nach Westen

20. Januar 2020

Niederlande.Net schreibt aktuell über die beste Küche im Nachbarland, während zugleich in Weser-Ems die Spitzenküche Pause mach, also der Blick nach Westen geht:

Am Montag dieser Woche wurde „im DeLaMar Theater in Amsterdam der neue Guide Michelin 2020 herausgegeben, in dem alle niederländischen Sternerestaurants präsentiert werden. In diesem Jahr haben es acht neue Restaurants auf diese Liste geschafft. Im Gegensatz dazu haben sieben Restaurants ihren Stern verloren. Zwei dieser Restaurants haben inzwischen geschlossen.

Ok, auf besonderen Wunsch hier die Spitzenrestaurants in den benachbarten Niederlanden. Die Restaurants Eden (Valkenswaard), Marrees (Weert), Versaen (Ravenstein), Beluga Loves You (Maastricht), Rantrée (Maastricht), Noble Kitchen (Cromvoirt), Zout en Citroen (Oosterhout) und Graphite by Peter Gast (Amsterdam) sind diejenigen, die heute in Amsterdam zum ersten Mal einen der begehrten Sterne empfangen durften. Mit diesen neu ausgezeichneten Restaurants verfügen die Niederlande nun über insgesamt 111 Sternerestaurants.

Darunter haben nur zwei Restaurants, nämlich das Restaurant De Librije in Zwolle und Inter Scaldes in Kruiningen, mit insgesamt drei Sternen die höchste Auszeichnung erreicht. Sie zeichnen sich laut Michelin durch „ihre äußerst persönliche Küche“ und „das großartige Erlebnis, das sie mit ihren Gerichten bieten können“ aus und gehören „noch immer zu den Top-Restaurants der weltweiten Gastronomie“. Unter den 2-Sterne-Restaurants gibt es keine Veränderungen.

Die Urteile über die jeweilige Qualität der Küche wird von anonymen Inspektoren gefällt, die das ganze Jahr über hunderte von Restaurants besuchen. Dabei kommt es ihnen allein auf die Qualität des Essens, also auf den Geschmack und die Zubereitung, an. Die Einrichtung oder auch der Service spielen in diesem Fall keine Rolle. Hierfür bekommen die verschiedenen Restaurants eine bestimmte Anzahl an „Besteck-Sets“ zugewiesen, die einen Aufschluss über den Komfort des Restaurants geben soll.

Die vergebenen Michelin-Sterne wollen Aufschluss über die Qualität der Küche geben. Ein Stern bedeutet in diesem Zusammenhang, dass das jeweilige Restaurant in seiner eigenen Kategorie über eine sehr gute Küche verfügt. Zwei Sterne erhalten die Restaurants mit raffinierter Küche, die laut Michelin einen Umweg wert sind. Die höchste Auszeichnung, die nur an Restaurants mit ausgezeichneter Küche geht, gibt potentiellen Kunden einen Hinweis darauf, dass dieses Restaurant sogar eine Reise wert sei.

Der erste niederländische Guide Michelin 2020 wurde von der Frau und der Tochter des Spitzenkochs Lucas Rive entgegengenommen, der Ende 2019 nach kurzer Krankheit verstarb. Rive hatte seine Auszeichnung zum 2-Sterne-Koch mit nur 27 Jahren erhalten und war damit zum jüngsten 2-Sterne-Koch der Niederlande. Rund 26 Jahre lang arbeitete er als Chefkoch im Restaurant De Bokkedoorns in Overveen, das unter seiner Führung 22 Jahre lang über zwei Michelin-Sterne verfügte.

