Twente Airport, II.

29. Dezember 2015

Wer dachte, dass das Thema „Twente Airport“ erledigt sei, darf sich wundern und sollte bzw. kann sich wehren.

Udo Buchholz, Fraktionsvorsitzender der GAL-Fraktion im Rat der Stadt Gronau (Foto lks), weist darauf hin, dass nur noch bis zum 4. Januar 2016 Einsprüche gegen aktuelle Pläne für den Flughafen Twente bei Enschede eingereicht werden können. Nachdem Flughafenpläne zur Reaktivierung des früheren Militärflughafen nicht realisiert wurden, droht jetzt doch wieder ein Flughafenbetrieb im Dreieck zwischen Enschede, Hengelo und Oldenzaal und damit neue Umweltbelastungen im Grenzgebiet.

Die Abteilung Oldenzaal der niederländischen Partei GroenLinks fasst die aktuellen Pläne auf ihrer Internetseite zusammen: Die Gemeinde Enschede und die Provinz Overijssel wollen, dass ziviler Flugverkehr auf dem Flughafen Twente ermöglicht wird. Nach derzeitigen Planungen sind pro Jahr rund 250 Flugbewegungen, also Starts oder Landungen, beantragt. Das ist nicht viel, aber es ist zu befürchten, dass die Pläne nur als erste Phase zu sehen sind.

GAL-Fraktionsvorsitzender Buchholz befürchtet: „Offenbar soll Stück für Stück versucht werden, einen umfassenden Flughafenbetrieb im Grenzbereich auf den Weg zu bringen. Wer das ablehnt, sollte noch fristgerecht vom Einspruchsrecht Gebrauch machen!“

Einen ausführlichen Mustereinspruch in niederländischer Sprache hat GroenLinks Oldenzaal verfasst. Zu finden ist er im Netz unter oldenzaal.groenlinks.nl. Einsprüche müssen bis einschließlich 4. Januar 2015 beim Verteidigungsministerium der Niederlande eingereicht werden: Ministerie van Defensie, Hoofddirectie Beleid MPC 58B, t.a.v. drs. E. Kwast, Postbus 20701, 2500 ES Den Haag. Auch Einwendungen per E-Mail oder selbst per Telefon sind zulässig: e.kwast@mindef.nl, Tel. O031-70 318 7701.

Die Unterlagen zum drohenden Flughafenbetrieb können bis zum 4. Januar auch bei der Stadtverwaltung in Enschede eingesehen werden (Hengelosestraat 51, 7514 AD Enschede). Im Internet findet man die Unterlagen hier

Kommunalpolitiker Buchholz kritisiert, dass das aktuelle Genehmigungsverfahren auf der deutschen Seite der Grenze nahezu unbekannt ist. Er wird sich bei dem Städte- und Gemeindeverband Euregio erkundigen, ob das betriebene Verfahren den internationalen Anforderungen entspricht.

(Quelle PM, Foto )

umgehend

8. April 2015

BBUDer Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) hat die Wiederinbetriebnahme des Atomkraftwerk Emsland (AKW Lingen 2) scharf kritisiert. Von der zuständigen rot-grünen Landesregierung in Hannover fordert der Verband, dem auch der Elternverein Restrisiko Emsland angehört, die sofortige und endgültige Stilllegung des AKW Emsland. Gleichzeitig ruft der BBU zu weiteren Protesten gegen alle Atomkraftwerke und Atomanlagen in ganz Niedersachsen und anderswo auf.

„Störfallrisiken und ständige Atommüllproduktion in allen Anlagen sind verantwortungslos und nicht hinnehmbar“, so Udo Buchholz vom Vorstand des BBU.

Das fast 30 Jahre alte AKW Emsland war am Karfreitag nach einer Leckage vom Netz gegangen. Anti-Atomkraft-Organisationen wie das Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen und der BBU richteten spontan Forderungen an den AKW-Betreiber RWE sowie an die verantwortliche Atomaufsicht in Hannover:

Das AKW soll umgehend ganz vom Netz genommen werden, bevor es wegen fortschreitender Materialermüdung zu immer weiteren Problemen kommt. Seitens der Anti-Atomkraft-Bewegung wird betont, dass Pannen am Primärkreislauf grundsätzlich sehr bedenklich sind.

