im Übrigen nicht nur für Sportvereine

17. Mai 2022

Was die Kulturschaffenden im Emsland bereits seit rund zwei Jahren kritisieren hat jetzt auch die Amateursportszene erreicht. Die Berichterstattung in der Lokalpresse der NOZ, die immer mehr abnimmt und längst -im Vergleich zu anderen Zeitungen- nur noch flach genannt werden kann. LT, MT und EZ glänzen nur noch durch den Mut zur Lücke und durch großes Weglassen. Gestern veröffentlichte der NFV-Emsland auf seiner Website dazu diesen Protestbeitrag:

Bei unzähligen Veranstaltungen des Kreisfußballverbandes mit seinen Vereinen kritisierten diese immer wieder, dass die Arbeit der vielen Ehrenamtlichen im emsländischen Fußball in der Berichterstattung der Spiele von der Bezirksliga abwärts in der örtlichen Presse nur sehr unzureichend dargestellt wird. Ganz besonders wurde dieses auf den „Vereinsdialogen light“, die über das gesamte Emsland verteilt mit den Vereinen durchgeführt wurden, immer wieder bemängelnd zur Sprache gebracht. Selbst fertig gelieferte Texte und Berichte von Veranstaltungen wie z.B. Versammlungen, Ehrungen etc. würden selten übernommen und abgedruckt.

Der ehemalige Vorsitzende von Concordia Emsbüren, Franz Silies, hat diesen aus der Sicht vieler Vereinsvorstände großen Missstand einmal aufgegriffen und einen Leserbrief verfasst. Seitens der Redaktion der NOZ wurde ihm nun auf Nachfrage allerdings erklärt, dass eine Veröffentlichung nicht beabsichtigt ist.

Der Vorstand des Kreisfußballverbandes unterstützt die Eingabe von Franz Silies, zumal sie sich mit den Meinungen der Vertreter vieler Vereine im Emsland deckt.

Aus diesem Grunde veröffentlichen wir nun nachstehend diesen Leserbrief und würden uns freuen, wenn wir dazu und zu der Problematik mit der örtlichen Presse Reaktionen und Meinungen aus den Reihen unserer Fußballvereine bekommen könnten.

„Leserbrief

Es ist an der Zeit. Seit Monaten (einige sagen, schon seit Jahren) kann man beobachten, wie die Sportberichterstattung, hier in erster Linie der Fußball-Lokalsport (Emslandsport) in der Lingener und Meppener Tagespost sowie in der Emszeitung im stetigen und unaufhörlichen Niedergang begriffen ist. Das ist nicht nur meine, sondern wie ich weiß, auch in vielen anderen Vereinen die einhellige Meinung. Nicht nur dort, sondern auch auf höherer Ebene. Einiges ist auch schon versucht worden, doch man stößt auf taube Ohren. Nur noch der SV Meppen spielt eine Rolle (haben sie auch verdient). Die „kleinen“ Vereine bleiben auf der Strecke.

Wenn man früher, vor allem am Montagmorgen, in die Zeitung schaute, konnte man sich über eine gute, interessante und umfassende Berichterstattung seines und anderer emsländischer Vereine informieren – auch über die Kreisgrenzen hinaus.

Das hat sich jedoch grundlegend geändert. Seit Beginn des Jahres fehlen z.B. die Mannschaftsaufstellungen und die Vereinsembleme in der Bezirksliga. Die Lücken sind da, man muss sie nur auffüllen. Die Spielberichte sind äußerst dürftig gehalten, häufig nichtssagend, belanglos und uninteressant ( etwa in der Art: das Spiel endete 0:0, so stand es auch schon zu Beginn des Spiels). Einige Berichte über stattgefundene Spiele werden einfach weggelassen, nur wenige sind einigermaßen ausführlich. Das Durchblättern geht noch schneller als bei der Zeitung mit den großen Buchstaben. Dabei mache ich nicht unbedingt der Sportredaktion einen Vorwurf. Denen sind sicherlich die Hände ebenfalls gebunden.

