weil es geht

8. Juli 2017

Wie geschichtslos-dumm kann man eigentlich sein? Offenbar in unserer Region besonders Aus der taz:

Die Industrie- und Handelskammer Osnabrück[-Emsland-Grafschaft Bentheim]
will ihre drei Bilder von Felix Nussbaum verkaufen – und zwar zu marktüblichen Preisen. Warum? Weil es geht.

„Lasst meine Bilder nicht sterben – zeigt sie der Nachwelt.“ Das hat Felix Nussbaum gesagt. Mit der Eröffnung des Osnabrücker Felix-Nussbaum-Hauses 1998 wurde sein Wunsch wahr. Drei Nussbaum-Bilder, die in dem Museum hängen, gehören der Industrie- und Handelskammer (IHK) Osnabrück[-Emsland-Grafschaft Bentheim]. Die will die zwei Selbstbildnisse und das Stillleben nun verkaufen. Das wurde bereits Ende März bei einer Vollversammlung mit nur einer Gegenstimme beschlossen, aber erst Anfang der Woche durch einen Artikel in der Neuen Osnabrücker Zeitung bekannt.

Verkaufen will die IHK unter anderem das „Selbstbildnis mit Geschirrtuch“ )Foto), das zu den Schlüsselwerken Nussbaums zählt und in der Dauerausstellung hängt. Felix Nussbaum malte das Bild um 1936 herum im belgischen Exil. Die IHK kaufte es in den 70ern für 4.000 DM, für ebenso viel wie für das „Selbstbildnis mit Hut“ von 1937, das sich im Depot des Nussbaum-Hauses befindet. Auf dieses Bild erhebt allerdings auch der Museums- und Kunstverein Ansprüche. Im Werkverzeichnis ist es als „Dauerleihgabe des Museums- und Kunstvereins Osnabrück“ aufgeführt, das mit „Mitteln der Industrie- und Handelskammer Osnabrück-Emsland“ 1975 erworben wurde.

Erst 2000 kaufte die IHK das „Stillleben mit Zinnteller“ von 1926. Für alle drei Bilder zusammen zahlte die Kammer, so schreiben sie auf ihrer Internetseite, insgesamt 38.000 Euro. Der heutige Marktwert der Bilder dürfte deutlich höher liegen. Denn Felix Nussbaum, der in den 1970ern wiederentdeckt wurde, zählt inzwischen zu den bedeutendsten Künstlern des Holocaust. Seine Bilder werden weltweit ausgestellt.

Nils-Arne Kässens, Leiter des Nussbaum-Hauses, hofft, dass die Bilder im Museum bleiben. Für besonders aussagekräftig hält er die Selbstporträts: „Felix Nussbaum hat das Grauen des Holocaust nicht direkt gemalt, aber sie sehen es auf diesen Bildern in seinen Augen.“

Die IHK betonte erst am Mittwoch, sie sei „sich der Bedeutung der Kunstwerke und des Künstlers, insbesondere für die Stadt Osnabrück, bewusst“. Sie wollten daher einen Käufer finden, der die Bilder dem Nussbaum-Haus weiter zur Verfügung stelle, erklärt IHK-Sprecher Frank Hesse. Den Vorwurf, die Kammer wolle mit dem Verkauf der Bilder Gewinn machen, weist er zurück. Verschenken oder zum damaligen Verkaufspreis abgeben will die IHK die Bilder allerdings auch nicht. Man orientiere sich am Marktwert, sagt Hesse.

Das kritisiert Heiko Schlatermund, Geschäftsführer der Felix-Nussbaum-Gesellschaft in Osnabrück. Seine Gesellschaft kann sich vorstellen, die drei Bilder zu kaufen – aber nicht zu marktüblichen Preisen. „Unser oberstes Ziel ist es, dass die Bilder in Osnabrück bleiben“, sagt Schlatermund.

Aber warum will die IHK die Bilder überhaupt verkaufen? Sprecher Hesse beruft sich auf eine „Änderung der Rechtsauffassung der letzten 15 Jahre“, nach der es nicht Aufgabe der IHK sei, Kunst und Kultur durch Käufe zu fördern. Er beruft sich auf ein Urteil des Oberverwaltungsgerichtes Münster von 2003. Dabei ging es aber um einen Kredit in Höhe von sechs Millionen DM, den die IHK Duisburg-Kleve-Wesel 2001 zugunsten einer Museumsgründung aufgenommen hatte.

