mit wem er sich anlegte

5. Januar 2021

Vor dem Gericht in London brach Jubel aus, als die Nachricht ankam, dass Julian Assange nicht in die Vereinigten Staaten ausgeliefert wird. Aber es ist nur ein Etappensieg, zudem einer mit fadem Beigeschmack. Denn nur sein kritischer Gesundheitszustand und die für ihn vorgesehenen drakonischen Maßnahmen in US-Gefängnissen haben die Auslieferung verhindert. Ein Kommentar von Constanze Kurz.

Das zuständige Gericht in London hat [am Montag] entschieden, dass Julian Assange durch das britische Auslieferungsabkommen mit den Vereinigten Staaten nicht geschützt sei. Was ihm seitens des US-Justizministeriums vorgeworfen werde, gehe über journalistische Tätigkeiten hinaus, er habe sich auch als Hacker betätigt. Das Gericht erkannte gleichwohl an, dass bei dem Inhaftierten eine Depression und eine Form von Autismus diagnostiziert wurde. Daher bestünde bei einer Auslieferung ein hohes Suizidrisiko. Dies sei insbesondere deswegen kritisch, weil anzunehmen sei, dass die US-Seite sogenannte „Special Administrative Measures“ (SAMs) anwenden werde. Diese Maßnahmen beschränken die Freiheiten von Gefangenen drastisch, sogar bei der Kommunikation mit ihren Anwälten.

Im Urteil stellt das Gericht fest, dass die SAMs – anders als im britischen Gefängnis – für Assange strenge Restriktionen der Kontakte zu anderen Menschen bedeuten würden („severely restrict his contact with all other human beings“). Das gelte selbst für Familienmitglieder. Auch sei dann gar keine Kommunikation mit anderen Gefangenen mehr möglich („absolutely no communication with other prisoners“), er müsste selbst die Zeit außerhalb seiner Zelle allein verbringen. Aufgrund seines psychischen Zustands („mental condition“) sei ihm eine Auslieferung in solche Bedingungen nicht zuzumuten.

Seine Gesundheit und sein Suizidrisiko und damit letztlich die unmenschlichen US-Inhaftierungsbedingungen werden vom Gericht also als Grund für eine Ablehnung der Auslieferung von Assange herangezogen. Die US-Seite kündigte umgehend an, gegen das Urteil vorgehen zu wollen. Dass der Fall in die nächste Instanz geht, dürfte damit sicher sein.

Die wichtigen Fragen, ob Assange ein Journalist ist und ob er aus politischen Gründen verfolgt wird, bleiben weiterhin offen. Eine bemerkenswert breite und weltweite Phalanx an Unterstützern, dabei insbesondere Journalistenverbände, hatte sich vor dem heutigen Urteil für Assange und für die Pressefreiheit starkgemacht: Die Vorwürfe seien haltlos und müssten fallengelassen werden. Reporter ohne Grenzen übergab mehr als einhunderttausend Unterschriften an die britische Regierung, um den Protest gegen eine Auslieferung des Wikileaks-Kopfes zu betonen und seine Freilassung zu fordern.

Nicht das letzte Wort

Assange wird vom US-Justizministerium vorgeworfen, in siebzehn Fällen gegen den Espionage Act verstoßen zu haben und sich in einem Fall zu einer strafbaren Handlung verabredet und dabei geholfen zu haben, einen Computer zu hacken, was ebenfalls unter den Espionage Act fiele. Liest man die Argumente der US-Seite, so wird Assange im Kern als verbrecherischer Hacker dargestellt. Dass er ein typisches journalistisches Profil eines Herausgebers hatte und schon in der Selbstbeschreibung von Wikileaks mit dem starken Fokus auf Transparenz das Handeln im öffentlichen Interesse herausgestellt ist, wird geflissentlich ignoriert.

Das Urteil der vielfach kritisierten Richterin Vanessa Baraitser schlägt sich in der Sache auf die US-Seite. Denn wenn der Gesundheitsaspekt nicht wäre, stünde der Auslieferung aus ihrer Sicht nichts entgegen. Aber mit Sicherheit hat sie nicht das letzte Wort zu diesem Fall gesprochen. Denn dass entweder Assange oder die US-Seite gegen das Urteil in die nächste Instanz ziehen würden, war bereits vor der heutigen Entscheidung klar. Das nächste Gericht wird sich also der Frage, ob mit Assange quasi der Journalismus mit auf der Anklagebank sitzt, nochmal stellen müssen.

