1. Liga!

8. Juni 2019

Auch wenn es gestern Abend im letzten Zweitliagespiel beim Absteiger Wilhelmshavener HV eine knappe 30:31 (14:18) Niederlage gab, feiern die Profihandballer der HSG Nordhorn-Lingen ihren Aufstieg in Deutschlands Handball-Eliteklasse. Neben der TSV Hannover-Burgdorf ist die HSG dann das zweite Team aus Niedersachsen in der 1. Liga. Der Verein ist nach 10 schweren Jahren und wirtschaftlicher Krise zurück in der 1. Handball-Bundesliga.

Maßgeblichen Anteil hat daran die kontinuierliche wirtschaftliche Förderung des Vereins durch die Stadt Lingen (Ems), die 2009 der damalige Lingener Oberbürgermeister Heiner Pott einleitete, der dafür eine Änderung des HSG-Vereinsnamens durch den Zusatz „-Lingen“ erreichte und die in den Folgejahren zu mancherlei Kritik –auch hier im Blog– geführt hat. Jetzt scheint sich das Marketing-Invest auszuzahlen: Alle Bundesligaspiele werden „live und exklusiv“ auf Skysport übertragen.

Nach einer sportlich gelungenen Saison machte nun das Team von Trainer Heiner Bültmann den nicht unbedingt erwartete Aufstieg vor zwei Wochen perfekt. Es zählt damit zu den 18 besten Teams Deutschlands. „Wir sind unsagbar stolz auf die HSG Nordhorn-Lingen und wollen den Aufstieg natürlich gebührend feiern“, freute sich Lingens Oberbürgermeister Dieter Krone überschwänglich. „Daher laden wir die Aufstiegsmannschaft der HSG und ihre Fans sowie alle Sportbegeisterten zur großen Aufstiegsfeier am Pfingstsonntag ein. Das ist ein Fest für die ganze Familie.“

Zur Feier auf dem Lingener Marktplatz hat die gesamte Mannschaft der HSG Nordhorn-Lingen ihr Kommen zugesagt und wird am heutigen Pfingstsonntag  gegen 13 Uhr auf dem Marktplatz erwartet. Spieler und Trainer tragen sich dann zunächst im Historischen Rathaus in das Goldene Buch der Stadt Lingen ein. Unter dem Motto „Zwei Städte, ein Team“ und #zusammen1ziel sind auf der Rathaustreppe kurze Statements von Oberbürgermeister Dieter Krone, Nordhorns Bürgermeister Thomas Berling sowie von HSG-Trainer Heiner Bültmann und von Mannschafts-Kapitän Alexander Terwolbeck geplant. „Danach wird gemeinsam richtig gefeiert. Wir wollen dem Aufsteiger einen großartigen Empfang bereiten“, zählt Oberbürgermeister Krone auf zahlreiche Fans und Sportbegeisterte an diesem Tag. Bereits ab 12 Uhr steht der Antenne Niedersachsen Show-Truck bereit und stimmt auf die Aufstiegsfeier ein. Mit von der Partie ist u.a. Andreas Wurm, Stadionmoderator der deutschen Fußballnationalmannschaft, der den Fans einheizen wird. Für das leibliche Wohl ist mit Essens- und Getränkeständen ebenfalls gesorgt.

Passend zum Motto „zwei Städte, ein Team“ ist heute natürlich auch in Nordhorn eine Feier geplant. Auf dem Rathausplatz der Nachbarstadt wird das Team bereits ab 11 Uhr gefeiert. Ein Eintrag in das Goldene Buch der Stadt Nordhorn ist dabei ebenfalls vorgesehen. Im Anschluss haben dann die Fans die Möglichkeit, die sportliche Leistung mit dem Team zu feiern und die Saison Revue passieren zu lassen. Um 12:30 Uhr macht sich das Team der HSG Nordhorn-Lingen dann auf den Weg nach Lingen.
(Quelle; Foto Armin Kübelbeck http://galerie.best4sports.de CC BY-SA 3.0)

