Sitzen lassen

18. August 2020

In unserer eigentlich doch aufgeklärten Stadt wollen am Samstagnachmittag die Corona-Schwurbler demonstrieren. Die Thesen: „Das Emsland steht auf. Für Frieden und Freiheit.Für die Zukunft unserer Kinder“. Ja, geht’s noch?

Angemeldet hat die Demonstration Melanie Kura, Erzieherin, pardon: Entwicklungsbegleiterin im Verein Kinderladen, den ich übrigens für seine alternative Arbeit sehr schätze.

Nun: Zu demonstrieren ist ihr Recht. Dass wir da nicht mitmachen, weil die angebliche Querdenkerei  keine Denkerei sondern bloß vorurteilsbeladen und total bekloppt ist, ist unser Recht. Wir erkennen dieselben  dumpfen, dummen Gefühle und die Unfähigkeit die Bedrohung durch das Virus zu begreifen. Sie agieren wie die Menschen vor 600 Jahren, die die Pest nicht verstanden und deshalb andere -vorzugsweise die Juden- dafür verantwortlich machten. Deshalb argumentieren sie antisemitisch, unwissenschaftlich, behaupten rechtlichen Quatsch, handeln Hand in Hand mit Nazis und Faschisten, sind gegen die überlegt agierende Merkel und die angeblichen Staatsmedien. Also: Sie sind bloß anmaßend-egoistisch und vor allem unsolidarisch.

Prof. Dr. Gerhard Roth, 77, der an der Bremer Universität das Institut für Hirnforschung lehrte, ist vor einigen Tagen in einem sehr lesenswerten Interview des Evangelischen Pressedienstes epd  zum Umgang mit den Corona-Schwurblerndiese Frage gestellt worden:

Helfen moralische Aufrufe?

Er antwortete so klar, wie Kirsten es von mir erwartet hat:

Aufrufe im Sinne von Immanuel Kants Appell, dass du das Sittengesetz als eine für den vernunftbegabten Menschen einsichtige und verpflichtende Ordnung beachten sollst, die wirken nicht. Moralische Appelle funktionieren nur, wenn sie mit der Drohung der Ausgrenzung verbunden sind. Denn diese gehören zu den wirksamsten Drohungen, die es gibt. Wenn Menschen sagen, so ein Verhalten ist unerwünscht, und wenn ihr das tut, gehört ihr nicht mehr dazu, dann schadet ihr der Gesellschaft und insbesondere euren Eltern und Großeltern und letztlich euch selbst – das fürchten die allermeisten Leute. Das wirkt. Jedenfalls mehr als die Erklärung, aus medizinischen Gründen müsst ihr Abstand halten.“

Ja, das wirkt!

Also meine Bitte: Beachtet die Schwurbler nicht, auch wenn 50 von ihnen am Samstag auf dem Marktplatz sind. Bitte kein „Man-muss-doch-mit-ihnen-sprechen“ – man erreicht sie in ihrer Verquastheit sowieso nicht. Lasst sie auf dem Marktplatz sitzen oder stehen, bis sie sich irgendwann für ihre Schwurbelei bloß noch schämen.

Kurzum: Grenzt sie aus, weil sie der Gesellschaft, also uns allen, und insbesondere ihren Eltern und Großeltern und letztlich sich selbst schaden. Punkt.

Neonazis gegen Weil

19. Juli 2020

In Niedersachsen hat die rechtsextremistische NPD ein Verfahren vor dem Staatsgerichtshof gegen Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) angestrengt, weil der sich auf Twitter gegen die Anti-Journalisten-Demo der NPD ausgesprochen hatte. Das Überraschende: Der Niedersächsische Staatsgerichtshof  hatjetzt für den 9. September eine mündliche Verhandlung anberaumt.

