ChatGPT

10. Dezember 2022

Eine Dankesrede für den Neujahrsempfang bei der FreiwilligenFeuerwehr. Dekorationsideen für die Wohnung, Reisetipps und schlechte Witze, Gedichte über Einsteins Relativitätstheorie, Programmierhilfen und journalistische Erklärtexte: Es gibt scheinbar nichts, was ChatGPT nicht kann. Seit der Chatbot Ende November veröffentlicht wurde, erscheinen nahezu minütlich Beispiele.

ChatGPT von OpenAI ist ein Chatbot, der auf nahezu jede Frage eine Antwort weiß. Umso wichtiger ist es, nicht alles zu glauben, was die künstliche Intelligenz sagt. Aber das Programm ist schon sehr beeindruckend, sehr!

(Text: ZEIT)

Qatar

20. November 2022

Heute beginnt die Fifa-Fußball-WM in Qatar. Niemandem, den ich kenne, ist aktuell nach dieser Fußball-WM zumute. Der Osnabrücker Aktionskünstler Volker Johannes Trieb hat beispielsweise eine Traueranzeige zum Gedenken an die Tausenden Toten gestaltet, die die Neubauten für diese WM in Qatar bislang gekostet haben. Am heutigen Sonntag will Volker Johannes Trieb zum Auftakt der Fußball-WM in Qatar mit einer spektakulären Aktion an die Toten auf den Stadion-Baustellen erinnern.

6500 mit Sand gefüllte Fußbälle, die Trieb bereits im April während der Gruppenauslosung vor die Fifa-Zentrale in Zürich kippen ließ, werden am Tag des Eröffnungsspiels auf dem Rasen des Stadions von Westfalia Herne ausgelegt. Zugleich sollen 20.000 Grabkerzen auf den Tribünen an die Menschen erinnern, die beim Bau der Stadien in Qatar ums Leben gekommen sind. 

Das arabische Land steht seit Jahren wegen der schwierigen Menschenrechtslage und der Bedingungen für Arbeitsmigranten in der Kritik. Die quatarische Regierung verweist dagegen stets auf Reformen im Land. Laut Medienberichten zufolge sollen in dem Emirat Tausende Arbeiter auf Baustellen gestorben sein.  Bedruckt sind die Sandsackbälle mit einem Zitat: „Weltgewissen, du bist ein Fleck der Schande.“ 

Die Worte stammen von Truus Menger-Oversteegen, einer niederländischen Bildhauerin und Widerstandskämpferin im Zweiten Weltkrieg. Beim Befüllen der 6500 Sandsäcke in einer Werkstatt in Hasbergen hatten Fans und Mitarbeiter des VfL Osnabrück geholfen. Auch VfL-Präsident Holger Elixmann, sein Vorgänger Manfred Hülsmann und der Vorsitzende des Ehrenrates, Bernhard Lanfer, packten im Frühjahr mit an. 

Die jeweils zwei Kilo schweren Sandsäcke werden jetzt ab Sonntagmorgen in einem festgelegten Raster auf das Feld des Stadions am Schloss Stünkede in Herne gelegt. Gleichzeitig werden die Grabkerzen angezündet und auf den Rängen platziert. Bei der Trauerfeier gruppieren sich alle Helfer um das Spielfeld und gedenken gemeinsam der Toten. 

Diese Aktion wird vom Awo-Bezirksverband Westliches Westfalen, dem Awo-Unterbezirk Ruhr-Mitte und Awo International unterstützt. Wer mitmachen will, kann sich per Email (kommunikation(a)tawo-ww.de) anmelden. 

Übrigens: Ein NDR-Beitrag beschreibt Triebs Protest im Frühjahr vor der FIFA-Zentrale in Zürich.