Hesse verweist weiter auf die Prüfung anderer niedersächsischer Handelskammern. Tatsächlich hat der Landesrechnungshof bereits mehrere Kammern geprüft. Gerügt wurde nur eine Kammer, die sich eine große Kunstsammlung zugelegt hatte. Um welche Kammer es sich handelt, will der Rechnungshof nicht sagen, verweist nur darauf, dass diese IHK nicht „zum Verkauf von Gemälden oder Skulpturen“ aufgefordert wurde.

Die IHK in Osnabrück wurde nicht geprüft. Verkaufen wollen sie trotzdem. Zeitnot gebe es nicht, gibt Hesse zu. Die „konkrete Situation in Osnabrück“ kann der Rechnungshof nicht beurteilen. Von dort heißt es: „Wenn die Osnabrücker IHK zu der Selbsteinschätzung kommt, dass ihre Kunstsammlung die Grenzen einer zulässigen Vermögensbildung überschreitet, muss sie sorgfältig abwägen, an wen und zu welchen Bedingungen sie verkaufen will.“


FELIX NUSSBAUM

Der aus einer jüdischen Familie stammende Künstler Felix Nussbaum wurde 1904 in Osnabrück geboren.

Besonders bekannt ist sein um 1943 entstandenes „Selbstbildnis mit Judenpass“.

Nussbaum flüchtete mit seiner Ehefrau Felka Platek vor den Nazis ins Exil nach Italien, Frankreich und 1937 dann nach Brüssel.

Er starb 1944 im Konzentrationslager Auschwitz.

Ein Großteil seiner Bilder ist heute im von Daniel Libeskind entworfenen Felix-Nussbaum-Haus in Osnabrück zu sehen. Drei dieser Bilder gehören der Industrie- und Handelskammer Osnabrück und die will jetzt verkaufen.

 

(Quelle: taz)

richtig und gut

17. Dezember 2014

Vorweg: Für Häme und dergleichen gibt es keinen Anlass. Eher für Respekt. Und das deswegen: Gestern veröffentlichte die Neue Osnabrücker Zeitung (NOZ) einen Beitrag über die Herkunft von (vermuteten) Straftätern samt diesem Tweet:

Bildschirmfoto 2014-12-16 um 23.44.36

Ich verfasste daraufhin gestern früh diese Tweetfolge:

Bildschirmfoto 2014-12-16 um 23.43.36

Bildschirmfoto 2014-12-16 um 23.40.48

Bildschirmfoto 2014-12-16 um 23.41.54

LT-Chef Thomas Pertz antwortete am Vormittag:

Bildschirmfoto 2014-12-16 um 23.46.23

Später reagierte sprachlos aber mit einem Screenshot NOZ-Autor Dirk Fisser:

Bildschirmfoto 2014-12-16 um 23.49.16

Wie sehr es in der NOZ geknallt haben muss, zeigte dann am Abend der Kommentar von Jörg Sanders (NOZ): Die Herkunft gehört bei Straftaten nicht in die Presse.
Der NOZ-Mann schreibt:

„Woher stammen die Täter, die für Einbrüche in der Region verantwortlich sind? Diese Frage beantwortete unsere Redaktion am Dienstag. In diesem Zusammenhang ist die Beantwortung der Frage nach der Herkunft unumgänglich; in einigen anderen ebenfalls. Meistens aber hat sie in der Berichterstattung über Verbrechen in der Regel nichts verloren.
Die große Mehrheit der Einbrecher der Region sind: Deutsche. Das belegt die Statistik der Polizeidirektion Osnabrück. Aber ist die Nationalität des Täters bei einem Einbruch relevant? Macht es einen Unterschied, ob ein Deutscher oder ein Türke in eine Wohnung einbricht? Oder ein Deutscher mit Migrationshintergrund? Was ist mit einem Schweden? Klaut „der Türke“ oder „der Schwede“, weil er türkisch oder schwedisch ist? Wohl nicht. Vielmehr dürften zum Beispiel Milieu und familiäre Verhältnisse entscheidend sein.
Die Erwähnung der vermuteten Herkunft ist für eine Tat in der Regel unerheblich. Sie zu erwähnen, widerspricht dem Pressekodex des Presserats. In der Richtlinie 12.1 heißt es: „In der Berichterstattung über Straftaten wird die Zugehörigkeit der Verdächtigen oder Täter zu religiösen, ethnischen oder anderen Minderheiten nur dann erwähnt, wenn für das Verständnis des berichteten Vorgangs ein begründbarer Sachbezug besteht“ – und zwar aus dem einfachen Grunde: „Besonders ist zu beachten, dass die Erwähnung Vorurteile gegenüber Minderheiten schüren könnte“, heißt es im Kodex weiter…. [weiter hier].

