Kette

23. Juni 2017

Unser Städtchen gerät zunehmend in den Fokus der Menschen, die den weiteren Betrieb von Atomkraftwerken und ihrer Zulieferer nicht hinnehmen. Neben den Super-GAU-Gefahren ist dabei für mich weiterhin der für Hunderttausende von Jahren strahlende Müll das Unverantwortliche dieser Technologie des vergangenen Jahrhunderts. Glauben Sie etwa ernsthaft, dass das Zwischenlager am AKW Lingen für abgebrannte Brennelemente in 20 Jahren geräumt wird, wie dies vor knapp 20 Jahren vertraglich vereinbart wurde? Auch die Lingener ANF-Brennelementefabrik steht längst im Mittelpunkt der Kritik, die inzwischen auch von Konservativen mitgetragen wird. Darunter sind die Kölner Oberbürgermeisteerin Henriette Reker und der Aachener OB Etschenberg.

Liest Du diesen Vorbericht, den ich auf der Plattform „scharf-links“ gefunden habe:

Am kommenden Sonntag, den 25. Juni, werden Zehntausende eine 90 km lange Menschenkette vom belgischen Atomkraftwerk Tihange über Lüttich (B) und Maastricht (NL) bis Aachen (D) bilden. Sie fordern die sofortige Abschaltung des AKW Tihange und wenden sich gleichzeitig auch gegen den Weiterbetrieb weiterer Reaktoren in Frankreich, Belgien, den Niederlanden und Deutschland. Ziel des Protests ist auch der Stopp von Brennelement-Lieferungen für belgische Skandalreaktoren aus der Atomfabrik im emsländischen Lingen. Stattdessen sollte auch diese Anlage stillgelegt werden.

Bisher gibt es für den grenzüberschreitenden Protest unter dem Motto „KettenreAktion Tihange“ fast 30.000 Anmeldungen. Alleine in den letzten drei Tagen sind über 6.000 Anmeldungen dazugekommen. Die Veranstalter, Anti-Atom-Initiativen aus Belgien, den Niederlanden und Deutschland, rechnen mit weiteren Anmeldungen bis Sonntag und zusätzlich mit zahlreichen unangemeldeten Demonstrantinnen und Demonstranten. Damit dürfte die Menschenkette zur einer der größten grenzüberschreitenden Protest-Veranstaltungen werden, die es in der jüngeren europäischen Geschichte gegeben hat. Gleichzeitig ist es für Deutschland der größte Anti-Atom-Protest seit den Fukushima-Demonstrationen 2011. Und es wird definitiv der bisher größte Protest gegen das AKW Tihange.

Aus ganz Belgien, den ganzen Niederlanden und ganz Deutschland werden Atomkraftgegner zu der Menschenkette anreisen. Doch die meisten werden aus der Euregio im Dreiländereck kommen, die am schwersten von einem Unfall in Tihange betroffen wäre. Ganz bewusst werden an den einzelnen Streckenabschnitten Menschen aus allen beteiligten Ländern gemischt demonstrieren, Hand in Hand als europäische Bürgerinnen und Bürger gegen die Bedrohung aus Atomkraftwerken.

Bemerkenswert: Die Schirmherrschaft für die Aktion haben der belgische Schauspieler und Regisseur Bouli Lanners, der Aachener Oberbürgermeister Marcel Philipp (CDU), der Präsident der Städteregion Aachen Helmut Etschenberg (CDU) und die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) übernommen. Auch Gliederungen von SPD, Grünen, Linkspartei und Piraten unterstützen auf deutscher Seite die Menschenkette. Organisiert wird sie jedoch maßgeblich von meist ehrenamtlichen Anti-Atom-Initiativen, mit Unterstützung von Umweltverbänden und weiteren gesellschaftlichen Organisationen aus allen beteiligten Ländern. So ist insgesamt das wohl breiteste Bündnis in der Geschichte der Anti-Atom-Bewegung entstanden.

Jochen Stay, Sprecher der Anti-Atom-Organisation .ausgestrahlt, der die Idee zu dieser Aktion hatte, erklärt dazu:

„Im Dreiländereck zwischen Belgien, den Niederlanden und Deutschland ist in den letzten Jahren eine kraftvolle grenzüberschreitende Anti-Atom-Bewegung entstanden. Ausgelöst durch die desolaten Zustände in den belgischen Atomkraftwerken Tihange und Doel mit tausenden Rissen in den Reaktordruckbehältern, wehren sich die Menschen gegen die strahlende Bedrohung.

