und das ist gut so

10. August 2022

Die im Bund bremsende FDP hindert aktuell mit ihrer Klientelpolitik eine wirkliche durchgreifende Reformpolitik der Ampel-Koalition; auch in Lingen haben sich FDP-Mannen der CDU verschrieben und helfen ihr, deren bisherige Politik durchzusetzen. Anders bei den Straßennamen; zwar haben die Vorderleute der FDP es vergessen, die Umbenennung der nach dem Rennfahrer und SS-Offizier benannten Rosemeyer-Straße in die Gruppen-Vereinbarung mit der CDU zu schreiben, die der Union weiterhin das Sagen in Lingen sichert.

Das Resultat dieses Versäumnisses war, dass offenbar kein einziger CDU-Vertreter im Stadtrat die Umbenennung der Rosemeyer-Straße unterstützte und die zusammen mit den Sozialdemokraten Bendick und Wittler beschlossen, die Straße nicht umzubenennen. damit unterstützte der Rat mit einer relativen Mehrheit den 80 Jahre alten Beschluss von NS-Bürgermeister Erich Plesse, die Straße nach Rosemeyer zu benennen (mehr…).

Doch die FDP hat jetzt einen neuen Antrag zur geschichtlichen Auseinandersetzung mit Bernd Rosemeyer im Besonderen und den Straßenbenennungen in Lingen (Ems) im Allgemeinen in den Rat der Stadt eingebracht. Der Stadtrat tritt das nächste Mal am 15. September zusammen. Darin schreibt FDP-Fraktionsvorsitzender Dirk Meyer, bei dem Ratsvotum am 7. Juli habe Einigkeit darüber geherrscht, dass „zusätzliche Maßnahmen zur Erläuterung der Rolle von Bernd Rosemeyer in der NS-Zeit notwendig“ seien. Die FDP-Fraktion beantragt aus diesem Grund konkret, im Rat drei Punkte zu beschließen:

  1. Das Erläuterungsschild unter dem Straßenschild wird um den Hinweis auf seine SS-Mitgliedschaft und seinen Rang bei der SS ergänzt.
  2. Im Zuge der Erneuerung des Bahnhofs und des Umfeldes wird eine Informationstafel, -installation errichtet, die zum einem die Bedeutung des Rennsportes in der NS-Zeit einordnet und zum anderen die Person Bernd Rosemeyer in seinen Facetten als Rennfahrer, SS-Hauptsturmführer und seine Verwicklungen mit dem NS-Regimes darstellen soll.
  3. Die Straßennamen aller Lingener Straßen die Personennamen tragen und deren Lebensdaten mit der NS-Zeit von 1933 bis 1945 eine zeitliche Schnittmenge besitzen, sollen entsprechend des auf Antrag der CDU erstellten Kriterienkatalog, auf ihre Belastung untersucht werden. Personen mit Geburtsdaten ab 1.1.1929 sind nicht zu betrachten.

Punkt 1 gefällt mir sofort. Bekanntlich war ich da schon aktiv und überhaupt  muss man ja stadtgeschichtlich bei der Wahrheit bleiben. Deshalb wird auch Punkt 3 etwas, das die Bedeutung von Straßenbenennungen in unserer Stadt aus dem emsländischen Hauptkriterium „Lingener Jung“ heraushebt.

Klar ist auch: Sollten tatsächlich Ratsmitglieder geglaubt haben, mit dem „Alles-bleibt-so“-Beschluss vom 7. Juli sei das Thema abgearbeitet und erledigt, dürfen sie jetzt zwanglos erkennen, dass das nicht stimmt. Das Thema bleibt vielmehr wie vorhergesagt auf der Tagesordnung – auch im Rat unserer Stadt, und das ist gut so.

Lingens traurige Provinzposse vom vergangenen Mittwoch erreicht jetzt  die überregionalen Medien. Ein tollkühner Mann in einer völlig ideologiefreien Kiste, titelt die taz den heutigen Beitrag von Autorin Simone Schnase:

Seit der NS-Zeit ehrt in Lingen im Emsland eine Straße den Namen eines SS-Hauptsturmführers. Nun hat die Stadtrat-Mehrheit beschlossen: So soll‘s auch bleiben

Im emsländischen Lingen wird mit Bernd Rosemeyer eine höchst fragwürdige Figur verehrt. Denn der gebürtige Lingener war in der NS-Zeit nicht nur ein berühmter Rennfahrer, sondern auch Mitglied der SS. Das kann man seit Freitag auch auf dem Schild der Straße lesen, die seit 1939 nach Rosemeyer benannt ist.

Denn der Rechtsanwalt Robert Koop, Fraktionsvorsitzender der unabhängigen Wählergemeinschaft „Die BürgerNahen“ im Stadtrat, hat es gemeinsam mit weiteren Lin­ge­ne­r*in­nen kurzerhand modifiziert oder, wie er es selbst nennt, „nach rechts justiert“: Neben den Informationen „Bernd Rosemeyer (1909–1938) Motorrad- und Autorennfahrer. Weltrekordler“, die auf dem Schild zu lesen sind, steht dort nun auch: SS-Hauptsturmführer.

