Gronau

16. September 2011

2010 konnte der Transport tausender Tonnen Atommüll ais dem Zwischenlager Ahaus in das russische Majak zwar verhindert werden. Aber rund 30.000 Tonnen Uranmüll exportierte der Urenco-Konzern, der im benachbarten Gronau die Urananreicherungsanlage betreibt, seit etwa Mitte der 90er Jahre von Gronau nach Russland. Dort lagert es in verschiedenen Atomzentren auf großen Flächen, ebenso wie in Gronau, in Containern  unter freiem Himmel und gefährdet die Gesundheit der Bevölkerung. Klar, dass die über den  Atommüll aus Gronau in Deutschland  nicht glücklich sind.

Also lautet die Frage: Was macht Gronauer Uranmüll in Russland? Zu einer Informationsveranstaltung unter diesem Titel laden die Antiatom-Initiativen im westfälischen Gronau ein für Samstagabend (17. September) in das Hotel Bergesbuer in Gronau ein, Ochtruper Str. 161. Beginn ist um 20.00 Uhr. Eintritt -zu diesem Alternativprogramm zum Lingener Altstadtfest- wird nicht erhoben.

Themen der Veranstaltung sind die russischen Atomfabriken  und Atomkraftwerke, die Gefahren der radioaktiven Strahlung und der Verbleib des Gronauer Uranmülls, der  nach Russland exportiert wurde.   Außerdem wird bei der Veranstaltung allgemein über die Gronauer Urananreicherungsanlage, den Widerstand dagegen und über den möglichen Verkauf der RWE- und E.ON-Beteiligung am Betreiberkonzern Urenco informiert. Das Besondere an der Informationsveranstaltung sind die Gstreferenten. Sie reisen eigens aus St. Petersburg und aus Tscheljabinsk an.

Rashid Alimov (31) engagiert sich bei der Gruppe “Öko-Perestroika” und kommt aus St. Petersburg. Er enga giert sich grundsätzlich gegen die Nutzung der Atomenergie und ist ein engagierter Kritiker der inzwischen gestoppten Atommülltrans porte von Gronau nach Russland gewesen. Er war Ostern Kundgebungsredner beim Gronauer Ostermarsch.

Natalya Mironowa (65) aus Tscheljabinsk am Ural ist seit 1989 Vorsitzende der Organisation „Movement for Nuclear Safety“, die sich für einen Ausstieg Russlands und anderer Länder aus der Atomenergie einsetzt. Einer der größten Erfolge dieser Bewegung war die Verhinderung der Anlieferung  von ungarischem Atommüll nach Tscheljabinsk. Ein weiterer Schwerpunkt ihrer Arbeit ist ihr Einsatz für die Opfer der Atomkatastrophen von Tscheljabinsk.

Der Rechtsanwalt Andrey Talevlin (38) stammt ebenfalls aus Tscheljabinsk und hat sich seit Jahren auf Umweltrecht spezialisiert. Als Anwalt vertrat er in zahlreichen Prozessen russische Umweltschützer, die gegen den Import von ausländischem Atommüll kämpften.

Tscheljabinsk ist übrigens 270 km von Nowouralsk entfernt. Auch dort lagert Uranmüll aus Gronau.150 km von Tscheljabinsk entfernt ereignete sich am 29. September 1957 der Nuklearunfall in der kerntechnischen Anlage Majak, bei dem größere Mengen an radioaktivem Material als bei der Havarie des Reaktors von Tschernobyl freigesetzt wurden. Das Geschehen wurde erst 1989 von der damaligen sowjetischen Regierung zugegeben. Ein Teil des Gebietes ist bis heute Sperrzone. Dies unter anderem auch, weil unkontrollierte Abgaben radioaktiven Materials in die Umwelt z. B. dazu geführt haben, dass der Karatschai-See heute rund halb soviel Radioaktivität in sich versammelt, wie bei der Katastrophe von Tschernobyl freigesetzt wurde.

(Quellen: scharflinkswikipedia)

penetrant

18. Oktober 2009

FCNuernbHSS0910Die große Überraschung des lokalen Wochenendes war nicht der fehlende öffentliche Aufschrei zu den skandalösen Zuständen am Lingener Bahnhof. Dort müssen bekanntlich Gehbehinderte sehen, wie sie auf den dünnen neuen Bahnsteig 2 und von ihm hinunter gelangen, weil sie sonst nicht mit dem Zug fahren können. Der dafür notwendige Aufzug ist nicht fertig und wird es dieses Jahr wohl auch nicht mehr. Der Versuch der Bahn, ihrer eigenen Rücksichtslosigkeit abzuhelfen, ist ebenso unzureichend wie peinlich. Haben sie schon einmal gesehen, wie ein einziger „Service“-Mitarbeiter einen Rollstuhl mit einem Gehbehinderten 20 Stufen nach oben schleppt?

