traurig wie befürchtet

25. August 2021

Thomas Pertz ist nicht immer ein kluger Journalist. Jetzt hat er in der „Lingener Tagespost“ einen Beitrag veröffentlicht, warum in Lingen nicht sofort etwas für die Kitas und Schulen getan werden soll. Das findet er offenbar gut:

Wie in ganz Niedersachsen eröffnen in einer Woche auch in unserer Stadt die Schulen wieder, die Kitas sind bereits geöffnet. Das Besondere auch in diesem Jahr: Es gibt für die ungeimpften Jüngsten keinen Schutz. Das haben die BürgerNahen kritisiert. Ein ganz großes Stück hätten mobile Luftfilter Schutz leisten können.

Doch die Lingener Stadtverwaltung mit OB Krone an der Spitze hat trotz ganz viel Zeit und trotz vierter Corona-Welle bisher keinen Schutz der ungeimpften Kinder in den Lingener Kitas und Schulen geschaffen. OB Krone -den sollten Sie nicht vergessen, Herr Pertz!- hat ihn sogar aktiv verhindert und dagegen gestimmt – gemeinsamen mit CDU und anderen.

Doch das erwähnt Thomas Pertz in seiner Zeitung nicht. Stattdessen wirft er den BürgerNahen (und natürlich mir) plakativ „Wahlkampf“ vor, weil wir auf die Fehler und Versäumnisse  hinweisen.

Außerdem titelt er treu: „Schulen und Kitas erhalten Raumfilter“. Zum Vergleich: Würden seine  Sportredaktionskollegen schreiben: „SV Meppen steigt auf“ – aber nicht wann, würde man den Kopf schütteln. Denn die wichtigste Frage ist natürlich, wann sich denn in den Lingener Kitas und Schulen endlich etwas für den Schutz der Kinder ändert. Bedeutsam ist die Antwort für jedes einzelne ungeimpfte Kind, das in Kita und Schule geht, und damit für die betroffenen Familien. Genau das Wann steht aber in den Sternen, bis auf weiteres sind jedenfalls alle ungeimpften Kinder ungeschützt. Doch genau über das Wann schweigt Thomas Pertz in seinem Beitrag leider und lobt kommentierend den sparsamen Umgang mit Steuergeldern. Das macht es nicht besser.

Zur Erinnerung:
Im Herbst 2020 forderten die Grünen die Anschaffung solcher mobiler Luftfilter für die Klassenzimmer, unsere BürgerNahen schlossen sich an und brachten diesen  Antrag in die städtischen Gremien ein.

Ausstattung der städtischen Schulen mit Raumlüftern/ Luftreinigern (Antrag der BN-Fraktion vom 10. Dezember 2020)

Beschlussvorschlag:
Alle Klassenräume, Fachunterrichtsräume und Lehrerzimmer der in der Trägerschaft der Stadt stehenden Schulen in Lingen (Ems) werden mit Raumlüftern/ Luftreinigern (gemäß Muster KA-520 der Fa Kampmann nebst Ersatzfilter oder ähnlich) ausgestattet.

Sachverhalt / Begründung:

„Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
wir beantragen, im Verwaltungsausschuss zu beschließen, alle Klassenräume, Fachunterrichtsräume und Lehrerzimmer der in der Trägerschaft der Stadt stehenden Schulen in Lingen (Ems) werden mit Raumlüftern/ Luftreinigern (gemäß Muster KA-520 der Fa Kampmann nebst Ersatzfilter oder ähnlich) ausgestattet.

Die Verwaltung wird beauftragt, dies spätestens bis zum Schulbeginn nach den Weihnachtsferien Anfang 2021 umzusetzen.

Die Mittel werden außerplanmäßig bereitgestellt. Beim Land Niedersachsen ist ein Zu- schussantrag zu stellen.

Der Antrag wird als Eilantrag eingebracht.

Wir haben die Initiative in einer Presseerklärung begründet, die die Lingener Tagespost heute veröffentlicht hat und auf die wir verweisen.

Mit freundlichen Grüßen
Die BürgerNahen – Stadtratsfraktion
Robert Koop, Vors.“

Nach kontroverser Aussprache im nicht-öffentlich tagenden Verwaltungsausschuss lehnten die  CDU- und SPD Vertreter den Antrag ab. Mit Nein stimmten Oberbürgermeister Dieter Krone, Heinz Tellmann (CDU), Edeltraut Graeßner (SPD), Werner Hartke (CDU), Stefan Heskamp (CDU), Uwe Hilling (CDU), Martin Koopmann (CDU), Andreas Kröger, (SPD) Irene Vehring (CDU). Es gab zwei Ja-Stimmen für den Antrag (Thomas Kühle (Grüne), Robert Koop (BN).

