Brunnenabbauer

30. April 2021

Ich meine, 1976 sei der Mühlsteinbrunnen vor dem Amtsgericht  entstanden. Damals entstand mit den Geldern des 1. Konjunkturprogramms des Bundes die Burgstraße als Fußgängerstraße. Das war zu einer Zeit, als ein Sozialdemokrat im Städtebauministerin -damals noch in Bonn- beharrlich dabei half, die eine oder andere Fördermillion in seine Heimatstadt Lingen zu leiten. Hier klopfte sich dafür dann die CDU auf die eigene Schulter, stets begleitet vom die Union bejubelnden LT-Chef Alois Dickopp. Damals jedenfalls, entstand aus drei alten Mühlsteinen der Brunnen am Amtsgericht, der seither viel für das Kleinklima, das Wohlbefinden der Passanten und kletternde Kinder leistet, doch trotzdem seit vielen Jahren mit großer Beharrlichkeit von der Stadtverwaltung eher als lästiges Anhängsel behandelt wird. Er sprudelt daher frühestens so ab Mai, dann aber nur ab und zu für ein paar Tage oder Wochen, liegt häufig still und ab Mitte Oktober bis zum nächsten Mai sowieso. Meine Kritik darüber habe ich noch vor einigen Wochen in diesem kleinen Blog formuliert. ABER es gibt nichts, was nicht noch schlimmer geht.
Denn seit einer Woche sind die Mühlsteine weg. Ich meine, welche Jahreszeit ist besser geeignet einen Brunnen stillzulegen als der Frühling? Nicht auszudenken, was wäre, hätte man schon am Ende des Winters gehandelt und wäre mit der Renovierung (ich hoffe, dass es eine Renovierung und kein Abbruch ist) beispielsweise  im Frühling fertig gewesen!

Es versteht sich übrigens, dass die Brunnenabbauer in keinem städtischen Gremium das Thema behandelt haben, soweit ich das mitbekommen habe.

Wo kämen wir denn auch hin, wenn die Bürgervertreter sich mit derartigen Themen befassen könnten. Das macht unsere Stadtverwaltung ganz allein, baut ab und lässt dann die Baustelle liegen- inzwischen seit acht Tagen.

Hier für die Leserschaft meine Fotodokumente zum Geschehen. Rechts der aktuelle Zustand.

Nachtrag: Zu erwarten ist, dass der Brunnen (in welcher Form auch immer) gegen September wieder funktioniert. Weil ich Optimist bin, setze ich hinzu September 2021 – vielleicht sogar etwas eher, nachdem ich hier darüber geschrieben habe, deshalb dann die Lokalzeitung das Thema aufgreift und die Stadtverwaltung dann doch….






Großbaustelle

22. Februar 2021

Wie gut muss es uns doch gehen, wenn in Lingen solche Großbaustellen so zielgenau und entschlossen bewältigt werden!

Im September vergangenen Jahres fuhr ein Kfz gegen die Laterne vor dem Fachwerkhaus Hellmann in der Burgstraße. Und, was soll ich sagen, knapp sechs Monate später ist jetzt Ersatz da.

Also jedenfalls fast! Denn das Leuchtmittel fehlt noch und der Kandelaber drum rum auch. Aber wir sind ja nicht verwöhnt.

Heute beginnt übrigens eine weitere, angeblich 6wöchige Baustelle für die Erneuerung von etwas Bundesstraße in Darme. Auch das lässt mich in Ehrfurcht innehalten und der Leserschaft einen schönen Zeitlupen-Montag wünschen.

stillgelegt

12. November 2020

Museumsplaner Heinrich Liesen hat vor ein paar Tagen mit dem Umbau des Hauses Burgstraße 20 angefangen, in dem er bekanntlich ein Museum für Bernhard Rosemeyer schaffen will, welcher nach eigenem Bekunden bereits 1932 der verbrecherischen SS beigetreten ist und es dort bis zum SS-Hauptsturmführer brachte. Nach dem Willen des Museumsplaners soll seiner deshalb gedacht werden, weil er so furchtbar schnell mit einem Rennauto fahren konnte.