Ich habe jedenfalls vor einer Woche an die Behindertenbeauftragte der Bundesregierung geschrieben und warte auf die Antwort.

Nein, spannend war an diesem Wochehende die Information, die mich bei einem Hauptstadtdrama in Franken ereilte, als ich im Fernsehbericht immer wieder den Werbezug Areva las. Der war so penetrant oft im TV-Bild, das er fast den Ball verdeckt hätte – gefühlt, versteht sich. Völlig falsch lag ich allerdings mit meiner Annahme, dass Werbung für einen neu zusammengeschraubten Pharmakonzern gemacht werde. Vom mitsehenden Nachwuchs erfuhr ich die Lösung:  „Areva ist ein Atomkonzern und ständig in den Schlagzeilen, gerade erst“ in diesen:

Bei der Demontage einer Atomanlage in Südfrankreich sind große Mengen hochgefährliches Plutonium entdeckt worden. Die französische Atomsicherheitsbehörde ordnete die Einstellung der Arbeiten an der Anlage in Cadarache bei Aix-en-Provence an. Nach Angaben der Behörde handelt es sich um den ersten Zwischenfall der Gefahrenstufe zwei auf der siebenstufigen internationalen Skala in diesem Jahr in Frankreich. “Internationale Regelungen verpflichten die Staaten, Plutonium Gramm-weise zu verwalten”, so eine Vertreterin von Greenpeace. “Das Unternehmen AREVA ist nicht imstande, mit einem der gefährlichsten Stoffe der Welt umzugehen.” Die Anlage inimages-1 Cadarache wird abgebaut. Dabei waren in abgedichteten Behältern bis zu 39 Kilogramm Plutoniumstaub entdeckt worden. “Das Plutonium war in der Anlage in mehreren großen Behältern deponiert. Die Menge befand sich nicht an einem einzigen Ort”, erläutert ein Vertreter der Aufsichtsbehörde. “Es gab somit Sicherheitsvorkehrungen, um einen Unfall zu vermeiden.” Auch wirft die Behörde dem Betreiber vor, den Zwischenfall nicht rechtzeitig gemeldet zu haben. Er soll bereits im Juni bekannt geworden sein. (© 2009 euronews)

Außerdem las ich, dass die Mitglieder des indirekt erwähnten fränkischen Fußballclubs auf ihrer Versammlung erahnen konnten, dass ein solcher „Sponsor nicht nur Einnahmen bringt. Rundfunkmoderator und Clubmitglied Günther Koch hatte die Clubverantwortlichen mit den jüngsten Enthüllungen über die Machenschaften von Trikotsponsor Areva konfrontiert. Zunächst hatte die französische Zeitung Liberation -… dann auch der TV-Sender arte , das Handelsblatt und jetzt auch NZ-Frankreich-Korrespondent Lutz Hermann – darüber berichtet, dass Areva Atommüll nicht wie vereinbart in La Hague wiederaufbereitet, sondern nach Sibirien verschifft. Ein Grünen-Politiker warf den beteilgten Konzernen – neben Areva handelt es sich noch um den weltweit größten Atomstromkonzern Electricite de France (EdF) – daraufhin vor, sie verhielten sich wie “ökologische Kriminelle”.
Dass die Exporte nach Sibirien kein Einzelfall sind und Areva schon wiederholt unangenehm aufgefallen ist, das wissen die Leser unseres Blogs schon lange. Als Beispiel seien dieser Taz-Artikel vom Juli 2008 oder dieser Tagesschau-Beitrag vom Oktober 2008 aufgeführt. …und selbst wenn es Areva wieder schaffen dürfte, sich da herauszuwinden, meinen wir Clubfreunde: Der FCN sollte ein Zeichen setzen und sich von diesem Sponsor trennen.“  Bei der Abfassung dieses, eben auszugsweise zitierten Beitrags im Blog der 3ClubFreunde war der Plutonium-Skandal von Cadarache noch gar nicht Thema.

Und was das alles mit Lingen(Ems) zu tun hat? Nun, auch Lingen ist Standort eines Areva-Unternehmens: die Brennelementefabrik, einst vom Energiemulti Exxon gegründet und später Siemens-Tochter, zählt nach einem Verkauf zum Areva-Konzern und hat eine bewegte Geschichte.

