Meistens bleibt nur sparen, schrieb gestern die taz. Denn Mieter, deren Wohnung mit einer Gasheizung beheizt wird, „haben praktisch keine Möglichkeit, das zu ändern“, sagt Martin Brandis, Energieexperte der Verbraucherzentrale Bundesverband, „sie können ja keine Investitionen tätigen“. Wer seine Wohnung im Winter tendenziell stark heizt – also mehr als 21 Grad – solle überlegen, ob er die Heizung nicht wirklich runterdrehen könne, sagt Brandis. Wichtig: Räume, die tagsüber leer sind, weil die Be­woh­ne­r:in­nen nicht da sind, müssen nicht beheizt werden. Dass das Aufheizen kalter Räume mehr Energie verschlingt, als sie konstant erwärmt zu lassen, sei ein Mythos, sagt Brandis.

Er rät zu programmierbaren Thermostaten, die es im Baumarkt oder bisweilen im Discounter zu kaufen gibt und die auf nahezu jeden Heizkörper mit Thermostat passen. Damit kann die Raumtemperatur reguliert und, kurz vor Feierabend, wieder erhöht werden.

Hilft eine kleine Photovoltaikanlage auf dem Balkon? „Einen Teil ihres Strombedarfs können Mie­te­r:in­nen damit decken“, sagt der Energieexperte, „das ist empfehlenswert und sinnvoll.“ Aber in Sachen Heizen und Gassparen helfe es nicht. „Um Solarthermie sinnvoll nutzen zu können, müssen die Kollektoren an die zentrale Heizungsanlage angeschlossen werden.“ Das sei für Mie­te­r:in­nen schwierig. Sinnvoll könne auch sein, Ver­mie­te­r:in­nen auf die derzeit komfortable Förderung für den Einbau von Wärmepumpen hinzuweisen. Wer in einer Eigentumswohnung wohnt, hat mehr Möglichkeiten. „Hier hängt es davon ab, was die Eigentümer verabredet haben“, sagt Brandis. Eine Wärmepumpe setzt wegen der hohen Investitionssumme in den meisten Eigentümergemeinschaften den Beschluss aller Eigentümer voraus.

Für diesen Winter dürfte das in vielen Fällen zu spät sein. Hier gilt der Hinweis für die Mieter: Runter mit der Temperatur.

Wärme

30. Juni 2022

Um die Energieversorgung zukunftsfest zu machen, muss diese sicher, wirtschaftlich und umweltverträglich gestaltet werden. Das sind zentrale Ziele der Energiewende. Und diese wiederum ist vor allem auch eine Wärmewende. Gestern hatte die Bundesregierung zum sogenannten Wärmepumpen-Gipfel geladen. Denn die Wärmepumpe gilt als Schlüsseltechnologie, um in der Wärmeversorgung auf erneuerbare Energien zu setzen.

Alle Teilnehmer waren sich einig, dass mehr Tempo bei der Transformation der Wärmeversorgung notwendig ist. In Deutschland sollen ab 2024 pro Jahr 500.000 Wärmepumpen neu installiert werden. Auf dieses Ziel einigten sich am Mittwoch Vertreter zahlreicher Verbände mit Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) und Bauministerin Klara Geywitz (SPD).

„Wir brauchen mehr Tempo“, sagte Minister Habeck. „Denn wenn wir uns konsequent aus der Klammer russischer Importe befreien wollen, dann dürfen wir nicht nur an den Stromsektor denken, sondern dann brauchen wir gerade auch den Wärmebereich.“

Der Einbau einer Öl- oder Gasheizung als alleiniges Heizungsgerät wird in Deutschland zum 1. Januar 2025 praktisch verboten (mehr…). Der Grund: Jede neue Heizung muss dann mindestens 65 Prozent erneuerbare Energien einkoppeln. So legt es die Koalitionsvereinbarung der Ampelregierung fest. Ab 2024 soll jede neu eingebaute Heizung zu 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden. Dafür aber würden schnell mehr Wärmepumpen benötigt, sagte Habeck. Ministerin Geywitz betonte, ihr sei wichtig, dass die Wärmwende bezahlbar und planbar sein müsse. „Wärmepumpen müssen sich auch jene leisten können, die mit schmalem Geldbeutel haushalten müssen.“