Wir wissen: der Super-GAU kann jeden Tag in jedem Reaktor passieren. Die Region um Aachen, Maastricht und Lüttich ist nicht nur durch Tihange oder Doel bedroht, sondern auch durch die AKW Borssele in den Niederlanden, Cattenom, Chooz und Gravelines in Frankreich und durch die Atomkraftwerke Lingen und Grohnde in Deutschland.

Wer das Risiko senken will, muss alle AKW abschalten, in Europa und weltweit. Deshalb demonstrieren wir am 25. Juni grenzüberschreitend – gegen Tihange und Doel sowie gegen alle anderen noch laufenden Reaktoren und Atomfabriken.

Wer wie die Bundesregierung gegenüber den Nachbarländern auf das Abschalten ihrer Schrottmeiler drängt, muss mit gutem Beispiel vorangehen. Denn viele vergessen: Deutschland ist hinter Frankreich nach wie vor der zweitgrößte Atomstromproduzent in der EU. Der Atomausstieg in Deutschland dauert viel zu lange.

Vom Ausstieg ganz ausgenommen sind bisher die Atomfabriken in Lingen und Gronau, die unbefristete Betriebsgenehmigungen haben und AKW in zahlreichen Ländern mit Brennstoff versorgen. Auch Tihange und Doel werden mit Brennelementen aus Lingen betrieben. Das muss aufhören. Die Anlagen in Lingen und Gronau müssen sofort geschlossen werden.

(Quelle)

eigentlich

16. Juni 2017

In der Kabarettsendung „Die Anstalt“ stand heute vor einem Monat die «Leiharbeit» im Mittelpunkt. Mehr als 150 Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter reagierten anschließend auf die öffentlich-rechtliche Einladung zur Klage gegen den Europäischen Gerichtshof (EuGH) und meldeten sich bei Arbeitsrechtler Professor Wolfgang Däubler.

Monat für Monat führen Max Uthoff und Claus von Wagner durch die Anstalt und zeigen dabei nicht nur die Absurditäten des politischen Alltags in Deutschland auf, sondern schaffen es, komplizierte Hintergründe verständlich zu erklären, größere Zusammenhänge aufzudecken und mit Fakten zu unterfüttern.

Weil Kritik allein aber nicht reicht, werden einzelne Themen mit Aufrufen verknüpft- so in der letzten Sendung. Schwerpunkt war die Ausdifferenzierung der legalen Arbeitsverhältnisse hin zur Dreiklassengesellschaft am Band. Daneben ging es auch um  Didier Eribon (Zitat: «Sie lesen einen französischen Soziologen, um etwas über deutsche Arbeiter zu erfahren?»), das bedingungslose Grundeinkommen, Handelsbilanzen und die Auswirkungen der deutschen Lohnentwicklung auf Griechenland.

Anschaulichen wurden diesmal die Gewerkschaften, allen voran die IG Metall gelassen links überholt. Mit Humor wurde der Irrglauben an «betriebliche Bündnisse» und «Verhandlungen am Katzentisch» aufgedeckt und gezeigt, welche Löcher und Ausnahmen durch Gesetze und Tarifverträge gestanzt wurden, die immer weiter zulasten von Leiharbeitern gehen und gingen. Thematisisert wurde auch die Rolle der Agentur für Arbeit, die mit ihrer Sanktionspolitik den Zwang zur Leiharbeit und die Prekarisierung von Normalbeschäftigung fördert, obwohl eine EU-Richtlinie die Gleichbehandlung von Stammbeschäftigten und Leiharbeitern vorsieht.

Bis jetzt hat noch niemand gegen die Ungleichbehandlung von Stammbelegschaft und Leiharbeitern in Deutschland geklagt. Dies könnte sich nun ändern. Die Adresse des Arbeitsrechtsanwalts Wolfgang Däubler wurde groß (prof.daeubler(at)labournet.de) mit dem Hinweis eingeblendet, dass eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof die bestehende Ungleichbehandlung und das Lohndumping einschränken könnte. Über 150 Zuschriften klagewilliger Leiharbeiter gingen anschließend bei dem renommierten Arbeitsrechtler ein. Jetzt werden Unterstützer gesucht, um die Klage finanziell zu ermöglichen.*

So erledigte „Die Anstalt“ auf kreative Art eine Aufgabe, für die eigentlich Gewerkschaften zuständig wären…