 

Schaut Euch das hier mal an:

 

Ich habe das Gefühl, dass noch niemand das als in Lingen (Ems) verortet auf dem Schirm hat, oder? Aber 7 vs. wild ist ein richtig, richtig, richtig angesagtes Format auf Youtube. 7 vs. wild ist aktuell, auch wenn man nicht eingeloggt ist, auf der Youtube-Startseite zu finden (Screenshot unten). Allein das ist schon krass.

Jedenfalls finde ich nur was bei der NOZ ohne Ortsbezug und hier https://www.businessinsider.de/wirtschaft/wie-zwei-unbekannte-unternehmer-mit-dem-youtube-format-7-vs-wild-millionen-begeistern-und-wer-davon-profitiert-a/ wird unser Lingen sogar als „Linden“ bezeichnet.

Die Sendung wird auf dem Youtube-Kanal von Fritz Meineke online gestellt und eben von den Produzenten Johannes Hovekamp und Maximilian Kovacs aus und in Lingen gemacht. Beide  sind eher im Hintergrund dabei, allerdings nicht ausschließlich, sondern zum Teil auch vor der Kamera.

Fritz Meineke kommt übrigens nicht aus Lingen und.. nun.. hat ein paar kleinere Skandälchen hinter sich. 

Nun, was meint die Leserschaft?

/lassreden

15. November 2022

Mit „Der Wunsch“ traf der Lebensmitteldiscounter Penny schon im vergangenen Jahr einen Nerv und lieferte eine der kreativsten Werbekampagnen des Jahres. Und auch die neue Penny-Weihnachtskampagne dürfte wieder Gesprächsstoff  liefern. „Der Riss“ liefert das berührende Porträt einer Gesellschaft, sie sich immer weiter spaltet.

„Der Riss“ zeigt: Es ist Zeit, wieder aufeinander zuzugehen.  „Corona, Migration, Energiekrise – noch nie gab es so viele Konfliktthemen, die unseren Alltag bestimmen. Die Risse, die dadurch entstehen, spüren wir alle und machen oftmals selbst vor Familien und Freunden keinen Halt.   Doch gerade an Weihnachten wünschen wir uns nichts mehr als Gemeinschaft. Wir alle zusammen können dabei helfen, die Risse zu schließen – indem wir wieder aufeinander zugehen und uns gegenseitig mehr Verständnis schenken. In unserem PENNY Weihnachtsfilm zeigen wir, dass manchmal schon ein kleiner Schritt reicht… Auf wen gehst du zu?“ So fragt das Unternehmen.

Jede Meinung ist wichtig. Und genauso wichtig ist, es andere Meinungen zuzulassen und sich auszutauschen. Gemeinsam mit dem Forum für Streitkultur gibt Penny auf penny.de/lassreden Tipps für bessere Diskussionen, die dabei helfen, offen und auf Augenhöhe miteinander zu reden. ➡️ https://penny.de/lassreden

Schon mal eine andere Suchmaschine anstelle des ewigen Google versucht? Netzpolitik hat sich angesehen, welche Suchmaschinenanbieter empfehlenswert sind. Bei den Alternativen ist zwar auch nicht nur eitel Sonnenschein in Sachen Tracking und Privatsphäre, aber einen Versuch sind einige wert: „Wir geben eine Übersicht und Suchmaschinen-Tipps für Smartphones.

Suchen sind ein bedeutender Bestandteil der täglichen Internetnutzung. Richtiges Kartoffelpflanzen, sexuelle Vorlieben, Anwaltskosten, Schuldnerberatung, psychologischer Notfalldienst, Krankheitsverläufe: Zu unserer Suchmaschine sind wir maximal ehrlich, denn wir wollen ja passgenaue Ergebnisse angezeigt bekommen. Und die Suchmaschine in fast allen Fällen heißt Google.

Das Verb „googeln“ ist in den vergangenen zwanzig Jahren zum landläufigen Sprachgebrauch geworden. Google veränderte die Internetsuche nachhaltig und legte damit den Grundstein für sein Wachstum zu einem der einflussreichsten internationalen Tech-Konzerne.