Die Umweltorganisation WWF begrüßt derweil, dass die Bundesregierung das Thema Wärmewende vorne auf die Agenda setzt. Dies sei gerade mit Blick auf Abhängigkeiten von fossilen Energieträgern und zur Einhaltung der Klimaziele längst überfällig. Wir erwarten ein ambitioniertes Vorgehen der Bundesregierung. Die kommunale Ebene nimmt dabei eine entscheidende Rolle bei der Umsetzung ein.

Letztlich findet die Umsetzung der Energiewende vor Ort statt. Auch die Wärmeplanung wird maßgeblich lokal entschieden. Der WWF Deutschland hat deshalb den Leitfaden kommunale Wärmeplanung – Vor Ort in die fossilfreie Zukunft starten entwickelt. Dieser skizziert den Ablauf der kommunalen Wärmeplanung und stellt zentrale Argumente für die Wärmewende bereit. Denn bei den unvermeidbaren, tiefgreifenden Veränderungsprozessen im Wärmesektor hängt viel vom Handeln der Kommunen ab. Dass die Energiewende vor allem eine Wärmwende ist, zeigt sich daran, dass das Heizen für rund 70% des Endenergieverbrauchs in den Haushalten verantwortlich ist. Weniger als 20 Prozent der beim Heizen verbrauchten Endenergie stammen bislang aus regenerativen Energien.

Dazu sagt Viviane Raddatz, Leiterin Klima- und Energiepolitik beim WWF-Deutschland: „Die kommunale Ebene verfügt wie keine andere politische oder administrative Ebene über so detaillierte Kenntnisse des Gebäudebestands und seines energetischen Zustands, der damit verbundenen Energiebedarfe und der lokalen Probleme und Potenziale. Wesentliche Entscheidungen für die Wärmeplanung fallen vor Ort. Die Städte und Gemeinden hierzulande haben es also in der Hand, in welcher Form und vor allem wann die Wärmewende vor Ort Einzug hält. Der WWF-Leitfaden zeigt, dass die Wärmewende handfeste Vorteile für die Kommunen und ihre Bürger:innen vor Ort mit sich bringt – auch über den Klimaschutz hinaus. Zu nennen sind hier vor allem Planungssicherheit, Kostensenkungen bei eigenen Liegenschaften, Wertschöpfung in der Region und eine bessere Einbindung der Bürger:innen in die kommunale Entscheidungsfindung. Auch die Versorgungssicherheit unabhängig von fossilen Energieträgern ist gerade mit Blick auf den Krieg in der Ukraine zu betonen.“

Der WWF will alle kommunalpolitisch Aktiven bestärken, sich jetzt mit dem hochaktuellen Thema Wärmeplanung zu beschäftigen. „Mit dem Leitfaden möchten wir eine erste Orientierung und Argumente bieten, wie die Kombination von Klimaschutz, energetischer Unabhängigkeit und regionalem Wohlstandserhalt gelingt.“

Apropos kommunalpolitisch Aktive: Gestern tagte auch der Aufsichtsrat der Stadtwerke, der sich im Wesentlichen aus Vertreter der Stadt Lingen und einer RWE-Tochtergesellschaft zusammensetzt. Auch dabei stand die strategische Ausrichtung des maßgeblich kommunale Unternehmens im Mittelpunkt. Denn – wie gesagt- wird es ab 2025 keine klassischen Gasheizungen mehr geben. Daher werden (auch) in Lingen künftig neue Wohngebiete ohne Gasversorgung entwickelt werden; das neue Wohngebiet südlich des Mühlenbachs im Stadtteil Damaschke beispielsweise wird nach diesen Regeln gebaut, wie den Bauinteressenten vor einigen Tagen bei einer Anliegerversammlung erklärt wurde. Wärmepumpen werden kommen. Unsere BN-Stadtratsfraktion ist gespannt, was BN-Fraktionskollege Marc Riße über die künftige Ausrichtung der SWL und deren Geschäftsführung berichten.

