit.: foreign shame) shame that arises from the compassion with someone who made a fool of himself

Geborgenheit: more than safety, protection and invulnerability, it symbolises peace, warmth and calm you feel especially when you’re with the people you’re close to (e.g. family, friends)

Gemütlichkeit: feeling of comfort

Habseligkeiten: valuable and personally important possessions

Innerer Schweinehund: (lit.: inner pig-dog = weaker self) the part of a person that they have to overcome to be productive

Kitsch: objects with superficial beauty that are actually useless but are appreciated nonetheless

Konfliktfähigkeit: (lit.: conflict ability/skill) ability to deal with conflict / ability to constructively solve interpersonal conflicts

Kummerspeck: (lit.: grief/sorrow bacon (fat)) gained weight from emotional overeating (especially after a breakup)

Lebenslüge: (lit.: life’s lie) a lie that you tell yourself to make life more bearable

Mitdenken: (lit.: with-thinking) ability to think for yourself and do more than what you were demanded to do / trying to find a conceptional solution to a problem together with other people

Sehnsucht: intense inner longing for somebody, something or a place

Schnapsidee: (lit.: schnapps idea) a ridiculous and crazy plan/idea you have while you are drunk or an idea that is so stupid that people think you had it while being drunk

Sprachgefühl: (lit.: language feeling) feeling/sense of language, instinctive feel for a certain language / intuitive feeling of what is linguistically appropriate

Stehaufmännchen: (lit.: little stand up man) someone who doesn’t give up and begins anew

Torschlusspanik: (lit.: gate-closing-panic) the fear of missing something important / not being able to do some things (because you’re too old)

Verschlimmbessern: (lit.: verschlimmern=exasperate, verbessern=improve) improve something for the worse / make something worse but with having had the intention of improving it

Vorführeffekt: (lit.: demo effect) the effect that something you’re actually able to do doesn’t work when you want to demonstrate it to other people

Waldeinsamkeit: (lit.: forest loneliness/solitude) the seclusion/solitude of the forest

Warmduscher: (lit.: warm showerer/ somebody who showers with warm water) a wimp / a person that doesn’t like to leave their comfort zone

Weltschmerz: (lit.: world pain (world weariness)) gratuitous melancholia / kind of feeling experienced by someone who believes that physical reality can never satisfy the demands of the mind / the feeling of anxiety caused by the ills of the world

Zeitgeist: (lit.: time-spirit, spirit of the time ) the dominant set of ideals and beliefs that motivate the actions of the members of a society in a particular period in time

Deutschland in a nutshell

22. August 2018

Christian Conradi schrieb am Sonntag über eine Situation, die er am Samstag erlebt hatte, und die Kontrolleure im ÖPNV auch mal nicht wie Arschlöscher dastehen lässt. Momente, von denen es viel zu wenige gibt, wie jeder überzeugter ÖPNV-Nutzer oft selbst erfährt.

Ich habe gelächelt, als ich dies Sontagmorgen las. „Cooles Ding“, dachte ich mir so. „Bisschen Menschlichkeit steht uns allen ja ganz gut zu Gesicht und macht uns alle gleich ein kleines bisschen sympathischer. Mehr davon.“, dachte ich. „Kann ja keiner was gegen haben.“

Aber dann schlug die deutsche Missgunst zu und fand das alles gar nicht mal so nett. Deutschland in a nutshell:







Cristian Conradi ist inzwischen reichlich angenervt. Und ich denke spontan an die Lingener Facebook-Diskussionsgruppen wie Brennpunkt und Brennpunkt 2.0. Die schaffen es auch- locker. Oder wie Cristian Conradi twitterte: Deutschland in a Nutshell.

mit Material von und danke an Das Kraftfuttermischwerk

This visualization attempts to capture the mood of Claude Debussy’s best-known composition, Clair de Lune (moonlight in French). The piece was published in 1905 as the third of four movements in the composer’s Suite Bergamasque, and unlike the other parts of this work, Clair is quiet, contemplative, and slightly melancholy, evoking the feeling of a solitary walk through a moonlit garden.

The visuals were composed like a nature documentary, with clean cuts and a mostly stationary virtual camera. The viewer follows the Sun throughout a lunar day, seeing sunrises and then sunsets over prominent features on the Moon. The sprawling ray system surrounding Copernicus crater, for example, is revealed beneath receding shadows at sunrise and later slips back into darkness as night encroaches.