Der wird in Lingen fast schon wie ein Heiliger verehrt: Es gibt einen Motorsportclub Bernd Rosemeyer, ein aus dem Mittelalter stammender Lingener Junggesellenverein namens Kivelinge hat eine Sektion nach Rosemeyer benannt, der lokale Schützenverein ebenfalls. Der Bauunternehmer Heinrich Liesen gründete eine Bernd-Rosemeyer-„Stiftung“ und plant in Lingen ein Rosemeyer-Museum. Ginge es nach ihm, wäre dem SS-Mann schon längst posthum die Ehrenbürgerschaft der Stadt verliehen worden.

Letzteres wurde abgelehnt, aber eine Umbenennung der ehemaligen Lingener Bahnhofstraße ebenfalls: Am vergangenen Mittwoch stimmte der Stadtrat dagegen. Und so wird die Straße auch weiterhin den Namen Bernd Rosemeyer tragen.

Rosemeyer…

[weiter in der taz]

1000 %-ig

10. Juli 2022

Rund 100 LingenerInnen nahmen am Sonntagnachmittag an dem Schweigemarsch vom Bahnhofsvorplatz zum Stolperstein für das NS-Opfer Fredy Markreich in der Großen Straße teil, eine große Gruppe Studierender der Hochschule schloss während des Schweigemarsches zu den knapp 60, bis dahin überwiegend älteren Demonstrierenden auf.

Wie überhaupt heute spannend und aufschlussreich nicht die anwesenden Menschen waren, sondern die, die es nicht waren – kein CDU-Ratsmitglied und keines der SPD. Wieviel Scham muss das machen, wenn ich an einer Veranstaltung zur Erinnerung an die verbrecherischen Taten der Nazis nicht teilnehmen kann, weil mein Abstimmverhalten (oder das eigener  Fraktionsmitglieder) es nicht hergibt?  Sollte diese Frage nicht über allem stehen?

Vor dem ehem. Markreich’schen Haus Große Straße 11 ergriff Dr. Walter Höltermann das Wort, um das Votum des Stadtrates  geschichtlich einzuordnen. Er zeichnete auch das Leben Fredy Markreichs nach. Um diesen Lingener als Opfer des NS-Terrors zu ehren, sollte auf Antrag der FDP und des Forums die Bernd-Rosemeyer-Straße umbenannt werden: „Er ist ein besserer Namensgeber als der Rennfahrer und SS-Hauptsturmführer.“

Dann nahm der Ehrenvorsitzende des Forum Juden Christen, Dr. Heribert Lange, einen Debattenbeitrag aus der Ratssitzung auf, bei der sich Monika Sterrenberg, nach eigenen Angaben eine Nichte des SS-Offiziers Rosemeyer, zu Wort gemeldet hatte, und ihr unter der nachträglich eigens eröffneten „Einwohnerfragestunde“ durch die Ratsvorsitzende Annette Wintermann (CDU) keine Frage sondern ein Plädoyer für den SS-Offizier gestattet wurde. In dessen Mittelpunkt stand die historisch falsche Entschuldigung, der SS-Offizier Bernd Rosemeyer sei kein Nazi gewesen, weil er und seine Familie „1000%-ige Katholiken“ gewesen seien. Lange ordnete ein:

„Kein Mensch konnte sich vorstellen“, so 1960 mein ansonsten ehrenwerter, und gescheiter  Religionslehrer, der päpstliche Geheimkämmerer, Monsignore und Oberstudienrat am Otto-Pankok-Gymnasium in Mülheim an der Ruhr, Karl Mücher zu seinem Verständnis von der Shoah, „kein Mensch konnte sich vorstellen, dass sich in unserem Leben und in unserer Zeit die Rache Gottes am jüdischen Volk ereignen würde.“

Dieser Satz fiel mir im Verlauf bzw. am Ende der Ratsdebatte am vergangenen Mittwoch wieder ein, als in einem eigentlich unzulässigen Redebeitrag aus dem Publikum unmittelbar vor der Abstimmung davon die Rede war, dass Bernd Rosemeyer kein SS-Mann, zumindest kein  eigentlicher SS-Mann gewesen sei, was allein schon daraus ersichtlich werde, dass Rosemeyers alle zusammen „1000-prozentige Katholiken gewesen“ seien.