Ergebnisse und Tabellen aus dem Jugendbereich findet man von der Bezirksliga abwärts gar nicht mehr. Woran liegt das? Spielt etwa der Platz- oder Personalmangel eine Rolle? Oder ist es Order von ganz oben? Stehen nur noch einige wenige Zeilen zur Verfügung? Viele Fragen, aber keine Antworten! Gewinnspiele und Werbung nehmen dafür immer mehr Raum ein. Bringt ja auch richtig Geld.

In diesen Tagen finden viele Nachholspiele während der Woche in den verschiedenen Ligen statt. Darüber kaum ein Wort. Wenn doch, dann sehr verspätet. Aktualität geht anders. Das alles ist für den gemeinen Sportfreund sehr frustrierend. Da wird einmal wieder die Monopolstellung deutlich. Der Leser bzw. Abonnent der Zeitung finanziert schließlich die Zeitung auch mit und will auch in diesem Bereich umfassend informiert sein. Anscheinend soll man sich in erster Linie online schlau machen.

Wenn Vereine Berichte an die Redaktion schicken, um von und aus ihrem Verein zu berichten, ist es inzwischen zum Glücksfall geworden, wenn etwas darüber auch erscheint. Vielleicht noch im EL-Kurier. Meistens bekommt man nicht einmal eine Antwort. Man wird einfach nicht mehr ernst genommen. Das gilt im Übrigen nicht nur für Sportvereine.

Es ist zu befürchten, dass diese völlig unbefriedigende Situation noch länger anhält und/oder sich noch verschlechtert. Warten wir einmal ab, wie sich alles weiterentwickelt. Der Unmut wächst. Es ist an der Zeit.

Franz Silies, Finkenweg 3, 48488 Emsbüren“

Mein Fazit:
Wir wissen, dass die Lokalblätter über die Verlagspolitik ihrer NOZ selbst nichts veröffentlichen. Deshalb wundert es mich nicht, dass man nichts von all dem Bedenkenswerten in den emsländischen NOZ-Ausgaben lesen kann.

Dasselbe gilt für andere NOZ-Interna wie das Beispiel, dass der NOZ-Verlag seit Jahren Kurzarbeitergelder für Redakteure abgreift und sich auf diese Weise subventionieren lässt – kein Wort darüber im redaktionellen Teil. Im Lokalteil ist die Kulturberichterstattung auf nahezu Null geschrumpft. Und die sonstigen Berichte sind inhaltlich wie quantitativ -sagen wir- ausgesprochen schmale Kost.

Das reicht nicht und das sicht- und greifbare Scheitern des emsländischen Lokaljournalismus verletzt die zentrale Aufgabe für den Journalismus im Allgemeinen, für den lokalen Journalismus im Besonderen. Die heißt: Öffentlichkeit herzustellen. Freie Medien haben konstitutive Bedeutung für die Demokratie. Das Verfassungsgericht lässt keinen Zweifel: „Eine freie, nicht von der öffentlichen Gewalt gelenkte, keiner Zensur unterworfenen Presse ist ein Wesenselement des freiheitlichen Staates.“  Das Runterschrauben und Verschweigen der lokalen Ereignisse von Kultur, Sport und längst mehr gefährdet die Demokratie; so schlicht ist die Wahrheit.

Wächteramt, erklärender Journalismus, Forumsfunktion, Bürgerzeitung: Die Ansprüche der Gesellschaft an die Medien sind hoch. Wenn Zeitungen ihnen gerecht werden, leisten sie viel, tun der Demokratie gut, halten sie lebendig. Wenn nicht erreichen sie das Gegenteil.