The visualization was created to accompany a performance of Clair de Lune by the National Symphony Orchestra Pops, led by conductor Emil de Cou, at the Kennedy Center for the Performing Arts in Washington, DC, on June 1 and 2, 2018, as part of a celebration of NASA’s 60th anniversary.

The visualization uses a digital 3D model of the Moon built from Lunar Reconnaissance Orbiter global elevation maps and image mosaics. The lighting is derived from actual Sun angles during lunar days in 2018.

This video is public domain and along with other supporting visualizations can be downloaded from the Scientific Visualization Studio at: https://svs.gsfc.nasa.gov/cgi-bin/det

[Danke an Das Kraftfutterischwerk für die Idee… ]

„Dass zwei alte Männer nachts das Wacken-Festival in Schleswig-Holstein besucht haben, ist am Wochenende vielen Medien eine Meldung wert gewesen. Mit welchem Recht die Polizei die Beiden aber zurück in ihr Altenheim eskortierte, wurde nicht hinterfragt. Die Entmündigung scheint selbstverständlich, medial herrschte Einvernehmen. Korrigiert wurde dieser Eindruck in einem seltenen Anfall von Vernunft in den Online-Kommentarspalten.

„Die verrückte Irrfahrt der Heavy-Metal-Rentner“ titelte etwa Spiegel Online: „Offenbar verwirrt“, seien die „betagten Herren“ gewesen und aus ihrem Altersheim „ausgebüxt“, heißt es in der Unterzeile. Die Sprache signalisiert: Hier darf sich amüsiert werden, nicht mit, sondern über die Irren, die man nicht ernst nehmen muss. Denn „ausgebüxt“ seien sie und das ist ein Wort, mit dem man zuletzt das Schwein beschrieb, das im Hamburger Elbtunnel aus einem Schlachttransporter floh.

Andere Medien machten es ähnlich: „Wacken: Polizei bringt Metal-Fans zurück ins Altenheim“, formulierte die HAZ. „Sie wollten nach Wacken: Senioren hauen aus Heim ab“, lockte uns die Bild-Zeitung. „Gegen drei Uhr kümmerte sich eine Streife um zwei betagtere Herren, die an dem Metal-Festival offenbar Gefallen gefunden und sich aus einem Dithmarscher Altenheim auf den Weg gemacht hatten“, hieß es in dem Polizeibericht. „Natürlich vermisste man sie in ihrem Zuhause und organisierte rasch einen Rücktransport, nachdem die Polizei die Senioren aufgegriffen hatte“, schrieb die Polizei weiter. „Die Männer machten sich allerdings nur widerwillig auf den Heimweg, so dass ein Streifenwagen das beauftragte Taxi vorsorglich begleitete“.

Das Kuriosum, dass ältere Herren ein Festival für vermeintlich „junges“ Publikum besuchen, war vielen Zeitungen mindestens eine Meldung wert. Hinterfragt, ob die Senioren, die anscheinend immerhin „widerwillig“ waren, eigentlich von der Polizei zur Rückfahrt gezwungen wurden – und wenn, mit welchem Recht – haben die wenigsten. Der NDR immerhin zitierte eine Polizeisprecherin: Die Beiden hätten „desorientiert und apathisch“ gewirkt.

Eine echte Erklärung ist das nicht. Denn „desorientiert und apathisch“ ist ein Zustand, der sich von dem anderer Wacken-Besucher wohl kaum unterschied, die vielleicht delirant in ihren Zelten vegetierten, vielleicht im Dreck lagen und drohten, an ihrem Erbrochenen zu ersticken. Oder was man sonst eben so auf Festivals treibt.

Die Rentner aber waren angeblich zu verwirrt für Wacken und wurden vermisst. Doch muss man sie dafür wie kleine Kinder behandeln? Das fragten auch viele LeserInnen in den Kommentarspalten, denen das Problem auffiel, das sich bei den wenigen Informationen ergab, die berichtet wurden.