Wir lesen. Kollege Sanders rüffelt Kollege Fisser [pardon „unsere Redaktion“]. NOZ-Mann kritisiert NOZ-Mann und zwar öffentlich. Das habe ich noch nicht erlebt. Es ist wohl eine Premiere und sie ist richtig und sie ist gut.

Ansehen

18. September 2014

Unter dem Segel „Wir machen was gegen Kinderporno“ und „Kindesmissbrauch“ segelt dieses Land gerade in autoritär-undemokratische Gewässer.  Fefe schreibt über das Projekt der Großen Koaltion:

Das Lex Edathy ist draußen.

Künftig soll auch strafbar sein, wer nur „unbefugt“ Fotos eines nackten Kindes „herstellt“ oder „verbreitet“ – ohne, dass das Kind irgendwie posieren müsste.

Und hier ist, was sie gegen „Cybermobbing“ zu tun versuchen:

Künftig soll es strafbar sein, unbefugt Fotos herzustellen oder zu verbreiten, die „dem Ansehen der Person erheblichen Schaden“ zufügen. Mit anderen Worten: Fotos von Polizisten beim Prügeln sind ab jetzt verboten. Schon das Herstellen.“

Nahezu alle bundesdeutschen Medien warnen heute vor dem populistisch angestrichenen Gesetz (zB). Nur Christof Haverkamp von der Neuen Osnabrück Zeitung kommentiert, die Pläne möchten ungenau und unpraktikabel sein, aber man solle erst mal das Gesetz verabschieden. Ggf müsse „der Justizminister“ (?!) nachbessern.

Ein Journalist plädiert für im Zweifel Zensur. Das soll ihm erst mal jemand nachmachen.

Günter Bröker, aufmerksamer Zeitgenosse und interessierter Leser der Internetseiten der Meppener Tagespost („MT“),  kann gerade diese gerade nicht mehr aufrufen. Wenn er es versucht, teilt ihm sein PC nämlich mit: HTTP 500 Interner Serverfehler. Seine aktuelle E-Mail-Anfrage an die Neue Osnabrücker Zeitung (NOZ):
Sehr geehrte Herren der Chefredaktion der NOZ!
 
Ich hätte gerne von Ihnen eine Antwort auf meine Frage:
Ist meine I.P Adresse auf Anweisung der Chefredaktion der NOZ für den Zugang auf die kostenlosen Seiten der NOZ.de gesperrt worden, nachdem ich die Berichterstattung der „Meppener Tagespost über den Verkauf der MEP scharf kritisiert habe ?                        
  
Ich hatte der MT schon Anfang August mitgeteilt, dass die MEP an den Investor Real IS verkauft worden ist und hatte sogar schon mal bei der MT nachgefragt, wann denn nun der Vollzug in der Presse veröffentlicht wird.
 
Mit freundlichen Grüssen
Günter Bröker
Die Antwort der NOZ kenne ich nicht. Aber sie interessiert mich. Hoffen wir mal, dass es Brökers PC ist, der spinnt, und nicht die NOZ.

Teleprompter

9. September 2013

Puuuh. Was ist das denn?