Zu den Haushaltsberatungen im Rat der Stadt am 21. April haben wiederum die BürgerNahen und die Grünen gemeinsam den Antrag eingebracht, die Gelder für mobile Luftfilter in den Haushalt einzustellen. Wiederum vergeblich. Für „Die Bürgernahen“ hatte ich bei der Etat-Aussprache sogar angekündigt, den in Teilen sehr problematischen Haushalt 2021 mitzutragen, wenn die CDU mit ihrer absoluten Ratsmehrheit für die Anschaffung von Luftfiltern für die städtischen Schulen und Kitas stimme. Die CDU und die SPD sagten aber wiederum Nein. Begründung: Die bringen nichts. Mit Nein stimmte auch OB Krone -den sollten Sie nicht vergessen, Herr Pertz!.

Zwei Monate später habe ich am 29. Juni  im Verwaltungsausschuss darauf hingewiesen, dass durch die stark zunehmende Delta-Variante besonders die nicht geimpften Personen gefährdet seien. Hierzu würden die Grundschüler bzw. die jüngeren Schüler zählen, für die noch keine Impfmöglichkeit bestehe. Erneut forderte ich, sofort Luftfilter anzuschaffen. Jetzt wies OB Krone daraufhin, dass stationäre Raumlüfter dafür besser geeignet seien und es „jetzt auch ein Förderprogramm“ des Landes dafür gebe.

Nun sprang die CDU flott auf den fahrenden Zug (die Hilfsbremser der SPD später hinterher) und beantragte in der Ratssitzung am 15. Juli -sprachlich reichlich schwurbelig:

„Die Stadtverwaltung wird beauftragt, schnellstmöglich ein Umsetzungskonzept für die Sanierung der Schulen und KiTas in der Stadt Lingen (Ems) mit stationären Raumluftanlagen zum Erhalt und zur Verbesserung der Luftqualität in den Klassen- und Gruppenräumen zu erarbeiten, die entsprechenden Fördermöglichkeiten zu eruieren und auszunutzen sowie die für die Umsetzung der Maßnahmen notwendigen Aufträge auszuschreiben.“

Der Plan ist also, in Schulen und Kitas „ein Umsetzungskonzept“ zu entwickeln, etwa 240 Räume mit stationären, fest eingebauten Raumlüftern nachzurüsten. Ein guter Plan. Aber dass dies Monate dauern wird, ist klar.  Bürgernahe und Grüne stellten deshalb den Änderungsantrag, sofort und zusätzlich mobile Luftfilter anzuschaffen; der Umbau von knapp 300 Räumen in den städtischen Schulen dauere einfach viel zu lange.  Den Änderungsantrag lehnten CDU, SPD und OB Krone in öffentlicher Ratssitzung ab. Zitat Edeltraut Graeßner (SPD): „Erst noch mobile Geräte anschaffen? Das tragen wir nicht mit.“

Jetzt zum Ende der Sommerferien haben die BürerNahen nachgefragt. Das Ergebnis ist so traurig wie befürchtet. Keine einzige Anlage ist gebaut, keine einzige in Auftrag gegeben, keine einzige Ausschreibung ist abgeschlossen. 

Und Thomas Pertz schreibt ernsthaft: „Wenn zwischen der Ratsentscheidung und dem positiven Förderungsbescheid sechs Wochen vergangen sind, zeigt dies dreierlei: erstens zügiges Verwaltungshandeln, zweitens eine gute Kooperation der Fachbereiche im Rathaus und drittens einen sparsamen Umgang mit Steuergeldern.“ Ach jeh – zügig, gut und sparsam?

Lieber Herr Pertz,
sagen Sie’s doch einfach den Lingener Eltern und Kindern, dass es in Herbst und Winter wieder im Mantel in den „Präsenzunterricht“ geht und es dann wieder keine Luftfilter gibt, weil CDU/SPD und OB Krone -den sollten Sie nicht vergessen!- seit knapp einem Jahr immer wieder Nein zum möglichen und notwendigen Schutz in Kitas und Schulen sagen.

Sie können auch ihre Leser darüber informieren, dass die Luftfilter etwa 400.000,- Euro teuer wären und verkauft werden können, wenn man sie iKitas und Schulen nicht mehr braucht. Sie kosten also nicht mehr als die Corona-Subvention für die Einkaufsgutscheine in Lingen, und Sie könnten fragen, was diese Prioritätensetzung eigentlich aussagt.

