taz

27. Juni 2022

Macca

18. Juni 2022

Paul McCartney wird heute 80 Jahre alt. Den erfolgreichsten Song der Beatles, „Hey Jude“ schrieb er allein und bis heute beendet „Macca“, so McCartneys Spitzname, jedes seiner Konzerte damit. Hier gleich in zwei Versionen

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IFEN

8. Juni 2022

Fest verwurzelt bei den Menschen: Beim „32. Internationalen Filmfest Emden-Norderney“ wird erstmals ein Preis für Umweltthemen vergeben.

Geschäftsführerin Nora Dreyer nennt es die „fünfte Jahreszeit in Emden“. Und tatsächlich: Zumindest in Norddeutschland ist kein anderes Filmfestival derart im Ort verwurzelt wie das „Internationale Filmfest Emden-Norderney“. Viele Läden in der Innenstadt dekorieren speziell zu diesem Anlass ihre Schaufenster, vor dem Rathaus sowie am alten Binnenhafen weht an allen Fahnenmasten die Festival-Flagge.

Es ist das Sommerfilmfestival in der Region, und so konnte es auch nur eine Notlösung sein, als es im Vorjahr wegen der Pandemie vom Juni auf den Oktober verschoben wurde: Diese Entscheidung war umstritten und ein Teil des Festivalteams, zu dem auch Mo­de­ra­to­r*in­nen gehörten, viele Jahre lang die bekanntesten Stimmen des Festivals, schied im Streit.

Umso mehr kann sich nun Nora Dreyer freuen, denn sie wurde erst im Jahr 2019 als neue Geschäftsführerin benannt, die 32. Ausgabe ist also das erste „normale“ Filmfestival unter ihrer Leitung. Sie kommt aus Emden aus der Branche: Die 32-Jährige hat jahrelang das örtliche Cinestar-Multiplexkino geleitet, die Hauptspielstätte des Festivals.

Das IFEN versteht sich als Publikumsfestival. So erklärt sich, dass es 2021 nicht als Hybridveranstaltung abgehalten wurde, sondern in Präsenz, wenn auch unter Pandemiebedingungen: „Es ist uns ganz wichtig, Verbindungen zwischen Filmemacher*innen, Gästen aus der Filmbranche und dem Publikum zu ermöglichen. Und das ist online unmöglich!“ Auch im „normalen“ Festivalbetrieb läuft hier aber deshalb vieles anders. Die Preise bei den Wettbewerben vergeben keine Jurys, sondern das Publikum. Es gibt…

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re:publica 22

7. Juni 2022

Re:publica – das Festival für die digitale Gesellschaft ist zurück! Die re:publica ist die deutsche Konferenz rund um das Web 2.0, speziell Weblogs, soziale Medien und die digitale Gesellschaft. Die Konferenz beginnt am morgigen Mittwoch in Berlin.  Eine neue Location auf dem Gelände der Arena Berlin und dem Festsaal Kreuzberg verspricht nach drei Jahren Online-Konferenz den echten Neustart. Direkt an der Spree, im Herzen von Berlin, bietet das weitläufige Areal ganz viel Raum für In- und Outdoor-Bühnen, Flächen für Workshops, Makerspaces, Kunstaktionen, Musik, aber natürlich auch für Austausch und Begegnungen.

Wer schon einmal die re:publica besucht hat, weiß, dass sie stets mit dem munteren  gemeinsamen Singen von Queens „Bohemian Rhapsody “ endet. „Any Way the Wind Blows“ ist die letzte Zeile dieses Songs, und es waren also auch die letzten Worte, die im vorpandemischen Miteinander der re:publica 2019 fielen. Als Motto für die erste re:publica „in real life“ nach drei Jahren Trennung soll dieser Faden nun symbolisch wieder aufgegriffen werden. Das Motto der Konferenz mag dabei eher schräg sein, denn Winde aus wechselnden Richtungen mögen zwar am Ende des Queensongs angesagt sein, aber bei einem „Festival für die digitale Gesellschaft“ passt das nicht so wirklich.

Trotzdem darf man sich von der Veranstaltung einnehmen und überraschen lassen, die 2007 als Blogger-Lesung in einer Kalkscheune begann. Noch besteht auch das Prinzip Hoffnung, dass Bundeskanzler Olaf Scholz zum Neustart der re:publica im Gespräch mit RTL-Moderatorin Linda Zervakis nicht nur über das Großthema Digitalisierung sondern überhaupt klare Worte findet, was das Gewinnen betrifft. Obwohl, alles scheint da längst getaktet und präzise vorbereitet. „Nie wieder Krieg“ – der Auftritt von Tocotronic wird im Jahr des Krieges gegen die Ukraine den Schlusspunkt unter die re:publica 2022 setzen, wie Markus Beckedahl als Mitgründer der Berliner Veranstaltung vergangene Woche sagte. Bundeskanzler Olaf Scholz wird die re:publica übrigens am zweiten Tag besuchen.

Ein Schwerpunkt der Konferenz sind die Nachhaltigkeit und der Klimawandel. Darüber wird nicht nur geredet, das lebt die re:publica  auch vor. Pappe und Holz werden die bestimmenden Werkstoffe sein, auf Fleisch wird beim Catering komplett verzichtet und auch beim Merchandising setzt die Veranstaltung auf Nachhaltigkeit.