Dafür beauftragt ist inzwischen das Münsteraner Büro Schwerdtfeger & Vogt, das sich modern museumspädagogisch wie -konzeptionell betätigt und nun an dem SS-Mitglied-Museum mitwirkt. Zeitgemäßes Ziel kann da doch nur sein, die SS-Entscheidung Rosemeyers zu relativieren – so nach dem Motto: „Wie hättest Du Dich denn damals entschieden? Autorennen ade oder Verbrecherbande hallo?“

Dem Bauamt der Stadt Lingen (Ems) war zum begonnenen Bauvorhaben übrigens mitgeteilt, es werde nur eine neue Schaufensteranlage eingebaut. Dann aber wurde zu Wochenbeginn im Gebäudeinnern so heftig und bestens hörbar herumgebrochen, dass dies mit einer bloßen Schaufensteranlage nicht vereinbar war. Darüber von einem aufmerksamen Spaziergänger informiert, hat die Baubehörde die Baustelle gestern stillgelegt.

Was sagt uns das alles? Hat jemand Vorschläge?

 


Foto: Es grüßt Bernd Rosemeyer. CC s. Archiv vom 25.11.18

Rüdiger van Acken ist tot. Zu ihm hatte ich lange zeit ein  -sagen wir- eher schwieriges Verhältnis. Mir war er zu konservativ-katholisch (und ich ihm wohl das Gegenteil). Erst in den letzten Jahren entkrampfte sich zwischen uns manches. Jetzt ist der Buchhändler und Verleger im Alter von 84 Jahren gestorben, und ich schaue mit Respekt und Anerkennung auf die Stationen seines Lebens:

Von 1968 bis 1976 hatte der Verstorbene Sitz und Stimme im Lingener Stadtrat, auch mehrere Jahre als Vorsitzender des kommunalen Kulturausschusses. Sein größter kommunalpolitischer Erfolg war wohl der erfolgreiche Einsatz für den Neubau des Theaters an der Wilhelmshöhe  In den acht Jahren fanden übrigens alle zwei Jahre wegen der Eingemeindung verschiedener Gemeinden Kommunalwahlen statt. Vier Mal wurde er also als CDU-Kandidat (wieder)gewählt; das ist keine Selbstverständlichkeit. Als er dann 1976 auf eigenen Wunsch nicht mehr kandidierte und aus dem Rat unserer Stadt ausschied, sagte er etwas Bemerkenswertes – nämlich, dass im Falle seines Todes kein Nachruf seiner Vaterstadt veröffentlicht werden solle, denn „er (habe) im Rat gearbeitet und den Bürgern gedient… und (sei) mithin einer unter vielen (gewesen).“ Diesen früh geäußerten Wunsch hat die Stadt Lingen (Ems) nich vergessen und daher auf einen notwendigen öffentlichen Nachruf verzichtet; manchen Lingener/innen wird dies aufgefallen (und hiermit erklärt) sein.

Keine Frage: Rüdiger van Acken war eine Lingener Institution.

Er war nicht nur viele Jahrzehnte , schreibt Museumsleiter Andreas Eiynck im Emslandmuseum-Blog, „ein lieber Nachbar in der Burgstraße, sondern auch ein großer Freund und Gönner des Museums.“

Viele alte Fotos, Gemälde und Grafiken aus der umfangreichen heimatkundlichen Sammlung der Familie van Acken hat der Verstorbene schon vor vielen Jahren dem Museum übertragen. Vor ein paar Jahren konnte das Emslandmuseum die heimatkundliche Bibliothek aus den teilweise uralten Lagerbeständen der Buchhandlung und der früheren Druckerei van Acken noch einmal wesentlich ergänzen.

In seiner, auch mit einem theologischen Schwerpunkt ausgerichteten Buchhandlung führte Rüdiger van Acken mit viel Engagement und Hingabe auch eine Abteilung zur Stadt- und Regionalgeschichte sowie zu regionaler Literatur. In den Zeiten vor Internet und Google ermöglichte er damit vielen Hobbyforschern den fachkundigen Einstieg in die Literaturrecherche. Mit seiner Buchhandlung trugt der Verstorbene aber auch wesentlich zum Absatz heimatkundlicher Bücher bei, auch wenn kaufmännischer Aufwand und buchhalterischer Gewinn dabei häufig in keinem Verhältnis standen.

