Amsterdam

22. Juni 2018

Die Belästigungen durch feiernde Touristen nehmen in der Amsterdamer Innenstadt immer weiter zu, berichtet Niederlande.Net. Vor allem die Bewohner der Innenstadt leiden unter dem schlechten Benehmen der feierwütigen Touristen: Mit in der Öffentlichkeit urinierenden Männern, Betrunkenen, Müll und Lärm werden die Anwohner täglich konfrontiert. Jetzt soll eine Kampagne gegen „rüpelhaftes“ Benehmen zu einem besseren Verhalten der Touristen führen.

2016 rief die Stadt unter der Leitung des damaligen Bürgermeisters van der Laan die sogenannte Innenstadt-Offensive ins Leben. Es wurde mehr Polizei eingesetzt, um die Stadt wieder lebenswerter zu machen. Zwischenberichte der Gemeinde zeigen auf, dass die Straßenkriminalität wie beispielsweise Taschendiebstahl und der Drogenhandel seitdem zurückgegangen sind. Dafür würden mittlerweile allerdings mehr Beschwerden über Lärmbelästigung und Ähnliches bei der Gemeinde eingehen. Schon allein im Gebiet De Wallen sind 2017 im letzten Quartal 581 Meldungen bei der Gemeinde und der Polizei eingegangen. 2016 sind im gleichen Zeitraum nur 325 Meldungen eingegangen.

Vor kurzem wurde eine neue Kampagne von Amsterdam Marketing gestartet, die dem rüpelhaften Benehmen der Touristen entgegenwirken soll. Die Aktion richtet sich vor allem an junge Männer im Alter zwischen 18 und 34 Jahren aus England und den Niederlanden, die sich für Kneipenabende und Junggesellenabschiede in Amsterdam aufhalten. Sie bleiben meist nur ein paar Tage, übernachten in günstigen Unterkünften und geben ihr Geld für Drogen aus. Den Innenstadtbewohnern und den Geschäftsinhabern in den Innenstadtbezirken zufolge sorgen diese Gruppen für die zunehmenden Belästigungen.

Die neue Stadtverwaltung will für das bestehende Problem in den nächsten Jahren auf jeden Fall mehr Geld ausgeben. Während es im Jahr 2018 noch 9 Millionen Euro sind, die zur Verfügung stehen, sollen es 2021 25 Millionen Euro sein. Ob die neue Kampagne wirklich zu einem besseren Benehmen der Touristen führt, ist noch nicht absehbar. Amsterdam Marketing ist sich darüber im Klaren, dass dafür viel Zeit, Geld und ein langer Atem nötig sind.

Feiernde Touristen? Hier Live-Bilder von den feiernden Einheimischen in Amsterdam – verstehste?!:

andere Prioritäten

8. Juni 2018

Um zukünftig mit dem Flugverkehr konkurrieren zu können, will die Nederlandse Spoorwegen (NS, deutsch „Niederländische Eisenbahn“) ein Netzwerk von internationalen Zügen, die die europäischen Hauptstädte miteinander verbinden. Als erstes will sich NS daher auf den Ausbau der Anbindungen an Brüssel, Paris und London konzentrieren. Und auf eine schnellere Bahnverbindung zwischen Amsterdam und Berlin. Deutschland aber hat andere Prioritäten. Zum Beispiel eine ökologisch fragwürdige A33 um Osnabrück und die unwirtschaftlichste Autobahn der Republik: die Hasetalautobahn für 1 Milliarde Euro.

In den Niederlanden wird zurzeit über die Zukunft von Zugreisen diskutiert. Diese sind im Gegensatz zu Flugreisen deutlich umweltfreundlicher. Darüber hinaus ist die Kapazität des größten niederländischen Flughafens Schiphol bald ausgereizt. Das mit Anwohnern vereinbarte Limit von 500.000 Flügen pro Jahr wird 2020 erreicht sein, wodurch Schiphol nicht weiter wachsen kann. Die Anzahl von 224 Flügen, die zurzeit täglich von Schiphol starten, könnte durch ein ausgebautes Eisenbahnnetz auf bis zu 59 Flügen reduziert werden, da Eisenbahnverbindungen bis zu einer Entfernung von 750 Kilometern eine gute Alternative zu Flugreisen darstellen können. Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass Reisende schnell umsteigen und Hochgeschwindigkeitsstrecken nutzen können. In Paris und London ist das bereits möglich, aber der Anschluss des Eisenbahnnetzwerkes an Aachen, Köln und Düsseldorf ist noch nicht geregelt.

