Wärme

30. Juni 2022

Um die Energieversorgung zukunftsfest zu machen, muss diese sicher, wirtschaftlich und umweltverträglich gestaltet werden. Das sind zentrale Ziele der Energiewende. Und diese wiederum ist vor allem auch eine Wärmewende. Gestern hatte die Bundesregierung zum sogenannten Wärmepumpen-Gipfel geladen. Denn die Wärmepumpe gilt als Schlüsseltechnologie, um in der Wärmeversorgung auf erneuerbare Energien zu setzen.

Alle Teilnehmer waren sich einig, dass mehr Tempo bei der Transformation der Wärmeversorgung notwendig ist. In Deutschland sollen ab 2024 pro Jahr 500.000 Wärmepumpen neu installiert werden. Auf dieses Ziel einigten sich am Mittwoch Vertreter zahlreicher Verbände mit Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) und Bauministerin Klara Geywitz (SPD).

„Wir brauchen mehr Tempo“, sagte Minister Habeck. „Denn wenn wir uns konsequent aus der Klammer russischer Importe befreien wollen, dann dürfen wir nicht nur an den Stromsektor denken, sondern dann brauchen wir gerade auch den Wärmebereich.“

Der Einbau einer Öl- oder Gasheizung als alleiniges Heizungsgerät wird in Deutschland zum 1. Januar 2025 praktisch verboten (mehr…). Der Grund: Jede neue Heizung muss dann mindestens 65 Prozent erneuerbare Energien einkoppeln. So legt es die Koalitionsvereinbarung der Ampelregierung fest. Ab 2024 soll jede neu eingebaute Heizung zu 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden. Dafür aber würden schnell mehr Wärmepumpen benötigt, sagte Habeck. Ministerin Geywitz betonte, ihr sei wichtig, dass die Wärmwende bezahlbar und planbar sein müsse. „Wärmepumpen müssen sich auch jene leisten können, die mit schmalem Geldbeutel haushalten müssen.“

Die Umweltorganisation WWF begrüßt derweil, dass die Bundesregierung das Thema Wärmewende vorne auf die Agenda setzt. Dies sei gerade mit Blick auf Abhängigkeiten von fossilen Energieträgern und zur Einhaltung der Klimaziele längst überfällig. Wir erwarten ein ambitioniertes Vorgehen der Bundesregierung. Die kommunale Ebene nimmt dabei eine entscheidende Rolle bei der Umsetzung ein.

Letztlich findet die Umsetzung der Energiewende vor Ort statt. Auch die Wärmeplanung wird maßgeblich lokal entschieden. Der WWF Deutschland hat deshalb den Leitfaden kommunale Wärmeplanung – Vor Ort in die fossilfreie Zukunft starten entwickelt. Dieser skizziert den Ablauf der kommunalen Wärmeplanung und stellt zentrale Argumente für die Wärmewende bereit. Denn bei den unvermeidbaren, tiefgreifenden Veränderungsprozessen im Wärmesektor hängt viel vom Handeln der Kommunen ab. Dass die Energiewende vor allem eine Wärmwende ist, zeigt sich daran, dass das Heizen für rund 70% des Endenergieverbrauchs in den Haushalten verantwortlich ist. Weniger als 20 Prozent der beim Heizen verbrauchten Endenergie stammen bislang aus regenerativen Energien.

Dazu sagt Viviane Raddatz, Leiterin Klima- und Energiepolitik beim WWF-Deutschland: „Die kommunale Ebene verfügt wie keine andere politische oder administrative Ebene über so detaillierte Kenntnisse des Gebäudebestands und seines energetischen Zustands, der damit verbundenen Energiebedarfe und der lokalen Probleme und Potenziale. Wesentliche Entscheidungen für die Wärmeplanung fallen vor Ort. Die Städte und Gemeinden hierzulande haben es also in der Hand, in welcher Form und vor allem wann die Wärmewende vor Ort Einzug hält. Der WWF-Leitfaden zeigt, dass die Wärmewende handfeste Vorteile für die Kommunen und ihre Bürger:innen vor Ort mit sich bringt – auch über den Klimaschutz hinaus. Zu nennen sind hier vor allem Planungssicherheit, Kostensenkungen bei eigenen Liegenschaften, Wertschöpfung in der Region und eine bessere Einbindung der Bürger:innen in die kommunale Entscheidungsfindung. Auch die Versorgungssicherheit unabhängig von fossilen Energieträgern ist gerade mit Blick auf den Krieg in der Ukraine zu betonen.“