Dass Assange als Journalist statt als Whistleblower angesehen werden sollte und dass er typische journalistische Tätigkeiten ausübte, hatten verschiedene Zeugen in der Anhörung im September deutlich gemacht. Gerade die Zusammenarbeit mit Chelsea Manning, die ihm zum Vorwurf gemacht wird, zeigt das: Sie war die Whistleblowerin, die Dateien aus den Armee-Computern schmuggelte und an Wikileaks sendete. Assange hat diese Informationen gesichtet, sortiert, veröffentlicht und dabei klassische Tätigkeiten eines Herausgebers übernommen. Das ist doch der Kern journalistischer Arbeit: Informationen sammeln, bewerten und der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen.

Kein Wunder, dass Wikileaks und Assange in den vergangenen Jahren mit Journalistenpreisen fast schon überhäuft wurden. Denn der radikale Ansatz von Assange hat ihm zwar viele Feinde gemacht, aber seine journalistische Leistung wurde weithin anerkannt. Das Ziel von Wikileaks, nämlich Gerechtigkeit durch Transparenz, sei „in der ältesten und besten Tradition des Journalismus“, schrieb die Jury, als Assange 2011 den renommierten Martha-Gellhorn-Preis erhielt.

Kein Held, nur Journalist

Julian Assange wusste immer, mit wem er sich anlegte: mit den Mächtigen, mit den einflussreichen Politgrößen, spätestens seit „Collateral Murder“ vor allem auch mit den Militärs und Geheimdiensten der Vereinigten Staaten. Dass sich in diesen Kreisen zu wenige an Recht und Gesetz gebunden fühlen, ist keine Neuigkeit. Dass sie aber so eklatant und in aller Offenheit mit rechtsstaatlichen Prinzipien brechen, macht dennoch nachdenklich und besorgt.

Assange mag für manche kein Held sein, aber der Verräter, als den ihn die US-Seite darzustellen versucht, ist er mit Sicherheit nicht. Für das Veröffentlichen von Dokumenten, die Kriegsverbrechen aufzeigen und die Lügen als solche belegen, sollte er nicht weiterhin wie ein Schwerverbrecher weggeschlossen werden dürfen. Dass er politisch verfolgt wird, ist so offenkundig, dass die heutige Entscheidung kein Grund zur Freude sein kann.


Constanze Kurz
ist promovierte Informatikerin, Autorin und Herausgeberin mehrerer Bücher, zuletzt zum Cyberwar. Ihre Kolumne „Aus dem Maschinenraum“ erschien von 2010 bis 2019 im Feuilleton der FAZ. Sie ist Aktivistin und ehrenamtliche Sprecherin des Chaos Computer Club. Sie forschte an der Humboldt-Universität zu Berlin am Lehrstuhl „Informatik in Bildung und Gesellschaft“ und war Sachverständige der Enquête-Kommission „Internet und digitale Gesellschaft“ des Bundestags. Sie erhielt den Werner-Holtfort-Preis für bürger- und menschenrechtlichesEngagement, den Toleranz-Preis für Zivilcourage und die Theodor-Heuss-Medaille für vorbildliches demokratisches Verhalten.
Foto: Constanze Kurz, CC Heike Huslage-Koch CC BY-SA 4.0

 

Niederlage

31. Dezember 2020

Bevor dieses seltsame, anstrengende Jahr zu Ende geht, will ich noch über eine wirklich Niederlage schreiben. Sie hat „Goldi“ getroffen, wie der NABU den Goldregenpfeifer eher  unbeholfen-scdräg bezeichnet

Er war ein echter Niedersachse und das über viele Jahre, seine Heimat waren die niedersächsischen Moore. Dann brach die Population zusammen. Der NABU berichtet, warum der Artenschutz trotz Rund-um-die-Uhr-Bewachung den Kampf um „Goldi“ verloren hat.