Auch Staatssekretärin Stientje van Veldhoven (D66) wünscht sich mehr grenzüberschreitenden Bahnverkehr nach Deutschland, aber dafür ist sie auch auf die Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur angewiesen. Auf deutscher Seite seien dafür Investitionen in Millionenhöhe nötig um die vorhandenen „Bummelzüge“ zu Intercityverbindungen auszubauen, so z. B. zwischen Groningen und Hamburg oder Eindhoven und Düsseldorf.

Laut dem NRC Handelsblad bekommen die Niederlande allerdings kaum Unterstützung vom deutschen Ministerium. Das sei aber auch nicht verwunderlich, da die niederländischen Ideen eines ausgebauten Eisenbahnnetzes zwischen den beiden Ländern mit circa 2.500 anderen Eisenbahnprojekten des sogenannten Bundesverkehrswegeplans konkurrieren müssen. Und die Niederlande sind in diesem Kräftefeld ein vergleichsweise kleiner Mitspieler.

Dabei gibt es verschiedene Bahnstrecken zwischen den Niederlanden und Deutschland, die potentiell ausgebaut werden könnten. Die Provinz Groningen im Norden der Niederlande will beispielsweise eine direkte Verbindung zu Hamburg, die dann wiederum nach Kopenhagen weitergeführt werden soll. Für diese Idee hat die Gemeinde auch ungefähr ein Budget von 60 Millionen Euro, die zur Verfügung gestellt werden können. Aber bislang ist selbst die bestehende Verbindung nach Deutschland durch die beschädigte Friesenbrücke unterbrochen, die über die Ems führt. Deutschland hat zugesagt, eine neue Eisenbahnbrücke zu bauen und die alte Brücke zu ersetzen. Die soll 2024 fertig sein. Bislang haben die Bauarbeiten allerdings noch nicht begonnen.

Auch innerhalb der Niederlande, beispielsweise zwischen Amsterdam und Groningen, muss am Eisenbahnnetzwerk gearbeitet werden. Das ist eine Bedingung für eine schnelle Reise zwischen der niederländischen und der dänischen Hauptstadt. Mit nächtlichen Testfahrten soll nun geprüft werden, ob eine direkte Intercityverbindung ohne Zwischenstopps zwischen Amsterdam und Groningen möglich ist.

Die vielversprechendste grenzüberschreitende Bahnverbindung ist jedoch die Strecke zwischen Eindhoven und Düsseldorf. Hierfür müssten aber auf deutscher Seite die Bahnschienen umgebaut werden, was einer Investition von rund 105 Millionen Euro gleichkäme. Dementsprechend verhalten reagierte die deutsche Seite über diesen Vorschlag. Inzwischen sei das Geld für den geplanten Ausbau jedoch zur Verfügung gestellt worden, sodass die Strecke kommerziell interessant wird. Die Prognosen für diese Strecke sind so positiv, dass dieses Projekt öffentlich ausgeschrieben werden soll.

Es bleibt also abzuwarten, ob und wann Hochgeschwindigkeitsstrecken zwischen Deutschland und den Niederlanden genutzt werden können. Um langfristig mit dem Flugverkehrs konkurrieren zu können, müssen die Eisenbahngesellschaften nicht nur das Bahnnetzwerk ausbauen, sondern auch Zugtickets zukünftig günstiger anbieten.

(Quelle: NiederlandeNet); Foto: Friesenbrücke kaputt – von  Jan Oosterhuis CC BY-SA 3.0)

 

BahnhofsWCEingebürgert hat es sich, auch wichtige Dinge im Verwaltungsausschuss (VA) unserer Stadt beschließen zu lassen, ohne dies zuvor mitzuteilen. Mit Ausnahme der CDU, deren Fraktionsvorsitzender Uwe Hilling allwöchentlich freitags mit OB Krone die aktuellen Entscheidungen bespricht und auch -wie behauptet wird- trifft. Die Unsitte solch undemokratischen Hopplahopp-Entscheidungen hat vor einigen Tagen auch das Bahnhofs-WC getroffen. Das ist nämlich kaputt, sieht jämmerlich aus und ist nicht benutzbar.