Ein weiterer Schwerpunkt beschäftigt sich mit den Medien. Von Desinformation und Hass im Netz über Begrenzung der Macht großer Tech-Konzerne bis hin zu einem „Media Parcours“ reicht die Bandbreite. Am Tag vor dem offiziellen Beginn läuft der ZDF-Thriller „Der Schwarm“ nach dem Roman von Frank Schätzing als Preview.

Die Eröffnungs-Keynote hält die Transformationsforscherin Maja Göpel, die Philosophin Carolin Emcke diskutiert mit Klimaökonom Ottmar Edenhofer. Weitere Sprecher sind unter anderem die Wissenschaftsjournalistin Mai Thi Nguyen-Kim, die Virologin und stellvertretende Vorsitzende des Corona-ExpertInnenrats der Bundesregierung Melanie Brinkmann, Klima-Aktivistin Luisa Neubauer, Social-Media-Star El Hotzo und der Physiker James Beachem, der sonst auf TikTok über Schwarze Löcher spricht.

Neu ist in diesem Jahr die Veranstaltung .txt am vierten Tag. Es geht wohl  darum, wieder mehr über das geschriebene Wort zu reden, erklärte Johnny Haeusler. Darin steckt ein „Zurück zu den Anfängen“ und damit zu den Jahren, als die re:publica noch als Familientreffen der Blogger-Szene galt,  wobei das geschriebene Wort im positiven Sinne ebenso als Vorbereitung für aktuelle Podcasts benötigt werde. Mehr…


Quellen: WWWW, Tagesspiegel

ARTE30

30. Mai 2022

ARTE? Klar, das ist der TV-Sender mit den Dokus. Aber wer weiß schon, dass der deutsch-französische Kanal mit dem sperrigen Namen „Association Relative à la Télévision Européenne“  stand für wöchentlich sechs Filme zeigt, spannende Serien und großartige Konzerte?

Am 30. Mai 1992 ging ARTE auf Sendung. Aus dem Projekt eines deutsch-französischen Kulturkanals ist längst mehr geworden. Es ist ein Sender für Europa mit einem Programmangebot in sechs  Sprachen (Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Polnisch, Spanisch)  geworden.

Vor dem Arte-Gebäude in Straßburg, schreibt der „Tagesspiegel“, grüßt die Skulptur „Giraffenmann“ von Stephan Balkenhol. Ein hybrides, trotz der drei Meter Größe unaggressives, rätselhaftes Mischwesen, das Ruhe ausstrahlt und zum Reflektieren auffordert. Dass auch Kontemplation hungrig macht, beweist im Inneren die Kantine, die hier keine ist, sondern ein Restaurant. So viel Frankreich muss schon sein. Da ist es nur zwangsläufig, dass Arte in den Anfangszeiten seiner Sendungen auf die unterschiedlichen Abendessenszeiten in Deutschland und Frankreich Rücksicht nimmt. Erst das Essen, dann das Vergnügen.

Für einen Fernseh­-Dandy typisch: Ausgestrahlt werden kein Sport, keine Volksmusik, keine Talkshows, dafür Philosophie (Raphaël Enthoven), deutsch-französische Kuriositäten („Karambolage“) und „Streetphilosophy“ (Ronja von Rönne), Arte Opéra und Arte Concert, beides linear und online, in der Mediathek oder auf YouTube.

In dieser Woche feiert ARTE seinen 30. Geburtstag mit einem besonderen Jubiläumsprogramm.

Darunter sind der Spielfilm „Leto“ des russischen Regisseurs Kirill Serebrennikow über das Milieu der Untergrund-Rockszene der frühen 80er-Jahre. Ebenfalls am 30. Mai zeigt Arte in Erstausstrahlung den oscarnominierten Animations-Dokumentarfilm „Flee“ – eine intime Lebensbeichte über Exil, Vertrauen und die Schwierigkeit des Wurzelschlagens.
Gestern bereits war die Neuinszenierung der Oper „Don Pasquale“ von Gaetano Donizetti aus der Staatsoper Hamburg zu sehen. Geplant sind zudem ein Konzertmitschnitt von Sting sowie eine musikalische Hommage an Chuck Berry am 3. Juni. Mehr…

Die Hacktivistengruppe Obfuscated Dreams of Scheherazade hat eine Website namens WasteRussianTime.today ins Netz gebracht, die dafür sorgen kann, dass per Klick irgendwelche russischen Bürokraten random per Telefon miteinander verbunden werden, ohne vorher davon gewusst zu haben. Sie können sich dann übers Wetter oder die Familie austauschen. Sie können sich dann auch einfach nur wundern – jedenfalls verschwenden sie ihre Zeit.

Gerade jetzt ist die Seite allerdings nicht zu erreichen. Da wollen wohl einige, dass diese Leute in ihrer Zeit strapaziert werden. Oder andere, dass das wieder aufhört.

We have collected the phone numbers of thousands of Duma employees, employees of the Ministry of War and Economy, mid-level administrators and high-ranking politicians from Russia.

This is a civil intervention: if you are hanging on the phone, you canʼt drop bombs, you canʼt coordinate soldiers, you canʼt make invasion plans. It brings a bit of chaos to the warmongering of the Russian government. We donʼt want war, ever. We want a peaceful intervention.

