Gerüche

19. April 2008

Heute schreibt SPIEGEL-online über üble Gerüche, die derzeit England heimsuchen, dies:

Tagelang, berichtet das Met Office, habe sich die Luft über Deutschlands Stallungen und Felder kaum bewegt. So stieg der Geruch auf und sammelte sich in einer konzentrierten, stinkenden Dunstglocke, die erst der auffrischende Ostwind quasi am Stück über den Ärmelkanal getragen habe. Haben wir da aber Glück gehabt!

Doch Spaß beiseite: Zwar weiß, wer zwischen Oldenburg und Münster, Braunschweig und Oostende lebt, kaum, worüber die Briten sich erregen. Alle anderen aber wissen, dass man zur Düngezeit die Autolüftung auf Umluft stellen sollte, wenn man diesen Landstrich durchquert: Nur wer das ständig riecht, riecht es nicht mehr.

Kaum zu glauben, dass 600 km entfernt die Engländer wegen unserer Intensivtierhaltung keine frische Luft mehr haben. Aber jeder weiß, dass die industrielle Nahrungsmittelerzeugung (vormals: Landwirtschaft) in unserer Region ein massives (Umwelt-)Problem ist. Ein Umweltbericht der Stadt Münster (Westf) aus dem Jahr 2005 formuliert das so:

Das Münsterland, das nördlich sich anschließende Emsland und die angrenzenden Niederlanden sind die Regionen mit der höchsten atmosphärischen Stickstoffbelastung im EU-Raum.

Das gilt ebenso für die viel zu hohe Nitratbelastung des oberen Grundwassers. 

Die Probleme sind seit langem bekannt. Aber sie werden ignoriert und nichts geschieht. Im Gegenteil: Die Landwirtschaftslobby mit der CDU an der Spitze setzt alle Erweiterungspläne durch und predigt nur Sonn- und Feiertags Nachhaltigkeit und Ökologie. Tags darauf wird dann ein weiterer Maststall genehmigt. 

Jetzt stinkt dies bereits (bis zu) den Briten, was wir hier treiben. Hier in der Region ist man daran gewöhnt und riecht schon längst nicht mehr, was man riechen sollte. Diese Ignoranz, da bin ich sicher, wird in der Zukunft teuer bezahlt werden müssen – allerdings nicht mehr von denen, die davon heute persönlich profitieren.