Ältere Lingener erinnern sich, dass die fehlenden öffentlichen Toilettenanlagen ein großes Ärgernis in unserem Städtchen waren, als Krones Amtsvorgänger Pott vor 15 Jahren in Amt und Würden kam und untersuchen ließ, wo der Schuh drückte. Vor allem drückte die Lingener aber noch etwas anderes und die Lingener Tagespost berichtete:

„Die unzureichenden und oft in einem desolaten Zustand befindlichen öffentlichen Toilettenanlagen scheinen das größte Ärgernis für die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Lingen zu sein und deswegen werden wir in diesem Jahr noch Abhilfe schaffen“, versprach Oberbürgermeister Heiner Pott.“2016-05-29 13.44.38

Er hielt Wort: Eine öffentliche WC-Anlage entstand am Bahnhof. Doch die ist seit Monaten nach einem Einbruchsversuch im Dezember 2015 defekt. Überraschenderweise war dies für OB Krone und seine Verwaltung kein Grund, die WC-Anlage instand zu setzen,  sondern ernsthaft deren Schließung vorzuschlagen, weil doch deshalb „keine einzige Beschwerde bei der Verwaltung“ eingetroffen sei. Er schlug vor, vorsorglich den Vertrag zu kündigen und zu prüfen, welche WC-Anlagen an der Stelle „mit vertretbarem Aufwand“ angeboten werden könnten. Ich hab dem widersprochen, da binnen sechs Monaten Kündigungsfrist nicht geklärt werde, was mit dem Bahnhofsgebäude geschehe; außerdem war, als die WC-Anlage noch im Bahnhofsgebäude war, sie in einem jämmerlichen, stinkenden Zustand. Sie wurde dann deshalb in die Bahnhofs-Gastwirtschaft eingegliedert. Dann war es ok, aber Nicht-Gäste konnten sie nicht mehr benutzen.

Cordula Süßmann (Liberale Fraktion) prophezeite jedenfalls im VA -bevor das Thema vertagt wurde-, dass die Schließung der Anlage Beschwerden nach sich ziehen werde. Was soll ich sagen? Die Kollegin Süßmann hat 100 Punkte! Denn gestern traf diese E-Mail von Wolf-Dieter Thal bei mir ein:

Am 28.05.2016 gab es eine Sonderzugfahrt nach Amsterdam. Zur vorgesehenen Abfahrtszeit fanden sich mehrere hundert Fahrgäste/Besucher ein. Man musste feststellen, dass sich im gesamten Bahnhofbereich keine verfügbare Sanitäreinrichtung befand:
– nicht im Bahnhofsgebäude
– nicht im Busbahnhof, verschlossen, und gibt es ueberhaupt welche?
– nicht die im Bahnhofsbereich aufgestellte Toilettenanlage – nicht zugänglich!!!
Diese Situation besteht nicht erst seit dem 28.05.2016, und so stellt sich die Frage, wann die Verwaltung/Politiker der Stadt beabsichtigen, diese aeußerst mangelhafte Situation abzustellen?.
Ich wünsche ja keinem etwas Schlechtes, doch für all jene, die fuer diese Situation verantwortlich sind, dass sie mal mit Durchfall am Lingener Bahnhof konfrontiert sind.
Übrigens, dies ist generell ein unhaltbarer Zustand, da er alle Reisenden trifft, und dies schon seit langer Zeit! Welch ein positives Image für Lingen!
Also schreibe ich dem OB diesen offenen Brief:
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
es gibt seit Dezember keine funktionierende WC-Anlage am Lingener Bahnhof. Doch nebenan ist der Busbahnhof, der ist zwar technisch leider nur auf dem vordigitalen Stand der 1970er Jahre; aber er hat ein öffentliches WC. Das hat der Steuerzahler bezahlt – extra nachfinanziert mit zehntausenden Euro. Allerdings ist es eben auch geschlossen.
Wie wär’s denn, wenn Sie dem Busbetreiber VGE Emsland-Süd gleichermaßen höflich wie gehörig auf die Füße treten, damit das ZOB-WC wie vereinbart und gefördert für Reisende und Bedürftige geöffnet ist und wenn Sie b) dasselbe mit dem machen, der das Bahnhof-WC so vergammeln lässt ?
Herzlichen Dank für die Erledigung!
Ihr Robert Koop
(Fotos: W.-D Thal)

David Jablonowski

8. Oktober 2015

Jablonowski Die Kunsthalle Lingen präsentiert die erste, großformatig angelegte Einzelausstellung von David Jablonowski in Deutschland. Der 1982 in Bochum geborene Künstler, lebt und arbeitet in Amsterdam. 2003 zog er von Deutschland in die Niederlande, wo er die Gerrit Rietveld Academie absolvierte. Er war Teilnehmer an dem Atelierprogramm ‚De Ateliers‚ in Amsterdam (bis 2009) und am ISCP New York (2011). Er präsentierte seine künstlerische Arbeit sowohl in Einzelausstellungen im Westfälischen Kunstverein Münster als auch in Gruppenausstellungen im Museum Haus Lange/Haus Esters in Krefeld.