Neben den Michelin-Sternen wurden heute noch drei weitere Preise vergeben. Der 23-jährige Cas Pikaar vom Restaurant Doyy in Eindhoven erhielt den Young Chef Award. Der Service Award ging an Peter Bruins vomRestaurant De Bokkedoorns und Koen van der Plas vom Schloss Heemstede in Houten wurde zum besten Sommelier des Landes gekürt.“

Direkt nebenan haben das Restaurant De Bloemenbeek in De Lutte in der Grenzgemeinde Losser (Adresse: Beuningerstraat 6, 7587 De Lutte) und das Restaurant t Lansink in Hengelo (Adresse: C.T. Storkstraat 18, 7553 AR Hengelo) jeweils wieder einen M-Stern erhalten.

Nachtrag: Der „deutsche“ Michelin-Restaurantführer  bleibt seinem neu gewählten Termin treu und erscheint auch 2929 wieder im März. Die umfassend aktualisierte Neuauflage empfiehlt Restaurant- und Hoteladressen in allen Preisklassen. Die Listen mit den Sterne-Restaurants werden am 3. März in Hamburg verkündet. Spitzenrestaurants darf man nach dem Aus von Keilings (Bad Bentheim), Perior (Leer),  der „Westfälischen Stube“ in Hörstel-Surenburg und des „La Vie“ in Osnabrück im deutschen Nordwesten nicht erwarten. Zeitgleich erscheint übrigens  der Guide Michelin „Bib Gourmand Deutschland“ und stellt alle Restaurants vor, die sorgfältig zubereitete Speisen zu einem besonders guten Preis-Leistungs-Verhältnis anbieten, sozusagen die 2. Profiliga der Top-Restaurants. Dazu könnte an Ems und Vechte allenfalls der Gasthof Backers in Twist zählen…

ESNS ist immer im Januar

17. Januar 2020

ESNS (Eurosonic Norderslag)
Groningen – Innenstadt
Do 16.01 – Sa 18.01.2020

Mit dem Eurosonic Noorderslag Festival (ESNS) ist auch 2020 der wohl wichtigste  Umschlagplatz für neue europäische Musik im niederländischen Groningen.  Jahr im Januar wird Groningen damit für ein paar Tage zur musikalischen Hauptstadt Europas. Das ESNS besteht aus zwei Teilen:

D. Eurosonic läuft vom Mittwoch bis Freitag. Überall in der Innenstadt spielen Bands aus ganz Europa in den verschiedensten Venues und auf dem Grote Markt gibt es Eurosonic Air. Noorderslag ist am Samstag in De Oosterpoort und dort spielen dann nur niederländische Bands.

Außerdem findet eine Conference zum Netzwerken für Music Professionals in De Oosterpoort statt – mit Workshops, Keynotes und Präsentationen. ESNS ist so zu einer networking platform für europäische Musik geworden:

„Eurosonic Noorderslag is the key exchange and networking platform for European music, with a proven track record for helping new acts break into the international music scene.“

in diesem Jahr liegt der Fokus des Festivals übrigens auf der Schweiz. Die Tickets und das Programm finden sich hier. Der WDR widmet dem Musikfest mit 350 Künstlerinnen und Künstlern am 9. und 16. März zwei Rockpalast-Sendungen.

Social Media: Hashtag für die gesamte Veranstaltung ist #ESNS (Twitter | Instagram).

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Das Foto ist von Douwe Dijkstra [CC BY-SA 3.0] und auf Wikimedia Commons zu finden.

endlich eine Position

14. Januar 2020

Am vergangenen Samstag fand das 7. Benefiz-Konzert der regionalen Musikbands in der Emslandarena statt. Es war ein wirklich grandioser Musikabend mit  Acoustic Steel, Hörbar, Revoice, Dirty Fingers und NOBC. Veranstalter war zum siebten Mal der Round Table, einer parteipolitisch und konfessionell neutralen Vereinigung junger Männer im Alter von 18 bis 40 Jahren, wie  wikipedia erklärt. 2018 waren rund 60.000 Euro beim 6. Benefizkonzert zugunsten des Meppener und Lingener Kinderschutzbundes zustande gekommen. Dieses Ergebnis dürfte 2020 getoppt werden. Also darf man durchaus kritisch auf den Empfänger des ganzen Geldes schauen:

Vor einigen Tagen beklagte nämlich Stefan Ulrich in der ‚Süddeutsche(n) Zeitung‘ das Schicksal der geschundenen Kinder in den Flüchtlingslagern Griechenlands und in Idlib. Er beklagte, dass es das „Schweigen (ist), dass zivilisatorische Fortschritte zunichte macht.“

Mir fiel zum Kommentar von Stefan Ulrich auf, wie viele auch in unserer Stadt schweigen – trotz der Grausamkeiten, die den Kindern in den EU-Flüchtlingslagern der Ägäis wie in Syrien angetan werden. Es schweigen leider auch die, die den Kinderschutz auf ihre Fahnen geschrieben haben. Der SZ-Zeitungsmann steht mit seiner Argumentation auf Seiten derer, die sagen, dass niemand sich hinter dem anderen verstecken darf, wenn er erst einmal begriffen hat, was da in Syrien und nebenan passiert (ist) – auch nicht, wenn die Katastrophe nicht in Lingen (Ems). Stefan Ulrich fordert deshalb jede Stimme, auch die eines einzelnen, auch die einer einzelnen Gruppe – selbst wenn sie denn die erste wäre in einem hoffentlich immer mächtiger werdenden Chor.

Warum also schweigt der Deutsche Kinderschutzbund zum brutalen Schicksal der Kinder in Syrien und in den Lagern in Griechenland? Und muss etwa der Kinderschutzbund ebenso zur Jagd getragen werden wie der Lingener Stadtrat, als es um  den „Sicheren Hafen“ der „Aktion Seebrücke“ ging? Ohnehin: Geht es bei all dem nicht auch stets um den Anspruch der Glaubwürdigkeit der eigenen Kinderschutz-Arbeit und um deren Wahrung, vielleicht ja auch um deren Bewährung?

Deutlich gesagt: Das Schicksal der Kinder und Jugendlichen in den schrecklichen Flüchtlingslagern der griechischen Ägäis-Inseln und im noch schrecklicheren Bombenhagel in Syrien muss doch alle Kinderschützer berühren! Daher wünsche ich mir bei all dem wunderbaren Benefiz doch und endlich eine klare Position der Kinderschutzbünde in Lingen und Meppen zu den geschundenen Kindern und ihre solidarisch-helfende Hand. Ich wünsche mir also einen Aufschrei und den konsequenten Einsatz für die gequälten Kinder des Nahen Ostens , wenn die starke regionale Musikszene benefizmäßig dem Lingener wie dem Meppener Kinderschutzbund zehntausende Euro „einspielt“. Ich wünsche mir die klare Antwort der lokalen Kinderschützer im Emsland auf die Frage: Wann und wie unterstützt ihr die Forderungen des Nieders. Innenministers Boris Pistorius (SPD) und des Vorsitzenden von Bündnis’90/Die Grünen Robert Kinder, Flüchtlinge, minderjährigen Flüchtlingen Zuflucht und menschenwürdige Rettung zu geben?

ps. Die weitere, auch nötige Kritik, dass der lokale Kinderschutzbund an familiären Krisentagen in unserer Stadt wie bspw. vom vergangenen 24.12. bis 3. Januar nicht erreichbar war, schenk ich mir…

 

Deutsch

11. Januar 2020

Gibt’s bei Facebook niemanden, der deutsche Gerichtsentscheidungen lesen und verstehen kann? Genau dies hatte das Unternehmen an seinem Sitz in Irland behauptet – und die Zustellung einer einstweiligen Verfügung des Landgerichts Düsseldorf abgelehnt.

Innerhalb der EU können Empfänger gerichtlicher Schriftstücke die Zustellung verweigern, wenn sie das Schriftstück nicht verstehen und wenn es nicht in der Amtssprache abgefasst ist, die am Zustellungsort gilt. Facebook hatte sich wohl auf den Standpunkt gestellt, die Mitglieder der Geschäftsführung verstünden kein Deutsch, deshalb habe das Unternehmen Anspruch auf eine Übersetzung.