Der WWF will alle kommunalpolitisch Aktiven bestärken, sich jetzt mit dem hochaktuellen Thema Wärmeplanung zu beschäftigen. „Mit dem Leitfaden möchten wir eine erste Orientierung und Argumente bieten, wie die Kombination von Klimaschutz, energetischer Unabhängigkeit und regionalem Wohlstandserhalt gelingt.“

Apropos kommunalpolitisch Aktive: Gestern tagte auch der Aufsichtsrat der Stadtwerke, der sich im Wesentlichen aus Vertreter der Stadt Lingen und einer RWE-Tochtergesellschaft zusammensetzt. Auch dabei stand die strategische Ausrichtung des maßgeblich kommunale Unternehmens im Mittelpunkt. Denn – wie gesagt- wird es ab 2025 keine klassischen Gasheizungen mehr geben. Daher werden (auch) in Lingen künftig neue Wohngebiete ohne Gasversorgung entwickelt werden; das neue Wohngebiet südlich des Mühlenbachs im Stadtteil Damaschke beispielsweise wird nach diesen Regeln gebaut, wie den Bauinteressenten vor einigen Tagen bei einer Anliegerversammlung erklärt wurde. Wärmepumpen werden kommen. Unsere BN-Stadtratsfraktion ist gespannt, was BN-Fraktionskollege Marc Riße über die künftige Ausrichtung der SWL und deren Geschäftsführung berichten.

 

„Heiter weiter“

20. Februar 2022

Das Groninger Erdgas wird auch im Lingener RWE-Gastkraftwerk zu Strom verfeuert. Die Folgen sind nicht ohne (hier…). Dies als Erklärung, weshalb der sarkastische Beitrag in der freitäglichen heute-show nicht nur witzig (gemacht) ist.

Wir erfahren: In und um Groningen gibt es 27.000 Häuser mit Erdbebenschäden. Wegen des Gases, das eben (auch) an uns geliefert wird. Das deutsche Fazit „Heiter weiter“ bringt’s trotzdem auf den Punkt. Oder?

Fukushima-Schweigekreis

11. März 2021

Mit einem Schweigekreis auf dem Lingener Marktplatz erinnern am Donnerstag, 11. März Atomkraftgegner an die Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima vor zehn Jahren. „Die Katastrophe in Fukushima und ihre anhaltenden Folgen dürfen nicht in Vergessenheit geraten“, erklärte Gerd Otten vom Elternverein Restrisiko und listete auf:

  • „Wer die letzten Monate das Geschehen um die Atomkraft verfolgt hat, konnte feststellen, dass neuerdings Werbung für den Bau neuer Atomkraftwerke gemacht wird.  Dafür  wurde auch auf dem Marktplatz in Lingen geworben.
  • In Frankreich wurde die Laufzeit der AKWs von 40 auf 50 Jahre angehoben, obwohl die Anlagen nur für 40 Jahre ausgelegt sind und  ohne die Sicherheitsbedenken der Kritiker überhaupt anzuhören.
  • Im Bundeswirtschaftsministerium arbeitet ein Mitarbeiter, der Vorsitzender eines Vereines mit Industrienähe ist, der Kläger gegen Windkraftanlagen finanziell unterstützt und so die Energiewende hintertreibt.
  • Aus Gronau wird Atommüll nah Russland verfrachtet, obwohl kein Atommüll exportiert werden darf: Er wird als Wertstoff deklariert.
  • Das Brennelementeunternehmen ANF beantragt in den letzten Tagen die Genehmigung für eine Kooperation mit Russland zur Brennelemente-Herstellung. Frankreich und Russland wollen also eine Atomanlage in Deutschland mit Duldung der deutschen Regierung betreiben.
  • Die niedersächsische und deutsche Atomaufsicht handelte nicht, als ANF Brennelemente trotz eines schwebenden Verfahrens an marode Reaktoren in Nachbarländer transportiert. Das Bundesumweltministerium war entsetzt, es passierte aber nichts.
  • Im Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD steht, dass man in dieser Wahlperiode ein Gesetz auf den Weg bringen wollte, dass solche Exporte verbietet. Das ist aufgegeben.
  • Deutsche Energieversorger wie RWE bauen in England ein neues AKW und haben eine Absichtserklärung für den Bau vieler kleiner AKW unterzeichnet und die deutsche Regierung schweigt dazu, obwohl der Atomstrom viel teurer ist als Strom aus regenerativen Anlagen.“

