Günter Bröker, aufmerksamer Zeitgenosse und interessierter Leser der Internetseiten der Meppener Tagespost („MT“),  kann gerade diese gerade nicht mehr aufrufen. Wenn er es versucht, teilt ihm sein PC nämlich mit: HTTP 500 Interner Serverfehler. Seine aktuelle E-Mail-Anfrage an die Neue Osnabrücker Zeitung (NOZ):
Sehr geehrte Herren der Chefredaktion der NOZ!
 
Ich hätte gerne von Ihnen eine Antwort auf meine Frage:
Ist meine I.P Adresse auf Anweisung der Chefredaktion der NOZ für den Zugang auf die kostenlosen Seiten der NOZ.de gesperrt worden, nachdem ich die Berichterstattung der „Meppener Tagespost über den Verkauf der MEP scharf kritisiert habe ?                        
  
Ich hatte der MT schon Anfang August mitgeteilt, dass die MEP an den Investor Real IS verkauft worden ist und hatte sogar schon mal bei der MT nachgefragt, wann denn nun der Vollzug in der Presse veröffentlicht wird.
 
Mit freundlichen Grüssen
Günter Bröker
Die Antwort der NOZ kenne ich nicht. Aber sie interessiert mich. Hoffen wir mal, dass es Brökers PC ist, der spinnt, und nicht die NOZ.

erwachsen

6. Mai 2013

Zu 15 Monaten Freiheitsstrafe wegen Cannabisdelikten hat das Jugendschöffengericht Meppen einen zur Tatzeit 18 Jahre alten Mann aus Meppen verurteilt, die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. Als ich den Bericht in der Meppener Tagespost las, habe ich mich gewundert. Fast immer wird nämlich auf 18jährige das Jugendstrafrecht angewendet, nicht das Erwachsenenstrafrecht. Hier war es anders. Dazu berichtet die Meppener Tagespost:

„…Die Jugendgerichtshilfe gab zu Protokoll, dass der Versuch eines Gesprächs von dem Angeklagten abgelehnt wurde. Damit habe er verdeutlicht, dass er sich erwachsen fühle. Für den Staatsanwalt der Grund, Erwachsenenstrafrecht anzuwenden….

Der Verteidiger plädierte für Anwendung des Jugendstrafrechts, konnte sich aber nicht durchsetzen….

Das Jugendschöffengericht erkannte auf die vom Staatsanwalt beantragten 15 Monate…“

Der Angeklagte war also zur Tatzeit 18 Jahre, hatte seine Ausbildung abgebrochen, diverse strafrechtliche Verurteilungen, es gab  Betäubungsmittelprobleme –  und dann Erwachsenenstrafrecht, weil der Angeklagte trotzig nicht zur Jugendgerichtshilfe (des Landkreises) ging, „weil er sich erwachsen fühlte“, wie die MT berichtet.

HandschellenNun ist das Jugendstrafrecht ein Sonderstraf- und  Sonderstrafprozessrecht für junge Täter, die sich zur Zeit ihrer Tat im Übergangsstadium zwischen Kindheit und Erwachsenenalter befinden, so weiß es wikipedia, das auch einen aufschlussreichen geschichtlichen Abriss über das Jugendstrafrecht hinzufügt. Jugendstrafrecht ist Ausdruck  der Besonderheiten in der psychologischen Entwicklung des Menschen. Außerdem erfordern jugendliche Sozialisationsprozesse spezielle Reaktionen auf Straftaten, die  sogar Ausdruck der (im Prinzip notwendigen) Abgrenzung und Selbstfindung sind. Auch auf 18 bis 20jährige („Heranwachsende“) wird Jugendstrafrecht angewendet, wenn -wie meist- Reiferückstände in der Person  vorhanden sind oder die abzuurteilende Tat jugendtypische Züge aufweist.

Ich habe keine große Kenntnis der vom Jugendschöffengerichts Meppen entschiedenen Anklage. Doch es liegt auf der Hand, dass es nicht richtig ist, das Strafrecht für Erwachsene auf diesen unreifen, jungen Kiffer anzuwenden, der sich mit all seinen Problemen so „erwachsen fühlte„. Das zeigt eindrucksvoll auch gerade seine Weigerung, mit der Jugendgerichtshilfe zu reden. Kein Zeichen von Qualität des Sitzungsvertreters der Staatsanwaltschaft ist es, wenn er daraufhin genauso trotzig meinte, dass dieser Angeklagte ob seines Trotzes erwachsen sei. Genauso bedenklich ist folglich das gesprochene Urteil.

Aber man erkennt: Die Verurteilung eines 18jährigen Heranwachsenden zu Erwachsenenstrafe entspricht dem rigorosen Zeitgeist, von Trash-TV, Rache und Gnadenlosigkeit geformt. Man hört allenthalben  dessen Protagonisten tönen: „Wenn ’se volljährig sind, müssen ’se wie Erwachsene bestraft werden.“

Diese Stammtischposition überzeugt aber schon deshalb nicht, weil in Deutschland ein junger Mensch vieles eben nicht darf, obwohl er volljährig ist. Guckst du hier [Quelle], was ihm erst gestattet ist

ab Vollendung des 21. Lebensjahres

ab Vollendung des 23. Lebensjahres

ab Vollendung des 25. Lebensjahres 

ab Vollendung des 27. Lebensjahres

  • Ernennung zum Beamten auf Lebenszeit möglich. (in Bayern zum 1. April 2009 mit Einführung des BayBG neu und des BeamtStG weggefallen)
  • Wählbarkeit zum Bürgermeister oder Landrat in Schleswig-Holstein (§ 57 Gemeindeordnung Schl.-Holstein, § 43 Kreisordnung Schl.-Holstein)
  • Wählbarkeit zum Landrat in Sachsen (§ 45 Sächs. Landkreisordnung)

ab Vollendung des 30. Lebensjahres

ab Vollendung des 35. Lebensjahres

ab Vollendung des 40. Lebensjahres

Das Fazit:
Beamter auf Lebenszeit wird kein 18jährige, er darf auch keinen Zug führen und keinen  Bus fahren, niemanden adoptieren und er muss gar mehr als doppelt so alt werden, um Ministerpräsident im Amigo-Freistaat Bayern zu sein.  Es ist schon verflucht richtig, dass wir mit 18 Jahre jungen Menschen anders umgehen als mit Erwachsenen – auch und gerade wenn sie Ungesetzliches tun wie ein Erwachsener.

 

98

16. Juli 2012

Gescheitert ist der erste Bürgerentscheid in der Stadt Meppen, so meldet es der NDR  und nennt den Grund:  Nur 24,6 Prozent aller Wahlberechtigten sprachen sich dafür aus, dass die Stadt eine wertvolle innerstädtische Fläche („Püntkers Patt“)  zwischen Emsstraße, Ems und Dortmund-Ems-Kanal nicht verkaufen darf. 24,6 % sind zu wenig. Mit dem Bürgerentscheid wollte die Schwesterorganisation der Lingener BürgerNahen, die Unabhängige Wählergemeinschaft in Meppen (UWG), den Verkauf  verhindern.  Für einen Erfolg hätten 25 Prozent aller Wahlberechtigten dem Bürgerentscheid zustimmen müssen. Ganze 98 Stimmen fehlten.

In Meppen nahmen von 27919 Meppener Kommunalwahlberechtigten 7583 (27,2 Prozent) an der Abstimmung teil. 6871 von ihnen und damit 91 % waren gegen den Verkauf; nur  699 stimmten den Plänen der Stadt zu. Doch es reichte trotzdem nicht, weil ganze 98 Stimmen fehlten. Nur wenn 25 % aller Wahlberechtigten den Vorschlag unterstützt hätten, wäre der Bürgerentscheid erfolgreich gewesen.

Für die Initiatoren reagierte gestern Abend Günther Pletz, Fraktionsvorsitzender der UWG,  erst einmal enttäuscht auf das Ergebnis und forderte von der CDU-Mehrheit „mehr Bürgernähe“  bei ihren Entscheidungen.  (Mehr…) Zuvor hatte die UWG statt der notwendigen 2800 Unterschriften für die Zulassung des Bürgerentscheid mit 5500 Unterzeichnern fast doppelt so viele Unterzeichner wie notwendig mobilisiert. Deshalb war man sehr zuversichtlich, gestern reichte es aber doch nicht.

Jetzt könnte die Stadt das Grundstück jetzt also „an Investoren veräußern“ (Politsprech). Aber wird sie sich auch trauen? Die Protagonisten um CDU-Bürgermeister Jan Erik Bohling  werden gründlich darüber nachdenken müssen, ob das wirklich klug ist.

Nicht alles, was geht, ist bekanntlich auch klug.  Das zeigen Kommentare von Meppenern, die seit gestern Abend ihrem Ärger auf der Kommentarseite der einzigen Tageszeitung „MT“ Luft machen. Viele verstehen nicht, dass bei Bürgermeisterwahlen in Niedersachsen nach einem von der CDU durchgesetzten Gesetz jede (relative) Mehrheit ausreicht (Wilhelmshaven beispielsweise bekam mit 18,6 % aller Wähler einen neuen CDU-OB) oder dass das unterschriebene Nein von mehr als 50% der Einwohner Dörpens vor zwei Jahren nicht reichte, um das Kohlekraftwerk zu stoppen; es scheiterte dann aus anderen Gründen. Einen niedersächsischen Bürgerentscheid aber müssen 25 % von allen Wählern einer Kommune befürworten – und da fehlten in Meppen eben 98 Kreuze.

Ich denke darüber nach, welche Auswirkungen der Meppener Bürgerentscheid auf die Lingener Kommunalpolitik hat. Es ist sicherlich auch hier notwendig, die Grundstücksgeschäfte der Kommune in den Blickpunkt der Öffentlichkeit zu rücken. denn in Lingen werden zu Lasten des Gemeinwesens öffentliche Grundstücke zu schamlosen Spottpreisen an Unternehmen und Vermögende verkauft. diese Art der Vermögensumverteilung nennt sich dann „Wirtschaftsförderung“. Und niemand erfährt es, weil ja Grundstücksgeschäfte „vertraulich“ seien. Wir werden in der BN-Sitzung am Montagabend darüber sprechen, was hiergegen getan werden kann und muss.

Bernd Schlömer

29. April 2012

Bernd Schlömer kommt aus Meppen, genauer aus dem Meppener Stadtteil Bokeloh. In der Kreisstadt ist er 1971 geboren und aufgewachsen. 1990 machte er am Meppener Marianum  sein Abitur. Anschließend ging es zum Grundwehrdienst zu den Panzergrenadieren in die Frieslandkaserne Varel; nach dem Grundwehrdienst studierte an der Universität Osnabrück Sozialwissenschaften und war mehrere Jahre in der studentischen Selbstverwaltung der Universität tätig, unter anderem als ASTA-Referent. Nach dem Diplom studierte Bernd Schlömer in Hamburg noch Kriminologie, schloss dieses Studium ebenfalls mit einem Diplom ab und sagt heute:  „Ich wäre auch gerne Gefängnisdirektor geworden“. Nach seinem Studium arbeitete er im Bundesverteidigungsministerium, der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg und heute als Referent für Haushalts-, Organisations- und Verwaltungsangelegenheiten mit der Verantwortung für die Finanzen der  Universitäten der Bundeswehr.

Seit 2009 ist er Mitglied der damals drei Jahre alten Piratenpartei (Mitgliedsnummer 2483). Seine Motive einzutreten: „Im Zentrum steht das freie Individuum. Das ist klassischer Liberalismus plus Staatsskeptizismus“. Vorbilder sind für ihn Liberale wie Gerhard Baum oder Burkhard Hirsch sowie Ex-Kanzler Helmut Schmidt (SPD). Für ihn bedeutsam sind solidarisches Handeln, Gemeinwohl sowie ein „bedingungsloses Einkommen, damit sich die Menschen entwickeln können“. Viele Politiker in anderen Parteien, verriet er im Gespräch der NWZ,  empfindet er als „Würdenträger über den Wassern“. Er selbst möchte auch in der Parteispitze versuchen, „Ehrfurcht und Anstand zu bewahren“.

Stuttgart 21, Atomwende, die Rekommunalisierung von Versorgungsbetrieben und natürlich das neue digitale Zeitalter sind für den Mann aus Meppen-Bokeloh wichtige Beispiele einer anderen Politik. „Wir stehen an der Schwelle zu neuem Denken und Handeln“, sagt er. und fordert freien Zugang zu Bildung, Toleranz, Integration, eine zeitgemäße Familienpolitik und ein neues Urheberrecht.

Damit will Bernd Schlömer mit seinen Piraten 2013 die „stärkste liberale Partei“ Deutschlands werden. “Ich werde mich dafür einsetzen, innovative sozial-liberale Ideen zu entwerfen, die den Anforderungen im Informationszeitalter zum Wohle der Bürger gerecht werde.” sagte „der überzeugte Katholik“ zur MT.  Den 80jährigen Vater in Meppen hat er längst überzeugt: „Er wählt jetzt auch die Piraten!“

Schlömers Tag, erfuhr die „Meppener Tagespost“ unlängst bei einem abendlichen Interview, „ist minutengenau durchstrukturiert, erst abends um 21.30 Uhr hat er Zeit für ein Telefongespräch mit der einstigen Heimatzeitung. Morgens um sechs steht der 41-Jährige auf und beantwortet eine Stunde lang E-Mails. Dann geht es zur Arbeit ins Ministerium, abends ab sechs Uhr ist er wieder Pirat, hat Sitzungen, muss neue Mails sichten, 200 am Tag.“
Ob Bernd Schlömer die in diesem Tagesprogramm deutlich werdende Disziplin liebt, weiß ich nicht. Aber er schätzt sie zweifellos: „Ohne Disziplin geht nichts“, sagt der Vater von  zwei Kinder. In der Woche arbeitet er in Berlin, das Wochenende verbringt er in Hamburg. Alle zwei Wochen besucht er seinen 8jährigen Sohn in Osnabrück.  Da blieb bisher keine Zeit, um mit dem Lokalsender ev1.tv zu sprechen, trotz Einsatz der Grafschafter Piraten aus Nordhorn. Das wird künftig noch deutlich schwieriger.
Denn gestern in Neumünster wählten 1500 Mitglieder der Piratenpartei Bernd Schlömer zu ihrem Bundesvorsitzenden.
(Quellen: NWZ, MT, wikipedia Foto:  © Piratenpartei CC)

Umweltkatastrophe

12. April 2011

Die Tankerexplosion im Hafen der BP-Raffinerie und die anschließenden Löscharbeiten haben zu einer regionalen Umweltkatastrophe geführt. Das ist inzwischen klar. Klar ist auch, dass die Behörden dieser Umweltkatastrophe hilflos gegenüber stehen. Sie fordern zwar dazu auf, keine Fische zu verzehren, die im Dortmund-Ems-Kanal gefangen worden sind. Aber diese und ihreanderen Reaktionen wirken reichlich hilflos.

Die Warnung vor dem Fischverzehr können sie sich ruhig schenken. Ich kann mir niemanden vorstellen, der aus der aufgeschäumten Wasserbrühe Fisch angelt.  Es gibt wohl ohnehin kaum noch Fische in dem Gewässer zwischen Holthausen und Meppen, seit es mit Löschschaum und Benzin kilometerlang verschmutzt ist. Beschleunigt durch die Schleusungen fließt es langsam aber stetig in Richtung Ems. Unterwegs gibt es tonnenweise tote Fische. Das bestätigt auch Reinhard Lömker, Leiter der Unteren Wasserbehörde der Stadt Lingen (Ems).   Mitglieder des Angelsportvereins Meppen bergen derweil noch lebende Tiere und bringen sie in andere Gewässer. „Ob wir die Tiere dadurch wirklich retten, wissen wir nicht“, sagt Vereinssprecher Dieter Heuwers.

Umweltschützer und Angler kritisieren immer heftiger das Katastrophenmanagement der Behörden. Der Landkreis sei überhaupt nicht vorbereitet auf die Katastrophe. Maria Feige-Osmers (BUND Emsland) bezeichnet das Geschehen als „Umweltsauerei“. Jutta Over (NABU Emsland) beanstandet, dass „die ökologischen Ausmaße der Katastrophe von den Behörden verharmlost werden.“ Neben dem Löschschaum seien auch Tausende Liter Benzin in den Kanal geflossen. Dort fließe jetzt „eine hochgiftige wasserlösliche Emulsion, die von Wassertieren auch über Haut und Kiemen aufgenommen werden.“ Gewässersohle, Steinschüttungen und Uferstauden seien wohl auf längere Zeit verseucht. Vorübergehende Sauerstoffarmut durch den Abbau der Löschschäume reiche als Erklärung für das Fischsterben nicht aus, sagte die Biologin zur „Meppener Tagespost“.

Das Prinzip, mit dem die Behörden agieren, ist ebenso simpel wie gefährlich: Verdünnen. Aber das, so Juklia Over, löst das Problem nicht, „weil sich die toxischen Stoffe anreichern. Mit jeder Schleusung werden die Schadstoffe weiter diffus verteilt. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob der Kanal nicht zu schnell wieder für die Schifffahrt freigegeben worden ist.“

Die Freiwillige Feuerwehr Meppen versuchte gestern erneut das sauerstoffarme Kanalwasser zu belüften – wie schon am vergangenen Freitag, als auch die Feuerwehren aus Bawinkel, Osterbrock und Emsbüren mithalfen. Beim Landkreis Emsland hieß es derweil, der Sauerstoffgehalt unterhalb der Schleuse Meppen betrage bis zu 8 Milligramm pro Liter. Das bedeute keinerlei Gefährdung für Lebewesen. Der Wahrheitsgehalt dieser Aussage ist offenbar so niedrig wie der Sauerstoffgehalt im Kanal, der alle Fische ersticken lässt.  Denn MT-Redakteur Tobias Böckermann zitiert „Beteiligte vor Ort“.  Nach ihren Angaben lag der Sauerstoffwert im Kanal direkt unterhalb der Schleuse Varloh keineswegs bei 8 Milligramm sondern  zwischenzeitlich bei tödlichen 0,2 Milligramm. Der biologische Abbauprozess des verbliebenen weißen Löschschaums zehrt so viel Sauerstoff aus dem Wasser, dass die Fische ersticken. Vom Sauerstofftod bedrohte Aale springen im Todeskampf an Land.  Zu beklagen sind längst auch tote Hechte und Zander.

Ein weiteres Versäumnis: Sie Verantwortlichen im Kreishaus haben bislang keine Fische auf Schadstoffe und Gift untersuchen lassen. untersuchen lassen. „Wir wissen einfach nicht, was man tun kann oder tun müsste“, beklagt Dieter Heuwers vom Anglersportverein Meppen gegenüber der MT. „Wenn die Fische nur am Sauerstoffmangel eingegangen sind, dann besteht ja keine weitere Gefahr. Wenn aber auch Gift im Spiel ist, dann hätte man die Kanalufer sperren oder zumindest Warnschilder aufstellen müssen.“

Ziel der Behörden ist jetzt, dass sich „das schadstoffbelastete Wasser durch möglichst viel Bewegung im Kanal“ verdünnt. Der NABU kritisiert dieses Vorgehen als „schlechte Notlösung“. Und: Noch immer schweigen die Wasser- und Umweltbehörden darüber, welche Stoffe sich seit der Explosion im Kanalwasser befinden.  Mit der Erhöhung der Fließgeschwindigkeit im Kanal und der Belüftung werde versucht, das Sauerstoffdefizit zu verringern. „Weitere technische, mechanische oder biologisch-chemische Maßnahmen sind nicht möglich.“ Sobald das belastete Wasser die Hase und die Ems erreiche – voraussichtlich in mehr als drei Tagen –, sei mit einer Entspannung der Situation zu rechnen, da neben einer starken Verdünnung der Rückstände zugleich ein hoher Sauerstoffeintrag erreicht werde. Wer’s glaubt…

Christoph Elbert, Vorsitzender des Angelsportverein Meppen ist realistischer: „Dass die Natur sich wieder regeneriert, wird wahrscheinlich Jahre dauern.“  Dafür gibt es ein Beispiel, weiß MT-Redakteur Tobias Böckermann: Vor vier Jahren  hatten Löschschäume im Saarland das Wasser des Flusses Blies so verunreinigt, dass das Angeln 14 Monate lang verboten war.  Die Schäume enthalten auch  PFOS (Perfluorooctane sulfonic acid). Der  Stoff wird von der Europäischen Union  gemeinsam mit dem berüchtigten DDT genannt und  ist ab  Mitte des Jahres EU-weit verboten. Bei dem Tankerunglück in Lingen kam er aber noch legalerweise zum Einsatz . PFOS-Schaum erleichtert das Löschen von brennenden Flüssigkeiten, reichert sich aber in der Tier- und Umwelt an und ist stark  gesundheitsschädlich.

Ach ja: BP schweigt. Und irgendwer dröhnt sicherlich auch wieder, dass zu keiner Zeit eine Gefährdung der….

(Quellen: Meppener Tagespost, NDR; PFOS-Formel Grafik: wikipedia CC)

Scherbenhaufen

16. März 2011

„Der von der Johann Alexander Wisniewsky-Stiftung mit Landrat Hermann Bröring als Vizepräsident ins Leben gerufene und mit insgesamt 10.000 Euro dotierte Medienpreis Emsland wird in diesem Jahr nicht vergeben. Alle vier journalistisch tätigen Jurymitglieder haben die insgesamt fünfköpfige Jury verlassen. Geblieben ist einzig Dr. Andreas Mainka als Mitglied des Stiftungsrats in der Jury. Die hatte zuvor Tobias Böckermann, Redakteur bei der Meppener Tagespost, für seine Serie „Faszinatur Emsland“ ausgezeichnet, die zwischen 2006 und 2010 in der MT erschienen ist und die sich mit den Themen Natur und Umwelt im Emsland auseinandersetzt sowie Sebastian Beck, Redakteur der Süddeutschen Zeitung, für seinen Artikel „Bis aufs Blut“. Hierbei handelt es sich um eine Reportage über den emsländischen Unternehmer Franz-Josef Rothkötter.

Der Stiftungsrat lehnte beide Auszeichnungen ab mit der Begründung, dass die entsprechenden Bewerbungsunterlagen nicht vollständig gewesen seien. Diese zu überprüfen und fehlende Unterlagen gegebenenfalls nachzufordern sei laut Jurymitglied und gebürtigem Emsländer Hermann Vinke, Journalist und Autor, jedoch nicht die Aufgabe der Jury gewesen, sondern der Stiftung bzw. des von ihm beauftragten Medienhauses Emsland mit Sitz in Lingen.

Sowohl er als auch weitere drei Jurymitglieder vermuten, dass die Auszeichnungen nicht aufgrund von Formfehlern abgelehnt wurden, sondern aufgrund der Tatsache, dass sich die beiden potentiellen Preisträger in ihren Texten kritisch mit dem Emsland auseinandergesetzt haben.

Aus Protest gegen die Entscheidung des Stiftungsrats haben die vier Journalisten jetzt die Jury verlassen. Die für den 8. April geplante Preisverleihung auf Schloss Clemenswerth in Sögel fällt aus.“

Ich übernehme diese heutige Nachricht (fast unverändert) von der -wie üblich- bestens informierten Ems-Vechte-Welle. Natürlich interessieren uns alle die Hintergründe des Jury-Rücktritts. Vielleicht kann dem Informationsbedürfnis nachgeholfen werden? Übrigens nicht, um die verdienstvolle Arbeit der Johann Alexander Wisniewsky-Stiftung zu diskreditieren sondern um aufzuklären, welche Mechanismen hier warum so und mit diesem fatalen Ergebnis zusammengewirkt haben.

Hermann Vinke jedenfalls ist ein exzellenter Journalist und prominenter Mann. Schon als junger Volontär war er bei der Papenburger  Ems-Zeitung nicht wohl gelitten, damals u.a. mit Gerhard Kromschröder (mehr), den übrigens die Alexander-Wisniewsky-Stiftung mit dem Medienpreis Emsland für “herausragenden, kritisch-hinterfragenden Lokaljournalismus” ausgezeichnet hatte. Ich glaube seiner Vermutung, doch zusätzliche Informationen über den Hintergrund der Entscheidung wären doch besser. Ganz spannend ist auch die Frage, ob die lokalen Medien über den Eklat überhaupt berichten.

Jurymitglieder waren neben dem renommierten Hermann Vinke die Journalistin  Beate Tenfelde (Neue Osnabrücker Zeitung), Waltraud Luschny, Studioleiterin des NDR Osnabrück und  Prof. Dr. Achim Baum, Hochschule Osnabrück/Lingen (Ems) – auch sie allesamt nicht für fundamentalistische Dickschädelei bekannt.

Also, was ist da passiert, wer hat warum den Scherbenhaufen angerichtet?

Update: Die Ems-Echte-Welle meldet um 14:44 Uhr:

Johann-Alexander-Wisniewsky-Stiftung hält mit einköpfiger Jury an Medienpreisvergabe 2011 fest

Emsland – Laut einer Mitteilung des Medienhauses Emsland hält die Johann-Alexander-Wisniewsky-Stiftung an der Vergabe des Medienpreises 2011 fest. Da 45 Bewerbungen alle Formalitäten nach wie vor erfüllten, werde die Stiftung wie geplant den Medienpreis Emsland 2011 vergeben. Die Stiftung habe sich mit dem Medienpreis Emsland ein Projekt auferlegt, um Journalismus im Emsland und über das Emsland zu fördern. Dr. Andreas Mainka, einzig verbliebenes Mitglied der ehemals fünfköpfigen Jury, äußerte laut Medienhaus, dass die vier Jurymitglieder dieses gemeinsame Ziel leider vergessen hätten und mit ihrer Entscheidung alle anderen Bewerber abstrafen würden. Deshalb werde an der Vergabe des Preises festgehalten.

Wer will eigentlich eine solche Auszeichnung noch annehmen, lieber Herr Mainka?


Festakt

3. Mai 2010


Steffi hat es bestimmt gewusst! Dieser Artikel der „Meppener Tagespost“ steht genau seit einer Woche, also seit Montagmorgen, 26. April, im Internet – samt Zitat von Meppens Bürgermeister  und „Verwaltungschef“ Bohling. Das Problem: Die Veranstaltung hat erst am Montagabend stattgefunden. Am Sonntagabend gab es keinen Festakt und auch keinen Herrn Bohling oder sonst jemand, der irgendetwas gesagt hat. Eine reine Erfindung also, die wahrscheinlich erst für Dienstag geplant war und die, von wem auch immer, zu früh veröffentlicht und mit falschem Datum versehen wurde. Eine kleine klebrige Fälschung und einmal mehr ein besonderer Beitrag aus dem Kreis unserer Monopol-Lokalzeitungen aus dem Neue OZ-Verlag, der jetzt Medienhaus heißt – wohl weil er wie ein Medium die Zukunft vorher sagt.

Prophet

27. November 2009

Im Blog der Ruhrbarone bin ich auf einen interessanten Beitrag von Ruhrbaron Stefan Laurin gestoßen. Sein Fazit:

„Wir müssen über die Zukunft lokaler Medien diskutieren – sie sind in wesentlich größerer Gefahr als die bundesweit agierenden. Und ich möchte sie nicht missen.“

Laurin knüpft an die -ach so schwierige und wohl auch langweilige (Laurin)-  Arbeit von Lokalredakteuren an. Die säßen in sterbenslangweiligen Ausschuss-Sitzungen der Kommunen und dort sei es so:

„Nahezu 90 Prozent der Vorlagen, die von der Verwaltung erstellt werden, gehen einstimmig durch. Die Zustimmung des Rates oder des betreffenden Aussschusses – beispielsweiese bei der Genehmigung von Garagen – ist eigentlich eine Formsache. Klar, zu der Ratssitzung, auf der die einschneidenden Sparmaßnahmen beschlossen werden,  Koalitionskrisen offensichtlich und Dezernenten gestürzt werden, würde ich gehen – und wahrscheinlich auch andere Blogger. In die langweilige Standardsitzung nie.
Nur: in der muss man über Jahre gewesen sein, um zu verstehen, was in einem Rat passiert, um die Konfliktlinien zu erkennen und die handelnden Personen einzuschätzen. Sterben die Lokalteile, findet sich für sie kein Geschäftsmodell, das es erlaubt, Journalisten in diese Sitzungen zu schicken wird es mit der Transparenz in der Lokalpolitik zu Ende gehen.“

Stefan Laurin hat, mit Verlaub, von Kommunalpolitik keine Ahnung. Dröge Routine sind 90 % aller Ratssitzungen, spannend die „Standard“-Sitzungen der Ausschüsse. Noch spannender wäre es, wenn die lokale Zeitung die örtlichen Themen wirklich aufbereiten, recherchieren und kritisch darstellen würden. Vielleicht mal auch vor einer Beratung?! Und da ist es wieder: mein Lieblingsthema die „Lingener Tagespost“ und ihr Journalismus. Die „LT“ leistet nämlich solche Arbeit grundsätzlich erst einmal nicht. Alle sechs Monate ein halbwegs kritischer Kommentar zu den herrschenden Verhältnissen- das reicht nicht.

Kein Prophet zu sein braucht man angesichts der medialen lokalen Langeweile für die Prognose, dass angesichts langsam sinkender Verkaufszahlen in absehbarer Zeit in Lingen (Ems), in Meppen und Papenburg die drei bislang selbständigen  Redaktionen der Neue-Osnabrücker-Zeitung-Lokalausgaben zur Disposition gestellt werden – zugunsten einer einheitlichen Emslandredaktion in Meppen, wo es bekanntlich selbst im Theater so zugig ist, dass die Besucher der Aufführung im Mantel folgen. Dabei hat snext in seinem ruhrbarone-Kommentar doch nicht Unrecht:

„Der Lokalteil ist das Herz der Tageszeitung. (Zeitungs-)Mäntel sind in der Regel austauschbar, weil eh alle über dieselben Themen schreiben. Über meine Gegend aber schreibt nur der, der sich hier auskennt. Wird Lokales gestrichen, fällt der Sinn einer Regionalzeitung weg.“

Daran sollten die Betriebswirtschaftler unseres -außerdem im Vergleich besonders teueren- Monopolblattes denken, bevor sie es noch weiter nivellieren. Und den Redakteuren sei empfohlen, (lokal)politischer zu werden. Kritik -gern auch, aber bitte nicht nur an mir- hilft. Sonst passiert, was Stefan Laurin, schon mit gerade spürbar spitzen Fingern so beschreibt:

„Immer mehr Politiker fangen an zu bloggen – sie nutzen Blogs als PR Medium, versuchen, eine, wenn auch meist, kleine Community, aufzubauen. In den seltensten Fällen diskutieren sie quer zu ihrer Parteilinie – und wenn, dann zumeist um sich selbst zu profilieren. Sie machen – und das ist natürlich legitim, PR in eigener Sache. Mal mehr, mal weniger geschickt.“

Gut, dass wir in Lingen noch nicht so weit sind. Hier reguliert noch die Lokalpresse… 😉

(Foto © Rainer Sturm, pixelio.de)