1963 war Rüdiger van Acken nach seiner Ausbildung zum Buchhändler in Münster und einer vierjährigen Tätigkeit in der Verlags- und Export-Buchhandlung Otto Harrassowitz in Wiesbaden in die elterlichen Betrieb zurückgekehrt, zu dem zu dieser Zeit noch eine Druckerei und ein Schreibwarenladen gehörten. In der angeschlossenen Druckerei wurden unter anderem die Tageszeitung „Lingener Volksbote“, Telefonbücher und Anzeigenblätter gedruckt. 1970 wurden die Unternehmensteile getrennt und die Buchhandlung mit Rüdiger van Acken als Inhaber neu gegründet. Nur wenige Jahre später gründete er auch den Burgtor-Verlag, in dem hauptsächlich Lingener Heimatliteratur und Kochbücher erschienen.

1979 gehörte der Theaterfreund Rüdiger van Acken zu den Gründungsmitgliedern der Spielbühne Lingen um Norbert Rademacher und Walter Edelmann. Lange Jahre stand er in kleinen Rollen auf der Bühne – vor allem in Kindertheaterstücken.

Ende der 1970er Jahre entschloss sich Rüdiger van Acken, das alte Gebäude der Buchhandlung in der Burgstraße 30  durch einen Neubau zu ersetzen. Dieser Neubau versank dann geradezu im Treibsand des ehemaligen Lingener Stadtgrabens. Monatelang mussten die Fundamente des Neubaus mühsam gesichert werden. Dies setzte ihm ökonomisch sehr zu. Als es Zeit für einen Nachfolger war,  fand der Verstorbene für seine fast 150 Jahre alte Buchhandlung van Acken keinen Geegneten und schloss daher Ende 2007 sein traditionsreiches Geschäft. Damit verlor nicht nur die Burgstraße ein wichtiges Einzelhandelsgeschäft sonder auch die Stadt Lingen einen seit Jahrzehnten etablierten kulturellen Treffpunkt.

Rüdiger van Acken verstarb am 31. Mai in seiner Heimatstadt. Seine Hinterbliebenen, darunter fünf Kinder und fünf Enkelkinder, bitten im Sinne des Verstorbenen um eine Spende für den Lingener Heimatverein (IBAN DE72 2665 0001 0000 0795 09).


Quellen (und Dank an): Emslandmuseum Lingen, Lingener Tagespost/Carsten van Bevern;
Foto: ganz oben: Rüdiger van Acken © privat; unten © Emslandmuseum Lingen.

 

 

Bangkirai

3. September 2019

Auch vor 35 Jahren gab es schon umweltbewusste, lokalpolitische Entscheidungen. Dazu zählte in Lingen der Beschluss des Rates, bei Baumaßnahme in unserer Stadt künftig keine Tropenhölzer mehr zu verwenden. Im letzten Moment wurde damals dieser Beschluss aufgeweicht. Denn es wurde die Ausnahme hinein formuliert, „es sei denn, mit Zertifikat“, dass die verwendeten Tropenhölzer aus kontrolliertem, nachhaltigem Anbau stammten. Tropische Hölzer gelten nämlich als sehr strapazierfähig und witterungsbeständig und werden daher gern im Außenbereich eingesetzt. Damals hat kaum jemand daran gedacht, dass ein Zertifikat auch schlicht falsch sein kann.