(via boingboing)


Text und Foto: das_kfmw

jede Minute

18. Mai 2022

Firmen greifen jede Minute deine Daten ab: Technologieunternehmen machen dann ihr Geld mit Online-Werbung. Ein neuer Bericht des Irish Council for Civil Liberties (ICCL) zeigt, in welchem Ausmaß sie dafür Daten abgreifen – und wo diese Daten landen.

die welt bei nacht aus dem weltraum fotografiert
Ein neuer Bericht zeigt, wie persönliche Daten dank Google und Co. bei Firmen in der ganzen Welt landen. Gemeinfrei-ähnlich freigegeben durch unsplash.com NASA

Eine Person, die in Deutschland im Internet unterwegs ist, wird im Schnitt jede Minute vermessen. Was schaut sie an? Wo geht sie hin? Auf das so geschnürte Datenpaket können Tausende Firmen zugreifen. Das geht aus einem neuen Bericht des Irish Council for Civil Liberties (ICCL) hervor. Firmen auf der ganzen Welt haben demnach Zugang zu teils sehr privaten Daten wie sexuellen Vorlieben oder politischer Haltung. Die Bürgerrechtsorganisation prangert die Aktivitäten der Tech-Giganten als „größtes Datenleck“ an.

Anhand interner Dokumente aus der Werbeindustrie beleuchtet der Bericht das so genannte Real-Time-Bidding, ein Verfahren, mit dem in Echtzeit Anzeigenplätze auf Webseiten oder Apps versteigert werden. Dafür wird erhoben, welche Inhalte sich Nutzer:innen ansehen oder wo sie sich befinden, um ihnen zielgenau passende Werbeanzeigen zeigen zu können. Die Zahlen des Berichts beziehen sich auf Europa und die Vereinigten Staaten. Pro Tag würden in Europa demnach 197 Milliarden mal Daten abgegriffen.

„Google und Microsoft größte Datensammler“

Der größte Akteur ist dem Bericht zufolge Google. Doch auch Microsoft sei in die obere Liga aufgestiegen, seit es Ende 2021 die Real-Time-Bidding Firma Xandr kaufte. Zwei weitere Unternehmen, die ebenfalls im großen Stil mit Daten handeln – Facebook und Amazon – sind in den ausgewerteten Dokumenten nicht berücksichtigt, so der ICCL. Laut den recherchierten Zahlen ist Google in Deutschland und Europa der größte Händler. Pro Jahr beläuft sich der Wert des Real-Time-Bidding dem Bericht zufolge auf 117 Milliarden Dollar in den USA und Europa. In der EU sollen es 2019 23 Milliarden Euro gewesen sein. Aus den Dokumenten geht außerdem hervor, dass der Umfang des Datensammeln in Europa deutlich geringer ist als in den Vereinigten Staaten.

Technisch ist das Real-Time-Bidding leicht nachvollziehbar: Sobald man eine entsprechende Seiten öffnet, sammelt ein Dienst im Hintergrund Gebote für die Anzeigenplätze. Die Bietenden analysieren sämtliche Daten der Person, die die Anzeige sehen soll und entscheiden, ob und wie hoch geboten wird. Der höchstbietende Dienst bekommt anschließend den Anzeigenplatz. All das läuft in Echtzeit, also innerhalb weniger Millisekunden ab. Zu den Daten, die alle Dienste während des Prozesses abgreifen können, zählen nicht nur Standort oder Alter. Sie beinhalten oft auch persönliche Vorlieben oder religiöse Orientierung.

Daten enden auf der ganzen Welt

Die Daten, die gesammelt werden, sind nicht nur für die Bieterdienste zugänglich. Laut dem Bericht des ICCL teilt in Europa allein Google die gesammelten Daten mit 1.058 Unternehmen. Darunter seien auch Firmen aus China und Russland. Ein weiteres Dokument aus der Tracking-Industrie zeigt, welche privaten Informationen gesammelt werden, darunter zum Beispiel, ob eine Person Suchtprobleme oder Geschlechtskrankheiten hat. Welche Konsequenzen das haben kann, zeigte erst kürzlich ein Fall in den USA, bei dem ein katholischer Newsletter-Dienst mithilfe von kommerziell zugänglichen Daten aus der Dating-App Grindr einen Priester als homosexuell outete.


Ein Beitrag von Philipp Gröschel
auf Netzpolitik.org / Creative Commons BY-NC-SA 4.0.

Was die Kulturschaffenden im Emsland bereits seit rund zwei Jahren kritisieren hat jetzt auch die Amateursportszene erreicht. Die Berichterstattung in der Lokalpresse der NOZ, die immer mehr abnimmt und längst -im Vergleich zu anderen Zeitungen- nur noch flach genannt werden kann. LT, MT und EZ glänzen nur noch durch den Mut zur Lücke und durch großes Weglassen. Gestern veröffentlichte der NFV-Emsland auf seiner Website dazu diesen Protestbeitrag:

Bei unzähligen Veranstaltungen des Kreisfußballverbandes mit seinen Vereinen kritisierten diese immer wieder, dass die Arbeit der vielen Ehrenamtlichen im emsländischen Fußball in der Berichterstattung der Spiele von der Bezirksliga abwärts in der örtlichen Presse nur sehr unzureichend dargestellt wird. Ganz besonders wurde dieses auf den „Vereinsdialogen light“, die über das gesamte Emsland verteilt mit den Vereinen durchgeführt wurden, immer wieder bemängelnd zur Sprache gebracht. Selbst fertig gelieferte Texte und Berichte von Veranstaltungen wie z.B. Versammlungen, Ehrungen etc. würden selten übernommen und abgedruckt.