 

Der nagelneue Lufthansa-Jet mit dem Namen „Lingen“ heißt Lovehansa – passend zum Pride Month Juni. Ich finde, dass das ein wirklich guter Botschaft-Flieger für unsere Stadt ist. Die Airline sagt dazu, die „Lovehansa“-Botschaft solle sein, für sechs Monate sichtbar Liebe nach Europa zu bringen und für „Offenheit, Toleranz und Diversität“ zu werben, für das auch Lufthansa stehe. Der Erstflug der „Lovehansa“ vor drei Tagen hatte das Ziel Billund in Dänemark (LH842). 

Der Airbus A320 neo mit der Kennung D-AINY fliegt Ziele in ganz Europa an. Nebst dem augenfälligen Schriftzug ist auch das sogenannte Welcome-Panel am Eingang in den Regenbogenfarben beklebt.

Außerdem sieht man beim Blick aus dem Flugzeugfenster an den Flügelspitzen Herzen in Regenbogenfarben. Und auch innen sieht der nach unserer Stadt benannte Jet etwas diverser aus als andere Flieger:

Fotos: © Lufthansa

Über die in den Medien gehypte Spargel- und Erdbeerkrise analysiert Robin Patzwaldt bei den Ruhrbaronen: „Das große Gejammer der Landwirte ist nur bedingt nachvollziehbar.

Dass Landwirte gerne jammern, ist grundsätzlich nicht neu. Schon in meiner Kindheit in den 1980er-Jahren, als ich häufiger für einige Wochen bei meinen auf dem Lande lebenden Großeltern zu Gast und im Zuge dessen regelmäßig bei benachbarten Bauern zu Gast war, klagten diese mir häufig ihr Leid.

Die Schweinezucht würde sich für sie wirtschaftlich inzwischen einfach nicht mehr lohnen, das Wetter sei in diesen Jahr ganz besonders ‚beschissen‘, sie hätte immer so ungünstige Arbeitszeiten, es fehle ihnen an öffentlicher Wertschätzung und die schlechte Entlohnung ihrer Mühen sei überhaupt ein einziger Skandal usw.. Was mir da schon als Kind alles erzählt wurde, klang so verbittert wie vielschichtig…“

[weiter bei den Ruhrbaronen]

Pestmaske gesucht

3. Juni 2022

Lasst uns zusammen in Lingen feiern. Am Wochenende ist wieder Kivelingsfest in unserer Stadt. Etwas abgespeckt zwar, aber wie stets bei sehr ordentlichem Wetter und mit ganz viel Herz. Gefühlt nach Corona wird dieses Fest etwas ganz Besonderes!
Mit seiner  Fotoaktion Kivelingsfest 2022 setzt übrigens Fotogen bei diesem Fest seine vor mehr als 10 Jahren begonnene Reihe markanter Kivelingsköpfe  fort und Fotograf Hans Einspanier hat recht: „Diese Bilder werden die Lingener noch in 100 Jahren bestaunen.“
Einspanier sucht übrigens noch den Kiveling aus 2017 mit der Pestmaske und würde sich sehr über einen Fotobesuch des amtierenden Königspaares der Kivelinge freuen. Überhaupt bietet Einspanier allen  Mitmachenden in Kostümen an, ein einzigartiges Erinnerungsporträt fotografieren zu lassen. Auch am Pfingstsonntag.
Hier kann man sich flott und online einen Termin reservierenund alle weiteren Informationen erhalten (Die Pfingstsonntag-Termine werden erst morgen zu buchen sein). Vielleicht wird aus allen Fotos recht bald ein schöner Bildband über Lingener Kivelingsköpfe.