Otten: „Im Moment können wir sagen, ab Ende 2022 betreiben wir kein AKW mehr. Aber – in Eemshaven am Dollart wollen die Niederländer ein neues bauen. Was bleibt vom  Atomausstieg?“

Der Schweigekreis findet heute von 18 – 18.30 Uhr vor dem historischen Rathaus statt.

RWE

20. November 2017

Jetzt wird es spannend: Das Oberlandesgericht (OLG) Hamm hat die Berufung in einer ungewöhnlichen Zivilklage angenommen, die dem Kampf für mehr Klimaschutz eine völlig neue Dynamik geben könnte. Geklärt werden muss die Frage, ob RWE für die Produktion von Treibhausgasen haftbar gemacht werden kann.

Der Peruaner Saúl Luciano Lliuya hatte 2015 beim Essener Landgericht Klage gegen den Energiekonzern RWE eingereicht: Luciano lebt in den Anden und fürchtet eine Flutwelle wegen der anhaltenden Gletscherschmelze. Seinem Haus – sowie einem großen Teil der peruanischen Andenstadt Huaraz – droht wegen des anwachsenden Gebirgssees oberhalb der Stadt eine Flutkatastrophe. Und Schuld an der massiven Gletscherschmelze sei auch RWE, der Essener Kohlekonzern, so die Argumentation, sei mit seiner massiven Produktion von Treibhausgasen maßgeblich mitverantwortlich für die Erderwärmung. RWE soll sich deshalb an Vorsichtsmaßnahmen – etwa einem Abpumpen des Wassers – beteiligen. Der Konzern ist für 0,47 Prozent aller weltweiten Treibhausgas-Emissionen verantwortlich.

Das Essener Landgericht sprach RWE im vergangenen Jahr zunächst von Schuld frei: Die Richter entschieden, dass der Energieriese nicht für allgemeine Klimaveränderungen haftbar gemacht werden kann. Aber der Peruaner ließ mit seiner Anwältin nicht locker und erreichte, dass das Oberlandesgericht Hamm nun die Beweisaufnahme startete. In der müssen Sachverständige nun der von den Klägern vorgetragenen Kausalkette auf den Grund gehen: Tragen die Kraftwerke von RWE zum weltweiten Temperaturanstieg bei, zur Gletscherschmelze in den Anden, verursachen sie somit Lliuyas Flutgefahr?

RWE fürchtet sich eher vor einer Klagewelle denn vor einer Flutwelle in den Anden. „Aus unserer Sicht ist das ein Präzedenzfall“, sagt ein Anwalt des Konzerns. Denn würde RWE zur Zahlung verurteilt, dann könnten auch untergehende Inselstaaten, von Dürre geplagte Bauern oder Opfer anderer Folgen der Erderwärmung RWE verklagen. Eine Entscheidung soll am 30. November fallen.

Mehr in der Süddeutschen
via piqd nick Reimer

rathaus1112Die, die sich gern als Heimat- und Brauchtumbeflissene feiern lassen, haben jetzt beschlossen, 1.000,.- aus dem städt. Etatentwurf für dieses Jahr zu streichen. Das Geld wurde für neue Notenrollen für das Glockenspiel im Hist. Rathaus benötigt werden. Sie bezeichnen diese Symbolpolitik als „Aufgabenkritik“ und nehmen zugleich einen beeindruckenden Schluck aus der Beförderungs- und Stellenvermehrungspulle; denn beim eigenen Personaletat wird nie gespart.

Gleichzeitig haben dieselben Verantwortlichen binnen eines Jahres mal eben 866.070,15 € verzockt, weil die städtischen RWE-Aktien in dieser Zeit mehr als die Hälfte ihres Wertes verloren haben. Ein Rekordverlust von fast 100 Euro pro Stunde.