Der ehemalige Vorsitzende von Concordia Emsbüren, Franz Silies, hat diesen aus der Sicht vieler Vereinsvorstände großen Missstand einmal aufgegriffen und einen Leserbrief verfasst. Seitens der Redaktion der NOZ wurde ihm nun auf Nachfrage allerdings erklärt, dass eine Veröffentlichung nicht beabsichtigt ist.

Der Vorstand des Kreisfußballverbandes unterstützt die Eingabe von Franz Silies, zumal sie sich mit den Meinungen der Vertreter vieler Vereine im Emsland deckt.

Aus diesem Grunde veröffentlichen wir nun nachstehend diesen Leserbrief und würden uns freuen, wenn wir dazu und zu der Problematik mit der örtlichen Presse Reaktionen und Meinungen aus den Reihen unserer Fußballvereine bekommen könnten.

„Leserbrief

Es ist an der Zeit. Seit Monaten (einige sagen, schon seit Jahren) kann man beobachten, wie die Sportberichterstattung, hier in erster Linie der Fußball-Lokalsport (Emslandsport) in der Lingener und Meppener Tagespost sowie in der Emszeitung im stetigen und unaufhörlichen Niedergang begriffen ist. Das ist nicht nur meine, sondern wie ich weiß, auch in vielen anderen Vereinen die einhellige Meinung. Nicht nur dort, sondern auch auf höherer Ebene. Einiges ist auch schon versucht worden, doch man stößt auf taube Ohren. Nur noch der SV Meppen spielt eine Rolle (haben sie auch verdient). Die „kleinen“ Vereine bleiben auf der Strecke.

Wenn man früher, vor allem am Montagmorgen, in die Zeitung schaute, konnte man sich über eine gute, interessante und umfassende Berichterstattung seines und anderer emsländischer Vereine informieren – auch über die Kreisgrenzen hinaus.

Das hat sich jedoch grundlegend geändert. Seit Beginn des Jahres fehlen z.B. die Mannschaftsaufstellungen und die Vereinsembleme in der Bezirksliga. Die Lücken sind da, man muss sie nur auffüllen. Die Spielberichte sind äußerst dürftig gehalten, häufig nichtssagend, belanglos und uninteressant ( etwa in der Art: das Spiel endete 0:0, so stand es auch schon zu Beginn des Spiels). Einige Berichte über stattgefundene Spiele werden einfach weggelassen, nur wenige sind einigermaßen ausführlich. Das Durchblättern geht noch schneller als bei der Zeitung mit den großen Buchstaben. Dabei mache ich nicht unbedingt der Sportredaktion einen Vorwurf. Denen sind sicherlich die Hände ebenfalls gebunden.

Ergebnisse und Tabellen aus dem Jugendbereich findet man von der Bezirksliga abwärts gar nicht mehr. Woran liegt das? Spielt etwa der Platz- oder Personalmangel eine Rolle? Oder ist es Order von ganz oben? Stehen nur noch einige wenige Zeilen zur Verfügung? Viele Fragen, aber keine Antworten! Gewinnspiele und Werbung nehmen dafür immer mehr Raum ein. Bringt ja auch richtig Geld.

In diesen Tagen finden viele Nachholspiele während der Woche in den verschiedenen Ligen statt. Darüber kaum ein Wort. Wenn doch, dann sehr verspätet. Aktualität geht anders. Das alles ist für den gemeinen Sportfreund sehr frustrierend. Da wird einmal wieder die Monopolstellung deutlich. Der Leser bzw. Abonnent der Zeitung finanziert schließlich die Zeitung auch mit und will auch in diesem Bereich umfassend informiert sein. Anscheinend soll man sich in erster Linie online schlau machen.

Wenn Vereine Berichte an die Redaktion schicken, um von und aus ihrem Verein zu berichten, ist es inzwischen zum Glücksfall geworden, wenn etwas darüber auch erscheint. Vielleicht noch im EL-Kurier. Meistens bekommt man nicht einmal eine Antwort. Man wird einfach nicht mehr ernst genommen. Das gilt im Übrigen nicht nur für Sportvereine.

Es ist zu befürchten, dass diese völlig unbefriedigende Situation noch länger anhält und/oder sich noch verschlechtert. Warten wir einmal ab, wie sich alles weiterentwickelt. Der Unmut wächst. Es ist an der Zeit.

Franz Silies, Finkenweg 3, 48488 Emsbüren“

Mein Fazit:
Wir wissen, dass die Lokalblätter über die Verlagspolitik ihrer NOZ selbst nichts veröffentlichen. Deshalb wundert es mich nicht, dass man nichts von all dem Bedenkenswerten in den emsländischen NOZ-Ausgaben lesen kann.