Das aber alles nicht zu schreiben, und statt dessen denen „Wahlkampf“ vorzuwerfen, die seit dem Herbst 2020 vergeblich für sofortige Lösungen streiten, ist ausgesprochen einseitig und -mit Verlaub- gegenüber den betroffenen Familien auch reichlich hochnäsig.

Philosophie in der Kunsthalle
Uli Krug: Krankheit als Kränkung
Kritische Überlegungen zur Negation von Körper und Naturnotwendigkeit
Lingen (Ems) – Kaiserstr. 10a/Kunst-Halle IV
Mittwoch, 18. August 21 – 19.30 Uhr

Materialismus, der die fundamentale Leiblichkeit seiner Impulse kleinredet, ja vergessen macht, ist keiner: Leiblichkeit, sei es in Form der Stillung der Bedürfnisse, der Vermeidung von Unlust, der Linderung von Schmerz, dem Heilen und Vorbeugen von Krankheit oder auch der Kontrolle des Impulses, ist es, die aller Gesellschaftlichkeit prinzipiell zugrunde liegt und die so zur Ausbildung des Geistes erst nötigt:

„Als Instrument der Selbsterhaltung, das der Realitätsprüfung, ist ratio überhaupt entstanden,“ notiert Adorno in „Theorie und Praxis“ prägnant.

Diese ratio ist somit ein Grenzfall der Naturgeschichte, die Ausbildung eines reflexiven Organs, das zwar Körper ist, sich aber ihm auch enthebt; eines, das meint, so souverän zu sein, einen Körper zu haben, ihn dienstbar zu machen zu mittlerweile jedem heteronomen Zweck, ohne mehr zuzulassen, dass es gerade die Schwäche, die Müdigkeit, der Schmerz und die Krankheit sind, die quasi als negative Statthalter der Utopie eines wirklich souverän führbaren Lebens fungieren – in dem Sinne, dass sie an die Einheit des Gattungswesen erinnern, die im wesentlichen durch körperliche Not und Notwendigkeit bedingt ist und gerade dadurch Einsicht gebiert , die diese Imperative abmildert und Freiheiten ermöglicht.

Kapitale Verwertung als Selbstzweck negiert diese Grundlage von Gesellschaft, die zugleich aber die ihre bleibt. Sie setzt den Leib und sein Wohl nicht als Zweck, sondern sich selber als Selbstzweck.

Jedes Hindernis erscheint nur als zu überwindende Schranke, was historisch durchaus ein überaus progressives Moment hatte. Der späte Kapitalismus aber hat dieses Moment längst verloren, die Anverwandlung der Leiber an seinen dynamischen Leerlauf treibt er zur  Konsequenz.

Der Leib erscheint als bloßes Werkzeug hoher Leistung und rascher Lüste, sein Versagen – und sei es nur der Prozess der Alterung und damit Funktionseinschränkung – und die Erinnerung an seine Anfälligkeit widersprechen diesen Bestimmungen: Sie kränken den Geist, der sich seiner körperlichen Genese nicht mehr bewusst wird oder werden will. Er tendiert dazu, das Gebrechen, die Gefahr, die Infektion kleinzureden, ja zu negieren, indem er Angst und Sorge zu bloßen Einbildungen erklärt (was nicht immer falsch sein muss, aber jede gesundheitliche Gefahr zu leugnen, ist umgekehrt nicht weniger verrückt als der Hypochonder, der jede Schwäche als Krankheit deutet).

So ergibt die merkwürdige Einheit, die sich als „Querdenker“-Bewegung zumindest kurzfristig formiert hat, psychoökonomisch da Sinn, wo jede politische Deutung nicht mehr hinreicht, wenn sie grübelt, was Anarchisten und Kaisertreue zum gemeinsamen Aufmarsch bewegt. Deren Rede von der Freiheit gilt nicht wirklicher Freiheit vom Naturzwang, sondern der Freiheit von Verantwortung für sich und andere, dem Primat persönlicher Obsession über die Reste gesellschaftlicher Kooperation. 

Diese wäre vernünftig zu gestalten und nicht schlicht aufzukündigen im Namen dieser Freiheit, die lediglich die Freiheit bedeutet, seinen Müll überall hinzuwerfen, zu rasen oder zu jeder Zeit nach Kräften zu lärmen: schlicht auf nichts und niemand Rücksicht zu nehmen.