Zur Erinnerung: Die Stadt Lingen nennt 61.995 RWE-Stammaktien ihr eigen. Aus Steuergeldern hatte sie die 2000/2001 für ca. 2,58 Mio. € erworben und aus steuerlichen Gründen nach Beschluss des Rates der Stadt Lingen (Ems) vom 26.06.2001 auf den Eigenbetrieb Emslandhallen übertragen.

Der Kursverfall  RWE-Aktien war absehbar – spätestens seit der Katastrophe von Fukushima und angesichts des Alters der meisten RWE-Kraftwerke; trotzdem wollten CDU und ihr OB Dieter Krone dem Vorschlag der BürgerNahen (vor vier Jahren, vor drei Jahren , vor zwei Jahren und im letzten Jahr) nicht folgen, die RWE-Aktien zu verkaufen.

Jetzt zahlt der Steuerzahler die Rechnung:

Die RWE-Stammaktien sind gerade mal noch 726.000,- € wert und sie bringen überhaupt keinen Cent Dividende mehr. Daraus resultiert ein Rekordverlust des städtischen Eigenbetriebes Emslandhallen von mehr als 2,7 Mio € im vergangenen Jahr, nämlich neben dem städt. Zuschuss von 1,28 Mio weitere 1,44 Mio € Miese. Zum Eigenbetrieb  Emslandhallen zählen die EmslandArena, die daneben liegenden Hallen und die städtischen Liegenschaften Halle IV an der Kaiserstraße.

OB Krone und die CDU haben 1,8 Mio € Steuergelder verpulvert oder sogar 6 Mio €, wenn man den Höchstwert dieser Aktien vor 10 Jahren zugrunde legt. Hätte man 2001 die 2,58 Mio € damals so angelegt, wie die Stadt Lingen in ihren Gebührenhaushalten zulasten der Einwohner rechnet (nämlich immer noch mit 5 % Eigenkapitalverzinsung), lägen jetzt knapp 5,4 Mio € auf dem Konto.

Der RWE-Crash war seit langem absehbar; deshalb haben wir BürgerNahen auch immer wieder den Verkauf der RWE-Aktien gefordert. Da waren wir aber nur einsame Rufer in der Wüst. Auch die Lokalpresse hatte in dieser Frage ihren Prüf- und Kontrollauftrag als „4. Gewalt“ dankend an die Lingener Mehrheit zurückgegeben – wegen der Mitsprache in aller Gelassenheit, zu der LT-Chef Thomas Pertz damals kommentierend aufrief.

Übrigens: Ähnlich stümperhaft-dickköpfig wie beim RWE-Deal wird gerade mit einer anderen Lingener Aktienbeteiligung umgegangen. Aber darüber wird in anderem Zusammenhang noch zu berichten sein.

1,7 Mio verpulvert

5. September 2015

RWEDie taz weiß was aus dem Landkreis Osnabrück:

„Dass sie am Donnerstag noch mal kurz über die 13-Euro-Schwelle gelugt hat, ist derzeit das beste, was sich über die RWE-Aktie sagen lässt. Am Dienstag wurde das Ausscheiden des Energieversorgers aus dem europäischen Index Eurostoxx verkündet, am Mittwoch drückte ein Gesetzentwurfs von Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) auf die Stimmung: Atomstromkonzerne sollen für den Abbau ihrer Meiler zahlen müssen, weia.

Der Kurs erreichte das 24-Jahres-Tief von 12,92 Euro, das Freitag noch mal deutlich unterboten wurde. Und die Dividende soll von zuletzt 100 auf 50 Cent runter gesetzt werden. Im Kreis Osnabrück sorgt das für Verzweiflung, Wut und Tränen.

Denn der Landkreis ist im Besitz von etwas über zwei Millionen RWE-Aktien, und, „wenn ich an die Zahlen denke“, sagt Rainer Kavermann, „werde ich richtig sauer“. Kavermann, Chef der Grünen-Fraktion im Kreistag, war schon 2008 für den Verkauf der Wertpapiere gewesen, als sie knapp 100 Euro wert waren. Beim Absturz auf 35 Euro im Fukushima-Jahr 2011 hatte er den Kreistag dann, unterstützt von der Linken und von der FDP zum Verkauf gedrängt. Die Finanzexperten der CDU und der SPD verlachten ihn als ahnungslos.