Selbst beschreibt sich Areva Lingen so: „Mit Niederlassungen in 43 Ländern und einem Vertriebsnetz, das mehr als 100 Länder abdeckt, bietet Areva ihren Kunden „zuverlässige technologische Lösungen für CO2-freie Energieerzeugung“ sowie die Stromübertragung und -verteilung. Areva ist das weltweit führende Kerntechnikunternehmen und deckt als einziges Unternehmen alle Bereiche des Kernbrennstoffkreislaufs ab. 75.000 Mitarbeiter weltweit setzen sich Tag für Tag für das Prinzip der kontinuierlichen Verbesserung ein. Die Unternehmensstrategie von Areva folgt dabei dem Leitgedanken der Nachhaltigen Entwicklung. Mit ihren Aktivitäten stellt sich Areva den großen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts: dem allgemeinen Zugang zu Energie, der Bewahrung der Erde und der Verantwortung gegenüber zukünftigen Generationen.“

images-2Welch‘ eine Aneinanderreihung von Un- und Halbwahrheiten! Geschäfte mit Atomkraft und kriminelle Sorglosigkeiten mit Plutonium als CO2-frei und nachhaltige Entwicklung zu verkaufen, ist starker Tobak. Aber es passt: 2008 wurde Areva, die u.a. aus dem viel kritisierten französischen Staatsatomkonzern Cogema hervorging, Sieger des Public Eye Award. Mit den Public Eye Awards werden Konzerne ausgezeichnet, die sich laut den Initiatoren der Auszeichnung besonders verantwortungslos gegenüber Mensch und Umwelt gebärden würden. Verantwortungslos ging Areva u.a. beim Uranabbau in der zentralafrikanischen Republik Niger  vor.

So schließt sich dann der Atom-Kreislauf. Denn genauso starker Tobak ist das Geschwätz nach der Einigung von CDU und FDP, die Laufzeiten der deutschen Atommeiler zu verlängern, obwohl es keine Endlagerung gibt, schon gar keine, die für 1 Mio Jahre sicher ist. So lange muss auch der tonnenweise durch die Laufzeitverlängerung erzeugte radioaktive Abfall nämlich sicher aufbewahrt werden. Darüber wird nicht gesprochen, sondern auch hier klingeln bloß die Worte: „Wir haben einen großen Schwerpunkt gelegt auf die regenerativen Energien, auf die alternativen, und sehen das auch als die Zukunft“, sagte der neue Medienliebling Freiherr von und zu Guttenberg und ergänzt, es müsse allerdings bis dahin noch Zeit überbrückt werden. Dafür werde man die Atomkraft als Brückentechnologie benötigen, „mit der Zielsetzung, dass sie auch irgendwann (!) verzichtbar ist“.

Die Laufzeiten für Atomkraftwerke sollen „daher“ verlängert werden, kündigte Guttenberg an, ohne jedoch Details zu nennen. Die nannten dann die Zeitungen: mindestens 10 Jahre sollen es sein. Wenn das Atomkraftwerk Lingen trotz der bekannt gewordenen  Sicherheitsproblemen zu den länger laufenden AKWs zählt, wird es also auch ein größeres (oder auch „optimiertes“, wie es so schön heißt)  oder ein neues Standortzwischenlager geben müssen. Und es wird gerade keinen Ausbau erneuerbarer Energien geben. Dass außerdem die gut 60 Milliarden Euro, die den Energiekonzerne durch eine Laufzeitverlängerung zufließen, den Strompreis nicht sinken lassen, ist dabei längst festgestellt. Trotzdem wird die falsche gegenteilige Behauptung immer gern wiederholt.

1-744aed82bbf403a8Energiepolitisch geht es also mit schwarz-gelbzurück in die 1980er Jahre. Wegen der Profite einer handvoll Großkonzerne wird der gesellschaftliche Konsens, aus der Atomenergie auszusteigen,von schwarz-gelbd gekündigt und beiseite geschoben.

Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin sagte am Wochenende zu den Plänen, mit einer Laufzeitverlängerung für die Atomkraftwerke werde das Stromnetz „mit Grundlaststrom verstopft“. Da gleichzeitig auch noch neue Kohlekraftwerke gebaut werden sollten, und die alten weiterliefen, werde der Ausbau der erneuerbaren Energien erschwert. Demonstrieren hiergegen würden nicht nur Atomkraftgegner, sondern „auch die Beschäftigten aus dem Bereich der erneuerbaren Energien und die Gewerkschaften“. Es gehe um die Umsätze und die Arbeitsplätze einer ganzen Branche. „Wir reden von 280.000 Arbeitsplätzen und ein Potenzial von fast noch einmal so vielen, das nun nicht ausgeschöpft werden kann“, sagte Trittin. Recht hat er!

(Foto; © Bündnis ’90/Die Grünen).