Nun gut, erst einmal ist der Neuen Osnabrücker Zeitung für das Projekt zu danken, bei dem sich die Direktkandidaten in unserem Bundestagswahlkreis 31 in einem kurzen Video vorstellen. Wir erkennen sofort, dass Mittelems nicht Mittelerde ist, und erleben, wie unbeholfen sich die Kandidaten äußern, sei es, dass sie falsch betoNEN, verzweifelt nach dem Text schielen, zu leise sind, von Karteikarten und Zetteln ablesen und sich ähnlich unbeholfen präsentieren, vor Kühlschränken, hinter Schreibtischen, im Garten, unterwegs oder unter Dachschrägen. Meine Vorhersage: Leichter wird Ihnen die Entscheidung nicht werden, nachdem Sie sich diese Fremdschäm-Videos angesehen hat. Man erkennt, wie wundersam amateurhaft die Direktkandidaten wirken und wünscht den Kandidaten ein wenig mehr Professionalität: Also: „Himmel, Ihr Kandidaten! Leiht Euch bitte beim nächsten Mal ’nen Teleprompter.“

Martina Härting (AFD)

Birgit Kemmer (Bündnis ’90/Die Grünen)

Manuel Nehmer (FDP)

Dr.Daniela de Ridder (SPD)

Albert Stegemann (CDU)

Heinz Georg von Wensiersky (Die Linke)

vehement

17. Juli 2013

tazAuch die taz nimmt sich der ökonomischen Schäbigkeiten in Papenburg an. Sie zitiert den Vechtaer Prälaten Peter Kossen. Der spricht von einem „diabolischen System moderner Sklaverei“. Hier die taz:

„Die Meyer-Werft geht in die Offensive. Als „völligen Unsinn“ bezeichnet Unternehmenssprecher Peter Hackmann die gegen die Werft und das Emdener Subunternehmen SDS nach einem tödlichen Brand in einer Unterkunft für „Leiharbeiter“ in Papenburg (Landkreis Emsland) erhobenen Vorwürfe. Die dort untergebrachten Arbeiter, von denen zwei bei dem Brand ums Leben kamen, waren bei der Meyer-Werft eingesetzt und an diese von SDS vermittelt worden. Der SDS-Bevollmächtigte Mustafa Salahin kündigte gegenüber der taz „rechtliche Schritte gegen die Neue Osnabrücker Zeitung“ an, die „Lügen in die Welt gesetzt“ habe, ohne dass von ihr überhaupt „jemand mit mir gesprochen hat“.

In einem Bericht der Zeitung von Montag ist mit Verweis auf anonyme Quellen davon die Rede, dass die meist bulgarischen und rumänischen Monteure „in sklavenähnlichen Zuständen“ gelebt hätten. Die Bewohner des Brand-Hauses seien „nicht versichert“ gewesen und hätten ihre Papiere bei dem Subunternehmer abgeben müssen. Zudem ist ihnen laut dem Bericht ein Stundenlohn von gerade mal drei Euro ausgezahlt worden.

SDS und Meyer bestreiten diese Vorwürfe nun vehement. Werftsprecher…“ [weiter hier bei der taz]

Mehr von der NOZ/Emszeitung
Mehr von der Ostfriesenzeitung
Mehr von der Kreiszeitung

 

NOZ

6. September 2011

Der nächste Personalwechsel in Osnabrück: Ralf Geisenhanslüke wird Chefredakteur der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ). Der 50-Jährige gibt dafür seinen Chef-Posten bei der Schwäbischen Zeitung in Leutkirch auf. Seit über einem halben Jahr führte Berthold Hamelmann die Redaktion der NOZ kommissarisch, weil sich die Verlagsleitung bereits im Mai vergangenen Jahres von der Doppelspitze Ewald Gerding und Jürgen Wermser getrennt hatte. Hamelmann rückt nun auf den Stellvertreter-Posten.

Für den neuen Chef ist der Wechsel ein Umzug in bekannte Gefilde. Bevor der Journalist 2008 nach Schwaben zog, leitete er als stellv. Chefredakteur die Glocke in Oelde. Das Verbreitungsgebiet der Lokalzeitung grenzt direkt die Region der Neuen Osnabrücker Zeitung.

„Wir freuen uns, mit Herrn Geisenhanslüke einen angesehenen, erfahrenen Journalisten für unser Haus zu gewinnen, der den Ruf der Neuen OZ als eine der meistzitierten regionalen Tageszeitungen in Deutschland fördern wird und mit seiner Dynamik sowie seinem Innovationswillen hervorragend zu uns passt“, kommentieren die OZ-Verleger Hermann Elstermann und Werner F. Ebke „Durch seine Herkunft und die langjährige Tätigkeit bei der Zeitung Die Glocke in Oelde ist er zudem mit der Region bestens vertraut.“

Der neue Chef soll in Osnabrück auch „die crossmediale Vernetzung der bereits bestehenden vielfältigen Medienangebote in Print, Online, TV und digitalen Medien vorantreiben“.