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Fotos © Fotogen, Hans Einspanier, Lingen (Ems)

1. Mai

27. April 2022

„Gemeinsam Zukunft gestalten“ – unter diesem Motto ruft der Deutsche Gewerkschaftsbund DGB am 1. Mai wieder zur traditionellen Maikundgebung in Lingen (Ems) auf. Zum ersten Mal nach der Corona-Zwangspause organisieren die DGB-Kreisverbände Emsland und Grafschaft Bentheim am internationalen Kampftag der Arbeiterbewegung wieder eine Kundgebung mit anschließendem öffentlichem Maifest mit Live-Musik.

„Wegen der Corona-Pandemie war unsere Arbeit mehr als zwei Jahre lang sehr eingeschränkt. Jetzt wollen wir wieder Präsenz zeigen“, sagte dazu Bernd Mentgen, der Vorsitzende des DGB-Kreisverbands Grafschaft Bentheim gegenüber den Grafschafter Nachrichten. Gemeinsam mit den emsländischen Gewerkschaftern findet wieder eine Maiveranstaltung statt. Die beginnt am kommenden Sonntag um 10.15 Uhr auf dem Lingener Marktplatz beginnt. Dort wird Marion Hackenthal, Bezirksleiterin der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) aus Ibbenbüren, die Anwesenden mit einer kurzen Rede begrüßen. Im Anschluss ziehen die Teilnehmer in einem Demonstrationszug durch die Innenstadt zum Veranstaltungszentrum Halle IV.

Die Festrede hält dort die Gewerkschaftssekretärin Laura Belt (IG Metall Rheine). Außerdem werden die DGB-Kreisvorsitzenden aus der Grafschaft und dem Emsland, Bernd Mentgen und Marcel Jungnickel, sprechen. Lokale Politiker sprechen Grußworte.

Großes Thema der Kundgebung in der Halle IV sind die Veränderungen der Arbeitswelt durch Digitalisierung und Klimaschutz sein. „Die Transformation müssen wir als Gewerkschaften begleiten und aktiv mitgestalten“, sagt die Geschäftsführerin der DGB-Region Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim, Nicole Verlage. Gerade jetzt sei die betriebliche Mitbestimmung unverzichtbar, um in diesem tief greifenden Wandel der Arbeitswelt Arbeitnehmerrechte zu sichern.

Nach der Kundgebung sind alle Interessierten zu einem Maifest in und an der Halle IV eingeladen. Dort soll es Infostände, Getränke und Imbissstände geben. Für die musikalische Unterhaltung wurde das Duo Harp Mitch & Guitar Jakobs gewonnen. Die bekannten niederländischen Bluesmusiker wollen unter anderem Lieder der Arbeiterbewegung erklingen lassen. Mentgen und Verlage hoffen auf den Besuch vieler GewerkschafterInnen und ArbeitnehmerInnen zu dieser „bunten Veranstaltung“.


Quellen: PM DGB EL, DGB NOH, GN

Zermürbung als Strategie

12. April 2022

Anlässlich eines krassen Falls aus Bremen und umzu  hat in Bremen eine Konferenz zu Union Busting stattgefunden: Hinter dem Begriff verbirgt sich die  Sabotage von Betriebsräten durch Unternehmensführungen und die hat System. Die taz berichtet über die Fakten hinter dem Anglizismus, der im Emsland an den Umgang der Meyer Werft mit dem ehemaligen Betriebsratsvorsitzenden Ibrahim Ergin erinnert. Konkret geht es um Nicole Meyer. Sie ist Betriebsratsvorsitzende bei der Residenz-Gruppe, Teil des französischen Orpea-Konzerns. Im Emsland unterhält sie eine Einrichtung  in Haren.