„Ist es sinnvoll, einen Vogel zum Vogel des Jahres zu machen, der als Brutvogel in Deutschland gar nicht mehr vorkommt?“, fragt sich Dr. Markus Nipkow, Leiter der Staatlichen Vogelschutzwarte in Niedersachsen. Dazu könnte es kommen, wenn sich die „Goldregenpfeifer-Ultras“ um den Schriftsteller Saša Stanišić durchsetzen, die bei der diesjährigen Vogel-des-Jahres-Wahl, die erstmalig durch Vogelfans und nicht durch den NABU selbst entschieden wird, fleißig für „Goldi“ die Werbetrommel rühren.

Wird über den Zeitraum von zehn Jahren kein Brutnachweis erbracht, gilt eine Vogelart in Deutschland als ausgestorben. Das trifft auf den Goldregenpfeifer noch nicht zu. Es ist schließlich erst sechs Jahr her, dass der Goldregenpfeifer seine letzte Brut in Niedersachsen (und damit deutschlandweit) aufgezogen hat. Doch trotz sehr intensiver Schutzbemühungen um den scheuen Vogel sieht es danach aus, dass „Goldi“ auch in den nächsten Jahren nicht mehr bei uns brüten wird. Offenbar haben Deutschlands Artenschützer*innen den Kampf um den seltenen Vogel verloren. Die Beliebtheit von „Goldi“ bei der diesjährigen Wahl zum Jahresvogel ist für uns Anlass, den Ursachen auf den Grund zu gehen.

„Uns allen war bewusst, dass es sehr schwierig werden würde, den Goldregenpfeiferbestand in der Esterweger Dose zu erhalten,“ sagt Theo Lüken, der seit 2007 über viele Jahre um „Goldi“ gekämpft hat. „Bei so einer kleinen Population genügt ein Sturmereignis auf dem jährlichen Vogelzug in die Überwinterungsgebiete, um sie auszulöschen.“

In Niedersachsen brütete der Goldregenpfeifer vor allem in der Diepholzer Moorniederung und im Weser-Ems-Gebiet. Sein Hauptbrutgebiet in den letzten Jahren aber war die Esterweger Dose – mit fast 5.000 ha das größte Hochmoorschutzgebiet in Mitteleuropa. Noch in den 1980er-Jahren lebten in den niedersächsischen Mooren ca. 30 Goldregenpfeifer-Paare, 1993 jedoch lag der Bestand bereits bei nur noch neun Brutpaaren.

Verstärkte Schutzbemühungen verliefen vielversprechend: Die Population erholte sich und im Jahr 2000 brüteten in Niedersachsen wieder 21 Paare. Um die verbliebenen Lebensräume zu erhalten und zu entwickeln, wurde die Ausweisung großräumiger Gebiete als EU-Vogelschutzgebiet vorangebracht. Denn der Verlust der Brutvögel in Niedersachsen bedeutete nicht nur das Aus für die Art in Deutschland, sondern auch im gesamten westlichen Mitteleuropa: Die nächsten Brutbestände finden sich erst wieder in über 500 Kilometer Entfernung in Südschweden, Großbritannien und im Baltikum.

2003 kam kam es dann zu einem herben Rückschlag: Gerade mal zwei Jungvogel wurden flügge in Niedersachsens Moorlandschaften. Alarmstufe Rot! Zur Rettung des Goldregenpfeifers stellte das Land deshalb gemeinsam mit NABU und der Universität Osnabrück ein drastisches Artenschutzprogramm auf die Beine. Primär ging es dabei um den Schutz der Gelege, denn für Prädatoren wie Fuchs, Wanderfalke, Rabenkrähe und Rohrweihe sind die kleinen Regenpfeifer ein leichte und willkommene Beute.

„Die Gelege wurden eingezäunt und der Zaun unter Strom gesetzt, wegen der Füchse“, erinnert sich Artenschützer Lüken. „Und zum Schutz gegen die Rohrweihen wurde ein Korbgeflecht von oben über das Nest gelegt.“ Parallel dazu erfolgte ein verstärkte Bejagung der Rotfüchse. Die Nahrungsflächen für die Vögel wurden gesichert und verbessert. Es gab außerdem eine olfaktorische Abschreckung und zusätzlich wurden die Gelege durch Freiwillige bewacht – rund um die Uhr. Brüten unter Hochsicherheitsbedingungen.

