Der Wasserverband Lingener Land will mehr Wasser fördern, um den steigenden Bedarf zu decken. Gegen entsprechende Pumpversuche regt sich aber Widerstand – aus Angst vor Gebäudeschäden. Jetzt klagt die reformierte Landeskirche gegen die Pumpversuche im Raum Lengerich. (Emsland)

Wie NDR 1 Niedersachsen berichtet, will der Verband aufrüsten, weil der Verbrauch in dem Einzugsgebiet in vergangenen drei Jahren um 11 Prozent gestiegen ist. Dies entspricht fast 800.000 Kubikmeter Wasser. Bis zu anderthalb Millionen Liter Wasser sollen bei den Versuchen pro Jahr gefördert werden. Die Landeskirche hat vor dem Verwaltungsgericht Osnabrück Klage eingereicht.

Die Kirche fürchtet Schäden am Fundament des evangelisch reformierten Gotteshauses in Lengerich. Es ist mehr als 1.000 Jahre alt und damit eines der ältesten Kirchengebäude im Emsland. Seit vergangenem Jahr bröckelt Putz von der Nordwand des Bauwerks. Die Pastorin Frauke Schäfer sieht einen Zusammenhang mit den Pumpversuchen. Offenbar senkten sich die Fundamente. „Unsere Befürchtung ist, dass unsere schöne, alte, historisch wertvolle Kirche Schaden nimmt“, so die Pastorin.

Auch Anwohner schauen mit Sorge auf die Arbeiten. So lässt Josef Mönster derzeit durch eine Fachfirma messen, ob die Holzständer seines Hauses aus dem 19. Jahrhundert absacken. Zudem prüft Mönster den Grundwasserstand: „Wir haben dort vor dem Haus eine eigene Messstelle seit über einem Jahr und haben dort festgestellt, dass der Wasserstand seit Beginn der Pumpversuche um 1,88 Meter gefallen ist.“ Mönster hat eine Petition gestartet. (mehr…)

Reinhold Gels vom Wasserverband Lingener Land betont, dass die Sachverständigen die denkmalgeschützten Gebäude genau im Blick hätten. „Was wir jetzt machen, sind im Prinzip Vorerkundungen, die auch unbedingt notwendig sind, um hier die Wasserversorgung sicherzustellen.“ Ein Verhandlungstermin am Verwaltungsgericht Osnabrück steht noch nicht fest. Genehmigungsbehörde des Pumpversuchs ist der Landkreis Emsland.

Rede 09.11.2015

9. November 2015

Hier die heutige Rede von Dr. Heribert Lange, Vorsitzender des Forum Juden Christen Altkreis Lingen eV, bei den Gedenkfeiern zur Reichspogromnacht am Gedenkort Jüdische Schule in Lengerich und Lingen (Ems). Ungewöhnlich und notwendig: Es gab Beifall.

(Anrede) gerne möchte ich Ihnen zunächst dafür danken, dass Sie auch in diesem Jahr wieder zum Gedenken an die Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 hierher gekommen sind, ganz besonders den noch jüngeren Menschen, mit denen wir unsere Hoffnung verbin-den, dass sie die Erinnerung, auch die mahnende Erinnerung an die Geschichte der Shoah ei-
nes Tages weitertragen und sie bewahren.
In dieser Novembernacht 1938 wurden beinahe überall in Deutschland die Synagogen, jüdischen Bethäuser und andere jüdische Einrichtungen in Brand gesteckt. Es hat sich inzwi-schen herumgesprochen und steht inzwischen auch in allen einschlägigen Geschichtsbü-chern, dass dieses Flammenmeer über Deutschland den Beginn der Shoah bedeutete, also der geplanten und fabrikmäßigen Ermordung der Juden Deutschlands und Europas. Und es ist ebenfalls bekannt, dass die jüdischen Opfer der Nazis, die in den Gaskammern oder auf ande-re grausame Weise ermordet und in den Feueröfen der KZs verbrannt wurden, in Millionen zählen – genau gesagt sechs Millionen, vielleicht noch mehr…. [weiter].