Uli Krug, 11.8.1962 München, Studium (M.A.) Soziologie, Neue Geschichte und Philosophie. Essayist und Lektor (u.a. bei „Jungle World“). Regelmäßige VÖ, Buch: Der Wert und das Es. Freiburg 2016.

Knetbirnen

10. August 2021

Knetbirnen, schreibt Ronny gerade auf das_kfmw,  sind weißlich kein deutsches Phänomen. In den Staaten haben wir sie gesehen, spätestens nun auch in England und wahrscheinlich gibt es sie auch auf dem Rest der Welt. In West London kamen sie nun zusammen, um gegen die Einführung von Impfpässen zu demonstrieren. In dem Zuge versuchten sie, ein Gebäude zu stürmen, in dem sie wohl einen Sitz von BBC vermuteten. Dumm nur: BBC ist dort schon im Jahr 2013 ausgezogen. Faktenchecking scheint einfach nicht die Stärke dieser Leute zu sein. Sonst würden sie ja auch wissen, dass nicht BBC für Impfgesetze zuständig ist, sondern die Regierung. Aber wer macht da schon Unterschiede…

Anti-vaccine passport protesters tried to gain access to a building that the BBC left in 2013, and now mainly houses luxury flats and light entertainment TV studios. …

Footage circulated on social media showed shoving between protesters and a line of police officers who are guarding an entrance to a studio at the Television Centre in White City, West London. …

A bottle was thrown at one officer, whose hat was knocked off in scuffles with protesters. Officers drew batons as they attempted to control the crowd, as many protesters filmed scenes on their phones.

Lingener Sommernächte
Susan Albers und Laurenz Bäthke
„Urlaubsgeschichten – eine musikliterarische Reise um die Welt“

Lingen (Ems) – Amtsgerichtshof, Burgstraße 8
Donnerstag, 22. Juli 19 Uhr und 20.30 Uhr
Karten 5 Euro _nur_ im Vorverauf

Entspannt und musikalisch in die Sommerferien: Die Lingener Sommernächte entführen Besucher*innen auf eine musikliterarische Urlaubsreise. Am ersten Tag der niedersächsischen Sommerferien um 19 Uhr und um 20:30 Uhr erzählt Laurenz Bäthke kleine Geschichten vom Urlaub und Susan Albers wird die Zuhörerinnen und Zuhörer musikalisch auf die zahlreichen Urlaubsregionen dieser Welt einstimmen.

Laurenz Bäthke ist Theaterpädagoge, Musiker und künstlerischer Leiter des Lingener Marionettentheaters. Darüber hinaus ist er als freier Dozent am Theaterpädagogischen Zentrum Lingen (TPZ) tätig und hat an vielen Theaterproduktionen mitgewirkt. Auch die Musik ist eine große Leidenschaft, weshalb er sich auch in dem Bereich zunehmend professionalisiert und im Dezember 2020 sein erstes selbst komponiertes und produziertes Album „Zwischen Zauberwelten“ veröffentlichte.

Susan Albers kann auf mehr als 30 Jahre Musik-Erfahrung zurückblicken. Sie veröffentlichte 2011 ihr Debüt-Album „Who Am I“. Im gleichen Jahr wurde auch die Yamaha Music Corporation auf sie aufmerksam. Seitdem bereist sie die Welt als deren internationale Botschafterin. Zudem nahm sie im Jahr 2013 an der Castingshow „Deutschland sucht den Superstar“ teil und erreichte dort den vierten Platz. Seit 2017 ist sie Teil einer Big Band oder tritt Solo am Piano auf. Bereits im vergangenen Corona-Sommer nahm Susan Albers am „Kleinen Lingener Sommer“ teil und war jüngst auch beim „Lingener Frühlingserwachen“ zu hören.

(Fotos: oben © Susan Albers und unten @ fotogen/Stadt Lingen)

 

Am einen Ende der Avus-Rennstrecke in Berlin befand sich deren Nordkurve. Sie war überhöht und wurde 1967 abgerissen, um sie durch eine flache 180°-Kehre zu ersetzen. Durch beides musste man als Rennfahrer erst einmal durchkommen.

In der seit dem letzten Herbst laufenden Debatte um Raumlüfter in den Schulen unserer Stadt hat gestern die lokale CDU versucht, ihre eigene politische Nordkurve unfallfrei zu durchfahren. Bisher hatte sie bekanntlich -gemeinsam mit ihrem SPD-Juniorpartner- alle Versuche der Fraktionen „Die BürgerNahen“ und Bündnis’90/Die Grünen abgeschmettert, für die städtischen Schulen Raumlüfter anzuschaffen. Sie war sich trotzig sicher, dass diese Geräte nichts bringen. Damit lag sie falsch.