„Mit seinen skulpturalen Arrangements und filmischen Arbeiten untersucht David Jablonowski die Mechanismen von Kommunikation und Sprache in der zeitgenössischen visuellen Kultur. Mithilfe von Skulpturen, Videos und Installationen legt er das Augenmerk auf die Entwicklung von Sprache als technisch reproduzierbarer Code und ästhetische Produktion bei der Vermittlung von Wissen und Informationen. Nur scheinbar konträr zu dieser Thematik steht dabei seine künstlerische Formensprache der Bildhauerei. In seinen meist skulpturalen Installationen setzt er auf überraschende Weise Volumina und Formen in Beziehung zueinander, die in Kontrast zur Zweidimensionalität oder Virtualität der Kommunikationstechnologien wie z. B. dem Buchdruck oder dem Internet stehen. Dabei konfrontiert er die Flüchtigkeit smarter technologischer Oberflächen mit Materialität und sensuellen Erfahrungen wie Haptik, Geruch, Temperatur und Licht.“ (Meike Behm)

Niederlande kaufen Rembrandt

23. September 2015

Das Amsterdamer Rijksmuseum und der niederländische Staat kaufen zwei fast 400 Jahre alte Werke des niederländischen Malers Rembrandt, die sich im Besitz des französischen Zweigs der Bankiersfamilie Rothschild befinden. 160 Millionen Euro sollen die zwei Portraits kosten. „Wenn wir diese Rembrandts jetzt nicht kaufen, dann gehen wir das Risiko ein, dass ein reicher Ölscheich zuschlägt und die Bilder für immer aus Europa verschwinden“, erklärte die sozialdemokratische Kultur- und Bildungsministerin Jet Bussemaker am Montagmorgen gegenüber NPO Radio 1 Journaal. Ein vorläufiger Kaufvertrag ist unterschrieben.

Rembrandt Portraits Soolmans Coppit
Die Portraits von Marten Soolmans und Oopjen Coppit aus dem Jahr 1634.

Rembrandts kommen nach Hause“ – Unter dieser Überschrift berichtete die Boulevardzeitung De Telegraaf am Montagmorgen als eine der ersten von dem Kunstkauf. Unter strengster Geheimhaltung hätten die Kaufverhandlungen über mehrere Wochen stattgefunden. Tatsächlich hatte das NRC Handelsblad bereits Mitte März über Gerüchte berichtet, wonach die Familie Rothschild eine Exportlizenz für die beiden Meisterwerke beantragt hatte. Sprecher der Familie wollten damals die Gerüchte nicht bestätigen.

Die zwei lebensgroßen Portraits aus dem Jahr 1634 zeigen das Brautpaar Maerten Soolmans und Oopjen Coppit. Coppit, damals 23 Jahre alt, stammte aus reichem Amsterdamer Elternhause. Der zwei Jahre jüngere Soolmans kam aus Antwerpen. Sich lebensgroß portraitieren zu lassen – Ein Format das bis dato allein dem höchsten europäischen Adel vorbehalten war – kostete das Paar 500 Gulden, damals ein Jahresgehalt für einen erfahrenen Arbeiter. Die beiden Portraits legen damit Zeugnis über den besonderen Status der niederländischen Bürgerschaft im Goldenen Zeitalter ab. Rembrandt fertigte das Doppelportrait zu Beginn seiner Karriere.

In den Besitz der Familie Rothschild kamen die Malereien im Jahr 1877 als Gustave Baron de Rothschild die beiden Werke von der adligen Familie van Loon erwarb. Im Jahr 1956 wurden die Bilder für kurze Zeit im Rijksmuseum und im Rotterdamer Museum Boijmans Van Beuningen ausgestellt.

Laut Ministerin Bussemaker sollen die zwei Portraits künftig nicht nur im Rijksmuseum zu sehen sein, sondern eine „Tour“ durch das ganze Land machen. Das Rijksmuseum erklärte, man finde es „fantastisch“, dass die niederländische Regierung beim Ankauf helfe. Noch ist nicht ganz klar, wie das Museum die Hälfte der Kaufsumme, aufbringen will.