Der BBU kritisiert, dass das AKW Emsland bereits am Dienstag (7. April) wieder in Betrieb genommen wurde. Für den engagierten Verband ist nicht nachvollziehbar, wie über die Osterfeiertage eine umfassende Schadensprüfung und Reparatur erfolgt sein soll. „Offenbar haben die AKW-Betreiber dem zuständigen Umweltminister Wenzel (Grüne) das Heft aus der Hand genommen, um die schnelle Wiederinbetriebnahme durchzupeitschen. Minister Wenzel muss jetzt beweisen, ob er die Interessen der Atomindustrie vertritt, oder ob für ihn die Sicherheit der Bevökerung absoluten Vorrang hat“, so BBU-Vorstandsmitglied Buchholz.

Der BBU weist darauf hin, dass schon vor dem jüngsten Störfall im AKW Emsland weit über 100 Initiativen, Verbände und Parteigliederungen in einer Resolution von der Landesregierung in Hannover die sofortige Stilllegung des AKW Emsland und der benachbarten Brennelementefarik gefordert haben. Dieser Resolution haben sich in den letzten Tagen weitere initiativen angeschlossen. Weitere Informationen zur „Lingen-Resolution“ unter www.bbu-online.de/presseerklaerungen/prmitteilungen/PR%202015/28.01.15.pdf.

Weiterhin weist der BBU darauf hin, dass am Sonntag, 26. April, also am 29. Jahrestag der Tschernobyl-Atomkatastrophe, in Lingen (Ems) ein Anti-Atom-Schweigekreis stattfinden wird. Veranstalter ist der Elternverein Restrisiko Emland. Die Aktion beginnt um 18.00 Uhr vor dem Alten Rathaus in Lingen (Ems). Auch der BBU ruft zur Teilnahme auf.

Weitere Informationen über die Gefahren der Atomindustrie u. a. unter www.bbu-online.dewww.ippnw.dewww.antiatomgruppe-osnabrueck.dewww.sofa-ms.de,  www.urantransport.de.

Schaliegas

11. Juli 2014

BBU5300 Einsprüche gegen die Fracking-Pläne in den Niederlanden hat der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) gemeinsam mit befreundeten Bürgerinitiativen gesammelt und jetzt beim zuständigen niederländischen „Bureau Energieprojecten / Inspraakpunt conceptnotie structurvisie schaliegas“ vorgelegt. Die Einsprüche stammen vorwiegend aus Nordrhein-Westfalen,  schwerpunktmäßig aus den Bereichen Aachen, Niederrhein und Münsterland. Der BBU betont, dass der gemeinsame und grenzüberschreitende Protest der Bevölkerung das geplante Fracking verhindern kann. Der Umweltverband fordert den sofortigen Abbruch der laufenden Umweltprüfung, die den ersten Schritt zu Fracking in den Niederlanden darstellt und gegen die jetzt konkret Einsprüche eingereicht werden konnten. „Der BBU verlangt ein ausnahmsloses gesetzliches Fracking-Verbot in den Niederlanden, in Deutschland und anderswo. Und niederländische Umweltschützerinnen und Umweltschützer sind über das internationale Engagement des BBU sehr erfreut“, so Udo Buchholz vom Vorstand des BBU.

Die niederländische Regierung plant, Fracking -auf niederländisch „schaliegas“- zu ermöglichen. Dazu hat sie als ersten Schritt mit einer Strategischen Umweltprüfung (SUP) begonnen. Im Rahmen dieser Umweltverträglichkeitsuntersuchung soll ermittelt werden, wo und wie die gefährliche Gasfördermethode verwendet werden kann. Zu Reichweite und Detailtiefe der SUP konnten auch deutsche Bürgerinnen und Bürger bis zum 9. Juli 2014 Stellung beziehen. Hierzu hatte der BBU Sammeleinsprüche mit Unterschriftenlisten verfbereitet. Die Einsprüche beinhalten die konsequente Ablehnung von Fracking in jeder Form sowie die exemplarische Darstellung der Mängel des niederländischen Berichtsentwurfs. Dabei wurden auch die Gefahren des Frackings wie Grundwasserkontaminationen, Erdbeben, Störfälle mit kilometerweiten Auswirkungen, eine miserable Klimabilanz und eine ungelöste Entsorgungsproblematik aufgezeigt.

