Ferienwohnung

21. Mai 2019

Das ging aber flott! Gestern Nachmittag bemühte ich mich darum, eine E-Mail aus dem Rathaus zu erhalten, in der die Lingener Lokalzeitung „Lingener Tagespost“ in der vergangenen Woche die Kulturschaffenden anschrieb. 90 Minuten später und offenbar aufgeschreckt durch die von mir kontaktierte Kulturamtsmitarbeiterin (Kulturamtschef Rudolf Kruse war nicht erreichbar), schickte die Stadtverwaltung die angefragte E-Mail dann – natürlich an alle Ratsmitglieder.

Nun, dann nehme ich doch heftig an, dass künftig auch alle schriftlichen oder mündlichen Anfragen sämtlicher Ratsmitglieder an den gesamten Stadtrat weitergeleitet werden. Doch abgesehen von diesen wundersamen Erlebnissen Lingener Ratsarbeit möchte ich das Augenmerk auf den Inhalt der erfragten E-Mail richten. LT-Redaktionsleiter Thomas Pertz teilt nicht mehr oder eniger mit, dass sich die LT „ab 1. Juni“ aus der kontinuierlichen Kulturberichterstattung verabschiedet. Er schreibt:

Betreff: Berichterstattung über die Kultur im Lokalteil

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir wollen zum 1. Juni unsere kulturelle Berichterstattung im Lokalteil umstellen. Über die wichtigsten Änderungen möchte ich auf diesem Wege vorab informieren. Natürlich stehen ich oder die anderen Kolleginnen und Kollegen jederzeit auch für ein Gespräch zur Verfügung.

Im Kern geht es darum, künftig nicht mehr automatisch nahezu jede Veranstaltung mit einem Nachbericht bzw. einer Rezension zu versehen. Das gilt für alle Veranstaltungsorte, ob es nun das Lingener Theater, die Emslandarena oder Kultureinrichtungen im südlichen Emsland sind. Selbstverständlich werden alle Veranstaltungen weiterhin vorangekündigt. Nachberichte/Rezensionen wird es aber nur noch in Ausnahmefällen geben, und zwar dann, wenn sie bestimmte Kriterien erfüllen: Beispiele sind Veranstaltungen mit örtlichen Akteuren, regionale Großveranstaltungen, Benefizveranstaltungen, außergewöhnliche Künstler, Premieren oder Konzerte mit Alleinstellungsmerkmal.

Die Nachberichterstattung findet auf den lokalen Seiten statt, nicht mehr auf einer Kultur-Seite im Lokalen. Künftig wird es an einem festgelegten Tag in der Woche eine Kultur-Seite im Lokalteil geben, auf der Veranstaltungen angekündigt werden, aber auch die regionale Kulturszene beschrieben wird.

Insgesamt wollen wir mit der veränderten Berichterstattung näher an den Leser heranrücken, indem wir uns stärker auf die regionalen Kulturakteure konzentrieren.

Mit  freundlichen Grüßen
Thomas Pertz, Redaktionsleiter“

Ausgerechnet bei der Kultur präsentiert sich die LT mit Relevanzprüfung! Für das Blatt, das wie seine Schwesterausgaben von MT und EZ fast jede Pressemitteilung („PM“) der lokalen Verwaltungen unkommentiert veröffentlicht, ist dieser Schritt in der Tat außergewöhnlich – allerdings völlig anders, als Thomas Pertz es meint, wenngleich der hier nur als Bote seiner Osnabrücker Chefs agiert. Die nämlich kürzen schlicht die Berichterstattung, obwohl die Tageszeitungen der NOZ-Gruppe längst alles andere als preiswert sind: Das Vollabo kostet monatlich stolze 41,90 Euro (per Post gar knapp 46 € ) und gönnt sich der Leser ergänzend die Digitalausgabe kommen sogar noch rd. 6 € dazu.

Was die Verabschiedung der Lokalzeitung aus der Kulturberichterstattung bedeutet, muss diskutiert werden. Natürlich. Und mir geht da spontan durch den Kopf, für all die eine Alternative zu schaffen, die sich das nicht bieten lassen wollen. Leider gibt es das Stadtblatt nicht mehr, doch eine Plattform jenes Zuschnitts scheint mir vonnöten zu sein. Denn die NOZ widmet sich längst Themen, die mich den Kopf schütteln lassen, wie etwa -während Österreich brennt- als Aufmacher auf Seite 1 der Frage, dass bei einem Bundesetat von 360 Milliarden Euro Nullkommadrei Hunderttausendstel davon an PR-Akteure gezahlt werden. Oder wie man seine Ferienwohnung nach Kameras durchfilzt, auf Ibiza beispielsweise…

 

Rembrandt350

10. Februar 2019

Die Niederlande haben in diesem Jahr erneut ein Rembrandtjahr ausgerufen, um den niederländischen Maler anlässlich seines 350. Todesjahres zu würdigen. Im ganzen Land gibt es über das Jahr verteilt 19 verschiedene Ausstellungen zum Thema „Rembrandt und das Goldene Zeitalter“. 10 Ausstellungen (in Amsterdam, Delft, Dordrecht, Haarlem, Hoorn und Enkhuizen, Leiden, Middelburg und Den Haag) haben eine direkte Verbindung zu Rembrandt van Rijn und seinem Schaffen, während sich die übrigen Ausstellungen mit dem Goldenen Zeitalter auseinandersetzen.

Ende Januar hat Prinzessin Beatrix im Mauritshuis in Den Haag das Rembrandtjahr 2019 eröffnet. Dass die Eröffnungszeremonie in Den Haag stattfand, und nicht in Amsterdam, wo sich die meisten Rembrandt-Werke befinden, weist auch auf die Tourismus-Strategien der Organisatoren von NBTC Holland Marketing hin: Die Aufmerksamkeit soll nicht weiter auf die ohnehin schon von Touristen überfüllte Stadt gelenkt werden, sondern auf nicht so bekannte niederländische Städte.