Das Oberlandesgericht Düsseldorf sieht dies anders. Es komme darauf an, ob das Unternehmen insgesamt so organisiert ist, dass ausreichende Sprachkenntnnisse bei Mitarbeitern vorhanden sind, insbesondere in der Rechtsabteilung. Das sei bei Facebook aber doch sehr offensichtlich der Fall. Die Richter verweisen darauf, dass die komplette Webseite auf deutsch zur Verfügung steht, ebenso die Allgemeinen Geschäftsbedingungen und viele weitere Dokumente.

Facebook darf sich also nicht dumm stellen (Aktenzeichen I-7 W 66/19).

Quelle: Lawblog

Englisch

10. Januar 2020

Vor allem bei Deutschen sind niederländische Universitäten dafür bekannt, das an ihnen auch auf Englisch studiert werden kann. Manche ausländische Studenten sprechen sogar kein einziges Wort Niederländisch. Das wurde in der Vergangenheit des Öfteren kritisiert. Nun trifft die Universität Twente im benachbarten Enschede die Entscheidung, Englisch zur offiziellen Unterrichts- und Verwaltungssprache der gesamten Universität zu erklären.

Die Umstellung auf Englisch als alleinige Unterrichtssprache wird vor allem als Überlebensstrategie der Universität Twente gedeutet. Laut der niederländischen Tageszeitung Trouw war die Zahl der Studierenden, deren Muttersprache Niederländisch ist, bereits seit längeren rückläufig. Daher sollen durch die neue Maßnahme mehr ausländische Studierende angelockt werden. Laut Direktor Victor van der Chijs passe diese Umstrukturierung auch gut in das Profil einer technisch orientierten Universität. Bereits jetzt sind rund 30 Prozent mehr ausländische Studierende an der Uni Twente eingeschrieben, als an anderen niederländischen Universitäten. Auch fast die Hälfte des Personals, sprich der Dozenten, sei mit einer anderen Muttersprache als Niederländisch aufgewachsen.

Laut der Tageszeitung de Volkskrant sei die Veränderung, die ab dem 01. Januar dieses Jahr in Kraft getreten ist, primär in der Verwaltung der Universität spürbar. Alle Sitzungen oder Besprechungen müssen fortan auf Englisch geführt werden. Van der Chijs betont außerdem, dass die Entscheidungsgewalt über die Unterrichtssprache de facto noch immer bei den einzelnen Studienfächern selbst liege. Werden Studierende speziell für die Arbeit auf dem niederländischen Arbeitsmarkt ausgebildet, dann könne der Unterricht weiterhin auf Niederländisch stattfinden. Das würde bedeuten, dass diese Umstellung vor allem Symbolcharakter habe.

Trotzdem wird die Uni Twente für diesen Schritt kritisiert. Dick Meijer, Mathematikdozent der Uni Twente, habe die Erfahrung gemacht, dass in englischsprachigen Seminaren und Vorlesungen nicht dasselbe Niveau erreicht wird, als in niederländischsprachigen. Nicht alle Studierende und Dozenten beherrschen das Englische laut Meijer gleich gut, weshalb sich manche Studierende gehemmt fühlen, aktiv am Unterricht teilzunehmen.

Die Internationalisierung niederländischer Universitäten – bei der die Umstellung der Unterrichtssprache einen wichtigen Schritt darstellt – ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits werden Universitäten dadurch inklusiver, können sich vergrößern und kreieren eine internationale Atmosphäre. Gleichzeitig kommen viele Studierende oder Promovierende lediglich für ihren Abschluss in die Niederlande und verlassen sie daraufhin direkt wieder. Ihre Ausbildung kostet den niederländischen Staat Geld, das er nicht wiedersieht, da diese Personen nicht in den Niederlanden arbeiten.