Oliver Kalusch (BBU) zum Verfahren in den Niederlanden: „Offensichtlich ist die niederländische Regierung entschlossen, Fracking trotz aller Gefahren durchzusetzen. Dies zeigt bereits der Entwurf des Untersuchungsumfangs der Strategischen Umweltprüfung. Wenige Ausschlussgebiete, die Möglichkeit auch unter Ausschlussgebieten horizontal zu bohren, erhebliche Lücken bei der Analyse des gesamten Fracking-Prozesses, eine mangelnde Berücksichtigung der Störfallproblematik und die Möglichkeit, ökonomische Interessen gegen Umweltaspekte auszuspielen, öffnen die Tore für Fracking. Allerdings stoßen die Verantwortlichen grenzüberschreitend auf den Widerstand der Umweltbewegung. Wir fordern die niederländische Regierung auf, das durchsichtige Prüfungsverfahren zu beenden und sich zu einem Verzicht auf Fracking ohne Wenn und Aber zu bekennen.“

Der BBU kritisiert, dass es Behinderungen bei der Einreichung von Einsprüchen aus der Bundesrepublik gegeben hat. Ein entsprechendes Online-Formular der niederländischen Regierung war nicht auf das System der Darstellung bundesdeutscher Postleitzahlen ausgerichtet. Der BBU wird prüfen, ob ein Formfehler vorliegt, der zur Verlängerung oder Wiederholung der Einspruchsfrist führen könnte.

Initiativen, Unternehmen und Privatpersonen, die sich gemeinsam grenzüberschreitend gegen Fracking engagieren möchten, können sich übrigens „zur Vernetzung beim BBU unter 0228-214032 oder per E-Mail [bbu-bonn(at)t-online.de] melden“. Weitere Informationen zum Thema Fracking in den Niederlanden findet man unter www.bbu-online.de.

MOX-Elemente

17. Mai 2014

KKWLingenSeit gestern ist das AKW Emsland in Lingen (Ems) ist  für die jährlich anstehenden Revisionsarbeiten vom Netz genommen. Wie bei jeder Revision wird es auch dieses Mal zu einer erhöhten Belastung der Abluft gegenüber dem Normalbetrieb kommen. Es werden 44 der 193 Brennelemente ausgetauscht, dabei werden auch wieder höchst gefährliche und umstrittene plutoniumhaltige MOX-Elemente eingesetzt. Als Hauptinvestition gibt RWE an, wesentliche Komponenten der Dampfturbine zu erneuern, um die Leistung des AKW zu steigern. Dass RWE in diesem Zusammenhang von „grünen Megawatt“ spricht, ist nach Ansicht der Anti-Atomkraft-Initiativen reine Augenwischerei!

Besonders kritisieren die Atomkraftgegner den Einsatz der MOX-Brennelemente. Geringste Spuren des hoch-toxischen Plutoniums können tödlich sein. Dabei sind RWE die Probleme mit den MOX-Elementen bekannt, weshalb der Konzern den Einsatz im AKW Gundremmingen zunächst 2012 abgebrochen hat. Es gab immer wieder Probleme mit Verformungen und der Dichtheit der Brennelemente. Auch das Verhalten bei einer Schnellabschaltung ist problematisch. Dass im AKW Gundremmingen nun erneut die hochbrisanten MOX-Brennelemente experimentell getestet werden, zeigt nach Ansicht der AtomkraftgegnerInnen, das RWE jedes Mittel nutzt um seine Defizite zu verringen. „Das gefährliche Experiment in Gundremmingen gehört beendet und darf in Lingen nicht fortgesetzt werden“ so Udo Buchholz vom Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz. Die AtomkraftgegnerInnen fordern den niedersächsischen Umweltminister auf, den Einsatz dieser hochgefährlichen Technologie zu unterbinden. Regionale Anti-Atomkraft-Initiativen, auch aus den Niederlanden, sowie der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz fordern zudem grundsätzlich von der Landesregierung in Hannover, dass diese zukünftig den Betrieb des AKW Emsland untersagt.