Hat denn etwa die katholische Kirche der SS ihren Ungeist, der schließlich in den millionenfachen Mord jüdischer Menschen im Holocaust mündete, ausgetrieben, ihn untersagt oder wenigstens kritisiert. Hat sie verhindert oder ernst-hafte Anstrengungen dagegen  unternommen, dass 2.579 ihrer treuesten Priester im KZ Dachau inhaftiert waren und in großer Zahl umkamen bzw. regelrecht ermordet wurden? Der in Lingen tätige Kaplan Heinrich Schniers (Foto lks oben) und der Onkel unseres Johannes Wiemker, der Priester Leopold Wiemker, gehörten zu den Gefangenen in Dachau (Foto lks unten). Hat der spätere Kardinal Clemens August Graf von Galen bei seinen mutigen und beeindruckenden Predigten gegen Hitlers und der Ärzte Euthanasie-Programm, wovon schon bald auch kranke und behinderte Kinder aus der kirchlichen Einrichtungen betroffen waren – hat von Galen dabei  wohl auch daran gedacht, dass Juden und ihre Kinder auch damals schon und genauso zu Tode gebracht wurden? Nein! Wir wissen heute, dass er dies weder bedacht noch erkundet hat.

Wovor also hätte die Kirche einen ehrgeizigen SS-Offizier wie den Rennfahrer Bernd Rosemeyer bewahren können, dem Bedenken oder Skrupel, als er sich der, wie sich später erweisen sollte, Mörderbande der SS andiente, wahrschein-lich gar nicht und nie in den Sinn gekommen waren? Ihre völkische Idee von der arischen Rasse, mit der die wissenschaftliche Medizin auch die Juden dem Ausrottungsprogramm der Nazis überantwortet hatte, wurde doch von kaum jemandem noch ernsthaft infrage gestellt oder gar einer kritischen Auseinandersetzung unterzogen – auch nicht mehr von der Kirche, vielleicht genau aus dem Grund, den Karl Mücher, von dem soeben die Rede war, uns Oberprimanern auseinandergesetzt hatte.

Der ungeschützte und freie Fall der deutschen Gesellschaft in die moralische Katastrophe erwischte Bernd Rosemeyer nicht unverhofft und unversehens, aber umstandslos, und machte ihn zum Teil des Systems, sogar so, dass er, so Viktor Klemperer, die Nazi-Idol-Figur Horst Wessel zeitweilig noch zu überstrahlen schien. Denn der inzwischen zum SS-Hauptsturmführer avancierte Rennfahrer verweigerte keinen Auftritt, keinen Dienst und keinen Gunstbeweis, den das System von ihm erwartete, wenn und da es doch und vor allen Dingen um seine Rennfahrerkarriere ging. Es ist ziemlich gleichgültig, ob Nazi-Ideologie ihn dabei antrieb, ob seine Rennfahrerleidenschaft oder einfach und banal das Kalkül des Opportunismus.

Dennoch: Niemand von uns ist befugt, darüber zu urteilen oder deshalb über Bernd Rosemeyer, wie wir oft genug erklärt haben, den Stab zu brechen und schon gar nicht über seine Familie.

Die Frage aber, ob er aus heutiger Sicht und vor dem dargelegten historischen Hintergrund immer noch der Ehrung würdig ist,  die ihm 1939 posthum vom Lingener NS-Bürgermeister mit der Widmung der Bahnhofstraße nach seinem Namen zuteil wurde, hat der Lingener Stadtrat, wenn auch mit knapper Mehrheit, am vergangenen Mittwoch, zu unser aller Entsetzen positiv entschieden. Und die Ratsmehrheit hat damit auch entschieden, dass es keinen Namenstausch eines Naziprofiteurs gegen ein Naziopfer, also Fredy Markreich, am Bahnhof in Lingen geben soll, an dessen Stolperstein und zu seinem Gedenken wir uns hier versammelt haben

Das ist heute, so denke ich,  noch viel mehr als die Biografie Bernd Rosemeyers der eigentliche Skandal, über dessen Gründe nachzudenken mir schwer fällt, weil es Angst macht. Angst macht vor den Kräften der Reaktion und des Revisi-onismus, aber auch vor der Unbelehrbarkeit der Unbelehrbaren.

Lassen Sie mich schließen mit dem Satz, dass ich mich schäme für die Stadt Lingen, die seit mehr als 50 Jahren auch meine Stadt Lingen ist. Ja, Ich schäme mich!“

Nachträglich ergänztes Zusatzschild zur Bernd-Rosemeyer-Straße am Lingener Bahnhof.

Rechts nachjustiert

9. Juli 2022

Nach der Entscheidung des Rates, die nach dem Rennfahrer und SS-Hauptsturmführer benannte Bernd-Rosemeyer-Straße nicht umzubenennen, hat das Forum Juden Christen für den morgigen Sonntag zu einem Schweigemarsch vom Bahnhof zum Haus des von den Nazis verfolgten und entrechteten Fredy Markreich aufgerufen. Die Veranstaltung beginnt um 15 Uhr am Bahnhof.