Mehr über Rembrandt erfährt man in der Niederlande.Net-Kurzbiografie: Rembrandt Harmenszoon van Rijn

Mehr über das Rijksmuseum, das Boijmans Van Beuningen und viele weitere Museen lesen Sie in unserem Dossier: Museen in den Niederlanden

[Quellen für diese Meldung von Niederlande.net  AF/NOS/NRC/Radio 1/TG/VK. 21. September 2015; Fotos Quelle: Beide Wikimedia Commons/gemeinfrei]

Persönliche Nachbemerkung:
Respekt, liebe Niederländer! Vor allem auch für die öffentliche Akzeptanz dieses wunderbaren Kaufs, der Europa und den Europäern zwei einzigartige Kunstwerke zurückgibt. Für mich war dies gestern die kulturelle Meldung des Tages. Und Kultur ist bekanntlich das Wichtigste. 

Dabei musste ich gleich an diesen völligen Krampf denken, wenn in unserem Städtchen auch nur ein einziges Bild für die zu Zeiten früherer, kulturnaher Oberbürgermeister geschaffene städtische Kunstsammlung gekauft werden soll. Dann -alle zwei Jahre!-  ereifern sich nämlich um die Wette die, die es immer schon besser wussten, mit denen, die mit moderner Kunst sowieso ihre, oft besonders provinziell-eng erscheinenden „Kann-das-weg?“-Probleme haben.

Wer 7.500 Euro im Lingener Etat für zu viel für Kunstwerke hält, darf sich darüber freuen, dass gestern an einem einzigen Tag  das Vierfache dieser Summe durch den Wertverlust von 61.995 trotzig von der Stadt Lingen (Ems) gehaltener RWE-Aktien eintrat; sie verloren am Montag dieser Woche 4,5% oder 0,49 Euro pro Aktie. Sinnfrei viel Geld dafür, mit den RWE im Gespräch zu bleiben

Visitenkarte

3. April 2015

ov-chipkaartEs ist für unsereins deutlich schwieriger geworden, sich in Bussen und Bahnen in den benachbarten Niederlanden zu bewegen. Nachdem im vergangenen Sommer die Papiertickets im gesamten Land abgeschafft wurden und man Busse und Bahnen seitdem nur noch per Chipkarte benutzen kann (NiederlandeNet berichtete), ist das System für uns ausländische Touristen oftmals nicht einleuchtend. Eine Mehrheit im niederländischen Parlament spricht sich jetzt für die Einführung eines Touristentickets für den öffentlichen Nah- und Fernverkehr aus. Auch das niederländische Kabinett unterstützt die Pläne.

„Zu Ostern erwarten die Niederlande wieder hunderttausende Touristen aus aller Welt, im gesamten Jahr soll der Vorjahreswert von 14 Millionen Gästen erneut erreicht werden. Die meisten von ihnen besuchen traditionell die Hauptstadt Amsterdam und bleiben dann meist auch bis zum Ende ihres Aufenthalts dort. Politiker mehrerer Parteien wollen dies ändern und es für die Touristen attraktiver machen, auch andere Ort im ganzen Land zu besuchen. Dem entgegen steht nach ihrer Meinung bislang auch das für Ausländer wenig transparente Ticketsystem für Bus und Bahn mit sehr komplizierten Fahrscheinautomaten. Und wenn man es geschafft hat, sich eine Chipkarte zu kaufen, muss man das Ein- und Auschecken in den Bussen, Straßen- und U-Bahnen sowie an den Bahnhöfen lernen. Sofern man Teile der Strecke mit einem privaten Bus- oder Bahnanbieter bereist, muss man außerdem für jeden Anbieter einen neuen Einzelfahrschein erwerben.