Jetzt lacht niemand mehr. Höchstens in Südniedersachsen: In Göttingen stand man vor zwei Jahren vor der gleichen Frage, bloß hatte man nicht RWE-, sondern Eon-Aktien. Man hat, zusammen mit Kassel und gut 20 anderen Kommunen, einfach den Betrieb übernommen. Aus der Eon-Mitte AG wurde die 100 Prozent kommunale Energie aus Mitte GmbH. Die Eon-Aktie ist, klar hinter RWE, mit 9,69 Euro Schlusslicht im Dax. Göttingen kann das egal sein. Osnabrück nicht.“

Tja, und bei uns?
Hier ist alles bestens und wenn es Mist ist, berichtet die Lokalpresse darüber nicht. Wahrscheinlich, weil sie es nicht darf. In Lingen jedenfalls liegen ebenfalls 61.995 RWE-Stammaktien der RWE „im Portfolio“, wie es so schön heißt. Sie wurden 2000/2001 für für ca. 2,58 Mio. € erworben und aus steuerlichen Gründen nach Beschluss des Rates der Stadt Lingen (Ems) vom 26.06.2001 auf den Eigenbetrieb Emslandhallen übertragen.

Deren Kursverfall war spätestens seit Fukushima absehbar; trotzdem wollte man dem Vorschlag der BürgerNahen (vor drei Jahren, zwei Jahren und im letzten Jahr) nicht folgen, die RWE-Aktien zu verkaufen. Jetzt sind sie gerade mal noch 800.000 Euro wert und bringen keine 35.000,- Euro Dividende. 1,7 Mio Euro sind also verpulvert (oder wenn man den Höchstwert der RWE-Aktien vor 10 Jahren mit knapp 100 Euro nimmt sogar rund 6 Mio Euro) – und das absehbar sowie  seit Jahren reichlich zweckfrei. Interessiert aber keinen. Oder?

zerstritten

11. August 2014

In den 1970er Jahren drängte die damalige DGB-Gewerkschaft „ÖTV“ (Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr“) mit Macht in die Energiebranche. In den VEW-Kraftwerken in Lingen beispielsweise ließ sie die starke Industriegewerkschaft Bergbau und Energie zunehmend alt aussehen. Auch deshalb, weil die ÖTV-Beiträge niedriger waren. Scharenweise wechselten die Gewerkschafter zur ÖTV. Jetzt dreht sich das Karussell wieder und zwar in die andere Richtung, wie die WirtschaftsWoche weiß. Verdi und IG BCE, die Nachfolger von ÖTV und IGBE „sind in der Energiebranche heillos zerstritten. Es geht um Mitglieder,  Einfluss und öffentliche Wahrnehmung. Der Krieg der Gewerkschaften  fing wie so viele Kriege ganz harmlos an: Rund einhundert Mitarbeiter  des Netzbetreibers Tennet sind von einer Gewerkschaft zur anderen   gewechselt. Verdi verlor sie, die mächtige Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie, kurz IG BCE, gewann sie. Das sah nach  Mitgliederabwerbung aus, nach gezieltem Aderlass. „Es handelt sich um  ein Organisations-Abgrenzungsverfahren, Leitungsunternehmen wie Tennet  sind nach den Regeln des DGB bei Verdi anzusiedeln“, sagt  Verdi-Gewerkschafterin Martina Sönnichsen zur WirtschaftsWoche…“

„Jahrelang ging es nur um Macht- und Pöstchenpoker  zwischen den beiden Arbeitnehmerorganisationen. Es ging vor allem um  Aufsichtsratsposten und Sitze in den mächtigen Kontrollgremien der  Versorger, dem Präsidium, dem Investitionsausschuss und dem  Personalausschuss, der über das Topmanagement bestimmt. Da wollten  beide, Verdi und IG BCE, mitentscheiden.