„Anstatt dass der defizitäre Monopolist in das AKW Emsland investiert, welches als Großkraftwerk wohl nur noch wenig Gewinne generieren kann, sollte RWE das Geld in wirklich grüne Energieerzeugung investieren“ fordert Konrad Wolking von der Anti-Atomgruppe Osnabrück. „RWE hat es bis jetzt verschlafen, sich den Gegebenheiten des Marktes und den Erfordernissen der Energiewende anzupassen. Statt noch in die Risiko-Technologie zu investieren, sollte RWE das AKW stilllegen um weiteren Atommüll zu vermeiden.“ Erklärt Wolking. Erst in der letzten Woche hatten die Stromkonzerne mit ihrer Bad-Bank für AKW und Atommüll offenbart, dass sie die Kosten der Atommüllentsorgung scheuen. Ob die Rücklagen zur Atommüllentsorgung bei RWE aufgrund der finanziellen Situation von RWE verfügbar sind, muss hinterfragt werden.

Während das AKW in Lingen auf Höchstleistung getrimmt wird, mottet man das erst 2010 in Betrieb gegangene Lingener Gaskraftwerk ein. Damit torpediert RWE die Energiewende: Im Gegensatz zu Gaskraftwerken sind Atomkraftwerke völlig unflexibel und lassen sich nicht an wechselnde Leistungen der erneuerbaren Energien anpassen. Das Fazit der Anti-Atom-Initiativen und des BBU: RWE hat es verpasst sich dem Image eines unbeweglichen Dinosauriers zu entledigen, viel mehr unternimmt RWE alles um dieses Bild zu verfestigen. Dabei hat die Geschichte gezeigt: Es haben sich nur anpassungsfähige Vertreter ihrer Spezies als überlebensfähig erwiesen, der Rest ist Geschichte. Die Anti-Atomkraft-Bewegung wird weiterhin dazu beitragen, dass Atomkraftwerke und Atomanlagen allgemein, und speziell in Lingen das AKW Emsland und die dort befindliche Brennelementefabrik, möglichst sofort stillgelegt werden

Weitere Informationen unter:
http://www.antiatomgruppe-osnabrueck.dehttp://www.bbu-online.dehttp://laka.org.

(Quelle: PM BBU; Foto (c) milanpaul via flickt)

Kronprinz

4. Juni 2012

Am Donnerstag kommt der niederländische Kronprinz Willem Alexander (Foto) ins benachbarte Almelo (Obverijssel). Er will eine weitere Halle der dortigen Urananreicherungsanlage einweihen. Niederländische und deutsche Anti-Atomkraft-Initiativen rufen zum Protest gegen den Betrieb und Ausbau der Anlage auf. Sie treffen sich daher am kommenden Donnerstag um 14.30 Uhr am Haupteingang der Anlage (Planthofsweg) und sie fordern Willem Alexander van Oranje Nassau  auf, nicht an der Einwehungsfeier teil zu nehmen.

Die Urananreicherungsanlage in Almelo ist übrigens ein Schwesterbetrieb der einzigen deutschen Urananreicherungsanlage im westfälischen Gronau. Beide Anlagen gehören zum Urenco-Konzern, an dem auch E.ON und RWE maßgeblich beteiligt sind. Nach einer umfangreichen Werksspionage in den 70er Jahren in Almelo basieren übrigens die heutigen Atomprogramme zur Urananreicherung in Pakistan wie im Iran auf der Urenco-Anreicherungstechnik mittels Gaszentrifugen.

Wenn es nach Urenco  geht, sollen bald von Almelo aus rund 50 Atomkraftwerke in aller Welt mit angereichertem Uran versorgt werden. „Um die Gefahren der weltweiten Atomenergienutzung zu reduzieren, müssen Urananreicherngsanlagen wie die in Almelo und Gronau, die den nuklearen Brennstoff für die Atomkraftwerke vorbereiten, sofort stillgelegt werden“, fordert Udo Buchholz (Gronau) vom Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU). Seit Jahren unterstützt der BBU grenzüberschreitend den Widerstand gegen die Urananreicherungsanlage in Almelo; er ruft auch zum Protest am kommenden Donnerstag auf (mehr…) .

Auch im Internet kann gegen die Teilnahme des Kronprinzen an der Anlagen-Einweihung protestiert werden. In einer Petition fordern die Gegner den Kronprinz auf, nicht an der Einweihungsfeier teilzunehmen. Zu finden ist diese Petition, die auch von Deutschen unterschrieben werden kann, hier.