Ich weiß nicht, ob es hierzulande heute überhaupt Tropenhölzer gibt, die kein Zertifikat haben. Jedenfalls gibt es, informiert der gemeinnützige Verein „Rettet den Regenwald“ „inzwischen mehr als 100 verschiedene „Holz- und Waldsiegel“. Selbst Fachleute können kaum den Überblick behalten, geschweige denn die Zertifikate überprüfen. Die meisten Siegel sind von der Industrie frei erfunden und reiner Etikettenschwindel. Aber auch die wenigen international gültigen Zertifikate wie FSC und PEFC können keine ökologisch verantwortliche und sozial verträgliche Waldbewirtschaftung gewährleisten. Die Standards wurden zu sehr den Interessen der Industrie angepasst:

Das FSC-Siegel des Forest Stewardship Council ist dabei noch das zuverlässigste Zertifikat für Holz. Es bescheinigt, dass das Tropenholz nicht aus einem illegalen Raubbau stammt, und, dass Tiere, Menschen und der Wald nicht durch den Holzabbau gefährdet werden. Stattdessen kommt das zertifizierte Holz ausschließlich aus einem kontrollierten, ökologisch nachhaltigen Gebiet. Doch auch das FSC-Siegel wird immer wieder von diversen Ländern und Umweltschutzorganisationen kritisiert.

Für das FSC-Siegel sind nämlich auch zulässig der industrielle Holzeinschlag in unberührten Urwaldgebieten (Primärwald), der Kahlschlag großer Waldflächen (z.B. in Schweden und Russland), die Anlage von Millionen Hektar Monokulturen mit standortfremden Baumarten wie Akazien, Eukalyptus und Kiefern, das Versprühen von Pestiziden und Herbiziden usw..Dabei brauchen die Mit bis zu 70 Metern Höhe gehören die Shorea-Bäume zu den gewaltigsten Urwaldriesen Südostasiens. Je nach Art liefern sie Rotes oder Weißes Meranti, „Red Balau“ oder eben das robuste Bangkirai („Yellow Balau“).  

Das wertvolle Bangkirai endet meist auf Holzterrassen, aber auch in Brücken, Kaianlagen, Ställen und als Gartenmöbel. Oder als Sitzpodest. In Lingens Burgstraße entstehen gerade drei davon. An ihnen wird seit fast vier Monaten gewerkelt. Ratsgremien wurden nicht beteiligt, und es wird Bangkirai-Tropenholz verbaut.

Das stammt aus den Torfwäldern Malaysia und Indonesien, also  -wie  Greenpeace schon vor mehr als 10 Jahren schieb- den Brennpunkten der Urwaldzerstörung. Die Folgen: Es werden enorme Mengen CO2 frei; beinahe 150 Shorea-Arten stehen heute trotz aller Zertifikate auf der Roten Liste – großenteils in der Kategorie „vom Aussterben bedroht“. Die Alternative für die Bangkirai-Verwendung im Außenbereich: heimisches „Thermoholz“ wie Eiche, Kiefer oder Fichte, wobei letztere auch aus Sibirien stammen kann, wo es ebenfalls rücksichtsloses Abholzen gibt. Auf diese heimischen  Alternativen hat die Stadtverwaltung nicht gesetzt. Das zertifiziere ich als gleichermaßen kurzsichtig wie ärgerlich.

Wo ist eigentlich der junge Uhu geblieben, der vor einem Jahr oder mehr versuchte, an der Bonifatius-Kirche heimisch zu werden? Vielleicht gibt es hier Aufklärung:

Stadtvögel – Wer zwitschert da vom Dach?
Lingen (Ems), Burgstraße 21
Samstag, 27. April 2019 – 8.00 – 10.00 Uhr

Am nächsten Samstag gibt es die nächste Vogelstimmen-Wanderung des NABU für Kinder und Erwachsene durch die Grünbereiche und Straßen der Lingener Innenstadt mit dem Experten Bernward Rusche. Treffpunkt ist um 8.00 Uhr der (leider seit dem Verschwinden des Uhu trockengelegte) Brunnen vor der St. Bonifatius Kirche in der Burgstraße 21.

