Charly Monecke +

4. Februar 2013

Charly_Monecke

Karl-Heinz „Charly“ Monecke ist am 1. Februar gestorben, nach langer Krankheit. 30 Jahre unterrichtete Monecke am Georgianum. Der Künstler zählte zu den Gründern des „Lingener Kunstkreises“, des Vorläufers des heutigen Kunstverein Lingen, der Charly Monecke vor 13 Jahren mit einer eigenen Ausstellung ehrte. Vor fünf Jahren sendete die Deutsche Welle dieses kurze Interview mit dem Verstorbenen:

„Sprecherin:
Auch Charly Monecke lebt schon seit mehreren Jahrzehnten in der Provinz. Eigentlich wollte er nach seinem Studium der Bildenden Kunst in die Großstadt gehen. Doch zunächst verschlug es ihn während seines Referendariats nach Papenburg, an die Grenze zwischen Emsland und Ostfriesland. Dort erlebte er Aberglauben und ländliche Sitten, die er nie für möglich gehalten hätte.

Charly Monecke:
„Ja, da ist der Hund begraben, aber das war sogar so, dass ich da so einige Sachen erlebt habe wie: Dann war ein Handschuh vor der Tür – irgendeiner hatte da einen fallen lassen – und dann: ‚Ja, oh, morgen stirbt einer, der Handschuh, der gehört ja jemandem‘ – das war die Frau im Hause, wo ich zur Miete wohnte. Solche Sachen konntest du da alles noch erleben.“

Sprecher:
Mit der Redensart da ist der Hund begraben will man sagen: Das ist eine öde, langweilige Gegend. Der Hund ist in redensartlichen Ausdrücken von zwiespältiger Bedeutung. Er ist ebenso sehr Bild des Elenden, Niederträchtigen wie auch Symbol der Treue und Wachsamkeit. Schatztruhen wurden in früheren Zeiten zwecks Abschreckung der Diebe mit dem Bild eines bissigen Hundes versehen – auch mit dem des Teufels, aber selbst diesem wurde gelegentlich die Gestalt eines Hundes verliehen. Mutige Schatzsucher wussten also, wenn sie auf den Hund stießen, waren sie der Beute nahe.

Musik: Element of Crime, Damals hinterm Mond

„Zu spielen gab es nie zu viel, und abends wusst‘ ich immer, wo du warst. Was haben wir gelacht. Damals, hinterm Mond“

Sprecherin:
Nach seiner Pensionierung als Kunsterzieher fing Charly Monecke wieder an zu malen. In seinem Atelier hängen viele Bilder in Rot- und Blautönen mit verschlüsselten Motiven. In seiner Heimatstadt Lingen wie in einigen Städten der Umgebung hatte er bereits Ausstellungen. Doch hat er die Erfahrung gemacht, dass es für einen Künstler, der in der Provinz lebt, nicht leicht ist, dort anerkannt zu werden.

Charly Monecke:
„Ich war eigentlich der erste, der hier im eigentlichen Sinne Kunst mit den Schülern machte und nicht bloß so das Übliche. Das waren sie vorher hier überhaupt nicht gewohnt, und das wirkte sich dann auch auf die Stadt aus. Der Augenarzt, ach, ’ne ganze Reihe von Leuten, die sich dann zu so ’nem Kunstkreis zusammenschlossen, dafür hab‘ ich das Emblem noch gemacht. Und das ist auch wieder typisch Land: Da spricht heute keiner von. Heute sind es andere, die sagen, durch uns ist überhaupt erst die Kunst hier nach Lingen gekommen, und du bist auf dem Abstellgleis. Das ist hier also einfach ganz schnell.“

Sprecher:
Wenn jemand auf dem Abstellgleis steht oder auf ein Abstellgleis geschoben wird, befindet er sich in einer Stellung ohne Aufstiegsmöglichkeit oder wird gar aus seinem Wirkungskreis verdrängt. Die Redensart leitet sich unschwer aus dem Eisenbahnverkehr her. Eine alte Lokomotive oder ein Waggon wird auf einem Nebengleis abgestellt.