Behandelt wird dann die Frage, „ob der Ministerpräsident des Landes Niedersachsen durch das Posten von Tweets am 20. und am 23. November 2019 aus Anlass einer Versammlung am 23. November 2019 zu dem Thema „Schluss mit steuerfinanzierter Hetze – Feldmann in die Schranken weisen!“ gegen das Recht auf chancengleiche Teilnahme am politischen Wettbewerb aus Art. 21 Abs. 1 Satz 1 GG verstoßen und dadurch den Landesverband Niedersachsen der NPD in seinen Rechten verletzt hat.“ (PM)

Chancengleichheit verletzt? Das verwundert, weil die NPD bekanntlich als Partei verfassungsfeindliche Ziele verfolgt. Denn in seiner NPD-Entscheidung vom 17. Jan. 2017 (Az 2 BvB 1/13) hatte das Bundesverfassungsgericht geurteilt:

Die Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) vertritt ein auf die Beseitigung der bestehenden freiheitlichen demokratischen Grundordnung gerichtetes politisches Konzept. Sie will die bestehende Verfassungsordnung durch einen an der ethnisch definierten „Volksgemeinschaft“ ausgerichteten autoritären Nationalstaat ersetzen. Ihr politisches Konzept missachtet die Menschenwürde und ist mit dem Demokratieprinzip unvereinbar. Die NPD arbeitet auch planvoll und mit hinreichender Intensität auf die Erreichung ihrer gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung gerichteten Ziele hin. Allerdings fehlt es (derzeit) an konkreten Anhaltspunkten von Gewicht, die es möglich erscheinen lassen, dass dieses Handeln zum Erfolg führt, weshalb der Zweite Senat des Bundesverfassungsgerichts den zulässigen Antrag des Bundesrats auf Feststellung der Verfassungswidrigkeit und Auflösung der NPD und ihrer Unterorganisationen (Art. 21 Abs. 2 GG) mit heute verkündetem Urteil einstimmig als unbegründet zurückgewiesen hat.

(Quelle: PM des Bundesverfassungsgerichts vom 17.01.2017)

Offenbar prüfen die Juristen am Staatsgerichtshof jetzt, ob der niedersächsische Ministerpräsident pointiert ebenfalls sagen darf, dass die NPD verfassungsfeindlich agiert. Der Anlass liegt acht Monate zurück:  Im November 2019 hatte die NPD in Hannover zur Demonstration gegen drei Journalisten aufgerufen, die regelmäßig über die rechte Szene berichten. Dieser Angriff auf die Pressefreiheit hatte bundesweit für Empörung gesorgt und der nationalistischen Partei wie beabsichtigt viel Aufmerksamkeit verschafft – obwohl sie letztlich nur 100 Demonstranten mobilisierte.

Zur Gegendemo kamen rund 7.000 Menschen, darunter auch Ministerpräsident Weil. Er hatte schon in den Tagen zuvor auf seinem Twitter-Kanal Aufrufe zur Gegendemo geteilt und das gerichtliche Hin und Her um ein mögliches Verbot der NPD-Demo kommentiert. Dadurch sieht sich nun die NPD in ihren Rechten verletzt.

Erst im Juni hatte das Bundesverfassungsgericht geurteilt, Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hätte ein Interview, in dem er die AfD als „staatszersetzend“ bezeichnet, nicht auf der Homepage des Ministeriums verlinken dürfen. Dies verstoße gegen das Neutralitätsgebot. Inhaltlich beanstandete es die Meinungsäußerung nicht.

Das Beispiel macht Schule: Gerade erst verurteilte das Verwaltungsgericht Gera auf Antrag von AfD-Rechtsaußen Björn Höcke den CDU-Oberbürgermeister im thüringischen Altenburg, André Neumann, dazu, Twitter- und Facebook-Äußerungen zu löschen. Jetzt also versucht die NPD, sich entsprechend zu positionieren und an die AfD-Rechtsprechung anzuhängen.

Stephan Weil ließ zum Wochenende verlauten, er sehe dem Verfahren „mit Gelassenheit“ entgegen: „Ich bin überzeugt davon, dass ich mich gegen eine solche Aktion einer vom Bundesverfassungsgericht als verfassungsfeindlich eingestuften Partei gegen die Pressefreiheit sehr deutlich äußern darf.“


(Quelle: taz, twitter, PM) 

Aus Anlass des Tags gegen Rassisus in der vergangenen Woche demonstrierten am Samstag Aktive aus dem Flüchtlingsrat Niedersachsen und der Aktion Seebrücke in Hannover gegen die verweigerte Flüchtlingshilfe im Mittelmeer.