GedenkortJüdischeSchule
Die Reichspogrome und der Jahrestag der Synagogenzerstörung jähren sich heute zum 77. Mal. Das Forum Juden-Christen Altkreis Lingen e.V.  lädt in Zusammenarbeit mit der Stadt Lingen (Ems, der Stadt Freren sowie der Gemeinde Lengerich auch in diesem Jahr zu Gedenkveranstaltungen ein.
Der Seminarkurs „Geschichte“ der Klasse 12 des Gymnasium Georgianum begleitet  die Gedenkfeiern in Lingen (Ems).
Lingen
18:00 Uhr Ökumenischer Gottesdienst in der Reformierten Kirche an der Kirchstraße
19:00 Uhr Gedenkfeier am Lern- und Gedenkort Jüdische Schule, Jakob-Wolff-Straße 1. Anschließend sind alle Interessierten zur Mahnwache an drei Stolpersteinen in der Alten Rheiner Straße 3, die an das Schicksal der Familie Frank erinnern, eingeladen.Freren
10:00 Uhr Gedenkfeier am Gedenkstein in der GrulandstraßeLengerich
16:00 Uhr Gedenkfeier am jüdischen Gedenkstein im Bürgerpark Lengerich

(Foto: Forum Juden-Christen Altkreis Lingen e.V.)

parteilos

28. September 2015

Bei den nordrhein-westfälischen Stichwahlen haben gestern die Wähler für manche Machtwechsel in den Rathäusern gestimmt. In Essen siegte CDU-Herausforderer Thomas Kufen mit überzeugenden 62,6 % über den amtierenden OB Reinhard Paß (SPD) mit 37,4 %. Damit stellt die CDU wieder einen Oberbürgermeister in einer deutschen Großstadt mit mehr als 500.000 Einwohnern; alledings betrug die Wahlbeteiligung nur peinliche 27,7 %. In Wuppertal verlor CDU-Oberbürgermeister Peter Jung gegen den 48jährigen SPD-Herausforderer Andreas Mucke, der mit 59,7 % siegte. In Krefeld wurde SPD-Mann Frank Meyer 63,8%  Prozent neuer OB gewählt. Im traditionell roten Bochum wurde Oberbürgermeister Thomas Eiskirch mit 53,1 % wiedergewählt. In Solingen setzte sich der rot-grüne Kandidat Tim-Oliver Kurzbach mit 55,6 % durch.

Überraschungen auch auch im benachbarten Münsterland. Hier gewannen glich in fünf von sechs Städten und Gemeinden die Kandidaten ohne Parteibuch durchgesetzt.

OstholthoffDer neue Bürgermeister in Hörstel heißt David Ostholthoff (Foto rechts). Der 37jährige Sparkassenmitarbeiter wurde von der SPD ins Rennen geschickt. Der CDU-Kandidat, Hörstels Kämmerer Willi Peters, unterlag mit 48,7%.  Das war gestern Abend wohl die  dickste Überraschung; denn im ersten Wahlgang vor zwei Wochen hatte Hörstels Kämmerer Willi Peters immerhin stolze 49 % erreicht und SPD-Ratsmitglied Ostholthoff nur 38,4 %.

In Laer hat der amtierende Bürgermeister Detlev Prange verloren: Er erreichte nur 38,5 % der Stimmen und verlor damit deutlich gegen seinen Herausforderer Peter Maier. Damit setzte sich ein Mann aus Bayern, der für die SPD und die FDP ins Rennen gegangen ist, gegen den einheimischen, von der CDU unterstützten Amtsinhaber durch.

Die Stadt Ahaus hat künftig eine Bürgermeisterin. Bei der Stichwahl erhielt die Unabhängige Karola Voß beeindruckende 67,6 % und bezwang damit sehr klar. Christoph Almering (CDU) mit 32,4 %. Die neue Bürgermeisterin gewann übrigens alle 26 Stimmbezirke und dies überall mit deutlichem Vorsprung.

In Ahlen gab es ein Kopf-an-Kopf-Rennen, das der Kandidat von CDU/FDP, Dr. Alexander Berger, mit 50,9 % knapp für sich entschied. 49,1 Prozent bekam die SPD-Kandidatin Ulla Woltering.  Die Wahlbeteiligung war mit 44,9 Prozent allerdings gering.