Sprecherin:
Charly Monecke ist in der Provinz geblieben. Er hat hier längst Wurzeln geschlagen und beabsichtigt, in seinem neuen Atelier zu regelmäßigen Gesprächen über Kunst einzuladen.“

Antje Allroggen (für die Deutsche Welle)

7 Antworten to “Charly Monecke +”

  1. Josef Mudde van Duren said

    Carly Monecke hat sich durch seine Bilder schöpferische an dieser Welt beteiligt und Kunst ins Emsland getragen. Er war handwerklich perfekt, und sein eigenes intimes Leben fehlte in seinen Arbeiten nicht. Er dachte und fühlte visuell. Deshalb lebt er in seinen Bildern weiter. Wer einen Fuß auf seine Türschwelle setzte und einen tiefen Blick in sein Atelier (das war einmal sein Swimmingpool) geworfen hat, und wer seine in Schubläden verborgenen Schätze betrachten konnte, der weiß was ich meine. Josef Mudde van Duren

    • kib said

      Herr van Duren, schön, dass Sie den Pool (in der Nähe des Telgenkampsees) ansprechen: Selbst ich (künstlerisch wenig talentiert) durfte dort „(w/f) erkeln“ – selbst mein (!) Schaffen fand CM interessant (maximal einfach nur charmant gemeint). Ich war nicht oft zu Gast- aber ein ganz toller/bunter Haushalt. Markus, sein Sohn ist übrigens ein super Fotograf – googeln Sie ihn / seine Bilder mal- einfach klasse!!

  2. Durchblick said

    Seine Bilder sind leider schwer zu finden aber ich erinnerte mich an ein Interview von ihm auf „Deutsche Welle“ (siehe Seite 5):

    http://www.dw.de/popups/pdf/16910183/text-und-%C3%BCbungen-zum-ausdrucken-pdf.pdf

    Pitt Leuschner war übrigens einer seiner besseren Schüler, vielleicht kommen sie über ihn an Bilder von C.M..

    • kib said

      Falls jemand erinnern möchte, täte dies „Akko“; sein Sohn, dem ich und der Familie meine herzliche Anteilnahme ausrichte. Des Weiteren spricht die Traueranzeige eigenen (ganz persönliche) Worte ….

  3. Michael Sänger said

    Charly Monecke war ein Künstler ohne – die in diesen Kreisen oft so beliebten – Allüren! 1989 im September brauchte ich für eine Theateraufführung im damaligen noch real existierenden Johanneum für das Bühnenbild der „Alten Dame“ von Dürrenmatt ein möglichst klassisches Portrait mit Goldrahmen. Ein Schüler sagte mir, im Kunstraum des Georgianums hänge so was Ähnliches, es sei das Bild eines alten Schulleiters des Geogianums, also ein historisches Bild.Ich ging hin, sah das Bild und es war genau das Richtige. Ich fragte den Kunstlehrer dort, ob man das für das Johanneum für zwei Wochen als Bühnendekoration ausleihen könnte. Der Kunstlehrer kannte mich nicht, ich ihn auch nicht. Er sagte nur: „Wenn sie das Bild für ein Theaterstück brauchen, dann nehmen sie es mit, aber bringen Sie es unbeschädigt zurück!“ Ich war verblüfft über dieses Vertrauen. Nach zwei Wochen bekam er das Bild zurück und seitdem gab es zwischen dem ‚Kunstlehrer“ – es war eben Charly Monecke – und mir eine bis zu seinem Tode dauernde immer leicht „frotzelnde“ Freundschaft. Aber wie das mit uns allen so ist, bzw. sein wird: Alles geht einmal zu Ende. Schade, dass ich ihm nicht mehr begegne und wir uns nicht mehr über Malerei unterhalten und über manche Installationen in der Kunsthalle lästern können! Und es ist nicht so, wie er in dem Interview sagt: „Da spricht heute keiner von.“ – Nein, wer ihn kannte und den er geprägt hatte, die sprechen noch lange von ihm.

  4. momo said

    Ich finde das sehr schön, Robert, dass du etwas zu Charly geschrieben hast! Habe es leider erst jetzt gesehen.
    Wir wollen versuchen eine Ausstellung zu machen und ein Werkverzeichnis. Seine Bilder sind eigentlich wohl greifbar…Wenn jemand etwas hat/weiß (also Infos über den Verbleib von Bildern hat) wäre ich dankbar, wenn ich es erfahren würde: momolingen@ewetel.net
    momo (Irmgard Monecke)

  5. bim234 said

    Herzlichen Dank für diese Seite!
    Und jetzt verstehe ich auch noch besser den Satz:

    „Wenn ihr mich sucht,
    sucht mich in euren Herzen.
    Habe ich dort eine Bleibe gefunden,
    lebe ich in euch weiter.“

    Charly, ich finde es super, dass du nicht so einfach warst.
    Auch wenn es dann nicht immer so einfach war.
    Aber so finde ich dich auch jederzeit in vielen Herzen wieder!
    So auch in meinem!
    Biena Monecke


    „Geh leben!“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.