Eigentlich sollte das Niederländische durch das Wet taal en toegankelijkheid (auf Deutsch „Gesetz für Sprache und Zugänglichkeit“) eine stärkere Rolle an Universitäten bekommen. Das die Universität Twente daher auch kritisiert wird, sollte vor diesem Hintergrund eigentlich keine Überraschung sein. Laut Van der Chijs sei diese Entscheidung allerdings bereits vor fünf Jahren getroffen worden. Sie ist jetzt mit dem Jahreswechsel 2019/2020 in Kraft getreten.


Quelle Niederlande.Net / Foto: Galaufs CC Naamsvermelding-GelijkDelen 4.0 Internationaal

inability to negotiate

4. Januar 2020

Dieser unberechenbare Präsident hat alles vorher gesagt, als er noch nicht Präsident war:

nie dagewesenes Ausmaß

4. Januar 2020

Die NGO-Organisation SOS-Kinderdörfer haben vor den Folgen der Klimakrise  für Kinder gewarnt. Der Klimawandel wird nach ihren Angaben in den nächsten Jahrzehnten das Leben von Millionen von Kindern in Afrika bedrohen – obwohl der Kontinent lediglich vier Prozent der weltweiten Emission verursacht. Extremwetterphänomene wie Überschwemmungen, Stürme oder Trockenheit hätten ein nie dagewesenes Ausmaß erreicht.

Seit 1970 sei Afrika von über 2000 Naturkatastrophen heimgesucht worden, der Klimawandel habe entscheidenden Anteil daran. „Wir haben so etwas noch nie erlebt!“, sagt Ayele Sebaro, SOS-Nothilfekoordinator aus Äthiopien. Allein sieben der zehn am meisten bedrohten Länder lägen in Afrika.

Massiv verstärkt werde der negative Effekt des Klimawandels durch das hohe Bevölkerungswachstum: Nach Prognosen verdopple sich die Einwohnerzahl Afrikas bis zum Jahr 2050. „Wenn sich die Situation so zuspitzt, wie es momentan aussieht, verlieren unzählige Kinder und Familien nicht nur ihre Lebensgrundlage: Sie verlieren ihr Leben“, sagt Liberal Seburikoko, Leiter der SOD-Kinderdörfer-Hilfsorganisation in Ruanda.

Was auf die Menschen in Afrika zukommt:

  • Der Zugang zu Wasser wird immer knapper. Nach Angaben der Vereinten Nationen wird dies in Afrika die Hauptursache für Konflikte und Kriege in den nächsten 25 Jahren werden.
  • Krankheiten wie Malaria, die besonders für Kinder gefährlich sind, werden sich weiter ausbreiten. Man rechnet damit, dass die Malaria-Mücke in Zukunft auch in Höhen von über 2000 Metern überlebensfähig sein wird.
  • Durch die zunehmenden Überschwemmungen wird es außerdem vermehrt zu Cholera und lebensbedrohlichen Durchfallerkrankungen kommen.  „Cholera kann Kinder innerhalb weniger Stunden töten“, sagt Simiao Mahumana, Leiter der Hilfsorganisation in Mosambik, der mit seinem Team im März 2019 intensiv Nothilfe geleistet hat, nachdem der Zyklon Idai das Land verwüstet hatte. Dabei starben 783 Menschen und mindestens 600.000 verloren ihr Zuhause.
  • Am meisten vom Klimawandel bedroht sind aufgrund ihrer hohen Abhängigkeit von wasserintensiver Landwirtschaft und der großen Armut die Länder südlich der Sahara. In Sambia, Simbabwe und Angola rechnen die SOS-Kinderdörfer mit den höchsten Ernteausfällen. Im schlimmsten Fall könnten die Einnahmen bis 2100 um 90 Prozent zurückgehen. Hoch bedrohlich ist die Situation schon jetzt: In Simbabwe leiden aktuell 3,5 Millionen Menschen aufgrund von Ernteausfällen in Folge von Dürre an Lebensmittelknappheit, darunter 1,4 Millionen Jungen undMädchen. „Ohne intensive humanitäre Unterstützung sind vor allem die Kinder vom Hungertod bedroht“, sagt Addmore Makunura, Leiter der Organisation in Simbabwe. Laut den SOS-Kinderdörfern ist zu befürchten, dass ganz Afrika, wenn die Klimaerwärmung fortschreitet, den Getreideanbau einstellen muss.
  • In Äthiopien ist der Kaffeeanbau bedroht, der das wirtschaftliche Rückgrat des Landes bildet. Bis zum Jahr 2100 könnten 60 Prozent der Anbaugebiete durch die Klimaveränderung wegfallen – mit Auswirkungen für 15 Millionen Landwirte.
  • Auch zahlreiche Küstenstädte werden durch den ansteigenden Meeresspiegel verschwinden. So könnten laut den SOS-Kinderdörfern große Teile der Stadt Lagos in Nigeria bis 2050 im Meer versinken. Hier leben 24 Millionen Einwohner.