Marion Dirks ist mit 55,3 % die alte und neue Bürgermeisterin in Billerbeck. CDU-Kandidat Stefan Holtkamp bekam 44,7 % der Stimmen. Die Wahlbeteiligung lag bei sehr ordentlichen 62,9 %.

Wilhelm Möhrke verbuchte in Lengerich als unabhängiger Einzelbewerber außergewöhnliche 67,5 %  und setzte sich sehr deutlich gegen SPD-Mitbewerber Björn Schilling (32,5 %) durch. Der 63-jährige neue Bürgermeister ist gelernter Apotheker und seit 20 Jahren Vorsitzender des Stadtmarketingvereins „Offensive“.

(Foto via facebook)

Bürgermeisterwahl: 33:4

13. September 2015

Landesweit kann die NRW-CDU mit den heutigen Wahl der Landräte und Bürgermeister zufrieden sein; die NRW-SPD musste dagegen deutliche Verluste einstecken. In Oberhausen verloren die Sozialdemokraten nach fast 60 Jahren den Oberbürgermeister-Posten. Der CDU-Kandidat Daniel Schranz entschied die Wahl mit 52,5 % der Stimmen für sich.

Auch in Bonn gewann der CDU-Kandidat und die SPD verlor nach mehr als 20 Jahren  das OB-Amt. Gewählt wurde der indischstämmige CDU-Kandidat Ashok-Alexander Sridharan mit 50,06 % der Stimmen.

In 37 Städten und Gemeinden im Münsterland wählten die Westfalen heute ihren Bürgermeister, im Kreis Coesfeld und im Kreis Steinfurt wurden außerdem neue Landräte gesucht. Nur wenige Überraschungen waren dabei, meist gab es klare Ergebnisse. Nur in sechs Kommunen wird in zwei Wochen eine Stichwahl über das neue Stadtoberhaupt entscheiden, nämlich in Ahaus, Ahlen, Billerbeck, Hörstel, Laer und Lengerich.

In Münster gewann Amtsinhaber Markus Lewe (CDU) sein Amt im ersten Wahlgang. Der CDU-Politiker erhielt 50,6 % der Stimmen und muss nicht in die Stichwahl. Auf Platz zwei kam Jochen Köhnke (SPD) vor der Grünen Maria Klein-Schmeink (Grüne).

Heinz Öhmann (CDU), in den 1990er Jahren kurzzeitig Kämmerer in Lingen (Ems),  bleibt mit 64,5 % der abgegebenen Stimmen Bürgermeister von Coesfeld. Sein Konkurrent Rainer Lagemann, den SPD, Pro Coesfeld, Grüne, Aktiv für Coesfeld und die Familienpartei gemeinsam auf den Weg geschickt hatten, bekam 35,5 %. Die Wahlbeteiligung in Coesfeld lag übrigens nur bei 47,6 %.

In Rheine gewann der schwarz-grüne Kandidat: Dr. Peter Lüttmann (aufgestellt von CDU und Grünen) setzte sich wie erwartet deutlich gegen zwei Einzelbewerber mit 76 % durch; die lokale SPD hatte es nicht geschafft, einen eigenen Kandidaten in der 80.000-Einwohner-Stadt zu nominieren…

Bei der Landratswahl im Kreis Steinfurt wurde CDU-Mann Klaus Effing (57,7 %) Nachfolger von Thomas Kubendorff (CDU). SPD-Kandidat Stefan Giebel kam auf 30 %. Auch bei der Landratswahl im Kreis Coesfeld siegte der CDU-Kandidat: Christian Schulze Pellengahr holte auf Anhieb  62 %, der SPD-Kandidat Carsten Rampe kam auf 38 %.

Insgesamt wurden -wenn ich es richtig ausgewertet habe- 33 Männer und lediglich vier Frauen in das Bürgermeisteramt gewählt -in Borken, Dülmen, Nottuln und in Steinfurt, wo die ehemalige FDP-Bundestagsabgeordnete Claudia Bögel-Hoyer den langjährigen Bürgermeister Andreas Hoge ablöst.