Die Lösung soll ein Touristenpass sein, der für einen oder mehrere Tage gültig bleibt und zum Reisen im gesamten Land berechtigt. Erik Ziengs von der rechtsliberalen VVD kam als erster mit diesem Vorschlag und konnte bislang viele Kolleginnen und Kollegen davon überzeugen. Nach Ansicht Ziengs’ muss eine solche Touristenkarte eine „echte Visitenkarte der Niederlande“ werden.“                                   […weiter bei Niederlande.net]

Dass es spezielle Touristenangebote wie zB eine „Ems-Vechte-Karte“ in unserer Region nicht gibt, wissen wir. Angesichts von Eifersüchteleien und Provinzgehabe der Anbieter der Verkehrsleistungen wird sich daran auch nichts ändern, nehme ich an.  Außerdem ist unser Bus- und Bahnsystem ohnehin so schmal gehäkelt, dass Gäste sicherlich glauben, wir seien noch im Postkutschenalter. Ergänzt wird dies künftig und besonders zielgerichtet durch die CSUCDUSPD-Maut, die die Niederländer künftig davon abhalten wird, uns zu besuchen. Dann bleiben wir eben unter uns. Dafür brauchen wir keine Visitenkarte.

(Quelle/Material aus NiederlandeNet. Foto: öPNV-Chipkarte in den Niederlanden.  Quelle: Elger van der Wel/cc-by-nc-sa)

Michiel de Ruyter

28. Januar 2015

Ein kurzer Blick mit Niederlande.Net zu den Nachbarn im Westen, wo ein klein wenig gemeutert wird, lese ich:

„Die Uraufführung des neuen niederländischen Abenteuerfilms „Michiel de Ruyter“ hat am Montagabend zu Protesten geführt. Der Namensgeber des Werks war ein Seefahrer (1607-1676), der in den Niederlanden vielfach als Nationalheld angesehen wird. Die Demonstranten werfen den Machern des Films jedoch Geschichtsfälschung vor, weil de Ruyters Beitrag zum Kolonialismus und zum Sklavenhandel darin bewusst verschwiegen werde.

Vor dem Amsterdamer Schifffahrtsmuseum haben gestern rund vierzig Mitglieder der Facebook-Aktionsgruppe „Michiel de Rover“ (dt. Michiel der Räuber) demonstriert. Die Aktivisten stellen den Heldenstatus des berühmten niederländischen Seefahrers in Abrede. Aus ihrer Sicht war de Ruyter kein strahlender Held, sondern der „Schutzherr des niederländischen Sklavenhandels“ und daher ein „kolonialer Seeschurke“; so steht es auf der Facebook-Seite der Gruppe nachzulesen.

Bei der gestrigen Kundgebung machten die Teilnehmer mit Lärm auf ihre Kritik aufmerksam, während im Museum die Premiere stattfand. Ein Sprecher der Gruppe sagte: „Wir sind wegen dieses ‚Mistfilms‘ hier. Unsere Geschichte wird darin nicht erzählt, über Sklaverei wird nicht gesprochen.“ Gleichzeitig versammelte sich eine Gruppe von etwa zwanzig ehemaligen Marineangehörigen zu einer Gegendemonstration, die den Heldenstatus de Ruyters verteidigen wollten. Beide Kundgebungen verliefen nach Angaben der Polizei friedlich.

Der Seefahrer Michiel de Ruyter gründete vor 350 Jahren das niederländische Marinekorps. „Er hat zweifellos im Auftrag der damaligen Regierung Dinge getan, die im Zusammenhang mit Sklaverei stehen“, sagte einer der ehemaligen Marineangehörigen gestern. Er habe aber auch Sklaven befreit. Die Aktionsgruppe „Michiel de Rover“ wartet im Internet mit geschichtlichen Details auf: De Ruyter habe die westafrikanischen Forts Gorée und Elmina für den niederländischen Sklavenhandel erobert bzw. beschützt. Das sei nicht „ehrenwert“, sondern „verabscheuungswürdig“.

Der Regisseur des Films, Roel Reiné, hatte den Inhalt seines Films zuvor in einem Pressebericht als „essenziellen Bestandteil der niederländischen Geschichte“ bezeichnet; die von Frank Lammers gespielte Titelfigur nannte er uneingeschränkt „einen Helden“. Die feierliche Uraufführung des Films gestern wurde durch die kleine Schar der Gegendemonstranten übrigens nicht gestört. Der Vorführung im – speziell zu diesem Anlass eingerichteten, 1.200 Sitze umfassenden – Kinosaal des Schifffahrtsmuseums in Amsterdam wohnten viele niederländische Prominente bei.