Liberal Seburikoko, Leiter SOS Ruanda, sagt: „Wenn man mit eigenen Augen sieht, welche Auswirkungen der Klimawandel hat, ist es wirklich furchterregend, dass das weltweite Interesse so gering ist, hier mit allen Maßnahmen gegenzusteuern.“


Quelle PM SOS-Kinderdörfer, UN, Weltklimarat IPCC, WHO

türkische Gefängnisse

3. Januar 2020

Die erste Fidelio-Inszenierung des Kalenderjahres 2020 wird gerade durch ihr Erscheinen in der Geburtsstadt des Komponisten Ludwig van Beethoven mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt werden. Die Arbeitsweise des Regisseurs Volker Lösch, der stets mit Ortsansässigen seine Projekte entwickelt und vorhandene Stücke vorantreibt, wird diesem Fidelio auch in die Stadt Bonn hinein ein besonderes Maß an bürgerschaftlicher Mitwirkung sichern. Dabei ist nicht lediglich der singuläre Moment des einzelnen Premierenabends, sondern jede einzelne Vorstellung als Teil eines solchen Projektgedankens zu definieren. Der Regisseur Volker Lösch hat sein Credo folgendermaßen formuliert: „Kunst ohne Anbindung an das Draußen, an die Zeit, in der ich lebe, finde ich sinnlos.“

Damit löst sich ein Werk wie Fidelio mit seinem großen humanistischen Anspruch aus der vermeintlichen Historizität und wird Bestandteil der Gegenwart des Jahres 2020. Wie in seinen Schauspielproduktionen – etwa am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg oder am Sächsischen Staatsschauspiel in Dresden – wird Lösch mit der Einbeziehung von Bürgerchören die Gegenwart in das vermeintlich historische Geschehen integrieren. Der Bonner Fidelio 2020 wird zu einem singulären Ereignis von beträchtlicher Leuchtkraft bereits zu Beginn des Jahres!

Ursula Hartlapp-Lindemeyer ist von der Inszenierung beeindruckt. Sie schreibt auf ruhrbarone: „Die Inszenierung der einzigen Oper Beethovens von Volker Lösch in Bonn stellt sich bewusst dem Anspruch, die Wirklichkeit abzubilden und mit Mitteln des Theaters in Kombination mit Video-Technik das Publikum aufzurütteln und zum Handeln zu motivieren.

Dirk Kaftan und das Beethoven-Orchester, der Chor und die Solisten bringen die gesamte Musik der Oper Fidelio zum Erklingen, aber die Dialoge sind durch Interviews mit echten Zeitzeugen ersetzt, die von eigenen Erlebnissen als politische Gefangene in türkischen Gefängnissen berichten und sich für die Freilassung von in der Türkei inhaftierten Angehörigen einsetzen.