 

(Quelle)

Heuschrecken

12. Mai 2017

Sofamelken nennt es Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Bündnis’90/Grüne; Foto), wenn ein Investor einen Acker oder eine Weide an einen Bauern verpachtet und dann jedes Jahr mehr Geld mit der Erhöhung der Pacht macht, während der Landwirt schuftet.So schreibt die taz und informiert:  In den vergangenen Jahren ist die Pacht im Schnitt um zehn Prozent gestiegen. Auch der Anteil der Nicht-Landwirte, die Agrarflächen gekauft haben, steigt. Meyer will beides eingrenzen. Sein Entwurf für ein neues Grundstücksverkehrsrecht wird nächste Woche vom (rot-grünen) Kabinett in Hannover ins niedersächsische Landesparlament eingebracht und wäre bundesweit der erste seiner Art.

Meyer will eine Pacht- und Kaufpreisbremse für Agrarflächen – ähnlich der Mietpreisbremse in großen Städten. Von 2007 bis 2015 sind die Kaufpreise für Äcker und Weiden in Niedersachsen um 126 Prozent gestiegen. Gerade in tierhaltungsintensiven Regionen wie Cloppenburg, Vechta oder dem Emsland explodieren die Preise. „Immer weniger Landwirte haben das Geld, um sich Flächen zu kaufen“, sagt Meyer.

Er will, dass ein Kaufvertrag nicht mehr als 30 Prozent über dem ortsüblichen Niveau liegen darf. Das gleiche gilt für Pachtverträge. Doch woher die Daten nehmen? Schon seit 1985 müssen die Kaufparteien den zuständigen Grundstücksverkehrsausschuss informieren, wenn sie Agrarflächen veräußern oder verpachten (siehe Kasten). Der lokale Ausschuss erteilt dann die Genehmigung oder wird diese in Zukunft verweigern, wenn der Preis die 30 Prozent überschreitet.

Weil die Transaktionen den Behörden bisher aber oft verschwiegen wurden, will Meyer hohe Bußgelder einführen. Verschweigen die Beteiligten beispielsweise einen Pachtvertrag und…

[…weiter bei der taz]

ps Übrigens beteiligt sich auch die Stadt Lingen (Ems) an den enormen Preissteigerungen zulasten der Bauern. Sie bietet inzwischen für neue, sog. „Baugebiete“ ein Vielfaches mehr für landwirtschaftliche Äcker und Wiesen als noch vor wenigen Jahren. So sindneue Wohngrundstücke für immer weniger Normalverdiener bezahlbar und kosten in Lingen bis knapp 300 Euro pro Quadratmeter. Spitzenreiter ist übrigens Stadtteil Altenlingen, wo die Stadt mit Grundstücksversteigerungen die Grundstücksspekulation noch extra befördert. Zugleich werden Grund und Boden an Wirtschaftsbetriebe inzwischen praktisch verschenk, wenn sie beispielsweise für 1 Euro  pro Quadratmeter den Eigentümer wechseln; zum Geschenkt-Preis hinzu kommen nur geringe Beträge für den Anschluss an die kommunalen Ver- und Entsorgungsanlagen sowie die Erschließung der Grundstücke.
Ein wesentlicher Grund für diese dramatische Umverteilung dürfte im fehlenden Standing der Verwaltungsspitze und in der fehlenden ökonomischen Qualifikation von OB Krone zu sehen sein, ein anderer in der hemmungslosen Konkurrenz der Städte und Gemeinden an Ems und Vechte, die das gegenseitige Unterbieten von Grundstückspreisn offenbar für effektive Wirtschaftsförderung halten.

Ach ja: Die Subventionen für Unternehmen pro Quadratmeter zahlen Sie über Ihre Steuern, werter Leser und werte Leserin dieses kleinen Blogs.


SO WILL ES DAS AKTUELL
GRUNDSTÜCKSVERKEHRSGESETZ

Das Grundstücksverkehrsgesetz regelt den Verkauf landwirtschaftlicher Flächen. Durch diesen staatlichen Eingriff soll ein Ausverkauf der Flächen verhindert und bäuerliche und forstwirtschaftliche Betriebe sollen erhalten werden.

Der Erhalt landwirtschaftlicher Flächen soll außerdem die Umwelt schützen und die Ernährungsvorsorge der Bevölkerung sichern.

Einer behördlichen Genehmigung bedarf es schon jetzt, um landwirtschaftliche Flächen zu verkaufen. Oft wurden die Eigentümerwechsel aber nicht gemeldet.