Erst vor einer Woche wackelte dann ihre strikte Ablehnung. Da nämlich hatte der Betreiber dieses kleinen Blogs ein weiteres Mal im Lingener Verwaltungsausschuss appelliert, endlich Raumlüfter anzuschaffen. Angesichts der Nichtimpfung von Grundschüler*innen sei dies unverzichtbar, und ich hatte auf ein Programm des Bundes sowie den Ministerpräsidenten Markus Soeder (CSU) verwiesen, der in Bayern bis zum Herbst Tausende von Raumlüftern in die Schulklassen stellen lässt; das ist auch eher selten, dass ich Markus Soeder als Verbündeten habe. Erstmals und unverhofft kam dann vom OB, zwischen den und die Lingener CDU selten auch nur ein Blatt Papier passt, die Aussage, dass er das genauso sehe und die Stadt daher bereits prüfe, wo sie stationäre Raumlüfter -gefördert aus einem Programm des Bundes-  installieren könne.

Nun kann man sich leicht vorstellen, wie lange es dauert, bis unsere Stadtverwaltung dieses Projekt nicht nur. Man möge nur daran denken, dass der Mühlstein-Brunnen vor dem Amtsgericht jetzt seit fast neun Monaten still liegt, davon seit Mitte April inzwischen zweieinhalb Monate, um ihn zu reparieren.

Gestern nun verkündete dann aber das Land Niedersachsen, wegen der Ausbreitung der Delta-Variante des Coronavirus mehr Geld für neue Lüftungsanlagen in Schulen bereitzustellen – immerhin 20 Millionen Euro; bisher waren  Luftfilteranlagen nur in schlecht zu belüftenden  Klassenzimmern gefördert worden. Das neue Geld ist jetzt dafür vorgesehen, die Unterrichtsräume der Schuljahrgänge 1 bis 6 etwa mit Fensterventilatoren auszustatten. Laut Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) liegt der Schwerpunkt auf den Schülerinnen und Schülern dieser Jahrgänge, da ihnen in absehbarer Zeit kein Impfangebot gemacht werden könne.

Rein rechnerisch könnte bei der beabsichtigten 80-prozentigen Förderung mit den 20 Millionen Euro des Landes für jedes der rund 25.000 Klassenzimmer der Schuljahrgänge 1 bis 6 in Niedersachsen eine sogenannte Zu- und Abluftanlage angeschafft werden. Tonne versprach, die Förderung aufzustocken, sollte weiterer Investitionsbedarf bei der technischen Lüftungsunterstützung bestehen. Mobile Luftfiltergeräte und Fensterventilatoren würden das Lüften in den Klassenräumen aber nicht ersetzen, so der SPD-Minister – was allerdings auch nie jemand behauptet hat.

Und dann tropfte heute früh nach einem Hinweis des CDU-MdL Fühner an seine CDU-Ratskolleg*innen auf das Landesprogramm ein Antrag der Lingener Christdemokraten in die Post, den TOP „Stationäre Raumluftanlagen in Schulen und Kitas der Stadt Lingen“ auf die „Tagesordnung der zuständigen Gremien der Stadt“ zu setzen und zwar „schnellstmöglichst“, um folgenden Beschluss zu fassen:

„Die Stadtverwaltung wird beauftragt, schnellstmöglich ein Umsetzungskonzept für die Sanierung der Schulen und KiTas in der Stadt Lingen (Ems) mit stationären Raumluftanlagen zum Erhalt und zur Verbesserung der Luftqualität in den Klassen- und Gruppenräumen zu erarbeiten, die entsprechenden Fördermöglichkeiten zu eruieren und auszunutzen sowie die für die Umsetzung der Maßnahmen notwendigen Aufträge auszuschreiben.“

Es hilft übrigens nichts, das Wort stationär im sog Fettdruck zu schreiben, wenn der Antrag selbst mager und auch sorachlich nicht sonderlich ist. Soeder jedenfalls ist weit voraus, der niedersächsische SPD-Kultusminister liegt direkt hinter Soeder und beide fördern auch mobile Luftfilter. Die Stadtverwaltung „eruiert“ außerdem bereits seit Wochen den Einbau stationärer Raumlüfter, wie OB Krone im VA sagte. Dafür braucht sie nicht einmal die CDU. Doch es geht längst nicht mehr um stationäres sondern um dauerhaftes:  mobile Raumlüfter in allen Schulklassen – jetzt.

Ich sage voraus, dass die Lingener CDU in den Wochen vor der Kommunalwahl auch noch merkt, was für unsere Schülerinnen und Schüler längst nötig ist: Schnell bei Kampmann 600 Raumlüfter bestellen, damit sie am Ferienende in den Klassen und Kitas stehen – übrigens auch in den Lingener Klassen der bisher praktisch nicht geimpften, älteren Jahrgänge von 12-16 und bei den Kita-Kindern. Geld genug ist da.


Foto oben: überhöhte AVUS-Kurve Große Rennvernstaltung auf der AVUS – Blick vom Funkturm (Historische Ansichtskarte);
Foto unten: CDU-Zentrale in Lingen CC 3.11.2015;

 

Es geht langsam voran. Aber es bewegt sich. Unsere Stadtratsfraktion „Die BürgerNahen“ und auch die Kollegen der Grünen haben vielfach verlangt, die städtischen Schulen und Kita mit Raumlüftern auszustatten. Das scheiterte bisher am strikten Nein von OB Krone, der Stadtverwaltung und von der Allianz aus CDU-Ratsmehrheit und SPD.

Vorgestern im Verwaltungsausschuss, dem höchsten Beschlussgremium nach dem Rat in unserer Stadt, habe ich unter dem Tagesordnungspunkt „Aktueller Sachstand zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie“ dann nochmals die Initiative für Raumlüfter ergriffen und gefragt, ob die Stadtverwaltung jetzt Anträge auf Zuschüsse aus dem Bundesprogramm für die Raumlüftung stelle oder gestellt habe. Dieses Programm ist neu aufgelegt und damit werden in den Bildungsstätten für Kinder stationäre, fest eingebaute Raumlüfter zu 80 % bezahlt.

Erstmals erklärte in der sich auf meine Frage anschließenden Debatte OB Krone, dass die Verwaltung für die Installation solcher Raumlüfter in Schulen und Kitas sei. Man habe mit der Prüfung begonnen, wo solche Lüfter „kurzfristig“ und möglichst schon in den Sommerferien eingebaut werden könne. Er, so Krone, befürworte diese Raumlüfter ausdrücklich.

Ein Kollege aus der CDU meinte in der Folge, es solle aber möglichst einheitlich im ganzen Landkreis gehandelt werden. Kollege Thomas Kühle (Grüne) wies nochmals daraufhin, dass das Stoßlüften nicht wirklich eine gute Sache sei. Bei Hitze würde es bspw. ganz wenig bringen.

Nun denn, Hauptsache es wird endlich gehandelt – auch wenn es leider viel spät ist. Und die Sache mit mobilen Raumlüftern setzen wir auch noch durch. Denn die Entscheidung des Bundeskabinetts, Raumentlüftungen zu fördern, unterstreicht, dass die Raumlüfter als wirksames Mittel zur Bekämpfung der Pandemie anerkannt wird. Dies insbesondere vor dem Hintergrund, dass neue, gefährliche  Virusvarianten sich entwickeln werden und die Sorge vor möglichen Schulschließungen nach den großen Ferien steigt. Es gibt die Förderung von Raumlüftern übrigens ja bereits seit Oktober 2020  bei und für Gaststätten und das, was für die Gastronomie gut ist, sollte doch für unsere Kinder in den Schulen und Kitas auch endlich möglich sein. Anderorts wie in Bayern geht es jetzt jedenfalls, auch wenn es auch dort vor einem Jahr viel besser gewesen wäre:

 

 

Corona-Held:innen

26. Juni 2021

„Die NDR Ensembles bedanken sich und laden Corona-Heldinnen und -Helden zu ihren Konzerten im Juli ein. Benennen Sie jetzt Ihre ganz persönliche Corona-Heldin, Ihren ganz persönlichen Corona-Helden!“

Wir, schreibt der NDR, suchen die Heldinnen und Helden der Pandemie: Den fürsorglichen Nachbarn, der eine Familie in häuslicher Quarantäne unterstützt. Die Lehrerin, die ihre Schülerinnen und Schüler auch auf Distanz zu begeistern vermag. Die Pflegekräfte, den Pizza-Lieferanten, die Supermarkt-Angestellte – Menschen, die anderen geholfen haben, die Krise zu überstehen – und durch persönliches, gesellschaftliches oder berufliches Engagement zu ganz normalen Heldinnen und Helden geworden sind.

Held*in vorschlagen und zwei Ehrenkarten verschenken

Bei ihnen möchten sich die Musikensembles des Norddeutschen Rundfunks bedanken und die Heldinnen und Helden der Corona-Pandemie mit jeweils zwei Ehrenkarten einladen. Diese besonderen Tickets können für die Konzerte des NDR Elbphilharmonie Orchesters, der NDR Radiophilharmonie, des NDR Chores oder auch der NDR Bigband im Juli genutzt werden – in der Elbphilharmonie Hamburg oder im Großen Sendesaal des NDR Landesfunkhauses Niedersachsen in Hannover.

Jede*r ist aufgerufen, sich zu beteiligen und eigene Corona-Held*innen vorzuschlagen, von denen er oder sie während der Pandemie unterstützt worden ist. Sollte die Nachfrage das Ticket-Angebot übersteigen, behalten wir uns vor per Los über die Vergabe zu entscheiden.

Bis Mittwoch, 30. Juni 2021, mitmachen!

Nennen Sie uns bis Mittwoch, 30. Juni 2021, 23.59 Uhr Ihre Corona-Heldin, Ihren Corona-Helden über das untenstehende Formular. Wenn Ihre Nennung mit von der Partie ist, erhalten Sie von unseren Vertriebspartnern via E-Mail zwei Ehrenkarten zur persönlichen Weitergabe an Ihre Heldin, Ihren Helden: Einfach über den Buchungslink die zwei Wunschtickets auswählen, ausdrucken oder direkt über die E-Mail-Weiterleitung als E-Ticket weiterverschenken. Machen Sie mit und sagen Sie ebenfalls Danke!

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. NDR Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen und deren Angehörige sind nicht teilnahmeberechtigt.

Alle Informationen findet man unter NDR.de/coronaheldInnen.


Hier alle Konzerte für die Corona-Heldin oder den Corona-Helden:

Do, 08.07.2021, 18.30 Uhr | Semyon Bychkov und das NDR Elbphilharmonie Orchester| Elbphilharmonie Hamburg
Do, 08.07.2021, 21 Uhr | Semyon Bychkov und das NDR Elbphilharmonie Orchester| Elbphilharmonie Hamburg
Fr, 09.07.2021, 18.30 Uhr | Semyon Bychkov und das NDR Elbphilharmonie Orchester| Elbphilharmonie Hamburg
Fr, 09.07.2021, 21 Uhr | Semyon Bychkov und das NDR Elbphilharmonie Orchester| Elbphilharmonie Hamburg
Fr, 09.07.2021, 16.30 Uhr | Thomas Søndergård und die NDR Radiophilharmonie | Großer Sendesaal Hannover
Fr, 09.07.2021, 20 Uhr | Thomas Søndergård und die NDR Radiophilharmonie | Großer Sendesaal Hannover
Sa, 10.07.2021, 18.30 Uhr | Thomas Søndergård und die NDR Radiophilharmonie | Elbphilharmonie Hamburg
Sa, 10.07.2021, 21 Uhr | Thomas Søndergård und die NDR Radiophilharmonie | Elbphilharmonie Hamburg
Sa, 10.07.2021, 20 Uhr | Geir Lysne und die NDR Bigband | Großer Sendesaal Hannover
So, 11.07.2021, 19.30 Uhr | Geir Lysne und die NDR Bigband | Elbphilharmonie Hamburg
So, 11.07.2021, 11 Uhr | Klaas Stok und der NDR Chor | Elbphilharmonie Hamburg

 

„Das ist wirklich schade für die Lingener Kinder und die Familien“, sagte am vergangenen Donnerstag nach der Sitzung des Jugendhilfeausschusses der Stadt Lingen Ratsfrau Margitta Hüsken (Die BürgerNahen). Der Ausschuss hatte tags zuvor den Antrag der BN abgelehnt, ab 1. Juli allen Kindern kostenlos den städtischen Ferienpass auszuhändigen und jedem Kind mit einem Ferienpass kostenlosen Eintritt in das städtische LINUS-Freibad zu gewähren.

Margitta Hüsken: „Wir wollten allen Kindern und ihren Familien ein kleines Dankeschön geben. Das hatten sie angesichts ihrer großen Belastung in der Corona-Pandemie verdient. Deshalb hatten wir beantragt, allen Kindern aus unserer Stadt im Juli und August den Ferienpass 2021 kostenlos auszugeben und ihnen damit zugleich freien Eintritt in das LINUS zu geben. Dies hätte allen Kindern, Vätern und Müttern geholfen, die in der Corona-Zeit so große Belastungne getragen haben.“

„Unser Vorschlag ist aber im Ausschuss abgelehnt worden. Statt unserer einfachen und klaren Lösung, für die außer mir nur die drei Ausschussmitglieder Ibrahim Hasan, Herbert Jäger und Heiner Rohoff stimmten, gibt es jetzt in Lingen die ausgesprochen bürokratische Regelung,

„gerade die Personen und Familien, die bereits mit dem vor Jahren einvernehmlich vom Rat eingeführten „ LingenPass“ als unterstützungsbedürftig anerkannt wurden, in der Form zu fördern, als dass die jeweiligen Samstage und Sonntage in den Sommerferien als „Familientage“ mit dem Lingen-Pass bei freiem Eintritt in diese das Linus-Freibad gestaltet werden können. Hierdurch ergibt sich die Möglichkeit für Familien, an den max. 12 Wochenendtagen in den Sommerferien anstelle des Familientarifs im Freibad von 10 kostenlos mit der Familie das Linus-Freibad zu besuchen.“

Dazu muss allerdings „die Zielgruppe“ (Verwaltungsformulierung) erst den „LingenPass“ im Rathaus beantragen, worüber die Stadtverwaltung so informiert:

„Der LingenPass ist nach Vorlage der anspruchsbegründenden Unterlagen wie z.B. ALG I und ALG II Leistungen, Wohngeld usw. unbürokratisch im Fachdienst Soziales der Stadt Lingen (Ems) zu erhalten. Weitere Informationen zum LingenPass sind unter https://www.lingen.de/pdf_files/allgemein/lingenpass-voraussetzungen-und-verguenstigungen_1444_1.pdf zu erhalten.“

„Bemerkenswert parteiisch“, so die BN, habe sich bei der Beratung über den Vorschlag der Bürgernahen auch der Vorsitzende des Ausschusses Roth (CDU) verhalten. Entgegen der Geschäftsordnung ließ er zuerst die Verwaltungsdezernentin Schwegmann ans Mikro und nicht die Vertreterin der BN, um den Antrag vorzustellen. „Das sind vermeintlich kleine, aber tatsächlich einfach undemokratische Unkorrektheiten,

LingenPass, Ludwig-Windthorst-Hau
Der BN-Fraktionsvorsitzende Robert Koop ergänzte gegenüber der Presse: „Wir fragen, weshalb die CDU und andere Neinsagen dazu, dass in diesem Sommer allen Kindern und ihren Familien respektvoll danke gesagt werden soll. Der Verwaltungsvorschlag (online über lingen.de nachzulesen in der Ratsvorlage „183/2021 1. Ergänzung“) spaltet nicht nur die Lingener Kinder in solche, die immer zahlen und solche, die ab und zu nicht zahlen. Er zeigt vor allem, dass eben nicht alle Kinder und ihre Familien gleich behandelt werden. Unser Ziel war, dass unsere Stadt allen Familien Danke sagt, wie großartig sie die Corona-Lasten getragen haben. Jetzt beschäftigen wir Bürokraten mit Anträgen für Bedürftige und von montags bis freitags dürfen alle Kinder zahlen. Es ist ein unzureichendes Ergebnis, sich nur bei einigen zu bedanken, die man als „Zielgruppe“ bezeichnet. Dabei ist doch klar: Alle verdienen Dank, nicht nur einige.“

„Aber dieses Neinsagen kennen wir leider aus der Ablehnung unserer Anträge für gesundheitsfördernde Raumentlüftungen in Schulen und Kitas oder für die  Gebührenerstattung für Familien, die voll für den Kita-Besuch zahlen müssen, obwohl ihre Kinder die Kita-Einrichtungen praktisch nicht nutzen konnten.“


Ein Crosspost-Beitrag auf dem Blog der Bürgernahen

 

Nachtrag:

Auf der Tagesordnung der nächsten Sitzung des (nicht öffentlich tagenden) Verwaltungsausschusses der Stadt -nach dem Stadtrat das höchste Beschlussgremium unseres Gemeinwesens – steht übrigens der Antrag, „wegen Corona“ einen Zuschuss von 75.000 Euro zu bewilligen. Bei dieser Zielgruppe der Ratsmehrheit klappt es eben…

Natürlich…

20. Juni 2021

…muss die Überschrift dieses Beitrags „Rettet dem Dativ“ lauten. Heute habe ich dieses DPA-Foto auf der Website der Tagesschau gefunden:

woher

5. Juni 2021