„Von alten Menschen wird erwartet, dass man sie bevormundet. Das ist völlig falsch.“
„Wieso darf ein Bewohner eines Altenheim nicht dort hingehen, wo es ihm gefällt?“, fragte ein HAZ-Leser. „Ein Pflegeheim ist keine JVA“, bemerkte ein Leser bei Spiegel Online. „Wer bestimmt, ob alte Menschen kein Heavy Metal Konzert besuchen dürfen?“, fragte eine Frau auf NDR.de.
Für den Juristen…“

[weiter bei der taz]


Ein Bericht aus der gestrigen taz. Man kann die – meist alternative – taz kaufen oder auch online bestellen. Mehr…

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update:
Nach mancherlei, auch von der taz aufgegriffenen Diskussionen fährt die Polizei nun auch medial hinterher. Bei derartigen Dementis bleibe ich erst einmal skeptisch.

geringfügig

31. Juli 2018

Eine Klage gegen Toilettennutzungsgebühren entlang deutscher Autobahnen ist erfolglos geblieben. Das Oberverwaltungsgericht
Rheinland-Pfalz in Koblenz bestätigt eine Entscheidung erster Instanz, wonach es keinen Anspruch darauf gibt, dass Raststätten-WCs gratis zu nutzen sind.

Einzelheiten kann man hier nachlesen. Das Oberverwaltungsgericht argumentiert aus meiner Sicht reichlich von oben herab, wenn es die WC-Gebühren an Sanifair-Anlagen, um die es in dem Prozess ging, als „geringfügig“ einstuft. Das könnte man nach meiner Meinung nur sagen, wenn es tatsächlich bei einer Nutzungsgebühr von 20 Cent verbliebe.

Tatsächlich zahlt jeder WC-Nutzer aber 70 Cent, was sich bei einer Familie mit mehreren Kindern schon zu einem stattlichen Betrag addiert. Kein Trost ist der Umstand, dass 50 Cent als Einkaufsbon erstattet werden. Diese 50 Cent sind schon deswegen nur die Hälfte wert, weil die Raststätten für Mitnahmeprodukte wie Süßigkeiten und Getränke unverschämte Preise nehmen. Und dann ein Produkt zu finden, dessen Preis sich mit dem Gutscheinwert deckt, dürfte auch reichlich schwierig sein. Folge: Die Reisenden zahlen im Zweifel also noch mal drauf, wenn sie nicht auf dem Bon sitzenbleiben wollen.

Klar, einen Richter fechten 70 Cent nicht an. Aber man sollte nicht leichtfertig von sich auf andere schließen. Leider klingt das aus dieser Entscheidung genau so heraus.

(OVG Koblenz , Beschl. v. 24.07.2018 – 1 A 10022/18.OVG)

Quelle: LawBlog

Persönlicher Nachtrag.
Der geringfügige Umweg von reisenden Familien mit Kindern von den Autobahnen um den Gerichtsort, um im OVG Koblenz ohne Kosten von 7ß Cent pro Person ein WC zu benutzen, scheint mir keine wirkliche Alternative zu sein. Es sind mindestens 11,5km zum Gericht und dann muss man noch aus der 300m entfernten, zu bezahlenden Schlossgarage 5 Minuten zu Fuß gehen. Aber vielleicht sollte man es trotzdem einfach machen. Öfter. Aus Gruenden.

Persönlicher Nachtrag 2:
Die Linke hat im letzten Bundestag einen -vergeblichen- Versuch unternommen, die Geldschneiderei mit dem persönlichen Bedürfnis zu beenden. Sie war nicht erfolgtreich.

Empfang

29. Juli 2018

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und Staatsminister Georg Eisenreich haben für eine Veranstaltung an der Münchener HFF Hochschule für Fernsehen und Film München vorbeigeschaut, um einen Vortrag zu halten. Anstelle von applaudierenden Studenten wurden die Herren allerdings von nassen Studierenden in Rettungswesten und Wärmedecken empfangen, die regungslos im Foyer des Audimax lagen.

Die Prostierenden waren alles Studenten der HFF München, die sich kurzfristig zusammen gefunden und protestiert haben, um eine Zeichen gegen die Politik und der CSU zu setzen. Der Fotograf Michael Trammer hat den kreativen und friedlichen Protest an der Uni in München mit der Kamera begleitet. Die Bilder die dabei entstanden sind, sagen mehr als tausend Worte beschreiben könnten.

mehr Bilder und ein Video bei urbanshit

Wer erinnert sich noch an die Deichkönigin? Jetzt gibt es dies, also…, was soll ich sagen? Deutscher wird es heute nicht mehr…

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symbolvideo deutsches pflichtgefühl

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