„Die Demonstration war friedlich und eher still. Wir haben ein 200 Meter langes Banner auf dem Boden entrollt. Mitten in der Innenstadt. Samstag Nachmittag. Auf dem Banner stehen Namen von Menschen die auf der Flucht ihr Leben verloren haben. Viele Menschen bleiben stehen und schauen interessiert, worum es geht.  Die meisten kriegen es aber gar nicht mit, weil sie beschäftigt sind mit ihren Einkaufstaschen, mit dem Handy und weil sie gehetzt weitergehen. Das kennt jeder der einfach nur seinen Weg gehen möchte und nicht gestört werden will. Für die Menschen, an die für eine Stunde erinnert werden soll, war das aber nicht möglich. Ihren Weg weiter zu gehen war ihnen nicht möglich. Sie hätten genau dieses Recht auch gehabt.

Diejenigen, die kurz innehalten vom Getriebensein, haben erkannt, welch absurdes Treiben das Leben sein kann. Etliche suchen das Gespräch, wollen sich austauschen. Und manche haben offenbar nach Namen gesucht, mitten im geschäftigen Treiben. Sie sind 200 Meter mit dem Handy in der Hand das Banner entlanggelaufen und haben jeden einzelnen Namen angeschaut. Es scheint, als hätten manche einen gefunden. Währenddessen laufen tausende Menschen achtlos über das Banner. Einkaufstüte, Bratwurst, Handy. Sie meinen es nicht böse. Aber wie viele Totennamen braucht ein Mensch zum Stehenbleiben? “

 

(Text: Nds. Flüchtlingrat, Foto: Nds Fluechtlingsrat, privat)

Hausfriedensbruch?

21. Januar 2019


Wie eine Kleinigkeit zu einer Straftat aufgebauscht werden kann, zeigt die lokale „Lingener Tagespost“ gerade. Am Samstag hatten 200 Atomkraftgegner in der Lingener Innenstadt gegen die Brennelementefabrik & Co demonstriert. Am Neuen Rathaus kletterten während der Demonstration blitzschnell zwei Aktivistinnen mittels Räuberleiter auf den Eingang des Gebäudes und hielten ein Transparent hoch. Es beschrieb etwas, was den ganzen Tag versauen könne. Jetzt schritt die Polizei ein. Einsatzleiter Holger Grosser hatte eine Straftat erkannt. Er sah Hausfriedensbruch. Das Gesetz bedroht ihn in § 123 Strafgesetzbuch (StGB) mit Strafe und formuliert:

„Wer in die Wohnung, in die Geschäftsräume oder in das befriedete Besitztum eines anderen oder in abgeschlossene Räume, welche zum öffentlichen Dienst oder Verkehr bestimmt sind, widerrechtlich eindringt, oder wer, wenn er ohne Befugnis darin verweilt, auf die Aufforderung des Berechtigten sich nicht entfernt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.“

Zwanglos erkennt man, dass ein Täter „in“ etwas eingedrungen sein muss. Raufklettern auf ein Vordach oder ein Gerüst ist kein solchs Eindringen in etwas. Nicht einmal in Bayern. Nichtsdestotrotz ließ Grosser seine Beamten einschreiten, darunter auch mehrere in Zivil, denen man trotz auffälliger ockerfarbener Cordhose ihren Polizeibeamtenstatus nicht unbedingt ansehen konnte.

Schnell kritisierte Mike Röser, Journalist der Lingener Tagespost, die kletternden Demonstranten, und aufgeregt, dass bei dieser Demonstration „der Respekt vor Menschen und dem Eigentum anderer“ nicht gewahrt worden sei. Zuvor hatte er sich nur bei der Lingener Polizei und ihrem Einsatzleiter informiert. Die Demonstranten befragte er nicht, obwohl sie sich im Internet vielfach über den „absurden Polizeieinsatz“ äußerten, beispielsweise auf Twitter. Die aggressive Stimmung, kritisierte er und wusste, dass diese „vornehmlich von Demonstranten ausging“ – ohne allerdings dabei gewesen zu sein.

Journalist Röser fragte auch nicht nach, weshalb zu den anschließenden, rein verbalen Auseinandersetzungen zwei Streifenwagen der Polizei mit vielfach überhöhter Geschwindigkeit rücksichtslos durch Burgstraße und Bauerntanzstraße rasten. Ich unterstelle, dass er auch das nicht mitbekommen hatte. Nicht auszudenken, was geschehen wäre, wenn ein Kind dort an diesem Samstagnachmittag herumgelaufen wäre. Die unverhältnismäßige Streifenwagenraserei war für alle Passanten lebensgefährlich und erfolgte offenbar wegen einer straflosen Kletterei auf einen Eingang. Ganz offenbar verließ sich der LT-Mann leider allein auf offizielle Stellungnahmen der Polizei um Grosser & Co.

Er sah die Protestierer („Viele Auswärtige“) gar auf ein „Glasdach“ des Rathauses klettern, dass es aber gar nicht gibt. Dass Dach über dem erklommenen Windfang des Neuen Rathauses ist ein geschlossenes Dach, das mit weißen Kiesel- bzw Schottersteinchen belegt ist; in der Kommunalpolitik war dieser Eingang jahrelang dafür bekannt, nicht regenwasserdicht zu sein. Gläsern sind jedenfalls nur Eingangstür und die besprossten Seitenteile des Zugangs. Mike Röser berichtete auch schnell von einem Strafantrag, den der Eigentümer der Rathauses wegen des nicht vorliegenden Hausfriedensbruchs gestellt habe – wann und durch wen auch immer.

Es ist wohl richtig, dass sich Demonstranten gegenüber Zivilbeamten nicht ausweisen wollten und sich auch dagegen wehrten, von diesen, nicht als Polizeibeamte erkennbaren Personen in Zivilfahrzeuge der Polizei gezerrt zu werden. Das scheint mir, jedenfalls auf den ersten Blick, nicht unbedingt eine strafbare Widerstandshandlung zu sein – auch deshalb, weil Zivilbeamte auf Demonstrationen nichts zu suchen haben. Da, also im rechtswidrigen Einsatz der Polizei, liegt der wirkliche Hase im Pfeffer – und weniger im vorschnellen Urteil des Journalisten Mike Röser.

So hat das Verwaltungsgericht Göttingen vor fünf Jahren entschieden, sämtliche Beamte in Zivil hätten sich bei einer Demo in Niedersachsen gewissermaßen zu outen. Sinn des niedersächsischen Versammlungsgesetzes sei nämlich die „jederzeitige Unterscheidbarkeit von Versammlungsteilnehmern und Polizeibeamten“. Das bedeutet bei Polizisten, die in Zivilkleidung erscheinen (Foto lks), dies: Da sie nicht per Augenschein zu erkennen seien, müssen sie sich »individuell« beim Versammlungsleiter melden. Das ergebe sich unmittelbar aus dem Grundrecht auf Versammlungsfreiheit, die so weit wie möglich frei von staatlichem Einfluß bleiben soll. Bürger, die ihre Grundrechte wahrnehmen, sollen nicht unerkannt von der Polizei beobachtet werden (VerwG Göttingen, Urteil v. 06.11.2013, Aktz. 1 A 98/12). Dasselbe hat später auch der Wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestages auf die Frage der Bundestasfrktion „Die Linke“ bestätigt.

Wenn also die „Lingener Tagespost“ Respekt fordert, dann trifft diese Forderung erst einmal die rechtswidrig eingesetzten Zivilbeamten und ihren Einsatzleiter. Von der Polizei darf unsere Gesellschaft nämlich nicht nur professionelle Arbeit sondern auch entsprechend ihrem gesellschaftlichen Auftrag Respekt vor den Grundrechten und der Verfassung verlangen. Auf die sind die Beamten vereidigt.

Hier geht es zur Videoreportage von ev1.tv.

(Fotos via Twitter Cécile Lecomte‏ )

 

Aufruf: Seebrücke

16. November 2018

„Auch Lingen darf die Augen nicht verschließen vor dem, was im Mittelmeer geschieht. Auch in Lingen müssen Menschen auf die Straße gehen, um gegen Europas Abschottungspolitik und die Kriminalisierung von Seenotretter*innen zu demonstrieren. Auch Lingen darf nicht wegschauen, wenn tausende Menschen ertrinken.

Wenn ihr mit uns ein Zeichen setzen wollt für ein gerechteres und humanes Europa und für mehr Solidarität, dann kommt am 17.November um 14 Uhr auf den Bahnhofsvorplatz in Lingen.
Tragt die Farbe Orange, bringt Banner, Plakate und Schilder mit. Kommt mit eurer Familie, euren Freund*innen und Nachbar*innen. Erzählt euren Kolleg*innen, Kommiliton*innen und allen, die ihr trefft, von unsere Demo und warum wir auf die Straße gehen.
Es ist an der Zeit den Mund aufzumachen und zu rufen: So darf es nicht weitergehen. Nicht mit uns!“


Zum Ablauf:

„Um 14 Uhr ist Treffpunkt am Bahnhof, dann werden wir eine Demo durch die Stadt machen (Konzept der Demo wird vor Ort erklärt) und enden anschließend mit einer Abschlusskundgebung mit Redebeiträgen wieder am Bahnhof.

Anschließend können alle die Lust haben noch mit uns gemeinsam zum Markt zur Veranstaltung 1 Million Lichter gehen.

Die Route der Demonstration:

Bahnhofsvorplatz – Querung Bernd-Rosemeyer-Str. – Marienstr. – links Lookenstr. – rechts Konrad-Adenauer-Ring – rechts Zum Neuen Hafen – links Kivelingstr. – rechts Kirchstr. – links Gymnasialstr. – rechts Baccumer Str. – links Burgstr. – rechts Bernd-Rosemeyer-Str. –

Transparente und Plakate können gerne mitgebracht werden. Wichtig: Fahnenstangen/ Transparentstangen/ Stöcke/ Stäbe dürfen nicht aus Metall sein, max. 2 cm Durchmesser und max. 1,5 m Länge haben. Fackeln, Wunderkerzen u. ä. sind nicht erlaubt.“

Kompakt

2. Mai 2018

Den 32. Jahrestag der Atomkatastrophe von Tschernobyl nahmen Umweltschützer in Lingen zum Anlass, mit einem „Schweigekreis“ an die weiterhin weltweit drohenden Gefahren durch die Nutzung der Atomkraft zu erinnern. „An Tschernobyl kann man sehen, wie die Menschen verheizt wurden. Vor 32 Jahren explodierte der Reaktor in der Ukraine und die radioaktive Wolke hat die Menschen vor Ort aber auch uns verstrahlt. Viel Tote, hunderttausende, viel Kranke und ein riesiges Gebiet, das unbewohnbar wurde“, so Gerd Otten vom Elternverein Restrisiko, einem Verein, der vor Jahren mit dem Umweltpreis der Stadt Lingen (ems) ausgezeichnet wurde und über lange Zeit die radioaktiven Belastungen von Nahrungsmitteln selbst gemessen hat.

Otten erläuterte, dass auch Menschen um Lingen herum weiterhin durch das AKW Lingen II mit dem Risiko leben, obwohl bekannt sei, dass der Atomstrom teuer ist und andere Energiearten den Strom mit viel weniger Risiko erzeugen können. Außerdem gebe es bislang immer noch kein Endlager. Ferner erinnerte Otten an die 600 000 Menschen, die in der nähren Abluftfahne der Atomkraftwerke Tihange und Doel wohnen. Bei einem Unfall würde die Wolke auch das Emsland treffen. Dort habe man 2012 festgestellt, dass der Reaktordruckbehälter in Doel viele tausend Risse hat.

Auf besonderen Unmut bei den Demonstranten stieß die Meldung, dass das Verfassungsgericht den AKW Betreibern zugestanden habe, dass sie für das Abschalten der Atomkraftwerke entschädigt werden [mehr…]. „Eine Option – so Wirtschaftsminister Peter Altmeier – bei den Verhandlungen mit EON und  RWE usw. ist die Verlängerung der Laufzeiten. Es ist schlimm, dass man eine erneute Laufzeitverlängerung überhaupt in Erwägung zieht“, so Gerd Otten. Umrahmt wurde die Veranstaltung durch Musikerinnen aus Haren, die mit ihren Gitarren die Protestsongs begleiteten.

Am 9.6.2018 wird in Lingen eine Demonstration gegen den Betrieb des AKW’s und die Herstellung der Brennelemente  stattfinden.

 

(Text: Presseerklärung des Elternvereins Restrisiko Emsland; Ausriss: LT-Kompakt-Presseveröffentlichung vom 30.04. daraus)

Lingen-Demo

22. Oktober 2016

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Atomkraftwerken jetzt den Saft abdrehen!
Brennstoffversorgung aus Lingen und Gronau stoppen!

Samstag, 29. Oktober – Beginn: 13 Uhr, Bahnhof Lingen 
Abschlusskundgebung vor dem Alten Rathaus

Aufruf

Gemeinsam mit vielen Menschen aus dem Emsland und ganz Niedersachsen, aus NRW und aus anderen Regionen wollen wir am 29. Oktober 2016 für unsere Forderungen auf die Straße gehen:

  • Uranlieferungen aus Lingen und Gronau an marode AKW in Belgien und Frankreich stoppen!
  • Brennelementeherstellung in Lingen und Urananreicherung in Gronau beenden!
  • Das AKW Emsland, Grohnde, Tihange, Doel, Fessenheim, Cattenom und alle anderenAKW abschalten! Sofort!
  • Energiewende jetzt! Sonne und Wind, statt Fracking, Kohle und Atom!

Hier findet sich der vollständige Aufruf zur Demonstration mit der aktuellen Unterstützer/innen-Liste.

Aufruf als pdf zum Download

Webbanner sowie Infos zu Anfahrt und Programm findet Ihr hier oder auf den entsprechenden Unterseiten.

Wir sind bei facebook.

12. Januar 2015, 18.00 Uhr

26. Dezember 2014

nopegida102jpg„FORUM JUDEN CHRISTEN traut sich, Sie alle zu bitten, mit uns zu einer großen Solidaritätsdemonstration
zusammenzukommen, die wir uns als das Gegenstück zu dem vorstellen, was als Montagsdemonstrationen
inzwischen, angestiftet von PEGIDA, durch bereits viel zu viele deutsche Städte geistert.
Es geht hier in Lingen darum, ein machtvolles Zeichen des Mutes und der Ermutigung gegen dumpfe und unüberlegte Affekte zu setzen. Affekte, die über Worte wie „Überfremdung“ und „Islamisierung“ nicht hinaus kommen und rationalem Kalkül, dass solche Affekte leicht als unrealistisch entlarven könnte, gar nicht mehr zugänglich sind.

FORUM JUDEN CHRISTEN ist angesichts solcher Bewegungen hellwach und in höchstem Maße besorgt. Denn auch vor hundert Jahren wurde die Ausgrenzung abertausender deutscher und von Millionen europäischer Juden und anderer unliebsamer Bürgerinnen und Bürger ihrer Staaten nach genau demselben Muster inszeniert und fabriziert – am Ende tödlich. Und auch damals war die Rede von der fremden Rasse und der Überfremdung.

Im Unterschied zu damals ist es heute obendrein aber sogar so, dass unserer Gesellschaft gar nichts Besseres als Zuwanderung passieren kann und es ist andererseits auch so, dass wir an der Verankerung des Menschenwürdebegriffs und der Unteilbarkeit der Menschenrechte in unserer Gesellschaft keine Zweifel mehr haben dürften, haben sollten – eben wegen der speziellen deutschen Geschichte.