(Foto: Uhu, von tintenreich auf pixabay)

„Lingen, sorry“

12. März 2019

Die Bischöfe sind da. Da kriegt’s unser Mittelzentrum mit oberzentralen Teilfunktionen – aber so was von. „Lingen … Kleinstädtchen“ schreibt beispielsweise Christoph Strack, Journalist der Deutschen Welle aus dem großen Berlin und setzt ein kleines Sorry dazu. Dann versucht sich das Mitglied der Gesellschaft Katholischer Publizisten Deutschlands eV und „Redakteur mit besonderen Aufgaben“ im nächtlichen Lingen aufgeregt an einem Video  und  -sorry, @Strack_C – verwackelt es dabei. Was für eine Szene!

ps Wenn wir nun schon weltweit über die Deutsche Welle als Kleinstädtchenbewohner geoutet werden, auch noch eine wirklich provinzielle Bitte:  Kann jemand freundlicherweise  herausfinden, wo eigentlich die blitzeblanken, supermodern-weißen Meyering-Busse herkamen, mit denen unsere 60 bischöflichen Besucher gestern durch die Stadt zur Bonifatiuskirche gelangten? Sind das die mit viel öffentlichem Geld geförderten Hybridbusse?

Im Liniendienst setzt der Schepsdorfer sie jedenfalls nicht ein. Und dann wurde eingangs der Burgstraße sogar ein Pflanzbottich hochgehoben und fernab abgestellt, damit die teuren Großfahrzeuge überhaupt aus der Bauerntanzstraße in die Burgstraße gelangen konnten.

Vorneweg dabei mit dem Dienstrad Lingener „City-Cop“ Norbert Tenger, der aufgeregt und lautstark einen Lieferbulli der Strecke verwies, als der gerade trotz der heranrollenden Busse frisches Halal-Fleisch für den Medinamarkt anliefern wollte.

Ich als Kleinstädtchen-Innenstadtbewohner bin von alledem sehr beeindruckt…

Remise im Hof

14. Dezember 2018

Heute um 10 Uhr eröffnet der Lingener Restaurator Wolfgang Schnieders auf der Hinterseite des Hauses Burgstraße 26 seine kleine Remise im Hof. Hier, in Lingens schönster Straße präsentiert sich künftig ein weiteres, kleines Juwel. Das Webering’sche Haus ist in diesem Jahr 160 Jahre alt geworden und lebt „spätklassizistischen Geist“, wie Bauhistoriker Baldur Köster einmal geschrieben hat. Es ist eines der bemerkenswertesten Häuser in der Lingener Kernstadt. Auf der einen Seite präsentiert Kathy Hüllsieck in ihrem Geschäft Wohnart moderne Einrichtungen und Accessoires, auf der anderen Seite steht auch in ihrem 95.ten Lebensjahr Gretel Masselink noch in ihrer Friesenkate hinter der Theke.

Jetzt bietet Wolfgang Schnieders in der alten Remise im Hof weitere Klein- und Sitzmöbel und Einrichtungsgegenstände an. Neben Schnieders‘ Antiquitätengeschäft in der Burgstraße 31 ist dies sein zweiter Burgstraße-Standort.

Und sofort denke ich zurück. Denn ich erinnere mich noch gut an mancherlei Bemerkenswertes rund um die Burgstraße 26. Klaus Webering betrieb dort im vorigen Jahrhundert sein kleines Spirituosengeschäft. Der Mann war schwul und stand dazu offen und selbstbewusst –  in Zeiten, in denen dies in Lingen noch ein wirkliches Tabu und in Westdeutschland gar noch strafbar war. Nach seinem Tod und dem Erwerb des Hauses durch die MV Unternehmensgruppe ließ sich dort der unvergessene Elmar Kruse nieder, Modemacher, Kunsthandwerker und Schneider, der dann nach einigen Jahren sein Geschäft schloss und nach Köln und von dort Keitum auf Sylt zog. In diesem Interview gibt Kruse einen Rückblick auf seine Geschichte, aber  verschweigt -schnief- dabei seine Lingener Jahre, wiewohl ein Höhepunkt in seinem Leben zweifellos die Wahl zur Maienkönigin war – beim Tanz in den Mai der Burgstraßenanlieger -zwischen Gretels Friesenkate und der alten Remise. Da war, erinnere ich mich, Wolfgang Schnieders schon dabei, und es geht das Gerücht, dass er damals nicht Elmar Kruse sondern Nachbarin Anneliese Fehrenschmitz gewählt hat, die Vize-Maienkönigin wurde.