Das neue niedersächsische Gesetz sieht daher nun hohe Bußgelder vor, wenn Verkäufe oder Verpachtungen ohne behördliche Genehmigung stattfinden.

(Quelle: taz)

„We the workers“

7. Mai 2017

„Wir, die Arbeiter_innen“ dokumentiert die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Arbeiter und Arbeiterinnen im Süden Chinas und folgt den sie unterstützenden Aktivist*innen. Zwischen 2009 und 2015 führte der Regisseur Wen Hai Interviews in der Region – bis zu dem harten Vorgehen des Staates gegen die Organisationen, welche die Arbeiter_innen unterstützen, am Ende des Jahres 2015, als mehrere Aktivist*innen, die er interviewt hatte, festgenommen wurden.

Zwar ist es trotz dieser Repressionen weiterhin zu Arbeitskämpfen gekommen (schätzungsweise gab es 2016 in China mehr als 2.500 Streiks und andere Arbeiterproteste), aber das staatliche Vorgehen behindert die Zirkulation von Informationen zu aktuellen Streiks, im Land selbst und auch außerhalb.

Hier der Trailer:

Wer übrigens meint, hierzulande sei alles Paletti, dem sei diese Geschichte dringend empfohlen: Ovidiu Mandrila vers. Harald Huth bzw. dessen Gesellschaft.

1. Mai 2017

1. Mai 2017

mehr…

und mehr für und in Lingen, wo die lokalen DGB-Gewerkschafter symbolisch aus dem in den 1950er Jahren mutig geschaffenen Hans-Böckler-Haus am Gasthausdamm in ihr neues, gemnetetes DGB-Quartier in der Kaiserstraße umziehen. Das ist beileibe kein Grund zum Feiern, werte Gewerkschafter! Denn dank exemplarischer Dummheit Kurzsichtigkeit wollten hauptamtliche  Gewerkschaftsfunktionäre das alte Gewerkschaftshaus m Gasthausdamm für einen unerhörten Ramschpreis und quasi unter der Hand verscherbeln. Doch da griff die Stadt Lingen zu und beanspruchte ein ihr vor 50 Jahren eingeräumtes Vorkaufsrecht. Bald wird die Liegenschaft, die auch gut zum benachbarten Finanzamt passten würde,  an einen kirchlichen Träger für ein Altersheim eine Seniorenresidenz weiterveräußert werden und zwar, so ist anzunehmen, zu einem gleichfalls skandalösen Billigpreis…

31.

26. April 2017

Heute jährt sich die Atomkatastrophe von Tschernobyl zum 31. Mal. An diesem Tag verseuchte der zuvor von den Befürwotern der sog. „friedlichen Nutzung der Kernenergie“ für möglich gehaltene atomare Super-GAU nicht nur die unmittelbare Umgebung in der Ukraine, sondern verteilte radioaktive Strahlung weit über unseren Kontinent hinaus hinaus und kostete Tausende Menschen das Leben. „Tschernobyl erinnert an die Gefahren von reiner Technikgläubigkeit. Atomkraft ist eine unberechenbare, unkontrollierbare Risikotechnologie mit verheerenden Folgen bei Störfällen und Fehlern“, sagte dazu am Dienstag Stefan Körner, Landesvorsitzender von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Niedersachsen, in Hannover.

Bei uns in Lingen läuft das Atomkraftwerk immer noch, und die Brennelementefabrik schickt Brennstäbe zu Atomkraftwerken, die nach Ansicht der deutschen Umweltministerin Barbara Hendricks so marode sind, dass sie schon deshalb sofort abgeschaltet werden müssten. Zu den Abnehmern der Lingener Brennelemente gehören nicht nur die belgischen Atomkraftwerke in Tihange und Doel. Sogar die CDU und FDP in NRW fordern von der Bundesumweltministerin den Stopp der Lieferung Lingener Brennelemente an diese Atomkraftwerke. Die Atomkraftgegner aus dem Dreiländereck Belgien-Niederlande-Deutschland fordern mit allem Nachdruck die Stilllegung der Schrottmeiler. Daher rufen sie auf zu einer Menschenkette am Sonntag, den 25. Juni 2017 auf. Zugleich erinnern sie daran, dass trotz Atomausstiegs-Beschluss auch in Deutschland noch acht AKW-Meiler in Betrieb sind.