Ohne Konkurrenz

Konkurrenz in dem Sinne, dass ein anderer Anbieter signifikante Anteile am Suchmaschinenmarkt hätte, gibt es derzeit nicht: So lagen Googles Marktanteile 2021 im Suchmaschinenmarkt global bei 92 Prozent, in den Vereinigten Staaten bei rund 88 Prozent und in Deutschland bei über 90 Prozent. Dadurch bestimmt der Konzern heute, was die allermeisten Menschen in der westlichen Welt im Netz finden. Auch deswegen raten Mahner von der Nutzung von Googles Suchmaschine ab: Denn dass ein Werbekonzern die Hoheit darüber hat, was ein Großteil der Menschen finden oder eben nicht finden kann, stößt auf berechtigte Kritik.

Betrachtet man das Geschäftsmodell, ist aus dem einstigen Suchmaschinenanbieter ein Werbekonzern geworden, der achtzig Prozent seines Umsatzes mit Werbung macht. Die gigantischen Werbe-Einnahmen belaufen sich auf derzeit etwa zweihundert Milliarden US-Dollar pro Jahr.

Ohne die Dominanz im Suchmaschinenmarkt könnte das Werbegeschäft des Konzerns nicht blühen. Es laufen allerdings allein in den Vereinigten Staaten mehr als vierzig kartellrechtliche oder Wettbewerbsverfahren gegen Google und den Mutterkonzern Alphabet. Auch das deutsche Bundeskartellamt hat vergangenes Jahr wegen der marktübergreifenden Bedeutung Verfahren eingeleitet.

In den zurückliegenden Jahren konnte dem Konzern nachgewiesen werden, dass er bewusst die eigenen Suchergebnisse manipuliert – etwa auf Druck von Anzeigenkunden oder auf Initiative von Regierungen. Und nicht zu vergessen: Der Konzern besitzt den mit Abstand größten Video-Dienst der Welt, rammte durch den Kauf von Android auch im Mobilmarkt einen riesigen Werbepfosten ein und bietet zahlreiche weitere digitale Dienstleistungen an, die fast alle auf der Auswertung von Nutzerdaten basieren.

Für diese Datenbasis sind die eingegebenen Suchwörter oder die per Spracheingabe angegebenen Begriffe bares Geld wert. Die Personenprofile – egal ob einem Google-Account zugeordnet oder einem Schattenprofil einer Person ohne eigenen Google-Account – sind gefüllt mit Einblicken in die Gedanken, Wünsche und Bedürfnisse der suchenden Menschen.

Für die typische Nutzerin der Google-Suchmaschine hat das mehrere Konsequenzen:

  • Individuell zugeschnittene Inhalte halten sie in ihrer Filterblase und erschweren, dass sie Inhalte außerhalb ihrer Filter- und Komfortzone findet,
  • jede Suchanfrage wird mit dem Profil verknüpft: neben Geschlecht, Alter sowie Informationen zu Beruf und Karriere sind auch Informationen zu Interessen, Hobbys, Beziehungs- und Gesundheitsstatus enthalten,
  • Informationen zu Standort, geographischen Bewegungen und Interessen werden kontinuierlich erfasst und auch an zahlende Dritte weitergegeben, ohne dass man dagegen eine Handhabe hat.

Es gibt Mitbewerber und Alternativen auf dem Suchmaschinenmarkt, die keine oder andere Geschäftsmodelle als die Datenauswertung über Menschen haben. Das überrascht regelmäßig all jene Menschen, die noch nie eine andere Suchmaschine als Google verwendet haben oder gar nicht wissen, womit sie in ihren Browsern oder mobilen Apps im Netz suchen. Ein Blick auf die anderen Suchmaschinen lohnt sich, wenn man die Abhängigkeit von Google reduzieren oder den eigenen Suchhorizont erweitern möchte.