kleine Unterdeckung

10. März 2017

160.000 Euro fehlen den Handballern der HSG Nordhorn-Lingen im Etat der laufenden Saison. Wird die Lücke nicht „zeitnah“ geschlossen, gibt es für die neue Saison keine Lizenz und stattdessen einen Insolvenzantrag, also das Aus des Profihandballs an Ems und Vechte. Die HSG-Fans erinnern sich: Nach dem Erstligaabstieg infolge Insolvenz im Jahr 2009 gab es auch in den Jahren danach immer wieder Finanzprobleme und genauso oft Geldspritzen aus Steuermitteln. Versteckt und geteilt in vielen Töpfen sponsert beispielsweise jährlich die Stadt Lingen (Ems) direkt und indirekt die HSG Nordhorn-Lingen – direkt durch Überweisungen aus Stadtmarketingmitteln und Zahlungen städtischer Gesellschaften in Höhe von mehreren zehntausend Euro und indirekt beispielsweise dadurch, dass der Verein nur einen Bruchteil der Kosten für seine Spiele in der EmslandArena trägt.

Die aktuell der HSG Nordhorn-Lingen fehlenden 160.000 Euro müssen binnen „drei, vier Wochen“ für die laufende Saison beschafft werden – pro Tag also 7.500 Euro. HSG-Geschäftsführer Gerhard Blömers sagte dazu in einem ev1.tv-Interview ausgesprochen aufschlussreiche Sätze für Lingener Ohren:

Man arbeite „mit der Politik eng zusammen“ – wobei „mit der Politik“ die hauptamtlichen Bürgermeister gemeint sind. Man habe, so HSG-Geschäftsführer Blömers , „viele Gespräche geführt auch in den letzten Wochen und Monaten“. Auch der Lingener Oberbürgermeister sei „komplett informiert“ und ziehe auch mit. Da bin ich doch ausgesprochen verwundert: OB Dieter Krone hat sicherlich die Spitze der CDU-Fraktion informiert, aber mit keinem Wort die Gremien der Stadt. Weder über das aktuelle Finanzproblem noch über das, was kommt. Ist es ihm peinlich? Hält er kommunale Demokratie für hinderlich? Man ahnt es, denn eine wenig demokratische Handlungsweise – einschließlich wöchentlicher vertraulicher Freitagsgespräche mit CDU-Fraktionschef Hilling – ist mittlerweile fast schon ein  Markenzeichen dieses Oberbürgermeisters.

Verschwiegen hat Krone den Lingener Ratsgremien bisher auch, das im HSG-Budget auch für die kommende Spielzeit 2017/18 aktuell und zusätzlich um die 200.000 Euro fehlen, wie die Grafschafter Nachrichten melden. „Auch für diese zusätzlichen Mittel benötigen wir zeitnah verbindliche Zusagen unserer Partner“, teilte die HSG mit und „hier drängt ebenfalls die Zeit“. Also braucht die HSG binnen drei, vier Wochen rund 15.000 Euro Sponsorengelder und -zusagen pro Tag. Wie soll das gehen?

Spätestens bis Mitte April muss jedenfalls zunächst die 160.000-Euro-Defizitdeckung vorliegen. Denn „dieser Nachweis (ist( Voraussetzung für eine positive Entscheidung der Lizenzierungskommission der HBL, die für Mitte April erwartet wird“. Die HSG ergänzt in ihrer Presseerklärung: „Andererseits müssen diese zusätzlichen Gelder spätestens Ende März/Anfang April abrufbar zur Verfügung stehen, um die Liquidität und damit den Spielbetrieb bis zum Saisonende sicherzustellen.“ Der etwas verschwurbelte Satz bedeutet, dass die 160.000,- Euro binnen gut drei Wochen benötigt werden, um die laufenden Gehälter und Kosten zu zahlen. Sonst ist Insolvenz.

Im Gegensatz zu allen öffentlich beschworenen und blumigen Erklärungen -gerade auch von OB Dieter Krone- über einen ausgeglichenen HSG-Haushalt, hieß es gestern Abend auf der Pressekonferenz, schon vor zwei Jahren, also zu Beginn der Saison 2015/16 habe „eine kleine Unterdeckung“ vorgelegen. Hinzugekommen seien „Abgabennachbelastungen, so dass die Saison 2015/16 mit einem Fehlbetrag abgeschlossen werden musste“. Die Frage drängt sich auf: Warum kam es zu „Abgabennachbelastungen“? Wie hoch sind diese Nachforderungen an Steuer- und Sozialbeiträgen? Wie hoch war der Fehlbetrag im Sommer vergangenen Jahres? Warum hat OB Krone davon nichts berichtet? Nachgefragt hat beim Pressetermin am Donnerstagabend offenbar niemand.