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Crosspost NFV-Kreis Emsland, Foto: Franz Silies © svce

5 Antworten zu “im Übrigen nicht nur für Sportvereine”

  1. Olaf Schnieders said

    Die NOZ hält mit ihren lokalen Ausgaben das Medienmonopol in der Region. Ohne Wettbewerb keine Notwendigkeit für Wettbewerb um inhaltliche Qualitäten. Eigentlich ganz einfach. Aber Zeitungen respektive Medienhäuser sind Wirtschaftsunternehmen; die konservative regionale Wirtschaft trägt entsprechend eine Mitverantwortung an der derzeitigen Situation. Das muss man einbeziehen.

  2. Hubert Silies said

    Ich habe selbst auf Beschwerde bei der LT, warum ein Artikel nicht erscheine, die Antwort bekommen, das könne man schließlich auch überall in den Sozialen Medien und auf der Homepage des Vereins nachlesen. Man könne nicht mehr alles bringen.
    Das nährt gewaltig den Verdacht, dass die NOZ auf seine eigenen Regional-Printausgaben kaum noch Wert legt, man sieht es ja auch. Gutes Ansehen durch möglichst viele Zitate in anderen angesehenen deutschen Medien aus dem Politikteil ist das A&O.
    Außerdem sind es vor allem die Älteren, die sehr gerne noch morgens in Ruhe die Printausgabe lesen. Das Argument, es verlagere sich alles mehr auf Online-Medien, wäre sehr schief und ein Eingeständnis, dass man die Regionalteile und den Regionalsport in der Printausgabe nahezu aufgegeben hat.

  3. Krone Hubert said

    Die Berichterstattung über die Freiwilligen Feuerwehren ist genauso abgebaut worden.

  4. Josef Freckmann said

    Früher war die LT eine umfassend berichtende Zeitung. In jedem noch so kleinen Ausschuss der Stadt Lingen saß ein Reporter der die Mitbürger von den Ergebnissen unterrichtet. Heute gänende Leere. Ich finde es echt schade das die örtliche Presse nicht mehr über die örtlichen Probleme und Lösungen berichtet. Da kann man langsam genauso gut die Bildzeitung kaufen die berichte auch so viel Lokales über unser Gebiet. Ich möchte mal wissen was für ein Ziel damit verfolgt wird . Ich lese die Zeitung noch in gedruckter Form und dafür ist der Preis zu hoch. Man sollte die Lokalen Ereignisse doch wieder mehr berücksichtigen!

  5. Günther Möller said

    Den Ausführungen und die in dem nicht veröffentlichten Leserbrief stimme ich voll zu.
    Den gleichen Mangel an Berichterstattung haben wir dauernd beim SC Spelle/Venhaus als zweithöchster spielender Fußballverein im Emsland nach dem SV Meppen.
    Aber nicht nur in der Sportberichterstattung, sondern beim Drucken von Leserbriefen, in dem man seinen eigenen Unmut und anderer über Missstände im eigenen Ort oder im Kreis schreibt.
    Mir ist es öfter passiert, dass man einen Bericht an die LT schickt, man angerufen wird und gesagt bekommt, das könne man so nicht drucken, weil z.B. die Wortwahl zu heftig ist oder ähnliches, oder kein Platz in der Zeitung sei.
    Da man nun aber Informationen hat (Diebstahl geistigen Eigentums) liest man einen Bericht des Redakteurs in einer der nächsten Ausgabe, damit er seine Daseinsberechtigung hat.
    Dabei sind doch Leserbriefe interessanter zu lesen, als langstielige Berichte.
    Diesen Umstand habe ich den überheblichen Redakteuren schon öfter gemacht und geraten, sich die Münsterländische Volkszeitung in Rheine als Vorbild gerade in der Sportberichtberichterstattung zu nehmen.
    Es ist unglaublich, dass man praktisch für eine Veröffentlichung betteln muss.
    Warum nimmt man nicht Anregungen an, die eine Zeitung interessanter macht?
    Gerade für langjährige Leser, ich bin es seit 60 Jahren, ist es ja nicht gerade ein billiges Vergnügen und dafür könnte man schon etwas verlangen.

    Günther Möller, Spelle

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