–> „Ein bisschen Genugtuung hat Nicole Meyer bekommen: im März hat sie einen Prozess gewonnen. Wieder einmal – die Pflegekraft und Betriebsratsvorsitzende gewinnt eigentlich jedes Mal. Meistens sind es allerdings nur kurze Siege. Die nächste Instanz, die nächste Klage, der nächste Angriff warten schon. Dieses Mal war es etwas anders: Meyer war nicht Angeklagte, sondern Klägerin. Sie hat ihren Arbeitgeber wegen Mobbings verklagt, 15.000 Euro Schmerzensgeld wurden ihr zugesprochen.

Ihr Arbeitgeber, das ist die Residenz-Gruppe, die zum skandalbelasteten französischen Konzern Orpea gehört – einer der größten Anbieter von Pflegedienstleistungen weltweit. Seit Ende 2020 versucht der Konzern mit allen Mitteln, die Betriebsratsvorsitzende loszuwerden. Der spektakuläre Fall war in Bremen Anlass für eine gemeinsame Tagung von Arbeitnehmerkammer und Gewerkschaft zum Thema „Union Busting“ – zum systematischen Zerstören von Betriebsräten und Gewerkschaften.

Union Busting, da ist man sich einig bei der Konferenz, findet nicht nur auf der juristischen, sondern vor allem auch auf der psychischen Ebene statt. Es ist eine Zermürbungs- und Abschreckungsstrategie. Meyers Fall ist exemplarisch, weil er so viele Punkte erfüllt, die die Wissenschaft unter Union Busting versteht.

Die Aufzählung von Arbeitsrechtsanwalt Michael Nacken ist erhellend: Die Residenz-Gruppe verklagt Meyer in einem ersten Verfahren, weil die Vorsitzende zu einer Betriebsratssitzung – ganz protokollgerecht – keine Nachrückerin eingeladen hatte. Der Arbeitgeber konstruierte daraus, dass der Beschluss des Betriebsrats fehlerhaft, die Teilnehmerliste gefälscht sei. Urkundenfälschung und Prozessbetrug sei das.

Die Residenz-Gruppe beginnt, die Betriebsratsvorsitzende zu kontrollieren. Alle…“

[weiter bei der taz]

 

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und noch mehr

„Einkaufsbox“

9. April 2022

Alle im sogenannten „ländlichen Raum“ kennen es: Der letzte Lebensmittelladen im Ortsteil hat längst geschlossen und niemand kann mehr im Ort einkaufen. Alle müssen fahren, um ihre Lebensmittel zu bekommen. Alle regen sich darüber auf, die Kommunalpolitik sucht eine Lösung, und das ist nicht einfach. Anstelle der beispielsweise im Stadtteil Lingen-Bramsche praktizierten direkten Subventionierung eines kleinen Geschäftes aus Steuermitteln oder einem genossenschaftlichen Dorfladen hat jetzt Lebensmittelriese REWE eine neue Idee entwickelt: Im oberfränkischen Pettstadt eröffnete der Konzern vor einigen Tagen die  erste sog. „Einkaufsbox“. Auf einer Verkaufsfläche von rund 39 Quadratmetern kann der Kunde dort an sieben Tagen ganztags („24/7“) einkaufen.
Zuvor konnten auch in Pettstadt die Menschen nicht mehr einkaufen. Nachdem ein geplantes Dorfladenprojekt nicht voran kam, ist aber jetzt für die 2000 Einwohner der Gemeinde im Landkreis Bamberg einkaufen wieder möglich. Statt einer Dorfladen-Genossenschaften in Eigenregie eröffnete in Pettstadt vor einigen Tagen der „Dorfladen 2.0“, mit der REWE ein neues Dorfladen-Konzept testet.