Auch bei diesen Wahlen ist eine ausgesprochen schlechte Wahlbeteiligung zu beklagen. Sie ist erneut gesunken und hat sich gegenüber der Wahl im Mai 2014 (50 Prozent) nochmals verschlechtert hat.

Bei den Bürgermeister-Wahlen wurde bei etwa der Hälfte der Bezirke eine Beteiligung zwischen 40 und 50 Prozent gezählt. An wenigen Orten gingen über 60 Prozent der Berechtigten wählen, in Billerbeck waren es gar 68 Prozent. Lotte und Unna erreichten weniger als 30 Prozent, meldet der WDR.

Hier auf der Wahlkarte der Westfälischen Nachrichten per Doppelklick alle Ergebnisse aus Westfalen:

Bildschirmfoto 2015-09-13 um 22.32.57

Erklärung: Blau (CDU), Rot (SPD), Gelb (FDP), Orange (parteilos), Violett (Stichwahl)

[Mehr aus NRW…]

„Wenn der Bauer pfeift, dann müssen die Heuerleute kommen!“
Eine ADFC-Radtour auf historischen Wegen und zu alten Häusern

Heuerleute nannte man in früheren Zeiten die vielen besitzlosen Landarbeiter, die ihre Miete (=Heuer) für Haus und Garten bei einem Bauern durch Arbeitsleistung bezahlten. Das Ende vergangenen Jahres erschienene, regionalgeschichtliche Buch von Bernd Robben und Dr. Helmut Lensink hat die, meist rechtlosen Heuerleute in das öffentliche Bewusstsein gehoben.
Die Route führt durch den Raum Baccum-Langen-Lengerich-Gersten-Bawinkel. Unterwegs ist für eine Einkehrmöglichkeit gesorgt.

Dr. Andreas Eiynck, Leiter des Emslandmuseums Lingen, wird  das Heuerlingswesen den Teilnehmern der Tagestour unterhaltsam näher bringen.

Tourenlänge:           ca. 70 km
Abfahrt:                    09:30 Uhr Bahnhof Lingen (Ems)
Rückkehr:                ca. 18:00 Uhr
Tourenleitung:         Dr. Andreas Eiynck, Leiter des Emslandmuseums und
Erich Lechner, Vorsitzender ADFC Lingen 
Anmeldungen:         verbindlich bis heute (!) unter Tel.: 0591-62 770
Teilnehmerbeitrag für Nichtmitglieder = € 2,00.

Das Buch „Wenn der Bauer pfeift, dann müssen die Heuerleute kommen!“ von Bernd Robben und Dr. Helmut Lensink (ISBN/EAN: 9783981404197; Preis 24,90 €) ist übrigens vergriffen. Die nächste Auflage soll im Herbst erscheinen. Vorbestellungen für die  3. („angedachte“) Auflage im Herbst 2015 unter: kontakt@emslandgeschichte.de

Eine lesenswerte Dokumentation über die Lengericher Juden legt Gerhard Sels vor. Die Anfang letzter Woche erschienene Publikation bezieht auch namhafte Lingener jüdischen Glaubens ein, die sich 1842 mit ihren Glaubensbrüdern aus Lengerich, Thuine, Freren und Fürstenau zu einer Synagogengemeinde mit Sitz in Freren zusammen. 1869 beschloss man dann in Lingen (Ems),  eine eigene Synagogengemeinde zu gründen. Juden in Lengerich und Lingen (Ems) waren auch verwandschaftlich verbunden. Im Buch von Gerhard Sels findet man einen Stammbaum der Familie Heilbronn. Wiulhelm Heilbronn, der 1942 in Riga ermordete Vater der jüngst verstorbenen Ehrenbürgerin Ruth Foster, stammt aus Lengerich. Die Lengericher Juden wurden auf dem Lingener Friedhof beerdigt. Erst 1926 stiftete Berthold Schwarz aus Freren den Friedhof in Freren.