Um das Ergebnis vorwegzunehmen: Es gibt leider keine ideale Alternative. Die Wahl wird immer ein Kompromiss zwischen dem Komfort bei der Suche, der Qualität der Ergebnisse und der Wahrung der Privatsphäre des Nutzers sein. Suchmaschinen und ihre Businessmodelle unterscheiden sich, darauf sollte man bei der Auswahl und Nutzung achten.

Wenn man über Alternativen spricht, muss ein Trend erwähnt werden, der an Googles Dominanz kratzt: T…“

[weiter bei Netzpolitik.org]


Ein Beitrag von Constanze Kurz auf netzpolitik.org. Sie ist promovierte Informatikerin, Autorin und Herausgeberin von mehreren Büchern, zuletzt zum Cyberwar. Ihre Kolumne „Aus dem Maschinenraum“ erschien von 2010 bis 2019 im Feuilleton der FAZ. Sie lebt in Berlin und ist ehrenamtlich Sprecherin des Chaos Computer Clubs. Sie forschte an der Humboldt-Universität zu Berlin am Lehrstuhl „Informatik in Bildung und Gesellschaft“ und war Sachverständige der Enquête-Kommission „Internet und digitale Gesellschaft“ des Bundestags. Sie erhielt den Werner-Holtfort-Preis für bürger- und menschenrechtliches Engagement, den Toleranz-Preis für Zivilcourage und die Theodor-Heuss-Medaille für vorbildliches demokratisches Verhalten.  Kontakt: constanze(at)netzpolitik.org (PGP).

Creative Commons BY-NC-SA 4.0.

Starbucks 1993

12. November 2022

Dieses 10-minütige Video von Kunden, die im Jahr 1993 in einem Starbucks in Seattle  (USA) Bestellungen aufgeben, sieht nicht viel anders aus als heutzutage. Es hat sich offenbar nicht viel geändert, aber es gibt doch ein paar Kleiigkeiten

Die Leute verwenden Bargeld, um Dinge zu kaufen
Niemand hat ein Mobiltelefon
Niemand besetzt einen Tisch mit einem Laptop (weil kein Wi-Fi!)

von: Mark Frauenfelder /boinboing

ARDRetro

31. Oktober 2022

ARD Retro startet jetzt auch mit 1.000 Audiodokumenten zur Zeit- und Kulturgeschichte vor 1966. Abgedeckt werden damit die Nachkriegsjahre, der Mauerbau, der Kalte Krieg und mehr. In der letzten Woche hatte man  sozusagen die Archive geöffnet, um den UNESCO-Welttag des Audiovisuellen Kulturerbes am 27. Oktober 2022 zu feiern.

Neben der ARD sind auch Deutschlandradio und das Deutsche Rundfunkarchiv (DRA) beteiligt. Die neuen Inhalte sind neben den bereits seit 2020 zugänglichen historischen Videos in der ARD Mediathek online verfügbar. Die zeit- und kulturgeschichtlich relevanten Beiträge sind frei zugänglich und zeitlich unbegrenzt in der ARD Audiothek verfügbar. Beginnen werden die Pilotpartner Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb), Saarländischer Rundfunk (SR), Südwestrundfunk (SWR), Deutschlandradio und Deutsches Rundfunkarchiv (DRA) mit zusammen rund 1.000 Audios. Die weiteren Rundfunkanstalten werden sich 2023 ebenfalls beteiligen, also dann, wenn das Radio in Deutschland seinen 100. Geburtstag feiert.

Die Tondokumente geben Einblicke in Themen, Denkweisen und Sprachstil der Zeitepoche vor 1966. Der rbb stellt zum Beispiel Interviews und Gespräche mit prominenten Persönlichkeiten zur Verfügung, darunter Otto Suhr, Willy Brandt, Erich Kästner, Thomas Mann oder auch Max Born sowie Otto Hahn. Wie die Videos in der ARD Mediathek können auch die Audios in der ARD Audiothek verlinkt und in eigene Webseiten eingebettet werden.  Aus Lingen und umzu ist leider nichts dabei, vielleicht weil NDR und WDR noch nichts verlinken. Im neueren Archiv findet sich allerdings der zwei Jahre alte MDR-Podcast „Von drüben und drüben“ von Doreen Jonas und Mario Köhne. Der lohnt allemal.