Das hochtechnisierte „Ladenlokal“ hält 700 Artikel in den Regalen vor: Von A wie Apfel bis Z wie Zahnbürste – eben alles für den täglichen Bedarf. Den Schwerpunkt des Angebots bilden die Konzern-Eigenmarken, Bioprodukte und Produkte örtlicher und regionaler Lieferanten, so REWE. Alkoholisches suchen die Kund*innen allerdings vergebens.

Der Einkauf funktioniert so: Zutritt zu dem kleinen Geschäft erlangt man mittels der eigenen Giro- oder Kreditkarte. Kundin oder Kunde stecken sie in einen roten Kasten vor dem Eingang, sie wird eingelesen, dann öffnet sich die Tür. Im Laden können die Kunden ihre Lebensmittel in Ruhe zusammenstellen. Mit der Giro- oder Kreditkarte wird dann auch an einer Selbstbedienungskasse bargeldlos bezahlt, nachdem die ausgewählten Artikel einzeln und selbständig gescannt wurden. Danach können die Kunden die Einkaufsbox verlassen.

„Allein in Deutschland gibt es rund 8.000 unterversorgte Siedlungsgebiete, in denen die Menschen für den täglichen Lebensmitteleinkauf sehr weite Strecken zurücklegen müssen“, erklärt REWE-Bereichsvorstand Peter Maly: „Dafür eignet sich unser ‚nahkauf‘-Format perfekt, das dort die Nahversorgung sichert, wo sich alle Wettbewerber zurückgezogen haben.“

Pettstadts Bürgermeister Jochen Hack freute sich öffentlich darüber, dass sich die Bürger im Ort wieder versorgen können. Selbstversorgung übrigens im wahrsten Sinne des Wortes, denn Personal gibt es in dem kleinen Supermarkt nicht!

Die Gemeinde hat die Aufstellung von „Josefs Einkaufsbox“ -benannt nach dem Vornamen seines örtlichen Betreibers Josef Sier – sofort genehmigt. Bürgermeister Hack freute sich: „Die Einkaufsmöglichkeit ist ein weiteres Puzzlestück bei der Weiterentwicklung unseres Ortes.“

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Nachtrag 1:
Nun allerdings gibt es eine aktuelle neue Entwicklung: Es gibt großen Ärger um die Ladenöffnungszeiten. Sonntags bleibt -im Gegensatz zu Zigerattenautomaten- das Geschjäft möglicherweise geschlossen. Dies liege am Bayerischen Sonn- und Feiertagsgesetz.  Die Süddeutsche informierte in dieser Woche darüber (€) und kommentierte kopfschüttelnd.

Nachtrag 2:
Das Ganze, lese ich gerade, ist übrigens doch nicht ganz neu. Ein ähnliches Konzept hatte zuvor auf regionaler Basis bereits der Händler „Tegut“ vorgestellt. Unter dem Namen „teo“ eröffnete die Supermarktkette im November 2020 ihre erste Selbstbedienungs-Box. Seitdem stehen im Raum Fulda zehn „Teo“-Filialen, in denen -herzliche Grüße nach Franken- rund um die Uhr eingekauft werden kann, wie bei einer automatischen Tankstelle. Auch in der Schweiz gibt es ähnliche Konzepte.

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Quellen: SZ, REWE, Kommunal.de,watson Foto: REWE

StoffOS

15. Februar 2022

StoffOS ist ein grünes Start-up aus Bad Iburg im Osnabrücker Land, das mit wiederverwendbaren Stoffprodukten eine nachhaltige Alternative zu Wegwerfprodukten bietet. Die Vision: Stoffprodukte aus der Nische zu holen – und dadurch den Abfall zu reduzieren. 2021 startete die Gründerin Silke Kretzing mit Stofftaschentüchern in Bio-Qualität.