Sels‘ Buch beeindruckt nicht nur durch die Verschriftlichung der über Jahrzehnte währenden Erinnerungs- und Versöhnungskultur des engagierten Sozialdemokraten.

Der Verfasser ist auch Mitglied im Forum Juden Christen. Dort höre ich: „Wir sind dankbar für seine unermüdliche Arbeit, und stolz auf „unseren“ Gerhard Sels sind wir auch!“ Lob auch von anderer Seite: „Dies ist eine eindrucksvolle Darstellung, die nur aufgrund seiner umfassenden Kenntnisse und seiner Kontakte vor allem zur Familie Heilbronn so entstehen konnte“, betonte jüngst Lengerichs Gemeindedirektor Matthias Lühn und Bürgermeister Gerd Wübbe ergänzte: „Das ist eine wirklich wichtige und sinnvolle Arbeit. Wir sind Herrn Sels dafür sehr dankbar.“

Gerhard Sels, Vom Leben und Sterben der Lengericher Juden, 116 Seiten, A4, 15 €, erhältlich im lokalen Buchhandel und bei der Gemeinde Lengerich.

SelsJuden

Konsequenzen

8. September 2013

Bildschirmfoto 2013-09-08 um 09.01.45Schon früher habe ich über den „Tag des offenen Denkmals“ geschrieben und was es dazu aus unserer Region Berichtenswertes gibt. Die Ausgabe 2013 des Tages findet an diesem Sonntag statt.  Bundesweit sind rund 7.500 historische Gebäude, archäologische Stätten, Gärten und Parks  geöffnet. Das komplette Programm findet man unter www.tag-des-offenen-denkmals.de, wo man sich alle teilnehmenden Denkmale unserer Region anzeigen lassen, nach Denkmalkategorien suchen und über einen Merkzettel persönliche Denkmaltouren zusammenstellen kann.

Erinnerung ist nicht immer schön, titelt die Saarbrücker Zeitung über das kulturelle Ereignis und bringt es auf den Punkt: „Es ist ein Jammer, wie stark persönliche Vorlieben und Geschmacksfragen die Denkmal-Bewertung der Bürger bestimmen. Nirgendwo sonst prallen Bürger-Bauchgefühl und Experten-Argumentation so hart aufeinander. Was den Bürgern „hässlich“ erscheint oder ihnen keinen Kitzel vermittelt, wird aussortiert.“ 

In diesem Jahr steht der „Tag des offenen Denkmals“ folgerichtig unter dem Motto „Jenseits des Guten und Schönen: Unbequeme Denkmale?“ . Es werden die die zentralen Fragen der Denkmalpflege in den Mittelpunkt gestellt: Was ist wert, erhalten zu werden und weshalb? Was macht Denkmale unbequem, wann und für wen?

Dabei sind Denkmale, die an Krieg und Unrecht erinnern, ebenso im Fokus wie Denkmale der Nachkriegsmoderne oder nicht mehr genutzte Industriebauten und historische Gebäude in strukturschwachen Gegenden. Alle diese Objekte können für jeden sichtbar machen, vor welche Herausforderungen die Anforderungen des Denkmalschutzes Besitzer, Planer, Handwerker und Denkmalpfleger stellen können – und wie sie gemeinsam bewältigt werden. Der Tag ist zugleich eine Leistungsschau, bei der gezeigt wird, wie sehr es sich lohnt, sich für alle historischen Bauwerke einzusetzen.

Am 9. April habe ich im Verwaltungsausschuss gefragt, welchen Beitrag die Stadt in diesem Jahr leistet. Es gab keine Antwort. Der Grund: Noch-Stadtbaurat L. (Oldenburg) hat an Denkmalschutz kaum Interesse. Er weiß nicht, was Denkmalschutz ist, was die Baukultur für das Bild einer Stadt, was bestimmte Orte für die Lokalgeschichte bedeuten.  Deshalb glänzt heute unsere „große selbständige Stadt Lingen (Ems)“ mit ihrem Oldenburger durch Abwesenheit am „Tag des offenen Denkmals 2013“: Kein Denkmal gibt es in Lingen zu sehen, wie die Grafik zeigt. Lingener müssen ins Umland, nach Emsbüren, Lengerich, Spelle und Freren beispielsweise (und treffen dort zumeist auch nur auf bequemes, schönes).