Und dann habe ich gestern Abend gemeinsam mit Freunden in der Causa SS-Hauptsturmführer noch rechts nachjustiert:

Pyrrhus

7. Juli 2022

Kennen Sie Pyrrhus bzw. Pyrrhos? König Pyrrhos I. von Epirus kämpfte im 3 Jahrhundert vor Christi gegen die Römer. Er gab dem sog. Pyrrhussieg den Namen. Ein solcher Pyrrhussieg ist ein zu teuer erkaufter Erfolg. Im ursprünglichen Sinne geht der Sieger aus dem Konflikt ähnlich geschwächt hervor wie ein Besiegter und kann mit dem Sieg nichts anfangen. Pyrrhos I. von Epirus soll 279 v. Chr. nach dem Sieg seiner Armee über die Römer in der Schlacht bei Asculum 279 v. Chr. einem Gratulanten gesagt haben:  „Noch so ein Sieg, und wir sind verloren!“ In dieser Schlacht musste Pyrrhus nämlich so erhebliche Verluste hinnehmen, dass seine Armee auf Jahre hinaus geschwächt war und schließlich den ganzen Krieg verlor. Was hat Lingen damit zu tun?

Gestern hat eine relative Mehrheit von 20 Mitglieder im Rat unserer Stadt Lingen dafür gestimmt, die Bernd-Rosemeyer-Straße weiterhin nach dem umstrittenen Autorennfahrer zu benennen. 20 (von 43 Ratsmitgliedern) waren dafür, 19 waren für eine Neubenennung, ein Ratsmitglied enthielt sich gar, drei waren nicht anwesend. Etwa 50 Lingener*innen besuchten die Ratssitzung in der Halle IV.

Die Entscheidung  wurde möglich, weil die an diesem Tag 19-köpfige CDU auf einer nicht-offenen Abstimmung bestand und Teile der gestern 7köpfigen SPD-Stadtratsfraktion sie darin unterstützten. Aus beiden Fraktionen kommen auch die Gegner der Umbenennung, während BN (4 Ratsmitglieder), Grüne/FWL (7),die Antrag stellende FDP (2) und Oberbürgermeister Krone, also 14 Ratsmitglieder, für eine Neubenennung waren; nach der Abstimmung hatten zahlreiche Mitglieder Stadtratsfraktionen der Grünen-FWL und unserer BürgerNahen in persönlichen Erklärungen erklärt, dass sie für die Umbenennung votiert hatten. OB Krone hatte dies vor der Abstimmung gesagt und die Umbenennung gefordert. Hiergegen intervenierte Dr. Bernhard Bendick (SPD), dem dies sichtlich unangenehm war und der die Abgabe dieser persönlichen Erklärungen für unerlaubt hielt. Übrigens hatte zuvor auch Bendick wie der SPD-Fraktionsvorsitzende Andreas Kröger und der 2. stellvertretende Bürgermeister Stefan Wittler (SPD) für eine geheime Abstimmung votiert.

Den Antrag auf Umbenennung hatte die FDP bereits im vergangenen Frühsommer gestellt. In der Folge war ein Kriterienkatalog erarbeitet worden. Stadtarchivar Dr. Mirko Crabus hatte überzeugend in einem Dossier Wesentliches zum Rennfahrer Rosemeyer und seine Verstrickungen in den NS-Staat zusammengetragen.

Das gestrige Votum unseres Rates beschädigt das Ansehen unserer Stadt, weil Autorennfahrer Rosemeyer eine tragende Säule der NS-Propaganda und SS-Hauptsturmführer war. Sie beschädigt auch das Ansehen der SPD um Kröger, Wittler und Bendick und das der Kulturausschussvorsitzenden Irene Vehring (CDU), die -genauso wie der CDU-Fraktionsvorsitzende Uwe Hilling- in dieser wesentlichen Frage ihre Fraktion nicht zu einen vermochte. Sie sind Pyrrhus.

Zwar appellierten nach der knappen Abstimmung mehrere Ratsmitglieder, das demokratische Votum zu akzeptieren. Bei der Benennung einer Straße zu Ehren eines SS-Offiziers ist das inhaltlich aber nicht vorstellbar. Wer will so eine Relativierung der SS und ihres Protagonisten Rosemeyer in unseren aufgeklärten Zeiten? Das Thema wird also künftig erneut im Rat behandelt werden und, wenn es sein muss, anschließend ein weiteres Mal.

Ein Straßennamen soll ehren. Dieser vom damaligen NS-Bürgermeister Plesse verordnete Straßenname aber ist eine Beleidigung für die Opfer des NS-Terrors und damit für jede Demokratin und jeden Demokraten. Daher kann und wird er keinen Bestand haben. Die nächste Abstimmung kommt.


Pyrrhus von Epirus, Foto von Marie-Lan Nguyen (2011) CC BY 2.5

schon beseitigt

5. Juli 2022

Damit auch das klar ist: Morgen entscheidet der Lingener Stadtrat, ob ich auf eine Leiter steige. Es geht darum, ob die Bernd-Rosemeyer-Straße ihren Namen behält oder nicht. Bleibt der Name, werde ich das Zusatzschild persönlich verbessern und den Begriff „SS-Hauptsturmführer“ hinzufügen.