Bei der Auflage kommt die Neue OZ gegenwärtig auf einen Gesamtverkauf von 282.626 Exemplare. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet das ein moderates Minus von einem Prozent. Innerhalb der vergangenen  fünf Jahre verlor die Zeitung sechs Prozent.

(entnommen von  und (c) meedia.de)

Scherbenhaufen II

24. März 2011

Das Chaos um die Verleihung des Medienpreis Emsland geht in die nächste Runde und der Scherbenhaufen wird noch größer: Der Medienpreis Emsland wird in diesem Jahr nun doch nicht vergeben. Das teilte gestern die -durch die eigenen, dummen Entscheidungen zum Medienpreis in ihrem Ansehen arg beschädigte- Johann-Alexander-Wisniewsky-Stiftung  per Pressemitteilung mit. Die Stiftung sehe sich außerstande, heißt es da, das begonnene „Verfahren ordentlich abzuschließen“. Damit widersprach die Stiftung der Aussage von Stiftungsrats- und Jurymitglied Alexander Mainka. Der Lingener Unternehmer hatte noch vor wenigen Tagen angekündigt, wie geplant werde die Stiftung im Mai  den Medienpreis verleihen.  Jede Weiterführung des diesjährigen Medienpreises erscheine „angesichts der emotionalen Reaktionen einzelner Jurymitglieder“  zwecklos, so die Stiftung aber nun; sie wolle mit diesem Schritt jegliche Spekulationen über das weitere Vorgehen beenden.

Die „einzelnen Jurymitglieder“, die laut Pressemitteilung so emotional reagierten und zurücktraten, als der Stiftungsrat ihre Vorschläge verwarf, waren bekanntlich keine geringeren als der Autor Hermann Vinke, die Journalistin  Beate Tenfelde (Neue Osnabrücker Zeitung), Waltraud Luschny, Studioleiterin des NDR Osnabrück, und  Prof. Dr. Achim Baum, Hochschule Osnabrück/Lingen (Ems). Sie hatten beschlossen, den mit 10.000 Euro dotierten Preis  an die Redakteure Sebastian Beck (Süddeutsche Zeitung) und Tobias Böckermann (Neue Osnabrücker Zeitung) zu vergeben. Das Problem: Die Preisträger hatten sich kritisch mit den besonderen emsländischen Verhältnissen auseinander gesetzt.  Der der Jury formal übergeordnete Stiftungsrat hatte daraufhin die Preisverleihung abgelehnt und behauptet, dies geschehe  „aus formalen Gründen“. Öffentlich entstand der Eindruck, dass in Wahrheit als zu kritisch empfundenen Äußerungen der beiden Preisträger der Grund für das Nein des Stiftungsrates waren.

Inzwischen hat selbst die meist betuliche Emsland-SPD das Hin und Her kritisiert. Es schade dem Ansehen des Emslandes, sagte SPD-Abgeordneter Georg Tranel (Meppen) im Kreistag. Als ob es nur um Image geht und nicht um Qualität und Zensur. Mehr

Auch der scheidende Landrat Hermann Bröring hat sich nach längerem Schweigen jetzt doch noch -gegenüber der NOZ– erklärt. Er sei  „nicht als Landrat, sondern als Privatperson Mitglied der Stiftung“, sagte das Mitglied des Stiftungsrates. „Sehr wohl habe ich gesagt, dass ich zu der Entscheidung des Stiftungsvorstandes stehe, wegen formaler Fehler die potenziellen Preisträger aus der Wertung zu nehmen“, ergänzte Bröring. Seine Erklärung, er habe an keiner Stelle Einfluss genommen, überzeugt sicherlich nur wenige. Denn immerhin hat der Stiftungsrat, dem Hermann Bröring angehört, die Preisvergabe gestoppt. „Aus diesem Grund habe ich mich ganz bewusst dafür entschieden, nicht Mitglied der Jury zu sein, weil ein Medienpreis immer zu inhaltlichen Diskussionen in die eine wie andere Richtung führen kann“, versuchte Bröring davon abzulenken, dass „sein“  Stiftungsrat die Jury-Entscheidung abgelehnt hat. Oder war er etwa nicht da, als der Stiftungsrat mit Nein votierte?