„Dass in Lingen der „Tag des offenen Denkmals“ nicht stattfindet , ist peinlich und kulturlos, Herr Stadtbaurat Lisiecki. Da hilft es nicht, wenn in Ihrem Dezernat neben jeder Bürotür des Bauamtes das Schild „Fachdienst Bauordnung und Denkmalpflege“ klebt. Das ist doch bloß hoch gestapelt.“

DSC03755Noch-Stadtbaurat L. ist an Denkmalschutz nicht interessiert. Das wird  auch sonst immer wieder deutlich.  Zum Beispiel beim bevorstehenden Abriss des Arbeiterhauses Kaiserstraße 23, (Foto unten; © milanpaul) beim BvL-Spitzbunker, dem lokalgeschichtlich wichtigen Hotel Nave (zzt. Parkhotel) am Bahnhof. Genauso desinteressiert agieren einzelne Sachbearbeiter im Lingener Bauordnungsamt. Auch sie können dem Denkmalschutz  nichts abgewinnen und betrachten ihn als eher störend: Wer nicht einmal den Denkmalcharakter des Hausensembles des großen Lingener Architekten Hans Lühn an der Schützenstraße erkennt und an deren Zerstörung (s. Foto lks) untätig mitwirkt, zeigt, dass er nichts vom Thema verstanden hat.  Dabei sind unsere Bau- und Bodendenkmale doch ein Schatz, der für uns und unsere Nachfahren zu bewahren ist. Was also tun?

Es müssen organisatorische Konsequenzen her. Mit Lingens neuem Stadtbaurat Lothar Schreinemacher, der dem Oldenburger in 54 Tagen am 1. November folgt, sollte OB Dieter Krone darüber sprechen, wohin die Kulturaufgabe Denkmalschutz gehört. Meine These: Denkmalschutz muss in das Kulturdezernat, mit einem eigenen und vor allem unabhängigen Fachmann, für den im  Bauamt eine Stelle zu streichen ist. [Der Mann darf natürlich auch gern eine Frau sein.]

ArbeiterhausIIUnsere Stadt braucht außerdem  den ehrenamtlichen Denkmalschutzbeauftragten, den das reichlich zahnlose, weil schwarz-gelbe Denkmalschutzgesetz ermöglicht; nicht einmal den gibt es bekanntlich in Lingen, wohl weil die CDU gehörigen Respekt vor unabhängigem Sachverstand und/oder niemanden mit schwarzem Parteibuch dafür hat. Die SPD hat zwar noch vor einigen Monaten Gespräche mit einem guten Mann geführt, traut sich aber  nicht, den eigenen Personalvorschlag zu präsentieren. Mein Tipp, liebe Sozis: Sagt es einfach dem Oberbürgermeister. Der macht das für Euch.

Und, liebe Lingener Lehrerinnen und Lehrer, bringt Euern Schülern doch mal nahe, was Baukultur, was Denkmalschutz, was Lokalgeschichte ist. Zeigt ihnen unsere Schätze, macht mit ihnen Stadtspaziergänge der anderen Art und nicht nur solche, bei denen nicht nur stets dieselben Fragen auf Zetteln zu beantworten sind. Und liebe Kivelinge, das wäre auch etwas für Euch. Trommelt doch mal für die Stadtgeschichte.

Ich würde mich freuen, wenn für den Denkmalschutz mehr Ideen hinzu kämen und nicht nur – wie regelmäßig in diesen lokalen Facebook-Gruppem- das hohe Lied des Eigentums geflötet wird. Denn Eigentum verpflichtet auch und sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen. Aber das ist ein neues Thema…

ps „Erfunden“ wurde alles übrigens als „Journée portes ouvertes dans les monuments historiques“ 1984 in Frankreich durch den damaligen französischen Kulturminister Jack Lang. 1991 griff der Europarat die Idee auf. Heute beteiligen sich alle 50 Länder der Europäischen Kulturkonvention im September und Oktober an den European Heritage Days.  Der heutige Tag des offenen Denkmals ist Deutschlands Beitrag zu diesem, unter der Schirmherrschaft des Europarats stehenden Ereignis. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz koordiniert seit 20 Jahren den Tag des offenen Denkmals bundesweit bietet seither jeweils am zweiten Septembersonntag „Geschichte zum Anfassen“.  [mehr…]

