Niederlande kaufen Rembrandt

23. September 2015

Das Amsterdamer Rijksmuseum und der niederländische Staat kaufen zwei fast 400 Jahre alte Werke des niederländischen Malers Rembrandt, die sich im Besitz des französischen Zweigs der Bankiersfamilie Rothschild befinden. 160 Millionen Euro sollen die zwei Portraits kosten. „Wenn wir diese Rembrandts jetzt nicht kaufen, dann gehen wir das Risiko ein, dass ein reicher Ölscheich zuschlägt und die Bilder für immer aus Europa verschwinden“, erklärte die sozialdemokratische Kultur- und Bildungsministerin Jet Bussemaker am Montagmorgen gegenüber NPO Radio 1 Journaal. Ein vorläufiger Kaufvertrag ist unterschrieben.

Rembrandt Portraits Soolmans Coppit
Die Portraits von Marten Soolmans und Oopjen Coppit aus dem Jahr 1634.

Rembrandts kommen nach Hause“ – Unter dieser Überschrift berichtete die Boulevardzeitung De Telegraaf am Montagmorgen als eine der ersten von dem Kunstkauf. Unter strengster Geheimhaltung hätten die Kaufverhandlungen über mehrere Wochen stattgefunden. Tatsächlich hatte das NRC Handelsblad bereits Mitte März über Gerüchte berichtet, wonach die Familie Rothschild eine Exportlizenz für die beiden Meisterwerke beantragt hatte. Sprecher der Familie wollten damals die Gerüchte nicht bestätigen.

Die zwei lebensgroßen Portraits aus dem Jahr 1634 zeigen das Brautpaar Maerten Soolmans und Oopjen Coppit. Coppit, damals 23 Jahre alt, stammte aus reichem Amsterdamer Elternhause. Der zwei Jahre jüngere Soolmans kam aus Antwerpen. Sich lebensgroß portraitieren zu lassen – Ein Format das bis dato allein dem höchsten europäischen Adel vorbehalten war – kostete das Paar 500 Gulden, damals ein Jahresgehalt für einen erfahrenen Arbeiter. Die beiden Portraits legen damit Zeugnis über den besonderen Status der niederländischen Bürgerschaft im Goldenen Zeitalter ab. Rembrandt fertigte das Doppelportrait zu Beginn seiner Karriere.

In den Besitz der Familie Rothschild kamen die Malereien im Jahr 1877 als Gustave Baron de Rothschild die beiden Werke von der adligen Familie van Loon erwarb. Im Jahr 1956 wurden die Bilder für kurze Zeit im Rijksmuseum und im Rotterdamer Museum Boijmans Van Beuningen ausgestellt.

Laut Ministerin Bussemaker sollen die zwei Portraits künftig nicht nur im Rijksmuseum zu sehen sein, sondern eine „Tour“ durch das ganze Land machen. Das Rijksmuseum erklärte, man finde es „fantastisch“, dass die niederländische Regierung beim Ankauf helfe. Noch ist nicht ganz klar, wie das Museum die Hälfte der Kaufsumme, aufbringen will.

Mehr über Rembrandt erfährt man in der Niederlande.Net-Kurzbiografie: Rembrandt Harmenszoon van Rijn

Mehr über das Rijksmuseum, das Boijmans Van Beuningen und viele weitere Museen lesen Sie in unserem Dossier: Museen in den Niederlanden

[Quellen für diese Meldung von Niederlande.net  AF/NOS/NRC/Radio 1/TG/VK. 21. September 2015; Fotos Quelle: Beide Wikimedia Commons/gemeinfrei]

Persönliche Nachbemerkung:
Respekt, liebe Niederländer! Vor allem auch für die öffentliche Akzeptanz dieses wunderbaren Kaufs, der Europa und den Europäern zwei einzigartige Kunstwerke zurückgibt. Für mich war dies gestern die kulturelle Meldung des Tages. Und Kultur ist bekanntlich das Wichtigste. 

Dabei musste ich gleich an diesen völligen Krampf denken, wenn in unserem Städtchen auch nur ein einziges Bild für die zu Zeiten früherer, kulturnaher Oberbürgermeister geschaffene städtische Kunstsammlung gekauft werden soll. Dann -alle zwei Jahre!-  ereifern sich nämlich um die Wette die, die es immer schon besser wussten, mit denen, die mit moderner Kunst sowieso ihre, oft besonders provinziell-eng erscheinenden „Kann-das-weg?“-Probleme haben.

Wer 7.500 Euro im Lingener Etat für zu viel für Kunstwerke hält, darf sich darüber freuen, dass gestern an einem einzigen Tag  das Vierfache dieser Summe durch den Wertverlust von 61.995 trotzig von der Stadt Lingen (Ems) gehaltener RWE-Aktien eintrat; sie verloren am Montag dieser Woche 4,5% oder 0,49 Euro pro Aktie. Sinnfrei viel Geld dafür, mit den RWE im Gespräch zu bleiben

Fotografieren

28. Juli 2013

„Weimar ist schön, interessant, universitär, eine Stadt mit kultureller Vielfalt. Die interessierten Besucher flanieren über Plätze, durch Parks und sind begeistert.

Aber sobald Sie ein Museum der Klassikstiftung Weimar betreten, gilt Folgendes:

“Die Klassik Stiftung Weimar erlaubt das Fotografieren (…) nur in den frei zugänglichen Bereichen. In Sonderausstellungen ist das Fotografieren nicht erlaubt. (…)”

Leider ist fast gar nichts ‘frei zugänglich’, in vielen Museen werden Eintrittsgelder fällig und schon greift das Fotografierverbot.