In der aktuellen Saison, erklärten die Verantwortlichen, lägen die Einnahmen „deutlich unter Plan“, weil „Sponsoren abgesprungen oder mündliche Zusagen nicht eingehalten worden“ seien; zudem sei der Etat durch ein weiterhin hohes Kostenniveau belastet worden, „so dass sich kumuliert das oben genannte Defizit einstellt“.

Da erinnere ich mich lebhaft an den letzten Sommer:
Wie beschimpften und kritisierten doch die Spitzenkräfte im Lingener Rathaus den TuS Lingen, als dieser älteste Ballsportverein des Emslandes vor 10 Monaten bekannt gab, dass „Sponsoren abgesprungen oder mündliche Zusagen nicht eingehalten“ würden und man deshalb den Weg in die Insolvenz gehen müsse -bei 93.000 Euro Defizit. Da gab es „kein Verständnis für das kurzfristige und unverantwortliche Verhalten des TuS-Vorstandes“ (O-Ton). Während die Oberligamannschaft des TuS gestrichen wurde und wohl mit einer Ausfallbürgschaft über rund 90.000 Euro gerettet worden wäre, ersannen Krone, Altmeppen & Co die Schnapsidee, „höherklassigen Fußball in Lingen“ zu fordern und dafür den Namen FC Lingen für den TuS-Nachfolgeverein markenrechtlich zu blockieren. Mit ihrem vollmundigen Gerede flogen sie erst im vergangenen Dezember krachend auf die Nase, als sie die Lingener Ortsteilvereine von ihrem sport- und realitätsfernen Spielereien überzeugen wollten…

update:
OB Krone hat die Mitglieder des Rates am Freitag um 10.03 Uhr per E-Mail informiert. Also was er so darunter versteht: Er hat die Pressemappe der HSG übersandt und mitgeteilt, dass die „Sponsoring-Maßnahmen“ der Stadt erst nach Genehmigung des Haushalts ausgezahlt werden, wie dies der VA einstimmig am 13.12.2016 beschlossen hat. Sollte also gar die Stadt Lingen für ein Großteil der Etatlücke verantwortlich sein…?

(Quellen GN, ev1.tv)

VIP-Parkplätze

28. August 2015

Also ich gehe natürlich davon aus, dass im Gegensatz zu mir- die besonders empfindsam-engagierten Leser dieses kleinen Blogs alles völlig in Ordnung finden, was da so heute in meinem E-Mailpostfach eintrudelte. Liest Du diese E-Mail:

Sehr geehrte Ratsmitglieder,

auch in diesem Jahr hat die Stadt Lingen (Ems) für die Heimspiele der HSG Nordhorn-Lingen VIP-Karten erhalten. Für die Spiele in der EmslandArena und im Euregium liegen jeweils drei bzw. vier Karten vor. Sie als Ratsmitglieder haben die Möglichkeit, diese Karten in Anspruch zu nehmen. Für folgende Begegnungen sind Karten vorhanden:

  Datum Uhrzeit Spielort Gegner
Sa 29.08.2015 19:30 EmslandArena DJK Rimpar Wölfe
So 13.09.2015 17:00 Euregium TSV Bayer Dormhagen
Fr 25.09.2015 19:30 EmslandArena VfL Eintracht Hagen
So 04.10.2015 17:00 Euregium TV 1893 Neuhausen
So 18.10.2015 17:00 EmslandArena GWD Minden
So 25.10.2015 17:00 Euregium Vfl Bad Schwartau
So 15.11.2015 17:00 EmslandArena TSG Lu-Friesenheim
So 22.11.2015 17:00 EmslandArena HC Erlangen
Fr 04.12.2015 19:30 Euregium SG BBM Bietigheim
So 13.12.2015 17:00 Euregium Wilhelmshavener HV
Sa 26.12.2015 19:30 EmslandArena TV Emsdetten
So 13.02.2016 19:30 EmslandArena HF Springe
So 21.02.2016 17:00 Euregium TUSEM Essen
So 06.03.2016 17:00 EmslandArena HC Empor Rostock
Fr 18.03.2016 19:30 Euregium SV Henstedt-Ulzburg
Sa 26.03.2016 19:30 EmslandArena EHV Aue
So 24.04.2016 17:00 Euregium ASV Hamm-Westfalen
So 08.05.2016 17:00 Euregium HSC 2000 Coburg
Sa 21.05.2016 19:30 EmslandArena TuS Ferndorf
Sa 04.06.2016 19:00 Euregium HG Saarlouis

Zu allen Spielen stehen auch VIP-Parkplätze zur Verfügung.