Dabei ist auch wegen der nicht lösbaren Entsorgungsfrage mit einer unerhörten Hypothek von 1.000.000 Jahren klar: Alle AKW auf Erden müssen abgeschaltet werden.

An all dies gilt es zu erinnern. Der Elternverein, der BUND und das Antiatomforum rufen aus Anlass des Tschernobyl-Gedenktages zu einem Schweigekreis auf – heute um 18 Uhr vor dem Historischen Rathaus in Lingen (Ems). Initiator Gerd Otten: „Wir gedenken der Opfer der Atomkatastrophe und wiederholen unsere Forderung, so schnell wie möglich aus der Atomenergie auszusteigen, in Deutschland, Europa und überall. Nie wieder Tschernobyl! Atomkraft – nein danke!“

Ein Bündnis aus 65 Organisationen und Initiativen veranstaltet in Hamburg im Vorfeld des G20-Treffens einen Alternativgipfel. Weltoffen soll dieser Gipfel der Alternativen sein und – imGegensatz zum hermetisch abgeschotteten G20-Treffen – auch frei zugänglich.

Mit dem „Gipfel für globale Solidarität“ schafft das Bündnis einen Raum
für Kritik an der neoliberalen Globalisierung, für die die G20 steht.
Ziel ist zugleich, über die Umsetzung einer solidarischen Politik zu
sprechen und sich zu vernetzen. Das Programm des Alternativgipfels
spiegelt die Breite des zivilgesellschaftlichen Bündnisses wie auch
dessen vielfältige Perspektiven und Themen wieder. Auf elf Podien werden
WissenschaftlerInnen, AktivistInnen und PolitikerInnen aus über 20
Ländern über Gegenentwürfe zu Neoliberalismus und dessen ungehemmter
Ressourcenausnutzung, wachsender Kriegsgefahr und erstarkendem
Nationalismus und Rassismus folge Fragen diskutieren.

  • Wie überwinden wir Armut, Ausbeutung, Unterdrückung, Krieg und Naturzerstörung?
  • Wie können wir soziale Rechte global durchsetzen?
  • Wie können wir partizipative und demokratische Rechte stärken?
  • Wie bekämpfen wir effektiv Rassismus, Frauenfeindlichkeit und Homophobie?
  • Wie erreichen wir ein Gemeinwesen, das auf Kooperation, Selbstbestimmung und Solidarität basiert?
  • Wie sieht eine Wirtschaft aus, die dem Menschen dient und nicht den Profitinteressen?
  • Welchen Grundsätzen sollte globale Politik, einschließlich die der G20, folgen?
  • Und wie sehen alternative Politikansätze aus?

Zum „Gipfel für globale Solidarität“ werden zahlreiche internationale
Gäste erwartet. Dazu gehören unter anderem die Globalisierungskritikerin
Vandana Shiva, die renommierte Ökonomin Jayati Gosh, der führende
kurdische Politiker Salih Muslim aus Rojava in Nord-Syrien oder Alberto
Acosta, Präsidentschaftskandidat 2013 für die indigene Partei Pachakutik
aus Ecuador, der Generalsekretär der Gewerkschaft IndustryALL Valter
Sanchez aus Brasilien sowie die Friedensaktivistin Ann Wright aus den USA.

Der „Gipfel für Globale Solidarität“ wird gefördert durch die Norddeutsche Stiftung für Umwelt und Entwicklung (NUE).

Für den Alternativgipfel wünschen sich die Organisatorinnen und Organisatoren
„kontroverse Debatten in einer friedlichen Atmosphäre globaler Solidarität“.

Organisationsgrad

20. April 2017

„Immer weniger Einzelhandelsunternehmen halten sich an Tarifvereinbarungen. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi beginnt deshalb eine Kampagne für die Allgemeinverbindlichkeit der Tarife. (…) Ob sich Verdi mit der Forderung nach einer Allgemeinverbindlichkeit der Tarifverträge durchsetzen kann, ist fraglich. Angesichts des niedrigen Organisationsgrads der Beschäftigten im Handel sieht die Gewerkschaft die beste Möglichkeit, die Arbeits- und Lohnbedingungen in der Branche zu verbessern, nicht in Arbeitskämpfen in den von Tarifflucht betroffenen Betrieben, sondern in der Intervention des Staats.