Übrigens genau heute vor 100 Jahren setzten sich in Lingen wie in zahlreichen anderen deutschen Städten die Demokraten gegen die politischen Rechten zur Wehr. Lingen demonstrierte; denn am 24. Juni 1922 hatte die nationalistische Terrorgruppe „Organisation C“ Außenminister Walther Rathenau ermordet; ich habe über den Mord in diesem kleinen Blog geschrieben. Der Lingener Volksbote berichtete:

5. Juli: „Heute Mittag fand auf dem Marktplatze eine große Kundgebung für die Republik statt, an welcher sich weit über 1000 Personen beteiligten. Veranstalter derselben waren der Allgem. Deutsche Gewerkschaftsbund, die freien Angestellten-Verbände und die 3 sozialistischen Parteien. (…) Nach Schluß der Kundgebung am Marktplatz begab sich ein großer Teil der Versammelten zur Wohnung des Herrn Oberst a.D. Bonsack und forderte denselben als Vorsitzenden der Ortsgruppe der Deutschnationalen Partei auf, nähere Angaben über die hiesige Ortsgruppe zu machen. Herr Bonsack erklärte, daß er und die aus etwa 30 Mitgliedern bestehende Ortsgruppe weder der Organisation C angehöre noch irgend einem anderen Geheimbunde. (…) Nach kurzem Aufenthalt bei hiesigem Landratsamt und Stationsgebäude (an ersterem sollte ein Schild ‚Kgl.‘ Landratsamt, im Wartesaal zwei Kaiserbilder entfernt werden, welche aber schon beseitigt waren) fand die Kundgebung ihr Ende.“

Konservative hatten damals übrigens nicht zur Demonstration der Lingener Demokraten aufgerufen – ein Menetekel. Damals demonstrierten „die 3 sozialistischen Parteien“, wie es der rechtskonservative Lingener Volksbote formulierte.  Eine dieser drei teilt gerade auf ihrer Facebook-Seite vor der morgigen Abstimmung mit, die Umbenennung müsse jedes Ratsmitglied der SPD nach bestem Wissen und Gewissen entscheiden. „Nach bestem Wissen“ über die Ehrung eines SS-Hauptsturmführers mit einem Straßennamen. Wie entsetzlich.

Material
Ratsvorlage 168/2022

Dossier Rosemeyer
Dossier Markreich

Kein Beschluss

22. Juni 2022

Die „Umbenennung der Bernd Rosemeyer-Straße “ war gestern der zentrale Punkt der Sitzung des Kulturausschusses der Stadt Lingen (Ems). Der neue Vorsitzende des Forum Juden-Christen Altkreis Lingen e.V., Simon Göhler, hatte dazu im Vorfeld erklärt: „Seit langem tritt das Forum für eine Umbenennung dieser Straße ein. Diese Benennung durch die Nazis 1938 ist eine Ehrung, die dem SS- Hauptsturmführer Rosemeyer als Propagandisten des NS-Regimes in der Demokratie nicht zusteht.“

Göhler verwies auf einen Vorstandsbeschluss des Forum, demzufolge der in der Erinnerungs- und Antirassismusarbeit tätige Verein für die Umbenennung der „Bernd-Rosemeyer-Straße“ in „Fredy-Markreich-Straße“ eintritt. Damit solle anstelle der Ehrung eines Täter-Repräsentanten ein Vertreter der Opfer des Naziterrors geehrt wer­den.

Das Forum setze sich Göhler zufolge im Vorfeld der entscheidenden Ratssitzung am 6. Juli weiter für die Abkehr der Ehrung für einen SS-Offizier ein.

Zur Erinnerung: Vor der Kommunalwahl 2021 hatte die FDP den Antrag gestellt, die Anfang 1939 vom damaligen NS-Bürgermeister Plesse nach dem Führerprinzip beschlossene Umbenennung der Lingener Bahnhofstraße nach dem SS-Offizier Bernd Rosemeyer rückgängig zu machen und künftig nach dem Kaufmann Fredy Markreich zu benennen. Der Lingener Jude Fredy Markreich (Foto) konnte nach brutaler Erniedrigung und Entrechtung nach der Reichspogromnacht mit wochenlanger Haft im KZ Buchenwald zwar in das westafrikanische Liberia flüchten; der Kaufmann starb dort aber nach wenigen Jahren „an einer Seuche“.

Soweit so klar und so nachvollziehbar. Gestern aber setzte die in der Frage offenbar zerstrittene CDU-Fraktion eine Novität durch: Der städtische Kulturausschuss lehnte eine Beschlussfassung ab. Stadtarchivar Dr. Mirko Crabus durfte noch die Biografien von Opfer Markreich und Täter Rosemeyer darstellen; zuvor aber hatte die CDU die anstehende Beschlussfassung zu dem seit Jahren vorbereiteten Thema in einer ausufernden Geschäftsordnungsdebatte strikt abgelehnt.