Bitte teilen Sie mir mit, wenn Sie Karten in Anspruch nehmen möchten. Sofern es mehr Interessenten als Karten gibt, wird nach Eingang der Email entschieden.

Freundliche Grüße

Stadt Lingen (Ems)
Büro des Oberbürgermeisters
Elisabethstr. 14-16
49808 Lingen (Ems)

Schlusspfiff

28. Februar 2015

Schlusspfiff HSG Nordhorn-Lingen vers. TV Neuhausen. Die Szene.

Bildschirmfoto 2015-02-28 um 23.09.37

Freikarten

3. März 2013

Bildschirmfoto 2013-03-03 um 00.45.42

Zur Erinnerung

Nachtrag vom 03.03.2013, 23.30 Uhr:
Getwittert wird heute, dass die Ratsmitglieder die Karten selbstverständlich bezahlen. Nun, es würde mich freuen. In der „Einladung“ ist davon nicht die Rede. Klicken Sie auf den Tweet.

[Auch beim Dressurfestival sind die Karten für die „Mitgliederinnen und Mitglieder“ des Rates übrigens unentgeltlich.]

Ein HSG

27. Februar 2013

Rohbau der Emslandarena von © milanpaul via flickrGestern Abend hat der Rat unserer Stadt dies beschlossen:

„Die Stadt Lingen (Ems) bzw. der Eigenbetrieb Emslandhallen wird mittels eines Sponsoringvertrages an die HSG Nordhorn-Lingen GmbH zur Sicherung der aktuellen Finanzierungslücke einen Betrag in Höhe von 80.000 € netto leisten. Im Gegenzug verpflichtet sich die HSG Nordhorn-Lingen 50% der Rückrundenheimspiele der Spielzeit 2013/14 in der EmslandArena auszutragen. Die konkreten Details sind noch abzu-stimmen.

Der Beschlussvorschlag erfolgt vorbehaltlich des Nachweises eines prüffähigen Sport- und Finanzierungskonzeptes bis zur Ratssitzung.“

Die zweistündige Debatte und Abstimmung über den neuerlichen Hilferuf aus Nordhorn erfolgten in nicht-öffentlicher Sitzung. Abgestimmt wurde auf meinen Antrag hin namentlich. Die anwesenden Mitglieder von CDU und SPD stimmten ausnahmslos für den Antrag, ebenso der Oberbürgermeister. Die BürgerNahen, Bündnis’90/Die Grünen und die Liberale Fraktion stimmten mit Nein.

Der Rat durfte den Beschluss gar nicht fassen, worauf ich vergeblich hingewiesen habe.

Der Beschluss greift nämlich in die Eigenverantwortlichkeit des Betriebsausschusses des kommunalen Eigenbetriebs Emslandhallen ein. In diesem Gremium sitzen nicht nur Ratsmitglieder. Auch drei Mitarbeiter der Verwaltung haben Sitz und Stimme. Das ist Ausdruck der betrieblichen Mitbestimmung. Der Rat ist über ihr Votum hinweg gegangen, weil er die kommunale Mitbestimmung wohl nicht für wichtig hält

Der Rat beschloss außerdem „vorbehaltlich des Nachweises eines prüffähigen Sport- und Finanzierungskonzeptes bis zur Ratssitzung“. Das Konzept sollte also bis zur Sitzung vorliegen, lag aber nicht vor. Die Ratsmehrheit beschloss die Zahlung trotzdem -auch sprachlich verquast- „zur Sicherung der aktuellen Finanzlücke“.

Zur Erinnerung: Es ist die dritte Zahlung binnen vier Jahren und es ist -bei allem Engagement einzelner Akteure der HSG- nicht erkennbar, wie sich der Finanz- und Zuschussbedarf ändern soll. Vor vier Jahren kündigten die Protagonisten der HSG Überschüsse von 50.000 €, 300.000 € und 200.000 € pro Saison an. Kurz danach war die Profi-GmbH pleite. Im letzten Jahr gab es ein Minus und in diesem Jahr auch. Mit anderen Worten: Es droht ein Fass ohne Boden. Außerdem steht der HSG die Euregium-Halle in Nordhorn kostenlos zur Verfügung und sie darf die Bewirtung dort in eigener Regie und mit entsprechenden Gewinnen durchführen. In Lingen wird die Gastronomie der Emslandarena gerade ausgeschrieben und die Emslandarena kostet pro Nutzungstag bis zu 10.000 €. Plus Einrichtung (s.u.). Die Handballspiele des „Hometeams“ HSG werden also ein richtiges Dauerzuschussunternehmen.