Mehr bei NiederlandeNet.

ps Holland Marketing geht übrigens davon aus, dass 600.000 Besucher mindestens eine der Ausstellungen besuchen werden, davon werden ca. 250.000 vermutlich aus dem Ausland Durch diese Touristen werden schätzungsweise 145 Millionen Euro in die niederländischen Kassen fließen. Das Rembrandtjahr wird folglich zusätzliche Touristen anspülen und vielleicht geht der Plan auf, und der ein oder andere Tourist findet nicht nur den Weg nach Amsterdam, sondern auch in eine der anderen sehenswerten Städte.

Während des Rembrandtjahres gibt es auch auch fünf große Rembrandt-Ausstellungen in

Deutschland

Kassel… verliebt in Saskia. Liebe und Ehe in Rembrandts Zeit
12 April – 11 August 2019
Gemäldegalerie Alte Meister, Kassel (museum website)

Rembrandt’s Mark
14 June – 15 September 2019
Kupferstich-Kabinett, Staatliche Kunstsammlungen Dresden (museum website)

Rembrandt: Meisterwerke aus der Sammlung
30 August 2019 – 5 January 2020
Hamburger Kunsthalle, Hamburg (museum website)

Im Focus: Rembrandt – Graphic Höhepunke der Münchener Sammlung (working title)
27 September – 20 October 2019
Pinakothek der Moderne, München (museum website)

Rembrandt: Drama of the Mind in 5 Acts
31 October 2019 – 1 March 2020
Walraf-Richartz-Museum, Köln (museum website) in Zusammenarbeit mit der Nationalgalerie Prag, wo die Ausstellung bereits ab dem 1. April zu sehen ist.


Bild: Rembrandt, Selbstporträt mit zwei Kreisen, 1665–1669, via Wikipedia)

FLAKA HALITI | VIDA SIMON

10. Oktober 2017

FLAKA HALITI | Here – or rather there, is over there

Im Obergeschoss:

VIDA SIMON | Ähnlichkeit

14. Oktober 2017 – 14. Januar 2018
Eröffnung: Freitag, 13. Oktober 2017, 19 Uhr


Den Rest des Beitrags lesen »

Kultur-Vorsätze 2017

1. Januar 2017

vorsaetzewdr3

nach hinten?

8. August 2012

13 Jahre lang war Cornelia Baumann „Fachbereichsleiterin Kultur und Schulen“ in unserer Nachbarstadt Nordhorn. Jetzt geht sie zum 1. Dezember nach NRW.   Die  Kunstgeschichtlerin begann  1999 in Nordhorn. Ein Pressesprecher der Stadt Nordhorn sagte zu ihrer Kündigung: „Seit Arbeitsaufnahme in Nordhorn hat Cornelia Baumann maßgeblich die Weiterentwicklung der Kulturszene in der Kreisstadt geprägt.“  Man kann es auch einfacher sagen. In einer Stadt ohne viel Geld, hat sie einen prima Job gemacht. Ob sie jetzt kündigte, als ihr die „verwaltungsinternen Pläne“ (GN) bekannt wurden, ihren Bereich beim Ressort Soziales, Jugend und Sport oder woanders einzusortieren? Ich weiß es nicht.

Jedenfalls diskutiert die Nordhorner Ratspolitik in diesem Sommer, ob die Stelle Kulturfachbereichsleitung überhaupt wieder ausgeschrieben werden soll – oder ob stattdessen die Kultur gestutzt, einem anderen Fachbereich unterstellt wird und künftig mit einem Amtsleiter (m/w)  auskommen kann. Das ist sicherlich mehr als eine organisatorische Geschmacksfrage. Kein Amtsleiter sitzt nämlich im allwöchentlich tagenden Verwaltungsvorstand der Nachbarstadt am Tisch. Die Kultur rückt also nach hinten, sie verliert an Einfluss und damit an Bedeutung. Wer kann so etwas wollen?

Nun, die SPD-Fraktion unterstützt den kulturunfreundlichen Plan ihres mit Minimehrheit gewählten Bürgermeisters Thomas Berling, während es die Kreis-SPD anders sieht und nicht streichen will. Bündnis’90/Die Grünen fürchten, dass mit einem „eingedampften“ Kulturamt künftig die Qualität der städtischen Kultureinrichtungen und der Nordhorner Kulturszene nicht mehr erhalten werden kann. Und die liegt mangels Finanzen sowieso schon weit hinter dem Lingener Angebot zurück.

Die Grünen sind dagegen, bleiben aber unverbindlich-allgemein mit dem Vorwurf, mit dem Sparen „am falschen Ende zu beginnen und negative Signale auszusenden“. Ganz mutig-kulturfern outet sich ein Nordhorner FDP-Ratsherr und sagt, die Stelle sei überflüssig. Mit seiner Erklärung distanziert er sich gleich von seinem Nordhorner FDP-Ortsvorstand und von der CDU-Fraktion, mit der er zusammen im Rat eine sog. Gruppe bildet; denn beide haben die Pläne, die Stelle zu streichen, bereits kritisiert. Krokodilstränen vergießt die CDU aber nicht deswegen sondern wegen des Streits in der SPD. Der „schadet der Sache“ sagt ihr Fraktionsvorsitzender und verschweigt um des erhobenen Zeigefingers willen, warum eine Debatte über eine politische Frage schaden soll.

(Foto: Rathaus Nordhorn; von Heribert Dulling CC)