Insgesamt wirkt die gestrige Presseerklärung der Stiftung wenig ehrlich: „Der Stiftungsvorstand hat zu keinem Zeitpunkt inhaltlich Einfluss genommen und sich auch nicht mit den eingereichten Arbeiten befasst.“ Ach?! Wer hat denn sonst die Jury-Empfehlung gestrichen?

Zensur

19. März 2011

Was soll man davon halten, wenn ein Kommentar von den Seiten der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ) kurzerhand wieder verschwindet (Bildschirmfoto lks.)? Die Antwort ist eine Frage:  Wie buchstabiert man Z-E-N-S-U-R ?

Bitte aufmerken: In Zeiten des Internets (schreibt man, Ihr Journalisten, das Genitiv-S bei Fremdwörtern?)  ist jede Zensur nicht ganz leicht, liebe NOZ-Chefetage. Auch wenn man es vielleicht will. Sie natürlich nicht, nehme ich an. Wer wird schon der NOZ Zensur unterstellen… 😉

Nun, hier für alle Besucher dieses kleinen Blogs und die Fans meiner Idee, eine Internetseite speziell für NOZ-Manipulationen einzurichten,  der auf der NOZ-Webseite gestrichene, gelöschte, unsichtbar-gebaute Kommentar zum Scherbenhaufen Medienpreis Emsland -nachzulesen:

„Hoch dotierten Preis selbst demontiert“

„Ein mit 10000 Euro dotierter Medienpreis Emsland ist auch bundesweit eine starke Ansage. Die gute Resonanz mit rund 50 Einsendungen belegt dies auch eindrucksvoll.

Zu einem solchen Preis gehört aber auch, dass der Stiftungsrat unangenehme Berichte über die Region akzeptieren muss. Eine fünfköpfige Jury, darunter vier ausgewiesene Medienexperten, kann die journalistische Qualität der Beiträge sehr wohl beurteilen. Zu den wichtigsten Aufgaben der Presse zählt eine kritische Berichterstattung. Die Pressefreiheit ist ein hohes Gut, das verfassungsrechtlich verankert ist.

Offenbar sind jedoch genau diese kritischen Beiträge vom Stiftungsrat nicht erwünscht. Das Gremium muss sich den Vorwurf gefallen lassen, formalrechtliche Belange vorzuschieben, um den mehrheitlichen Juryvorschlag zu streichen.

Es wäre ein Leichtes gewesen, die fehlenden Unterlagen der beiden Journalisten nachzufordern. Dies ist nicht geschehen.

Mit diesem Verhalten hat der Stiftungsrat den Medienpreis Emsland selbst demontiert. Nur gut, dass kritische Journalisten dieses Fehlverhalten öffentlich machen.

Nach diesen äußerst peinlichen Geschehnissen mutet es schon sehr sonderbar an, dass die Auszeichnung trotzdem noch vergeben werden soll. Man kann dem bislang noch unbekannten Preisträger nur wünschen, dass bei der Verleihung die journalistischen Inhalte seiner Arbeit wichtiger sind als die formalen Aspekte.“


Möchte jemand übrigens meine Zugangsdaten, um auch hier zu löschen? Dann bitte eine E-Mail.

 

Nachtrag:
Eklat um Medienpreis Emsland
NDR Online – ‎17.03.2011‎

Medienpreis-Posse um Schlachthof-Report
Meedia – ‎18.03.2011‎

Scherbenhaufen

16. März 2011

„Der von der Johann Alexander Wisniewsky-Stiftung mit Landrat Hermann Bröring als Vizepräsident ins Leben gerufene und mit insgesamt 10.000 Euro dotierte Medienpreis Emsland wird in diesem Jahr nicht vergeben. Alle vier journalistisch tätigen Jurymitglieder haben die insgesamt fünfköpfige Jury verlassen. Geblieben ist einzig Dr. Andreas Mainka als Mitglied des Stiftungsrats in der Jury. Die hatte zuvor Tobias Böckermann, Redakteur bei der Meppener Tagespost, für seine Serie „Faszinatur Emsland“ ausgezeichnet, die zwischen 2006 und 2010 in der MT erschienen ist und die sich mit den Themen Natur und Umwelt im Emsland auseinandersetzt sowie Sebastian Beck, Redakteur der Süddeutschen Zeitung, für seinen Artikel „Bis aufs Blut“. Hierbei handelt es sich um eine Reportage über den emsländischen Unternehmer Franz-Josef Rothkötter.