Ich fürchte daher, bei künftigen kommunalen Beratungen in Lingen wird die Währungseinheit „ein HSG“ angewendet. Diese neue Währungseinheit errechnet sich so:

Zur 2. Handballbundesliga zählen neben der HSG weitere 19 Vereine, also gibt es maximal 10 Heimspiele in der Rückrunde 2013/14. Die Hälfte davon sind 5. Die 80.000 € geteilt durch 5 ergibt 16.000 € pro Lingener Heimspiel. Das ist ein HSG. Pro Halbzeit errechnet sich ein halbes HSG = 8.000 €, pro Spielviertelstunde 4.000 €.

Das finde ich alles schon ausgesprochen teuer. Die neue Emslandarena soll außerdem, höre ich, nicht den notwendigen Sportboden vorhalten. Den wolle man pro Spiel anmieten, was ebenfalls sehr teuer ist, aber die Investitionskosten für die Emslandarena senkt. Das Anmieten soll dann jeweils, höre ich, einen halben HSG (s.o.) kosten. Also wird die Stadt pro HSG-Heimspiel in Lingen neben der kostenlosen Halle plus Verzicht auf Getränkeverkaufeinnahmen (?) mindestens 15.000 € bezahlen. Geld, das übrigens unseren Lingener Vereinen fehlt, wie auch die heute beschlossene 80.000 € Sponsorenzahlung an die HSG Nordhorn-Lingen.

(Foto: Rohbau der Emslandarena von © milanpaul via flickr)

Drehbuch

27. September 2012

Ein feiner Sparsamkeitsbeitrag aus der überzeugenden NDR-Reihe „Das Beste am Norden ist…“ – ganz unten platziert. Dann machen wir Lingener mal in Optimismus, damit es in unserem nächsten Kommunalwahlkampf nicht ein ähnliches Drehbuch für einen BN-Spot geben muss: Mit dem BürgerNahen Marc Riße (Foto lks), der den Sparsamkeitssatz spricht, und wo am Ende die Kamera auf ein größeres, am Lingener Kirmesplatz gelegenes, neues Gebäude hinüber schwenkt…

Die CDU fragt immerhin gerade, was Lingen künftig mit Emslandarena und Emslandhallen machen kann. Ich finde, eine nicht unbedingt übereilt gestellte Frage bei diesem Projekt, das die CDU seit Jahren immer wieder beschlossen hat. Der CDU-Landesparteitag war bekanntlich schon ohne Emslandarena hier. Die Union meint auch, man investiere „über 20 Mio Euro“. Das ist bescheiden, denn der Emslandarena-Kostenstand liegt zzt. bereits bei netto 21,3 Mio Euro plus 200.000 € Sportboden, der bislang nicht in den Kostenschätzungen enthalten ist, obwohl beispielsweise gestern die Handballer der HSG Nordhorn-Lingen mit einem 31:24 gegen Post Schwerin die nächste Pokalrunde erreicht haben. Man will den notwendigen Sportboden, hörte ich, jeweils anmieten. So verschieben die Verantwortlichen schelmenhaft Notwendiges in die laufende Unterhaltung.

Dieselben Experten hoffen auch, den 700.000 Euro Lärmschutz für den nächsten Nachbarn zu sparen. Dafür überlässt man dem betreffenden Nachbarn mal eben 4000 qm städtische und Eigenbetriebsfläche zum Spottpreis und macht ein Bunker-Baudenkmal platt. Es entsteht Kaufland und die Gerüchte sagen, Mediamarkt zieht dann dahin um. Ist man so blöd? Die Innenstadt wird dieser spezielle Lärmschutz ganz doll freuen.

Gar nicht sparsam ist derweil die Berichterstattung. Vorgestern konnten wir zum gefühlt 483. Mal in der Lokalzeitung lesen, dass der Landkreis unser Leuchtturmdingens mit 5 Mio Euro fördert. Nicht lesen durfte man, dass die Meppener Freunde zugleich eine überhöhte Kreisumlage von der Stadt kassieren und der -eigentlich von Lingen mit der Kreisumlage selbst entrichtete- Betrag  in drei Teilbeträgen gezahlt wird, der dritte erst 2014. In der Zwischenzeit zahlt die Stadt die Zinsen der Vorfinanzierung.