Dabei zeigen gerade die vergangenen Auseinandersetzungen im Handel, dass vor allem Arbeitskämpfe Beschäftigte dazu veranlassen, sich zu organisieren, um ihre Interessen durchzusetzen. Als beispielsweise die Arbeitgeber im Einzelhandel 2013 versuchten, mit der Kündigung des Manteltarifvertrags eine Schlechterstellung der Beschäftigten zu erreichen, kam es zu einem insgesamt sieben Monate andauernden Arbeitskampf, an dem sich Hunderttausende beteiligten.

In fast 1 000 Einzelhandelsbetrieben kam es zu Arbeitsniederlegungen, bevor eine Einigung erzielt wurde. Der Gewerkschaft gelang es dabei zudem, Beschäftigte in Bereichen zu organisieren, in denen sie zuvor nur über wenig Einfluss verfügt hattte. Fast 30 000 Neumitglieder konnte Verdi im Lauf des Konflikts im Einzelhandel für sich gewinnen und damit erstmals seit der Gründung am Jahresende einen Mitgliederzuwachs verzeichnen. Den Kampf der Kampagne vorzuziehen, wäre angesichts dieser Geschehnisse alles andere als abwegig gewesen.“

Quelle: Artikel von Stefan Dietl, gelesen in: JungleWorld vom 13.04.2017

AfD-Tarif

10. April 2017

Ab Juni darf Telefonieren im EU-Ausland nicht mehr teurer sein als daheim. Anbieter versuchen das nun mit Tricks wie den „Allein-für-Deutschland“-Tarifen zu unterlaufen. Für Nutzer gibt es zwei Gegenstrategien.

Ersonnen hat die Branche die AfD-Tarife, weil „Europa liefert. Zum Beispiel beim Telefonieren. Im vergangenen Herbst beschlossen die EU-Länder, dass künftig das Telefonieren mit dem Handy aus einem EU-Land in ein anderes nicht mehr kosten darf als das Telefonieren von München nach Starnberg oder von Berlin nach Prenzlau. Zur 60-Jahr-Feier der Europäischen Union hat das mancher zu den fünf wichtigsten Errungenschaften der EU aus jüngeren Jahren gerechnet.

Toll. Nach einem Jahrzehnt des Kampfes von Verbrauchern und ihren gewählten Vertretern hat das Abkassieren der großen Telefongesellschaften ein Ende. Telefongesellschaften, die deutlich höhere Preise fürs Telefonieren, Surfen und Simsen von Emmerich nach Arnhem als von Emmerich nach Kleve berechnet hatten.

Mitte Juni soll es so weit sein – keine Roaming-Kosten mehr. Doch wie nicht anders zu erwarten, versuchen einzelne Mobilfunkanbieter jetzt, die Regeln des neuen, verbraucherfreundlichen Europas zu unterlaufen.

Drillisch, ein norddeutscher Telefonkonzern, der eine Reihe von Billigmarken für mehr als 2,5 Millionen Kunden betreibt…

[…. weiter und Tipps bei SPIEGELONLINE]

bessere Landwirtschaft

9. April 2017

Nur damit Sie wissen, was ansteht:

„32 Mal Pestizide inklusive“, „Bis zu 80 Prozent reduziert“ und „Osterhase: Limitierte Auflage“ – mit diesen Motiven der Werbeagentur „Zum goldenen Hirschen“ will der NABU die Menschen in Deutschland für eine bessere Landwirtschaft auf EU-Ebene mobilisieren. Der Zeitpunkt dazu ist gezielt gewählt: Vom 2. Februar bis 2. Mai läuft die Bürgerbefragung des EU-Agrarkommissars Phil Hogan zur EU-Agrarpolitik. Im Rahmen der europaweiten Aktion #LivingLand ruft der NABU deshalb gemeinsam mit vielen anderen europäischen Umweltverbänden dazu auf, sich aktiv für eine nachhaltige und faire Agrarpolitik einzusetzen.

„Die industrielle Landwirtschaft geht uns alle an. Sie ist die größte Bedrohung für die Natur und unsere eigenen Lebensgrundlagen. Wir haben jetzt die einmalige Chance, die EU-Agrarpolitik zu verändern. Mit sehr vielen Stimmen europaweit möchten wir einen Wandel für eine faire, gesunde und nachhaltige Landwirtschaft erreichen“,erläutert Angelika Richter, stellvertretende Bundesgeschäftsführerin des NABU. Die Kampagne habe es geschafft, „diese komplexe Thematik verständlich und mit einfachen, plakativen Aussagen für die Öffentlichkeit aufzubereiten.“