Rückspiel

4. Dezember 2011

Rückspiel, Rücken – mir fällt heute nicht so recht das passende Wortspiel ein. Ich habe jedenfalls schlämmermäßig Rücken, weil ich mit meiner Kanzlei vor WOK-Düften flüchte und an diesem Wochenende umziehe. Meine neue Adresse, für die, die es lesen wollen: Burgstraße 32. Das ist gegenüber von Antiquitäten Schnieders und Porzellan Benner.

Das mit dem Rückspiel fiel mir ein, als ich diese Ratsvorlage heute früh las. Sie können sie und andere übrigens nachlesen, wenn Sie sich aufmachen, in den Tiefen der städtischen Internetseite das öffentlich zugängliche, aber doch reichlich versteckte Ratsinformationssystem zu suchen. Oder Sie speichern einfach dies als Lesezeichen.

Was ist mit dem Rückspiel? Die Samtgemeinde Lengerich antwortet planerisch deftig und ungefiltert auf das Lingener Modell, mit dem neue Massentierställe kommen, obwohl das Boot voll ist.  Lengerich reagiert auf (den Ärger um) 4,4 Hektar Sondergebiet, die unsere Stadt für Massentierhaltung in Wurfweite der Gemeinde Bawinkel ausgewiesen hat, die bekanntlich zur Samtgemeinde Lengerich gehört. Ich will hier nicht über die Qualität des jetzt konzipierten Lengericher Rückspiels streiten, die den Plänen in der städtischen Stellungnahme ebenso wortreich wie besserwisserisch abgesprochen wird.  Bloß dies: Wir erkennen erneut: Was Du nicht willst, was man Dir tu‘, das füg auch keinem andern zu!

Die Frage ist: Warum hat unsere Stadt bei all dem internen Arbeitskreis-Beraten nicht einmal mit ihren Nachbarn gesprochen?

9. November

9. November 2011

Gedenkfeiern

heute am 9. November
im Emsland zur Erinnerung an die Novemberpogrome von 1938 in
Lingen (Ems),
Lengerich,
Freren,
Haren,
Meppen,

Sögel,
Papenburg.

Noch ein Wort zu  Sögel. Dort werden heute erstmals Stolpersteine von dem Kölner Künstler Gunter Demnig verlegt, zunächst in der „Alte Poststraße“ zum Gedenken an die Familie Bertha Jacobs und im Anschluss daran in der Straße „Am Pohlkamp 10“ zum Gedenken an die Familie Gottfried Grünberg und daran anschließend in derselben Straße bei der Haus-Nr. 6 zum Gedenken an die Familie Isidor Grünberg. Im Anschluss daran, lese ich auf der Webseite der Gemeinde im Gegensatz zur NOZ, ist die Gedenkveranstaltung anlässlich des Jahrestages der Reichsprogromnacht am Denkmal in der Straße „Am Pohlkamp“ vorgesehen. Dazu sei die gesamte Bevölkerung ebenso wie zu der anschließenden Kaffeetafel im Heimathaus eingeladen. Leider findet sich auf der Internetseite der Gemeinde Sögel keine Uhrzeit. Die Lokalzeitung meldet allerdings, dass die Veranstaltung um 15 Uhr beginnt.

Ähnlich gedankenlos präsentieren sich leider auch die Internetseiten der Stadt Freren und Lengerich. Noch peinlicher: Andere emsländische Orte, in denen noch Spuren jüdischen Lebens zu finden sind, ignorieren diese und verzichten gleich ganz auf  Gedenkveranstaltungen. Zu nennen sind Aschendorf, Haselünne, Herzlake und Lathen.

(Foto: Jüdischer Friedhof in Lingen (Ems) © Forum Juden – Christen, Altkreis Lingen eV)