Der  eigenverantwortliche „Eigenbetrieb Emslandhallen“ hat übrigens sämtliche vergeblichen kommunalen Planungskosten für das von der BI Arenawahn erfolgreich bekämpfte Projekt an der B 214 in Laxten getragen, was aber der Werksausschuss des Eigenbetriebs nicht beschlossen hat, klagt mein Fraktionskollege Atze Storm (BN; Foto lks). Das OK der Wirtschaftsprüfer unter die Jahresabschlüsse der Emslandhallen gab es trotzdem. Der Eigenbetrieb hat demnach alles richtig gemacht.

Für die erst doch, dann nicht und  jetzt wieder abzureißende ESV-Turnhalle gibt es teueren Kegelbahnersatz im Unteroffiziersheim der ehem. Scharnhorstkaserne. Damit das nicht so auffällt, wird in Etappen gebaut und nach rund 80.000 Euro für den ersten Bauabschnitt (mit Kreiszuschuss) die zweite Etappe (knapp 300.000 Euro, wohl kein Kreiszuschuss) lieber noch nicht veranschlagt, obwohl die Haushaltsordnungen das nicht zulässt.

Aber es gibt einen Hoffnungsschimmer: Generös hat sich die BN-Fraktion während einer Sitzungspause für die Fraktionsraucher jetzt bereit erklärt, trotz Projektkritik selbstverständlich Veranstaltungen in der neuen Emslandarena zu besuchen. „Wir müssen doch helfen, dass das jährliche Defizit nicht zu hoch wird!“ (Marc Riße).

Das nenne ich selbstlos! 😉

Schicksale

30. Juni 2012

Die Kritik, die eine eifrige Leserin dieses Bloggs mir jüngst in Sachen iHp  schrieb, ist berechtigt. Tatsächlich habe ich mich hier  nicht mit dem „Dienstleister“ iHp befasst, der im April 2007 startete.

Sicherlich hätte ich über die neue Farbenlehre schreiben können: Wichtigster iHp-Kunde war nämlich die BP-Erdölraffinerie, bis sie im April den Rahmenvertrag kündigte. Schon von weitem waren die iHp-Leute auf dem Werksgelände der „Erdölraffinerie“ zu erkennen: „Echte“ BP-Mitarbeiter tragen blaue Arbeitsoveralls, IHP-Beschäftigte dagegen seien  ganz in Grün gekleidet – wusste das „Handelsblatt„.

Was aber war iHp wirklich, die mit dem Lingener SKM kooperierte, den TuS Lingens Trikotwerbung und die Handballer der HSG Nordhorn-Lingen („Premiumpartner“) sponserte? Das Handelsblatt berichtete schon kurz nach dem Firmenstart: iHp sei keine Personal-Service-Agentur – die Mitarbeiter erledigten zwar Aufträge anderer Unternehmen, iHp aber wolle „unsere Leute auf Dauer bei uns halten“, so Gründungsgesellschafter Andreas Mainka. iHp sei auch keine klassische Leiharbeitsfirma – die Beschäftigten sollten nicht nur vorübergehend, sondern dauerhaft bei den Auftraggebern arbeiten, und auch keine Beschäftigungsgesellschaft – man schicke Arbeitslose nicht in bezahlte Weiterbildungskurse, sondern qualifiziere sie auf eigene Kosten. „Das Unternehmen wird nach betriebswirtschaftlichen Grundsätzen geführt“, betonte stolz der damalige  iHp-Geschäftsführer Holger Zaß. „Unsere Gesellschafter schießen keine Gelder zu.“ Von den 100 000 Euro Grundkapital abgesehen, mit denen sie iHp zum Start ausgestattet haben. Was er damals nicht sagte: Von der BP-Erdökraffinerie flossen  jährlich 1 Mio Euro als Anschubfinanzierung. Und die Industriegewerkschaft  Bergbau Chemie Energie (IG BCE) war mit einem besonderen Tarifvertrag einverstanden. Die Gesellschafter verpflichteten sich, jährlich nur 20% des Gewinns der Gesellschaft zu entnehmen, jeder also 5%.