Nun geht es nicht mehr um diesen Personal-Proporz, es geht ums Ganze.  Es geht auch darum, dass sich IG BCE-Spitzenfunktionäre so häufig zur  Energiepolitik äußern, im Fernsehen und in den Wirtschaftsmedien. Das  stößt Verdi unangenehm auf. So hat Verdi nun sogar demonstrativ die  tarifpolitische Zusammenarbeit mit der IG BCE beim Energieversorger
RWE gestoppt. Verdi will die IG BCE vor dem Schiedsgericht des  Deutschen Gewerkschaftsbundes (DBG) verklagen. Der Vorwurf:…“ [weiter bei der WirtschaftsWoche]

MOX-Elemente

17. Mai 2014

KKWLingenSeit gestern ist das AKW Emsland in Lingen (Ems) ist  für die jährlich anstehenden Revisionsarbeiten vom Netz genommen. Wie bei jeder Revision wird es auch dieses Mal zu einer erhöhten Belastung der Abluft gegenüber dem Normalbetrieb kommen. Es werden 44 der 193 Brennelemente ausgetauscht, dabei werden auch wieder höchst gefährliche und umstrittene plutoniumhaltige MOX-Elemente eingesetzt. Als Hauptinvestition gibt RWE an, wesentliche Komponenten der Dampfturbine zu erneuern, um die Leistung des AKW zu steigern. Dass RWE in diesem Zusammenhang von „grünen Megawatt“ spricht, ist nach Ansicht der Anti-Atomkraft-Initiativen reine Augenwischerei!

Besonders kritisieren die Atomkraftgegner den Einsatz der MOX-Brennelemente. Geringste Spuren des hoch-toxischen Plutoniums können tödlich sein. Dabei sind RWE die Probleme mit den MOX-Elementen bekannt, weshalb der Konzern den Einsatz im AKW Gundremmingen zunächst 2012 abgebrochen hat. Es gab immer wieder Probleme mit Verformungen und der Dichtheit der Brennelemente. Auch das Verhalten bei einer Schnellabschaltung ist problematisch. Dass im AKW Gundremmingen nun erneut die hochbrisanten MOX-Brennelemente experimentell getestet werden, zeigt nach Ansicht der AtomkraftgegnerInnen, das RWE jedes Mittel nutzt um seine Defizite zu verringen. „Das gefährliche Experiment in Gundremmingen gehört beendet und darf in Lingen nicht fortgesetzt werden“ so Udo Buchholz vom Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz. Die AtomkraftgegnerInnen fordern den niedersächsischen Umweltminister auf, den Einsatz dieser hochgefährlichen Technologie zu unterbinden. Regionale Anti-Atomkraft-Initiativen, auch aus den Niederlanden, sowie der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz fordern zudem grundsätzlich von der Landesregierung in Hannover, dass diese zukünftig den Betrieb des AKW Emsland untersagt.

„Anstatt dass der defizitäre Monopolist in das AKW Emsland investiert, welches als Großkraftwerk wohl nur noch wenig Gewinne generieren kann, sollte RWE das Geld in wirklich grüne Energieerzeugung investieren“ fordert Konrad Wolking von der Anti-Atomgruppe Osnabrück. „RWE hat es bis jetzt verschlafen, sich den Gegebenheiten des Marktes und den Erfordernissen der Energiewende anzupassen. Statt noch in die Risiko-Technologie zu investieren, sollte RWE das AKW stilllegen um weiteren Atommüll zu vermeiden.“ Erklärt Wolking. Erst in der letzten Woche hatten die Stromkonzerne mit ihrer Bad-Bank für AKW und Atommüll offenbart, dass sie die Kosten der Atommüllentsorgung scheuen. Ob die Rücklagen zur Atommüllentsorgung bei RWE aufgrund der finanziellen Situation von RWE verfügbar sind, muss hinterfragt werden.

Während das AKW in Lingen auf Höchstleistung getrimmt wird, mottet man das erst 2010 in Betrieb gegangene Lingener Gaskraftwerk ein. Damit torpediert RWE die Energiewende: Im Gegensatz zu Gaskraftwerken sind Atomkraftwerke völlig unflexibel und lassen sich nicht an wechselnde Leistungen der erneuerbaren Energien anpassen. Das Fazit der Anti-Atom-Initiativen und des BBU: RWE hat es verpasst sich dem Image eines unbeweglichen Dinosauriers zu entledigen, viel mehr unternimmt RWE alles um dieses Bild zu verfestigen. Dabei hat die Geschichte gezeigt: Es haben sich nur anpassungsfähige Vertreter ihrer Spezies als überlebensfähig erwiesen, der Rest ist Geschichte. Die Anti-Atomkraft-Bewegung wird weiterhin dazu beitragen, dass Atomkraftwerke und Atomanlagen allgemein, und speziell in Lingen das AKW Emsland und die dort befindliche Brennelementefabrik, möglichst sofort stillgelegt werden

Weitere Informationen unter:
http://www.antiatomgruppe-osnabrueck.dehttp://www.bbu-online.dehttp://laka.org.