Bemerkenswert: Der Vorsitzende der SPD-Ratsfraktion Andreas Kröger stimmte dem CDU-Vorstoß zu und Peter Altmeppen, der die Antrag stellende FDP-Fraktion vertrat, enthielt sich bei dem Geschäftsordnungsantrag der CDU, im Kulturausschuss über die Umbenennung besser nicht zu beschließen. Eine entsprechenden Beschluss stufte die Ausschussvorsitzende Irene Vehring (CDU) dabei übrigens tatsächlich als „arrogant“ ein; man müsse, sagte sie, den Mitgliedern des Rates der Stadt die Gelegenheit geben, nach dem eigenen Gewissen abzustimmen.

Grüne-Ratsfrau Martina Pellny erwiderte, dass dagegen niemand etwas habe, es aber die Pflicht des Ausschusses sei, in der Sache klar Position zu beziehen und abzustimmen. Dann stimme der Rat ab. Für einen Beschluss votierten dann aber mit ihr und Claudia Meinert von den Grünen nur Jens-Uwe Schütte (SPD) sowie der Betreiber dieses kleinen Blogs – also nur vier Ausschussmitglieder. Der FDP-Mann -seine Partei bildet mit der CDU eine sog. Gruppe im Stadtrat- wollte offenbar auch kein Votum über seinen Antrag und enthielt sich;  mit dem irrlichternden Andreas Kröger (SPD) lehnten alle sieben CDU-Vertreter Irene Vehring, Jürgen Herbrüggen, Stefan Heskamp, Florian Niemeyer, Björn Roth, Ulrike Schulte und Manfred Schonhoff eine Beschlussfassung ab – wie gesagt eine Novität, die es in dem Gremium seit Gründung der Bundesrepublik nicht gegeben hat. Man könnte auch sagen: Sie zeigten sich gleichermaßen feige und geschichtslos. Auf die Abstimmung a 6. Juli und darauf, was die CDU sich dazu einfallen lässt, bin ich gespannt. Gemunkelt wurde gestern von einer geheimen Abstimmung.

Spoiler:
Dass die CDU überhaupt trotz ihres Verlustes der absoluten Mehrheitbei der Kommunalwahl im vergangenen September  sieben (von 13) Mitglieder/n im Kulturausschuss stellt, liegt daran, dass fünf Wochen nach der niedersächsischen Kommunalwahl die große Koalition von SPD und CDU im niedersächsischen Landtag ein anderes Auszählverfahren bei der Ausschussbesetzung durchsetzte, das große Ratsfraktionen über Gebühr bevorzugt. Daran darf man sich heute erinnern und für den Tag der Landtagswahl Niedersachsen am 9. Oktober schon mal notieren…

 

Einwohnerbefragung

3. April 2022

Der Lingener Reserveoffizier Hans-Wolfgang Biermann hat vor einigen Tagen bei der Stadt eine Einwohnerbefragung angeregt. Eine Einwohnerbefragung kann in Angelegenheiten der Kommune durch eine Befragung der Einwohnerinnen und Einwohner erfolgen, die mindestens 14 Jahre (!) alt sind und seit mindestens drei Monaten den Wohnsitz in der betreffenden Kommune haben. So reget es das Kommunalverfassungsrecht in Niedersachsen. Die Initiative hat OB Krone in der vergangenen Woche im Verwaltungsausschuss mitgeteilt. Die Ratsfraktionen und -gruppen haben sich das angehört. Gruppenvorsitzender Uwe Hilling (CDU) und der Betreiber dieses Blogs für die BürgerNahen haben dann geantwortet, dass sie diesen Antrag zuerst in ihren jeweiligen Gremien beraten wollen.

Biermann, begeistert-trotziger Befürworter des aktuellen Straßennamens, will mittels der Befragung die Frage klären lassen, ob „die Bernd-Rosemeyer-Straße in Fredy-Markreich Straße umbenannt werden (soll)? Ja/Nein“.

Dies passt nicht zu den Abläufen, die im Kulturausschuss vor und nach der Kommunalwahl verabredet wurden; sollte, so die Beschlusslage dort, die Prüfung des Namens Bernd-Rosemeyer-Straße anhand der dort erarbeiteten Kriterien ergeben, dass der Straßenname nicht tragbar ist, wird umbenannt. Dann steht Biermanns suggestive, weil unerklärte Fragestellung dazu im Gegensatz.

Sofern das Ergebnis der Namensprüfung nicht eindeutig ist, sondern „problematisch“, könnte über präzisere Fragestellung nachgesteuert werden, um was es eigentlich geht. Zum Beispiel: „Sollen in der Stadt (Ems) Lingen Straßennamen nach SS-Offizieren benannt sein? Ja/Nein“

Meine Meinung zu dem Thema kennt die Leserschaft dieses kleinen Blogs. Konkret gesagt hat es ein Lingener Kaufmann und Kiveling, der unter den lokalen und anderen Nazis unendlich gelitten hat, dennoch seiner Heimatstadt treu blieb, aber schließlich zwangsvertrieben wurde und schon bald danach im Ausland starb, also dasNS-Opfer Fredy Markreich in jedem Fall mehr verdient, dass seiner in Lingen in Form einer ihn ehrenden Straße gedacht und erinnert zwird, als ein Erfüllungsgehilfe und NS-Mitläufer, der bis zu seinem Tod bei einem „Weltrekord-Versuch“ für die Propagandamaschinerie der Nazis, nur zum Spaße noch seinen Geburtsort Lingen besuchte.

Ungeachtet dieser, meiner Meinung waren es allerdings die lokalen Nazis, die die Straße entlang des Bahnhofs ihren Namen gaben. Das allein ist allemal Grund genug für eine Änderung. Also um diese Straße nicht mehr so zu nennen, wie es die Nazis wollten. Das unterscheidet auch alle weiteren namentlichen Straßenamen in Lingen von der Bernd-Rosemeyer-Straße. Es gibt in Wahrheit kein „Aber was ist mit XY…?“ in diesem Kontext.

Ohnehin ist es auch nur eine Frage der Zeit, bis der Straßenname geändert wird. Peinlich genug für Lingen, dass dies noch immer nicht erfolgt ist.

seit 2013

22. Dezember 2021

Diese Weihnachtspost möchte ich der werten Leserschaft meines kleinen Blogs nicht vorenthalten:

“ Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Mitstreiterinnen und Mitstreiter,

seit 2013 wird von bekannter Seite alljährlich die Eröffnung einer Heldengedenkstätte für einen bekannten Nazi und SS-Offizier aus Lingen, den einstigen Rennfahrer Bernd Rosemeyer, angekündigt. Die Initiatoren wollen diesen Ort „Museum“ nennen. Eine Immobilie wurde zu diesem Zweck angekauft, die ehemalige „Elektro-Bäckerei“ in der Burgstraße.

Es ist still geworden um dieses für die Stadt Lingen hochnotpeinliche Projekt, seitdem der Oberbürgermeister im Mai des nun zu Ende gehenden Jahres die „Stilllegung“ der Baustelle verfügte, weil der Bauherr mit Arbeiten begonnen hatte, die von der Baugenehmigung nicht gedeckt waren. Ob ein in solchen Fällen mögliches Ordnungsgeld verhängt wurde, weiß ich nicht, und der Herr Oberbürgermeister hat sich hierzu auch nicht mehr geäußert.

Auch wenn das Vorhaben seitens der Initiatoren um den Lingener Unternehmer Heinrich Liesen offiziell noch nicht endgültig aufgegeben wurde, so können wir dennoch mit einiger Genugtuung feststellen, dass es uns nun schon sieben Jahre lang immer wieder gelingt, ein Rosemeyer-Museum in Lingen zu verhindern. Damit einher ging eine erhebliche Informations- und Öffentlichkeitsarbeit, die allein schon die Mühen rechtfertigt, die mit unserem Kampf verbunden war. Es ist uns immer wieder gelungen, das Thema SS-Rosemeyer in den Mittelpunkt einer antifaschistischen Gedenkpolitik zu rücken und hierfür zahlreiche – vor allem auch junge – Lingener zu gewinnen.

So ergriffen im Frühjahr dieses Jahres zwei Studentinnen unserer Hochschule die Initiative und begannen eine Kampagne für die Umbenennung der „Bernd-Rosemeyer-Straße“.  Statt eines Lingener Nazis, so forderten sie, soll der Name dieser Straße in Zukunft eines Lingener Verfolgten des Naziregimes, des jüdischen Kaufmanns Fredy Markreich gedenken. Hunderte Bürgerinnen und Bürger unterstützten diese Forderung mit ihrer Unterschrift. Höhepunkt der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit unserer Stadt war die Kulturausschusssitzung vom 10. Juni 2021, in der dieses Thema heftig diskutiert wurde und die – u.a. nach fulminanten Redebeiträgen der Ratsmitglieder Robert Koop (Bürgernahe) und Dirk Meyer (FDP) –  mit dem Beschluss endete, eine „Entscheidungsfindung“ zu erleichtern durch die Erstellung eines „Kriterienkatalogs“, anhand dessen dann in 1 Jahr über den Antrag auf Umbenennung der Straße entschieden werden solle. Federführend bei der Erstellung dieses Katalogs, so wurde beschlossen, solle der Stadtarchivar Dr. Crabus sein. Wir dürfen also gespannt sein, welche Kriterien sich die Stadt Lingen zu eigen machen wird, wenn sie im Juni 2022 erneut über den Antrag, der von der FDP eingebracht wurde, beraten und entscheiden wird.

Was dieses Thema angeht, bin ich also auch mit dem endenden Jahr 2021 nicht unzufrieden. Allen, die sich in der Diskussion zu Wort gemeldet haben und zur Aufklärung der Öffentlichkeit beigetragen haben, möchte ich auf diesem Wege herzlich danken. Auch für Unterstützung und Zuspruch möchte ich heute ein  herzliches Dankeschön sagen.

Ihnen allen darf ich also schöne Weihnachtstage und alles Gute für das Neue Jahr wünschen.

Mit besten Grüßen

Christoph Frilling“

Lingener Jung‘

14. Juni 2021

Straßennamen sind öffentlich sichtbare „Ehrungen“, Anerkennungen und Widmungen. Somit formen sie aktiv einen essentiellen Teil der kollektiven Erinnerungskultur. Vor diesem Hintergrund müssen wir uns also die Frage stellen: An wen wollen wir mit einem Straßennamen erinnern und wen wollen wir „ehren“?“

Am vergangenen Donnerstag hat der Kulturausschuss des Lingener Stadtrates darüber debattiert, die bisherige, vom damaligen NS-Bürgermeister Plesse beschlossene Bernd-Rosemeyer-Straße neu in Fredy-Markreich-Straße zu benennen. Rosemeyer war ein großartiger Autorennfahrer, aber als einziger deutscher Renfahrer nach eigenem Bekunden bereits vor Hitlers sog. „Machtergreifung“ in SA und SS eingetreten. Als er bei dem Versuch starb, einen Geschwindigkeitsrekord aufzustellen, war er SS-Hauptsturmführer, was neben dem „Lingener Jung'“-Atttribut auf den Schildern an der Lingener Rosemeyer-Straße allerdings verschwiegen wird und alsbald nachgetragen werden muss. Fredy Markreich (Foto) war damals ein beliebter Lingener, wegen Tapferkeit im 1. Weltkrieg ausgezeichnet, Mitglied der Kivelinge und anderer lokaler Vereine und er war jüdischen Glaubens. Daher musst er 1939 seinen Besitz in der Großen Straße verkaufen und aus Deutschland vor der drohenden Vernichtung fliehen.

Am Ende der ernsten und sachlichen Debatte sprachen sich am Donnerstag im Ausschuss  „Die BürgerNahen“, Bündnis’90/Die Grünen und die FDP für die Umbenennung in Fredy-Markreich-Straße aus, CDU und SPD waren dagegen und setzten mit 8:3 Stimmen statt dessen einen Auftrag an die Verwaltung durch, einen Kriterienkatalog zu erarbeiten, nach denen künftig in Lingen Straßen benannt werden. Kriterien sind immer gut. Aber ernsthaft: In der öffentlichen Debatte der letzten Wochen ist mehrfach betont worden, dass Rosemeyer ein „Lingener Jung'“ gewesen sei. Wenn dies ein Kriterium für eine Ehrung durch einen Straßennamen ist, kann sich tatsächlich jemand vorstellen, dass dieses Merkmal seine Mitgliedschaft in SA und SS und seinen Offiziersrang in eben der SS unbedeutend werden lassen könnte?

Alles erinnert mich an die aktuelle Diskussion im fränkischen Schweinfurt. Dort gibt es das Willy-Sachs-Stadion, das 1936  der damalige Alleininhaber der Schweinfurter Fichtel & Sachs AG Willy Sachs für eine Million Reichsmark der Stadt Schweinfurt stiftete. Sie ahnen es: Willy Sachs trat 1933 in die SS ein und war seit 1. Mai 1933 Mitglied der NSDAP. Er hatte schließlich den Rang eines SS-Obersturmbannführers (1943), gehörte dem „Freundeskreis Reichsführer SS“ (Heinrich Himmler) an und war auch sonst tief in den NS-Staat verstrickt. Deshalb hat sich eine Initiative gebildet, damit sich der Stasionname jetzt ändert.

Man braucht kein Prophet zu sein: Die Neubenennung wird sowohl in Schweinfurt als auch in Lingen erfolgen. Dass Willy Sachs ein großzügiger Mäzen und Bernd Rosemeyer ein sehr guter Autorennfahrer waren, führt nicht dazu, den Mantel der Liebe über ihre jeweilige Verstrickung in den NS-Staat legen zu können.  Nach einem SS-Mann benennen eben nur Nazis eine Straße.

Bei uns wird die notwendige Neubenennung auch kaum dazu führen, dass die jetzige Rosemeyer-Straße wieder den Namen Bahnhofstraße trägt, wie es die etwas geschichtslos wirkende SPD favorisiert; denn zweifellos wäre dies eine Missachtung des Juden Fredy Markreich, der 1939 gerade noch vor Kriegsausbruch aus Deutschland nach Afrika flüchten konnte, dann aber leider nur fünf Jahre später im afrikanischen Liberia „an einer Seuche“ starb, wie man es in den lokalen Veröffentlichungen nachlesen kann.

Angesichts dessen weiß ich, wie ich mich zu entscheiden habe.

Hier geht es zu meiner Rede
am vergangenen Donnerstag (10.06.) im Kulturausschuss unserer Stadt, in der ich meine Position formuliert habe.

Hier geht es dann zur
Online-Petition für die Neubenennung