Die örtliche Politik war von der Gesellschaft begeistert. Sie sei ein „gutes Beispiel dafür, wie Regionen selbst ihr Schicksal in die Hand nehmen können“, sagte 2007 der damalige Landrat Hermann Bröring (CDU). Was „die Unternehmer mit iHp auf die Beine gestellt“ hätten, habe „Vorbildcharakter“. Da war es also gleich „die Region“ – und nicht vier Gesellschafter nebst einer -letztlich offenbar zu teuren – Millionen-Anschubfinanzierung der BP–  sondern „Schicksal“, so damals Hermann Bröring.

Heute wissen wir, dass das Modell -auch noch mit einem Sozialverein – trotz aller materiellen und immateriellen Vorschüsse  nicht funktioniert hat, nachdem der verantwortliche BP-Geschäftsführer Martin Suresch bei BP seinen Abschied nahm und in der Folge die jährliche 1-Mio-Euro-BP-„Anschubfinanzierung“ gekündigt wurde . Später tauchte Suresch zwar wieder offiziell als  „Interimsgeschäftsführer“ in Diensten von iHp auf, bis er vor einigen Tagen hinwarf. Darf man vermuten wegen der einem GmbH-Geschäftsführer stets drohenden persönlichen Haftung? Denn  nun hat iHp gestern Insolvenz angemeldet. Darüber berichtet die Lingener Tagespost heute, aber wer-wie-was die iHp war, wer die Strippen zog, wer jetzt die iHp-Töchter bekommt, fortführt und  wo die Ursachen der Insolvenz der iHp-Holding liegen, verschweigen uns die Redakteure um Thomas Pertz.

Auch die Namen der Gesellschafter erfährt man nicht und findet sie erst nach einigem Suchen, in einem fast fünf Jahre zurück liegenden Artikel des Wirtschaftsmagazin Impulse: Dieter Barlage (Sondermaschinenbau), Heinz Gehring (Wirtschaftsprüfer und Steuerberater), Andreas Mainka, (Bauunternehmung August Mainka) und der Büromaterialhändler Horst Reinkemeier. Sie hielten jeweils 25% Anteile an der iHp-Holding und planten 2007 unter deren Dach vier Gesellschaften als „operative Unternehmen“. Deren Gesellschaftsanteile sollten dann jeweils die  Holding iHp GmbH zu 60 Prozent und 40 Prozent jeweils eine Firma der vier Gründer halten. Inzwischen gibt es sieben Gesellschaften, von denen drei ebenfalls insolvent sind – so die LT. Wer bekommt die anderen Tochtergesellschaften? Nun irgendjemand sollte herausfinden, wer jetzt wie mit wem und warum.

Mehr als 300 iHp-Mitarbeiter sind derweil ohne Job. Ob „die Region“ „selbst“ auch deren „Schicksale“ „in die Hand“ nimmt?

Millionenarena

17. August 2011

Die Stadtratsmehrheit hat bekanntlich gegen meine Stimme und die einiger anderer Kollegen, u.a. Michael Fuest, beschlossen, die Millionenarena zu bauen. Aktuelle Schätzungen der Kosten liegen bei knapp 25 Millionen Euro – oder für ältere Leser umgerechnet ca. 50 Millionen DM. Übrigens geschickt eingefädelt:  Was das Projekt genau kostet, weiß man erst nach den Kommunalwahlen, wenn die Ausschreibungsergebnisse bekannt sind. Und nach der Fertigstellung kommen die Folgekosten. Hier wird geschätzt, dass es deutlich mehr als 1 Mio Euro pro Jahr werden für unser – „Leuchtturm“ genanntes – Millionengrab(licht).

Voraussetzung für einen geringeren laufenden Arena-Zuschuss ist ein so genanntes „Hometeam“, das die regelmäßige Auslastung der Halle garantiert. Dafür gibt es die heran gezogene HSG Nordhorn mit dem Namensappendix „-Lingen“. Sie spielt gerade 2. Bundesliga und absolviert in diesen Tagen für die kommende Saison ihre Vorbereitungsspiele. Also: Viel Erfolg, liebe HSG’ler für beides  -ganz ehrlich. Doch ich stelle mir gerade vor, wie viele zum Handball in die neue Arena strömen, wenn das ein Highlight ist, was Ihr gerade als solches ankündigt…

Kein Schwein

28. Juli 2009

THW KielLingen als Mekka des Handballsports? Angesichts des gequälten Erstliga-Endes der HSG Nordhorn-Lingen mag man es sich kaum vorstellen. Aber die „Kieler Nachrichten“ wissen mehr:

„Aus dem THW-Trainingslager in Lingen

Lingen – Für den THW Kiel beginnt der Dienstag mit Haferbrei. Co-Trainer Ole Viken hat sich dieses Frühstück für die Handballer gewünscht. „Das ist optimal für die Verdauung. Haferbrei macht den Weg frei.“ Im Hotel „Zum Märchenwald“ in Lingen an der Ems wird dem Rekordmeister, der hier seit Sonnabend sein Trainingslager absolviert, jeder Wunsch erfüllt.