Eine historische Übersicht über das Leben und Werk des Seefahrers Michiel de Ruyter findet sich in dieser Kurzbiografie.“

Trailer und Interviews zur Kritik am Film (auf Niederländisch):

Youtube-Text: Wanneer het diep verscheurde Nederland van alle kanten wordt aangevallen en op de rand van een burgeroorlog staat, probeert één man te vechten voor het landsbelang: Michiel de Ruyter. Maar zijn successen maken hem in ogen van de machthebbers te populair…

mit: Frank Lammers, Sanne Langelaar, Lukas Dijkema, Barry Atsma, Lieke van Lexmond, Roeland Fernhout, Hajo Bruins, Egbert-Jan Weeber, Tygo Gernandt, Derek de Lint, Jelle de Jong, Victor Löw, Jules Croiset, Pip Pellens, Bas van Prooijen, Rutger Hauer.

Regisseur: Roel Reiné

https://www.facebook.com/michielderuy…
https://twitter.com/MdeRuyterfilm

weißes Heroin

1. Dezember 2014

Am Hauptbahnhof, am Rembrandt- und am Leidseplein stehen große Warntafeln und nicht nur da. Die Hinweisschilder ließ das Gesundheitsamt in Amsterdam aus gutem Grund anbringen; denn derzeit wird eine „extrem gefährliche Droge“ in der niederländischen Stadt verkauft. Opfer der Straßenhändler sind offenbar vor allem unwissende Touristen. Drei Briten sind schon nach dem Konsum des „falschen Kokains“ in der vergangenen Woche gestorben. Der Grund: Sie kauften und konsumierten „weißes Heroin“, wohl in der Annahme es sei Kokain; denn die Droge sieht genauso aus.

„Das sind die ersten Fälle, in denen weißes Heroin wie Kokain in den Niederlanden konsumiert wurde. Wir haben das Zeug untersucht und es sah aus wie Kokain, aber mit einem Test fanden wir heraus, dass es weißes Heroin war. Die Konsistenz war die gleiche und es gab weitere Fälle, bei denen Leute krank wurden“, sagte Polizeisprecher Rob van der Veen (Amsterdam). Insgesamt mussten mehr als zwei Dutzend weitere Touristen medizinisch versorgt werden. Als weißes Heroin wird die Droge in ihrer reinen Puderform bezeichnet. In Amsterdam wird es derzeit zum gleichen Kurs auf den Straßen angeboten wie Kokain. Der bloße Konsum der Betäubungsmittel ist -übrigens wie hierzulande- straffrei.

Die niederländische Polizei hat die Händler noch nicht dingfest gemacht, obwohl sie Dutzende von Hinweisen aus Bevölkerung erreichten, nachdem eine Belohnung von 15.000 Euro ausgelobt war. Auch der Amsterdamer Stadtrat diskutiert auf Antrag der VVD-Fraktion in dieser Woche die Gefahr. Gleichzeitig warnen die städtischen Behörden seit mehreren Tagen mit ihren großen Hinweisplakaten. Auch Besucher aus Deutschland sollten sie in ihrem eigenen Interesse beachten.

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Zwarte Piet

13. November 2014

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Die
haben Probleme, die Nachbarn! Bei den Niederländern hat sich das höchste Gericht mit einer kulturellen Frage ersten Ranges befasst; die dreht sich um den Zwarte Piet und Rassismus oder das, was manche dafür halten. Der Zwarte Piet („Schwarzer Peter“ auf Niederländisch) ist in den Niederlanden und Belgien der Helfer des Sinterklaas, des Heiligen Nikolaus in der niederländischen Überlieferung. Der im November und Dezember allgegenwärtige Zwarte Piet ist außerordentlich beliebt in der Bevölkerung, das Sinterklaasfest ist überhaupt wesentlich wichtiger als Weihnachten. Deshalb diskutieren die ganze Niederlande über den Zwarte Piet…Liest Du hier den Beitrag von Niederlande.Net:

„Die Stadt Amsterdam hat vergangenes Jahr zu Recht eine Genehmigung für den Sinterklaas-Einzug in Amsterdam erteilt. Die Frage, ob die Figur Zwarte Piet – der traditionelle Begleiter des niederländischen Nikolaus – diskriminierend wirke, sei dabei unerheblich gewesen. So urteilte das höchste niederländische Verwaltungsgericht, der Raad van State, am Mittwochmorgen. Gegner der Figur Zwarte Piet hatten die Stadt wegen der Genehmigung des traditionellen Umzugs verklagt und in erster Instanz Recht bekommen. Damals urteilten die Richter, dass die traditionelle Figur des Zwarte Piet ein negatives Klischee darstelle und der Einzug des Sinterklaas mit den schwarzen Helfern beleidigend für Menschen mit dunkler Hautfarbe sei.

Der Raad van State erklärte nun, dass die Genehmigung des Festzuges, die keine Regelungen zur Figur des Zwarte Piet vorsah, zwar „zu einem Eingriff in das Recht auf Respekt vor dem Privatleben der Kläger“ geführt habe. Dies bedeute aber nicht, dass der Bürgermeister der Stadt die Genehmigung hätte verweigern müssen. Auf gut 16 Seiten legen die Richter dar, dass die Gemeinde auch in den kommenden Jahren Genehmigungen für Straßenumzüge mit dem Heiligen Nikolaus und seinem schwarzen Helfer erteilen darf. Der Bürgermeister müsse bei der Erteilung der Genehmigung nur die öffentliche Ordnung im Blick haben und nicht beurteilen, ob die Veranstaltung inhaltlich zulässig sei.

Amsterdams Bürgermeister Eberhard van der Laan ist mit dem Urteil zufrieden, so ein Sprecher gegenüber der Tageszeitung de Volkskrant. „Er sieht, dass der Staatsrat seine Auffassung teilt, dass er kein Sittenwächter ist. Ihn kann und darf man nicht bitten, ein Event vorab inhaltlich zu beurteilen.“ Dennoch verstehe van der Laan, dass viele Amsterdamer Probleme mit der Figur des Zwarte Piet hätten, weshalb einige Änderungen durchgeführt worden seien.

Mit dem Urteil wurde der Diskussion um den Helfer des niederländischen Sinterklaas, den Zwarte Piet, ein neues Kapitel hinzugefügt. Seit sich eine UN-Arbeitsgruppe für Menschenrechte im Januar 2013 in einem Brief an die niederländische Regierung gewandt hatte, um anzukündigen, man wolle untersuchen, inwiefern eine rassistische Tradition hinter dem Sinterklaas-Fest stehe, welches mit dem Zwarte Piet ein Stereotyp des Afrikaners als „Bürger zweiten Ranges“ bediene (NiederlandeNet berichtete), zeigen sich die Niederlande gespalten. Traditionalisten wollen den Zwarte Piet beibehalten, Gegner wollen die Figur so schnell es geht abschaffen.“

Das Urteil des Raad van State 201406757/1/A3 vom 12.11.2014

Die Chronologie der Ereignisse im Kurzbeitrag
Zwarte Piet is racisme– Chronologie einer Debatte

 

[Quelle: Niederlande.Net; Foto: Sinterklaas und Piet, Quelle: Jan Arkesteijn/cc-by]

MH17

10. November 2014

halbmastDie Niederlande trauern um ihre Toten. Im Amsterdamer Kongresszentrum RAI fand heute die nationale Gedenkfeier für die Opfer des Flugs MH17 statt, der am 17. Juli in der Ostukraine abgestürzt war. Im Beisein des niederländischen Königspaares sowie hochrangiger Politiker gedachten rund 1.600 Hinterbliebene ihrer Angehörigen, drückten ihre Trauer aus und suchten Halt in der Verbundenheit.

„Wir sind es in den Niederlanden gewohnt, bei großen Katastrophen eine nationale Gedenkfeier zu veranstalten. Was ich von den Menschen höre, auch in der Vergangenheit, ist, dass so etwas hilft, auch wenn wir wissen, dass es damit nicht vorbei ist,“ so Ministerpräsident Mark Rutte im Vorfeld gegenüber der Rundfunkanstalt NOS. „Ich denke, dass es für die Niederlande eine Chance ist, erneut zu zeigen, dass die Angehörigen nicht allein sind, dass wir nicht nur am 17 Juli, am 18. Juli, am 19. Juli, sondern auch am 10. November einander an den Händen halten.“

Bei der heutigen Feier standen die Angehörigen der 298 Opfer im Mittelpunkt. Zwar waren auch das Königspaar Willem-Alexander und Máxima, Prinzessin Beatrix und Prinzessin Margriet und ihr Mann Pieter van Vollenhoven anwesend, sie setzten sich jedoch nicht, wie sonst üblich, in die erste Reihe, sondern nahmen zwischen den Angehörigen Platz.

Als einziger Außenstehender sprach Ministerpräsident… [hier weiter bei NiederlandeNet]

(Foto: Am nationalen Gedenktag hängen die niederländischen Flaggen auf Halbmast, Quelle: Wout/cc-by-nc-sa)