(Foto: Willem Alexander, CC srslyguys (Flickr) )

Nachtrag vom 08.06.:
Es demonstrierten gestern nur drei Dutzend Aktivisten vor der Firma, als Kronprinz Willem Alexander mit einem Hubschrauber über ihre Köpfe hinweg einschwebte; zuvor hatte er in den Haag das erste Erdwärmekraftwerk der Niederlnde eröffnet. Als Finanzvorstand der Urenco arbeitete übrigens bis zu seinem Lawinenunfall Prinz Friso, der Bruder von Willem Alexander. Er liegt seit dem tragischen Unfall in Österreich im Wachkoma, inzwischen  in einer Londoner Spezialklinik. (mehr…)

Makaber: Während Willem Alexander die neue Produktionshalle in Almelo eröffnete, gab es im Schwesterbetrieb, der Urenco-Anlage im westfälischen Gronau Unruhe, ein Schwelbrand sorgte für Aufregung.

Einsteigen

6. Januar 2012

Neues von der Atomwirtschaft in der Region: Die französische Atomkonzern Areva, der in Lingen eine Fabrik für Brennelemente von Kernkraftwerken betreibt und gerade einen milliardenschweren Verlust aufzufangen sucht, will nach Angaben der niederländischen Wirtschaftszeitung Het Financieele Dagblaad von gestern beim internationalen Urananreicherer Urenco einsteigen. Urenco betreibt im westfälischen Gronau die bundesweit einzige Urananreicherungsanlage und gehört zu einem Drittel RWE und EON. Auch der niederländische und britische Staat halten jeweils ein Drittel an Urenco.

RWE und EON hatten im September 2011 angekündigt, ihre Urenco-Anteile verkaufen zu wollen. Dem niederländischen Zeitungsartikel zufolge haben die beiden Atomkonzerne dafür den Finanzdienstleister Merrill Lynch beauftragt. Laut Het Financieele Dagblaad kämen Länder wie Russland und Brasilien aus vertragsrechtlichen Gründen nicht als Käufer in Frage. Die Zeitung zitiert einen anonymen Insider mit den Worten: „Areva geht es bei Urenco nicht um die Dividende, sondern um die Synergie. Das Haus des Nachbarn ist eine einmalige Kaufgelegenheit.“

Areva entwickelt bereits seit einigen Jahren gemeinsam mit Urenco über das Joint Venture ETC die Zentrifugentechnik zur Urananreicherung. Da auch der britische Staat seine Urenco-Anteile verkaufen möchte, könnte Areva theoretisch die Mehrheit am Urananreicherer erwerben. Mit dem Einstieg würde der französische Staatskonzern international eine dominierende Stellung bei der Urananreicherung einnehmen, weil Urenco bislang der größte Konkurrent ist. Areva kämpft in den letzten Monaten mit konzerninternen Problemen und Überkapazitäten.

Urenco besitzt derzeit nach eigenen Angaben bei der Urananreicherung einen weltweiten Marktanteil von 27 Prozent. Allein die Urananlage in Gronau kann mittlerweile jedes zehnte Atomkraftwerk auf der Welt mit angereichertem Uranbrennstoff zur Brennelementefertigung versorgen.

„Ein Verkauf der Urenco-Anteile von RWE und EON an Areva ist keine Lösung. Nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima kann nur die sofortige Stilllegung der Urananreicherungsanlage in Gronau und der anderen Urenco-Anlagen eine zukunftsweisende Lösung sein. Wir fordern deshalb die Bundesregierung und die NRW-Landesregierung auf, umgehend die Chance zu nutzen, die sich durch den Ausstieg von RWE und EON für den Atomausstieg in Deutschland ergibt. Das Motto muss lauten: Stilllegen statt verkaufen,“ so Udo Buchholz (Foto lks.) vom Arbeitskreis Umwelt Gronau und Vorstandsmitglied des Bundesverbands Bürgerinitiativen Umweltschutz.