Der größte Unterschied zwischen klassischen Gästen und einer professionellen Sportmannschaft? „Wir dürfen kein Schwein servieren, und das Essen muss ganz pünktlich auf dem Tisch stehen. Schließlich haben die Jungs ein strammes Programm“, weiß Maria Veldscholten. „Aber wenn ich nicht gewusst hätte, dass es Stars sind, hätte ich es nicht gemerkt.“

Die 52-Jährige leitet mit Ehemann Heinrich (60) das Familienunternehmen, das rund drei Kilometer vom Zentrum der 60000-Einwohner-Stadt Lingen entfernt liegt. „Sie sind alle unglaublich höflich. Und bei dieser Disziplin wundert es mich nicht, dass sie so erfolgreich sind.“ Als sie vor zehn Tagen die Anfrage aus Kiel per E-Mail erhielt, dachte sie zunächst an einen Betriebsausflug des Technischen Hilfswerkes (THW). Mit Sportmannschaften hat die Familie Veldscholten, die 1954 mit einer Einraum-Gaststätte den Grundstein für ihr 86-Betten-Hotel legte, wenig Erfahrung. Lediglich die Rhein-Neckar Löwen waren hier vor einem Punktspiel gegen die HSG Nordhorn einmal abgestiegen. Dagegen sind Gäste wie Heino, die Wildecker Herzbuben oder Tokio Hotel, die in der nahen Emslandhalle auftreten, keine Seltenheit. Von der bekanntesten deutschen Rockband bekam Maria Veldscholten aber nur wenig mit. „Die waren völlig abgeschirmt, da gab es nicht einmal ein Autogramm.“

Viel Zeit blieb den Veldscholtens, die eher im Kegelsport beheimatet sind, nicht, um ihr Drei-Sterne-Hotel auf die Bedürfnisse des Handballmeisters umzustellen. Aber mit Schiebewänden trennten sie den Gastronomiebereich so ab, dass die Kieler nun über einen eigenen Videoraum verfügen. Den Saunabereich im Keller darf der THW exklusiv nutzen, hier haben die Physiotherapeuten, Uwe und Sebastian Brandenburg, ihre Liegen aufgebaut. „Wir sind stolz darauf, dass der THW unser Gast ist“, sagt Maria Veldscholten.

Die Trainingshalle, in der täglich ab neun Uhr Koordinationsübungen auf dem Plan stehen, ist nur knapp dreihundert Meter entfernt. Da die Dreifachturnhalle der Friedensschule in den Sommerferien eigentlich geschlossen ist, hat Alfred Gislason mit seinem Team hier Exklusivrechte. Dazu passt, dass Hausmeister Wolfgang Barenkamp gerade seinen dreiwöchigen Urlaub abgeschlossen hat. Der 49-Jährige kennt aus dem THW-Kader zwar nur Peter Gentzel, der jahrelang im benachbarten Nordhorn das Tor der HSG gehütet hat. „Aber für Lingen ist es eine Ehre, dass die Kieler hier sind. Ich stehe ihnen rund um die Uhr zur Verfügung.“

Noch hat es sich im Emsland nicht herumgesprochen, dass hier prominente Gäste Station machen. Vor der Halle standen gestern nur drei Kinder, die Autogramme sammeln wollten. Das wird sich aber morgen ändern, wenn der THW in seiner Trainingshalle gegen den Zweitligisten TV Emsdetten antreten wird. Der Veranstalter rechnet damit, dass das Spiel mit 600 Zuschauern ausverkauft sein wird.“

Foto © Uwe Paesler, Kiel (Ich bedanke mich bei Uwe Paseler für die Erlaubnis, sein Foto der THW-Mannschaft beim Training im Wald am Lingener Kiesberg veröffentlichen zu dürfen)