An Biggi Brunswick, die mit ihrer Familie vor 50 Jahren auch lange in der Burgstraße 26 wohnte, erinnere ich jetzt natürlich auch. Meine Güte, was habe ich da geschmachtet. Upps, ich schweife ab, ein bisschen…

Anfang dieses Jahrzehnts veranstaltete dann Wohnraumgestalterin Christin Mross in der historischen Remiseim Hof Sektempfänge für Brautleute, die frisch verheiratet vom Kutscherhaus herüber kamen, und auch Lesungen mit Rezitator Michael Sänger und anderen. Als Kathy Hüllsieck mit ihrer Wohnart vor drei Jahren in die Burgstraße 26 zog, knüpfte sie daran an und lud Piano Pete Budden, Geert Meyer, Heinz Eschert, Peter Löning und Clara Strube ein, um eine Anke-Strube-Ausstellungseröffnung musikalisch zu begleiten. Das alles war stets „klein und fein“ und jetzt kommt also Wolfgang Schnieders mit Erlesenem. Wir Lingener dürfen uns darüber freuen – heute ab 10 Uhr – in der historischen Remise im Hof des Hauses Burgstraße 26.

Soldaten! Arbeiter! Bürger!

9. November 2018

Morgen, am 10. November 1918, also vor genau 100 Jahren wurde in unserer Stadt im großen Saal des damaligen Hotels Nave gegenüber vom Bahnhof der Arbeiter- und Soldatenrat gegründet. Ihm gehörten an die Schmiede Müscher und Meyer, der Schleifer Uhle, die Schlosser Bracht und Driemann, der Kupferschmied Strecker und der Tischler Fritz Knospe, der die Versammlung leitete und zum Vorsitzenden bestimmt wurde. Hinzu kamen die Mitglieder des Soldatenrats, der Reservist Bachmann, der Landsturmmänner Nopper und Overbeck, Offiziers-Stellvertreter Fischer, Feldwebel Fuhlhop, Sergeant Heskamp und Sanitäter Schenk.

An den Einsatz dieser Männer und der dahinter stehenden Frauen gegen die Monarchie, gegen den Krieg und für Frieden und Demokratie soll am Samstag, 10. November 2018 mit einer Veranstaltung erinnert werden, zu der ich herzlich einlade.

Sie beginnt um 11.00 Uhr im Butcher’s, Schlachterstraße 12. Dann schließt sich eine Demonstration durch die Schlachterstraße, Bauerntanzstraße, Marktplatz, Burgstraße, Karolinenstraße in die Clubstraße 5 an, wo es in Heidis Litfass eine weitere Lesung gibt und die Veranstaltung zu Ende geht.

Es wirken u.a. mit Peter Löning, Piano Pete Budden, Ali Janßen, Peter Lütje, Gerhard Kastein, Heribert Lange und der Blogbetreiber. Kein Eintritt.

@wroglingen

18. August 2016

@wroglingen ist, zusammen mit @PertzLT, mein Lieblingsredakteur bei der Lingener Lokalzeitung. Er hat mich tatsächlich kritisiert, als ich die betuliche Art und Weise nicht wirklich prickelnd fand, wie am Ende der Burgstraße der Kreisverkehr („KVP“) und die angrenzenden Straßen instand gesetzt wurden. Darunter litten bekanntlich Tausende in unserer Stadt und zwar täglich. Dabei bekam @wroglingen doch auf diese Weise Gelegenheit, seine in der eigenen Biografie verlinkten Kenntnisse über die Dauer von Straßenreparaturen darzulegen, von der ich als Advokat natürlich keine Ahnung habe.

Das ist jetzt anders. Denn nun kenne ich alles – wegen dieser Zeitrafferaufnahme von Dmitry Chistoprudov aus Moskau, wo vor ein paar Tagen 300 Straßenbaumaschinen den Asphalt der Tverskaya Straße und des Pushkin Platzes erneuerten. 8000 t Bitumen setzten mehr als 3 Hektar Straßenpflaster instand. Dafür brauchten die russischen Arbeiter einen (1) Tag. Also etwas weniger als die drei Wochen der Lingener Bauleute für ihre (geschätzt) 1000 qm…

Geht doch! Guckst Du, @wroglingen, hier: