Googelt man ihn, erscheint der andere Bernd Rosemeyer unter „ferner liefen…“, was nichts über seine gegenwärtige Bedeutung aussagt; die ist nämlich aktueller als die des längst verblichenen Rennfahrers aus Lingen und Namensgebers für ein umstrittenes Museumsprojekt in der Lingener Burgstraße. Der „andere“ Bernd Rosemeyer stammt aus Löningen und ist ein „Neffe 3. Grades“ des Lingener Rennfahrers und SS-Offiziers.

Der eine befand sich mit 25 Jahren an der Schwelle zu einer Karriere als Autorennfahrer und SS-Führer in Nazi-Deutschland, der andere wanderte im gleichen Alter 1986 nach Brasilien aus, um sein Leben fortan den Straßenkindern in der Umgebung der Metropole Recife zu widmen.

Größte Kinderhilfsorganisation in Brasilien

Er gründete den Verein „O pequeno Nazareno“ (Der kleine Nazareno), der inzwischen zur größten Hilfsorganisation für Straßenkinder in Brasilien geworden ist.  So gibt es zwei Kinderdörfer, in denen die Straßenkinder nach oft mehreren Jahren eines erbärmlichen Lebens auf der Straße eine Schul- und Berufsausbildung erhalten. Rosemeyers Verein hilft den Kindern dabei, den Weg in eine neue Zukunft ohne Not und Elend einzuschlagen.

Der Machtantritt des neu gewählten rechtsgerichteten Präsidenten Jair Bolsonaro bereitet Bernardo Rosemeyer und seinem Projekt große Sorgen, denn die neue Regierung wird Gewalt und Korruption im Lande nicht eindämmen – Anlass für Bernd Rosemeyer, einen dramatischen Hilferuf nach Deutschland zu senden, der von der Löninger Lokalzeitung „Münsterländische Tageszeitung“ vor kurzem veröffentlicht wurde. Aus der Heimat erhält Bernd Rosemeyer Hilfe durch den Verein „Der kleine Nazareno“, den sein Bruder Werner Rosemeyer von Löningen aus leitet und dessen erklärtes Ziel es ist, Geld für das brasilianische Hilfsprojekt zu sammeln .

Joseph Wilhelm Rosemeyer, genannt „der Feuerfeste“

Wie sind die beiden Bernd Rosemeyers miteinander verwandt? Beider Ursprünge gehen zurück in das Jahr 1808, als in Löningen Joseph Rosemeyer geboren wurde. Dieser machte eine Lehre als Schlosser und gründete als Schlossermeister ein Unternehmen, das sich auf die „Herstellung von diebstahlsicheren Geldschränken“ spezialisierte und damit reüssierte. Er hatte zwei Söhne, Bernhard und Joseph Wilhelm, die ebenfalls Schlosser wurden. Joseph Wilhelm, im Volksmund „der Feuerfeste“ genannt, blieb in Löningen und war der Urgroßvater des nach Brasilien ausgewanderten Bernd Rosemeyer und dessen Bruder Werner, der eine Druckerei in Löningen betreibt.

Das 1. Automobil von Lingen

Bernhard hingegen trieb es nach Lingen. Er war der Großvater des Rennfahrers. 1876 wurde dessen Vater Wilhelm geboren, der in der früheren Lingener Bahnhofstraße eine Werkstatt mit Autohandel betrieb. Wilhelm war der erste Lingener, der ab 1911 ein eigenes Automobil fuhr,.  In seiner Werkstatt machte der junge Bernd Rosemeyer eine Lehre als KfZ-Mechaniker, hier bastelte er an Motorrädern und Autos und bereitete sich auf seine Rennkarriere vor. Hier erfuhr er allerdings auch seine „primäre Sozialisation“ als Nationalsozialist: Der damals noch junge Architekt Heino Deeken wohnte als möblierter Herr im Hause Rosemeyer. Er war Mitglied der SS und freundete sich schnell mit dem jungen Bernd an.  Aber auch Bernds Onkel Julius Rosemeyer war SS-Mann und dürfte seinen Neffen entsprechend beeinflusst haben.

Olympiateilnehmer Josef Rosemeyer aus Lingen

Wilhelms Bruder Josef (auch Jpseph) Rosemeyer war ein erfolgreicher Radrennfahrer, der für Deutschland bei den Olympischen Spielen 1896 in Athen startete. Er kam 1919 bei einem Unfall in Köln ums Leben.

In einem Gespräch von Christoph Frilling mit Werner Rosemeyer, dem Löninger Bruder des anderen Bernd Rosemeyer, stellte sich heraus, dass die Löninger Rosemeyers nur wenig über die Pläne des Lingener Bauunternehmers Heinrich Liesen informiert sind, ein Museum zu Ehren des SS-Rennfahrers Bernd Rosemeyer zu errichten.

Werner Rosemeyer: „Wenn mein Bruder in Brasilien über diese Gelder verfügen könnte, die in Lingen für das Museum ausgegeben werden, könnte er damit hunderten weiterer Straßenkinder eine bessere Zukunft bieten“.

Das Spendenkonto für die Organisation „Der Kleine Nazareno“ ist: Volksbank Löningen, DE91 280650610008070500 (Spendenquittungen werden ausgestellt)


Autor dieser kleinen Geschichte ist der Lingener Christoph Frilling. Er bot vor den Feiertagen den Beitrag der „Lingener Tagespost“ an, die aber ablehnte.  

Lingen vor 100 Jahren

28. Dezember 2018

Lingen vor 100 Jahren
Silvesterprogramm im Emslandmuseum
Lingen (Ems) – Emslandmuseum, Burgstraße 28b
Montag, 31.12.2018 – ab 13.30 Uhr
Eintritt: frei

Zu einem Rückblick auf „Lingen vor 100 Jahren“ lädt der Heimatverein Lingen am Silvesternachmittag (31.12., Einlass ab 13.00 Uhr, Beginn 13.30 Uhr) in das Emslandmuseum ein. Im Mittelpunkt steht bei den Bildervorträgen um 14, 15 und 16 Uhr die Zeit um das Schicksalsjahr 1918 in Lingen. Dabei wird auch ein historisches Filmdokument präsentiert. Das Café im Kutscherhaus ist ab 13.30 Uhr geöffnet und lockt mit Kuchenspezialitäten sowie frisch gebackenen Neujahrshörnchen.

Lingen vor hundert Jahren – das waren bewegte Zeiten. Der Erste Weltkrieg ging zu Ende, Arbeiter- und Soldatenräte übernahmen auch in Lingen die schwere Bürde des abgewirtschafteten Kaiserreiches. Die Zeit des Massensterbens in den Schützengräben und der Hungersnöte in der Heimat gingen nach vier Kriegsjahren zu Ende, aber von rosigen Zeiten konnte keine Rede sein. Die Kriegsschulden führten zu einer Hyperinflation und zu einer Wirtschaftskrise. Die Lingener Eisenbahner streikten für eine bessere Lebensmittelverteilung und gegen Massenentlassungen, viele Geschäfte und Betriebe standen vor dem Aus.

Erst allmählich besserte sich die Lage. Die neue Republik sorgte nicht nur für neue demokratische Rechte und das Wahlrecht für Frauen, sondern auch für Wohnungsbau und Sozialfürsorge. Im Strootgebiet und an der Schwedenschanze entstanden Wohnsiedlungen für die Eisenbahnerfamilien, neue Schulen und sogar eine Jugendherberge wurden eingerichtet. Die junge Generation sollte es einmal besser haben!
1926 erhielt Lingen Anschluss an das Elektrizitätsnetz der VEW und zum Stadtjubiläum 1928 konnte der Marktplatz mit hunderten von Glühbirnen festlich illuminiert werden. Theateraufführungen im Saal der Wilhelmshöhe und Kinosäle in der Stadt boten neue Möglichkeiten für Freizeit und Kultur. Die „Germanenfestspiele“ in Ahlde und die Heimatschauen der Kivelinge zogen tausende Besucher an. Das Vereinswesen blühte, etwa im Kolpingverband oder im Arbeiterverein, aber auch bei den vielen Sportvereinen. Immer mehr Automobile sausten durch die engen Straßen der Lingener Innenstadt – und natürlich Bernd Rosemeyer auf seinem Motorrad.
Mit der Weltwirtschaftskrise waren auch in Lingen die „goldenen Zwanziger“ vorbei. Die politische Stimmung wurde immer radikaler. Zwar hielten die meisten Lingener damals treu zur katholischen Zentrumspartei, aber der Weg Deutschlands in die Katastrophe war dadurch nicht mehr aufzuhalten.

Die Präsentation „Lingen vor 100 Jahren“ läuft um 13.30 sowie um 15.00 und 16.00 Uhr. Rechtzeitiges Erscheinen ist empfehlenswert. Das Café im Kutscherhaus ist von 13.30 bis 17.00 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei, der Spendenerlös des Nachmittags geht an die Telefonseelsorge im Emsland.

(Quelle: Stadt Lingen, Fotos von oben: Marktplatz Lingen 1918; VEW Lokomotive 1925, Sonntagsausflug nach Haneken 1918; Fotos Stadt Lingen (Ems))

Ein „Museum“ für

26. November 2018

Ein „Museum“ für Bernd Rosemeyer?
Ein Akademieabend im Ludwig-Windthorst-Haus
 zur Diskussion über eine Rennsport-Legende im Nationalsozialismus

Lingen (Ems) – LWH, Gerhard-Kues-Straße 16 
Dienstag, 27.11.2018 –  19:30 Uhr bis 21:30 Uhr
Eintritt frei
Es debattieren Dieter Krone, Oberbürgermeister; Dr. Heribert Lange, Vorsitzender Forum Juden Christen im Altkreis Lingen; Heinrich Liesen, Unternehmer, Lingen (Ems); Prof. Dr. Christoph Rass, Universität Osnabrück; Prof. Dr. Bernd Walter, Coesfeld
Leitung: Dr. Michael Reitemeyer
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„Der Unternehmer Heinrich Liesen plant die Einrichtung eines „Museums“ für den aus Lingen stammenden Rennfahrer Bernd Rosemeyer und seine Frau Elly Beinhorn. Diese Pläne haben über die Grenzen der Stadt Lingen hinaus für erhebliche Diskussionen gesorgt. Der Grund: Bernd Rosemeyer war Mitglied der SA und später der SS, seine sportlichen Erfolge stehen in unmittelbarem Zusammenhang mit der unheilvollen Verquickung von Rennsport, NS-Propaganda, Autoindustrie und Regime. Daraus ergibt sich unmittelbar die Frage: Darf man einem Profiteur des Systems ein Denkmal setzen? Ist das nicht Geschichtsklitterung?
Heinrich Liesen ist eine breite Akzeptanz des „Museums“ in der Region ein Anliegen. Er hat den langjährigen Leiter des LWL-Instituts für Westfälische Regionalgeschichte und Experten für die Zeit des Nationalsozialismus, Prof. Dr. Bernd Walter, als Kurator für diese Einrichtung benannt und damit beauftragt, ein Konzept zu entwickeln. Das Konzept war bereits im Juni von Experten diskutiert worden. Als ein zentraler Punkt wurde formuliert, dass eine solche Einrichtung nur dann Sinn mache, wenn sie neben den sportlichen Erfolgen auch die Schrecken der NS-Herrschaft darstelle, die Verquickung von Autoindustrie, Rennsport und NS-Propaganda ebenso wie die gleichzeitige Existenz der Emslandlager. An diesem Abend wird das Konzept erstmals einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt.

Das LWH lädt zu dieser Diskussion ein, weil es sich seit jeher als Plattform für die Diskussion aktueller gesellschaftspolitischer Fragestellungen versteht. Angesichts der immer stärker werdenden rechtspopulistischen und rechtsextremen Kräfte könnte diese Diskussion auch zu einer Lernerfahrung werden, wie wir unsere Demokratie besser verteidigen können.“
(Quelle)

Am vergangenen Dienstag hat das NDR Radio Niedersachsen unter dem Sendeformat „Jetzt reicht’s! – Rennen für Ringe und Hakenkreuz“ eine Diskussion über das geplante Rosemeyer-Beinhorn-Museum veranstaltet. Den Zusammenschnitt findet sich hier.

Die Veranstaltung selbst enthielt einige besonders tumb-gestrige, die Geschichte mit Füßen tretende Aussagen. So sagte der ehem. Berufssoldat Hans-Wolfgang Biermann, an den Vorsitzenden des Forum Juden Christen Dr. Heribert Lange gewandt: „Der erzieherische Wert des Bernd-Rosemeyer-Museums ist größer als alle Ihre Stolpersteine zusammen.“

Bernd Rosemeyer junior, eingespielt von außerhalb, meinte: „Die SS war am Anfang ‚eine positive Geschichte'“.

Pro-Rosemeyer-Gedenkstätte hat sich Werner Dietrich bereits in Leserbriefen geäußert. Am vergangenen Dienstag dann dies: „Bernd Rosemeyer starb, bevor die Untaten der SS begannen. Er lehne daher eine „kritische Beleuchtung“  Rosemeyers ab.

Man sollte diese NDR-Veranstaltung nicht zu ernst nehmen. Aber ich sage auch mit allem Nachdruck: Wehret den Anfängen!

Ich frage mich, weshalb man angesichts dessen für einen im besten Fall opportunistischen Sportler in der SS, eine museale Gedenkstätte will. Ich verstehe nicht, weshalb hier so geschichtslos argumentiert wird. Jeder Satz der Herren Biermann, Rosemeyer jun., oder Werner ist ein Schlag ins Gesicht der SS-Opfer.

In einem Bericht über die NDR-Veranstaltung in der Lingene Tagespost lese ich von all dem nichts. Mir liegt eine Information vor, dass der anwesende LT-Redakteur Carsten von Bevern diese Äußerungen nicht gehört habe. Nun, sie sind für jede/n im Radiomitschnitt zu hören. Anders als der bornierte Zuruf Biermanns Richtung Heribert Lange: „S-i-e nehme ich doch überhaupt nicht ernst…“

Der ehem. Lehrer Paul Haverkamp hat jetzt dies zum Thema geschrieben:

  1. Ja, die Stadt Lingen benötigt ein Museum, und zwar zur Ehrung der Personen, die von den Nazis
  • strafversetzt, zwangspensioniert bzw. ihrer Ämter enthoben wurden
  • gedemütigt und gequält wurden – bis in den Tod
  • abgesetzt und verunglimpft wurden
  • sich nicht haben einschüchtern lassen und die sich schützend vor Jugendliche gestellt haben
  • sich nicht davon haben abbringen lassen, ihr eigenes Leben aufs Spiel gesetzt haben, um Juden vor dem Massaker der SS zu bewahren.
  1. Ja, die Stadt Lingen benötigt ein Museum, um das Verhalten all derjenigen zu würdigen,
  • die im Stillen, im Geheimen zu den von den Nazis in Lingen gedemütigten und ihrer Menschlichkeit beraubten Juden und allen anderen Verfolgten unter Gefährdung ihres eigenen Lebens gestanden und ihnen im Rahmen ihrer Möglichkeiten geholfen haben
  • die nicht darauf bedacht waren, sich als Claqueure den Nazis zur Verfügung zu stellen, um sich auf diese Weise kurzfristige persönliche Vorteile zu verschaffen
  • die zuihren christlichen Wurzeln und ihren Wertvorstellungen gestanden haben
  • denen die Bewahrung humaner Werte, Geradlinigkeit und Menschlichkeit wichtiger waren als die auf Menschenverachtung, Freiheitsberaubung, Entzug der Menschenwürde, Gewalt, Rassismus und Völkermord aufbauende Naziideologie
  • Nein, wir benötigen kein Museum für einen SS-Hauptsturmführer,
  • der ohne politischen Zwang es vorzog, sich einem Verbrechersystem anzudienen, sowohl aus Überzeugung als auch mit dem Ziel, seine SS-Mitgliedschaft zu nutzen, mit sportlichen Erfolgen zu reüssieren und seinem unstillbaren Verlangen zur Mehrung seines Narzissmus immer wieder neue „Nahrung“ zu verschaffen
  • dem eine Mitgliedschaft im NSKK nicht reichte und vor der Machtübernahme im   Januar 1933 bereits Ende 1932 eine Mitgliedschaft in die SS anstrebte oder dieselbe bereits vollzog
  • dem seine mit pathologischer Obsession verfolgten Ziele der Erlangung sportlicher Trophäen und internationaler Medienaufmerksamkeit wichtiger waren als sich einen kritischen Blick für die auch bis zu seinem Tode bereits unübersehbaren Gräueltaten des NS-Verbrechersystems – vor allem ausgeübt von „seiner“ SS – zu bewahren

Ein Mensch mit einer solchen Biografie kann niemals ein erinnerungswürdiges Vorbild sein – vor allem nicht  für die heutige junge Generation!

Beispiele für das unter Punkt I aufgeführte Verhalten von Lingener Bürgern, die sich nicht haben verführen lassen und zu Recht eine Würdigung und Ehrung erwarten können; vor allem können sie Vorbilder für die heutige junge Generation sein:

  • Heinrich Brinkmann, Rektor, seit 1933 in ständigem Konflikt mit den Machthabern, 1937 zwangspensioniert
  • Anna Brauer, Hebamme in Brögbern, 1944 Gestapogefängnis Münster
  • Clara Eylert, Schulleiterin, 1937 strafversetzt und zwangsweise pensioniert
  • Pfarrer Georg Geers, widerständiger Pastor, der sich immer wieder mit den Nazis anlegte; letztlich trauten sich diese nicht, ihn zu belangen.
  • Heinrich Schniers, Pastor St. Bonifatius Kirche;  von den Nazis gedemütigt und gequält, starb 1942 im KZ Dachau
  • Hermann Gilles wurde als Zentrumsbürgermeister Lingens von den Nazis 1933 abgesetzt  und verunglimpft
  • Josef Terstiege, Zentrumsbürgermeister bis 1933, von den Nazis abgewählt
  • Julius Landzettel, Gewerkschaftssekretär und bis 1933 Bürgervorsteher; von den Nazis abgesetzt
  • Paul Keseling, Direktor des Georgianums 1945 – 1954; wurde 1935 strafversetzt, weil er sich schützend vor Schüler gestellt hatte, die ihr ND-Heim in Rheitlage abgebrochen hatten, um es vor Übernahm durch die HJ zu schützen
  • Dr. Mathilde Vaerting aus Messingen, 2. weibliche Lehrstuhlinhaberin in Deutschland; 1933 aus dem Amt geworfen
  • Gerhard Schwenne, Priester und Studienrat, Zentrumspolitiker, 1933 strafversetzt
  • Heinrich Löning (Foto), mutiger Lingener Arzt, der stets darum bemüht war, die ukrainischen Juden von Kowel vor dem Massaker der SS-Mordgesellen Hitlers und Himmlers zu bewahren, und dafür sein eigenes Leben aufs Spiel setzte.
  • Zu erwähnen bleiben auch mutige Personen wie Altbürgermeister Robert Koop sen., die Eltern des Altoberbürgermeisters Bernhard Neuhaus und der Lingener Arzt Dr. Ferdinand Beckmann.

Lieber Paul Haverkamp, danke!

Der blonde Bernd

13. Juli 2018

Da gibt es seit gestern einen aktuellen Beitrag im Deutschlandfunk Kultur über unseren blonden Bernd. Lies mal:

„Bernd Rosemeyer war ein populärer Rennfahrer. Aber er war auch SS-Hauptsturmführer. Nun will seine Heimatstadt Lingen mit einem Museum an den „blonden Bernd“ erinnern – eine umstrittene Ehrung.

„Pop-Star des Dritten Reiches“, „Vollgas-Virtuose“, „Draufgänger mit 545 PS“ – hier ist die Rede ist von Bernd Rosemeyer und so lauten die Überschriften, die man zu dem verstobenen Rennfahrer im Netz findet. Sein Name ist in Lingen zum Gesprächsstoff geworden, denn dem 1909 geborenen Rosemeyer soll ein privates Museum gewidmet werden.

Der Haken daran ist das Hakenkreuz, das seine Rennautos zierte. Und das Hakenkreuz wird bis heute mit ihm in Verbindung gebracht. „Wir sehen es als sehr problematisch an, für einen ehemaligen SS-Offizier, hier ein privates Museum zu errichten“, sagt Stefan Altmeppen, Erster Stadtrat Lingens. Rosemeyer trat – spätestens 1933 – freiwillig der SS bei. Für seine Siege im Autorennen wurde der „blonde Bernd“ zum „Hauptsturmführer“ ernannt. Schon damals polarisierte er. Umstritten ist er bis heute.

Hitler, Himmler und Göring kondolierten

Als Rosemeyer dann…“

[weiter bei Deutschlandfunk Kultur]

[Hören]

Inszenierung

18. Juni 2018

Die private Initiative von Heinrich Liesen, ein Rosemeyer-Museum und damit eine Gedenkstätte für ein SS-Mitglied, in Lingen zu eröffnen, gehört in den öffentlichen Diskurs – nicht hinter irgendwelche „Mauschelmauern“. Die aber errichtet gerade das Ludwig-Windthorst-Haus (LWH) aus Motiven, die ich nicht kenne.

Heute findet nämlich ein erstes, ganz vertrauliches Treffen in den aufgeklärt-katholischen Hallen des Holthausener LWH statt. Das soll wohl dazu dienen, den vom Museumspaten Heinrich Liesen beauftragten und vergüteten  Professor Dr. Bernd Walter mit dem LWH-Akademiedirektor Dr. Michael Reitemeyer bekannt zu machen. Ebenfalls, so höre ich, seien dort der Initiator Heinrich Liesen und der Münchener Arzt und Rosemeyer-Sohn Bernd Rosemeyer jr. dabei – sowie -ganz sicher sind sich meine Quellen nicht-  auch der ehemalige Lingener Stadtarchivar Dr. Ludwig Remling, der bei dem nächsten, bereits für den 22. 6. anberaumten Treffen verhindert sei.  Von Anfang an ist auch LT-Mann Carsten von Bevern mit im Boot, wird sich aber zunächst zurückhalten. Das Ziel heute ist offenbar: Gemeinsam soll das Szenario für die größere Veranstaltung festgelegt werden.

Das heutige Treffen bereitet also eine freitägliche Zusammenkunft vor, die dann in knappen zwei Stunden den Rosemeyer-Museumsplan behandeln soll. Das Treffen am kommenden Freitag ist als nicht-öffentliches „Fachgespräch“ deklariert, und es wird anschließend einen großen Bericht in der LT-Lokalzeitung geben. Er soll jetzt bereits zwischen LT-Mann Carsten von Bevern und Museumsinitiator Heinrich Liesen abgestimmt sein. Tenor des Artikels: Liesens Museumskurator Professor Dr. Bernd Walter hat – sehr demokratisch – einen Entwurf für die Konzeption des Museums einem Kreis von ausgewiesenen Fachleuten sowie dem Forum Juden Christen vorgestellt. Mit diesen wurde Walters Entwurf eingehend erörtert. Die Hinweise, die Prof. Walter erhielt, werden sehr ernst genommen und  werden sich auch in der endgültigen Fassung der Konzeption niederschlagen  So ähnlich wird das der Zeitungsmacher mit dem Kürzel CvB schreiben und die LT es bringen.

Klar ist: Die -mit einer Ausnahme männlichen- Teilnehmer des  Fachgesprächs am 22.06. sind längst nicht alle auf Liesens Linie. Ich denke da an den Osnabrücker Prof. Dr. Christoph Rass, an den Lingener Stadtarchivar Dr. Mirco Crabus und Museumschef Dr. Andreas Eiynck. Bei den beiden letzteren stellt sich mir aber schon die Frage, mit welchem Mandat und in wessen Auftrag sie dort auftreten. Unsere Stadt hat doch eine verbindliche Beschlusslage dazu, dass es keine Zusammenarbeit geben wird. Ist die nicht zumindest für Dr. Crabus bindend?

Bei Teilnehmer Professor Dr. Hans-Ulrich Thamer (Münster) kann man sich der Position nicht sicher ein. Er hat sich zwar nicht geringe Verdienste bei der durchgeführten Umbenennung des Münsteraner Hindenburgplatzes in Schlossplatz erworben, ist aber andererseits langjähriger Wissenschaftsfreund von Liesens Aufragnehmer Prof. Walter. Der  Oldenburger Juniorprofessor Dr. Malte Thiessen (Oldenburg) müsste eigentlich auf Seiten der Gegner des Museums stehen; jedenfalls entsteht dieser Eindruck aufgrund einiger seiner Veröffentlichungen. Andererseits ist er der direkte Nachfolger von Prof. Walter beim LWL in Münster, und wer weiß schon, ob er diesem vielleicht wegen dieses schönen und lukrativen Jobs zu Dank verpflichtet ist? Die emsländische Museumschefin Dr. Andrea Kaltofen, einzige Frau in der Männer-Expertenrunde, ist eine Loyale, vor allem gegenüber dem Landkreis Emsland, ihrem Arbeitgeber. Sie wird sich im Zweifel vermutlich zurückhalten. Eingeladen ist auch Dr. Heribert Lange, der Sprecher des Forums Juden Christen im Altkreis Lingen. Das Forum lehnt die Rosemeyer-Gedenkstätte bekanntlich strikt ab.

LWH-Chef Dr. Michael Reitemeyer ist der „Moderator“ des Fachgesprächs. Er hatte ursprünglich vorgeschlagen, auch den Lingener Kommunikationswissenschaftler und Autor Christoph Frilling einzuladen. Dies haben jedoch die Herren Rosemeyer jr. und Liesen sinngemäß mit den  Worten abgelehnt: „Wenn der kommt, nehmen wir nicht teil.“

Alle genannten Fachleute sind bisher übrigens nur eingeladen. Ob sie tatsächlich am Freitag in’s LWH kommen, weiß ich nicht. Aber falls nicht, hat Museumsmacher Heinrich Liesen ja zumindest seinen guten Willen gezeigt. 😉

Heute stellt sich mir in erster Linie die Frage, ob Gegner des Museums überhaupt gut daran tun, an dieser Inszenierung teilzunehmen. Oder tappen sie da in eine aufgestellte PR-Falle und werden als Alibi eingesetzt. Jedenfalls sollten sie ernsthaft ihre Teilnahme auf den Prüfstand stellen, zumal wenn es im Vorfeld des 22. Juni ein erstes Treffen gibt, zu dem sie gar nicht eingeladen sind. Dasjenige heute zum Beispiel.

Gastgeber Michael Reitemeyer hat in seinem Einladungsschreiben für den 22. geschrieben, das LWH lade ein, weil es sich als „Plattform für die Diskussion aktueller gesellschaftspolitischer Fragestellungen verstehe. In diesem Sinne sei das LWH „neutraler Boden.“ Das ist ein ausgesprochen schräger Terminus, wie ich finde. Wenn es dann noch heißt, dass „gerade dieses Thema aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet werden (sollte)– weil es ausgesprochen vielschichtig ist“, frage ich mich, was an einem von der NS-Propaganda instrumentalisiserten Sportler vielschichtig ist. Seine freiwillige SS-Mitgliedschaft kann es nicht sein.

Gerade in diesem Semester hält Professor Dr. Klaus Kocks eine Vorlesung zu dem Thema an der Hochschule Osabrück auf dem Campus Lingen. Bezeichnend ist es daher, dass auch dieser Mann als Teilnehmer von Initiator Heinrich Liesen abgelehnt wurde. Daneben stört aber vor allem eins: Es wird kein öffentlicher LWH-Akademieabend, sondern eine interne, eingemauerte Veranstaltung. Auf dieses interne „Experten“-Spektakel kann man daher gern verzichten.

Die aufgeklärte Bürgergesellschaft braucht keine solche Expertenrunde. Sie braucht in „Fliegenschiss“-Zeiten mehr denn je den öffentlichen Diskurs, damit die Initiatoren erkennen, was sie da mit ihrer Gedenkstätte anrichten. 

Nazi-Kultort

13. Juni 2018

Der NDR hat ein kurzen Beitrag über das weiterhin in Lingen(Ems) geplante Rosemeyer-Museum gesendet.  Endlich nehmen erste Organisationen außerhalb Lingens diesen politischen und moralischen Skandal wahr.

Hier gehts zum NDR-Beitrag – bitte anlicken:

 

Apfel kann keine Birne sein

26. Februar 2018

„Bernd-Rosemeyer-Stiftung“ – unter diesem Namen finden seit 2013 in Lingen Veranstaltungen, Events und Oldtimer-Rennen statt. Dahinter stehen der Lingener Kaufmann Heinrich Liesen und der Sohn des während der NS-Zeit erfolgreichen Rennfahrers, Prof. Bernd Rosemeyer junior. Doch gibt es diese Stiftung überhaupt?

Diese Fragen stellt sich besonders, nachdem Liesen nun auch noch ein „Museum“ zu Ehren des 1938 bei einem Rekordversuch ums Leben gekommenen, aus Lingen stammenden Rennfahrers (Foto unten: Rosemeyer als Motorradrennfahrer 1932) einrichten will. Hiergegen regt sich ernst zu nehmender Widerstand, war doch der wackere Auto-Union-Pilot auch Mitglied der SS im Range eines Hauptsturmführers – nach eigenem Bekunden seit 1932 SS-Mitglied. Und nicht nur das: Rosemeyer fungierte als williges Propaganda-Sprachrohr für das Hitler-Regime.

Die Bernd-Rosemeyer-Stiftung wurde im Juni 2013 in einem Lingener Renommier-Hotel aus der Taufe gehoben. Auch der Lingener Oberbürgermeister Dieter Krone nahm an der Gründungsversammlung teil – rein passiv wie er zuletzt in der vergangenen Woche in den Ratsgremien bekundete. In einer Stellungnahme erklärte Krone jetzt: „Ob allerdings die Stiftung tatsächlich gegründet worden ist, entzieht sich meiner Kenntnis.“

Und in der Tat: Nachforschungen des Lingener Autors Christoph Frilling ergaben, dass eine solche Stiftung nicht existent ist. Im Weser-Ems-Stiftungsverzeichnis in Oldenburg  ist sie nicht eingetragen. In den amtlichen Stiftungsregistern in Berlin und in Bayern auch nicht. Dabei hatte Heinrich Liesen schon 2013 in einem Radio-Interview und vor der Lokalpresse verkündet, „behinderte Sportler“ und „alleinerziehende Mütter“ aus Mitteln der Stiftung finanziell zu fördern.Ob daraus etwas wurde, ist nicht bekannt.

Die „Bernd-Rosemeyer-Stiftung“ prangte allerdings schon 2014 auf großen Transparenten mit dem Konterfei des toten Rennfahrer-Helden am Haus Marienstraße 1 in der Lingener Innenstadt. 2015 wurde eine „Rosemeyer Oldtimer Rallye“ unter dem Namen der „Stiftung“ angekündigt, unterzeichnet von Heinrich Liesen und Bernd Rosemeyer junior. Bei den lokalen  Rallyes wurde ebenfalls ein großflächiges Transparent mit der Aufschrift „Bernd-Rosemeyer-Stiftung e.V“ verwendet. Das ist schwerlich möglich, weil ein e.V., also ein eingetragener Verein, keine Stiftung sein kann, die Rechtsformen schließen einander aus; ein Apfel kann eben auch keine Birne sein. Im Vereinsregister des Amtsgerichts Osnabrück ist denn auch ein Verein solchen namens nicht eingetragen. Damit gerät die Initiative Liesens auch ins juristische Zwielicht. Sein Museums-Projekt war im vergangenen Frühjahr vom lokalen „Forum Juden – Christen“ und von de Gremien der Stadt Lingen (Ems) abgelehnt worden.

(Ein Beitrag von Jonas Johannsen mit Material von Christoph Frilling)

Heldentod

16. Februar 2018

Neues in der Rosemeyer-Saga, auf die jetzt die überregionalen Medien aufmerksam werden. Die taz berichtet ausführlich:

„BREMEN taz | Im emsländischen Lingen regt sich Widerstand. Dort plant der Bauunternehmer Heinrich Liesen ein Museum, das sich dem gebürtigen Lingener Bernd Rosemeyer widmen soll. Der war in der NS-Zeit nicht nur ein berühmter Rennfahrer, sondern auch Mitglied der SS – und das bereits seit 1932. Rat und Verwaltung haben deutlich jegliche Unterstützung für das Museum abgelehnt, anschließend an eine ebenso deutliche öffentliche Stellungnahme des Lingener Vereins Forum Juden-Christen – das private Museum soll dennoch kommen, spätestens Anfang 2019 soll es eröffnen.

Bernd Rosemeyer starb jung, im Alter von 28 Jahren, im Januar 1938 bei einem Weltrekord-Versuch auf der Reichsautobahn Frankfurt–Darmstadt bei Mörfelden-Walldorf. Der Tacho seines Wagens zeigte eine Geschwindigkeit von fast 430 Stundenkilometern an.

Ein Heldentod, der von den Nazis gebührend ausgeschlachtet wurde: Tausende erwiesen dem Rennfahrer die letzte Ehre, eine Abordnung der „Leibstandarte SS Adolf Hitler“ hielt die Mahnwache.

Hitler und Himmler…“

[weiter hier]

grundlegend falsch

6. Februar 2018

Die Rosemeyer-Debatte geht weiter. Am Montag hat das Forum Juden Christen im Altkreis Lingen eV auf ein Interview reagiert, das der in Westfalen lebende Historiker Bernd Walter der „Lingener Tagespost“ gegeben hatte. Der Lingener Kaufmann Heinrich Liesen hat mit Walter einen Historiker gefunden, der sich dazu bereit erklärt hat, das geplante Rosemeyer-Museum wissenschaftlich zu begleiten. Darin hatte ausgeführt:

„Mir ist klar, dass moralische Urteile notwendig sind, um aus der Geschichte zu lernen – auch wenn diese Urteile selbst wiederum nie zeitlos sind. In Lingen scheint aber Erinnerungskultur in pädagogischer Absicht auch der Ent-Historisierung zu dienen, da offensichtlich bestimmte Bereiche ausgeblendet werden sollen.“

Diese zentrale Aussage habe nicht nur ich erst einmal als erhobenen Zeigefinder und völligen Missgriff gegenüber denen empfunden, die sich im und als Forum Juden Christen unschätzbare Verdienste um die Jahrzehnte in Lingen nicht vorhandene Erinnerungskultur gemacht haben und machen. Hinzu kommt, dass die Walter’sche Einordnung philosophisch wie rechtlich völlig inakzeptabel ist, weil sie am Ende des Tages NS-Rassismus und die Nazi-Angriffe auf jegliche Menschenwürde in unvertretbarer Weise relativiert. Sie ist damit  letztlich nur Winzigkeiten von dem Vorwurf entfernt, die Kritiker des NS-Staates im Allgemeinen und des Gedenkmuseums in Lingen für den SS-Mann Rosemeyer i, Besonderen hätten unter den Bedingungen des NS-Staates wohl nicht anders reagiert als der Rennfahrer.

Für das Forum Juden-Christen nahmen gestern in einer Pressemitteilung die Vorsitzenden Heribert Lange und Michael Fuest so Stellung:

„In dem Interview mit Prof. Dr. Walter auf der Emslandseite der LT vom 3.2.d.J. findet sich der an das Forum Juden-Christen adressierte Einwand, man bediene sich dort bei der Bewertung der Rolle des Rennfahrers Bernd Rosemeyer des Mittels und der Methode der EntHistorisierung. Aus Prof. Walters weiterer Ausführung wird sodann klar, dass er damit das der deutschen Gesellschaft in der Zeit des Nationalsozialismus vielleicht abhanden gekommene moralische Bewusstsein und ihr müde gewordenes moralisches Gedächtnis meint, und diesen Umstand zugleich zur Erklärung der gänzlich arglosen Solidarisierung Bernd Rosemeyers mit den NS-Machthabern und seiner Verstrickung mit dem nationalsozialistischen System heranziehen möchte.

Sollte das in der Tat Prof. Walters Stoßrichtung sein, müsste nicht uns, sondern ihm der Vorwurf der Enthistorisierung entgegengehalten werden. Denn mit dieser wirklich „steilen“ These soll vermutlich nahegelegt werden, dass Moral als Messlatte für Rosemeyers Entscheidung für oder gegen das Unrechtsregime der Nazis nicht oder allenfalls am Rande in Betracht kommen konnte, da es Moral damals nicht, zumindest nicht mehr in der uns vertrauten Lesart, gegeben habe.

Dies aber ist grundlegend falsch. Denn kein Mensch hat bei aller zuzugebenden Bindung der Moral an die jeweilige Zeit und die Entwicklung der Gesellschaft in dieser Zeit die angestammte Moral und die ihr zugrunde liegenden ethischen Gesetze aus ihrer Geltung entlassen. Auch gab es  in aller Zeit noch keinen Menschen, der das Ende der Menschenwürde und der Menschenrechte hätte verkünden können. Die politischen Philosophen sind im Übrigen auch, also anders als Herr Prof. Walter und [LT-Rdakteur] Herr van Bevern und unseres Wissens übereinstimmend der Ansicht, dass es keine nationalsozialistische Sondermoral geben konnte und gab, mittels derer die Verachtung des Einzelindividuums, Rassismus und Massenmord hätten gerechtfertigt werden können.

Was die Nazis getan haben, kann man deshalb nur als die Folge eines bewussten und generellen Bruchs der immer schon gültigen und in keiner Zeit davor und danach ernsthaft angefochtenen allgemeinen und universalen Ethik begreifen. Die Geschichte dieses Ethikbruchs hat der Jurist und Rechtsphilosoph Gustav Radbruch (Foto lks., aus dem Reichstags-Handbuch 1920, @ gemeinfrei) bereits 1946 in einem berühmt gewordenen Aufsatz mit dem Titel ‚Vom übergesetzlichen Recht und vom gesetzlichen Unrecht“ dargestellt. Und weder in den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen noch in den von Fritz Bauer angestrengten Frankfurter  Auschwitzprozessen sind die Verteidiger mit ihrer Behauptung einer spezifischen nationalsozialistischen Sondermoral „oben geblieben“.
Bernd  Rosemeyer hat diesen Bruch des abendländischen Sittengesetzes vermutlich  nicht sehenden Auges und hoffentlich auch nicht aus tiefer Überzeugung akzeptiert. Anscheinend aber hat er diese moralische Katastrophe um seiner Karriere willen in Kauf genommen und sich sodann beinahe umstandslos und vor allem demonstrativ für die Öffentlichkeit durch seine SS-Mitgliedschaft mit eben diesem System verbunden und sich von dessen auch damals schon aktiven Mordgesellen vereinnahmen lassen.“