Der Stiftungsrat lehnte beide Auszeichnungen ab mit der Begründung, dass die entsprechenden Bewerbungsunterlagen nicht vollständig gewesen seien. Diese zu überprüfen und fehlende Unterlagen gegebenenfalls nachzufordern sei laut Jurymitglied und gebürtigem Emsländer Hermann Vinke, Journalist und Autor, jedoch nicht die Aufgabe der Jury gewesen, sondern der Stiftung bzw. des von ihm beauftragten Medienhauses Emsland mit Sitz in Lingen.

Sowohl er als auch weitere drei Jurymitglieder vermuten, dass die Auszeichnungen nicht aufgrund von Formfehlern abgelehnt wurden, sondern aufgrund der Tatsache, dass sich die beiden potentiellen Preisträger in ihren Texten kritisch mit dem Emsland auseinandergesetzt haben.

Aus Protest gegen die Entscheidung des Stiftungsrats haben die vier Journalisten jetzt die Jury verlassen. Die für den 8. April geplante Preisverleihung auf Schloss Clemenswerth in Sögel fällt aus.“

Ich übernehme diese heutige Nachricht (fast unverändert) von der -wie üblich- bestens informierten Ems-Vechte-Welle. Natürlich interessieren uns alle die Hintergründe des Jury-Rücktritts. Vielleicht kann dem Informationsbedürfnis nachgeholfen werden? Übrigens nicht, um die verdienstvolle Arbeit der Johann Alexander Wisniewsky-Stiftung zu diskreditieren sondern um aufzuklären, welche Mechanismen hier warum so und mit diesem fatalen Ergebnis zusammengewirkt haben.

Hermann Vinke jedenfalls ist ein exzellenter Journalist und prominenter Mann. Schon als junger Volontär war er bei der Papenburger  Ems-Zeitung nicht wohl gelitten, damals u.a. mit Gerhard Kromschröder (mehr), den übrigens die Alexander-Wisniewsky-Stiftung mit dem Medienpreis Emsland für “herausragenden, kritisch-hinterfragenden Lokaljournalismus” ausgezeichnet hatte. Ich glaube seiner Vermutung, doch zusätzliche Informationen über den Hintergrund der Entscheidung wären doch besser. Ganz spannend ist auch die Frage, ob die lokalen Medien über den Eklat überhaupt berichten.

Jurymitglieder waren neben dem renommierten Hermann Vinke die Journalistin  Beate Tenfelde (Neue Osnabrücker Zeitung), Waltraud Luschny, Studioleiterin des NDR Osnabrück und  Prof. Dr. Achim Baum, Hochschule Osnabrück/Lingen (Ems) – auch sie allesamt nicht für fundamentalistische Dickschädelei bekannt.

Also, was ist da passiert, wer hat warum den Scherbenhaufen angerichtet?

Update: Die Ems-Echte-Welle meldet um 14:44 Uhr:

Johann-Alexander-Wisniewsky-Stiftung hält mit einköpfiger Jury an Medienpreisvergabe 2011 fest

Emsland – Laut einer Mitteilung des Medienhauses Emsland hält die Johann-Alexander-Wisniewsky-Stiftung an der Vergabe des Medienpreises 2011 fest. Da 45 Bewerbungen alle Formalitäten nach wie vor erfüllten, werde die Stiftung wie geplant den Medienpreis Emsland 2011 vergeben. Die Stiftung habe sich mit dem Medienpreis Emsland ein Projekt auferlegt, um Journalismus im Emsland und über das Emsland zu fördern. Dr. Andreas Mainka, einzig verbliebenes Mitglied der ehemals fünfköpfigen Jury, äußerte laut Medienhaus, dass die vier Jurymitglieder dieses gemeinsame Ziel leider vergessen hätten und mit ihrer Entscheidung alle anderen Bewerber abstrafen würden. Deshalb werde an der Vergabe des Preises festgehalten.

Wer will eigentlich eine solche Auszeichnung noch annehmen, lieber Herr Mainka?