Goldregenpfeifer sind Nestflüchter: Nach 28 Tagen schlüpfen die Jungen und machen sich schon wenige Stunden später auf Nahrungssuche. Das heißt, die Studierenden, die zur Beobachtung und zum Schutz der Tiere vor Ort waren, mussten die ganze Zeit mitwandern. Als die Jungtiere halb flügge waren, kamen die „Bodyguards“ kaum noch hinterher, erinnert sich Lüken.

Außerdem war eine besondere Sensibilität bei der Bewachung vonnöten: „Die Jungtiere müssen quasi die ganze Zeit fressen. Wenn sie sich von ihren Begleitern gestört fühlen, wegducken und verstecken, fehlt ihnen diese Zeit für die Nahrungsaufnahme. Das kann für die jungen Vögel gefährlich werden“, erklärt der Ornithologe. Doch alles ging gut und bis ins Jahr 2007 konnte der Bestand wieder auf 14 Jungvögel hochgepäppelt werden.

Die Jungtiere wurden im Rahmen des Artenschutzprogramms untersucht, beringt, gewogen. So ließen sich auch interessante wissenschaftliche Erkenntnisse gewinnen. Man fand beispielsweise heraus, dass 52 Prozent der Jungvögel an den Geburtsort zurückkehren und von diesen 90 Prozent bereits im zweiten Kalenderjahr brüten. Und dass sich nach dem Goldregenpfeifer die Uhr stellen lässt: „Es war ganz erstaunlich, aber der Brutwechsel zwischen den Elterntieren fand immer zur selben Zeit statt“, erzählt Lüken.

2009 brach der Bestand dann erneut ein. Und dieses Mal führte der Einbruch tatsächlich zum Aus für „Goldi“ in Deutschland: Seit 2015 konnte kein einziger Brutnachweise mehr erbracht werden. Über die Ursache lässt sich nichts mit Gewissheit sagen. „Ich vermute ein Ereignis außerhalb der Brutgebiete, z.B. einen Pestizideinsatz in den Überwinterungsgebieten“, so Dr. Nipkow von der Vogelschutzwarte.

Auch wenn Theo Lüken bewusst ist, dass das Projekt aufgrund der geringen Bestandszahlen von Anfang an prekär war, bedauert er das Scheitern sehr. „Ich habe in dieses Projekt viel Herzblut investiert“, sagt er. „Der Goldregenpfeifer ist ein super Vogel, ich habe ihn schon als Kind mit meinem Vater beobachtet, der uns Jungen immer ins Moor mitgenommen hat.“

NABU-Mitglied und Artenschützer Theo Lüken ist jetzt 71 Jahre alt, NABU-Mitglied seit 40 Jahren, und seit vielen Jahren im Vogelschutz aktiv. Zusätzlich ist er seit knapp 10 Jahren in „Befis Naturgarten“ engagiert, ein Lehr- und Schaugarten, in dem u.a. alte Leguminosen-Sorten angebaut und für Kindergärten und Schulen Führungen angeboten werden. 3000 Menschen besuchen den Garten jedes Jahr. Als „Goldregenpfeifer-Papa“ hat Lüken einmal ein verwaistes Regenpfeifer-Gelege mit Hilfe einer Brutmaschine erfolgreich ausgebrütet.

Hat „Goldi“ also nicht das Zeug zum NABU-Jahresvogel? „Mit der Wahl zum Vogel des Jahres richtet der NABU immer auch den Fokus auf gefährdete Lebensräume und eine problematische Landnutzung“, sagt Philip Foth vom NABU Niedersachsen. „Im Fall des Regenpfeifers ist ganz klar: Die Hauptursache, warum er bei uns aktuell nicht mehr vorkommt, liegt in der großflächigen Zerstörung der Moore für Landwirtschaft und Torfindustrie – gerade in Niedersachsen.“

Industrieller Torfabbau sowie Aufforstung und Nutzungsintensivierung haben die Brutmöglichkeiten für den Goldregenpfeifer Nord- und Mitteleuropa stark eingeschränkt. Sein ursprünglicher Brutlebensraum, die mit Glockenheide bewachsenen Moorheiden, sind in Niedersachsen vollständig zerstört worden.

Die Renaturierung von Mooren ist eine naturschutzfachlich sehr wichtige, aber keine leichte Aufgabe. Moorheiden sind praktisch nicht wieder herzustellen. Überdies können Zielkonflikte entstehen, die nur durch Abwägung zu entscheiden sind. Das bedeutet: Was sich für eine Art oder einen Lebensraumtyp positiv auswirkt, kann für eine andere Art negative Folgen haben. Theo Lüken hat in der Esterweger Dose beobachtet, dass durch die Polderung zwar der Wasserhaushalt im Moor verbessert wurde, die für den Goldregenpfeifer geeignete Brut- und Nahrungshabitate aber nun unter Wasser stehen.

Ob „Goldi“ zukünftig auf renaturierten Moorflächen eine Ersatzheimat finden wird, ist somit ungewiss. Doch die Hoffnung bleibt. „Auch wenn ich den Goldregenpfeifer nicht für eine gute Wahl zum NABU-Jahresvogel halte – als Brutvogel für Niedersachsen habe ich ihn noch nicht aufgegeben“, sagt Vogel-Experte Nipkow.


Ab 18. Januar 2021 kann man den eigenen Favoriten aus den zehn Siegern der Vorwahl zum „Vogel des Jahres“ wählen. Das Abstimmungsformular für die Hauptwahl wird am 18. Januar auf www.vogeldesjahres.de freigeschaltet. Gib bis zum 19. März deine Stimme ab! Noch am gleichen Tag wird der gefiederte Wahlsieger verkündet und zum „Vogel des Jahres 2021“ ernannt.

Bereits jetzt gibt es in unseren Vogelporträts die wichtigsten Fakten rund um das Aussehen, den Lebensraum und die Gefährdung unserer Top Ten. Erfahre mehr über die Kandidaten der Wahl!


Foto: Goldregenpfeifer GNU Free Documentation License,
Text: NABU Niedersachsen

Weihnachtsprogramm 3

27. Dezember 2020

Ich mag ihn einfach, den Konrad Beikircher. In der letzten Woche ist er 75 geworden. Hier zum „Auf-dem-Sofa-Genießen“ sein „Am schönsten isset, wenn et schön is!“-Programm zum Ausklang dieses ruhigen Weihnachten 2020.

Weihnachtsprogramm 2

26. Dezember 2020

Mein Weihnachtsprogramm 2020/2 #Beethoven – was sonst?

Weihnachtsprogramm 1

25. Dezember 2020

Die Oldenburger Theaterleute schreiben: „Auch wenn wir gerade keine Premieren auf der Bühne zeigen können, arbeiten wir doch an einer großen Produktion! Gemeinsam mit der Filmfirma Siegersbusch haben wir eine exklusive Weihnachtsgala gedreht, die ab Sonntag, den 20.12., 18 Uhr für eine Woche auf www.staatstheater.de zu sehen sein wird und außerdem über Oeins auch im Fernsehen [und natürlich auch in diesem kleinen Blog via Vimeo].

Das gesamte Staatstheater mit allen 450 Mitarbeiter*innen ist in Weihnachtsstimmung und sendet Grüße an sein Publikum, das es so lange nicht gesehen hat. In allen Abteilungen, Ecken und Winkeln passiert Unerwartetes, Spannendes und Überraschendes:
Das Ballett tanzt durch die Bar im Hauptfoyer, Christian Firmbach trifft auf Fräulein Rottenmeier, in der Tischlerei werden Weihnachtslieder gesungen, Manuel Thielen alias Loriot wird von vielen Tieren umgeben – natürlich im gebotenen Abstand. Aber auch auf der Großen Bühne ist viel zu erleben – das Staatsorchester spielt weihnachtliche Musik von Mozart bis Swing, es singen Solist*innen des Opernensembles sowie der Chor des Staatstheaters und alles aus ungewohnter Perspektive! Auch der Weihnachtsmann mit seinem Engel taucht immer wieder auf und führt die Zuschauer*innen hinter Türen, an Ecken und durch Gänge des Theaters, die sonst niemand zu sehen bekommt. Es werden Kekse gebacken, Weihnachtslieder gesungen, Heidi taucht auf, ,Ziemlich beste Freunde‘ machen sich auf den Weg durch die Unterbühne und im Fahrstuhl wird fleißig geküsst. Selbst mit Petrus hat sich das Theater gut gestellt, sodass es rechtzeitig schneien wird …
Machen Sie es sich also auf dem Sofa gemütlich, Glühwein und Lebkuchen in der Hand, und genießen Sie unser Weihnachtsgeschenk von zu Hause aus!“

Frohe Weihnachten, Ihr Lieben.