Weitere Informationen der Anlagenkritiker:
www.urankonferenz2012.de
www.urantransport.de
www.sofa-ms.de

 

(Quelle: Arbeitskreis Umwelt (AKU) Gronau; Foto (c) GAL Gronau )

Torf

13. März 2011

Umweltbewusste Mitmenschen wissen: Torf gehört ins Moor und nicht in den Garten. Zu Beginn der Gartensaison hat der Bundesverband Bürgerinitiatinven Umweltschutz empfohlen, im Garten auf den Einsatz von Torf zu verzichten: „Auch in der Bundesrepublik werden noch immer Tier- und Pflanzenarten durch den Torfabbau in Moorgebieten bedroht. Torf sollte im Gartenbereich nicht mehr zum Einsatz kommen“, verlangt Vorstandsmitglied Udo Buchholz. Experten sagen, dass allein die Gartenbesitzer 20 Prozent des abgebauten Torfes verbrauchen. Ungefähr 90 Prozent der in Bau- und Gartenmärkten  angebotenen Blumenerde besteht aus Torf. Davon  wird viel importiert, vor allem aus dem Baltikum.  Hamburgs BUND-Sprecher Paul Schmidt fordert, keine Torferde zu kaufen: „Weil der Torfabbau die Moorflächen zerstört. Es werden Unmengen an CO2 freigesetzt und die Lebenswelt vieler Tiere und Pflanzen gefährdet, beispielsweise die der Torfmoose oder Moorfrösche (Foto re.). Dennoch greifen die Leute“, so Schmidt, „wenn sie im Frühjahr ihre Balkone bepflanzen, zu den billigeren Torfprodukten.“

Aber auch hierzulande – nicht nur in Wiesmoor – wird Hand an die letzten Hochmoore gelegt. Die schwarz-gelbe Landesregierung will -je nach Lesart – zusätzlich weitere 33 Quadratkilometer (so die Landesregierung) oder 90 Quadratkilometer Hochmoore (Naturschutzverbände) industriell abbauen. Dabei gibt es Streit um den Torfabbau. Nach Medienberichten soll sich Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) für den Schutz der Moore ausgesprochen und vom CDU-geführten niedersächsischen Agrarressort eine Korrektur des neuen Landesraumordnungsprogramms (LROP) gefordert. Der Umweltminister hält es nach Presseberichten für „wünschenswert“, alle neuen Vorrangflächen aus der LROP-Fortschreibung wieder herauszunehmen, über die  der Niedersächsische Landtag in diesem Jahr entscheiden soll. In dem Entwurf sind zusätzliche 9000 Hektar Vorranggebiete für die Torfgewinnung in Niedersachsen ausgewiesen – vor allem im Elbe-Weser-Raum, aber auch in den Kreisen Leer, Cloppenburg und Emsland. Rund 23 000 Hektar sind bereits im gültigen LROP des Jahres 2008 ausgewiesen.

Der Torfabbau kann selbst nach Einschätzung von CDU-Politikern wie CDU-Generalsekretär Ulf Thiele (Remels) auch die ohnehin schwierige Situation der Milchbauern verschlechtern – „weil den Bauern dringend benötigte Flächen verloren gehen. Schon jetzt sind landwirtschaftliche Flächen knapp wegen des zunehmenden Anbaus von Energiemais für Biogasanlagen.“

Auch der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Landtagsgrünen Christian Meyer hat den inzwischen trotz Sanders Position von der Landesregierung beschlossenen Entwurf für ein neues Landesraumordnungsprogramm als „schwere Sünde gegen den Klima- und Umweltschutz“ bezeichnet. Erstmals seit langem würden in dem Programm wieder tausende Hektar neue Torfabbauflächen zur Ausbeutung ausgewiesen, sagte der Grünen-Politiker am Freitag. „95 Prozent aller Moore in Niedersachsen sind bereits unwiderruflich zerstört. Jetzt die letzten Flächen abzutorfen ist ökologischer und klimapolitischer Irrsinn!“

Moore seien heutzutage nicht nur für den Naturschutz, sondern auch als CO2-Speicher für den Klimaschutz unverzichtbar, sagte Meyer. Die Grünen halten die massive Bevorratungsplanung der CDU-FDP-Landesregierung für ein „einseitiges Erfüllungsprogramm der Wunschlisten der Rohstoffindustrie“ zu Lasten von Tourismus, Natur und Bevölkerung. Mit einem entsprechenden Entschließungsantrag fordern  die Grünen eine Umkehr. „Wir wollen, dass die Moorzerstörung vollständig beendet wird „, sagte Meyer.

(Foto: Moorfrosch juergen.mangelsdorf CC)