Sie sagt: „Jedes Jahr braucht es eine 53 Kilometer lange Schlange an Müllwagen, um unsere weggeworfenen Papiertaschentücher zu entsorgen.“ Dieser erklärt die Motivation für ihr Unternehmen. Mit wiederverwendbaren Stofftaschentüchern will Silke Kretzing das globale Müllproblem anpacken. Ihre Lösung: Waschbare Taschentücher aus weichem Bio-Baumwoll-Jersey, die mindestens fünf Jahre halten – statt nach einmal Schnäuzen in der Tonne zu landen.  Die Website informiert über die StoffOs. Sie sind:

  • Weich
    Dank Bio-Baumwolljersey fühlt sich das Naseputzen so herrlich weich an, als würdest Du von einer Wolke gekitzelt.
  • Langlebig
    Dein Taschentuch ohne Plastik begleitet Dich mindestens 5 Jahre lang – damit sparst Du rund 5 Kilogramm Papierrestmüll und Plastikverpackung.
  • Waschbar
    Statt unsere Wälder in den Restmüll, schmeißen wir das Stofftaschentuch einfach zur 60 Grad Wäsche. Unkompliziert und flusenfrei.
  • Alleskönner
    Das Taschentuch aus Stoff ist besonders saugfähig, hygienisch und im quadratischen 22,5cm-Format der perfekte Begleiter für unterwegs.

Damit die Stofftaschentücher nicht nur bei Bio-Überzeugten im Einkaufswagen landen, will Silke Kretzing ihre nachhaltige Alternative im Supermarkt verkaufen – direkt neben den Papiertaschentüchern. StoffOS ist bereits in ausgewählten Geschäften des Einzelhandels i Osnabrück und umzu; der Einzelhandel im Land an Ems und Vechte hält sich bisher noch zurück. Aber es gibt die StoffOS natürlich online.

Moß

9. Februar 2022

Vergangenen Sonntag, am 6.2.2022, wurde in Rinsdorf-Talbrücke der Autobahn 45 fachgerecht gesprengt. Verantwortlich dafür war das Altenlingener Abbruchunternehmen Moß. Lingener haben bei der Live-Übertragung im WDR und natürlich nachher in den TV-Nachrichten die Moß-Flagge oben an der Brücke erkannt.  Auf der FB-Seite der Firma heißt es: „Im Dezember 2021 haben wir angefangen, die Brücke für die Sprengung vorzubereiten. Um insgesamt 5.000 Tonnen haben wir dann die Brücke geleichtert.“

„Danke an unsere mutigen Baggerfahrer und Handleute, denn in dieser Höhe zu arbeiten, da muss man schon schwindelfrei seien. Denn noch nie wurde in Deutschland eine höhere Brücke gesprengt – 70m. Das habt ihr wirklich klasse gemacht!“

Die Sprengung selbst führte die Firma Richard Liesegang aus Hürth im Auftrag von Moß aus. Gesprengt wurden die acht Pfeilerpaare der Brücke. Die Sprengung erfolgte jeweils auf halber Höhe der Pfeiler und an deren Fuß. Wie geplant knickten die Pfeiler ein und die Brücke fiel genau senkrecht nach unten. Eine Landesstraße und mehrere Leitungen darunter durften nicht beschädigt werden. Deshalb hatte Moß dort 40.000 Kubikmeter Sand zu einem sechs Meter hohen Fallbett aufgeschüttet.

120 Kilogramm Sprengstoff, 1850 Bohrlöcher und ein geplanter gewaltiger Knall ließe n dann Sonntagmittag die alte Talbrücke im Siegerland Geschichte werden. Mit einer Länge von knapp 500 Metern zählte sie übrigens zu den größeren der insgesamt 60 Brücken, die auf der maroden Sauerland-Linie neugebaut oder saniert werden müssen. 35.000 t alter Brückenschutt und 40.000 Kubikmeter Sand müssen jetzt nach der Sprengung abtransportiert werden.

Moß hat angekündigt, im laufenden Jahr „noch weitere Brücken“ zu sprengen. Man solle den Moß-youtube-Kanal abonnieren, um auf dem Laufenden zu sein, teilten die Abbrecher mit.