Schon zum 10.  Mal ruft Reiner Korbmann (der Macher von Wissenschaft kommuniziert) zur Wahl des Wissenschaftsblog des Jahres durch das Netz-Publikum auf.

Wählen Sie noch hier und bis zum 10. Januar den „Wissenschafts-Blog des Jahres 2020“. ´

Blogger Korbmann benennt dabei zwei Ziele:

    1. die besten und populärsten Blogs herausstellen,
    2. interessante Beispiele zeigen, wie jeder Forscher, jedes Institut, jeder Verantwortliche seine Informationen in die Öffentlichkeit des Internets bringen, seine Perspektive darstellen kann.

2020 ist ein besonderes Jahr, in dem digitale Medien und gerade Podcasts (wie Coronavirus-Update oder maiLab (auf YouTube), aber auch Wissenschaftsblogs enorm an Bedeutung gewonnen haben. Wissenschaftler haben hier rund um die SarsCov2-Epidemie Zusammenhänge erklärt und auch Wissenschaft gegen allerhand Leugner und Spinner verteidigt, sich aber auch mit ernster Kritik und Sorgen auseinander gesetzt. Dazu gibt es dieses Jahr gesondert die Wahl des Corona-Blogs.

Der regulären zweiten Kategorie der Wahl – der des Blogteufelchens – kommt dieses Jahr auch besondere Bedeutung zu. Hier geht es nicht eigentlich um eine Auszeichnung bzw. einen Negativ-Preis, denn hier treten Parawissenschaften gegen echte kritische Wissenschaften an. Ziel ist es, auf die Problematik aufmerksam zu machen.
„Die Verleugnung der Realität ist heute eines der großen gesellschaftlichen Probleme. Wir alle müssen Zeiten fürchten, da Fakten nicht mehr erwünscht sind. Wissenschaftskommunikation muss diese Strömungen ernst nehmen. Darauf soll die Wahl des „Blog-Teufelchens der Wissenschaftskritik“ aufmerksam machen. “

Archäologie hat immer spannende Geschichten zu erzählen, auch wenn das meist keine Sensationen sind. Gerade in Krisenzeiten kann Geschichte (und Archäologie) Orientierung liefern – nicht als Problemlösung, aber als Grundlage für einen fundiert kritische Auseinandersetzung mit Ereignissen und Strategien. Dabei geht es nicht um die klassische Identitätsstiftung oder Legitimierung, für die Geschichte gerne herangezogen wird, sondern um das exemplarische Verständnis von Zusammenhängen, den wissenschaftlichen und demokratischen Diskurs langfristiger Risiken oder auch die Erfahrung der Zeit.

2016 hat Archaeologik die Auszeichnung zum Blog des Jahres 2015 gewonnen; dort habe ich den Hinweis auf die Wahl gefunden. Seitdem sind weitere Archäologie-Blogs in die Vorschlagsliste gekommen und haben auch Auszeichnungen gewonnen: „Miss Jones“ Geesche Wilts hat den Wissenschaftsblock in Silber 2019 gewonnen. 2017 hat der Pfahlbauten-Blog Platz 3 belegt. Mit im Rennen ist aber auch der Stiegen-Blog.

Es wäre also nicht unangemessen, wenn es wieder ein Archäologie-Blog (oder ein anderer historischer) unter die Sieger schaffen würde – wenn auch die Konkurrenz dieses Jahr durch zahlreiche neue Corona-Blogs sicher sehr stark sein wird.

Also bitte: Wählen!

eingetroffen

19. Dezember 2020

Gerade eingetroffen.