Dasselbe gilt für andere NOZ-Interna wie das Beispiel, dass der NOZ-Verlag seit Jahren Kurzarbeitergelder für Redakteure abgreift und sich auf diese Weise subventionieren lässt – kein Wort darüber im redaktionellen Teil. Im Lokalteil ist die Kulturberichterstattung auf nahezu Null geschrumpft. Und die sonstigen Berichte sind inhaltlich wie quantitativ -sagen wir- ausgesprochen schmale Kost.

Das reicht nicht und das sicht- und greifbare Scheitern des emsländischen Lokaljournalismus verletzt die zentrale Aufgabe für den Journalismus im Allgemeinen, für den lokalen Journalismus im Besonderen. Die heißt: Öffentlichkeit herzustellen. Freie Medien haben konstitutive Bedeutung für die Demokratie. Das Verfassungsgericht lässt keinen Zweifel: „Eine freie, nicht von der öffentlichen Gewalt gelenkte, keiner Zensur unterworfenen Presse ist ein Wesenselement des freiheitlichen Staates.“  Das Runterschrauben und Verschweigen der lokalen Ereignisse von Kultur, Sport und längst mehr gefährdet die Demokratie; so schlicht ist die Wahrheit.

Wächteramt, erklärender Journalismus, Forumsfunktion, Bürgerzeitung: Die Ansprüche der Gesellschaft an die Medien sind hoch. Wenn Zeitungen ihnen gerecht werden, leisten sie viel, tun der Demokratie gut, halten sie lebendig. Wenn nicht erreichen sie das Gegenteil.

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Crosspost NFV-Kreis Emsland, Foto: Franz Silies © svce

Leute, wie die Zeit vergeht! Vorgestern Abend hat der Verein Digitalcourage in Bielefeld wieder den Big Brother Award verliehen. Das BKA bekam einen und Lieferando bekam ihn auch geliefert. Ein weiterer Negativpreis ging auf das Konto von Klarna – und auch die Bundesdruckerei erhielt ihre Datenschutz-Rüffel schwarz auf weiß. Netzpolitk.org informiert:

Seit mehr als 20 Jahren wird der Big Brother Award vom Verein Digitalcourage verliehen. Der Negativpreis geht an Unternehmen, Behörden oder Personen, bei denen die Jury Nachholbedarf in Sachen Datenschutz sieht.

In der fünfköpfigen Jury sind Expert:innen aus unter anderem Wissenschaft und Datenschutz. Im Vorfeld konnten Interessierte Nominierungen einreichen. Redaktionen wie auch netzpolitik.org wurden vor der Preisverleihung informiert, um die Preisträger:innen vor der offiziellen Verkündung kontaktieren zu können.

BKA in Kategorie „Behörden und Verwaltung“ ausgezeichnet

Die Negativpreise werden in verschiedenen Kategorien verliehen. In der Kategorie „Behörden und Verwaltung“ ist es dieses Jahr das Bundeskriminalamt. Die Jury begründet dies mit der „Art, wie personenbezogene Daten in Dateien abgespeichert und genutzt werden“. Weiter heißt es: „Entgegen der verfassungs- und europarechtlichen Vorgaben werden die Daten in Dateien nicht oder unzureichend gekennzeichnet.“ Es bestehe die Gefahr, dass Millionen Menschen von der Polizei oder anderen Behörden ungerechtfertigter Weise als Gefährder oder Straftäter behandelt würden.

Naturgemäß löst der Big Brother Award bei den Prämierten wenig Freude aus. Das BKA teilt netzpolitik.org mit: „Die Polizeien des Bundes und der Länder verarbeiten personenbezogene Daten auf Grundlage der geltenden Gesetze und nach europarechtlichen Vorgaben.“

In der Kategorie „Verbraucherschutz“ bekommt die schwedische Bank Klarna Bank AB den Big Brother Award. Klarna ist ein Zahlungsanbieter, der insbesondere beim Online-Shopping eingesetzt wird. „Klarna bündelt intransparent Daten und Macht als Shopping-Service, Zahlungsdienstleister, Preisvergleichsportal, persönlicher Finanzmanager, Bonitätskontrolleur und Bank“, schreibt die Jury. Klarna schreibt netzpolitik.org, sich an die europäischen Datenschutzgesetze (DSGVO) zu halten. „Auch können unsere Kund*innen jederzeit eine Kopie ihrer personenbezogenen Daten anfordern und ihre Daten berichtigen und löschen lassen.“

Irland als „Oase für Geschäftsmodelle des Überwachungskapitalismus“

Auch die Bundesdruckerei GmbH erhält in diesem Jahr einen Big Brother Award, und zwar in der Kategorie „Technik“. Das staatliche Unternehmen ist unter anderem für Personalausweise, Visa oder Briefmarken zuständig. Die Jury bemängelt „die unsinnige Verwendung und Beförderung von Blockchain-Technik“. Die Bundesdruckerei hat sich gegenüber netzpolitik.org nicht geäußert.

In der Kategorie „Lebenswerk“ gibt es einen Negativpreis für die irische Datenschutzbehörde. Die Jury kritisiert das Verhalten der Behörde in Bezug auf das europäische Datenschutzrecht. „Unter der Obhut der Behörde hat sich Irland zur Oase für Geschäftsmodelle des Überwachungskapitalismus von Facebook, Google, Apple, Microsoft, Oracle und Salesforce entwickelt“.