Im ARD-Videoarchiv gibt es mehr aus Lingen. Aus den 1960er Jahren finden sich ein paar -allerdings überwiegend stumme-  Filme über diedamals neue Krankenpflegeschule am „Bonifazius“-Hospital, die landwirtschaftliche Emslandschau, den Neubau der JVA in Damaschke oder das starengeplagte Keienvenn bei Salzbergen. Und mit flotter Marschmusik ein Filmbericht über das Kivelingsfest 1961, – mit grimmig blickenden Bürgersöhnen und dem lächelnden Polizeibeamten vor einem Schreckensteiner-Schild.

Klickt mal rein…

 


Quellen: Caschys Blog, ARD Mediathek

Gaffen tötet

26. Oktober 2022

Die Idee ist simpel: Wird eine Handykamera auf Einsatzgeräte der Johanniter gerichtet, die das QR-Code-Muster tragen, erscheint eine Warnung auf dem Display. Schaulustige werden mit den Gefahren und Konsequenzen ihres Handelns konfrontiert. Denn Gaffen ist gefährlich und strafbar. Es behindert Einsatzkräfte bei ihrer Arbeit und kostet im schlimmsten Fall Menschenleben. Viele Schaulustige verhalten sich in solchen Situationen instinktiv und unreflektiert. Die Folgen ihres Verhaltens sind vielen nicht klar, es mangelt an Unrechtsbewusstsein. Besonders Smartphones haben das Problem massiv verstärkt. Aufnahmen von Einsätzen, Verletzten und Rettungskräften werden ohne Rücksicht auf Persönlichkeitsrechte geteilt und im Internet verbreitet. Doch Gaffen ist kein Kavaliersdelikt. Seit dem 1. Januar 2021 ist ein Gesetz in Kraft, das das Fotografieren oder Filmen eines Unfalls mit einer Haft von bis zu zwei Jahren bestraft.

Die Johanniter zeigen mit ihrer Aktion, welche drastischen Folgen und Gefahren die Sensationsgier nach sich zieht und klären über die Strafen auf. Jetzt wurde die Aktion bei den London International Awards mit einem Grand Prix ausgezeichnet, über den sich die Werbeagentur Scholz & Friends freuen kann. Prämiert wurde die Johanniter-Kampagne „Anti Look – The Life-Saving QR Design“ in der Kategorie Health & Wellness.

Der millionenfach genutzte DB Navigator trackt mehr Informationen als nötig, ohne dass Nutzende sich dem widersetzen können. Trotz monatelanger medialer Empörung hat die Deutsche Bahn daran nichts geändert – und handelt sich nun eine Klage ein.

Die Deutsche Bahn trackt ihre Nutzer:innen – und die sind nicht allzu glücklich darüber.

Digitalcourage e.V. hat vergangene Woche eine Unterlassungsklage gegen die Deutsche Bahn beim Frankfurter Landgericht eingereicht. Padeluun, Gründungsvorstand des Bielefelder Vereins, verklagt die Bahn auf Unterlassung der Verletzung der Allgemeinen Persönlichkeitsrechte.

Hintergrund der Klage sind Untersuchungen des IT-Sicherheitsexperten Mike Kuketz. Kuketz hatte den DB-Navigator im Zuge seiner Blog-Serie „App-Check“ im April dieses Jahres unter die Lupe genommen und festgestellt, dass die App personenbezogene Daten an externe Unternehmen weiterleitet – so weit, so üblich. Allerdings konnten die Nutzer:innen die Weitergabe selbst dadurch nicht unterbinden, dass sie die vermeintlich datenschutzfreundlichste Einstellung wählten.