Offener Brief

17. Dezember 2020

zuckersüßtieftraurig

17. Dezember 2020

Das kennen wir doch alle, oder? Wenn es manchmal so unbedingt Pommes rot-weiß oder Zuckerwatte sein muss, also irgendetwas, was so schrecklich ungesund aber eben so nötig ist. Jetzt. Die jährliche Edeka-Weihnachtsreklame gehört dazu. So zuckersüßtieftraurig wie man es nur zu den Zeiten erträgt, in denen Whams Last Christmas im Radio läuft. Also auf mehrfachen Wunsch – bitte:

Chanukka

15. Dezember 2020

Aus Osnabrück erreichte mich zum vergangenen Wochenende ein Video zu Chanukka von der Jüdischen Gemeinde mit Grußbotschaften und Gesängen aus verschiedenen Ländern, u.a. Osnabrück/Deutschland, Jerusalem/Israel und Riga & Jurmala/Lettland, initiiert vom Verein „Drei Stufen e.V.“ um Kantor Baruch Chauskin und seiner Musikgruppe. Die Gedenkstätte Gestapokeller aus Osnabrück ist mit im Boot. Dauer: ca. 1:10 Std –  geduldiges Hören eröffnet fröhliche Gesänge.

Lichtsymbolik ist ein fester Bestandteil vieler Religionen, nicht nur der Christenheit mit ihren vier Adventskerzen, dem Stern von Bethlehem, der Lichterbaum und dem Licht der Welt. Vom 11. bis 20. Dezember 2020 feiern die Juden in aller Welt das jüdische Lichterfest Chanukka. Es fällt stets auf den 25. Tag des jüdischen Monats Kislew und damit in die Advents- und Weihnachtszeit. Doch mit der Geburt Christi hat dieser Feiertag natürlich nichts zu tun.

Die Juden erinnern mit dem acht Tage dauernden Chanukkafest an die Wiedereinweihung des zweiten Tempels von Jerusalem im jüdischen Jahr 3597 (also 164 vor Christus). Damals befreite Judas Makkabi mit seinen Männern Israel von der Herrschaft der Griechen und führte im Tempel zu Jerusalem wieder den jüdischen Gottesdienst ein.

Der Überlieferung nach wollten die Makkabäer damals die Menora, den großen siebenarmigen Leuchter, neu entzünden, fanden im zerstörten Tempel aber nur noch geweihtes Öl für einen Tag. Zur allgemeinen Verwunderung brannte das Licht aber acht Tage lang, bis man neues Öl beschafft hatte. Daran erinnern die Lichter am Chanukkafest.

Die Feier findet abends im Kreise der Familie statt. Es wird aus der Tora vorgelesen und an vergangene Zeiten erinnert. Die Kinder bekommen kleine Geschenke. Als Festspeise gibt es Ölkrapfen und jüdische Latkes. Diese Speisen sollen an der Wunder des brennenden Öls im Tempel erinnern. Nach Einbruch der Dunkelheit wird täglich ein weiteres Licht oder eine weitere Kerze entzündet, bis am letzten Tag alle 8 Lichter brennen…

Ein Livemitschnitt des Online-Musikabends „Wir feiern Chanukka – das Lichterfest“ 10. Dezember 2020 Livestream aus der Jüdischen Gemeinde Osnabrück , der Gedenkstätte Gestapokeller, aus Riga, Jurmala und aus Jerusalem
Begrüßung – Shimi Lang, Rabbiner der Jüdischen Gemeinde Osnabrück –
Georg Hörnschemeyer, Vorsitzender des Vereines Gedenkstätte Gestapokeller und Augustaschacht e.V. in Osnabrück –
Lolita Tomsone, Direktor bei Žanis Lipke Memorial, Riga, Lettland
Beitragende Künstler:
Kantor Baruch Chauskin, Osnabrück –
Duo NIHZ (Bobby Rootveld und Sanna van Elst), Nordhorn –
Roman & Ilja Testelec, http://www.Rudaga.lv, Jurmala, Lettland –
Alexei Belousov & Ruth Levin, Israel –
Michel Kahn & CO, Jerusalem.

Es ist eine Veranstaltung im Rahmen des Projektes „Musik mit Musik überwinden“
Gefördert durch Sparkasse Osnabrück, Gemeinde Hasbergen und weitere Partner.
2020 – DREI STUFEN e.V.