Die Behörde wirke als Lobbyistin für diese Konzerne und versuche, europäische Richtlinien in deren Sinne zu beeinflussen, heißt es in der Laudatio. Die irische Datenschutzbehörde verweist gegenüber netzpolitik.org auf die eigenen Berichte über die Einhaltung der DSGVO.

Lieferando: Standortbestimmung für Fahrer:innen

Den Big Brother Award in der Kategorie „Arbeitswelt“ erhält Lieferando. Die Jury begründet die Auszeichnung damit, dass Lieferando die eigenen Beschäftigten kontrollliere. Die Kontrolle erfolge mit Hilfe der Scoober-App, die detailliert und sekundengenau eine Fülle von Verhaltensdaten erfasse. „Hierzu gehört neben dem Zeitpunkt der Abholung im Restaurant und der Übergabe an Kunden auch alle 15 bis 20 Sekunden eine Standortbestimmung“, so die Jury. Weiter heißt es von Digitalcourage, dass für Lieferdienste oft prekarisierte Menschen arbeiten. Für sie sei es besonders schwer, auf ihre Datenschutzrechte zu bestehen, da sie ohne Job ihre Aufenthaltserlaubnis riskieren.

Lieferando teilt mit: „Die Fahrer-App entspricht den geltenden Datenschutzbestimmungen.“ Die ermittelten Orte und Zeiten seien unerlässlich für einen ordnungsgemäßen Betrieb des Lieferservices. „Wir können nicht per Fax mit unseren Fahrern kommunizieren, hätten der Jury die App gerne erläutert“.

Der Negativpreis ist eine jährliche Erinnerung an Unternehmen, Behörden und Organisationen, es beim Datenschutz nicht zu versemmeln. Ein Archiv der vergangenen Preisträger:innen gibt es auf der Website des Big Brother Awards. Im Jahr 2000 waren es unter anderem die Deutsche Bahn, Payback und der E-Mail-Anbieter GMX.

 

Nachtrag von @HalFaber

„Gegenwärtig sind die Zeitungen voll mit rührenden Geschichten, wie den geflüchteten Menschen aus der Ukraine fast überall in Europa geholfen wird. Das ist gut und richtig, sollte aber nicht von einem strukturellen Skandal ablenken, der die europäische Grenzsicherungsbehörde Frontex erschüttert. Dort ist der Direktor Fabrica Leggeri zurückgetreten. „Ich gebe mein Amt zurück, weil es aussieht, als ob das Frontex-Mandat, für das ich gewählt wurde, leise, aber effektiv geändert wurde“, heißt es zu Lügeris Abschied.

Denn die Unterstellung von Leggeri, Frontex würde zu einer Art Menschenrechtsorganisation umgebaut, ist falsch. Frontex hat nachweislich Menschenrechte verletzt und das in der Frontex-Datenbank Jora kaschiert. Einsätze gegen Flüchtlingsboote wurden in türkische Gewässer verlegt, obwohl sie in griechischen Hoheitsgewässern stattfanden. Der Skandal ist, dass sich Leggeri für diese Fälschungen disziplinarrechtlich nicht verantworten muss, sondern einfach seinen Rücktritt erklären kann. Derweil wird Frontex als Polizeitruppe mit eigenen Waffen munter weiter ausgebaut, während Aija Kalnaja, die Chefin dieser Truppe, vorerst die Leitung von Frontex übernimmt. Mit dem Wechsel an der Spitzen wird sich die EU-Migrationspolitik leider nicht ändern.

Vielleicht reicht es ja im nächsten Jahr für einen Big Brother Award. Bislang hat Frontex nur eine tadelnde Erwähnung kassiert, im Jahr 2013.


 auf netzpolitik.org / Hal Faber auf wwww
Creative Commons BY-NC-SA 4.0.

Gekaufte Klicks

30. April 2022

Soziale Medien dulden noch immer massenhaft gekaufte Klicks. Ein NATO-Forschungszentrum hat ermittelt, wie sich Facebook, Instagram, TikTok und Co. im Kampf gegen solche Manipulation schlagen. Wir analysieren die Ergebnisse. 

Ein paar Euroscheine, sprudelnde Likes
Für eine Handvoll Euro sprudeln manipulierte Likes (Symbolbild) – Geldscheine und Likes: Pixabay; Montage: netzpolitik.org

Es ist immer noch sehr einfach, manipulierte Interaktionen auf sozialen Medien zu kaufen. Dieses Fazit zieht ein NATO-nahes Forschungszentrum aus einer am Mittwoch veröffentlichen Analyse. Untersucht wurden Facebook, Instagram, Twitter, YouTube, TikTok und die russischen Facebook-Alternative VKontakte.

Nach wie vor verticken Like-Händler:innen im Internet für wenige Euro Kommentare, Follower:innen, Likes und Views. Interessierte können sich damit auf allen gängigen Social-Media-Plattformen den Anschein von Popularität kaufen. Dahinter steckt ein Wettrüsten zwischen Plattformen und Like-Händler:innen. Während Plattformen solche Manipulation offiziell verbieten, nutzen Like-Händler:innen für ihr Geschäft Schlupflöcher.

Einen Einblick in dieses Wettrüsten liefert nun das NATO Stratcom COE. Die Abkürzung steht für Strategic Communications Centre of Excellence. Das Zentrum ist nach eigenen Angaben nicht Teil der NATO-Kommandostruktur und keiner anderen NATO-Einheit unterstellt.

Tausende Likes gekauft

Grundlage der Analyse war eine Stichprobe. Die Forschenden haben für insgesamt 279 Euro manipulierte Interaktionen in sozialen Medien gekauft. Dafür haben sie gerundet 1.400 Kommentare bekommen, 14.0000 Likes, 93.000 Views und 5.800 Shares. Dann haben sie geschaut, woher diese gekauften Interaktionen stammen. So konnten sie rund 9.800 verdächtige Accounts ausmachen. Die Forschenden haben unter anderem beobachtet, ob und wie schnell die Plattformen die gekauften Interaktionen wieder entfernen.

Ergebnis: Wer in diesem Umfang Interaktionen kauft, darf sie wohl eine Weile behalten. Die überwiegende Mehrheit von 92 Prozent der gekauften Interaktionen sei nach vier Wochen noch da gewesen, wie die Forschenden berichten. Praktisch bedeute das, wer etwa 1.000 Likes für eine:n Politiker:in oder ein Restaurant kaufe, habe nach einem Monat noch 920 Likes übrig.

Eine Stichprobe von jeweils 50 bis 150 Accounts haben die Forschenden aktiv bei den Plattformen gemeldet. Damit wollten sie überprüfen, ob die Accounts zumindest nach einem ausdrücklichen Hinweis auf Manipulation gelöscht werden. In den ersten zehn Tagen seien je nach Plattform aber nur bis zu zehn Prozent der gemeldeten Accounts gelöscht worden – also sehr wenig.

NATO-nahe Forschende befürchten politische Einflussnahme

Eine ähnliche Analyse hatte das Forschungszentrum bereits für das Jahr 2020 gemacht. Die neuen Beobachtungen würden sich nicht dramatisch von den alten unterscheiden, heißt es. Aber Manipulation auf sozialen Medien sei im Durchschnitt schneller und günstiger geworden.

Das Fazit der Forschenden: Bei den Social-Media-Unternehmen gebe es eine „anhaltende Unfähigkeit, Manipulationen zu bekämpfen“. Sie sehen darin eine mögliche, politische Gefahr. Diese Gefahr bleibt aber eher theoretisch, wie aus der Analyse hervorgeht. Die gekauften Interaktionen würden „in erster Linie zu kommerziellen Zwecken genutzt“. Auf allen Plattformen beobachtet habe man, dass damit die Sichtbarkeit von Influencer:innen und Promis erhöht werde, von Online-Spielen, Krypto- und Finanzprodukten.

Politisch eher brisant waren den Forschenden zufolge Desinformation über die Corona-Pandemie und Inhalte zur Parlamentswahl in Russland. Bei diesen Inhalten habe man Aktivitäten der verdächtigen Accounts beobachten können. Verdächtige Accounts hätten auch beispielsweise mit den Online-Auftritten eines saudi-arabischen Regierungsbeamten oder eines türkischen Bürgermeisters interagiert.

Solche Beobachtungen sind mit Vorsicht zu genießen: Von außen lässt sich nicht feststellen, ob eine Person solche Interaktionen für sich selbst gekauft hat. Außerdem können Anbieter von Fake-Accounts zunächst ohne Gegenleistung einigen bekannten Persönlichkeiten folgen, damit ihre Fake-Accounts weniger verdächtig aussehen. Dennoch: Soziale Medien seien ein „stark umkämpftes Informationsumfeld“, schreiben die Forschenden. Die NATO müsse ihre Strategien und Fähigkeiten verfeinern.

Analyse blendet wichtigen Knackpunkt aus

Einen Skandal kann die Analyse also nicht aufdecken. Bereits im Jahr 2019 hat der Autor dieses Textes für das VICE-Magazin untersucht, wie Like-Händler:innen weltweit soziale Medien manipulieren und ihre Spuren verwischen. Die Recherche zeichnete nach, wie ein globales Netzwerk durch manipulierte Interaktionen Geld verdient. Bevor Schwärme aus Accounts aber automatisch Likes verteilen können, braucht es viel Handarbeit. Eine Gefahr für die politische Meinungsbildung ließ sich im Zuge der Recherchen allenfalls theoretisch beschreiben.

Die Forschenden des Stratcom COE bezeichnen ihr eigenes Experiment jedenfalls als „bahnbrechend“. Der Titel ihrer Analyse verspricht viel. Demnach habe man untersucht, wie Social-Media-Unternehmen „Manipulation auf Plattformen bekämpfen“. Allerdings müsste das NATO-nahe Forschungszentrum wohl rhetorisch etwas abrüsten, um die eigenen Ergebnisse korrekt einzuordnen. Die Stichprobe hat zunächst nur ermittelt, wie Plattformen auf gekaufte Interaktionen reagieren. Das ist nur eine von vielen Zutaten, die Manipulationskampagnen im Netz ausmachen.

Nicht untersucht wurde etwa der Aufbau realer Influencer:innen, der Einsatz von Werbeanzeigen, vermeintlichen Nachrichtenportalen und Memes sowie hyperaktive Communitys, die sich gezielt zu Hass- und Hashtagskampagnen verabreden. Allein auf Grundlage dieser Stichproben lässt sich kaum ableiten, was Plattformen tatsächlich möglicher Einflussnahme entgegensetzen – und was nicht. Die Forschenden schlussfolgern zwar: „Die Anbieter:innen von Manipulationsdiensten gewinnen nach wie vor das digitale Wettrüsten.“ Dabei wird aber ein wichtiger Knackpunkt ausgeblendet: Wie effektiv können gekaufte Interaktionen überhaupt problematische Inhalte nach oben in die Trends und Newsfeeds katapultieren?