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[Plakat vor dem Bauhausmuseum in Weimar. Im Museum ist das Fotografieren nicht erlaubt (fotos: CC Chris)]

Verbote gibt es in England auch, aber die Insulaner lieben Piktogramme. Dabei wird ihre Sprache von viel mehr Menschen verstanden, als die umständlichen Formulierungen in Weimar. Der Brite regelt das Problem folgendermaßen:

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Eingang eines englischen Museums

Völlig anders sieht es im neu eröffneten Rijksmuseum in Amsterdam aus. Es gibt kein generelles Fotografierverbot.  Wer eine Eintrittskarte hat, kann Fotos machen. Einzige Bedingung: ohne Blitz. Somit gibt es kein rechtliches Problem, die Nachtwache abzulichten:

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Nachtwache im Rijksmuseum Amsterdam.

Ich persönlich finde die Niederländer klasse, unkompliziert gehen sie mit neuen Entwicklungen um und die Menschen strömen dennoch – oder vielleicht auch gerade wegen der kostenlosen, massenhaften Werbung in ihr so wunderbar restauriertes und nun wieder neu eröffnetes Museum.

Ich hätte gern mehr ‘Werbung’ für die tollen Museen in Weimar gemacht, das Bauhausmuseum, das Liszt-Haus, die vielfältige Ausstellung über den belgischen Architekten Van De Velde – aber ich durfte nicht fotografieren… Daher: kein Bild, keinen Ton bzw. keine Zeile…“

(Crosspost von Zoom. Das Sauerland und mehr, Chris Klein
Fotografieren im Museum: Weimar vs. Amsterdam CC)

Unsers, für alle

7. April 2013

Amsterdam darf sich feiern. Am nächsten Samstag eröffnet die niederländische Königin Beatrix feierlich das Rijksmuseum in Amsterdam. Zehn Jahre lang ist das „Rijks“ nach Plänen der spanischen Architekten Antonio Cruz und Antonio Ortiz vergrößert und von Grund auf renoviert worden. Jetzt ist es fertig, und die Niederländer sind stolz auf ihr Museum.

Die populäre niederländische Talkshow De Wereld Draait Door berichtet schon vor der offiziellen Eröffnung. Sie konnte mit niederländischen Prominenten die Ausstellungsräume besuchen und sie dabei filmen. Dabei stellen unter anderem Andriaan van Dis, Marc Marie Huijbregts, Fidan Ekiz, Felix Rottenberg, Hans Aarsman, Peter Vandermeersch, Cecile Narinx, Johan Fretz ihre Lieblingswerke vor und schildern ihre Eindrücke vom neuen Rijksmuseum. Am letzten Donnerstag widmet De Wereld Draait dem Rijksmuseum eine eigene Themensendung.

rijksmuseum_logoAuch für normale Besucher hält das Rijksmuseum eine Überraschung bereit. Nach der festlichen Eröffnung durch Königin Beatrix am 13. April ist das Museum bis Mitternacht gratis zugänglich (Eintritt sonst 15 € pP; bis 18 Jahre frei). Besucher können dieses einmalige Angebot ohne vorherige Anmeldung nutzen. Zusätzlich ist an diesem Tag eine spezielle Route durch die Ausstellung ausgeschildert, die Besuchern alle Höhepunkte des Rijksmuseums zeigt.

RijksmuseumBriefmarkeZur Wiedereröffnung des Rijksmuseum gibt es eine eigens zu diesem Zweck entworfene Briefmarkenblock. Gestaltet wurde er von Irma Boom, die auch das neue Logo des Rijksmuseum entworfen hat. Die insgesamt zehn Briefmarken zeigen 24 Fragmente einzelner Kunstwerke, die im Museum ausgestellt sind. Boom hofft, dass sich Interessierte – inspiriert durch diese Details – auf der Website oder im Museum auf die Suche nach dem dazugehörigen Werk begeben.

Die offizielle Eröffnungskampagne von Seiten des Museums, die den Titel Welkom! (Willkommen!) trägt, startete am Montag vor Ostern mit dem ersten von drei kleinen Promotionfilmen im niederländischen Fernsehen. Der Kartenverkauf, der in der letzten Woche anlief, bescherte dem Rijksmuseum bislang 35.000 Kartenverkäufe. Seit der Karwoche hängt auch De Nachtwacht/ Die Nachtwache, das berühmte Werk von Rembrandt van Rijn, wieder an seinem angestammten Platz. Es kehrte als einziges Kunstwerk an seinen ursprünglichen Platz zurück, während die übrige Sammlung neu arrangiert wurde.

Es lohnt sich für Grafschafter und Emsländer, zum Rijkmuseum zu reisen, das mit dem Slogan „Unsers – für alle“ wirbt. Nach Amsterdam, das seine schmutzigen Zeiten längst hinter sich gelassen hat, gelangt man am Bequemsten mit dem Zug. Beispielsweise ab Hengelo. ICs fahren von dort im 20minütigem Abstand in gut 2 Stunden nach Amsterdam Centraal und sind erschwinglich (Tagesrückfahrkarte Hngelo/Amsterdam 41,40 €, Ermäßigungen möglich. Auch das Bahn.de-Angebot lohnt; denn Kinder bis 15 fahren frei)

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