Angehen tut uns das, was da neuerdings auf deutschen Straßen passiert, noch dazu begleitet von schlecht gesungenen Weihnachtsliedern, aber alle! Denn wir alle stehen in der Verantwortung unserer deutschen Geschichte und sind aufgerufen, dabei mitzuhelfen, dass sie sich NIE wiederholt.

Deshalb bitten wir Sie mitzutun. Denn das, was jetzt zu tun ist, kann tatsächlich nur als Gemeinschaftswerk gelingen. Und Gemeinschaft gelingt nur in Solidarität.

Als Termin haben wir den 12. Januar 2015, 18.00 Uhr, vorgesehen (s.a.www.robertkoop.wordpress.com). Bitte, richten Sie Ihre Rückmeldungen, da ich selbst nach Weihnachten nicht in Lingen bin, an den stellver retenden Vorsitzendes des Forums, Herrn Michael Fuest, E-Mail: michael.fuest(at)ewetel.net

Mit herzlichem Dank für Ihr Verständnis für diese ausßergewöhnliche Art und Form von Weihnachtsgruß und mit guten Wünschen für Sie alle für ein dennoch frohes und schönes Weihnachtsfest grüße ich Sie im Namen des FORUMs JUDEN CHRISTEN sehr herzlich!

Ihr Dr. med. Heribert Lange, M.A.
Vorsitzender FORUM JUDEN CHRISTEN
im Altkreis Lingen e.V.“

Satt!

12. Januar 2013

Auch wenn das Emsland  keine Aktivitäten zeigt (guckst Du hier): 2013 „ist ein entscheidendes Jahr: bei der Reform der Gemeinsamen EU-Agrarpolitik und der Bundestagswahl werden die Weichen für die Zukunft unserer Landwirtschaft und unseres Essens gestellt. 2013 bietet daher die einmalige Chance, eine Agrarwende einzuläuten! Deshalb gehen wir erneut während des Internationalen Agrarministergipfels auf die Straße!

Das „Wir haben es satt!“-Bündnis ist stark gewachsen. Damit auch der Demonstrationszug noch größer und noch bunter wird, brauchen wir Sie!

Seien Sie dabei, wenn es am Sa, 19. Januar 2013 heißt:

„Wir haben Agrarindustrie satt! Gutes Essen.

Gute Landwirtschaft. Jetzt!“

11 Uhr: Auftakt Berlin Hbf/Washingtonplatz

12 Uhr: Demonstration zum Kanzleramt

Wer Mitfahrgelegenheiten mit Bus und Bahn sucht: hier geht’s zur Mitfahrbörse.

Am Samstag morgen gibt es ein leckeres faires und regionales Frühstück in der Markthalle IX mit Musik. Hier geht’s zum Frühstück..“

Übrigens: Die Deutsche Bahn bietet wieder ein Grüne-Woche-Ticket an für 99 Euro (2. Klasse) für Hin- und Rückfahrt von jedem Bahnhof in Deutschland nach Berlin und zurück; frühester Hinreisetag: 16.1.13, spätester Rückreisetag: 29.1.13. Vorverkaufsfrist: spätestens 3 Tage vor Abreise.  Buchbar ab sofort telefonisch bei der Deutschen Bahn unter +49 (0)1805 – 31 11 53 mit dem Stichwort: Grüne Woche oder online. Hier geht’s zum Ticket!

Ab Lingen bis Berlin kann es mit einer Bahncard (25/50) und DB-Sparangebot allerdings preiswerter sein (zum Beispiel Lingen ab 7.04, Berlin Hbf an 11.19 Uhr, Berlin Hbf ab 16.49 Uhr Lingen an 20.55 Uhr).

Wir haben es satt

27. Oktober 2012

Vielleicht hat der eine oder andere von Euch Interesse und auch Zeit und Lust, am Samstag, 10.11.12 nach Hannover zu fahren und mit anderen Gleichgesinnten einen Spaziergang in der Stadt zu machen, dabei die eine oder andere Protesttafel in die Höhe zu halten oder einfach nur dabei zu sein, um dem Anliegen gegen die ungesunde, tierquälerische Massentierhaltung mehr Gewicht zu verleihen. Weitere Informationen unter www.wir-haben-es-satt.de/hannover .