Öffnen Nutzer:innen die Bahn-App erstmals, erscheint ein Einwilligungsbanner („Consent Banner“) und fragt ihre Einwilligung zur Nutzung von Cookies ab. Nutzer:innen können dann aus drei Optionen wählen: „Alle Cookies zulassen”, „Cookie-Einstellungen öffnen” und „Nur erforderliche Cookies zulassen”.

Ausgerechnet die Auswahl „Nur erforderliche Cookies zulassen“ erweist sich als problematisch. Nach einem Urteil des EuGH* müssen Nutzer:innen in die Verwendung von Cookies einwilligen – nur unbedingt erforderliche Cookies bilden eine Ausnahme. In der heutigen Pressekonferenz sagte der mit Klage betraute Anwalt Peter Hense: „Das Kriterium hat der Europäische Gerichtshof klar spezifiziert und Marketing-Analysen zählen nicht dazu.“

Dennoch leitet die Bahn-App personenbezogene Daten – ungeachtet der von den Nutzer:innen gewählten Einstellung – an zehn Dienstleister:innen weiter. Die Daten enthalten Informationen zu Start- und Zielbahnhof, Anzahl der Mitreisenden, zum Besitzstatuts einer Bahncard sowie Angaben dazu, ob Kinder mitfahren. Unter den Empfänger:innen der Daten sind unter anderem Adobe Analytics und hCaptcha.

„Die Bahn fährt schwarz auf der vielzitierten Datenautobahn. Wir haben sie bei einer zivilgesellschaftlichen Kontrolle erwischt. Jetzt muss sie ein Ticket nachlösen oder eben mit diesen Praktiken aufhören“, forderte der Anwalt Peter Hense.

Gemeinsam mit Digitalcourage hatte sich Kuketz bereits im April 2022 mit einem Brief an die Deutsche Bahn gewandt und gefordert, die Mängel in der App innerhalb von zwei Monaten zu beseitigen. Das Antwortschreiben wie auch die öffentlichen Äußerungen der DB ließen jedoch nicht darauf schließen, dass das Unternehmen die Forderung erfüllen werde.

Die Deutsche Bahn wies die Vorwürfe von Kuketz und Digitalcourage zunächst zurück. Die betroffenen Unternehmen seien „nicht Dritte im Sinne der DSGVO“, da sie vertraglich gebunden seien und nicht im eigenen Interesse handelten, sondern auf Weisung der Deutschen Bahn. Das wollten die Beschwerdeführer:innen nicht hinnehmen: Es spiele keine Rolle, wie die Weitergabe an Dritte organisiert werde, so Hense heute, entscheidend sei vielmehr, welche Verarbeitung zu welchem Zweck vorgenommen werde.

Auch die Stiftung Warentest kam in ihrer im Juni veröffentlichten Analyse zu dem Ergebnis, dass die App mehr Daten als nötig übermittle. Im Juli kündigte Digitalcourage an, Klage einzureichen.

Nach Einschätzung des Anwalts Peter Hense kann mit einer Gerichtsentscheidung innerhalb eines Jahres gerechnet werden, da der Sachverhalt nicht überaus komplex sei. Die Tatsachen seien unstrittig, weshalb das Gericht lediglich die Zulässigkeit der gegenwärtigen Praxis beurteilen müsse. Aus Sicht des Anwalts verstößt die Deutsche Bahn gegen die DSGVO und das Telemediengesetz. „Wir sind immer noch ein Rechtsstaat und kein Die-Bahn-darf-alles-Staat“, sagte Hense auf der Pressekonferenz.