Manipulation in kleinen Dosen

Das öffentliche Meinungsbild wird nicht verzerrt, solange sich automatisierte Accounts nur gegenseitig liken und teilen – ohne, dass Menschen das sehen. Statt zu löschen können Social-Media-Plattformen auf solche Manipulation auch mit algorithmischer Abstrafung reagieren. Das ginge beispielsweise, indem die Reichweite verdächtiger Posts eingeschränkt wird. Diesen Aspekt hat das Forschungszentrum nicht untersucht.

Im Jahr 2019 konnten die VICE-Recherchen die andere Seite des Wettrüstens zumindest etwas beleuchten. In teils geschlossenen Foren arbeiten sich Like-Händler:innen kontinuierlich daran ab, unter dem Radar von Plattformen wie Instagram zu bleiben. Sie passen das Verhalten ihrer teils automatisiert gesteuerten Accounts immer wieder an. In Online-Shops werben sie damit, dass ihre manipulierten Likes und Follower:innen besonders schwer zu entlarven seien.

Aus den VICE-Recherchen geht hervor: Wer eine große und wirksame Kampagne plant, kann sich kaum auf gekaufte Interaktionen verlassen und muss sie sehr vorsichtig dosieren. Insofern dürfte ihre Bedeutung nicht überschätzt werden. Dazu passt eine Relativierung im Bericht des Forschungszentrums: Demnach hätten Plattformen den Forschenden mitgeteilt, das größere Eingriffe erkannt und bestraft würden; kleinere nicht.

Ranking der Plattformen: Wer löscht am meisten?

Ein spannendes Detail der Analyse ist ein direkter Vergleich der Plattformen. Wer schlägt sich am besten im Kampf gegen gekaufte Interaktionen? Darauf kann die Stichprobe zumindest ein Schlaglicht werfen. Untersucht wurde diese Frage in gleich mehreren Kategorien.

So habe Twitter nach vier Wochen von allen untersuchten Plattformen die meisten gekauften Interaktionen entfernt – übrig waren laut Analyse rund 83 Prozent. An zweiter Stelle kommt TikTok. Die Plattform habe sich im Vergleich zum Vorjahr deutlich verbessert und 85 Prozent der gekauften Interaktionen online gelassen. Es folgen YouTube, Instagram, Facebook und VKontakte.

Weiterhin untersucht wurde etwa, wie teuer die gekauften Interaktionen waren. Instagram sei demnach die am billigsten zu manipulierende Plattform, Twitter die teuerste. Generell habe Twitter mit Blick auf die untersuchten Aspekte die Nase vorn, heißt es in der Analyse. Eine besondere Erwähnung bekam TikTok. Die Plattform habe sich am meisten verbessert, schreiben die Forschenden. Das sei „eine deutliche Erinnerung daran, dass Social-Media-Unternehmen mehr tun können“.

Forschende sehen Regierungen in der Pflicht

Warum gehen die Plattformen nicht härter gegen manipulierte Interaktionen vor? Zumindest einen möglichen Grund nennen die Forschenden in ihrer Analyse: Auch gekaufte Klicks brächten Werbeeinnahmen. Diese Vermutung hatte die gemeinsame Pressestelle von Facebook und Instagram bereits 2019 gegenüber VICE verneint: Betrügerische Aktivitäten seien für alle schlecht, man habe ein großes Interesse, das zu verhindern.

Das Forschungszentrum fordert umfassende Konsequenzen von Politik und Unternehmen. Dienstleister wie PayPal, Visa und Mastercard sollten etwa Zahlungen für Like-Händler:innen einstellen. Regierungen sollten eine unabhängige Aufsicht für Social-Media-Plattformen einrichten. Sie sollten den Druck auf Plattformen erhöhen, Manipulation zu bekämpfen.

Unerwähnt bleibt an dieser Stelle der Analyse, dass das strengere Vorgehen gegen manipulierte Interaktionen auch eine Kehrseite hat. Besonders empfindliche Systeme können zu Overblocking führen. Alltägliche Klicks könnten mit Aktivitäten von Bots verwechselt werden. Es braucht eine Balance, damit auch gewöhnliche Nutzer:innen weiterhin an einer Plattform teilhaben können – ohne ständig CAPTCHAs zu lösen oder gar einen Ausweis vorlegen zu müssen.

Wie viel Spielraum Plattformen im Kampf gegen manipulierte Interaktionen wirklich haben, ließe sich wohl am besten durch gezieltere, unabhängige Forschung ermitteln. Dafür bräuchte es Zugang zu bislang internen Daten. Ein solcher Zugang ist zumindest im neuen Digitale-Dienste-Gesetz geplant, auf das sich die EU vergangene Woche geeinigt hat. Unabhängig davon lobbyieren auch Forschende des Stratcom COE dafür, vermehrt mit Daten der Plattformen forschen zu dürfen.


von  auf netzpolitik.org Creative Commons BY-NC-SA 4.0.