Diese Inszenierung polarisiert. Einige Besucher wollen sich auf die Problematik der politischen Gefangenen nicht einlassen und protestieren. Die anderen aber sind begeistert und feiern nicht nur die hervorragenden Sängerinnen und Sänger, den Chor und das Beethoven-Orchester, sondern auch die Zeitzeugen, die ihr Anliegen vortragen…“

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Quellen: PM Oper Bonn und von Ursula Hartlapp-Lindemeyer auf ruhrbarone; Foto: Theater Bonn

Küstengefühl

3. Januar 2020

Eine frische Brise Nordsee liegt in der Luft. In Groningen stellt sich schnell das besondere Küstengefühl ein, das viele haben, wenn sie die Region besuchen und wonach viele sich sehnen, wenn sie schon mal dort gewesen sind. Wege, um nach Groningen zu gelangen, gibt es viele; zum Beispiel die Reise mit dem Fernbus von Oldenburg über Ostfrieslan.

Das norddeutsche Verhältnis zu den Niederlanden ist vielleicht auch wegen der räumlichen Nähe oft verklärt, weswegen jede Fahrt dorthin, und sei sie noch so unspektakulär, mit Cannabis assoziiert wird. Da werden eigentlich ganz normale Fernbusse plötzlich zu Drogenbussen uminterpretiert. Damit holen die Student:innen der einen deutschen Universitätsstadt angeblich ihren Stoff von der Universitätsstadt jenseits der Grenze. „Aus Holland“ ist für Marihuana ein Gütesiegel, weiß jede:r Kiffer:in.

Und doch zieht es nicht viele Oldenburger:innen an diesem Wochenende vor den Feiertagen in den Fernreisebus. Es ist nur eine kleine Gruppe junger Frauen, die einsteigt und wohl eher auf einer Einkaufstour als auf der Suche nach dem besten Gras ist. Spannender ist die Option des straffreien Kiffens wohl für die vielen deutschen Studierenden, die sich länger dort aufhalten wollen: Die Niederlande sind auf dem zweiten Platz hinter Österreich, wenn es um die Beliebtheit von Auslandssemestern für Studierende aus deutschen Universitäten geht.

Im Bus, der aus Berlin kommt und über Oldenburg, Westerstede und Leer in Ostfriesland nach Groningen fährt, sitzt im vorderen Teil eine Gruppe niederländischer Männer, die wohl…“

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Rettungsmission

1. Januar 2020

Zum Ende des Jahres gab es neben manch‘ Traurigem auch gute Nachrichten: Das Rettungsschiff „Sea-Watch 3“ konnte am Montag dieser Woche den Hafen von Licata (Sizilien) verlassen und ist inzwischen in der Such- und Rettungszone vor der nordafrikanischen Küste eingetroffen. Zuvor hatte die Organisation die Berufung vor einem italienischen Zivilgericht gegen die unrechtmäßige Beschlagnahme des Schiffes gewonnen, das nach der Rettung von 53 Menschen durch Kapitänin Carola Rackete und Crew durch die italienischen Behörden seit Ende Juni festgesetzt war.

Die jetzige Rettungsmission der Sea-Watch 3 ist die erste unter deutscher Flagge, da Sea-Watch sich während der Beschlagnahme zu einem Flaggenwechsel gezwungen sah, weil der bisherige Flaggenstaat Niederlande der Organisation politisch motivierte Regularien auferlegte, um weitere Rettungsmissionen unmöglich zu machen.

Während sich die politische Situation in Libyen weiter verschärft, ist auch bei der humanitären Katastrophe im Mittelmeer kein Ende in Sicht.

Hunderte Menschen sind ertrunken, während die Sea-Watch 3 unrechtmäßig festgehalten wurde. Endlich sind wir wieder auf dem Weg ins Einsatzgebiet. Wir werden niemals aufhören Menschen aus Seenot zu retten, egal wie viele Steine uns in den Weg geworfen werden“ sagt Johannes Bayer, neuer Einsatzleiter auf der Sea-Watch 3.


Text: PM Sea-Watch.org; Foto: Sea-Watch 3, Chris Grodotzki / Sea-Watch.org. Freigegeben durch commons.wikimedia.org/wiki/Commons:OTRS