Die Bahn widerspricht

Die Deutsche Bahn widerspricht dieser Darstellung entschieden: „Verarbeitet werden keine identifizierenden personenbezogenen Informationen, sondern nur pseudonymisierte Daten, die sich für den einzelnen Anbieter isoliert als anonyme Dateninhalte darstellen“, betont das Unternehmen in einer aktuellen Presseinformation. „Keiner der Anbieter ist in der Lage, die Daten an anderer Stelle oder gar zu eigenen Marketingzwecken einzusetzen. Ein Webseiten- oder App-übergreifendes Nachverfolgen von Kund:innen mit diesen Cookies ist nicht möglich.“

Die App „DB Navigator“ wird von der DB Vertrieb GmbH betrieben. Die App bündelt verschiedene Dienstleistungen der Bahn – von der Suche nach einer Reiseverbindung über den Ticketkauf bis zur Anzeige der Wagenreihung eines Zuges. Laut Google Play Store wurde sie bislang mehr als 10 Millionen Mal heruntergeladen. Die Deutsche Bahn selbst berichtet von 2 Millionen Nutzer:innen täglich.


* ÉuGH, Urt. v. 24.02.2022, Aktz. C-175/20 – Valsts ieņēmumu dienests = ZD 2022, 271f, veröffentlicht in EuZW 2022, 527

Ein Beitrag von  auf  Netzpolitik.org. Creative Commons BY-NC-SA 4.0.
Grafik: Netzpolitik.org

Panther Preis

1. Oktober 2022

Mit dem taz Panter Preis zeichnet die taz Menschen aus, die sich gegen die Klimakrise einsetzen – ob alleine oder in einer Gruppe. Dieses Jahr geht es unter dem Motto „Klima für Gerechtigkeit“ um solidarischen oder sozial gerechten Klimaschutz. Welches Projekt den Preis der Leser:innen erhält, können Sie mitentscheiden. Noch bis zum 15. Oktober kann abgestimmt werden. Danach wird auch noch ein Jurypreis vergeben – und beide jeweils mit 5.000 Euro dotierten Preise werden am 12. November in der taz in Berlin feierlich übergeben.

In diesem Jahr ist unter den sechs Nominierten auch ein Projekt aus unserer Region.  Kai Behncke hat das Klima- und Artenschutzprojekt „500 AKA“ in und um Osnabrück initiiert – und dafür Hunderte von Mit­strei­te­r:in­nen gewonnen. Aber nicht nur Tiere bewahrt der 47-Jährige vor Verwahrlosung und Tod. Er legt vor Ort auch Vogelschutzhecken, Trockensteinmauern, Feuchtbiotope und Wildblumenwiesen an. Dierk Jansen stellte das Projekt Ende August in der taz  vor:

„Steine stapeln statt werfen

Sir Henry trottet gemächlich über die trockene Wiese. Direkt auf Kai Behncke zu. Der Ziegenbock stupst seinen Retter an, der streichelt dem schwarzen Vierbeiner vertraut über den Rücken. Nebenan grasen Schafe seelenruhig weiter, während zwei vietnamesische Hängebauchschweine im Garten zwischen kniehohen Brennnesseln und schattenspendenden Bäumen in der Erde herumschnüffeln. Nicht weit entfernt von einem leeren Storchennest und umgeben von einigen Blühwiesen platziert sich Behncke direkt hinterm Schafzaun.

Seit 2016 betreibt Behncke zusammen mit seiner Frau Julia den Gnadenhof Brödel in Melle, der mittlerweile auf 120 Tiere angewachsen ist: von der Schildkröte bis zu den gerne in die Nachbarschaft ausbüxenden Hühnern. Daher sind Ferien für ihn, der früher in der Osnabrücker autonomen Hausbesetzer­szene aktiv war, seit Längerem schon ein Fremdwort. „Das letzte Mal ist schon etliche Jahre her, es waren drei Tage an der Nordsee“, schmunzelt er…“ [… weiter bei der taz]

Gemeinsam wird im Juli in Melle bei Osnabrück eine Trockensteinmauer errichtet
Foto: 500 AKA

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