(Quelle: PM BBU; Foto (c) milanpaul via flickt)

Blue Mountain

1. Juli 2013

Bildschirmfoto 2013-07-01 um 22.46.38Neues vom Fracking. Die Kritiker der umstrittenen Gasfördermethode  melden dies:

In Niedersachsen bekommen Heuschrecken-Firmen eine Aufsuchungserlaubnis! Unter Wiki steht bei Heuschreckendebatte: Der Begriff „Heuschreckendebatte“ wurde im April und Mai 2005 geprägt. Auslöser war eine Äußerung des damaligen SPD-Vorsitzenden Franz Müntefering. Er verglich das Verhalten mancher „anonymer Investoren“ mit Heuschreckenplagen. „Heuschrecken gelten im deutschen politischen Sprachgebrauch seitdem als eine abwertende Tiermetapher für Private-Equity-Gesellschaften sowie gegen andere Formen der Kapitalbeteiligung mit mutmaßlich zu kurzfristigen oder überzogenen Renditeerwartungen, wie Hedge-Fonds oder sogenannte „Geierfonds“.
Fazit: Wenn solche Firmen dem Landesbergamt in Niedersachsen zuverlässig erscheinen, können wir uns gut vorstellen, wie ort gearbeitet wird. Man ist quasi nur Erfüllungsgehilfe der Industrie.

Unter utopia ist dieser interessante Bericht zu finden.

Wer versteckt sich hinter dem Firmennamen „Blue Mountain Exploration LLC“?

Jetzt sollte das Landesbergamt LBEG in Niedersachsen entscheiden: ein Unternehmen aus dem Ausland beantragte, nach Erdöl und Erdgas suchen zu dürfen, und zwar in mehreren niedersächsischen Gebieten, darunter eines mit 880 km Fläche im Bereich Lüneburg-Harburg „Feld Oldendorf“. Das LBEG suchte den Ordner mit seinen Vorschriften heraus und prüfte, ob die Firma die erforderliche Zuverlässigkeit aufweise, fachlich zu den beantragten Arbeiten in der Lage sei und das Ganze auch finanzieren könne. Das waren die Prüfkriterien lt. Bundesberggesetz. Geprüft – getan, die Firma bekam die Erlaubnis und damit einen Fuß in der Tür, später auch die Genehmigung zur Förderung zu erhalten.

Nun wollten die Bürger plötzlich wissen, was das denn für eine Firma ist, die unter ihren Füßen nach Gas suchen und das dann unkonventionell fracken wollte. Der Name wurde bekannt gegeben: Blue Mountain Exploration LLC. Das war zunächst alles, was die Bürger zu wissen kriegten. Es kursierte auch noch eine New Yorker Anschrift, aber einer der Bürger hatte bei Google Streetview nachgeguckt (muss ja auch mal zu was gut sein) und festgestellt, unter der Adresse werden ganz andere Geschäfte betrieben.

….

Versuchsweise haben kritische Bürger nun  mal an die (Briefkasten-?)Adresse in New York geschrieben und an Herrn M. in London. Vielleicht könnten gut informierte Kreise wie Prism oder Tempora weiter helfen. Die biisherige  Zwischenbilanz ist allemal mager: Die Bürger sind einer Firma ausgeliefert, die sie nicht kennen, die wahrscheinlich ein sogenannter Projektentwickler ist, der das Feld vorbereitet und dann die Rechte meistbietend weiter verhökert (Exxon ist hier in der Gegend schon tätig, und RWE). Dabei dürfte es um eine möglichst hohe Rendite gehen. Das technisch empfindliche Projekt “Fracking” liegt also zunächst wohl in den Händen einer Heuschrecke. Okay, Heuschrecken haben keine Hände. Aber das macht es auch nicht besser.

 

Quelle PM und
Das putzige Firmenverstecken im Erdgasgeschäft | klangengel | klangengel | Utopia.de.

Nebelbombe

28. September 2012

Heute empört sich die NOZ, dass die vom Betreiber geplante Vernebelungsanlage am AKW Lingen bislang vom niedersächsischen FDP-Umweltminister nicht bearbeitet worden ist.  Diese Aufregung hat nun mindestens zwei Aspekte.

In der Sache hat mich das Nebelkonzept nie sonderlich überzeugt und her an „weiße Salbe“ erinnert, die beim Auftragen nicht hilft. Aber man tut so. Die Vernebelung  von Atomkraftwerken bietet jedenfalls nicht die angedachte Sicherheit gegen Terrorangriffe aus der Luft: Verkehrsflugzeuge werden über GPS gesteuert, Terroristen würden im Zweifel zusätzlich über mobile GPS-Systeme, etwa in Laptops, verfügen. Die GPS-Genauigkeit liegt längst im Zentimeterbereich. Solche Systeme lassen sich nicht durch Nebel täuschen.

Binnen 40 Sekunden -so der Plan-  soll der Nebel ausgebreitet sein, wenn ein anfliegender Jet noch 15 km – das entspricht rund zwei Minuten – von seinem Ziel entfernt sei. Das ist sehr wenig Zeit für die AKW-Mitarbeiter, um die verbunkerte „Notsteuerstelle“ zu besetzen und die „Reaktorschnellabschaltung“ auszulösen – für den Fall, dass der Pilot auch im Nebel trifft. Zusätzlich es gibt noch diese weiteren offene Fragen:

• Reicht die Vorwarnzeiten von zwei Minuten aus, um rechtzeitig die Einnebelung der Kraftwerke im Ernstfall auszulösen?
• Funktioniert das Projekt auch bei  Kälte oder Sturm?
• Kann ein Flugzeug nicht einfach abdrehen und erneut angreifen, wenn sich die künstliche Wolke verzogen hat?

Letztlich scheint es mir ein reichlich hilfloses Projekt zu sein. Es geht natürlich zurück auf den 11. September 2001 und eine sich anschließende Studie der bundesdeutschen Gesellschaft für Reaktorsicherheit zur Sicherheit deutscher AKW bei Flugzeugabstürzen. Das Lingener „Kernkraftwerk Emsland“ ist danach bei Abstürzen von Verkehrsmaschinen nicht sicher, folglich ein potentielles Ziel von Terroristen. Nach der GRS-Studie begann das große Nachdenken, weil bis zum 11. September das Szenario eines Flugzeugangriffs überhaupt nicht zum offiziellen Sicherheitsprogramm für Atomkraftwerke gehört hatte. Ihre Meiler gegen Terrorangriffe aus der Luft zu schützen sei deshalb, so die Betreiber vor acht Jahren, erst einmal eine gesamtstaatliche Aufgabe. Allenfalls zu „freiwilligen Maßnahmen“ wollten sich die Betreiber seinerzeit bereit finden. Dazu zählten auch die Nebelbomben.

Und jetzt zum zweiten Aspekt: Bereits vor acht Jahren, 2004, zählte Niedersachsen zu vier schwarz-gelb- bzw. schwarz-regierte Bundesländern mit AKW-Standorten, die einen Brief an den damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) verfasst, indem sie ihm öffentlichkeitswirksam Untätigkeit des Bundes vorwarfen. Der Schutz der AKWs gegen gezielten Flugzeugabsturz werde „seit über einem Jahr erörtert, ohne dass der Bund seinen Aufgaben nachgekommen ist“ schrieben sie.

Wenn ich heute, Ende 2012, sehe, dass der Nebelbombenantrag von RWE im niedersächsischen Umweltministerium immer noch auf Bearbeitung wartet, dann wird die ganze Unehrlichkeit einer solchen Politik greifbar. Und dann behauptet das Umweltministerium auch noch, die Nichtbearbeitung liege an der Tragödie von Fukushima und der daraus resultierenden Arbeitsbelastung. Die aber war 2011, sieben Jahre nach dem scheinheiligen Brief aus Hannover nach Berlin.  Für wie vernebelt-dumm hält uns dieses niedersächsische Ministerium eigentlich?

(Foto: AKW Lingen, © dendroaspis2008; Quelle)